Vollständige Mitschrift der Sitzung 61, 2025-02-13.
Sprach am meisten: Tobias Schulze (7% Wörter). Redner: 58, Wortmeldungen: 167.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer! Wir als SPD stehen seit 162 Jahren für einen kontinuierlichen Parlamentsbetrieb. [Zuruf von den GRÜNEN: Ach! –
Wahlkampf!] Da wir hier jetzt eine Vakanz haben, weil der Kollege Özdemir im Ausschuss schon zurückgetreten ist, haben wir die Dringlichkeit beantragt, so wie es auch in der Mitte des Parlaments üblich ist. Der Kollege Schlüssel- burg, der heute leider erkrankt ist, soll nachrücken. Jetzt haben Sie mir auch noch mal die Gelegenheit gegeben, hier zu sagen, dass wir uns natürlich freuen, dass wir den Kollegen auch in unseren Reihen haben, und er diese Aufgabe möglichst schnell übernehmen soll. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Dann hat das Wort für die Rede gegen die Dringlichkeit der Abgeordnete Gläser. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der öffentliche Nahverkehr in Berlin steht dieser Tage vor entscheidenden Weichenstellungen. Der neu zu verhandelnde Tarifvertrag Nahverkehr wird darüber ent- scheiden, ob die Kolleginnen und Kollegen der BVG künftig unter besseren Bedingungen arbeiten können. Er wird darüber entscheiden, ob die BVG künftig ihr Perso- nal halten und neues gewinnen kann. Er wird auch dar- über entscheiden, ob BVG und Senat mittelfristig über- haupt ihr Ziel erreichen können, endlich wieder die Fahr- leistungen zu stabilisieren, um damit zum Normalfahr- plan zurückkehren zu können. Er wird schließlich auch darüber entscheiden, ob wir hier in Berlin langfristig überhaupt wieder in die Situation kommen werden, den Nahverkehr in dieser Stadt ausbauen zu können. Das müssen Sie sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Deswegen ist diese Aktuelle Stunde höchstaktuell – für die Fahrgäste und für die Beschäftigten der BVG. An zwei Tagen in diesem Jahr haben die Kolleginnen und Kollegen der BVG bereits gestreikt. Heute standen sie auch vor dem Abgeordnetenhaus und haben in der Eises- kälte für ihre Forderungen demonstriert. Wir waren bei ihnen, wir haben ihnen zugehört, wir haben mit ihnen gesprochen, wir haben auch Tee und Kaffee vorbeige- bracht, wie sich das in dieser Jahreszeit gehört. Wir haben dort auch von den Koalitionären sehr wohlwollende Wortbeiträge gehört, insofern schaue ich zu Finanzsena- tor Evers und zu Verkehrssenatorin Bonde. Ich denke, Ausreden kann es jetzt nicht mehr geben. Das würde ich so feststellen. Ich will dabei auch betonen, dass viele Kolleginnen und Kollegen hier aus dem Haus in den vergangenen Tagen auch aktiv waren. Wir haben Betriebshöfe besucht, wir haben mit den Kolleginnen und Kollegen geredet, wir haben die Gelegenheit genutzt – für die, die es vielleicht auch bisher noch nicht getan haben –, etwas vom Alltag (Ronald Gläser) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5967 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 eines Busfahrers oder einer Busfahrerin, eines Straßen- bahnfahrers oder einer Straßenbahnfahrerin zu erfahren. Falls Sie es noch nicht getan haben, liebe Kolleginnen und Kollegen, holen Sie es schnell nach! Ich war mit meiner Kollegin Katalin Gennburg auf einem Betriebshof in Marzahn, und da war die Stimmung ein- deutig: Wenn bei den explodierenden Preisen, bei den steigenden Mieten nichts getan wird, dann sind viele gute Leute bald weg. Wer könnte es ihnen am Ende auch ver- übeln? Nach drei Verhandlungsrunden kann man sagen, dass das Arbeitgeberangebot noch weit hinter den Forde- rungen der Gewerkschaft zurückbleibt. Beide Seiten liegen bei der Höhe, aber auch bei der Vertragsdauer auseinander, und ver.di sagt selbst, dass sie eine Laufzeit von vier Jahren für den neuen Tarifvertrag für ausge- schlossen halten. Warum? – Aus Beschäftigtensicht im Fahrdienst bedeutet das, dass sie erst in vier Jahren das Gehaltsniveau der Verkehrsunternehmen im Brandenbur- ger Umland erreichen werden. Dort starten im Sommer bereits die nächsten Tarifverhandlungen. Das heißt, diese Lücke bliebe dann dauerhaft und damit auch die hohe Fluktuation beim Fahrdienstpersonal bei der BVG, damit auch die angespannte Personallage, damit auch die ange- spannten Arbeitsbedingungen. Das alles müssen wir vor den Erfahrungen des vergange- nen Tarifabschlusses betrachten, der 2021 stattfand. Was ist da passiert? – Die Inflation ging durch die Decke und hat die moderaten Lohnsteigerungen nicht nur aufgefres- sen, sondern die Leute hatten am Ende real weniger in der Tasche. Das müssen Sie sich einfach noch einmal verge- genwärtigen, wenn Sie hier und heute über die Forderun- gen der Gewerkschaften der Beschäftigten sprechen. Sie sind total berechtigt, wenn Sie sich vor Augen führen, was diese Menschen in den letzten Jahren real verloren haben, was sie nicht im Portemonnaie hatten. Das müssen wir, wie gesagt, als Politik anerkennen. Wir sehen, dass die Welt da draußen nicht gerade danach aussieht, als ob nicht morgen die nächste veritable Krise um die Ecke kommt, der nächste Handelskrieg aus- bricht – oder auch der nächste heiße Krieg. Mit anderen Worten: Niemand weiß, ob wir in den nächsten Jahren vor einer neuen Inflationswelle stehen. Wir führen diese Debatte aber auch in einer Zeit, in der der ÖPNV vor immensen Herausforderungen steht, die allerdings auch hausgemacht sind. CDU und SPD kürzen im Landeshaushalt und im Investi- tionsprogramm dreistellige Millionenbeträge für den öf- fentlichen Personennahverkehr, darunter sinnvolle Stra- ßenbahnprojekte. Der Senat agiert so, als gäbe es gar keine Krise im Nahverkehr, als würde es ihn nicht inte- ressieren, dass Taktzeiten aufgrund von Personalmangel reduziert werden, dass ständige Ausfälle für das Personal und natürlich am Ende für die Fahrgäste dieser Stadt zu einer enormen Belastung werden. Ich hoffe also, dass niemand wirklich ernsthaft bestreiten kann, dass Gehaltsverbesserungen bei den Kolleginnen und Kollegen der BVG notwendig sind. Das sind die Menschen, die jeden Tag Hunderttausende in unserer Stadt von A nach B fahren. Das sind die Menschen, die am Monatsende weniger als 2 000 Euro netto in der Ta- sche haben. Das ist inakzeptabel, das muss geändert wer- den! Das gilt vor allem in einer Stadt, in der die Mieten durch die Decke gehen, weil es keinen Mietendeckel gibt, und in einer Zeit, in der Preise für Energie und Lebensmittel rasant steigen, während Konzerne Extraprofite machen. Nein, das haben die Beschäftigten der BVG nicht ver- dient! Wir müssen sie in dieser Situation wirklich unter- stützen. Lassen Sie mich noch einmal darauf kommen, dass wir in dieser Konkurrenzsituation leben, wir aber in Berlin eine Situation haben, in der wir über jede Beschäftigte bei der BVG, die diesem Druck in dem immer dichter werdenden Verkehr in der Hauptstadt standhält, einfach glücklich sein müssen – bei all den Baustellen, bei all dem Stress. Die Kolleginnen und Kollegen baden das jeden Tag aufs Neue aus, sorgen dafür, dass wir mobil sind. Bei der Konkurrenzsituation mit anderen Kommunen und Län- dern kann man es vielen einfach nicht verübeln, wenn sie sagen, dass sie vielleicht eher im Umland fahren wollen. Deswegen müssen wir doch dafür sorgen, dass sie entlas- tet werden und dass sie hier vor Ort bessere Arbeitsbe- dingungen vorfinden. Sonst wird es bald kein Personal mehr geben, das in dieser Stadt Bus und Straßenbahn fährt. Dabei möchte ich noch einmal an die Verantwortung von Senatorin Bonde und Finanzsenator Evers erinnern. Es tut mir leid, Sie haben den Streikenden verbal den Vogel gezeigt: Eure Forderungen sind nicht bezahlbar. – Das stand so in der Zeitung, ganz deutlich für jeden nachzule- sen. Das ist sehr spannend, weil es dieselben Senatorin- nen und Senatoren sind, die auch gerne den Satz sagen: Das sind Tarifauseinandersetzungen, es gibt die Tarifau- tonomie, da wird verhandelt. – Hier hielten Sie es offen- bar für notwendig, gleich zu Beginn einzuschreiten und zu sagen: Diese Forderungen können nicht erfüllt werden. Sie sind nicht bezahlbar. – Am Ende haben Sie damit gedroht, dass dann Verkehrsleistungen abbestellt werden müssten. Das ist ein übles Spiel, das darauf hinausläuft, dass den Beschäftigten der BVG, die diese Stadt am Lau- fen halten, der Schwarze Peter zugeschoben wird. Was machen Sie mit diesen Horrorszenarien? – Sie betreiben eine Entsolidarisierung mit den Beschäftigten der BVG. (Kristian Ronneburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5968 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Sie spielen Fahrgäste und Beschäftigte gegeneinander aus. Das werden wir Ihnen so nicht durchgehen lassen! – Kurze Unterbrechung? – Keine Unterbrechung. Ich musste trotzdem einen Schluck trinken. Wir haben heute auch einen dringlichen Antrag einge- bracht, um Ihnen Vorschläge zu machen, wie Sie aus dieser Misere herauskommen. Ich will mich angesichts der Zeit etwas begrenzen, aber Sie haben einen breiten Instrumentenkasten vor sich. Den nutzen Sie allerdings nicht, weil Sie sich wahrscheinlich nicht trauen. Wir haben Ihnen beispielsweise vorgelegt: die Erhöhung der Parkgebühren, Nutznießerabgaben, auch die Frage der Einführung eines verpflichtenden Gästetickets. Das sind alles Fragen, die könnten Sie nicht nur stellen, son- dern vielleicht könnten Sie auch mal für diese Stadt be- antworten, ob Sie dahin wollen, für eine ausreichende Finanzierung zu sorgen. Insofern sollten Sie sich schleunigst daran machen, den ÖPNV auch mit anderen Mitteln zu beschleunigen. Es ist manchmal auch eine Frage des Willens. – Da schaue ich noch mal ganz ernst die Senatorin Bonde an, die natürlich auch heute schon den Fuß von der Bremse nehmen und ins Machen kommen kann. Wo sind die neuen Busspu- ren? Wo sind die neuen Ampelvorrangschaltungen? Wann wird der Vorrang des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin endlich gelebte Praxis? Wo ist die Senatorin, die öffentlich widerspricht, wenn sich Abgeordnete ihrer eigenen Koalition darüber freuen, dass Busspuren weg- geklagt werden, die endlich mal sagt: Nein, ich will aber mehr Busspuren haben, ich will das System Busfahren und dass das Busfahren in der Stadt endlich einfacher gemacht wird, [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN –
Es handelt sich jetzt um die siebente Vertagung der S- Bahn-Ausschreibung, obwohl da die Messen schon längst gesungen sind. Sie hätten es wie die Vorgängerkoalition machen und ganz klar sagen können: Wir treten mit dem Bund und der Deutschen Bahn in Verhandlungen zum Kauf der S-Bahn, wir bauen ein eigenes EVU auf, – Herr Kollege! Sie müssten wirklich zum Schluss kom- men. Ihre Redezeit ist beendet.
– wir ändern das GWB. – Das haben Sie alles nicht ge- macht, und deswegen werden Sie diese Stadt vermutlich weiter ins Chaos reiten, wenn Sie hier bei der S-Bahn- Ausschreibung nicht endlich etwas gebacken bekommen. BVG und S-Bahn haben mehr verdient als diese Koaliti- on. Das machen die Ereignisse der letzten Wochen noch mal sehr deutlich. – Danke schön! [Beifall bei der LINKEN und den GRÜNEN –
Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Die BVG, die Berliner Verkehrsbetriebe, ist ein Thema, das natürlich wichtig ist, denn es geht so gut wie alle an. Insofern bin ich Ihnen dankbar, dass wir heute über dieses wichtige Thema sprechen dürfen. So dankbar ich bin, möchte ich mit einem Punkt begin- nen, weil mir das wirklich wichtig ist: Können wir bitte – und mit „wir“ meine ich insbesondere Sie von der Oppo- sition – endlich damit aufhören, die BVG in jeder Sit- zung, in der sie Thema ist, schlechtzureden? Das wird den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Leistungen, die die BVG erbringt, (Kristian Ronneburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5969 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 einfach nicht gerecht. Jetzt gucken wir uns mal bitte die Situation im Land Berlin an! Was haben wir hier als sogenannten Umwelt- verbund? Wir haben die S-Bahn, wir haben die BVG, wir haben Taxis, wir haben hervorragende Angebote im Be- reich der Mikromobilität – ich sage nur Jelbi –, wir haben ein hervorragend ausgebautes Netz, und kaum eine ande- re Stadt, zumindest nicht in Deutschland, kann sich mit diesem hervorragenden Angebot des ÖPNV und des Umweltverbundes in Berlin vergleichen. 96 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner haben die Möglichkeit, innerhalb von fünf Minuten eine Haltestelle der BVG oder der S-Bahn zu erreichen. Die BVG hat im vergangenen Jahr 1 120 Millionen Fahr- gäste befördert. Das sind 50 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Warum ist das möglich? – Weil die BVG und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unglaublich leistungs- bereit sind, weil sie diese Aufgabe mit viel Hingabe und viel Verantwortung wahrnehmen. Dafür gilt allen, die in der BVG tätig sind, ein herzlicher Dank! Zur Wahrheit gehört auch, dass natürlich nicht alles gut ist, aber die Kollegen, die im Mobilitätsausschuss zuge- gen waren und mehrfach mit dem Vorstandsvorsitzenden der BVG, Henrik Falk, über das Thema gesprochen ha- ben, wissen, dass es ein Stabilisierungsprogramm gibt und dass sich die BVG auf einem guten Weg zu einer Konsolidierung und Stabilisierung befindet. Wenn es darum geht, die BVG aufzustellen, dafür zu sorgen, dass sie so leistungsfähig bleiben kann, wie sie ist, und ihr Angebot noch ausweiten kann, hilft häufig ein Blick zurück – und jetzt fühlen Sie sich bitte nicht sofort wieder angegriffen. Hier geht es nicht um Kritik, sondern einfach darum, aus der Vergangenheit zu lernen und für die Zukunft zu planen. Dazu zählt auch eine nüchterne Analyse. Schauen wir uns doch mal an, vor welchen Herausforde- rungen die BVG in den letzten Jahren stand. Es gab im- mer wieder neue Gesetze und Verordnungen, beispiels- weise das Mobilitätsgesetz und das Schwammstadtkon- zept. Das sind alles Dinge, die Planungen für die Trassen, für die Infrastruktur deutlich erschwert haben. Es gab auch Experimente, die angestoßen und dann relativ schnell wieder eingestellt wurden. Ich sage nur Muva. Gucken Sie sich mal an, was in Ihrer Zeit, als Sie regiert haben, an neuen Tarifen etabliert wurde. Alles musste die BVG umsetzen. Da gab es das Deutschlandticket und verschiedene andere Dinge. Inzwischen hat der VBB 78 eigene Tarifprodukte. Das hat mit Effizienz überhaupt nichts zu tun. In der Zeit, als Sie regiert haben, sind die Tarifersatzleistungen von 111 auf 580 Millionen Euro gestiegen. Das ist mehr als eine Verfünffachung. Allein das macht deutlich, vor welche Herausforderungen die BVG durch das erratische Handeln, das Sie an den Tag gelegt haben, gestellt wurde. Über Baustellen, über marode Infrastruktur, über die Überzeichnung im Investitionsprogramm und im Haus- halt müssen wir gar nicht reden, und die Doppelstruktu- ren, die Sie aufgebaut haben, die haben es der BVG, insbesondere den Planern, auch nicht leichter gemacht. Jetzt schauen wir mal: Was hat die BVG denn aktuell vorgestellt? Ich habe das Stabilisierungskonzept ange- sprochen. Dazu gehören ein deutlich besseres Informati- onsangebot für die Fahrgäste, die digitalen Fahrpläne, das Fahrgastinformationssystem, die Live-Ansagen, die an- gekündigte neue Mobilitäts-App. Was die BVG selbst angeht, die Personalgewinnung: Im Jahr 2024 gab es über 34 000 Bewerbungen bei der BVG, und es wurden 800 neue Mitarbeiter für den Fahrdienst eingestellt. In 2025 sind 300 neue Mitarbeiter für die Werkstätten geplant. Wenn wir über Tarife reden, und wenn wir über Vergü- tungen reden, wenn wir über Arbeitsbedingungen reden, dann müssen wir uns auch mal anschauen, dass die BVG und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der 37,5- Stunden-Woche im deutschlandweiten Vergleich wirklich gut dastehen. Was die Infrastruktur angeht: Da muss priorisiert werden, und wir müssen selbstverständlich modernisieren. Die 16 000 Mitarbeiter – – übrigens, Kollege Ronneburg, 7,7 Prozent Fluktuation bei den Menschen, die im Fahr- dienst beschäftigt sind, sind nicht schön, aber das ist jetzt auch nicht deutlich mehr als in anderen Verkehrsbetrie- ben. Welchen Herausforderungen sehen sich die Mitarbeiter gegenüber? – Einer hohen Arbeitsbelastung, zum Teil schlechten Arbeitsbedingungen, das muss man sagen. Trotzdem haben die letzten Umfragen ergeben, dass es eine hohe Zufriedenheit und eine hohe Hingabe für die BVG und den Job gibt. Die letzte Tarifrunde war im Jahr 2022. Natürlich ist es berechtigt, wenn sich die geschätzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BVG jetzt hinstellen und sagen: Es gab Inflation, und wir haben eine ganze Zeit lang, näm- lich seit 2022, keine Lohnanpassung bekommen. Selbst- verständlich sind die Forderungen nachvollziehbar, jetzt auch eine Lohnerhöhung zu bekommen. Die Inflation, ich habe es gesagt, war selbstverständlich da. Zwischen den (Johannes Kraft) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5970 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Jahren 2022 und 2025 waren es 15,7 Prozent, und sie soll, so eine Prognose des ifo Instituts, auf einem Plateau bei 2,2 Prozent bleiben. Wie sehen die aktuellen Angebote der BVG aus? Der Manteltarifvertrag mit einer deutlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen wurde 2024 beschlossen. In dem Angebot der BVG sind jetzt im Mittel 17,6 Prozent mehr Lohn drin. Das ist, wenn Sie das mit der Zahl verglei- chen, die ich, was die Inflation angeht, gerade genannt habe, etwas mehr als die Inflation, und damit ist es völlig berechtigt, das auch wieder aufzuholen. Die Fahrer bekommen bereits im Jahr 2025 11,2 Prozent. Rückwirkend kriegt jeder Mitarbeiter der BVG 225 Euro, und zwar rückwirkend zum Januar 2025. Ab 2025 gibt es 2,5 Prozent Lohnsteigerungen, die Wechselschicht- und Fahrerzulagen wurden auf 200 Euro erhöht. Es gibt eine Weihnachtszuwendung, einmalig 2 300 Euro. Das alleine wird mehr als 60 Millionen Euro kosten. Und, verehrter Kollege Ronneburg: Bei allem Verständ- nis für die Forderungen der BVG-Mitarbeiter, hören Sie bitte auf, Ihren Wahlkampf auf dem Rücken der Tarif- partner und insbesondere der Mitarbeiter der BVG auszu- tragen! Sie haben den Senat adressiert. Die Überschrift, die Sie dieser Aktuellen Stunde gegeben haben, lautet: Der Senat führt die BVG und das Land Berlin ins Chaos –, und der Weltuntergang droht. Schauen wir uns doch mal an, wie es wirklich aussieht. Über i2030 müssen wir nicht sprechen, das wird selbst- verständlich passieren. Der Senat priorisiert und fokus- siert sich endlich auf die Planungen, die eine wirkliche Netzwirkung haben. Die Senatsverwaltung hat bereits und wird weiter Verfahren beschleunigen, zum Beispiel Doppelstrukturen abbauen. Wir haben eine vorausschau- ende Planung gemacht mit den Verkehrsuntersuchungen beispielsweise für den Nordostraum. Wir haben gesagt, wir müssen perspektivisch und langfristig planen – Klammer auf – U-Bahn-Linie 10, die Verlängerung der U 2, die Verlängerung der U 9. Der Nahverkehrsplan wird überarbeitet. Zur Beschleunigung der Fahrzeuge, der Straßenbahnen und der Busse, die Sie angesprochen ha- ben, die natürlich wichtig ist: Auch hier ist der Senat tätig geworden, und zwar sehr fokussiert und sehr zielgerich- tet, mit einer Zehn-Punkte-Liste. Da werden Probleme zusammengestellt, und sie werden sukzessive und priori- tär abgearbeitet. Ich habe beim letzten Mal schon gesagt, was alles bereits passiert ist. Zur Beschleunigung gehört auch dazu: Über 1 030 Licht- signalanlagen in Berlin haben bereits eine Vorrangschal- tung, und in Berlin gibt es fast 32 Kilometer Bussonder- fahrstreifen. Fahrzeugbeschaffung: In diesem Jahr wur- den 20 Urbanliner angeschafft, 50 Elektrogelenkbusse werden kommen. Im Jahr 2025 gibt es 140 neue U-Bahn- Wagen der Baureihe JK, also des Kleinprofils, und weite- re 236 Wagen sind im Jahr 2026 geplant, nämlich im Großprofil. Jetzt zu Ihrem Antrag, verehrte Kolleginnen und Kolle- gen: Sie schreiben darin drei Punkte auf. Zum einen sa- gen Sie im Wesentlichen im ersten Punkt, der Senat möge sich doch mal bitte in die Tarifverhandlungen einmi- schen. Ich weiß nicht, in welcher Welt Sie leben, aber Tarifver- handlungen sind immer noch Sache der Tarifpartner. Das ist gut und richtig. Bitte trauen Sie der BVG und den Mitarbeitervertretungen zu, dass sie sich annähern wer- den und dass es eine vernünftige Lösung gibt! Sie stellen ab auf das Thema Investitionsprogramm und Haushalt und die Kürzungen. Alle, die im Ausschuss für Mobilität dabei waren, werden sich an das erinnern, was Henrik Falk gesagt hat: Geld ist nicht das Problem der BVG. Die Strukturen, die aufgebaut wurden, die komple- xen Strukturen, sind das Problem. Die fehlende Priorisie- rung von Politik und Verwaltung, nämlich der Vorgän- gerregierung, ist das Problem. Insofern scheitert es nicht an Geld. Die Finanzierung, die Sie ansprechen, ist ja irgendwie etwas, was immer wieder auftaucht; diese dritte Finanzierungssäule, wie genau auch immer die aussehen soll. Ja, über das Thema Park- raumbewirtschaftung werden wir reden, das wissen Sie. Wir werden auch über alternative Finanzierungsformen reden. Auch das ist Ihnen bekannt. Ich fasse noch mal zusammen: Geld löst eben nicht alle Probleme, denn wenn dem so wäre, dann hätten wir nicht diese Situation. In Ihrer Zeit, ohne dass es merkbare Er- folge gab, sind die Gelder, die der BVG zur Verfügung stehen, von 900 Millionen Euro im Jahr 2019 auf fast 2 Milliarden Euro im Jahr 2024 gewachsen; ohne merkli- che Effekte, ganz im Gegenteil. Das heißt, Geld ist eben nicht die Lösung. Es braucht Management, es braucht vernünftige Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Organisationsstrukturen müssen sich angeschaut werden, und die Prozesse müssen optimiert werden. Alles das sind Dinge, woran Henrik Falk und sein Team zusammen mit Senatorin Bonde arbeiten. (Johannes Kraft) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5971 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Planungssicherheit und Stabilität sind wichtig. Verkehrs- planung ist wichtig. Und, ich sage es noch mal: Ute Bon- de gemeinsam mit Henrik Falk und Jenny Zeller-Grothe tun alles dafür, dass Zuverlässigkeit, Sicherheit und Leis- tungsfähigkeit gewährleistet sind. Davon haben alle Ber- linerinnen und Berliner was. Kollege, Sie müssten zum Schluss kommen!
Ja, ich bin sofort fertig! – Und natürlich wurde auch da- ran gearbeitet, dass sich die Arbeitsbedingungen – und das ist mehr als nur Geld – für die BVGler in dieser Stadt deutlich verbessern. – Und, liebe BVG, an Sie gerichtet: Warum machen wir das? – Herr Kollege, Sie müssten wirklich zum Schluss kom- men!
Weil wir dich lieben! – Vielen Dank! Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat jetzt die Kollegin Kapek das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Da draußen vor der Tür streiken gerade Tau- sende von Menschen, und Sie, Herr Kraft, stellen sich hier hin und tun so, als gäbe es kein Problem. Die BVG sagt: „Weil wir dich lieben“, aber Sie haben gerade deutlich gemacht: Die CDU Berlin erwidert diese Liebe nicht. Und dabei stehen die Leute jeden Morgen um 4 Uhr für uns alle auf der Matte, so wie zum Beispiel Sven. Der fährt Tram, jeden Tag im Dauerstress zwischen Stau, dem Druck, den Fahrplan einzuhalten, der Angst, dass ihm irgendjemand in die Gleise rennt, oder der Sorge, dass er es wieder nicht auf die Toilette schafft. Und als Dank dafür wird er angepampt, beschimpft und bekommt am Monatsende gerade 1 900 Euro netto raus. Dafür würde von Ihnen nicht eine Person aufstehen. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN –
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Helm! Sehr geehrter Herr Schulze! Sehr geehrter Herr Ronne- burg! Der Dringlichkeitsantrag ist erkennbar geschrieben worden, um hier im Abgeordnetenhaus eine Positionie- rung vorzunehmen. Er zielt also nicht wirklich auf Be- schlussfassung. Das ist aber Ihr gutes Recht, und deshalb konzentriere ich mich auf die Frage, was an Ihrem Antrag richtig und was vielleicht nicht ganz so richtig ist. Richtig ist erstens, dass der bis jetzt gültige Tarifvertrag bei der BVG die relativ hohe Inflationsrate nicht vorher- gesehen hat und deshalb auch im Verhältnis zu anderen, meist jüngeren ÖPNV-Tarifverträgen in Deutschland ein Nachholbedarf besteht. Nun gibt es in Deutschland aus guten Gründen Tarifautonomie, bei der die Seite der Arbeitnehmer mit ihrer Gewerkschaft ver.di mit der Seite der Arbeitgeber, hier der BVG, darum ringt, eine Lösung zu finden. Tarifverträge werden also weder im Abgeord- netenhaus noch im Senat abgeschlossen. Dennoch bleibt es richtig, dass es einen Nachholbedarf gibt. In Berlin kennen wir dieses Thema des Nachholbe- darfs. Es gab auch nach den finanziell extrem schwieri- gen Jahren in vielen Bereichen, auch zum Beispiel bei Landesbeschäftigten, einen Nachholbedarf. Es ist, sobald dafür irgendeine Chance bestand, immer nach Wegen gesucht worden, solche Nachholbedarfe auszugleichen. Das gilt auch hier. Es sollte auch zügig geschehen. Wir jedenfalls wünschen uns das. Ich habe deswegen unter anderem mit Sebahat Atli, Sven Meyer und weiteren Kolleginnen und Kollegen der SPD-Fraktion in Gesprä- chen und auch öffentlich, zum Beispiel gerade heute Morgen mit unserem Geschäftsführer Sven Heinemann, darauf hingewiesen, dass über die Laufzeit des neu abzu- schließenden Tarifvertrags, also nicht irgendwann, das Signal richtig wäre, dass sich die Entlohnung im Berliner ÖPNV-Tarifvertrag eher in der oberen Hälfte des Korri- dors anderer Tarifverträge wiederfindet als in der unteren Hälfte oder am Ende. Das ist richtig an Ihrem Antrag. Richtig ist zweitens, dass Signale zur Stärkung des ÖPNV sinnvoll sind. In Städten wie Berlin bildet der öffentliche Personennahverkehr das Rückgrat der von vielen gewollten Verkehrswende. Wir von der SPD- Fraktion bekennen uns zu einer Stärkung des ÖPNV. Nun gehört aber zur Ehrlichkeit dazu, dass angesichts der strukturellen Unterdeckung bei den ÖPNV-Tarifen – der Kostendeckungsgrad liegt deutlich unter 50 Prozent – mehr ÖPNV auch bedeutet, dass mehr öffentliche Mittel erforderlich sind, um den ÖPNV zu finanzieren. Zu ei- nem integrierten Ansatz der Verkehrswende gehört zu- dem insbesondere, mehr in die Fußgängerverkehre, also auch in den Umstieg in den ÖPNV und schließlich auch den Fahrradverkehr zu investieren. Anders als Ihr Antrag meint, gibt es durchaus einen Kon- sens in der Koalition von CDU und SPD zur Stärkung des (Antje Kapek) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5974 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 ÖPNV und zum Ausbau des ÖPNV – bitte das nicht falsch verstehen. Dass aktuell die Stabilisierung des BVG-Betriebs im Mittelpunkt steht, war und ist notwen- dig. Liebe Antje Kapek! Das abzustreiten ist einfach Quatsch! Die Verbesserungen sind auch sichtbar und für alle Nut- zerinnen und Nutzer der BVG erlebbar. Dort ist natürlich Luft nach oben, aber die BVG ist bei den Pünktlichkeiten deutlich von einer Region von 80 Prozent in den 90er-Prozentbereich hochgeklettert. Aber 99 Prozent, die ein sehr guter ÖPNV-Betrieb durchaus schaffen kann, sind eben noch nicht erreicht. Dort ist also Luft nach oben, aber nicht zuletzt sind auch ein Teil der Stabilisie- rung bereits die Stärkung und Modernisierung des ÖPNV, zum Beispiel mit der Erneuerung von Fahrzeug- flotten und Busbahnhöfen. Das heißt, anders als hier suggeriert wird, findet die Erneuerung der Fahrzeugflot- ten statt. Noch keinen Konsens gibt es in der Koalition über den Umgang mit Parkgebühren einschließlich der Anwohner- parkausweise. Sie haben heute gehört, dass die CDU- Fraktion erklärt hat, da wird etwas geschehen. – Wir werben dafür, Berlin auch hier in der oberen Hälfte des Korridors anderer Städte in Deutschland wiederzufinden – warum eigentlich nicht? – und eben nicht als Schluss- licht. Die jetzigen Gebühren bei den Ausweisen für das An- wohnerparken decken nicht einmal die Verwaltungskos- ten für die Erstellung der Plaketten, ganz zu schweigen von einer Kostenbeteiligung an der Herrichtung und dem Unterhalt des öffentlichen Straßenraums, in dem die Fahrzeuge ja geparkt werden. Wenn die Preise die wah- ren Kosten zeigen, ergibt sich oft eine Lenkungswirkung in Richtung umweltbewussteren Verhaltens; so auch hier. Deswegen wollen wir das. Nicht wirklich richtig – man könnte auch sagen falsch – ist, drittens, wie Sie mit leichter Hand neues Personal durch Gute Arbeit versprechen wollen. Das ist leider viel zu kurz gesprungen. Falls es Sie tröstet, Sie sind nicht alleine mit dem zu kurz springen. Die spätestens nach Corona sichtbar gewordene Personalunterdeckung in allen Bereichen ist keine Wolke, die uns die Sonne ver- sperrt und in einem Jahr an uns vorbeizieht. Das Thema wird für die nächsten 15 bis 20 Jahre bleiben. Nehmen wir den öffentlichen Dienst: Es gibt keine mir bekannte Studie, die für 2030, und das ist nicht mehr so lange hin, zu einem anderen Ergebnis kommt. Selbst mit recht viel Zuwanderung – und es gibt ja welche, also nicht Sie, hier im Haus, die am liebsten gar keine Zuwan- derung hätten – wird es 2030 – es schadet nichts, wenn Sie da jetzt mal zuhören – zwar 6 Millionen Stellen im öffentlichen Dienst in Deutschland geben, aber nur 5 Millionen davon werden besetzt sein. Was für den öffentlichen Dienst mit seinen Schulen, seiner Polizei, seiner Feuerwehr, seinen Finanzämtern, seinen Sozialämtern gilt, das trifft auch entsprechend auf Betriebe wie den öffentlichen Personennahverkehr mit der BVG und der S-Bahn, die Krankenhäuser, die Kitas, die Stadt- reinigung oder die Bahn oder den Flughafen, um im Mo- bilitätssektor zu bleiben, zu. Trotz aller Bemühungen wird es in der Summe eher we- niger Personal bei steigenden Aufgaben wegen wachsen- der Bevölkerung geben. Gute Arbeit wird also eine mas- sive Ausrichtung auf Produktivitätssteigerung erfordern, zum Beispiel beim Ticketverkauf oder beim teil- oder vollautomatisierten Betrieb. Das entschlossene Umsteu- ern in Richtung Produktivitätserhöhung geht nur mit den Beschäftigten und ist auch mit ihnen zusammen möglich, davon bin ich fest überzeugt. Je mehr in der jetzigen Tarifrunde auch darüber nachgedacht und gesprochen wird, desto besser; das kommt aber nicht von selbst. Jetzt vielleicht noch ein paar Anmerkungen zur Haus- haltstaktik. Die Fallen stehen da doch überall herum. Liebe Frau Kapek! Im Grundsatz die Etats zu hoch zu planen, weil die Mittel danach verloren seien, ist irrig. Das geht nämlich in eine Falle. Richtig ist, um auch hier Irrtümer zu vermeiden: Natürlich haben zum Beispiel die damalige Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und ich und viele andere massiv Bestellungen vorangetrieben. Das war auch richtig. Aber die S-Bahn-Ausschreibung lustvoll in dem Kosten- rahmen immer weiter hochzutreiben, ist abwegig. Die Ausschreibung hätte 2021 raus gehört. Das ist kein Ruhmesblatt. Sie hätte einfach raus gehört, und dann wären wir jetzt schon deutlich weiter. Insofern ist es so: Dann zu sagen, wir machen einen großen Etat, und dann machen wir nichts – das ist der falsche Ansatz. Warum stehen denn diese Fallen überall herum? – Die Freunde Berlins, so will ich sie einmal nennen, suchen nach Gründen, um den Länderfinanzausgleich von Berlin am liebsten ganz zu beschneiden. Das hat viel mit dem (Dr. Matthias Kollatz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5975 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Nicht-gönnen-Können, vulgo auch Neid, zu tun, weil Berlin bereits 2019 in den Kreis der Bundesländer vorge- stoßen ist, die ein überdurchschnittliches Bruttoinlands- produkt pro Kopf erzeugen, und sich auch mit überdurch- schnittlichem Wachstum in diesem Kreis hält und weiter aufsteigt. Zwei Argumente werden in den Klagen und Verhandlungen eine Rolle spielen: Zum einen, dass Ber- lin sich Luxus leistet auf dem Rücken der Geberländer, und zum anderen, dass Berlin auf Mittel Dritter verzich- tet, also den LFA, den Länderfinanzausgleich, gar nicht nötig habe. Deswegen war die Entscheidung richtig – das ist der SPD nicht ganz leicht gefallen –, von zwei Coronafolgepro- dukten des bundesweiten 9-Euro-Tickets in Berlin auf eins, das Deutschlandticket, zu gehen. Deshalb ist es aber auch richtig, das Deutschlandticket fortzusetzen, eben weil der Bund sich wesentlich daran beteiligt. Wir müssen Bundesmittel, wo sie zur Verfü- gung stehen, in Anspruch nehmen. [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN –
Unbedingt!] Bund und Länder erbringen zusammen 3 Milliarden Euro jährlich hälftig. Nach den gerade publizierten Zahlen für 2024 lagen die Mindereinnahmen bei immerhin 13,5 Millionen bundesweiten Nutzern – Klammer auf: ungefähr 1 Million aus Berlin – bei 3,45 Milliarden Euro. Die Erhöhung von 49 auf 58 Euro erbringt aber viel mehr als dieses Deckungsloch von 450 Millionen, nämlich etwa 1,4 bis 1,5 Milliarden jährlich. Die Deckungslücke wird also deutlich übertroffen. Es ist Luft sowohl für mehr Deutschlandtickets wie auch für unvermeidliche Kostensteigerungen. Bayern als besonderer Freund Berlins will kein Deutsch- landticket mehr. Die Bayern machen 16 Prozent der Be- völkerung in Deutschland aus, also kann der Bund bei einer Fortsetzung 239 Millionen Euro einsparen. Der Bund muss sich nicht verbieten lassen, ein solches Ticket trotzdem anzubieten. Er kann die eingesparten Mittel auch zur Förderung von U-Bahnen und Trams vorsehen. Dann sollten aber nicht nur Projekte aus München in der Schublade für Anträge liegen, sondern auch aus Berlin – zum Beispiel die Tram von der Turmstraße zur Jungfern- heide und von dort über den ehemaligen Flughafen Tegel bis zum Kurt-Schumacher-Platz, die dringend gebaut werden muss. Also: Nicht in die Fallen reinlaufen, son- dern das Thema voranbringen! Das ist das, worum es geht. Meine Redezeit ist zu Ende – ich danke für die Aufmerksamkeit! Vielen Dank, Herr Kollege! – Für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Wiedenhaupt das Wort.
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Berliner! „Einfach besser ankommen“ – diesen Slogan, dieses Versprechen hat die BVG 1998 den Berlinern gegeben. Und heute? – Heute müssen wir erkennen, dass die verschiedensten Verkehrssenate, die in den letzten 25 Jahren den ÖPNV haben ausbluten lassen, die BVG klein gemacht haben und die Berliner jetzt vor dem Kol- laps des öffentlichen Nahverkehrs stehen. Einfach ankommen? – Einfach ist es für niemanden, mit den Öffentlichen zu fahren. Denn in die Irre führende Bahnhofsanzeigen, Haltellenanzeigen, die alles nur keine reale Verkehrssituation wiedergeben, eine nicht funktio- nierende BVG-App, von der sogar die BVG sagt, dass sie Murks ist, ein urplötzlicher Ausstieg aus der Informati- onsplattform X, der 600 000 Nutzern die Informations- freiheit genommen hat – das alles hat es nicht einfacher, sondern schwieriger gemacht. Besser ankommen? – Wer mit dem ÖPNV in Berlin fährt, hat in den letzten Jahren keine Besserung gesehen: Ver- dreckte Bahnhöfe, bei deren Anblick einem schon fast schlecht wird; Bahnhöfe, die nicht mehr hauptsächlich Umsteigemöglichkeiten darstellen, sondern Umschlag- plätze für Cannabis, Heroin und noch schlimmere Dro- gen; Bahnhofseingänge, in denen sich viele gar nicht mehr an den dort Liegenden und Bettelnden vorbeizuge- hen trauen, und nächtliche Situationen in Bussen und Bahnen, die nicht nur Frauen immer mehr Angst machen. Logisch, dass die AfD-Fraktion richtigerweise das Pilot- projekt Frauennachttaxi ins Leben ruft, weil mit Bussen und Bahnen kein Staat mehr zu machen ist. Und ankommen? – Dafür muss man ja erst mal losfahren. Das ist angesichts der massiv ausgedünnten Taktzeiten, der ausfallenden Zugverbindungen, des viel zu veralteten Fahrzeugbestands und einer schlichtweg in den Sand gesetzten Ausschreibung im Bereich der S-Bahn immer seltener möglich. Wer mit der U 2 unterwegs ist, der weiß, theoretisch gibt es da einen Endbahnhof Ruhleben, der aber gar nicht mehr angefahren wird. Kurzum: Das alles hat die BVG zum Vorzeigeprodukt einer nicht mehr funktionierenden Stadt gemacht. Herr Regierender! Das ist nicht „das Beste für Berlin“, das ist eine tägliche Beleidigung für alle Berliner. (Dr. Matthias Kollatz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5976 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Dabei haben BVG und S-Bahn Mitarbeiter, die jeden Tag in beeindruckender Weise ihr Bestes für die Fahrgäste und für das Unternehmen geben. Deshalb möchte ich namens der AfD-Fraktion von hier auch einmal Danke sagen: Danke an euch alle, dass ihr versucht, den Betrieb am Laufen zu halten! Im Gegensatz zu den Linken haben wir durchaus Hoch- achtung vor der Tarifautonomie. Deshalb verzichten wir darauf, einen solchen politischen Antrag, der nur zum Wahlkampf eingebracht wird, hier einzubringen. Eines möchte ich aber schon sagen: Dass die Berliner BVGler in den letzten Jahren an das absolute Ende der Gehaltsstatistik aller deutschen Verkehrsbetriebe gefallen sind, ist ein Skandal, den die rot-rot-grünen Vorgängerse- nate zu verantworten haben. Ihnen, liebe Kollegen der Linken, fehlt es an der Hoch- achtung vor den Mitarbeitern im ÖPNV. Apropos deutsche Verkehrsbetriebe: – Lassen Sie mich ruhig mal ausreden! Was schreibt die Initiative Zukunft Nahverkehr in Ihrem Februar-Newsletter? – Ich zitiere mit Erlaubnis der Präsi- dentin: Der öffentliche Personennahverkehr in Deutsch- land erlebt derzeit eine beeindruckende Dynamik. – Nun, umso schlimmer, was die Berliner Politik sich hier leistet, die offensichtlich den Bundestrend geradezu auf den Kopf stellt. Ja, sicherlich ist die BVG-Führungsebene zu einem guten Teil an der Misere schuld. Sie hat es der Politik mit ihren Fehlentscheidungen nicht einfach gemacht, aber die Poli- tik hat es sich gefallen lassen. Grüne Verkehrssenatorin- nen haben doch mehr auf den Radverkehr geschaut und sich gar nicht um den ÖPNV in dieser Stadt gekümmert, und eine CDU-geführte Verkehrsverwaltung, Frau Sena- torin, hat nicht die Kraft, innerhalb der Koalition die Gelder zu bekommen, die gebraucht werden, um die BVG wieder zukunftsfähig zu machen. Schauen wir uns also mal die Situation nach dem Dritten Nachtragshaushalt an, den die Koalition hier für den Ausbau des ÖPNV zusammengestrichen hat. Sie sieht ja in der gerade vorgelegten Investitionsplanung bis 2028 ebenfalls weitere Kürzungen vor. Ja, man kann über Ideen wie eine umfassende Verlängerung der U-Bahn- Strecken, eine Magnetschwebebahn oder autonomes Fahren streiten, aber eines ist sicher: Wenn wir jetzt nicht generell in die Infrastruktur des ÖPNV investieren, wird dieser letztendlich völlig kollabieren. Stattdessen sinniert die Verkehrsverwaltung über alterna- tive Finanzierungsformen. Es ist keine verantwortungs- bewusste Politik dieses Senats, wenn immer mehr Schat- tenhaushalte aufgeworfen werden, immer mehr Unter- nehmen, wie jetzt auch die BVG, durch Kreditaufnahmen zum Harakiri gezwungen werden und letztendlich kom- mende Generationen die Rechnung dafür zahlen müssen. Die Finanzierung eines funktionierenden ÖPNV muss prioritär behandelt werden und seine gebührende Stelle im Kernhaushalt des Landes Berlin finden. Es geht nicht, wenn im Dritten Nachtragshaushalt die Summen für den Verkehrsvertrag, also für die Leistung, die Berlin bei der BVG und der S-Bahn einkaufen will, nochmals zurück- gedreht werden, denn das bedeutet nichts anderes, als dass das Land Berlin bewusst gar keine Verbesserung der Leistungsfähigkeit im ÖPNV haben will, da ansonsten der Haushalt platzt. Das ist bewusstes staatliches Klein- halten des Nahverkehrs. Um noch einmal auf den Dringlichkeitsantrag der Linken zurückzukommen: Wenn dort neben der alternativen Finanzierung ein verpflichtendes Gästeticket in Berlin, die Erhöhung von gebührenpflichtigem Parken oder die Gebührenerhöhung für das Anwohnerparken gefordert werden, lehnen wir das ab. Das ist rein ideologiegetriebe- ne Politik gegen die Tourismuswirtschaft und gegen die Autofahrer in unserer Stadt. Die BVG, der öffentliche Nahverkehr sind das Spiegel- bild unserer Stadt. Sparen an der Infrastruktur, bis alles zusammenkracht, Schattenhaushalte und intransparente Finanzpolitik, keine Beständigkeit von Entscheidungen, erst recht keine Zukunftsvision, Verwahrlosung statt Sauberkeit, Unsi- cherheit statt Sicherheit: Das ist der öffentliche Personen- nahverkehr unter einer CDU-SPD-Koalition. Das ist Berlin unter Kai Wegner. Ich habe vorhin meine Rede mit dem BVG-Versprechen von 1998 begonnen. Lassen Sie mich mit dem Slogan von 1994 schließen: „Gut für Sie. Und Berlin.“ Gut für (Rolf Wiedenhaupt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5977 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Sie und Berlin, wenn wir spätestens 2026 eine Politik- wende in Berlin bekommen und mit einer starken AfD diesen Nahverkehr wieder vom Kopf auf die Füße stellen. – Herzlichen Dank! Für den Senat spricht nun die Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. – Bitte sehr, Frau Senatorin Bonde! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Es gibt ein geflügeltes Wort: „Nicht gemeckert, ist Lob genug“. Nun erwarte ich von der Op- position weiß Gott kein Lob, aber der Titel und das The- ma dieser Aktuellen Stunde entbehren wirklich jeder Grundlage. [Beifall bei der CDU und der AfD –
Das meinen Sie doch nicht ernst! Wo leben Sie denn?] Lassen Sie mich vorneweg gern Folgendes klarstellen: Berlin hat deutschlandweit das beste ÖPNV-Netz. 95 Prozent aller Berlinerinnen und Berliner erreichen innerhalb von fünf Minuten die nächste Haltestelle von Bus und Bahn. Das wiederhole ich gern noch mal: 95 Prozent binnen fünf Minuten. Krise? Welche Krise? – Die Fahrgäste haben zugenom- men. Wir befinden uns auf dem Niveau von 2019. 2024 hatte allein die BVG 1,12 Milliarden Fahrgäste. Das sind 50 Millionen mehr als 2023. Der ÖPNV ist das stabile Rückgrat des Berliner Ver- kehrsnetzes. An der Stelle möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mit- arbeitern sowohl der S-Bahn als auch der BVG den ganz herzlichen Dank des Senats und der Regierungskoalition für die Leistung aussprechen, die sie täglich hier erbrin- gen, um Berlin in Betrieb zu halten. Lassen Sie mich nun zu den einzelnen Punkten Ihres wortgleichen Antrags, liebe Fraktionen Die Grünen und Die Linke, kommen. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam einen Faktencheck machen, insbesondere um hier Emoti- onen herauszunehmen, denn wir sollten faktenbasiert agieren. Der erste Faktencheck, Kürzungen: Der Vorstandsvorsit- zende der BVG, Henrik Falk, hat es gesagt, und Johannes Kraft hat es vorhin auch schon erwähnt, dass Finanzen bei der BVG nicht das Problem sind, sondern Stabilität ist das Problem, und wir sehen stetige Verbesserungen. Frau Kapek, an der Stelle rate ich Ihnen, sich einmal mit den aktuellen Zuverlässigkeits- und Pünktlichkeitswerten auseinanderzusetzen. Dann würden Sie feststellen, wie die Verbesserungen in den letzten Monaten tatsächlich stattgefunden haben. Der Verkehrsvertrag finanziert die BVG ausreichend. Auch im Rahmen des Dritten Nachtrags zum Haus- halt 2025 haben wir die Finanzierung sichergestellt. Frau Senatorin, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Kapek? Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Nein, danke! Vielmehr haben – und darauf möchte ich hinweisen – Vorgängerregierungen das Geld mit dem Füllhorn ausge- schüttet. Gelder für Bestandserhalt und Ausbau konnten nie im vollen Umfang abfließen. Was tut dieser Senat? – Dieser Senat macht sich ehrlich. Die Investitionsplanung greift die Realität nicht abgeru- fener Finanzmittel auf und hat die bisherigen Planungen den tatsächlichen Zahlungsabflüssen der vergangenen Haushaltsjahre angepasst. Gestatten Sie mir ein kurzes Zitat von Kurt Schumacher in den Faktencheck hinein – mit der Bitte um Erlaubnis, zitieren zu dürfen, sehr geehrte Frau Präsidentin –: „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirk- lichkeit.“ (Rolf Wiedenhaupt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5978 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Neben der Investitionsplanung werden sich im Zuge der Aufstellung des Doppelhaushalts 2026/2027 sowohl der Senat als auch die Regierungskoalition diesen Wirklich- keiten weiter stellen und werden weiterhin einen attrakti- ven und stabilen ÖPNV auskömmlich finanzieren. Ich komme zum zweiten Faktencheck, die Arbeitsbedin- gungen: Das haben Sie vermutlich ausschließlich auf die BVG bezogen. Die BVG ist ein hochattraktiver Arbeitge- ber, vor allem ist die BVG ein sicherer Hafen. Andere Beispiele sehen da ganz anders aus: Aktuell ist zu lesen, dass die Commerzbank 3 900 Stellen streichen wird. Schon länger ist bekannt, dass VW plant, 35 000 Stellen abzubauen. Und die BVG? – 2024 hatte die BVG 36 000 Bewerbungen zu verzeichnen. Das waren 6 000 Bewerbungen mehr als 2023. 2024 hatte die BVG 2 600 Einstellungen zu verzeichnen und damit 200 mehr als 2023. Das ist ein Nettoaufbau von 210 Kolleginnen und Kolle- gen in den operativen Bereichen. Die Fluktuation bei Fahrerinnen und Fahrern betrug 7,7 Prozent. Bei der Hamburger Hochbahn, die immer gerne als Vergleich, als Musterknabe der Nation herangezogen wird, betrug die Fluktuation ausweislich der Webseite 12 Prozent. Noch einmal: 7,7 Prozent bei der BVG, 12 Prozent bei der Hamburger Hochbahn. [Zuruf von Stefan Häntsch (CDU) –
Wir dürfen ja keine Fragen stellen!] Die BVG ist Branchenführer bei der Arbeitszeit: 37,5 Wochenstunden bei vollem Lohnausgleich. Aktuell geht es darum, einen für beide Seiten fairen und finan- zierbaren Tarifvertrag abzuschließen. Das ist Sache und Angelegenheit der Tarifpartner. Aber so viel sei dazu gesagt: Niemand aus dem Vorstand der BVG oder des Senats leugnet, dass die BVG Nach- holbedarf hat. Wir nehmen die Mitarbeitenden der BVG ernst. Ich habe persönlich am Montag die Forderungen von ver.di entgegengenommen. Die BVG-Mitarbei- terinnen und -Mitarbeiter sind meine ehemaligen Kolle- ginnen und Kollegen, und ich weiß, wie es in der BVG bestellt ist. Das Bild habe ich Ihnen gerade aufgezeigt. Die BVG hat Nachholbedarf im finanziellen Bereich. Sie ist aber ein unglaublich attraktiver Arbeitgeber. Es muss aber am Verhandlungstisch verhandelt werden, und dort müssen gemeinsame gute Lösungen gefunden werden. Verhandeln heißt, Kompromisse einzugehen. Auch das habe ich den Kolleginnen und Kollegen am Montag ge- sagt. Ich habe sie darum gebeten, mit Vernunft zu agie- ren. Nun komme ich zum dritten Faktencheck – die sogenann- te Fahrzeugkrise: 2024 bis 2026 werden 20 Urbanliner, das sind Straßenbahnen, geliefert. Im Laufe 2025 werden 50 neue E-Gelenkbusse geliefert, ab September 2025 bis Ende 2025 140 U-Bahn-Wagen im Kleinprofil, ab Juli 2026 bis Ende 2026 236 U-Bahn-Wagen im Großprofil, bis Ende 2027 weitere 108 U-Bahn-Wagen – das ist die Bestellung der zweiten Charge –, damit bis Ende 2027, und die Zahl sollten wir uns alle mal auf der Zunge zer- gehen lassen: 484 neue U-Bahn-Wagen im Einsatz. Die Finanzierung dafür steht. Sofern Sie mit Ihrem Antrag auch auf die S-Bahn in die- sem Bereich anspielen: Mir ist keine Fahrzeugkrise bei der S-Bahn bekannt und das trotz der S-Bahn- Ausschreibung, die die Vorgängerregierungen auf den Weg gebracht haben und trotz sieben Jahre grüner Sena- torinnen. Die letzten Bestellungen für S-Bahnen sind durch Rot-Schwarz erfolgt, und zwar 2015 die Ringbahn. Ich komme zu meinem vierten Faktencheck, obwohl Sie nur drei Punkte benannt haben, und zwar das ÖPNV- Mobilitätsbild der Zukunft: Ein Drittel der Berlinerinnen und Berliner wohnen inner- halb des S-Bahn-Rings, das heißt aber auch, dass zwei Drittel außerhalb des S-Bahn-Rings wohnen. 85 Prozent der Pkw-Kilometer entstehen außerhalb des S- Bahn-Rings. Berlin wächst bis 2040 auf 4 Millionen Einwohner. 90 Prozent der Wege der Berlinerinnen und Berliner sind kürzer als 15 Kilometer, 75 Prozent der Wege sind sogar kürzer als 5 Kilometer. Was braucht Berlin nun aufgrund dieses Faktenchecks? – Berlin braucht ein an den Mobilitätsbedürfnissen der Berlinerinnen und Berliner ausgerichtetes neues, exzel- lentes Mobilitätssystem. Berlin braucht ein Sharing- Konzept, das insbesondere auch die Außenbezirke be- dient. Berlin braucht im Weiteren den ÖPNV-Ausbau, insbesondere auch außerhalb des S-Bahn-Rings. i2030 und ein Ring zwischen S-Bahn und Landesgrenze sind Garanten dafür. Berlin braucht eine App mit allen Mobili- tätsangeboten und diese App mit Echtzeitdaten versehen. Hier sind wir mit der Hamburger Hochbahn, aber auch mit dem Hamburger Senat dran. Berlin braucht KI, um den ÖPNV und Verkehrsfluss zu beschleunigen, für Am- pel- und die Baustellenkoordinierung. Auch hier sind wir (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5979 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 mit Hamburg dran. Genau das ist mein ÖPNV- Mobilitätsbild der Zukunft, und das entwickeln wir ge- meinsam mit öffentlichen und privaten Anbietern. Das Thema dieser Aktuellen Stunde lautet: Senat steuert BVG und S-Bahn ins Chaos. – Wenn wir uns jetzt alle das Zitat von Kurt Schumacher zu eigen machen – ich zitiere gerne noch einmal mit Erlaubnis der Präsidentin –: „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirk- lichkeit.“ –, dann müsste der Titel der Aktuellen Stunde lauten: BVG und S-Bahn: Endlich gibt es einen Senat, der den richtigen Weg einschlägt. Es gibt nichts zu meckern. – Vielen Dank! [Beifall bei der CDU und der SPD – Lachen bei den GRÜNEN –
Wir machen fest die Augen zu und sehen kein Problem! –
Realitätsverweigerung!] Vielen Dank, Frau Senatorin! – Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2224 „Bus, Tram und Bahn sichern – gute Arbeit mit ausreichend Personal bei der BVG unterstüt- zen“ wird die Überweisung an den Ausschuss für Mobili- tät und Verkehr sowie an den Hauptausschuss vorge- schlagen. – Widerspruch höre nicht, dann verfahren wir so. Die Aktuelle Stunde hat damit ihre Erledigung gefun- den. Bevor ich den nächsten Tagesordnungspunkt aufrufe, darf ich noch mal ganz herzlich Dienstkräfte der Berliner Polizei im Abgeordnetenhaus begrüßen. Herzlich will- kommen und vielen Dank für Ihre Arbeit! Dann kommen wir zu lfd. Nr. 2: Fragestunde gemäß § 51 der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Nun können mündliche Anfragen an den Senat gerichtet werden. Die Fragen müssen ohne Begründung, kurz ge- fasst und von allgemeinem Interesse sein sowie eine kurze Beantwortung ermöglichen. Sie dürfen nicht in Unterfragen gegliedert sein. Ansonsten werde ich die Fragen zurückweisen. Zuerst erfolgen die Wortmeldun- gen in einer Runde nach der Stärke der Fraktionen mit je einer Fragestellung. Nach der Beantwortung steht min- destens eine Zusatzfrage dem anfragenden Mitglied zu, eine weitere Zusatzfrage kann auch von einem anderen Mitglied des Hauses gestellt werden. Es beginnt für die CDU-Fraktion der Kollege Freymark. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Ich frage vor dem Hin- tergrund der Vorkommnisse im Grunewald, wo illegaler- weise Bäume gefällt wurden, welche Folgen das hat und wie der Senat diesen Sachverhalt bewertet, der offen- sichtlich nicht das erste Mal stattgefunden hat. Frau Senatorin Bonde, bitte schön! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Freymark! Bereits im August 2024 haben Forst- wirtschaftsauszubildende aus dem Revier Eichkamp am Drachenberg eine illegale Baumfällung entdeckt. Auf einer Fläche von circa 2 500 Quadratmetern wurden circa 30 Laubbäume seinerzeit – Ahorn, Linde, Eiche und Weide – gefällt, illegal gefällt. Die Bäume waren circa 20 Jahre alt und circa 10 bis 15 Meter hoch. Jetzt, im Januar, ist Ähnliches wieder passiert. Diesmal waren es circa 45 bis 55 Bäume. Was bewirkt das? – Das bewirkt einen massiven Eingriff in das Ökosystem, denn durch den Kahlschlag fehlt die schützende und beschat- tende Wirkung der Baumkronen auf den Waldboden. Darüber hinaus wird durch die Bäume der Hang gesichert am Drachenberg. Wenn diese Bäume nicht mehr da sind, dann droht er abzurutschen. Ansamungen vorausgesetzt, dauert es mindestens 15 bis 20 Jahre, bis dieser Zustand wiederhergestellt ist. Ich habe bereits in einer Pressemit- teilung zum Ausdruck gebracht, wie abscheulich ich dieses Vorgehen finde und wie abscheulich ich es finde, dass so mit Eigentum der gesamten Bevölkerung umge- gangen wird. Vielen Dank, Frau Senatorin! – Dann geht die erste Nachfrage an den Kollegen Freymark. – Bitte schön!
