VollstÀndige Mitschrift der Sitzung 64, 2025-03-27.
Sprach am meisten: Rolf Wiedenhaupt (4% Wörter). Redner: 72, Wortmeldungen: 173.
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe GĂ€ste und Zuschauer! Ja, Berlin steht vor groĂen Herausforderungen. Wenn eine Auto- bahnbrĂŒcke gesperrt werden muss, weil sie ihre Lebens- dauer ĂŒberschritten hat, und das zu einem Verkehrschaos fĂŒhrt, und zwar weit ĂŒber das engere Umfeld hinaus, dann ist das nicht nur Ă€rgerlich, sondern tatsĂ€chlich chaotisch. Und wenn die BVG streikt und damit Hunderttausende Pendlerinnen und Pendler nicht von A nach B kommen, dann ist das natĂŒrlich etwas, womit wir uns ernsthaft beschĂ€ftigen mĂŒssen. Und wenn die S-Bahn-ZĂŒge zu alt sind und es dadurch zu AusfĂ€llen und VerspĂ€tungen kommt, dann merken das viele Menschen in dieser Stadt. Das ist natĂŒrlich nicht der Anspruch, den wir an die Bun- deshauptstadt Berlin haben. Wir mĂŒssen diese Probleme ernst nehmen, und wir neh- men sie als Koalition ernst. Ich lade Sie herzlich dazu ein, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Aber wer eine Aktuelle Stunde betitelt mit ââKrise, wel- che Krise?â â BrĂŒckendesaster, endloser BVG-Streik, versemmelte S-Bahn-Ausschreibung: Wo ist die Ver- kehrssenatorin?â, der verkennt den Ernst der Lage und verweigert sich der RealitĂ€t, und der zeigt â das haben Sie, lieber Werner Graf, gerade mit Ihrer Rede noch einmal deutlich gemacht â, dass er nicht willens und nicht in der Lage ist, Verantwortung fĂŒr diese Stadt zu ĂŒbernehmen. [Beifall bei der CDU â
Sie regieren doch!] Kommen wir mal zu den inhaltlichen Dingen, zu den BrĂŒcken und der Infrastruktur: Etwa 850 BrĂŒcken werden im Land Berlin vom Land Berlin verwaltet. Nur 21 Prozent davon befinden sich in gutem oder sehr gutem Zustand. 120 BrĂŒcken sind in Planung, mit einem Investi- tionsvolumen von 1 Milliarde Euro. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass solche BaumaĂnahmen drei, vier, fĂŒnf, sechs, sieben und manchmal mehr Jahre dauern. Behalten Sie das gerne mal im Hinterkopf! Sie haben die BVG angesprochen. Da gibt es schlechte Arbeitsbedingungen. DarĂŒber haben wir sehr intensiv im Ausschuss, aber auch hier gesprochen. Sie haben die BVG mit neuen Experimenten, ich sage nur Muva und verschiedene andere Dinge, immer wieder herausgefor- dert und belastet. Inzwischen gibt es 78 VBB-Tarifan- gebote. Die Tarifersatzleistungen sind in Ihrer Zeit um ĂŒber 522 Prozent gestiegen. (Werner Graf) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6295 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Sie haben durch Ihre Gesetzesvorhaben Baustellen in dieser Stadt verzögert und zum Teil verunmöglicht. Sie haben nicht in die Infrastruktur investiert. Sie haben bei den I-Planungen in der Zeit, wo Sie regiert haben, deut- lich ĂŒberzeichnet. Sie haben Doppelstrukturen aufgebaut. Und ĂŒber die Personalpolitik, die Sie an den Tag gelegt haben, mit der Fehlbesetzung von 2020 bis 2023 und dem einen Jahr Vakanz, bis dann endlich der neue Vorstands- vorsitzende ins Amt kam â â Das fiel alles in Ihre Ver- antwortung. Was die S-Bahn angeht: Die Ausschreibung hat 2020 begonnen. Merken Sie sich gut die Jahreszahl! DarĂŒber, wie der Stand aktuell ist, wird Senatorin Bonde Sie si- cherlich gleich in Kenntnis setzen. Merken Sie was bei dem, was ich gerade zur BVG, zu den BrĂŒcken und zur S- Bahn erzĂ€hlt habe? Das alles fĂ€llt in die Zeit Ihrer Regierungsverantwortung. Die Frage mĂŒsste doch lauten: Wo waren denn Senatorin GĂŒnther und Senatorin Jarasch in den sieben Jahren, in denen das, was wir heute hier erleben, in dieser Stadt verantwortet wurde? Und wo, verehrte Kolleginnen und Kollegen Parlamentarier, waren denn Sie in der Zeit? Was haben Sie denn gemacht? Sie haben notwendige Investitionen unterlassen. Sie haben konsumiert, statt zu investieren. Sie haben gestritten und gezaudert, anstatt endlich mal zu entscheiden und diese Stadt ein StĂŒck voranzubringen. Sie haben immer neue Gesetze erlassen, Sie haben Genehmigungsverfahren verlangsamt, und Sie haben Ausschreibungen in GröĂenordnungen verkompli- ziert. Das ist die RealitĂ€t. Wer sich heute hier hinstellt und sagt, eine Senatorin, einer Regierungskoalition, die noch nicht mal zweieinhalb Jahre im Amt ist, hĂ€tte all das zu vertreten, der muss sich ehrlicherweise fragen: Wie ernst nimmt er die Berlinerinnen und Berliner? Aber ich glaube, es ist in Anbetracht der Probleme nicht die Zeit, um in die Vergangenheit zu schauen. Wir mĂŒs- sen Zukunft gestalten. Wir mĂŒssen endlich Probleme lösen. DafĂŒr sind wir angetreten. Wir sind Teil der Lö- sung und nicht, wie Sie, Teil des Problems. Und jetzt schauen wir uns mal an, was wir in der KĂŒrze der Zeit gemacht haben. Wir wollen ĂŒber das Thema SIWA, das einzige echte Investitionsprogramm, das damals von einer Koalition aus SPD und CDU geschaffen wurde â â Das Einrich- tungsgesetz ist im Jahr 2014 gemacht worden. Da wurde in die Infrastruktur investiert. â Das ist das Erste. Das Zweite: Wir haben zum Thema Planungsbeschleuni- gung â â Ich erinnere mich sehr intensiv an die Diskus- sionen, die wir gefĂŒhrt haben: Wie können Sie nur? Wie können Sie das Berliner StraĂengesetz vereinfachen? Wie können Sie Genehmigungsfiktion einfĂŒhren? Wie können Sie dafĂŒr sorgen, dass Standards im Bereich Umwelt und Denkmalschutz ein StĂŒck weit auf ein NormalmaĂ redu- ziert werden? â Alles das haben wir gegen Ihren Wider- stand durchgesetzt. Wir haben die Standards reduziert. Wir haben uns auf einzelne Vorhaben fokussiert, und wir verzetteln uns nicht mehr in 1 000 neuen Ideen, die mal ideologisch getrieben sind, mal irgendeinen regionalen Ansatz haben, sondern wir sagen: Es gibt ganz klare Herausforderungen. Es gibt eine ganz klare PrioritĂ€tenlis- te, und danach wird gearbeitet. Und wir haben dafĂŒr gesorgt, dass im Haushalt Wahrheit und Klarheit entsteht. Endlich einmal! Schauen Sie sich mal an, wie ĂŒberzeichnet Ihre Haushalte waren, wie die MittelabflĂŒsse waren! Das war alles nichts als ein Schau- spiel. Wir haben â Frau Bonde wird es vermutlich gleich sagen â mit dem Masterplan BrĂŒcken jetzt endlich, nach- dem Sie sieben Jahre lang nichts getan haben, dafĂŒr ge- sorgt, dass jetzt endlich in die BrĂŒcken vernĂŒnftig inves- tiert wird. Das BVG-Stabilisierungskonzept hat Henrik Falk zu- sammen mit Senatorin Bonde auf den Weg gebracht, und es zeigt erste Erfolge. Das sind alles Dinge, die in der KĂŒrze der Zeit, in der wir regieren, passiert sind. Wir haben die U-Bahn-Planungen vorangetrieben. Ich nenne nur die U 2, die U 7, die U 8 und die U 9. Wir haben uns um den Waisentunnel gekĂŒmmert, eine ganz wichtige Verbindung fĂŒr die U-Bahn, denn so kann Be- triebssicherheit deutlich erhöht werden. Auch da haben Sie nichts getan. Wir haben die S 21 endlich in ein Plan- feststellungsverfahren gebracht. Auch die Tangentialverbindung Ost befindet sich jetzt im Planfeststellungsverfahren, nachdem Sie jahrelang ein- fach nur diskutiert haben, ohne voranzukommen. Und nachdem wir gesagt haben, wir machen jetzt das Planfest- stellungsverfahren, ist Ihnen eingefallen: Moment, da mĂŒssen wir noch mal drĂŒber nachdenken. Da gibt es eine Nahverkehrstangente. Also mĂŒssten wir auch das Plan- feststellungsverfahren eigentlich erst noch einmal anhal- ten und noch mal ganz von vorne anfangen. â Das ist die RealitĂ€t. Wir haben endlich vorausschauende Verkehrsplanung gemacht, und zwar nicht nur immer StĂŒck fĂŒr StĂŒck. Wir haben dafĂŒr gesorgt, dass die Senatsverwaltung fĂŒr Stadt- entwicklung, Bauen und Wohnen und die Senatsver- (Johannes Kraft) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6296 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 waltung fĂŒr MobilitĂ€t, Umwelt, Verkehr und Klimaschutz endlich, wenn es um die dringend notwendigen Bauvor- haben geht, miteinander kommunizieren, dass sie ĂŒber- greifend ĂŒber die einzelnen Baufelder und Baugebiete nachdenken, Untersuchungen machen und planen. Wir arbeiten, das wissen auch Sie von der Opposition, sehr intensiv an der dringend notwendigen Verwaltungs- reform. Diese ist auf einem sehr guten Weg, und sie wird, auch wenn es jetzt noch nicht zu merken ist, dafĂŒr sorgen, dass die Grundlagen dafĂŒr geschaffen werden, dass diese Stadt endlich wieder funktioniert. Wenn Sie ernsthaftes Interesse daran haben, die Probleme dieser Stadt zu lösen, dann arbeiten Sie gemeinsam mit uns daran und unterlassen Sie solche populistischen Themensetzungen, denn das wird den Herausforderungen, den AnsprĂŒchen und den BedĂŒrfnissen der Menschen in dieser Stadt nicht gerecht. Lassen Sie uns diese Krise, ich glaube, ich habe es ganz ordentlich herausgearbeitet, die Sie mindestens mit verursacht haben, als Chance verstehen â auch mit dem, was die neue Bundesregierung uns an Investitions- mitteln zur VerfĂŒgung stellen wird. â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die Linksfraktion hat der Kollege Ronneburg das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Infrastruktur in unserer Stadt â Schienen, StraĂen, Rad- und FuĂwege, unsere BVG, unsere S-Bahn, der Regional- und Fernverkehr â ist entschei- dend fĂŒr die MobilitĂ€t unserer BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. Sie ermöglicht Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Sie gewĂ€hrleistet MobilitĂ€t, um von A nach B zu kommen. Sie ist entscheidend fĂŒr unsere Wirtschaft. Am Ende ist sie ĂŒberlebenswichtig: Sie sichert das Funktionieren un- serer Stadt. Aber da ist etwas ins Rutschen geraten in den letzten Jahren und Jahrzehnten: Nicht nur der Zahn der Zeit, sondern unterlassene Investitionen der vergangenen Jahr- zehnte in Erhalt und Modernisierung, falsche PrioritĂ€ten bei neuen Verkehrsprojekten, die die autogerechte Stadt konservieren und nicht ĂŒberwinden sollen, extrem hohe Verkehrsbelastungen, fĂŒr die unser Verkehrssystem nie geplant und ausgerichtet war und denen es nicht lange standhĂ€lt, lassen unsere Infrastruktur StĂŒck fĂŒr StĂŒck zerbröseln. Es vergeht gefĂŒhlt kein Tag in Berlin, an dem nicht verkĂŒndet wird, dass eine StraĂe, eine BrĂŒcke oder wie jetzt vor wenigen Tagen sogar die RingbahnbrĂŒcke ĂŒber der A 100 â der am stĂ€rksten befahrene Autobahn- abschnitt in Deutschland, der gleichermaĂen völlig ĂŒber- lastet ist â gesperrt werden muss. Ein anderes erschreckendes Beispiel, das vielleicht etwas kleiner ist, aber vielleicht doch umso bemerkenswerter: Neuerdings werden in Berlin auch StraĂenbahnstrecken stillgelegt, wie am Ostkreuz. Wegen VerschleiĂ, weiter andauernder Planungen fĂŒr eine Neubaustrecke und weil es sich angeblich nicht mehr lohne zu sanieren, soll die Bestandsstrecke der Linie 21 Ende des Jahres stillgelegt werden: Bus statt StraĂenbahn auf der Linie 21 in Fried- richshain â mehrere Jahre. Liebe Kolleginnen und Kolle- gen, das können wir nicht hinnehmen! Es darf bei der Infrastruktur nicht gespart werden. Daran geht unsere Stadt kaputt und damit auch das Vertrauen der BĂŒrgerin- nen und BĂŒrger in die Politik. Deswegen darf in einer solchen Debatte nicht zuerst SymptombekĂ€mpfung im Vordergrund stehen, sondern es muss Ursachenforschung gemacht werden, um die richti- gen Lehren daraus zu ziehen. Wie konnte es in Berlin und in Deutschland ĂŒberhaupt zu diesem beklagenswerten Zustand der öffentlichen Infrastruktur kommen? Wir reden hier nicht ĂŒber ein Einzelversagen, sondern ĂŒber die Folgen jahrelangen Sanierungsstaus â nicht nur auf Autobahnen, sondern bei der gesamten öffentlichen Infra- struktur. Das waren politische Entscheidungen. Das ist eine direkte Folge der Schuldenbremse, die 2009 die öffentlichen Investitionsmöglichkeiten massiv eingeschrĂ€nkt hat â und diese Schuldenbremse muss weg! [Beifall bei der LINKEN â Vereinzelter Beifall bei den GRĂNEN â
Bravo!] Verkehrssenatorin Bonde ist nicht fĂŒr alle SĂŒnden der Vergangenheit persönlich verantwortlich. FĂŒr die CDU sieht das aber schon ein bisschen anders aus. Sie haben mit Ihrer Politik der schwarzen Null und der Schulden- bremse der öffentlichen Hand Fesseln angelegt, um aus- reichend in die Infrastrukturen der Daseinsvorsorge zu investieren: in den ĂPNV, in die Schiene, in stabile BrĂŒ- cken. Diese Entscheidung hat natĂŒrlich Auswirkungen auf den heute zu beklagenden FachkrĂ€ftemangel und fehlende BaukapazitĂ€ten. Wenn der Staat als Investor ausfĂ€llt, dann fehlt auch die Nachfrage, und wenn dauer- haft kein Auftrag hereinkommt, dann entstehen auch keine KapazitĂ€ten. Diese kann man nicht einfach herzau- bern, sie wachsen nur, wenn es klare und langfristige Signale auch der öffentlichen Hand gibt. Die politische (Johannes Kraft) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6297 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Devise muss daher lauten: Wir investieren verlĂ€sslich und dauerhaft. Das Sondervermögen auf Bundesebene mag ein erster Schritt sein, aber zwölf Jahre sind eben nicht dauerhaft und die Mittel, die die LĂ€nder zusĂ€tzlich erhalten, reichen schlicht nicht aus. Wir mĂŒssen daher in Berlin ĂŒber poli- tische PrioritĂ€ten sprechen und auch in die Vergangenheit schauen, was dort fĂŒr Fehler passiert sind. HĂ€tte man vor 15 Jahren Sanierung vor Neubau gestellt, zum Beispiel bei den AutobahnbrĂŒcken, statt Milliarden in die VerlĂ€n- gerung der A 100 zu stecken, stĂ€nden wir heute anders da. Deshalb sollte doch jetzt klar sein, und wir erwarten dazu auch klare Aussagen der schwarz-roten Koalition: Das Geld aus dem Sondervermögen muss in den Erhalt der bestehenden Infrastruktur flieĂen, nicht in rĂŒckwĂ€rts- gewandte Verkehrsprojekte wie die VerlĂ€ngerung der A 100. Das können wir uns nicht leisten, wenn gleichzeitig unse- re BrĂŒcken im Schneckentempo saniert werden â und fĂŒr das Schneckentempo ist nicht in erster Linie zu viel BĂŒ- rokratie, die Kreuzkröte oder der Spatz verantwortlich, sondern vielmehr ein unterbesetzter öffentlicher Dienst, dem es an Leuten fehlt, die diese Verfahren auch zĂŒgig bearbeiten können. In der ersten HĂ€lfte der Zehnerjahre hat der SPD/CDU-Senat nichts unternommen, um eine Trendwende einzuleiten, erst unter R2G wurde damit begonnen â und jetzt mit einer schwarz-roten Koalition warnt der Hauptpersonalrat angesichts der KĂŒrzungen, dass es erneut in die andere Richtung gehen könnte. Das mĂŒssen wir verhindern! Ebenso mĂŒssen wir verhindern, dass die jetzt vom Ver- kehrschaos am Autobahndreieck Funkturm hart getroffe- nen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger diese Misere ausbaden mĂŒs- sen. Sie können erwarten, dass es einen Senat gibt, der ihnen zuhört, der ihre Probleme ernst nimmt und mit Bezirksamt, Autobahn und DEGES zusammenarbeitet. Das scheint auf der fachlichen Ebene nun mittlerweile gut zu funktionieren, aber es musste erst einmal ordentlich krachen, ehe von der politischen Hausleitung der Senats- verwaltung Verantwortung ĂŒbernommen worden ist. Sie hatten seit der Teilsperrung der BrĂŒcke, bis es zur Voll- sperrung kam, ĂŒber eine Woche Zeit, ein Verkehrskon- zept zu erstellen. Jetzt ging es innerhalb weniger Tage, nachdem die Vollsperrung bekannt wurde. Warum nicht vorher? Brauchte es wirklich erst das Chaos der vergan- genen Woche? Warum musste der Bezirk erst mit Not- maĂnahmen reagieren und NebenstraĂen abriegeln, um Schlimmeres zu verhindern? So geht das nicht, das wĂ€re vermeidbar gewesen, wenn der Senat nicht auf das Prin- zip Hoffnung gesetzt hĂ€tte. Senatorin Bonde, wir appellieren an Sie: Tun Sie alles dafĂŒr, den Schwerlastverkehr aus den Kiezen herauszu- bringen, unterstĂŒtzen Sie Charlottenburg-Wilmersdorf dabei, das Verkehrsberuhigungskonzept umzusetzen, sorgen Sie natĂŒrlich fĂŒr einen schnellen Abriss und schnellen Neubau, und sorgen Sie vor allem dafĂŒr, dass jetzt die Anwohnerinnen und Anwohner ordentlich in- formiert werden â sie haben viele Fragen, Sorgen und Nöte. Das muss ernst genommen werden. Senatorin Bonde! Als wir vor zwei Sitzungen ĂŒber die Krise bei der BVG, die Tarifverhandlungen und die Streiks der BeschĂ€ftigten der BVG sprachen, da stellten Sie sich hier hin und behaupteten: âKrise? Welche Kri- se?â Ich habe es beobachtet, ich war nicht der Einzige im Saal, der da etwas unglĂ€ubig geschaut hat. Ich habe auch das GefĂŒhl, dass diese Aussage nicht von einer Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner so getragen wird. Ich sage: Angesichts von VerspĂ€tungen, von immer hĂ€ufiger ausfallenden Bussen und Bahnen verbietet es sich schon aus Respekt gegenĂŒber den FahrgĂ€sten, die auch WĂ€hle- rinnen und WĂ€hler sind, so etwas zu behaupten. Es verbietet sich auch, wenn wir sehen, wie hart die Be- schĂ€ftigten der BVG gerade dafĂŒr kĂ€mpfen, dass es fĂŒr sie und ihre Familien hier in Berlin bei der BVG eine Zukunft geben kann. FĂŒr viele ist die BVG eine Familie, Sie wissen das nur zu gut, Frau Bonde! Das weiĂ ich auch, aber deswegen hĂ€tte ich mir hier auch andere Aus- sagen gewĂŒnscht, und nein, ein Streikverzicht wĂŒrde die Verkehrsprobleme am Autobahndreieck nicht lösen. Wir sagen: Es ist jetzt die Zeit gekommen, die BeschĂ€f- tigten der BVG nicht weiter gegen die FahrgĂ€ste in dieser Stadt auszuspielen, sondern ein vernĂŒnftiges Angebot seitens des Unternehmens vorzulegen, das sicherstellt, dass bei Löhnen und bei den Arbeitsbedingungen ein solcher AttraktivitĂ€tssprung stattfindet, der dafĂŒr sorgt, dass wir die Menschen bei der BVG halten und dass sie nicht ins Umland abwandern. Niemand kann doch erklĂ€ren, warum gerade Berliner Fahrerinnen und Fahrer im bundesweiten Vergleich das Schlusslicht sein sollen. Wir mĂŒssen konstatieren: Es gab Reallohnverluste in den letzten Jahren. Das mĂŒssen wir alles einmal zur Kenntnis nehmen. Ja, wir sind auch der Auffassung, dass der Senat die BVG bei der Finanzierung nicht allein lassen darf. Wir haben Ihnen hier VorschlĂ€ge fĂŒr weitere Finanzierungsinstrumente fĂŒr den Nahverkehr auf den Tisch gelegt â ĂŒber keinen einzigen will die Koa- lition bisher ernsthaft reden. Das ist aus unserer Sicht Arbeitsverweigerung, und der nĂ€chste Senat wird das dann richtig schön ausbaden können. (Kristian Ronneburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6298 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Wir erleben bisher also im Betrieb eine groĂe SolidaritĂ€t und eine groĂe Einigkeit, und wir mĂŒssen diesen Men- schen, wie gesagt, auch gerade jetzt im Tarifstreit den RĂŒcken stĂ€rken und ihnen unseren Respekt und unsere Anerkennung ausdrĂŒcken. Dazu wĂŒrde auch zĂ€hlen, dass Sie, Frau Bonde, weiterhin dafĂŒr sorgen, dass wir mit der neuen StVO etwas an der OberflĂ€che machen, damit die Busfahrerinnen und Busfahrer schneller durchkommen. Wir mĂŒssen mehr auf Busspuren und Ampelvorrang- schaltungen setzen. Das ist die Verantwortung des Senats. Daran werden wir Sie immer wieder messen. Und wenn es jetzt zu einer Schlichtung kommen sollte, dann, sage ich mal, wĂ€re Gregor Gysi wahrscheinlich eine gute Wahl. Er hat ja schon vor 20 Jahren beim Tarif- streit bei der Berliner S-Bahn vermittelt. Apropos S-Bahn: Was macht eigentlich die S-Bahn-Aus- schreibung? Man musste schon sehr den Kopf schĂŒtteln ĂŒber die BegrĂŒndung fĂŒr die siebte Verschiebung der Abgabefrist fĂŒr die neuen S-Bahn-Fahrzeuge. Da war doch die Rede davon, dass Berlin und Brandenburg wie- der darĂŒber debattieren, ob die neuen Fahrzeuge von 750 Volt auf 1 500 Volt umrĂŒstbar sein mĂŒssen. Die Entscheidung dazu ist getroffen worden. Man kann sie gut oder schlecht finden, es gibt Vor- und Nachteile, das streite ich gar nicht ab. Aber keine Regierung, weder die in Berlin noch die in Brandenburg, kann es sich leis- ten, diese Debatte neu vom Zaun zu brechen, es sei denn, sie will die Ausschreibung bewusst noch bis zu den nĂ€chsten Abgeordnetenhauswahlen verschieben, weil sie mit einem Scheitern rechnet. Der Zustand der alten S- Bahn-Fahrzeuge wird damit allerdings nicht besser. Das mag vielleicht auch noch mal ein kleiner Hinweis an Herrn Kraft sein: Wenn Sie jetzt ausfĂŒhren, was Sie alles machen und dafĂŒr sorgen wĂŒrden, dass Dinge nicht ver- zögert werden â hier ist das Ihre ureigene Verantwortung, hier verzögern Sie ganz klar. Das kann man ganz klar nachweisen. Und wenn diese S-Bahn-Fahrzeuge nicht ersetzt werden, dann lĂ€sst 2009 grĂŒĂen, wie der Fahrgastverband richtig schreibt. Die damalige S-Bahn-Krise hatte die Deutsche Bahn zu verantworten. Eine bald nicht mehr abzuwen- dende Fahrzeugkrise ab 2030 werden dann die LĂ€nder Berlin und Brandenburg zu verantworten haben, denn es ist ĂŒbersichtlich: Wenn nicht gehandelt wird, ist die Situ- ation so: 2029 werden zehn Fahrzeuge abgestellt, ein Jahr spĂ€ter weitere zehn, 2031 weitere 19 â Herr Kollege, Sie mĂŒssten bitte zum Schluss kommen!
â und 2032 17 weitere Fahrzeuge. Diese Krise wĂ€re dann hausgemacht. Lassen Sie mich zusammenfassen: Dieser Senat muss dringend in den Erhalt dieser Infrastruktur investieren und in den öffentlichen Nahverkehr. Daran werden wir Sie messen. Wir werden Ihnen nicht durchgehen lassen, dass Sie in absurde Verkehrs- und Prestigeprojekte investieren wollen anstatt in das, was Berlin am Laufen hĂ€lt und das Funktionieren der Stadt sicherstellt. â Danke schön! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Kollege Schopf das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin zunĂ€chst erst mal sehr froh darĂŒber, dass die Auto- bahn GmbH durch die umfangreichen und dauerhaften Untersuchungen rechtzeitig auf die ZustandsverĂ€nderung der Rissbildung der RingbahnbrĂŒcke reagieren konnte. Nicht auszudenken, was geschehen wĂ€re, wenn die BrĂŒ- cke unter Volllast nachgegeben hĂ€tte und auf die darunter liegenden Bahngleise gestĂŒrzt wĂ€re. Ich denke in diesem Zusammenhang nicht an die Carola- brĂŒcke in Dresden, sondern in erster Linie an den Ein- sturz der AutobahnbrĂŒcke 2018 in Italien, in Genua, mit 43 Toten. Dann wĂŒrden wir hier heute im Plenum ĂŒber ein ganz anderes Thema sprechen. Wir stehen nun also vor groĂen verkehrlichen Herausfor- derungen. Das wurde gestern sowohl auf der Pressekon- ferenz als auch im Ausschuss fĂŒr MobilitĂ€t und Verkehr sehr deutlich. Deshalb ist das Gebot der Stunde, dass alle Akteure in Verantwortung handeln und nicht in ZustĂ€n- digkeiten denken. Es muss Hand in Hand gearbeitet wer- den, und es mĂŒssen tragfĂ€hige und langfristige Lösungen gefunden werden, gemeinsam. Diese erforderlichen Schritte wurden in den letzten Tagen eingeleitet und mit Hochdruck vorangetrieben. Auf der gestrigen Pressekon- ferenz, aber auch im Ausschuss haben wir erfahren, dass der Schwer- und Wirtschaftsverkehr weiterhin eine groĂe Herausforderung darstellt. Dabei geht es nicht nur um den Transit, sondern vor allem um die Versorgung unserer (Kristian Ronneburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6299 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Stadt. Der Senat muss nun schauen, wie sich das Nah- umfahrungskonzept und die Vorbehaltsrouten einspielen und inwieweit es tatsĂ€chlich zu einer Entlastung vor Ort fĂŒhrt. Auch wenn aus der Vollsperrung inzwischen eine Teil- sperrung geworden ist â auf der StraĂe kommt natĂŒrlich keine Freude auf. Die Situation bleibt angespannt fĂŒr alle, fĂŒr die, die mit dem Auto unterwegs sind, und auch fĂŒr jene, die derzeit damit beschĂ€ftigt sind, Lösungskonzepte zu entwickeln und zu erarbeiten. Auch das wurde gestern im Ausschuss fĂŒr MobilitĂ€t und Verkehr sehr deutlich. Mit der Vorstellung des Verkehrskonzepts wurde gestern Mittag ein weiterer wichtiger Schritt getan. NatĂŒrlich macht es mehr Freude, neue Bauwerke zu eröffnen und einzuweihen und BĂ€ndchen durchzuschneiden, aber das Land Berlin steht in Verantwortung fĂŒr 867 BrĂŒcken- bauwerke. Hier haben wir einen Sanierungsstau â Kolle- ge Kraft hat es angesprochen â in Höhe von 1 Milliarde Euro, und bei den U-Bahn-Tunneln im Westteil der Stadt haben wir einen Sanierungsstau in Höhe von 3 Milliarden Euro. Hier mĂŒssen wir jetzt die PrioritĂ€ten setzen und die bestehende Infrastruktur mit einem durchdachten Sanie- rungskonzept auf Vordermann bringen. Die hierfĂŒr benö- tigten Finanzmittel mĂŒssen wir, das Parlament â das sind wir â, zur VerfĂŒgung stellen. Da haben wir eine gemein- same Aufgabe, eine Hausaufgabe. Das 500-Milliarden- Euro Sondervermögen unter anderem fĂŒr die Infrastruktur ist ein richtiges und wichtiges Signal. FĂŒr uns ist aber auch klar, dass Berlin als Bundeshauptstadt und als Wirt- schaftsstandort weitere finanzielle ZuschĂŒsse erhalten muss. An der RingbahnbrĂŒcke wurden erste MaĂnahmen umge- setzt oder befinden sich in der Realisierung. Der Senat, die Autobahn GmbH, die DEGES, die Deutsche Bahn, die S-Bahn und die Bezirke stehen jetzt miteinander im Austausch. Gleichwohl mein Appell an die Senatorin: Das Orchester ist vollstĂ€ndig und hat seine PlĂ€tze einge- nommen. Jetzt liegt es an Ihnen als Dirigentin, dass alles ineinandergreift und alle Beteiligten gemeinsam spielen. Schiefe Töne, schrĂ€ge Töne dĂŒrfen wir uns jetzt in dieser Situation, bei diesen Herausforderungen, vor denen wir stehen, nicht leisten. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren fĂŒr den RĂŒck- und Ersatzneubau mĂŒssen mit PrioritĂ€t und Hoch- druck beschleunigt und umgesetzt sowie perspektivisch die FachkrĂ€fte, Planer und Ingenieure gebunden werden. Nur so gelingt es, den Verkehr in Berlin wieder in die Spur zu bringen. Das bringt mich zur BVG. Unsere Verkehrsbetriebe sind ein groĂartiges Unternehmen, aber dort lĂ€uft es seit drei, vier Jahren nicht mehr so gerĂ€uschlos wie frĂŒher. Im Vergleich zu anderen europĂ€ischen Metropolen haben wir nach wie vor einen exzellenten ĂPNV, der aktuell jedoch auf hohem Niveau schwĂ€chelt, sowohl beim Komfort und bei der ZuverlĂ€ssigkeit als auch bei der Zufriedenheit der BeschĂ€ftigten. Dieser RealitĂ€t muss sich die BVG stellen und sich anpassen, das bedeutet: Wer QualitĂ€t will, muss QualitĂ€t zahlen. Wenn das zu erwartende Einkommen potenzielle BeschĂ€ftigte davon abhĂ€lt, fĂŒr die BVG tĂ€tig zu werden beziehungsweise im Unternehmen zu bleiben, dann muss an dieser Stellschraube gedreht werden. Dabei muss klar sein: Es sind vor allem die Fahrerinnen und Fahrer der BVG, die unsere Stadt in Bewegung halten. Neben einem leistungsfĂ€higen, robusten und modernen ĂPNV sind sie es, die dazu beitragen, dass die Verkehrs- wende in Berlin gelingt. Ich hoffe, dass die Tarifverhandlungen dazu beitragen, die BVG im bundesweiten Vergleich attraktiver zu ma- chen als bisher. Denken wir an die Lebenshaltungskosten in unserer Stadt, dann wird klar, dass sich das auch im Portemonnaie der BeschĂ€ftigten widerspiegeln muss. Was seitens des Senats darĂŒber hinaus nötig ist, damit die BVG die verkehrlichen Bedarfe der Stadt wieder erfĂŒllen kann, ist ja hinreichend bekannt. Das hat mir die Senats- verwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt in ihrer Antwort auf meine Schriftliche Anfrage mitgeteilt: eine Erleichterung beim Erwerb der Berufs- kraftfahrerqualifikation, die Senkung des Mindestalters fĂŒr Busfahrerinnen und Busfahrer, die Anerkennung auslĂ€ndischer FĂŒhrerscheine, eine Digitalisierung bei der FĂŒhrerscheinausbildung, die Klassifizierung von Fahre- rinnen und Fahrern als Mangelberufe und vieles mehr. Inwieweit, Frau Bonde, haben Sie als Senatorin diese Prozesse bereits angestoĂen? Welche Bundesratsinitiati- ven haben Sie unternommen? Welche VorschlĂ€ge haben Sie in der Verkehrsministerkonferenz unterbreitet? Im Dezember wurde das StabilitĂ€tskonzept der BVG vorgestellt. Darauf muss sich die BVG jetzt konzentrieren, und hier ist auch der Senat gefordert. Und Sie, Frau Bonde, mĂŒs- sen das in Ihrem Haus zur Chefinnensache machen. Neben der Infrastruktur ist auch die Beschleunigung â das hat der Kollege Ronneburg angesprochen â des (Tino Schopf) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6300 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 ĂPNV von groĂer Wichtigkeit. Weil das nach wie vor in Berlin nicht gelingt, zahlen wir aktuell jedes Jahr 5 Mil- lionen Euro fĂŒr circa 100 zusĂ€tzliche Fahrerinnen und Fahrer, und das nur, um den Takt annĂ€hernd konstant zu halten. Dabei reden wir nicht ĂŒber Taktverdichtungen, wir reden nicht ĂŒber irgendwelche Angebotserweiterun- gen. Dieser Quatsch muss endlich aufhören. Da muss endlich Druck auf den Kessel gemacht werden. Die Lichtsignalanlagen sind auf ĂPNV-Beschleunigung anzupassen, und die Bussonderfahrstreifen sind endlich anzuordnen. Seit Freitag, Frau Senatorin, haben Sie alle Möglichkeiten dieser Welt. Nutzen Sie diese. Handeln Sie! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe es eingangs gesagt: In herausfordernden Zeiten ist es richtig, in Ver- antwortung zu handeln und nicht in ZustĂ€ndigkeiten zu denken. Nur so kommen wir in Berlin voran. Die Unter- stĂŒtzung, meine UnterstĂŒtzung und die meiner Fraktion, Frau Senatorin, die kann ich Ihnen hierbei zusichern. â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Wiedenhaupt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die RingbahnbrĂŒcke ist nicht nur eine kaputte BrĂŒcke. Sie ist nicht nur ein Verkehrsproblem. Sie ist ein Synonym. Sie steht fĂŒr das politische Versagen in unserer Stadt, fĂŒr den Zerfall der Infrastruktur, weil lieber Geld in Mig- rationspolitik gesteckt wird, fĂŒr den fehlenden politischen Gestaltungswillen, Berlin mobil und fĂŒr die Berliner attraktiv in die Zukunft zu fĂŒhren und fĂŒr die Ăberforde- rung einzelner Politiker, in Notsituationen anzupacken, prĂ€sent zu sein und zu handeln. Die Politik hat Berlin an einen Kipppunkt gebracht, an einen Punkt, an dem die ganze Infrastruktur unserer Stadt ins Wanken gerĂ€t und im wahrsten Sinne zu zerbröseln beginnt. Bereits die letzten Berliner Senate haben vom Verbrau- chen dessen gelebt, was frĂŒhere Generationen aufgebaut haben. Was tut dieser Senat? â Dieser Senat blendet ein- fach die RealitĂ€t aus. Herr Regierender BĂŒrgermeister! Ende 2024 haben Sie gesagt, im FrĂŒhling 2025 wird bei der BVG alles wieder laufen. â Okay. â Ich verweise auf die Verkehrssenatorin mit ihrer legendĂ€ren Aussage: âKrise? Welche Krise?â Die nĂŒchterne Bestandsaufnah- me zeigt allein in der Verkehrspolitik in Berlin ein Kabi- nett des Grauens. Ăber 60 marode BrĂŒcken warten seit Jahren darauf, sa- niert, erneuert oder ersetzt zu werden. Aber, liebe GrĂŒne- Fraktion, irgendwie ist bei Ihnen auch die RealitĂ€t verlo- ren gegangen. Herr Kollege Graf! Sie waren doch gestern im Verkehrs- ausschuss. Da hat der GrĂŒne-Verkehrsstadtrat Schruoffe- negger gesagt: Als er 2017 ins Amt kam, hat man ihm als erstes gesagt: Bitte sprich nicht die RingbahnbrĂŒcke an und nicht die A 100. Die könnte gesperrt werden, weil sie schon seit 2015 marode ist und saniert werden muss. Und ich erinnere noch einmal daran, Herr Kollege Graf: Bis 2021 war Berlin zustĂ€ndig fĂŒr die RingbahnbrĂŒcke. Erst dann hat die Autobahn GmbH ĂŒbernommen. Wo waren Sie denn da und die GrĂŒne-Verkehrssenatorin? Aber das hat Sie natĂŒrlich nicht interessiert, weil Sie lieber 1,5 Kilometer Pop-up-Radweg in der Karl-Marx- Allee gebaut haben, anstatt 1,5 Kilometer an der wich- tigsten Achse Berlins und Europas, der A 100 an dieser Stelle. Wahrscheinlich haben Sie so gehandelt, weil BrĂŒcken fĂŒr Sie auch nur fĂŒr LastenfahrrĂ€der Bedeutung haben. Aber das sei auch nur mal in Richtung von Rot-Rot-GrĂŒn gesagt. In der Ăberschrift haben Sie die Worte hineinge- schrieben: Endloser BVG-Streik. Es war doch der SPD-, Linke- und GrĂŒne-VorgĂ€ngersenat, der es zugelassen hat, dass die Löhne der BVG-BeschĂ€ftigten in Berlin auf das niedrigste Niveau in ganz Deutschland gesunken sind. Obwohl Sie wissen â natĂŒrlich waren Sie da mit drin â, dass die Anforderungen an die Mitarbeiter da auch be- sonders hoch sind. (Tino Schopf) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6301 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Deshalb habe ich persönlich fĂŒr die beiden Streiktage in dieser Woche wenig VerstĂ€ndnis, weil wir kurz vor der Schlichtung stehen. Aber eines muss auch klar sein: Die Forderungen der BVG-Mitarbeiter sind berechtigt, weil die politische FĂŒhrung in Berlin geschlafen hat. Eine BVG, bei der Busse keinen Fahrer haben, U-Bahnen keine ZĂŒge und das ganze System kein Geld, weil der Senat systematisch die Finanzierung der notwendigen MaĂnahmen einstellt, eine S-Bahn, die gut gemanagt wird, aber durch einen politischen Totalkollaps im Aus- schreibungsprozess an die Wand gestellt wird und eine Verkehrssenatorin, die die RealitĂ€t ausblendet oder lieber verreist, das ist alles aber genau das Gegenteil von âdas Beste fĂŒr Berlinâ. Die Berliner wĂŒrden sagen: Dit war wieda Neese. Was ist zu tun? â Wir benötigen jetzt ein ausfinanziertes BrĂŒckensanierungsprogramm. Wir mĂŒssen 63 BrĂŒcken mittelfristig sanieren oder ersetzen, 7 davon in kĂŒrzester Zeit. Wir benötigen eine schnelle, konkrete Bestellung der neuen U-Bahn-Wagen. Das wĂŒrde, Frau Senatorin, auch die Mitarbeiter bei Stadler ausdrĂŒcklich beruhigen. Wir mĂŒssen die gesamte darniederliegende Infrastruktur unserer Stadt angehen. DafĂŒr mĂŒssen wir jetzt in die Investitionsplanung die notwendigen Mittel einstellen und im nĂ€chsten Doppelhaushalt, in den kommenden Doppelhaushalten, im Kernhaushalt budgetieren. Es reicht nicht, dass die Verkehrssenatorin einen Masterplan BrĂŒcken ankĂŒndigt und priorisieren will. Wir mĂŒssen jetzt sicherstellen, dass diese Arbeiten auch finanziell durchgefĂŒhrt werden können. Genau das tut der Senat nicht. Die Einsparung im Dritten Nachtragshaushalt, die vor Kurzem vorgelegte Investitionsplanung, kĂŒrzt das Enga- gement in den ĂPNV und setzt waghalsige alternative Finanzierungsformen. Lieber Senat! Ich finde alternativ fĂŒr Berlin richtig gut, aber das gilt nicht fĂŒr waghalsige Finanztransaktionen, die beispielsweise auch dem Landesrechnungshof die Sorgenfalten aufs Gesicht treiben. Was wir benötigen, ist ein völlig anderes Herangehen an die Probleme unserer Stadt. Wir mĂŒssen wieder den Wil- len haben, Berlin zum Funktionieren zu bringen. Da ist ein Schneller-Bauen-Gesetz sicherlich ein guter Anfang. Aber wir mĂŒssen auch diese Vorschriften- und BĂŒrokra- tiewand einbrechen. Was mich gestern beeindruckt hat, das möchte ich des- halb hier noch mal ausdrĂŒcklich sagen, ist, dass die Auto- bahngesellschaft, die am Anfang sicherlich ein schlechtes Krisenmanagement gezeigt hat, auch weil der Senat nicht da war, gestern zur Frage der Sanierung und der Zukunft Folgendes gesagt hat: Wir werden uns jetzt mit Ingenieu- ren zusammensetzen und in zwei Wochen klĂ€ren, was wir fĂŒr diese BrĂŒcke brauchen. Wir werden in weiteren zwei Wochen das Ausschreibungsverfahren noch vor Ostern auf den Weg bringen. Wir werden nicht, wie sonst, nur den Abriss ausschreiben und dann irgendwann mit Zeit- verzögerung den Neubau, sondern werden gleichzeitig sowohl den Abriss als auch den Neubau ausschreiben. Und wir werden hineinschreiben, dass 24/7 gearbeitet wird. Wir werden hineinschreiben, dass es eine finanziel- le Belohnung gibt, wenn die Bauunternehmen schneller arbeiten. Liebe Berliner! Ich frage mich, warum machen wir das nicht immer so? Warum ist die Politik in dieser Stadt so eingefroren? Warum kann man nicht diese neuen Wege auch mal an- gehen? Wir, die AfD, möchten nicht nur, dass die A 100 so schnell wie möglich wieder vollstĂ€ndig befahrbar ist, wir wollen, dass diese Stadt endlich wieder zum Funktio- nieren kommt. Das geht nur, wenn wir den Willen zum Besseren nicht nur mit Worten artikulieren, sondern end- lich auch umsetzen. Ein letzter Satz: Frau Senatorin! Sie sind gestern nicht darauf eingegangen. Ich habe Sie im Ausschuss gebeten, aufgefordert, doch endlich mit den BĂŒrgern in Charlot- tenburg, die unter diesem Verkehrskollaps so unsĂ€glich leiden, in Kontakt zu treten. Ich weiĂ, das kostet Mut, aber das gehört in der Politik dazu. Gehen Sie auf die Charlottenburger zu. Machen Sie den BĂŒrgerdialog auf, informieren Sie die Menschen vor Ort. Hören Sie sich die Klagen der Menschen an! Das haben die Charlottenbur- ger und Charlottenburgerinnen verdient, denke ich. In diesem Sinne, lassen Sie uns dieses tragische Beispiel der RingbahnbrĂŒcke zum Anlass nehmen, in dieser Stadt umzudenken und die Infrastruktur in Berlin nach vorne zu bringen. Die Berliner haben es verdient. Wir haben es in Berlin verdient. â Herzlichen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr den Senat spricht nun die Senatorin fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. â Bitte sehr, Frau Senatorin Bonde! (Rolf Wiedenhaupt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6302 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Der Infrastruktur- und insbesondere der Verkehrsbereich in Berlin stehen inmitten von und vor weiteren groĂen Herausforderungen. Es ist richtig, dass die A-100-BrĂŒcke am Dreieck Funkturm in einem besorgniserregenden Zustand ist, die BVG wiederholt von ver.di â so auch am heutigen Tage â bestreikt wird, die S-Bahn-Ausschreibung seit ĂŒber einem halben Jahr- zehnt â ich wiederhole: seit ĂŒber einem halben Jahr- zehnt â an dem Markt ist; âseit ĂŒber einem halben Jahr- zehntâ wird uns spĂ€ter erneut begegnen. Das sind ZustĂ€nde, die ich sehr bedauere, weil sie die Berlinerinnen und Berliner erheblich belasten und in ihrer MobilitĂ€t einschrĂ€nken. Die Sorgen und Nöte sehe ich, und sie bewegen mich menschlich und in meiner tĂ€gli- chen Arbeit. Insofern begrĂŒĂe ich das Thema der Aktuel- len Stunde ausdrĂŒcklich. Der Titel wiederum verwundert mich schon: âKrise, [Lachen bei den GRĂNEN und der AfD â
Wir haben uns auch gewundert!] welche Krise? â BrĂŒckendesaster, endloser BVG-Streik, versemmelte S-Bahn-Ausschreibung: Wo ist die Ver- kehrssenatorin?â. Dieser Titel legt nahe, dass ich, dass dieser Senat, dass diese Koalition verantwortlich sein sollen fĂŒr die marode Infrastruktur Berlins, den ver.di-Streik der BVG, die Dauer der S-Bahn-Ausschreibung. Fraglos stehen wir vor groĂen Herausforderungen, aber ich und wir haben diese Themen geerbt. Ich komme zurĂŒck auf âseit ĂŒber einem halben Jahrzehntâ. Denn wer war seit Ende 2016 bis 27. April 2023 verant- wortlich fĂŒr den Verkehrsbereich, fĂŒr die Senatsverwal- tung fĂŒr MobilitĂ€t und Verkehr in Berlin? â Sie, BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen; Sie, die diesen Antrag formuliert haben! Ein Erbe kann man ausschlagen. Ich und wir haben uns gegen eine Ausschlagung dieses Erbes â Ihres Erbes â entschieden. Frau Senatorin, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin HassepaĂ? Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Nein, danke! â Ich und wir haben uns vielmehr dafĂŒr entschieden, Verantwortung zu ĂŒbernehmen; Verantwor- tung fĂŒr die Berlinerinnen und Berliner, Verantwortung fĂŒr ein funktionierendes Berlin. Wenn ich mir Ihre AntrĂ€ge, liebe Fraktion BĂŒndnis 90/ Die GrĂŒnen sowohl hier als auch in den zu meinem Haus gehörenden AusschĂŒssen ansehe, dann strotzen Ihre For- mulierungen von Worten wie âKriseâ, âDesasterâ, âCha- osâ und Ăhnlichem. Ich bin davon ĂŒberzeugt, dass der inflationĂ€re Gebrauch solcher Worte â Worte wie âKriseâ, âDesasterâ und âChaosâ â ganz wesentlich dazu beitrĂ€gt, dass Politikver- drossenheit entsteht und dass Vertrauen in demokratische Institutionen erheb- lich leidet. [Thorsten WeiĂ (AfD): Und deswegen darf man keine Kritik mehr ĂŒben, ist klar! â
FĂŒnf Minuten Zensur und Ăberlegungen! â Zuruf: Ja, dann mach mal!] Erlauben Sie zwei Vorbemerkungen. Im Zusammenhang mit der BrĂŒcke A 100 am Dreieck Funkturm rufe ich in Erinnerung: Im MĂ€rz 2021 hat die damalige Verkehrsse- natorin Bettina Jarasch den RĂŒckbau der A 100 vorge- schlagen. Ich zitiere mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin: âStatt ĂŒber den Weiterbau sollten wir anfangen, ĂŒber den RĂŒckbau der A 100 zu reden!â Jetzt beschweren Sie sich ĂŒber ein Verkehrschaos an der A 100. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6303 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 [Heiko Melzer (CDU): Ihr mĂŒsst euch schon entscheiden! â
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun!] Was wĂ€re passiert, wenn es zu diesem RĂŒckbau tatsĂ€ch- lich gekommen wĂ€re? Meine zweite Vorbemerkung: Berlin hat mehr BrĂŒcken als Venedig, wir haben es schon gehört: 867 StĂŒck an der Zahl. Nur noch 21 Prozent dieser BrĂŒcken sind in gutem oder sehr gutem Zustand. Das zeigt zum einen den Investitions- und Handlungsbedarf; auch das haben wir schon gehört. Circa 1 Milliarde Euro in den nĂ€chsten zehn Jahren muss in 120 BrĂŒckenanlagen investiert werden. Zum anderen zeigt es unsere Verantwortung, die Sicherheit der Berli- nerinnen und Berliner zu gewĂ€hrleisten. Es ist schon gesagt worden: Der Masterplan BrĂŒcken meiner Verwal- tung wird im Sommer vorgelegt. Deshalb war die Sperrung der A-100-BrĂŒcke leider not- wendig und richtig. Sie dient der Sicherheit und Gefah- renabwehr. An dieser Stelle möchte ich der Autobahn des Bundes ganz herzlich danken fĂŒr ihre Umsichtigkeit und fĂŒr ihr entschlossenes Handeln. Ich möchte aber auch auf Folgendes hinweisen â mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin zitiere ich §14 des Bundesfern- straĂengesetzes â: âIm Benehmen mit dem TrĂ€ger der StraĂenbau- lastâ â und das sind die Bezirke und wir â âder Umleitungsstrecke ist festzustellen, was not- wendig ist, um die Umleitungsstrecke fĂŒr die Auf- nahme des zusĂ€tzlichen Verkehrs verkehrssicher zu machen.â Diese Verantwortung liegt bei FernstraĂen in den HĂ€nden des Bundes, und die Autobahn ist eine FernstraĂe. Inso- fern liegt es in der Verantwortung der Autobahn des Bundes, damit Verantwortung auch fĂŒr die Umleitungs- verkehre der Berliner StraĂen. Die Autobahn des Bundes ist verantwortlich. NatĂŒrlich habe ich, hat meine Verwal- tung die Autobahn des Bundes aufgefordert, Verkehrs- konzepte vorzulegen, zuletzt am 21. MĂ€rz. Wir haben vorgeschlagen, dass wir dies fachlich steuern, was wir dann auch getan haben. Das hat auch der Bezirksstadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf getan. Ich möchte jetzt kurz ausfĂŒhren, welche zusĂ€tzlichen MaĂnahmen wir angegriffen und in die Hand genommen haben: Am 10. MĂ€rz kam es zu der Pressekonferenz zur einspurigen VerkehrsfĂŒhrung. Ab diesem Zeitpunkt hat ein steter Austausch der AdB â Autobahn des Bundes â, meiner Senatsverwaltung, der BVG, der DB, der Polizei und der Feuerwehr stattgefunden. Am Mittwoch, den 19. MĂ€rz, am spĂ€ten Nachmittag informierte der Vorsit- zende der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der AdB, dass die Vollsper- rung der Autobahn, jedenfalls der RingbahnbrĂŒcke, um 20 Uhr erfolgt. Wir haben uns verabredet zum tĂ€glichen Austausch und der tĂ€glichen Information der GeschĂ€fts- fĂŒhrung der Autobahn des Bundes und mir. Ich habe gefordert, dass das Vergaberecht voll auszu- schöpfen ist, dass der Bauvertrag die Aufforderung zu 24/7 sowie eine Bonus-Malus-Regelung enthĂ€lt und mo- dulare Bauweise vorsehen muss. Wir haben einen Len- kungskreis verabredet, der ab der Bauphase eingerichtet wird. Ich habe daraufhin die BVG, die S-Bahn und die DB informiert. Am Donnerstag und Freitag sind der StaatssekretĂ€r und ich in einem Interview des rbb und im Inforadio zu Wort gekommen und befragt worden. Wir haben ĂŒber die aktuelle Situation und ĂŒber die getroffe- nen MaĂnahmen informiert. Am Montagmorgen, 24. MĂ€rz, 7.04 Uhr, erfolgte die Freigabe der Gegenfahrbahn. Hinweis: Es war ein Wo- chenende dazwischen. 24/7 ist gearbeitet worden. Am 24. MĂ€rz, morgens: ein weiteres Radiointerview von mir, in dem ich ĂŒber die aktuelle Lage informiert habe. Am 24. MĂ€rz habe ich ein GesprĂ€ch zur UnterstĂŒtzung durch ein fĂŒhrendes Unternehmen, das IT- und KI-gesteuert Verkehrsströme darstellen und analysieren kann und damit zu einer dynamischen VerkehrsfĂŒhrung beitragen kann, gefĂŒhrt. Sie haben uns ihre UnterstĂŒtzung zugesagt. Am 24. MĂ€rz gab es einen Entwurf des Vorbehaltsnetzes. Am 24. MĂ€rz gab es ein GesprĂ€ch der AdB mit mir, dem Abteilungsleiter und den betroffenen Bezirken ĂŒber die aktuelle Situation und MaĂnahmen. Wir haben uns zu einem kontinuierlichen, dauerhaften Jour fixe verabredet und bei Bedarf zu einem gesonderten Jour fixe. Am 24. MĂ€rz, 21.45 Uhr sind zwei Ampeln umgestellt wor- den, um einen Stau auf der Königin-Elisabeth-StraĂe rechts auf den Spandauer Damm zu reduzieren. [Elke Breitenbach (LINKE): Warum verlesen Sie Ihren Kalender? â
Was wird das hier? â Zuruf von Christoph Wapler (GRĂNE)] Am 25. MĂ€rz ist das Vorbehaltsnetz zwischen Bezirken und SenMVKU abgestimmt worden und ist an die BVG und andere betroffene Behörden gegangen. An dieser Stelle auch ganz herzlichen Dank an die Bezirke! Am 26. MĂ€rz, gestern, hat die Pressekonferenz stattge- funden. Ein zentrales Beschwerdemanagement ist einge- richtet, und dies auf Beantragung der SenMVKU durch (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6304 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 die AdB. Das Verkehrssicherungsunternehmen steht fĂŒr Verkehrszeichen Gewehr bei FuĂ. Königin-Elisabeth- StraĂe/Spandauer Damm: Rechtsabbieger zweispurig, auf unsere Veranlassung. BVG-Baustelle Kaiserdamm wird hinsichtlich der VerkehrsfĂŒhrung umgestellt â unsere Veranlassung. Wir werden den Wirtschaftsverkehr und die Rettungsver- kehre berĂŒcksichtigen und haben sie schon berĂŒcksich- tigt. Der Zeitrahmen des Abbruchs, er ist vorhin schon erwĂ€hnt worden: Bis Ostern wird es zu einer Leistungs- beschreibung kommen. Wir werden die BĂŒrger natĂŒrlich informieren, wenn wir wissen, wie die BaumaĂnahme tatsĂ€chlich durchgefĂŒhrt wird. [Werner Graf (GRĂNE): In fĂŒnf Jahren dann, oder wie? â
Hier gibt es eine Frage! â Zuruf von der AfD: Wann denn?] Ich komme zum zweiten Punkt: ver.di-Streik bei der BVG. Frau Senatorin, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Dr. Lederer? Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Nein, danke! â An dieser Stelle möchte ich auf die Tarif- verhandlungen und das Bestreiken der BVG durch ver.di zu sprechen kommen. Tarifautonomie ist ein hohes de- mokratisches Gut, und sie ist in Artikel 9 unseres Grundgesetzes geschĂŒtzt. Gleichwohl kommt verantwortungsvoller Politik insbe- sondere in Zeiten knapper Ressourcen die Aufgabe zu, an die KompromissfĂ€higkeit der Verhandlungspartner zu appellieren. Das haben wir getan. Das hat der Regierende BĂŒrger- meister getan. In Verhandlungen kann nicht ein Partner an Maximalforderungen festhalten, wĂ€hrend sich der andere erheblich bewegt und vier Angebote unterbreitet, nĂ€mlich die BVG. [Beifall bei der CDU â
Noch mal eine Zensur! â
Wie groĂ ist denn der Spielraum?] Denn wir wissen: FĂŒr die MobilitĂ€t der Berlinerinnen und Berliner, fĂŒr das Funktionieren dieser Stadt brauchen wir eine stabile und zukunftsfĂ€hige BVG. Liebe Verhandlungspartner und Schlichtungspartner, viel Erfolg bei der Schlichtung! [Lachen bei der LINKEN â
Wo sind wir denn hier?] Nun zuletzt zu der S-Bahn-Ausschreibung, deren Kom- plexitĂ€t wir â weiĂ Gott! â nicht zu verantworten haben. Ich erinnere daran: Meine Verwaltung wurde seit Ende 2016 bis zum 27. April 2023 von Ihnen, BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, gefĂŒhrt. Die in meiner Amtszeit seit Ende Mai 2024 entschiede- nen Fristverschiebungen zur Angebotsabgabe dienten der Rechtssicherheit und der Möglichkeit zur Einarbeitung der neuen Brandenburger Regierung und der Beachtung eines neuen Gutachtens, das im No- vember zu 750 Volt/1 500 Volt vorgelegt wurde. Wir haben den Gordischen Knoten durchschlagen. Die Angebote der Bieter gehen heute bis 12 Uhr ein. (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6305 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Noch einmal, das Thema dieser Aktuellen Stunde lautet: âKrise, welche Krise? â BrĂŒckendesaster, endloser BVG-Streik, versemmelte S- Bahn-Ausschreibung: Wo ist die Verkehrssenatorin?â Das Thema bei der letzten Aktuellen Stunde, bei der ich sprach lautete: âKĂŒrzungen, schlechte Arbeitsbedingun- gen und Fahrzeugkrise: Senat steuert BVG und S-Bahn ins Chaosâ. Ich komme abschlieĂend zurĂŒck auf meine AusfĂŒhrungen zu Beginn: Ich glaube nicht, dass diese Wortwahl, diese Polemik hilft. NatĂŒrlich braucht es den politischen Dis- kurs, aber sachlich. Polemik machen sich aber insbesondere die politischen KrĂ€fte der RĂ€nder zu eigen â das erleben wir auch hier â, um demokratische Institutionen zu unterminieren. [Rolf Wiedenhaupt (AfD): So ein Unsinn! â
Unglaublich, wie sich die GrĂŒnen benehmen!] Dem muss sich die politische Mitte stellen, und genau das fĂ€ngt aus meiner Sicht bei der Sprache an. â In diesem Sinne: Ganz herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor, und die Aktuel- le Stunde hat damit ihre Erledigung gefunden. [Dr. Klaus Lederer (LINKE): Totalausfall! â
Ja, aber wie!] Ich freue mich, auch heute wieder GĂ€ste bei uns im Ab- geordnetenhaus begrĂŒĂen zu dĂŒrfen, und zwar zum einen ehren- und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter aus dem Bereich des Katastrophenschutzes â herzlich willkommen bei uns im Berliner Abgeordnetenhaus! â und zum anderen eine Gruppe der Polizeiakademie. Ebenso herzlich willkommen im Berliner Abgeordneten- haus! Dann kommen wir zu lfd. Nr. 2: Fragestunde gemÀà § 51 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Nun können mĂŒndliche Anfragen an den Senat gerichtet werden. Die Fragen mĂŒssen ohne BegrĂŒndung, kurz ge- fasst und von allgemeinem Interesse sein sowie eine kurze Beantwortung ermöglichen; sie dĂŒrfen nicht in Unterfragen gegliedert sein. Sonst werde ich die Fragen zurĂŒckweisen. Zuerst erfolgen die Wortmeldungen in einer Runde nach der StĂ€rke der Fraktionen mit je einer Fragestellung. Nach der Beantwortung steht mindestens eine Zusatzfra- ge dem anfragenden Mitglied zu, eine weitere Frage einem weiteren Mitglied dieses Hauses. Es beginnt die Fraktion der CDU und hier der Kollege Schenk â bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Wie bewertet der Senat die bekannt gewordenen ersten Ergebnisse zur Grund- steuerreform, insbesondere im Hinblick auf das Ziel der AufkommensneutralitĂ€t? Vielen Dank! â Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen Dank, Herr Kollege Schenk! In der Tat haben wir dazu gerade dem Hauptausschuss einen Bericht abgegeben. Ich will gern die Gelegenheit nutzen, auch an dieser Stelle einen ers- ten, ich betone ersten, Ăberblick zu geben. Der MĂ€rz ist knapp herum, das Jahr aber noch lange nicht abgeschlos- sen. Dennoch denke ich, dass das Bild, das wir zeichnen können, schon ein sehr umfassendes ist. Wir sind anders als in anderen BundeslĂ€ndern bereits sehr weit. Wir haben ĂŒber 99 Prozent der Grundsteuerbeschei- de bereits versandt. Letzte FĂ€lle sind in KlĂ€rung. Das sind in der Regel die komplexeren GroĂfĂ€lle oder solche FĂ€lle, bei denen sich noch eine FĂŒlle von Rechtsfragen stellt, die nicht so einfach zu beantworten sind. Aber das Bild, wie wir es auf der Grundlage dieser Datenmenge be- schreiben können, ist, glaube ich, durchaus ein bereits zutreffendes. Ich will wie immer, wenn es um das Thema Grundsteuer geht, noch einmal kurz den Ausgangspunkt beschreiben: (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6306 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Warum haben wir es mit einer so umfassenden Reform der Grundsteuer im Moment zu tun? â Weil das Bundes- verfassungsgericht aus einer Reihe von sehr berechtigten GrĂŒnden festgestellt hat, dass sich die bisherige sehr ungleiche Behandlung gleichartiger SteuerfĂ€lle, nicht zuletzt aufgrund des Umstandes, dass Werte ĂŒber Jahr- zehnte nicht angepasst wurden, dass wir in Ost und West unterschiedliche Berechnungsgrundlagen hatten, dass wir teilweise auch nicht zu rechtfertigende Privilegierungen innerhalb des Systems hatten, dass sich dieser Tatbestand nicht aufrechterhalten lĂ€sst und dass die LĂ€nder â es handelt sich um eine LĂ€ndersteuer â aufgefordert sind, hier wieder eine Gleichbehandlung gleicher SteuerfĂ€lle sicherzustellen. Der Bund hat â damals war Olaf Scholz noch Bundesfi- nanzminister â ein Modell erarbeitet, an dem sich auch das Land Berlin orientiert hat. Es war noch der VorgĂ€ng- ersenat, und wir haben auf dieser Grundlage dann an- schlieĂend als Senat und auch hier im Abgeordnetenhaus, Sie als Koalitionsfraktionen die Entscheidungen getrof- fen, die wir damals aufgrund von Prognosen fĂŒr erforder- lich hielten, um eine Vervielfachung der Grundsteuerbe- lastung in Berlin abzuwenden und um insbesondere auch eine, ich sage mal, unzumutbare HĂ€rte in der individuel- len Betroffenheit zu vermeiden. Wir können jetzt angesichts der Datenlage, wie sie sich im MĂ€rz 2025 darstellt, sagen, dass das politische Ver- sprechen, von dem auch immer wieder die Rede war, dass das Land Berlin, eigentlich die Kommunen insgesamt, sich an der Reform der Grundsteuer nicht bereichern sollen und wollen â â Man kann immer darĂŒber streiten, ob eine Steuereinnahme höher sein soll oder geringer angesetzt werden soll, ob Steuerbelastungen steigen oder sinken sollen. Wir haben aber immer gesagt, das kann nicht Gegenstand einer so umfassenden Reform sein, sondern wenn, dann muss es eine eigenstĂ€ndige politische Entscheidung geben. Und wir haben von Anfang an ge- sagt, diese Reform werden wir nicht zum Anlass nehmen, die Grundsteuerbelastung zu steigern. SelbstverstĂ€ndlich verĂ€ndern sich Grundsteuerwerte. Es gab viele MissverstĂ€ndnisse darĂŒber, dass Aufkommens- neutralitĂ€t damit zu verwechseln ist, dass man es indivi- duell nicht mit einem anschlieĂend entweder höheren oder geringeren Grundsteuerwert zu tun bekommt. Das ist natĂŒrlich der Fall, wenn vorher Gleiches ungleich behandelt wurde und eine Reform ein neues Modell auf Gleichbehandlung der gleichartigen SteuerfĂ€lle setzt, dass es dann Verschiebungen gibt, und zwar in alle Richtun- gen. Wir haben jetzt einen ersten Eindruck davon, wie sich diese Verschiebungen entwickeln. Ich kann erstens sagen, dass die Schritte, die der Senat wie die Abgeordneten- hausfraktionen ergriffen haben, um einer Vervielfachung der Grundsteuerbelastung entgegenzutreten, gewirkt haben. Ich will hier mal als Beispiel heranziehen, wie sich die aktuellen ZahlungseingĂ€nge im Vergleich entwi- ckelt haben: Im Jahr 2024 hatten wir zum gleichen Stich- tag 175 Millionen Euro Zahlungseingang auf Basis der Grundsteuerbescheide und aktuell 2025 173 Millionen Euro. Das ist fast der gleiche Betrag. Das ist also ein erstes Indiz dafĂŒr, dass wir die AufkommensneutralitĂ€t recht gut getroffen haben. Wenn wir jetzt die Gesamtsumme, die bereits die fast vollstĂ€ndige ist, heranziehen, die sich bei 885 Millionen Euro in der Festsetzung bewegt, und mit dem verglei- chen, was in der Vergangenheit festgesetzt war â das waren, glaube ich, 878 Millionen Euro in der Festset- zung â, dann ist das ein Betrag, der sich in der normalen Entwicklung der Grundsteuer, die wir aufgrund des Neu- baugeschehens in Berlin jĂ€hrlich steigend erleben, eben- falls innerhalb der Erwartungen bewegt. Auch hier kann man mit Fug und Recht davon sprechen, dass wir das, was wir mit der Umsetzung der Grundsteuerreform in Aussicht gestellt haben, auch erfĂŒllt haben. Noch einmal: Das ist jetzt kein abschlieĂender Stand. Wir werden Verschiebungen dieses Bildes noch im laufenden Jahr erleben. Wir werden zum Jahresabschluss erst eine vollstĂ€ndige Bilanz ziehen können. Wir werden aber zum Jahresabschluss hoffentlich auch in der Lage sein, einen Vergleich mit anderen BundeslĂ€ndern zu ziehen, die auch andere Modelle zur Anwendung bringen. Um einmal die Frage zu beantworten, ob wir es geschafft haben, mit dem Berliner Vorgehen den Verschiebungen insgesamt so Rechnung zu tragen, dass sie das tatsĂ€chliche Wert- und Preisgeschehen am Markt abbilden: Wir haben einmal in die einzelnen Lagen hineingeschaut, wir haben auch die bezirklichen Vergleiche herangezogen und können auch hier sagen, wenn wir das mit den Maklerindizes verglei- chen, die uns zur VerfĂŒgung stehen, also den tatsĂ€chlich messbaren Wertentwicklungen, dann sind die Trends ziemlich exakt die gleichen. Auch hier hat dieses Modell gewirkt und zeichnet ein zutreffendes Bild der Lage. Also alles in allem sage ich nicht, dass wir das perfekte System gewĂ€hlt haben. Das werden wir auch nie errei- chen. Wir werden am Ende beurteilen können, ob wir im Vergleich zu anderen BundeslĂ€ndern gut aufgestellt sind oder nicht. Bis jetzt bin ich ganz zufrieden, dass die Ăberschrift, die ich neulich in der Welt las, ich glaube, es war vor wenigen Tagen: âBerlin zeigt, wie es gehtâ â, mal ein anderes Bild der Berliner Verwaltung und ein anderes Bild des politischen Geschehens in Berlin malt, als man es fĂŒr gewöhnlich in der aufgeheizten Berliner Diskussionslage wahrnimmt. Das will ich jetzt nicht allein einem Senat oder einer Koalition zugutehalten, sondern ich will den Dank vor allem an all diejenigen richten, die diese Reform unter gröĂten Kraftanstrengun- gen umgesetzt haben: Das sind die BeschĂ€ftigten unserer Berliner FinanzĂ€mter. Und ich will einen Dank auch an all diejenigen richten, die natĂŒrlich auf Seite der Steu- (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6307 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 erpflichtigen bei dieser Grundsteuerreform auch mit er- heblichem BĂŒrokratieaufwand zu tun hatten. Ich hoffe doch sehr, dass es uns bei kĂŒnftigen Hauptfestsetzungen gelingt, eine Wiederholung dieses Aufwands zu vermei- den, dass bis dahin auch die IT, die uns lĂ€ngst verspro- chen war, zur VerfĂŒgung steht, die das Ganze auch deut- lich flĂŒssiger in der Administration macht. Ich glaube, dann wird es auch insgesamt ein Modell der Grundsteuer, das breit akzeptiert werden kann. Die Zahlen sprechen dafĂŒr, dass wir jedenfalls sachgerecht gehandelt haben. Vielen Dank, Herr Senator! â Die erste Nachfrage geht an den Kollegen Schenk. â Bitte!