Es ist wirklich bedauerlich, insbesondere weil der finan- zielle Gegenwert viel zu gering ist, als dass es ein wirt- schaftliches Interesse geben kann. Umso mehr ist unser gemeinschaftliches Engagement gefragt. Wo stehen wir denn da in der Nachpflanzung, in der Baumpflege? Ges- tern hatten wir eine hohe Feinstaubbelastung, schlechte Luft. Da sind ja Bäume ein wesentliches Stilmittel, um (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5980 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 das zu verändern. Welche Angebote kann Ihre Verwal- tung da an die Berlinerinnen und Berliner machen? Frau Senatorin Bonde, bitte schön! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Wir sind im gesamten Waldkonzept dabei, dass wir eine Umstellung des Waldes vornehmen, weil es ganz wichtig ist, dass wir den vornehmlich in Berlin anzufindenden Nadelbaumbestand auch durch Laubbäume ersetzen. Warum ist das so wichtig? – Das ist so wichtig, weil die Nadelbäume im Winter ihre Nadeln nicht verlieren, die Laubbäume aber sehr wohl ihr Laub. Damit kann bei Nadelbäumen im Winter auch kein Niederschlag auf den Boden gelangen, bei den Laubbäumen allerdings schon. Also werden wir auch hier Nachpflanzungen für Laub- bäume vornehmen. Die 220 Beschäftigten der Berliner Forsten sind dabei. Aber wir setzen auch sehr darauf, dass Selbstsamungen der Bäume stattfinden, sodass der Baumbestand möglichst schnell wieder aufgeforstet wer- den kann. Vielen Dank, Frau Senatorin! – Dann geht die zweite Nachfrage an den Kollegen Bocian.– Bitte schön!
Danke schön, Frau Präsidentin! – Ich wollte noch mal nachfragen: Inwiefern können denn verschärfte Strafen und neue gesetzliche Regelungen dazu beitragen, solche Umweltverbrechen einzudämmen? Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Es gibt bereits eine Vielzahl von gesetzlichen Regelun- gen, die ein solches Handeln entweder als Ordnungswid- rigkeit oder als Straftat bewerten und bestrafen. Die Stra- fen sind dabei durchaus empfindlich hoch. Die aktuellen Strafmaße von bis zu 50 000 Euro sind aus unserer Sicht wirklich ausreichend. Wir fordern aber auch alle Waldbe- suchenden auf, sehr aufmerksam zu sein und sich, sollten sie etwas Verdächtiges bemerken, direkt an uns zu wen- den. Vielen Dank, Frau Senatorin! Dann geht die nächste Frage an die SPD-Fraktion, und hier die Kollegin Aydin. – Bitte schön!
Vielen Dank! – Ich frage: Wie unterstützt der Senat die ehrenamtliche Arbeit der Mieterbeiräte und Mieterräte bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen? Herr Senator Gaebler, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Meine Damen und Herren! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Frau Abgeordnete Aydin! – War ich damit gemeint? – Nein. Dann: Mieterräte und Mieterbeiräte haben eine wichtige Funktion in den Quar- tieren: die Mieterräte – um das für diejenigen, die da nicht so drinstecken, zu erläutern – auf Unternehmens- ebene und die Mieterbeiräte in den Quartieren als Beteili- gungsgremien, als Vertretungsgremien für die Interessen der Mieterinnen und Mieter. Mit dem Berliner Wohn- raumversorgungsgesetz wurde erstmalig die Mieterparti- zipation gesetzlich verankert – die der Mieterräte mit der Schaffung dieses Gesetzes. Nachgearbeitet wurden dann die Mieterbeiräte 2023. Da wurden dann auch die Unter- nehmen verpflichtet, die Präsenz- und Mitwirkungsmög- lichkeiten der Mietergremien vor Ort unter anderem mit flächendeckender Einrichtung von Mieterbeiräten weiter auszubauen. Das ist ein wichtiger Bestandteil von Mieterpartizipation und damit auch von Mieterschutz. Der Senat hat sich dem auch noch einmal in den Richtli- nien der Regierungspolitik besonders verpflichtet. Zentraler Akteur für die Unterstützung der Mietergremien in ganzer Breite ist die Sicheres-Wohnen-Anstalt, Siche- res Wohnen – Beteiligung, Beratung, Prüfung – Anstalt öffentlichen Rechts, die ehemalige Wohnraumversorgung Berlin. Mit der Umgestaltung der ehemaligen Wohn- raumversorgung Berlin zur Sicheres-Wohnen-Anstalt im November 2024 wurden erstmals die Beratung und Un- terstützung der Mietergremien als eine gesetzliche Auf- gabe für die landeseigenen Wohnungsunternehmen fest- gehalten. Die kurz SiWo genannte Anstalt kann nun fo- kussiert die Arbeit der ehemaligen WVB fortführen und weiterentwickeln. Es sollen Strukturen und Angebote für die Unterstützung der Arbeit der Mietergremien aufge- baut werden. Das läuft. Sie bietet auch eine Schiedsstelle für Konflikte innerhalb der Mietergremien und regelmä- ßige Schulungen an. Durch die Angebote der SiWo, zum Beispiel die jährliche Konferenz, bei der ich beim letzten Mal auch ein Grußwort halten durfte und auch einige Vertreterinnen dieses Hauses begrüßen konnte, vernetzen (Danny Freymark) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5981 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 sich die Mietergremien kontinuierlich und können dann für ihre Arbeit auch die gemeinsame Expertise nutzen, um die Mieterinnen und Mieter der landeseigenen Woh- nungsunternehmen bestmöglich zu unterstützen. Ein wichtiger Baustein wurde zuletzt mit dem sogenann- ten Netzwerk der Mietergremien geschaffen. Das Netz- werk ist ein Austauschforum für Mieterräte und Mieter- beiräte aller landeseigenen Unternehmen, um Herausfor- derungen der ehrenamtlichen Tätigkeit zu teilen und dann auch Best Practices zu identifizieren. Mit dem Erfah- rungsaustausch über Unternehmensgrenzen hinaus sollen die Mietergremien und dadurch auch die Beteiligung gestärkt werden. Auftaktsitzung des Netzwerks war am 29. Januar 2025. Das wurde gut angenommen. Auch von den landeseigenen Wohnungsunternehmen ist nach teil- weise anfänglicher Skepsis, ob das mehr Aufwand oder aber mehr Nutzen bringt, festgestellt worden, dass das tatsächlich auch die Unternehmen in ihrer Arbeit für die Mieterinnen und Mieter unterstützt, dass sie schneller auf Probleme aufmerksam werden, dass sie aber auch Dinge besser vermitteln können. Ich will mich an der Stelle aber auch noch einmal bei allen bedanken, die sich ehrenamtlich in den Mieterräten und Mieterbeiräten engagieren. Das ist nicht immer nur eine Spaßveranstaltung, wie bei allen Ehrenamtsfunktio- nen. Aber wir sind darauf angewiesen, dass sich Men- schen bereitfinden. Bei den stattfindenden Wahlen in den verschiedenen Unternehmen haben sich jetzt immer wie- der Leute bereitgefunden. Dafür vielen Dank und weiter- hin viel Erfolg bei Ihrem Engagement für die Mieterinnen und Mieter in der Stadt! Vielen Dank, Herr Senator! – Die erste Nachfrage geht an die Kollegin Aydin.
Ihre Ausführungen verstehe ich so, dass Sie schon Erfol- ge durch die Mitwirkung der Mieterbeiräte und Mieterrä- te als ermöglicht sehen? Herr Senator, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau Präsidentin! Frau Abgeordnete! Wie gesagt, die landeseigenen Unternehmen stellen fest, dass es sie tat- sächlich dabei unterstützt, in den Quartieren zum Beispiel über anstehende Maßnahmen, Modernisierungsmaßnah- men und Ähnliches zu kommunizieren, auch Rückkopp- lungen zu bekommen: Wo sollen Schwerpunkte, wo sollen Prioritäten liegen? – Gerade aktuelle und struktu- relle Herausforderungen werden auch besser identifiziert, denn bei einem Bestand von 380 000 Wohnungen ist, glaube ich, nachvollziehbar, dass nicht jedes Unterneh- men bei jeder einzelnen Wohnung und jedem einzelnen Mieter im Blick haben kann, was da gerade an Themen anliegt, und dass es deshalb wichtig ist, dass es über die Mieterräte und Mieterbeiräte Rückmeldungen gibt. Andererseits ist es so, dass die Mieterräte, die ja auch in den Aufsichtsräten der Unternehmen vertreten sind, und die Mieterbeiräte über die Kenntnis, die sie erlangen, in die Mieterschaft hineinwirken und Dinge erklären kön- nen. Häufig ist es ja so, dass Dinge, wenn sie einmal erklärt werden, dann auch nachvollziehbarer werden, als wenn man nur irgendeinen Brief bekommt und denkt: Was soll denn das jetzt wieder? – Insofern ist das, glaube ich, etwas, wo einfach der direkte Austausch, die direkte Kommunikation zwischen Mieterräten, Mieterbeiräten und Unternehmen dazu führt, dass auch der Austausch mit der breiten Mieterschaft besser wird und dass auch mit dem neuen Netzwerk der Mietergremien ein Aus- tausch stattfindet, der eben auch dazu führt, dass nicht überall alles neu erfunden und dreimal gemacht werden muss, sondern dass man auch durch den Austausch Dinge schneller und besser machen kann, wo sich neue Er- kenntnisse – auch in der Weiterentwicklung der Mieter- partizipation – ergeben. Vielen Dank, Herr Senator! – Die zweite Nachfrage geht an die Kollegin Schmidberger. – Bitte schön!
Vielen Dank, Herr Senator, für Ihre Ausführungen! – Ich durfte letzte Woche einer Veranstaltung von Mieterräten und Mieterbeiräten in Neukölln beiwohnen, die berlin- weit stattgefunden hat. Dort wurde angebracht, dass es große Probleme beim Thema Heizkostenabrechnungen gibt, dort Transparenz fehlt und mit den Mieterinnen und Mietern nicht gesprochen wird durch die LWUs. Inwie- fern wird sich der Senat darum kümmern, dass – auch im Rahmen der Mietermitbestimmung – auch hier Verbesse- rungen für die Mieterinnen und Mieter kommen werden? Herr Senator, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau Präsidentin! Frau Abgeordnete Schmidberger! Zum einen haben wir ja speziell für Streitigkeiten zwischen (Senator Christian Gaebler) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5982 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Mieterinnen und Mietern und landeseigenen Wohnungs- unternehmen die Ombudsstelle eingerichtet, auch bei der Sicheres-Wohnen-Anstalt, die genau dafür da ist: Wenn Mieterinnen und Mieter den Eindruck haben, sie werden schlecht behandelt beziehungsweise die landeseigenen Wohnungsunternehmen folgen nicht den Vorgaben der Kooperationsvereinbarung, dann können sie sich dahin wenden und auch Unterstützung bekommen und es findet dort auch eine Vermittlung statt. Das Thema Heizkostenabrechnung ist, glaube ich, eines, das nicht pauschal beantwortet werden kann. Deswegen ist da natürlich immer die Nachprüfung im Einzelfall erforderlich. Wir halten die landeseigenen Unternehmen dazu an, dem nachzugehen. Das machen sie auch. Ich glaube nur, dass diese pauschalen Betrachtungen in der Regel zu nichts führen, sondern dass man tatsächlich den einzelnen Dingen nachgehen muss. Das machen die Un- ternehmen nach unserer Einschätzung. Da, wo es nicht stattfindet, gibt es, wie gesagt, die Ombudsstelle, und es gibt die Möglichkeit, auch unsererseits da nachzuhaken, wenn es tatsächlich einzelne Fälle gibt, in denen aus irgendeinem Grund die Mieterinnen und Mieter der Mei- nung sind, dass da nicht ordnungsgemäß gehandelt wird. Uns ist aber kein Fall bekannt, in dem dauerhaft landes- eigene Unternehmen in irgendeiner Form die Mieterinnen und Mieter bei der Heizkostenabrechnung nicht korrekt oder rechtswidrig behandeln. Vielen Dank, Herr Senator! Die nächste Frage geht an die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und hier die Kollegin Dr. Vandrey. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Vielen Dank! – Ich frage den Senat zur Auslieferung der deutschen Staatsangehö- rigen Maja T. nach Ungarn: Das Bundesverfassungs- gericht hat aktuell jetzt auch im Hauptsacheverfahren endgültig festgestellt, dass die durch die Berliner Staats- anwaltschaft betriebene Auslieferung der deutschen Staatsangehörigen Maja T. nach Ungarn zu einer Inhaf- tierung geführt hat, die dort in Ungarn gegen die Men- schenrechte, nämlich das Verbot der Folter und erniedri- gender Strafe verstößt. Was wird der Berliner Senat unternehmen, damit diese rechtswidrige Situation beendet und Maja T. nach Deutschland zurückgeführt wird? [Robert Eschricht (AfD): Terroristin! –
Sowas hat Priorität für euch!] Frau Senatorin Badenberg, bitte schön! Senatorin Dr. Felor Badenberg (Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Abge- ordnete Dr. Vandrey! Die Entscheidung des Bundesver- fassungsgerichts haben wir natürlich auch zur Kenntnis genommen. Mir ist es wichtig zu betonen, dass das ein Antrag der Staatsanwaltschaft war und dass es eine Ent- scheidung des Kammergerichts gab. Auf dieser Grund- lage ist die Auslieferung auch erfolgt. Die Auslieferung kann allerdings nicht rückgängig gemacht werden. – Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Dann geht die erste Nachfrage an die Kollegin Dr. Vandrey. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Senatorin! Das ist ja durchaus bekannt, dass es auf einer Entscheidung des Kammergerichts fußt. Diese wurde ja aber nun gerade durch das Bundesver- fassungsgericht für unzulässig erklärt. Hat der Senat seit der früheren Eilt-Entscheidung des Bundesverfassungs- gerichts aus dem Sommer 2024 denn überhaupt irgend- welche Anstrengungen unternommen, um die Möglich- keit einer Rückführung zu prüfen, oder haben Sie, Frau Justizsenatorin, die Entscheidung des Bundesver- fassungsgerichts einfach ignoriert? Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Dr. Felor Badenberg (Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Abge- ordnete Dr. Vandrey! Ich habe die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht ignoriert. Ich habe ja vorhin gesagt, dass ich die Entscheidung des Bundesver- fassungsgerichts selbstverständlich zur Kenntnis genom- men habe. Ansonsten habe ich keinerlei Schritte unter- nommen – ich wüsste auch nicht, auf welcher Rechts- grundlage ich jetzt Schritte unternehmen könnte. Insofern sehe ich keine Zuständigkeit für die Senatsverwaltung, die Auslieferung rückgängig zu machen. Dafür gibt es auch keine Rechtsgrundlage. Ansonsten ist das natürlich eine Entscheidung des Bun- desverfassungsgerichts, die sowohl von der General- staatsanwaltschaft als auch vom Kammergericht zur (Senator Christian Gaebler) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5983 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Kenntnis genommen und bei künftigen, ähnlichen Fällen entsprechend berücksichtigt werden wird. – Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Dann geht die zweite Nachfrage an den Kollegen Mirzaie. – Bitte schön!
Vielen herzlichen Dank! – Ich frage den Senat: Wir stel- len also fest, dass die Berliner Justiz Verfassungsrecht gebrochen hat und den Vorgang für erledigt ansieht. Sehen Sie denn überhaupt ein, dass Sie die Grundrechte von Maja T. missachtet haben? Oder ist das nicht einmal ein Grund für eine Entschuldigung? [Carsten Ubbelohde (AfD): Die soll bleiben, wo der Pfeffer wächst! –
Hat die auch mal für euch gearbeitet? – Zurufe von den GRÜNEN und der LINKEN] Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Dr. Felor Badenberg (Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter! Ich bin ein bisschen irritiert: Sie erwarten doch jetzt nicht wirklich von mir, dass ich hier eine gericht- liche Entscheidung kommentiere. Das ist etwas, was Sie eigentlich immer vorwerfen, sobald man sich zu einer Entscheidung äußert. Insofern werde ich mich auch in diesem Fall daran halten und eine Entscheidung des Kammergerichts Berlin nicht kommentieren; das steht mir auch nicht zu. – Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! Die nächste Frage geht an die Fraktion Die Linke und hier an die Kollegin Eralp. – Bitte schön!
Vielen Dank, sehr geehrte Präsidentin! – Wie bewertet der Senat, dass die WBM in mutmaßlich 1 650 Fällen eine Heizkostenerstattung für Mieterinnen und Mieter rund um die Karl-Marx-Allee mit dem Hinweis ablehnt, dass ein Einbau von Wärmemengenzählern nicht zumut- bar wäre? Herr Senator Gaebler, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordne- te! Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte hat zu dem The- ma ja bereits Stellung genommen und auch dargelegt, dass sie der Auffassung ist, dass sie dort rechtmäßige Heizkostenabrechnungen gemacht hat, dass sie in Einzel- fällen, in denen es Themen gibt und Mieter der Meinung sind, dass die nicht stimmig sind, dem nachgeht und dass sie dann gegebenenfalls auch Anpassungen vornimmt. Wir haben die WBM dringend gebeten, das zu prüfen und auch zu klären, inwieweit hier die Regeln für die Frage der Heizkostenzähler verletzt worden sind oder nicht, und das aufzuzeigen. Diese Abstimmung läuft und wir kön- nen uns darüber gerne zu gegebener Zeit, wenn wir da nähere Informationen haben, im Ausschuss weiter unter- halten. Vielen Dank, Herr Senator! – Dann geht die erste Nach- frage an die Kollegin Eralp. – Bitte schön!
Vielen Dank, sehr geehrte Präsidentin! – Ich frage den Senat: In welchen Größenordnungen sind denn Wohnun- gen insgesamt bei landeseigenen Wohnungsunternehmen nach Kenntnis des Senats davon betroffen, dass in den jeweiligen Heizkellern keine Wärmemengenzähler ver- baut sind und Mieterinnen und Mieter deshalb grundsätz- lich einen Anspruch auf Kürzung der Heizkosten um 15 Prozent haben könnten? Herr Senator, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau Präsidentin! Frau Abgeordnete Eralp! Wie ich vor- hin schon gesagt habe, liegen dem Senat keine Statistiken vor, welche der 380 000 landeseigenen Wohnungen über Heizkostenzähler verfügen und welche nicht. (Senatorin Dr. Felor Badenberg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5984 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Vielen Dank, Herr Senator! – Dann geht die zweite Nach- frage an den Kollegen Zillich. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Herr Senator! Wenn Sie darüber keine Kenntnis haben, inwieweit sehen Sie denn ein wirtschaftliches Problem für die Wohnungsbaugesell- schaften, wenn aufgrund nicht genauer Nachweismög- lichkeiten durch fehlende Heizkostenzähler möglicher- weise Rückforderungen an sie drohen, und welche Stra- tegie hat der Senat gemeinsam mit den Gesellschaften, diesem Risiko vorzubeugen? Herr Senator, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter Zillich! Was wäre wenn, ist immer eine gute Frage. Der Senat und die landeseigenen Gesellschaften werden sich darüber austauschen und sind auf alle Dinge vorbe- reitet, die sie dann machen müssen. Vielen Dank, Herr Senator! Dann geht die nächste Frage an die AfD-Fraktion und da an den Abgeordneten Ubbelohde. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Laut einem Bericht der Berliner Zeitung drohen der Berliner Feuerwehr wegen der Übermittlung falscher personenbezogener Daten über ungeimpfte Mitarbeiter an die Gesundheitsämter zu Zei- ten der Coronamaßnahmen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe. Dazu frage ich den Senat: Welche diszip- linarischen und strukturellen Maßnahmen werden gegen die Verantwortlichen innerhalb der Berliner Feuerwehr geprüft, die diese rechtswidrige Praxis, einen Verstoß gegen Artikel 5 Absatz 1 der Datenschutz-Grundverord- nung, durchgesetzt haben? Frau Senatorin Spranger, bitte schön! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung für Inneres und Sport): Herzlichen Dank, Frau Präsidentin! – Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Selbstverständlich wird das aktuell ge- prüft, und wir prüfen nicht nur diesen Sachverhalt, son- dern wir prüfen generell den Umgang mit den Corona- situationen, nicht nur bei der Berliner Feuerwehr, sondern auch bei anderen. Eines ist natürlich auch klar: dass da- tenschutzrechtliche – – Wir haben Sachen, das haben wir auch im Innenausschuss am Montag sehr klar von meiner Seite gesagt: Datenschutz bleibt auch Datenschutz, aber selbstverständlich müssen wir genauestens überprüfen, ob dieser Paragraf wirklich zur Anwendung kommt. Insofern kann ich Ihnen dann, wenn wir das abgeschlossen haben, hier auch gerne Rede und Antwort stehen, entsprechend selbstverständlich auch im Innenausschuss. – Danke schön! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Die erste Nachfrage geht an den Abgeordneten Ubbelohde. – Bitte schön!
Vielen Dank! – Wie hoch schätzt der Senat bei vorlie- gender Strafbarkeitsrelevanz das Gesamtkostenrisiko möglicher Schadenersatzleistungen, die wir leisten müss- ten? Frau Senatorin Spranger, bitte schön! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung für Inneres und Sport): Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrter Herr Ab- geordneter! Auch das liegt natürlich noch in der Klärung, ob es zu Schadenersatzansprüchen kommt – ja oder nein. Es ist immer so, dass darüber natürlich erst einmal be- richtet wird. Das ist auch in Ordnung so. Aber selbstver- ständlich wird über eine eventuelle, wenn es eingetreten ist, Höhe erst dann entschieden werden können, wenn wir den genauen Sachverhalt festgestellt haben. – Danke schön! Vielen Dank! – Die zweite Nachfrage geht an den Kolle- gen Franco. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Ich habe den Artikel auch gelesen. Würden Sie die Auffassung teilen, dass in diesem Artikel hauptsächlich Spekulationen vorgenom- men werden und keine wirklichen Beweise vorliegen? Und würden Sie die Auffassung in diesem Sinne teilen, Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5985 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 dass es richtig war, dass Mitarbeitende im Rettungsdienst in der Coronapandemie zum Schutz auch von anderen Personen, auch von den Menschen, die sie behandeln, eine Impfung haben vornehmen lassen, und dass das die richtige Entscheidung war, der die meisten in der Berliner Feuerwehr gefolgt sind? Vielen Dank! – Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung für Inneres und Sport): Verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrter Herr Abgeord- neter! Wir haben uns hier – da war ich noch in anderer Funktion – im Parlament sehr häufig genau darüber un- terhalten, damals mit Sicherheit auch im Innenausschuss. Da war ich noch nicht Mitglied im Innenausschuss, aber ich bin mir sehr sicher, dass das auch dort miteinander behandelt worden ist. Die meisten Kolleginnen und Kol- legen haben zum Schutz derer, die sie behandelt ha- ben – – Und das war damals eine sehr schwierige Situa- tion in den Entscheidungen, die getroffen werden muss- ten, die sich keiner leichtgemacht hat, weder das Abge- ordnetenhaus noch der damalige Senat noch die anderen Länder. Es ging ja weltweit darum, wie wir unsere Men- schen schützen. Da ist es sicherlich auch am Anfang zu Situationen ge- kommen, die unübersichtlich waren. Aber es ging in allen Richtungen immer darum, die Menschen vor Neuanste- ckungen zu schützen. Noch mal: Ich werde mich nicht an irgendwelchen Spe- kulationen beteiligen. Das darf ich nicht, und das werde ich auch nicht. Deshalb werde ich jetzt auch keine Be- wertung des Artikels vornehmen, sondern wir werden das sehr klar aufarbeiten. Ich werde selbstverständlich als Innensenatorin dem Abgeordnetenhaus und damit auch dem Innenausschuss entsprechend berichten. – Herzli- chen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Die Runde nach der Stär- ke der Fraktionen ist damit beendet. Nun können wir weitere Meldungen im freien Zugriff berücksichtigen. Ich werde diese Runde mit einem Gongzeichen eröffnen. Schon mit dem Ertönen des Gongs haben Sie die Mög- lichkeit, sich durch Ihre Ruftaste anzumelden. Alle vorher eingegangenen Meldungen werden hier nicht erfasst und bleiben unberücksichtigt. Ich gehe davon aus, dass alle Fragestellerinnen und Fra- gesteller die Möglichkeit hatten, sich einzudrücken, und beende die Anmeldung. Dann darf ich die Liste der ersten Namen verlesen: Herr Abgeordneter Weiß, Herr Abgeordneter Mirzaie, Herr Abgeordneter Luhmann, Herr Abgeordneter Ubbelohde, Herr Abgeordneter Schulz, Frau Abgeordnete Vierecke und Herr Abgeordneter Schulze. Wir starten mit dem Abgeordneten Weiß. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Ich frage den Senat: Wie viele Lehrer fehlen derzeit noch, um die rund 3 000 Schüler zu unterrichten, die ab dem Spätsommer das 11. Pflichtschuljahr absolvieren sollen? Frau Senatorin Günther-Wünsch, bitte schön! Senatorin Katharina Günther-Wünsch (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordne- ter! Sehr geehrter Abgeordneter Weiß! Die Zahl der 3 000 Schülerinnen und Schüler entspricht nicht der Zahl der Schülerinnen und Schüler, die wir de facto im 11. Pflichtschuljahr erwarten. Bei den 3 000 Schülerinnen und Schülern, die Sie gerade erwähnt haben, handelt es sich um die durchschnittlichen 10 Prozent, die wir jedes Jahr im zehnten Jahrgang haben, die unsere Berliner Schulen ohne Abschluss oder Anschluss verlassen. Von diesen 3 000 Schülerinnen und Schülern haben Jugendli- che und junge Erwachsene einen nicht unerheblichen Anteil, die wir im Nachgang noch über die Jugendberufs- hilfe oder an andere Bildungsgänge vermitteln können, sodass wir momentan nicht davon ausgehen, dass alle 3 000 Schülerinnen und Schüler vollumfänglich das 11. Pflichtschuljahr besuchen beziehungsweise diesem zugeführt werden. Gleichwohl haben wir selbstverständlich mit den Kolle- ginnen und Kollegen der Oberstufenzentren der berufli- chen Schulen darüber gesprochen, wie die Ausgestaltung des Pflichtschuljahres aussieht. Sie wissen, dass wir An- kerschulen unter den Oberstufenzentren ausgewählt ha- ben. Diesen Ankerschulen sind verbindlich ISS, Gemein- schaftsschulen und Gymnasien zugeordnet worden, aus denen sie Schülerinnen und Schüler nach der 10. Klasse aufnehmen sollen, wenn diese keinen Anschluss oder Abschluss haben. Es ist ganz klar vereinbart und in der zuständigen Verordnung hinterlegt worden, dass dann in diesen Klassen sowohl eine Lehrkraft als auch ein Aus- bildungsbegleiter mit unterstützen sollen. Die Schulen sollen weitere Multiprofessionen bekommen, zum Bei- spiel Schulsozialarbeit. Das alles wissen die Anker- (Vasili Franco) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5986 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 schulen. Sie bekommen diese Stellen jetzt schon zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig befinden wir uns im Kalenderjahr 2025 im Monat Februar, das heißt, wir beginnen jetzt erst wieder mit der Einstellungswelle. Wir haben immer im Februar zum Halbjahr eine Einstellungswelle. Wir haben zum Sommer in Vorbereitung auf den Start des kommenden Schuljahres im August beziehungsweise in diesem Jahr im September eine Einstellungswelle. All das wissen die Ankerschulen und Oberstufenzentren. Sie haben die Stel- len zur Verfügung gestellt bekommen und werden dem- entsprechend jetzt auch Bewerbungsgespräche führen und Einstellungen vornehmen. – Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Die erste Nachfrage geht an den Abgeordneten Weiß.
Vielen Dank, Frau Senatorin! Ich erlaube mir, meine Frage noch einmal zu stellen, da Sie sie leider nicht be- antwortet haben: Wie viele Lehrer fehlen denn derzeit noch, völlig unabhängig davon, ob das jetzt 3 000 Schü- ler oder weniger sind? Und wenn nicht ausreichend Lehr- kräfte rekrutiert werden können, was geschieht dann mit den Schülern, die das 11. Pflichtschuljahr besuchen soll- ten? Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Katharina Günther-Wünsch (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Abgeordne- ter Weiß! Da Sie ja in der Vergangenheit auch immer sehr auf eine solide Haushaltspolitik gepocht haben, möchte ich gern darauf hinweisen, dass die Schülerinnen und Schüler erst zum September dieses Jahres in den Schulen erscheinen werden. Demzufolge, wenn Sie es als Fehlen bezeichnen, ich bezeichne es als Einstellungsvor- gänge, finden diese jetzt statt, damit sie zum Schulstart 2025/2026 an den Schulen sind. Vom Glaskugellesen halte ich nichts. Wir werden dann reagieren, dementspre- chend, ob wir genügend Lehrkräfte gefunden haben oder nicht. – Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Die zweite Nachfrage geht an die Kollegin Schedlich, bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin und an die Senatorin für die bisherige Beantwortung! Man braucht ja nicht nur Lehrkräfte an den Oberstufenzentren, den Ankerschulen, wo das 11. Pflichtschuljahr stattfinden wird, sondern auch die baulichen und räumlichen Voraussetzungen. Die Berufsorientierung soll ja dort jetzt nicht mehr branchen- spezifisch, sondern ganz allgemein im neuen IBA statt- finden. Deswegen frage ich: Was ist der Plan des Senats in Bezug auf die baulichen Voraussetzungen, die nötig sind, beispielsweise Werkstätten, die ja teilweise an den ISS vorhanden sind und leerstehen, aber jetzt an Oberstu- fenzentren gegebenenfalls trotzdem neu entstehen müss- ten? Frau Senatorin Günther-Wünsch, bitte schön! Senatorin Katharina Günther-Wünsch (Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Abge- ordnete Schedlich! Es geht beim 11. Pflichtschuljahr eben nicht darum, Berufsorientierung und Berufsvorbereitung unter Laborbedingungen zu machen. Deshalb ist es auch gar nicht das Ziel, die Berufsorientierung und –vor- bereitung ausschließlich oder vorrangig an den Oberstu- fenzentren stattfinden zu lassen. Das, was wir zunächst brauchen – und genau diese Ge- spräche haben im kompletten letzten Kalenderjahr mit den Oberstufenzentren auch stattgefunden – sind Räum- lichkeiten, um die Klassen für das 11. Pflichtschuljahr an den bereits erwähnten Ankerschulen einrichten zu kön- nen. Das, was parallel stattfindet, sind natürlich Gesprä- che mit Partnern aus der Wirtschaft. Denn unser Ziel ist es ganz klar, die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in die Wirtschaft zu bringen, an den ganz klassischen Arbeitsmarkt, die Praktika dort stattfinden zu lassen und eben nicht unter Laborbedingungen an den Oberstufen- zentren, sondern in der realen Arbeitswelt. Gleichwohl, Sie haben es gesagt, findet das 11. Pflichtschuljahr branchenübergreifend statt. Es ist auch nicht so, dass es sich ausschließlich an den Schwer- punkt des jeweiligen Oberstufenzentrums orientiert. Un- benommen davon haben aber Oberstufenzentren – und die Bemerkung erlauben Sie mir – eine wesentlich besse- re Ausstattung, wenn es um Berufsorientierung und Vor- bereitung geht, als manche ISS, sodass ich auch fest da- von ausgehe, dass, wenn wir nicht sofort für alle einen Praktikumsplatz in der Arbeitswelt und damit in der Wirtschaft haben, dann auch die Oberstufenzentren mit den Gegebenheiten vor Ort Angebote zur Berufsorientie- rung und Vorbereitung für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden anbieten können. (Senatorin Katharina Günther-Wünsch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5987 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Vielen Dank, Frau Senatorin! Die nächste Frage geht an den Kollegen Mirzaie, bitte schön!
Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin! – Ich frage den Senat: Wie rechtfertigt die Polizei Berlin die anhaltende Beschlagnahmung des Aktionsbusses – – Ich fange noch mal neu an. Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin! Ich frage den Senat: Wie rechtfertigt die Polizei Berlin die anhaltende Beschlagnahmung des Aktionsbusses Adenauer SRP+ des Zentrums für politische Schönheit allein auf Grund von Ordnungswidrigkeiten, trotz Vorle- gen der TÜV-Freigaben, darunter drei Hauptuntersu- chungen und zwei Vollabnahmen sowie gültiger Sachver- ständigengutachten? Frau Senatorin Spranger, bitte schön! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung für Inneres und Sport): Ich habe erst mal etwas durchreichen lassen. – Verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrter Herr Abgeordneter! Am vergangenen Sonntag, Sie haben es erwähnt, wurde durch einen Mitarbeiter der fünften Begleitschutz- und Ver- kehrshundertschaft der Polizei Berlin, ein für eine Ver- sammlung vorgesehenes Fahrzeug, um präzise zu sein, ein Kraftomnibus beschlagnahmt. Den Grundsachverhalt setze ich als bekannt voraus. Ich bitte um Verständnis, dass ich mich zu Details nicht um- fassend einlassen kann, denn Sie wissen, wir haben ein entsprechendes Verfahren selbstverständlich eingeleitet. Daher lediglich so viel: Der Polizeibeamte hat diverse Mängel und Verdachtsmomente sowie Einlassungen des von der Beschlagnahme Betroffenen dokumentiert. Der Betroffene wiederum hat gegen die Beschlagnahme aus- drücklich Widerspruch eingelegt. Haben Sie gerade ge- sagt. Dies hat zur Folge, dass binnen drei Tagen eine gerichtliche Bestätigung zu beantragen ist. Spätestens hierdurch kommen die Verdachtsmomente genau auf den Prüfstand. Vor dem Hintergrund des Eingriffs und der Auswirkungen auf das Versammlungsvorhaben habe ich die Polizei Berlin jedoch gebeten, den Sachverhalt unmit- telbar durch weiteres Fachpersonal gegenzuprüfen. Auch in meinem Haus befasst sich die Fachaufsicht der Schutzpolizei damit. Derzeit dauert die Prüfung noch an. Ich habe es gerade gesagt. Ich bin aber sehr zuversicht- lich, dass wir den aktuellen Stand mitteilen können. Abschließend noch eine Anmerkung: Ich bin mir natür- lich der Wirkung dieser Beschlagnahmung gerade in diesen Tagen, knapp zwei Wochen vor der Wahl zum Deutschen Bundestag, sehr wohl bewusst. Wir befinden uns hier jedoch in einem rechtsstaatlichen Verfahren, das unabhängig davon Bestand hat und selbstverständlich auch haben muss. – Herzlichen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Die erste Nachfrage geht an den Kollegen Mirzaie, bitte schön!
Vielen herzlichen Dank für die Ausführungen! Ich frage noch mal den Senat: Der Bus des Zentrums für politische Schönheit sollte ja auf unterschiedlichen Versammlungen im Vorfeld der Bundestagswahl auftreten. Das kann er nun nicht. Wie rechtfertigt der Senat, dass mit polizeilichen Mitteln eine politische Einschränkung der Versammlungsfreiheit und damit aktiver Einfluss auf die Meinungsbildung vor der Bundestagswahl genommen wird? Frau Senatorin Spranger, bitte schön! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung für Inneres und Sport): Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr verehrter Herr Ab- geordneter! Ich glaube, ich habe es sehr deutlich ausge- führt. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist, dass dieser Bus dokumentierte Mängel hat. Es waren Dach- aufbauten in Größenordnungen. Und diese Dachaufbauten werden jetzt natürlich über- prüft – Sie haben es ja in Ihrer ersten Frage schon gefragt –, ob genau diese Dachaufbauten vorher auch schon bei der TÜV-Vorstellung dabei war. Wir haben regelmäßig, wenn wir beispielsweise Fahrzeuge haben, wenn wir etwas in Berlin machen, zum Beispiel beim CSD, da werden ja auch Aufbauten gemacht, aber die werden vorher angemeldet, damit werden sie auch überprüft und dann auch entsprechend natürlich freigegeben. Hier stehen zwei unterschiedliche Sachverhalte. Deshalb haben wir als Fachaufsicht die Aufgabe, das genauestens zu überprüfen. Der Bus mit den Dachaufbauten – ich darf mal einige nennen – hatte Sirenen mit gefährlich hoher Lautstärke, Fahrtenschreiber, Drucker, Beleuchtungs- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5988 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 einrichtungen, dann haben wir Absenken des Fahrwerks und, und, und. Das sind alles Sachen, wenn Sie die vorher schon bei der Genehmigung gehabt haben, dann ist das alles in Ordnung. Dann stimmt auch Ihre Aussage. Wenn Sie es aber vorher nicht hatten, dann muss das jetzt schnellst möglich geprüft werden. Und das ist keinerlei – – Das war sogar die Aufgabe des Kollegen, es dann auch entsprechend stillzulegen. Deshalb habe ich vorhin gesagt: Innerhalb kürzester Zeit wird das selbstverständ- lich überprüft. Ich bin nicht der Meinung, dass das eine Einschränkung der Versammlungsfreiheit und der Meinungsfreiheit ist. Sie kennen mich, dass ich darauf in Berlin sehr viel Wert lege, dass wir gerade auch, wenn es um Wahlen geht – – Da gibt es ja immer mal das ein oder andere, was dann ein bisschen aufgeheizter ist, aber wir haben hier genau die gesetzlichen und die rechtlichen Sachen einzuhalten, und das werden wir selbstverständlich als Fachaufsicht auch machen. – Danke schön! Vielen Dank, Frau Senatorin! – Die zweite Nachfrage stellt Herr Kollege Franco, bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Wenn ich Sie gerade richtig verstanden habe, haben Sie gesagt, innerhalb von drei Tagen muss eine richterliche Entscheidung über die Beschlagnahme getroffen werden. Die Beschlagnahme fand am Sonntag statt. Heute ist Donnerstag. Warum liegt die denn dann noch nicht vor, oder wie ist die Entscheidung? Bitte schön, Frau Senatorin Spranger, Sie haben das Wort. Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung für Inneres und Sport): Sehr herzlichen Dank! – Sehr verehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Wir suchen heute – das haben Sie wahrscheinlich nach meinen Ausführungen auch gemerkt; die drei Tage sind so, wie ich das ausge- führt habe, selbstverständlich richtig – nach einer Mög- lichkeit, gemeinsam mit demjenigen, der die Aufbauten darauf gemacht hat, mit der Berliner Polizei und selbst- verständlich auch mit dem TÜV, dort Lösungen zu fin- den. Aber es interessiert mich persönlich natürlich auch, ob der Sachverhalt, dass das beim TÜV schon so auch vorgestellt worden ist – das wurde ja behauptet –, auch der Wahrheit entspricht. Das müssen Sie mir natürlich auch zugestehen. Die Vorführung wird heute stattfinden. Vielleicht hat sie schon stattgefunden. Da muss ich jetzt mal nachfragen. Das kann ich Ihnen nachher gerne noch mal sagen. Aber wir suchen da nach Lösungen, weil es durchaus so ist, dass in Berlin die Kolleginnen und Kol- legen der Polizei damit sehr gut umgehen. – Herzlichen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! Die nächste Frage stellt der Abgeordnete Luhmann. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Der Senat hat kürzlich die Fortschreibung des Verkehrssicherheitsprogramms 2030 beschlossen. Deshalb frage ich den Senat: Was beinhaltet das? Bitte schön, Frau Senatorin Bonde, Sie haben das Wort. Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Luhmann! In der Tat, der Senat hat in dieser Woche das Verkehrssicherheitsprogramm 2030 beschlos- sen. Aufgrund einer detaillierten Unfallanalyse, die ins- besondere zurückzuführen ist auch auf die gute Arbeit der Unfallkommission, die in meinem Haus ansässig ist, haben wir ein Programm entworfen, das sich in zwei Teile gliedert, einmal einen konzeptionellen Teil und einmal einen Hauptschwerpunkteteil. Der konzeptionelle Teil umfasst insbesondere klare Zu- ständigkeitsregelungen, aber auch Zielstellungen, Ziel- vorgaben, und – das möchte ich an der Stelle auch noch mal ausdrücklich erwähnen – anders als von Changing Cities dargestellt, sind klare Zielvorgaben enthalten in dem Verkehrssicherheitsprogramm, und diese werden auch anhand eines Monitorings evaluiert. An der Stelle ist es ganz wichtig zu sagen, dass es sich damit eben nicht um ein totes Dokument handelt, sondern es handelt sich um ein lebendes Dokument, in dem nachjustiert werden kann aufgrund des Monitorings und der Evaluation. Jetzt komme ich zu dem zweiten Teil, den Hauptschwer- punkten. Wir haben sieben Hauptschwerpunkte. Diese richten sich aus an dem motorisierten Verkehr, an dem (Senatorin Iris Spranger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5989 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Fußverkehr, an dem Radverkehr, an Seniorinnen und Senioren und Kindern. Warum richten sie sich aus an Seniorinnen und Senioren sowie Kindern? – Sie richten sich aus, weil das besonders vulnerable Gruppen sind, die besonderen Schutz benötigen. Das sind jetzt fünf der Hauptschwerpunkte. Der sechste Hauptschwerpunkt ist etwas Internes, näm- lich: Wie können wir Prozesse verwaltungsintern verbes- sern, um zu einer größeren Verkehrssicherheit zu kom- men? Der siebte Punkt ist Kommunikation, weil wir sehr deutlich sehen, dass ganz maßgeblich Bildung und Erzie- hung, und zwar auch frühzeitige kindliche Erziehung, wichtig sind, um tatsächlich für Verkehrssicherheit zu sorgen. – Vielen Dank! Herr Luhmann stellt seine erste Nachfrage. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Senatorin Bonde, für die ausführliche Beantwortung! Wir haben ja eine angespannte Haushalts- lage in Berlin. Können sich denn die Berlinerinnen und Berliner darauf verlassen, dass auch weiterhin mehr für die Verkehrssicherheit getan wird und vor allen Dingen auch umgesetzt wird? Bitte schön, Frau Senatorin! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Luhmann! Ja, das können Sie. Im Dritten Nach- trag zum Haushalt 2025 sind die Mittel natürlich vorge- sehen. Verkehrssicherheit ist sowohl für den Senat als auch für die Koalitionsfraktionen ein ganz wesentlicher Bestandteil der Verkehrspolitik, die hier im Land betrie- ben wird. Auch für den Haushalt 2026/2027 werden wir natürlich Vorsorge für die Verkehrssicherheit treffen. Die Maßnahmen, die ergriffen werden, sind insbesondere auch struktureller Natur dadurch, dass wir Prozesse ver- bessern. Das habe ich vorhin als sechste Maßnahmen- gruppe oder als sechste Schwerpunktgruppe bezeichnet. Dadurch, dass wir tatsächlich Strukturen verbessern, die dann auch finanziell nicht aufwendig sind oder gar keinen Aufwand bedeuten, werden wir schon zu mehr Verkehrs- sicherheit kommen. Vielen Dank! – Die zweite Nachfrage stellt der Abgeord- nete Bocian. – Bitte schön!
Recht herzlichen Dank! – Wann wird uns das Programm denn dezidiert vorgestellt? Ist es im nächsten Mobilitäts- ausschuss eventuell der Fall? Bitte schön, Frau Senatorin! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Bocian! Ich gehe sehr davon aus, dass das Do- kument, das wir am Dienstag im Senat verabschiedet und beschlossen haben, jetzt sehr schnell das Abgeordneten- haus erreicht, sodass dem eigentlich nichts im Wege stehen dürfte, dass wir es im nächsten Mobilitätsaus- schuss dann besprechen, der gestern in zwei Wochen stattfinden wird. – Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! Die nächste Frage stellt Herr Abgeordneter Ubbelohde. – Bitte schön!
Vielen Dank. – Leif Erik Sander, Leiter der Forschungs- gruppe Infektionsimmunologie der Charité, sagte kürzlich in einem Interview: Unser Gesundheitssystem insgesamt ist heute schlechter als 2020 aufgestellt, weil sich unter anderem Fachkräftemangel verstärkt und die Pandemie hier wie ein Beschleuniger gewirkt hat. Ich frage daher den Senat: Was unternimmt der Senat konkret, um diesem Fachkräftemangel auf vielfältige Weise abzuhelfen und auch dem von Professor Sander beklagten Mangel im Datenaustausch abzuhelfen? Bitte schön, Frau Senatorin Czyborra, Sie dürfen sich eine der Fragen aussuchen. Senatorin Dr. Ina Czyborra (Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege): Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Vielen Dank, Herr Abgeordneter! Diese Frage sprengt ein bisschen den Rahmen der Aktuellen Stunde, weil ich jetzt natürlich sehr ausführlich über die verschiedensten Maßnahmen der letzten Jahre berichten könnte, mit denen wir, aber (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5990 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 auch die Bundesregierung, auch der Bundesgesundheits- minister, verschiedensten Problemen des Gesundheitssys- tems, das ja tatsächlich strukturelle Probleme hat und selbstverständlich auch den von Ihnen angesprochenen Fachkräftemangel, zu begegnen versuchen. Das ist ja keine neue Erkenntnis. Da hat Herr Sander etwas ausge- sprochen, das wir alles wissen, was uns seit vielen Jahren auch beschäftigt, wo wir viele Maßnahmen ergriffen haben. Eine Maßnahme ist natürlich tatsächlich auch die not- wendige Anwerbung von gut qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland. Wir wissen alle, dass Deutschland aufgrund der Demografie und aufgrund des Ausscheidens der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsleben in den nächsten Jahren zunehmend Fachkräfte fehlen wer- den. Deswegen brauchen wir auch eine qualifizierte Fachkräftezuwanderung. Ohne eine solche werden wir es nicht schaffen. Selbstverständlich haben wir zum Beispiel die Pflegebe- rufe modernisiert. Wir haben die Pflegefachassistenzaus- bildung eingeführt, wir haben Hebammenstudiengänge ausgeweitet und eingeführt, wir haben Pflegestudiengän- ge eingeführt und ausgeweitet. Wir haben vor einigen Jahren auch das Pflegeschulgeld abgeschafft, sodass Auszubildende, also Menschen, die den Pflegeberuf er- lernen wollen, nicht mehr selber Schulgeld zahlen müs- sen. Wir haben Studienplätze ausgeweitet, wir beschäfti- gen uns mit dem Pflegekompetenzgesetz. Da geht es darum, auch Kompetenzen im Gesundheitssystem neu zu ordnen. Sie haben die Digitalisierung angesprochen, die natürlich ein Schlüsselfaktor sein wird für die Bewältigung der großen Herausforderungen der nächsten Jahre. Wir brau- chen viel mehr Datenaustausch. Wir wissen, dass Mangel an Daten im deutschen Gesundheitswesen tatsächlich dazu führt, dass Menschen früher versterben, dass Krank- heiten schlechter geheilt werden können. Ich nenne als Beispiel den Brustkrebs. Da sind wir sehr weit, aber mit Digitalisierung und Datenaustausch könnten wir da noch viel weiterkommen. Es gibt eine gemeinsame Datenplattform von Charité und Vivantes, an die sich jetzt auch viele andere Häuser an- schließen. Wir haben zahlreiche Reformvorhaben des Bundes. Wir bekommen jetzt endlich die elektronische Patientenakte, die nun in der Testphase ist und demnächst ausgerollt wird. Die Sicherheitslücken, die, was für eine Testphase üblich ist, noch aufgefunden wurden, werden geschlossen, sodass ich auch da davon ausgehe, dass es nicht nur für unsere Forschung, sondern für die Gesund- heit von jedem Einzelnen einen großen Schritt nach vorne geben wird, wenn wir diese Akte haben. Ich könnte jetzt sicherlich noch sehr lange weiter ausfüh- ren, was wir alles getan haben, was wir alles an bundes- gesetzlichen Vorhaben in der Pipeline haben, was wir tun, um die Strukturen zu verbessern, um mit dem zur Verfügung stehenden Personal, das wir haben – und ja, wir haben da einen Mangel, das sagte ich, das ist allge- mein bekannt –, bestmöglich umzugehen. Deswegen auch das Pflegekompetenzgesetz. Bürokratieentlastung ist auch ein wichtiges Thema, sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für alle anderen im Gesundheitssystem Beteiligten. Wir brauchen eine bessere Steuerung der Patienten Jour- ney, damit wir auch da mit unseren Ressourcen, die wir haben, besser haushalten, Doppeluntersuchungen vermei- den, die auch viel Zeit kosten im System. Sie sehen also, es passiert sehr viel, und vielleicht ist auch der Gesund- heitsausschuss der Ort, um sich darüber noch viel aus- führlicher zu unterhalten. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Herr Ubbelohde erhält das Wort für die erste Nachfrage.
Ja, das werden wir sicherlich sehr gerne wie üblicher- weise machen. – Zurzeit fühlt sich unsere Gesellschaft, das Land, aber auch die Stadt Berlin erheblichen Bedro- hungen von außen ausgesetzt, und hier ist natürlich sehr bedrohlich, dass Herr Professor Sander eine erhebliche Schieflage zurzeit diagnostiziert und von einem Schön- wettersystem die Rede ist. Stellen Sie bitte Ihre Frage!
Wie wollen Sie denn Berlin und das Gesundheitswesen für Bedrohungsszenarien ausreichend wappnen, wenn Sie uns eigentlich nur auf die Zukunft vertrösten wollen? Bitte schön, Frau Senatorin, Sie haben das Wort! Senatorin Dr. Ina Czyborra (Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege): Ich habe eben ausgeführt, was alles passiert ist, was wir alle gerade zurzeit tun, wie wir uns zukunftsfest aufstel- len wollen. Dazu gehört auch die Krankenhausreform. Dazu gehört, Ressourcen viel effizienter einzusetzen. Wir leisten uns hier im Gesundheitswesen fast eines der teu- ersten der Welt mit ungefähr 500 Milliarden Euro jähr- lich, die da drinstecken. Wir leisten uns im Gesundheits- wesen viel zu viele Ineffizienzen. Das sind sehr viele Baustellen. Der Bundesgesundheitsminister Karl Lau- (Senatorin Dr. Ina Czyborra) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5991 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 terbach hat viele dieser Baustellen angepackt und hat gute Vorhaben auf den Weg gebracht. Insofern ist es nicht so, dass wir uns um irgendeine Zukunft kümmern, sondern vieles ist passiert, passiert jetzt hier und heute. Aber eines ist völlig klar, und das sage ich noch mal: Ohne qualifi- zierte Fachkräftezuwanderung werden wir die Herausforderungen der Zukunft nicht meistern. [Beifall bei der SPD – Beifall von André Schulze (GRÜNE) und Tobias Schulze (LINKE) –
Hört, hört!] Vielen Dank! – Die zweite Nachfrage stellt der Abgeord- nete Matz. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Ich frage den Senat, wie sich die von der fragestellenden Fraktion AfD gewünsch- te Ausweisung aller möglichen Menschen mit Migrati- onshintergrund auf die von Ihnen geschilderte Fachkräf- tesituation auswirken würde, insbesondere im medizini- schen und pflegerischen Bereich, von dem gerade die Rede gewesen ist. [Ronald Gläser (AfD): Alles Fake News! –
Sie wissen, dass das falsch ist! – Zuruf von Dr. Kristin Brinker (AfD)] Bitte schön, Frau Senatorin, Sie haben das Wort! Senatorin Dr. Ina Czyborra (Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege): Wenn Sie sich auf unseren Stationen in unseren Kran- kenhäusern, in unseren Praxen umschauen, wenn Sie die hohe Anzahl von Anträgen auf Anerkennung ausländi- scher Berufsabschlüsse sowohl beim Pflegepersonal als auch bei Medizinerinnen und Medizinern ansehen, dann ist völlig klar, dass das zu einem sofortigen Zusammen- bruch des Systems führen würde. Vielen Dank! Die nächste Frage stellt der Abgeordnete Schulz. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Nachdem die Berlinale nun gerade beginnt und in den letzten Jahren mit sehr unrühmlichen Kooperationspartnern zusammengearbeitet wurde, frage ich den Senat: Inwieweit wurde inzwischen ein Antrag auf Ersterteilung einer Genehmigung zur Ausübung des Gelegenheitsverkehrs durch den Mobili- tätspartner CUPRA bei der Berlinale 2025 gestellt und erteilt? Bitte schön, Herr Regierender Bürgermeister, Sie haben das Wort! Regierender Bürgermeister Kai Wegner: Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter! Erst mal freue ich mich auf die 75. Berlinale. Die Berlinale ist eine gute Tradition in Berlin. Sie bringt Glanz und Glamour, und ich bin mir sicher, dass wir mit Tricia Tuttle eine neue Chefin der Berlinale haben, die die Berlinale weiterent- wickeln und genau dafür sorgen wird, dass die Berlinale auch in den nächsten 75 Jahren Glanz und Glitzer in unsere Stadt bringen wird. Zu den Geschehnissen im letzten Jahr möchte ich viel- leicht so viel sagen, dass ich mit Tricia Tuttle gesprochen und auch sehr deutlich gemacht habe, was meine Erwar- tung an die Berlinale-Leitung ist. Ich will das gerne auf- nehmen, das war nicht Ihre Frage, aber ich will das trotz- dem sagen, dass das, was im letzten Jahr bei der Bären- verleihung passiert ist, in diesem Jahr von der Berlinale- Leitung nicht unkommentiert bleiben darf, und das ist auch meine Erwartungshaltung an die Berlinale. Was die Sponsoren und Unterstützer der Berlinale an- geht, kann ich Ihnen nur sagen, ich bin sehr froh, dass in diesem Jahr nicht mehr Uber die Mobilitätsdienste über- nimmt. Vielen Dank! – Herr Schulz darf nun die erste Nachfrage stellen. – Bitte schön!
Erst einmal möchte ich feststellen, dass meine Frage eigentlich nicht beantwortet wurde, und möchte aber gerne meine Nachfrage dazu nutzen zu fragen: Inwieweit wird denn durch den Senat, sofern die Genehmigung, nach der ich gerade gefragt habe, erteilt wurde, die Ein- haltung der Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns für die Fahrerinnen und Fahrer von CUPRA gewährleistet? (Senatorin Dr. Ina Czyborra) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5992 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Bitte schön, Herr Regierender, Sie haben das Wort! Regierender Bürgermeister Kai Wegner: Frau Präsidentin! Herr Abgeordneter! CUPRA ist Partner der Berlinale, mit Verlaub. Ich kann Ihnen das ehrlicher- weise nicht sagen, sondern da müssen Sie bei der Berlina- le nachfragen. Ich kann das gerne heute Abend bei Tricia Tuttle tun. Die zweite Nachfrage stellt der Abgeordnete Gläser. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Ich frage den Senat: Findet der Senat es richtig, dass die Berliner Forsten engagierten Bürgerinnen und Bürgern im Wald mit einem Polizeiaufgebot begegnen und Strafanzeige stellen; so geschehen am vorvergangenen Freitag, als eine Gruppe von engagierten Bürgerinnen und Bürgern den Berliner Wald besucht hat, um sich ein Bild zu machen über die Resultate der Fällarbeiten im Fällgebiet Stolpe? Bitte schön, Frau Senatorin Bonde, Sie haben das Wort! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Abge- ordnete Vierecke! Der Wald steht den Bürgerinnen und Bürgern Berlins zur Verfügung. Nun war ich nicht vor Ort, sodass ich das genaue Geschehen überhaupt nicht bewerten kann. Ich habe auch keinerlei Informationen zu dem Geschehen, das vor Ort stattgefunden hat, und inso- fern werde ich mich auch dazu nicht einlassen, ob eine gegebenenfalls gestellte Strafanzeige durch die Berliner Forsten meine Unterstützung findet oder nicht, schlicht, weil ich den Sachverhalt nicht vor Ort erlebt habe und nicht kenne. Vielen Dank! – Frau Vierecke dürfte nun die erste Nach- frage stellen. – Bitte schön!
Vielen Dank! – Ich freue mich, wenn die Informationen dann zu späterer Stunde noch kommen. Meine Nachfrage wäre: Ab welcher Gruppengröße plant der Senat, künftig Strafanzeige gegen Bürgerinnen und Bürgern zu stellen, die im Wald sind? Oder steht der Senat dazu, dass der Wald laut Landeswaldgesetz den Berlinerinnen und Ber- linern gehört? Bitte schön, Frau Senatorin Bonde! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frau Abge- ordnete Vierecke! Wie ich vorhin schon erwähnt habe, dient der Wald der Erholung der Berlinerinnen und Berli- ner, und daran wird sich auch nichts ändern. Der steht nicht im Eigentum der Berliner Forsten, sondern er dient der Erholung der Berlinerinnen und Berliner. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5993 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Insofern werde ich auch zu Gruppengrößen ganz gewiss nichts sagen. Es kann ja nicht sein, dass, wenn ich mit 20 Freundinnen und Freunden in den Wald gehe, ein Strafverfahren gegen mich eingeleitet wird. Aber noch mal: Ich war nicht vor Ort, ich kenne den Sachverhalt nicht, und ich weiß nicht, warum gegebenenfalls Strafan- zeige oder ein Strafantrag gestellt worden sind. Vielen Dank! – Für eine zweite Nachfrage hat sich nie- mand eingedrückt. Damit ist die Fragestunde für heute beendet. Ich rufe auf lfd. Nr. 3: Jahresbericht 2024 des Rechnungshofs von Berlin gemäß Artikel 95 Verfassung von Berlin und § 97 Landeshaushaltsordnung Bericht Drucksache 19/2082 Zu diesem Tagesordnungspunkt darf ich der Präsidentin des Rechnungshofs, Frau Karin Klingen, das Wort ertei- len. – Bitte schön! Karin Klingen (Präsidentin des Rechnungshofs von Berlin): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich freue mich, dass ich Ihnen heute den Bericht des Rechnungshofs für das Jahr 2024 vorstel- len darf. Spontan verbindet wahrscheinlich nicht jeder mit dem Rechnungshofbericht das Gefühl der Freude. Neulich sagte meine Nachbarin zu mir: Ach, der Rech- nungshof, das sind doch diejenigen, die immer nur kriti- sieren. – Das mag auf den ersten Blick so wirken, aber wir bleiben nicht bei der Kritik stehen. Wir haben auch immer Hinweise und Vorschläge für Verbesserungen. Das Besondere an den Äußerungen des Rechnungshofs ist: Von uns bekommen Sie eine unabhängige Einschät- zung. Das ist nicht immer angenehm, hat aber einen eige- nen Wert, wie zum Beispiel bei dem Thema, das in den vergangenen Monaten die ganze Stadt beschäftigt hat, der Haushaltslage in Berlin. Da haben wir einen langen Weg und schwierige Diskussionen hinter uns. Vor etwa einem Jahr stand ich hier vor Ihnen im Abge- ordnetenhaus, habe vor einer Haushaltskrise gewarnt und gesagt: Sie müssen den Haushalt dringend konsolidieren. Sie haben dann umgesteuert und Konsolidierungsmaß- nahmen in einer bemerkenswerten Höhe von 3 Milliarden Euro beschlossen. Das war ein erster wichtiger Schritt, aber er kam sehr spät, kurz vor Ende des Jahres, und das Verfahren war intransparent. Viele Einsparentscheidun- gen kamen überraschend für die Betroffenen. Auch jetzt bestehen noch immer Unsicherheiten. Anstatt Titel zu kürzen, haben Sie qualifizierte Sperren ausgebracht. Damit haben Sie die endgültige Entschei- dung, wo konkret die Einsparungen erfolgen, noch immer offengelassen. Aber immerhin, es ist Ihnen gelungen, das große Finan- zierungsdefizit für das Jahr 2025 zu schließen. Das war richtig. Jetzt heißt es Kurs halten. In den nächsten Haushalten drohen noch immer große Defizite. Berlin braucht einen dauerhaft ausgeglichenen, und zwar strukturell ausgegli- chenen, Haushalt. Dafür müssen Sie alle Aufgaben, Stan- dards und Strukturen auf den Prüfstand stellen. Das letzte Jahr hat gezeigt, was passiert, wenn schwierige politische Entscheidungen in die Zukunft verschoben werden. Der richtige Zeitpunkt dafür das zu ändern, ist genau jetzt im Rahmen des Aufstellungsverfahrens für den neuen Dop- pelhaushalt. Aktuell wird die Aufnahme von Notlagenkrediten im Zusammenhang mit den Kosten für Geflüchtete geprüft. Ob eine Notlage vorliegt, das werden Sie, die Abgeordne- ten dieses Hauses, entscheiden. Das Bundesverfassungs- gericht hat dafür wichtige Leitplanken gesetzt. Sie als Parlament müssen ausführlich und nachvollziehbar darle- gen, was genau die Notsituation ist, warum diese unvor- hergesehen und durch den Staat nicht beeinflussbar war, und warum gerade diese Situation zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Finanzlage Berlins führt. Eines ist jedenfalls klar: Finanzielle Nöte allein rechtfer- tigen keine Notlage. Berlin hat leidvolle Erfahrungen mit der Aufnahme von Notlagenkrediten. Zur Bekämpfung der Coronapandemie wurden Kredite in Höhe von mehr als 7 Milliarden Euro aufgenommen. Die Kreditaufnahme erfolgte damals zu pauschal und hat eine milliarden- schwere Haushaltsblase erzeugt. Das ist die wesentliche Ursache für das in den letzten Jahren stark überhöhte Ausgabenniveau im Land. Das darf sich nicht wiederho- len. Deshalb appelliere ich an Sie: Lernen Sie aus der Ver- gangenheit! Achten Sie darauf, dass die vermeintlichen finanziellen Rettungsringe von heute nicht zu undurch- sichtigen Schuldenbergen von morgen werden. Das gilt im Übrigen auch für die finanziellen Transaktionen. Ich kann Ihnen vergewissern: Der Rechnungshof wird beide Themen konstruktiv beratend begleiten. Ich war gestern bei der sehr würdigen Feierstunde zum Wechsel der Richter am Verfassungsgerichtshof. Das Abgeordnetenhaus hat diese ausgerichtet, und in den Reden kam das hohe Vertrauen in die Rechtsprechung (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5994 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 des Verfassungsgerichtshofs zum Ausdruck. Lassen Sie mich deshalb eine Bemerkung zur Rolle des Verfas- sungsgerichtshofs bei der Berliner Schuldenbremse ma- chen. Morgen wird vor dem Landesverfassungsgericht Schleswig-Holstein die Frage verhandelt, ob die Folgen des Angriffskrieges gegen die Ukraine eine Notlage im Sinne der Schuldenbremse darstellen. Ein solches Verfah- ren wird es in Berlin nicht geben können. Vor Kurzem hat der Verfassungsgerichtshof Nordrhein-Westfalen zu einem vergleichbaren Sachverhalt wie in Berlin entschie- den, dass eine einfache gesetzliche Schuldenbremse vor dem Verfassungsgericht nicht überprüft werden kann. Vor dieser Konsequenz hatten wir bereits im Gesetzge- bungsprozess gewarnt, und nein, es ist keine gute Nach- richt, wenn die Schuldenbremse nicht überprüft werden kann, denn gerade die verfassungsrechtliche Überprü- fungsmöglichkeit von wichtigen parlamentarischen Ent- scheidungen trägt zu mehr Vertrauen in die Politik bei. Da müssten wir uns doch alle einig sein. In unserem Jahresbericht finden Sie weitere wichtige Ergebnisse unserer Prüfungen, zum Beispiel zur unzu- reichenden Kontrolle des Zweckentfremdungsverbots von Ferienwohnungen. Den Bezirksämtern fehlten digitale Tools, um aktiv und automatisiert illegale Ferienwoh- nungen zu ermitteln. Hier zeigt sich ein Problem, das uns regelmäßig bei unse- ren Prüfungen begegnet: die mangelhafte Digitalisierung der Berliner Verwaltung. Berlin muss hier endlich voran- kommen, sonst wird es in Zukunft keine funktionierende Verwaltung geben können. Eine weitere Prüfung betrifft die überhöhten Vergütungen der Vorstände in Landesunternehmen. Aktuell gibt es im Land Berlin, anders als in anderen Bundesländern, keine konkreten Vorgaben zur Höhe von Vorstandsbezügen in Landesunternehmen. Wir haben bei unserer Prüfung festgestellt: Die Bezüge der geprüften Unternehmensvorstände übertreffen die Bezüge von Senatsmitgliedern bei Weitem und sind auch im Vergleich zueinander nicht plausibel. Weitere Beiträge des Jahresberichts nenne ich hier auf- grund der großen Bandbreite der Themen nur exempla- risch, wie die ausufernde Altersversorgung beim rbb, die deutlich zu langsame Umsetzung des Onlinezugangsge- setzes und die massiven Ausfälle bei der Besteuerung von ausländischen Onlinehändlern. Es lohnt sich aber, auch noch weiter zu lesen. Es gibt viele interessante Themen. Der Rechnungshof hat auch in diesem Jahr beraten. Mit unseren Beratungsberichten zur Geschäftsprozessoptimie- rung und zur Vereinfachung des Zuwendungsrechts wol- len wir zum Bürokratieabbau beitragen. Gerade im Be- reich der Zuwendungen überfordert die Bürokratie häufig Verwaltung und Zuwendungsempfänger. In unserem Bericht machen wir umfassende Vorschläge zu einer Vereinfachung. Wir stimmen dabei auch weitgehend mit der Projektgruppe des Senats überein und wollen viel- leicht eine gemeinsame Pressekonferenz machen. In den nächsten Wochen werden wir auch von Ausschüs- sen des Abgeordnetenhauses angehört, zu den Vorstands- vergütungen und auch zum Zuwendungsrecht. Das emp- finde ich als große Wertschätzung, dass Abgeordneten- haus und Senat sich bereits jetzt mit unseren Themen beschäftigen. Vielen Dank dafür! Ich komme noch mal auf meine Nachbarin zurück: Ja, der Rechnungshof ist kritisch, aber das ist kein Selbstzweck. Wir wollen, dass durch unsere Arbeitsergebnisse ein konstruktiver Austausch entsteht, der Berlin voranbringt. Deshalb freue ich mich, dass wir auch weiter im Ge- spräch bleiben, insbesondere auf die Beratungen im Un- terausschuss Haushaltskontrolle, die ich immer als sehr zielführend und konstruktiv empfinde. Dafür danke ich Ihnen. Last but not least möchte ich auch denjenigen danken, ohne die es den Jahresbericht nicht geben würde: den Mitgliedern und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rechnungshofs. Dabei möchte ich die Gelegenheit nutzen, einige Mitar- beiter zu begrüßen, die heute unbedingt die Debatte von der Besuchertribüne aus verfolgen wollen. Herzlich will- kommen! Vielen Dank für Ihre Ausführungen, Frau Klingen! – Wir kommen nun zur Besprechung mit einer Redezeit von bis zu zehn Minuten pro Fraktion. Es beginnt die Fraktion der CDU. – Bitte schön, Frau Dr. Wein, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren! Berlin steht im Bereich seiner Finanzen vor einer der größten Heraus- forderungen der letzten Jahre. Der vorliegende Jahresbe- richt 2024 des Rechnungshofs bestätigt, was uns auch der Finanzsenator wiederholt vor Augen geführt hat: Die (Karin Klingen) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5995 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Berliner Finanzen befinden sich in einer sehr angespann- ten Situation, die unter anderem durch die Folgen der Coronapandemie, anhaltend hohe Sozialausgaben und eine Reihe struktureller Missstände verstärkt wurde. Es ist kein Geheimnis, dass die hohen Ausgaben Berlins in den vergangenen Jahren stetig aufgewachsen sind. Dies muss jetzt mit aller Konsequenz und Dringlichkeit ange- gangen werden. Ich möchte betonen, dass die Koalition in dieser schwierigen Lage eine klare Verantwortung über- nimmt. [Beifall bei der CDU und der SPD –
Das hat Frau Klingen eben anders gesagt!] Der Jahresbericht 2024 des Rechnungshofs ist ein ein- drucksvolles Dokument, das die Defizite der Berliner Haushalts- und Wirtschaftsführung offenlegt. Die aufge- führten Themen von der Finanzlage des Landes Berlin insgesamt bis hin zu finanziellen Risiken aus der Alters- versorgung des Rundfunks Berlin-Brandenburg fordern uns heraus. Im Hauptausschuss und seinem Unteraus- schuss Haushaltskontrolle werden wir nach Beratung und Anhörung des Rechnungshofs Maßnahmenbeschlüsse für das Parlament vorbereiten. Die Ursachen für die Haushaltskrise Berlins sind viel- schichtig und resultieren aus einer Kombination von Faktoren. Zum einen sind es die hohen, weiter steigenden Transferausgaben im Sozialbereich und bei der Migrati- on, zum anderen haben wir nun bei der aktuellen bundes- deutschen Wirtschaftskrise sinkende Steuereinnahmen mindestens für 2024 und 2025 zu erwarten, zudem Steu- ermindereinnahmen durch den Zensus 2022 und zusätz- lich die schwierige Situation bei den meisten Berliner Landesunternehmen. Auch der über Jahre entstandene Investitionsstau fordert seinen Tribut. Hinzu kommen die steigenden Personalkosten für die Beschäftigten des Lan- des sowie die Auswirkungen von Inflation, Energie- und Baukosten. Diese Vielzahl an Herausforderungen hat dazu geführt, dass der Berliner Haushalt intensiv betrachtet und neu priorisiert werden muss. Dazu gehören auch schmerzliche Entscheidungen, was Berlin sich in den nächsten Jahren nicht mehr leisten kann. Gleichzeitig werden wir wichtige Investitionen weiterhin finanzieren. Es ist an der Zeit, klare Prioritäten zu setzen und mutige Entscheidungen zu treffen. Die Koalition hat dies erkannt und arbeitet inten- siv an einer Konsolidierung des Haushalts. Für das Jahr 2025 wollen wir die Ausgaben des Landes erheblich senken. Dabei dürfen wir uns nicht davor scheuen, auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen. Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass wir unendlich viele Ausgaben stemmen können, ohne dabei die Ein- nahmen realistisch zu betrachten. Unsere Zielsetzung ist es, den Haushalt wieder auf einen nachhaltigen Kurs zu bringen, der auch die künftigen Generationen nicht überfordert. Ein zentraler Bestandteil unserer Konsolidierungsstrategie ist selbstverständlich die Einhaltung der Landeshaushaltsordnung. Diese sieht vor, dass die Ausgaben stets in einem gesunden Verhält- nis zu den Einnahmen stehen. Der Rechnungshof spielt dabei eine unverzichtbare Rolle, indem er uns auf Defizi- te hinweist und konkrete Empfehlungen für die Haus- haltsführung gibt. Mit seiner Kompetenz und seinen Res- sourcen übernimmt er für uns Parlamentarier die Tiefen- prüfung der vom Senat vorgelegten jeweiligen Jahres- haushaltsrechnung, die wir selbst so nicht leisten könn- ten. An dieser Stelle möchte ich mich bei Frau Präsiden- tin Klingen, dem großen Kollegium des Berliner Rech- nungshofs, aber auch bei allen seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ausdrücklich bedanken. Ein weiteres zentrales Thema, das der Rechnungshof in seinem Bericht anspricht, sind die strukturellen Defizite in der Verwaltung, wie ja auch eben gehört. Diese haben nicht nur zu Fehlern in der Haushaltsführung geführt, sondern bremsen auch die notwendige Modernisierung der Verwaltung aus. Der Rechnungshof hat hier wertvolle Vorschläge gemacht, wie der Bürokratieabbau und die Vereinfachung von Prozessen weiter vorangetrieben werden können. Wir als CDU-Fraktion, aber auch die Koalition, setzen uns dafür ein, diese Vorschläge zeitnah umzusetzen, um die Verwaltung fit für die Zukunft zu machen. Abschließend möchte ich sagen, dass die angespannte Haushaltslage Berlins nicht zu leugnen ist, doch wir als Koalition haben die Verantwortung und den Willen, die Stadt aus dieser Krise zu führen. Wir nehmen die Hin- weise des Rechnungshofs ernst und arbeiten an Lösun- gen, die den Berliner Haushalt wieder auf einen tragfähi- gen Kurs, einen Kurs mit Zukunft, bringen. Wir wissen, dass dieser Weg nicht einfach sein wird – Kommen Sie bitte zum Schluss, Frau Kollegin!
– und dass uns viele Herausforderungen bevorstehen. Doch gemeinsam, mit Entschlossenheit und einer klaren Vision für die Zukunft Berlins, werden wir es schaffen, die notwendigen Veränderungen durchzusetzen. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Dr. Claudia Wein) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5996 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Vielen Dank! – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun der Kollege Schulze das Wort. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Präsidentin Klingen! Ist er Ihnen auch aufgefallen, der erste Satz? In jedem guten Roman setzt der allererste Satz den Ton. Er macht uns neugierig und vermittelt, was uns erwartet. Das gilt an- scheinend auch für Rechnungshofberichte. „Die Haus- haltslage in Berlin ist ernst.“ Das ist er; das ist der erste Satz im aktuellen Bericht des Rechnungshofs. Er könnte treffender nicht sein. Der jüngste Jahresbericht fasst die haushaltspolitischen Debatten in diesem Haus der vergangenen 20 Monate gut zusammen. Stichwort eins: ungedeckte Schecks. Als Opposition haben wir frühzeitig auf die üppigen Wahlge- schenke und nicht finanzierbaren Versprechen der Koali- tion hingewiesen, auf den Verzehr aller Rücklagen. CDU und SPD stellten aber auf Durchzug. Stichwort zwei: pauschale Minderausgabe. Wir haben die Koalition immer wieder vor einer Sparvorgabe in Höhe von 5 Prozent des Haushaltsvolumens gewarnt, weil sie verfassungsrechtliche Fragen aufwirft, weil sie gegen haushaltspolitische Grundregeln verstößt, vor allem aber, weil eine so hohe Sparvorgabe das Budgetrecht des Par- laments aushöhlt. CDU und SPD stellten auf Durchzug. Stichwort drei: Einnahmeverbesserungen. Natürlich ha- ben wir auch auf ökologisch sinnvolle, sozial gerechte und zielgenaue Einnahmeverbesserungen gedrängt; auf finanzielle Transaktionen, Steueranpassungen und kredit- finanzierte Zukunftsinvestitionen. CDU und SPD stellten wieder auf Durchzug. Der Rechnungshofbericht listet diese Versäumnisse um- fassend auf. Doch zur Wahrheit gehört auch: All diese Themen hat die Opposition bereits am 7. September 2023 hier in diesem Haus bei der ersten Lesung des Haushalts- gesetzes adressiert und vor den Folgen gewarnt. CDU und SPD stellten jedoch auf Durchzug. Der Rest ist Geschichte. Anderthalb Jahre schwarz-rotes Haushaltschaos, Unsicherheit in der ganzen Stadt, Kür- zungen mit der Brechstange bei der BVG, beim Klima- schutz, bei Kultur, Jugend, Gesundheit und Sozialem. Lieber Herr Wegner! Lieber Herr Evers! Da lassen die Berlinerinnen und Berliner die CDU probeweise mal ans Steuer unserer Stadt, und das Ergebnis ist ein haushalts- politischer Totalschaden. Doch noch, liebe Koalition, haben Sie die Chance, end- lich zur Einsicht zu kommen und Schadensbegrenzung im laufenden Haushaltsjahr zu betreiben. Denn auch diesen Februar, wie letztes Jahr, wissen viele Bezirke, soziale Träger und Kultureinrichtungen nicht, welche Mittel für dieses Jahr zur Verfügung stehen. Die Präsidentin des Rechnungshofs hat völlig zutreffend darauf hingewiesen: Diese Haushaltspolitik und diese Unsicherheit gefährden die funktionierende Stadt mehr als alles andere. Nach dem Haushalt ist bekanntlich vor dem Haushalt; die Haushaltsaufstellung für den nächsten Doppelhaushalt 2026/27 ist in vollem Gange. Die Menschen da draußen erwarten völlig zu Recht, dass die Koalition aus ihren Fehlern lernt und dass sich das Haushaltschaos nicht noch einmal wiederholt. Der Haushalt ist zu wichtig, um ihn dem Senat allein zu überlassen. Das haben die letzten Monate gezeigt. Der Rechnungshof kritisiert in aller Schärfe, dass Schwarz- Rot unser Budgetrecht als Parlament mit dem Doppel- haushalt 2024/25 bewusst eingeschränkt hat. Liebe Koali- tion, das ist und war keine Bagatelle! Das Budgetrecht des Parlaments wurde nicht als Königsrecht hart er- kämpft, damit CDU und SPD es in ihrer großkoalitionä- ren Arroganz an einem Nachmittag einfach aushebeln. Nehmen Sie sich und die Spielregeln unserer Demokratie ernst! Auch dieses grobe Foul darf sich beim Haushalt 2026/27 nicht wiederholen. Der Rechnungshof geht auf die aktuelle Haushaltspolitik ein, auf Fehler, Probleme und Risiken. Ich möchte aber auch über Chancen und Ziele sprechen, zum Beispiel eine moderne Verwaltung, eine prosperierende Wirtschaft, Investitionen in Wissenschaft, Klimaschutz, Nahverkehr, Kultur, mehr bezahlbare Wohnungen – kurz: eine funkti- onierende, eine zukunftsfähige Stadt. Doch diese Zukunft fällt nicht vom Himmel. In diese Zukunft müssen wir investieren. Seit Jahren kennt die Wertschöpfung in unserer Stadt – Kollege Kollatz hat es vorhin angesprochen – nur eine Richtung: Unsere Studierenden lasern, programmieren und erfinden immer neue Produkte und Dienstleistungen Made in Berlin. Unsere Azubis backen, tischlern und reparieren von früh bis spät unsere Dinge des täglichen Bedarfs. Immer mehr Unternehmen wollen sich in Berlin ansiedeln. Es ruckelt hier und da, Schwarz-Rot hebt noch nicht alle Potenziale, verzögert Investitionen, verschläft die grünen Transformation, aber Berlin arbeitet sich Jahr für Jahr damit auch aus dem Schuldenberg heraus. Das zeigt der Rechnungshofbericht gut auf. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5997 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Der Schuldenstand im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung – wir Haushälter und Haushälterinnen nennen es liebevoll Schuldenstandsquote – schmilzt Jahr für Jahr kontinuier- lich ab, trotz der Kreditaufnahme in der Coronakrise. Aktuell liegt er nur noch bei 33 Prozent im Jahr 2023, dem niedrigsten Stand seit 1997. Die Älteren erinnern sich – 1997: Ruck-Rede, Gunter Demnig verlegt den ersten Stolperstein, und der Bundestag stellt die Verge- waltigung in der Ehe unter Strafe. Auf das damalige Stimmverhalten aktueller Kanzlerkandidaten gehe ich an dieser Stelle lieber nicht weiter ein. [Beifall von Katalin Gennburg (LINKE) –
Wir wissen es aber!] 33 Prozent Schuldenstandsquote also. Zum Vergleich: Im Höhepunkt 2005 lag sie bei 70 Prozent. Gleichzeitig zahlt Berlin 2023 nur noch 2 Prozent seiner Einnahmen für Zinsen. Auch dieser Wert ist auf Rekordtief. Wenn wir unseren Sanierungsstau bei Kitas und Schulen, Straßen und Brücken, Polizei und Feuerwehr abbauen wollen, wenn Berlin funktionieren und seine Zukunftsfähigkeit behalten soll, dann müssen wir heute investieren und dafür auch Kredite aufnehmen. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Reinhard Naumann (SPD) –
So ist es!] Doch noch immer warten wir Abgeordnete auf konkrete Schritte des Senats, auf eine konkrete Initiative Berlins, die sogenannte Schuldenbremse zu reformieren – denn die Schuldenbremse bleibt weiterhin in dieser Form falsch und eine Zukunftsbremse –, aber auch auf konkrete Vorschläge für kreditfinanzierte Investitionen durch sogenannte alternative Finanzierun- gen im Rahmen der jetzigen Schuldenbremse. Auf die warten wir seit mehr als einem Jahr. Bisher gab es nur PR, keine echten Projekte. In seiner Investitionsplanung hat der Senat vor allem Projekte zusammengestrichen, dabei sind die finanzpolitischen Spielräume für zusätzli- che Investitionen vorhanden. Nutzen Sie diese Chance, lieber Senat! Setzen Sie die unter Rot-Rot-Grün begon- nenen Jahrzehnte der Investitionen mutig fort! Denn alles andere als tatkräftige Investitionen gefährden die Zu- kunftsfähigkeit dieser Stadt. Ein letzter Punkt: Wir begrüßen ausdrücklich die Emp- fehlungen zur Vereinfachung und Optimierung des Zu- wendungsrechts, die im Bericht des Rechnungshofs getä- tigt werden, und danken dem Rechnungshof für diese Beratungsleistung des Parlaments. Hier sollten Senat und Abgeordnetenhaus – Sie haben auch die parallelen Pro- zesse im Senat angesprochen – schnell sich dieser Fragen annehmen und daraus Schlussfolgerungen ziehen. Denn eines haben uns die letzten zwei Jahre schwarz-rotes Haushaltschaos gezeigt: Die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit mit den sozialen Trägern in dieser Stadt ist angegriffen worden. Hier sollten wir nicht nur in der Haushaltsfrage mehr Sicherheit schaffen, sondern auch über Entbürokratisierung im Zuwendungsrecht. Abschließend gilt mein Dank Frau Klingen für ihre kla- ren und deutlichen Worte und ebenso den weiteren Kol- legen und Mitarbeiterinnen des Rechnungshofs für ihre Arbeit im Zuge dieses Berichts. – Wie immer werden wir Ihre Empfehlungen in entsprechenden Gremien ausführ- lich beraten und dort auf die vielzähligen weiteren The- men des Berichts tiefer eingehen, auf die ich jetzt nicht eingehen konnte. Dafür wünsche ich uns allen ein gutes Gelingen und ein gutes Händchen bei der Bewertung der Empfehlungen. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Für die SPD-Fraktion hat die Kollegin Çağlar das Wort. – Bitte schön! Derya Çağlar (SPD): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Klingen! Vielen Dank für die Vorstellung des Jahresberichts des Rechnungshofs! Der Bericht des Rechnungshofs gibt uns Abgeordneten wert- volle Einblicke und Hinweise darauf, wie wir unsere Arbeit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger Berlins verbessern können. Die Grundlage für den diesjährigen Bericht, der 356 Seiten umfasst, ist die engagierte und gewissenhafte Arbeit aller Beschäftigten des Rechnungs- hofs. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken. Im Na- men meiner gesamten Fraktion – danke! Als Haushaltsgesetzgeber sind wir angehalten, verant- wortungsvoll mit den öffentlichen Geldern umzugehen, die uns von den Berlinerinnen und Berlinern anvertraut wurden. Unser Ziel ist es, diese Mittel bestmöglich zum Wohle aller Menschen unserer Stadt einzusetzen. Kon- struktive Kritik ist dabei unerlässlich, um Prozesse zu optimieren. Deshalb nehmen wir die Hinweise des Rech- nungshofs ernst und prüfen alle Empfehlungen sorgfältig. In meiner Rede zum Jahresbericht 2023 habe ich von einer schwierigen Haushaltslage vor dem Hintergrund der Herausforderungen des Angriffskrieges in der Ukraine, der Pandemie, des Klimawandels und der Inflation ge- sprochen. Ein Jahr später hat sich meine Einschätzung hierzu leider nicht geändert. Dennoch sind wir in der (André Schulze) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5998 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Bewältigung dieser gewaltigen Herausforderungen einige Schritte vorangekommen. Durch ruhige und effiziente Arbeit ohne öffentliche Streitigkeiten hat die Koalition einen soliden Haushalt aufgestellt. Dieser Berliner Lan- deshaushalt 2025 beinhaltet eine Vielzahl von Sparmaß- nahmen, ohne den sozialen Frieden der Stadt zu gefähr- den. Für uns als SPD-Fraktion stand bei der Haushalts- konsolidierung im Mittelpunkt, die soziale Stadt zu be- wahren. Auch in schwierigen Zeiten muss Haushaltspoli- tik sozial und nachhaltig bleiben. Das Prinzip der bezahlbaren Stadt und der kostenfreien Bildung wurde nicht angetastet, denn Bildung darf nie- mals eine Frage des Geldbeutels sein – von der Kita bis zur Hochschule. Ebenso war es für uns essenziell, kein Landesvermögen zu privatisieren, jetzt und auch in Zukunft nicht. Fehler der Vergangenheit werden nicht wiederholt. Um einen sozialen Kahlschlag zu vermeiden, wurden im aktuellen Haushalt Rücklagen herangezogen. Dies war notwendig, um den Weg hin zu einem strukturell ausgeglichenen Haushalt so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Neben den Ausgaben haben wir aber auch die Einnah- menseite genau betrachtet. Bereits in den letzten Monaten konnten wir die Einnahmensituation durch die Erhöhung der City-Tax, der Zweitwohnsitzsteuer und der Vergnü- gungsteuer verbessern. Dem sollten bald weitere Maß- nahmen folgen. Wir als SPD Fraktion sprechen uns wei- terhin für eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer um 0,5 Prozent aus, um Mehreinnahmen von circa 100 Mil- lionen Euro jährlich für den Landeshaushalt zu generie- ren. Zudem sind wir davon überzeugt, dass die Gebühren für den Bewohnerparkausweis an ein zeitgemäßes Niveau angepasst werden müssen. Derzeit übersteigen allein die Kosten für die Herstellung und Ausgabe der Ausweise durch die Bürgerämter die Einnahmen aus den aktuellen Gebühren. Hinzu kommen die erheblichen Kosten für die Schaffung und Instandhaltung der Parkflächen. Das Land Berlin kann es sich zukünftig nicht mehr leisten, dieses Verlustgeschäft zu betreiben. Dazu sind wir auch in Ge- sprächen mit unserem Koalitionspartner. Des Weiteren sprechen wir uns als SPD-Fraktion dafür aus, die Gehäl- ter in den Geschäftsführungen und in den Vorständen unserer landeseigenen Unternehmen zu begrenzen. Bei der Aufstellung des kommenden Doppelhaushalts 2026/2027 müssen und werden wir uns weiter unserer Verantwortung stellen und deshalb weiter die Haushalts- entwicklung fest im Blick haben. Es wird auch in Zukunft gespart werden müssen. Ebenfalls müssen wir aber auch weitere Einnahmepotenziale heben. Neben der Haushaltskonsolidierung, der Senkung der laufenden Kosten und Steigerung der Einnahmen stehen Deutschland und damit auch Berlin vor enormen Investi- tionsaufgaben, die entscheidend für unsere Zukunft sind. Um zukunftssicher aufgestellt zu sein, braucht es erhebli- che Investitionen in den Klimaschutz, gezielte Unterstüt- zung für die Wirtschaft bei der notwendigen Transforma- tion und einen nachhaltigen Ausbau des Verkehrssektors. Die Schuldenbremse in ihrer aktuellen Form bremst Wachstum und gefährdet langfristig unseren Wohlstand. Deshalb fordern wir als SPD-Fraktion die CDU insbe- sondere auf Bundesebene auf, ihre Blockadehaltung ge- genüber einer Reform der Schuldenbremse endlich auf- zugeben. Wer das Duell am vergangenen Sonntag verfolgt hat, konnte beobachten, dass sich der Oppositionsführer Merz bei dieser Frage erneut bewegt hat, leider wieder in die falsche Richtung. Für ihn hat eine Reform der Schulden- bremse offenbar keine Priorität. Sieht er etwa die Bedarfe für die Infrastruktur in Berlin und in all den anderen Kommunen in Deutschland nicht? Seit November 2024 gibt es hier keine veränderte positive Positionierung sei- nerseits. Investitionen scheinen bei Herrn Merz offenbar keine Priorität zu haben. Das sollten alle Berlinerinnen und Berliner mit Blick auf ihre Wahlentscheidung am 23. Februar 2025 berücksichtigen. Abschließend möchte ich an dieser Stelle bekräftigen, dass wir als SPD-Fraktion entschlossen sind, die notwen- digen Entscheidungen zur Stabilisierung der öffentlichen Finanzen Berlins weiterhin verantwortungsvoll zu treffen. Der Bericht des Landesrechnungshofs liefert wertvolle Empfehlungen und Anregungen, die wir ernst nehmen. Ich freue mich darauf, diese in den kommenden parla- mentarischen Beratungen intensiv zu diskutieren und konstruktiv weiterzuentwickeln. – Herzlichen Dank! Vielen Dank! – Für die Fraktion Die Linke hat Frau Dr. Schmidt das Wort. – Bitte schön!
Vielen Dank! – Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Frau Präsidentin des Rechnungshofes! Liebe Frau Klingen! Wie auch in den Jahren zuvor bin ich Ihnen und Ihrem Team sehr dankbar für den von Ihnen vorgelegten Bericht. Mit Ihren Themen und Berichten lenken Sie erneut das Augenmerk auf die brennendsten Themen und Konflikte in der (Derya Çağlar) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 5999 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Berliner Verwaltung und den öffentlichen Institutionen. Doch Sie benennen nicht nur und legen die Untersu- chungsergebnisse klar und analytisch vor, Sie machen zugleich konstruktive Vorschläge zur Verbesserung, zur Optimierung, zur besseren Transparenz. Vielen Dank dafür! Die im Bericht versammelte Expertise ist umso wertvol- ler, als sie konkrete Schritte empfiehlt, wie dem gegen- wärtigen Haushaltchaos in Teilen begegnet werden kann. Zum Haushalt haben meine Vorrednerinnen und Vorred- ner schon einiges gesagt. Lassen Sie mich also drei kon- krete Beispiele herausgreifen, die zeigen, wie man plan- voll mit Haushalt und Konsolidierung umgehen kann. Als Erstes die Personalzumessung für die außerunter- richtliche Förderung und Betreuung: Hier bescheinigt der Rechnungshof dem Senat eine mangelhafte Leistung. Warum? – Gerade im außerunterrichtlichen Bereich lie- gen große Chancen, Kindern, Schülerinnen und Schülern mit diversen Schwierigkeiten zusätzliche Förderung zu- kommen zu lassen. Erst vor wenigen Wochen haben wir im Unterausschuss über die hohen Kostensteigerungen bei den Hilfen zur Erziehung gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass präventive Hilfen im Vorfeld zu- mindest den Kostenanstieg eindämmen können. Außerun- terrichtliche Förderung und Betreuung kann ebenfalls gute präventive Arbeit leisten, wenn sie fach- und be- darfsgerecht ausgestattet ist. Doch genau hier liegen die mangelhaften Leistungen. So braucht es dringend mehr Fachkräfte für die Integration der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, denn das Schulgesetz garantiert diesen Kindern den Anspruch zum Besuch einer Regelschule. Aber allein an den 216 Grundschulen, die die Betreuung mit eigenem Personal durchgeführt haben, fehlten Ende 2021 knapp 200 Vollzeitäquivalente, um den Bedarf an Fachpersonal für Integration zu decken. Am Ende des Schuljahres waren es gar 250 Vollzeitäquivalente. An 43 dieser Schulen war nicht eine Fachkraft für Integration beschäftigt. Nun hat der Senat Arbeitsgruppen gebildet. Eine befasst sich mit der Qualifizierung von Facherziehe- rinnen und -erziehern für Integration, eine andere mit der Vereinfachung des Wechsels von freien Trägern in die öffentliche Verwaltung. Rechte Tasche, linke Tasche? – Irgendetwas habe ich da noch nicht verstanden; reden wir darüber. Was die Qualifizierung und Fortbildung betrifft, braucht es dringend mehr Weiterbildungsmöglichkeiten. Nach Aussage des Senats sei nunmehr ein Gesamtmaß- nahmenpaket zur Deckung des Bedarfs an Facherzieher- personal in Vorbereitung. In Vorbereitung – das war 2021. Bleibt zu hoffen, dass es auch schnell umgesetzt wird. Das zweite Thema, auf das ich näher eingehen möchte, ist die Grundsteuerreform und die Bearbeitungsdefizite bei der Neufeststellung der Grundsteuerwerte. Es ging im- merhin um 70 Millionen Euro per anno. Wenn man Geld braucht, sollte man die nicht liegen lassen. Der Rech- nungshof hat in zwei Berliner Finanzämtern geprüft, und in 41,3 Prozent der geprüften steuerpflichtigen Fälle waren die Grundsteuerwerte nicht in zutreffender Höhe festgestellt. Hoffen wir, dass die Prüfung des Rechnungs- hofes zu einem entsprechenden Verwaltungshandeln geführt hat und somit verhindert wird, dass die fehlerhaf- ten Bescheide in die Grundsteuerberechnung einfließen. Allerdings wurde zugleich sehr deutlich, dass vor allem die fehlende Digitalisierung ein Problem ist. Eine elekt- ronische Lösung, um den Grundstückseigentümern Ba- sisdaten bereitzustellen, hätte Fehleintragungen und den dadurch entstandenen erheblichen Mehraufwand bei den Finanzämtern vermeiden können. Durch die händische Bearbeitung – händische Bearbeitung 2025! – sind ver- mehrt Fehler aufgetreten, und zugleich fehlte an vielen Stellen die notwendige Sorgfalt in der Bearbeitung der Grundsteuerwertermittlung. Zum mangelhaften Stand der Digitalisierung kommt noch, dass einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht ausreichend geschult wurden. Hier ist also auch im konkreten Fall noch Luft nach oben. Ich komme zum dritten Thema, das auch schon mehrfach angesprochen worden ist: Empfehlungen zur Vereinfa- chung und Optimierung des Zuwendungsrechts. Was mich hieran ärgert, ist, dass wir hier schon sehr lange auf dem Weg sind. Gemeinsam mit der Liga der Wohlfahrts- verbände hatten wir uns hier schon vor geraumer Zeit auf den Weg gemacht. Auch wenn der Prozess läuft, dauert es einfach viel zu lange. Gerade in der jetzigen Zeit von Haushaltchaos und finanzieller Unsicherheit, die bei einer Vielzahl von Trägern zu harten Konsequenzen bis hin zu Personalabbau führen wird, sind wir ihnen schuldig, dass wir schleunigst Ergebnisse in der Reform des Zuwen- dungsrechts und der Verwaltungsoptimierung vorlegen. Ich bin daher dem Rechnungshof ausgesprochen dankbar, dass Sie sich dieses Themas angenommen haben und hier sehr konkrete und vor allem zeitnah umsetzbare Vor- schläge vorgelegt haben. Lassen Sie mich trotzdem einige davon herausgreifen. Die Empfehlung zu den längerfristigen Förderbedarfen: Anstelle von längerfristigen Förderbedarfen und mit fortgesetzten Projektförderungen zu arbeiten, empfiehlt der Rechnungshof, institutionelle Zuwendungen zu ge- währen. Das allein würde den Verwaltungsaufwand er- heblich reduzieren. Eine zweite Empfehlung betrifft die Festbetragsanteil- und Fehlbedarfsfinanzierung. Hier sagen uns Träger immer wieder, dass sie eine Motivation brauchen, um auch Drittmittel und Spendenmittel zu akquirieren. In anderen Bundesländern arbeiten sie schon mit Festbe- tragsfinanzierungen. Warum schaffen wir das nicht auch? (Dr. Manuela Schmidt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6000 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Es ist nicht nur die Motivation für die Träger. Auch hier entlastet das die Bewilligungsstellen und erhöht gleich- zeitig die finanzielle Flexibilität bei der Umsetzung der Maßnahme. Lassen Sie uns gemeinsam definieren, bis zu welcher Höhe an Zuwendungen das in die Landeshaus- haltsordnung aufgenommen werden kann. Wir haben auch noch das Thema, ob hier Pauschalen statt Einzelprüfungen angewendet werden können. Nicht jeder Radiergummi muss dann dreimal beantragt werden. Arbeiten wir hier mit Pauschalen, erhöht auch das die Flexibilität und vermindert den Verwaltungsaufwand. Wichtig finde ich auch den Vorschlag zum Besserstel- lungsverbot – eine sehr aufwendige Prüfung, die oben- drein sehr viel Sachkenntnis erfordert. Folgen wir hier dem Vorschlag des Rechnungshofs, spart das Verwal- tungsaufwand, und es erhöht die Sicherheit und Planbar- keit für die Träger in erheblichem Maße. Das und vieles mehr, verehrte Damen und Herren der Koalition, sind gute Vorschläge, die helfen könnten, Ihr Haushaltschaos zu beenden und gegebenenfalls auch wieder verlässlicher Partner für all jene zu werden, die Berlin am Laufen halten, Tag für Tag, nicht nur die von der BVG, die heute gestreikt haben. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Für die AfD-Fraktion hat die Abgeordne- te Dr. Brinker das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Klingen! Als Erstes gilt Ihnen und Ihrem gesamten Team vom Landesrechnungshof unser Dank für die unermüdliche Arbeit, die Sie leisten, und vor allen Dingen auch wieder für den vorliegenden Bericht. Ich bin auch sehr dankbar für Ihre Rede, denn es gelingt Ihnen wirklich, Frau Klingen, in kurzen, klaren, knappen Sätzen sehr deutlich die Situation darzulegen. Vor allen Dingen ein Satz ist mir heute in Erinnerung geblieben, nämlich Ihr Satz zu den Notlagenkrediten und mit Ihrem Hinweis, dass finanzielle Nöte keine Notlage als Notlage rechtfertigen. Ich hoffe, dass dieser Hinweis auch bei denen so angekommen ist, die jetzt an diesem Thema arbeiten. Also vielen Dank von meiner Seite! Die Berliner Haushaltslage ist in der Tat dramatisch, das hat sich herumgesprochen, aber sie ist selbstverschuldet dramatisch. Wenn hier immer wieder der Schwarze Peter hin- und hergeschoben wird, so, wie wir das heute auch schon gehört haben, wer denn der Verursacher ist – ent- weder Rot-Grün-Rot oder jetzt der schwarz-rote Senat –, dann ist das alles Augenwischerei. Denn eines ist klar: Verantwortlich für das Desaster sind beide Regierungen, erstens der rot-grün-rote Vorgängersenat, der den Haus- halt exorbitant aufgebläht hat, und zweitens der aktuelle, CDU-geführte Senat, dem es nicht gelungen ist, klare Linien zu ziehen und Prioritäten zu setzen. Da helfen auch keine Ausflüchte, wie: Wir hatten die Coronakrise zu stemmen, die Folgen des Ukrainekriegs oder andere externe Umstände. – Nein, diese externen Umstände mussten nämlich auch alle anderen Bundesländer hin- nehmen, und die sind bei Weitem besser damit klarge- kommen. Denn im Vergleich mit den anderen Bundes- ländern gehört Berlin zu den wenigen, deren Ausgaben überdurchschnittlich gestiegen sind. Woran liegt das wohl? – Berlin hat genau wie die anderen Bundesländer auch höhere Einnahmen verzeichnet; das wird in Zukunft anders aussehen, ganz klar. Berlin hat es aber nicht ge- schafft, seine Ausgaben an diesen Einnahmen zu orientie- ren und unter Kontrolle zu bringen, und das ist ein politi- sches Problem. Jetzt kommt von Ihnen – von linksgrün in der Regel – der Einwand, dass man die Reichen zum Beispiel mehr be- steuern müsse, um die Einnahmenseite zu erhöhen. Dann wäre ja alles gut. Dann hat man auch mehr Einnahmen, kann von oben nach unten umverteilen. – Ja, auf welcher Basis denn? Wo ist denn der konkrete Vorschlag? Die wirklich Superreichen sitzen doch schon lange nicht mehr in Deutschland, die sind international unterwegs. Höhere Steuern würden doch wieder nur die Leistungs- träger, den Mittelstand hier entsprechend belasten. Und wie lange machen die denn das noch mit? Wie viele von denen sitzen denn schon auf gepackten Koffern? –, nicht nur die Unternehmen, die inzwischen ihre Firmensitze verlagern wollen, sondern auch die Leistungsträger unse- rer Gesellschaft aus dem Mittelstand. Das können wir uns schlicht nicht mehr leisten. Es bleibt das einzig Sinnvolle: Setzen Sie sich hin – das ist an die Regierungskoalition gerichtet –, klären Sie gemeinsam, wo Ihre politischen Prioritäten sind, setzen Sie diese dann auch um, und vor allem kommunizieren Sie die dann auch zügig, damit sich die betroffenen Ber- liner wirklich darauf einstellen können! Zum Thema Schulden, Schuldenstand Berlins: Auch hier wird immer so getan, dass Schulden die einzige Lösung, das einzige Mittel seien, um zu investieren. – Nein, und (Dr. Manuela Schmidt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6001 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 auch das habe ich hier schon häufiger gesagt: Ver- schaffen Sie sich bitte zuerst einen Überblick über den gesamten Investitionsbedarf, stellen Sie einen Investiti- onsplan auf, und dann wird nach Prioritäten abgearbeitet! Das kann nicht so schwer sein. Ich bin dem Rechnungshof sehr dankbar, dass er das Thema der finanziellen Transaktionen in seinem Bericht durchaus richtig und sehr kritisch bewertet hat. Kreditfi- nanzierte finanzielle Transaktionen erhöhen die Ver- schuldung der landeseigenen Unternehmen und können diese durchaus in wirtschaftliche Schieflagen bringen. Das ist ein wichtiges Thema. Eine wirtschaftliche Schief- lage eines landeseigenen Unternehmens bedeutet, Steuer- zahler haften am Ende dafür. Genau das hatten wir doch schon zur Jahrtausendwende mit dem Bankenskandal. Die Kreditverbindlichkeiten der landeseigenen Unter- nehmen haben sich seit 2017, also seit acht Jahren, fak- tisch verdoppelt. Das betrifft insbesondere auch die lan- deseigenen Wohnungsbaugesellschaften. Da müssen wir aufpassen und achtgeben. Alle, die den Immobilienmarkt seit Jahrzehnten hier in Berlin nach der Wende beobach- tet haben, wissen, wie schnell Immobilienkredite plötz- lich prekär geworden sind, weil die Immobilienbewertung sich geändert hat. Wer kennt denn noch die Zeit um die Jahrtausendwende, als die Immobilienpreise in Berlin erst durch die Decke geschossen und dann in kürzester Zeit wieder abgestürzt sind? Was waren die Konsequenzen? – Die Banken, die Immobilien finanziert haben, mussten neue Bewertungen vornehmen. Konsequenz war: Die Immobilieneigentümer mussten nachbesichern, also neue, weitere Sicherheiten bringen, und wer das nicht konnte, musste einen Teil der Kredite damals zurückbezahlen. Und wer das wiederum nicht konnte, musste die Immobi- lie zwangsweise verkaufen, oder sie wurde versteigert. Wer dann noch Pech hatte, blieb auf einem Teil der Schulden sitzen. Genau das führt zu Insolvenzen, zu einem weiteren Verfall der Immobilienpreise; eine Nega- tivspirale setzt sich in Gang. Da aber das Land Berlin nicht pleitegehen kann, haftet wer? – O Wunder, der Steuerzahler, der muss immer für alles zahlen, und das darf nicht sein. Bevor landeseigene Unternehmen in die Schuldenfalle getrieben werden, müssen wir zwingend Grenzen setzen, bis zu welchen Kennzahlen, Kriterien Landeseigene ma- ximal belastet werden können, um wirtschaftlich zu ar- beiten. Das sind wichtige Kriterien, und da bin ich auch dem Rechnungshof dankbar, dass er diese Themen hier sehr gut herausgearbeitet hat. Meine Zeit ist nicht mehr allzu lang, deswegen fasse ich mich doch etwas kürzer als gedacht. Wir kommen nämlich noch zu den einzelnen Untersu- chungsgebieten, und da möchte ich im vorliegenden Be- richt zwei Fälle herausgreifen, die mir wichtig erscheinen und wichtig sind, einzelne Fälle, die dafür sorgen oder die zeigen, dass Gesetze selbst von behördlichen Stellen nicht ohne Weiteres immer vollumfänglich eingehalten werden, werden können, aber werden müssen. Erstens – ein Beispiel: das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. 1,4 Millionen Euro Steuergeld wurden verschwendet mit teuren Personaltricks: überhöhte Zahlungen an Mitarbei- ter, keine regelkonformen Stellenbesetzungen. Das klingt in der Tat sehr nach Vetternwirtschaft und Seilschaften im Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg. Genau solche Vorkommnisse tragen zur Politikverdros- senheit und zum Frust vieler Bürger bei; das sind genau diese Beispiele. Der Rechnungshof hat recht, wenn er sagt, es sollte, sollte ein Schaden für das Land Berlin entstanden sein, tatsächlich mal eine Haftung geprüft werden. Da erwarte und erhoffe ich, dass der CDU- geführte Senat auch wirklich entsprechende Prüfungen vornehmen lassen wird. Der zweite Punkt: die Altersversorgung beim rbb als finanzielles Risiko. Ich musste tatsächlich dreimal hingu- cken, als ich gesehen habe, dass 84 Prozent der Bilanz- summe inzwischen nur Pensionsrückstellungen sind beim rbb. Alle Zwangsgebührenzahler werden also in Zukunft nicht mehr für die Erstellung des laufenden Programms bezahlen, sondern für die Pensionen der rbb-Mitarbeiter, die Pensionäre. Das ist ja echt eine Wahnsinnssituation! Es ist unfassbar. Da frage ich mich ernsthaft: Wo war denn das Controlling in den letzten Jahren? Wo waren denn die Herrschaften vom Rundfunkrat? Die hätten sich doch damit auch mal befassen können, sollen. Herr Goiny, Frau Helm, Frau Kapek, Frau Küh- nemann-Grunow, alle sitzen im Rundfunkrat und wissen von nichts, haben keine Ahnung? – Das kann nicht sein. Solche Sachen müssen entsprechend recherchiert und aufgedeckt werden, und zwar rechtzeitig, damit solche Entwicklungen überhaupt nicht entstehen können. Wa- rum bedurfte es denn dazu erst des Rechnungshofs? Also eine unfassbare Situation. Der jährliche Rechnungshofbe- richt ist immer irgendwie Anlass zur Trauer, aber auch zur Freude: Trauer wegen der immer wieder klar und deutlich aufgedeckten Fälle von Steuergeldverschwen- dungen oder auch von Nichteinhaltung von Vorgaben und Gesetzen, auf der anderen Seite aber auch ein Grund zur Freude – deshalb, weil es mit dem Rechnungshof eine unabhängige Institution gibt, die sich solchen Themen wirklich mit Hingabe widmet und hier Neutralität wahrt. Das ist wirklich eine gute Situation. Ich danke dem Rechnungshof noch einmal für diese anhaltend gute und (Dr. Kristin Brinker) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6002 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 konstruktive Arbeit und freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. – Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Der Jahres- bericht 2024 des Rechnungshofs von Berlin wurde vorge- legt und besprochen. Eine Überweisung an den Haupt- ausschuss ist bereits erfolgt. – Dann darf ich Ihnen, sehr geehrte Frau Klingen, und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die auch oben auf der Tribüne sitzen, ab- schließend im Namen des Hauses herzlich für die geleis- tete Arbeit danken! Wir kommen zu lfd. Nr. 4: Prioritäten gemäß § 59 Abs. 2 der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Ich rufe auf lfd. Nr. 4.1: Priorität der Fraktion der SPD Tagesordnungspunkt 50 Chancen und Potenziale durch E-Sport für den Standort Berlin Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2218 In der Beratung beginnt die Fraktion der SPD. – Bitte schön, Frau Wolff, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Liebe Gäste! Ich freue mich, dass wir heute einmal über ein Thema reden, das auch viele junge Menschen interes- siert. Die SPD-Fraktion nimmt eine der weltweit am schnellsten wachsenden Branchen in den Fokus: den E- Sport. Was früher kritisch als Zocken an der Konsole abgetan wurde, ist längst ein globales Phänomen von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Relevanz. Über 42 Millionen Menschen in Deutschland sind im Gaming aktiv, davon über 11 Millionen Menschen in einem sportlichen, leistungs- und wettkampforientierten Gebrauch von Videospielen, dem E-Sport. Millionen von Menschen verfolgen diese Turniere online und live in ausverkauften Arenen. Für die SPD und mich als Sprecherin für Kreativwirt- schaft und Tourismus ist die Games-Branche für Berlin wichtig. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft schreibt anlässlich der letzten Gamescom in Köln, dass in Berlin- Brandenburg über 300 Unternehmen dieser Branche ansässig sind, die jährlich einen Umsatz von 446 Millionen Euro erwirtschaften. Das Durchschnitts- alter dieser Unternehmen in Berlin-Brandenburg beträgt ungefähr 6,4 Jahre; es ist also eine sehr junge und dyna- mische Branche, in der vor allem eben junge Menschen aktiv sind – und tätig: Sie schafft neue Berufsbilder und prägt die digitale Arbeitswelt. Diese Branche fordert und fördert technologischen Fortschritt. Eine gute Internet- infrastruktur, leistungsstarke Hardware und neue KI- Anwendungen sind hier essenziell. Warum ist der E-Sport für Berlin wichtig? – Berlin ist internationaler Hotspot. Diese Stadt ist einer der wichtigen Standorte für E-Sport in Europa. Internationale Topteams haben hier einen Sitz. Einer der größten Spieleentwickler ist in Adlershof ansäs- sig, eine der größten und besten – und wahrscheinlich auch schönsten – Weltmeisterschaften der letzten Jahre hat hier stattgefunden. Das zog Fans und Touristen aus der ganzen Welt an. 17 000 Begeisterte waren live dabei; die Veranstaltungshalle war voll. Es passten nicht mehr rein. 36 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer waren per Livestream dabei. Gesendet wurde hier aus Berlin. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betrie- be hat dieses wirtschaftliche Potenzial bereits erkannt, was mich sehr freut. Unsere Senatorin für Wirtschaft, Franziska Giffey, lädt regelmäßig zum Runden Tisch E- Sport und Games ein. Ich finde das nicht nur wichtig, ich finde das auch richtig. Bei all dem, was ich gerade gesagt habe, muss erwähnt werden: Natürlich gibt es kontroverse Diskussionen rund um den Konsum von Videospielen – insbesondere, wenn es Kinder und Jugendliche betrifft. Nicht nur als Politike- rin, sondern auch als Mutter denke ich: Es ist wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, denn wie bei allem im Leben sollte auch hier das richtige Maß entscheiden. Computerspiele können Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen bei unkontrollierter Anwendung schaden. Umgang und Aufklärung sind wichtig. Interessant ist: Laut der Barmer Ersatzkrankenkasse ist E- Sport mehr als nur Gaming. Es verbindet Menschen, schafft neue Lern- und Karrierewege und durchbricht alte Klischees. Wissenschaftlich belegt ist: E-Sport fördert Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6003 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 zum Beispiel eine schnelle Entscheidungsfindung, Hand- Augen-Koordination und das Abbauen von Stress. Diese Fähigkeiten sind in Berufsfeldern wie Medizin, Luftfahrt oder Technik gefragt. Heißt das: Wer in E-Sport inves- tiert, unterstützt also nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Bildung? Im Übrigen: Ein weit verbreitetes Vorurteil lautet, E- Sport-Spielerinnen und -spieler würden sich nicht bewe- gen. Die Realität ist anders: E-Sport-Spieler bewegen sich wahrlich. Die E-Sport-Studie 2021 der Deutschen Sporthochschule Köln bestätigt, dass eine ausgewogene Ernährung und Bewegung wichtig sind, um den Spielern Leistungsfähigkeit zu geben, und das wird auch so umge- setzt. Rund um dieses Thema stellen sich weitere, vertiefende Fragen: Handelt es sich rechtlich um Sport? Welche Un- terstützung brauchen E-Sport-Großveranstaltungen? Was ist für die Vereinsstrukturen nötig? Wie können gezielt die Breite und die Spitze im E-Sport gefördert werden? Wie gelingt Inklusion? Wo müssen Jugendschutz und Prävention erfolgen? – All diese offenen Fragen zeigen: Es braucht eine ressortübergreifende Potenzial- und Be- darfsanalyse. Frau Kollegin! Gestatten Sie eine Zwischenfrage der Abgeordneten Schedlich?