Wie stellt sich die Grundsteuerentwicklung in den Bezir- ken dar, und welche Erkenntnisse hat der Senat zur mög- lichen Belastungsverschiebung? Herr Senator Evers, mit der Bitte um eine kurze Antwort! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Herr Kollege Schenk, da tue ich natĂŒrlich wie immer mein Bestes. Die Frage der Belastungsverschiebungen ist eine höchst individuel- le. Auch das zeigen der Blick ins Gesamtgeschehen und auch Stichproben, die wir vorgenommen haben, auf un- terschiedlicher Basis. Wir haben beispielsweise einmal die vergleichbaren FĂ€l- le â das ist nicht die Gesamtheit aller FĂ€lle â, das sind die, bei der die Steuerkennzahlen gleich geblieben sind. Es gibt solche, bei denen GrundstĂŒcke umgewandelt wurden, verĂ€ndert haben, und wir es mit vollkommen neuen Fallkonstellationen zu tun haben. Die kann man schlecht vergleichen. Das wĂ€re Ăpfel mit Birnen verglei- chen. Wir haben einmal geschaut, wenn die Steuernum- mer vorher gleich ist, hinterher gleich ist, was sich da getan hat, und da stellen wir fĂŒr den Wohnbereich fest: Wir liegen Stand heute knapp unterhalb der Nulllinie, also eine leicht negative Entwicklung. Wir stellen fĂŒr den Nichtwohnbereich fest: auch hier eine Entwicklung leicht unterhalb der Nulllinie, also fĂŒr diese beiden Bereiche jeweils AufkommensneutralitĂ€t als Ziel formuliert und getroffen. Nun ist es erklĂ€rbar, dass wir, wenn wir zwei- mal eine Entlastungen haben, das nur dadurch haben, dass in anderen Bereichen auch eine Mehrbelastung statt- findet. Die ist â und das haben wir ja auch politisch sehr bewusst so formuliert â im Bereich der unbebauten GrundstĂŒcke, bei denen wir aufgrund des deutlich höhe- ren Werts bebaubarer GrundstĂŒcke quasi schon den Ef- fekt einer Grundsteuer C erreichen. Die GrundstĂŒcke, die baureif sind, einen entsprechend hohen Wert haben, sind hier auch von erheblichen Mehrbelastungen betroffen. Das soll aber gerade dazu fĂŒhren, dass diese GrundstĂŒcke auch entschlossen aktiviert und insbesondere auch der Wohnbebauung zugefĂŒhrt werden. Hier haben wir es mit einer durchschnittlichen Mehrbe- lastung Stand heute von 270 Prozent zu tun, das ist eine sehr kleine Menge in der Gesamtheit, aber es ist eben der Effekt, der auch immer wieder bei der Diskussion um die EinfĂŒhrung einer Grundsteuer C eingefordert wurde. Wir erreichen einen guten Teil dieses Effekts durch die jetzige Messzahlfestlegung schon heute. Was die einzelnen Bezirke angeht, ist das Geschehen auch nicht einfach nach Osten oder Westen zu erklĂ€ren. Es ist damit zu erklĂ€ren, dass wir eine Reihe von Privile- gierungen nicht mehr haben, beispielsweise im Ein- und Zweifamilienhausbereich, die innerhalb des Segments Wohnen zu Verschiebungen fĂŒhren, gerade im Bereich Mietwohnungen, also Geschosswohnen, eher zu einer Entlastung fĂŒhren, je nachdem, wie ein Bezirk strukturiert ist. Wenn ich nach Marzahn-Hellersdorf schaue, hat sich im Durchschnitt fast nichts verĂ€ndert. Wenn ich nach Treptow-Köpenick schaue, hat sich in der Tendenz etwas nach oben verĂ€ndert. Wenn ich dann genauer hineinzoo- me, unterscheidet es sich natĂŒrlich danach, ob ich ein EinfamilienhausgrundstĂŒck oder ein mehrgeschossiges GrundstĂŒck habe. Das ist im System auch so angelegt gewesen, aber insgesamt haben wir auch hier erreicht, dass sich erstens die tatsĂ€chliche Wertentwicklung in der Grundsteuerbelastung widerspiegelt und zweitens wir jetzt insgesamt ein Geschehen haben, das sehr differen- ziert nach Baujahr, nach FlĂ€che des Grund und Bodens, nach der GrundstĂŒcksart auch so gleichmĂ€Ăig differen- ziert, dass man, ob Ost oder West, jeweils zutreffende Wertgrundlagen hat. [Anne Helm (LINKE): Ein Viertelstunde nur fĂŒr die erste Frage! â
Kurze Antworten!] Im Einzelfall wird das niemals vollstĂ€ndig als gerecht empfunden werden, weil es immer Besonderheiten gibt, die selbst dieses komplexe Rechnungswesen nicht aner- kennt, aber im Trend, in der Tendenz stimmt es. Nach den Bezirken können Sie zum Beispiel sehr deutlich ablesen, dass die gröĂten Mehrbelastungen im Schnitt der bezirklichen Betrachtung in den Trendbezirken der (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6308 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Innenstadt stattfinden. Das ist eine der wesentlichen Er- kenntnisse, die wir bisher aus der Auswertung haben. Vielen Dank, Herr Senator! â Dann geht die zweite Nach- frage an den Kollegen Schmidt. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen Dank, Herr Senator, fĂŒr die bisherigen AusfĂŒhrungen! Können Sie mir beantworten, wie viele EinsprĂŒche und HĂ€rtefallan- trĂ€ge vorliegen, und wie bewerten Sie diese Situation insgesamt? Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank! â Das Einspruchsgeschehen bezieht sich auf mehrere Arten von Bescheiden. Ich habe verschiedentlich schon berichtet, wie die Einspruchsent- wicklung bei den Grundsteuerwertbescheiden aussah. Dort gab es eine ungemein hohe Zahl von EinsprĂŒchen, von denen sich die groĂe Mehrzahl auf verfassungsmĂ€Ăi- ge Zweifel an der Rechtsgrundlage gerichtet hat. Von 296 000 EinsprĂŒchen insgesamt waren das 244 000 Ein- sprĂŒche gegen die Festsetzung des Grundsteuerwertes. Das Einspruchsgeschehen, das den Grundsteuerbescheid als solchen angeht, bewegt sich in deutlich geringeren Dimensionen, ist natĂŒrlich dynamisch, die Bescheide sind gerade erst eingegangen. Insofern ist das sicherlich kein abschlieĂendes Bild. Das werden Sie mir erlauben, viel- leicht in zwei, drei Monaten einmal zu zeichnen. Aber das ist ein deutlich schwĂ€cheres Geschehen, vermutlich weil man jetzt auch konkret sieht, was sich getan hat. Also viele haben nach dem Grundsteuerwertbescheid zunĂ€chst einmal vermuten mĂŒssen â da waren die neuen Messzahlen noch nicht bekannt, da war der neue Hebe- satz noch nicht bekannt â, dass sich Grundsteuerbelas- tungen verzehnfachen, verfĂŒnfzehnfachen. Das waren teilweise astronomische Zahlen, die man dort befĂŒrchten musste. Durch das entschlossene politische Gegensteuern liegen jetzt tatsĂ€chlich Bescheide auf dem Tisch, die in der Regel unterhalb dieser BefĂŒrchtungen liegen sollten. Was die EinsprĂŒche gegen die Grundsteuerwertfeststel- lungen angeht, sind wir im Moment dabei, diejenigen abzuarbeiten, die sozusagen individuell begrĂŒndet waren. Das sind diejenigen, die nicht in die Menge von 244 000 fallen, sondern der Rest. Die 244 000 haben wir ruhend gestellt, bis im Musterverfahren im Zweifel das Bundes- verfassungsgericht zu einem spĂ€teren Zeitpunkt ĂŒber die VerfassungsgemĂ€Ăheit der neuen Grundsteuerregelungen befindet. Alle anderen sind so weit, dass wir aktuell bei 12 600 Abhilfen sind, in 3 700 FĂ€llen bei Teil- oder Ein- spruchsentscheidungen. Also wir sind auch hier fortlau- fend dabei, das abzuarbeiten, was individuell begrĂŒndet ist. Ich will eines auch noch mal sehr deutlich unterstreichen: Die FinanzĂ€mter arbeiten nicht auf der Grundlage von WidersprĂŒchen. Wir sind auch dabei, regelmĂ€Ăig unsere FinanzĂ€mter darauf hinzuweisen, anhand von PrĂŒflisten, welche Fallkonstellationen, welche Kennziffern und, ich sage mal, Belastungsentwicklungen Indizes dafĂŒr sein können, dass auch Fehler vorliegen. Dann muss ich kei- nen Einspruch abwarten, sondern kann, wenn ich eine Indikation habe, da könnte ein fehlerhafter Fall vorliegen, sei es in der Wertfestsetzung, sei es im Bescheid, dass das auf Grundlage dieser PrĂŒflisten auch von den Ămtern, von den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern erfasst und abgearbeitet und dann auch von Amts wegen korri- giert wird. Also dort, wo wir auf Grundlage eigener Er- kenntnisse handeln können, da tun wir das. Noch einmal: Wir werden sicherlich im weiteren Jahres- verlauf und vor allem nach Jahresabschluss erst in der Lage sein, das vollstĂ€ndige Bild auszuwerten. Dann wer- den wir Fallkonstellationen zu bewerten haben, die, ich sage mal, sich in besonderer Art und Weise aufgrund welcher Sachverhalte auch immer herauskristallisieren als, ich sage mal, einer politischen Antwort bedĂŒrftig. Ich weiĂ, dass beispielsweise die Sportsenatorin mit Blick auf die BĂ€der-Betriebe ein Thema hat. Viele andere ha- ben noch mal andere Fallkonstellationen. Damit wird man sich spĂ€ter auseinanderzusetzen haben und dann bewerten mĂŒssen: Ist es das System, also ist das sozusa- gen ein Rechtsproblem, das zu diesem Problem fĂŒhrt, und auf welcher Ebene geht man anschlieĂend damit um? Noch einmal: Das Modell haben wir nicht erfunden, sondern wir mĂŒssen jetzt auswerten, welche Wirkungen es hat und welche Steuerungsmöglichkeiten anschlieĂend gegebenenfalls bestehen. Also insofern bleibe ich sehr deutlich dabei, es wird eine Evaluation dieser Grundsteu- erreform geben mĂŒssen. Ich freue mich darauf, wenn auch andere BundeslĂ€nder irgendwann so weit sind, zum Berliner Tempo aufzuschlieĂen, damit wir auch aus deren Erfahrungen lernen können und auf Grundlage des Ge- samtbildes dann im kommenden Jahr sicherlich darĂŒber diskutieren, an welchen Stellen und in welcher Weise wir gegebenenfalls zu reagieren haben. Bevor wir fortfahren, von mir noch mal der Hinweis an die Senatsmitglieder: Es geht um kurze Antworten, nicht um generell-abstrakte Darstellungen eines komplizierten Sachverhalts, sondern um die Beantwortung von Fragen. Wenn wir in der epischen LĂ€nge antworten, dann schaf- fen wir nicht mal die Runde nach der StĂ€rke der Fraktio- nen in der ersten Stunde. (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6309 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 [Beifall bei den GRĂNEN, der LINKEN und der AfD â Vereinzelter Beifall bei der SPD â
Man kann sich die roten Nummern auch vorlesen lassen!] Dann hat fĂŒr die SPD-Fraktion die Kollegin Wolff das
Vielen herzlichen Dank! â Ein wichtiger Wirtschaftsfak- tor fĂŒr diese Stadt birgt Herausforderungen. Deshalb frage ich noch mal, inwieweit Sie auf die Nachhaltigkeit und die wirtschaftliche ProsperitĂ€t RĂŒcksicht nehmen und diese Branche unterstĂŒtzen können. Frau Senatorin Giffey, bitte schön! BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey (Senatsverwaltung fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe): Ja, natĂŒrlich steht die Branche auch vor Herausforderun- gen. Das Thema FachkrĂ€ftemangel ist ein sehr groĂes, aber auch die Energie und die Preissteigerungen der letz- ten Jahre haben die Branche vor Herausforderungen ge- stellt. Wir sehen, dass es zwei groĂe Megatrends im Tou- rismus gibt, die Berlin natĂŒrlich auch nachvollziehen wird. Das eine ist das Thema Nachhaltigkeit. Wir sehen zunehmend, dass die GĂ€ste, die zu uns in die Stadt kom- men, darauf Wert legen, ihre Freizeit, ihre Ferien, ihre GeschĂ€ftsreise nachhaltig verbringen zu können. Die zweite groĂe Herausforderung, der zweite Trend ist die digitale Transformation im Tourismus. Wir sehen es bei den BuchungsaktivitĂ€ten, bei der Suche nach entspre- chenden Angeboten, aber vor allen Dingen auch Pay- mentlösungen, Steuerungslösungen ĂŒber die KI und die WerbemaĂnahmen, die wir machen. NatĂŒrlich, und das kann ich auch vor dem Hintergrund der aktuellen Koalitionsverhandlungen im Bund sagen, ist das Thema KonnektivitĂ€t fĂŒr uns sehr entscheidend. Das ist eine groĂe Herausforderung. Wir arbeiten dafĂŒr, die KonnektivitĂ€t des Standortes, nicht nur, was die Bahnverbindungen, sondern vor allen Dingen, was auch die Flugverbindungen und das Thema der Langstrecken- konnektivitĂ€t angeht, zu verbessern. Das sind groĂe Her- ausforderungen. Aber es geht eben nicht nur um die (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6310 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 KonnektivitĂ€t, um das FachkrĂ€ftethema allgemein, son- dern es geht auch um die groĂe Anforderung des dezent- ralen Tourismus und die Tourismusförderung, die wir in den Bezirken machen. Sie dient dem genauso, wie das Wassertourismuskonzept oder unser Kongressfonds eben Felder sind, in denen wir weiterarbeiten werden. Wir hatten gerade die âeat! berlinâ, âGönn dir Gastroâ, das sind auch Kooperationen, die wir mit der DEHOGA zusammen machen. Wie gesagt, das Thema nachhaltiger Tourismus, stadtvertrĂ€glicher Tourismus, ein Tourismus, der auch von Akzeptanz geprĂ€gt ist und gleichzeitig die Chancen und Potenziale nutzt, das ist die Arbeit, auf die wir uns konzentrieren. Insofern gehen wir die Herausfor- derungen, die damit verbunden sind, auch mit voller Kraft an. â Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Die zweite Nachfrage geht an den Kollegen Wesener. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen Dank, Frau Senatorin! Wie Sie bestimmt wissen, kommt ĂŒber die HĂ€lfte der Touristinnen und Touristen wegen der Kultur nach Berlin, und ĂŒber die HĂ€lfte der Besucherinnen und Besucher in den Kultureinrichtungen Berlins sind Touris- tinnen und Touristen. Deswegen wĂŒrde mich interessie- ren: Wie bewerten Sie denn die Warnungen von Touris- musverbĂ€nden und zentralen Akteuren wie der bereits erwĂ€hnten DEHOGA oder âvisitBerlinâ, dass die drasti- schen und völlig unverhĂ€ltnismĂ€Ăigen Einsparungen in der Kulturförderung den Tourismusstandort Berlin ernst- haft gefĂ€hrden? Frau Senatorin Giffey, bitte schön! BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey (Senatsverwaltung fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe): Sehr geehrter Herr Abgeordneter Wesener! Ich will das noch einmal einordnen, da wir gerade auch die Jahres- pressekonferenz mit âvisitBerlinâ hatten. Auch da ist eine Ă€hnliche Frage gestellt worden, und da hat Burkhard Kieker als Chef von âvisitBerlinâ einen Bericht ĂŒber die aktuelle PrĂ€senz des Landes auf der Messe in Madrid gegeben, wo wir uns auch prĂ€sentiert haben. Wir sind ja viel international unterwegs, um Berlin als Touris- musstandort zu promoten. Die Madrider Kollegen hatten von Kultureinsparungen gehört. Das war dort Thema, und dann hat Burkhard Kieker vor Ort gesagt: Unser Kulturetat ist ein Etat, der ĂŒber 900 Millionen Euro pro Jahr umfasst. Dann haben die Madrider Kollegen gefragt, ob das die nationale Summe sei, und als er dann sagte, nein, das sei die Berli- ner Summe fĂŒr Kultur und gesellschaftlichen Zusammen- halt, da waren die schon sehr erstaunt und haben gesagt, das sei das, was sie national zur VerfĂŒgung hĂ€tten. Ich habe jetzt nicht den Ăberblick ĂŒber den spanischen Nationalhaushalt, deswegen ist das nur eine Replik auf die ErzĂ€hlung. Ich will das hier jetzt nicht analysieren, aber ich sage Ihnen ganz klar, dass das, was gerade an Ăffentlichkeitsarbeit passiert, teilweise den Eindruck erweckt, als wenn wir hier 90 Prozent sparen wĂŒrden und nur 10 Prozent ĂŒbrig blieben. Wir haben ganz andere GröĂenordnungen. Das, was fĂŒr die Kultur ausgegeben wird, auch in Zukunft, ist ein sehr hoher Betrag, ein Betrag, der es ermöglicht, dass wir hier solche Dinge wie â200 Jahre Museumsinselâ, ein unfass- bares Programm, anbieten können, und dass das fĂŒr unse- re GĂ€ste und fĂŒr die Berlinerinnern und Berliner auch weiter gesichert ist. SelbstverstĂ€ndlich ist jede Einsparung in dem Bereich nicht schön, genauso wie sie auch in allen anderen Berei- chen nicht schön ist, aber wir haben fĂŒr das nĂ€chste Jahr eine Einsparvorgabe von 3,8 Prozent, und das ist eine Einsparvorgabe, die auch unter der PrĂ€misse erfolgt, dass wir an anderer Stelle mit zusĂ€tzlichen Kreditaufnahmen, Transaktionen und so weiter diesen Sparbetrag verringert haben. Ich will das an dieser Stelle noch mal ganz klar sagen. Das, was wir tun mĂŒssen, Einsparungen, die erbracht werden mĂŒssen, macht keiner gerne. Aber daraus abzulei- ten, dass die touristische AttraktivitĂ€t des Landes in ein schweres Fahrwasser kommt, das sehe ich nicht. Das belegen auch nicht die Zahlen, die wir sehen. Wir haben, wie gesagt, einen Rekord an GĂ€sten gehabt. Wir haben das Marketing fĂŒr die Stadt sehr verbessert, und wir ge- hen davon aus, dass wir auch in diesem Jahr die Ăber- nachtungsmarke von 30 Millionen schaffen. Das zeigen alle Buchungen, alle Voraussagen, die wir sehen. Wir haben GroĂevents, die auch viele Menschen in die Stadt holen, und das Kulturangebot â in der Tat, ĂŒber 40 Prozent unserer GĂ€ste sind aus dem internationalen Bereich â ist fĂŒr viele Menschen sehr attraktiv. Ich gehe davon aus, dass das Kulturangebot, das wir gewĂ€hrleis- ten, auch weiter dem Tourismus dienen wird. Wir werden Einsparungen haben, ja. Aber wir gehen nicht davon aus, dass die AttraktivitĂ€t unserer Stadt dadurch sinken wird. DafĂŒr gemeinsam zu arbeiten und in der Kommunikation das Angebot und all das, was gebo- ten wird, zu vermitteln, das ist eine Aufgabe fĂŒr uns alle. (BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6311 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 [Beifall bei der SPD und der CDU â
Kultur ist nicht nur Tourismusmarketing!] Vielen Dank, Frau Senatorin! FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat jetzt der Kollege Ziller die Gelegenheit zur nĂ€chsten Frage.
Vielen Dank! â Ich frage: Hat der Senat inzwischen die offenen Fragen zur Umsetzung der Hauptstadtzulage fĂŒr BeschĂ€ftigte von Kitas, UniversitĂ€ten sowie Zuwen- dungsempfĂ€ngerinnen und -empfĂ€ngern gelöst, und be- kommen alle BeschĂ€ftigten â beispielsweise in den Berli- ner Kitas â ab dem Tag des Inkrafttretens des TV Hauptstadtzulage zum 1. April dieses Jahres gleiches Geld fĂŒr gleiche Arbeit? Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen herz- lichen Dank, Herr Kollege. Die Frage impliziert ja, dass nach dem bisherigen Status, den Ihre ehemalige Koalition zu verantworten hat, kein gleiches Geld fĂŒr gleiche Arbeit gewĂ€hrleistet war. Das will ich Ihnen in keiner Weise unterstellen, kann aber gleichzeitig deutlich machen: NatĂŒrlich ist sichergestellt â und dafĂŒr ist auch die notwendige Vorsorge getroffen, Sie erinnern sich an die Diskussion ĂŒber den Dritten Nachtrag â, dass die Gehaltssteigerungen, die im öffentli- chen Dienst stattgefunden haben, auf der Grundlage des Tarifergebnisses im öffentlichen Dienst auch im Bereich der von Ihnen genannten Adressaten nachvollzogen wer- den können. Das ist der TV-L. Es hat sich ansonsten keine weitere Gehaltssteigerung fĂŒr die BeschĂ€ftigten im öffentlichen Dienst ergeben. Es gab in einem weiteren Tarifvertrag â das war nicht der TV-L, das war ein eigenes Tarifwerk â in der Tat die Sicherung der Mitgliedschaft Berlins in der TdL, was ein sehr wich- tiges Ergebnis war, und damit auch eine VerstĂ€ndigung darauf, die bestehenden Zielgruppen der Hauptstadtzula- ge, die ja besonders motiviert war, auch bei gleichzeitiger Mitgliedschaft Berlins in der TdL zu sichern. Die reale Lage hat das bekanntlich nicht verĂ€ndert. Aber ich kann Ihnen versichern, die Gehaltssteigerungen werden voll- umfĂ€nglich abgebildet, wie es sich gehört. Vielen Dank! â Dann geht die erste Nachfrage an den Kollegen Ziller. â Bitte schön!
Wie Sie wissen, steht in der entsprechenden Rahmenver- einbarung zur Finanzierung der Entgelte fĂŒr unsere Kitas bekanntermaĂen: die Umsetzung des Tarifvertrages in- klusive Sonder- und Einmalzahlung, also auch der Haupt- stadtzulage. Wird der Senat diesen Vertrag einhalten und damit dafĂŒr sorgen, dass die BeschĂ€ftigten in den Berliner Kitas gleiches Geld fĂŒr gleiche Arbeit bekommen, also auch die Hauptstadtzulage? Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank! â SelbstverstĂ€ndlich hĂ€lt sich der Senat an geltende Regeln. Das steht doch wohl voll- kommen auĂer Zweifel. Vielen Dank! â Dann geht die nĂ€chste Nachfrage an den Kollegen Bocian. â Bitte schön!
Danke, Frau PrĂ€sidentin! â Vielleicht könnten Sie noch mal etwas dazu sagen, wie wichtig die Mitgliedschaft im TV-L fĂŒr unsere Stadt ist. Herr Senator, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen Dank! â Ich glaube, die Haushaltslage ist allen bekannt und die Erfahrungen aus solchen LĂ€ndern, die aus der TdL ausgeschieden sind, belegen, dass es nicht besonders vorteilhaft fĂŒr die BeschĂ€ftigten eines Landes und auch nicht fĂŒr das Bundesland ist, wenn sich einzelne LĂ€nder auĂerhalb der Tarifgemeinschaft bewegen. Eine andere Frage ist, wie vorteilhaft es ist â und wir blicken gerade interessiert auf die Verhandlungen rund um den öffentlichen Dienst des Bundes und der Kom- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6312 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 munen â, dass wir uns dort zeitlich so weit auseinander bewegen, und nicht enger abgestimmt agieren. Denn natĂŒrlich werden wir anschlieĂend auch in unseren Tarif- verhandlungen von dem geprĂ€gt sein, was jetzt Ergebnis der Verhandlungen zum TVöD ist. Es laufen auch Ge- sprĂ€che zwischen den Tarifgemeinschaften zu der Frage, ob diesem Umstand in Zukunft klug begegnet werden kann. Aber es ist jedenfalls entscheidend fĂŒr ein Bundes- land und auch im Sinne der BeschĂ€ftigten, Mitglied einer Tarifgemeinschaft zu sein. Richtig ist, und damit hat es ĂŒbrigens auch zu tun, das Tarifrecht immer eine ausgesprochen herausfordernde und auch komplexe Rechtsmaterie ist. Deswegen gibt es dann auch keine einfache Auslegung geltender Vorschrif- ten. Es gibt natĂŒrlich unterschiedliche rechtliche Auffas- sungen zu der Frage, was jetzt zwingend zu ĂŒbertragen ist, was nicht zu ĂŒbertragen ist. Da hat dann jeder Akteur seine Meinung, jeder Akteur seine Rolle. Aber noch ein- mal: Das lĂ€sst sich im Rahmen von Tarifgemeinschaften deutlich besser ausarbeiten und dann anschlieĂend auch verhandeln und vertreten, als das in Einzelverhandlungen der Fall wĂ€re. Ich glaube, damit sind wir als Land Berlin auch wirklich gut dabei, dass es gelungen ist, die Hauptstadtzulage, die ja ausdrĂŒcklich fĂŒr den Ausgleich der Konkurrenzbezie- hungen zwischen Landesverwaltung und Bundesverwal- tung gedacht ist, also einen sehr explizit ausgewiesenen EmpfĂ€ngerkreis und einem explizit ausgewiesenen Sach- grund hat, zu tarifieren. Noch einmal: Es hat jetzt keine reale GehaltsverĂ€nderung bedeutet. Insofern ist auch nicht zwingend damit zu rech- nen, dass das zu realen VerĂ€nderungen ĂŒber das Tarifge- schehen hinaus fĂŒhrt. Aber dadurch die Mitgliedschaft Berlins zu erhalten, das war ein wirklich entscheidender Erfolg. Vielen Dank, Herr Senator! Dann geht die nĂ€chste Frage an die Linksfraktion und dort an die Kollegin Eralp. â Bitte schön!
Vielen Dank, sehr geehrte PrĂ€sidentin! â âMoabit hilftâ, eine der wichtigsten Beratungs- und UnterstĂŒtzungsstruk- turen fĂŒr GeflĂŒchtete und sozial Benachteiligte, steht vor dem Aus, weil die BIM sie aus den RĂ€umen wirft. Was tut der Senat, um diese wichtige Einrichtung zu retten? Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank! â Der Sachverhalt ist auch mir vorgetragen worden. Ich habe veranlasst, dass wir dort einmal GesprĂ€che darĂŒber fĂŒhren, wie sich die Situation in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie wir dazu beitragen können, mit dem misslichen Umstand, den Sie beschreiben, so umzugehen, dass er fĂŒr alle Beteilig- ten dann auch zu einer gut vertrĂ€glichen Lösung fĂŒhrt. TatsĂ€chlich haben wir es nach meiner Kenntnislage nicht mehr mit einem bestehenden Mietvertrag zu tun, sondern mit einem mĂŒndlich, quasi konkludent fortbestehenden Mietvertrag nach Auslaufen eines frĂŒheren Mietvertrags. Offenbar gibt es auch unterschiedliche Auffassungen zu Umfang und Zeitpunkten fĂ€lliger Zahlungen sowie vieles andere mehr. Da will ich gar nicht so sehr ins Detail ge- hen im Sinne aller Betroffenen. Aber Sie können glauben, dass der Senat wie immer lösungsorientiert agiert. Mit der zustĂ€ndigen Fachverwaltung werden dazu auch noch GesprĂ€che stattzufinden haben, weil auch das Thema der finanziellen Ausstattung des Vereins, um Mietzahlungen zu leisten, sich ĂŒber die Jahre hinweg verĂ€ndert hat; auch das wird sicherlich mit zu beleuchten sein. Vielen Dank, Herr Senator! â Die erste Nachfrage geht an die Kollegin Eralp. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â âMoabit hilftâ hat ins- gesamt 170 000 Euro Miete und fast 40 000 Euro fĂŒr die Renovierungsarbeiten investiert. Wir denken, dass es angemessen ist, dass hier auch eine Lösung gefunden wird. Was ist die konkrete Lösung, die Sie jetzt vorschla- gen, und was ist der Zeitplan dafĂŒr? Denn Sie haben jetzt nur ganz allgemein gesprochen. Wir wollen konkret wis- sen: Wie unterstĂŒtzen Sie diese wichtige Einrichtung Berlins, die jetzt vor dem Aus steht? Das wĂ€re eine Kata- strophe fĂŒr Berlin. Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Frau Kolle- gin Abgeordnete! Sie werden nachvollziehen, dass die Allwissenheit des Finanzsenators nicht so weit reicht, wie Sie vermuten. (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6313 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Wenn mir ein Sachverhalt erst seit wenigen Stunden bekannt ist, dann kann ich Ihnen so viel sagen, dass ich mich der Lösungssuche annehme, ohne Ihnen schon kon- kret zu sagen, wie die Lösung aussieht. Ich glaube, das wird insoweit nachvollziehbar sein, als wir lediglich die Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen und nicht die fĂŒr Zauberei sind. â Vielen Dank! Vielen Dank! â Die zweite Nachfrage geht an den Kolle- gen Omar. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Ich frage den Senat: Wie passt die KĂŒndigung, die jetzt ausgesprochen wurde â und das zum 1. Juni dieses Jahres, das heiĂt, in zwei Monaten â durch die BIM, mit dem Anspruch des Senats zusammen, Berlin zu einer sozialen Stadt zu machen, wenn solche sozialen TrĂ€ger wie âMoabit hilftâ, die seit zehn Jahren eine wichtige Arbeit in Berlin leisten, dann durch so eine Handlung des Senats beendet werden? Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank! â Sie werden verstehen â noch einmal â, dass angesichts des begrenzten Ăberblicks, den ich bisher habe, und der fehlenden DetailschĂ€rfe mein erstes Handeln darin bestand, die Beteiligten zusammen- zubringen, den Fall zu beleuchten und anschlieĂend ĂŒber mögliche Lösungen zu sprechen. GrundsĂ€tzlich gehört zu unseren Interessen als Land Berlin, und darĂŒber diskutieren wir regelmĂ€Ăig im Zu- sammenhang mit der Haushaltskonsolidierung und im Hauptausschuss, wenn es um die FlĂ€chennutzung des Landes Berlin geht, unsere landeseigenen Behörden zu- sammenzuziehen auf öffentlichen FlĂ€chen, anstatt fremde FlĂ€chen anzumieten. Auch da treten dann Nutzungskon- flikte auf. Diese lassen sich aber im Regelfall in Verabre- dungen ĂŒbereinbringen, und ĂŒber solche Verabredungen muss man sich jetzt miteinander verstĂ€ndigen. Darum geht es. Es tut mir sehr leid, dass ich nach wenigen Stun- den noch keine Lösung prĂ€sentieren kann. Es dĂŒrfte ziemlich genau vier Stunden her sein, dass ich den Sach- verhalt zum ersten Mal aufbereitet bekam. Vielen Dank! â Dann geht die erste Nachfrage an den Kollegen Omar. â Bitte schön! â Okay. Dann darf ich fragen: Gibt es eine zweite Nach- frage? Das ist nicht der Fall. Dann geht die nĂ€chste Frage an die AfD-Fraktion und den Abgeordneten Ubbelohde. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Die Feuerwehr arbeitet neuerdings Notrufe nach Dringlichkeit ab, und so frage ich den Senat: Welche MaĂnahmen werden ergriffen, um sicherzustellen, dass alle Notrufe tatsachengerecht Be- rĂŒcksichtigung finden und keine lebensbedrohlichen NotfĂ€lle ĂŒbersehen werden? Frau Senatorin Spranger, bitte schön! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung fĂŒr Inneres und Sport): Verehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir haben ein neues System eingefĂŒhrt â das sind die Notfallkategorien â, von dem ich glaube, dass es sehr gut ist, dass wir es eingefĂŒhrt haben. Das Ganze ist am 25. MĂ€rz 2025 in Kraft getreten. Ich habe mich be- reits am ersten Tag mit dem Ărztlichen Direktor der Feu- erwehr dazu unterhalten können, weil wir am Abend, als wir zusammengetroffen sind, schon die ersten Auswer- tungen dieser aktuellen Notfallkategorien bekommen haben. Sie wissen, dass die Berliner Feuerwehr jeden Tag un- wahrscheinlich viele NoteinsĂ€tze in Berlin zu bewĂ€ltigen hat. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen einerseits sehr dankbar, dass sie eine sehr gute Arbeit leisten, aber ich weiĂ auch, dass wir dort entsprechend Abhilfe schaffen mĂŒssen. Ich habe hier, im Hohen Haus, oder im Innen- ausschuss schon öfter darĂŒber berichten mĂŒssen, dass wir Situationen haben, in denen Menschen sehr schnell den Notfall fĂŒr sich deklarieren, der sich dann aber nicht als der schwerste Notfall herausstellt. Das heiĂt, wenn je- mand umgeknickt ist, wenn jemand einen Herzanfall oder einen Schlaganfall hat, sind das Unterschiede, und diese Unterschiede mĂŒssen wir machen. Ich habe an vielen Stellen immer wieder gesagt: Bitte rufen Sie die Feuer- wehr nur in dem Augenblick, wenn der Grund fĂŒr den Notruf wirklich lebensbedrohlich ist! â Denn die EinsĂ€t- ze, die wir fahren, sind wichtig, sind fĂŒr die Menschen, fĂŒr die Berlinerinnen und Berliner, fĂŒr die GĂ€ste sehr wichtig; aber wir mĂŒssen Unterscheidungen machen. Wir mĂŒssen Unterscheidungen machen in Kategorien â wo es wirklich lebensbedrohlich ist, muss sofort ge- (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6314 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 handelt werden â und Unterscheidungen machen, wo es sich um Kategorien handelt, die nicht so schnell behan- delt werden. Deshalb ist die EinfĂŒhrung dieser Notfallka- tegorien bisher auch in der EinschĂ€tzung der Berliner Feuerwehr sehr positiv angekommen. Ich bin sehr froh darĂŒber. Wir werden auch in der Ăffentlichkeitsarbeit viel mehr darĂŒber reden mĂŒssen, dass Menschen, die wirklich selbst zum Arzt gehen könnten, es bitte auch tun und wir nur dort, wo es lebensbedrohlich ist, in die Situa- tion kommen mĂŒssen, dass die Feuerwehr, die Rettungs- dienste sehr schnell bei ihnen sind; das sind die entspre- chenden Kategorien, die wir am 25. MĂ€rz eingefĂŒhrt haben. â Herzlichen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Dann geht die erste Nachfrage an den Abgeordneten Ubbelohde. â Bitte schön!
Wie plant denn der Berliner Senat, den dabei auftretenden Stress auch fĂŒr das Personal in der Einsatzleitstelle zu reduzieren, der durch die zunehmende Zahl an Notrufen und die neue Priorisierung entsteht? Frau Senatorin Spranger, bitte schön! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung fĂŒr Inneres und Sport): Sehr verehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr verehrter Herr Ab- geordneter! Sie wissen, dass wir das Rettungsdienstgesetz gerade sehr umfangreich ĂŒberarbeiten. Das Parlament wird es nicht nur in der Diskussion in diesem Jahr haben, sehr zeitnah, sondern wir haben auch dort viele MaĂnah- men â im Rettungsdienstgesetz â, die gerade dazu beitra- gen, zum Beispiel den Code-Review, dass wir dort ein- zelne Codes verĂ€ndern. Das heiĂt, wir haben VerbĂ€nde- anhörungen gemacht, wir haben genau zur Entlastung der Kolleginnen und Kollegen, die in den Callcentern dafĂŒr zustĂ€ndig sind, die richtige EinschĂ€tzung in der Sekunde zu machen: Wen schicke ich wie wohin? â â Wir haben NotĂ€rztinnen und NotĂ€rzte, NotfallsanitĂ€terinnen und NotfallsanitĂ€ter kĂŒnftig so zu reservieren, dass sie wirk- lich in den NotfĂ€llen auch agieren können. Und das alles haben wir selbstverstĂ€ndlich nicht nur gesetzlich festge- legt, sondern auch in der Beantwortung mit den Kolle- ginnen und Kollegen, die in Sekunden entscheiden, wen sie wohin schicken. Ich denke, das ist eine Entlastung, und wir haben sehr klare Vorschriften dafĂŒr. Wer das mal mitgemacht und sich das angeschaut hat, der ein oder andere Abgeordnete war ja schon mal da, sieht, dass es ein sehr professionelles Arbeiten der Kolleginnen und Kollegen dort vor Ort ist, was in den Entscheidungen nicht immer sehr einfach ist. Ich bedanke mich auch fĂŒr diese Arbeit. â Danke schön! Vielen Dank! â Dann geht die zweite Nachfrage an den Kollegen Franco und in die Fraktion BĂŒndnis 90/Die
Herzlichen Dank, Herr PrĂ€sident! â BezĂŒglich der ge- planten Ănderung der Verordnung zum Schutz vor Ge- rĂ€uschemissionen frage ich den Senat, welche Tage ex- plizit betroffen sind. Das macht die Umweltsenatorin Frau Bonde. â Bitte schön! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Simon! Die geplante Ănderung der Verordnung zum Schutz vor GerĂ€uschemissionen durch Veranstaltun- gen im Freien soll ermöglichen, an bestimmten kulturell und gesellschaftlich bedeutenden Tagen in Berlin lĂ€nger im Freien zu feiern. Im Fokus stehen dabei der 30. April, der 2. Oktober sowie der 21. Juni, um ein ausgelassenes Reinfeiern in die Feiertage zu erlauben. Dann frage ich den Kollegen Simon, ob er nachfragen möchte. â Das möchte er. â Bitte schön!
Ganz herzlichen Dank! â Warum werden gerade diese Tage ausgewĂ€hlt? Bitte schön, Frau Senatorin! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Verehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrter Herr Abgeordne- ter Simon! Diese Tage sind besondere Tage, um zu fei- ern. 30. April â 1. Mai, Tag der Arbeit. Der Tag der Ar- beit steht traditionell fĂŒr die Rechte der Arbeitnehmerin- nen und Arbeitnehmer und soziale Errungenschaften. Das Reinfeiern in den 1. Mai ist in vielen Regionen Deutsch- lands fest verankert. Der 2. Oktober und der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit. Der Tag der Deutschen Einheit in Berlin ist natĂŒrlich der Tag, der in Berlin ganz herausragend gefeiert werden muss. Er ist der Tag der Wiedervereinigung, und als Nationalfeiertag hat er eine besondere Bedeutung fĂŒr das Zusammengehörigkeitsge- fĂŒhl der Bevölkerung. Jetzt komme ich zum 21. Juni. Die FĂȘte de la Musique, dieses internationale Musikfestival, findet alljĂ€hrlich am 21. Juni statt und ist in Berlin ein fester Bestandteil der musikkulturellen Szene. Es bietet lokalen und internationalen KĂŒnstlern eine BĂŒhne und wird von den Berlinerinnen und Berlinern begeistert gefeiert. Die zweite Nachfrage geht in die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, und zwar an den Kollegen Wesener. â Bitte schön!
Herzlichen Dank, Herr PrĂ€sident! â Frau Senatorin! In den Richtlinien der Regierungspolitik ist von fĂŒnf Tagen die Rede fĂŒr solche kulturellen Nutzungen und davon, dass die gebĂŒhrenfrei erfolgen sollen. Ich habe jetzt nur von drei Tagen gehört und das Wort âgebĂŒhrenfreiâ war auch nicht dabei. Vielleicht können Sie sich dazu noch mal positionieren. Bitte schön, Frau Senatorin Bonde! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Wesener! Drei Tage haben wir jetzt eingefĂŒhrt. Ich glaube, das ist gut, dass wir diese drei Tage einge- fĂŒhrt haben. Wir mĂŒssen natĂŒrlich auch schauen, wie die Anwohnerinnen und Anwohner auf diese Tage reagieren. Das war der Grund dafĂŒr, dass wir erst mal nur drei Tage eingefĂŒhrt haben. Zur GebĂŒhrenfreiheit: Wir haben hinsichtlich der Gastro- nomie sowieso GebĂŒhrenfreiheit fĂŒr die Sondernutzung. (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6316 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ich glaube, das war schon ein ganz wesentlicher Part, den wir ĂŒbernommen haben. â Vielen Dank! Die nĂ€chste Frage geht in die SPD-Fraktion an den Kol- legen Meyer. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Das ist ein denkwĂŒrdiger Tag. â Wie geht der Senat mit den Mietsteigerungen der BIM um, die die Konsolidierungsanstrengungen öffentlicher Einrichtun- gen unter anderem im Bereich Kultur belasten? â Danke! Wer aus dem Senat möchte mit der Frage umgehen? â Ich sehe groĂe â â Ja, der Finanzsenator macht es. â Bitte schön, Herr Senator! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank! â Der Irritation werden Sie ent- nehmen, dass wir etwas erstaunt sind ĂŒber die von Ihnen unterstellten Mieterhöhungen. Vielleicht sollten wir dar- ĂŒber noch mal sprechen. Dann frage ich den Kollegen, ob er nachfragen möchte.
Es wird tatsĂ€chlich gerade im Bereich der Kultur mehr- fach gesagt, dass Mietsteigerungen die Kultureinrichtun- gen sehr stark belasten werden. Da wĂ€re tatsĂ€chlich die Frage, ob das eine Finte ist. â Vielen Dank! Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Es bleibt dabei: Wir sollten noch einmal sprechen. Mei- nes Erachtens gab es durchaus ein Ansinnen der BIM, das durchaus gerechtfertigt sein könnte. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit unserer ImmobilienfinanzierungskreislĂ€u- fe ist aber gerade mit Blick auf die Konsolidierungs- zwĂ€nge des Haushalts zum aktuellen Zeitpunkt dem nicht entsprochen worden. Also insofern haben wir entweder unterschiedliche Sachverhalte, oder es gibt FĂ€lle, die Ihnen bekannt sind, aber mir und uns zum jetzigen Zeit- punkt nicht. Eine zweite Nachfrage gibt es hier nicht. Deswegen kommen wir schon zur nĂ€chsten Frage. Die geht an den Kollegen Luhmann. â Bitte schön, in die CDU-Fraktion!
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Ich war gestern bei einer Anwohnerversammlung bei mir im Wahlkreis, und da war groĂe Sorge bei der anstehenden Sanierung des Tempelhofer Damms B 96, die vom VorgĂ€ngersenat geplanten Umleitungen wĂŒrden durch Wohngebiete fĂŒh- ren und natĂŒrlich deshalb zu erschreckenden BeeintrĂ€ch- tigungen. Deshalb frage ich den Senat: Wie werden wir dieses Verkehrschaos verhindern? Das ist die ZustĂ€ndigkeit der Verkehrssenatorin. â Bitte sehr, Frau Senatorin Bonde! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Luhmann! Wir haben vorgesehen, dass es eine Zwei-plus-zwei-VerkehrsfĂŒhrung gibt, um eben den Ver- kehr nicht in die benachbarten Wohngebiete zu fĂŒhren, sondern um die benachbarten Wohngebiete zu entlasten. Das fĂŒhrt dazu, dass eine erhebliche CO2-Reduktion stattfindet, und das fĂŒhrt dazu, dass es natĂŒrlich fĂŒr die Anwohnerinnen und Anwohner zu einer erheblichen LĂ€rmreduzierung kommt. Herr Abgeordneter, möchten Sie noch nachfragen? â Das ist der Fall! â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Senatorin Bonde! â Das sind sehr gute Nachrichten fĂŒr die Anwohnerinnen und Anwohner dort. â Können Sie sagen, wie viel CO2 wir dort durch die BaumfĂ€llungen einsparen, anstatt die BĂ€ume nicht zu fĂ€llen? Wie viel CO2 wĂŒrden wir dort einsparen? (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6317 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Frau Senatorin Bonde! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Wir gehen nach aktuellem Stand von 30 000 Tonnen Einsparung aus. Im VerhĂ€ltnis zu den BĂ€umen, die eine CO2-Reduzierung herbeifĂŒhren wĂŒrden, wenn sie stehen- blieben, gehen wir von 9 Tonnen aus. Die zweite Nachfrage geht an die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen, und zwar an die Kollegin HassepaĂ. â Bitte schön!
Herzlichen Dank! â Sie haben ja gerade von 9 Tonnen gesprochen. Wenn wir langfristig sozusagen ein klima- schĂŒtzendes Konzept haben wollen, dann mĂŒssten wir uns natĂŒrlich fĂŒr die BĂ€ume entscheiden, und das war ja auch eine Lösung, die bereits geeint war. Deshalb ver- wundert es uns so ein bisschen, dass jetzt auf einmal gegen BĂ€ume entschieden werden soll. Sie mĂŒssten bitte eine Frage stellen, Frau Kollegin. Das ist das Konzept der Fragestunde.
Ja. Also ich habe die Frage noch nicht so richtig verstanden, aber Frau Senatorin Bonde beantwortet sie trotzdem. Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Frau Hasse- paĂ! Ich glaube, ich habe die Frage verstanden und inso- fern beantworte ich sie gern. Also eine Lösung, wie Sie sie gerade geschildert haben, gab es nicht, sondern es gab vielmehr ursprĂŒnglich ein Gutachten im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, das davon ausging, dass die BĂ€ume, die nun tatsĂ€chlich gefĂ€llt wer- den mĂŒssen, die BaumaĂnahme nicht ĂŒberleben werden wegen ihres schlechten Zustandes. Erst als wieder in Rede stand, dass ein Zwei-plus-zwei-Konzept aufgelegt wird, also zwei Spuren jeweils auf dem Tempelhofer Damm, gab es plötzlich ein neues Gutachten aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg, das zu einer anderen EinschĂ€tzung der BĂ€ume kam. Das ist der erste Punkt. Der zweite Punkt ist aber, dass natĂŒrlich fĂŒr jeden gefĂ€ll- ten Baum eine Ersatzpflanzung stattfinden muss und insofern wird die CO2-Einsparung, die nun durch die gefĂ€llten BĂ€ume nicht stattfindet, durch Neupflanzungen kompensiert. Die nĂ€chste Frage geht in die Linksfraktion, und zwar an die Kollegin Brychcy. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Ich frage den Senat: Erst letzte Woche haben die Berliner Schulen mitgeteilt bekommen, ob und wie viele Mittel ihnen aus dem Bonusprogramm ab 1. April zustehen werden. Wie unterstĂŒtzt der Senat die Schulen, die ab sofort keine Mittel mehr aus dem Bonus- programm erhalten und auch nicht aus dem Startchancen- Programm, damit wichtige Angebote der Schulsozialar- beit und des Ganztags nicht wegfallen mĂŒssen. Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Sehr geehrte Abgeordne- te! Sehr geehrte Frau Brychcy! Das Thema hatten wir bereits in der Vergangenheit mehrmals im Bildungsaus- schuss, und ich kann mich immer nur wiederholen: Es ist sehr begrĂŒĂenswert, wenn unsere Berliner Schulen das Bonusprogramm verlassen können, denn sie gelangen in das Bonusprogramm, weil sie in sehr herausfordernden sozialen Lagen sind, weil sie SchĂŒler haben, die aus her- ausfordernden Situationen die Schulen besuchen. Das heiĂt, wenn eine Schule nicht mehr im Bonusprogramm ist, bedeutet das gleichzeitig, dass die Schulentwicklung im positiven Sinne sehr gelungen ist. Die Schulen wussten bereits Ende letzten Jahres, dass sowohl die ĂberprĂŒfung der Zugehörigkeit zum Bonus- programm stattfindet als auch die Ăberarbeitung der Schultypisierung. Sie sind im Januar darĂŒber informiert worden, die Schulen zumindest, die das Bonusprogramm verlassen, dass dies der Fall sein wird. Sie haben fĂŒr das erste Quartal Ăbergangsmittel in Höhe von mehreren Tausend Euro bekommen, um genau das zu vermeiden, was Sie gerade beschrieben haben, nĂ€mlich dass man vom Dezember zum Januar abrupt etwas beenden muss, sodass ein Quartal lang die Zeit da war, die Programme zu beenden. Im Ăbrigen ist dieses Verfahren nicht in diesem Senat irgendwie verĂ€ndert worden, sondern ist in der Vergangenheit genauso gehandhabt worden, wenn Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6318 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 alle drei Jahre die Bonusschulen ĂŒberprĂŒft worden sind, ob sie weiterhin von dem Programm partizipieren kön- nen, sodass das fĂŒr die Schulen und auch im Verfahren keine Ănderung oder keine Neuerung darstellt. â Vielen Dank! Frau Abgeordnete, möchten Sie nachfragen? â Das ist der Fall. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Es gibt ja einzelne Schulen, die jetzt 60 000 Euro in 2025 weniger erhalten werden, und der StaatssekretĂ€r kĂŒndigte an, dass fĂŒr solche HĂ€rtefĂ€lle eine Lösung gefunden wird. Welche Lösung plant der Senat? Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Frau Brychcy! Das sind individuelle Lösungen, die können wir gern bilateral besprechen, zunĂ€chst werden diese mit den Schulen besprochen. Da gibt es keine pauschale Lösung, sondern da wird ganz individuell am jeweiligen Standort geschaut, wie mit dem Schulkollegium bis zum Schuljah- resende, also zum 31. Juli dieses Jahres, damit umgegan- gen werden kann. Dann geht die zweite Nachfrage an die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen, an den Kollegen KrĂŒger.
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Auch zum Bonuspro- gramm: Ich habe von einer Schule gehört, dass sie in diesem Jahr anstatt der sonst ĂŒblichen 100 000 Euro nur 80 000 Euro bekommen soll und die restlichen 20 000 Euro aus den Mitteln des Startchancen- Programms finanziert werden soll. Da stellt sich fĂŒr mich die Frage: Wollen Sie das Startchancen-Programm nut- zen, um LĂŒcken im Berliner Landeshaushalt zu fĂŒllen und fĂŒhren Sie damit das so wichtige Programm nicht ad absurdum? Bitte sehr, Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrter Herr KrĂŒger! Dann fĂŒhre ich doch noch mal aus, das, was bisher nicht gewĂŒnscht war, was wir im Bildungsausschuss schon sehr ausfĂŒhrlich besprochen haben: Wir haben dieses Jahr die Situation, dass zum einen ganz regulĂ€r im Dreijahres- takt das Bonusprogramm auslĂ€uft, das ist immer mit den Haushaltsjahren, nicht mit den Schuljahren, das ist ein- fach der Landeshaushaltsordnung geschuldet. Gleichzeitig erfolgte die Ăberarbeitung der Schultypisie- rung, die â wie in den Jahren zuvor â auch die Grundlage fĂŒr das Bonusprogramm ist. Das heiĂt, wir haben Schu- len, die haben sich zum einen aufgrund ihrer eigenen Schulentwicklung weiterentwickelt und verlassen das Bonusprogramm. Wir haben aber auch Schulen, die ha- ben sich aufgrund der Schultypisierung aus dem Bonus- programm heraus entwickelt, weil sie nicht mehr in die Schultypisierungsstufen hineinfallen, die notwendig sind, um ins Bonusprogramm aufgenommen zu werden. Das dritte, ĂŒbergeordnete Thema ist, dass wir eine Flexi- bilisierung der Budgetmittel fĂŒr die Schulen haben. Das heiĂt, Sie haben das im Parlament ja auch alle beschlos- sen, wofĂŒr ich Ihnen, aber insbesondere die Praktiker drauĂen an unseren 800 Schulen sehr dankbar sind, es ermöglicht wird, dass die bisher sehr vielfĂ€ltigen und sehr unterschiedlichen Budgettöpfe, die unsere 800 öffent- lichen Schulen haben, nunmehr zusammengefĂŒhrt wer- den. Da das im Dezember zwar sehr wĂŒnschenswert, aber doch sehr kurzfristig passiert ist, sind wir momentan in der Situation, das technisch zu ermöglichen und geben deshalb fĂŒr den Ăbergangszeitraum Teilbudgets aus. Das bedeutet auch, dass es zu Ăberlappungen kommt inner- halb der Flexibilisierung, aber auch beim Austritt von Schulen und Eintritt von Schulen in das Bonusprogramm, was die unterschiedlichen Höhen mit sich bringt. Die Höhen kommen auch zustande durch die Schultypisie- rung und die Mittel, die da ausgereicht werden, sodass, das haben Sie vollkommen richtig dargestellt, es einzelne Schulen gibt, die zwar weiterhin im Bonusprogramm sind, aber weniger Mittel erreichen. Deshalb sagen wir ganz klar: Es sind aber auch gleichzeitig Schulen dabei, auch nicht alle, die im Startchancen-Programm mit aus- gewĂ€hlt sind, sodass das keine SparmaĂnahme ist, son- dern dass wir den Schulen sagen: Das sind die Notwen- digkeiten, die der Systematik des Bonusprogramms un- terliegen. â Aber einzelne Schulen haben zusĂ€tzlich die Möglichkeit, eventuell jetzt weniger Mittel durch zusĂ€tz- liche Mittel aus dem Startchancen-Programm auszuglei- chen, sodass das keine SparmaĂnahmen sind, sondern tatsĂ€chlich der Ăberlappung verschiedener Situationen und Programme geschuldet ist. (Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6319 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Vielen Dank! â Die Fragestunde ist damit fĂŒr heute been- det! Ich freue mich, heute noch einmal DienstkrĂ€fte der Poli- zeiakademie als GĂ€ste im Parlament begrĂŒĂen zu dĂŒrfen. â Schön, dass Sie da sind! Viel Erfolg fĂŒr Ihre Ausbil- dung! Ich rufe auf lfd. Nr. 3: âBauwende fĂŒr Berlin â ökologisch und sozialâ Mitteilung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 17. MĂ€rz 2025 Drucksache 19/2307 zur Volksinitiative gemÀà Artikel 61 Absatz 1 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2100 hierzu: Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke auf Annahme einer EntschlieĂung Drucksache 19/2332 und Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD auf Annahme einer EntschlieĂung Drucksache 19/2333 Die EntschlieĂungsantrĂ€ge liegen Ihnen als Tischvorlage vor. Die Anhörung der Vertrauenspersonen der Volksini- tiative ist in einer gemeinsamen Sitzung des Ausschuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, des Ausschus- ses fĂŒr Arbeit und Soziales und des Ausschusses fĂŒr Umwelt- und Klimaschutz erfolgt. Wir kommen nun zu der nach dem Abstimmungsgesetz vorgesehenen Aus- sprache im Plenum. FĂŒr die Besprechung steht den Frak- tionen jeweils eine Redezeit von fĂŒnf Minuten zur VerfĂŒ- gung. Es beginnt die Fraktion der CDU, und zwar der Kollege GrĂ€ff.
Das teilen wir!] â Das ist schön. Das hĂ€tten Sie als Koalition ja auch schon mal auf den Weg bringen können. Gemacht haben Sie es aber nicht. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6320 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 â Sie waren ja bis vor nicht allzu langer Zeit in der Koali- tion. Wenn wir uns da einig sind, dass Sie das viele Jahre lang hĂ€tten machen können. Den Punkt 5 möchte ich ausdrĂŒcklich herausheben, nĂ€m- lich dass wir alle Einflussmöglichkeiten nutzen möchten â das möchten wir auch dem Senat mit an die Hand geben â, um auf ein Förderprogramm âGewerbe zu Wohnenâ hinzuwirken. Und wir möchten in der StĂ€dtebauförderung wirklich alles möglich machen, damit auch Gewerbe zu nutzbarem Wohnraum umgebaut werden kann. Ich glau- be, wir sind in Berlin besonders betroffen, vielleicht mehr noch als die anderen groĂen StĂ€dte Hamburg, Frankfurt und MĂŒnchen beispielsweise. Wir werden in Zukunft EinzelhandelsflĂ€chen, aber auch BĂŒroflĂ€chen leer stehen haben. Deswegen ist das etwas, das wir auf jeden Fall tun möchten. Ich möchte allerdings auch noch mal einen kleinen Punkt klarmachen, der inhaltlich kein kleiner ist, wo wir anderer Auffassung sind. Ich darf aus dem Protokoll der Anhö- rung zitieren: BestandsertĂŒchtigung vor Neubau. â Das ist auch etwas, das die Opposition hier im Hause betreibt. Und ich darf auch zitieren: Es ist nicht so, dass wir groĂe Neubauvorhaben begrĂŒĂen. â Zitat Ende. â Das sagten leider auch die Initiatoren dieses Begehrens. Da sage ich fĂŒr uns jedenfalls als CDU-Fraktion: Das sehen wir grundsĂ€tzlich anders. Es braucht alle Möglichkeiten. Es braucht selbstverstĂ€ndlich den Wohnungsneubau. Es braucht die Dachaufstockung. Es braucht die LĂŒckenfĂŒl- lungen in Berlin. Aber es braucht auch neue Gebiete, in denen wir groĂflĂ€chig bezahlbaren Wohnungsneubau in dieser Stadt machen, denn ohne alle diese MaĂnahmen werden wir nicht den Wohnungsneubau hinbekommen, den wir in dieser Stadt brauchen, um den Markt zu ent- schĂ€rfen. An dieser Stelle sind wir mit der Initiative nicht einer Meinung. Nichtsdestotrotz bedanken wir uns selbstverstĂ€ndlich fĂŒr dieses bĂŒrgerschaftliche Engage- ment! â Vielen Dank! FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege Schwarze das Wort.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! 34 985 Berlinerinnen und Berliner haben fĂŒr eine ökologische und soziale Bauwende unterschrie- ben. 34 985 Berlinerinnen und Berliner haben dafĂŒr un- terschrieben, dass Klimaschutz in der Stadtentwicklung groĂgeschrieben wird und dass bestehende GebĂ€ude umgebaut werden, statt sie abzureiĂen. Danke fĂŒr diese UnterstĂŒtzung und auch Danke an die Initiatoren! Denn es geht um nicht weniger als die Zu- kunft unserer Stadt. Es ist eben nicht so, wie gerade auch von Herrn GrĂ€ff noch mal gesagt und behauptet wurde, dass sich die Initiative gegen jeden Neubau richten wĂŒrde und das Bauen verhindern möchte. â Im Protokoll â Sie rufen es ja gerade hier rein â steht es auch an vielen Stellen anders, als Sie es gerade dargelegt haben. Die Stellen haben Sie natĂŒrlich jetzt nicht zitiert. Um was es aber sehr wohl geht, ist, wie wir mit unseren Ressourcen verantwortungsvoll umgehen, wie wir eine zukunftsorientierte Stadtplanung angesichts des Klima- wandels gestalten und wie diese aussehen muss. Denn klar ist doch, der Fokus auf immer mehr Beton muss ein Ende haben. Die Volksinitiative hat uns mit ihren sechs Forderungen klar aufgezeigt und formuliert, wohin die Reise gehen muss. Diese sechs wichtigen Forderungen haben wir deshalb auch in unseren EntschlieĂungsantrag aufgenommen, und fĂŒr die werden wir auch ĂŒber den heutigen Tag hinaus kĂ€mpfen. Gleichzeitig mĂŒssen wir feststellen, dass die Koalition nicht alle diese Ziele teilt. Leider kommt Ihr Antrag an vielen Stellen auch nicht ĂŒber den Konjunktiv hinaus. Immer, wenn es konkret werden kann und muss, domi- nieren die Worte: kĂ€me, wĂŒrde, bestĂŒnde. Deshalb frage ich: Warum bestĂŒnde der wichtige Neuansatz in einer COâ- und Lebenszyklusbetrachtung von Immobilien? Warum besteht er nicht darin? Und warum fordern Sie nicht die umgehende Umsetzung auf Landesebene? Wo wir gerade dabei sind: Warum reiĂt der Senat immer noch GebĂ€ude ab, statt sie umzubauen, wie zuletzt an der Urania 4 bis 10 oder beim SEZ? Es ist zu begrĂŒĂen, dass die Koalition den Umbau von Nicht-WohngebĂ€uden zu WohngebĂ€uden unterstĂŒtzen will. Wir haben in Berlin ĂŒber eine Million Quadratmeter leer stehende BĂŒros. Das ist ein enormes Potenzial fĂŒr die dringend benötigten Wohnungen. Was ich nicht verstehe: Warum geht Berlin nicht voran und schafft eigene Fördermöglichkeiten? Warum verweisen Sie nur auf den Bund? Es heiĂt doch sonst auch immer: Jede Wohnung zĂ€hlt. Und weil es eben von meinem Vorredner so gepriesen wurde: Wir sind gespannt, was wirklich bei der Grund- steuer C passiert. Bis Juni soll ja jetzt der Senat einen Zeitplan zur EinfĂŒhrung vorlegen. Ihre ZeitplĂ€ne kennen wir; mal sehen, ob es hier dann wirklich vorangeht. (Christian GrĂ€ff) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6321 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Und dann â und ich muss das einmal so deutlich sagen â grĂŒĂt aus Ihrem Antrag das tĂ€gliche Murmeltier in Ge- stalt des Schneller-Bauen-Gesetzes. [Beifall von Christian GrĂ€ff (CDU) und Peer Mock-StĂŒmer (CDU) â
Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Um bei meinem Vorredner anzuknĂŒpfen: Ich glaube, wir liegen an vielen Punkten nicht in der Sache auseinander, aber manchmal wĂ€re es besser, wenn aus der richtigen Be- trachtung dann auch das richtige Machen folgt. Und bei dem richtigen Machen tun Sie sich eben leider sehr schwer und finden viel zu viele Vorhaben, bei denen man dann doch immer sagt: Hier nicht und dort nicht und vor allen Dingen nicht, wo ich selber bin. Insofern: Ja, es geht um ein Bekenntnis zur Bauwende, und ja, der Antrag, den die Koalition vorlegt, beinhaltet das. Klar ist es so: Auch dort â ist richtigerweise gesagt worden â muss bei vielen Punkten aus dem Konjunktiv noch das Machen werden. Und deswegen stehen da aber konkrete EinzelmaĂnahmen schon drin. Es stimmt: Dar- aus mĂŒssen noch mehr werden. Der Antrag ist aber be- wusst so formuliert, dass es jetzt um einen sinnvollen Anfang geht. Dass der Anfang eine Fortsetzungsge- schichte werden soll, wird, glaube ich, auch aus dem Antrag klar. Die Pflicht, wenn Sie so wollen, des Abgeordnetenhauses â eine Anhörung, eine Diskussion â hat stattgefunden, und sie war ja auch durchaus spannend. Jetzt geht es um die KĂŒr: was geschehen kann und auch, was geschehen soll. Wenn man sich das mal insgesamt anschaut, heiĂt ökologische und soziale Bauwende im Grundsatz: so nachhaltig wie möglich bauen, so preiswert wie möglich bauen, so wenig wie möglich versiegeln und, jetzt wird es technisch, die Lebenszyklusbetrachtung von GebĂ€uden in Sachen klimarelevanter Gasemissionen einfĂŒhren, statt nur den Verbrauch nach Bau und vor Abriss zu betrach- ten und diesen zu minimieren; das ist der bisherige An- satz, und der ist eben unrichtig. Deswegen ist das auch der Dreh- und Angelpunkt, nur es macht jetzt auch keinen Sinn zu ignorieren, dass alle Regelwerke praktisch anders ausgelegt sind. Es wird nur langfristig möglich sein, das zu Ă€ndern, und das Land Berlin kann mit konkreten Schritten beginnen. Beim Neubau werden damit nachhaltige und klimaschonende Baumaterialien ebenso begĂŒnstigt wie Erhalt und Sanie- rung von GebĂ€uden gegenĂŒber Abriss. Das haben wir in dem Antrag auch beschrieben. Deswegen muss man sich aber auch im Klaren darĂŒber sein, dass es eben nicht möglich sein wird â wie Ihr Antrag nun wiederum sugge- riert â, dass wir Neuversiegelung null erreichen können, wenn wir nur alle Potenziale zur Erhaltung und Umnut- zung bestehender GebĂ€ude nutzen. Das ist zu wenig, sondern es kommt darauf an, FlĂ€chen, auch gelegentlich durch Abriss, fĂŒr höhere Ausnutzung zu öffnen. Sie glau- ben doch nicht im Ernst, dass es schlecht fĂŒr das Bauen wĂ€re, wenn das ICC-Parkhaus abgerissen wird und dort zum Beispiel ein Hotel gebaut wird. Das ist doch falsch, das zu erhalten. â Doch, aller! â Entsiegeln mĂŒssen wir. DafĂŒr kommt es aber im Wesentlichen darauf an, auch an bestehende GebĂ€udestrukturen heranzugehen. Im Wesentlichen sind das im Ăbrigen StraĂengebĂ€ude wie Autobahnen. Wir haben ĂŒberflĂŒssige Autobahnkreuze in Schöneberg, und (Julian Schwarze) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6322 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 an vielen Stellen der Autobahnstummel in Berlin reichen sicherlich auch einfache StraĂen aus. In diese Richtung mĂŒssen wir das hinentwickeln, das heiĂt Entsiegeln. Es geht nicht nur um das Umnutzen, sondern es geht auch um das Aufbrechen ĂŒberflĂŒssiger Versiegelungen. Und dann, das ist auch ein Punkt, der wichtig ist: Wir mĂŒssen schneller werden. Das heiĂt, es reicht nicht, nur gleich schnell zu bleiben oder nicht langsamer zu werden. Deswegen ist es so: Wenn wir mit der Lebenszyklusbe- trachtung erfolgreich sind, muss sie am Anfang eines Verfahrens stehen. Sie muss auch mit qualifizierten SchĂ€tzungen arbeiten können, und in der Kombination mit Preisen, die mehr und mehr hoffentlich auch die kli- matische Wahrheit sagen, kommen wir dann weiter. Die Zeit wird kaum ausreichen, um noch etwas zu den Registern zu sagen. Jawohl, die spielen eine Rolle. Wir wollen aber nicht dort starten, dass wir erst mal alle WohngebĂ€ude erfassen, sondern wir wollen insbesondere mit denen starten, wo es Fehler gibt, also wenn Sie so wollen, wo Zweckentfremdungen aller Art drin sind. Und da ist es tatsĂ€chlich wichtig, das möglichst rasch in Berlin zu machen und auch gelegentlich dafĂŒr zu sorgen, dass die behördlichen Erkenntnisse festgehalten werden. Viel- leicht sind die auch nĂŒtzlich fĂŒr die FinanzĂ€mter, um zu mehr Steuerehrlichkeit in diesem Bereich zu kommen. Das heiĂt also: Vieles ist zu tun, vieles wird geschehen. FĂŒr den Punkt der Quartiersentwicklung reicht jetzt die Zeit nicht mehr. â Ich danke fĂŒr die Aufmerksamkeit! Bitte stimmen Sie dem Antrag, den die Koalition vorge- legt hat, zu! Dann folgt fĂŒr die Linksfraktion die Kollegin Gennburg.
Herr Vorsitzender! Meine Damen und Herren! Ich finde es sehr gut, dass die GrĂŒnen noch einmal einen entspre- chenden Antrag vorgelegt haben. Das belegt genau das, was wir immer gesagt haben. Im Grunde ist das ein An- trag, diese ganze Volksinitiative, aus dem grĂŒnen Vorfeld und Umfeld, der nur noch mal getarnt ist durch das Wort âVolkâ, aber im Prinzip hat er nur einen grĂŒnen Mantel an und sonst weiter nichts. Wir wissen also sofort, woher der Wind geweht hat, und wir sehen wieder, wohin der Wind weht. Sie fordern ein Bestandsregister fĂŒr leer stehende GebĂ€u- de. Was wollen Sie denn damit machen? Was genau haben Sie damit vor? â Ich gehe davon aus, Sie wollen das fĂŒr Restriktionen und Drangsal gegen die EigentĂŒmer nutzen, das, was Sie immer machen. Das atmet den Geist der Meldestelle und ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass dem Linkskartell privates Eigentum ein GrĂ€uel ist. Da darf man sich auch nicht wundern, wenn man sich das Bundestagswahlergebnis ansieht. Die Hauptstadt der DDR ist wieder auf dem Vormarsch. [Beifall bei der AfD â
Sie nicht!] Eine verpflichtende PrĂŒfung der Nutzungspotenziale von GebĂ€uden vor Abriss fordern Sie auch â na ja, was denn sonst? Das macht doch jeder vernĂŒnftige Bauherr. SpĂ€tes- tens ein Architekt wird ein Auge darauf werfen, ob es vernĂŒnftig ist, das aktuelle GebĂ€ude zu sanieren oder das aktuelle GebĂ€ude abzureiĂen und neu zu bauen. Was wir aber ĂŒberhaupt nicht brauchen, sind Gesetze und Verordnungen, die irgendjemanden dazu verpflichten. Denn wie geht das aus? Wir brauchen im Gegenteil er- heblichen RĂŒckbau von Gesetzen und Verordnungen. Wie geht das denn aus? Wenn das, was Sie wollen, erst mal Gesetz ist, werden sich Behörden und Gerichte mit EigentĂŒmern ĂŒber die Definition nutzbar oder nicht strei- ten. Das ist doch genau, was Sie wollen. Das fĂŒhrt doch wieder zu Blockaden, und da wird wieder nichts gebaut. Das ist doch der Sinn dieser Geschichte. Ein gutes Beispiel fĂŒr das, was Sie hier anfĂŒhren, Bauen im Bestand und Sanierung, ist doch das Haus der Statis- tik. Diese Schrottimmobilie, die ursprĂŒnglich 120 Millio- nen Euro Sanierung kosten sollte, kostet jetzt genau das Dreifache, 350 Millionen Euro. Und was haben Sie damit gemacht? Herr Otto! Was haben Sie an AntrĂ€gen gestellt zum The- ma Asbest? Jetzt beerdigen Sie in dieser Schrottimmobi- lie den Asbest, weil Sie ihn nicht rauskriegen. Dann wollen Sie dauerhaften Leerstand und missbrĂ€uch- liche Nutzung sanktionieren. Das machen wir schon lĂ€ngst. Das ist doch ĂŒberhaupt nichts Neues. Das steht doch schon in dutzenden Gesetzen. Hier in dieser Stadt wird doch dem EigentĂŒmer hinterherspioniert und Dinge unterstellt, die es nicht gibt â ohne Ende. Also wofĂŒr brauchen wir dann noch ein neues Gesetz dazu? Auch da brauchen wir RĂŒckbau, um es klar zu sagen. Dann wollen Sie, dass nutzbare, leerstehende öffentliche GebĂ€ude genutzt werden sollen, statt neu zu bauen. Ja, klar, super! Da heben Sie jetzt besonders auf die BIM ab. Wenn Sie mal ab und zu zu den Veranstaltungen gehen wĂŒrden, wo die BIM Sie zur Besichtigung von GebĂ€uden einlĂ€dt, dann wĂŒssten Sie, dass das schwer sanierungsbe- dĂŒrftige GebĂ€ude sind. Die sind in dem aktuellen Status gar nicht nutzbar. Warum saniert man die nicht? Es wĂ€re doch ein Einfaches. â Ganz einfach, das sind denkmalge- schĂŒtzte GebĂ€ude, das kostet unfassbar viel Geld. Des- wegen sind diese GebĂ€ude fĂŒr die AnwendungsfĂ€lle in der Regel nicht nutzbar, und wenn doch, dann macht man das eben auch. (Katalin Gennburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6324 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Dann wollen Sie ein COâ-Budget fĂŒr GebĂ€ude. Und jetzt geht es los. Da sind wir nĂ€mlich genau beim Thema. An Ihrer Agenda 2030 sollt ihr Sie erkennen, die Götzenan- beter des COâ. Vormals starben wir alle am Virus. KĂŒnf- tig soll der Russe kommen. Und heute tanzen wir wieder mal um das goldene Kalb COâ. Das ist der Beginn der COâ-Budgetierung, der Testlauf fĂŒr das Individuum, welches sich in Zukunft mit drei Tonnen COâ per anno bescheiden soll. Das sagt den meis- ten Menschen nichts. Deshalb kann man Sie mit den Begriffen wie 15-Minuten-Stadt oder Stadt der kurzen Wege in die Irre fĂŒhren, denn eigentlich mĂŒsste es heiĂen die Stadt des goldenen KĂ€figs. Die BĂŒrger sollen zu ih- rem GlĂŒck gezwungen werden, keine FlĂŒge, kein Auto- fahren und wenn ĂŒberhaupt, dann zweimal die Woche, und die Heizung wird durch den warmen Pulli ersetzt. Dann wollen Sie noch Quartiere zusammendenken â das machen wir schon ewig â, Infrastruktur und so weiter, Wohnen, Arbeiten und Freizeit, tun wir lĂ€ngst. Bisher war das mein Eindruck. Es wĂ€re mir neu, wenn das jetzt anders wĂ€re. Dann möchte ich zum Schluss noch etwas sagen zu dem Thema von heute Morgen, zur TĂŒrkei. SelbstverstĂ€ndlich darf es nicht sein, dass ein BĂŒrgermeister aus dem Amt heraus verhaftet wird. Wo kommen wir denn da hin? Aber das ist doch ein Musterbeispiel fĂŒr das, was gerade hier in der EU ablĂ€uft. Was haben wir denn in RumĂ€nien gesehen? Da wird der Sieger der Vorwahl von der PrĂ€si- dentenwahl ausgeschlossen. Im Bundestag haben wir es vor zwei Tagen erlebt, wie zehn Millionen WĂ€hler ausgeschlossen werden von der Teilhabe. Das ist Sache hier in der EU und auch in Deutschland. Also mokieren Sie sich doch nicht ĂŒber die TĂŒrkei. [Beifall bei der AfD â
Bravo!] Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Wir kommen jetzt zur Abstimmung ĂŒber die beiden EntschlieĂungsan- trĂ€ge. ZunĂ€chst erfolgt die Abstimmung ĂŒber den frĂŒher eingegangenen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒ- nen und der Fraktion Die Linke. Wer dem Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke, Drucksache 19/2332, zustimmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das ist die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Linksfraktion. Wer da- gegen stimmt, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen von CDU, SPD, AfD und ein fraktionsloser Abgeordneter. Wer enthĂ€lt sich? â Das ist ein weiterer fraktionsloser Abgeordneter. Damit ist der Antrag abgelehnt. Dann folgt nun die Abstimmung ĂŒber den Antrag der Koalitionsfraktionen. Wer den Antrag der Koalitionsfrak- tionen, Drucksache 19/2333, annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die CDU- Fraktion und die SPD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? â Das sind die Fraktion BĂŒndnis 90/GrĂŒne, die Linksfrakti- on und AfD-Fraktion und ein fraktionsloser Abgeordne- ter. Wer enthĂ€lt sich? â Das ist ein weiterer fraktionsloser Abgeordneter. Damit ist der Antrag angenommen. Ich darf abschlieĂend festhalten, dass das in der Verfassung von Berlin und im Abstimmungsgesetz vorgesehene Verfahren zur Anhörung und Beratung der Volksinitiati- ve âBauwende fĂŒr Berlin â ökologisch und sozialâ frist- gerecht zum Abschluss gekommen ist. Wir kommen dann zur lfd. Nr. 4: PrioritĂ€ten gemÀà § 59 Abs. 2 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Ich rufe auf die lfd. Nr. 4.1: PrioritĂ€t der AfD-Fraktion Tagesordnungspunkt 26 Bonus statt Strafe â Nicht noch mehr BĂŒrokratie durch eine Ausbildungsplatzumlage Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2241 In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion und das mit Kollegin Auricht.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Wer nicht ausbildet, soll Strafe zahlen â so hat sich jĂŒngst Senatorin Kiziltepe zur geplanten Ausbildungsplatzumlage geĂ€u- Ăert. Ein bemerkenswerter Satz, denn kein Wort fiel da- bei ĂŒber die Frage, warum immer weniger Betriebe aus- bilden, kein Wort zu den strukturellen Problemen, unter denen vor allem kleine und mittlere Unternehmen leiden, und erst recht keine Selbstkritik an der Politik, die seit Jahren falsche Anreize setzt, BĂŒrokratie aufbaut und praxisferne Vorschriften produziert. Tausende junge Menschen in Berlin finden keinen Aus- bildungsplatz. Gleichzeitig ist die Zahl der Ausbildungs- plĂ€tze, die unbesetzt sind, auf dem Höchststand. Immer (Harald Laatsch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6325 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 mehr Betriebe bilden nicht mehr aus â weil sie es nicht können, nicht, weil sie es nicht wollen. Das muss hier auch einmal festgehalten werden. Aber unbeeindruckt von allen Bedenken und der RealitĂ€t will die SPD mit der Ausbildungsplatzumlage alle Unternehmen, die aktuell nicht ausbilden, zur Kasse bitten, pauschal und unabhĂ€n- gig von ihrer tatsĂ€chlichen Lage. Dieses Modell ist nicht gerecht, nicht wirksam und wirtschaftspolitisch völlig fehlgeleitet. Deshalb lehnen wir diesen Plan entschieden ab. Warum? â Erstens: Die Umlage bestraft die Falschen. Viele Unternehmen wĂŒrden gerne ausbilden, finden aber keine geeigneten Bewerber oder haben schlicht keine KapazitĂ€t mehr. Diese Betriebe mit einer Zwangsabgabe zu belasten, obwohl sie selbst unter der aktuellen Wirt- schaftslage und der Bildungspolitik leiden â vor allen Dingen der Bildungspolitik! â, ist zynisch. Zweitens: Die Umlage ist ein bĂŒrokratischer Irrweg. Wer entscheidet denn eigentlich, ob ein Betrieb ausbildungs- fĂ€hig ist? Nach welchen Kriterien, mit welchem Verwal- tungsapparat oder zu welchen Kosten? Drittens: Besonders betroffen sind der Mittelstand und das Handwerk, also genau jene, die das RĂŒckgrat unserer Wirtschaft bilden. Sie kĂ€mpfen bereits mit FachkrĂ€fte- mangel, hohen Steuern, Energiepreisen, Auflagen und Inflation. Jetzt noch eine Zwangsabgabe fĂŒr nicht vor- handene Azubis â das ist wirklich wirtschaftsfeindliche Politik. Viertens: Das Beispiel Bremen zeigt, wie wenig durch- dacht solche Umlagemodelle sind. Dort wurde genau das versucht. Mit dem Ergebnis: mehr BĂŒrokratie, rechtliche Unsicherheit und kaum eine Verbesserung auf dem Aus- bildungsmarkt. Was wĂ€re unsere Alternative? â Wir sagen ganz klar: Nicht Zwang, sondern Anreiz und UnterstĂŒtzung ist der richtige Weg; steuerliche Förderung fĂŒr ausbildende Betriebe. Wer ausbildet, soll spĂŒrbar entlastet werden durch echte steuerliche Vorteile, nicht durch Förderwirr- warr oder AntragshĂŒrden. [Beifall bei der AfD â
Bravo!] Um die Ausbildung besonders in Kleinunternehmen zu fördern, sollten Programme wie der Berliner Ausbil- dungsbonus gestĂ€rkt werden. Ausbau von Verbundaus- bildung: Kleine Betriebe können viel mehr leisten, wenn sie sich zusammenschlieĂen. Hier braucht es pragmati- sche UnterstĂŒtzung, nicht Paragrafendschungel. Passge- naue Vermittlung statt GieĂkanne: Wir brauchen Berufs- orientierung, die diesen Namen verdient, und eine realis- tische EinschĂ€tzung von FĂ€higkeiten und Ausbildungsrei- fe. Wir brauchen BĂŒrokratieabbau, nicht mehr Staat, sondern weniger. Denn es ist nicht Aufgabe des Staates, per Abgabe Unternehmen zu erziehen, sondern sie zu befĂ€higen auszubilden. [Beifall bei der AfD â
Richtig!] Was wir mit unserem Antrag nicht wollen, ist, neue Dop- pelstrukturen zu schaffen. Statt ein neues Umlagesystem mit eigener Verwaltung, PrĂŒfinstanz und Verteilstellen aufzubauen, sollten wir endlich damit anfangen, die be- stehenden Strukturen zur Ausbildungsförderung gezielt zu stĂ€rken: IHK, Handwerkskammern, Ausbildungsnetz- werke und vor allen Dingen die Schulen. Es gibt bereits viele gute AnsĂ€tze. Sie mĂŒssen ausgebaut und besser koordiniert werden. In einigen Branchen gibt es bereits funktionierende Umlagemodelle auf freiwilliger Basis. Diese Modelle funktionieren, weil sie von den Branchen selbst getragen und gestaltet werden und weil sie passgenau sind. Die SPD aber plant eine pauschale Einheitslösung nach dem Motto one size fits all ĂŒber alle Branchen hinweg. Das kann nicht funktionieren, weil es an der RealitĂ€t vorbeigeht. Jetzt kommt noch das taktische Paktieren. Es ist ein offe- nes Geheimnis: Die SPD will die Umlage, die CDU nicht. Das ist ĂŒberhaupt das Grundproblem in dieser Koalition. Statt endlich eine klare Entscheidung zu tref- fen, schlĂ€gt der Senat eine Hinhaltetaktik vor. Die Betrie- be sollen jetzt erst einmal zeigen, ob sie es vielleicht doch schaffen, 2 000 zusĂ€tzliche AusbildungsplĂ€tze zu schaf- fen â und wenn nicht, dann kommt aber die Umlage. Das ist ein politisches Manöver, das weder Verbindlichkeit schafft noch Vertrauen. Sie planen dann unter Vorbehalt, sie investieren zögerlich, und sie fragen sich zu Recht: Kommt die Abgabe? Wenn ja, wann, in welcher Höhe und unter welchen Kriterien? Da wir glauben, dass die SPD sich hier am Ende doch wieder durchsetzen wird, liebe CDU, sagen wir jetzt schon ganz klar: Wir wollen keine Zwangsabgaben, keine weiteren Belastungen fĂŒr unsere Unternehmen. Berlin braucht eine Ausbildungspolitik, die auf Eigenverantwor- tung, Förderung und unternehmerischer Freiheit basiert und nicht auf Abgaben und GĂ€ngelung. Frau Kollegin, Sie mĂŒssen bitte zum Schluss kommen!
â Ich komme zum Schluss! â Wir laden alle Fraktionen ein, unseren Weg mitzugehen, und bitten um UnterstĂŒt- zung fĂŒr unseren Antrag. â Vielen Dank! (Jeannette Auricht) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6326 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Dann folgt fĂŒr die CDU-Fraktion der Kollege Professor Dr. PĂ€tzold.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wer hat eigentlich Angst vor der Ausbil- dungsplatzumlage, Angst vor SolidaritĂ€t, vor Verantwor- tung, und wer fĂŒrchtet sich vor einer gerechten Zukunft? Die AfD legt uns heute einen Antrag vor, der vieles ist, populistisch, irrefĂŒhrend, und vor allem hat er wieder einmal ein erklĂ€rtes Feindbild: die Ausbildungsplatzum- lage. Das Ziel des Antrags ist im Kern nichts weiter als eine ErgĂ€nzung bestehender MaĂnahmen, damit ihre Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6327 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Reichweite gesteigert wird. Die einzige echte Lösung fĂŒr die Ausbildungskrise wird mit falschen Argumenten torpediert. Es werden wieder Ăngste geschĂŒrt und die RealitĂ€t in dieser Stadt ignoriert. Diese RealitĂ€t ist dramatisch. Tausende Jugendliche in Berlin sind auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz, doch ĂŒber 80 Prozent der Berliner Betriebe bilden aktuell nicht aus. Ich teile leider nicht Ihren Optimismus, Herr Dr. PĂ€tzold. Die Zahlen, die Sie so feiern, sind bei der Schaffung von AusbildungsplĂ€tzen im marginalen Be- reich um null Komma irgendwas gestiegen. Insofern ist hier noch sehr viel zu tun. Viele Betriebe bilden nicht aus, oft nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie sich diese Verantwortung schlichtweg nicht leisten können. Bei der Ausbildungs- platzumlage geht es um die Verteilung der Kosten auf viele Schultern. Die Unternehmen, die nicht ausbilden, zahlen eine Abgabe, die jenen Unternehmen hilft, die ausbilden wollen, es aber nicht können. Das ist Solidari- tĂ€t. Dadurch profitieren besonders kleine und mittlere Betriebe. Dieses System funktioniert lĂ€ngst in Unterneh- men wie Pflege und Bau erfolgreich und fair. Genau deshalb brauchen wir es jetzt auch fĂŒr ganz Berlin. Statt aber wirklich etwas verĂ€ndern zu wollen, beklagt die AfD-Fraktion lieber ein BĂŒrokratiemonster, dabei fordert sie paradoxerweise zusĂ€tzliche Förderprogramme und Pilotprojekte, was auch viel mehr BĂŒrokratie bedeutet. Wer wirklich BĂŒrokratie abbauen will, muss konsequent fĂŒr die Ausbildungsplatzumlage stimmen und nicht dage- gen Stimmung machen. Aktuell haben wir die Situation, dass in vielen Gremien und BĂŒndnissen geredet wird, aber nichts passiert. Dass die Ausbildungskrise hier nicht richtig gelöst wird, fĂŒhrt nicht nur zu persönlicher Frustration und verpassten Chancen fĂŒr junge Menschen, sondern verschĂ€rft lang- fristig den bereits gravierenden FachkrĂ€ftemangel in Berlin. Eigentlich ist das ein Zustand, der sofortiges Han- deln seitens des Senats fordert. Wir GrĂŒnen stehen kon- sequent fĂŒr die Ausbildungsplatzumlage, weil wir Ge- rechtigkeit und SolidaritĂ€t ernst nehmen. Wir fordern den Senat eindringlich auf: Bringen Sie endlich diese wichti- ge Reform auf den Weg! Im Gegensatz zur AfD-Fraktion haben wir als GrĂŒnen- fraktion viele sinnvolle VorschlĂ€ge gemacht: Mit dem Azubiwerk wollen wir bezahlbaren Wohnraum und einen Paradigmenwechsel schaffen, indem Auszubildende im Land Berlin endlich auf eine Stufe mit Studierenden gestellt werden. Mit dem Azubiticket wollen wir die AttraktivitĂ€t der Ausbildung noch weiter steigern. Frau Bonde, da sind Sie jetzt am Zug. Ăbernehmen Sie Ver- antwortung und stellen Sie das MobilitĂ€tsangebot ab September wieder sicher! Zum Schluss: Wir hören es aus verschiedensten Bran- chen, die ihren FachkrĂ€ftemangel nicht ohne auslĂ€ndische Fach- und ArbeitskrĂ€fte lösen wollen und können: Die AfD und ihre Ideologie sind ein Standortrisiko fĂŒr Deutschland. Sie hetzt immer wieder gegen Migration und damit genau gegen diese Menschen. Sie hetzt gegen Vielfalt und Offenheit und gefĂ€hrdet damit unseren Wohlstand, unsere Zukunft. Deswegen lehnen wir diesen Antrag ganz entschieden ab und bleiben weiterhin kĂ€mp- ferisch fĂŒr eine solidarische Ausbildungslandschaft. â Vielen Dank! FĂŒr die SPD-Fraktion folgt der Abgeordnete Meyer.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag der AfD-Fraktion zeugt fĂŒr mich von sehr viel Unkenntnis, was die Berliner Ausbildungs- landschaft anbelangt. Ich will nur ganz kurz darauf ein- gehen: Wir haben bezirkliche AusbildungsbĂŒndnisse beziehungsweise -netzwerke, wir haben auch bezirkliche Best-Practice-Auszeichnungen, wir haben diverse Pro- gramme, Unternehmen und SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zusammenzubekommen, wir haben diverse Förderpro- gramme, wovon vor allem kleine und mittlere Betriebe profitieren, die Verbundausbildung wird gefördert und vieles mehr. Von daher wirklich die Bitte an die AfD: Wenn Sie einen solchen Antrag stellen, informieren Sie sich bitte vorher, dann sparen wir hier viel Zeit. Ich nutze aber mal die Zeit und werde einiges ĂŒber die Ausbildungsplatzumlage erzĂ€hlen, was mir tatsĂ€chlich auch viel Freude bereitet. Ăber die Zahlen und Ăhnliches bezĂŒglich der Ausbil- dungssituation in Berlin haben wir vieles gehört. Es ist einiges besser geworden. Nichtdestotrotz muss man sa- gen: Was junge Menschen anbelangt, die keinen Ausbil- dungsplatz haben, die niedrige Quote an Ausbil- (Tonka Wojahn) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6328 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 dungsplĂ€tzen haben, die niedrige Anzahl der Ausbil- dungsbetriebe und auch die hohe Anzahl an Bildungsabb- recherinnen und -abbrechern, in all diesen Punkten ist Berlin unterdurchschnittlich, ist auf den letzten PlĂ€tzen. Das dĂŒrfen wir und das können wir so nicht einfach wei- ter akzeptieren. Wir mĂŒssen etwas tun. Die Situation hat GrĂŒnde. Die Herausforderungen in der Ausbildung sind immens, gerade in Berlin mit seiner Wirtschaftsstruktur. Das trifft die Unternehmen hier be- sonders hart. Woran liegt das? â Die KomplexitĂ€t der Ausbildungsberufe wird immer gröĂer, was eine immer stĂ€rkere Herausforderung sowohl fĂŒr die Auszubildenden als auch fĂŒr die Ausbildungsbetriebe bedeutet. Wie kön- nen Ausbildungsinhalte in einem Ausbildungsbetrieb komplett abgedeckt werden? Gehen Sie in die Ausbil- dungsbetriebe, das ist ein Riesenproblem. Ich komme noch darauf zu sprechen. Der technische Wandel wird immer schneller und entsprechend das Problem der Aus- bildungsbetriebe, auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Das kostet immens an Geld. Der Bedarf an Verbundaus- bildung steigt und damit eben auch die entsprechenden Kosten. Beispielsweise hat mir MAN erzĂ€hlt, dass sie ihre Azubis in ihrem Betrieb das erste Mal nach einem bis anderthalb Jahren sehen, vorher sind sie in der Ver- bundausbildung in anderen Betrieben. Nicht nur, dass das Geld kostet, sondern auch die Bindung zum Unternehmen wird immer mehr erschwert. Hinzu kommt der FachkrĂ€f- temangel und der Mangel an Ausbilderinnen und Ausbil- dern, auch das erschwert die Ausbildung fĂŒr die Betriebe, und letztlich der demografische Wandel, der in seiner wirklichen Dimension erst noch vor uns steht. Das alles ĂŒberfordert viele Ausbildungsbetriebe und all diese Her- ausforderungen können wir nur gemeinsam, und das heiĂt solidarisch, lösen. Die entscheidende Frage ist daher, wie wir Ausbildungs- betriebe zukunftsfĂ€hig machen und wie sie die nötige UnterstĂŒtzung bekommen. Es wĂ€re verheerend, so wie es hier auch wieder gefordert wird, dass der Staat weiter eingreift und auch noch den finanziellen Part in der be- trieblichen Ausbildung ĂŒbernimmt. Nicht nur, dass wir als Staat ĂŒberfordert sind â alle kennen hier die finanziel- le Situation â, sondern es ist auch inhaltlich der falsche Weg. Die etablierte Aufgabenaufteilung, der Staat finan- ziert und ist fĂŒr den schulischen Part in der Ausbildung zustĂ€ndig, und die Wirtschaft ĂŒbernimmt die betriebliche Ausbildung, ist die Aufteilung, die sich gezeigt hat, die erfolgreich ist und die wir auch stĂŒtzen mĂŒssen. Das ist genau der richtige Weg, das ist der erfolgreiche Weg. Jedoch muss aufgrund der Herausforderung die betriebli- che Ausbildung als Gesamtaufgabe der Wirtschaft be- trachtet werden. Es muss eine solidarische Aufgabe sein, denn mit guter Ausbildung steht und fĂ€llt letztlich die gesamte Wirtschaft. Genauso wie die Ausbildungsbetriebe letztlich fĂŒr die gesamte Wirtschaft ausbilden, muss auch die gesamte Wirtschaft an den Ausbildungskosten und letztlich damit an ihrer eigenen Zukunft beteiligt werden. Der immer wieder erhobene Vorwurf, dass es sich bei der Umlage um ein ideologisches Projekt handelt, ist hier völlig fehl am Platz und verdreht komplett die RealitĂ€t. Die ideologischen Scheuklappen liegen nicht bei uns, sondern bei denen, die die Umlage aus prinzipiellen GrĂŒnden ablehnen und damit die Zukunft der dualen Ausbildung gefĂ€hrden, denn wir brauchen dringend eine StĂ€rkung der Ausbildungsbetriebe. Hören Sie bitte zu! Gehen Sie zu den Betrieben in den Branchen, wo es eine Umlage gibt, ob im Bauhauptge- werbe, Landschaftsgartenbau, bei den Schornsteinfegern, Pflegern und so weiter und so fort. Ăberall dort wird die Umlage nicht zur akzeptiert, sie wird bevorzugt, es wird wirklich gesagt: Wir brauchen sie, wir benötigen sie, sie ist gut. â Ganz ehrlich, das sind keine Sozialisten. [Beifall bei der LINKEN â Vereinzelter Beifall bei den GRĂNEN â
Nein!] Die duale Ausbildung ist ein absolutes Erfolgsmodell, und weil wir sie als Erfolgsmodell erhalten wollen, weil wir sie zukunftsfĂ€hig machen wollen, mĂŒssen wir sie auch gemeinsam weiterentwickeln, und das heiĂt hier: auf breiten Schultern verteilen. Ich kann auch nur alle Beteiligten dazu aufrufen: Lasst uns gemeinsam die Zukunft der dualen Ausbildung gestalten und stĂ€rken, und zwar solidarisch und nachhaltig! Genau deshalb ist es wichtig, die Umlage nicht aus einer ideolo- gischen Perspektive zu diskutieren, sondern sie als das zu sehen, was sie ist, und zwar als eine echte Chance, die duale Ausbildung und damit auch die Unternehmen, die gesamte Wirtschaft und letztlich auch ganz Berlin zu stĂ€rken und zukunftsfĂ€hig zu machen. Wenn wir sie ein- fĂŒhren, das kann ich versichern, dann machen wir es gut und nachhaltig. â Vielen Dank! [Beifall bei der SPD und den GRĂNEN â
Dann schauen wir mal!] (Sven Meyer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6329 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Zum Abschluss der Runde fĂŒr die Linksfraktion der Kol- lege Valgolio.