Nein, jetzt nicht, danke. – Diese Analyse soll neben den wirtschaftlichen auch die sozialen, sportpolitischen und jugendschutzpolitischen Aspekte des Gamings bearbei- ten. Wir klären: Bietet der E-Sport Chancen und Potenzi- ale für den Standort Berlin? – Ich hoffe auf Ihre Zu- stimmung und bedanke mich! Vielen Dank! – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat die Kollegin Schedlich das Wort. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gamerinnen und Gamer! „E-Sports ist Sportkultur. International, begeis- ternd, aktivierend. Berlin erkennt sein Potenzial und seine Verantwortung als internationaler Leuchtturm der E-Sports-Szene an … und macht sich auf den Weg, diesen zu fördern.“ So beginnt der Antrag der Grünen-Fraktion zum Thema E-Sport, der dem Parlament seit November 2023 vorliegt. Dota, League of Legends, Overwatch und viele mehr: Wir wissen, dass unzählige Jugendliche und Erwachsene zu Hause in der Freizeit zocken, sogar professionellen E- Sport betreiben oder in der Gaming-Branche arbeiten. Noch mehr Menschen schauen Streams oder besuchen Wettkampfveranstaltungen im E-Sport – wenn diese in Berlin stattfinden, dann gern auch hier. Allein die Streaming-Konferenz TwitchCon lockte 2019 mehr als 10 000 Fans auf das Berliner Messegelände. Damit ist das Thema ein politisches, bedarf unserer Aufmerksamkeit und endlich auch Priorität. Ich möchte aber erst einmal damit beginnen, meinem Kollegen von der CDU, Herrn Hack, zu gratulieren. Nach einem Jahr und drei Monaten, in denen ich ihn nach jedem Sportausschuss genervt habe, wann denn der ange- kündigte Koalitionsantrag zum Thema E-Sport endlich im Parlament ankommt, sieht es jetzt so aus, als könnte ich endlich aufhören, Sie zu stressen. Halleluja! Heute sprechen wir über die Vorschläge der Koalition zum Thema E-Sport. Also sehen wir uns den Antrag einmal an. Was drin steht: Gemeinnützigkeit von E- Sport-Vereinen, das Angebot von E-Sport und Gaming bei gemeinnützigen Trägern, Vereinen oder Schulen, Gaming-Conventions in Berlin und deren Einbindung in bestehende Programme des Tourismus- und Standort- marketings, Jugendschutz, Umsetzung von Großveran- staltungen von E-Sport-Disziplinen. All diese Punkte stehen auch in unserem Antrag. Es hat Klick gemacht. Berlin investiert in E-Sport. Also alles sehr gute Punkte! Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Die CDU und die SPD fordern nämlich all diese Punkte für eine Analyse. Sie wollen erst einmal nur eine Studie in Auf- trag geben, und dafür scheint es nicht mal einen Zeitplan zu geben. – Doch? – Dann kann mich Herr Hack gleich erleuchten. – Das bedeutet: Es wird untersucht, dann wird vielleicht gehandelt, Papierkram statt Action. Auch die bisherigen Debatten dazu hier im Parlament waren, ich sage mal, durchwachsen. Beispielsweise dürf- ten dem Kollegen Buchner die vorliegenden Anträge beide eigentlich nicht sehr gut gefallen. Er sagte bei- spielsweise im Sportausschuss im Mai 2024 über E- Sports, ich zitiere: „Ich glaube nur, dass das nicht mit dem Sport konkurrieren sollte.“ Er sagte weiter: (Dunja Wolff) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6004 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 „Deswegen sind … E-Sport und Gaming aus mei- ner Sicht sportlich nicht förderungswürdig …“ Gut, dass wir jetzt einen Schritt weiter sind! Um Herrn Buchner direkt noch einmal zu zitieren, im Plenum im Juli 2024 sagte er, Zitat: „Die Grünen sind hier so ein bisschen auch die parlamentarische Vertretung der Lobbyisten im Games- und E-Sportsbereich.“ Ich würde sagen, ich bin auf jeden Fall die parlamentari- sche Lobby von Jugendlichen und auch von E-Sport- lerinnen und -Sportlern, und dem will ich jetzt mal wieder gerecht werden. Liebe Koalition! Lieber Senat! Bereits die Studie zur Games-Industrie in Berlin 2018 hat gezeigt, dass Berlin ein wachsender E-Sport-Standort ist und dass sich viele Unternehmen und Akteurinnen und Akteure in diesem Bereich engagieren. Schon 2020 hatte der damalige Re- gierende Bürgermeister Michael Müller den Runden Tisch E-Sport initiiert und dort den eindeutigen Bedarf geschildert bekommen. Der Bedarf ist also offensichtlich. Warum wollen Sie jetzt noch Zeit schinden? Nehmen Sie sich andere Bundesländer zum Vorbild, und handeln Sie! Ihre To-do-Liste ist voll. Das zeigen auch die Vorschläge auf Ihrer Prüfliste. Wir müssen endlich mit der Zeit gehen, Innovation und Fortschritt zeigen, und das auch im Gaming-Bereich. Wir können in Berlin nicht immer wieder zurückbleiben und uns von anderen Standorten abhängen lassen. Totales New Behaviour! Hören Sie endlich auf, AFK zu sein! Trauen Sie sich, und legen Sie endlich los! – Vielen Dank! Vielen Dank! – Ich möchte den Abgeordneten Weiß darauf hinweisen, dass es nicht parlamentarisch ist, Ab- geordnete hier als linksextremistisch zu bezeichnen. Für die CDU-Fraktion hat nun Herr Hack das Wort. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Abgeordnete Schedlich! Von meiner Seite aus ganz herzlichen Dank für Ihr stetes Treiben! Ich habe die Dis- kussion zum Thema E-Sport genossen und bin wahnsin- nig froh, dass wir heute diesen Antrag zur Bedarfs- und Potenzialanalyse im E-Sport einbringen. Ich möchte aber vorab darauf hinweisen, dass wir heute hier ein kleines Stück Parlamentsgeschichte schreiben, denn es ist das erste Mal, dass wir im Plenum zu einem Antrag, der den E-Sport betrifft, eine Rederunde durch- führen. Während sich der eine oder andere fragt, was denn dieser E-Sport ist, das wurde hier schon angespro- chen – nein, das ist eben nicht das Zocken auf der Couch –, hat sich Berlin klammheimlich zum deutschen Hotspot für den sportlichen Wettkampf in Computerspie- len entwickelt und reiht sich damit bei Städten wie Los Angeles, New York, London, Tokio, Seoul, Riad und Shanghai ein. Über 640 Millionen Menschen weltweit schauen mittlerweile regelmäßig E-Sport-Events. Die Branche verzeichnete im Jahr 2024 einen Umsatz von circa 2 Milliarden Euro, Tendenz weiter steigend. Am 24. Juli 2024 hat das Internationale Olympische Komitee beschlossen, künftig jährlich die Olympischen E-Sport- Spiele stattfinden zu lassen, und kann sich sogar vorstel- len, diese nach Abschluss einer Probephase in die Olym- pischen Spiele zu integrieren. In Berlin sind über 300 Unternehmen mit circa 2 600 Mitarbeitern dem Games- und E-Sport-Bereich zugeordnet, der einen Umsatz von ungefähr 450 Millio- nen Euro jedes Jahr in Berlin erwirtschaftet. Der E-Sport ist aber nicht nur ein wirtschaftlicher Faktor, sondern durch seine steigende Popularität und hohe Nachfrage zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden. Daher ist es folgerichtig, dass wir uns als Politik mit diesem Thema auseinandersetzen. Während der kommerzielle E-Sport, also der Profibe- reich, in Berlin sehr gut Fuß gefasst hat, steckt der nicht kommerzielle E-Sport, also der Amateurbereich, noch in den Kinderschuhen. Daher ist es wichtig, dass die beiden Bereiche zwar separat betrachtet, aber zusammen gedacht werden. Genauso wie beim Sport gilt auch beim E-Sport, ohne Breite keine Spitze. Auf dieser Grundlage möchten wir als Koalition eine Bedarfs- und Potenzialanalyse für den E-Sport in Auftrag geben, die im Grunde drei ganz einfache Fragen beantworten soll: Wo stehen wir? Wohin wollen wir? Und was müssen wir dafür tun? – Die Analy- se soll im Wirtschaftsbereich Kennzahlen ermitteln, Hemmnisse identifizieren und bestehende Förderpro- gramme abgleichen. Es soll zudem dargestellt werden, wie weitere Unternehmensansiedlungen gefördert und mehr internationale Events in die Hauptstadt geholt wer- den können. Im Bereich Sport soll es vor allem um die Eingliederung des E-Sports in den traditionellen Sport, (Klara Schedlich) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6005 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 den Aufbau von Liga- und Vereinsstrukturen sowie not- wendige Förderprogramme gehen. Herr Kollege! Gestatten Sie eine Zwischenfrage der Ab- geordneten Schedlich?
Bitte schön! Bitte schön!
Vielen Dank, Herr Kollege! – Ich wollte zu dem gesam- ten Themenkomplex eine Frage stellen, und zwar sollte bis Ende 2024, spätestens bis Anfang 2025 die Suche nach einer passenden Immobilie für das House of Games abgeschlossen sein, um in diesem Jahr mit den Baumaß- nahmen zu beginnen. Wir sind uns ja alle einig, Berlin möchte Games-Hauptstadt werden. Deswegen frage ich, vielleicht wissen Sie da mehr: Wo bleibt das House of Games?
Selbstverständlich wird das House of Games, das nicht originär E-Sport ist, intensiv von mir begleitet. Ich kann Ihnen nur die Empfehlung geben, schauen Sie in den nächsten ein, zwei Monaten in die Presse, da ist was in Vorbereitung, da kommt was. Wir waren aber beim Sportbereich stehengeblieben. Wie so was erfolgreich aussehen kann, hat uns der Berliner Fußball-Verband am 17. Januar mit dem zweiten 030 eCup im Xperion vorgemacht. Damit so etwas um- fangreicher und vielfältiger stattfinden kann, braucht es die Gemeinnützigkeit für den E-Sport. Lassen Sie mich an dieser Stelle kurz sagen, dass es eine Schande und ein großer Rückschlag für den E-Sport ist, dass es die Ampel trotz der zahlreichen Ankündigungen und Versprechen nicht geschafft hat, die Gemeinnützigkeit für den E-Sport zu beschließen! Daher ist es nun an einer neuen Bundes- regierung, dass endlich umzusetzen. Zum Glück liegen die Pläne dafür bereits in der Schublade. Ebenfalls soll sich die Analyse mit dem Thema Jugend- schutz und Suchtprävention befassen und Vorschläge für die Anpassung von Verwaltungsstrukturen machen sowie klare Ansprechpartner schaffen. Beim Thema Integration und Inklusion setzte E-Sport schon seit Jahren Maßstäbe, denn er vermag es, über Nation, Geschlecht, Alter und körperliche Voraussetzungen hinwegzusehen. Aufbauend auf dieser Analyse wird der Senat aufgefordert, eine ressortübergreifende Strategie für den E-Sport in Berlin zu entwickeln. Ich glaube, das ist hoffentlich allen klar, dieser Antrag wird hier heute eingebracht, noch nicht beschlossen und in den Sportausschuss überwiesen. Selbstverständlich, Frau Schedlich, habe ich den An- spruch und haben wir, glaube ich, alle den Anspruch, dieses Thema schnellstmöglich voranzubringen. Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass dieser Antrag neben dem House of Games und der starken Ga- mes-Förderung ein weiteres klares Bekenntnis der Koali- tion zur Games- und E-Sport-Hauptstadt Berlin ist. Ich freue mich auf einen anregenden Austausch zu all diesen Punkten im Ausschuss. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Für die Fraktion Die Linke hat der Abge- ordnete Ronneburg das Wort. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! In den letzten Monaten hat sich die Welt des E-Sport erheblich gewandelt. Thomas Bach hat als IOC-Präsident die Gründung Olympischer E-Sport-Spiele verkündet. Dort sollen die Sportarten von internationalen Sportfachverbänden, die bereits eine E-Version ihrer Sportart haben, gegeneinander antreten können. 2027 sollen Olympische E-Sport-Spiele stattfinden. Sie sollen in Saudi-Arabien ausgetragen werden. Das Land stellt insgesamt 38 Milliarden Dollar bereit. Parallel zu Olym- pia in Paris wurde in Saudi-Arabien die E-Sport-WM ausgetragen – ausgezahltes Preisgeld: 60 Millionen Dol- lar. Das IOC ist also überall da, wo das Geld ist. Ich den- ke, diese Entwicklungen werden wohl auch beim DOSB zu inhaltlichen Anpassungen führen. E-Sport wird sicher über kurz oder lang auch in Deutschland als Sport aner- kannt werden – mit den daran anknüpfenden Vergünsti- gungen nach § 52 Abgabenordnung. Auch wenn die Ab- gabenordnung E-Sport noch immer nicht umfasst, so können wir aber konstatieren: Die Finanzbehörden in Deutschland sind diesbezüglich kulant. Immer mehr große Sportvereine leisten sich mittlerweile eine E-Sport- Abteilung. Kommen wir zu Berlin: Wir haben hier den Koalitions- vertrag, CDU und SPD haben den Runden Tisch „E-Sports“ zum Wirtschaftssenat gegeben. Damit werden E-Sport und Games mehr oder weniger in einen Topf Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6006 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 geworfen. Das wird der Sache erst einmal soweit nicht gerecht. Da ist dieser Antrag der Koalition auf jeden Fall ein Fortschritt. Die Gemeinnützigkeit von E-Sport wird diskutiert, auch hier in Berlin. Da müssen wir erst einmal konstatieren: Gaming ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ein Grund ist natürlich die Verbreitung des Smartphones, aber auch fast 30 Prozent der deutschen Haushalte besitzen mittlerweile eine Spielekonsole. Politisch am einfachsten wäre es tatsäch- lich, eine Gemeinnützigkeit für E-Sport zu fordern, so- lange es sich eben um Sportsimulationen handelt. PCs und Konsolen sind jedoch vielseitige Sportgeräte, und so muss man auch konstatieren: Abseits von Sportsimulatio- nen gibt es noch andere Bereiche, wo auch hohe Preis- gelder vergeben werden – Strategiespiele sind ein Bei- spiel. Das Engagement Saudi-Arabiens wird es zudem wahr- scheinlich für Berlin in Zukunft noch schwieriger ma- chen, sich als Standort für Sportsimulationen zu etablie- ren. Berlin hat schon einen Namen in der Szene: Es ließe sich eine lange Liste an Spielen und Austragungsstandor- ten vortragen, wo Berlin ganz vorne ist. Aufgrund dieser Entwicklungen sollte sich Berlin wahrscheinlich vor allem darum bemühen, den E-Sport-Begriff weiter zu fassen als nur auf Sportsimulationen, denn sonst lässt man einen großen Teil von E-Sport außen vor. Wichtig ist, dass die Gemeinnützigkeit auf E-Sport- vereine begrenzt bleibt. Wir sollten nicht die Fehler be- gehen wie beim IOC, bei der UEFA oder FIFA, wo auch milliardenschwere Verbände von den Regeln der Ge- meinnützigkeit profitieren. Was allerdings sehr wichtig ist: E-Sport sollte auch jenseits von Vereinen gefördert werden, zum Beispiel indem Schulen oder Jugendzentren finanziell in die Lage versetzt werden, entsprechende Angebote zu machen, ohne ihren Status als Gemeinnützi- ge zu verlieren. Spieler sollten dadurch wieder in einen direkten sozialen Bezug zueinander gesetzt werden. In den letzten Jahren, muss man leider konstatieren, haben sich Spieleplattformen auch zum Hort rechter Propaganda entwickelt, wo es ungefiltert bei den Spielern ankommt. – Ja, es ist klar, dass Sie da lachen. Es ist ja sozusagen Ihre Spielwiese. Insofern kann ich nur sagen: Gruppen und Vereine wer- den sicherlich sehr gut – – – Hören Sie doch mal zu! Was plärren Sie jetzt dazwi- schen? – Es wäre auf jeden Fall gut, vor allem Vereine darin zu stärken, weil sie auch gerade da ein besserer Schutzraum für Menschen sind. Man holt sie damit auch aus der Vereinzelung. Genauso, das spreche ich hier auch an, ist das Thema Sexismus ein virulentes Thema. Viele Gamerinnen sehen, wie das Thema auf den Plattformen sichtbar ist und vermeiden deswegen vielleicht auch eine Karriere im E-Sport. Das sind alles Themen, denen wir mit der Gemeinnützigkeit begegnen könnten, wenn wir eben dadurch auch geschützte Räume für Frauen, für Vereine, für Teams und für die Freizeit schaffen. Kommen Sie bitte zum Ende, Herr Kollege!
Lassen Sie mich zusammenfassen: E-Sport sollte als Sport anerkannt werden. Die Gemeinnützigkeit würde Sportvereinen und Jugendzentren dabei helfen, ohne Angst entsprechende Abteilungen aufzubauen, um Kin- dern, Jugendlichen und anderen dabei zu helfen, gemein- sam zu agieren – inklusiv und besonnen. Kommen Sie jetzt bitte zum Schluss, Herr Kollege!
Insofern, denke ich, können wir diesen Ausschussantrag sehr bald besprechen und kommen da sicherlich zu einer guten Beschlussfassung. – Danke schön! Für die AfD-Fraktion hat jetzt der Abgeordnete Woldeit das Wort. – Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Her- ren! Es ist schon hochinteressant: Ich warte bei Reden von den Linken immer darauf, wann denn endlich irgen- detwas zum Thema „rechtsextrem“, „rechts“ kommt. Das kriegen Sie jetzt sogar bei E-Sports hin. Herr Kollege Ronneburg! Diese Manie, die Sie haben, kann man schon fast pathologisch nennen. Ich glaube, das kann man irgendwie behandeln. Da soll- ten Sie sich vielleicht auch irgendwann einmal Hilfe holen. Als ich am Dienstag in der Fraktionssitzung war und wir die Tagesordnung durchgingen, war ich etwas irritiert, (Kristian Ronneburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6007 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 als mein Parlamentarischer Geschäftsführer uns mitteilte, dass die SPD-Fraktion als ihre Priorität den Antrag an- gemeldet hat, den sie gemeinsam mit der CDU zur Chan- cen- und Potenzialanalyse zum Thema E-Sports ein- gebracht hat. Dann habe ich mir so gedacht: Nächste Woche Sonntag sind Bundestagswahlen, die Menschen haben echte Probleme – Inflation, Kaufkraftverlust, Energieproblematik, Angst vor dem Jobverlust, Insolven- zen –, und eineinhalb Wochen vor der Wahl ist die Priori- tät der Kanzlerpartei, der Partei, die auf Bundes- und Landesebene regiert, wirklich das Thema E-Sports? Ich weiß nicht, ob Sie da die richtigen Prioritäten setzen, meine Damen und Herren! Darüber sollte man vielleicht einmal nachdenken. Die Beratung hat gezeigt: Es scheinen sich alle einig zu sein, gutes Thema. Ich kannte das Thema bis jetzt nur von den Grünen. Die Kollegin Schedlich hat ja gesagt, sie hatte bereits einen Antrag eingebracht. Wir haben im Sportausschuss auch schon darüber beraten. Man kann auch darüber sprechen, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich bin auch dem Gedanken, einer Chancen- und Potenzi- alanalyse nachzugehen, gar nicht negativ gegenüber ge- sinnt. Ich stelle mir nur die Frage – wie gesagt, ich habe auch die Beratung verfolgt, und der Kollege Buchner ist schon zitiert worden, er sieht das auch kritisch –: Ist E-Sport echter Sport? Wir sind im Sportausschuss mit dem Thema Breitensport, mit dem Thema Profisport und mit der Sportförderung befasst. Wie kann man Ehrenamtliche unterstützen? Ich komme da nicht so ganz heran. Natürlich haben Sie recht: E-Sports ist mittlerweile ein Wirtschaftsfaktor. Millionen von Menschen frönen diesem Hobby, teilweise bis zur Professionalisierung. Ja, es werden Millionenumsätze gemacht. Man kann darüber beraten – außer Frage. Der Antrag als solches ist für mich unschädlich. Wie gesagt, eine Analyse zu machen, ist nicht verkehrt. Das Thema Gemeinnützigkeit stelle ich mal in ganz große Klammern. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, aber wie gesagt, ich freue mich auch hier auf die Beratung im Sportausschuss. – Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags an den Ausschuss für Sport. – Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 4.2: Priorität der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Tagesordnungspunkt 48 Bezahlbare Wohnungen sichern – Mietspiegel gerechter gestalten! Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/2216 In der Beratung beginnt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. – Bitte schön, Frau Schmidberger, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Mieterinnen und Mieter! Meine Damen und Herren! Lange hatte Berlin darauf gewartet, im Juni des letzten Jahres war es dann soweit: Der neue qualifizierte Mietspiegel für Berlin wurde veröffentlicht. Was viele befürchtet hatten, blieb auf den ersten Blick aus: Die ortsübliche Vergleichsmiete stieg nicht ins Unermessliche, die Steigerung betrug nur 0,7 Prozent. Doch auf den zweiten Blick kam für viele Mieterinnen und Mieter in unserer Stadt in den Wochen darauf erst die Irritation, dann der Schock – so zum Bei- spiel im Wrangelkiez: Dort flatterten Mieterhöhungen ins Haus, denn die Wohnlage wurde von einfach auf mittel oder sogar von einfach auf gut erhöht, was schnell eine Miete von 50 oder gar 100 Euro mehr monatlich bedeuten kann. Wer im Wrangelkiez wohnt, weiß, dass es hier nicht nur keine sichtbaren Verbesserungen im unmittelba- ren Wohnumfeld gibt, der weiß auch, dass die aktuelle Politik von Schwarz-Rot hier vor allem für mehr Ver- elendung sorgt. Mieterinnen und Mieter von Vonovia haben sich besonders die Augen gerieben: Satte Mieter- höhungen, obwohl der Mietspiegel doch eigentlich gar nicht so dramatisch ausgefallen war. Begründet wurden die Mieterhöhungen von Vonovia mit einer guten ÖPNV- Anbindung, als wenn über Nacht U- Bahnhöfe vom Himmel gefallen wären. Das ist nicht nur absurd, sondern vor allem auch sehr dreist. Denn ein Blick in den Miet- spiegel zeigt, dass es gar keine Kategorie „gute ÖPNV- Anbindung“ gibt und dass solche Kriterien bereits bei der Einordnung der Wohnlage längst enthalten sind. Vonovia hat einfach mal was erfunden und ausgetestet, ob die Mieterinnen und Mieter das merken und diese unbegrün- deten Mieterhöhungen bezahlen. Wer von Manipulation spricht, aber den Mietspiegel selbst manipuliert, wie es Herr Buch von Vonovia tut, wer seine Mieterinnen und Mieter verarscht und auf ihre Kosten Profite für die Aktionäre macht, der kann kein Partner für unsere Stadt sein. Aber zurück zum Mietspiegel, ist leider jetzt ein bisschen technisch. Der gilt für zwei Jahre und soll das ortsübliche Mietniveau aufzeigen. In die Erhebung fließen erhöhte Mieten der vergangenen sechs Jahre. Dabei wird nach (Karsten Woldeit) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6008 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Lage, Wohnungsgröße, Alter des Gebäudes und Ausstat- tung unterschieden. Aber auch die Bodenrichtwerte flie- ßen erheblich zur Festsetzung der Mietpreise ein, durch die Bestimmung der Wohnlagen. Einfach gesagt: höhere Bodenpreise gleich höhere Mieten, ohne jegliche reale Verbesserungen vor Ort – ein völlig falscher Ansatz. Was bedeutet das in der Praxis? – Ich habe es mal ausge- rechnet. In der Praxis sind das fast bis zu 3 Euro mehr pro Quadratmeter. Bei einer 60-Quadratmeter-Wohnung reden wir über 180 Euro monatlich. Das ist dramatisch, gerade für die Mieterinnen und Mieter, bei denen es eh schon eng genug ist. Um diese ungerechten und willkürli- chen Erhöhungen künftig zu vermeiden, müssen wir die Indikatoren für die Wohnlagenbewertung neu justieren. Sie nehmen sich doch immer so gern ein Vorbild an Hamburg, Herr Senator Gaebler! Statt 27,5 Prozent fließt hier der Bodenrichtwert nur mit 19 Prozent ein. Hamburg hat sogar 2023 die Bodenrichtwerte um zwei Jahre zu- rückgesetzt, sprich gesenkt. Was in Hamburg also längst Praxis ist, müsste doch auch in Berlin möglich sein, oder? Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Frage von rechtswidrig hohen Mieten, denn, obwohl illegal, fließen auch sie in die Berechnung des Mietspiegels ein. Ja, oft stimmen Mieterinnen aufgrund von Unwissenheit oder aus Angst vor Kündigung den illegal überhöhten Mieten zu. Diese Mieten haben im Mietspiegel nichts zu suchen. Also, lieber Senat, sorgen Sie dafür, dass illegales Ver- halten von Immobilienbesitzern nicht mehr auch noch in unserer Stadt belohnt wird! Die Untätigkeit des Senats beim Mieterschutz muss end- lich ein Ende haben. Während der Neubau bezahlbaren Wohnraums unter der SPD-geführten Senatsverwaltung stagniert, das Angebot möblierter Wohnungen durch die Decke geht und sich die Neuvermietungsmieten längst von den Durchschnittseinkommen entkoppelt haben, könnte und müsste der Senat wenigstens beim Berliner Mietspiegel den Druck auf die Mieterinnen und Mieter verringern. Klar, der Mietspiegel muss auch grundlegend auf der Bundesebene reformiert werden, darüber brau- chen wir gar nicht streiten. Aber der Senat könnte hier und jetzt selbst und ganz konkret etwas für die Berliner Mieterinnen und Mieter tun. Er könnte sie schützen. Wir müssen weg von einem Mieterhöhungsspiegel, der die Mieterhöhungsspirale immer weiter nach oben dreht. Wir brauchen einen Miet- spiegel, der Immobilienspekulation nicht belohnt oder die Mietenexplosion bremst. Also machen Sie etwas aus unserem Antrag zum Wohle der Mieterinnen und Mieter unserer Stadt! – Vielen Dank! Vielen Dank! – Für die CDU-Fraktion hat der Kollege Dr. Nas das Wort, bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Nachdem wir nach Jahren der Stag- nation einen qualifizierten Mietspiegel erstellt haben, wird dieser nun von der Grünenfraktion in Frage gestellt. Dieser sei nicht gerecht genug. Wenn man sich die Forde- rungen genauer ansieht, dann zeigt sich ein falsches Ver- ständnis des Mietspiegels, aber auch ein falsches Verständnis von den Aufgaben der Exekutive. Der Senat soll die Arbeitsgruppe beauftragen, bei der Erstellung des Mietspiegels preisdämpfend zu wirken. Es geht beim Mietspiegel nicht darum, Preisdämpfung oder Preisregulierung vorzunehmen. Es geht um die Ermittlung der ortsüblichen Miete. Das ist die Aufgabe des Mietspiegels. Zweite Forderung: Sie fordern, dass gesetzeswidrige Mieten technisch herausgefiltert werden sollen. Wie das technisch gehen soll, das müssen Sie uns erklären. Ob eine Miete gesetzeswidrig ist oder nicht, bedarf der Klä- rung einer Vielzahl von Faktoren. Das müssten Sie ei- gentlich wissen, Frau Schmidberger! Man muss sich fragen, ob die Wohnung grundlegend saniert worden ist. Man fragt sich, wann wurde die Wohnung gebaut? Wel- che Ausstattung hat die Wohnung? Geht es bei der Geset- zeswidrigkeit um Verstöße gegen die Mietpreisbremse oder um Verstöße gegen die Kappungsgrenze von 15 Prozent in drei Jahren? Was ist da gesetzeswidrig? All das sind Faktoren, die man bei der Prüfung einer Geset- zeswidrigkeit heranziehen muss. Daher lässt sich so et- was technisch schwer filtern. Dann geht es um Indikatoren der Wohnlage. Hier wird Berlin mit Hamburg verglichen. Dabei wird übersehen, dass Hamburg nicht nur den Bodenwert als Indikator hat, sondern insgesamt neun Indikatoren. Dagegen hat Berlin nur sechs Indikatoren. (Katrin Schmidberger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6009 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Das sind verschiedene Indikatoren. Die kann man sich gern ansehen. Die sind auch leicht im Internet zu finden, mit ganz unterschiedlicher Gewichtung. Aber auch in Berlin haben wir Indikatoren, die wir wie- der in Hamburg nicht haben. Also das ist mit dem nicht vergleichbar. Außerdem ist der Einfluss der Veränderung des Bodenrichtwerts auf die Wohnlage sehr fraglich, da mehrere Indikatoren eine Rolle spielen, ob das eine einfa- che, gehobene et cetera ist. Übrigens, Frau Schmidberger, darf ich darauf hinweisen, dass Sie dieses Verfahren auch in Ihrer Amtszeit, nämlich 2019 angewendet haben? Ich frage mich, wie Sie jetzt plötzlich dazu kommen, dieses Verfahren infrage zu stellen. – Gute Einsicht, wenn Sie einsehen, dass man als Politi- ker dazulernt, dann lohnt es sich auch zuzuhören. – Auch von den vielen Beteiligten in dieser Arbeitsgruppe wurde das Wohnlageverfahren nicht infrage gestellt. Jetzt die letzte Forderung, die Sie hier aufgestellt haben, nach der die Exekutive ein privates Wohnungsunterneh- men zwingen soll, sich an Vorgaben des Mietspiegels zu halten. Wenn sich ein privates Unternehmen an den Miet- spiegel nicht hält, wenn sich ein privates Unternehmen an Recht und Gesetz nicht hält, ja, dann gibt es die Gerichte, dann gibt es die Justiz. Aber es ist nicht die Aufgabe der Exekutive oder der Verwaltung, hier gegen private Un- ternehmen vorzugehen. Liebe Grünenfraktion! Wie wollen Sie das machen? Wie wollen Sie das mit unserer Rechtsordnung vereinbaren? Ich glaube, sehr schwer. Dann kann man auch damit ankommen und sagen: Die Senatsverwaltung für Wirt- schaft soll Unternehmen bestrafen und die anderen Se- natsverwaltungen sollen Unternehmen bestrafen. Das ist, glaube ich, ganz schwierig, Frau Schmidberger, sehen Sie es ein! Eins kann ich sehr gut verstehen, dass man in Zeiten des Wahlkampfs solche populistischen Forderungen aufstellt. Das mag vielleicht in Zeiten des Wahlkampfs möglich sein, aber diese sind nicht zielführend und mit unserer Verfassung nicht vereinbar. Daher lehnen wir Ihren An- trag entschieden ab. – Ich danke Ihnen für das Zuhören! Vielen Dank! – Für die Fraktion Die Linke hat die Kolle- gin Gennburg das Wort, bitte schön!
Frau Gennburg, ich danke Ihnen, dass ich die Frage stel- len kann. Können Sie mir bitte ausrechnen, wie Sie Mietwucher berechnen? Geben Sie doch ein einfaches Rechenbeispiel. Wie berechnen Sie Mietwucher?
Mein Gott, dieses Feindbild ist ja schlimm!] Dritter Punkt, den ich noch sagen möchte: Außerdem müssen die landeseigenen Wohnungen natürlich wieder eine dämpfende Wirkung auf den Mietspiegel haben. Dass CDU und SPD in Zeiten von Heizkostenschocks und allgemeiner Teuerung, wie wir sie gerade erleben, Hunderttausende Mieterhöhungen bis 11 Prozent für landeseigene Mieter rausgeschickt haben, Herr Gaebler, ist ein Skandal. Genau das treibt die Mieten in ganz Ber- lin nach oben. Herr Nas, Sie hätten damals schon mal sagen können: Mit uns nicht! – Dann hätte man das Prob- lem zumindest behoben. Vierter Punkt: Besonders hervorgetan hat sich wieder einmal Herr Gaeblers Bündnispartner Rolf Buch von der Vonovia. Darauf hat die Kollegin Schmidberger schon hingewiesen. Die Vonovia bricht sämtliche Vereinbarun- gen des Bündnisses und erfindet Begründungen für Miet- erhöhungen. Auch das hat die Kollegin dargelegt. Es wurde hier schon gezeigt, wie Vonovia versucht, neue Wohnwertmerkmale zu erfinden, zum Beispiel die gute ÖPNV-Anbindung. Wir erleben, dass sich die Mieterin- nen und Mieter in den Mieterinitiativen permanent gegen diese Angriffe zur Wehr setzen müssen. Immer kommen neue Mieterhöhungsverlangen. Das ist wirklich auch ein Angriff auf den Mietspiegel, den die Vonovia da macht. Da muss man einfach mal fragen – Stichwort Wohnungs- bündnis –, Herr Gaebler, warum Sie diesen Unsinn die ganze Zeit mitgetragen haben. „Kooperation statt Kon- frontation“, wie Frau Giffey sie immer vor sich hergetra- gen hat, ist vollends gescheitert. Wann kommt eigentlich die Vergesellschaftung der Wohnungen von Deutsche Wohnen und Co? Es ist einfach völlig klar: Der Mietspiegel ist ein Instru- ment, bei dem wir auf Landesebene wirklich nachjustie- ren können. Es braucht einen ehrlichen Mietspiegel. Deswegen ist der Hinweis der Grünen, der Antrag, auch sinnvoll. Das billige Zurückweisen aufseiten der Koaliti- on mit dem Verweis darauf, dass man das alles nicht brauche, reicht überhaupt nicht aus, denn wir sehen doch, dass der Regelungsbedarf riesengroß ist. Letzter Punkt: Wir haben vor Jahren, als wir noch hier mit Ihnen in der Regierung waren, liebe SPD, auch die Einführung eines Mieten- und Wohnungskatasters vorge- schlagen, in dem alle Mieten erfasst werden. Auch das braucht es endlich, um Transparenz am Mietenmarkt herzustellen, um den Mietendeckel dann endlich bundes- weit auch gut durchsetzen zu können. Deswegen braucht es noch viel mehr als diesen grünen Antrag, aber er geht in die richtige Richtung. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Für die SPD-Fraktion hat die Kollegin Aydin das Wort. – Bitte schön! (Katalin Gennburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6011 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der Mietspiegel ist eines der wichtigsten Instrumente, das wir im Mieterschutz haben. Der aktuelle Berliner Miet- spiegel gilt für rund 1,4 Millionen mietspiegelrelevante Wohnungen. Demnach spielt der Mietspiegel bei der Frage, wie hoch die Miete sein darf, für rund zwei von drei Haushalten in Berlin eine wichtige Rolle. Unser Berliner Mietspiegel ist nicht nur ein einfacher, sondern ein sogenannter qualifizierter Mietspiegel. Die- sem kommt eine besondere Gewähr für die Richtigkeit der dargestellten Mieten zu. Gibt es einen qualifizierten Mietspiegel, wie wir ihn in Berlin haben, werden viele Gerichtsprozesse gar nicht erst notwendig. Wenn es doch zum Prozess kommen sollte, gilt für die in der Mietspie- geltabelle ausgewiesenen Werte auch die Vermutungs- wirkung, dass sie die ortsübliche Vergleichsmiete zutref- fend abbilden. Er ist somit für beide Mietvertragsparteien im Rahmen des Mietrechts ein sehr wichtiges Instrument mit dem Ziel, Mietpreise zu dämpfen. Aufgrund seiner großen Tragweite gelten für einen quali- fizierten Mietspiegel besondere Vorgaben. Er muss nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt und von der zuständigen Behörde oder von Interessenvertre- tern der Vermieter und der Mieter anerkannt worden sein. Beides trifft auf den Berliner Mietspiegel zu. Da wir in Berlin genau so einen Mietspiegel haben, der von Mie- ter- und Vermieterverbänden gleichermaßen anerkannt wird, hoffe ich, dass die Grünenfraktion dieses wertvolle Gut nicht infrage stellt. Auch die Wohnlageeinstufung ist im Einvernehmen der Verbände in einer entsprechenden Arbeitsgruppe gemeinsam erarbeitet worden. Ich möchte – mit Erlaubnis der Präsidentin – dazu kurz von der Homepage der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen zitieren: „Im Mietspiegel 2019 wurde die Wohnlage flä- chendeckend für die gesamte Stadt Berlin aktuali- siert. Die Wohnlageeinstufung beruhte dabei auf einem nach wissenschaftlichen Grundsätzen er- stellten Wohnlageermittlungsmodell. Dabei wur- den umfangreiche statistische Indikatoren aufbe- reitet, in einem Datenmodell verarbeitet, geprüft und plausibilisiert. Auf dieser Grundlage erfolgte dann die Wohnlageeinstufung, die auf wissen- schaftlicher Basis erstellt wurde.“ Zitat Ende. – Wir können also feststellen, dass das, was die Grünenfraktion jetzt kritisiert, eine Festlegung ist, die 2019 von einer linken Hausleitung unter Regierungsbetei- ligung der Grünenfraktion festgelegt wurde – aber das nur am Rande. Die Festlegung der Wohnlagen ist für den Mietspiegel natürlich ein wichtiger Aspekt. Es stimmt, dass es nicht, wie bei einem Naturgesetz, nur die eine Möglichkeit gibt, die Wohnlage wissenschaftlich zu ermitteln. Der Ver- gleich mit Hamburg zeigt, dass eine Wohnlage auch anhand anderer genauso wissenschaftlicher Kriterien ermittelt werden kann. Wenn also die Arbeitsgruppe aus Verbänden der Mieter- und Vermieterseite gemeinsam zu dem Schluss kommt, das Kriterienmodell überarbeiten zu wollen, dann ist dies natürlich vorstellbar. Dass ein Krite- rienmodell gegebenenfalls nach einer bestimmten Zeit unter veränderten Bedingungen überarbeitet wird, ist auch wissenschaftlich geübte Praxis und nicht auszu- schließen. Aus dieser wissenschaftlichen Praxis aber einen politischen Auftrag zu machen, wird dem Grund- satz des qualifizierten Mietspiegels nicht gerecht. Inso- fern gehe ich davon aus, dass es im Ausschuss noch eini- gen Erklärungsbedarf seitens der Grünenfraktion geben wird, wie sie sich das rechtskonform vorstellt. Wir dürfen die Realität auch nicht verkennen. Dieser qualifizierte Mietspiegel muss von beiden Seiten anerkannt werden, um als qualifiziert zu gelten. Das heißt, wir können das politisch nicht diktieren, auch wenn wir es gerne an eini- gen Stellen weiter verändern und erarbeiten wollen wür- den. Insofern würde ich empfehlen, dass wir im Aus- schuss darüber weiterreden. – Vielen Dank! Dann folgt die AfD-Fraktion mit dem Kollegen Laatsch.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Was ist ei- gentlich ein Mietspiegel? Ein Mietspiegel spiegelt das, was ist und nicht das, was linksextreme Parteien sich wünschen. In diesem Antrag geht es darum, Realitäten zu leugnen und weiteres Chaos am Mietenmarkt zu verursa- chen. Die Grünenfraktion hält es für ungerecht, dass Wohnla- gen dort höher bewertet werden, wo besondere Annehm- lichkeiten winken, beispielsweise die Höherstufung der Lagen innerhalb des S-Bahn-Ringes. Na, was mag da wohl der Grund sein, dass der Nachfragedruck innerhalb des S-Bahn-Ringes größer ist als außerhalb? Könnte es daran liegen, dass es besondere Annehmlichkeiten gibt, die außerhalb relativ selten vorkommen? Stellt es etwa nicht einen Vorteil dar, sämtliche Leistun- gen des ÖPNV nahezu vor der Haustür zu finden, kultu- relle Angebote fußläufig zu erreichen, ein breites Ange- bot an Waren, Dienstleistungen oder Ärzten in der direk- ten Nachbarschaft vorzufinden? Was soll daran gerecht sein, solch erhebliche Vorteile zu bestreiten? Das ist nicht gerecht, das ist Klientelpolitik vom Feinsten. Es ist Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6012 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 nachgerade ungerecht, dass die einen zahlen, was die anderen als besonderes Privileg nutzen können. Sie bezweifeln ja, dass die Bodenrichtwerte dabei eine Rolle spielen. Was meinen Sie denn, wie Bodenrichtwer- te zustande kommen? Doch nur dadurch, dass es eine besondere Nachfrage nach diesem Ort gibt. Also muss es dafür auch einen besonderen Preis geben. Das ist doch völlig logisch. Damit ist alles gesagt, außer dass man sich fragt, warum diese Mängel im Mietspiegel erst jetzt korrigiert wurden. Wie kam es zu diesem Versäumnis? Wer hat hier seiner Klientel besondere Pfründe gesichert? Vergleichbares Jammern auf hohem Niveau hören wir aus Friedrichshain-Kreuzberg. Warum wollen denn so viele dahin, wenn es nicht irgendwas gibt, das den Wohnwert erhöhend ist? Zum Beispiel die kurzen Wege zur Drogenbeschaffung im Görli. Wir müssen beginnen, den Wert solcher Biotope zu erkennen und auch im Miet- spiegel zu berücksichtigen. Natürlich ist das kein Wert für jedermann, aber für ein gewisses Klientel ist dieser Wert nahezu unbezahlbar. Und das muss sich auch in der Bewertung der Wohnlage niederschlagen. Nur so kann der Nachfragedruck auf diese Gebiete reguliert werden. Die Verfasser dieses Antrages nehmen durchgehend Bezug auf das völlig durch den Hafen zersplitterte Ham- burg, welches kaum als zusammenhängendes Gebiet wie das innerhalb des S-Bahn-Ringes angesehen werden kann. Außerdem hat Berlin neben mehr Sonnenschein auch noch mehr Seen und Wald. Was soll also der un- taugliche Vergleich mit Hamburg? Die Erklärung ist simpel. In Hamburg haben die linksgrünen Parteien 70 Prozent bei der letzten Wahl erhoben, und Sie glau- ben, wenn Sie mit den gleichen Methoden hier in Berlin antreten, dann würde das auch hier gelingen. Der Haken ist – und jetzt wird es spannend –, in Hamburg sind die Mieten doppelt so hoch wie in Berlin. Deshalb frage ich Sie: Möchten Sie auch die Mieten von Hamburg über- nehmen oder vielleicht das schlechte Wetter? Um den Preisunterschied noch einmal zu verdeutlichen: In Hamburg beträgt die Durchschnittsmiete 15,09 Euro, in Berlin in 2024 laut Senator 7,21 Euro. Dieser Antrag ist Jammern auf allerhöchstem Niveau von Menschen, die den Luxus bevorzugen, in der Innenstadt zu wohnen und dort alle Annehmlichkeiten in Anspruch zu nehmen. Wir müssen auch über solche Regulierungen wie dem Miet- spiegel – Sie lieben doch staatliche Regulierung – den Druck von der Innenstadt nehmen. Deshalb gibt es keine Zustimmung von der AfD. Abschließend noch: Sowohl Vermieterverbände als auch Mieterverbände haben diesem Mietspiegel zugestimmt. Was also wollen Sie uns hier mit diesem Antrag sagen, außer, dass Sie uns Zeit stehlen? – Herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags an den Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. – Widerspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Ich komme zur lfd. Nr. 4.3: Priorität der Fraktion Die Linke Tagesordnungspunkt 38 Wohnen muss bezahlbar sein – Berlin braucht einen Mietendeckel Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2058 In der Beratung beginnt diesmal die Fraktion Die Linke und das mit der Kollegin Gennburg.
Wuuuhh!] Dann folgt fĂĽr die CDU-Fraktion der Kollege Dr. Nas.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Da- men und Herren! Das Wohnungsthema ist ein wichtiges Thema, und wir müssen alles tun, damit bezahlbarer Wohnraum in Berlin entsteht und erhalten bleibt. Ich finde es nur sehr bemerkenswert, wenn Kollegen zu ei- nem gescheiterten Projekt zurückgreifen, aber nicht, um Probleme zu lösen, sondern um Wahlkampf zu machen. Wir haben vorhin eine Wahlkampfrede gehört und nichts anderes. Liebe Frau Gennburg, ich merke ja, Sie stecken nicht so sehr in der Materie drin. Sie konnten ja meine Frage nicht beantworten. Ich hatte ja nur darum gebeten, mir vorzurechnen, wie Sie Miet- wucher nach welchen Kriterien berechnen. Dann haben Sie gesagt: Ich will den Mietendeckel. – Jetzt reden wir über den Mietendeckel. Sie machen die Vertre- tung. Ich nehme Ihnen das nicht übel. Frau Eralp, auch Ihnen nehme ich das nicht übel. Aber ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir trotzdem zuhören könnten. (Katalin Gennburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6014 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 All das, was Sie vorhin gesagt haben, ist ja die Frage: Was bringt das den Berlinerinnen und Berlinern? – Wir können nicht über den Mietendeckel reden, wenn wir nicht über die Auswirkungen des in Berlin gescheiterten Mietendeckels reden. Was war denn das? Was hat der Mietendeckel für die Berlinerinnen und Berliner draußen gebracht und was nicht? Schade, dass Sie in keinem einzigen Satz darauf eingegangen sind, was dieses verfassungswidrige Gesetz, dieser verfassungswidrige Prozess den Menschen, den Berlinerinnen und Berlinern da draußen, gebracht hat und was nicht. Lassen Sie mich bitte diese Auswirkungen zusammenfas- sen! Sie haben gesagt, von diesem Mietendeckel profitieren alle. Von dem Mietendeckel haben gerade nicht die Ge- ringverdiener profitiert. Der Mietendeckel hat unter ande- rem bei topsanierten Wohnungen in den besten Wohnla- gen die Mieten reduziert. Davon reden Sie nicht. Das waren gerade Menschen, die hätten sich auch eine teure Wohnung leisten können. Aber auch bei denen wurde die Miete reduziert. Das gehört auch mal zur Wahrheit. Der Mietendeckel hat dazu geführt, dass circa 60 Prozent weniger Wohnungen inseriert worden sind. Das Woh- nungsangebot hat sich reduziert. Auch davon haben Sie nicht geredet. Es waren gerade Familien, die dadurch benachteiligt worden sind, weil sie erhebliche Schwierigkeiten hatten, eine passende Woh- nung zu finden. Auch das gehört zur Wahrheit. Ich habe ja gestaunt, als Sie über Wirtschaft geredet ha- ben, dass es auch der Wirtschaft gut tut. Dann hören Sie mal zu und beschäftigen sich mal mit Statistiken! Der Mie- tendeckel hat dem Wirtschaftsstandort Berlin erheblich geschadet. Dieser führte dazu, dass circa 75 Prozent der Investoren ihre Aktivitäten nach Brandenburg oder in andere Bun- desländer verlagerten. Bei einem – – bringe ich Ihnen gerne, nenne ich Ihnen gerne, es sind zig Quellen, mit denen Sie sich bestimmt nicht beschäfti- gen wollen – bundesweiten Mietendeckel wird es nicht anders sein. So werden bauwillige Unternehmen nicht in Deutschland bauen, sondern im Ausland. Das wird dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden. Erzählen Sie uns hier nicht, das wird die Wirtschaft ankurbeln! Bitte nicht! Letzter Punkt: Der Mietendeckel führte dazu, dass die Instandsetzungen – ich kann mich an die Zeit sehr gut erinnern, im Gegensatz zu Ihnen habe ich mich damit intensiver, auch mit Verwaltung et cetera, beschäftigt, habe mir die Erfahrungswerte angehört – nachgelassen haben, Reparaturen nicht vorgenommen wurden. Noch wichtiger: Energetische Sanierungen wurden nicht durch- geführt. Es kann nicht sein und ist nicht im Interesse der Mieterinnen und Mieter, in maroden Objekten zu woh- nen. Das hat der Mietendeckel verhindert, notwendige Investitionen wurden verhindert, und das darf es nicht geben. Schlussendlich: Das, was wir in Deutschland und in Ber- lin brauchen – auch wenn Sie, Frau Gennburg, das nicht hören wollen und auch, wenn Sie sich dagegen- stemmen –, ist der Wohnungsbau. Wir müssen den Woh- nungsbau vorantreiben. Wir müssen nicht regulieren, sondern deregulieren und dafür sorgen, dass die beste- henden Regularien auf das Mindestmaß reduziert werden. Genau das haben wir zumindest für Berlin mit dem Schneller-Bauen-Gesetz in Berlin umgesetzt, und das ist ein Erfolg dieser Koalition und des Senats. Wir müssen – Sie müssten bitte zum Schluss kommen, Herr Kollege.
Die letzten Sätze: Wir müssen Anreize für den Standort Deutschland schaffen und nicht abschrecken. Ich kann Ihnen nur empfehlen, falls Sie sich interessieren: Es gibt zig Berichte. Gestern oder vorgestern kam das Frühjahrs- gutachten des Rates der Immobilienweisen. Die bestäti- gen, was in Deutschland wichtig ist, was wir in Deutsch- land brauchen. Wir brauchen aber definitiv diesen Antrag nicht und werden ihn entschieden ablehnen. – Ich danke Ihnen fürs Zuhören. (Dr. Ersin Nas) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6015 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Dann hat die Kollegin Gennburg das Wort zu einer Zwi- schenbemerkung.
Frau Gennburg! Sie werden nicht in den Bundestag kommen! – Weitere Zurufe von der CDU] Dann hat der Kollege Dr. Nas die Gelegenheit zur Ant- wort.
Liebe Frau Gennburg! An Ihrer Stelle würde ich mir keine falsche Hoffnung machen. Sie kommen nicht in den Bundestag. Liebe Frau Gennburg! Das, was Sie und uns, die CDU, unterscheidet, möchte ich deutlich machen. Die Verfassung ist für uns wichtig. Das Verfassungsge- richt hat dieses Gesetz für verfassungswidrig erachtet. Wir als CDU setzen uns für die Verfassung ein, im Ge- gensatz zu Ihnen. Das unterscheidet uns von Ihnen! [Beifall bei der CDU –
Jawohl!] Das unterscheidet uns von Ihnen – Punkt eins. Punkt zwei: Ich zitiere Sie selbst – mit Erlaubnis des Lösung des Problems ist, Hausbesetzungen zu entkrimi- nalisieren. – Sie wollen Hausbesetzungen entkriminalisie- ren, wir nicht! Das unterscheidet uns von Ihnen. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6016 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 [Beifall bei der CDU –
Ist das hier jetzt eine allgemeine Abhandlung? Was soll das denn? – Zuruf von Katrin Schmidberger (GRÜNE)] Herr Kollege, ich darf Sie kurz unterbrechen. Ich muss auf die Pressetribüne verweisen und darauf, dass Unterla- gen oder Bildschirme von Abgeordneten nicht fotogra- fiert werden dürfen.
Sie haben hier so geredet, als hätten wir kein soziales Mietrecht. Ich nehme es Ihnen nicht übel. Sie machen die Vertretung. Anscheinend kennen Sie sich damit nicht aus. Wir haben Mitpreisregelungen in Deutschland. Wir haben eine Mietpreisbremse, und ich habe hier deut- lich gemacht, dass wir für die Verlängerung sind. Wir haben eine Mietpreisregelung – das ist die Kappungs- grenze. All das haben wir in Deutschland, aber einen Mietendeckel brauchen wir nicht. – Danke schön! Dann folgt für die Grünenfraktion Kollegin Schmidber- ger.
Also ich weiß auf jeden Fall, was ich Herrn Dr. Nas – – Sehr geehrter Präsident! – Entschuldigung! – Sehr geehr- te Damen und Herren! Ich weiß auf jeden Fall, was ich Herrn Dr. Nas zum Abschied schenken werde: Einen Workshop gegen toxische Männlichkeit, [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Zuruf von der CDU und der AfD: Oh!
Das von den GrĂĽnen kennen wir ja!
Nichts! –
Ja, ein letzter Satz, auch weil es die CDU immer nicht zur Kenntnis nehmen will. Der Mietendeckel wurde vom Bundesverfassungsgericht gekippt, weil der Bund dafür die Zuständigkeit hat. Deswegen sage ich: Wir wollen weiterhin dafür kämpfen, dass die Menschen wissen, dass wir uns für sie einsetzen und nicht nur große Reden schwingen, die der Welt nicht weiterhelfen. – Vielen Dank! Dann folgt für die SPD-Fraktion wieder die Kollegin Aydin.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Der Antrag der Linken, einen Mietendeckel einzuführen, greift ein zentrales Thema auf, das für Millionen von Menschen in Deutschland von existenzieller Bedeutung ist: bezahlbares Wohnen. Für die SPD hat dieses Anlie- gen absolute Priorität. Die steigenden Mieten, insbesondere in Ballungsgebieten und angespannten Wohnungsmärkten, stellen eine im- mense Belastung dar – für Familien, Rentnerinnen und Rentner, Studierende und viele andere. Lassen Sie uns also die Realität nicht aus den Augen verlieren! In Städ- ten wie Berlin haben sich die Angebotsmieten in den (Katrin Schmidberger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6018 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Angst vor weiteren Mieterhöhungen ist bei den Menschen ein Dau- erbrenner, und das zu Recht. Die Politik darf hier nicht wegsehen, und auch unser Koalitionspartner nicht. Die nächste Bundesregierung – unabhängig davon, welche Parteien koalieren – steht in der Verantwortung einerseits die Mieten im Bestand zu regulieren und andererseits bezahlbaren Neubau voranzutreiben. Das sind wir den Mieterinnen und Mietern in diesem Land und in dieser Stadt schuldig. In Berlin haben wir als SPD-Fraktion gezeigt, dass wir mutig vorangehen. Mit der rot-rot-grünen Koalition ha- ben wir den Mietendeckel gemeinsam eingeführt. Dieses Modell hat spürbare Entlastungen für viele Men- schen geschaffen, eine Atempause, die dringend notwen- dig war. Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal betonen, dass der Berliner Mietendeckel nicht per se rechtswidrig war, sondern nur deswegen nichtig, weil der Bund im Mietrecht Regelungen zur Miethöhe bereits ab- schließend geregelt hat. Die Konsequenz ist eindeutig: Wir brauchen eine Länderöffnungsklausel auf Bundes- ebene, damit die Länder in besonders angespannten Märkten wie Berlin eigenständig handeln können. [Beifall bei der SPD –
Würden Sie es dann auch in Berlin einführen?] Dass regionale Gegebenheiten berücksichtigt werden, finden wir sinnvoll, und nicht umsonst steht die Länder- öffnungsklausel auch in unserem Bundeswahlprogramm. Wir als SPD stehen hinter diesem Vorhaben in Berlin und bundesweit. Dies schafft nicht nur Sicherheit für die Mieterinnen und Mieter, sondern auch die Notwendigkeit, um den drin- gend benötigten Wohnraum zu schaffen. Denn wir sind der Überzeugung, dass der Schutz der bestehenden Miet- verhältnisse einerseits und der Neubau von bezahlbarem Wohnraum andererseits Hand in Hand gehen müssen. Genau dafür arbeiten wir als SPD konsequent und mit Ergebnissen. Es ist ein großer Erfolg, dass wir es trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geschafft haben, im Jahr 2024 den Bau von 5 100 Sozialwohnungen zu erreichen. Wir werden uns darauf nicht ausruhen, denn klar ist: Wir müssen bezahlbaren Wohnraum schaffen und gleichzeitig die Mieterinnen und Mieter vor überzo- genen Mietforderungen schützen. Die SPD hat in der Vergangenheit bewiesen, dass wir bereit sind, pragmatische, umsetzbare Lösungen zu fin- den. Unser Vorschlag, die Modernisierungsumlage auf 2 Prozent oder maximal 1 Euro pro Quadratmeter zu begrenzen, ist ein Beispiel dafür, wie wir die Kosten für Mieterinnen und Mieter senken und gleichzeitig energeti- sche Sanierung fördern können. Wir haben klare Konzep- te für einen Mietendeckel in extrem angespannten Woh- nungsmärkten, der die Mieterinnen und Mieter schützt und bezahlbares Wohnen sichert. Unser Ziel ist eine Wohnungspolitik, die Sicherheit gibt, Hoffnung schafft und die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Es geht um nicht weniger als das Vertrauen in die Politik, das Vertrauen, dass niemand in einem überhitzten Wohnungsmarkt alleingelassen wird. Deshalb sagen wir Ja zu einem Mietendeckel in extrem angespannten Woh- nungsmärkten, eingebettet in eine kluge und nachhaltige Strategie für bezahlbares Wohnen. – Vielen Dank! Dann folgt für die AfD-Fraktion wieder der Abgeordnete
Dankeschön, Herr Vorsitzender, für den Hinweis! – Sie sind nicht Mieterretter, meine Herrschaften, Sie sind Täter! – Danke schön! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags federführend an den Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten, Me- dien sowie mitberatend an den Ausschuss für Verfas- sungs- und Rechtsangelegenheiten, Geschäftsordnung, Verbraucherschutz sowie an den Ausschuss für Stadtent- wicklung, Bauen und Wohnen. – Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wird so. Ich rufe auf lfd. Nr. 4.4: Priorität der AfD-Fraktion Tagesordnungspunkt 53 Neue Perspektiven, klare Maßnahmen: Berlins Asylpolitik an die veränderte Lage in Syrien anpassen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2221 In der Beratung beginnt jetzt die AfD-Fraktion, und das mit dem Abgeordneten Lindemann.
Sehr verehrter Herr Präsident! – Verehrte Kollegen! Lie- be Berliner! Die meisten erinnern sich sicherlich noch daran, als die Merkel-CDU 2015 die Grenzen aufgerissen und Menschen aus aller Herren Länder nach Deutschland hereingelassen hat. – Hören Sie mal zu von den Linken, dann können Sie was lernen! SPD, Grüne und Linke haben Beifall geklatscht und Ted- dybären geschmissen. Ungefähr 1 Million Syrer sind nach Deutschland ge- kommen, rund 50 000 nach Berlin. Der Krieg in Syrien, der als einer der Asylgründe angegeben wurde, ist schon länger zu Ende. Als zweiter Asylgrund wurde immer die Verfol- gung durch die Assad-Regierung angegeben. Nun haben wir im Dezember erlebt, dass innerhalb von einer Woche die Assad-Regierung in Syrien weggefegt worden ist, und die Menschen, die hier in Deutschland Asyl beantragt haben, haben in Deutschland auf den Straßen gejubelt und gefeiert, dass Syrien befreit ist. Wie Sie sicherlich alle wissen, ist Asyl ein Schutz auf Zeit, und wenn der Asylgrund, also der Schutzgrund, entfällt, ist es auch wieder Zeit für Remigration, für die Rückkehr der Menschen. Einige Menschen aus den umliegenden Ländern Syriens sind bereits nach Syrien zurückgekehrt, ungefähr 200 000. Nun müssen wir natürlich sehen, dass wir hier in Berlin das Problem lösen, denn mit dem Asylproblem, das wir hier haben – – Wir haben keine Wohnungen, wir haben keine Schulen, wir haben keine Kitas, und wir haben kein Geld. Diese Regierung hier möchte eine finanzielle Not- lage ausrufen, um Asyl zu finanzieren, dabei wäre es ganz einfach, anzufangen, die Flüchtlinge aus Syrien, deren Land jetzt befreit ist, die alle die Befreiung gefeiert haben, zurückzubringen. Darum haben wir Ihnen hier einen Fünf-Punkte-Plan vorgelegt, der fünf Punkte bein- haltet, wie man das machen kann. Man kann natürlich nicht einfach die Menschen in Flugzeuge oder Busse packen und in die Heimat schicken, sondern wir wollen das natürlich alles humanitär ablaufen lassen. Erstens brauchen wir eine Bundesratsinitiative, denn die Verstärkung der Rückführung der syrischen Flüchtlinge muss auf Bundesebene mit der neuen syrischen Regie- rung koordiniert werden. Da fordern wir den Senat auf, eine entsprechende Bun- desratsinitiative einzuleiten. Zweitens brauchen wir natürlich für die Rückführung einer so großen Anzahl an Menschen eine Koordinie- rungsgruppe. Dafür wollen wir eine Taskforce haben, die diese Menschen zurückführt, die die Rückführung koor- diniert. – Frau Spranger, Sie haben das ja schon mal ge- zeigt bei den afghanischen kriminellen Straftätern, dass man das machen kann. Das wird dann auch mit Syrien funktionieren. Darum fordern wir den Senat auf, dafür eine entsprechende Taskforce einzurichten. Als Nächstes müssen wir natürlich auf die Syrer schauen, die in ihrem Heimatland Urlaub machen. Syrer, die jetzt schon nach Syrien fahren, zeigen ja, dass es überhaupt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6021 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 keinen Grund gibt, hier in Deutschland schutzbedürftig zu sein. Die müsste man natürlich unverzüglich in ihre Heimat zurückschicken beziehungsweise wenn sie in ihre Heimat gefahren sind gar nicht mehr nach Deutschland zurücklassen. Dann müssen wir natürlich dafür sorgen, dass kriminelle Syrer, die wir leider auch haben – – Frau Spranger, mit den Afghanen hat es ja geklappt, dann fordern wir den Senat auf, das entsprechend auch mit den Syrern umzu- setzen; kriminelle Syrer, die hier auffällig geworden sind, entsprechend auch unverzüglich nach Syrien zurückzu- schicken, denn wir müssen unsere einheimische Bevölke- rung, wir müssen die Berliner schützen. Und zum Schluss, weil der Asylgrund ja entfallen ist und man hier immer schnell dabei ist mit Einbürgerungen, der fünfte Punkt: ohne Asylgrund keine Einbürgerung. Die Einbürgerungen sind hinfällig, darum fordern wir den Senat auf, dafür zu sorgen, dass die Einbürgerungen der Syrer hier in Berlin gestoppt werden. Wir haben Ihnen hier einen Maßnahmenkatalog mit fünf Punkten vorgelegt. Wenn Sie das umsetzen, liebe Frau Spranger, lieber Senat, dann können Sie dem Berliner Steuerzahler sehr viel Geld sparen und brauchen auch keine Notlage aufgrund der Migrationskrise hier in Berlin auszurufen. – Vielen Dank! Dann folgt für die CDU-Fraktion der Kollege Dregger.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ihr Antrag, sehr geehrte Damen und Her- ren der AfD-Fraktion, fordert Maßnahmen zur verstärkten Rückführung syrischer Migranten, ohne diese Maßnah- men benennen zu können. Er will, dass sich eine Taskforce – Zitat – darauf vorbereitet, ohne zu sagen, worin diese Vorbereitung bestehen soll. Er fordert, alle Syrer „zur Rückkehr zu bewegen“, ohne dafür auch nur einen einzigen konkreten Vorschlag zu unterbreiten. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, Ihr Antrag ist un- brauchbar. Zudem spart er die entscheidende Fragestellung aus: Wie ist die Lage in Syrien? Liegen die Voraussetzungen für eine Neubewertung des Schutzstatus für syrische Flücht- linge vor? Wird eine solche Entscheidung vor unseren Gerichten standhalten? Tatsächlich weckt die veränderte politische Lage in Syrien in vielen Menschen in Deutsch- land Hoffnung auf Stabilität und Sicherheit, und zwar bei uns Deutschen ebenso wie bei den Syrern in Deutschland. Stabilität und Sicherheit sind Voraussetzungen nicht nur für den Wiederaufbau Syriens, sondern sie sind Voraus- setzung für die Rückkehr der Millionen Flüchtlinge, die in der Türkei, im Libanon, in vielen arabischen Staaten, aber auch in Europa und dort insbesondere in Deutsch- land Zuflucht gefunden haben. Deutsche wie Syrer wün- schen sich Sicherheit und Stabilität in Syrien. Das ist in unserem gemeinsamen Interesse. Blicken wir also nach Syrien. Während des Arabischen Frühlings 2011 hat das Assad-Regime die Proteste blutig unterdrückt. Das Land versank im Bürgerkrieg. Während mehr als eine halbe Million Menschen starben, überlebte das Assad-Regime bis Ende letzten Jahres. Am Leben erhalten wurde es einerseits durch das Mullah-Regime in Teheran, das Syrien missbraucht hat, um seine Vernich- tungsfantasien gegen Israel zu verfolgen, und zum ande- ren durch Moskau, das seine militärischen Stützpunkte in Syrien für seine Operationen in Afrika nutzt. Dennoch ist es den HTS-Rebellen gelungen, quasi im Handstreich das Assad-Regime zu beseitigen. Russische und iranische Luftangriffe konnten das nicht verhindern. Im Ergebnis sind der iranische und der russische Einfluss in Syrien geschwächt. Aber wird das so bleiben? Moskau kann es sich nicht leisten, seine Stützpunkte in Syrien zu verlie- ren. Die Mullahs aus Teheran schüren schon wieder reli- giöse Konflikte in Syrien, um ihren Einfluss erneut aus- zudehnen. Welchen Einfluss wird die Türkei ausüben? Sie will zum einen ihre mehr als 3 Millionen Flüchtlinge aus Syrien loswerden, und zugleich will sie den kurdi- schen Einfluss in Nordostsyrien zurückdrängen, der im- merhin 30 Prozent des syrischen Territoriums kontrol- liert. Und wer sind diese HTS-Rebellen? Werden sie trotz ihrer islamistischen Gesinnung und Herkunft Syrien Sta- bilität und Sicherheit bringen? Werden sie die Menschen- rechte achten? Es wird die Aufgabe der neuen Bundesregierung nach der Bundestagswahl sein, die Beantwortung dieser Fragen zügig und zugleich sorgfältig anzugehen, denn es ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Aufhebung des Schutzstatus für syrische Flüchtlinge, wenn diese Aufhe- bung vor unseren Gerichten Bestand haben soll. Sollte sich herausstellen, dass die Schutzgründe für syrische Flüchtlinge entfallen sind, dann allerdings muss klar sein, dass es im Grundsatz zur Rückkehr kommen muss, denn Asyl und Flüchtlingsschutz sind kein Einwanderungs- recht für alle und immer. Derartiges lässt sich weder unserem Grundgesetz noch der Genfer Flüchtlingskon- vention und auch nicht der Europäischen Menschen- rechtskonvention entnehmen. Denjenigen Syrern hingegen, die rechtstreu sind, die sich in die deutschen Lebensverhältnisse integriert haben, die keine staatlichen Transferleistungen beziehen, sondern (Gunnar Lindemann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6022 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 arbeiten und Steuern zahlen, sollte eine neue Bundesre- gierung die dauerhafte Perspektive in Deutschland er- möglichen. – Vielen Dank! Dann folgt für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Kol- lege Omar.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die AfD versucht immer wieder, vor allem in Wahlkampfzeiten, mit Unwahrheiten, Hass und Hetze die Menschen in unserem Land zu manipulieren, und dieser Antrag ist ein weiterer Beleg dafür. Er zeigt, dass diese Partei nicht nur eine Partei des Hasses ist, sondern auch eine Partei, die unsere Rechtsstaatlichkeit verachtet und unsere Demokratie von innen bekämpfen will. Es ist unsere Verantwortung, unsere Demokratie gegen diese rechtsradikale Gefahr zu verteidigen. Wer das AfD-Programm liest, weiß, dass diese Partei keine Konzepte für unsere Wirtschaft hat, keine Antwor- ten auf die großen Fragen unserer Zeit. Statt Lösungen zu erarbeiten, setzen Sie auf Hass und Hetze nach dem Motto: Wenn es Deutschland schlecht geht, den Menschen hier schlecht geht, dann geht es der AfD besser. – Doch ein Sprichwort sagt: Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und auch das ganze Volk vielleicht eine Zeit lang täuschen, aber man kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen. Ihre perfide Politik wird nicht dauerhaft Erfolg haben, und Sie werden Ihren richtigen Platz in der Geschichte einnehmen, nämlich auf dem Müllhaufen der Vergangen- heit. Mit ihrem Antrag fordert die AfD, den Schutzstatus aller syrischen Geflüchteten zu widerrufen, ihre Aufenthaltsti- tel zu annullieren und sogar die Einbürgerungsanträge aller Syrer pauschal auszusetzen, also die Anträge der Syrerinnen und Syrer, die hier nie straffällig geworden sind, die hier integriert sind, Deutsch sprechen, sozialver- sicherungspflichtig arbeiten und ihren Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten. Wie soll dieser Plan Deutschland und Berlin helfen? Dabei verstößt eine solche pauschale Aussetzung gegen das Staatsangehörigkeitsgesetz, nämlich § 10, sowie gegen das Antidiskriminierungsgesetz. Sie fordern also das Landesamt für Einwanderung auf – übrigens haben Sie das falsch in Ihrem Antrag geschrieben: Es gibt kein „Landesamt für Einbürgerung“, sondern ein Landesamt für Einwanderung –, rechtswidrig zu handeln. Das ist Kern Ihrer Politik. Wenn die AfD über Syrien sprechen möchte, dann lassen Sie uns über die wahren Fakten reden. Lassen Sie uns darüber reden, wie Ihr Freund, der Diktator Baschar al- Assad, Syrien in 14 Jahren mit einem brutalen Krieg gegen die eigene Bevölkerung in Schutt und Asche gelegt hat, Millionen von Menschen vertrieben, Hunderttausen- de ermordet und verschleppt. Und dann ist dieser feige Diktator Assad am 8. Dezember 2024 über Nacht zu Ihrem anderen Diktatorfreund Wladimir Putin nach Mos- kau geflohen und hat Syrien im Chaos zurückgelassen. Syrien ist heute ein verwundetes Land. Die Infrastruktur ist zerstört, das Land leidet unter internationalen Sanktio- nen. Die Wirtschaft liegt am Boden. Die Wunden, die die Verbrecherfamilie Assad hinterlassen hat, sind tief und zerreißen das Land und seine Menschen bis heute. Deutschland hat in den 14 Jahren Syrienkrieg konsequent die richtige Haltung eingenommen und sich an die Seite der syrischen Bevölkerung gestellt – für Freiheit, Demo- kratie und Menschenrechte, in Widerstand gegen den Diktator und gegen die Forderungen rechtsnationaler europäischer Regierungen wie die von Meloni und Viktor Orbán, die noch vor wenigen Monaten versucht haben, auf europäischer Ebene das Assad-Regime zu rehabilitie- ren. Unsere Bundesministerin Annalena Baerbock hat in Da- maskus klare und unmissverständliche Worte gefunden. Sie hat den neuen Machthabern deutlich gemacht, dass die Europäische Union bereit ist, Syrien beim Wiederauf- bau zu unterstützen und die Sanktionen schrittweise auf- zuheben – vorausgesetzt, das Land demokratisiert sich, garantiert die Freiheit aller Menschen, respektiert die Rechte von Frauen und religiösen Minderheiten und erkennt das kurdische Volk als festen Bestandteil Syriens an. Eine nachhaltige Befriedung Syriens kann nur gelingen, wenn alle Bevölkerungsgruppen einschließlich der Kur- den in den demokratischen Prozess eingebunden werden. Wir können stolz darauf sein, dass wir in einer humanitä- ren Lage, ja in einer der schwersten Stunden des sy- (Burkard Dregger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6023 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 rischen Volkes Haltung gezeigt haben und 1 Million syrischen Geflüchteten Schutz gewährt haben, als sie vor dem Diktator Assad und seinen Bomben flohen. Wir können stolz darauf sein, dass die überwältigende Mehrheit dieser Geflüchteten heute fester Teil unserer Gesellschaft ist. Wir stehen fest an der Seite der syrischen Geflüchteten gegen die unsäglichen Angriffe der politischen Rechten in Deutschland. Wer hier friedlich leben will, ist will- kommen. Syrerinnen und Syrer sind unsere Nachbarin- nen, unsere Pflegekräfte, Postboten, Ärztinnen und Ärzte, unsere Freundinnen und Freunde, ja ein fester Bestandteil in unserer vielfältigen und bunten Gesellschaft. Und noch mehr: Die hier lebenden Syrerinnen und Syrer sind eine zukünftige Brücke zwischen Deutschland und Syrien, und sie werden dazu beitragen, dass freundschaft- liche und wirtschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Ländern entstehen. Wir können mit Stolz darauf blicken, was wir alles geschafft haben. – Vielen Dank! [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD –
Kann man ja in MĂĽnchen sehen, was wir geschafft haben!] Es folgt fĂĽr die SPD-Fraktion Kollege Ă–zdemir!
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Die rechts- extremen Faschisten von der AfD wollen heute über neue Perspektiven sprechen. Aber die Wahrheit ist: Worüber reden wir eigentlich heute? – Wir reden heute über einen erneut wirklich ekelhaften Antrag, der nichts anderes fordert als die massenhafte Abschiebung von Syrerinnen und Syrern mit einer Argumentation, die nicht nur zy- nisch und abscheulich, sondern auch faktisch falsch ist. Die Faschisten der AfD behaupten, Syrien sei sicher. Das ist plain eine Lüge. Das Auswärtige Amt ruft alle deut- schen Staatsbürgerinnen zurück, und laut UNHCR befin- det sich zum aktuellen Zeitpunkt das Land in einem Zu- stand zwischen Krieg und Frieden, zwischen Stabilität und Rechtsstaatslosigkeit, zwischen Wiederaufbau und weiterer Zerstörung. Das ist die Realität. Doch Fakten haben die Faschisten von der AfD ja noch nie interessiert. Aber wissen Sie, was wirklich zählt? – Auch mal die Erfolge der syrischen Menschen und der Community unserer Stadt darzustellen. Schauen wir uns die Zahlen an: Weit über 200 000 Syrer und Syrerinnen in Deutsch- land haben Arbeit. Sie tragen zu unserem Wohlstand konkret bei. Syrische Männer stärken unter anderem die Logistik, während syrische Frauen zunehmend in Ge- sundheitsberufen arbeiten, dort, wo unser Land sie am meisten braucht. [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN –
Sehr gut!] Bei den syrischen Männern, die über sieben Jahre in Deutschland leben, ist der Anteil der Beschäftigten bei 86 Prozent – der Anteil der deutschen Männer liegt übri- gens bei 84 Prozent. Und der Trend geht weiter: Viele syrische Frauen und Männer, die in den letzten ein bis drei Jahren zu uns ge- kommen sind, sind derzeit in Ausbildung, Integrations- kursen oder arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Ihre Erwerbsbeteiligung wird in den kommenden Jahren wei- ter zunehmen, insbesondere weil sie Teil einer syrischen Community sind, die nicht nur mehrheitlich erwerbstätig ist, sondern auch zunehmend Arbeitsplätze schafft. Ja, ob Sie es glauben oder nicht, Syrerinnen und Syrer haben eine hohe Quote an Selbstständigkeit und selbständiger Tätigkeit. Syrische Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland schaffen immer mehr Arbeitsplätze nicht nur für Geflüchtete, sondern für alle. [Beifall bei der SPD und den GRÜNEN –
Sehr gut!] Fakt ist: Diese Menschen sind längst ein fester Bestand- teil unserer Gesellschaft. Sie sind Ärztinnen, Ingenieure, Handwerkerinnen, alles Mögliche. Sie sind – – Verzeihung! Er hat „Messermörder“ gesagt. – Also irgendwann müssen wir auch mal eine rote Linie ziehen, auch wenn es um die Einwürfe von ganz rechts außen geht. Ich akzeptiere nicht, dass irgendein Abgeordneter hier, wenn ich aufzähle, dass Menschen aus Syrien Handwer- ker, Ärzte und Ingenieure sind, reinruft „Messermörder“. (Jian Omar) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6024 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Das ist inakzeptabel, und ich fordere das Präsidium auf, sich damit zu beschäftigen. Aber kein Wunder, denn die Faschisten von der AfD scheren sich ja auch nicht um Wirtschaft, um Integration oder um die Zukunft dieses Landes. Ihr Ziel ist ein einzi- ges, und das haben sie heute auch betont: Remigration. Ein Wort, das in ihrer Sprache nichts anderes bedeutet als die Deportation all jener, die nicht in ihr völkisches Weltbild passen. Ich zitiere mit Erlaubnis des Präsidenten den Oberneonazi Björn Höcke – der Präsidentin, Verzeihung, das hat sich gerade geändert! –: „Wir werden auch ohne Probleme mit 20, 30 Pro- zent weniger Menschen in Deutschland leben können.“ Und damit kein Zweifel bleibt, zitiere ich mit Erlaubnis der Präsidentin den AfD-Bundestagsabgeordneten René Springer: „Wir werden Ausländer in ihre Heimat zurückfüh- ren. Millionenfach. Das ist kein Geheimplan, das ist ein Versprechen.“ [Thorsten Weiß (AfD): So ist es! –
Furchtbar! – Zuruf von Elif Eralp (LINKE)] Das ist eine eiskalte Drohung. Dieser Antrag ist ein wei- terer Versuch, Ihre menschenverachtende Agenda in Berlin umzusetzen. Aber lassen Sie mich hier eins klar- stellen: Berlin bleibt eine weltoffene und vielfältige Stadt. Sie können es noch hundertmal versuchen. Wir werden nicht zulassen, dass Sie hier Ihre Hetze zur Politik ma- chen; nicht heute, nicht morgen, nicht in Berlin. – Vielen Dank! [Beifall bei der SPD, den GRÜNEN und der LINKEN –
Das ist nach München ja wohl der absolute Hohn! –
Das war eine gute Rede, danke!] In Bezug auf den Ausdruck „Messermörder“ werden wir uns das Protokoll noch mal genau ansehen, kommen aber zunächst zur Rede der Kollegin Eralp von der Linksfrak- tion. – Bitte schön!
Sehr geehrter Herr Präsident! Geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Wieder hat die AfD heute Menschenverachtung und Entrechtung zu ihrer Priorität gemacht. Sie will massenhaft nach Syrien abschieben und „remig- rieren“, wie sie das ganz offen im Antrag nennt. Und sie will, dass die Bearbeitung aller in Berlin anhän- gigen Einbürgerungsanträge von Syrerinnen und Syrern ausgesetzt wird. Wieder einmal interessiert sich die AfD nicht für Recht und Gesetz, denn für so eine Maßnahme gibt es keinerlei Rechtsgrundlage. Nun zu Syrien: Syrien ist weder stabil noch sicher. Deswegen verwundert es auch nicht, dass die AfD in ihrem Antrag keinen einzigen Bericht irgendeiner Orga- nisation zitieren kann, die dies behauptet. Auch das Auswärtige Amt hat bisher keine veränderte Lageein- schätzung abgegeben, im Gegenteil. Menschenrechtsor- ganisationen wie Human Rights Watch und PRO ASYL e. V. warnen davor, den Schutzstatus aufzuheben, und berichten von politischer Instabilität trotz des Sturzes von Assad, von zerstörter Infrastruktur, mangelndem Zugang zu essenziellen Gütern, wirtschaftlicher Not, Gefahren durch unkontrollierte Verbreitung von Waffen, von Min- derheiten und Frauen, die um ihre Sicherheit fürchten, und auch von andauernden Kämpfen im Nordosten Syri- ens, wo unter der Beteiligung der Türkei die Vertreibung unter anderem der kurdischen Bevölkerung weiter anhält. Alle Forderungen, egal von wem sie kommen, Syrerinnen und Syrern den Schutzstatus zu nehmen, sie abzuschieben oder sie sonst irgendwie zu entrechten, sind abzulehnen! Sie sind Berlinerinnen und Berliner und mit den Worten von Tareq Alaows, der sich jüngst für PRO ASYL e. V. vor Ort ein Bild von der Lage gemacht hat, ausgedrückt: „Die syrische Community ist ein Teil von Deutschland und wird es auch bleiben.“ [Beifall bei der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der SPD und den GRÜNEN –
Nein!] Bitter ist in dieser Debatte doch, dass sofort nach dem Sturz der Assad-Diktatur nicht nur die AfD nach Ab- schiebungen schrie, sondern ausgerechnet auch die Partei, die in der Stadt, in der eine der größten syrischen (Orkan Özdemir) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6025 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Community zu Hause ist, den Bürgermeister stellt, die CDU. Schon am 15. Dezember 2024, gerade einmal eine Woche, nachdem Assad aus Syrien floh, fordert CDU- Chef Merz im ARD-Interview erstens einen Aufnahme- stopp für alle Syrerinnen und Syrer, zweitens die Zu- rückweisung an den deutschen Grenzen und drittens Abschiebungen insbesondere derer, die nicht arbeiten. Damit machen Sie das Geschäft der AfD, und dafür sollte sich die CDU schämen! Mit der Einschränkung auf Straftäter haben leider auch CDU-Bürgermeister Wegner und SPD-Innensenatorin Spranger Abschiebungen nach Syrien gefordert. Auch wenn die CDU bisher nicht die Einbürgerungsaussetzung von Syrern fordert, so will sie doch die Axt an das Staats- angehörigkeitsrecht anlegen und bestimmte Gruppen ausbürgern und die letzte Reform komplett zurückneh- men. So soll selbst das, was durch harte Kämpfe erreicht wurde, wieder zerstört werden. Das machen wir nicht mit. [Beifall bei der LINKEN – Beifall von Jian Omar (GRÜNE) –
Sie sind nicht mehr im Bundestag!] Leider hat die CDU durch ihr Zusammenwirken mit der AfD bewiesen, zu was sie in der Lage ist, aber dieser skandalöse Dammbruch ist nicht das einzige Problem. Alle Parteien bis auf Die Linke widerstehen leider nicht der Versuchung, Migration zum Problem zu erklären und als Teil eines Sicherheitsdiskurses zu be- sprechen. Angeführt wird oft, dass die Bevölkerung mehrheitlich eine härtere Gangart in der Migrationspoli- tik möchte, aber das ist doch – – – Hören Sie mal zu! Jetzt rede ich gerade, und Sie haben zu schweigen! – Frau Kollegin! Ich darf Sie fragen, ob Sie eine Zwischen- frage des Abgeordneten Ubbelohde der AfD-Fraktion zulassen.
Nein, ganz sicher nicht! Entschuldigung! Ob Sie dazwischenrufen müssen: Zwi- schenrufe sind erlaubt, Zwischenreden sind schwierig. Dann würde die Zwischenbemerkung im Zweifel – –
Danke schön, Herr Präsident! – Jedenfalls ist das eine Self-fulfilling Prophecy. Wenn nahezu alle Parteien und Spitzenpolitikerinnen und -politiker Migration zum Topproblemthema machen und auch mediale Diskurse sich nur noch darum drehen, Migration zur Ursache aller Probleme zu machen, über Monate und Jahre, durch alle Talkshows, durch Leitmedien, wen wundert es da? Lang- sam bekomme ich auch den Eindruck, dass die Blockade im Senat zur Verlängerung des letzten funktionierenden Landesaufnahmeprogramms auch mit dieser Debattenla- ge zusammenhängt. Wie wäre die Lage eigentlich, wenn alle Spitzenpolitikerinnen und -politiker, Talkshows und Leitmedien mal nur noch darüber diskutieren, dass Milli- onäre und Konzerne Steuergelder verschleppen und auf dem Rücken von armen Menschen Profite machen? Und hierbei handelt es sich um ein real existierendes Problem! Deswegen kann die Antwort der Bundesregierung auf die AfD und die Vorschläge der CDU nicht sein: Wir haben mit dem GEAS, dem Sicherheitspaket, schon geliefert, und stimmt doch den GEAS-Umsetzungsgesetzen zu –, sondern die Antwort muss sein: Stopp! Wir machen bei der menschenverachtenden und hetzerischen Politik nicht mit, die Migration zum Topproblemthema macht. Wir stehen uneingeschränkt zum Asylrecht und kämpfen für ein Land, in dem alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben. Sie müssten bitte zum Schluss kommen!
Lassen Sie uns das bitte gemeinsam tun. – Danke! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags federführend an den Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten, Me- dien sowie mitberatend an den Ausschuss für Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminie- rung. – Widerspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. (Elif Eralp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6026 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Ich rufe auf lfd. Nr. 4.5: Priorität der Fraktion der CDU Tagesordnungspunkt 31 Baustellen koordinieren – Beeinträchtigungen reduzieren Beschlussempfehlung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr vom 29. Januar 2025 Drucksache 19/2209 zum Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/1955 In der Beratung beginnt die CDU-Fraktion und das mit dem Kollegen Kraft.
Vielen Dank, Herr Präsident! – Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! Baustellenkoordinierung ist das Thema dieses Antrages, und ich will mal vorweg schi- cken: Wir reden nicht zum ersten Mal in diesem Saal darüber, sondern wir haben schon in drei Ausschüssen darüber gesprochen. Ich darf mich sehr herzlich bei allen Kollegen, die sich daran beteiligt haben und die jetzt hier anwesend sind, für die konstruktive Diskussion in diesen drei Ausschüssen bedanken. Überall waren wir uns sehr schnell sehr einig, dass es ein wichtiges Anliegen ist – ich sage auch gleich warum –, und darüber, dass wir auch über die Fraktionen hinweg jeweils Zustimmung erlangen konnten, freue ich mich sehr. Worum geht es? – Es geht darum, die vielen Baustellen, die wir in dieser Stadt sehen, insbesondere im öffentli- chen Straßenland in ihrem Ablauf tatsächlich zu be- schleunigen, aber insbesondere auch zu koordinieren, und zwar sowohl zeitlich als auch räumlich. Wenn Sie durch diese Stadt gehen – ich habe das schon mehrfach ge- sagt –, werden Sie viele Baustellen sehen, wo niemand arbeitet, wo Baustelleneinrichtungen da sind, wo aber keine Bauarbeiten stattfinden. Wenn dann mal eine Bau- stelle endlich mal fertig ist, ist es nicht selten, dass ein paar Meter weiter oder an derselben Stelle ein paar Wo- chen oder Monate später wieder dieselbe Stelle aufgeris- sen und gebaut wird. Das bedeutet für Fußgänger, für Radfahrer, für Busse und für Autos, dass sich die Leistungsfähigkeit reduziert. Das bedeutet aber insbesondere auch Probleme mit der Ver- kehrssicherheit. Wir haben uns gestern im Ausschuss für Mobilität und Verkehr mit diesem Thema beschäftigt, als es um das Verkehrssicherheitsprogramm der Senatsver- waltung von Senatorin Bonde ging. Obwohl nicht nach- weisbar ist, dass Baustelleneinrichtungen signifikant die Unfallzahlen erhöhen, war doch große Einigkeit darin, dass sie zumindest mal eine große Gefahr darstellen. Insofern geht es nicht nur um die Leichtigkeit des Ver- kehrs, sondern auch um die Sicherheit des Verkehrs. Wenn es um die Leichtigkeit geht, geht es insbesondere auch um den volkswirtschaftlichen Schaden, der dadurch entsteht, wenn die Busse, die Bahnen, der Lieferverkehr, der Wirtschaftsverkehr im Stau stehen. Diese Zustände, die wir hier in Berlin haben, sind nach unserer Einschätzung, der Einschätzung der Koalitions- fraktionen aus CDU und SPD, nicht hinnehmbar. Wir haben große Herausforderungen durch Neubauvorhaben, durch den notwendigen Ausbau der Netze, des Wasser- netzes, des Abwassernetzes, aber auch des Stromnetzes, und wir müssen im Bestand sanieren. Ich bringe nur mal das Beispiel in der Seestraße: Sie werden sich an das Dükerproblem erinnern, das über Monate dazu geführt hat, dass in der City-West Riesenstaus und große Umlei- tungsstrecken zu fahren waren. Woran liegt das alles, dass die Baustellen, die hier statt- finden, sowohl die großen als auch die kleinen, weder zeitlich noch räumlich koordiniert sind und dass – das ist ein entscheidender Punkt – aktuell die Genehmigungen für diese Baustelleneinrichtungen immer noch sehr lange dauern, zum Teil mehr als zwölf Monate? Das wiederum führt dazu, dass es diese Schlafbaustellen gibt. Das haben wir adressiert, damit haben wir uns im Dialog mit den Leitungsbetrieben, mit der BVG, der S-Bahn, mit allen, die in dieser Stadt bauen, sehr intensiv beschäftigt und haben herausgearbeitet, dass es eine deutliche Beschleu- nigung der Genehmigungsverfahren braucht. Die haben wir bereits im Zusammenhang mit dem Schneller-Bauen- Gesetz umgesetzt, nämlich die Änderung des Berliner Straßengesetzes. Dadurch werden solche Baustellenan- träge und die Genehmigungen deutlich schneller und effizienter. Damit reduziert sich die Anzahl der Folgean- träge und damit letztlich auch die Dauer der Baustellen. Die Senatsverwaltung hat in der Vergangenheit – auch das wissen Sie vermutlich, ich habe es schon einmal gesagt – für die kleineren Vorhaben das sogenannte Re- gelverfahren ausgeweitet. Sie müssen nicht für jede Bau- stelle, die Sie beantragen, ein solches aufwendiges Ge- nehmigungsverfahren durchlaufen; es reicht auch ein Anzeigeverfahren. Da hat die Senatsverwaltung vor eini- gen Monaten bereits dafür gesorgt, dass diese Baustellen in ihrer Dimensionierung, in der Länge, in der Breite und in der Dauer, ein Stück weit ausgeweitet werden, sodass mehr Baustellen unter dieses Regelverfahren fallen, die Genehmigung nicht mehr erforderlich ist und die Baustel- le schneller beginnt und auch schneller wieder fertig sein kann. Ein ganz zentraler und entscheidender Punkt dieses An- trages ist das Thema Digitalisierung, und zwar Digitali- sierung des Antrags und des Genehmigungsverfahrens. Weil es in den Ausschüssen so ein bisschen, na ja, Miss- verständnisse gab: Mit Digitalisierung meinen wir nicht, jemand schickt eine E-Mail an ein Amt, und das Amt (Vizepräsident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6027 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 druckt die Sache aus und trägt es dann durch die Haus- post in die Straßenverkehrsbehörde, sondern mit digitaler Beantragung meinen wir dezidiert einen Ende-zu-Ende digitalisierten Prozess. Der ist dann so weit automatisiert, beispielsweise wenn es um die Prüfung der Vollständig- keit der Unterlagen geht, dass dadurch auch eine schnel- lere Bearbeitung möglich ist, aber auch die Bezirksämter und das Personal entlastet werden. Der zweite entscheidende Punkt ist die verpflichtende Verwendung des Baustellenatlas. Hier werden alle Bau- maßnahmen, die geplant sind, die stattfinden, eingetra- gen, sodass sie räumlich und zeitlich koordiniert werden. Der dritte Punkt sind Baustellenkoordinierungsrunden, wo sich die Leitungsbetriebe mit den Bezirksämtern, und wenn es bezirksübergreifende Baumaßnahmen sind, selbstverständlich koordiniert durch die Senatsverwal- tung, zusammensetzen. Denn da, so zeigen die Erfahrun- gen in vielen Bezirken, sind viele Synergien zu heben, wenn die Leitungsbetriebe miteinander reden und sich abstimmen, ihre Baumaßnahmen aufeinander abstimmen. Noch einmal herzlichen Dank für die konstruktive, gute Diskussion in den Ausschüssen! Ich freue mich sehr, wenn wir diesen Antrag jetzt beschließen, denn dann ist dieses Chaos hoffentlich bald vorbei, und dann gehören diese Schlafbaustellen der Vergangenheit an. Dann wird schneller gebaut, es gibt weniger Staus, das Ganze zu geringeren Kosten, und wir kommen zu einer besseren, schnelleren und sichereren Mobilität in dieser Stadt. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Dann folgt für die Grünenfraktion Kolle- gin Kapek.
Sehr geehrter Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe gerade mal versucht zu zählen, die wievielte Runde zum Thema Baustellenkoordination es ist. Ich glaube, wenn man das Schneller-Bauen-Gesetz hinzuzählt, wahrscheinlich die sechste. Ich habe hier tatsächlich das Redeprotokoll einer der letzten Runden, in denen ich uns allen noch gemeinsam attestiert habe, dass das Schöne an diesem Thema ist, dass wir uns gemein- sam weiterentwickeln. Und das ist ja mal etwas Erfreuli- ches in den sonst so ritualisierten Rederunden wie derje- nigen hiervor. Das Problem ist ein bisschen: Wir haben, ich glaube, in allen betroffenen oder beteiligten Ausschüssen immer auch noch einen Änderungsantrag mit eingereicht, weil ich schon in der einbringenden Rederunde sagte: Alles, was Sie hier vorschlagen, ist in der Sache nicht falsch, aber es löst das finale Problem nicht. – Denn Sie haben vollkommen recht: Wir sind uns einig, es muss etwas passieren, es muss koordiniert werden. Ich glaube auch, Ihr Schlusssatz, Herr Kraft, ist ein Ziel, das wir alle tei- len, dass wir sagen, das Chaos muss beendet werden, Umleitverkehre müssen besser geregelt werden, der Är- ger muss abgebaut werden. Das teile ich voll und ganz. Die Frage ist nur: Wie erreichen wir das? Sie haben hier Maßnahmen vorgeschlagen, über die man sagen kann, das schadet alles nicht. Aber es lässt einen ganz zentralen Punkt außer Acht, nämlich dass ein Groß- teil der Baustellen, die es in Berlin gibt, sogenannte Großbaustellen sind. Immer dann, wenn wir Baumaß- nahmen haben, beispielsweise von der Deutschen Bahn, oder sagen wir mal, am Moritzplatz, wenn ich dort den U-Bahnhof barrierefrei umbauen möchte, muss ich mich nicht nur mit der BVG abstimmen, sondern gleichzeitig auch mit den Wasserbetrieben, die an der Stelle die Rohre verlegen müssten, damit der Platz für den Aufzug über- haupt geschaffen werden könnte, und, und, und. Das sind Aufgaben, die zwar in der Endausführung beim Baulast- träger Bezirk liegen, aber in der Koordination der Lei- tungsbetriebe vom Land Berlin beziehungsweise von den Landesunternehmen in Auftrag gegeben werden. Und hier fehlt die zuständige Koordinierungsstelle auf der Landesebene, vor allem, weil es um ein Projektmanage- ment geht, bei dem es am Ende auch um die Kostenstel- lenanträge für die Finanzierung geht. Denn es ist nun mal so, dass ich die Anträge nicht alle gleichzeitig stelle, sondern erst die BVG hier den Finanzantrag stellt, dann die DB und dann beispielsweise Vattenfall. All das sind Aufgaben, die die Bezirke nicht leisten kön- nen und die auch in einer jährlichen Runde überhaupt nicht abschließend behandelt werden können. Insofern sage ich: Die Runde – gute Idee – jährlich wird nicht ausreichen. Brauche ich dafür eine institutionalisierte Form? – Das glaube ich nicht. Es würde auch vollkom- men reichen, wenn Senatorin Bonde einfach zu Treffen einladen würde per Brief. Was wir aber brauchen, ist eine Stabsstelle Baustellenkoordination auf der Landesebene. Das haben Sie in allen beteiligten Ausschüssen abgelehnt. Deshalb, Herr Kraft, würde ich einfach mal bei Ihrem Schlusssatz enden. Sie haben gesagt, wenn dieser Antrag beschlossen wird, dann sind alle Probleme beseitigt, und es wird bald alles ganz tutti sein. Vielleicht können wir uns noch darauf verständigen, wann das erreicht werden soll. Dann fragen wir in sechs Monaten nach: Ist das alles erreicht? Und wenn es nicht erreicht ist, kommen wir noch mal mit unserem Änderungsantrag um die Ecke. Vielleicht haben Sie dann die Offenheit, dass wir Ihren Antrag einfach noch mal weiterentwickeln, damit wir das Chaos wirklich auflösen. – Vielen Dank! (Johannes Kraft) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6028 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Vielen Dank! – Dann hat als Nächstes der Kollege Dr. Kollatz das Wort, der hier gerade eine Punktlandung hinlegt, für die SPD-Fraktion.