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Liebe Kolleginnen und Kollegen! Auch in diesem Ausbildungsjahr sitzen in Berlin wieder mehrere Tausend Jugendliche unversorgt und ohne Ausbildungsplatz auf der StraĂe, obwohl sie ausbildungsfĂ€hig und ausbildungswillig sind. Das ist ein Zustand, den wir nicht akzeptieren können, und deswegen brauchen wir so schnell wie möglich die Ausbildungsplatzumlage, um zusĂ€tzliche Ausbildungs- plĂ€tze fĂŒr diese jungen Menschen zu schaffen. Der rot-grĂŒn-rote Senat hat schon 2022 ein fertiges Kon- zept fĂŒr die Umlage vorgelegt. Das hĂ€tte man nur in Ge- setzesform gieĂen mĂŒssen. Es ist ein Armutszeugnis, dass SPD und CDU bis heute nicht geliefert haben und die Umlage immer noch nicht da ist. Die Zahlen sind eindeutig, man kann sie auch nicht hin- und herjonglieren oder umdeuten: Im letzten Ausbil- dungsjahr waren 3 700 junge Menschen unversorgt. Im jetzt laufenden Jahr haben wir noch nicht alle aktuellen Zahlen, aber es sind wieder mehrere Tausend junge Men- schen, die keinen Ausbildungsplatz haben und denen noch nicht einmal eine freie Stelle angeboten werden kann, weil es eben zu wenige freie Stellen gibt. Dass die Ausbildungsplatzumlage zusĂ€tzliche Ausbil- dungsplĂ€tze schafft und dabei hilft, das kann eigentlich niemand, der halbwegs geradeaus denken kann, infrage stellen. Wenn wir uns mal das Bauhauptgewerbe anschauen, wo die Umlage 1975 zum ersten Mal eingefĂŒhrt worden ist: Dort ist die Ausbildungsquote innerhalb von drei Jahren, innerhalb eines Ausbildungszyklus, von 1,5 Prozent auf fast 5 Prozent 1979 gestiegen. Sie hat sich also fast ver- dreifacht. Da kann doch wirklich niemand ernsthaft sa- gen, dass die Ausbildungsplatzumlage nicht hilft, um zusĂ€tzliche AusbildungsplĂ€tze zu schaffen. Es ist auch völlig logisch, dass so neue AusbildungsplĂ€t- ze entstehen, denn was macht die Umlage? â Sie entlastet ganz massiv die Betriebe, die ausbilden, und natĂŒrlich â das hat auch Sven Meyer dargestellt â ist es fĂŒr ein Un- ternehmen eine ganz erhebliche finanzielle Belastung auszubilden. Wir reden ĂŒber hohe fĂŒnfstellige BetrĂ€ge fĂŒr die gesamte Ausbildung fĂŒr einen Auszubildenden. Da ist es doch klar, dass es schwer ist, das zu schultern, gerade fĂŒr ein kleineres Unternehmen. Es ist auch logisch, dass diese Unternehmen in dem Moment, wenn sie davon entlastet werden, weil man das solidarisch auf alle Unter- nehmen umlegt, mehr AusbildungsplĂ€tze schaffen kön- nen. Das ist doch so was von klar; das muss man hier doch eigentlich gar nicht erklĂ€ren. Deswegen ist es schlicht Unsinn zu sagen, dass die Aus- bildungsplatzumlage Unternehmen belastet. Das ist Quatsch, denn wenn man auf die Unternehmen und die Betriebe schaut, die ihre Pflicht erfĂŒllen und ausbilden, dann ist die Ausbildungsplatzumlage natĂŒrlich eine mas- sive Entlastung der Unternehmen. Wenn wir darĂŒber reden, wie wir Ausbildung stĂ€rken wollen, wie wir zu- sĂ€tzliche AusbildungsplĂ€tze schaffen wollen, dann mĂŒs- sen wir doch die Perspektive der Unternehmen einneh- men, die ausbilden, und nicht die Perspektive der schwar- zen Schafe, die nicht ausbilden. Deshalb brauchen wir so schnell wie möglich die Ausbildungsplatzumlage. â Vie- len Dank! Herr Kollege, ich nehme an, Sie möchten keine Zwi- schenfrage mehr beantworten? Der Kollege Wiedenhaupt aus der AfD-Fraktion hĂ€tte sonst das Begehr, eine zu stellen.
Nein, vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Arbeit und Soziales. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6330 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 lfd. Nr. 4.2: PrioritĂ€t der Fraktion der CDU Tagesordnungspunkt 39 Berlins StĂ€dtepartnerschaften weiterentwickeln â fĂŒr eine StĂ€dtepartnerschaft mit Tel Aviv Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2312 Der Kollege Cywinski fĂŒr die CDU-Fraktion fĂ€ngt an. Tom Jan Filip Cywinski (CDU): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Abgeordnete! SolidaritĂ€t â unsere Stadt hat diese in Zeiten von Teilung und Kaltem Krieg vielfach erfahren. Auch dank des Bei- stands unserer internationalen Freunde leben wir heute in Frieden in einer wiedervereinigten Stadt. Die Berlinerin- nen und Berliner haben das nicht vergessen. Heute kann unsere Stadt ihrerseits internationale SolidaritĂ€t ĂŒben. Zur VerfĂŒgung hierfĂŒr steht das Mittel der StĂ€dtepartner- schaften, und der Senat hat dieses ĂŒber zwei Jahrzehnte etwas vernachlĂ€ssigte Instrument neu belebt. Ein starkes Zeichen der SolidaritĂ€t mit Israel wollen wir heute mit Ihnen gemeinsam setzen. Das Land hat sich noch nicht von den barbarischen Terrorattacken vom 7. Oktober 2023 erholt. Ăber 1 000 Zivilisten wurden zum Teil bestialisch massakriert. Die Terroristen der Hamas halten noch immer verschleppte Menschen unter unmenschlichen Bedingungen gefangen. Unser MitgefĂŒhl und unseren Beistand wollen wir durch den Abschluss einer StĂ€dtepartnerschaft mit einer israeli- schen Stadt zum Ausdruck bringen, und welche Stadt wĂŒrde sich dafĂŒr besser eignen als Tel Aviv? Der FrĂŒhlingshĂŒgel, wie die Stadt auf Deutsch ĂŒbersetzt heiĂt, wurde 1909 von 66 jĂŒdischen Familien gegrĂŒndet. WĂ€hrend der Nazityrannei in Deutschland und in weiten Teilen Europas entwickelte sich Tel Aviv zum Zentrum jĂŒdischer Einwanderung. Heute haben Berlin und Tel Aviv viele Gemeinsamkeiten. Beide sind vielfĂ€ltige, bunte, diverse und kulturell lebendige Metropolen. Beide StĂ€dte sind stark in den Bereichen Wissenschaft und Forschung. Sowohl Berlin als auch Tel Aviv verfĂŒgen ĂŒber eine groĂe Start-up-Szene. Auch bestehen zwischen beiden StĂ€dten bereits vielfĂ€ltige kulturelle, wissenschaft- liche und wirtschaftliche Beziehungen, die man mit der StĂ€dtepartnerschaft noch weiter vertiefen kann. Ich möch- te zudem noch darauf hinweisen, dass sich unter den 18 PartnerstĂ€dten Berlins noch keine israelische Stadt befindet â ein Zustand, den der Senat Ă€ndern will. Wir wollen dies mit unserer parlamentarischen Initiative un- terstĂŒtzen. Konkret hat unsere Heimatstadt in den letzten zwei Jah- ren schon beispielhaft internationale SolidaritĂ€t geĂŒbt. Besonders deutlich wurde das auch in der vergangenen Sitzung des Ausschusses Bundes- und Europaangelegen- heiten, Medien. Der aktuelle Stand der StĂ€dtepartner- schaft mit Kiew stand auf der Tagesordnung. Wenige Monate nach dem Amtsantritt unterzeichnete Kai Wegner mit Vitali Klitschko eine StĂ€dtepartnerschaft zwischen den beiden HauptstĂ€dten. Seit ĂŒber drei Jahren leidet die vom russischen Diktator Putin völkerrechtswidrig ĂŒber- fallene Ukraine unter dem Krieg. Ein verbrecherischer Raketenkrieg Russlands auch gegen die Bevölkerung ukrainischer StĂ€dte fordert dabei zahlreiche Opfer. Allein die Zahl der Amputationsverletzungen in der Ukraine wurde Mitte vergangenen Jahres auf 30 000 bis 50 000 Menschen geschĂ€tzt. Im Rahmen eines Abkommens vereinbarten beide StĂ€dte daher auch gegenseitige huma- nitĂ€re Hilfe. Ein Beispiel hierfĂŒr ist das StĂ€dtepartner- schaftsprojekt Prothesenzentrum Berlin-Kiew. Im Rah- men des Projekts wurden ukrainische Prothesentechniker- trainees in Berlin in der Herstellung von Prothesen ge- schult. Ziel ist es, in Kiew die Versorgung verwundeter Soldaten und Zivilisten dauerhaft zu verbessern. StĂ€dtepartnerschaften â am Beispiel Kiews wurde es vor zwei Wochen besonders deutlich â sind eben dann erfolg- reich, wenn sich aus dem symbolischen Akt der Unter- zeichnung eines Vertrags auch konkretes, vielschichtiges und solidarisches Handeln entfaltet. Mit dem heutigen Antrag wollen wir die von unserer Heimatstadt gepflegte internationale SolidaritĂ€t nahtlos fortsetzen. Dabei hat der Antrag auch eine besondere Dringlichkeit. StĂ€dte wie das belgische LĂŒttich schlieĂen Beziehungen zu Israel aus. Das spanische Barcelona hatte sogar eine StĂ€dtepartner- schaft mit Tel Aviv zeitweise ausgesetzt. Antisemitische Straftaten in unserem Land nehmen zu, auch und in er- schreckendem MaĂ in unserer Heimatstadt. Lassen Sie uns heute und hier gemeinsam ein solidarisches Zeichen gegen den Hass setzen! Stimmen Sie dem Antrag zu! FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen spricht der Kol- lege Omar.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Tel Aviv und Berlin verbindet eine lange und tief verwurzelte Beziehung mit vielen Gemeinsamkeiten. Beide StĂ€dte sind dynamische, vielfĂ€ltige Metropolen mit einer offenen und lebendigen Zivilgesellschaft, die Viel- falt und Toleranz lebt. Als jemand, der vor einigen Jahren in Tel Aviv war und mit vielen Menschen und Initiativen gesprochen hat, kann ich sagen, dass diese Stadt mit ihrer Innovationskraft, Dynamik und Vielfalt in vielen Berei- chen ein wertvoller Partner fĂŒr Berlin sein kann, sei es in (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6331 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 der Start-up-Szene, in der Kultur oder in der Technologie. Diese StĂ€dtepartnerschaft darf aber nicht nur eine symbo- lische Geste der SolidaritĂ€t mit Israel sein. Sie bietet vielmehr die Chance, die bereits bestehende Verbindung zwischen den beiden StĂ€dten weiter zu stĂ€rken und der Zivilgesellschaft gerade in Israel, in Tel Aviv nach den furchtbaren TerroranschlĂ€gen der radikalislamischen Hamas am 7. Oktober 2023 ein starkes Signal der Unter- stĂŒtzung zu senden. Aber wir dĂŒrfen nicht vergessen, dass die Menschen in Tel Aviv auch in den letzten anderthalb Jahren mit groĂer Entschlossenheit fĂŒr die Freilassung der Geiseln und einen nachhaltigen Frieden in Israel, in PalĂ€stina ge- kĂ€mpft haben. Erst letzten Samstag sind mehr als 100 000 Menschen in Tel Aviv auf die StraĂe gegangen und haben fĂŒr einen Frieden mit den PalĂ€stinensern de- monstriert, ja, gegen die eigene rechte Regierung von Premierminister Netanjahu. Was mir persönlich in dieser Woche auch Hoffnung gegeben hat, ist, dass auch die Menschen in Gaza zu Tausenden auf die StraĂe gegangen und gegen Hamas aufgestanden sind und fĂŒr einen Frie- den mit Israel demonstriert haben. Die Menschen in Tel Aviv und im Gaza-Streifen sehnen sich nach nichts mehr als einem dauerhaften Frieden. Wir sollten Sie tatkrĂ€ftig unterstĂŒtzen. Sie sehnen sich nach einem Leben ohne Terror und Kriege, die bereits das Leben von Tausenden von Menschen auf beiden Seiten gekostet haben, unschuldige Menschen, Kinder und Frau- en. Herr Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner! StĂ€dtepart- nerschaften sind keine Pokalsammlung, sie sind Werk- stĂ€tten der Zukunft. Deshalb dĂŒrfen sie nicht nur als poli- tische Symbole verstanden werden. Der Senat hat in der Vergangenheit leider zwar StĂ€dtepartnerschaften verkĂŒn- det und gegrĂŒndet, aber zu oft versĂ€umt, sie mit Leben zu fĂŒllen. Deshalb dĂŒrfen wir sie nicht nur als politische Symbole verstehen. Eine echte StĂ€dtepartnerschaft schafft nachhaltige Dialoge durch konkrete Projekte und Ideenaustausch. Es geht darum, gemeinsam etwas in den Gesellschaften zu bewegen. Es geht darum, dass wir dieselbe kulturelle und gesellschaftliche Zusammenarbeit stĂ€rken. Berlin sollte diese StĂ€dtepartnerschaft mit Tel Aviv nutzen, um die Beziehung zu Israel zu vertiefen und das Modell der StĂ€dtepartnerschaft generell neu zu bele- ben. Deshalb fordern wir den Senat auf, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Diese StĂ€dtepartnerschaft sollte insbesondere folgende Punkte in den Vordergrund stellen: Friedensarbeit stĂ€r- ken, Kooperation zwischen israelischen und palĂ€stinensi- schen NGOs aus Berlin und Tel Aviv fördern, denn die Menschen in beiden StĂ€dten kĂ€mpfen fĂŒr einen dauerhaf- ten Frieden durch Dialog, Zivilgesellschaft stĂ€rken, Aus- tauschprogramme fĂŒr Aktivistinnen und Aktivisten, die sich gegen Rassismus und Antisemitismus einsetzen, in beiden StĂ€dten stĂ€rken und nicht zuletzt Klimaschutz voranbringen, Tel Avivs innovative Wassertechnologie mit Berlins Energiewende verbinden und weiterentwi- ckeln. Ich bin ĂŒberzeugt, diese StĂ€dtepartnerschaft kann ein wichtiger Schritt zu einem friedlicheren und innovati- veren Dialog zwischen unseren StĂ€dten werden, wenn wir auch die richtigen MaĂnahmen auf den Weg bringen. Wir als GrĂŒnenfraktion jedenfalls unterstĂŒtzen Sie und wer- den auch dafĂŒr sorgen, dass diese lebendig und nachhaltig wird. â Vielen Dank! FĂŒr die SPD-Fraktion spricht die Kollegin KĂŒhnemann-
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! FĂŒr die, die es nicht verstanden haben: Die Kollegin KĂŒhnemann- Grunow hat am Ende ihrer Rede âVielen Dankâ gesagt. Ich will vorwegschicken: Wir als Linksfraktion unterstĂŒt- zen natĂŒrlich die StĂ€dtepartnerschaft mit Tel Aviv. Inhaltliche GrĂŒnde haben die Kollegin KĂŒhnemann- Grunow, aber auch der Kollege Omar genannt. In der Tat: Berlin und Tel Aviv verbindet viel, gerade vor allem, dass beide StĂ€dte ein Zufluchts- und Sehnsuchtsort fĂŒr die queeren Communitys nah und fern sind. Das, finde ich, hat eine gemeinsame Tradition, die wir gemeinsam pflegen sollten. Wenn ich mir den Antrag aber ansehe, dann muss ich sagen: Meine Herren! Der Antrag hat einen Satz â und man hĂ€tte ihn noch kĂŒrzer machen können. Jetzt aber wirklich! Ich erinnere mich: 2023 war der Re- gierende BĂŒrgermeister bei uns im Ausschuss und hat fĂŒr diese StĂ€dtepartnerschaft geworben. Bei den meisten Mitgliedern des Ausschusses traf das auf Gegenliebe. AngekĂŒndigt war, dass Ende 2023 nach den dann geplan- ten Kommunalwahlen in Tel Aviv diese StĂ€dtepartner- schaft abgeschlossen werden sollte. Nun sind diese Wah- len 2023 aufgrund des Terroranschlags der Hamas auf letztes Jahr verschoben worden. Sie haben im letzten Jahr stattgefunden, und in der Tat, die Kollegin KĂŒhnemann- Grunow verwies darauf, hat die Koalition âEin Tel Avivâ dort eine ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit errungen â eine Koali- tion, die fĂŒr eine Zweistaatenlösung eintritt. Das ist auch (Melanie KĂŒhnemann-Grunow) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6333 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 nicht selbstverstĂ€ndlich in Israel. Ich finde das gut und wichtig. Jetzt ist es in der Tat angesagt, diese StĂ€dtepartnerschaft dann auch tatsĂ€chlich umzusetzen, und Herr Regierender BĂŒrgermeister, wenn Sie diesen Auftrag des Abgeordne- tenhauses brauchen, dann sollen Sie ihn erteilt bekom- men. Ich finde, den brĂ€uchte es eigentlich nicht. Insofern: Nehmen Sie unser Wohlwollen zu dieser StĂ€dtepartner- schaft entgegen, wir werden dem Antrag auch zustim- men, aber ich finde, der Senat hĂ€tte das auch selbst tun können, und das steht eher dafĂŒr, dass die Koalition vor den wichtigen Fragen dieser Stadt weglĂ€uft und sich mit StĂ€dtepartnerschaftsantrĂ€gen in der PrioritĂ€t hier ver- sucht, irgendwie ĂŒber die Runden zu bringen. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die AfD-Fraktion der Abgeordnete
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist wichtig, und ich bin natĂŒrlich auch dafĂŒr, so wie offensichtlich alle hier, dass die deutsche Haupt- stadt eine israelische Partnerstadt bekommt. Es stimmt auch: Es ist wirklich höchste Zeit. Gerade Tel Aviv hat natĂŒrlich viele Verbindungen zu Deutschland und zu Berlin: kĂŒnstlerische und stĂ€dtebauliche â Stichwort âWeiĂe Stadtâ, die von jĂŒdischen deutschen Architekten aufgebaut wurde, die vor den Nazis geflohen sind, darun- ter auch Berliner Architekten. Menschliche, biografische und historische BezĂŒge gibt es sowieso. Internationale Beziehungen sind nicht nur Sache der Regierungen, sondern der Menschen. DarĂŒber haben wir jetzt gerade vorgestern auf unserer Delegationsreise mit Abgeordneten unserer Partnerstadt BrĂŒssel gesprochen. Das ist ganz wichtig, und StĂ€dtepartnerschaften können diesen hohen Anspruch einlösen, wenn es richtig gemacht ist. Im Moment erleben wir das auch mit unserer Part- nerstadt Istanbul. Viele Menschen in Berlin unterstĂŒtzen die Proteste der Istanbuler BĂŒrger gegen die Absetzung und Verhaftung ihres gewĂ€hlten BĂŒrgermeisters. Tausen- de demonstrieren in Istanbul und viele zugleich hier in Berlin. Hierzu gibt es nachher auch noch eine Debatte. Die PrĂ€sidentin hat auch Richtiges dazu gesagt. Mit Tel Aviv entscheiden wir uns fĂŒr eine hoffentlich kĂŒnftige Partnerstadt in einem Land, das sich im Krieg befindet, einem Land, das am 7. Oktober 2023 von der Terrororganisation Hamas ĂŒberfallen wurde, mit vielen Opfern â das wurde dargestellt â, und das seither, und derzeit wieder verstĂ€rkt, Krieg in Gaza fĂŒhrt â ein Krieg, das wollen wir nicht vergessen, der das Leben Tausender Zivilisten gekostet hat, darunter auch Angehörige Berli- ner Familien, ein Krieg, in dem erst wieder vor drei Ta- gen zwei Journalisten gezielt ermordet wurden, ein Krieg, mit dem viele Menschen in Israel, gerade auch in Tel Aviv, nicht einverstanden sind und der die Gesellschaft dort spaltet. Von dieser StĂ€dtepartnerschaft, wenn sie denn kommt, mĂŒssen deshalb Friedensimpulse ausgehen, auch schon in der Anbahnung. In Berlin leben nach SchĂ€tzungen rund 30 000 Israelis und um die 40 000 PalĂ€stinenser. Das ist doch eine groĂe Chance, um eine solche StĂ€dtepartner- schaft mit Tel Aviv mit Leben zu fĂŒllen und auch als BrĂŒcke zu verstehen zwischen den Berliner PalĂ€stinen- sern und Israelis und Israelis und PalĂ€stinensern in Tel Aviv und Israel. Die Vorzeichen könnten allerdings besser stehen. Anfang Februar wurden die Berichterstatterin der Vereinten Nati- onen fĂŒr Gaza, Albanese, und der israelische Autor Weizman von der Freien UniversitĂ€t ausgeladen, wo sie einen Vortrag halten wollten, ausgeladen auf Druck unter anderem des Regierenden BĂŒrgermeisters. Das ist ein einmaliger Vorgang und auch kein guter Vorgang. Denn Cancel Culture, Auftrittsverbote, Generalverdacht gegen alle, die sich gegen den Gazakrieg einsetzen, sind keine guten Voraussetzungen fĂŒr eine lebendige Partnerschaft. Das sind eher die Zutaten einer angstbesetzten, von poli- tischer Korrektheit erstickten Politik. Unsere israelischen Partner haben anderes verdient. Sie selbst gehen jeden Tag gegen ihre Regierung und gegen den Krieg und fĂŒr die Heimkehr der Geiseln auf die Stra- Ăe, gerade in Tel Aviv. Sie wollen Frieden, und wir soll- ten es auch wollen. Ein schlechtes Beispiel â weil vorhin ja auch gesagt wur- de, StĂ€dtepartnerschaften sollten nicht nur Symbolpolitik sein â fĂŒr so etwas ist das Hickhack in Neukölln um die Benennung von SitzungssĂ€len im Rathaus Neukölln â von Ihrer Partei, Herr Omar, initiiert. Da wurde jetzt ein Sitzungssaal, der nach der russischen Partnerstadt von Neukölln, Pawlowsk-Puschkin, benannt war, aus politi- schen GrĂŒnden umbenannt. Der soll jetzt den Namen der Neuköllner Partnerstadt Bat Jam in Israel tragen, ĂŒbrigens ein Vorort von Tel Aviv. Ich finde, das ist so lĂ€ppisch, so sollte man wirklich nicht mit den Verbindungen, die man zu den Menschen an anderen Orten der Welt geknĂŒpft hat, umgehen. Das wird weder den Menschen in Pawlowsk-Puschkin noch denen (Martin Trefzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6335 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 in Bat Jam gerecht. Das ist dann wirklich nur noch Sym- bolpolitik und vielleicht ein Beispiel, an dem man lernen kann, wie man es nicht machen sollte. â Danke! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien. â Wider- spruch höre ich dazu nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 4.3: PrioritĂ€t der Fraktion der SPD Tagesordnungspunkt 30 Alle Opfer in den Reihen der Nachfolgestaaten der Sowjetunion beim Gedenken an den 8. Mai berĂŒcksichtigen Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2293 In der Beratung beginnt die SPD-Fraktion und das mit dem Kollegen Geisel.
Herr PrĂ€sident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Am 8. Mai dieses Jahres jĂ€hrt sich der Tag des Endes des Zweiten Weltkrieges, der Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum 80. Mal. Dieser Tag war der Tag, an dem die Verantwortung Deutschlands fĂŒr die NS-Verbrechen, fĂŒr den Angriffs- krieg, fĂŒr den Holocaust, fĂŒr 75 Millionen Todesopfer auf der Welt deutlich wurde. Ich erinnere an dieser Stelle an die Rede von Richard von WeizsĂ€cker im Jahr 1985, der sich zu dieser historischen Verantwortung Deutschlands bekannte und diesen 8. Mai als Tag der Befreiung ge- kennzeichnet hat. Im Sommer vergangenen Jahres hat das Abgeordneten- haus von Berlin den 8. Mai 2025 zum gesetzlichen Feier- tag in Berlin erklĂ€rt. 80 Jahre nach diesem historischen Ereignis soll der zusĂ€tzliche Feiertag das Bewusstsein dafĂŒr schĂ€rfen, dass ein friedliches Zusammenleben in der Welt nach wie vor keine SelbstverstĂ€ndlichkeit ist â wie wahr! Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine beein- flusst auch das Gedenken an die Befreiung hier in Berlin. Insofern ist der 8. Mai dieses Jahres eine besondere Her- ausforderung fĂŒr uns alle. Noch vor einigen Jahren, vor dem russischen Angriffskrieg, haben wir den 8. Mai mit Volksfesten begangen, an den verschiedenen Gedenkor- ten, die wir hier in Berlin haben. Ich erinnere mich, in meinem Wahlkreis in Berlin- Karlshorst steht das Kapitulationsmuseum Karlshorst, der Ort der Kapitulation von 1945. Dort gab es am 8. Mai den ganzen Tag ĂŒber ein groĂes Volksfest, das von Tau- senden Menschen besucht wurde. Um 22 Uhr gab es dann immer den Toast auf den Frieden, zu dem wir alle ge- meinsam am historischen Ort zum historischen Zeitpunkt miteinander auf den Frieden angestoĂen haben. Und in diesem Jahr? â Russland hat durch den Ăberfall auf die Ukraine ein gemeinsames Gedenken unmöglich gemacht. Die Herausforderung am 8. Mai ist es fĂŒr uns alle, aller Opfer des Zweiten Weltkrieges, aller Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken. Das wird uns gut gelingen mit den Vereinigten Staaten von Amerika, mit Vertretern von Frankreich, GroĂbritan- nien und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Denn von russischer Seite wird es wie in den Jahren zuvor auch den Versuch geben, einen Alleinvertretungsanspruch fĂŒr die Opfer der ehemaligen Sowjetunion zu erheben. Wir werden an verschiedenen Gedenkorten in Berlin erleben, dass Vertreter Russlands, von Putins Russland, mit dem Sankt-Georgs-Band auftreten, einem zaristischen Zei- chen, einem Zeichen dafĂŒr, dass sie dafĂŒr eintreten, dass die Sowjetunion wieder in den Grenzen von 1990 existie- ren soll. Dem mĂŒssen wir entgegentreten. Diesem Alleinvertre- tungsanspruch mĂŒssen wir schon aus historischen GrĂŒn- den, aus GrĂŒnden der historischen Gerechtigkeit, entge- gentreten. Denn die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion sind eben 15 Staaten. Das sind neben Russ- land â ich fĂŒhre es jetzt hier mal auf â Kasachstan, Usbe- kistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Georgi- en, Armenien, Aserbaidschan, die Ukraine, Belarus, Mol- dawien, Estland, Lettland und Litauen. All diese LĂ€nder haben einen Blutzoll gezahlt, den höchs- ten Blutzoll unter den verschiedenen LĂ€ndern, die am Zweiten Weltkrieg beteiligt waren. 27 Millionen Opfer sind aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjet- union zu beklagen. Unsere Aufgabe am 8. Mai wird es sein, deutlich zu machen, dass die Staaten, die die Men- schen der damaligen Opfer vertreten, viel mehr sind als Russland. Wir stehen am 8. Mai 2025 also vor drei Aufgaben. Ers- tens mĂŒssen wir diesen Gedenktag, diesen Feiertag, mit Respekt begehen, nicht aus Sorge schweigen, dass es russische Propaganda geben könnte, uns nicht wegducken vor dieser Sorge, dass es russische Propaganda geben könnte, sondern selbstbewusst zeigen, dass wir fĂŒr ein neues, ein demokratisches, ein freies, ein friedliches Deutschland stehen. (Dr. Alexander King) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6336 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Herr Kollege! Sie mĂŒssen bitte vorsichtig zum Schluss kommen.
Zweitens, wir mĂŒssen trotzdem deutlich machen, dass es die historische Verantwortung Deutschlands gibt und dass die russischen Opfer, die Opfer Russlands von uns in entsprechender Weise gewĂŒrdigt werden und dass das nicht durch den aktuellen Angriffskrieg Putins auf die Ukraine entwĂŒrdigt werden kann. Drittens, wir mĂŒssen deutlich machen, dass der 8. Mai 2025 ein Tag ist, an dem wir fĂŒr den Frieden eintreten, an dem wir das Ende der russischen Aggression gegen die Ukraine einfordern und an dem wir deutlich machen, dass wir aus dem Zweiten Weltkrieg gelernt haben. Der 8. Mai 2025 ist also nicht nur ein historischer Feier- tag, sondern er ist sehr aktuell, mit konkreten Auswir- kungen fĂŒr die Gegenwart. â Ich danke Ihnen herzlich und bitte Sie, diesem Antrag zuzustimmen. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen der Kollege Otto.
Meine sehr verehrten Damen und Herren! Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Der 8. Mai, 80 Jahre nach dem Kriegs- ende, ist ein Tag der Mahnung. Er gemahnt uns der Ver- brechen Deutschlands, der NS-Diktatur, aber auch unse- rer Vorfahren. Und der 8. Mai ist ein Tag des Dankes fĂŒr die Befreiung, insbesondere an die Alliierten: an die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten, GroĂbritannien und Frankreich, aber auch die vielen Soldaten aus ande- ren LĂ€ndern; insbesondere Polen sei hier stellvertretend erwĂ€hnt. Denen allen sind wir, auch heute noch, zu gro- Ăem Dank verpflichtet. Wenn etwas 80 Jahre her ist, dann ist das eine ziemlich lange Zeit. Ganz wenige Menschen in Deutschland kön- nen sich daran erinnern. Wenn man, wie ich inzwischen auch, ein kleines bisschen Ă€lter ist â ich bin Jahrgang 1962 â, dann kann man sich an viele Dinge erinnern, die heute nicht mehr so richtig vorstellbar sind. Ich kann mich erinnern an die Ruinen. Denken Sie an das Neue Museum in Berlin oder die Frauenkirche in Dresden! Da war erfahrbar, was ein Krieg hinterlĂ€sst. Aber wie begehen wir so einen Tag? â Wir machen si- cherlich eine Feierstunde hier im Abgeordnetenhaus, und wir werden Gedenkorte besuchen, KrĂ€nze niederlegen â in Tiergarten, in Treptow und insbesondere in der Schön- holzer Heide, an dem Gedenkort. Aber in diesem Jahr, wie schon seit 2014, können wir nicht ausblenden, dass Russland die Ukraine ĂŒberfallen hat. SpĂ€testens seit die- sem Zeitpunkt stellt sich auch beim Gedenken in Berlin die Frage, wie wir als Parlament, aber auch wie Deutsch- land insgesamt den 8. Mai begehen soll. Mahnung und Dank? â NatĂŒrlich, aber wem gebĂŒhrt der Dank? â Mit Sicherheit denen, die 1945 das Hitlerregime beseitigt haben, und ihren Nachfahren. Und da fangen die Proble- me an. Russland sieht sich als Nachfolgestaat der Sowjetunion; die anderen â der Kollege Geisel hat sie alle aufgezĂ€hlt â, ob die Ukraine, Georgien oder die baltischen LĂ€nder, kommen an den Gedenkorten im Prinzip nicht vor. Dabei liegen beispielsweise in Schönholz sehr viele Gebeine von ukrainischen Soldaten. Der Gedenkort ist mit Stalin- zitaten gestaltet, die im heutigen Kontext wie eine Ver- höhnung der Ukraine wirken mĂŒssen. Ich will Ihnen mal eins vorlesen â das ist dort in Schönholz an einer Wand â, Zitat: âDie StĂ€rke der Roten Armee besteht darin, dass sie keinen Rassenhass gegen andere Völker, auch nicht gegen das deutsche Volk, hegt und hegen kann, dass sie im Geiste der Gleichberechtigung aller Völker und Rassen, im Geiste der Achtung der Rechte anderer Völker erzogen ist.â Wenn man heute als BĂŒrgerin oder BĂŒrger der Ukraine dorthin kommt, dann muss man sich davon verhöhnt vorkommen. Deshalb gibt es diesen Antrag. Wer sich ein bisschen erinnern kann, weiĂ, dass die Frak- tion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen bereits im Oktober oder November des letzten Jahres einen Ă€hnlichen Antrag, der sich hier, in demjenigen der Koalition, in Teilen wieder- findet, eingereicht hat. Es ist höchste Zeit, weil der Mai demnĂ€chst beginnt, dass wir uns damit beschĂ€ftigen. Diesen AntrĂ€gen gemein ist, dass wir diese Gedenkorte anders beschildern wollen, vielleicht sogar umgestalten und dem Anspruch gerecht werden, dass dort an alle gedacht wird. Am 8. und 9. Mai werden viele Veranstaltungen in Berlin sein. Ich möchte Sie alle bitten: Lassen Sie uns an diesen Tagen vor Ort sein â in Treptow, in Tiergarten, in Schön- holz â, und lassen Sie uns dafĂŒr einstehen, dass wir einer- seits dankbar sind, dass wir andererseits aber auch Russ- land auffordern, aufzuhören mit dem Krieg gegen die Ukraine! â Wir sind Ihren Vorfahren sehr dankbar, liebe Russen in Berlin, fĂŒr die Befreiung. Aber hören Sie auf mit dem verbrecherischen Krieg gegen Ihr Nachbarland, gegen die Ukraine! â Herzlichen Dank! Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6337 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 FĂŒr die CDU-Fraktion spricht der Kollege Dr. Juhnke.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! 1985 hat BundesprĂ€sident Richard von WeizsĂ€cker anlĂ€sslich des 8. Mai ein rhetorisches Mo- nument hinterlassen, dessen 14-seitige LektĂŒre sich auch heute noch lohnt. Ich darf daraus Folgendes zitieren: âWir dĂŒrfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen. Wir haben wahrlich keinen Grund, uns am heutigen Tag an Siegesfesten zu beteili- gen. Aber wir haben allen Grund, den 8. Mai 1945 als das Ende eines Irrweges deutscher Geschichte zu erkennen, das den Keim der Hoffnung auf eine bessere Zukunft barg.â Ich glaube, in diesem Sinne hat sich Berlin entschieden, den 80. Jahrestag des 8. Mai als gesetzlichen Feiertag in Berlin zu begehen und darĂŒber nachzudenken, was diese âbessere Zukunftâ fĂŒr uns gebracht hat. 1985, als WeizsĂ€cker diese Rede gehalten hat, also vor 40 Jahren, war die Situation noch etwas anders. Die De- battenlage war eine andere. Deutschland war noch nicht geeint. Europa war noch geteilt. Es gab auch viel mehr Zeitzeugen des Kriegsendes. Und auch das Wissen und der Schmerz um die Vertreibung aus den deutschen Ost- gebieten war noch gegenwĂ€rtiger. Deswegen war diese Rede ein historischer Meilenstein. Er hat damals vieles gesellschaftlich ausgelotet und um gegenseitiges Ver- stĂ€ndnis geworben, wenn er sagte: âDer 8. Mai ist fĂŒr uns Deutsche kein Tag zum Feiern. Die Menschen, die ihn bewuĂt erlebt ha- ben, denken an ganz persönliche und damit ganz unterschiedliche Erfahrungen zurĂŒck.â und wenn WeizsĂ€cker damals aber auch sagte, und ich zitiere: âDer 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden Sys- tem der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.â Er war sich dessen sehr bewusst, dass es 40 Jahre brauch- te, um diese Worte auszusprechen, also eine Dimension von fast biblischer LĂ€nge. Nun sind weitere 40 Jahre vergangen, Jahre, die zwei- felsohne auch gut waren fĂŒr unser Land. Ein letztes Mal zitiere ich aus der Rede von WeizsĂ€cker: âWir haben die Zuversicht, daĂ der 8. Mai nicht das letzte Datum unserer Geschichte bleibt, das fĂŒr alle Deutschen verbindlich ist.â Damit hat er schon prophetisch hoffend den Herbst 1989 und den Oktober 1990 heraufbeschworen. Dann kamen die Neunzigerjahre, die Nullerjahre, und ich will nur als Stichworte nennen, was damals diskutiert wurde: âEnde der Geschichteâ, die âFriedensdividendeâ wurde kassiert. Inzwischen sind einige Jahre vergangen. Es sind leider wieder sehr dĂŒstere Wolken aufgezogen. Ich darf in diesem Zusammenhang an die Worte eines anderen BundesprĂ€sidenten erinnern, nĂ€mlich Joachim Gauck, der an dieser Stelle, von diesem Pult gesprochen hat zum Thema der Rolle der Sowjetunion. Anlass war der Jahrestag des Volksaufstands von 1953 vor zwei Jahren. Er verwies auf den groĂen Anteil, den die Sow- jetunion an der Befreiung Deutschlands vom Hitlerre- gime hatte, und dass es ohne Gorbatschows Hilfe 1989/90 keine deutsche Wiedervereinigung gegeben hĂ€tte. Er hat auch die besondere Schuld der Deutschen an den Verbrechen an den Völkern der Sowjetunion hinge- wiesen. Er hat aber auch darauf hingewiesen, dass aus dem Befreier von 1945 sofort ein UnterdrĂŒcker wurde. Wesentlich sind aber im heutigen Kontext vor allem folgende AusfĂŒhrungen, die ich hier ebenfalls zitieren möchte. Gauck sagte: âInzwischen zeigt sich Russland als ein Erbe der Sowjetdiktatur, als eine revisionistische, auf Ex- pansion ausgerichtete Macht. Putin weiter mil- dernde UmstĂ€nde zuzubilligen und ihm einen Dank fĂŒr die groĂmĂŒtige Reaktion eines Gor- batschow zukommen zu lassen, hieĂe, den Ag- gressor fĂŒr die Verdienste seines friedfertigen VorgĂ€ngers zu beschenken. ⊠wir vergessen ⊠nicht, dass wir Zeugen gegenwĂ€rtiger Arroganz und BrutalitĂ€t sind, mit denen ein neuer Moskauer Imperialismus Menschen um Recht und Freiheit bringen will!â So Joachim Gauck. Ich glaube, diese Worte geben uns wichtige Hinweise, auch im Umgang mit dem 8. Mai dieses Jahres. Deshalb zielt unser Antrag darauf ab, zu- mindest auf unserem Boden zu erschweren, dass sich das heutige Russland in der Traditionslinie der Roten Armee propagandistisch in Szene setzen kann. An einer Befrei- ung vom Nationalsozialismus waren Soldaten der Roten Armee aus allen Teilen der damaligen Sowjetunion betei- ligt, also auch aus LĂ€ndern, die heute teilweise selbst Opfer eines russischen Imperialismus sind, zum Beispiel die Ukraine, oder auch die in Sorge sind, dazu zu geraten. Wir möchten daher an den GedenkstĂ€tten die Rolle der einzelnen Volksgruppen entsprechend gewĂŒrdigt sehen. Ebenso muss an den GedenkstĂ€tten in geeigneter Form erlĂ€utert werden, dass die Symbolik und Texte in den Mahnmalen angesichts der historischen Entwicklung einem verĂ€nderten Kontext unterliegen. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6338 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Doch allein damit werden wir dem Moskauer Propagan- danarrativ nicht begegnen können. Wir mĂŒssen als Ge- sellschaft deutlich machen, wie wir diesen 80. Jahrestag interpretieren. Richard von WeizsĂ€cker und Joachim Gauck haben uns dazu viele Anregungen gegeben. Aber ich fordere uns alle auf, an den zahlreichen Gedenkveran- staltungen teilzunehmen und damit auch ein Zeichen zu setzen gegen eine Vereinnahmung durch den Kriegstrei- ber Putin, der erneut einen Krieg ĂŒber Europa sĂ€en möch- te. â Ich danke Ihnen fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat nun die Kollegin Helm das Wort. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass wir den 8. Mai heute in dieser Form poli- tisch wĂŒrdigen, ist keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. WeizsĂ€cker ist zitiert worden. Ich möchte Heinrich Böll ergĂ€nzen: âIhr werdet die Deutschen immer wieder daran er- kennen können, ob sie den 8. Mai als Tag der Nie- derlage oder der Befreiung bezeichnen.â In anderen LĂ€ndern wurde der Tag, der das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa markierte, umgehend zum Feiertag erklĂ€rt â in Deutschland nicht. Hier wurde dieser Tag ĂŒber Jahrzehnte als Schmach empfunden oder schlichtweg ignoriert. Es war ein langer, generationen- ĂŒbergreifender Prozess, der uns zum heutigen Umgang mit diesem Datum gefĂŒhrt hat. Es wird Zeit, finde ich, dass dieser Tag auch in Deutschland endlich bundesweit zu einem Feiertag wird. Es ist gut, dass Berlin an dieser Stelle vorangeht. Nach- dem der 75. Jahrestag der bedingungslosen Kapitulation zum einmaligen Feiertag erklĂ€rt worden war, dieser aber wegen der akuten Coronapandemie faktisch nicht statt- finden konnte, holen wir das nun zum 80. Jahrestag nach. Das ist angemessen, denn die Zerschlagung des deut- schen Faschismus ist allemal ein Grund zum Feiern und den Alliierten zu danken. Aber seit jeher mĂŒssen wir das Gedenken gegen Revisio- nismus, gegen den Versuch der TĂ€ter-Opfer-Umkehr und die Verharmlosung des NS durch Nationalisten verteidi- gen. Die AfD schwadroniert von âSchuldkultâ, 90 Prozent ihrer AnhĂ€nger fordern einen Schlussstrich, und die Vorsitzende versteigt sich zur absurden Aussage, Hitler sei Kommunist gewesen, obwohl die Kommunis- ten seine ersten Opfer waren. Dieser unertrĂ€gliche Geschichtsrevisionismus geht einher mit der Instrumentalisierung des 8. und 9. Mai durch den Kreml. Seit der Orangen Revolution in der Ukraine nutzt Putin diesen Tag gezielt, um mit riesigen MilitĂ€rparaden den russischen Nationalismus zu schĂŒren und fĂŒr Russ- lands imperialistische MachtansprĂŒche eine Legitimation aus der Geschichte zu konstruieren. DafĂŒr werden auch Symbole umgedeutet, wie zum Beispiel das Sankt- Georgs-Band, ein Orden, der fĂŒr die Beteiligung am Kampf gegen NS-Deutschland vergeben wurde. Heute wird diese schwarz-orange Schleife zur UnterstĂŒtzung von Putins Krieg getragen. Diese Umdeutung trĂ€gt dann auch so absurde BlĂŒten, dass zum Beispiel ein rechtsradi- kales Mitglied dieses Hauses, das zugleich frenetischer UnterstĂŒtzer des russischen Angriffskriegs ist, 2019 auf der Krim vom Kreml als Held des Antifaschismus ausge- zeichnet wird. So absurd ist diese Vereinnahmung und diese Umdeutung sowohl von deutschen als auch von russischen Nationalisten. Dem mĂŒssen wir entgegentre- ten, denn das ist nicht zuletzt eine Verhöhnung sowohl derje- nigen, die tatsĂ€chlich gegen den Faschismus Widerstand geleistet haben, als auch gegenĂŒber allen Opfern des Angriffskrieges gegen die Ukraine. Am 9. Mai wird die russische Instrumentalisierung auch in Berlin wieder sichtbar sein, und auch die rechtsextre- men russischen Nachtwölfe werden wohl wieder vor Ort sein. Unsere Antwort darauf kann nicht der RĂŒckzug, sondern muss aktives Gedenken mit allen Beteiligten der Befreiung und ihren Nachfahren sein. Russland war als einer der Nachfolgestaaten der Sowjetunion maĂgeblich an der Niederschlagung von NS-Deutschland unter im- mensen Verlusten beteiligt und verdient dafĂŒr selbstver- stĂ€ndlich unsere WĂŒrdigung, aber an der Schlacht um Berlin waren eben auch ukrainische Truppen beteiligt. Im vorliegenden Antrag wird ein Weg aufgezeigt, wie wir der russischen Instrumentalisierung begegnen können, indem wir aktiv an die Beteiligung und die hohen Kriegsverluste der vielen anderen postsowjetischen Staa- ten erinnern. Gedenkorte wie das Mahnmal im Treptower Park können wichtige Orte der Bildung werden, und zwar nicht nur an diesem einen Jahrestag. DafĂŒr braucht es aber politische Entschlossenheit und auch die Bereitstel- lung der entsprechenden finanziellen Mittel. Ich finde, es wĂ€re ein wichtiges Symbol gewesen, dass alle demokrati- schen Fraktionen an dieser Stelle gemeinsam agieren. Das wĂ€re ja auch möglich gewesen, zumal wir dazu einen sehr konstruktiven Austausch hatten, lieber Kollege Juhnke, lieber Kollege Geisel, lieber Kollege Otto. Ich finde, angesichts der Weltlage und der Bedrohung unse- rer Demokratie sollten wir in der Lage sein, parteipoli- (Dr. Robbin Juhnke) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6339 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 tische Eitelkeiten hinter uns zu lassen, ĂŒber unseren Schatten zu springen und an dieser Stelle gemeinsam zu arbeiten. In diesem Sinne schlieĂe ich mich gern dem Aufruf mei- ner Vorredner an, an Sie alle, an uns alle, aber auch an alle Berlinerinnen und Berliner, sich an den vielfĂ€ltigen Veranstaltungen am Tag der Befreiung aktiv zu beteiligen und diese mitzugestalten. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion spricht nun der Abgeordnete Trefzer. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Meine Damen und Herren! In wenigen Wochen gedenken wir des 80. Jahrestags des Kriegsendes in Europa. Es ist gute Tradition, dass wir aus diesem Anlass der getöteten Zivi- listen, der Opfer von Kriegsverbrechen und Völkermord, aber auch der gefallenen Soldaten gedenken, und zwar der Soldaten aller LĂ€nder. Eine Differenzierung der gefallenen Soldaten nach Nati- on, Herkunft oder Ethnie sollte dabei nicht im Vorder- grund stehen. Der vorliegende Antrag fordert nun, beim Gedenken an die Kriegstoten die Rolle der nichtrussi- schen Völker der Sowjetunion besonders zu wĂŒrdigen. Dabei verkennt der Antrag ganz offensichtlich den Unter- schied zwischen dem Gefallenengedenken auf der einen Seite und einer historisch-politischen Einordnung auf der anderen Seite. Denn das Gefallenengedenken sollte doch inklusiv und nicht ausgrenzend konzipiert sein, wo auch immer der einzelne Soldat stand und woher er kam. Es ist jedenfalls aus unserer Sicht keine besonders zu- kunftsweisende Idee, jetzt die einen Kriegstoten gegen die anderen auszuspielen, also in diesem Fall Russen gegen Nichtrussen. Wir halten das nicht fĂŒr zielfĂŒhrend im Sinne der VölkerverstĂ€ndigung, welche ja gerade eine der Lehren aus dem Krieg ist. Etwas anderes ist selbstverstĂ€ndlich: die historisch- politische Einordnung. Der Streit darĂŒber wird naturge- mÀà niemals enden. Und natĂŒrlich treten bei dieser Be- trachtungsweise teilweise groĂe Unterschiede zwischen den BeitrĂ€gen und den Opfern der unterschiedlichen beteiligten Armeen, Völker und LĂ€nder zutage. Bei den Armeen der Sowjetunion, die mehr Kriegstote zu bekla- gen hatten als jedes andere Land, kommen besonders viele Paradoxien zusammen. ZunĂ€chst verbĂŒndeten sie sich mit Hitler, um Polen anzugreifen und Mittel- und Osteuropa gemeinsam aufzuteilen. Auch Finnland wurde von der Sowjetunion ĂŒberfallen. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wuchs Stalin dann in die Rolle des Befreiers hinein, von der er zuvor nie zu trĂ€u- men gewagt hatte. Doch trotz der Tatsache, dass die Sow- jetunion dazu beitrug, Deutschland und Osteuropa vom Nationalsozialismus zu befreien, gilt es festzuhalten, dass es Stalin eben nicht darum ging, Europa die Freiheit zu geben. Es ging Stalin darum, seine eigene Diktatur zu errichten. Demzufolge wurde ĂŒberall dort, wo sowjetische Soldaten einmarschierten, eine Diktatur nach sowjetischem Vor- bild durchgesetzt. Es ist schon erstaunlich, dass einige erst jetzt, nach Putins Neuauflage der stalinistischen Ge- schichtsklitterungen, merken, wie naiv sie mit der sowje- tischen BefreiungserzĂ€hlung umgegangen sind. Denn natĂŒrlich hatte Stalin auch nicht die Absicht, die Eigen- stĂ€ndigkeit der Völker der Sowjetunion zu respektieren â ganz im Gegenteil. Die Sowjetunion baute vor allem in der Zeit Stalins auf der UnterdrĂŒckung der nicht russi- schen Völker auf. Gerade die Ukrainer haben Anfang der DreiĂigerjahre im Holodomor unvorstellbares Leid erlit- ten. All das gehört zur geschichtlichen Auseinandersetzung um das Kriegsende dazu, ĂŒberhaupt keine Frage. Trotz- dem, um das noch einmal ganz klar zu sagen, gedenken wir in den nĂ€chsten Wochen aller gefallenen Soldaten, egal, auf welcher Seite sie standen, das heiĂt, wir geden- ken wie immer auch der besonders vielen sowjetischen Toten, unabhĂ€ngig davon, ob die Gefallenen Russen, Ukrainer, WeiĂrussen, Usbeken, Kasachen, Tadschiken oder Angehörige anderer Völker waren. FĂŒr die Gefalle- nen all dieser Völker legen wir im Treptower Park, in Schönholz und im Tiergarten KrĂ€nze nieder, und wir tun dies, obwohl wir wissen, dass diese EhrenmĂ€ler eine propagandistische Zumutung sind. Wir nehmen die stalinistischen SprĂŒche ĂŒber die GröĂe der Sowjetunion, die dort prangern, sehr wohl zur Kennt- nis, lieber Herr Otto, und wir sind uns sehr wohl bewusst, dass sie an anderer Stelle durchaus zu kritisieren sind. Aber das Totengedenken ist nach unserer Auffassung nicht der richtige Augenblick fĂŒr eine solche Auseinan- dersetzung, weil in diesem Moment die Trauer und der Respekt vor den Toten im Mittelpunkt stehen. Genauso sollten wir es im Umgang mit den unterschiedli- chen Völkern der Sowjetunion handhaben. NatĂŒrlich war die Einheit der Sowjetunion eine einzige LĂŒge, aber diese Tatsache sollte uns rund um den 8. Mai nicht davon ab- halten, allen gefallenen Soldaten, ungeachtet ihrer Her- kunft, die gleiche Reverenz zu erweisen. â Ich danke Ihnen fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! (Anne Helm) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6340 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Zu diesem Tagesordnungspunkt hat der fraktionslose Abgeordnete Dr. King einen Redebeitrag angemeldet. â Herr Abgeordneter, Sie haben das Wort!