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Bei dem Thema Baustellen haben wir, das ist bereits mehr- mals hier diskutiert worden, Wesentliches schon erreicht mit dem Schneller-Bauen-Gesetz. Wir haben uns bei dem Schneller-Bauen-Gesetz darauf konzentriert, dass es ins- besondere darauf ankommen muss, das Thema auch mit Genehmigungsfiktionen zu regeln, weil Genehmigungs- fiktionen ein wirksames Instrument sein können, um Genehmigungen schneller herbeizuführen. Wir haben in Berlin die Situation, dass wir vielfach Baustellen haben, die erstens sehr lange auf die Genehmigung warten und zweitens dann auch sehr lange in Betrieb sind und häufig viel länger, als sie eigentlich sein sollten. Also: Die erste Etappe haben wir mit dem Schneller-Bauen-Gesetz ganz gut bewältigt. Jetzt gibt es, glaube ich, noch folgende Themen zu bear- beiten – darauf wollen wir uns als SPD-Fraktion konzent- rieren –; das eine ist: Von der Absicht bis zur breiten Nutzung von digitalen Lösungen ist es noch ein weiter Weg, und das steht jetzt an. Wir hatten heute Morgen schon Debatten, in denen auch darauf hingewiesen wur- de, dass Berlin bei der Digitalisierung weiterkommen kann. Hier ist so ein Beispiel. Es ist also von großer Be- deutung, dass es eine zentrale, tatsächlich von allen auch genutzte Datenbank gibt. – Hinzu kommt der Punkt, der uns als SPD noch besonders am Herzen liegt: Wir wollen auch noch bei den Infrastrukturverlegungen weiterkom- men. Was wir jetzt bei den Genehmigungsfiktionen ha- ben, gilt – in Anführungsstrichen – nur für die Seitenstra- ßen, wenn man so will, nicht für die Hauptstraßen. Das heißt, wir haben noch das ungelöste Problem: Wie be- kommen wir das übereinander, dass all die Erfordernisse, die wichtig sind für die Modernisierung der Stadt, von der Digitalisierung, die wir alle haben wollen, mit schnel- len Faserkabeln, über die anstehenden Modernisierungen von ganz wichtigen Wasserleitungen, aber auch vieles mehr, was an Infrastrukturen verlegt wird, bis hin zum Ausbau des Fernwärmenetzes, der erforderlich ist, auch für die Klimatransformation – – Dies zeigt, dass wir da nicht an ein Ende kommen, sondern wir werden ganz viele Baustellen haben. Wie bekommen wir diese Baustellen auf den Hauptstra- ßen optimiert? – Wir wollen dort ein Verfahren entwi- ckeln und in der Koalition diskutieren, bei dem es uns darum geht, dass insbesondere die Infrastrukturen, die im öffentlichen Interesse verlegt werden, auch in Zukunft, wenn sie transparent über diese zentralen Datenverarbei- tungsmöglichkeiten angemeldet sind, schneller behandelt, schneller genehmigt werden oder es dort vielleicht sogar – das wird dann noch zu prüfen sein – die Möglichkeit gibt, mit Genehmigungsfiktionen zu arbeiten; das ist noch nicht entschieden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das aber aus unserer Sicht eine Überlegung. Die Stadt, die wir die nächsten 15 Jahre vor uns haben, ist also nicht eine Stadt mit weniger Baustellen. Es ist eine Stadt mit eher mehr Baustellen auf den Straßen. Das hängt an der Situation, in der wir sind. Um noch mal auf ein Beispiel zurückzukommen: Insbesondere spielt dabei eine Rolle, dass, wenn die Wassernetze über 100 Jahre alt sind oder 100 Jahre alt sind oder knapp 100 Jahre alt sind, da nun einfach relativ viele Investitionen anstehen. Aber wir müssen nach Wegen suchen, wie wir das bewältigen. Berlin ist dort nicht besser als andere Städte in Deutsch- land, sondern eher schlechter. Dessen wollen wir uns annehmen, das wollen wir lösen, und wir sind ganz opti- mistisch, dass das klappt. – Ich danke für die Aufmerk- samkeit! Vielen Dank! – Dann folgt der Kollege Ronneburg für die
Das wird eine große Herausforderung für die Baustellen- koordinierung werden. Wir stimmen dem Antrag also, wie gesagt, zu und wünschen der Koalition erst mal viel Erfolg. – Gewundert hat uns, dass Sie keinen Berichts- auftrag in den Antragstext geschrieben haben. Herr Kollege, Sie müssen wirklich – –
Deswegen müssen wir wahrscheinlich mit schriftlichen Nachfragen nachbohren oder im Ausschuss noch mal zu gegebener Zeit nachfragen. – Danke schön! Dann folgt eine Zwischenbemerkung des Kollegen Kraft.
Vielen Dank, Herr Präsident! – Vielen Dank, Kollege Ronneburg, für das, was Sie gerade gesagt haben. Da ich zwar den Knopf hätte drücken können und Sie etwas hätte fragen können, Sie aber nicht fragen können – be- ziehungsweise, Sie können schon fragen, ich kann aber nicht vom Platz aus antworten –, dachte ich, ich mache es mal von hier. Das zeigt ja auch, wie konstruktiv und wie gut diese Debatte gelaufen ist und hoffentlich auch weiter läuft. Ich fange mal an mit dem Berichtsauftrag: Ich und wir haben so großes Vertrauen in unsere Verwaltung, in die Senatsverwaltung und in die Senatorin, dass wir diesen Berichtsauftrag nicht brauchen. Wir gehen davon aus, dass wir da vorankommen und die Senatsverwaltung uns dann autoaktiv informiert. Ein ganz wichtiger Punkt, den Sie angesprochen haben, ist aber das Bonus-Malus-System. Sie haben völlig recht: Das funktioniert hervorragend. Wir haben das an der Avus gesehen; wir haben es beispielsweise auch an der Brücke der Bucher Straße in Pankow gesehen: Wenn dort Bonus-Malus-Systeme in den Vertrag aufgenommen werden, gehen die Bauarbeiten deutlich schneller und zügiger, weil es eben den Anreiz für die Bauunternehmen gibt, mindestens mal pünktlich fertig zu werden. Wenn sie länger brauchen, zahlen sie Geld, und wenn sie schneller fertig werden, dann bekommen sie Geld – ein ganz klassisches Anreizsystem, das sich hervorragend bewährt hat. Es gibt allerdings ein kleines Problem, und das Problem ist, dass im Moment dieses Bonus-Malus-System nur bei Aufträgen durch den Bund möglich ist. Das hat etwas mit Ausschreibungen und Vertragsunterlagen zu tun, mit Mustern, die es im Land Berlin und im Bund gibt. Des- halb sind die Vorhaben, die wir sehen und die hier so gut funktioniert haben, auch alle vom Bund, in dem Fall von der Autobahn des Bundes GmbH. Weil wir aber gesehen haben, dass das so gut funktio- niert, haben wir gefragt – und zwar bereits im Rahmen der Haushaltsberatungen, und auch ganz klar mit einem Auftrag an die Senatsverwaltung –: Was braucht ihr, um Berlin und die Verwaltung darauf vorzubereiten, auch solche Bonus-Malus-Systeme in die Verträge zu schrei- ben? – Die Verwaltung hat gesagt: Wir finden das eine gute Idee; wir müssen das aber – und das ist völlig rich- tig – rechtlich absichern. – Dafür brauchen wir entspre- chende Expertise. Dafür brauchen wir auch Expertise von (Kristian Ronneburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6030 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 außen, Fachleute, die sich mit diesen Vertragsverfahren, mit dem Vertragsrecht und auch mit den Ausschrei- bungsgeschichten auskennen. Wir haben mit Blick auf den Haushalt gefragt: Wie viel Geld braucht ihr? – Die Senatsverwaltung hat gesagt: etwa 150 000 Euro. – Diese 150 000 Euro haben wir in den Haushalt eingestellt; das können Sie nachlesen. Ich glaube, ich hatte das auch hier vom Pult erwähnt. Die Senatsverwaltung hat mir vor Kurzem auf Nachfrage gesagt, dass man dabei ist, genau diese Gutachten, die da notwendig sind, diese Expertise einzuholen – mit dem klaren Ziel, dass wir endlich auch hier in Berlin, wenn es um Landesbaustellen geht, dieses Bonus-Malus-System dann auch anwenden können. Insofern: Noch einmal vielen Dank. Das ist ein wirklich wichtiger Punkt. Wir arbeiten daran, und wir sagen Ihnen selbstverständlich Bescheid, wenn es soweit ist. Vielen Dank! – Der Kollege sieht keinen Antwortbedarf. Dann machen wir weiter mit der AfD-Fraktion, und zwar mit Herrn Wiedenhaupt.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Baustellenkoordinierung ist ein Problem, das wir alle kennen, denn täglich erleben wir, dass es in Berlin eben keine effiziente Koordinierung gibt und dass es immer mehr vermeidbare Staus gibt. Deshalb besitzt das Thema eine hohe Priorität, wenn wir die Mobilität in unserer Stadt verbessern wollen. Es ist ein Problem, welches die Senate der letzten Legislaturperioden einfach nicht ange- nommen haben, sich nicht damit beschäftigt haben. Im Gegenteil: Grüne Verkehrssenatorinnen haben es wahr- scheinlich aus ideologischen Gründen gar nicht so ungern gesehen, dass es Baustellen und Staus gibt. Daher hat die AfD-Fraktion bereits im November 2023 einen entsprechenden Antrag eingestellt. Wir fordern, dass es eine zentrale Stabsstelle bei der Senatsverkehrs- verwaltung geben muss, die eine strategische Planung von Baustellen im Straßennetz vornimmt und mit den Bezirken abstimmt, dass Genehmigungsvorgänge unver- züglich auf Vollständigkeit und Brauchbarkeit zu prüfen sind, der Bearbeitungszeitraum einen Monat nicht über- schreiten darf, dass die personelle Ausstattung der Bezir- ke so zu erhöhen ist, dass regelmäßige Kontrollen – die sogenannten Pflasterprotokolle – vorgenommen werden können, dass die Koordinierungen von Havarien kurz- fristig und für den Autofahrer transparent vorgenommen werden, dass die Verkehrsinformationsstelle mit einer App und der Übertragung auf die gängigen Navigations- systeme allen Verkehrsteilnehmern aktuell die Bau- stellensituation zeigt und Umfahrungsvorschläge macht, dass ein digitales Erfassungsportal – das kann von mir aus auch infrest sein – aufgebaut wird, um die Abstim- mung einfacher und schneller hinzubekommen, dass mit den bauausführenden Firmen klare Vertragslagen ge- schaffen werden, in denen auch Vertragsstrafen aufge- nommen werden, damit aufgemachte Baustellen auch wirklich betrieben werden und nach Beendigung der Baumaßnahme auch wieder geschlossen werden, und dass die zentrale Stabsstelle eine vorausschauende und langfristige Planung aller Tief- und Hochbaumaßnahmen vornimmt. Das hatten wir bereits 2023 gesagt, und ein Jahr später legt jetzt die CDU-SPD-Koalition einen Antrag vor, der folgende drei Hauptpunkte hat: Die erste Forderung ist, dass Baustellen besser koordiniert werden müssen. – Ja, richtig, wie von der AfD-Fraktion bereits 2023 gefordert. Zweite Forderung: Baustellenanträge müssen digitalisiert werden. – Ja, richtig, wie von der AfD-Fraktion bereits 2023 gefordert. Dritte Forderung: Es soll eine Baustellenkoordinierungs- runde einmal im Jahr stattfinden. – Gut, liebe Kollegen der Koalition, das mag ja nicht schaden, aber ich glaube, selbst Sie glauben nicht wirklich daran, dass uns eine einmalige Tagung im Jahr weiterhilft. Im Endeffekt stellt dieser Antrag eine Kopie des AfD- Antrags dar, weshalb wir auch zustimmen können – wo- bei wir das auch schon vor zwölf Monaten hätten haben können. Zu bemängeln bleibt, dass im Koalitionsantrag leider nicht das Thema der Kommunikation mit den Bür- gern und Verkehrsteilnehmern aufgenommen wurde. Dabei ist es für uns aber wichtig, dass wir nicht morgens losfahren, an einer neuen, uns nicht bekannten Baustelle liegenbleiben, der Verkehr zusammenbricht und Anwoh- ner rund um die Baustellen die Leidtragenden sind. Das muss nachgebessert werden. – Herzlichen Dank! Dann hat zu diesem Tagesordnungspunkt der fraktionslo- se Abgeordnete Dr. King einen Redebeitrag angemeldet und erhält das Wort.
Danke, sehr geehrter Herr Präsident! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Baustellenchaos ist in Berlin nicht nur ein Problem für die privaten Berliner Verkehrsteilnehmer und ihr Nervenkostüm, dazu wurde schon viel ausgeführt, sondern, das hat nicht eine so große Rolle gespielt, auch für die Berliner Wirtschaft, wie wir am Montag im Wirt- schaftsausschuss gehört haben. Berlin ist deutsche (Johannes Kraft) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6031 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Stauhauptstadt, hat uns die IHK vorgerechnet, und liegt in Europa leider ganz weit vorne. Laut einer Umfrage der Handwerkskammer im Kammerbezirk Berlin ist die feh- lende Baustellenkoordinierung das größte Problem im Wirtschaftsverkehr und damit ein gewaltiges Hindernis für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt. Die anderen Problemlagen sind die marode Infrastruktur, die erneuert werden muss, und Straßenverbindungen, die neu und auch ausgebaut werden müssen. Es muss also eigentlich noch viel mehr Baustellen geben, und es wird nach Jahrzehnten des Aufschubs von wichtigen Instand- haltungen und Ausbauarbeiten noch viel mehr Baustellen geben. Man will sich gar nicht vorstellen, wie es in Berlin zugeht, wenn jetzt auch noch das Fernwärmenetz erwei- tert und das Stromnetz für die Versorgung von Ladestati- onen und Wärmepumpen ausgebaut werden muss. Das Thema der zentralen Baustellenkoordination ist also wirklich sehr wichtig und auch uralt. Das wurde schon ein paar Mal gesagt, seit mindestens zehn Jahren wird es hier hin und her diskutiert. Es ist aber auch bezeichnend, dass ein so massives Problem so lange braucht, um bear- beitet zu werden. Insofern ist es gut, dass es jetzt ange- gangen wird, aber ich würde auch sagen, zwei echte Problemkreise sind eben noch nicht vollständig adres- siert. Das eine ist die zentrale Baustellenkoordinierung. Da würde ich den Grünen und auch der AfD zustimmen. Also eine zentrale Stabsstelle Koordinierung auf Landes- ebene fehlt, aber die brauchte man angesichts der gewal- tigen Herausforderungen unbedingt. Das Zweite ist: Ob der Kampf gegen die endlosen Geis- terbaustellen nur mit Digitalisierung und Beschleunigung der Genehmigungsverfahren wirklich gelingt, kann man jetzt noch nicht sagen. Eigentlich kann man das erst an- gehen, wenn das Bonus-Malus-System, von dem Herr Kraft gesagt hat, dass es geprüft wird und bald kommen soll, wirklich gekommen ist. Dann werden wir sehen, ob das alles funktioniert. Möglicherweise wird die Diskussi- on noch weitergehen, aber nicht mehr heute. In der Tat, denn weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Koalitionsfraktionen Drucksa- che 19/1955 empfiehlt der Fachausschuss einstimmig – bei Enthaltung der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen – die Annahme. Wer den Antrag gemäß Beschlussempfehlung Drucksache 19/2209 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind die Fraktionen der CDU, der SPD, Die Linke, die AfD-Fraktion und ein fraktionsloser Abgeordneter. Wer stimmt dagegen? – Das ist niemand. Und wer enthält sich? – Das sind die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und ein weiterer fraktionsloser Abgeord- neter. Damit ist der Antrag angenommen. Damit kommen wir zu den geheimen verbunden Wahlen. Ich rufe dazu auf lfd. Nr. 5: Wahl eines stellvertretenden Mitglieds und Wahl der/des stellvertretenden Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses zur Untersuchung des Ermittlungsvorgehens im Zusammenhang mit der Aufklärung der im Zeitraum von 2009 bis 2021 erfolgten rechtsextremistischen Straftatenserie in Neukölln (UntA Neukölln II) Wahl Drucksache 19/0909 in Verbindung mit lfd. Nr. 6: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10-Kommission des Landes Berlin Wahl Drucksache 19/0915 und lfd. Nr. 7: Wahl von zwei Mitgliedern des Präsidiums des Abgeordnetenhauses Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0936 und lfd. Nr. 8: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses für Verfassungsschutz Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1000 und lfd. Nr. 9: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale für politische Bildung Wahl Drucksache 19/1008 und lfd. Nr. 10: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Lette-Vereins – Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/1057 und (Dr. Alexander King) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6032 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 lfd. Nr. 11: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Pestalozzi-Fröbel- Hauses – Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/1058 und lfd. Nr. 12: Wahl eines Mitglieds des Beirats der Berliner Stadtwerke GmbH Wahl Drucksache 19/1247 Die Wahlvorschläge der AfD-Fraktion für diese Gremien haben in den letzten Sitzungen keine Mehrheit gefunden. Die AfD-Fraktion schlägt deshalb heute zur Wahl vor: für den Untersuchungsausschuss Herrn Abgeordneten Robert Eschricht als stellvertretendes Mitglied und Herrn Abge- ordneten Karsten Woldeit als stellvertretenden Vorsitzen- den, für die G-10-Kommission Frau Abgeordnete Jean- nette Auricht als Mitglied und Herrn Abgeordneten Ale- xander Bertram als stellvertretendes Mitglied, für das Präsidium Herrn Abgeordneten Gunnar Lindemann und Frau Abgeordnete Dr. Kristin Brinker als Mitglieder, für den Ausschuss für Verfassungsschutz Frau Abgeordnete Jeannette Auricht als Mitglied und Herrn Abgeordneten Karsten Woldeit als stellvertretendes Mitglied, für das Kuratorium der Landeszentrale für politische Bildung Herrn Abgeordneten Thorsten Weiß als Mitglied und Herrn Abgeordneten Rolf Wiedenhaupt als stellvertreten- des Mitglied, für das Kuratorium des Lette-Vereins Herrn Abgeordneten Harald Laatsch als Mitglied und Herrn Abgeordneten Dr. Hugh Bronson als stellvertretendes Mitglied, für das Kuratorium des Pestalozzi-Fröbel- Hauses Herrn Abgeordneten Robert Eschricht als Mit- glied und Herrn Abgeordneten Ronald Gläser als stellver- tretendes Mitglied und für den Beirat der Berliner Stadt- werke GmbH Frau Abgeordnete Dr. Kristin Brinker als Mitglied. Die AfD-Fraktion hat eine geheime Wahl beantragt. Die Fraktionen haben einvernehmlich vereinbart, diese Wah- len in einem Wahlgang durchzuführen. Sie erhalten dazu acht Stimmzettel in verschiedenen Farben. Der Stimmzet- tel sieht jeweils die Möglichkeit vor, „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ anzukreuzen. Für jeden Vorschlag darf nur ein Feld angekreuzt werden. Stimmzettel ohne ein Kreuz, mit mehreren Kreuzen für einen Vorschlag, anders als durch ein Kreuz gekennzeichnet oder mit zusätzlichen Bemerkungen oder Kennzeichnungen sind ungültig. Die Stimmzettel dürfen nur in den Wahlkabinen und nur mit den darin bereitgestellten Stiften ausgefüllt werden. Die Stimmzettel sind noch in der Wahlkabine einmal zu falten und in den Umschlag zu legen. Abgeordnete, die ihre Stimmzettel außerhalb der Wahlkabine kennzeichnen oder in den Umschlag legen, sind nach § 74 Absatz 2 der Geschäftsordnung zurückzuweisen. Der Umschlag ist erst dann in die Wahlurne zu legen, wenn die Stimmabgabe von einer Beisitzerin oder einem Beisitzer vermerkt wor- den ist. Bitte geben Sie dazu Ihren Namen an, und warten Sie, bis Ihr Name auf der Liste abgehakt worden ist! Es stehen wieder acht Wahlkabinen zur Verfügung. Ab- geordnete, deren Namen mit A bis K beginnen, wählen bitte von Ihnen aus gesehen auf der linken Seite. Abge- ordnete, deren Namen mit L bis Z beginnen, nutzen bitte die rechte Seite. Ich weise darauf hin, dass die Fernseh- kameras nicht auf die Wahlkabinen ausgerichtet werden dürfen. Alle Plätze direkt hinter den Wahlkabinen und um die Wahlkabinen herum bitte ich jetzt freizumachen. Die Sitzung wird nach dem Ende der Wahlen direkt fort- gesetzt, also nicht für die Auszählung unterbrochen. Ich bitte den Saaldienst, die vorgesehenen Tische und Wahl- kabinen aufzustellen, und die Beisitzerinnen und Beisit- zer, ihre vorgesehenen Plätze einzunehmen. Eine Kolle- gin oder ein Kollege kommt dann zum Namensaufruf hier nach vorne. – Es wäre schön, noch ein weiteres Präsidi- umsmitglied für den Ausgabeplatz gewinnen zu kön- nen. – Für die Ausgabe der Stimmzettel wäre noch ein weiteres Präsidiumsmitglied schön. – Das sind zwei. Gut, ich glaube, dann muss das so reichen. Dann bitte ich jetzt die Kollegin Çağlar, mit dem Namensaufruf zu beginnen. Die Schlange auf der anderen Seite ist schon etwas kür- zer, falls noch jemand wechseln möchte aus der zweiten Hälfte des Alphabets. Dann frage ich, ob alle Präsidiumsmitglieder schon die Gelegenheit hatten zu wählen; sie mögen sich bitte ent- sprechend ablösen. Dann bitte ich schon mal die Kolleginnen und Kollegen, die noch Gespräche führen, sich wieder auf ihre Plätze zu setzen. Das erhöht für uns die Übersicht, damit wir gleich fortsetzen können. Dann frage ich noch mal, ob jetzt alle Mitglieder des Abgeordnetenhauses die Gelegenheit hatten zu wählen, auch die Präsidiumsmitglieder. – Das ist offensichtlich der Fall. Dann schließe ich den Wahlgang und bitte die Beisitzerinnen und Beisitzer, mit der Auszählung zu beginnen, und den Saaldienst, die Tische wieder abzu- bauen. Ich rufe auf (Vizepräsident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6033 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 lfd. Nr. 13: Gesetz zur Änderung des Laufbahngesetzes, des Landesbeamtengesetzes sowie der Laufbahnverordnung allgemeiner Verwaltungsdienst und weiterer Laufbahnverordnungen Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 22. Januar 2025 Drucksache 19/2184 zur Vorlage – zur Beschlussfassung – Drucksache 19/2159 Zweite Lesung Die bereits in der letzten Sitzung eröffnete zweite Lesung der Gesetzesanträge wird fortgesetzt. Eine erneute Bera- tung ist nicht vorgesehen. Wir kommen daher direkt zur Abstimmung. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/2159 empfiehlt der Hauptausschuss einstimmig – bei Enthaltung der Fraktion Die Linke und der AfD-Fraktion – die Annahme mit Änderungen. Wer die Gesetzesvorla- ge gemäß der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/2184 annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das ist die CDU-Fraktion und die SPD- Fraktion. Gegenstimmen? – Bei Gegenstimmen der AfD- Fraktion – Enthaltungen? – und Enthaltungen der Links- fraktion ist die Gesetzesvorlage so angenommen. Die Tagesordnungspunkte 14 und 15 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 16: Zweites Gesetz zur Fortschreibung des Berliner Hochschulrechts Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wissenschaft und Forschung vom 27. Januar 2025 Drucksache 19/2211 zur Vorlage – zur Beschlussfassung – Drucksache 19/2054 Zweite Lesung Ich eröffne die zweite Lesung der Gesetzesvorlage. Ich rufe auf die Überschrift, die Einleitung sowie die Artikel 1 bis 4 der Gesetzesvorlage und schlage vor, die Beratung der Einzelbestimmungen miteinander zu verbinden. – Widerspruch dazu höre ich nicht. In der Beratung beginnt die Fraktion der CDU und hier der Kollege Grasse. – Bitte schön!
Das ist nicht das Thema, Herr Grasse!] Aus meiner Sicht hätte es die Zusage für eine solche Veranstaltung niemals geben dürfen. Ja, die Wissen- schaftsfreiheit ist ein hohes Gut, aber sie muss Grenzen haben, wo Terror verherrlicht und Antisemitismus ver- breitet wird. An den Berliner Hochschulen darf es hierfür keine Bühne geben. Vor diesem Hintergrund war auch die Ablehnung der Ausstellung „The Vicious Circle“ ein fatales Zeichen. Umso dankbarer bin ich, dass diese Aus- stellung nun in den Räumen dieses Parlaments gezeigt wird. Die Wiedereinführung des Ordnungsrechts war richtig und wichtig, weil wir damit einen Fehler von Rot-Rot- Grün korrigiert haben. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf korrigieren wir einen weiteren schweren Fehler. Er betrifft die Postdoc- Regelung in § 110 Absatz 6 Berliner Hochschulgesetz. Die Entfristungsverpflichtung, die insbesondere Sie, lieber Herr Kollege Schulze, für Die Linke durchgesetzt haben, halten wir mit der vorliegenden Gesetzesänderung auf. Sie wollten damals mit dem Kopf durch die Wand und einen Alleingang Berlins durchsetzen, von dem Sie wussten, dass er verfassungswidrig ist und dem sich bis heute (Präsidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6034 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 kein anderes Bundesland, – Herr Schulze, kein anderes Bundesland – angeschlossen hat. – Vorreiter, das ist ein Witz, den Sie uns hier erzählen! Sie sind Geisterfahrer, nicht Vorreiter gewesen, Frau Brychcy! Denn auch die Wissenschaftsverwaltung wollte diesen Weg nie gehen. Sie haben damals, Herr Schulze, das will ich gerne einräumen, einen günstigen Zeitpunkt abge- passt. Herr Krach war damals bereits in Hannover, Herr Müller auf dem Weg in den Bundestag, aus dem er sich gerade wieder verabschiedet. Beide hatten kein großes Interesse mehr an der Berliner Landespolitik. Dieser Vorgang macht eben auch deutlich, dass die Linken von jeglicher Regierungsbeteiligung ausgeschlossen werden müssen. Sonst ist der Schaden groß, und die Aufräumarbeiten sind sehr groß. Neben der Postdoc-Regelung nehmen wir noch drei wei- tere Themen in den Fokus. Erstens: Das Promotionsrecht für Hochschulen für angewandte Wissenschaften. Berlin schließt damit zu anderen Bundesländern auf, die diesen Schritt bereits gegangen sind. Dieses Promotionsrecht, wie auch die Promotion selbst, ist eine hohe Auszeich- nung, eine Auszeichnung, die hervorragende Forschungs- leistungen im wahrsten Sinne des Wortes tituliert. Genau diese herausragenden Forschungsleistungen werden wir durch den Weg zur Promotion zukünftig auch an den HAWs entsprechend würdigen. Eines ist mir dabei aller- dings sehr wichtig: Wir schaffen hier keine Low-Quality- Promotion, wir sprechen über Bereiche, in denen die Forschungsstärke über Jahre nachgewiesen wurde. Zweitens: Die Gewinnung und Bindung von Professorin- nen und Professoren. Ich glaube, wir sind uns einig, Ber- lin braucht herausragende Köpfe, Berlin hat herausragen- de Köpfe an unseren Hochschulen und Forschungsein- richtungen, und wir müssen eben alles daran setzen, diese Talente zu halten und neue Talente zu gewinnen. Der dritte Punkt, zu dem ich komme, den wir adressieren, ist die Förderung des Spitzensports. Berlin ist nicht nur eine Wissenschaftsmetropole, sondern auch eine Stadt des Spitzensports. Wir wollen es unseren herausragenden Athletinnen und Athleten erleichtern, ihre sportliche Karriere mit ihrer akademischen zu verbinden, denn Leis- tungssportler verdienen nicht nur unsere Aufmerksamkeit während des Wettkampfs, sondern sie verdienen auch noch viel mehr Unterstützung während der harten und kräftezehrenden Trainingsphasen. Wir senden heute da- her auch ein sehr starkes Signal an unseren sportlichen Nachwuchs – ich komme zum letzten Satz –, deshalb kann ich nur dazu aufrufen, dieses Signal zu unterstützen und unserem Antrag zur Änderung des Berliner Hoch- schulgesetzes zuzustimmen. – Ich danke Ihnen sehr! Vielen Dank, Herr Kollege! – Für die Fraktion Bünd- nis 90/Die Grünen hat die Kollegin Neugebauer das
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren heute in zweiter Lesung die Gesetzesnovelle zum Berliner Hochschulgesetz, mit der wir als Koalition gleich mehrere Änderungen vornehmen, die Berlin als Wissenschafts- und Forschungsstandort voranbringen werden. Mit diesen Änderungen werden wir unsere Berliner Hochschulen darin unterstützen, sich im Wettbewerb um hochqualifizierte Professorinnen und Professoren durchzusetzen und diese sowohl besser hal- ten als auch gewinnen zu können. Wie Sie vielleicht wissen, können unsere Berliner Hochschulen erst dann reagieren, wenn schon klar ist, dass Forschende Berlin verlassen werden. Hier möchten wir den Hochschulen mehr Möglichkeiten geben, dieses Spitzenpersonal zu halten und exzellente Karrierewege zu entwickeln. Für die Professorinnen und Professoren für die Fachdi- daktik in der Lehrkräfteausbildung öffnen wir die Anfor- derungen an die berufspraktische Qualifikation. Das ist nicht nur für die Gewinnung von Spitzenpersonal wich- tig, sondern verbessert auch die Qualität des Lehramts- studiums in Berlin für unsere künftigen Lehrkräfte. Das ist vor dem Hintergrund des weiterhin hohen Lehrkräf- tebedarfs an unseren Schulen von besonderer Bedeutung für unsere Stadt. Darüber hinaus nehmen wir mit dieser Gesetzesänderung erforderliche Änderungen für unsere Hochschulen für angewandte Wissenschaften vor, um das Promotionsrecht an den Hochschulen umsetzen zu kön- nen. Mit der Einführung einer Vorabquote für Spitzensportler für konsekutive Masterstudiengänge stärken wir eine wichtige Brücke zwischen dem führenden Wissenschafts- standort Deutschlands und dem bundesweit größten Stützpunkt für Leistungs- und Spitzensport. Mit dieser Maßnahme können Spitzensportler in Berlin ihr Studium nach dem Bachelor hier fortsetzen und bleiben Berlin erhalten. Auch die recht weit auseinandergehende Quali- tät von akademischen Angeboten im Bereich der mittler- weile zahlreichen privaten Hochschulen und Einrichtun- gen verbessern wir mit dieser Gesetzesänderung maßgeb- lich. Vor gut zwei Wochen hatten wir im Wissenschaftsaus- schuss eine gute Anhörung zu unserer Gesetzesänderung. Sämtliche Änderungen wurden von den Anzuhörenden gelobt und aus den unterschiedlichen Perspektiven auch für sinnvoll und wichtig erachtet. Frau Prof. Dr. von Blumenthal, die als HU-Präsidentin für die LKRP als Anzuhörende geladen war, hat bezogen auf den § 110 Absatz 6 BerlHG, den der Gesetzesentwurf nicht adres- siert hat, nachvollziehbar dargelegt, warum eine Verlän- gerung der Übergangsfrist hier sinnvoll und notwendig ist. Die Hochschulen und die Senatsverwaltung befinden sich in einem guten Prozess zu den neu zu schaffenden Stel- lenkategorien. Zu bedenken gegeben wurde, dass die Übergangsfrist, die wir auf den 1. April dieses Jahres gesetzt haben, nicht ausreichen wird, um die neuen unbe- fristeten Stellenkategorien, die für mehr Dauerbeschäfti- gung sorgen werden, einzuführen. Für uns ist es daher folgerichtig, diese Übergangsfrist zu verlängern, weshalb wir hier als Koalitionsfraktionen den entsprechenden Änderungsantrag einbringen. Ich möchte (Laura Neugebauer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6036 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 an dieser Stelle ganz klar sagen: Wir gehen weiter den Weg für gute, zuverlässige und eben auch rechtssichere Rahmenbedingungen für unbefristete Karrierewege und gute Arbeit in der Wissenschaft. Das ist und bleibt für die Koalition, insbesondere für die SPD, ein zentrales Anlie- gen, wie auch insgesamt die Stärkung des Wissenschafts- und Forschungsstandorts Berlin, die wir auch mit dieser Gesetzesnovelle im Ganzen im Blick haben. – Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! – Für die Linksfraktion hat Herr Kollege Schulze das Wort.
Frau Präsidentin! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zum Promotionsrecht für HAWs will ich gar nicht viel sagen. Das gibt es seit vier Jahren, und das wird hier jetzt verschlimmbessert, eher verschlimmert. Das kam auch in der Ausschlussanhörung klar raus, aber darüber müssen wir nicht weiter sprechen. Das wird irgendwo in den Untiefen der Verwaltung entstanden sein. Ich möchte etwas zu den Karrierebedingungen an unseren Hochschulen sagen. Wir haben vor fast vier Jahren einen Grundsatz für die Personalentwicklung an Hochschulen beschlossen, und der lautet: Wer promoviert ist und nach dieser Promotion noch mal einen befristeten Arbeitsver- trag eingeht und ein weiteres Qualifikationsziel, zum Beispiel die Habilitation, anstrebt, der soll danach, wenn er das erfolgreich bestanden hat, eine Zusage für eine dauerhafte Beschäftigung an einer Berliner Hochschule bekommen. So gut, so einfach. Die Problemlage ist klar. Mehr als 85 Prozent der ange- stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Berlin sind immer noch befristet beschäftigt. Darunter sind viele, die promovieren und auch viele auf Drittmit- telstellen. Aber es sind eben auch immer noch viele Men- schen, die einfach ein Postdoc auf einer Haushaltsstelle sind und trotzdem nur Kettenbefristungen bekommen. Damit wollten wir Schluss machen! Denn wer nach der Promotion Mitte, Ende 30 ist und sich in der Wissenschaft mehrfach mit guten Leistungen be- wiesen hat, der sollte endlich die Möglichkeit zur unbe- fristeten Tätigkeit bekommen. Das ist nicht nur eine Fra- ge der Gerechtigkeit, das ist auch eine Frage der Ver- nunft, lieber Kollege Grasse! Seit fast vier Jahren warten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Berlin auf die Umsetzung dieser Rege- lung zur Anschlusszusage. Die Unis, das hat auch Frau von Blumenthal im Ausschuss dargestellt, haben sich vorbereitet und Modelle für diese Personalstrukturen entwickelt. Sie sagen ganz klar: nicht die Unis brauchen die Zeit, sondern der Senat braucht die Zeit, weil er seine Hausaufgaben nicht gemacht und die entsprechende Mit- arbeiterverordnung abgeschafft hat. Deswegen gibt es jetzt die Verschiebung. Aber der Senat wollte diese Regelung eigentlich auch. Ich zitiere mal den Staatssekretär Henry Marx im Januar 2024: „Mit der Einführung des Anschlusszusagen- Modells für Post-Docs hat Berlin einen mutigen Weg eingeschlagen. Diesen werden wir umsetzen, ohne erst ausstehende Bundesverfassungsgerichts- urteile abzuwarten.“ – Zitat Henry Marx. Zitat Senatorin Czyborra, März 2024: „,um dem prognostizierten Fachkräftemangel in der Wissenschaft entgegenzuwirken, brauchen wir attraktive Arbeitsbedingungen und Karrierewege. Nur so können wir auch die Qualität der Berliner Hochschulen dauerhaft erhalten! Berlin ist hier schon ein gutes Stück weiter.“ Sie lobte auch die gefundene Regelung zur Anschlusszu- sage. Soweit, so gut. Jetzt hätte man anfangen können, das Ganze umzusetzen. Seit Februar 2023 sind Sie ja dabei. Aber nun, im Oktober 2024, ausgerechnet beim Forum Gute Arbeit, die Kehrtwende. – Was hat Sie denn, liebe Senatorin und lieber Herr Staatssekretär, dazu bewogen, hier umzudrehen? War es der Kollege Grasse von der CDU mit seinem Trump´schen Einschlag? Oder war es Ihr eigenes Haus? Wir wissen es nicht genau. Jedenfalls waren es nicht die Unis, denn die Unis hätten diese Rege- lung gerne. Sie widersprechen da auch Ihrem eigenen Koalitionsver- trag, wo eine Verlängerung bis zum 1. April 2025 drin- steht und auch der Grundsatz, dass nur noch befristet werden soll, wenn es um Qualifikation geht, und danach nicht mehr. Sie stoßen hier massiv die Unis und die Wissenschaftle- rinnen und Wissenschaftler in dieser Stadt vor den Kopf und machen blumige Ankündigungen für neue Personal- kategorien. Ich sage Ihnen: Wir brauchen keine neuen Personalkategorien. Das sind Ablenkungsmanöver. Wir debattieren dann wieder jahrelang. Lassen Sie uns doch jetzt endlich diese Regelung in die Umsetzung bringen! (Marcel Hopp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6037 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Ich zitiere mal zum Abschluss Dr. Reinhard Flogaus, Wissenschaftler der Humboldt-Uni, der im Tagesspiegel geschrieben hat: „Die Koalition kippt die 2021 beschlossene Rege- lung für mehr Dauerstellen, kürzt zugleich den Hochschulen ihre Finanzmittel vertragswidrig um mindestens 8 Prozent und fordert sie dann noch nonchalant auf, künftig selbst doch für mehr Dau- erbeschäftigung zu sorgen.“ Ich finde, mehr muss man nicht hinzufügen. Dieser Senat hat wissenschaftspolitisch fertig. – Danke schön! Für die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Trefzer das
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die Linke möchte ausländischen Opfern rechter oder rassistischer Gewalt zu einer Aufenthaltser- laubnis verhelfen, durch die Änderung eines Bundesge- setzes, des Aufenthaltsgesetzes, das wir hier nicht ändern können; Aufenthaltsrechte als Folge von gewalttätigen Angriffen gegen Ausreisepflichtige. Was ist denn die richtige Antwort eines handlungsfähigen Rechtsstaats auf gewalttätige Straftaten? – Die richtige Antwort des Rechtsstaats sind Prävention, Gefahrenabwehr und Straf- verfolgung, und zwar ohne jeden Unterschied. Ob die Gewalt an Ausreisepflichtigen verübt wird, oder ob die Gewalt durch Ausreisepflichtige verübt wird: Hier darf der Rechtstaat keine Unterscheidung machen. Der Aufenthaltsstatus einer Person, eines Opfers hat schlicht und einfach nichts damit zu tun, ob jemand Opfer eines Angriffs geworden ist, denn die Ausreisepflicht einer Person begründet sich in dem individuellen, zure- chenbaren Verhalten des Ausreisepflichtigen selbst und nicht in dem Verhalten eines Dritten. Wie unsinnig Ihr Vorschlag ist, zeigt sich, wenn ein Aus- reisepflichtiger Opfer von Gewalt durch einen anderen Ausreisepflichtigen wird. Es entbehrt jeder Logik, als Konsequenz ein Aufenthaltsrecht zu gewähren. So sahen das übrigens auch die Sachverständigen bei der Anhörung im Deutschen Bundestag genau zu dieser Frage am 29. Juni 2020. Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kol- legin Eralp?
Nein, danke! Ich möchte gern zusammenhängend ausfüh- ren. – Professor Dr. Kay Hailbronner von der Universität Konstanz hat damals zu diesem Vorschlag wie folgt (Ferat Koçak) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6040 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 ausgeführt, ich zitiere mit Genehmigung der Frau Präsi- dentin: „Opfer rassistischer Gewalttaten werden nicht aufgrund rassistischer Gewaltanwendung in eine prekäre aufenthaltsrechtliche Situation gebracht. Eine Ausreisepflicht besteht in der Regel auf der Grundlage von Umständen, die mit der rassistisch motivierten Gewaltanwendung in keinem sachli- chen Zusammenhang stehen, sondern auf das ei- gene dem Ausländer zurechenbare Verhalten zu- rückgehen.“ Zitat Ende. – Daher, sehr geehrte Kolleginnen und Kolle- gen der Linksfraktion, ist Ihr Antrag schlichtweg unsin- nig, und wir werden ihn deswegen ablehnen. – Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! – Für die Fraktion Bünd- nis 90/Die Grünen hat der Kollege Mirzaie das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Ich über- setze einmal, was Herr Dregger hier gerade gesagt hat: Wenn wir den Menschen mit Migrationsgeschichte, den Betroffenen von rechter Gewalt ein Bleiberecht zugeste- hen, dann werden sie sich morgen gegenseitig die Köpfe einschlagen und dann auch noch um Bleiberecht bitten. – Das ist, mit Verlaub gesagt, Quatsch! Hier geht es um eine ganz kleine Gruppe von Opfern rechter Gewalt. Es geht nicht darum, irgendwie neue Tatbestände zu legitimieren, dass jeder, der morgen eine Schlägerei anzettelt, gleich ein Bleiberecht kriegt. Das ist, mit Verlaub gesagt, infam. Ich weiß gar nicht, Herr Dregger, ob Sie den Antrag gele- sen haben. Das ist jetzt gar nicht böse gemeint, aber da geht es ja um die Strafverfolgung. Das heißt, jemand ist Betroffener einer Straftat, und was ist, wenn das Verfah- ren noch nicht abgeschlossen ist? Da gibt es auch ein Interesse von Staat und Justiz, dass man das aufklärt. Da bringt es nichts, die Leute in den Flieger nach Kabul zu setzen. Was ist mit den traumatischen Folgen? Was ist mit den Gesundheitsfolgen? All das muss ja auf den Tisch, und das steht auch alles in dem Antrag. Insofern ist es natür- lich ein bisschen verkürzt, wenn ich es einmal freundlich sagen darf, wenn Sie jetzt sagen, dass aufenthaltsrechtlich – – Natürlich sind aufenthaltsrechtliche Gründe nicht von einer rassistischen oder rechtsextremen Tat abgelei- tet, aber wir müssen die Folgen berücksichtigen. Das Schöne an Politik ist: Wir können die Realität so gestal- ten, wie wir es möchten. [Beifall bei den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN –
Das tun Sie ja auch schon!] Wenn wir möchten, dass diese Menschen ein Bleiberecht kriegen, dann dürfen wir ihnen das zugestehen. Das ist in diesen Zeiten mehr als dringend geboten. Eine Schriftli- che Anfrage von mir hat ergeben, dass die rechten Straf- taten in Berlin auf einem Höchststand sind. Nicht nur ich, auch die Medien und die Presse haben erkannt, dass nicht nur die Quantität der rechten Gewalt in Berlin gestiegen ist, nein, auch die Qualität der Taten hat eine neue Dimension. Ich sage Ihnen: Wer heutzutage Sicherheit ohne die Gefahr des Rechtsextremismus denkt, wie es diese Koalition derzeit tut, der springt zu kurz, und der verhält sich grob fahrläs- sig. Herr Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Ab- geordneten Gläser?
Auf gar keinen Fall! Wir haben gerade vor zwei Wochen erlebt, dass nicht irgendwo am Stadtrand, sondern in der guten Stube Ber- lins, nämlich zwischen Alexanderplatz und Friedrichstra- ße, Touristen am frühen Abend unvermittelt attackiert werden. Ein kanadisches Paar konnte sich nur per Glück nach Schlägen und Tritten in Sicherheit bringen. Kurz zuvor wurde ein Jugendlicher wegen eines Stickers am Rucksack von zwei Neonazis angegriffen. Mir fehlt, ehrlich gesagt, die Reaktion dieser Koalition zu diesen Straftaten. Was machen Sie denn? – Ich sage es einmal verkürzt: Wenn es um renitente Jugendliche in Neukölln geht, kommen Sie ganz schnell mit Sicherheitsgipfel, Law and Order und so weiter, aber wenn es um die Gefahr von rechts geht, dann wird sie von dieser Koalition verharmlost. Das muss man leider so sagen. (Burkard Dregger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6041 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Deswegen haben wir als Grüne nicht nur einen Zehn- Punkte-Plan eingereicht, weil von der Koalition ja nichts kommt, sondern wir haben auch einen Sicherheitsgipfel gefordert, der Verkehrsbetriebe, Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft an einen Tisch bringt, denn natürlich ist das Problem des Rechtsextremismus mit einer Bundesratsinitiative nicht behoben. Aber die schreiende Untätigkeit dieses Senats im Hinblick auf die Sicherheit der Menschen in dieser Stadt im Hinblick auf den Rechtsextremismus muss ein Ende haben: Hände in den Schoß legen, gilt nicht mehr. – Vielen herzlichen Dank! Vielen Dank! – Bevor der nächste Redner das Wort be- kommt, von mir der Hinweis, dass das Fotografieren im Plenarsaal selbstverständlich verboten ist. Das bezieht sich auch auf die Verwendung der Fotos, die im Plenar- saal angefertigt werden. Das dürfte ja selbstverständlich sein. Jetzt hat für die SPD-Fraktion der Kollege Özdemir das
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren Kollegen Abgeordnete! Liebe Kolle- gen der deutschen demokratischen Parteien, wie Sie ja immer besonders betonen müssen! Herr Mirzaie! Ich empfinde es als eine Zumutung, Ihnen zuhören zu müssen. [Beifall bei der AfD –
Das empfinde ich als eine Ehre! –
Das geht uns mit jedem Ihrer Sätze so! – Zuruf von Elif Eralp (LINKE)] Wir sitzen ja auch im Innenausschuss gemeinsam, und ich sage Ihnen etwas: Sie nennen sich ja wirklich Innen- politiker; allein das ist schon eine Zumutung. Mit keinem Wort Ihres zusammenhanglosen – ich will nicht sagen, Geschwafels – Ihrer zusammenhanglosen Ausführungen bringen Sie auch nur einen Gedanken hervor, der nach- vollziehbar wäre für einen gesunden Geist. (Ario Ebrahimpour Mirzaie) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6042 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Herr Koçak! Herr Kollege, kleinen Moment! – Vielleicht können wir alle, und ich meine alle in diesem Haus, wieder zu einem parlamentarischen Ton zurückkommen. Das, was heute in diesem Haus seit Beginn dieser Plenarsitzung stattgefun- den hat, und zwar von allen Seiten, ist eines deutschen Landesparlaments jedenfalls nach meinem Empfinden nicht würdig. [Beifall bei der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN –
Kommt ein bisschen spät! – Weitere Zurufe von der AfD: Zu spät!]
Ich empfinde es so. Es ist mitunter eine Zumutung, was manch einer sagt. – In der Tat, wenn ich mir überlege, was Sie im Innenausschuss von sich geben, wenn ich mir überlege, wie Sie Statistiken versuchen auszuwerten, die Sie nicht mal richtig lesen können – Sie sprechen von Gewalttaten, politisch motivierter Kriminalität. Sie müss- ten daran erkennen, dass die Gewalttaten von linksextre- mistischer Kriminalität wesentlich höher sind als die von rechtsextremistischer Kriminalität. Unabhängig davon verurteilen wir alle Formen von ext- remistischer Gewalt. Herr Abgeordneter! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Özdemir?
Gern! Wie immer!
Vielen Dank für die Möglichkeit! Sie meinten gerade, dass das „Geschwafel“ von Herrn Mirzaie zusammen- hanglos und sinnfrei war. Eine ganz simple Frage: Wenn eine Straftat passiert ist und ein Verfahren läuft – macht es Sinn, diesen Menschen abzuschieben, bevor dieses Verfahren beendet ist?
Erst einmal habe ich gesagt, ich will nicht „Geschwafel“ sagen, sondern Ausführungen. – Selbstverständlich macht es, wenn ein Strafverfahren läuft, Sinn, dann auch das Ende des Strafverfahrens abzuwarten. Unabhängig davon beziehe ich mich nicht nur auf den Redebeitrag, den Kollege Mirzaie heute hier im Plenum gehalten hat, sondern auf die ganzen Redebeiträge, die Sie auch als Mitglied des Innenausschusses verneh- men können. Wie gesagt, da ist so viel Zusammenhanglo- ses drin und viel Zeugnis von Unkenntnis. Das habe ich hier zum Ausdruck gebracht, und das ist auch wahr. In Ihrem Antrag beziehen Sie sich auf das Aufenthaltsge- setz. Kollege Dregger hat das vollkommen zu Recht ausgeführt: Das ist gar nicht in unserer Zuständigkeit. Sie machen das ja immer über diese Bundesratsinitiative. Ganz ehrlich, manchmal stelle ich mir die Frage, für wen Sie eigentlich Politik machen. Ich mache Politik für alle Berlinerinnen und Berliner; [Lachen bei der SPD –
Außer für die mit Migrationsgeschichte!] egal ob es Leute sind, die in Berlin geboren sind, ob das Leute sind, die die deutsche Staatsangehörigkeit erwor- ben haben. Ich mache Politik für die Sicherheit der Men- schen, und das ist auch wichtig. Kollege Koçak hat ja Hanau angeführt; das halte ich für ein bisschen unredlich in dieser Debatte. Wir haben ande- re Gefahrenbereiche, und die müssen wir auch anspre- chen – das Ganze gerade heute. Wir haben Aschaffenburg, wir haben Solingen, wir haben Mannheim, wir haben Magdeburg. Und heute Morgen um 10.30 Uhr ist ein Afghane in eine Menschengruppe von ver.di-Demonstranten hineingefahren, hat weit über 20 Menschen schwer verletzt. Das ist eine reale Gefahr. Sie bauschen Gefahren mitunter auf, Sie kennen die Sta- tistiken noch nicht mal; wenn Sie sie kennen, legen Sie sie falsch dar oder werten sie falsch aus. Nein! Wenn wir eine ehrliche Debatte führen wollen, führen wir eine ehrliche Debatte. Wie hoch ist die Anzahl von Tätern mit linksextremistischem Gewaltpotenzial in Berlin? Wie hoch ist der Anteil? – Wesentlich höher als der ande- re Anteil! Noch mal: Meine Fraktion und ich, und dafür stehe ich, verurteilen jede Form von extremistischer (Karsten Woldeit) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6043 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Gewalt, egal welcher Couleur und ohne Ausnahmen. Und dafür stehe ich. Schon rein formal ist Ihr Antrag übrigens nicht umsetz- bar. Er würde auch Missbrauch Tür und Tor öffnen. Er macht in der vorliegenden Form auch überhaupt gar kei- nen Sinn. Wie gesagt, Kollege Dregger hat dazu ausge- führt; ich kann mich dem nur anschließen. Wir werden Ihren Antrag ablehnen. – Vielen Dank! Dann hat der Kollege Mirzaie das Wort zu einer Zwi- schenbemerkung. – Bitte schön!