Danke schön! â Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es gehört auch zum Kontext des diesjĂ€hrigen Gedenkens: Am Freitag stellte der Bun- desrat der kommenden Bundesregierung einen Blanko- scheck aus fĂŒr grenzenlose Verschuldung, fĂŒr grenzenlo- se AufrĂŒstung. Deutschland soll kriegstĂŒchtig werden, zu jedem Preis, und leider hat Berlin dieser HochrĂŒstung, diesem Wahnsinn genauso zugestimmt wie alle LĂ€nder, die von Ihren Parteien hier, von Union, SPD, von den GrĂŒnen und auch von der Linken regiert werden. Auf unserer Delegationsreise nach BrĂŒssel haben wir auĂerdem gehört, dass unsere Verkehrswege ertĂŒchtigt werden mĂŒssen, damit kĂŒnftig militĂ€risches GerĂ€t von deutschen NordseehĂ€fen nach Osten transportiert werden kann. Das ist keine gute Art, 80 Jahren Kriegsende zu gedenken. 80 Jahre Befreiung, 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkrie- ges. Das Gedenken daran ist in diesen Zeiten natĂŒrlich eine groĂe diplomatische Herausforderung vor dem Hin- tergrund des russischen Angriffskriegs, der noch nicht beendet ist und der natĂŒrlich grausames Unrecht darstellt. Das ist doch keine Frage. Aber das ist sicher kein Auf- trag, den Konflikt mit der Atommacht Russland immer weiter auf die Spitze zu treiben, sondern im Gegenteil, alles dafĂŒr zu tun, dass in Europa wieder Frieden herrscht. Die EU, Deutschland und Berlin sollten alle BemĂŒhungen um Frieden unterstĂŒtzen und nicht den Eindruck erwe- cken, als ob sie kĂŒnftig den Krieg in der Ukraine ohne die USA alleine weiterfĂŒhren wollten. Ob wir es wollen oder nicht, das anstehende Gedenken konfrontiert uns damit, dass das Schicksal unseres Landes und Europas und erst recht Berlins mit Russland stets eng verbunden war und immer sein wird. DafĂŒr sorgt schon die Geografie und, wovon heute noch gar keine Rede war, 200 000 Menschen mit russischen Wurzeln, die hier unter uns in Berlin leben. Dieser Zusammenhang löst sich auch nicht auf, wenn man jetzt die sowjetischen Soldaten nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit aufteilt und die Opfer der einzelnen Volksgruppen einzeln wĂŒrdigen will, wie Sie es fordern. NatĂŒrlich stimmt es, dass die Befreier unterschiedlichen Volksgruppen angehörten, aber gesiegt haben sie gemein- sam, oder glauben Sie, das hat die jungen MĂ€nner auf ihrem Vormarsch auf Berlin interessiert, ob ihr Nachbar im SchĂŒtzengraben Russe, Ukrainer, KalmĂŒcke, Tatare oder sonst was war? Sie haben gemeinsam gekĂ€mpft und gemeinsam gesiegt, und wir sollten auch allen gemein- sam dafĂŒr danken. Der Versuch, Russland und der Sowjetunion aus dem Weg zu gehen, nimmt in Berlin teilweise groteske und auch bedenkliche Formen an. Hier in Berlin können zwar russische Nazis mit allen Emblemen ihrer Gesinnung, mit Schild, Schwert und Wolfsangel demonstrieren, wie neu- lich am Potsdamer Platz, ohne dass jemand eingreift, aber am Tag des Sieges die sowjetische Flagge, Hammer und Sichel, zu zeigen, das geht nicht. Das war zuletzt verbo- ten, und ich finde, das ist Geschichtsvergessen. Zu guter Letzt, man kann sich das wĂŒnschen, aber Russ- land ist natĂŒrlich nicht nur eines von 15 NachfolgelĂ€n- dern der Sowjetunion, so wie Sie das jetzt beschrieben haben. Es ist nicht nur mit Abstand der gröĂte Staat, der aus der Sowjetunion hervorgegangen ist, sondern es ist auch so, dass nach 1990 Russland sĂ€mtliche internationa- len VertrĂ€ge, zum Beispiel auch den Zwei-plus-vier- Vertrag, der uns hier betrifft, die ReprĂ€sentanz in den internationalen Organisationen, im UN-Sicherheitsrat und ĂŒbrigens auch sĂ€mtliche finanzielle Verbindlichkeiten von der Sowjetunion ĂŒbernommen hat. Insofern gilt Russland faktisch im Völkerrecht als Rechtsnachfolger beziehungsweise Fortsetzerstaat der Sowjetunion, ob uns das jetzt gefĂ€llt oder nicht, und deswegen mĂŒssen wir die Herausforderung annehmen, anstatt zu versuchen, die Geschichte und das Völkerrecht irgendwie neu einzuord- nen und umzudeuten. Die Herausforderung bestĂ€nde darin, das Gedenken mit allen Siegern so zu begehen, dass wir der heutigen dringenden Aufgabe, den Frieden in Europa wiederherzustellen und zu schĂŒtzen, gerecht wer- den. Ich will an das anknĂŒpfen, was der Kollege Otto gesagt hat. Das fand ich eigentlich ganz gut. Wir sollten den Menschen, die hier leben, den Russen, die hier leben, und auch den Nachkommen derjenigen, die uns befreit haben, signalisieren: Ja, wir sind dankbar. Aber genauso: Ja, wir fordern ein Ende der Aggression in der Ukraine. Ich wĂŒr- de vielleicht noch ergĂ€nzen: Ja, wir wollen mit euch in Frieden leben. Vielen Dank! â Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Kultur, Engagement und Demokratieförde- rung. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6341 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ich rufe auf lfd. Nr. 4.4: PrioritĂ€t der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Tagesordnungspunkt 36 Nach QuantitĂ€t kommt QualitĂ€t â Sozialbudgets und einen kindgerechten PersonalschlĂŒssel fĂŒr die Kleinsten einfĂŒhren und Erzieher*innen entlasten Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2308 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. â Frau Abgeordnete Burkert-Eulitz, bitte schön, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir stellen Ihnen heute einen Antrag zur Verbes- serung der prekĂ€ren Personalsituation in unseren Kitas vor. Diesem Antrag mĂŒsste die Koalition nun freudig zustimmen, denn es wĂ€re die Aufforderung und Unter- stĂŒtzung dieses Parlaments an die CDU-Senatorin GĂŒn- ther-WĂŒnsch. Sie macht mehrfach öffentlich, dass sie den PersonalschlĂŒssel fĂŒr die Kleinsten, also unter drei Jah- ren, noch in dieser Legislaturperiode verbessern wird. Wir begrĂŒĂen das. Den Finanzsenator hĂ€tte sie schon ĂŒberzeugt, einen wesentlichen Teil der Finanzen im Kita- bereich zu lassen, angesichts der sinkenden Kinderzahlen um mehrere Tausend. So ihre ĂuĂerungen im KitabĂŒnd- nis. Wir haben da noch Fragezeichen. Es bedarf also eines parlamentarischen Antrags. Am 20. Februar hat die Senatorin ihre PlĂ€ne im Jugend- ausschuss wiederholt. Sie will den demografischen Wan- del nutzen, um den PersonalschlĂŒssel zu verbessern, und zwar einmal zum Januar 2026 und einmal zum August 2026 um jeweils ein halbes Kind durch eine Ănderung des KitaFöG. Sie erklĂ€rte, dass im Laufe des Jahres 2025 5 000 Kinder weniger im Kitasystem sein werden, weil weniger Kinder geboren werden. Gleichzeitig hat Berlin viele gut ausgebildete und qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher. Da die Kitafinanzierung in Berlin aber am ein- zelnen Kind hĂ€ngt, mĂŒssten sich in der Konsequenz circa 2 400 Erzieherinnen und Erzieher arbeitssuchend melden. Wir nehmen Sie also beim Wort, Frau Senatorin, dass Sie diese Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas halten wollen. Wir auch, und deswegen unterstĂŒtzen wir Sie da. â Ja, ihr dĂŒrft auch mal klatschen. â Wir legen mit diesem Antrag fest, dass der Senat tatsĂ€chlich eine entsprechende Vorlage zur Ănderung des KitaFöG erarbeitet und die freiwerdenden Mittel genutzt werden, um den Personal- schlĂŒssel fĂŒr Kinder unter drei Jahren zu verbessern und dabei zielgerichtet Mittel fĂŒr Kitas mit vielen von Armut betroffenen Kindern zur VerfĂŒgung zu stellen. Damit stĂ€rken wir Sie, Frau GĂŒnther-WĂŒnsch, im Senat beim Kampf um die finanziellen Ressourcen und legen sie auch selbst fest. Das ist gut. â Ihr dĂŒrft noch einmal klat- schen. Die Kitastreiks im letzten Jahr haben gezeigt, dass die FachkrĂ€fte anhaltend sehr belastet sind und dass sie so ihrer Aufgabe der frĂŒhkindlichen Bildung gröĂtenteils nicht nachkommen können. Dies geht ganz klar zu ihren Lasten, aber auch zulasten unserer Kinder, und das muss sich Ă€ndern. Wir wollen bis 2028 eine AnnĂ€herung an den wissen- schaftlich fundierten Zielwert von 1 : 3. Ein optimaler BetreuungsschlĂŒssel ist entscheidend fĂŒr die individuelle Förderung, die emotionale Sicherheit der Kinder und die QualitĂ€t pĂ€dagogischer Interaktion. Ich gehe davon aus, dass dies hoffentlich auch die Koalition so will. Ein Kita- besuch mit qualifiziertem Personal mit genug Zeit fĂŒr tatsĂ€chlich frĂŒhkindliche Bildung ist gerade fĂŒr die ar- mutsbelasteten Kinder eine wichtige Grundlage fĂŒr mehr Chancen fĂŒr eine selbstbestimmte und glĂŒcklichere Zu- kunft und einen erfolgreichen Ăbergang in die Grund- schule. Da die Kitas in armutsbelasteten Stadtquartieren unter besonderen Herausforderungen stehen, wollen wir fĂŒr diese ein Sozialbudget einfĂŒhren. Das heiĂt, dass die Kitas mit einer BuT-Quote von 40 Prozent beziehungs- weise 60 Prozent dann einen Zuschlag von 0,03 bezie- hungsweise 0,06 Stellen je BuT-berechtigtem Kind erhal- ten wĂŒrden. Gerade in sozial benachteiligten Gebieten mit hohen Kinderzahlen ist es wichtig, aktiv zu werden und den zahlreichen Herausforderungen zu begegnen, insbesondere im Hinblick auf die Personalsituation und die steigenden Anforderungen an die FachkrĂ€fte. Zu guter Letzt: Damit möglichst alle Kinder frĂŒhzeitig unsere Kitas besuchen, soll der Kitagutschein an die Berliner Familien bereits zum ersten Geburtstag eines Kindes automatisch zugeschickt werden. Ich freue mich auf die Debatte mit Ihnen, aber vor allem auch auf den Beschluss und die Umsetzung dieses Antrags. Auf die Kleinsten kommt es an. Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat der Abgeord- nete Simon das Wort. â Bitte schön! (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6342 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025
Herzlichen Dank, meine sehr verehrte Frau PrĂ€sidentin! â Meine sehr verehrten Damen und Herren! âNach Quanti- tĂ€t kommt QualitĂ€tâ â so die Ăberschrift Ihres Antrages. âNachâ! HeiĂt das, dass GrĂŒne und Linke in den Jahren 2016 bis 2023, schlieĂlich haben Sie in diesen Jahren regiert, ausschlieĂlich auf QuantitĂ€t gesetzt haben, auf mehr PlĂ€tze? Ging es nur darum, das zu VerfĂŒgung zu stellen? Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist uns ein Her- zensanliegen, aber es geht der CDU, und ging der CDU in den letzten Jahren, nicht nur darum. 2014 ist unter der Verantwortung der SPD und der CDU das Berliner Bildungsprogramm fĂŒr Kitas und Kinderta- gespflege aktualisiert worden, und 2016 haben SPD und CDU durch eine Ănderung des Kindertagesförderungsge- setzes dafĂŒr gesorgt, dass deutlich mehr FachkrĂ€fte pro Kind in den Berliner KindergĂ€rten eingesetzt werden. CDU und SPD, die jetzige Koalition, kann nahtlos an diese richtigen Schritte anknĂŒpfen. Wir können nicht nur, wir tun es. Wir haben im Koalitionsvertrag festgelegt, dass das Berliner Bildungsprogramm ĂŒberarbeitet und in Bezug auf den Kompetenzerwerb â das ist wichtig â in Vorbereitung auf den Ăbergang zur Grundschule konzep- tionell verstĂ€rkt wird. Weitere PersonalschlĂŒsselverbesse- rungen angesichts der konkreten FachkrĂ€ftesituation werden wir prĂŒfen. Das Ergebnis der PrĂŒfung haben wir in den letzten Wochen und Monaten gehört. Beides sind starke Signale fĂŒr QualitĂ€t in den Berliner KindergĂ€rten, starke Signale fĂŒr QualitĂ€t an die Familien und an die Eltern â starke Signale, wichtige und richtige Signale, die wir fĂŒr unsere Berliner Kinder und die Chancen unserer Berliner Kinder brauchen. Was ist in den letzten Monaten zur StĂ€rkung der QualitĂ€t in den KindergĂ€rten geschehen? â Erstens: Die Senats- verwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie unter FĂŒh- rung der Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch lud zu einem Runden Tisch Kita im November 2024 ein. Zwei- tens: Es gab einen zweiten Runden Tisch Kita auf Initia- tive der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Fami- lie mit FachverbĂ€nden und Vertretern von TrĂ€gern von KindergĂ€rten im Februar 2025, also vor einigen Wochen. Drittens: In der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie wird fleiĂig an einem Entwurf zur Aktuali- sierung des Kindertagesförderungsgesetzes gearbeitet. Was wurde bei den Runden Tischen besprochen, bezie- hungsweise woran wird in der Senatsverwaltung gearbei- tet? â Zentral ist Folgendes, jedenfalls aus Sicht der Koa- lition: KĂŒnftig sollen mehr FachkrĂ€fte pro Kind, das unter zwei Jahren in einem Kindergarten oder in einer Kinder- tagespflegestelle betreut wird, eingesetzt werden. Das ist dann eine echte Entlastung der Erzieherinnen und Erzie- her. Auch Sie, GrĂŒne und Linke, fordern in der Ăberschrift Ihres Antrags richtigerweise die Entlastung von FachkrĂ€f- ten. Das ist gut so, [Marianne Burkert-Eulitz (GRĂNE) und
Aber?] aber wie lautet der Text Ihres Antrages? Was beantragen GrĂŒne und Linke? â Im Punkt drei Ihres Antrages fordern Sie, die tatsĂ€chliche Fachkraft-Kind-Relation, und zwar jeden Tag, in allen Berliner Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen zu erfassen und an die Se- natsverwaltung zu melden. â Unglaublich, wirklich un- glaublich! Kein Wunder, dass die Menschen Ihre Parteien mit mehr BĂŒrokratie verbinden! Die Erzieherinnen und Erzieher wollen mit den Kindern arbeiten, sie wollen Bildung vermitteln, und GrĂŒne und Linke wollen, dass tĂ€glich aus jedem Berliner Kindergar- ten gemeldet werden soll, wie viele Kinder und wie viele FachkrĂ€fte da sind, und das jeden Tag. Ein Meldewesen, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen wĂŒr- de. Gehen Sie in sich! Was soll das? Was wollen Sie mit diesen Datenreihen? 2025 gibt es 251 Arbeitstage. KindergĂ€rten und Kinder- tagespflegestellen haben 25 SchlieĂtage. Was wollen Sie mit einem jĂ€hrlichen Bericht an das Berliner Abgeordne- tenhaus fĂŒr 226 Tage aus 2 700 KindergĂ€rten und mehre- ren Hundert Kindertagespflegestellen? Wozu soll das gut sein? Wer braucht so etwas? Die CDU möchte die wertvolle Arbeitskraft der FachkrĂ€fte fĂŒr solch ein unnĂŒtzes Meldewesen nicht einsetzen. Wir wollen das nicht, mit uns nicht! Darauf können sich die Erzieherinnen und Erzieher verlassen. [Beifall bei der CDU â
Du musst mal in die Tobeecke gehen!] Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6343 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat die Kolle- gin Seidel das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktion! Es ist immer gar nicht so ein- fach, wenn man hier als Vierter reden muss und schon viel Gutes gesagt wurde. Ich will mal feststellen: Dieser Antrag ist in groĂen Teilen ein guter. Wir sind aber gera- de in einer Situation, in der wir das ganze Thema, weil es einfach etwas GrundsĂ€tzliches ist, noch ein bisschen vielschichtiger miteinander besprechen mĂŒssen. Wir kommen aus einer Situation, in der wir sehr erfolgreich KitaplĂ€tze ausgebaut haben, wo wir sehr erfolgreich in die QualitĂ€t reingegangen sind, QualitĂ€t auch ein StĂŒck weit nach vorne gestellt haben, und stehen jetzt vor dem Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6344 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 demografischen Wandel, der schon angesprochen wurde. Ich glaube, das mĂŒssen wir uns genauer angucken, denn wir haben den demografischen Wandel insofern, als dass wir natĂŒrlich weniger Kitakinder haben, aber auch gleichzeitig eine ganze Reihe von Leuten, die jetzt noch in der Kita arbeiten, in Rente gehen. Wir kommen gar nicht nach, was das Thema FachkrĂ€ftegewinnung betrifft. Wir sind in der Situation, in der wir zwei Geschwindig- keiten haben, nĂ€mlich die eine Geschwindigkeit, in der Kitakinder Mangelware sind, nĂ€mlich in der Mitte der Stadt und in eher besser situierten Situationen. Und wir haben in Randlagen und da, wo sozial ordentlich was los ist, einen absoluten Kitaplatzmangel. Damit muss man umgehen. Ich habe schon das eine oder andere Fragezeichen, ob auf die Situation, dass wir insbesondere in den Kitas in schwierigen sozialen Lagen, wo gesagt wird: Wir haben nicht genug Personal; die Leute sind krank; wir kriegen das alles nicht gut hin â, die Antwort ist, den PlatzschlĂŒs- sel noch zu senken und das Problem insofern ein StĂŒck weit gröĂer zu machen. Oder ist vielleicht auch eine mög- liche Antwort auf die Tatsache: Wir wissen, dass es Kitas gibt, in denen es schwierig ist, Personal zu gewinnen, in denen es schwierig ist, Projekte umzusetzen, in denen wir viele Kinder haben, die besondere BedĂŒrfnisse haben, die eigentlich gar nicht mehr kitafĂ€hig sind â, zu sagen: Wenn wir das feststellen, dann mĂŒssen wir vielleicht auch noch mal ein StĂŒck weit mehr, als wir das jetzt schon tun, von der GieĂkanne wegkommen und sagen: Das sind Kitas, wo wir tiefer fördern mĂŒssen, wo wir andere Sa- chen möglich machen mĂŒssen und wo wir den Kitas auch die Möglichkeit geben mĂŒssen, besondere Schwerpunkte zu setzen? Ich glaube, dass der demografische Wandel auch dazu fĂŒhrt â â Die Debatte, die wir in den vergangenen Mona- ten und Jahren zum Thema Kita hatten, ist keine gewe- sen, die jetzt viele Menschen dazu gebracht hĂ€tte zu sa- gen: Ich habe jetzt richtig Lust, in der Kita zu arbeiten; da ist ja richtig was los. â Man hatte das GefĂŒhl, Kita sei ein StĂŒck weit die Hölle auf Erden. Auch da mĂŒssen wir nochmal ein StĂŒck weit ran und uns angucken: Wie krie- gen wir es hin, mehr junge Leute fĂŒr die Kita zu gewin- nen? Wie kriegen wir es hin, auslĂ€ndische Bildungsab- schlĂŒsse schneller anzuerkennen und die Zugangsvoraus- setzungen, nĂ€mlich beispielsweise vom Abitur zum MSA, einfacher zu ermöglichen. Linke und GrĂŒne schlagen ĂŒbrigens die Vereinfachung dieses Verwaltungsverfahren vor, was das Thema Kita- gutscheine betrifft. Mich Ă€rgert das ehrlich gesagt auch schon sehr lange. Allein in Treptow-Köpenick arbeiten 30 Leute daran, Kitagutscheine auszustellen, und das in einer Situation, in der wir einen Anspruch auf einen Kita- platz haben. Ich finde den Vorschlag, den Sie da machen, sehr pfiffig. Wir können uns das noch mal ĂŒberlegen. Da wird dann gesagt: Das ist aus verwaltungstechnischen GrĂŒnden schwierig; das wird alles so spĂ€t gemeldet; das kann man aus DatenschutzgrĂŒnden schwer zuschicken und so weiter und so fort. Aber eine Möglichkeit wĂ€re ja auch, das zu tun, was Menschen intrinsisch haben, wenn sie ihr Kind in der Kita anmelden wollen, nĂ€mlich in die Kita zu gehen und zu sagen: Hallo, hier ist mein Kind; das wĂŒrde ich gerne in der Kita anmelden. â Das mĂŒsste man dann so machen, dass es einen Austausch zwischen der Verwaltung und der Kita selbst gibt. Dann könnte man in eine Kita gehen, um sein Kind anzumelden, mit einem Gutschein, der die entsprechende StandardgröĂe hat. Und wenn man dann mehr oder weniger braucht, muss man halt noch mal zum Amt gehen. Ich glaube, das wĂ€re eine Möglichkeit, wie man das regeln könnte. Sofort hĂ€tten wir Hunderte Stellen in der Verwaltung frei, die andere gute Sachen im Jugendbereich machen könnten. â Ich habe jetzt noch 17 Sekunden. Ich hĂ€tte noch viel lĂ€nger reden können. Ich glaube, wir machen das dem- nĂ€chst weiter im Ausschuss und dann wieder im Plenum. â Vielen Dank fĂŒr die Aufmerksamkeit! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Tabor das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kollegen! Auf den ersten Blick gut gemeint, aber bei nĂ€herem Hinsehen wirft der Antrag einige Diskussionspunkte auf. Ich versu- che das Ganze mal von hinten aufzurollen. Punkt 4 ist tatsĂ€chlich ein guter Vorschlag, den man nur begrĂŒĂen kann. Der Kitagutschein soll automatisch zum ersten Geburtstag verschickt werden. Das spart Zeit, Geld, Aufwand und Nerven fĂŒr beide Seiten. Und es passt hervorragend zu dem Grundsatz: Wer einen Rechtsan- spruch hat, sollte nicht durch ĂŒberflĂŒssige BĂŒrokratie davon abgehalten werden. Punkt 3 â Monitoring der tatsĂ€chlichen Fachkraft-Kind- Relation â: Transparenz in der Kitapolitik macht Sinn und ist notwendig, um Probleme klar zu identifizieren und sinnvoll gegenzusteuern. Um tatsĂ€chlich bei der Erfassung möglichst wenig Aufwand fĂŒr die FachkrĂ€fte vor Ort zu verursachen, schlagen wir eine schlichte Ver- knĂŒpfung mit dem Kitanavigator vor: Eingabe der tatsĂ€chlich im Dienst befindlichen Erzieher, halbtags, ganztags et cetera, Eingabe der tatsĂ€chlich an- wesenden U3- und Ă3-Kinder, ein paar Mausklicks und fertig. BloĂ kein komplizierter Verwaltungsaufwand. (Alexander Freier-Winterwerb) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6345 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Punkt 2 â Kinderarmut im Kitabereich â: Was meinen Sie eigentlich damit? Die Kita ist, von einer geringen Pau- schale mit wenigen Zusatzkosten abgesehen, in Berlin kostenlos. Hier geht es doch nicht um den Geldbeutel der Eltern, sondern um gute Rahmenbedingungen fĂŒr alle Kinder. Wer Kinderarmut wirklich bekĂ€mpfen will, muss bei den Strukturen ansetzen. Da ist auch ein Ansatz, dass die Verantwortlichen in der Bildungspolitik die Eltern mehr in die Pflicht nehmen. Eines muss Ihnen nĂ€mlich irgendwann auch mal klar sein: Je mehr Staat, je mehr staatliche Transferleistungen, egal welcher Form, desto schlimmer wird das Problem, und das seit Jahrzehnten. Sie mĂŒssen endlich mal ein Signal in diese Stadt senden, dass sich hier alle zu bemĂŒhen haben. Um es mal vorsich- tig zu sagen: Diese All-inclusive-Politik trĂ€gt nicht zur SelbststĂ€ndigkeit und Verbesserung der Menschen bei. Zu Punkt 1: Ja, QualitĂ€t verbessern, das ist richtig. Dage- gen kann man nichts sagen, aber das geht eben nur mit ausreichend Personal, und da liegen Anspruch und Wirk- lichkeit derzeit weit auseinander. Die RealitĂ€t in Berliner Kitas zeigt: Von einem PersonalĂŒberschuss, wie ihn man- che vielleicht herbeireden, kann aktuell wirklich keine Rede sein. Die Fachkraft-Kind-Relation liegt im Bereich U3 in Berlin aktuell bei 1 : 5,2. Die Bertelsmann Stiftung â wir haben es heute schon gehört â empfiehlt 1 : 3. Be- rĂŒcksichtigt man die mittelbare pĂ€dagogische Arbeit, verschlechtert sich das VerhĂ€ltnis sogar noch zu 1 : 6,9. Im Ă3-Bereich sieht es kaum besser aus. Die 100-Pro- zent-Personalausstattung, wie Sie im KitaFöG vorgese- hen ist, reicht lĂ€ngst nicht mehr. Der VKMK, der Berliner Kitaverband also, fordert daher zu Recht eine Anhebung auf 120 Prozent. Das wĂ€re ein echter Schritt hin zu mehr QualitĂ€t, doch dazu brĂ€uchte es den politischen Willen und mutige Investitionen, um diesen Schweinezyklus zwischen Angebot und Nachfragesituation mal dauerhaft zu durchbrechen. Wer frĂŒhkindliche Bildung wirklich stĂ€rken will, muss an die Wurzel ran: bessere Personalausstattung, realistische Rahmenbedingungen, ernsthafte Entlastung der FachkrĂ€f- te und echte Anerkennung fĂŒr die TrĂ€ger, und vor allem: Nehmen Sie die Eltern mehr in die Pflicht! â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Bildung, Jugend und Familie sowie an den Hauptaus- schuss. â Widerspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 4.5: PrioritĂ€t der Fraktion Die Linke Tagesordnungspunkt 21 BekĂ€mpfung von Rassismus im Land Berlin stĂ€rken! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung vom 20. Februar 2025 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 5. MĂ€rz 2025 Drucksache 19/2288 zum Antrag der Fraktion Die Linke auf Annahme einer EntschlieĂung Drucksache 19/1543 In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke. â Bitte schön, Frau Eralp, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte PrĂ€sidentin! Geehrte Kolleginnen und Kol- legen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Wir haben das Thema BekĂ€mpfung von Rassismus mit unserem Antrag zur PrioritĂ€t gemacht, damit es endlich die Aufmerksam- keit bekommt, die es verdient. Wir wollen, dass der Alltagsrassismus, der den Menschen das Leben zur Hölle macht, endlich aufhört. Wir wollen, dass auch der Staat endlich aufhört zu diskriminieren, sei es durch Chancenungleichheit an Schulen, durch Diskri- minierung in den Jobcentern oder durch rassistische Poli- zeigewalt im Rahmen von Racial Profiling, bei Abschie- bungen oder bei Demonstrationen. Der letzte Rassismus- monitor von DeZIM hat gezeigt, dass Diskriminierung fĂŒr rassistisch markierte Menschen eine Alltagserfahrung ist. Sie gaben an, mindestens einmal im Monat Diskrimi- nierung zu erfahren. Neben dem öffentlichen Raum wird Ungleichbehandlung in Behörden am hĂ€ufigsten angege- ben. Dem folgt Diskriminierung durch die Polizei, gerade gegenĂŒber schwarzen und muslimisch gelesenen Men- schen. Ich wĂŒnschte mir, Sie hĂ€tten vorgestern alle gehört, was ich beim Fastenbrechen bei JUMA, einer Organisation junger Musliminnen, an Sorgen und Forderungen gehört habe. Dann wĂŒrde vielleicht auch die CDU endlich mal aufhören, den strukturellen Rassismus in Berlin zu leug- nen, wie es der Fraktionsvorsitzende Stettner noch letztes Jahr hier im Plenum am Internationalen Tag gegen Ras- sismus getan hat. Der Kampf gegen strukturellen und institutionellen Rassismus muss vom Senat endlich zur Chefsache erklĂ€rt werden, (Tommy Tabor) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6346 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 aber der Regierende BĂŒrgermeister ist noch nicht mal da, wĂ€hrend wir hier darĂŒber reden. Wir fordern eine nachhaltige Antirassismusstrategie, die alle Ebenen berĂŒcksichtigt und bei der alle Verwaltungen im Senat mitarbeiten, denn Antirassismus ist Quer- schnittsaufgabe. Diese Strategie zu entwickeln, ist ureigenste Aufgabe des Senats und kann nicht auf das Parlament oder die Enque- te-Kommission abgeschoben werden, wie das zum Teil schon passiert ist, obwohl erst am Ende der Legislaturpe- riode die Ergebnisse vorliegen werden. Darauf kann nicht gewartet werden. Wir fordern an der Seite der Zivilge- sellschaft jetzt, den Lehrgang Intersectional Black Studies an der TU weiterzufĂŒhren, statt rassismuskritische Bil- dungsarbeit wegzukĂŒrzen, die Abschaffung der soge- nannten kriminalitĂ€tsbelasteten Orte fĂŒr ein Ende von anlasslosen Kontrollen und Racial Profiling statt immer mehr Polizeibefugnisse, eine unabhĂ€ngige Beschwerde- stelle im Bereich Schule und die StĂ€rkung von Bleibe- und Arbeitsrechten sowie Mindestlohnkontrollen, da vor allem Menschen mit Migrationsgeschichte von Armut und Arbeitsausbeutung betroffen sind, ein Demokra- tiefördergesetz, das endlich Sicherheit fĂŒr Migrantinnen- und Migrantenselbstorganisationen und Antidiskriminie- rungsverbĂ€nde schafft, statt Angriffe durch Anfragen oder KĂŒrzungen. Aber auch da blockiert die CDU, wie wir den Aussagen Herrn Salehs gestern in der Presse entnehmen konnten. Eine unserer Forderungen wurde nun endlich konkret zugesagt: Nachdem wir im Juni letzten Jahres gemeinsam mit den GrĂŒnen einen Antrag fĂŒr eine Beauftragte fĂŒr antimuslimischen Rassismus stellten, folgten Monate spĂ€ter entsprechende Versprechungen des SPD-Frak- tionsvorsitzenden und von Senatorin Kiziltepe. Dann geschah lange Zeit nichts. Noch in der Ausschusssitzung Ende Februar hieĂ es vom zustĂ€ndigen StaatssekretĂ€r auf meine wiederholte Nachfrage, dass noch ein PrĂŒfauftrag laufe und kein konkreter Zeitplan genannt werden könne. Dann haben wir das Thema auf die Tagesordnung gesetzt, und plötzlich, fĂŒr alle ĂŒberraschend, die AnkĂŒndigung: Zum 1. Juli 2025 kommt die Ansprechperson. Opposition wirkt, und das ist gut so! Angesichts des massiven Anstiegs antimuslimischen Rassismus ist das auch notwendig. Aber bei all den ande- ren Forderungen herrscht leider Stillstand, und es macht auch wenig Hoffnung, wenn man sich anschaut, was auf Bundesebene gerade verhandelt wird. In dem Sondie- rungspapier von CDU und SPD taucht das Wort âRas- sismusâ nicht einmal auf, im Gegenteil: Migration wird nur als Sicherheitsfrage verhandelt. Vormalige Forderungen der AfD werden ĂŒbernommen und unter anderen Grausamkeiten ZurĂŒckweisungen an den Grenzen, mehr Abschiebungen und Haftanstalten, VerschĂ€rfung bei Asylverfahren und Familiennachzug sowie AusbĂŒrgerung bei willkĂŒrlichen Verdachtslagen verabredet. Liebe SPD! Einige von euch wehren sich dagegen. Ich danke euch dafĂŒr im Namen meiner Fraktion. [Vereinzelter Beifall bei der LINKEN â
Ooh!] An alle anderen: Jetzt ist die Zeit, gegen die PlĂ€ne eurer ParteifĂŒhrung auf die Barrikaden zu gehen. â Und an den Senat: Jetzt ist die Zeit, in Berlin einen Gegenpol fĂŒr eine offene Einwanderungsgesellschaft zu bilden, eine Gesell- schaft ohne jede Diskriminierung, fĂŒr ein Berlin fĂŒr alle Menschen. â Danke! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat nun der Abge- ordnete GraĂelt das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Berlinerinnen und Berliner! Ras- sismusbekĂ€mpfung im Land Berlin stĂ€rken â diesen Satz, fĂŒr sich genommen, kann ich unterstĂŒtzen. Es steht auĂer Frage, dass jeder einzelne Abgeordnete hier in diesem Haus und auch wir als Parlament in GĂ€nze uns dafĂŒr einsetzen mĂŒssen, dass Rassismus in dieser Stadt aus- nahmslos bekĂ€mpft wird. Schaut man sich den Antrag aber auf den folgenden zwei Seiten an, dann muss ich zugeben, dass das Ganze nicht mehr ganz so zustimmungsfĂ€hig ist. Zuerst einmal möch- te ich kritisieren, dass es sich hier nicht um einen Antrag handelt, sondern eigentlich um ein Sammelsurium von ganz vielen AntrĂ€gen, die einmal quer durch die gesamte Berliner Politik, durch alle Senatsverwaltungen gehen. Sie wollen hier weitere Gutachten, weitere Instanzen, weitere Beauftragte, die unsere BĂŒrokratie weiter lĂ€hmen. Das wird es mit uns nicht geben. [Beifall bei der CDU â
Hat die SPD versprochen!] Sie hĂ€tten sich die Rede unseres Finanzsenators von vor zwei Wochen anhören sollen. Sie war sehr eindrĂŒcklich und hat sehr eindrĂŒcklich klargemacht, dass wir BĂŒro- (Elif Eralp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6347 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 kratie abschaffen mĂŒssen. Dieser Antrag ist ein BĂŒrokra- tiemonster, und dem werden wir nicht zustimmen. Es gibt ganz viele inhaltliche Punkte zu kritisieren. Ich möchte zwei herausstellen: Zum einen â Sie haben es schon angesprochen, Frau Eralp â wollen Sie das Prinzip der kriminalitĂ€tsbelasteten Orte abschaffen. Die Polizei hat die Möglichkeit, Orte, wo die Straftaten in einem hohen MaĂ ĂŒber dem Durchschnitt liegen und die öffent- liche Sicherheit und Ordnung fĂŒr Berlinerinnen und Ber- liner nicht mehr gegeben ist, als kriminalitĂ€tsbelastet zu benennen und somit ihren Handlungsspielraum erweitern. Das ist das einzig Richtige. Wir werden die Arbeit der Polizei an dieser Stelle nicht einschrĂ€nken. Mit dieser Koalition ist das nicht machbar. Zweiter inhaltlicher Punkt: Dieses Thema begleitet uns hier schon eine Weile in diesem Haus. Sie fordern in diesem Antrag in Ihrem letzten Punkt das Wahlrecht fĂŒr alle Berlinerinnen und Berliner, unabhĂ€ngig vom deut- schen Pass oder der deutschen StaatsbĂŒrgerschaft. Wir hatten diesen Antrag erst vor Kurzem sowohl hier als auch im Ausschuss. Die Koalition hat diesen Antrag aus triftigen GrĂŒnden abgelehnt. Das lĂ€sst doch nur schluss- folgern, dass wir diesem Antrag hier heute gar nicht zu- stimmen können, nur alleine dieses Punktes wegen und beispielsweise der kriminalitĂ€tsbelasteten Orte. Das ist fĂŒr uns nicht machbar. Es gibt viele weitere kritische Punkte. Es ist auch gar nicht klar, wie Sie all diese Dinge, die Sie hier fordern, finanzieren wollen. Wir befinden uns in Zeiten der Kon- solidierung, und Sie wollen wieder mit Geldern um sich schmeiĂen â nicht mit uns. [Beifall bei der CDU â
FĂŒr RassismusbekĂ€mpfung ist kein Geld da!] Ich möchte aber gerne noch eine andere Perspektive auf diesen Antrag eröffnen. Seit dem 7. Oktober 2023 muss- ten wir einen enormen Anstieg von antisemitischen Ge- walttaten, von Gewalt gegenĂŒber unseren EinsatzkrĂ€ften, Polizei, Feuerwehr, auch gegenĂŒber Politikern, Rassis- musvorfĂ€llen in GĂ€nze in dieser Stadt wahrnehmen. Das hat uns alle beschĂ€ftigt. Das war ein Weckruf fĂŒr uns alle. Wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir eine Kom- mission grĂŒnden wollen, die sich genau fĂŒr den gesell- schaftlichen Zusammenhalt und gegen Rassismus jeder Art einsetzt. Diese Enquete-Kommission wird morgen konstituiert und nimmt morgen ihre Arbeit auf. Meine sehr geehrten Damen und Herren der Linksfraktion! Jeder Antrag, den wir hier heute beschlieĂen wĂŒrden, der sich mit diesem Themenbereich befasst, ob der jetzt hier ge- eint wĂ€re oder nicht â dieser wird niemals hier geeint sein â, wĂŒrde der Arbeit der Kommission vorweggreifen. Das halten wir fĂŒr vollkommen falsch. Das bringt auch schlechte Stimmung in die Kommission in den nĂ€chsten Tagen. Das ist wirklich schĂ€dlich fĂŒr die Arbeit dort. Wir wollen einen offenen Dialog. Wir wollen Ideen, Konzepte erarbeiten, die den Rassismus nachhaltig in dieser Stadt bekĂ€mpfen. Das wird ab morgen in der Kommission getan. Der Antrag, der hier formuliert ist, wird unsere Zustimmung ganz sicher nicht finden. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat die Kollegin Bozkurt das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der vergangene Freitag war Internationaler Tag gegen Rassismus. Letztes Jahr hatte die schwarz-rote Koalition diesen zum Anlass genommen, um in der Ak- tuellen Stunde dem Rassismus abzuschwören. Vollmun- dig bekannten sich die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD zum Kampf gegen Rassismus. Es hieĂ, nicht einfach nur Rassismus ablehnen, sondern ihn erkennen und in aller Entschiedenheit bekĂ€mpfen. Vor einem Jahr schien das unverrĂŒckbarer Konsens zu sein. So hieĂ es auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag noch, mit einer Enquete-Kommission wolle man strukturellen Rassismus bekĂ€mpfen. Die Experten- und Expertinnenkommission fĂŒr antimuslimischen Rassismus solle ihre Arbeit fortfĂŒh- ren und ihre Handlungsempfehlungen umgesetzt werden. UnterstĂŒtzen wollte der Senat die Arbeit der Landeszent- rale fĂŒr politische Bildung, Projekte gegen Antisemitis- mus und Muslimfeindlichkeit, die Drei-Religionen-Kita im Sinne der interreligiösen VerstĂ€ndigung. All dies ist Teil der Koalitionsvereinbarung, abgestimmt, abgespro- chen, besiegelt per Handschlag und Unterschrift. Gerade befinden wir uns in den letzten Tagen des islami- schen Fastenmonats Ramadan. Auch einige von Ihnen saĂen bei Gemeinden, Nachbarschaftszentren und Ver- bĂ€nden am Iftartisch. War das nicht schön, gemeinsames Fastenbrechen mit einer saftigen Dattel, Baklava, tĂŒrki- schem Tee, netten GesprĂ€chen ĂŒber die Vielfalt Berlins, ein bisschen Folklore hier, ein bisschen Lokalkolorit dort? â Sehr nett, ohne Frage, aber eben auch sehr unver- bindlich. Denn was ich eben aufgezĂ€hlt habe, waren Vor- haben aus einer Zeit, als âdas Beste fĂŒr Berlinâ mehr zu sein versprach als bloĂe esoterische Ăbung von Manifes- tation und Wunschdenken. (Niklas GraĂelt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6348 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Jenseits von Sonntagsreden ist dieser Senat seiner plaka- tiv zur Schau gestellten DiversitĂ€t und angetĂ€uschten Fortschrittlichkeit nicht gerecht geworden. Die Landes- zentrale fĂŒr politische Bildung hat dieser Senat in aller Ăffentlichkeit beschĂ€digt, ihre Arbeit, ihre UnabhĂ€ngig- keit und Bedeutung fĂŒr Demokratiebildung und Antidis- kriminierungsarbeit diskreditiert. Mit groĂem Getöse wurde die Einsetzung einer Kontroll- beziehungsweise Stabsstelle inszeniert, und nun ist nicht einmal klar, ob sie ĂŒberhaupt zustande kommt. Was fĂŒr ein kolossaler Riesenfail. Die Handlungsempfehlungen der Experten- und Exper- tinnenkommission zu antimuslimischem Rassismus lie- gen nun seit bald drei Jahren herum. WĂ€hrend Mitglieder der Koalitionsfraktionen vom sogenannten antimuslimi- schen Rassismus reden und ihn damit infrage stellen, prĂŒft die Antidiskriminierungssenatorin die Einsetzung einer Beauftragten beziehungsweise eines Beauftragten gegen eben diesen antimuslimischen Rassismus. Immer- hin setzen sie damit unseren Antrag vom letzten Sommer um â gern geschehen. Die Umsetzung von Gerichtsentscheidungen wĂŒrde der Koalition und ihrem Senat ebenfalls eine seriöse Note verleihen. Wann gedenken Sie eigentlich, das im Neutra- litĂ€tsgesetz festgeschriebene diskriminierende Kopftuch- verbot abzuschaffen? Ich lade Sie dazu ein, sich ganz im Sinne der freiheitlich-demokratischen Grundordnung an die nun schon mehr als zehn Jahre bestehende Rechtspre- chung des Bundesverfassungsgerichts zu halten. Die Enquete-Kommission wurde indes zu einer Art Hei- land stilisiert. In gefĂŒhlt jedes Mikrofon erklĂ€rten die Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD unisono, dass sie, bald eingesetzt, alle Probleme lösen wĂŒrde, die Senat und Koalition mit der Zivilgesellschaft, in Wahrheit mit sich selbst haben. Ich gebe zu, ich hatte eine Wette lau- fen, dass die Kommission nicht mehr kommen wĂŒrde. Ob sie nun alle Probleme lösen wird, werden wir alle noch gemeinsam erleben. DiversitĂ€t als Fotokulisse, als Zurschaustellung eines Nichts-dafĂŒr-tun-MĂŒssens, rĂ€cht sich leider, nicht nur fĂŒr die in Wortakrobatik geĂŒbte Koalition, sondern vernichtet dringend gebrauchte Antirassismus- und intersektionale Antidiskriminierungsarbeit. Die Drei-Religionen-Kita, die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, i-PĂD fĂŒr intersektionale PĂ€dagogik, meet2respect und viele andere Projekte mehr hat diese Koalition nun schon auf dem Gewissen. Lieber Regierender BĂŒrgermeister! Liebe Antidiskrimi- nierungssenatorin Kiziltepe, liebe Mitglieder des Senats, liebe Kolleginnen und Kollegen der Regierungskoalition! Letztes Jahr beendete ich meine Rede mit: âDer Schutz vor rassistischer Diskriminierung ist ein Menschenrecht. Gedenktage sind es nicht.â In nur einem Jahr haben Sie selbst das Gedenken unterboten. â Vielen Dank! FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Abgeordnete Ăzdemir das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! [Alexander Bertram (AfD): Hallo! â
Hallo!] Dieser Antrag zur StĂ€rkung der BekĂ€mpfung von Ras- sismus im Land Berlin spricht ein zentrales Thema an, das uns alle betreffen sollte. Es ist unsere Verantwortung, jeglicher Form von Rassismus entschlossen entgegenzu- treten und die Menschen zu schĂŒtzen, die aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihres Aussehens ausge- grenzt oder angegriffen werden. Ja, Berlin ist vielfĂ€ltig und Berlin geht voran, wenn es darum geht, Haltung zu zeigen. Das ist und bleibt unser gemeinsames Ziel. Das alles ist umso wichtiger in Zeiten, in denen Demokratie und Zivilgesellschaft nicht nur von Faschisten der AfD angegriffen werden, sondern auch von konservativen KrĂ€ften deutschlandweit, die bewusst oder unbewusst in deren Fahrwasser mit- schwimmen. Und das macht mir besonders groĂe Sorgen. Trotz aller WiderstĂ€nde haben wir als SPD im Haushalt 2024/2025 den Bereich Antidiskriminierung innerhalb der LADS fast verdoppelt. Selbst nach der PMA-KĂŒrzung gibt es weiterhin einen Aufwuchs von ĂŒber 30 Prozent im Bereich der RassismusbekĂ€mpfung. Das ist ein Rekord- wert fĂŒr Berlin. Darauf sind wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stolz. Aber wir mĂŒssen natĂŒrlich auch realistisch bleiben. Die kommenden Haushaltsverhandlungen werden hart. Berlin steht unter SparzwĂ€ngen, und wir haben es mit einer CDU als Koalitionspartnerin zu tun, die in Fragen der Antidiskriminierung eine fundamental andere Haltung vertritt. Wir haben bereits erlebt, wie massiv die Antidiskriminie- rungsmaĂnahmen im Bildungs- und im Jugendbereich von der CDU gekĂŒrzt wurden. In dieser Frage sind wir uns mit unserem Koalitionspartner einig, dass wir uns (Tuba Bozkurt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6349 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 uneinig sind. Trotzdem haben wir mit Senatorin Kiziltepe und UnterstĂŒtzung der Innensenatorin Spranger vieles auffangen können. DafĂŒr möchte ich mich hier noch einmal ausdrĂŒcklich bedanken. Lassen Sie mich also kurz zusammenfassen. Erstens: Wir haben das gröĂte Budget fĂŒr Antidiskriminierung und Integrationsarbeit, das Berlin je gesehen hat. Zweitens: Im Bundesvergleich verfĂŒgen wir in Berlin ĂŒber eine der stĂ€rksten Antidiskriminierungsstrukturen. Drittens: Wir stehen vor einem KĂŒrzungshaushalt. Viertens: Unser Koalitionspartner hat eine diametral entgegengesetzte Haltung zu diesem Thema. Das bedeutet fĂŒr uns Sozialdemokratinnen und Sozialde- mokraten, es wird nicht darum gehen, neue Programme aufzulegen oder massig neue Stellen zu schaffen, sondern den in vielen Jahren gemeinsam erkĂ€mpften Status quo gegen SparzwĂ€nge und Angriffe zu verteidigen, egal, von wem sie kommen. Eine dieser Bedrohungen kommt aus der braunen Ecke. Die faschistische AfD ist der parlamentarische Arm des Rassismus in Deutsch- land. Wer sich noch immer fragt, ob sie verfassungsfeind- lich ist, sollte sich ansehen, wie sie die Gesellschaft spal- tet, Menschen gegeneinander aufhetzt und unsere demo- kratischen Institutionen untergrĂ€bt. Dass wir hier immer öfter und heftiger ĂŒber Rassismus diskutieren, liegt auch daran, dass diese faschistische Partei aus Hass und Hetze eine politische Strategie ge- macht hat und die Gesellschaft vergiftet. Und noch etwas: Ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Rassismus und um die StĂ€rkung der Demokratie wird das Landesdemokratiefördergesetz sein, das ĂŒbri- gens im Koalitionsvertrag festgeschrieben wurde. Ich erwarte und unsere Fraktion erwartet, dass wir dieses Gesetz noch in diesem Jahr hier im Plenum verabschie- den. Ich sage das mit aller Klarheit und Nachdruck. Deshalb appelliere ich an alle Demokratinnen und Demo- kraten in diesem Haus: KĂ€mpfen wir mit klarem Kopf und entschlossener Hal- tung gegen Rassismus und fĂŒr unsere Demokratie â ge- meinsam und geschlossen! â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat die Abgeordne- te Auricht das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Wenn Ideo- logie auf Wirklichkeit trifft, dann entstehen Debatten wie diese. [Beifall bei der AfD â
Ja!] Es ist selbstverstĂ€ndlich, Opfer von Rassismus verdienen unsere Aufmerksamkeit, unsere Hilfe und unsere Solida- ritĂ€t. Wer rassistisch beleidigt, benachteiligt oder gar körperlich angegriffen wird, hat Anspruch auf Schutz, und zwar vom Staat, nicht von politischen Projekten, die unter dem Vorwand des Antirassismus Gesellschaftspoli- tik betreiben wollen. Lassen Sie mich hier Caroline Fourest zitieren mit Er- laubnis der PrĂ€sidentin: Wenn Opportunisten unser Mit- gefĂŒhl ausnutzen, um eine dauerhafte Klagestelle einzu- richten, geht es nicht mehr um Tatsachen oder die Aufde- ckung wirklicher Ungerechtigkeit, sondern um die Besei- tigung von Konkurrenten. â Zitat Ende. â Genau das beobachten wir in diesem Antrag. Es geht nicht um Schutz von Menschen, sondern um den Aufbau einer politisch-ideologischen Infrastruktur, von Beschwerdestellen ĂŒber DiversitĂ€tsbeauftragte bis hin zu intersektionalen StudiengĂ€ngen. Die Sprache des Antrags â von strukturellem Rassismus in staatlichen Institutionen, von diskriminierenden Gesetzen und post- kolonialer RahmenlehrplanĂŒberarbeitung â offenbart: Hier geht es nicht um Integration oder Zusammenhalt, hier geht es um ein Misstrauensvotum gegen den Rechts- staat. Die Linke unterstellt in ihrem Antrag, Rassismus sei in staatlichen Strukturen verankert, in Behörden, in der Polizei, in der Justiz. Als Lösung fordern Sie nichts we- niger als die Abschaffung anlassloser Personenkontrollen durch die Polizei, die VerĂ€nderung von Schulordnungen, die Aufhebung religiöser NeutralitĂ€tsgebote und sogar die Ausweitung des Wahlrechts auf Menschen ohne deutsche StaatsbĂŒrgerschaft. Was Sie fordern, ist nicht weniger als eine politische Umerziehung staatlicher Institutionen unter ideologischen Vorzeichen. (Orkan Ăzdemir) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6350 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Was Sie betreiben, ist keine BekĂ€mpfung von Rassismus, sondern Misstrauensverwaltung im Namen der Vielfalt. Offenbar leben Sie in einer völlig anderen RealitĂ€t als die meisten Berliner. Wo Sie von institutionellem Rassismus in den Behörden sprechen, erleben die Berliner fehlende PolizeiprĂ€senz, ĂŒberforderte Schulen und unbesetzte Ămter. Ihre Antwort darauf ist: weiter BĂŒrokratie aufbauen, Fachstellen, Gutachten und Kontrollinstanzen â als hĂ€tte Berlin nicht schon genug davon. Wir wollen â danke schön! â, dass Diskriminierung be- kĂ€mpft wird, aber auf Basis konkreter Taten, nicht abs- trakter Ideologien. Wir wollen Integration durch Sprache, Bildung, Leistung und Zugehörigkeit, nicht durch Son- derrechte, Quoten oder politische GesinnungsprĂŒfungen. Und wir stehen fĂŒr eine Polizei, die geschĂŒtzt und ge- stĂ€rkt wird, statt unter Generalverdacht gestellt zu wer- den. Dieser Antrag ist nicht die Antwort auf reale Probleme, sondern ein weiterer Versuch, ĂŒber den Begriff Rassis- mus Macht ĂŒber Sprache, Institutionen und Gesellschaft auszuĂŒben. Er ist ĂŒberfrachtet, ĂŒbergriffig und letztlich ein Angriff auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt, den Sie zu verteidigen vorgeben. Was Berlin braucht, ist eine Politik der Vernunft, der Rechtsstaatlichkeit und der klaren Re- geln fĂŒr alle, unabhĂ€ngig von Herkunft oder Religion; nicht Bevormundung, sondern Augenhöhe, nicht Betreu- ungsmentalitĂ€t, â Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Ende!
â sondern Vertrauen in die Menschen und ihr Leben. Deshalb lehnen wir diesen Antrag auf jeden Fall ab! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/1543 empfeh- len die AusschĂŒsse gemÀà den Beschlussempfehlungen auf Drucksache 19/2288 mehrheitlich â gegen die Frakti- on BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke â die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen Die Linke sowie BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Wer stimmt dagegen? â Das sind alle weiteren Fraktionen. Sicherheitshalber frage ich nach Enthaltungen. â Die sehe ich nicht. Damit ist der Antrag abgelehnt. Damit kommen wir zu den geheimen verbundenen Wah- len. Ich rufe auf lfd. Nr. 5: Wahl eines stellvertretenden Mitglieds und Wahl der/des stellvertretenden Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses zur Untersuchung des Ermittlungsvorgehens im Zusammenhang mit der AufklĂ€rung der im Zeitraum von 2009 bis 2021 erfolgten rechtsextremistischen Straftatenserie in Neukölln (UntA Neukölln II) Wahl Drucksache 19/0909 in Verbindung mit lfd. Nr. 6: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10-Kommission des Landes Berlin Wahl Drucksache 19/0915 und lfd. Nr. 7: Wahl von zwei Mitgliedern des PrĂ€sidiums des Abgeordnetenhauses Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0936 und lfd. Nr. 8: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1000 und lfd. Nr. 9: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Wahl Drucksache 19/1008 und (Jeannette Auricht) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6351 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 lfd. Nr. 10: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Lette-Vereins â Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/1057 und lfd. Nr. 11: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Pestalozzi-Fröbel- Hauses â Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/1058 und lfd. Nr. 12: Wahl eines Mitglieds des Beirats der Berliner Stadtwerke GmbH Wahl Drucksache 19/1247 und lfd. Nr. 13: Wahl von zwei Mitgliedern und zwei stellvertretenden Mitgliedern der Enquete- Kommission âFĂŒr gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierungâ Wahl Drucksache 19/2068 Die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion fĂŒr diese Gremien haben in den letzten Sitzungen keine Mehrheit gefunden. Die AfD-Fraktion schlĂ€gt heute zur Wahl vor: fĂŒr den Untersuchungsausschuss Herrn Abgeordneten Robert Eschricht als stellvertretendes Mitglied und Herrn Abge- ordneten Karsten Woldeit als stellvertretenden Vorsitzen- den; fĂŒr die G-10-Kommission Herrn Abgeordneten Ro- bert Eschricht als Mitglied und Herrn Abgeordneten Rolf Wiedenhaupt als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr das PrĂ€si- dium Herrn Abgeordneten Frank-Christian Hansel und Herrn Abgeordneten Harald Laatsch als Mitglieder; fĂŒr den Ausschuss fĂŒr Verfassungsschutz Frau Abgeordnete Dr. Kristin Brinker als Mitglied und Herrn Abgeordneten Dr. Hugh Bronson als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr das Kuratorium der Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Frau Abgeordnete Jeannette Auricht als Mitglied und Herrn Abgeordneten Alexander Bertram als stellvertre- tendes Mitglied; fĂŒr das Kuratorium des Lette Vereins Herrn Abgeordneten Tommy Tabor als Mitglied und Herrn Abgeordneten Martin Trefzer als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr das Kuratorium des Pestalozzi-Fröbel- Hauses Herrn Abgeordneten Carsten Ubbelohde als Mit- glied und Herrn Abgeordneten Marc Vallendar als stell- vertretendes Mitglied; fĂŒr den Beirat der Berliner Stadt- werke GmbH Herrn Abgeordneten Rolf Wiedenhaupt als Mitglied und fĂŒr die Enquete-Kommission Frau Abge- ordnete Jeannette Auricht als Mitglied, Herrn Abgeordne- ten Frank-Christian Hansel als stellvertretendes Mitglied, Herrn Feroz Khan als SachverstĂ€ndigen sowie Herrn Dr. Fabian Schmidt-Ahmad als stellvertretenden Sach- verstĂ€ndigen. Die AfD-Fraktion hat eine geheime Wahl beantragt. Die Fraktionen haben einvernehmlich vereinbart, diese Wah- len in einem Wahlgang durchzufĂŒhren. Sie erhalten neun Stimmzettel in verschiedenen Farben. Der Stimmzettel sieht jeweils die Möglichkeit vor, âJaâ, âNeinâ oder âEnthaltungâ anzukreuzen. FĂŒr jeden Vorschlag darf nur ein Feld angekreuzt werden. Stimmzettel ohne ein Kreuz, mit mehreren Kreuzen fĂŒr einen Vorschlag, anders als durch ein Kreuz gekennzeichnet oder mit zusĂ€tzlichen Bemerkungen oder Kennzeichnungen sind ungĂŒltig. Die Stimmzettel dĂŒrfen nur in den Wahlkabinen und nur mit den darin bereitgestellten Stiften ausgefĂŒllt werden. Die Stimmzettel sind noch in der Wahlkabine einmal zu falten und in den Umschlag zu legen. Abgeordnete, die ihre Stimmzettel auĂerhalb der Wahl- kabine kennzeichnen oder in den Umschlag legen, sind nach § 74 Absatz 2 der GeschĂ€ftsordnung zurĂŒckzuwei- sen. Der Umschlag ist erst dann in die Wahlurne zu legen, wenn die Stimmabgabe von einer Beisitzerin oder einem Beisitzer vermerkt worden ist. Bitte geben Sie dazu Ihren Namen an und warten Sie bis Ihr Name auf der Liste abgehakt worden ist. Es stehen wieder acht Wahlkabinen zur VerfĂŒgung. Ab- geordnete, deren Namen mit A bis K beginnen, wĂ€hlen bitte von Ihnen aus gesehen auf der linken Seite. Abge- ordnete, deren Namen mit L bis Z beginnen, nutzen bitte die rechte Seite. Ich weise darauf hin, dass die Fernseh- kameras nicht auf die Wahlkabinen ausgerichtet werden dĂŒrfen. Alle PlĂ€tze direkt hinter den Wahlkabinen und um die Wahlkabinen herum bitte ich jetzt freizumachen. Die Sitzung wird nach dem Ende der Wahlen direkt fortge- setzt und nicht fĂŒr die AuszĂ€hlung unterbrochen. Ich bitte den Saaldienst, die vorgesehenen Tische und Wahlkabi- nen aufzustellen. Ich bitte die Beisitzerinnen und Beisit- zer, ihre vorgesehenen PlĂ€tze einzunehmen, mit dem Namensaufruf zu beginnen und die Stimmzettel auszuge- ben. Ich frage, ob jetzt alle Mitglieder des Abgeordnetenhau- ses, einschlieĂlich der PrĂ€sidiumsmitglieder, die Gele- genheit zur Wahl hatten. â Das ist offensichtlich der Fall. Ich schlieĂe den Wahlgang und bitte die Beisitzerinnen und Beisitzer, mit der AuszĂ€hlung zu beginnen. Wir (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6352 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 setzen die Sitzung wie angekĂŒndigt fort. Die Wahlergeb- nisse werden spĂ€ter bekanntgegeben. Dann bitte ich noch alle Anwesenden, die stehen, sich zu setzen oder die GesprĂ€che nach hinten zu verlagern, so- dass wir mit der Sitzung fortfahren können. Bitte stellen Sie die GesprĂ€che ein. Ich rufe auf lfd. Nr. 14: FĂŒnfundzwanzigstes Gesetz zur Ănderung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 10. MĂ€rz 2025 Drucksache 19/2289 zum Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2265 Zweite Lesung hierzu: Ănderungsantrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2265-1 Ich eröffne die zweite Lesung des Gesetzesantrags. Ich rufe auf: die Ăberschrift, die Einleitung sowie die Artikel 1 bis 2 des Gesetzesantrags und schlage vor, die Beratung der Einzelbestimmungen miteinander zu verbinden. â Widerspruch höre ich dazu nicht. Damit beginnt in der Beratung die Fraktion der CDU. â Bitte schön, Herr Abgeordneter Dregger, Sie haben das Wort! Bevor der Kollege zu sprechen beginnt, möchte ich Sie noch einmal bitten: Sie haben SitzplĂ€tze, die sind Ihnen zugewiesen, bitte nehmen Sie Ihre SitzplĂ€tze ein oder verlagern Sie die GesprĂ€che nach drauĂen, damit der Kollege sprechen kann! â Bitte schön, Sie haben das Wort, Herr Dregger!
Vielen Dank! Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! â Sehr ge- ehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir debattieren und verabschieden heute den zweiten Gesetzesentwurf der Koalition aus CDU und SPD zum Allgemeinen Sicher- heits- und Ordnungsgesetz. Die erste wichtige Gesetzesnovelle haben wir im Dezem- ber 2023 beschlossen. Damals ging es darum, den An- wendungsbereich der Bodycam auf Wohnungen und GewerberĂ€ume auszudehnen, die zulĂ€ssige Dauer des Unterbindungsgewahrsams zu verlĂ€ngern, seine Anwen- dung zu erleichtern und der Polizei den Einsatz des Ta- sers als neues Einsatzmittel zu gestatten. Damit haben wir die Mittel zur Durchsetzung von Sicherheit, Recht und Ordnung erweitert und zudem den Eigenschutz unserer EinsatzkrĂ€fte verbessert. Angesichts der wachsenden Zahl von Angriffen auf unse- re EinsatzkrĂ€fte und der steigenden Verrohung war das eine richtige und gute Entscheidung. Nunmehr werden wir die nur befristet bis zum 1. April 2025 zur VerfĂŒgung stehenden gesetzlichen Befugnisse zur TelekommunikationsĂŒberwachung und zur Standortbestimmung fĂŒr EndgerĂ€te entfristen. Es geht uns darum, dass die Polizei auch weiterhin mit Zustim- mung eines Richters die klassische TelefonĂŒberwachung zur Abwehr besonderer Gefahren einsetzen kann. Derzeit ist die TelefonĂŒberwachung gestattet zur Abwehr einer dringenden Gefahr fĂŒr den Bestand und die Sicher- heit des Bundes, eines Landes, fĂŒr Leib, Leben oder Frei- heit einer Person, Sachen von bedeutendem Wert, deren Erhaltung im öffentlichen Interesse liegt, ferner, wenn eine terroristische Gefahr droht. Angesichts der Bedrohungslage mit erheblichen Gefahren durch Extremismus, Terrorismus, Angriffe auf lebens- wichtige kritische Infrastruktur, aber auch durch organi- siertes Verbrechen sollte der Erhalt dieses Mittels der Gefahrenabwehr auĂer Frage stehen. Die Regelung droht aufgrund der Befristung ihre GĂŒltigkeit zu verlieren. Die Folge wĂ€re, dass der Polizei dieses Mittel zukĂŒnftig nicht mehr zur VerfĂŒgung stĂ€nde. Das halten wir fĂŒr unverant- wortlich. Daher bitten wir um UnterstĂŒtzung fĂŒr unseren Gesetzesantrag. Ferner werden wir die bislang normierte gesetzliche Pflicht zur Evaluation der gesetzlichen Regelungen strei- chen. Es macht schlicht keinen Sinn, eine gesetzliche Regelung zu evaluieren, die wir in KĂŒrze verĂ€ndern und auf die verschlĂŒsselte Kommunikation ausdehnen wer- den. Dies ist mit der bevorstehenden groĂen Novelle der Koalition von CDU und SPD zum Polizei- und Ord- nungsrecht zu erwarten. Erst nach ihrer EinfĂŒhrung und Anwendung ĂŒber einen nennenswerten Zeitraum ist es sinnvoll, eine Evaluation durchzufĂŒhren, und diese bedarf keiner gesetzlichen Anordnung. SchlieĂlich entfristen wir die ebenfalls befristeten Rege- lungen zur Standortermittlung von EndgerĂ€ten. Die der- zeitige Regelung gestattet nur die Suche nach gefĂ€hrdeten Personen, also insbesondere vermissten, suizidgefĂ€hrde- ten, hilflosen Personen. FĂŒr mich war nie zu verstehen, warum eine derartige Regelung befristet wird, denn sie ist ein Instrument, das ausschlieĂlich Menschen in Not dient. (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6353 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ich bitte um Zustimmung zu unserem Gesetzesentwurf, denn seine Verabschiedung ist ein wichtiger Baustein zur Abwehr erheblicher Gefahren. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege Franco das Wort. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Dregger! Das war die gleiche Rede wie vor zwei Wochen. Etwas Neues hat sich nicht ergeben, aber wir können das hier gerne noch mal machen. Ich erinnere mich gerne an die lebhafte Debatte vom letztem Mal. Da wurde die heutige GesetzesĂ€nderung vom Kolle- gen Matz noch als unspektakulĂ€r bezeichnet, aber anscheinend ist sie mittlerweile spektakulĂ€r genug, dass die Koalition noch mal eine Rederunde anmeldet. Aber gut, schauen wir uns einfach mal an, was sich in den letzten zwei Wochen getan hat. Lieber Herr Dregger! Lieber Herr Matz! Haben Sie denn eigentlich diese zwei Wochen genutzt, um zusĂ€tzliche Erkenntnisse zu gewinnen? Können Sie mir mittlerweile einen konkreten Sachverhalt nennen, in dem durch diese Befugnis eine terroristische Gefahr nachweislich verhin- dert werden konnte? Bei Herrn Dregger habe ich jetzt zumindest nichts davon gehört. Da bleibt es bei der Rechtfertigung durch eine abstrakte Bedrohungslage. Mit abstrakten Bedrohungslagen kann man natĂŒrlich alles begrĂŒnden, am allerbesten natĂŒrlich Symbolpolitik. Aber ich nutze die heutige Zeit gerne noch mal dazu, auf den Stellenwert wissenschaftlicher Erkenntnisse fĂŒr diese Koalition hinzuweisen. Herr Dregger hat nĂ€mlich erst im Innenausschuss betont, dass er erst gar nicht auf die wis- senschaftlichen Analysen warten will; die könne man ja irgendwann nachholen. Aber dass er die Möglichkeiten fĂŒr die Polizei, Menschen in Berlin abzuhören, sogar ausweiten will, das weiĂ er heute schon, dafĂŒr braucht er nicht mal eine Evaluation. Auf der anderen Seite haben wir Herrn StaatssekretĂ€r Hochgrebe, der zwar sagt, dass er evidenzbasiert handeln möchte, es aber nicht tut; sonst hĂ€tte die Innenverwaltung nĂ€mlich die gesetzliche Frist zur Evaluation nicht einfach verstreichen lassen. Das heiĂt ĂŒbrigens ganz konkret: Diese Koalition hat sich nicht an das geltende Recht gehalten. Sie Ă€ndert es lieber in letzter Sekunde â so kurz vor knapp ĂŒbrigens, dass nachher extra fĂŒr dieses Gesetz noch eine Sondersitzung des Senats hier in diesem Hause stattfinden muss. Eigentlich ist es ja ganz einfach: Wer Angst davor hat, die eigenen Gesetze wissenschaftlich evaluieren zu lassen, der handelt nicht evidenzbasiert, sondern schlicht und einfach ideologisch. Und damit diese Lesung heute nicht ganz unnötig war, haben wir den Freundinnen und Freunden von Recht und Ordnung in diesem Hause einen einfachen Ausweg auf den Tisch gelegt: Stimmen Sie dem Ănderungsantrag der Fraktionen von GrĂŒnen und Linken zu! VerlĂ€ngern Sie die Befugnisse fĂŒr die Polizei, aber verpflichten Sie den Senat zu einer Evaluation! Damit wĂ€re das Gesetz ge- heilt, und das wĂ€re doch spektakulĂ€r, nicht wahr, Herr Matz? â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion spricht nun der angesprochene Herr Matz. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Her- ren! Ich bleibe jetzt bei meinem Urteil von vor zwei Wo- chen: Ich finde das extrem unspektakulĂ€r. Und ich will das noch mal auf den Punkt bringen, warum das heute in jedem Fall so ist. Alle Abgeordneten, die jetzt hier im Raum sind, können wahlweise dem Antrag der CDU- und der SPD-Fraktion zustimmen, und was Sie dafĂŒr bekom- men, ist eine Entfristung der genannten Regelung bis zur groĂen ASOG-Novelle, und die Abgeordneten können auch dem Antrag von Linken und GrĂŒnen zustimmen; was Sie dann bekommen, ist ebenfalls eine Entfristung der genannten Regelungen bis zur groĂen ASOG- Novelle. Das heiĂt, in beiden FĂ€llen passiert exakt das Gleiche. Deswegen brauchen wir uns auch gar nicht groĂ darĂŒber zu unterhalten, ob in der Zwischenzeit, in den paar Wochen, noch eine Evaluation stattfinden könnte oder nicht. Wir haben bei der letzten Debatte schon da- rauf hingewiesen, dass man sowieso Evaluationen auch dann machen kann, wenn sie nicht zwingend schriftlich im Gesetz vorgeschrieben sind. Also alles kein Grund zu groĂer Aufregung! Die sparen wir uns noch fĂŒr ein paar Wochen auf, und dann können wir ĂŒber eine richtige ASOG-Novelle mitei- nander sprechen und auch miteinander streiten. Da gibt es bestimmt auch Punkte, fĂŒr die das dann lohnt. Hier und (Burkard Dregger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6354 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 heute machen wir, glaube ich, einfach nur das, und wie gesagt, egal mit welchem Antrag, was wir vor zwei Wo- chen hier schon besprochen haben: dass wir die Regelun- gen entfristen. Mein innenpolitisches Auge ist im Moment, ehrlich ge- sagt, neben unserer eigenen ASOG-Novelle mehr darauf gerichtet, was gerade auf der Bundesebene passiert. Da gibt es Dinge, die ich mir vielleicht erhoffe, wenn eine Koalition auf der Bundesebene zustande kommt. Es gibt auch Dinge, die ich fĂŒrchte; das will ich ganz offen sa- gen. Da gibt es manche Dinge, die in den Papieren, die so herumschwirren, mit eckigen Klammern versehen sind, auf die ich keine besondere Lust habe. Aber das, was wir heute hier machen, eine schon geltende Regelung, die eine alte Koalition eingefĂŒhrt hat, mit der Mehrheit einer neuen Koalition zu verlĂ€ngern, das ist alles ganz und gar unspektakulĂ€r. â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat der Kolle- ge Schrader das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Da wir hier den exakt gleichen Gesetzentwurf debattieren wie vor zwei Wochen, ist es nicht so leicht, sich nicht zu wiederholen. Ich versuche es mal. Klar ist: Sie haben die Evaluation zu diesen Befugnissen gestri- chen und damit klargemacht, dass Sie an einer Debatte ĂŒber den tatsĂ€chlichen Nutzen von TKĂ und Standorter- mittlung, so, wie wir es jetzt hatten, nicht interessiert sind. Das ist klar geworden. Unsere Kritik daran ist auch schon allen bekannt. Man kann aber auch feststellen: Ihr Umgang mit Evaluationen zu polizeilichen Instrumenten, die tatsĂ€chlich stattgefunden haben, ist auch, ich wĂŒrde mal sagen, interessant. Die Evaluation der Bodycams hat ja stattgefunden, und sie hat ganz klar ergeben, dass die Kameras im Rettungsdienst eben nicht oder nur sehr bedingt geeignet sind, um Ăbergriffe auf RettungskrĂ€fte zu reduzieren. Sieh an! Die Innensenatorin hat dann im Ausschuss dagegen ange- fĂŒhrt, dass sie auch mit Feuerwehrleuten gesprochen habe, und die hĂ€tten gesagt, dass sie die Bodycam ganz toll finden, und deshalb wĂŒrde sie an dem Einsatz festhal- ten. â Das finde ich schon bemerkenswert, dass wir ĂŒber- haupt ernsthaft darĂŒber diskutieren mĂŒssen, ob man sich bei seinen Entscheidungen von wissenschaftlicher Evi- denz leiten lĂ€sst oder von Anekdoten, die uns die Innen- senatorin erzĂ€hlt. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein, liebe Koalition! Herr StaatssekretĂ€r Hochgrebe hat es dann im Innenaus- schuss noch mal ganz gut zusammengefasst. Er hat ge- sagt: Ich glaube, wir haben unterschiedliche Auffassun- gen von Evidenz. â Da muss ich sagen: Ja, das hat er richtig erfasst. Es macht Sinn zu unterscheiden zwischen wissenschaftlicher Evidenz und sprangerscher Evidenz. Das ist ein Unterschied. Da sage ich ganz klar: Wir ste- hen da auf der Seite der Wissenschaft. Deshalb heiĂt das fĂŒr uns auch: Bringt eine Befugnis nicht das gewĂŒnschte Ziel, dann muss man sie hinterfragen, und das tun wir. Mit unserem Ănderungsantrag wĂŒrden wir die Chance wahren, die Evaluation zu TKĂ und Standortermittlung noch durchzufĂŒhren. Wir wĂŒrden aber das Prinzip beibe- halten, dass diese Befugnis auf Probe erteilt wird, und deshalb ist auch noch eine Befristung drin; die Evaluation soll stattfinden. Das ist ein Unterschied, Herr Matz! Das ist mitnichten das Gleiche. Wenn wir das Gleiche machen wĂŒrden wie Sie, dann hĂ€tten wir unsere Aufgabe als Op- position verfehlt. Wir schlagen etwas anderes vor, ĂŒbrigens genauso, wie wir es damals auch mit der SPD-Fraktion zusammen beschlossen haben. Das, finde ich, ist ein gutes Kompro- missangebot. Wir sind ja auch konstruktiv. Dem könnten Sie jetzt zustimmen. Damit wĂ€re das Problem erst mal gelöst, und dann können wir uns grundsĂ€tzlich noch mal ĂŒber die Frage unterhalten, ob wir die Befugnis brauchen oder nicht. Das ist unser Vorschlag. Bitte stimmen Sie dem zu! â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion spricht der Abge- ordnete Woldeit.
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Meine hochverehrten Kollegen Abgeordnete! Wir haben vor 14 Tagen ĂŒber den Gesetzentwurf beraten. Er ist in der Sache richtig. Ich habe begrĂŒndet, warum ich ihn fĂŒr richtig erachte. Tele- kommunikationsĂŒberwachung ist ein wichtiges Mittel zur Gefahrenabwehr, insbesondere bei Terrorismus und bei der organisierten KriminalitĂ€t. Dass man eine Evaluation nicht in ein Gesetz schreiben muss, habe ich ebenfalls gesagt. Der Ănderungsantrag von Linken und GrĂŒnen ist in der Sache nicht falsch, weil er die Befristung genauso wie der Koalitionsantrag beseitigt, aber ich sehe ihn als Kom- promiss, und dementsprechend lehnen wir ihn nicht grundsĂ€tzlich ab, sondern werden uns zu diesem Antrag enthalten. (Martin Matz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6355 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Da wir, wie gesagt, in der Sache schon gesprochen haben, erlauben Sie mir bitte eine persönliche Anmerkung. Das ist heute meine letzte Rede als innenpolitischer Sprecher meiner Fraktion. Ich werde dieses Amt, das ich achtein- halb Jahre mit sehr viel Ehrfurcht und Leidenschaft durchgefĂŒhrt und bekleidet habe, aus gesundheitlichen GrĂŒnden abgeben. Ich möchte mich bei all den Kollegen, insbesondere des Innenausschusses, fĂŒr die jahrelange Zusammenarbeit bedanken. Ich möchte mich bedanken fĂŒr den Respekt, der mir auch entgegengebracht wurde, auch fĂŒr die Anerkennung der Leistung, die ich erbracht habe. Insbesondere bei der Innensenatorin Spranger möchte ich mich bedanken fĂŒr die stets konstruktive, informative und kooperative Zusammenarbeit; das ist nicht selbstverstĂ€ndlich. Meinem Nachfolger im Amt, meinem Kollegen WeiĂ, wĂŒnsche ich alles erdenklich Gute. In diesem Sinne ent- lasse ich mich in meiner Funktion und wĂŒnsche mir, dass weiterhin alles im Innenausschuss dafĂŒr getan wird, um Berlin fĂŒr die Berlinerinnen und Berliner sicherer zu machen. â Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor, und wir kom- men zur Abstimmung. ZunĂ€chst erfolgt eine Abstimmung ĂŒber den Ănderungsantrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke, der Ihnen auch als Tischvorlage vorliegt. Wer den Ănderungsantrag auf Drucksache 19/2265-1 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen Die Lin- ke sowie BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Wer stimmt dage- gen? â Das sind die Fraktionen der SPD sowie der CDU. Und Enthaltungen? â Sehe ich bei der AfD-Fraktion und dem fraktionslosen Abgeordneten Brousek. Damit ist der Antrag abgelehnt. Zu dem Gesetzesantrag der Koalitionsfraktionen auf 19/2265 empfiehlt der Fachausschuss mehrheitlich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Frak- tion Die Linke â die Annahme. Wer den Gesetzesantrag gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/2289 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen der SPD und CDU, die AfD- Fraktion sowie der fraktionslose Abgeordnete Brousek. Wer stimmt dagegen? â Das sehe ich bei den Fraktionen Die Linke und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Damit ist der Gesetzesantrag angenommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 14 A: Gesetz zur Ănderung des Feuerwehrgesetzes und des Rettungsdienstgesetzes Dringliche Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 24. MĂ€rz 2025 Drucksache 19/2326 zur Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2282 Zweite Lesung Der Dringlichkeit haben Sie bereits eingangs zugestimmt. Ich eröffne die zweite Lesung der Gesetzesvorlage. Ich rufe auf die Ăberschrift, die Einleitung sowie die Arti- kel 1 bis 3 der Gesetzesvorlage und schlage vor, die Bera- tung der Einzelbestimmungen miteinander zu verbinden. â Widerspruch höre ich dazu nicht. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Zu Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/2282 empfiehlt der Fachausschuss einstimmig â bei Enthaltung der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke â die Annahme. Wer die Gesetzesvor- lage gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/2326 annehmen möchte, den bitte ich um das Hand- zeichen. â Das sehe ich bei der Fraktion der SPD und auch bei der CDU-Fraktion. Wer stimmt dagegen? â Das sehe ich bei niemandem. Enthaltungen? â Sehe ich bei der Fraktion Die Linke und der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und dem fraktionslosen Abgeordneten King. Vielen Dank! Damit ist die Gesetzesvorlage angenom- men. Ich rufe auf lfd. Nr. 15: Gesetz zur Ănderung des Gesundheitsschulanerkennungsgesetzes und des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2314 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung der Gesetzesvorlage an den Ausschuss fĂŒr Gesundheit und Pflege. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 16: Gesetz zur Ănderung des IBB-TrĂ€gergesetzes und des Investitionsbankgesetzes Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2315 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die (Karsten Woldeit) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6356 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ăberweisung der Gesetzesvorlage an den Ausschuss fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 17: Wohnen ist Daseinsvorsorge: Möbliertes Wohnen auf Zeit unterbinden Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 11. November 2024 Drucksache 19/2021 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1896 In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke. â Bitte schön, Herr Kollege Schenker, Sie haben das Wort!
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! FrĂŒ- her bekam man in Berlin fĂŒr 600 Euro eine Dreizimmer- wohnung mit KĂŒche und Bad. Heute bekommt man fĂŒr 1 800 Euro eine Couch, einen Esstisch, ein BĂŒcherregal und die leise Hoffnung, dass wenigstens das WLAN inklusive ist. Aber nein, nur eine Ikea-Kommode und eine absurd hohe Miete. Möblierte Vermietung klingt erst mal relativ harmlos, also ein bisschen Komfort, ein bisschen mehr Bequem- lichkeit, aber tatsĂ€chlich ist es ein ziemlich mieser Trick, um noch mehr Geld aus Wohnungen rauszuholen. Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen: 25 Euro pro Quadratmeter ist der Durchschnittspreis fĂŒr eine möblier- te Wohnung in Berlin. Eine möblierte Wohnung ist damit 212 Prozent teurer als eine durchschnittlich andere Woh- nung. Möbel sollen eine Wohnung bewohnbar machen, nicht unbewohnbar teuer. Also seien wir ehrlich: Möb- liertes Wohnen ist nichts anderes als Mietwucher mit Dekoration. Und das ist mittlerweile nicht mehr die Ausnahme, son- dern die Regel. Vor zehn Jahren waren etwa 13 Prozent der Wohnungsangebote in Berlin möbliert, heute sind es 54 Prozent. Das bedeutet: Die Mehrheit der neuen Ange- bote sind keine normalen Wohnungen mehr, sondern ein GeschĂ€ftsmodell fĂŒr maximale Profite. Was erleben wir hier? â Eine Wohnungskrise, die von Vermietern mit immer mehr Tricks unbarmherzig ausge- nutzt wird. Egal ob Boardinghouses, Coliving, Serviced Apartments, das sind alles Begriffe, die eigentlich nur eines bedeuten: Kasse machen mit der Not der Menschen. Wir wollen als Linke mit diesem Wahnsinn Schluss ma- chen. Berlin braucht bezahlbares Wohnen statt möblierten Mietwucher. Denn wer sich abends zu Ruhe begibt, sollte seinen Kopf nicht auf seinem Bett niederlegen mĂŒssen, das der Grund fĂŒr schlaflose NĂ€chte voller Sorgen um die nĂ€chste Mietzahlung ist. Deshalb fordern wir ein Verbot der möblierten Wohnungen in Milieuschutzgebieten, keine Abzocke durch möbliertes Wohnen bei den landes- eigenen Wohnungsunternehmen und natĂŒrlich einen bundesweiten Mietendeckel. Jetzt könnte Berlin schon einiges tun, doch leider lassen sich sehr viele Bezirke von den Tricksereien dieser Ver- mieter an der Nase herumfĂŒhren. Aber es gibt Lichtbli- cke. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg zum Bei- spiel zeigt, dass man sich nicht auf der Nase herumtanzen lassen muss. Dort werden alle bekannten FĂ€lle von möb- lierten Kurzzeitvermietungen in Milieuschutzgebieten untersagt, zumindest ist das angekĂŒndigt. Und siehe da: Plötzlich gibt es einen Weg. Wie auf wundersame Weise zog die White Tulip GmbH, eine Firma, die von dieser Praxis profitiert, erst letzte Woche ihre Klage gegen ge- nau diese MaĂnahmen zurĂŒck. Das heiĂt: Es gibt Mittel und Wege, möblierten Mietwucher zu stoppen, man muss es eben nur wollen. Das heiĂt fĂŒr uns: Jeder Bezirk muss jetzt handeln. Jeder Tag, an dem nichts passiert, ist ein verlorener Tag fĂŒr die Wohnungssuchenden in dieser Stadt. Und wir als Linke helfen gern. Wir sind dabei, einen Vermietermelder zu starten, um die schlimmsten Abzocker aus der Deckung zu holen. Aber auch der Senat muss endlich seine Haus- aufgaben machen. Die Bezirke brauchen Personal, um VerstöĂe zu ahnden, und es braucht einen klaren Leitfa- den, wie man gegen möblierten Mietwucher vorgehen kann. Was werden wir stattdessen, wie schon so oft vom Senat, in der Koalition gleich hören? â Nun, Herr Nas von der CDU hat hier erst im September gesagt, dass ein solcher Leitfaden wegen unterschiedlicher Rechtsanwen- dungen nicht weiterhelfe. â Ich sage Ihnen: Genau des- halb brauchen wir ihn. â Ihr stĂ€ndiges Herausreden, nicht tĂ€tig zu werden als Koalition, ist ungefĂ€hr so ĂŒberzeu- gend wie ein Vermieter, der behauptet, ein 30 Jahre altes Billy Regal rechtfertige eine doppelte Miete. Aber immer, wenn es hier im Parlament um Mietwucher, Miet- erhöhung oder um Heizkostennachzahlung geht, hören wir nur dann etwas von Ihnen, wenn wir Ihnen als Linke diese Debatte aufzwingen. Apropos Verweigerungshaltung: Auch auf Bundesebene sieht es nicht besser aus. Die schwarz-rote Koalition verhandelt gerade ihren Vertrag. Ich habe mir das Kapitel zu Mieten und Wohnen mal angesehen, und, ehrlich ge- sagt, es liest sich, als hĂ€tte es ChatGPT geschrieben. Die Mietpreisbremse soll fĂŒr zwei Jahre verlĂ€ngert werden, (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6357 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 als wĂ€re sie in den letzten zehn Jahren ĂŒberhaupt wirksam gewesen â Mieterhöhungen von 90 Prozent in den letzten zehn Jahren. Und ĂŒberhaupt: Was soll nach diesen zwei Jahren VerlĂ€ngerung der Mietpreisbremse passieren? â Das weitere Vorgehen wird an eine Expertenkommission ĂŒbergeben. Na ja, da kennen wir auch die Geschichte, wie zumindest die SPD mit dem Ergebnis von Expertenkom- missionen umgeht. Ein Lichtblick: Das möblierte Kurz- zeitwohnen soll stĂ€rker reguliert werden. Das ist nett, aber wissen Sie, was viel einfacher wĂ€re? â Ein bundes- weiter Mietendeckel. Dann wĂ€re es mit diesem ganzen möblierten Mietwucher ganz schnell vorbei. Berlin ist ja bekannt fĂŒr das Berliner Zimmer, aber wenn wir so weitermachen, dann wird es auch bald fĂŒr so etwas wie das Berliner Wohnzimmer bekannt sein, dass sich kein Mensch mehr leisten kann. Wohnungen sind zum Wohnen da, und nicht, um damit GeschĂ€fte zu machen. Deshalb werden wir weiterkĂ€mpfen in Berlin und im Bund und lassen nicht locker, bis der Mietendeckel kommt, und werden bis dahin jedes Mal den Senat weiter daran erinnern, was er jetzt schon alles gegen möblierten Mietwucher tun könnte, wenn er denn nur wollte. Wir sind hartnĂ€ckig, hĂ€rter als das Sofa, das als möbliert durchgeht und beim ersten Hinsetzen zusammenbricht. â Vielen Dank! Vielen Dank! â Und fĂŒr die CDU-Fraktion hat der Kolle- ge Dr. Nas das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ja, Wohnen ist Daseinsvorsorge. Wohnen ist ein Grundrecht. Jede Mieterin und jeder Mie- ter hat ein Recht auf eine bezahlbare und gute Wohnung. Möbliertes Wohnen und Wohnen auf Zeit sind wichtige Themen, dennoch ist dieser Antrag wie viele AntrĂ€ge der Linksfraktion ĂŒberflĂŒssig und bringt in der Sache ĂŒber- haupt gar nichts. Möbliertes Wohnen auf Zeit ist in den vergangenen Jah- ren zu einem immer bedeutsameren Thema geworden. Insbesondere Menschen, die ĂŒber eine Onlineplattform eine Wohnung suchen, werden hĂ€ufiger mit Anzeigen in diesem Segment konfrontiert. Genaue Zahlen, wie viele Wohnungen aus diesem Segment angeboten werden, liegen uns aber nicht vor. Die Angabe konkreter Zahlen ist auch schwierig, lieber Herr Schenker, da dies unter anderem davon abhĂ€ngt, welche Vermietungsdauer ver- einbart ist, oder davon, ob die Wohnung öffentlich inse- riert ist oder nicht. Daher sollte man den Bericht der Investitionsbank, den Sie hier zitiert haben, genauer le- sen, wo es heiĂt, dass tiefgreifendere Studien dringend notwendig sind. Sie schreiben zwar, dass der Anteil aus diesem Segment in den letzten zehn Jahren auf 54 Prozent gestiegen sei. Dabei erwĂ€hnen Sie bewusst nicht, dass der Anteil der ĂŒbrigen Wohnungen, die nicht möbliert sind, stark gesunken ist. Auch dies lĂ€sst sich dem Bericht der Investitionsbank deutlich entnehmen. ZusĂ€tzlich zum Bericht der IBB hat das Bundesjustizmi- nisterium eine Studie in Auftrag gegeben. Es lohnt sich, dass man sich auch mit dieser Studie auseinandersetzt, was Sie offensichtlich nicht tun. Wir brauchen in Berlin jede bezahlbare Wohnung. Wir brauchen nicht nur eine bezahlbare Wohnung, sondern wir brauchen gute Wohnungen. Daran arbeitet der Senat, und, das sagen wir immer wieder, wir sind auch stolz, dass wir vieles auf den Weg gebracht haben, auch Dinge, die Sie nicht hören wollen. Aber auch in diesem Punkt sehen wir einen Handlungs- bedarf. Das habe ich auch hier schon erwĂ€hnt. Ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, man hĂ€tte mich genauer zitiert. Wir hal- ten es zum Beispiel fĂŒr von groĂer praktischer Bedeu- tung, den Ausnahmetatbestand des vorĂŒbergehenden Gebrauchs in § 549 Absatz 2 Nummer 2 BGB deutlich zu umreiĂen. Wann ein vorĂŒbergehender Gebrauch vorliegt, wird unterschiedlich gehandhabt und fĂŒhrt hĂ€ufig zu einer unterschiedlichen Rechtsanwendung. Es ist aber ein Bun- desgesetz, und es gibt bereits Initiativen, diese konkrete gesetzliche Regelung anzupassen. Schlussendlich: Wir brauchen nicht diesen Leitfaden, den Sie hier beschreiben. Meine Aussage war, dass wir be- reits einen Leitfaden bezĂŒglich der MietpreisprĂŒfstelle haben und brauchen, dazu stehe ich auch, aber Ihren Leitfaden brauchen wir nicht. Ihre VorschlĂ€ge brauchen wir nicht. Daher werden wir diesen Antrag ablehnen. â Vielen Dank fĂŒr das Zuhören! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen hat jetzt der Kollege Schwarze das
Da hĂ€tten Sie mal besser zuhören sollen!] Denn Wohnen ist ein Grundrecht, kein Luxus und kein Spekulationsobjekt und, wie ich gerade sagte, genau das passiert in Berlin tagtĂ€glich, und zwar in einem MaĂe, das fĂŒr viele Menschen und auch fĂŒr den Berliner Woh- nungsmarkt lĂ€ngst katastrophale Folgen hat. Wenn Sie sagen, jede Wohnung zĂ€hlt, dann sorgen Sie doch dafĂŒr, dass die IBB ihre Blockade zum Beispiel bei dem Neubau von Genossenschaftswohnungen aufgibt und dort viel mehr Projekte unterstĂŒtzt. Beim Runden Tisch Liegen- schaftspolitik wurde sehr deutlich, dass genau das nicht der Fall ist. Wenn es also um jede Wohnungen geht, dann fangen Sie auch da bitte mit an. Um es noch einmal klar zu sagen: Möbliertes Wohnen umgeht die Mietpreisbremse und andere Schutzvorschrif- ten fĂŒr Mieterinnen und Mieter. Im Schnitt sind die Mie- ten, und das wurde auch schon gesagt, doppelt so hoch wie die regulĂ€ren Mieten, und das sind lĂ€ngst keine Ein- zelfĂ€lle. Das ist ein systematisches Problem, und dagegen mĂŒssen wir vorgehen. Deswegen ist es auch richtig und sehr zu begrĂŒĂen, dass die Bezirke hier jetzt ins Handeln ĂŒbergehen. Friedrichhain-Kreuzberg wurde gerade schon genannt, und der Stadtrat Florian Schmidt macht es auch vor. Es geht in Milieuschutzgebieten, man muss es wol- len. Dort ist klar auch erkennbar: Wenn die Bezirke an der Stelle ihre Instrumente, die sie haben, auch wenn sie klein sind, nutzen, kommen wir Schritte voran. Der Kol- lege hat es ausgefĂŒhrt: Dort werden jetzt systematisch Meldungen gemacht und dann auch entsprechend gehan- delt, dass dort, wo Wohnraum möbliert und dann entspre- chend nicht mehr als normaler Wohnraum verwendet wird, dagegen vorgegangen wird. Es ist schon sehr inte- ressant, dass das letztendlich erste Erfolge hat, nĂ€mlich, dass Klagen zurĂŒckgezogen worden sind und Nutzungs- untersagungen, die ausgesprochen worden sind, damit dann auch GĂŒltigkeit haben. Es ist so, dass wir hier an dieser Stelle ein koordiniertes Vorgehen brauchen zwischen den Bezirken, aber auch mit dem Land. Deswegen ist es zu begrĂŒĂen, dass es ein FachgesprĂ€ch geben soll, auch unter Beteiligung der Senatsverwaltung. Und wenn der Bund nicht liefert, und auch da könnten Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen noch mal reden, und dieses Schlupfloch, das es gibt im Bundesmietrecht, wie Sie selber es angesprochen haben, schlieĂt, dann mĂŒssen wir hier in Berlin jede Möglichkeit nutzen, um die Mieterinnen und Mieter zu unterstĂŒtzen, dass sie mehr regulĂ€re Mietwohnungen finden und nicht teure und völlig ĂŒberteuerte Angebote von möbliertem Wohnen auf Zeit, denn jede Wohnung zĂ€hlt, wie Sie richtig sagten, und auch jede bezahlbare Wohnung zĂ€hlt. â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die SPD-Faktion hat die Kollegin Aydin das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das möblierte Wohnen ist ein groĂes Schlupf- loch im Mietmarkt geworden, um ĂŒberhöhte Mieten als Vermieter umsetzen zu können. Und wenn wir hier als Land Berlin so oft ĂŒber Mietenthemen sprechen, dann liegt die Lösung oftmals leider nicht in der ZustĂ€ndigkeit des Landes Berlin und nicht immer auch in unserer Hand als Parlament, sondern einen Kilometer nördlich von hier im Deutschen Bundestag. Beim Schaffen von Lösungen fĂŒr die Mietennot in unserer Stadt stehen wir an einem entscheidenden Punkt. Die KoalitionsgesprĂ€che zwischen SPD und CDU auf Bundesebene sind eine historische Chance, um das Leben der Menschen und damit der Mie- terinnen und Mieter in unseren StĂ€dten zu verbessern. Wenn wir von sozialer Gerechtigkeit sprechen, dann gehört bezahlbares Wohnen dazu, denn Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Berlin und viele andere GroĂstĂ€dte erleben eine dramati- sche Entwicklung. Steigende Mieten verdrĂ€ngen Men- schen aus ihren Vierteln, aus ihren sozialen Netzwerken, aus ihrem Zuhause. Familien, Rentnerinnen und Rentner, junge Menschen, sie alle stehen vor der Frage: Kann ich mir das Leben in dieser Stadt leisten? Von dieser Frage hĂ€ngt am Ende auch unser Vertrauen in die Demokratie ab. Eine Politik, die nicht fĂŒr bezahlbaren Wohnraum sorgt, verliert das Vertrauen der Menschen. Deshalb brauchen wir eine grundlegende Reform in der Mietenpo- litik, und zwar jetzt. Ich möchte deshalb noch einmal gegenĂŒber den Verhandlern und Verhandlerinnen im Bund zum Ausdruck bringen: Die VerlĂ€ngerung der Mietpreisbremse fĂŒr zwei Jahre reicht nicht aus. Die bestehenden Regelungen mĂŒssen dauerhaft gelten. Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass nach 2014 bezogene Immobi- lien sowie möblierte und befristete Wohnungen als Schlupflöcher fĂŒr steigende Mieten missbraucht werden. Wir brauchen noch weitergehende Regulierungen, die die Mietenspirale in Berlin und den Ballungsgebieten um- dreht. Deshalb fordern wir als SPD Berlin eine LĂ€nder- öffnungsklausel im Mietrecht, und das ist auch eine ein- malige Chance fĂŒr die CDU, die Sorgen der Mieterinnen und Mieter ernst zu nehmen und zu handeln. [Beifall bei der SPD â
Na dann viel Erfolg!] (Julian Schwarze) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6359 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Damit können wir in Berlin und anderen Metropolen mit angespanntem Wohnungsmarkt gezielt eingreifen und MaĂnahmen wie einen Mietendeckel oder vergleichbare mietendĂ€mpfende Regelungen einfĂŒhren. Lassen Sie mich noch mal betonen: Diese Klausel kostet den Bund keinen einzigen Cent, aber sie gibt uns als Stadt endlich die Instrumente in die Hand, um unsere Mieterinnen und Mieter zu schĂŒtzen. Wir mĂŒssen als Stadt handlungsfĂ€hig bleiben. Unsere soziale Marktwirt- schaft bedeutet nicht, dass der Markt ungebremst machen kann, was er will, sondern dass wir ihn dort regulieren, wo es notwendig ist. Deshalb appelliere ich an die Verhandlerinnen und Ver- handler im Bund: Hört auf die Menschen in den StĂ€dten! Setzt euch durch gegen die Lobbyisten, die lĂ€ngst genug an der Not der Menschen verdient haben. Wir brauchen diese Regulierungen nicht irgendwann, sondern jetzt. Deshalb sage ich heute ganz klar: Die SPD-Fraktion steht hinter diesen Forderungen, und wir sollten uns nicht mit halben Sachen zufrieden geben. â Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Kollegin! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Laatsch das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Es ist ja immer das Gleiche: Die Fraktionen, die am allerwenigs- ten fĂŒr den Wohnungsmarkt tun oder eigentlich, genau genommen, am meisten gegen den Wohnungsmarkt tun und damit fĂŒr die höchsten Mietpreise in Berlin ever gesorgt haben, ausgerechnet diese Fraktionen jammern jetzt wieder ĂŒber diejenigen, die die Wohnungen zur VerfĂŒgung stellen â 2 Millionen Wohnungen oder Wohn- rĂ€ume hier in Berlin â, und diejenigen, die gar nichts dafĂŒr leisten, auĂer der DIESE eG, die ja unter Ihrer Obhut lĂ€uft und wo man Wohnungen fĂŒr 150 000 Euro Genossenschaftsbeitrag plus 1 000 Euro Kaltmiete mieten kann, ausgerechnet die werfen anderen vor â â Hat ei- gentlich schon mal jemand ĂŒberprĂŒft, ob das nicht Miet- wucher ist, was Sie da machen? Na ja, wie auch immer. Möbliertes Wohnen auf Zeit ist kein Problem, sondern ein Segen. Wir brauchen zwingend temporĂ€re Wohnun- gen fĂŒr echte FachkrĂ€fte, also fĂŒr produktive Menschen, die dieser Stadt einen Nutzen bringen. Wir hatten heute Morgen die IHK im Haus, und die haben uns gesagt, wir brauchen 90 000 FachkrĂ€fte. â Na ja, wo wollen sie denn wohnen, wenn hier keine fertigen, möblierten Wohnun- gen auf Zeit zur VerfĂŒgung stehen? â Dann gibt es fĂŒr diese Menschen auch keinen Arbeitsplatz in Berlin, denn sie können ja nicht auf der StraĂe wohnen. Wie sollen also solche FachkrĂ€fte oder auch Studenten, die erst ein- mal in Berlin unterkommen mĂŒssen, wohnen, wenn sie zum Arbeiten oder Studieren nach Berlin kommen? In dieser Stadt, in der Sie dafĂŒr verantwortlich sind, dass jahrelang nicht ausreichend gebaut wurde, sind gerade solche Möglichkeiten, sich temporĂ€r mit Wohnraum zu versorgen, bis sich eine Wohnung zur dauerhaften An- siedlung findet, elementar. Sie sind es, die fĂŒr diese Mangelsituation verantwortlich sind, und sollte dann noch mal eine Wohnung verfĂŒgbar sein, sind Sie die Ersten, die âRefugee welcomeâ jubeln, also solche, die sich in unseren Sozialsystemen wohlfĂŒh- len, wie es Ihre Parteikollegin Göring-Eckardt propagier- te. Links und GrĂŒn haben alles dafĂŒr getan, den Woh- nungsmarkt in Berlin zu behindern, und sie tun es weiter- hin Tag fĂŒr Tag. Wir als AfD sagen: FachkrĂ€fte welcome! Alles, was Sie hier einbringen, riecht nicht nur nach Blo- ckade und nach Marktstörung, es ist auch so gemeint. Möbliertes Wohnen auf Zeit hat eine Boarding- House-Funktion: in Berlin ankommen und von dort aus FuĂ fassen. Arbeitende Menschen bekommen ja nicht die Vollversorgung der sogenannten FlĂŒchtlinge, die Sie zusagen. Da nimmt der Senat ganz aktuell sogar noch Hunderte Millionen an Krediten auf, um weiterhin soge- nannte FlĂŒchtlinge in diese Stadt zu locken. Einfach ohne UmstĂ€nde mit seinen persönlichen Sachen kommen und schon am nĂ€chsten Tag voll einsatzfĂ€hig sein fĂŒr das, was wirklich in dieser Stadt gebraucht wird â na ja, ich bin mir darĂŒber im Klaren, dass ich hier von etwas rede, das Ihnen völlig fremd ist. Nach Berlin kommen, um zu ar- beiten: Wer macht denn so was VerrĂŒcktes? Berlin braucht Menschen, die das aufrechterhalten, was Sie tĂ€glich selbstverstĂ€ndlich nutzen: Strom aus der Steckdose, Wasser aus der Leitung, U-Bahnen im schnell folgenden Takt. Diese Menschen brauchen Wohnungen, um anzukommen, und das macht man am besten mit einem Boarding-House, sprich mit einer möblierten Wohnung, die man auf Zeit mietet, bis man etwas Geeig- netes gefunden hat. Von uns gibt es keine Zustimmung, oder genauer: Wir lehnen solche Fantastereien strikt ab. â Danke schön! (Sevim Aydin) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6360 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/1896 emp- fiehlt der Fachausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/2021 mehrheitlich â gegen die Frakti- on BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke â die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Fraktion von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die Links- fraktion und ein fraktionsloser Abgeordneter. Gegen- stimmen? â Bei Gegenstimmen der CDU-Fraktion, der SPD-Fraktion und der AfD-Fraktion ist der Antrag damit abgelehnt. Dann darf ich die Ergebnisse der Wahlen verkĂŒnden. Tagesordnungspunkt 5: Wahl eines stellvertretenden Mit- glieds und der oder des stellvertretenden Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses zur Untersuchung des Ermittlungsvorgehens im Zusammenhang mit der Auf- klĂ€rung der im Zeitraum 2009 bis 2021 erfolgten rechts- extremistischen Straftatenserie in Neukölln, Drucksache 19/0909: Als stellvertretendes Mitglied war vorgeschla- gen der Abgeordnete Robert Eschricht â 133 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltige, 21 Ja-Stimmen, 104 Nein- Stimmen, 7 Enthaltungen; damit ist der Abgeordnete Eschricht nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretender Vorsitzen- der war vorgeschlagen Herr Abgeordneter Karsten Woldeit â abgegebene Stimmen: 133, ungĂŒltig: 1, 22 Ja- Stimmen, 104 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen; damit ist der Abgeordnete Woldeit nicht gewĂ€hlt. Punkt 6 der Tagesordnung: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10-Kommission des Landes Berlin, Drucksache 19/0915: Als Mitglied war vorgeschlagen Herr Abgeordneter Robert Eschricht â abgegebene Stimmen: 133, ungĂŒltige: 1, 17 Ja-Stimmen, 108 Nein-Stimmen, 7 Enthaltungen; damit ist der Abge- ordnete Eschricht nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied war vorgeschlagen Herr Abgeordneter Rolf Wiedenhaupt â abgegebene Stimmen: 133, keine ungĂŒlti- ge Stimme, 19 Ja-Stimmen, 105 Nein-Stimmen, 9 Ent- haltungen; damit ist der Abgeordnete Wiedenhaupt nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 7: Wahl von zwei Mitgliedern des PrĂ€sidiums des Abgeordnetenhauses: Hier war vorge- schlagen der Abgeordnete Frank-Christian Hansel â ab- gegebene Stimmen: 133, keine ungĂŒltige, 22 Ja-Stimmen, 104 Nein-Stimmen, 7 Enthaltungen; damit ist der Abge- ordnete Hansel nicht gewĂ€hlt. Der Abgeordnete Harald Laatsch â abgegebene Stimmen: 133, 1 ungĂŒltige, 21 Ja- Stimmen, 107 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen; damit ist der Abgeordnete Laatsch nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 8: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfas- sungsschutz, Drucksache 19/1000: Als Mitglied war vorgeschlagen die Abgeordnete Dr. Kristin Brinker â abgegebene Stimmen: 133, 1 ungĂŒltige, 11 Ja-Stimmen, 103 Nein-Stimmen, 8 Enthaltungen; damit ist Frau Dr. Brinker nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied der Abgeordnete Hugh Bronson â abgegebene Stimmen: 133, ungĂŒltige: 2, 20 Ja-Stimmen, 105 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen; damit ist der Abgeordnete Bronson nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 9: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung: Als Mitglied vor- geschlagen Frau Abgeordnete Jeannette Auricht â abge- gebene Stimmen: 133, 1 ungĂŒltige, 20 Ja-Stimmen, 106 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen; damit ist die Abge- ordnete Auricht nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mit- glied vorgeschlagen Herr Abgeordneter Alexander Bertram â abgegebene Stimmen: 133, davon 1 ungĂŒltig, 20 Ja-Stimmen, 104 Nein-Stimmen, 8 Enthaltungen; damit ist der Abgeordnete Bertram nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 10: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Lette- Vereins, Drucksache 19/1057: Als Mitglied war vorge- schlagen Herr Abgeordneter Tommy Tabor â abgegebene Stimmen: 133, davon 1 ungĂŒltig, 20 Ja-Stimmen, 104 Nein-Stimmen, 8 Enthaltungen; damit ist der Abge- ordnete Tabor nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mit- glied Herr Abgeordneter Martin Trefzer â abgegebene Stimmen: 133, davon ungĂŒltig: 1, 22 Ja-Stimmen, 104 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen; damit ist der Abge- ordnete Trefzer nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 11: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Pestaloz- zi-Fröbel-Hauses, Drucksache 19/1058: Als Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Carsten Ubbelohde â abgegebene Stimmen: 133, davon ungĂŒltig: 3, 21 Ja- Stimmen, 104 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen; damit ist der Abgeordnete Ubbelohde nicht gewĂ€hlt. Als stellver- tretendes Mitglied Herr Abgeordneter Marc Vallendar â abgegebene Stimmen: 133, davon 3 ungĂŒltig, 18 Ja- Stimmen, 107 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen; damit ist der Abgeordnete Vallendar nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 12: Wahl eines Mitglieds des Bei- rats der Berliner Stadtwerke GmbH: Vorgeschlagen war der Abgeordnete Rolf Wiedenhaupt â abgegebene Stim- men: 133, davon keine ungĂŒltige, 22 Ja-Stimmen, 103 Nein-Stimmen, 8 Enthaltungen; damit ist der Abge- ordnete Wiedenhaupt nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 13: Wahl von zwei Mitgliedern und zwei stellvertretenden Mitgliedern der Enquete- Kommission fĂŒr gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung, Drucksache 19/2068: Als Mitglied war vorgeschlagen Frau Abgeordnete Jeannette Auricht â abgegebene Stimmen: 133 , ungĂŒltig Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6361 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 davon: 8, 20 Ja-Stimmen, 99 Nein-Stimmen, 6 Enthaltun- gen; damit ist die Abgeordnete Auricht nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Frank-Christian Hansel â abgegebene Stim- men 133, davon 8 ungĂŒltige, 22 Ja-Stimmen, 96 Nein- Stimmen, 7 Enthaltungen. Damit ist der Abgeordnete Hansel nicht gewĂ€hlt. Als SachverstĂ€ndiger war vorgeschlagen Feroz Khan â 133 abgegebene Stimmen, 9 ungĂŒltige, 19 Ja-Stimmen, 99 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen. Damit ist der Sach- verstĂ€ndige Khan nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretender SachverstĂ€ndiger war vorgeschlagen Dr. Fabian Schmidt- Ahmad â 133 abgegebene Stimmen, 8 ungĂŒltige Stim- men, 18 Ja-Stimmen, 98 Nein-Stimmen, 9 Enthaltungen. Damit ist auch der SachverstĂ€ndige Schmidt-Ahmad nicht gewĂ€hlt. Dann rufe ich auf lfd. Nr. 18: Rechtsstaatskonforme RĂŒckkehrpolitik â konsequente Durchsetzung der Ausreisepflicht von in Berlin lebenden ausreisepflichtigen Personen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 24. Februar 2025 Drucksache 19/2256 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0633 In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion und hier der Abgeordnete Lindemann. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Verehrte Kollegen! Liebe Berliner! Wir beraten jetzt ĂŒber Remigration, rechts- staatskonforme RĂŒckkehrpolitik, konsequente Durchset- zung der Ausreisepflicht. Das ist ein Antrag, den wir als AfD-Fraktion vor drei Jahren hier ins Parlament einge- bracht haben, als Rot-GrĂŒn-Rot noch regiert hat. Inzwi- schen gab es eine Wahlwiederholung wegen der Wahlen, die Rot-GrĂŒn-Rot nicht demokratisch organisieren konn- te, die vom Verfassungsgericht nach nicht demokrati- schen Standards wiederholt werden mussten. Wir haben dem schwarz-roten Senat mit unseren Stimmen als AfD ins Amt geholfen [Beifall bei der AfD â
Glatte LĂŒge!] und haben natĂŒrlich gehofft, dass sich die Situation bes- sern wĂŒrde. Wir hatten 2021 ungefĂ€hr 18 000 Ausreisepflichtige, wie es bei uns im Antrag steht. Jetzt, Januar 2025, haben wir ĂŒber 17 000 vollziehbar Ausreisepflichtige. Das heiĂt, die Situation hat sich leider nicht gebessert. Darum ist unser Antrag von vor drei Jahren heute noch genauso aktuell, wenn nicht noch aktueller, wie vor drei Jahren. Die Kosten fĂŒr Migration sind rasant gestiegen: mittler- weile 2,1 Milliarden Euro pro Jahr fĂŒr Migration. Wenn Sie das umrechnen, sind das 5,7 Millionen Euro tĂ€glich, die dieser schwarz-rote Senat nur fĂŒr Migration ausgibt. Und dann ist kein Geld fĂŒr Wohnungen mehr da. Wir haben gerade darĂŒber debattiert. FĂŒr Schulen und Kita- plĂ€tze ist kein Geld mehr da. FĂŒr die Infrastruktur â wir haben heute Morgen darĂŒber diskutiert â ist auch kein Geld da, und fĂŒr die anstĂ€ndige Bezahlung der Bus- und U-Bahn-Fahrer ist auch kein Geld mehr da, weil Sie das Geld fĂŒr illegale Migranten ausgeben und noch nicht einmal die Ausreisepflichtigen in ihre Heimat zurĂŒckbringen. Wenn Sie so weitermachen, wĂŒrde es ungefĂ€hr 20 Jahre dauern, nur die Ausreisepflichtigen zum heutigen Stand in ihre Heimat zurĂŒckzufĂŒhren. Und die, die noch dazu- kommen, wo die AsylantrĂ€ge abgelehnt werden â â Wir sehen es gerade jetzt beispielsweise bei den Syrern. Der Asylgrund âKriegâ ist entfallen. Der Asylgrund âFlucht vor Assadâ ist entfallen. Das heiĂt, die Syrer können in ihre Heimat zurĂŒckkehren. Das muss natĂŒrlich entspre- chend auf der Bundesebene ausgehandelt und organisiert werden. Das ist auch klar. Wir wollen natĂŒrlich die Leute nicht einfach zurĂŒckschicken, sondern es muss vernĂŒnftig organisiert werden. Herr Abgeordneter! Gestatten Sie Zwischenfragen?
Nein, danke schön! Das muss natĂŒrlich organisiert werden, dass die Syrer in ihre Heimat zurĂŒckkehren. Das ist vollkommen richtig. Aber dazu kommt dann noch, dass diese Bundesregie- rung, die auch abgewĂ€hlt worden ist, weiterhin Afghanen ĂŒber Aufnahmeprogramme einfliegt, die auch hier in Berlin landen. Ich habe dazu den Senat gefragt, denn es gibt sehr viele VorwĂŒrfe, unter den afghanischen FlĂŒcht- lingen seien auch Menschen, die nicht unbedingt mit den (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6362 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 besten Absichten nach Deutschland kommen. Und der Senat, also Herr Hochgrebe, antwortet mir hierauf, er habe dazu keine Erkenntnisse und vertraue darauf, dass Frau Baerbock das alles schon prĂŒft, wĂ€hrend wir die Kritik aus der Bundesregierung hören, dass da nichts geprĂŒft wird. Wir sollten also dringend aufhören, ĂŒber irgendwelche Aufnahmeprogramme Leute nach Deutschland zu holen, und dafĂŒr sorgen, dass die, die nicht hier sein dĂŒrfen, in ihre Heimat zurĂŒckkehren. Das spart sehr viel Geld, das wir hier fĂŒr die Berliner wieder einsetzen können. Denn das ist nicht das Geld des Senates, sondern es ist das Geld der Berliner Steuerzah- ler, und die erwarten, dass wir ihr Geld vernĂŒnftig fĂŒr Berlin, fĂŒr die Aufgaben, die hier in Berlin notwendig sind, einsetzen. â Schreien Sie nicht so bei der SPD! Sie sind sowieso bald abgewĂ€hlt. â Herzlichen Dank! Schönen Abend! [Beifall bei der AfD â
Was ist mit denen, die ausreisepflichtig sind und arbeiten? Dazu haben Sie nichts gesagt!] FĂŒr die CDU-Fraktion hat der Kollege Dregger jetzt das
Gerne!
Herzlichen Dank, Herr Kollege! Ich frage: Sie werfen dem Kollegen Lindemann vor, die falschen Zahlen zu haben. Welche waren denn konkret falsch, und wie mĂŒss- ten sie richtig sein?