Zunächst einmal weise ich hier die Pathologisierung von Abgeordneten in diesem Saal eindrücklich zurück. Das ist nicht der Ton, mit dem man hier unter Demokraten disku- tiert. [Lachen von Jeannette Auricht (AfD) –
Das sagt der Richtige!] Ich hoffe, das sehen meine Kolleginnen und Kollegen hier im Haus genauso. Mich wundert es auch gar nicht, dass die Fraktion hier rechts von mir so dermaßen getriggert ist von dem Antrag und von den Beiträgen. Denn natürlich ist es diese Frak- tion, die auch dazu beiträgt, dass das Klima in unserer Stadt rauer wird, und die der Motor des Rechtsextremis- mus in dieser Stadt ist; nicht nur der parlamentarische Arm, sondern auch die Spinne im Netzwerk der Rechten hier. Deswegen ist es so wichtig, immer wieder auf diese Zusammenhänge hinzu- weisen. Ohne das Agieren rechter Fraktionen hier im Abgeordnetenhaus würde eine rechte Stimmung, die auch Schläger und Angriffe und Attacken begünstigt, gar nicht erst entstehen. Insofern müssen wir das immer zusam- mendenken. Deswegen werden rechtsextreme Parteien immer ein Problem damit haben, wenn wir rechte Gewalt hier thematisieren. Aber davon dürfen wir uns nicht ab- halten lassen. Ich hatte ja eben schon mal meine Anfrage erwähnt. Die hat übrigens ergeben – dürfen Sie gerne mitschreiben –, dass links motivierte Straftaten mal wieder stark rückläu- fig sind, in Berlin sich halbiert haben, während rechts motivierte Straftaten auf einem Alljahreshoch sind. [Dr. Kristin Brinker (AfD): Gewalttaten! Das sind Ihre Hetzportale! –
Das findet ihr lustig, ja, dass sich Leute nachts nicht in den Park trauen?] (Karsten Woldeit) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6044 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Vielen Dank, Herr Kollege Mirzaie, für den wirklich wichtigen Beitrag, der mir die Möglichkeit gibt, auch noch mal ein paar Worte zu sagen. Sie haben uns ja eingeladen, dass wir uns als politische Beobachter, als parlamentarische Beobachter die Stadt ansehen. Ich mache das, und ich sehe die propa- lästinensischen Demonstrationen, und ich sehe diesen Judenhass. Ich weiß, wovor jüdische Menschen hier in Berlin Angst haben, und das ist mit Sicherheit nicht die AfD, Herr Kollege! Ich würde mich übrigens auch gerne mal mit Ihnen auf einer wirklich sachlich-fachlichen Ebene austauschen. Ich möchte gerne von Ihnen wissen, wie Sie die Direktions- strukturen der Berliner Polizei oder Berliner Feuerwehr mir mal erklären und erläutern können. Ich möchte von Ihnen wissen: Wie viele Abteilungen hat denn das Lan- deskriminalamt in Berlin? Ich möchte von Ihnen wissen: Wie ist denn eine Direktionsstruktur aufgeteilt? Wie funktioniert die Sicherheitspolitik im Land? Ich glaube, wenn wir uns darüber unterhalten, dann verstummen Sie doch etwas, weil Ihnen dann genau dazu die Kompetenz fehlt. Sie haben ein Mantra, Sie haben diese ständige Extre- mismuskeule, die Sie ausbreiten. Sie hören mir noch nicht einmal zu. Das ist ein Grundtenor von Anstand. Wenn Sie schon intervenieren, mir dann zumindest zuzu- hören, wenn ich erwidere. Aber diesen Anstand haben Sie nicht. Sie haben eine Extremismuspathologie, wie Sie es gerade erwähnt ha- ben, und darauf gehe ich nicht weiter ein. – Danke! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/1413 emp- fiehlt der Fachausschuss gemäß der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/1982 mehrheitlich – gegen die Frakti- on Bündnis 90/Die Grünen und die Fraktion Die Linke – die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das ist die Fraktion Die Linke und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Gegenstimmen? – Bei Gegenstimmen der CDU-Fraktion, der SPD-Fraktion, der AfD-Fraktion und eines fraktionslosen Abgeordneten. Damit ist der Antrag abgelehnt. Die Tagesordnungspunkte 20 und 21 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 22: Berlin hält Wort: Diskriminierungsschutz für LSBTIQ* endlich im Grundgesetz verankern! Beschlussempfehlung des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 15. Januar 2025 Drucksache 19/2171 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1750 In der Beratung beginnt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und hier die Kollegin Neugebauer. – Bitte schön!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen! Werte Zuschauende! Im Juni des vergange- nen Jahres, als wir diese Initiative eingebracht haben, hat mein Kollege Sebastian Walter den Regierenden Bür- germeister an ein Versprechen von 2023 erinnert. Ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin: „Wir wollen den Artikel 3 des Grundgesetzes än- dern. Da muss die sexuelle Identität mit rein.“ Doch seitdem: Stille, gähnende Leere, nichts. Dabei steht es sogar im LSBTIQ+-Aktionsplan unter Maßnahme 36. Bei der eigenen Präsentation zum Umset- zungsstand im Dezember fand dieser Punkt aber nicht einmal mehr Erwähnung. Im Juli meinten Sie, Sie hätten mit der Erarbeitung einer Bundesratsinitiative begonnen. Diese liegt bis heute in Ihrer Schublade, lieber Herr Wegner. Angeblich hängt sie in einer internen Abstim- mung fest. Ernsthaft? Was ist mit den Abstimmungen mit den Regierungschefs der übrigen unionsgeführten Bun- desländer und der CDU-Bundestagsfraktion? – Nichts, Fehlanzeige. Wer Versprechen macht, muss sie halten. Dass Sie Ihr Versprechen einhalten, ist eine Frage von Anstand. Es ist eine Frage von Verantwortung. Wer sich mit der Regenbogenhauptstadt feiern lässt und munter Regenbogenbären zum Anstecken verteilt, darf danach nicht verstummen. Die queere Community in Berlin und anderen Städten, aber auch im ländlichen Raum Deutschlands ist selbstbe- wusst. Sie ist stark und immer sichtbarer, aber wer sicht- bar ist, der wird auch angreifbar. Wir wissen es: Die queerfeindliche Gewalt nimmt zu. Menschen werden beleidigt, bedroht, angegriffen, nur weil sie lieben, wen Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6045 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 sie lieben, und weil sie sind, wer sie sind – authentisch. Auch heute sind Erfahrungen von Diskriminierungen oft Alltag queerer Menschen. Es gibt also allen Grund zu handeln. Berlin steht für Vielfalt und Freiheit. Doch auch hier wächst die Bedrohung, nicht nur von der ganz rech- ten Ecke in diesem Saal. Auch Ihre eigene Partei, die CDU, stellt hier öfter die Rechte queerer Menschen infrage und wirbt mit der Rücknahme des schwer errungenen Selbstbestimmungs- gesetzes – Wahlkampf auf dem Rücken unserer Mitmen- schen. Auch die stockende Ergänzung des Diskriminie- rungsschutzes in Artikel 3 des Grundgesetzes ist inakzep- tabel und geht auf das Konto der Union. Es geht um einen echten Schutz vor Diskriminierung im Alltag: im Beruf, in Bildungseinrichtungen, bei der Woh- nungssuche und bei der Gesundheitsversorgung. Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen aus Angst vor Diskriminierung ihre Identität verstecken oder in Unsi- cherheit leben. Andere Bundesländer schauten auf uns, gerade wegen dieses Versprechens. Wir müssen demo- kratische Bündnisse schmieden und Mehrheiten sichern. Queere Menschen sind eine der letzten im Nationalsozia- lismus verfolgten Gruppen, deren Schutz unser Grundge- setz noch nicht sicherstellt. Wir haben heute, zwei Tage vor dem Winter-CSD, die Gelegenheit, ein klares Signal an die queere Community zu senden. Diese Chance dür- fen wir nicht verstreichen lassen. Liebe CDU und SPD! „Nie wieder ist jetzt“ heißt auch, dass man sich entschlossen vor queere Menschen und Transmenschen stellt, denn bei den ersten Bücherver- brennungen 1933 wurde auch die damals größte sexual- wissenschaftliche Bibliothek von Magnus Hirschfeld mit ins Feuer auf dem Bebelplatz geworfen, insbesondere da dieses Institut ein Leuchtturm der Emanzipation und Freiheit für queere Menschen war. Wenn das Grundgesetz nicht eindeutig ist, besteht immer wieder die Gefahr, dass die Rechte je nach politischer Lage infrage gestellt werden. Ein ausdrücklicher Schutz durch Artikel 3 würde sicherstellen, dass Diskriminierung aufgrund von sexueller Identität genauso unzulässig wird wie Diskriminierung aufgrund von Herkunft oder Religi- on. Unser Antrag fordert Sie auf, endlich eine Bundesratsini- tiative zur Ergänzung des Artikels 3 im Grundgesetz um die sexuelle Identität einzubringen und aktiv für eine Zustimmung zu werben. So wird voller Diskriminie- rungsschutz zur festen Säule unserer Verfassung – unan- tastbar, unanfechtbar, für alle Menschen in unserem Land gesichert. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass Berlin als Regenbogenhauptstadt Wort hält und sich für eine dis- kriminierungsfreie Zukunft einsetzt. Wir sehen uns am Samstag für queere Rechte auf dem Winter-CSD. – Vie- len Dank! Vielen Dank! – Für die CDU-Fraktion hat die Kollegin Knack das Wort.
Lasst Taten sprechen! – Zuruf von Carsten Schatz (LINKE)] Ich finde das auch ziemlich frech, denn ich finde, das wird unseren Arbeiten nicht gerecht. Meine Kollegen hier im Abgeordnetenhaus laufen vielleicht nicht die ganze Zeit mit einer Regenbogenflagge durch die Gegend. Das heißt nicht, dass sie nicht für queere Menschen da sind. Das heißt nicht, dass sie nicht ansprechbar sind, dass sie die Bedürfnisse nicht ernst nehmen. Das stimmt einfach nicht. Ich führe Tausende Gespräche mit vielen Trägern. Ja, die Bundesratsinitiative, das ist aber ein Scheinargu- ment, denn es ändert sich nichts an der Sicherheit, nur weil wir diese Initiative jetzt wirklich voranbringen. Wir treffen uns mit Trägern, die Fachpolitiker treffen sich mit Trägern. Jedes Mal aufs Neue gehen wir in den Dialog, schauen, wo wir unterstützen können, wo wir weiterhin irgendwie mit helfenden Händen dabei sein können. Un- glaublicherweise macht das auch die SPD. Der Frakti- onsvorsitzende Dirk Stettner ist auch bei sehr vielen Terminen dabei. Das heißt, wir zeigen auch der Commu- nity, dass die Wertigkeit auf jeden Fall da ist. Ich möchte dementsprechend wirklich mal dafür werben, nicht einfach immer nur zu sagen, dass wir queerfeindlich sind oder das oder jenes nicht machen, so, wie ihr das eigentlich haben möchtet, sondern wir arbeiten daran. Wir machen das nicht immer so laut, wie ihr das alle immer macht, aber das heißt nicht, dass es dementspre- chend schlechter oder von weniger Qualität ist. Dement- sprechend möchte ich mich sehr dagegen wehren, dass der CDU hier irgendwie unterstellt wird, dass sie nicht für queere Menschen da ist. Es ist einfach ein Wahlkampfthema. Ich möchte mich nicht für solche Spielchen einbinden lassen, und ich möchte auch nicht, dass die CDU-Fraktion dafür einge- bunden wird. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Für die Linksfraktion hat der Kollege Dr. Lederer das Wort.
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Bevor ich mit meiner Rede beginne, möchte ich gern, dass der Regierende Bürgermeister als zuständiges Senatsmitglied hier an der Plenarsitzung teilnimmt. Das ist ein Antrag auf Zitierung des Regierenden Bür- germeisters, der im Raum ist und bestimmt nach vorne kommt. Dann kann man auch fortfahren. – Sie können fortfahren!
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Versprochen und gebrochen – das haben wir unlängst im Bundestag erleben dürfen, als CDU-Chef Merz sich nicht mehr an sein Versprechen erinnern woll- te, niemals auf die Stimmen der Rechtsextremen zu set- zen. Die Gefahren, die damit verbunden sind und vor denen er vor wenigen Wochen noch selbst gewarnt hatte, wollte und will der CDU-Chef nun offenbar nicht mehr sehen. Die AfD hat neulich angekündigt, die Ehe für alle wieder abwickeln zu wollen. Die CDU selbst meint, mit dem Kampf gegen das Selbst- bestimmungsgesetz Wahlkampf machen zu müssen, und Friedrich Merz kann Donald Trumps hässlichen Angriff auf trans, inter und nichtbinäre Menschen, Zitat, sogar „nachvollziehen“. Herr Regierender Bürgermeister! Ich bin froh, gerade vor dem Hintergrund dieser Dinge, dass Sie sich klar für den Schutz queerer Menschen im Grundgesetz ausgesprochen haben. Ich zitiere mit Genehmigung der Präsidentin: „Meine feste Zusage für diesen Berliner Senat ist: Wir wollen den Artikel 3 des Grundgesetzes än- dern. Da muss die sexuelle Identität mit rein. Das ist mein Versprechen.“ Das war ein starkes Versprechen, leider haben Sie es gebrochen. Sie haben ganz offenbar seit anderthalb Jah- ren keinen müden Finger krumm gemacht, um das Thema im Bund und in Ihrer Partei ernsthaft voranzubringen. Deshalb bin ich enttäuscht, und sehr viele Menschen in Berlins queerer Community sind es auch, dass es bei diesen leeren Worten geblieben ist. Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz war eine direkte Konse- quenz aus den NS-Verbrechen. Was geschah, sollte nie wieder geschehen. Deshalb sind vom NS-Regime ver- folgte Gruppen explizit vor Benachteiligung geschützt, nur die queeren Menschen hat man in Herrenchiemsee vergessen. „Vergessen“ steht in Anführungsstrichen, denn die Verfolgung vor allem schwuler Männer ging einfach unverdrossen weiter. Es ermittelten zum Teil sogar dieselben Staatsanwälte und Polizeibeamte wie zu Nazizeiten. Der Historiker Hans-Joachim Schoeps merkte 1963 an: Für die Homosexuellen habe es die Stunde Null mit (Lisa-Bettina Knack) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6047 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Zusammenbruch des Dritten Reiches nicht gegeben. Sexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern waren in der alten Bundesrepublik bis 1971 strafbar. In einem Urteil von 1957, dessen sich das Bundesverfas- sungsgericht heute nur mit Scham erinnert, wurde die vom NS-Staat verschärfte Strafgesetzbuchregelung mit dem Satz gerechtfertigt – Zitat –: „Gleichgeschlechtliche Betätigung verstößt ein- deutig gegen das Sittengesetz“ Für die von Nazis mit rosa Winkeln gekennzeichneten Menschen war das Dritte Reich also sehr lange nicht vorbei. Es dauerte noch viele Jahrzehnte, bis die letzte strafrechtliche Diskriminierung über den Einigungs- vertrag 1994 fiel, bis den vom NS-Regime verfolgten Homosexuellen ein Gedenkort gewidmet, bis ihres Schicksals im Deutschen Bundestag gedacht, bis ihnen eine Rehabilitierung und Entschädigung zugestanden wurde. Dem Bundesverfassungsgericht, nicht der Politik, verdanken wir die Beseitigung des Transsexuellengeset- zes und die Anerkennung eines diversen Geschlechtsein- trags. Auch die Ehe für alle gibt es noch nicht einmal seit zehn Jahren. Ein Dreivierteljahrhundert nach Inkrafttreten des Grundgesetzes ist nun wirklich langsam Zeit, diese düstere Epoche der bundesdeutschen Geschichte durch Erweiterung des Artikel 3 Absatz 3 Grundgesetz zu be- enden. Das ist auch ein Gebot historischer Gerechtigkeit. Herr Regierender Bürgermeister! Wir hören oft, die sexu- elle Identität sei in Artikel 3 Grundgesetz schon quasi mitgemeint, wenn auch nicht explizit benannt. Einen wirklich belastbaren rechtlichen Schutz bekommen wir erst, wenn es explizit im Grundgesetz steht. Wir haben in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt, wie schnell die Maßstäbe der Menschlichkeit ins Rutschen geraten können. Wir sehen aktuell zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, wie schnell viele vermeintliche Verbündete der queeren Community sich wegducken, sobald der Wind sich dreht. Große Konzerne schaffen sich Regenbogenflaggen und Programme zur Förderung von Vielfalt vom Hals, wenn das größere Profite und Nähe zur Macht verspricht. Gerade deswegen ist die Ergänzung des Grundgesetzes für uns so wichtig. Herr Regierender Bürgermeister! Wer wirklich ein Ver- bündeter ist, zeigt sich nicht nur, wenn die Sonne scheint und der CSD wie eine große Party aussieht und wenn Regenbogentorten angeschnitten werden. Wirkliche Ver- bündete beweisen sich dann, wenn der politische Gegen- wind stürmischer wird, und sie halten dem Druck und den Parolen derjenigen Stand, die 1933 bis 1945 als „Fliegen- schiss“ sehen. Ich bedauere, dass Sie es nicht geschafft haben, Ihr Ver- sprechen zu halten, aber ich wünsche mir von Ihnen und Ihrem Senat, dass Sie sich schützend vor und an die Seite der queeren Community stellen, wenn sie angegriffen wird, vor allem auch dann, wenn trans, inter und nichtbi- näre Menschen angegriffen werden. Am Samstag ist Winter-CSD in Berlin und rund 50 ande- ren Städten. Um fünf vor Zwölf geht die queere Commu- nity für die Ergänzung des Artikel 3 Grundgesetz, für den Kampf gegen Hasskriminalität und Hatespeech und für wirksamen Schutz queerer Räume auf die Straße. Herr Regierender Bürgermeister, falls Sie vorhaben, aus die- sem Anlass ein Versprechen abzugeben: Bitte halten Sie es dieses Mal auch! Vielen Dank! – Für die SPD-Fraktion spricht nun die Kollegin Neumann! – Bitte schön! – Die Kollegin wünscht bitte keine Zwischenfragen während ihrer Rede.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute erneut über die wichtige Grundgesetzergänzung für queere Menschen, zuletzt im Juni 2024 an dieser Stelle. Damals ging es auch in meiner Rede um Geschichte, 80 Jahre Grundgesetz, den § 175 und unsere historische Verantwortung. All das gilt wei- terhin, aber ich will das hier auch aus Zeitgründen nicht wiederholen. Was ich aber wiederholen will: Im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot ist klar vereinbart, dass sich Berlin auf der Bundesebene für die Ergänzung von Artikel 3 um das Merkmal der sexuellen Identität einsetzen wird. Daran hat sich nichts geändert. Was ist also seit Juni passiert? – Wenig Gutes: Trump in den USA, der queeren Menschen ihre Rechte nehmen will, und auch im vorgezogenen Bundeswahlkampf sind queere Menschen und ihre Rechte unter Beschuss. Die CDU auf Bundesebene stellt genau wie die AfD das Selbstbestimmungsgesetz infrage, übrigens ein Schlag auch in das Gesicht von knapp 1 000 Berlinerinnen und Berliner, die dieses Recht schon seit November nutzen konnten. All das zeigt: Es wird Zeit für queere Rechte im Grundgesetz, jetzt noch mehr denn je. Was ist also seit Juni hier in Berlin passiert? – In Bezug auf die Bundesratsinitiative muss ich hier klar sagen: Ein Teil dieser Landesregierung hat gearbeitet und geliefert, wie im Koalitionsvertrag vereinbart. Beim anderen Teil steht das noch aus. Der Entwurf zur Bundesratsinitiative zu Artikel 3 Grundgesetz der Senatsverwaltung von Can- sel Kiziltepe liegt seit Sommer 2024 vor. Die Mit- (Dr. Klaus Lederer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6048 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 zeichnung, das versprochene Umsetzen, stehen, wie hier schon erwähnt, noch aus. Da muss ich ehrlich sagen: Meine Geduld ist hier genauso erschöpft wie die der queeren Community in Berlin. Der Entwurf liegt vor, und es ist jetzt auch an der Senatskanzlei und Herrn Wegner, das gegebene Wort einzulösen und die Bundesratsinitiati- ve tatsächlich zu machen. An der SPD scheitert es weder im Land noch im Bund, das wissen Sie, und die Opposi- tion weiß auch, dass eine Bundesratsinitiative nicht auf- grund eines Antrags der Opposition kommt, sondern weil der Senat sie geeint voranbringt. Das gehört auch dazu. Wir haben eine historische und eine sehr aktuelle Ver- antwortung für unsere Grundwerte, die Demokratie und die Rechte aller Menschen. Dabei geht es nicht um ir- gendwelche Sonderrechte, sondern um ganz elementare Grundrechte, dass die Gleichheit vor dem Gesetz auch unabhängig von der sexuellen Identität garantiert ist, ohne Wenn und Aber. Wir haben das Thema zu Recht vor dem CSD im Som- mer 2024 hier diskutiert. Wir diskutieren es heute erneut vor dem Winter-CSD am Samstag. Ich wünsche uns und der Community, dass wir vor dem nächsten CSD im Sommer 2025 mit einer endlich auf den Weg gebrachten Bundesratsinitiative dann auch feiern können. – Vielen Dank! [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN –
Dann stimmt unserem Antrag zu!] Vielen Dank! – Für die AfD-Fraktion spricht nun der Abgeordnete Hansel.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Berliner, wen auch immer Sie lieben! Die Forderung, die sexuelle Orientierung explizit in unser Grundgesetz aufzunehmen, ist nicht nur unnötig, sondern widerspricht auch dem Geist unserer Verfassung. Arti- kel 1 Grundgesetz – wir haben ihn immer wieder gehört, aber er wird auch falsch interpretiert – stellt unmissver- ständlich klar, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Wir sind weder bessere noch schlechtere Menschen, sondern auch als Schwule nur Menschen. [Beifall bei der AfD –
Aber nicht in Ungarn!] Dieser Schutz gilt für alle, unabhängig vom Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexueller Orientierung. Es geht bei diesem Thema um sexuelle Orientierung, nichts ande- res. Das ist über Artikel 3 Grundgesetz, Herr Dr. Lederer, dass niemand aufgrund seines Geschlechts oder anderer persönlicher Merkmale benachteiligt oder bevorzugt werden darf, abgedeckt. Eine explizite Ergänzung der sexuellen Orientierung ist kein Fortschritt, sondern über- flüssige Symbolpolitik von Ihrer Seite. Wir haben kein Schutzdefizit. – Passen Sie auf mit Ihrem Arm, nicht, dass das falsch verstanden wird. – Deutsch- land hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte in der rechtlichen Gleichstellung von schwul-lesbischer Lebensweise gemacht, Sie haben darauf hingewiesen, völlig richtig. – Da haben wir auch mitgemacht, haben wir alles mitge- macht, auch die ganzen Entschädigungsleistungen haben wir hier mit abgestimmt, § 175 StGB, ganz klar, dass das mal gesagt wird. Die Rechtslage ist klar und bietet bereits umfassenden Schutz. Doch anstatt sich den realen Herausforderungen, Herr Dr. Lederer, zu widmen, wird ein künstliches Bedro- hungsszenario konstruiert, überhaupt in der gesamten Gesellschaft. Die Behauptung, dass eine angeblich wach- sende rechte Gefahr queere Menschen bedrohe, entbehrt doch faktisch der breiten Grundlage. Wo sind denn die in Ihren Köpfen herbeifantasierten rechten Schlägertrupps, die gezielt schwule oder lesbische Bars attackieren? – Die gibt es nicht. Es ist auch gut so, dass es die nicht gibt. Die tatsächlichen Zahlen von Übergriffen, Herr Schulze, und Diskriminierung in Deutschland – ist doch gut, beru- higen Sie sich doch! – sprechen eine andere Sprache. Viel schlimmer: Von der wahren Bedrohung wollen Sie doch überhaupt gar nichts wissen. Statt sich ehrlich mit den Gefahren für Homosexuelle und Transmenschen auseinanderzusetzen, klammern Sie ein bestimmtes Problemfeld bewusst aus, und jetzt wissen Sie, was kommt: die importierte Homophobie, die es gibt. Sie wollen von der nichts wissen, Sie wollen von der nichts hören, (Wiebke Neumann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6049 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 aber genau Ihre Ignoranz, das Thema nicht sehen zu wol- len, löst das Problem nicht. Es nützt auch nichts, dass Sie sich in dieser Debatte auf symbolische Identitätspolitik konzentrieren und Augen und Ohren davor verschließen, dass gerade in muslimisch geprägten Communitys homo- phobe Einstellungen weitverbreitet sind – übrigens aber nicht nur dort. Auch in bibelfundamentalistischen, evan- gelikalen Strömungen gibt es das gleiche Phänomen, in den USA und in Lateinamerika. Aber das ist nicht unser Problem hier, sondern hier sind es die muslimischen Communitys. Auch nicht alle Muslime sind homophob, selbstverständ- lich nicht, vor allem nicht Kulturmuslime, die nicht streng religiös nach dem Koran leben, und das sind sehr viele; das muss ich mal ausdrücklich sagen. Studien zei- gen immer wieder, dass insbesondere in bestimmten migrantischen Milieus diese Ablehnung und sogar Ge- walt gegen queere Personen keine Randerscheinungen sind. Doch genau darüber schweigt die politische Linke – von da angefangen. Ihr Herz schlägt ja noch linker als früher. Diese Koalition tut Ihnen nicht gut, denn Ihr Herz schlägt links. Das haben wir beim letzten Mal gesehen; merken wir auch heute wieder. Sie klatschen nämlich da weiter mit, und hier haben Sie ein richtiges Problem mit der CDU mittlerweile. Doch genau darüber schweigen Sie, weil Sie Ihr Weltbild infrage stellen müssten. Kein Wunder also, dass immer mehr Schwule sich von den etablierten Parteien abwenden. Umfragen zeigen – das haben Sie mitbekommen –, dass ein erheblicher Teil der schwulen Männer und bisexuellen Männer verstärkt, überproportional AfD wählt, in Umfragen sogar 28 Prozent. Das ist ein klares Signal. Viele schwule Männer fühlen sich von Ihrer Politik nicht mehr vertreten, weil sie sehen, dass die wirklichen Be- drohungen für ihre Sicherheit von Ihnen systematisch ignoriert werden. Wer es wirklich ernst meint mit dem Schutz sexueller Minderheiten, muss sich der Realität stellen. Einwanderung und Integration müssen so gesteu- ert werden, dass homophobe Ideologien nicht weiter Fuß fassen. Gesetze müssen durchgesetzt und Straftäter kon- sequent abgeschoben werden. Und ich sage es jetzt mal ganz deutlich: Die offene und liberale Gesellschaft Deutschlands, für die wir als AfD leidenschaftlich kämp- fen, Kommen Sie bitte zum Schluss, Herr Kollege!
darf nicht durch falsche Toleranz gegenüber intoleranten Einstellungen untergraben werden. – Ich finde das einen guten Schlusssatz. Ganz herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/1750 empfiehlt der Fach- ausschuss gemäß der Beschlussempfehlung auf Drucksa- che 19/2171 mehrheitlich – gegen die Fraktion Bünd- nis 90/Die Grünen und die Fraktion Die Linke – die Ab- lehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen. Wer stimmt dagegen? – Das sind die Fraktionen der SPD und der CDU sowie die AfD-Fraktion sowie der fraktionslose Abgeordnete Brousek. Sicherheitshalber frage ich nach Enthaltungen –, die ich nicht sehe. Damit ist der Antrag abgelehnt. Ich darf Ihnen nun die Wahlergebnisse zu Punkt 5 der Tagesordnung vorlesen und beginne mit der Wahl eines stellvertretenden Mitglieds und der/des stellvertretenden Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses zur Unter- suchung des Ermittlungsvorgehens im Zusammenhang mit der Aufklärung der im Zeitraum von 2009 bis 2021 erfolgten rechtsextremistischen Straftatenserie in Neu- kölln, Drucksache 19/0909. Auf die Wahlvorschläge der AfD-Fraktion entfielen folgende Stimmen: als stellvertre- tendes Mitglied für Herrn Abgeordneten Robert Eschricht – abgegebene Stimmen: 133, ungültige: 2, Ja-Stimmen: 20, Nein-Stimmen: 105, Enthaltungen: 6, damit nicht gewählt. Als stellvertretender Vorsitzender: Herr Abge- ordneter Karsten Woldeit – abgegebene Stimmen: 133, ungültige: 2, Ja-Stimmen: 22, Nein-Stimmen: 104, Ent- haltungen: 5, damit nicht gewählt. Die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10-Kommission des Landes Berlin, Drucksache 19/0915: Auf die Wahlvorschläge der AfD- Fraktion entfielen folgende Stimmen: für Frau Abgeord- nete Jeannette Auricht als Mitglied – abgegebene Stim- men: 133, ungültige: 2, Ja: 15, Nein: 110, Enthaltungen: 6, damit nicht gewählt. Als stellvertretendes Mitglied: Für Herrn Abgeordneten Alexander Bertram wurden 133 Stimmen abgegeben, davon ungültig: 1, Ja-Stimmen: 17, Nein-Stimmen: 108, Enthaltungen: 7, damit nicht gewählt. Die Wahl von zwei Mitgliedern des Präsidiums des Ab- geordnetenhauses, Drucksache 19/0936: Auf die Wahl- vorschläge der AfD-Fraktion entfielen folgende Stimmen: für Frau Abgeordnete Dr. Kristin Brinker – abgegebene Stimmen: 133, ungültige: 2, Ja: 17, Nein: 110, Enthaltun- gen: 4, damit nicht gewählt, und für Herrn Abgeordneten Gunnar Lindemann – abgegebene Stimmen: 133, ungül- tige: 1, Ja-Stimmen: 23, Nein-Stimmen: 102, Enthaltun- gen: 7, damit nicht gewählt. (Frank-Christian Hansel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6050 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses für Verfassungsschutz, Drucksache 19/1000: Auf die Wahlvorschläge der AfD- Fraktion entfielen folgende Stimmen: als Mitglied für Frau Abgeordnete Jeannette Auricht – abgegebene Stim- men: 133, ungültige: 2, Ja: 17, Nein: 109, Enthaltungen: 5, damit nicht gewählt. Als stellvertretendes Mitglied: Für Herrn Abgeordneten Karsten Woldeit wurden 133 Stimmen abgegeben, ungültige: 2, Ja: 20, Nein: 106, Enthaltungen: 5, damit nicht gewählt. Die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale für politische Bildung, Drucksache 19/1008: Auf die Wahlvorschläge der AfD-Fraktion entfielen folgende Stimmen: als Mitglied für Herrn Abgeordneten Thorsten Weiß – abgegebene Stimmen: 133, ungültige: 1, Ja: 19, Nein: 109, Enthaltungen: 4, damit nicht gewählt, als stellvertretendes Mitglied für Herrn Abgeordneten Rolf Wiedenhaupt – abgegebene Stimmen: 133, ungültige: 1, Ja-Stimmen: 22, Nein-Stimmen: 104, Enthaltungen: 6, damit nicht gewählt. Zur Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Lette-Vereins, Drucksa- che 19/1057: Auf die Wahlvorschläge der AfD-Fraktion entfielen folgende Stimmen: als Mitglied für Herrn Ab- geordneten Harald Laatsch – abgegebene Stimmen: 133, davon ungültige: 3, Ja-Stimmen: 20, Nein-Stimmen: 106, Enthaltungen: 4, damit nicht gewählt, als stellvertretendes Mitglied für Herrn Abgeordneten Dr. Hugh Bronson – abgegebene Stimmen: 133, davon ungültige: 4, Ja- Stimmen: 20, Nein-Stimmen: 103, Enthaltungen: 6, damit nicht gewählt. Bei der Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Pestalozzi-Fröbel-Hauses, Drucksache 19/1058, entfielen auf die Wahlvorschläge der AfD-Fraktion folgende Stimmen: als Mitglied für Herrn Abgeordneten Robert Eschricht – abgegebene Stimmen: 133, ungültige: 3, Ja: 21, Nein: 104, Enthaltun- gen: 5, damit nicht gewählt. Als stellvertretendes Mit- glied: Für Herrn Abgeordneten Ronald Gläser wurden 133 Stimmen abgegeben, davon ungültige: 2, Ja- Stimmen: 18, Nein-Stimmen: 110, Enthaltungen: 3, damit nicht gewählt. Zur Wahl eines Mitglieds des Beirats der Berliner Stadt- werke GmbH, Drucksache 19/1247: Auf den Wahlvor- schlag der AfD-Fraktion entfielen folgende Stimmen – für Frau Abgeordnete Dr. Kristin Brinker wurden 133 Stimmen abgegeben, ungültige: 5, Ja-Stimmen: 22, Nein-Stimmen: 99, Enthaltungen: 7, und damit nicht gewählt. Die Tagesordnungspunkte 23 bis 30 stehen auf der Kon- sensliste. Tagesordnungspunkt 31 war Priorität der Frak- tion der CDU unter der Nummer 4.5. Tagesordnungs- punkt 32 steht auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 33: Staatsvertrag zur Reform des öffentlich- rechtlichen Rundfunks (Reformstaatsvertrag) Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemäß Artikel 50 Absatz 1 Satz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2198 Von der Vorlage hat das Abgeordnetenhaus hiermit Kenntnis genommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 34: Staatsvertrag zur Reform des Verfahrens zur Festsetzung des Rundfunkbeitrages (Rundfunkfinanzierungsänderungsstaatsvertrag) Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemäß Artikel 50 Absatz 1 Satz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2199 Die Vorlage nimmt das Abgeordnetenhaus hiermit zur Kenntnis. Ich rufe auf lfd. Nr. 35: Sechster Staatsvertrag zur Änderung medienrechtlicher Staatsverträge (Sechster Medienänderungsstaatsvertrag) Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemäß Artikel 50 Absatz 1 Satz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2200 Auch diese Vorlage nimmt das Abgeordnetenhaus hier- mit zur Kenntnis. Ich rufe auf lfd. Nr. 36: Vertrag über die Errichtung, den Betrieb und die Weiterentwicklung des Nationalen Once-Only- Technical-Systems (NOOTS) – Vertrag zur Ausführung von Art. 91c Abs. 1, Abs. 2 GG – NOOTS-Staatsvertrag Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemäß Artikel 50 Absatz 1 Satz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2201 Auch von dieser Vorlage hat das Abgeordnetenhaus hiermit Kenntnis genommen. Ich rufe auf (Vizepräsidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6051 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 lfd. Nr. 37: Zusammenstellung der vom Senat vorgelegten Rechtsverordnungen Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemäß Artikel 64 Absatz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2222 Von den vorgelegten Rechtsverordnungen hat das Haus hiermit Kenntnis genommen. Tagesordnungspunkt 38 war Priorität der Fraktion Die Linke unter der Nummer 4.3. Die Tagesordnungs- punkte 39 bis 43 stehen auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 44: Mehr Toiletten für Berlin Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/2194 In der Beratung beginnt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. – Bitte schön, Frau Kollegin Schneider, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Anliegen, mehr Möglichkeiten zu schaf- fen, auf die Toilette gehen zu können, wenn man in der Stadt unterwegs ist, ist grundsätzlich nicht verkehrt. – Kleiner Hinweis: Die Uhr läuft nicht. Bei mir steht 0 – 00, passt ja zum Thema. Ich gucke einmal zur Technik –, und Sie können die Rede fortsetzen.
Okay, dann fahre ich fort. – Wie gesagt, die Idee ist ja grundsätzlich gar nicht verkehrt. Wir als CDU hatten uns auch Ende des letzten Jahres sehr ausführlich darüber unterhalten im Arbeitskreis, welche Lösungsmöglichkei- ten es denn gibt, und haben festgestellt, dass das Problem ja schon relativ komplex ist. Da gibt es ja viele Sachen: Wir haben zum einen das Vandalismusproblem an 40 der öffentlichen Toiletten der Wall AG, das hauptsächlich in der Innenstadt auftritt, und noch viele andere Sachen. Insofern freuen wir uns auf die inhaltliche Diskussion mit Ihnen im Ausschuss, denn, wie gesagt, der Antrag geht ja in die richtige Richtung, aber greift vielleicht doch ein bisschen zu kurz oder ist nicht zielführend. Wie ich darauf komme? – Da möchte ich Ihnen noch ein paar Gedanken mit auf den Weg geben. Zum einen hatten Sie schon gesagt, dass wir fast 500 öffentliche Toiletten in Berlin haben. In den letzten Jahren, seit 2016, haben die sich ja nahezu verdoppelt. Deshalb sagen Sie auch, dass Sie vorschlagen, dass die Gastronomie als Ergänzung zu diesen Toiletten gelten soll. Jetzt muss man aber sehen, dass es besonders dort ein relativ dichtes Netz an öffentlichen Toiletten gibt, wo auch viel Gastronomie ist. Die sind alle gar nicht so weit auseinander, wenn man sich diese Karte mal im Internet anschaut, wo ganz viele sind. Da kann man sagen: Die Wege sind jetzt nicht so weit. In der Not würde man auch noch etwas finden. Auf der anderen Seite muss man sagen: Es gibt jetzt auch schon sehr viele Möglichkeiten, in ein Restaurant oder in ein Café zu gehen und dort auch die Toilette nutzen zu dürfen – man kann höflich danach fragen, und man kann das an vielen Stellen auch schon machen. Die Frage ist: Wenn wir jetzt dieses Konzept der Netten Toilette neh- men – das ist ja auch markengeschützt, dieses Problem –, inwieweit wir dann tatsächlich zusätzliche Möglichkeiten schaffen, auf die Toilette zu gehen. Man hat darüber ja mal gesprochen. Einige würden sagen: Wenn wir jetzt öffentlich beworben werden, hätten wir Schwierigkeiten, das Ganze dann auch öffentlich zur Verfügung zu stellen. Das andere Problem, das wir haben: Sie haben etwas von einer Grünanlage gesagt. Da haben wir auch angefangen, autarke Toiletten in Grünanlagen aufzustellen, weil die, die in den Grünanlagen sind, auch ein Bedürfnis haben und dazu nicht in die Gaststätte gehen. Das Konzept hat sich ja eigentlich auch ganz gut bewährt. Auch das wäre also keine Alternative dafür. Wir haben weitere Orte, die Sie auch genannt haben – besser darauf hinzuweisen ist ja auch gar nicht schlecht –, in öffentlichen Gebäuden wie Stadtteilbibliotheken et cetera, in Dienstgebäuden. Wir haben Supermärkte ab einer bestimmten Größe, die ja auch eine Toilette vor- halten müssen, nicht nur für Kundinnen und Kunden. Und – ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist; bei mir ist es so – das Bürgerbüro ist natürlich auch offen für die- jenigen, die auf die Toilette gehen wollen. Das wird ja auch regelmäßig genutzt, übrigens auch beim Kollegen Freymark, den ich hier heute bei dieser Rede vertrete. Herr Kollege! Gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kol- legin Frau Schneider?
Ich bin jetzt eigentlich auch fast fertig, insofern können wir das dann gerne noch mal im Aus- schuss machen. Wie gesagt, wir müssen uns schon überlegen, ob wir sagen, wir nehmen hier jetzt vielleicht 1 Million Euro bei der Geschichte in die Hand, um dann vielleicht keinen faktischen Zuwachs an Möglichkeiten zu schaffen, wo man in Restaurants, in Gaststätten auf die Toilette gehen kann. Das Ziel ist richtig, aber ich glaube, wir müssen uns noch intensiver über den Weg austauschen, den wir hier- bei nehmen wollen. Einige gute Ansätze sind da. Wir sind auch dabei in der Diskussion und müssen schauen, wie wir das Geld, die Ressourcen, die bekanntermaßen knapp sind, und auch die Ideen, die zahlreich, aber nicht immer alle richtig sind, richtig zueinander bringen und kombinieren, damit wir einen guten Einsatz und vor allem eine gute Verbes- serung schaffen, um noch mehr Möglichkeiten zu haben, Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6053 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 in der Stadt öffentlich geduldet in Restaurants und Cafés auf die Toilette zu gehen. – Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Zander! Es tut mir leid, dass die Tech- nik anscheinend gerade am Pult einen Systemfehler hat. Wir konnten Ihre Zeit gut überblicken, Sie waren auch wunderbar in der Zeit. – Aber die Technik braucht circa fünf Minuten, damit die nächsten Personen, die am Rede- pult stehen, ihre Zeit sehen. Deswegen muss ich die Sit- zung um circa fünf Minuten bis maximal zehn Minuten unterbrechen. Ich bleibe hier im Raum. Ich hoffe, Sie dann gleich wiederzusehen. Wir können die Sitzung fortsetzen. Ich danke den Mitar- beitern der Technik, dass sie direkt eingesprungen sind, das Problem gelöst haben und das Reset gut geklappt hat. – Das ist einen Applaus wert. Ich freue mich auch, dass viele Abgeordnetenkollegen noch hier sind. Zur Erinnerung: Wir sind beim Tagesord- nungspunkt 44 auf Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Antrag „Mehr Toiletten für Berlin“. Wir fahren nun fort in der Rederunde. – Das Wort hat für die Fraktion Die Linke die Abgeordnete Gennburg, bitte schön! – Es wäre schön, wenn Sie die Zwischengespräche einstellen oder nach draußen verlagern könnten. – Bitte schön, Frau Kollegin!
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Toilettenkonzept von 2017, das die dama- lige grüne Umweltsenatorin Regine Günther unterschrie- ben und dem Abgeordnetenhaus vorgestellt hat, weist große Mängel auf. Auf diesen Satz können wir uns in diesem Haus heute schnell einigen. Das zeigt sich auch an den zahlreichen schriftlichen Anfragen und Beschwer- den vieler Bürgerinnen und Bürger, besonders von Frau- en, älteren Menschen oder auch Familien mit Kindern. Ein häufig genannter Punkt ist dabei, dass Männer kos- tenlos urinieren und Frauen dafür bezahlen müssen. Die- ser Umstand ist äußerst ungerecht, weil Männer privile- giert und Frauen benachteiligt werden. Besonders Senio- rinnen und Familien mit Kindern sind davon betroffen, denn sie müssen für ihren Harndrang Geld bezahlen, während das für Männer gratis geht. Wir als SPD- Fraktion wollen genau diese Ungleichbehandlung ändern. Der Senat hat bereits einige Toiletten kostenfrei gestellt, aber das reicht uns als SPD-Fraktion nicht aus. Wir for- dern, dass sowohl Männer als auch Frauen ihren Harn- drang ohne Gebühren erledigen können. Dieser Punkt wird jedoch von dem Antrag der Grünen gerade nicht angesprochen. Aber gerade hier liegt doch das größte Problem, das wir angehen müssen. Ich bin aber zuver- sichtlich, dass Frau Bonde als die zuständige Senatorin dieses Problem auch erkannt hat und sich als Frau beherzt für eine schnelle Lösung einsetzen wird. Zusätzlich ist das Konzept der Netten Toilette eine Er- gänzung. Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Darüber werden wir gewiss noch ausführlich in den Ausschüssen sprechen. Ich freue mich, dass auch unsere Wirtschafts- senatorin Franziska Giffey signalisiert hat, sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen in diesem Bereich einsetzen zu wollen, denn viele Gespräche mit Verbänden und Ge- schäftsinhabern sind nötig, um auch ihre Unterstützung zu gewinnen. Mein größter Wunsch ist es, dass vor allem ältere Men- schen, besonders Frauen mit Inkontinenzproblemen, nicht mehr in der Öffentlichkeit benachteiligt werden. Wir als SPD-Fraktion setzen uns dafür ein, dass allen älteren Menschen die volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zukommt und dass sie das auch bis ins hohe Alter behal- ten. Die Frage, ob eine Toilette schnell verfügbar und kostenlos zugänglich ist, ist für viele Gruppen, so etwa für Seniorinnen, sehr essenziell, denn sie machen es da- von abhängig, ob sie am gesellschaftlichen Leben teilha- ben wollen oder nicht. Wenn sie nicht wissen, wo sie auf eine barrierefreie Toilette gehen können, vermeiden Sie es einfach, außer Haus zu gehen oder trinken nicht genug, bevor sie zu einer Veranstaltung losgehen. In beiden Fällen gefährden sie damit Ihre Gesundheit. Das hat zur Folge, dass sie entweder zu Hause einsam werden oder ihre Nieren schädigen. Das gilt es genau zu vermeiden. Das ist ganz klar unsere Verantwortung als Gesellschaft. Dafür müssen wir den politischen Raum und den Rahmen setzen. Aber genau dabei hilft dieser heutige Antrag aus unserer Sicht nicht. Deshalb wollen wir dem Antrag in seiner jetzigen Form nicht zustimmen, da er nicht zielführend ist. Lassen Sie uns die tiefergehende Fachdebatte in den jeweiligen Ausschüssen weiterführen. – Vielen Dank! Vielen Dank! Dann folgt für die AfD-Fraktion der Abge- ordnete Bertram.
Vielen Dank, Herr Präsident! – Verehrte Kollegen! Zu- erst möchte ich festhalten, dass ich das sehr sympathisch fand, dass die Kollegin der SPD gerade von Männern und Frauen gesprochen hat. Das finde ich deutlich netter als den Genderokkultismus, den gerade Frau Gennburg dazu wieder präsentiert hat. Wir sind uns über alle Fraktionsgrenzen einig, dass im Bereich der öffentlichen Toiletten noch ganz viel passie- ren muss. Das Konzept der Netten Toilette kann sicher dazu beitragen, auch die Situation zu verbessern. In ganz vielen Städten und Gemeinden – wenn man sich um- schaut und mal ein bisschen herumtelefoniert – waren Testläufe auch sehr erfolgreich und haben durchaus dazu geführt, dass deutlich mehr Toiletten auch für die Allge- meinheit zugänglich sind. Das gestehe ich Ihnen gerne zu, liebe Kollegen von den Grünen. Was ich aber nicht verstehe, ist zum Beispiel in Ihrem Antrag, warum Sie nicht einfach die Einführung als Test- betrieb fordern, sondern das durchaus gute Konzept noch mit weiteren Vorgaben verkomplizieren. Denn dadurch, dass Sie diese ganze Thematik Sondernutzungsgenehmi- gung mit aufgenommen haben, machen Sie in meinen Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6055 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Augen ein vollkommen unnötiges Fass auf, um irgendwie die Thematik Kosten zu umschiffen. Das ist ja soweit eine nette Idee, aber im schlimmsten Fall schaffen Sie sich da einfach nur ein bürokratisches Umsetzungshin- dernis. Wenn man sich aber dafür entscheidet, dieses Konzept umzusetzen, dann muss es so einfach wie möglich sein. Das Argument übrigens mit der Toilettenapp zieht über- haupt nicht, denn dieses Konzept Nette Toilette funktio- niert ja vor allen Dingen auch über eine App. Ich habe es Ihnen gesagt: Wir sind uns in der Sache einig, aber letztlich ist die Nette Toilette einfach nur eine Notlö- sung, weil es erstens zu wenig öffentliche Toiletten gibt und zweitens viele der öffentlichen Toiletten durch Van- dalismus und – wie es so schön heißt – Fehlnutzung schlicht nicht benutzt werden können. Dieses Thema umschiffen Sie mit Ihrem Antrag komplett. Das muss doch eigentlich die oberste Priorität bei der Thematik öffentliche Toiletten sein. Die öffentlichen Toiletten, die es bereits gibt, müssen sauber, benutzbar und gerade für Menschen mit Behinderung und insbesondere auch für sehbehinderte Menschen sicher sein. Um Ihnen einfach noch einmal die Zahlen vor Augen zu führen: In Friedrichshain-Kreuzberg gelten fast 50 Pro- zent der öffentlichen Toiletten als schwer zu betreiben, in Neukölln übrigens fast 22. Das ist ein Zustand, der ist wirklich nicht hinnehmbar. Aber es ist noch viel schlimmer. Denn es gibt das Prob- lem von Angriffen auf das Reinigungspersonal durch Drogenabhängige, Drogendealer und Obdachlose. Es gibt seit 2023 – das ist auch ein ganz schönes Thema – einen speziellen Handlungsleitfaden des LKA für die Firma Wall für den Fall, dass die Toilette durch eine oder meh- rere Personen belagert ist und eine gefahrlose Ansprache, wie es so schön heißt, nicht möglich ist. Dieses Problem sollten wir doch erst mal in den Griff bekommen, bevor wir irgendwelche anderen, neuen Konzepte ausprobieren. Wir müssen das Kriminalitätsproblem in den Griff be- kommen. Wir müssen das Drogenproblem in den Griff bekommen, und wir müssen das Obdachlosenproblem in den Griff bekommen, denn an dem eigentlichen Problem ändert Ihr Antrag rein gar nichts. Meine Redezeit ist jetzt fast am Ende. Ich freue mich auf die weitere Ausschussberatung, auch mit der Kollegin Schneider, denn die wird uns ja noch länger erhalten bleiben in diesem Haus, denn das Direktmandat am Sonn- tag holt natürlich Ronald Gläser von der AfD. – Danke schön! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags federführend an den Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz sowie mitbera- tend an den Ausschuss für Arbeit und Soziales und an den Ausschuss für Wirtschaft, Energie und Betriebe. – Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Die Tagesordnungspunkte 45 bis 47 stehen auf der Kon- sensliste. Tagesordnungspunkt 48 war die Priorität der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit der Nummer 4.2. Deswegen rufe ich auf lfd. Nr. 49: Das SEZ nicht abreißen! Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2217 In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke und zwar mit dem Kollegen Valgolio.
Vielen Dank, Herr Präsident! – Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mich hat gestern eine Journalistin angerufen und hat gesagt: Sie haben da einen Antrag morgen, und beantragen, das SEZ zu erhalten. Wissen Sie denn, was das kostet? – Da habe ich gesagt: Nein, ich habe über- haupt keine Ahnung, was das kostet, weil sich das Ge- bäude schon seit Jahrzehnten kein Fachmann mehr ange- schaut hat. – Dann hat sie gesagt: Das kann doch nicht sein. Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass der Senat da irgendetwas abreißt, ohne sich das näher angeschaut zu haben. – Aber so ist es. Es ist unglaublich, aber wahr. Genau das ist das Problem. Der Senat treibt Verfall und Abriss voran, ohne den Zustand des SEZ und der Gebäu- de einmal untersucht zu haben. Das ist nicht hinnehmbar, ganz egal, wie man dazu steht. Man kann zum SEZ unter- schiedliche Positionen haben und sagen, der Vorschlag ist nicht realistisch, das ist nicht finanzierbar, oder wir brau- chen das Geld lieber für andere Sachen. Das ist alles legitim. Aber es ist doch in einer Situation, wo wir einen massiven Mangel an Sport- und Freizeiteinrichtungen in der Stadt haben, nicht hinnehmbar, dass ein möglicher- weise weitgehend intaktes Gebäude oder in Teilen intak- tes Gebäude einfach abgerissen wird, ohne dass man schaut, was es denn kosten würde, das wieder in Gang zu bringen. Ich sage ja nicht, dass alles wieder leicht in Gang zu bringen ist, aber zum Beispiel bei der Schlittschuhbahn, der Rollschuhbahn halte ich das für nicht unrealistisch. (Alexander Bertram) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6056 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Deswegen beantragen wir, dass da ein Baugutachter hin- eingehen und er sich genau anschauen muss, mit wel- chem Aufwand die Sport-, Schwimm- und Freizeitein- richtungen wieder in Gang zu bringen sind, bevor ir- gendwelche Abrissbagger anrücken. Wenn das möglich ist mit vertretbarem Aufwand, dann muss das auch ge- macht werden. Das ist unsere Position. Bei mir melden sich auch viele andere Menschen in dem Zusammenhang, nicht nur Journalisten. Die erzählen mir, was sie da für tolle Erinnerungen haben. Manche sitzen auch bei uns in der Fraktion, was sie für tolle Erinnerun- gen – auch von anderen Fraktionen weiß ich das – an früher haben und an das SEZ. Ich höre auch, dass manche Menschen sich auch persönlich ein bisschen angegriffen fühlen, wie respektlos der Senat mit diesem Gebäude und auch mit der Vergangenheit umgeht. Ich persönlich kann dazu überhaupt nichts sagen. Ich bin leider nur Zugereister; das wissen Sie. Ich habe überhaupt keine nostalgischen Gefühle, was das SEZ angeht. Des- wegen will ich das auch nicht weiter kommentieren. Aber der Senat muss sich schon fragen lassen, ob er auch so respektlos und ignorant mit einem Gebäude umgehen würde, das vielleicht im anderen Teil der Stadt stehen würde oder das aus einer anderen Architektur und Bauge- schichte kommt. Aber das ist nicht mein Punkt, darauf will ich gar nicht hinaus. Mir geht es nicht um die Vergangenheit, mir geht es um die Gegenwart. Und die Gegenwart in Friedrichshain sieht genauso aus wie in weiten anderen Teilen der In- nenstadt. Wir haben einen massiven Mangel an bezahlba- ren Sport-, Freizeit- und Schwimmeinrichtungen, gerade für Kleinkinder. Das ist ein Riesenproblem. Da finde ich es auch kein Argument zu sagen: Wir brauchen Wohnun- gen; wir reißen ab und bauen Wohnungen. Natürlich brauchen wir auch Wohnungen. In Friedrichshain werden massiv Wohnungen gebaut, das ist auch in Ordnung, obwohl Friedrichshain jetzt schon der am meisten ver- dichtete Teil der Stadt ist. Das ist völlig in Ordnung, wenn Wohnungen gebaut werden. Aber gerade wenn wir sagen, wir bauen mehr Wohnungen in Friedrichshain, müssen wir doch erst recht auch die soziale Infrastruktur mitbedenken. Dann müssen wir erst recht dafür sorgen, dass Schulen, dass Kindergärten da sind und eben auch Schwimmbäder und Sport- und Freizeiteinrichtungen. Gerade dann müs- sen die da sein, sonst schaffen wir soziale, explosive Kessel, wenn das Soziale nicht mitgedacht wird und die Freizeit. Es gibt auch gute Vorschläge aus Anwohnerinitiativen. Wohnungsbau und ein Erhalt oder Teilerhalt des SEZ schließen sich überhaupt nicht aus. Es gibt Vorschläge, nach denen es möglich ist, in bestimmten Bereichen neu zu bauen, 200, 300 Wohnungen, und trotzdem das SEZ in Teilen oder ganz zu erhalten. Darüber müssen wir reden, anstatt einfach blind die Bagger loszuschicken und den Verfall über noch einige Jahre mit ansehen zu müssen. Es gibt ein sehr dummes Argument für den Abriss. Des- wegen werden wir es wahrscheinlich auch heute noch ein paar Mal hören in der Debatte. Und das geht so: Na ja, es gibt auch den Bebauungsplan von 2018, den hat die Lin- ke doch mit aufgestellt, und der Bebauungsplan zwingt uns doch dazu, das SEZ abzureißen. Richtig. Das ist nämlich nicht nur dumm, es ist auch falsch. Der Bebauungsplan zwingt nicht dazu, es abzurei- ßen, denn ein Bestandsgebäude wie das SEZ kann auch bei dem jetzigen Bebauungsplan natürlich erhalten wer- den, saniert werden und auch mit seiner ursprünglichen Widmung auch als Schwimmhalle weiterbetrieben wer- den, wenn man das will. Ob das bezahlbar ist, weiß man eben erst, wenn man dann Gutachter hineingeschickt hat, wie wir das beantragen. – Ja, Sie wissen immer alles vorher. Aber vielleicht ma- chen Sie es auch ein bisschen nachvollziehbar und trans- parent für die Stadtgesellschaft. Das würde vielleicht auch mal helfen, die Entscheidung des Senats für die Stadtgesellschaft ein bisschen nachvollziehbar zu ma- chen. Das ist auch ein Wert an sich in den heutigen Zei- ten, ein bisschen Transparenz. Dieses Argument mit dem Bebauungsplan 2018 ist nicht nur deswegen falsch, weil es eben nicht zum Abriss zwingt, sondern es ist auch deswegen falsch, weil wir eine völlig andere Situation haben. 2018 waren das SEZ, das Grundstück und das Gebäude in privater Hand. Ein Investor wollte da Hostels, Hotels und allen möglichen Quatsch hinbauen. Jetzt haben wir zum Glück die Situati- on, dass es wieder in öffentlicher Hand ist. Also haben wir eine neue Situation. Wir müssen neu darüber disku- tieren, was da möglich ist, was die Stadt möchte, also Baugutachter hineinschicken, schauen, wie der Zustand der Gebäude ist und dann gemeinsam mit den Anwohne- rinnen und Anwohnern da Wohnungen schaffen, aber auch ein Sport- und Freizeitangebot, das die Gegend da braucht. – Vielen Dank! Vielen Dank! – Dann folgt für die CDU-Fraktion Kollege Gräff. (Damiano Valgolio) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6057 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Das SEZ ist leider ein Paradebeispiel für eine völlig falsche Liegenschaftspolitik und den Ausver- kauf der Stadt. Der Kollege Gräff hat es gerade schon richtigerweise gesagt. Das SEZ und das zugehörige Grundstück wurden 2003 vom damaligen Senat für einen symbolischen Euro an einen Investor verkauft, ein gravierender Fehler. Aber damit nicht genug, viel zu lange wurde zugeguckt, wie der Investor dem Land auf der Nase herumtanzte und sich nicht mal an die minimalen Auflagen des Privatisierungs- vertrages hielt. Viele Jahre später wurde dieser Fehler dann endlich eingesehen, und man ist mit Erfolg juris- tisch gegen den Investor vorgegangen. Nach einem lan- gen Rechtsstreit um die Nutzung verfügt das Land heute wieder über das Grundstück. Doch leider ist das SEZ damit noch nicht gerettet. Zwar gehört es jetzt wieder dem Land Berlin, das aber hält an den alten Plänen fest, die einen Abriss des Bestandsge- bäudes und eine neue Bebauung vorsehen. Klar ist: Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, und es ist gut, wenn die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften diesen bauen. Klar ist auch: Wir brauchen genügend Schulplätze in Berlin. Beides sieht der Bebauungsplan von 2018 vor. Die darin beschlossenen Inhalte ersetzen die Planungsziele des Bezirks zuvor, der die Kubatur des SEZ vorsah und sich damals gegen den Abriss stellte. Seitdem der Bebauungsplan hier beschlossen wurde, haben sich die Welt und die Stadt weiterentwickelt und weitergedreht. Damit hat sich auch der Blick auf das bestehende Gebäude verändert. Heute steht im Mittel- punkt: Umbau und Umnutzung statt Abriss und Neubau, gerade auch angesichts der fortschreitenden Klimakrise. Es ist auch gut, dass wir uns diesem Thema des Umbaus statt des Abrisses mehr widmen. Deshalb ist es unserer Meinung nach auch nur folgerich- tig, beim SEZ zumindest zu prüfen, was möglich ist, um sowohl das Gebäude zu erhalten, als gleichzeitig auch Wohnungen zu bauen und Schulplätze zu schaffen. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6058 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Am kommenden Montag beraten wir in einer gemeinsa- men Sitzung mit drei Ausschüssen über die Volksinitiati- ve „Bauwende für Berlin – ökologisch und sozial“. Eine zentrale Forderung dabei ist, dass es zukünftig vor einer Abrissgenehmigung eine verpflichtende Prüfung der Nutzungspotenziale von bestehenden Gebäuden geben muss. Das unterstützen wir als Grüne natürlich, auch in Bezug auf das SEZ-Gelände. Aus unserer Sicht spricht nichts gegen ein Baugutachten und eine Machbarkeitsstudie, um auszuloten, ob und wie bezahlbarer Wohnungsbau, der Schulplatzbedarf und das SEZ zusammen möglich sind, und natürlich auch Sport, denn dafür wurde das SEZ immerhin mal gebaut. Da es hier vorhin schon um Anekdoten aus der eigenen Geschichte ging: Ich selbst bin dort auch mal als Kind geschwommen, und ich habe schöne Erinnerungen daran. Selbst wenn das SEZ nicht wieder ein Schwimmbad wird, es kann trotzdem für Sportangebote genutzt werden. Wir haben in der Vergangenheit auch schon erlebt, wie vielfältig das Gebäude genutzt werden kann. Dement- sprechend sollten wir prüfen, was möglich ist. Stattdessen steht im Raum, dass nun Fakten geschaffen werden und ein Abriss durch den Senat beauftragt wird. Lassen Sie uns deshalb jetzt die Chance nutzen und prü- fen, ob der Bebauungsplan von 2018 auch noch der Be- bauungsplan von 2025 sein soll oder wie wir ihn verbes- sern können. Gerade jetzt, da wir beim SEZ-Gelände eine zweite Chance bekommen haben, sollten wir stadtent- wicklungspolitische Fehler nicht wiederholen. – Vielen Dank! Dann folgt für die SPD-Fraktion der Kollege Schulz.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute über die Zukunft des SEZ. Das war als Bauwerk eine der größten Sport-, Spiel- und Freizeiteinrichtungen der DDR, und es war auch ein besonderes, prägendes Gebäude für Ostberlin. Zwischen 1978 und 1981 wurde es errichtet, stand in unmittelbarer Nähe zu zwei der wichtigsten Sportstätten der DDR, und in der Umgebung gab es Mietskasernen, die durch Großwohnblöcke des staatlichen Wohnungs- bauprogramms gepaart und zur Schau gestellt wurden. Diese historische örtliche Dimension ist für die Debatte schon wichtig, das hat auch der Kollege Gräff gerade erwähnt. Ganz persönlich finde ich, dass auch andere Bauten der Nachkriegsmoderne in dieser Diskussion mehr Bedeu- tung verdient hätten. Seitdem ich in Berlin lebe, was mittlerweile auch nicht mehr erst seit gestern ist, habe ich nicht immer den Eindruck gewinnen können, dass insbe- sondere der Erhalt des baulichen Erbes der DDR in der politischen Debatte den angemessenen Stellenwert einge- nommen hat, den es verdient hätte. Dieser Eindruck ist fatal, nicht nur für mich. Wir müssen hier aber nach vorne schauen, auf eine Lö- sung, die den sozialen und stadtpolitischen Herausforde- rungen von heute gerecht wird. Nach einem langen Rechtsstreit – noch im Jahr 2018 vom Kollegen Matthias Kollatz als damaligem Finanzsenator gemeinsam mit Margaretha Sudhof begonnen – ist das Grundstück seit 2024 wieder im Landeseigentum. Das ist ein ziemlicher Erfolg, und es war auch ein wichtiger Schritt für die Ent- wicklung der Fläche. Denn nur so können wir sicherstellen, dass diese Fläche für alle Berlinerinnen und Berliner genutzt werden kann. Der aktuelle Bebauungsplan sieht vor, dass wir hier bis zu 500 Wohnungen bauen können – ein Bebauungsplan, der in diesem Parlament gemeinsam von Rot-Grün-Rot beschlossen wurde –, davon 50 Prozent öffentlich geför- dert. Es geht aber nicht nur um Wohnen. Es geht um Freizeit- sport, Gemeinwohl, die Grundlagen für einen lebendigen Kiez. Genau das sieht dieser Bebauungsplan vor, den wir, ich wiederhole es noch einmal, gemeinsam in dieser Zeit beschlossen haben. Nun kam vorhin schon der Einwand – und so war es auch bei der Veranstaltung, die ich auf Einladung des Kollegen Valgolio besucht habe –, dass der Bebauungsplan nicht zum Abriss des SEZ zwingt. Das ist bei jedem Bebau- ungsplan so, dass er dem Eigentümer ein Recht gibt, ihm aber keine Verpflichtung auferlegt, zu bauen. Ich weise aber darauf hin, dass dieses Areal auch im Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 als Wohnungsbau- potenzial enthalten ist, und der Stadtentwicklungsplan Wohnen weist aus, dass wir in der Stadt einen Wohn- raumbedarf von 230 000 Wohnungen haben. Diesen umzusetzen, hat für uns als SPD schon eine sehr hohe Priorität. Neue Bauprojekte bedeuten Veränderungen und wahr- scheinlich auch Zumutungen, aber angesichts der Woh- nungsnot dürfen wir das Potenzial hier nicht gänzlich ungenutzt lassen. Wir täten hier an der falschen Stelle das (Julian Schwarze) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6059 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Richtige. Wir haben landeseigene Flächen. Wir wollen hier mit den klaren Vorgaben für bezahlbaren Wohnraum bauen. Ich habe in den Vorstudien gelesen, dass wir auf dem Gelände angeblich 350 Wohnungen mit dem Schwimm- bad bauen können. Daran glaube ich ehrlicherweise nicht, weil man natürlich nicht um ein offenes Schwimmbad herum Wohnungen stellen und dann glauben kann, dass die Nutzungen verträglich möglich sind. Gleichzeitig ist klar: Das Gebäude ist in einem desolaten Zustand, Schadstoffbelastung und marode Technik wer- den immense Kosten verursachen. Auch an anderen Orten der Stadt haben wir wegen der Haushaltslage Freizeit- und Wellnessbäder durch Hallen- bäder ersetzt, und die meisten, die wir bislang in der Stadt haben, sind unterfinanziert. Deswegen komme ich jetzt auch zum Ende, Herr Präsi- dent: Egal wie es hier kommt, stellt sich die Frage, in- wieweit Teile des SEZ erhalten bleiben können. Das ist klar; der Senat hat aber auch gesagt, dass er prüft, inwie- weit identitätsstiftende Bauteile hier in die Planung inte- griert werden können. Das ist ein guter Ansatz. Wir wer- den es umsetzen und gegebenenfalls weiter ausbauen können. Darüber werden wir aber im Ausschuss reden müssen. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit! Dann folgt für die AfD-Fraktion der Kollege Woldeit.
Vielen Dank, Herr Präsident! – Meine sehr verehrten Damen und Herren! Kollegen Abgeordnete! Sie wissen, ich bin grundsätzlich ein bisschen skeptisch, wenn Anträ- ge von Grünen oder von Linken kommen, und ich werde Sie jetzt überraschen: Ich unterstütze dieses Anliegen ausdrücklich. Was mir, glaube ich, in den letzten acht Jahren noch nie passiert ist, ist, dass ich einem Redebeitrag eines Linken- abgeordneten, Herr Kollege Valgolio, zu 100 Prozent zustimmen konnte. Alles, was Sie gesagt haben, ist rich- tig und stimmt. Klar, es gibt den Bebauungsplan von 2018, und klar, da kann man Hemmnisse sehen. Kollege Gräff hat gesagt, das wird nicht gelingen. – Ja, wenn kein politischer Wille da ist, dann wird es nicht gelingen. Was wir brauchen, ist ein politischer Wille. Wir haben so oft im Sportausschuss – wir waren ja auch immer eine Zeit lang mit dabei – immer wieder debattiert: Wir brauchen Schwimmmöglichkeiten, wir brauchen Sportmöglichkeiten, wir brauchen Sportstätten, wir brau- chen Plätze, wir brauchen Hallen. Das ist eine Riesenher- ausforderung. Wir haben die ganze Infrastruktur, Investi- tionsstauproblematik und Ähnliches. Aber das SEZ ist ja nicht nur eine Sportstätte gewesen; das war wesentlich mehr. Das war eine Begegnungsstätte für Familien. Ich gehe sogar so weit zu sagen, Anfang der Neunzigerjahre – ich kenne es ja auch noch – war es eine Begegnungsstätte von Ost und West. Ich fand das großar- tig. Wie gesagt, das ist ein Stück unserer Kultur. Es ist ein Stück Symbolik dieser Stadt. Ich habe mich heute Morgen mit der Initiative des SEZ getroffen, und wir haben uns drüber unterhalten. Das sind engagierte Menschen und ihre Belange sind auch gerecht- fertigt. Ich kann das auch nicht verstehen – ich erinnere mich, damals, es ist auch schon angesprochen worden, unter dem Finanzsenator Sarrazin –: Ein findiger Investor kauft das Areal für 1 Euro. Es passiert gar nichts. Da fand auch keine Konsequenz statt. Man hätte diesen Investor dem- entsprechend auch wirklich mal packen können und sa- gen: So geht es nicht. – Ja, es gab einen Rechtsstreit, jetzt gehört die Liegenschaft wieder dem Land Berlin. Aber muss immer alles in staatlicher Hand laufen? Gibt es da nicht vielleicht andere Möglichkeiten? Immer dieses Schwarz oder Weiß! Wir hatten bis vor Kurzem eine Teilnutzung; und dann nach drei Monaten – dicht. Was wird gemacht? Die Me- dien werden abgestellt: Wasser abgestellt, Strom abge- stellt. Ein im Verfall befindliches Gebäude wird dadurch nicht besser, es wird sogar noch schlimmer. Das finde ich einfach nicht gut. Für viele Menschen – ich wohne selbst auch in Ostberlin –, mit denen ich gesprochen habe, ist das ein ganz wichtiger Ort; ein wichtiger Ort des Zusam- menhalts, ein wichtiger Ort des Sports. Ich glaube, man kann da auch andere Wege gehen. Ich denke, es gibt eine Möglichkeit des Erhalts, und wir soll- ten zumindest darüber sprechen. Wir werden dazu eine ausführliche Beratung im Sportausschuss haben, im Aus- schuss für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen dem- entsprechend auch. Ich halte dieses Sport- und Erho- lungszentrum für eine ganz wichtige Institution, die wir erhalten sollten. Dafür werde ich mich, wie gesagt, ein- setzen. – Vielen Dank! (Mathias Schulz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6060 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Dann hat zu diesem Tagesordnungspunkt auch der frakti- onslose Abgeordnete Dr. King einen Redebeitrag ange- meldet und erhält nun das Wort.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich hoffe, dass die Linke ihren Antrag jetzt nicht zurückzieht, weil die AfD Zustimmung signalisiert hat. [Heiterkeit bei der AfD –
Ich gehe davon aus, dass die Senatorin das auch zu hören bekommt. – Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegen und Berliner! Berlin fehlen die Mittel, historische, archi- tektonische Substanz zu retten. Berlin hat nicht das Geld, in die Zukunft zu investieren. Das gilt nicht nur für die allgemeine, mittlerweile marode zu nennende Infrastruk- tur wie Brücken und Straßen, Schulen und Universitäten, die gerade noch so am Laufen gehalten werden. Darum müssen wir uns ehrlich machen: Wie können wir Substanz erhalten und fit für die Zukunft machen, wenn die öffentlichen Kassen leer werden? – Es wäre schön, wenn der Finanzsenator da wäre, aber es macht nichts. Parallel zur Frage der Entwicklung des brachliegenden Tempelhofer Feldes mitten in der Stadt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6061 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 – Herr Gräff, bleiben Sie doch entspannt! – muss auch über den dazugehörigen riesigen Flughafengebäudekom- plex und dessen künftige Nutzung gesprochen werden. Es geht um die Frage, ob das Land Berlin weiterhin wertvol- le Gebäudeflächen ungenutzt verfallen lässt oder ein tragfähiges Nutzungskonzept für das ehemalige Flugha- fengebäude Tempelhof auf den Weg gebracht wird. Seit der Stilllegung des Flugbetriebs im Jahr 2008 ist das ikonische Gebäude des Flughafens Tempelhof ein Para- debeispiel für jahrelanges Zögern und planloses Herum- sanieren ohne greifbares Ergebnis. Seitdem ich in diesem Hause bin, seit 2016, ist das regelmäßig Thema im Hauptausschuss gewesen, und immer wieder dreht sich alles im Kreis. Während Berlin finanziell unter Druck steht – das ist das Stichwort für den Senator –, leisten wir uns den Luxus, ein historisches Bauwerk über 1,2 Kilometer Länge weit- gehend brachliegen zu lassen. Dabei gilt das Gebäude nicht nur als architektonisches Meisterwerk, sondern hat auch eine zentrale städtebauliche Bedeutung – insofern ist es gut, dass der Stadtbausenator da ist –, und doch lassen wir es weiter verfallen. Die Realität ist klar: Das Land Berlin kann die notwendi- gen Sanierungskosten von rund 2 Milliarden Euro nicht allein stemmen. Was also tun? Einfach abwarten und weiter Millionen in bloße Instandhaltung versenken? – Bei Rot-Rot-Grün fehlt es an Fantasie. Es fehlte den drei damals regierenden Linksparteien natürlich an der Vor- stellungskraft, die Privatwirtschaft zu beteiligen. Deshalb fordern wir mit unserem Antrag die Einleitung eines transparenten internationalen Konzeptverfahrens, um endlich eine umsetzbare Nutzungsperspektive zu entwi- ckeln. Was wir bereits seit Langem in der letzten Legislaturpe- riode von der grünen Wirtschaftssenatorin Pop hinsicht- lich des ICC gefordert hatten und was die aktuelle Wirt- schaftssenatorin – jetzt ist der Staatssekretär artig hier – auch endlich für das ICC umsetzt, passt auch für den hier in Rede stehenden Gebäudekomplex. Das bedeutet, Pri- vatinvestoren einbinden und moderne Modelle der öffent- lich-privaten Partnerschaftsmodelle nutzen. Ein wettbe- werblicher Dialog stellt sicher, dass die besten Konzepte für das Flughafengebäude Tempelhof unter Berücksichti- gung des Denkmalschutzes, aber auch mit wirtschaftli- cher Tragfähigkeit und Vernunft erarbeitet werden. Dabei können Erbbaurechtsverträge und öffentlich-private Part- nerschaften zentrale Instrumente sein, um langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln. Das brauchen wir, denn dieser Gigant kann zu einem echten Berliner Leuchtturmprojekt werden. Internationale Projekte von Public-private-Partnerships zeigen, dass das funktionieren kann. Der Senat ist in der Pflicht, endlich aufzuhören, das Gebäude nur zu verwal- ten, sondern es in eine aktive, wirtschaftlich tragfähige Nutzung zu überführen. Die Erfahrungen aus dem Kon- zeptverfahren des ICC müssen und können dabei genutzt werden, und es ist zu prüfen, ob die BIM GmbH mit der Durchführung des Verfahrens beauftragt wird. Klar ist aber, dass wir eine Lösung brauchen, und wir brauchen sie jetzt. Immerhin handelt es sich um die Mutter aller Flughäfen, wie Sir Norman Foster dieses grandiose Bau- werk bezeichnet hat. – Ganz herzlichen Dank und guten Abend! Für die CDU-Fraktion hat der Kollege Gräff das Wort.
Ich will ganz unpolemisch darauf reagieren. Herr Gräff, ich bin ein bisschen überrascht, weil Sie es nicht verstan- den haben. Es geht um eine internationale Ausschreibung eines Konzepts. Es geht auch nicht darum, dass die BIM irgendetwas entwickelt oder macht, sondern dass die BIM das abwickelt, weil sie es gerade für das ICC macht. Ich verstehe nicht, dass Sie das nicht begreifen wollen. Natürlich geht es nicht um eine Nutzung, sondern ein Betreiber wird sich schon etwas ausdenken, was man damit machen kann. Ich habe privat viele Ideen, das will ich aber gar nicht sagen, weil es darum gar nicht geht. – Dass Sie davon nichts hören wollen, ist schon klar, weil Sie Fahrradfahren wollen oder was weiß ich, was Sie wollen, aber darum geht es hier auch nicht. – Das interna- tionale Konzeptverfahren ist eine Ausschreibung wie wir es für das ICC machen. Der Senat hat kein Geld, die 2 Milliarden Euro haben wir nicht, weder für die Landes- bibliothek noch für sonst irgendwelche Sperenzchen, wir brauchen dafür privates Kapital. Gerade die CDU sollte sich solchen Vorschlägen nicht verschließen. Ich verstehe gar nicht, in welchen Film Sie hier gerade abgleiten. Noch einmal: Es geht um ein Verfahren, wie wir hier zu einem öffentlich-privaten Partnerschaftsmodell kommen, dass eine Lösung für dieses Ding kommt, das seit 2016 – das sind mittlerweile fast zehn Jahre – wirklich vor sich hindämmert. Das kann es nicht sein. Es wäre ein Leucht- turmprojekt. Viele haben wir in Berlin nicht, also lassen Sie uns doch die machen, die wir haben.– Vielen Dank! Dann folgt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und das mit dem Kollegen Otto.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr verehrten Da- men und Herren hier im Saal und an den Endgeräten! Tempelhof beschäftigt uns hier schon eine ganze Weile, und ich fand, Herr Gräff, Ihren Vortrag ein bisschen unambitioniert. Eigentlich ist es doch sinnvoll, dass so eine Koalition hier vorlegt und sagt, was sie sich vor- stellt, was sie will und wo die Reise hingehen soll. Unsere Fraktion hat das bereits hier getan. Im Jahr 2015 haben wir die Drucksache 17/2342 eingebracht. Da haben wir das alles aufgeschrieben, was wir uns da vorstellen. Da ging es unter dem Betreff „Kulturhafen und Kreativ- hub Tempelhof“ um ganz viele verschiedene Nutzungen: Kulturproduktion, Museen, temporäre Ausstellungsflä- chen, Künstlerateliers, kulturelle Bildung, Film- und Tonstudios, Start-ups, Forschungseinrichtungen, Events. All das haben wir hier schon mal als Konzept auf den Tisch gelegt, als Ideenskizze, und das ist, glaube ich, nach wie vor gültig. Das verdient, hier noch einmal be- sprochen zu werden. Etwas Zweites ist wichtig, wenn wir hier über solche großen, leerstehenden Gebäude sprechen. Das ICC ist ein paralleler Fall. Wir haben am kommenden Montag eine Anhörung, auch hier im Plenarsaal, mit der Volksinitiati- ve „Bauwende für Berlin“. Diese Leute setzen sich dafür (Christian Gräff) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6063 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 ein, dass wir für vorhandene Gebäude Nutzungen suchen, dass wir nicht zu viel neu bauen. Herr Gräff hat die Landesbibliothek genannt. Da gab es auch schon mal eine Debatte und eine Studie dazu. Die Volksinitiative hat zum Beispiel die Frage aufgeworfen, warum wir – das macht in dem Fall der Bund – ein Mu- seum der Moderne am Kulturforum bauen und dafür nicht einen Hangar nehmen. Das ist jetzt alles ein biss- chen spät, aber es macht deutlich, dass wir noch viel zu gerne irgendwo neue Gebäude hinstellen, anstatt die, die schon da sind, wo graue Energie drinsteckt, die gut ange- bunden sind, zu nutzen. Das ist die Aufgabe der Zukunft. Wir erwarten sehr wohl vom Senat – Herr Gaebler ist ja dabei –, dass es konzeptuell vorangeht. Sie haben die Projektgesellschaft – es gab zwischendurch im letzten Jahr mal eine Presselage, dass die CDU gesagt habe, dass sie die auflösen wolle, aber das hatte möglicherweise nur mit Personalbesetzung zu tun. Da hat die CDU vorge- schlagen, dass man das lieber der BIM übergibt. Davon sind Sie jetzt wieder weg, Herr Gräff! Sie müssten sich irgendwann entscheiden, wo Sie hinwollen. Klar ist aber für uns, dass das grundsätzlich in öffentli- cher Hand bleiben soll, was aber nicht ausschließt, dass hier auch private Partner einbezogen werden können, sei es als Mieter, sei es als Pächter für eine ganze Reihe von Jahren. Es gibt auch Vorstellungen, dass man einen Han- gar oder ein Gebäudeteil jemandem für ein paar Jahre überlässt, der da was saniert, zum Beispiel energetisch, und dann dort Veranstaltungen machen kann. Auch das sind Ideen, weil wir, wer sich die Investitionsplanung anguckt, im Haushalt nicht so sehr viel Geld eingestellt haben. Ich denke, diese 2-Milliarden-Euro-Summe, die hier immer im Raum steht, auch heute, erschlägt einen natürlich. Ich glaube, ein stufenweises Vorgehen ist ange- raten; das hat zum Teil auch angefangen. Aber die Finan- zen sind dünn, deshalb braucht man, glaube ich, Partner dafür, und ich will den Senat ermuntern, auch mit solchen das zu machen. Ob das jetzt das Konzept von Herrn Müller vom EUREF- Campus sein muss oder andere Konzepte, das muss sich herausstellen. Aber es gibt viele Ideen, es gibt viele Sa- chen, die schon aufgeschrieben sind. Daran muss weiter- gearbeitet werden. Das ist die Aufgabe des Senats, und da erwarten wir Ergebnisse und einen Plan, wie es tatsäch- lich weitergeht, damit wir nicht die nächsten 40 Jahre diese, ich sage es jetzt mal, Schrottimmobilie einfach so dastehen haben. – Danke schön! Vielen Dank, Herr Kollege! – Für die SPD-Fraktion hat der Kollege Schulz das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich nehme erst mal zur Kenntnis, dass fast 14 Jahre nach Gründung der Tempelhof Projekt GmbH auch die Vertretung der rechtsextremen Partei das weltbe- rühmte Bauwerk in Tempelhof entdeckt hat. Sie haben dabei so manches verpasst. Es gibt einen Entwicklungs- auftrag der Tempelhof Projekt GmbH von 2020, der sich um eine denkmalgerechte Sanierung des Gebäudes küm- mert für öffentliche Nutzungen, für kulturelle, kreativ- wirtschaftliche Zwecke, experimentelle und auch die Verwaltung, für die Durchführung von Veranstaltungen und die Förderung von Ansiedlungen. Diese Leitlinien haben für uns weiterhin Gültigkeit und sind weiterhin richtig. Mit der Vision 2030+, die es für Tempelhof gibt, gibt es ein realisierbares Nutzungs- und Entwicklungskonzept schon heute, vor allem für eine Büro- und Kreativnut- zung, für Veranstaltungen, für Kunst und Kultur. Und wie viele Konzepte wurden denn schon von Investoren und Entwicklerinnen erstellt für Tempelhof? Sie alle scheiterten bisher an der komplexen Realität der Ge- samtsanierungsaufgabe. Sie behaupten, das Gebäude wäre nahezu ungenutzt. Das stimmt so einfach nicht. Aktuell sind große Teile der Büroflächen vermietet an das Polizeipräsidium, das LKA, die Senatsverwaltung für Verkehr, die Berlin Energie Netz und Service GmbH; viele Büroflächen sind vermie- tet. Zudem sind dort 2 000 jüngere Geflüchtete unterge- bracht. Es wird eine Willkommensschule errichtet. Da passiert also auf dem Areal eine ganze Menge. Die Frei- und Hangarflächen werden zum Beispiel durch Veran- staltungen genutzt, mit lang laufenden Verträgen, Formu- la E, SCC, Komische Oper und viele mehr. Wie Sie se- hen, es passiert dort vieles. Ich möchte hier einmal dan- kend anmerken: Das Team der Tempelhof Projekt GmbH kommt deren Auftrag im Rahmen der Möglichkeiten, die ihr zur Verfügung stehen, bestmöglich nach. Die Entwicklung des Gebäudes ist ein finanzieller Kraft- akt, das ist klar, sie ist eine Generationenaufgabe. Des- wegen wird es da keine schnellen Ergebnisse geben. Als Koalition arbeiten wir an Lösungen, damit schneller et- was passiert; das wurde auch schon vom Kollegen Gräff gesagt. Aktuell laufen zum Beispiel Gespräche im Senat über die Stärkung des Eigenkapitals der Gesellschaft, um hier mehr zu tun als bislang. Die aktuelle Form ermög- licht aber ebenso kaum Privatinvestitionen. Aber um es hier noch mal klar zu sagen: Egal, wie die Form der (Andreas Otto) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6064 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Tempelhof Projekt GmbH künftig aussehen wird, die SPD lehnt eine Beteiligung von privaten Investoren an Gesellschaften dieses Landes, wie es möglicherweise einigen hier im Hause vorzuschweben scheint, ganz gene- rell ab. Verträge mit Investoren, bei denen Private große Kasse auf Kosten von uns Berlinerinnen machen, darf es nie- mals wieder geben. Im Übrigen: Das Konzeptverfahren zum ICC, das wurde schon häufig erwähnt, ist nicht mal eben so auf Tempel- hof übertragbar. Das Flughafengebäude wird heute teil- weise noch genutzt, das ICC steht dagegen gesamtheitlich leer. Es gibt dort Nachverdichtungsmöglichkeiten, die den Anreiz bieten für Investitionen. Beim Flughafenge- bäude haben wir ein Denkmalgebäude, ein Denkmal- ensemble ohne Neubaupotenzial im Gebäude selbst. Selbst wenn künftig an bestimmten Punkten private In- vestitionen beteiligt oder erwogen werden würden, führt der von Ihnen vorgeschlagene Weg ins Abseits und auf jeden Fall nicht zu einer Verbesserung der Situation. Wir lehnen daher diesen Antrag genauso wie Sie als rechte Truppe ab. – Danke! Vielen Dank! – Für die Linksfraktion hat jetzt die Kolle- gin Gennburg das Wort.
Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Mitbürger! Bürokratisierung und Karies haben manches gemein: Sie sind in aller Munde, keiner will es haben, aber diese Volkskrankheiten werden wir partout nicht los. – Bürokratisierung, also überbor- dende Bürokratie, nerven die Verwaltung, den Mittel- stand und die Bürger. Die Verwaltung hat keine Kapazi- täten für die wirklich wichtigen Dinge, die die Bürger, die Menschen in dieser Stadt brauchen, um voranzukommen. Der Mittelstand ächzt. Die IHK sagt gerade, dass die Bürokratie die Wirtschaft Berlins lähmt. Berlin fällt zu- rück aufgrund der Bürokratie. Aber Bürokratie suggeriert ja Sicherheit, eine falsche Sicherheit. Ich möchte sagen, Bürokratie, wie wir sie hier erleiden müssen, steht mehr für Sicherheitsfetischismus als Zwangsmittel zur Durchsetzung linker ideologischer Vorgaben, und das muss an dieser Stelle gesagt werden. Sie schafft durch politisch induzierten Kontrollwahn Bevormundung, Unsicherheit, Unfreiheit und behindert in weiten Teilen die Menschen in ihrem beruflichen und privaten Alltag. Sie fällt nicht vom Himmel, sie ist auch hausgemacht. Der Grund ist eine tief verankerte Skepsis linker Politik gegenüber Eigeninitiative, Selbstverantwor- tung, Unabhängigkeit vom Staat, Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung. Und nun kommen wir zu dem Punkt, um den es heute primär als Auftakt sozusagen einer intensiveren Beschäf- tigung mit dieser Krake, die wir ein Stück weit stutzen müssen, der Bürokratie dieser Stadt, geht. [Beifall bei der AfD –
Bravo!] Gerald Gaß als Vorsitzender der Deutschen Kranken- hausgesellschaft sagte unlängst, dass es immer mehr wird. Er meinte auch: Infolge der Krankenhausreform des SPD-Gesundheitsministers Lauterbach scheint es so zu sein, dass die Bürokratie in den Krankenhäusern immer mehr wird. Auch die Ärzte- und Apothekerkammer zeigt entspre- chend den erhobenen Finger. Die Apothekerkammer hat letztes Jahr im Herbst, als ich dort zu Besuch war, sehr intensiv davor gewarnt. Bemerkenswert ist, dass der Stunde Bürokratie täglich entlastet werden würde, schaffe man von heute auf morgen mehr als 21 000 Ärzte in Deutschland. Das ist eine Zahl! Peter Bobbert sagt weiter: Wir suchen neue Ärzte und finden sie in der Entbürokratisierung. Wir hatten eine Anhörung im Gesundheitsausschuss, da waren der Präsident der Zahnärztekammer Berlin, Dr. Karsten Heegewaldt, und Dr. Andreas Hessberger von der KZV Berlin anwesend. ‒ An dieser Stelle möchte ich mich für zwei redaktionelle Ungenauigkeiten in der Begründung entschuldigen. ‒ Attestieren konnten sie beide der Medizin und der Zahnmedizin ein hohes inter- national anerkanntes Niveau, und dieses Niveau ‒ und das ist eine Aufgabe, der wir uns hier stellen müssen ‒ ist gefährdet durch sage und schreibe 962 Verordnungen, die in der Praxis täglich beachtet werden müssen. Wir haben eine Ausweitung verschiedenster, zum Teil gedoppelter Anforderungen in den Praxen. 800 Praxen haben deswegen das Handtuch geworfen und stehen nicht mehr in Berlin zur Verfügung. Wir haben verschiedene Probleme wie Bürokratieentlastungsbemühungen und ein sogenanntes Eckpunktepapier, das zu nichts, zu gar nichts geführt hat. Die Menschen in dieser Stadt, in medizini- schen Einrichtungen, aber auch in den Praxen, sind es leid und wollen ein Abstellen dieser Problematik. Was sagt der Senat? ‒ Auf eine Anfrage von mir im Sep- tember 2024 sagt der Senat, er strebt eine Optimierung, Verschlankung und Beschleunigung von Verwaltungs- verfahren und Prozessen an. Das sagt er sogar in seiner Regierungserklärung. Na, dann lasst uns doch mal anfan- gen! Die Sinnhaftigkeit der Dokumentationspflichten und Erfordernisse sind durch Leistungsträger zu bewerten. Auch das liegt jetzt vor. Lasst uns doch mal anfangen! Der Senat kann sich keinen schlanken Fuß machen, wenn er sagt, es geht ihn nichts an, es ist Bundesangelegenheit. Es gibt genügend Ansätze, hier in Berlin etwas gegen diesen Bürokratiewahn zu unternehmen. Es ist an der Zeit, damit zu beginnen. Wir haben hier die Chance. Wir werden die Chance wahrnehmen. Von daher kann ich nur sagen: Wir als AfD-Fraktion stehen an der Seite der Patienten, an der Seite der not- wendigen Patientenversorgung, und für die Sicherung ambulanter Strukturen in dieser Stadt. Das ist ein erster Aufgalopp; alles Weitere im Ausschuss. ‒ Ich sehe, die Redezeit ist überraschend schon zu Ende. Alles Weitere dann beim zweiten Plenum zu diesem Thema. Ich wün- sche Ihnen einen schönen Abend! Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6066 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Für die CDU-Fraktion hat der Kollege Zander das Wort.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich hatte mich jetzt etwas gewundert: Sie ha- ben gesagt, Ihr Antrag sei jetzt der Auftakt zu einer De- batte. Hinterher haben Sie ja noch die Kurve bekommen und haben zu Recht darauf hingewiesen, dass wir ja gera- de erst im letzten Gesundheitsausschuss die Anhörung zu diesem Thema hatten. Wir sind uns ja auch alle einig, dass bürokratische Ent- wicklungen, die es gegeben hat, dringend korrigiert wer- den müssen. Es wurden paradoxe Beispiele von Kühl- schrank- und Leiterbeauftragten in Zahnarztpraxen ge- nannt. Deshalb verstehe ich jetzt gar nicht, warum Sie zu diesem Zeitpunkt den Antrag stellen, da es ja sonst gar keinen Sinn gemacht hätte, eine Anhörung zu machen, die ja üblicherweise ausgewertet wird. Es sind in diesem Ausschuss auch Äußerungen und Zusagen dazu getätigt worden, dass man sich ‒ auch gemeinsam mit der Kam- mer und der KZV ‒ anschaut, was wir hier im Lande Berlin ‒ im LAGeSo und anderen Stellen ‒ zur Erleichte- rung machen können. Viele Dinge sind aber leider bun- desgesetzliche Zwänge und Vorgaben, die berücksichtigt werden müssen. Das heißt: Üblicherweise werten wir das Ganze doch aus. Wir schauen: Was haben die Gespräche, die durch die Anhörung, die ja auch wir als Koalition beantragt hatten, angeregt worden sind, ergeben? ‒ Wir sollten schauen, dass da noch mal Arbeitsergebnisse da sind, bevor Sie hier einen Antrag schreiben, den Sie auch vor vier, fünf oder sechs Monaten hätten stellen können. Wenn Sie so tun, als hätten Sie gar keinen neuen Erkenntnisstand aus der Anhörung gehabt, hätte man sich das auch sparen können. Sie hätten sich das auch sparen können, hier so ein Thema auf die Agenda zu nehmen, wenn Sie immer alles völlig geflissentlich ignorieren, was in der Welt, was in unseren parlamentarischen Abläufen und in unseren Sitzungen passiert, nur, damit Sie immer wieder Ihr Spiel herunterspulen und zeigen können, für wen in aller Welt Sie sich angeblich alles so richtig doll einsetzen. Im Grunde sind das alles nur Sprechblasen, und passieren tut am Ende gar nichts. ‒ Herzlichen Dank! Vielen Dank! ‒ Dann hat der Abgeordnete Ubbelohde die Gelegenheit zu einer Zwischenbemerkung.
– Doch, das wollen diejenigen hören, die draußen unter der Last der Bürokratie leiden, die Patienten, die Ärzte, Mediziner, das Personal in dieser Stadt. Herr Zander! Sie sagen, der Ausschuss hätte noch mehr bringen können. Wir erinnern uns doch beide, dass die Reaktion der Fraktionen auf den Antrag zum Bespre- chungspunkt, den wir eingebracht haben, gleich null war. Es wurde nicht auf die Problematik der Bürokratie Bezug genommen. Auf was wollen wir denn da noch warten? Im Gegenteil: Es gibt durch die beiden Ausschuss- anzuhörenden aus den zahnärztlichen Körperschaften klare Vorschläge. Die sind mir als Zahnarzt natürlich mehr als bekannt, und ich kann sie auch nachvollziehen ‒ der eine oder andere von Ihnen vielleicht weniger, nach- vollziehbar und erklärbar. Das ist aber zum Beispiel, dass stationäre und ambulante Einrichtungen gleichgesetzt werden. Sie können ein Krankenhaus nicht mit einer Praxis mit drei oder vier Mitarbeitern gleichsetzen. Wir haben zum Teil gedoppelte Hygiene- und Reini- gungspläne. Parallel müssen zwei Sachen gleichzeitig gemacht werden und erfüllen denselben Zweck, kosten Geld, Zeit und Personal, das wir nicht haben. Das ist die Tatsache, und das ist das Resultat dieses Ausschusses gewesen. Deswegen kommt der Antrag zu dieser Zeit und nicht schon vorher, weil wir das sehr wohl in unseren Antrag haben einfließen lassen. Wir haben ein absurdes Beauftragtenwesen. Sie haben ja zu Recht den Kühlschrankbeauftragten und den Leiter- beauftragten angesprochen. Das heißt, bei der Begehung in meiner Praxis kam einer und sagte: Pass mal auf, Sie müssen jemanden haben, der eine spezielle Schulung macht, damit er die Mitarbeiter und die Kollegen in der Praxis unterrichten kann, wie man auf eine Leiter klettern kann, die drei Stufen hat. Solche Absurditäten gibt es da. Wir haben Anforderun- gen zur Validierung bei der Wischdesinfektion. Jetzt werde ich Ihnen mal ein bisschen was darüber erzählen, wie es draußen in der Wirklichkeit aussieht, lieber Herr Kollege Zander! Da kommt jemand in der Validierung, der den Mitarbei- tern, die ausgebildet sind, die erfahren sind, sagen soll, wie sie bei semikritischen Produkten wie Röntgengeräten mit dem Wischlappen desinfizieren und reinigen. Sagen Sie mal, da wundern Sie sich, dass wir kein Personal in Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6067 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 den Praxen mehr finden, die sich solch einen Unfug an- hören müssen? Als ob sie nicht selber am besten wissen, wie man des- infiziert und reinigt! Aber es gibt natürlich auch Bundesratsinitiativen, die wir hier an dieser Stelle auch einfordern. Es ist zum Beispiel die Verpflichtung, dass Berufshaftpflichtversicherungen nachgewiesen werden müssen. Was für ein Unsinn! Und so gibt es vieles mehr; das soll den Abend hier heute nicht sprengen. Ich wollte Ihnen nur sagen: Es gibt sehr wohl einen Grund, warum wir den Antrag jetzt stellen, so stellen und dann weiterhin mit Ihnen beraten wollen, und da freue ich mich auf die Auseinandersetzung und auf eine Zusage dieses Antrags. Denn da kommt es darauf an, dass Sie sagen können: Okay, jetzt machen wir uns mal ehrlich und zeigen, ob wir wirklich etwas für den Büro- kratieabbau tun wollen. Oder machen wir das so wie in den ganzen Jahren seit Merkel bis zur unsäglichen Ampel und lassen den Bürokratiewahn weiter laufen, reden dar- über, aber tun nichts? ‒ Damit ist es jetzt vorbei. Dann hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Kollegin Pieroth-Manelli das Wort!
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ge- statten Sie mir eine Bemerkung vorab! Es hat keine Reak- tion im Ausschuss stattgefunden, weil dieser Antrag der- art eindimensional ist. Aber was sollen wir schon erwar- ten? Schließlich stammt er von diesem Herrn AfD- Abgeordneten und Zahnarzt aus Reinickendorf, der hier Einzelhokuspokus, und zwar nur für den eigenen Nutzen, betreibt. Denn klar ist, Bürokratieabbau in der Zahnmedizin ist zwar ein Thema, aber es gibt wesentlich drängendere Themen. Das wurde uns auch von der Kammer im Aus- schuss bestätigt. Wir brauchen mehr Prävention und Gesundheitsförde- rung. Dazu gehört zum Beispiel die Entbudgetierung der Parodontitistherapie. Wenn wir wissen, dass diese Budge- tierung vor allem zulasten vulnerabler Gruppen geht, jeder zweite Erwachsene an Parodontitis leidet, Parodon- titis die häufigste Ursache für vermeidbaren Zahnverlust darstellt und gleichzeitig bei Nichtbehandlung hohe Fol- gekosten verursacht, dann müssen wir vielleicht mal thematisch die Sache anpacken. Wir wollen Chancen- gleichheit, und dazu gehört, dass wir diese Prophylaxean- gebote für besonders benachteiligte Gruppen ausbauen. Wir müssen Präventionslücken schließen, barrierefreie Praxen für Menschen mit Behinderung fördern, Angebote für Geflüchtete schaffen, die bisher nur mit akuter Schmerzbehandlung versorgt werden, denn die Therapie in der Folge ist deutlich teurer als die Vorsorge. Wir müssen die Angebote des öffentlichen Gesundheits- dienstes stärken und insbesondere die Zahngesundheit in Kitas und Schulen weiter unterstützen. Kroko, Sie kennen alle das Krokodil, sollte selbstverständlich auch Kinder in Aufnahmeeinrichtungen und Willkommensschulen besu- chen, denn für uns Grüne ist unverhandelbar, Kinderge- sundheit fragt nicht nach dem Pass. Ich möchte ein weiteres Problem, das sicherlich nicht Herrn Ubbelohde betrifft, das aber tatsächlich drängt, ansprechen. Momentan sorgen sich Zahlenärztinnen und Zahnärzte darum, ob sie mit einer sicheren Rente rechnen können. Ihr Versorgungswerk, in das sie ein Leben lang eingezahlt haben, hat viel Investitionen getätigt und muss daher Jahr für Jahr höhere Summen abschreiben. Das sind Themen, über die wir hier sprechen sollten. Wir Grünen werden uns weiterhin für eine qualitativ hochwertige zahnärztliche Versorgung in Berlin einsetzen, die Präven- tion, den Ausbau öffentlicher Gesundheitsangebote und eine Altersvorsorge, die auch bei den Zahnärztinnen und Zahnärzten ankommt und unterstützt. Ich freue mich auf die Ausschussberatung, bei der wir dann hoffentlich sinnvolle Lösungsvorschläge gemeinsam erarbeiten, anstatt uns mit der Vereinfachung von Herrn Ubbelohdes Arbeitsalltag zu beschäftigen. – Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Kollegin! – Dann hat der Abgeordnete Ubbelohde die Gelegenheit zu einer weiteren Zwischen- bemerkung.
Liebe Frau Pieroth-Manelli! Ja, da haben Sie vollkom- men recht, den Arbeitsalltag in Praxen zu erleichtern, das sollte unser Anliegen sein, (Carsten Ubbelohde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6068 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 wenn 33 Prozent der Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und wir erreichen müssen, dass mög- lichst viele von denen länger arbeitsfähig und in den Praxen bleiben, damit wir einen Versorgungsnotstand abwenden. Das, meine Liebe Frau Kollegin von den Grü- nen, ist eine realistische und vor allem eine ursachenbe- zogene und problembezogene Lösung dieses Themas. Wenn Sie sagen, Sie haben den Antrag im Ausschuss nicht behandeln wollen, dann darf ich Ihnen mal sagen, vielleicht sind Sie da nicht ganz präsent gewesen, der Antrag lag zu der Ausschusssitzung gar nicht vor. Also was wollen Sie da ablehnen, was Sie gar nicht kannten? Hellseherische Fähigkeiten haben Sie nicht, das hat man schon in den letzten Diskussionsbeiträgen Ihrer Partei gemerkt. Uns und mir insbesondere geht es darum, die Versorgung der Patienten in dieser Stadt sicherzustellen. Und dazu müssen wir feststellen, dass wir vor enormen Umbrüchen stehen. Das sind nicht nur Digitalisierungsdefizite, das ist die Telematikinfrastruktur, die nicht funktioniert, weil Medienbrüche zu häufigen Abstürzen führen. Das ist die Realität. Davon können Sie nicht berichten, weil Sie nicht aus dem Bereich sind. Sie neiden das denjenigen, die hier fachkundig etwas sagen, und sprechen ihnen die hehren Absichten ab, für die Menschen dieser Stadt etwas zu erreichen. Das ist unredlich. Das macht man so nicht. Deswegen sagen wir, sagt die AfD-Fraktion an dieser Stelle, begrenzen wir die Bürokratie, schneiden wir sie zurück auf das Notwendige, haben wir mehr Praxen, die länger arbeiten, mehr Personal in den Praxen, das hoch- motiviert arbeitet, und am Ende eine bessere Patienten- versorgung, als wenn es so weitergeht, wie Sie es bisher getan haben. Für die SPD-Fraktion hat die Kollegin König jetzt das
Vielen Dank, Frau Präsidentin! – Da ich nicht mehr allzu viel Zeit habe, vielleicht vorweg: Vielen Dank, Bettina König für die Worte! Das ist Dreiviertel meiner Rede gewesen. Ich will noch zwei Sachen dazu sagen. Erstens: Viele Dinge, die in dem Antrag aufgezählt sind, können wir hier in Berlin gar nicht regeln. Die sind durch Bundesge- setze und EU-Vorschriften begründet. Das heißt, die AfD macht es sich mal wieder zu einfach. Aus meiner Sicht mal wieder ein typischer, ich nenne ihn jetzt Hasen- powerantrag für die, die sich noch erinnern können, Horst Schlämmer: „Da muss man mal was anderes machen“. Aber was, wie und an welcher Stelle wird uns hier nicht gesagt. So, meine Damen und Herren, läuft Politik nicht. Das ist zu einfach. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Fraktion hier rechts außen zur Erhellung der dunklen Finanzquellen Ihrer Partei beitragen sollte. – Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! – Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags an den Ausschuss für Gesundheit und Pflege. – Widerspruch hierzu höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 23 war Priorität der AfD-Fraktion unter der Nummer 4.4. Tagesordnungspunkt 53 A wurde bereits in Verbindung mit der Aktuellen Stunde behan- delt. Ich rufe auf lfd. Nr. 53 B: Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung schützen! Dringlicher Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/2225 Der Dringlichkeit haben Sie eingangs bereits zugestimmt. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags federführend an den Aus- schuss für Bildung, Jugend und Familie sowie mitbera- tend an den Ausschuss für Kultur, Engagement und De- mokratieförderung und an den Hauptausschuss. – Wider- spruch höre ich nicht. Dann können wir so verfahren. (Bettina König) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6070 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Ich rufe auf lfd. Nr. 53 C: Vergrößerung von Ausschüssen Dringlicher Antrag der Fraktion der CDU, der Fraktion der SPD, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2226 Der Dringlichkeit haben Sie eingangs bereits zugestimmt. Vorgesehen ist eine sofortige Abstimmung. Wer also den Antrag der Fraktion der CDU, der Fraktion der SPD, der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/2226 zur Vergrößerung von Ausschüssen annehmen möchte, den darf ich jetzt um das Handzeichen bitten. – Das sind die CDU-Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und die Linksfraktion. Gegenstimmen? – Bei Gegenstimmen der AfD-Fraktion ist der Antrag damit angenommen. Meine Damen und Herren! Damit sind wir am Ende unse- rer heutigen Tagesordnung. Die nächste Plenarsitzung findet am Donnerstag, dem 27. Februar 2025, wie immer um 10 Uhr statt. Die Sitzung ist damit geschlossen. Einen guten Heim- weg! (Präsidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6071 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Anlage Konsensliste Vorbehaltlich von sich im Laufe der Plenarsitzung ergebenden Änderungen haben Ältestenrat und Geschäftsführer der Fraktionen vor der Sitzung empfohlen, nachstehende Tagesordnungspunkte ohne Aussprache wie folgt zu behandeln: Lfd. Nr. 14: a) Verfassungsgemäße Überarbeitung des sogenannten „Neutralitätsgesetzes“ Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 22. Januar 2025 Drucksache 19/2187 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/1164 vertagt b) Gesetz zur Änderung des Neutralitätsgesetzes – Neutralitätsgesetz verfassungskonform anpassen und Diskriminierung von Hijab tragenden Frauen beenden Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 22. Januar 2025 Drucksache 19/2188 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1167 vertagt Lfd. Nr. 15: Erstes Gesetz zur Änderung des Berliner Bildungszeitgesetzes (BiZeitG) Beschlussempfehlung des Ausschusses für Arbeit und Soziales vom 23. Januar 2025 Drucksache 19/2210 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1410 vertagt Lfd. Nr. 17: Wahl von 26 Mitgliedern und 26 stellvertretenden Mitgliedern der Enquete-Kommission „Für gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung“ Wahl Drucksache 19/2068 vertagt Lfd. Nr. 18: Veräußerungsverbot von Berliner Liegenschaften aufrechterhalten – Verkauf des Stölpchenwegs 41 aussetzen Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 4. September 2024 Drucksache 19/1879 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/1801 vertagt Lfd. Nr. 20: Echter Klimaschutz statt Greenwashing: Berlin braucht einen klimagerechten Fahrplan für die Fernwärme Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Betriebe vom 18. November 2024 Drucksache 19/2042 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/1638 vertagt Lfd. Nr. 21: Freiheit und Privatsphäre schützen – Recht auf Bargeld im Grundgesetz verankern Beschlussempfehlung des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 15. Januar 2025 Drucksache 19/2170 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1747 mehrheitlich – gegen AfD – abgelehnt Lfd. Nr. 23: Der Digitale Euro ist eine Gefahr für Datenschutz und Freiheit – Entscheidung gehört auf nationale Ebene! Beschlussempfehlung des Ausschusses für Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 15. Januar 2025 Drucksache 19/2172 Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6072 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1997 mehrheitlich – gegen AfD – abgelehnt Lfd. Nr. 24: Für eine zukunftsweisende Neuerrichtung der Bauakademie Beschlussempfehlung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 9. Dezember 2024 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 22. Januar 2025 Drucksache 19/2186 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1040 mehrheitlich – gegen GRÜNE und LINKE – abgelehnt Lfd. Nr. 25: Betroffene reden mit – Einberufung eines Betroffenenbeirates zur Begleitung des Landesaktionsplanes zur Umsetzung der Istanbul-Konvention Beschlussempfehlung des Ausschusses für Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung vom 23. Januar 2025 Drucksache 19/2192 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2029 einstimmig – bei Enthaltung GRÜNE, LINKE und AfD – in geänderter Fassung und mit neuer Überschrift ange- nommen Lfd. Nr. 26: Streikrecht von Auszubildenden verteidigen Beschlussempfehlung des Ausschusses für Bildung, Jugend und Familie vom 23. Januar 2025 Drucksache 19/2193 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1224 mehrheitlich – gegen GRÜNE und LINKE – abgelehnt Lfd. Nr. 27: Windenergieanlagen in Berlin umweltfreundlich umsetzen Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Betriebe vom 27. Januar 2025 Drucksache 19/2195 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/1623 mehrheitlich – gegen GRÜNE und LINKE – auch mit geändertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 28: Berliner Industrialisierungsoffensive (BIO) I – Regionale Industrialisierung Berliner Technologieentwicklungen ausbauen Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Betriebe vom 27. Januar 2025 Drucksache 19/2196 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/1937 mehrheitlich – gegen GRÜNE und LINKE – abgelehnt Lfd. Nr. 29: Berliner Industrialisierungsoffensive (BIO) II – Greentech-Sektor auf die Überholspur setzen Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Betriebe vom 27. Januar 2025 Drucksache 19/2197 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/1938 mehrheitlich – gegen GRÜNE bei Enthaltung LINKE – abgelehnt Lfd. Nr. 30: Mobilität für Berlin I – Baustellenkoordination verbessern Beschlussempfehlung des Ausschusses für Mobilität und Verkehr vom 29. Januar 2025 Drucksache 19/2208 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1265 mehrheitlich – gegen AfD – abgelehnt Lfd. Nr. 32: Digitalisierung umsetzen – Digitalgesetz für Berlin schaffen Beschlussempfehlung des Ausschusses für Digitalisierung und Datenschutz vom 27. Januar 2025 Drucksache 19/2215 zum Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/1501 mehrheitlich – gegen GRÜNE und LINKE – abgelehnt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6073 Plenarprotokoll 19/61 13. Februar 2025 Lfd. Nr. 39: Transparenz bei städtebaulichen Verträgen schaffen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/2111 an StadtWohn Lfd. Nr. 40: Ehemaliges Straßenbahndepot in Schöneberg: Bezirkliche Bedarfe berücksichtigen und Zwischennutzung ermöglichen! Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/2112 vertagt Lfd. Nr. 41: Rahmenkonzept Kulturelle Bildung Berlin weiterdenken! Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 19/2153 vertagt Lfd. Nr. 42: Kulturelle Identität stärken I: Förderung klassischer Theaterstücke Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2167 vertagt Lfd. Nr. 43: Kunst und Denkmale im öffentlichen Raum schützen – Gegen Vandalismus und ideologische Eingriffe Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2168 vertagt Lfd. Nr. 45: Freibad für Marzahn-Hellersdorf! Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2212 an Sport und Haupt Lfd. Nr. 46: Jüdisches Altenheim Gerlachstraße: Würdiges und dauerhaftes Gedenken an einen Ort nationalsozialistischen Terrors ermöglichen! Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2213 vertagt Lfd. Nr. 47: Transparente Liegenschaftspolitik im Umgang mit DDR-Garagenkomplexen umsetzen Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2214 vertagt