Hören Sie mir einfach zu! Ich werde natĂŒrlich jetzt dazu ausfĂŒhren. Ich habe gerade dazu angesetzt. â Sie haben einen Antrag vom 8. November 2022 hier zur Diskussion angemeldet, der mit den Zahlen vom 8. November 2022 operiert. Auch am Ende des ersten Quartals 2023 gab es tatsĂ€chlich 18 399 Ausreisepflichtige, ĂŒbrigens nicht vollziehbar Ausreisepflichtige, wie Sie fĂ€lschlicherweise in Ihrem Antrag schreiben, sondern Ausreisepflichtige. Das heiĂt, die groĂe Zahl der aufgrund gesetzlicher Grundlagen Geduldeten ignorieren Sie schlicht und ein- fach und wollen hier den Eindruck erwecken, diese Men- schen mĂŒssten eigentlich schon zu Hause in ihren Her- kunftslĂ€ndern sein. Das ist faktisch einfach falsch. Das ignoriert das geltende Recht. Aber zu den Zahlen: Dennoch haben sich die Zahlen ja substanziell verĂ€ndert. WĂ€hrend sie also im ersten Quar- tal 2023, genau zum Zeitpunkt der Wiederholungswahl, bei 18 399 Ausreisepflichtigen lagen â nach Auskunft des LEA, das hier dafĂŒr zustĂ€ndig ist â, waren es ein Jahr spĂ€ter 15 662. Das ist ein RĂŒckgang um 15 Prozent in- nerhalb eines Jahres. Das sind Fakten. Ich möchte Ihnen dazu auch weitere Zahlen liefern, die unterlegen, wie es dazu kommen konnte. Wir hatten im Jahr 2022, also dem Jahr vor unserer Beteiligung an der Regierung hier in Berlin, freiwillige Ausreisen in Höhe von 8 910. Das ist viel, aber nicht ausreichend. Ein Jahr spĂ€ter waren es 13 813 freiwillige Ausreisen. Das ist eine Steigerung um 55 Prozent. Und Sie wissen, dass Men- schen unter die freiwillig Ausreisenden fallen, die sich natĂŒrlich aus der Sorge vor einer Abschiebung entschlie- Ăen, freiwillig auszureisen. Dieses hohe Niveau haben wir im Wesentlichen gehalten. Auch die Zahl der zwangsweisen RĂŒckfĂŒhrungen ist 2023 im Vergleich zu dem Vorjahr 2022 um 52,7 Prozent er- höht worden. Statt wie 2022 897 waren es im Jahr 2023 1 370. Sie operieren also mit falschen Zahlen. Sie wollen den Leuten in ihren sozialen Netzwerken, die Sie bearbeiten, falsche Zahlen liefern und aufstacheln gegen den sozialen Zusammenhalt in diesem Land, und das lehne ich einfach ab. (Gunnar Lindemann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6363 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Es ist in der Tat noch nicht alles erreicht, was wir errei- chen können. In der Tat, wir haben insbesondere in Berlin eine hohe Zahl von Ausreisepflichtigen aus den sicheren Herkunftsstaaten Moldau, Georgien, Bosnien- Herzegowina und Serbien, nĂ€mlich 5 504. Die dortigen Herkunftsstaaten kooperieren bei der RĂŒckfĂŒhrung, und es ist allein eine Aufgabe unsererseits, die RĂŒckfĂŒhrung so zu organisieren, dass sie effizient funktionieren kann. Dazu kommt, und das machen wir als Erfahrung, dass viele bei dem Versuch, sie nach Hause zurĂŒckzufĂŒhren, untertauchen. DafĂŒr werden wir weitere Mittel in ErwĂ€gung ziehen. Wir arbeiten daran, das zu optimieren, und ich bin sicher: Wenn wir heute in einem Jahr darĂŒber diskutieren, wer- den wir auch insoweit Ergebnisse erzielen. Im Ăbrigen folgen wir dem Grundsatz: HumanitĂ€t und Ordnung. Wir sorgen dafĂŒr, dass RĂŒckfĂŒhrungen, die schwer sind, gesetzmĂ€Ăig und effizient erfolgen, und wir wahren auch im Einzelfall ĂŒber die HĂ€rtefallkommission humanitĂ€re GrundsĂ€tze, wenn das geboten ist, und daran werden wir festhalten. â Herzlichen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen hat jetzt der Kollege Omar das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was die AfD hier als rechtsstaatskonforme RĂŒckkehrpolitik fordert, ist in Wahrheit nichts anderes als Forderungen im Sinne der unsĂ€glichen Massendeportati- onsplĂ€ne, die lĂ€ngst bekannt sind. Es ist ein Antrag der Hetze und Ignoranz. Dieser Antrag ignoriert bewusst die Fakten, nĂ€mlich dass die Mehrheit der ausreisepflichtigen Menschen in Berlin, sowie in Deutschland generell, eine sogenannte Duldung besitzt. Es liegen also gerichtlich anerkannte Abschiebehinder- nisse vor, sei es aufgrund akuter Lebensgefahr, drohender Folter oder schwerer Erkrankungen. Diese Menschen haben also einen rechtlich gesicherten Schutzanspruch, den wir als Staat einhalten mĂŒssen. Das ist keine Schlupfloch-Politik, wie die AfD fĂ€lschli- cherweise behauptet, sondern eine Pflicht zum Schutz von Menschenrechten, und das werden wir auch in Berlin verteidigen. Die AfD verbreitet zudem permanent falsche Behauptungen, dass Berlin nicht genug abschiebt. Doch das ist schlichtweg unwahr. Berlin liegt im bundesweiten Vergleich leider â leider, muss ich sagen â im oberen Drittel der Abschiebestatistik, weil auch die Innensenato- rin Iris Spranger von der SPD â Sozialdemokratie â sich leider seit Jahren von den Rechtsextremen treiben lĂ€sst und auf eine harte Abschiebungspolitik setzt, die teilweise auch friedlich hier lebende Menschen, die hier integriert sind, trifft. Trotzdem geht der AfD diese Abschiebepolitik nicht weit genug. Vielleicht hören Sie, liebe Senatorin Spranger, damit auf, den Rechten hinter- herzulaufen. Wir als GrĂŒnenfraktion fordern den Senat auf, zu einer humanen Asylpolitik zurĂŒckzukehren â einer Politik, die auf MenschenwĂŒrde basiert und auf Teilhabe setzt. Schaffen Sie Perspektiven fĂŒr alle Schutzsuchenden, die hier in Berlin leben. Nutzen Sie die bundesgesetzlichen Regelungen, wie zum Beispiel den Spurwechsel, damit diese Menschen schneller Deutsch lernen und hier arbei- ten können, denn das wird auch Berlin zugutekommen. â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Kollege Matz das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Wenn etwas lĂ€nger liegen bleibt, gibt es ja die Chance, dass es dadurch reift und besser wird. Es gibt natĂŒrlich aber auch die Gefahr, dass es ein bisschen faulig wird und in der Zwischenzeit nicht besser wird. Bei dem Antrag der AfD, der nun schon ein bisschen Ă€lter ist, stellen wir zumindest fest, dass wir von 2022 â von da stammt der Antrag â bis heute, 2025, hier keinen Erkenntnisfortschritt irgendeiner Art haben. Wir haben bei der Anhörung im Innenausschuss einen wirklich intensiven Austausch gehabt und haben uns mit allen Seiten, allen Perspektiven der Frage von Abschie- bungen in der Praxis in Berlin und ihren Möglichkeiten, (Burkard Dregger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6364 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Grenzen und den Auswirkungen, die sie auf die Men- schen hat, befasst. Bei der Anhörung ist deutlich gewor- den, worauf es ankommt: Es kommt nicht auf lautstarke, symbolhafte Forderungen nach mehr Abschiebungen an, obwohl die meisten der sogenannten Ausreisepflichtigen gar nicht abgeschoben werden können. Denn in der Pra- xis ist es doch so, dass innerhalb der Ausreisepflichtigen viele Menschen dabei sind, deren Ausreisepflicht aus faktischen und individuellen GrĂŒnden gar nicht durch- setzbar ist. Da kommen wir jetzt einmal darauf, dass es nicht immer nur so eine Zahl ist, sondern dass es konkrete Menschen sind. Darunter befindet sich eine Vielzahl von Menschen, die eine BeschĂ€ftigungsduldung, eine Ausbildungsdul- dung, eine Duldung aufgrund von Schulbesuch von Fami- lienmitgliedern oder aufgrund von ZustĂ€nden in ihrem Herkunftsland haben, sodass sie nicht abgeschoben wer- den können. Die GrĂŒnde sind vielfĂ€ltig. Ende 2024 hatten wir nach Auskunft unseres Landesamts LEA auf eine Schriftliche Anfrage, die ich dazu noch einmal ausfĂŒhrlicher gestellt hatte, 16 587 ausreise- pflichtige Personen, von denen aber 14 270 in der Dul- dung waren. Das heiĂt: Es geht nur um einen Personen- kreis von 2 317 Menschen, ĂŒber die wir hier in diesem Kontext ĂŒberhaupt reden können. Deswegen ist das ein völlig aufgeblasenes Thema, das nichts mit dem zu tun hat, was Sie an ZustĂ€nden in der Stadt oder an irgendwel- chen Dingen, die viel Geld kosten, hier beibringen, son- dern es ist eine ĂŒberschaubare Zahl von Menschen. Es gibt ja auch Abschiebungen. Es gibt vor allen Dingen aber in den letzten beiden vergangenen Jahren auch jedes Jahr 13 000 freiwillige Ausreisen. Auch das ist eine Zahl, die man bei Ihnen ĂŒberhaupt noch nie gehört hat. Das hĂ€tte aber etwas mit Fakten zu tun, und Fakten können natĂŒrlich bei Hass und Hetze nur stören, deswegen sind die Fakten bei Ihnen einfach nicht erwĂŒnscht und werden nicht genannt und werden nicht gehört. Aber in einem tĂ€usche man sich auch nicht: Die Berline- rinnen und Berliner wollen mit groĂer Mehrheit weiter- hin, dass wir alle Menschen in der Stadt mit HumanitĂ€t und mit Anstand behandeln. Das hat ĂŒbrigens auch die Bundestagswahl in Berlin gezeigt. Das ist so, das sind die Mehrheiten in der Stadt gewesen, die das so sehen. Zu all diesen wichtigen Punkten, die ich jetzt aufgefĂŒhrt habe, die spĂ€testens durch die Anhörung im Innenaus- schuss klar geworden sein sollten, sagt die AfD einfach immer noch nichts â zweieinhalb Jahre spĂ€ter. Dann brauchen wir auch jetzt nichts weiter dazu zu sagen, als dass wir Ihren Antrag ablehnen. Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die Linksfraktion hat die Kollegin Eralp jetzt das Wort.
Sehr geehrte PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kolle- gen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Dieser schĂ€bige Antrag wurde schon im Plenum behandelt und zu Recht von allen â bei manchen leider mit Abstrichen â zerris- sen, aber die AfD macht immer weiter, denn es ist ihr letztlich egal, was demokratische Parteien dazu sagen. FĂŒr sie zĂ€hlt der angebliche Volkswille, und was das genau ist, meint sie, entscheiden zu können. Aber ich denke, die Berlinerinnen und Berliner, die, nachdem die DeportationsplĂ€ne der AfD bekannt wurden, massenhaft auf die StraĂen strömten, haben klar gemacht, dass sie das alles ablehnen. Es war mit ĂŒber 3 Millionen Menschen bundesweit eine der gröĂten Protestbewegungen der letzten Jahre â sie wollen eine solidarische Gesellschaft ohne Hass und ohne die AfD. [Beifall bei der LINKEN â Vereinzelter Beifall bei der SPD und den GRĂNEN â
Mit der AfD!] Auch die Berliner Hotel- und Veranstaltungsbranche hat das klar gemacht, denn Sie konnten in Berlin keinen einzigen Ort fĂŒr Ihren April-Parteitag finden â und das ist gut so! Ein Dank geht raus an alle, die das verhindert haben. Ein Dank geht auch raus an all die Menschen, die den Nazi- aufmarsch, der den auĂerparlamentarischen Arm der AfD darstellt, in unserem wunderschönen und vielfĂ€ltigen Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg zum wiederholten Mal verhindert haben, (Martin Matz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6365 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 denn Friedrichshain bleibt antifaschistisch und Berlin auch. Schon letztes Mal wurde der AfD hier erklĂ€rt, warum ihre Forderung auch rechtswidrig ist: Weil es nĂ€mlich Ab- schiebehindernisse gibt, die im Aufenthaltsgesetz stehen und die auch völkerrechtlich verankert sind, und das ist auch richtig so. Ich habe hier letztes Mal auch davon gesprochen, was unsere Vision ist, nĂ€mlich die von glo- baler Bewegungsfreiheit, in der alle Menschen ein Recht auf ein gutes Leben haben und mit Sicherheit nicht nur diejenigen, die die AfD gut findet. Auch heute muss ich leider wieder an die Koalition in Berlin appellieren, keine rechten Forderungen oder Er- zĂ€hlungen zu ĂŒbernehmen und auf Schwarz-Rot im Bund einzuwirken, die genau das machen. Die AfD fordert hier ein Ende aller Aufnahmeprogramme. In Berlin blockiert die CDU das letzte Berliner Aufnahmeprogramm, das noch funktioniert. Und im Sondierungspapier auf Bun- desebene ist die Abschaffung aller Programme bereits verabredet, selbst fĂŒr die Menschen in Afghanistan, fĂŒr deren Elend Deutschland mitverantwortlich ist. Die AfD fordert eine RĂŒckfĂŒhrungsoffensive â genau dieses Wort ist eine Ăberschrift im Sondierungspapier, unter der mehr Ab- schiebungen und AbschiebeknĂ€ste verabredet werden. Die AfD fordert GrenzzurĂŒckweisungen und ein Ende des Familiennachzugs fĂŒr subsidiĂ€r Schutzberechtigte â im Sondierungspapier ist genau das verabredet. Sogar der gesetzlich verpflichtende Rechtsbeistand vor Abschiebungen soll laut dem Sondierungspapier von CDU und SPD abgeschafft werden; ein klarer VerstoĂ gegen die EuropĂ€ische Menschenrechtskonvention und den Grundsatz des fairen Verfahrens, den unser Grundge- setz verankert hat. Und selbst vor Menschen, die hier schon ewig leben oder gar hier geboren sind, wird nicht haltgemacht. AusbĂŒrge- rungen sollen aufgrund willkĂŒrlicher Verdachtslagen in Betracht kommen. Leider könnte ich hier noch ewig weiter so aufzĂ€hlen, aber mit der Ăbernahme von Forde- rungen der Rechtsextremen machen Sie diese nicht klein, sondern stĂ€rken sie und versetzen zudem Millionen Men- schen mit Migrationsgeschichte in diesem Land in Angst und Wut. DafĂŒr sind Sie in Berlin auch abgestraft wor- den, denn nicht Sie, sondern wir wurden bei der letzten Bundestagswahl stĂ€rkste Kraft in Berlin, auch gerade wegen unserer klaren Haltung in dieser Frage. FĂŒr klare Kante gegen rechts und gegen deren Inhalte muss Berlin endlich wieder antifaschistisch regiert wer- den. â Danke! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der AfD-Fraktion auf Drucksache 19/0633 empfiehlt der Fachausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/2256 mehrheitlich â gegen die AfD-Frak- tion â die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch anneh- men möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das ist die AfD-Fraktion. Gegenstimmen? â Bei Gegen- stimmen der CDU-Fraktion, der SPD-Fraktion, der Frak- tion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Linksfraktion ist der Antrag damit abgelehnt. Die Tagesordnungspunkte 19 und 20 stehen auf der Kon- sensliste. Tagesordnungspunkt 21 war PrioritĂ€t der Frak- tion Die Linke unter der Nummer 4.5. Die Tagesord- nungspunkte 22 und 23 stehen auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 24: Zusammenstellung der vom Senat vorgelegten Rechtsverordnungen Vorlage â zur Kenntnisnahme â gemÀà Artikel 64 Absatz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2313 Von den vorgelegten Rechtsverordnungen hat das Haus hiermit Kenntnis genommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 25: Rahmenkonzept Kulturelle Bildung Berlin weiterdenken! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2153 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, und fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege KrĂŒger jetzt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Heute möchte ich mit Ihnen ĂŒber das Rahmenkonzept Kulturelle Bildung sprechen. Vermutlich werden viele von Ihnen nicht wissen, worauf ich mich dabei beziehe. Ich muss gestehen, selbst in meiner Frak- tion fragte mich der eine oder andere: Warum sollen wir denn darĂŒber sprechen? Ist das nicht total trocken? (Elif Eralp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6366 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ich möchte Sie auf eine kleine Traumreise mitnehmen. Stellen wir uns ein Berlin vor, in dem KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler in Schulen Ateliers haben und Kultureinrichtun- gen mit Dependancen in Jugendklubs vertreten sind, in dem jeder Bezirk ĂŒber eine Jugendkunstschule wie das Atrium verfĂŒgt, in dem es in jedem Bezirk eine Koordi- nierungsstelle und einen Runden Tisch fĂŒr kulturelle Bildung gibt, in dem alle angehenden PhysiklehrkrĂ€fte sich damit beschĂ€ftigen, wie sie ĂŒber den Tanz ihre Inhal- te vermitteln können, in dem es ein Programm âKultur- agenten fĂŒr kreative Kitasâ gibt. Manches davon gibt es schon, manches noch und manches noch nicht, aber alles davon steht im Rahmenkonzept Kulturelle Bildung; viel- leicht also doch gar nicht so trocken wie gedacht. Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht genannt habe. Ich habe zum Beispiel nicht ĂŒber Inklusion und DiversitĂ€t gesprochen oder ĂŒber Digitalisierung oder darĂŒber, wie verbindlich das Rahmenkonzept ist und was das fĂŒr die Finanzierung bedeutet. All das fehlt bisher. Seit der letz- ten Aktualisierung des Rahmenkonzepts 2016 ist eben doch eine Menge Zeit vergangen. Deswegen fordern wir, das Rahmenkonzept Kulturelle Bildung weiterzudenken. Und das fordern nicht nur wir, sondern zum Beispiel auch die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, die in einer Denkwerkstatt mit Praktikerinnen und Praktikern Handlungsempfehlungen erarbeitet hat. Es gibt wirklich gar keinen Grund, unserem Antrag hier nicht zu folgen. Sorgen Sie dafĂŒr, dass die kulturelle Bildung in Berlin auch in den nĂ€chsten zehn Jahren eine konzeptionelle Grundlage hat! Aber ehrlich gesagt ist es schwer, heute ĂŒber die Weiter- entwicklung der kulturellen Bildung in Berlin zu spre- chen, wo wir doch genau das Gegenteil erleben. An allen Ecken und Enden wird die kulturelle Bildung nicht nur zusammengespart, sie wird regelrecht abgerissen. Und das ist der Punkt, an dem spĂ€testens alle aus der Traum- reise aufwachen sollten, denn nun wird sie zum Alb- traum. Projekte wie ErzĂ€hlZeit, die im Rahmenkonzept lobend erwĂ€hnt werden, sollen nach 17 Jahren abgewi- ckelt werden. Projekten wie dem KinderKulturMonat, die, wie im Rahmenkonzept gefordert, ressortĂŒbergrei- fend arbeiten, werden mit Verweis auf Mehrfachförde- rung die Mittel gekĂŒrzt. Projekte wie der ufa-Kindercir- cus werden gestrichen, weil es ja noch den Kinderzirkus Cabuwazi gibt und ein Angebot in der Stadt ja wohl aus- reiche. WĂ€hrend man sich sonst bei der kulturellen Bildung den Ball immer zwischen den Senatsverwaltungen hin- und herspielt und keiner verantwortlich sein will, scheint es diesmal so, als wollten möglichst viele Senatorinnen und Senatoren fĂŒr das Aus der kulturellen Bildung verant- wortlich sein, von der Bildungssenatorin ĂŒber den Kultur- senator bis hin zum Regierenden BĂŒrgermeister, der fĂŒr sich beansprucht, die Kinder- und Jugendtheater in Berlin gerettet zu haben. Die Antwort des Arbeitskreises Berli- ner Kinder- und Jugendtheater kam prompt und zeigte: Kai Wegner könnte nicht weiter weg sein von der RealitĂ€t dieser Stadt. Was bleibt, ist folgender Eindruck: Ihr Senat hat kein Herz fĂŒr Kinder, zumindest nicht fĂŒr diejenigen, die in Armut aufwachsen, eine Behinderung haben oder vor Krieg, Gewalt und Perspektivlosigkeit zu uns geflohen sind. Diese Kinder aber sind unsere Zukunft. Sie mĂŒssen wir in der Aktualisierung des Rahmenkonzepts in den Fokus nehmen, denn eine Stadt ohne kulturelle Bildung ist eine Stadt ohne Zukunft. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat die Kollegin Usik jetzt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Berlin ist eine Stadt der Vielfalt, und kulturelle Bildung spiegelt genau diese Vielfalt wider. In ihrem Antrag setzt sich die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen dafĂŒr ein, dass das Rahmenkonzept Kulturelle Bildung weiterentwickelt wird. Die kulturelle Bildung zu stĂ€rken, ist ein sehr gutes und wichtiges Ziel, denn kulturelle Bildung stĂ€rkt die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen, fördert KreativitĂ€t und ermöglicht gesell- schaftliche Teilhabe. Berlin verfĂŒgt bereits jetzt ĂŒber eine breit aufgestellte Landschaft der kulturellen Bildung. Sie haben auch bereits Projekte und TrĂ€ger angesprochen. Zahlreiche TrĂ€ger leisten bereits heute hervorragende Arbeit, darunter die Landesvereinigung Kulturelle Ju- gendbildung, auch die Vorhaben TUSCH â Theater und Schule, TUKI â Theater & Kita sowie TanzZeit. Herr KrĂŒger, Sie haben auch ein wichtiges Thema ange- sprochen: die Einsparungen und KĂŒrzungen, die wir vor- nehmen mĂŒssen, auch im Bereich kulturelle Bildung. Die sind schmerzhaft. Sie sind fĂŒr uns genauso schmerzhaft wie fĂŒr Sie und fĂŒr die anderen demokratischen Fraktio- nen in diesem Parlament auch. Jedoch mĂŒssen wir den Haushalt konsolidieren und mĂŒssen Wege finden, wie wir den Regelbetrieb, den kulturellen Bildungsbetrieb auf- rechterhalten und fortfĂŒhren können. Die Frage ist heute nicht, ob das Rahmenkonzept fĂŒr kulturelle Bildung wichtig ist; das ist es unbedingt. Die Frage ist, ob wir diesen Antrag brauchen. Die Antwort ist Nein, denn wir haben seit dem Jahr 2008 ein Rahmen- konzept fĂŒr kulturelle Bildung, das 2016 fortgefĂŒhrt wur- de. Wir haben damit ein bewĂ€hrtes System, das etabliert ist, und wir haben eine ressortĂŒbergreifende Zusam- (Louis KrĂŒger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6367 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 menarbeit zwischen den zustĂ€ndigen Senatsverwaltungen, der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie und der Senatsverwaltung fĂŒr Kultur. Dazu gibt es auch einen kontinuierlichen Austausch. Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kol- legen KrĂŒger?
Sehr gerne! Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen Dank, Frau Kollegin! Das Rahmenkonzept ist 2008 entstanden und wurde 2016 aktualisiert. Wenn man jetzt die Reihe fort- gefĂŒhrt hĂ€tte, wĂ€re es 2024 wieder an der Reihe gewesen. Im Rahmenkonzept von 2016 steht auch, dass das fĂŒr acht bis zehn Jahre gelten soll. Also auch dann wĂ€ren wir jetzt an dem Zeitpunkt. Auch die LKJ hat aufgewiesen, was fĂŒr inhaltliche Punkte jetzt noch hinzuzufĂŒgen wĂ€- ren. Insofern frage ich Sie, warum Sie nicht der Ansicht sind, dass das aktualisiert werden sollte.
Sie haben absolut recht, dass das Rahmenkonzept auch aktualisiert wird mit Fortschrittsberichten. Letztes Mal hatten wir einen Fortschrittsbericht im November 2024. Der wurde uns auch zur VerfĂŒgung gestellt. Und mit den Fristen, die Sie auch im Antrag fordern, dass eine Be- richterstattung bereits im Mai 2025 stattfindet, das ist in meinen Augen gar nicht realistisch, dass wir da schon mal Berichte haben. Damit schaffen wir jetzt Parallel- strukturen und weitere bĂŒrokratische Belastung. Sie haben auch diesen Runden Tisch angesprochen. Von dem habe ich auch sehr viel Positives gehört. Es ist rich- tig und wichtig, dass wir diesen Austausch haben zwi- schen Verwaltung, zwischen politischen Akteuren und Akteurinnen und auch zwischen TrĂ€gern der kulturellen Bildung. Der wird fortgefĂŒhrt. Die nĂ€chste Sitzung ist, soweit ich weiĂ, am 9. April 2025. Da sind hoffentlich viele von uns dabei. Es ist wichtig, dass wir die bestehen- den Strukturen stĂ€rken. Aber wir mĂŒssen auch fest und klar sagen: Wir können jetzt nicht alles finanzieren, was wir zuvor finanziert haben. Wir mĂŒssen auch angesichts der Haushaltsverhandlungen fĂŒr den kommenden Dop- pelhaushalt 2026/2027 Wege finden, wie wir die beste- henden Strukturen stĂ€rken, auch angesichts der sehr knappen Haushaltslage. Sie haben auch die Herausforderungen zu Recht ange- sprochen. Die habe ich auch mitbekommen, weil ich auch in engem Austausch mit den TrĂ€gern bin. Die TrĂ€ger haben ganz klare Ziele. Sie wollen, dass es auch eine regelrechte Finanzierung ist. Sie wollen, dass auch eine nachhaltige Finanzierung fĂŒr kulturelle Bildung bei uns im Einzelplan 10, im Bereich Bildung, Jugend und Fami- lie, verankert ist. Und sie wollen natĂŒrlich mehr Partizi- pationsrechte fĂŒr Kinder und Jugendliche, die dann Pro- zesse steuern können. Ich glaube, da liegen wir nicht so weit auseinander, dass wir das auch unterstĂŒtzen. Ich sehe aber keinen Bedarf fĂŒr diesen Antrag, den Sie eingebracht haben, weil ich sehe, dass wir die Strukturen haben, die bereits jetzt laufen. Das scheitert nicht an fehlendem Konzept, sondern es ist eher die Frage der Finanzierung und wie wir diese Finanzierung angesichts der knappen Haushaltslage finden können. Kulturelle Bildung ist sehr dynamisch. Die entwickelt sich weiter. Wir stĂ€rken sie nicht mit zusĂ€tzlichen Be- richtsauftrĂ€gen, obwohl ich Ihre Intention sehr gut ver- stehen und nachvollziehen kann. Ich glaube, wir sind uns auch einig, dass wir gemeinsam die kulturelle Bildung stĂ€rken wollen. â Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Kollegin! â FĂŒr die Linksfraktion hat jetzt die Kollegin Brychcy das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kollegen und Kol- leginnen! Das Land Berlin war mit dem Rahmenkonzept Kulturelle Bildung von 2008 und 2016 und den Fort- schrittsberichten Vorreiter, was die Förderung kultureller Bildung in Berlin anbelangt. Kinder und Jugendliche sollen am kulturellen Leben teilhaben können, unabhĂ€n- gig vom Einkommen und Bildungsstand ihrer Eltern. Das Ziel ist es, dass die Angebote der kulturellen Bildung strukturell so ausgebaut und verstetigt werden, dass es eben nicht mehr von der Kassenlage abhĂ€ngig ist, ob die Kinder und Jugendlichen Zugang zu kultureller Bildung erhalten. Deswegen gibt es den breit angelegten Prozess des Berliner Runden Tisches Kulturelle Bildung, um eben das Rahmenkonzept weiterzuentwickeln, weil sich seit 2016, Frau Usik, die Welt schon ein bisschen weiterent- wickelt hat. Die Pandemie, die Kriege, die steigende Gefahr der Entdemokratisierung, das sind alles neue Herausforderungen, und die Weiterentwicklung des Rahmenkonzepts Kulturelle Bildung auch mit der Betei- ligung von Kindern und Jugendlichen, wie die GrĂŒnen heute vorschlagen, wĂ€re ein erster wichtiger Schritt. (Lilia Usik) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6368 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Unserer Meinung nach muss anschlieĂend aber auch die Verankerung der kulturellen Bildung in einem Kulturför- dergesetz folgen, damit es QualitĂ€tsstandards gibt und damit diese auch kĂŒnftig flĂ€chendeckend gesichert sind. BezĂŒglich der Fortschrittsberichte muss ich leider sagen: WĂŒrden Sie jetzt als schwarz-roter Senat heute einen Fortschrittsbericht verfassen, wĂ€re es definitiv ein RĂŒck- schrittsbericht, denn egal, ob ErzĂ€hlZeit, das Projekt SING! des Rundfunkorchesters und der Chöre, die Kultu- ragenten, Oper an Schule, die Landesvereinigung Kultu- relle Jugendbildung, KontextSchule, KinderKulturMonat, Bauereignis Schule, TUSCH, QuerKlang, TanzZeit, das MACHmit! Museum, Jugend.Sprungbrett.Kultur, ĂŒberall haben Sie als schwarz-roter Senat deutliche KĂŒrzungen vorgenommen, bis hin zur vollstĂ€ndigen Einstellung, beispielsweise des Programms ErzĂ€hlZeit, das nach 17 Jahren einen Brief bekommt: Vielen herzlichen Dank, aber Ihr Projekt wird zum 1. April eingestellt. So darf man mit TrĂ€gern nicht umgehen. Mit diesem Vorgehen wird ein groĂer Teil der gewachse- nen und wichtigen Strukturen der Berliner kulturellen Bildungslandschaft wirklich nachhaltig und zum Teil unwiderruflich zerstört. Die KĂŒrzungen des Bonuspro- gramms â heute FrĂŒh haben wir das thematisiert â und des VerfĂŒgungsfonds treffen die Angebote der kulturellen Bildung zusĂ€tzlich. Dabei sind es diese Angebote, die sich an Kinder in benachteiligten Lagen richten, die an- sonsten nie die Chance hĂ€tten, mal in die Oper zu gehen, wo Sprachkompetenzen gestĂ€rkt werden, wo Bildungs- qualitĂ€t gestĂ€rkt wird, was der Senatorin auch so wichtig ist. Trotz der angespannten Haushaltslage, Frau Usik, sage ich: Kulturelle Bildung darf kein Luxus sein. DafĂŒr mĂŒssen wir sorgen. Das ist ein Grundrecht. Es geht um unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn Sie schon die Doppelhaushaltsverhandlungen 2026/2027 ansprechen, haben Sie da eine groĂe Verantwortung, weil es nĂ€mlich darum geht, dass Sie zuerst alle Einnahme- möglichkeiten ausschöpfen, bevor Sie weiter an die kul- turelle Bildung herangehen. Das erwarten wir von Ihnen, dass Sie das tun. Das erwarten die Kinder und Jugendli- chen, das erwarten die TrĂ€ger, und daran werden wir Sie messen. Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Kollege Freier-Winterwerb jetzt das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Es ist wirklich nicht einfach, hier immer als vierte Person zu sprechen. Ich stimme nĂ€mlich in so ziemlich allem den Vorrednerinnen und Vorrednern zu, insbesondere natĂŒr- lich, was das Thema Umgang mit TrĂ€gern, Umgang mit kultureller Bildung anbetrifft, der Kollegin Brychcy und dem Kollegen KrĂŒger. Ich finde tatsĂ€chlich auch, da spreche ich fĂŒr die sozialdemokratische Fraktion, insbe- sondere, dass das kein Umgang miteinander ist und dass man das so nicht machen kann. Wir sprechen aber heute hier tatsĂ€chlich ĂŒber den Antrag Rahmenkonzept Kulturelle Bildung. Was ist es, was quasi hier ein StĂŒck weit der Mehrwert ist? Wir haben jetzt, ich sage mal, acht Fortschrittsberichte, die mehr oder weniger einen inhaltlichen Leitfaden geben, wie man mit einer kulturellen Jugendbildung besser werden kann. Aber fĂŒr mich ist die groĂe Frage nach dem, was wir gerade erlebt haben, ob innerhalb der Haushaltsver- handlungen ein Rahmenkonzept fĂŒr Kulturelle Bildung ein Garant dafĂŒr ist, dass die kulturelle Bildung ĂŒber die Bereiche hinweg den Stellenwert und den Rang be- kommt, den sie eigentlich verdient. Ist das eine Möglich- keit, um die kulturelle Bildung im Bereich der Kultur, im Bereich von Sozialem und Jugend und Bildung auch tatsĂ€chlich abzusichern? Ich glaube, das ist es nicht. Das ist dann das Kulturfördergesetz, das dann entsprechend kommen soll. Ich bin zufrieden mit den Fortschrittsberichten. Ich glau- be, dass wir da noch auf die nĂ€chsten gespannt sein dĂŒr- fen, weil ich mal wissen möchte: Was ist denn hier die Perspektive, welchen Stellenwert hat das? Aber wir mĂŒs- sen uns alle darĂŒber Gedanken machen, welche MaĂ- nahmen und Methoden wir verwenden können, um die kulturelle Bildung tatsĂ€chlich auch abzusichern und so abzusichern, dass man da nicht einfach herangehen kann. Ich will nur mal sagen, dass ich diesen Mechanismus, den wir in das Jugendfördergesetz eingebaut haben, bei- spielsweise als einen finde, wo wir mal gemeinsam mit- einander nachdenken sollten, ob das etwas ist, was auch fĂŒr die kulturelle Bildung gelten kann, im Sinne von: Wenn ein Bezirk nachweist, dass er alles Geld, was er fĂŒr Jugendarbeit haushĂ€lterisch zur VerfĂŒgung bekommen hat, auch einstellt, dann bekommt er eine Million Euro on top. Deshalb geben die Bezirke das Geld, das sie fĂŒr Jugendarbeit bekommen, auch tatsĂ€chlich aus. Das könn- te ein Mechanismus sein. Wir mĂŒssen nur ĂŒberlegen, mit welcher Methode wir den auch fĂŒr die kulturelle Bildung machen. Wir sprechen ĂŒber das Rahmenkonzept Kulturel- le Bildung bestimmt noch weiter. â Vielen Dank fĂŒr die Aufmerksamkeit! (Franziska Brychcy) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6369 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Dann folgt fĂŒr die AfD-Fraktion der Abgeordnete Esch- richt.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kollegen! Liebe Berliner! Kulturelle Bildung ist ein beliebter Sam- melbegriff, der es in politischen Debatten ermöglicht, hohe Zustimmung zu erhaschen, ohne konkrete Verspre- chen zu machen oder inhaltliche Verbindlichkeit zu be- grĂŒnden. Kulturelle Bildung kann aber sehr Verschiede- nes meinen. Positiv wĂ€re das Erlernen von Kulturtechni- ken; negativ indoktrinierende politische Bildung. Kultu- relle Bildung ist nicht politische Bildung. Gerade bei einem Antrag der GrĂŒnen mit so vielen unkonkreten Forderungen voller Wieselwörter ist Misstrauen ange- bracht. Da ist Misstrauen angebracht, damit Kinder und Heran- wachsende nicht zum Daueropfer politisch-moralischer Nachhilfe gemacht werden. Den Menschen schon im Kindesalter Ă€sthetisch anzuleiten und ein Kulturbewusst- sein zu vermitteln, war und ist ein redliches bĂŒrgerliches Anliegen. AuffĂ€llig sind aber die teilweise gegenlĂ€ufigen Argumen- te in der BegrĂŒndung: Einerseits soll es angesichts, so schreiben Sie, âder tiefgreifenden VerĂ€nderungen und kulturellen sowie gesellschaftlichen Herausforderungenâ zu einer Weiterentwicklung des Rahmenprogramms kommen. Aber worauf wollen Sie denn hinaus? Sollen zeitgemĂ€Ăere Definitionen von Rassismus erfolgen, damit immer mehr Leute betroffen sein können und immer mehr Personen verdĂ€chtig sind? Mehr Rassismus ist das bessere Ergebnis? Das ist merkwĂŒrdig. Andererseits wird auch âdie StĂ€rkung von Partizipationâ und âDiversitĂ€t der Inhalteâ gefordert. Aus Ihrer Perspektive hieĂe ja Diver- sitĂ€t, von Ihrer eigenen Meinung abweichende Vielfalt, also Heimatliebe und ein bescheidener, gesunder Patrio- tismus. Oder ist das schon meldungswĂŒrdig und Hassrede knapp unterhalb der Strafbarkeitsgrenze? Hinter wohlklingenden Beteiligungsprozessen und kultu- reller Teilhabe können allzu schnell die grĂŒnen Ever- greens Selbsthass, Duldungsstarre, Orientierungslosigkeit und IdentitĂ€tskrise lauern. Der Verdacht liegt immer nahe, dass es um eine weitere ideologische Vereinnah- mung unserer kulturellen Bildungslandschaft geht, ge- tarnt als eine Fortschreibung und Weiterentwicklung. Besonders deutlich wird das bei der sogenannten Denk- werkstatt der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbil- dung, deren Ergebnisse hier als Arbeitsgrundlage dienen sollen. Was da auf neun Seiten prĂ€sentiert wird, ist keine Strategie zur StĂ€rkung kultureller Bildung, sondern ein Beipackzettel fĂŒr eine bildungspolitische Versuchsanord- nung. Es geht Ihnen vor allem um Inklusion und Diversi- tĂ€t. Zudem ist die Rede von einer Entdemokratisierung sowie einer Zunahme von Rassismus und Verschwö- rungsideologien. Sie wollen kulturelle Bildung nicht weiterentwickeln, Sie wollen sie umfunktionieren. Aus Bildung wird Haltung, aus Kunst wird Aktivismus. Wir als AfD stehen fĂŒr eine kulturelle Bildung, die nicht in- doktriniert, sondern inspiriert. Noch ein Wort zur Fristsetzung: Es wird ein Bericht gefordert. Der soll das erste Mal am 31. Mai 2025 und dann am 31. November vorgelegt werden. Ich glaube, der 31. November ist traditionell der Tag, an dem der Berli- ner Haushalt ohne Schulden vorgelegt wird. Aber so einen kleinen handwerklichen Fehler will ich Ihnen gar nicht entgegenwerfen, da heule ich nicht gleich auf, âpar- lamentarische UnfĂ€higkeit!â. Das passiert. Dass aber Sie, wenn wir mal davon sprechen, wie schön Familie und wie wichtig Heimat ist, bei uns gleich völkischen Natio- nalismus vermuten, sagt mehr ĂŒber Sie als ĂŒber uns aus. [Beifall bei der AfD â
Jawohl!] Ich sage es hier gerne noch einmal: Die Alternative fĂŒr Deutschland hat jetzt ĂŒber 10 Millionen UnterstĂŒtzer und 1,8 Millionen NichtwĂ€hler fĂŒr die Demokratie zurĂŒckge- wonnen. So geht Demokratie! Von Entdemokratisierung zu sprechen, ob hier oder an irgendwelchen Runden Ti- schen, ist deshalb unangebracht. â In diesem Sinne: Vie- len Dank! Wir bleiben wachsam! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Bildung, Jugend, Familie sowie mitbera- tend an den Ausschuss fĂŒr Kultur, Engagement und De- mokratieförderung. â Widerspruch höre ich nicht; dann verfahren wir so. Dann verlese ich noch einmal das Wahlergebnis zu Punkt 8 der Tagesordnung, die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz, die Drucksache 19/1000, und zwar in Bezug auf den Wahlvorschlag als Mitglied. Hier sind fĂŒr Frau Abgeordnete Dr. Kristin Brinker insgesamt 133 Stimmen abgegeben worden. 1 Stimme war ungĂŒltig, und es sind 21 Ja-Stimmen, nicht 11, 103 Nein-Stimmen, 8 Enthaltungen â damit nicht gewĂ€hlt. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6370 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Tagesordnungspunkt 26 war PrioritĂ€t der AfD-Fraktion, das war die laufende Nummer 4.1. Die Tagesordnungs- punkte 27 bis 29 stehen auf der Konsensliste. Tagesord- nungspunkt 30 war PrioritĂ€t der Fraktion der SPD unter der Nummer 4.3. Somit rufe ich auf lfd. Nr. 31: RĂ€ume fĂŒr das Ehrenamt bereitstellen â Orte fĂŒr Engagement entwickeln Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2294 In der Beratung beginnt die CDU-Fraktion mit dem Kol- legen Haustein.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe GĂ€ste und Zuschauer! Die Bedeutung des Ehrenamtes fĂŒr unsere Stadt ist herausragend. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Jeder kennt doch Bei- spiele aus dem unmittelbaren Umfeld, wo wir Menschen sehen, die ihre Freizeit aufwenden, um Gutes fĂŒr unsere Gesellschaft zu tun. Ein Beispiel: Bei uns, bei mir im Wahlkreis war ich vor- gestern Gastgeber eines FrĂŒhlingskonzertes im Fenn- pfuhl. Ăber 230 Menschen sind der Einladung gefolgt. Lauschen durften wir dabei alle den ausschlieĂlich ehren- amtlich organisierten und aktiven Kinder- und Jazzchören sowie einem Blechblasensemble â Menschen, die viel Zeit im Privaten investieren, um stundenlang zu proben, sich auf StĂŒcke zu einigen, sich abstimmen, um dann uns ein musikalisches Highlight fĂŒr den Abend zu bieten. Das ist nur ein Beispiel dafĂŒr, wie unglaublich vielfĂ€ltig unser Ehrenamt in der Stadt ist und weshalb wir unglaublich dankbar sein mĂŒssen fĂŒr jeden, der sich einbringt und unsere Gesellschaft so besser macht. Doch egal in welchem Bereich haben sie fast alle das gleiche Problem: Wo soll ich meine Veranstaltungen durchfĂŒhren? Wo soll ich tagen? Wo kann ich mich ĂŒber- haupt treffen, ohne mich dabei vielleicht finanziell zu ruinieren? â Die akute Raumnot. Das Problem hatte rich- tigerweise auch die VorgĂ€ngerregierung erkannt und das in der âBerliner Engagementstrategie 2020-2025â nieder- geschrieben. Diese hat unsere Koalition ĂŒbernommen, da wir sie inhaltlich natĂŒrlich teilen. Mit unseren Orten fĂŒr Engagement, die ich fĂŒr meine CDU-Fraktion hier vorstellen darf, werden wir aber hier nicht nur etwas aufschreiben, sondern fĂŒr eine spĂŒrbare Verbesserung in der Raumsituation fĂŒr unser Ehrenamt beitragen. Was soll das genau heiĂen, âOrte fĂŒr Engage- ment?â â Wir haben viele FlĂ€chen, die dem Bezirk oder dem Land gehören, da, wo sich Ămter und Behörden befinden. Jeder kennt sie doch. Und natĂŒrlich ist nicht jeder dieser RĂ€ume 24/7 mit Mitarbeitern, mit Kunden, mit BĂŒrgern belegt. Diese FlĂ€chen sollen StĂŒck fĂŒr StĂŒck herauskristallisiert, zusammengetragen und ĂŒber eine Website zugĂ€nglich gemacht werden. Auf dieser Websei- te sollte man am besten auch sehen, was fĂŒr eine Raum- gröĂe das ist, fĂŒr welche Nutzungsarten der Raum infrage kommt, und dann soll er auch buchbar gemacht werden. Dabei mĂŒssen wir nicht gleich den groĂen Wurf schaffen und ad hoc pro Bezirk Hunderte von neuen RĂ€umen er- schaffen und bereitstellen. Nein, wenn wir pro Bezirk mit zwei bis drei RĂ€umen starten, dann sind wir einen ersten wichtigen Schritt gegangen fĂŒr unser Ehrenamt. Geben wir deswegen uns und der Verwaltung Zeit und die Mög- lichkeit, Erfahrungen aus diesen ersten Piloten zu sam- meln, um das Angebot sukzessive weiter auszubauen. Ich sage immer so schön, lassen Sie uns nicht den groĂen Sprung wagen, sondern lieber mit kleinen Schritten in die richtige Richtung gehen, dann stolpert man auch weniger. Was wir dabei natĂŒrlich mitdenken mĂŒssen und werden, ist die ZugĂ€nglichkeit. Ehrenamt findet vor allem in den Abendstunden statt, nach der Arbeit. Wenn man daran vorbeiplant, plant man an der LebensrealitĂ€t der arbeiten- den Bevölkerung vorbei. Das darf uns natĂŒrlich nicht passieren. Auch muss die Verwaltung die notwendigen elektroni- schen SchlieĂsysteme nicht erst neu erfinden. Da gibt es erprobte Mittel. Dieses antiquierte Bild der Mitarbeiter mit dem dicken SchlĂŒsselbund, die dann auf und zu- schlieĂen, gehört wirklich der Vergangenheit an. Klingt fĂŒr manche wie Zukunftsmusik; meine CDU-Fraktion und ich sind da sehr optimistisch, dass wir bis Ende des Jahres in die ersten Umsetzungen gehen, spĂ€testens An- fang des Jahres die ersten Erfolge haben, um so die Eh- renamtlichen wirklich zu unterstĂŒtzen. Um den Redebeitrag der Opposition vorweg zu nehmen, Frau Dr. Kahlefeld, Frau Breitenbach, die nötigen finan- ziellen Mittel sind im Haushalt eingestellt und werden natĂŒrlich von uns verteidigt. Das Ehrenamt ist fĂŒr die CDU-Fraktion eine PrioritĂ€t, und daran halten wir fest. DarĂŒber hinaus haben wir natĂŒrlich auch einen Blick auf unsere zwölf bezirklichen Freiwilligenagenturen gelegt. Diese haben wir im aktuell laufenden Haushalt ja massiv gestĂ€rkt. Auch da können wir uns sehr gut eine tragende Rolle bei der Realisierung unserer Orte fĂŒr Engagement vorstellen. Insofern ist das ein kleiner, aber wirksamer Schritt, wich- tig zur UnterstĂŒtzung fĂŒr unser Ehrenamt. Deswegen freue ich mich auf die Diskussion direkt am nĂ€chsten Montag im Kultur- und GZ-Ausschuss und freue mich (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6371 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 deshalb, dass wir schnell ins Handeln kommen. â Vielen Dank! Es folgt dann fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Dr. Kahlefeld.
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokrati- schen Parteien! Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Wir haben in Berlin seit 2020 eine Engagementstrategie. Da ich damals als Aus- schussvorsitzende am Erarbeitungsprozess beteiligt war, weiĂ ich aus eigenem Erleben, dass der Mangel an RĂ€u- men das erste und im Ranking am höchsten eingestufte Anliegen der Zivilgesellschaft war. Es finden sich daher etliche Vereinbarungen in der Strategie, die Abhilfe schaffen sollen. Unter Punkt 52 wird gefordert, bezahlbare GewerberĂ€u- me zu erhalten. Der Senat wird aufgefordert, eine bun- desgesetzliche Deckelung von Gewerbemieten zu errei- chen. Unter Punkt 54 wird ein neues Bedarfsfeld fĂŒr die Bewirtschaftung von Liegenschaften des Landes Berlin gefordert, nĂ€mlich Engagement und Beteiligung. Auch im Rahmen von Neubauvorhaben und bei der Stadtpla- nung sollten diese BerĂŒcksichtigung finden. Ich zitiere: âBei der Planung von öffentlichen GebĂ€uden âŠ, aber auch bei Bauvorhaben öffentlicher Woh- nungsbaugesellschaften, sollten RĂ€ume bezie- hungsweise Nutzungsmöglichkeiten fĂŒr zivilge- sellschaftliche Organisationen einbezogen werden, auch durch die bauliche und organisatorische Er- leichterung von Mehrfachnutzungen.â SchlieĂlich wird unter Punkt 55 gefordert, dass Zwi- schennutzungen und temporĂ€re Nutzungen von RĂ€umen zu ermöglichen sind. Ich zitiere wieder mit Erlaubnis des âGemeinnĂŒtzige Organisationen sollten bei Zwi- schennutzungen und der temporĂ€ren Nutzung ur- baner BrachflĂ€chen vorrangig BerĂŒcksichtigung finden. Bei der AbwĂ€gung unterschiedlicher Nut- zungsinteressen bei der Vergabe öffentlicher RĂ€u- me sollte den BedĂŒrfnissen gemeinnĂŒtziger Orga- nisationen der Zivilgesellschaft kĂŒnftig ein höhe- rer Stellenwert beigemessen werden.â â Zitat Ende. â Hier, möchte ich ergĂ€nzen, besteht auch ein Zusammenhang zur urbanen Praxis. Von all dem steht aber nichts in dem mageren Antrag der Koalition. Seit gestern wissen wir, dass die BIM keine landeseigenen GebĂ€ude mehr an NGOs vermietet. Mit dieser BegrĂŒn- dung wurden nĂ€mlich âMoabit hilftâ die RĂ€ume gekĂŒn- digt â das genaue Gegenteil von Punkt 54 der Strategie. Falls es eines Belegs bedurft hĂ€tte: Die Engagementstrategie in Berlin ist tot. Stattdessen soll in der Enquete-Kommission untersucht werden, wie Engagement eine aktive Antidis- kriminierungsarbeit ĂŒberflĂŒssig macht â Vereine statt LADG. Das alles ist der totale politische Blindflug. â Vielen Dank! Es folgt dann fĂŒr die SPD-Fraktion die Kollegin Radzi- will.
Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauende! Das ist schon ein ganz wichtiges Thema, nĂ€mlich: Wie können wir Ehrenamt unterstĂŒtzen? Ehren- amt ist Kitt in der Gesellschaft und hĂ€lt die Gesellschaft wirklich gut zusammen, hĂ€lt uns beieinander, denn es ist ein Wert an sich â fĂŒr sich selbst â, sich ehrenamtlich zu engagieren. Es gibt Studien, die belegen, dass, wer sich ehrenamtlich engagiert, gesĂŒnder lebt. Das ist doch schon einmal eine gute Sache. Wer sich ehrenamtlich engagiert, macht auch etwas Gutes fĂŒr andere, und deswegen ist es aus politischer Sicht wichtig, dafĂŒr zu sorgen, dass wir das ehrenamtliche Engagement, das bĂŒrgerschaftliche Engagement von so vielen in dieser Stadt unterstĂŒtzen, aber es auch wĂŒrdi- gen. In dem Rahmen möchte ich mich bei allen, die sich engagieren, mit Ihrer UnterstĂŒtzung herzlich bedanken. Da kann eigentlich jede Fraktion applaudieren, denn â danke, danke! â Ehrenamt ist nicht nur fĂŒr eine Fraktion etwas ganz Besonderes, sondern aus meiner Sicht als langjĂ€hrige Abgeordnete habe ich festgestellt, dass es zu- mindest fĂŒr die demokratischen Parteien und Fraktionen immer ein wichtiges Anliegen ist. Daher hat die Koalition, auch basierend auf der Engage- mentstrategie, diesen Antrag eingebracht, weil wir sehr wohl sehr wichtig finden, Strukturen zu schaffen, wo wir fĂŒr Initiativen â aber nicht nur fĂŒr sie, aus meiner Sicht (Dennis Haustein) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6372 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 auch fĂŒr Vereine â eine UnterstĂŒtzung liefern, dass sie RĂ€ume bekommen. Deswegen haben wir den Senat mit Ihrer UnterstĂŒtzung jetzt aufgefordert, dass er ein Kon- zept vorlegt. Ich hoffe, es wird im Ausschuss auch so durchgehen. Wir werden es ja auch in der zweiten Lesung abstimmen. Ich glaube, das ist eine gute Weiterentwicklung der En- gagementstrategie. Ich will aber auch festhalten, dass Ehrenamt auch hauptamtliche Strukturen braucht und wir sehr wohl schauen, wo es nötig ist, auch hauptamtlich zu unterstĂŒtzen. Das sind ganz wichtige Aspekte. Dass die Umsetzung beziehungsweise Fortsetzung der Engage- mentstrategie von der letzten Legislatur in dieser Legisla- tur fortgefĂŒhrt wird, halte ich fĂŒr ganz wichtig. Es ist auch wichtig, wenn wir so viele Stakeholder und Beteilig- te an den Tisch holen und sagen, dass wir eine gemein- same Strategie machen, dann soll es nicht nur in einer Legislatur anfangen und enden und dann in der Schubla- de verschwinden, sondern es muss auch ĂŒber den not- wendigen Zeitraum umgesetzt werden. Es ist gut, dass wir es ĂŒber vier Fraktionen hinweg ge- meinsam umsetzen. DafĂŒr will ich mich bei allen Betei- ligten bedanken und wĂŒnsche gute Beratung zu diesem Antrag in unserem Ausschuss und hoffe, dass wir das gemeinsam in der zweiten Lesung durchbringen. â Vielen Dank! Dann folgt nun fĂŒr die Linksfraktion die Kollegin Brei- tenbach.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Was die Kol- legin Radziwill eben gesagt hat, dass wir alle das Ehren- amt unterstĂŒtzen und dass das Ehrenamt der Kitt der Gesellschaft ist, begrĂŒĂe ich, und ich sehe es auch so. Ich teile im Ăbrigen auch viele Punkte, die die Kollegin Kahlefeld genannt hat, vor allem die detaillierten Fragen, die wir schon seit vielen Jahren diskutiert haben und die in diesem Antrag nicht auftauchen. Das finde ich jetzt, ehrlich gesagt, ein bisschen schade, und es hat mich auch ein bisschen enttĂ€uscht. Ich freue mich aber erst einmal, dass wir dieses Thema haben. Wir werden am kommen- den Montag im Ausschuss noch ĂŒber die Raumbörse reden, die es ja schon gibt, die jetzt in diesem Antrag gefordert wird. Ich will aber an dieser Stelle sagen: Dass Sie heute diesen Antrag einbringen und von der Koalition nicht ein Wort dazu gesagt wurde, dass man âMoabit hilftâ jetzt zum Sommer die RĂ€ume weggenommen hat, finde ich, ist ein Armutszeugnis. Wir alle wissen, dass es im Jahr 2015 die Zivilgesell- schaft war â und es war der Beginn von âMoabit hilftâ â, die auf dem GelĂ€nde des LAGeSo geholfen hat. Auf diesem GelĂ€nde waren Menschen unter erbĂ€rmlichen ZustĂ€nden, Menschen in Not, die hierher geflohen waren. â Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Schnauze halten! â Das war ĂŒbrigens ein Zitat. Wir alle wissen, dass sie damals den Laden am Laufen gehalten haben, dass sie den Menschen geholfen haben. Es war ein Staatsversagen, was wir erlebt haben. Es war damals schon einmal ein rot-schwarzer Senat, der bei der Unterbringung der GeflĂŒchteten versagt hat. Es waren âMoabit hilftâ und andere Initiativen, die all die Jahre dafĂŒr gesorgt haben, dass GeflĂŒchtete UnterstĂŒt- zung erhalten, dass GeflĂŒchtete beraten werden, und so weiter und so fort. Ihnen jetzt diese RĂ€ume wegzuneh- men, nachdem sie ewig Miete gezahlt haben, diese RĂ€u- me umgebaut haben und dort ihre Arbeit gemacht haben, ist erbĂ€rmlich. Deshalb erwarte ich wirklich, dass es ganz schnell eine Lösung gibt. Weil hier immer gesagt wird: Muss man mal machen. â Muss man wirklich mal machen und nicht nur reden, und zwar ganz schnell, weil sowohl âMoabit hilftâ als auch die geflĂŒchteten Menschen in dieser Stadt jetzt die Unter- stĂŒtzung dieses Hauses brauchen, und sie erwarten sie auch und sind darauf angewiesen. â Herzlichen Dank! [Beifall bei der LINKEN â Vereinzelter Beifall bei der SPD und den GRĂNEN â Zuruf von Dennis Haustein (CDU) Dann folgt fĂŒr die AfD-Fraktion der Kollege Trefzer.
Lieber Herr Haustein! Seien Sie mir nicht böse, aber das ist wieder so ein typischer CDU-Antrag, mit heiĂer Nadel gestrickt, auf den letzten Metern zusammengeleimt, völ- lig undurchdacht und so unnötig wie ein Kropf. (Ălker Radziwill) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6373 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ganz ehrlich, denn alles, wozu Sie den Senat auffordern, lieber Herr Haustein, wird von der Senatsverwaltung bereits im Rahmen der Engagementstrategie angestrebt. Nichts, was Sie fordern, wĂ€re nicht bereits in Arbeit, auch beim Thema digitale Raumvergabe. Das ist alles in der Anfrage von Frau Dr. Kahlefeld nachzulesen; ich will das hier alles nicht wiederholen, aber der Antrag ist eigentlich vollkommen obsolet, oder Sie meinen es vielleicht als Misstrauensantrag gegenĂŒber der eigenen Verwaltung. Das könnte auch sein. Wo nun liegen die expliziten PferdefĂŒĂe bei Ihrem Kon- zept? Herr Kollege! Bevor Sie die PferdefĂŒĂe erlĂ€utern: Der Kollege Haustein wĂŒrde eine Zwischenfrage stellen wol- len. Möchten Sie die zulassen?
Danke! Ja gerne!
Vielen Dank, Herr Trefzer, dass Sie mich fragen lassen! Ich wollte eigentlich schon Frau Breitenbach fragen, die war aber dann doch ein bisschen schneller auf dem Platz als gewĂŒnscht. Sie zielen so ein bisschen auf die Raum- börse ab, die jetzt bei der Senatskanzlei angesiedelt wur- de. Können Sie vielleicht sagen, wie viele RĂ€ume dort gerade ĂŒberhaupt zur VerfĂŒgung stehen und wie viele davon auch auf öffentlichen FlĂ€chen?
Lieber Herr Haustein! Das können Sie doch der Anfrage von Frau Dr. Kahlefeld entnehmen. Wir bekommen die Antwort in der zweite HĂ€lfte des Jahres. Da mĂŒssen Sie doch Ihren Kollegen im Senat, Herrn Friederici, fragen und nicht mich. Diese Frage, die Sie hier stellen, ist wirk- lich albern! In der Anfrage sind die Antworten des Senats alle enthal- ten, und da heiĂt es, dass im dritten Quartal die digitale Raumbörse und die Digitalisierung kommt. Ich weiĂ gar nicht, warum Sie diesen Antrag noch geschrieben haben. Ich muss es als Misstrauensvotum gegenĂŒber Ihrer eige- nen Verwaltung verstehen. Anders ist es nicht zu verste- hen. Jetzt komme noch einmal zu einigen PferdefĂŒĂen in die- sem Konzept: Der Antrag fordert eine Ăffnung der ĂŒber das Kulturkataster erfassten RĂ€ume fĂŒr das Ehrenamt. Dabei verschwimmen bei Ihnen die SphĂ€re der Kunst und Kultur mit der SphĂ€re des Ehrenamts, wenn Sie bei- spielsweise ĂŒber Amateurmusik, Kunstschaffen, Tanz- gruppen, Malerei und Töpferei in einem Atemzug mit dem Ehrenamt reden. Es fehlt eine klare Abgrenzung und eine klare Analyse von Bedarf und Problemlage. An erster Stelle mĂŒsste erst einmal eine realistische Ermitt- lung des Raumbedarfs stehen, welche Formen des Ehren- amts welche RĂ€ume benötigen. Das fehlt dem Antrag. Zahlreiche Vereine haben beispielsweise eigene RĂ€um- lichkeiten, eigene Vereinsheime. Dass Sie nicht nur das Ehrenamt, sondern auch den Ama- teurbereich aus Kunst und Kultur unterstĂŒtzen wollen, ist grundsĂ€tzlich begrĂŒĂenswert, ist ja gar nicht falsch, aber Sie mĂŒssen die unterschiedliche Herangehensweisen und Bedarfe in Rechnung stellen. Ich sehe eben nicht, dass der vorliegende Antrag uns da in irgendeiner Weise wei- terbringt, weil er die unterschiedlichen Bedarfe ver- mischt. Ein weiterer Punkt: So sinnvoll die Idee ist, existierende RĂ€ume besser zu nutzen, so unterschiedlich ist die Situa- tion auch bei den infrage kommenden Partnern der Raumvergabe, Herr Haustein. Denken Sie nur einmal an Volkshochschulen, Bibliotheken oder Schulen, die ganz unterschiedliche Raumbedarfe zu unterschiedlichen Ta- geszeiten haben. Eine Ăffnung dieser RĂ€ume wĂ€re natĂŒr- lich wĂŒnschenswert, aber auch dazu bedarf es auf den einzelnen Ort abgestimmte individuelle Konzepte, da die Partner sonst eben ganz schnell wieder abspringen und diese ganze digitale Raumbörse sich in Luft auflöst. Mit der Möglichkeit einer Digitalisierung oder einer digitalen Raumvergabe alleine ist es eben noch lange nicht getan. Ich denke einmal, ĂŒber die Details reden wir dann bei Gelegenheit im Ausschuss. â Besten Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Kultur, Engagement und Demokratieförderung. â Wider- spruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Die Tagesordnungspunkte 32 und 33 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 34: MobilitĂ€t von Frauen durch Frauen*nachttaxis verbessern Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2304 In der Beratung beginn die Fraktion Die Linke und das mit dem Kollegen Ronneburg. (Martin Trefzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6374 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Mit diesem Antrag möchten wir den Vor- schlag unterbreiten, wie die MobilitĂ€t von Frauen in Ber- lin verbessert werden kann. Frauen, MĂ€dchen, queere Personen erleben viel öfter sexuelle BelĂ€stigung und sexualisierte Gewalt als MĂ€nner. HĂ€ufig findet diese Gewalt nachts statt. Der nĂ€chtliche Heimweg ist fĂŒr viele leider mit Unsicherheit verbunden. Das können wir nicht dulden, deswegen schlagen wir auch diesen Antrag vor. Wir mĂŒssen MaĂnahmen ergrei- fen, die das SicherheitsgefĂŒhl in der Stadt stĂ€rken, und dass diese Menschen auch gleichberechtigt am Nachtle- ben, was zum gesellschaftlichen Leben dazugehört, teil- nehmen können. Konkret schlagen wir Ihnen nichts Neues vor, sondern ein Modell, das bereits in vielen anderen StĂ€dten und Kom- munen praktiziert wird, ein âFrauen*nachttaxiâ. Was ist das genau? â Es gibt verschiedene Modelle, die sich bei der Art und Höhe der ErmĂ€Ăigung, der Limitierung der Kosten und Kostendeckung von Kooperationen bis hin zu Nutzungsgebieten und Nutzungsberechtigten sowie beim Bestellprozess unterscheiden. Grundsatz ist erst einmal die Ausgangslage. Es darf eben nicht dazu kommen, dass sich Frauen und junge MĂ€dchen, beispielsweise mit nied- rigem Einkommen â denken Sie an SchĂŒlerinnen, die nur ein Taschengeld bekommen â, wenn sie sich nachts be- wegen, zweimal ĂŒberlegen mĂŒssen, ob sie beispielsweise ein Taxi bestellen können und das fĂŒr den Nachhauseweg nutzen. Schauen Sie beispielsweise nach Bremen. Es gibt dort einen ermĂ€Ăigten Taxitarif, der zwischen 22 und 6 Uhr gilt. Ein solcher ermĂ€Ăigter Tarif könnte in Berlin bei- spielsweise mit Fördermitteln des Landes unterstĂŒtzt werden. Es gibt auch ein anderes Modell der ĂPNV- ErgĂ€nzung. Berlin könnte beispielsweise auch einen festen ErmĂ€Ăigungsbeitrag einfĂŒhren, wenn Start und Ziel definierte ĂPNV-Haltestellen sind. Das sind beispiels- weise die Modelle in Stuttgart und Hannover. Da orien- tiert sich die ErmĂ€Ăigungshöhe beim Taxipreis zur Siche- rung der letzten Meile an dem entsprechenden ErmĂ€Ăi- gungstarif, um den ĂPNV-ErgĂ€nzungscharakter abzubil- den. Da wĂ€re zum Beispiel eine Finanzierung durch die BVG zu prĂŒfen. Es gibt auch Gutscheinsysteme. Frauen, Transfrauen und Frauen mit dem Geschlechtseintrag âdiversâ beziehungsweise nicht binĂ€re Personen könnten eine begrenzte Anzahl an Gutscheinen in Anspruch neh- men. Das ist das Modell MĂŒnchen. Wir sind der Meinung, dass der Senat aus unserer Sicht diese Modelle daraufhin prĂŒfen soll, ob sie umgesetzt werden können. Er soll uns bitte KostenschĂ€tzungen vorlegen und möglichst mit den TaxiverbĂ€nden und der BVG in die Erarbeitung eines praktikablen Modells ge- hen. Wir sehen hier vor allem den Bedarf, in die AuĂen- bezirke zu gehen, da, wo der ĂPNV an einigen Stellen noch nicht so stark ausgebaut ist. Lassen Sie mich viel- leicht noch als Fazit ziehen: Wir dĂŒrfen auch nicht die Augen davor verschlieĂen, dass wir im Nahverkehr etwas fĂŒr die Sicherheit machen mĂŒssen, denken Sie an Um- steigebeziehungen, denken Sie an dunkle Ecken, die verĂ€ndert werden sollten, die beleuchtet werden mĂŒssten, denken Sie an die Finanzierung von Aufsichten. Wir hoffen, dass die Koalition sich an anderen StĂ€dten ein Beispiel nimmt, und konkrete Schritte einleiten wird, um ein solches âFrauen*nachttaxiâ-Pilotprojekt in Berlin zĂŒgig einzufĂŒhren und dass die presseöffentliche Aussage der SenASGIVA, die dem bereits im letzten Jahr eine Absage erteilt hat, nicht das letzte Wort dieser schwarz- roten Koalition sein wird. â Danke schön! FĂŒr die CDU-Fraktion folgt der Kollege Kraft.
Herr PrĂ€sident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Ronneburg! Wir sind uns, glaube ich, einig, dass wir wollen, dass wir in dieser Stadt in GĂ€nze, aber insbesondere auch im ĂPNV, in Bus, Bahn und Taxi, sicher unterwegs sind, und zwar jeder, der den ĂPNV benutzt und der sich in dieser Stadt aufhĂ€lt. Jetzt schlagen Sie konkret vor, ein Tarifprodukt fĂŒr Frau- en und queere Menschen zu entwickeln. Sie haben auch verschiedene Beispiele aus unterschiedlichen StĂ€dten angefĂŒhrt. Wenn Sie sich einmal die Erkenntnisse dort anschauen, dann gibt es beispielsweise in MĂŒnchen, Gie- Ăen und OsnabrĂŒck keine Indizien dafĂŒr, dass sich durch diese MaĂnahmen irgendetwas verbessert hĂ€tte. Wenn Sie sich einmal die Zahlen der BVG â die werden ja regelmĂ€Ăig veröffentlicht â anschauen, wie da die Strafta- ten sind, verteilt auf die unterschiedlichen Geschlechter, werden Sie keine AuffĂ€lligkeiten sehen, jedenfalls nicht in relevanter GröĂe. Das einfach mal festgehalten! Es gibt ein Problem mit der Sicherheit im öffentlichen Raum â nicht dass Sie mich da missverstehen â, aber eben nicht nur fĂŒr Frauen, sondern fĂŒr alle. Sie haben das Beispiel MĂŒnchen genannt. Lassen Sie uns einmal rech- nen. Ich habe einmal geschaut: In Berlin leben aktuell 1,87 Millionen Frauen. Wenn Sie das MĂŒnchener Modell nehmen und zugrunde legen und pro Jahr fĂŒnf Gutscheine Ă 10 Euro verteilt werden, dann sind das 93,5 Millionen Euro, die dieses Experiment, das Sie vorschlagen, den Steuerzahler kosten wĂŒrde. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6375 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Um 93,5 Millionen Euro einmal ins VerhĂ€ltnis zu rĂŒcken: Wenn wir einmal schauen, wie viel die BVG pro Jahr fĂŒr Sicherheit ausgibt, und zwar fĂŒr den personellen Sicher- heitsdienst, fĂŒr den Fahrgastservice, fĂŒr das Bahnhofsper- sonal, fĂŒr VideoĂŒberwachung und fĂŒr die Vandalismus- bekĂ€mpfung, dann sind das 94 Millionen Euro, mit 500 000 Euro Differenz exakt der Betrag. Das heiĂt, wenn wir dieses Geld, das Sie fĂŒr dieses Tarifsonderpro- dukt ausgeben wollen, direkt in die Sicherheit bei der BVG stecken wĂŒrden, hĂ€tten wir eine Verdopplung der Sicherungsleistung. Jetzt denken wir einmal ĂŒber stĂ€dte- bauliche KriminalprĂ€vention nach, die Abschaffung von AngstrĂ€umen, das Thema Beleuchtung in öffentlichen RĂ€umen, das Thema VideoĂŒberwachung. Auch da sind 90 oder 95 Millionen Euro sicherlich gut angelegt. Gestatten Sie mir noch ein drittes Beispiel: Im Moment gibt es bei der Polizei bei den Fahrzeugen einen RĂŒckstau von 40 Millionen Euro. Die brĂ€uchte die Polizei, um die Fahrzeuge auf den aktuellsten Stand zu bringen. Das heiĂt: Sie könnten den RĂŒckstau bei der Polizei und den Fahrzeugen, der jetzt da ist, durch die Summe, die Sie hier in den Raum stellen, tatsĂ€chlich verdoppeln, also könnten sozusagen das Doppelte aufholen, was jetzt fehlt. Dann schlagen Sie vor, das Ganze soll evaluiert werden. Da mĂŒssten Sie mir bitte erklĂ€ren â vielleicht machen wir das dann im Ausschuss â, wie Sie sich das genau vorstel- len. Sie mĂŒssten ja schauen: Wie viele zusĂ€tzliche Fahr- ten gibt es denn, oder wie Ă€ndert sich die KriminalitĂ€ts- statistik? Das, glaube ich, sind alles keine validen Indikatoren, die man da irgendwie auch nur ansatzweise an Datenpunkten bekommt. Den bĂŒrokratischen Aufwand haben Sie nicht angespro- chen. Sehen Sie sich an, wie das in MĂŒnchen oder GieĂen lĂ€uft. Wer ist denn da eigentlich berechtigt? â Da muss der Taxifahrer prĂŒfen, was auf dem Ausweis steht. Dann muss noch irgendwie unterschrieben werden, entweder digital oder auf Papier. Dann ist die Frage: Der Zielort darf nur der Wohnort sein. Wie wird dann geprĂŒft, dass die Frau wirklich zu ihrem Wohnort fĂ€hrt? Wie wird das Ganze gegenĂŒber den Taxiunternehmerin- nen und -unternehmern verrechnet? Sie sehen also: Es geht um ganz viele Fragen und eine Menge Geld, die Sie hier in den Raum werfen. Deshalb lassen Sie uns gern im Ausschuss darĂŒber diskutieren, aber so in dieser Form ist der Antrag fĂŒr uns nicht zu- stimmungsfĂ€hig. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Dr. Haghanipour.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kolleginnen! Welche Frau kennt es nicht? Es ist Nacht. Es ist dunkel. Frau will in die U-Bahn steigen, um nach Hause zu kommen. Sie schaut in den einfahrenden Zug und fragt sich: In welchem Waggon sitzen viele MĂ€nner? In wel- chem Waggon sitzen Frauen? Sie setzt sich in den Wag- gon mit den Frauen, denn dort hat sie keine Angst. Das ist der Alltag fĂŒr Frauen und andere marginalisierte Gruppen. Sichere öffentliche Verkehrsmittel: Das ist fĂŒr sie keine RealitĂ€t, und das ist ein Problem. Die Linksfrak- tion hat hier einen Antrag fĂŒr âFrauen*nachttaxisâ einge- bracht, um diesem Problem etwas entgegenzusetzen. Das finden wir GrĂŒne gut. Denn âFrauen*nachttaxisâ können in einer Millionenmet- ropole wie Berlin eine sinnvolle Lösung sein. Klar ist aber auch: Wir mĂŒssen beim ĂPNV insgesamt nachbes- sern: mit besserer Ausleuchtung, aber auch mit geschul- tem und ausreichendem Personal â an dieser Stelle viel Erfolg bei einer guten Lösung fĂŒr die BVG-BeschĂ€f- tigten! Ich freue mich, wenn ich wieder mit der U-Bahn hier ins Abgeordnetenhaus fahren kann. Wir brauchen einen ganzheitlichen Ansatz fĂŒr Frauen, fĂŒr queere Menschen, fĂŒr trans, inter, nonbinĂ€re Personen oder fĂŒr Betroffene von rassistischer Gewalt. Alle mĂŒssen entspannt und sicher unterwegs sein können. Noch einen Punkt möchte ich betonen: In Ihrer BegrĂŒn- dung steht, der Antrag sei dafĂŒr da, damit es weniger sexualisierte Ăbergriffe gibt. Da mĂŒssen wir uns doch fragen: Von wem gehen denn diese Ăbergriffe aus? â Von MĂ€nnern. Ăber 80 Prozent der Gewalttaten gehen von MĂ€nnern aus, und das ist doch das Grundproblem. â Genau! FĂŒr echten Gewaltschutz brauchen wir die Umsetzung der Istanbul-Konvention: mehr PrĂ€vention und nicht weniger, liebe CDU, mehr Programme fĂŒr TĂ€terarbeit. GrundsĂ€tzlich muss das Ziel ein öffentlicher Nahverkehr sein, der fĂŒr alle sicher ist, (Johannes Kraft) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6376 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 wo Frauen und marginalisierte Gruppen unbeschwert in die U-Bahn steigen können. Nicht die sogenannten AngstrĂ€ume sind das Problem, nicht die Frauen, die nachts unterwegs sind: Das Problem sind MĂ€nner, die Gewalt ausĂŒben, und die Gesellschaft, die das ermöglicht. [Beifall bei den GRĂNEN â Vereinzelter Beifall bei der LINKEN â
Was wollen Sie denn mit uns machen?] â Ich bin sehr traurig, dass Sie fast schon zugeben, genau zu dieser MĂ€nnergruppe zu gehören. Frau Kollegin, ich darf Sie fragen, ob Sie eine Zwischen- frage des Abgeordneten Laatsch aus der AfD-Fraktion zulassen möchten?
Ganz sicher nicht. Danke! â Bis wir in einer Gesellschaft leben, in der alle angstfrei und sicher unterwegs sein können, ist das Frauentaxi ein pragmatisches und gutes Angebot. Mehr Sicherheit fĂŒr Frauen: Wir sind dafĂŒr. â Vielen Dank! Dann folgt als NĂ€chstes der Kollege Schopf fĂŒr die
Nein! â Nein, ich mache mal weiter. â Die BVG und die S-Bahn beschĂ€ftigen Sicherheitspersonal und bauen die VideoĂŒberwachung an Bahnhöfen sowie in ihren Fahrzeugen kontinuierlich aus. Schwerpunktbahnhöfe wie Kottbusser Tor oder Her- mannplatz sind durch SicherheitskrĂ€fte rund um die Uhr besetzt. Endbahnhöfe der U-Bahn sind in den Abend- und Nachtstunden von 20 bis 5 Uhr durchgĂ€ngig besetzt. Die Notruf- und InformationssĂ€ulen der BVG laufen in der Sicherheitsleitstelle zusammen, und diese ist ebenfalls 24/7 besetzt. Ăbrigens: Die nötigen Mittel, um diese (Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6377 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 MaĂnahmen auch fortzusetzen und zu intensivieren, hat die Koalition im Doppelhaushalt verankert und erhöht. Bei der Polizei gibt es ein Einsatzkonzept fĂŒr den ĂPNV und eine enge Zusammenarbeit mit der BVG und mit der S-Bahn. Mobile Wachen ergĂ€nzen die StreifentĂ€tigkeit der Funkwagen. Zahlreiche PrĂ€ventionsangebote des LKA und der Abschnitte sprechen gezielt Frauen, Ă€ltere Menschen, Menschen mit Behinderungen und weitere Gruppen an. Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt stellt in allen Bezirken Mittel im Rahmen der kiezorien- tierten Gewalt- und KriminalitĂ€tsprĂ€vention zur VerfĂŒ- gung. MaĂnahmen der stĂ€dtebaulichen KriminalprĂ€venti- on, also gute Beleuchtung, gute Orientierung, Ăbersicht- lichkeit, Barrierefreiheit, VandalismusprĂ€vention, Ord- nung und Sauberkeit werden in den Bezirken ebenfalls gefördert und weitergefĂŒhrt. Fassen wir zusammen: Die Sicherheit von MĂ€dchen und Frauen ist uns allen ein wichtiges Anliegen, und die Koa- lition und dieser Senat setzen sich intensiv und bestmög- lich fĂŒr die Sicherheit aller Menschen in der Stadt ein. Eines Modellprojekts wie von Ihnen, von euch gefordert bedarf es hierfĂŒr aus unserer Sicht nicht. â Herzlichen Dank! Der Abgeordnete Ronneburg aus der Linksfraktion hat um die Gelegenheit fĂŒr eine Zwischenbemerkung gebeten und erhĂ€lt das Wort.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich nutze das nur kurz als Replik auf Herrn Schopf, weil ich jetzt natĂŒrlich noch einmal im PARDOK und auch in der Tagesordnung des Ausschusses fĂŒr Um- welt und Klima nachgesehen habe, was der geneigte Kollege Schopf hier zitiert hat. Wenn man sich diese Tagesordnung des Ausschusses anschaut, ist dort mit- nichten ein Antrag auf der Tagesordnung, der sich mit dem Thema Frauennachttaxi befasst. Es kann auch gar kein Antrag der Linksfraktion gewesen sein, weil das bekanntermaĂen gerade die erste Lesung unseres Antrags fĂŒr ein Frauennachttaxi ist. Insofern kann sich auch keine Kollegin, wie Sie zitiert haben, zu einem Antrag von uns verhalten haben, sondern Sie haben zitiert, dass es hier eine Replik auf eine AfD-Initiative gegeben haben soll. Insofern werden wir diesen Nachforschungen weiter nachgehen, aber was ich hier definitiv ausschlieĂen kann, ist, dass am 6. MĂ€rz im Umwelt- und Klimaausschuss eine Kollegin von uns zu diesem Antrag in irgendeiner Art und Weise Position bezogen hĂ€tte. Es ist ein neuer Antrag von uns, der hier eingebracht worden ist. Heute ist die erste Lesung. Insofern wĂŒrden wir darum bitten, dass diese AntrĂ€ge auch entsprechend behandelt und von der SPD-Fraktion vielleicht auch abwechslungshalber mal inhaltlich beurteilt werden könnten und keine Stilnoten oder anderes verteilt werden wĂŒrden. â Danke schön! Dann möchte der Kollege Schopf offensichtlich antwor- ten und erhĂ€lt auch das Wort.
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Lieber Kristian! Ich habe schon darauf verwiesen, da kann man gerne noch mal einfach in der Mediathek schauen, schaut euch das gerne mal an! Ich kann gerne noch mal was dazu sagen. Ihr fordert unter anderem in dem Antrag das Thema Beleuch- tung. Da hat eure Kollegin im Ausschuss gesagt, das könnt ihr euch, wie gesagt, gerne noch mal anschauen, zum Thema Beleuchtung: Wir können nicht die ganze Stadt ausleuchten. Ihr habt in eurem Antrag das Thema gesonderte Bereiche in den Verkehrsmitteln. Eure Kollegin hat daraufhin gesagt: Also ich finde den Vorschlag falsch, Frauenwag- gons in U-Bahnen einzurichten. Und die allgemeine Situation, da war die Aussage der Kollegin: Ich tue alles dagegen, dass hier so getan wird, als wĂ€re Berlin die unsicherste Stadt der Welt. â Und die Debatte sei ein Angsttraumdiskurs der Siebzigerjahre. â Vielen Dank! Dann folgt jetzt fĂŒr die AfD-Fraktion die Kollegin Au- richt.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Die Links- fraktion hat jetzt also auch das Frauennachttaxi entdeckt. Ja, auf den ersten Blick könnte man ja fast meinen, wir hĂ€tten hier inhaltliche AnnĂ€herung. Denn der Vorschlag, Frauen und MĂ€dchen in Berlin nachts eine sichere Heimfahrt zu ermöglichen, trĂ€gt im Kern ein wichtiges Anliegen, eines, das wir als AfD- Fraktion schon vor einem Jahr in dieses Haus eingebracht haben. (Tino Schopf) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6378 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ja, viele Frauen und MĂ€dchen fĂŒhlen sich in Berlin nach Einbruch der Dunkelheit noch unsicherer, und das ist leider kein GefĂŒhl, das kommt auch nicht aus dem Nichts, sondern das ist Folge Ihrer Politik und leider auch die RealitĂ€t in unserer Stadt. Tausende Straftaten gegen Frauen in den Abend- und Nachtstunden, allein im Jahr 2022 waren es viele Tau- send, besonders konzentriert in den innenstĂ€dtischen Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Diesen Frauen helfen keine Theorie und auch keine gesell- schaftspolitischen Debatten. Sie brauchen in der konkre- ten Situation auch konkrete und verlĂ€ssliche Möglichkei- ten, um sicher nach Hause zu kommen. Glauben Sie mir, mir wĂ€re es am liebsten, wenn es solcher AntrĂ€ge ĂŒber- haupt nicht bedĂŒrfte, wenn wir keine AntrĂ€ge fĂŒr U- Bahn-Waggons nur fĂŒr Frauen oder Frauennachttaxis hĂ€tten. Mir wĂ€re auch lieber, wenn es fĂŒr alle Menschen in dieser Stadt sicher wĂ€re, aber so ist es nicht. Deshalb haben wir als AfD-Fraktion bereits vor einem Jahr ein Modellprojekt fĂŒr ein Frauennachttaxi vorge- schlagen. Ziel war ein niedrigschwelliges, subventionier- tes Angebot, das in zwei besonders betroffenen Bezirken startet und im Anschluss evaluiert und ausgebaut werden sollte. Unser Antrag wurde abgelehnt. Ihre Brandmauer richtet sich nicht nur gegen uns, sondern auch gegen die Vernunft. HĂ€tten Sie diesem Vorschlag damals zugestimmt, könn- ten wir heute bereits erste Ergebnisse evaluieren, statt erneut mit PrĂŒfauftrĂ€gen und Modellvergleichen von vorn zu beginnen. Ein Jahr verschenkt fĂŒr eine ideologische Verpackung! Was Die Linke heute vorlegt, ist kein sicherheitspoliti- sches Konzept, sondern ein Sammelsurium aus Gender- begriffen, vagen PrĂŒfauftrĂ€gen und ideologisch aufgela- denen Zielgruppenformulierungen. Aus dem Frauen- nachttaxi wird ein âFrauen*nachttaxiâ, das auch nicht mehr zwischen biologischen und gefĂŒhlten IdentitĂ€ten unterscheidet. Unser Modell zielt auf konkrete Sicherheit fĂŒr Frauen und MĂ€dchen ab, mit festem Eigenanteil, klarer Rege- lung, einfacher Nutzung per App oder Anruf, nicht mehr und nicht weniger. Der Antrag der Linken hingegen greift zwar Ă€hnliche Ideen auf, erweitert diese aber nun um einen sehr weit gefassten Kreis von Nutzerinnen und Nutzern und verliert sich dabei leider auch in ideologi- schen Formulierungen. Wir möchten es deutlich sagen, wir respektieren die Lebenswirklichkeit vieler Menschen in dieser Stadt, aber wenn es um SchutzmaĂnahmen geht, etwa in einem Nachttaxi, das speziell dem Schutz vor Ăbergriffen dient, dann muss der Fokus auf den Gruppen liegen, die nachweislich besonders gefĂ€hrdet sind, und das sind Frauen und MĂ€dchen. In unserem VerstĂ€ndnis ist es daher nicht zielfĂŒhrend, das Angebot fĂŒr jede beliebige GeschlechteridentitĂ€t zu öffnen, denn damit droht die MaĂnahme an Klarheit zu verlieren, sowohl fĂŒr die Nut- zerinnen und Nutzer als auch fĂŒr die Umsetzung in der Praxis. Wir stehen fĂŒr einen pragmatischen Ansatz fĂŒr Sicher- heit, nicht fĂŒr Symbolpolitik. Unser Vorschlag liegt seit einem Jahr auf dem Tisch. Wenn Ihnen am Schutz von Frauen und MĂ€dchen in Berlin wirklich gelegen ist, dann lassen Sie das uns jetzt gemeinsam mit klaren Regeln, praktischen Lösungen und echtem politischen Willen anpacken. â Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr MobilitĂ€t und Verkehr â federfĂŒhrend â sowie mitbera- tend an den Ausschuss fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung. â Wi- derspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 35: Freie Fahrt fĂŒr Feuerwehr und Rettungsdienste â Pollerideologie darf keine Menschenleben gefĂ€hrden Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2305 In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion mit dem Abge- ordneten Wiedenhaupt.
Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Feuer- wehren und Rettungsfahrzeuge wollen immer schnell und ungehindert jeden Einsatzort in dieser Stadt anfahren können. Wir Berliner legen unsere Gesundheit in die HĂ€nde dieser RettungskrĂ€fte. Wir vertrauen darauf, dass sie alles tun, um uns in einer vielleicht lebensgefĂ€hrlichen Situation schnell und kompetent helfen zu können. Aber in den letzten Monaten mussten wir alle lesen und hören, dass Feuerwehrfahrzeuge immer öfter ausgebremst wor- den sind, weil sie auf Poller zugefahren sind, die sie gar nicht kannten, und dadurch weite Umwege fahren muss- ten oder weil die Poller so aufgestellt worden waren, dass mit den SchlĂŒsseln, die sie dabeihatten, das breite Fahr- zeug trotzdem nicht durchfahren konnte. Folge war Zeit- verlust durch Umfahrungswege oder das Herausnehmen dieser Poller. Betroffen davon ist die Eintreffzeit. Das ist so ein formaler Begriff, aber im Endeffekt entscheidet (Jeannette Auricht) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6379 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 diese Eintreffzeit ĂŒber Leben und Tod. Das darf aus unse- rer Sicht so nicht bleiben. In Berlin besteht derzeit keinerlei gesetzliche Verpflich- tung, die Berliner Feuerwehr und Polizei im Rahmen der Errichtung von Kiezblockaden oder anderen MaĂnahmen zur Verkehrsberuhigung zwingend zu beteiligen. Das birgt das Risiko, dass potenzielle Behinderungen erst sehr viel spĂ€ter auffallen und nicht im Vorfeld erkannt wer- den. Die Praxis im Land Berlin zeigt, dass das unabge- stimmte Aufstellen von Pollern ohne ausreichende Betei- ligung bei den Sicherheitsbehörden zu erheblichen Prob- lemen fĂŒhrt. Was noch hinzukommt, und das ist in einer Metropole wie Berlin eigentlich fast undenkbar, ist, dass es in den Bezirken uneinheitlich gemanagt wird. Teilweise werden Stellungnahmen angefordert. Teilweise gibt es nur eine Kenntnisnahme. In einigen FĂ€llen erfolgt gar keine In- formation und gar keine Einbeziehung. Diese Intranspa- renz kann dazu fĂŒhren, dass RettungskrĂ€fte unvorbereitet auf diese Zufahrtswege, die blockiert sind, fahren, und dies kann Menschenleben kosten. Vor diesem Hintergrund fordern Feuerwehr- und Polizei- verbĂ€nde mit Recht verbindliche Beteiligungs- und In- formationsverfahren. Insbesondere ist es essenziell, die Berliner Feuerwehr frĂŒhzeitig ĂŒber Ănderungen an Ver- kehrswegen zu informieren und sie einzubeziehen. Es gibt dieses sperrige Wort Abmarschfolgenbetrachtung. Was versteckt sich dahinter? â Das ist die interne Rech- nung bei der Feuerwehr: Wie lange brauchen wir, um zu den entscheidenden FĂ€llen zu kommen und helfen zu können? â Jede Ănderung an diesen Strecken erfordert eine rechtzeitige Aktualisierung mit angemessenem Vor- lauf, damit beispielsweise entschieden werden kann, dass nicht das Fahrzeug A, das durch eine Verkehrsberuhi- gung behindert wird, zum Patienten fĂ€hrt, sondern das Fahrzeug B, das zwar einen lĂ€ngeren Weg, aber einen besser erreichbaren Weg hat. Gleichzeitig mĂŒssen geeignete Ausweichrouten fĂŒr den Verkehr geschaffen werden. Bei groĂen EinsĂ€tzen brau- chen diese Feuerwehrwagen fĂŒr Drehleiterwagen und Ăhnliches geeignete AufstellplĂ€tze. Wenn diese verbaut sind, können wir vor Ort nicht retten. Das haben wir ja auch in der KantstraĂe gesehen, ein typisches Beispiel dafĂŒr, dass eine Planung so erfolgte, dass Drehleitern nicht mehr aufgestellt werden können. Jetzt diskutieren wir darĂŒber, ob die Menschen ab dem vierten Stockwerk ausziehen mĂŒssen. Daher sagen wir: Es ist dringend erforderlich, dass der Senat prĂŒft, wie ein verpflichtendes Beteiligungs- und Informationsverfahren fĂŒr Feuerwehr und Polizei bei der Verkehrsplanung und -gestaltung umgesetzt werden kann. Sollte auf dieser Ebene keine wirksame Lösung gefunden werden, ist der Senat aufgefordert, eine Bundesratsinitia- tive zur Anpassung der StVO einzubringen. Eine entspre- chende VerĂ€nderung der StVO könnte beispielsweise festlegen, dass Ănderungen an der StraĂeninfrastruktur, etwa durch Poller und bauliche MaĂnahmen, nur unter verpflichtender Beteiligung der Feuerwehr und Polizei erfolgen dĂŒrfen, um die uneingeschrĂ€nkte Durch- und Zufahrt fĂŒr Einsatzfahrzeuge sicherzustellen. Deshalb appellieren wir: Denken Sie an die Berliner! Denken Sie an die Menschen, die einen Notfall haben, und helfen Sie der Feuerwehr, die helfen will, dann auch helfen zu können! â Herzlichen Dank! Dann folgt fĂŒr die CDU-Fraktion der Kollege Schaal.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! â Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Rot- weiĂ-rote Poller sind grĂŒne Poller. Wenn Sie das nĂ€chste Mal vor einer Durchfahrt stehen, die StraĂe plötzlich endet und es einfach nicht mehr weitergeht, stellen Sie sich doch einfach Ihren grĂŒnen Bezirksstadtrat vor, wie er da steht, Sie ausbremst und sagt: Stopp! Stehen geblie- ben! Keine Durchfahrt! Hier beginnt der grĂŒn- ideologische Sektor. Wie die GrĂŒnen unsere Stadt ausbremsen, ganze Bezirks- teile und Kieze abriegeln und fĂŒr viele Berlinerinnen und Berliner eine Ă€rgerliche GĂ€ngelung hervorrufen â manche empfinden das sogar als schlichte EinschrĂ€nkung ihrer Freiheit. Denn grundsĂ€tzlich muss gelten: Wo es nicht notwendig ist, etwas zu untersagen, ist es notwendig, es nicht zu untersagen. Auch fĂŒr viele Unternehmer und Gewerbetreibende ist der Pollerkult der GrĂŒnen leider existenzgefĂ€hrdend. Lieferanten, Handwerker und Pflegedienste fahren abge- sperrte WohnstraĂen von Ă€lteren Menschen nicht mehr an. Alteingesessenen Unternehmen wird der Liefer- und Ladeverkehr verunmöglicht. Spediteure schleppen Paletten per Hubwagen ganze Stra- ĂenzĂŒge entlang. GeschĂ€ftsschlieĂungen wie in der Fried- richstraĂe und Leerstand sind die Folge Ihrer grĂŒnen Pollerpolitik. (Rolf Wiedenhaupt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6380 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 [Lachen bei den GRĂNEN â
Aah!] Aber es gibt eine weitere, sehr dramatische Folge: Was, wenn solche Poller der Feuerwehr die Durchfahrt ver- sperren? Was, wenn in Notsituationen jede Sekunde zĂ€hlt? Was, wenn es wirklich darauf ankommt, schnell durchzukommen? â Da hört man von Ihren Bezirksstadt- rĂ€ten: Alles kein Problem, die Poller sind ja umlegbar. Die reale Antwort der Berliner Feuerwehr dazu ist klar: Jeder Poller, der versenkt, umgelegt oder herausgenom- men werden muss, stellt einen Zeitfaktor dar. Die Durch- schnittszeit fĂŒr das Lösen und Umklappen eines Pollers betrĂ€gt nach Angaben unserer Feuerwehr etwa eine Mi- nute. Eine Minute kann in Notfallsituationen ĂŒber Leben und Tod entscheiden. Daher ist eine enge Abstimmung und Koordination drin- gend notwendig. Leider haben wir zu oft erlebt, dass diese unterbleibt, weil BezirksĂ€mter eigenmĂ€chtig han- deln. Wenn es brennt oder ein medizinischer Notfall vorliegt, sind aber konkret Menschenleben in Gefahr. Diese RechtsgĂŒter ĂŒberwiegen bei Weitem jeden grĂŒnen Traum vom autofreien PollerbĂŒ in Berlin. Das Problem ist real, und es verdient eine ernsthafte Aus- einandersetzung. Jetzt zum vorliegenden Antrag der AfD. Sie greifen zwar eine berechtigte Sorge auf, Sie Ă€uĂern sich zu den bestehenden Problemen, aber Sie machen es mal wieder schlecht und halbherzig! Sie fordern den Senat auf zu prĂŒfen, inwieweit man eine Beteiligung der Feuerwehr und Polizei auf Landesebene gesetzlich ver- ankern kann, aber Sie machen keinen Vorschlag wie, Sie machen keinen Vorschlag wo, und Sie werfen uns hier einen Antrag hin, in einem einzigen Satz ĂŒber fĂŒnf Zei- len, ohne auch nur einen einzigen konkreten Weg zur Lösung aufzuzeigen. Der Antrag zeigt Ihre MĂŒdigkeit und Lustlosigkeit an echter Detailarbeit und an echter Problemlösung! [Beifall bei der CDU â
Ziemlich schal, Herr Schaal!] Deswegen werden wir Ihren Antrag selbstverstĂ€ndlich ablehnen. Wir sind angesichts des Problems froh, dass sich unsere Innensenatorin Iris Spranger um das Thema kĂŒmmert und in der Innenministerkonferenz bereits Lösungen hierzu vorantreibt. Wie das mit dem Antrag geht, werden wir Ihnen als Koa- lition bald zeigen, denn wir arbeiten derzeit an echten Lösungen fĂŒr die fehlende Beteiligung von Polizei, Feu- erwehr, Bundeswehr, aber auch Katastrophenschutz. Wir wollen prĂŒfen. Wir wollen festlegen, dass das bei uns auch schon auf der Landesebene gesetzlich mit einbezo- gen wird, und wir setzen natĂŒrlich auch darauf, dass sich die neu bildende Bundesregierung dafĂŒr einsetzt, das in der StraĂenverkehrsordnung entsprechend anzupassen. Schon jetzt möchte ich die grĂŒnen BezirksstadtrĂ€te in unseren Bezirken auffordern: Beenden Sie den Wild- wuchs von Pollern, Kiezblocks und StraĂensperren in unserer Stadt! Kehren Sie zurĂŒck zu einer ausgewogenen Verkehrspolitik, die auch die in den Blick nimmt, die in NotfĂ€llen schnell durchkommen mĂŒssen und die die Rettungswege offen halten. Die Leidtragenden von PollerbĂŒ sind nicht nur die Auto- fahrer, sondern all diejenigen, die im Notfall auf schnelle Hilfe angewiesen sind. Sie können sich auf uns als CDU verlassen. Wir werden uns in Berlin und im Bund dafĂŒr einsetzen, dass Rettungswege ĂŒberall befahrbar sind und dass im Notfall Feuerwehr und Polizei schnell durch- kommen. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. hat der Kollege Franco das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Radwegestopp, Tramstopp, BVG- und S-Bahn- Krise, und selbst mit dem Auto kommt man in Berlin nicht mehr voran â genug Probleme, um die wir uns hier kĂŒmmern könnten, doch stattdessen ĂŒberbieten sich AfD und CDU in wohlfeiler Anti-Poller-Propaganda. Wollen Sie wissen, was auf Berlins StraĂen Menschenle- ben gefĂ€hrdet? â Ich empfehle Ihnen einfach einen Blick in die Verkehrsunfallbilanz 2024: 55 Tote, 16 000 Ver- letzte. Wo bleibt da Ihr Aufschrei? Wo sind da Ihre For- derungen nach sicheren StraĂen, Polizeikontrollen oder StrafverschĂ€rfung? Sie sind doch sonst nicht so zurĂŒck- haltend an dieser Stelle. Aber stattdessen hat allen voran die CDU den Kampf gegen jeden einzelnen Poller in dieser Stadt zur Herzens- sache erklĂ€rt. (Lucas Schaal) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6381 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 â Schön, dass Sie klatschen, lieber Kollege, aber wenn es dann um Verkehrssicherheit geht â Stille! Wenn Sie wollen, können wir auch gerne ĂŒber Poller reden. Die Wahrheit ist nĂ€mlich: Poller schĂŒtzen Leben. In den Bezirken stellen selbst CDU-StadtrĂ€te still und heimlich Poller auf. Warum? â Poller machen StĂ€dte lebenswerter. Deshalb befinden die sich nicht nur in Berlin, sondern auch in Barcelona, Paris oder Kopenhagen. Sie reduzieren den Durchgangsverkehr, erschweren Raserei und sorgen fĂŒr weniger LĂ€rm, bessere Luft und ruhigere Kieze. Die Verkehrsberuhigung ist schlieĂlich kein Selbstzweck. Es geht um die Sicherheit von Seniorinnen, Senioren und Kindern, mehr Sicherheit auf öffentlichen PlĂ€tzen oder auf dem Schulweg, mehr Sicherheit, weniger Verletzte: Das ist der Grund, warum es Poller gibt! [Beifall bei den GRĂNEN â
So ein Quatsch! Das stimmt nicht!] Ich sehe schon, die Abgeordneten von der CDU kriegt man hier nicht ĂŒberzeugt, zumindest solange die Poller nicht von der Firma Bögl aufgestellt werden. Es wĂ€re ĂŒbrigens auch ein Einfaches, die Pollerfrage zu lösen. Ein Poller fĂ€llt schlieĂlich nicht einfach so vom Himmel, und Beteiligung ist ĂŒbrigens heute schon die Regel und nicht die Ausnahme. Aber ich frage mich doch viel mehr: Warum gibt es in Berlin kein zentrales System, wo alle StraĂen mit all ihren verkehrsrelevanten Merkmalen â Pollern, vielleicht sogar Baustellen â erfasst sind? Warum fahren auch die meisten Fahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst bis heute ohne aktuelle Navigationssys- teme? Und warum gibt es unter diesem Senat eigentlich keine Investition fĂŒr ferngesteuerte und absenkbare Pol- ler? Warum will denn diese Koalition nichts von alldem? â Es ist ganz einfach: Poller schĂŒtzen Leben, genauso wie die EinsatzkrĂ€fte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Und selbst die sagen Ihnen, wenn Sie mal zuhö- ren wĂŒrden: Das Problem sind vor allem Autos, die in zweiter Reihe oder in der Feuerwehreinfahrt parken, schmale StraĂen blockieren oder eben keine Rettungsgas- se bilden. Ich frage Sie, liebe Koalition: Wann fordern Sie statt weniger Poller weniger Autoverkehr auf Berlins ĂŒberfĂŒll- ten StraĂen? â Ja, wenn Sie ĂŒberfĂŒllte StraĂen wollen, dann tun Sie auf jeden Fall dem Rettungsdienst und der Polizei damit keinen Gefallen. Es wĂ€re ein einfaches und notwendiges Bekenntnis, und selbst das kriegen Sie nicht ĂŒber die Lippen. Also wenn hier jemand Berlin ausbremst, dann sind das nicht die rot-weiĂen Poller, dann ist es die schwarz-rote Koalition. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat nun der Kolle- ge Matz das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Das hĂ€tte man ja fast erwarten können, dass wir hier ĂŒber die scheinbar harmlose Pollerfrage â die einen finden sie schön und hilfreich, die anderen finden sie hĂ€sslich und weniger hilfreich â die schönste ideologische Pollerdiskussion gleich bekommen. Deswe- gen will ich ganz am Anfang sagen: Es geht, zumindest fĂŒr uns als SPD-Fraktion, bei dieser Frage nicht darum, die Verkehrswende durch die HintertĂŒr wieder abzuwi- ckeln und durch etwas völlig anderes zu ersetzen, sondern es ist eine ganz pragmatische Fragestellung, die sich hier ergibt: Stimmt es, wenn die Berliner Feuerwehr sagt: Wir werden im Einzelfall durch solche Hindernisse so stark eingeschrĂ€nkt, dass wir spĂ€ter ankommen bei einem Not- fall, als das sonst der Fall gewesen wĂ€re â, und, wenn das so ist, liegt das daran, dass die Berliner Feuerwehr bei der Einrichtung solcher MaĂnahmen im StraĂenraum nicht angemessen beteiligt worden ist, also nicht mitreden und sagen durfte: Das macht ihr mal nicht? Da geht es nicht darum, es gar nicht zu machen, sondern zu sagen: Macht das doch mal bitte nicht so, sondern lieber so, dann kommen wir da auch durch! â Das ist das eigentliche Thema, und das haben wir natĂŒrlich auch erkannt. Deswegen haben wir es von uns aus im Innenausschuss als Besprechungspunkt der Koalition auf die Tagesord- nung gesetzt und ausfĂŒhrlich darĂŒber gesprochen und gesagt: Wir mĂŒssen hier etwas tun, weil es tatsĂ€chlich nicht angehen kann, dass immer wieder solche MaĂnah- men ergriffen werden, ohne dass die Feuerwehr mit am Tisch sitzt und selbst auch Rat geben und dafĂŒr sorgen kann, dass sich ihre Einsatzzeiten nicht verlĂ€ngern. Das Beispiel vom Lausitzer Platz genauso wie auch das Bei- spiel mit dem Fahrradstreifen auf der KantstraĂe sind zwei prominente Beispiele, bei denen man sagen muss: So nicht! â, sondern man muss das einfach anders ma- chen. (Vasili Franco) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6382 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Herr Kollege! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Ab- geordneten Franco?
Ja! â Bitte schön! Bitte schön!
Vielen Dank, Herr Kollege Matz! Ich möchte auch zur sachlichen Debatte etwas beitragen. [Vereinzelter Beifall bei der AfD â
Oh! â Heiterkeit â Zuruf von Heiko Melzer (CDU)] Sie wollen ja immer, dass ich Anfragen stelle. Das habe ich auch in diesem Fall gemacht und habe mal gefragt: In wie vielen FĂ€llen können Sie uns aufzeigen, dass keine Beteiligung erfolgt ist? â Da konnte mir der Senat keinen Sachverhalt nennen. Also wĂŒrden Sie sagen, wenn es berechtigte EinzelfĂ€lle gibt, dann gilt es, sie zu ĂŒberprĂŒ- fen? Aber wir haben doch hier kein strukturelles Problem. Ăber Verbesserungen lĂ€sst sich gerne reden.
Herr Kollege! Dass es bei der KantstraĂe nicht gerade gut gelaufen ist und der dortige Radstreifen, den man als Fahrradfahrer erst mal schön finden kann â da bin ich auch schon ein paar Mal langgefahren, er hat so ein leich- tes GefĂ€lle, da können Sie richtig vorankommen, alles gut â, keine geplante verkehrliche MaĂnahme war, konn- ten Sie schon an der gelben Farbe des Radstreifens er- kennen. Das heiĂt, hier ging es gerade nicht um ein ord- nungsgemĂ€Ăes Verfahren mit einer vorherigen Beteili- gung aller Betroffenen und aller Behörden. Vielleicht ist es ja auch möglich, dass wir in Zukunft â Stichwort: Verwaltungsreform â durch ein Landesorganisationsge- setz, in dem wir festlegen, dass immer einer zustĂ€ndig ist, der, der zustĂ€ndig ist, aber alle anderen Betroffenen auch immer einzubinden hat, auch solche Fragen damit in den Griff bekommen. Wie gesagt, es geht nicht darum, alles zurĂŒckzudrehen, alles ganz anders zu machen. Das ist keine, nicht vorwiegend verkehrspolitische Frage, die wir hier diskutieren, sondern vor allem eine, wie die Feuer- wehr eingebunden wird. Und da wollen wir â â Herr Kollege! Darf ich Sie fragen, ob Sie auch eine Zwi- schenfrage der Kollegin HassepaĂ gestatten?
Na, jetzt wollte ich gerade zum Schluss ansetzen â nein danke! â Deswegen ist es auch so, dass es nicht Sinn macht, wenn man eine Bundesratsinitiative von vorn- herein in das Vorhaben einplant, denn eine Bundesratsini- tiative zu dieser Frage, mit der wir in Berlin ein Problem haben, endet zum Schluss als eine politische Beerdigung zweiter Klasse; dabei kommt gar nichts herum. Deswe- gen werden wir bei diesem Thema als Koalition tĂ€tig. Wir werden das Problem angehen. Aber das, was dann dabei herauskommt: Wenn wir doch noch mit einer Bun- desratsinitiative hier ankommen, das können Sie sich auf Wiedervorlage legen, das wĂ€re tatsĂ€chlich kleines Karo und hilflos. Das werden wir deswegen versuchen zu ver- meiden. Sie jedenfalls als antragstellende Fraktion sind da heute schon. Der AfD-Antrag ist genau das: kleines Karo mit der Bundesratsinitiative, die nachher gar nicht funktio- niert, und daher ein hilfloser Versuch. Wir machen es hoffentlich besser. Vielen Dank! â FĂŒr Die Linke hat nun der Abgeordnete Schrader das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist völlig klar: Worum es der AfD hier nicht geht, ist die Arbeit der Feuerwehr und der Rettungsdiens- te. Worum es ihr geht, ist die Verteidigung des Autos und der Kampf gegen jede Verkehrsberuhigung. â Ehrlich gesagt, Herr Schaal, wenn ich Ihre Rede so höre, war Ihr Redebeitrag fast noch ein bisschen schlimmer als der von der AfD in dieser Richtung. Ich glaube, wir können bei dem Thema alle mal auf dem Teppich bleiben. Verkehrsberuhigung durch Poller und andere modale Filter, das ist doch auf der ganzen Welt auf dem Vormarsch. Vielerorts hat man verstanden, dass weniger Autos mehr LebensqualitĂ€t bedeuten und eben auch mehr Verkehrssi- cherheit bedeuten können, auch weniger Tote. Mit einer vernĂŒnftigen Planung und Beteiligung ist das auch kein Widerspruch zur EinsatzfĂ€higkeit der Feuerwehr. Dann braucht man es einfach nur zu machen. Da braucht man auch nicht die StraĂenverkehrsordnung zu Ă€ndern; das Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6383 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 muss man machen. Das kann man sicher hier und da noch mal verbessern in Berlin, aber was glauben Sie denn, was in einer Stadt wie Paris passiert? â Die ganze Stadt ist doch verkehrsberuhigt. â Herr Schaal! Reisen Sie da lieber nicht hin, ist alles voller Poller, ĂŒberall, ganz schlimm! Aber da kommt die Feuerwehr doch auch nicht mit einem Flugtaxi. Die haben das hinbekommen. Der Poller ist im konkreten Einsatz leichter zu umfahren oder auch umzulegen als der Poller in den Köpfen von manchen Autoideologen, muss man sagen. In Berlin können wir darĂŒber reden, wie die Feuerwehr und der Rettungsdienst besser und schneller zum Ziel kommen, aber die Berliner Feuerwehr erhebt noch nicht einmal, was die gröĂten, die hĂ€ufigsten Hindernisse auf dem Weg zum Einsatz sind. Sind es falsch parkende Autos, schlecht geplante Baustellen, Stau, verstopfte StraĂen, Autofahrer, die keine Rettungsgasse bilden? â Das wissen wir nicht so genau. Aber wenn wir ĂŒber die freie Fahrt fĂŒr Feuerwehr und Rettungsdienst diskutieren, dann sollten wir das auf der Grundlage von Fakten ma- chen. Wer das auf Poller reduziert, der instrumentalisiert wirklich das Thema. Das geht auch an Sie, Frau Innensenatorin! Sie haben da auch mal den einen oder anderen Spruch in diese Rich- tung geklopft. Das mit den Fakten und Erhebungen, da können Sie wirklich zur Klarheit und zur Diskussion beitragen. Da ist Luft nach oben. Das können wir wirk- lich rationaler diskutieren, wenn wir denn die Informatio- nen dazu haben, und dafĂŒr können Sie dann auch etwas tun. â Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Me- dien sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung und an den Ausschuss fĂŒr Mobi- litĂ€t und Verkehr. â Widerspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 36 war PrioritĂ€t der Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen unter der Nummer 4.4. Tagesord- nungspunkt 37 steht auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 38: Stabsstelle der Landestierschutzbeauftragten gesetzlich verankern Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2310 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. â Bitte schön, Herr Dr. Taschner, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beobachten derzeit eine ĂŒberaus besorg- niserregende Entwicklung im Berliner Tierschutz. Nach dem Tierschutzkahlschlag der letzten Jahre macht die CDU nun fröhlich und ohne RĂŒcksicht auf Verluste wei- ter. Getroffen hat es diesmal wieder Berlins Landestier- schutzbeauftragte, eine TierschĂŒtzerin, die es mit dem Tierschutz in Ihren Augen, liebe CDU, einfach zu ernst meinte und zu unbequem wurde. Die Antwort der Justiz- senatorin kam deshalb prompt: vier Abmahnungen, Pres- searbeit verboten, freigestellt. Was bleibt, ist ein groĂes Loch im Berliner Tierschutz und eine Ungewissheit, die Unzufriedenheit macht. Die jĂŒngsten Ereignisse werfen aber auch ein erschreckendes Licht auf den Umgang des Senats und speziell der CDU-Senatorin mit kritischen Stimmen im Tierschutzbereich. Frau Herrmann verstand sich immer schon als unabhĂ€ngige Stimme fĂŒr den Tier- schutz in unserer Stadt. Sie setzte sich unermĂŒdlich fĂŒr die Belange der Tiere ein und scheute auch nicht davor, MissstĂ€nde offen anzusprechen. Doch statt die Expertise und ihr Engagement zu wĂŒrdigen, wurde sie einfach kaltgestellt. Seitdem ist die Stabsstelle der Landestier- schutzbeauftragten auch handlungsunfĂ€hig. Ein inakzep- tabler Zustand, den wir so nicht lĂ€nger hinnehmen dĂŒrfen. Dieses Vorgehen erweckt auch eher den Eindruck, dass unbequeme Wahrheiten einfach unterdrĂŒckt werden sol- len. Es scheint so, als wolle die CDU-Senatorin einfach nur eine Tierschutzbeauftragte, die schweigt, den Mund hĂ€lt, anstatt MissstĂ€nde offen zu benennen. Doch das Ganze passt dann schon auch in das gröĂere Bild. Pro- gressiver Tierschutz ist einfach mit der CDU nicht zu machen. ZunĂ€chst wurden drastische KĂŒrzungen im Tier- schutzetat vorgenommen. Konkret wurden 96 Prozent der Mittel gekĂŒrzt. Das hat viele Projekte in der Stadt zu- nichtegemacht und den Tierschutz in unserer Stadt mas- siv geschwĂ€cht. Und als nĂ€chstes ist eben nun die Stabs- stelle der Landestierschutzbeauftragten dran. Herr Kollege, darf ich Sie fragen, ob Sie eine Zwischen- frage des Abgeordneten Rissmann gestatten? (Niklas Schrader) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6384 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025
Nein. â Die CDU hatte eben noch nie ein Herz fĂŒr Tiere. Aber nun drĂ€ngt sie den Tierschutz zugunsten eigener politischer Interessen in den Hintergrund und tritt das Staats- und Landesziel mit FĂŒĂen. Tierschutz hat keine politische FĂ€rbung. Wer Tiere wirklich schĂŒtzen will, muss MissstĂ€nde progressiv angehen können, egal wer gerade regiert. Deshalb fordern wir in dem vorliegenden Antrag die gesetzliche Verankerung der Stabsstelle der Landestier- schutzbeauftragten, damit dort unabhĂ€ngig und ohne politischen Maulkorb agiert werden kann. Denn es bleibt ja zu befĂŒrchten, dass es bei der Freistellung nicht bleibt, sondern dass die ganze Stabsstelle in die Bedeutungslo- sigkeit umstrukturiert wird oder trotz der Beteuerungen der Senatorin gestern im Ausschuss gar mit der Aufstel- lung des neuen Doppelhaushalt einfach mal komplett verschwindet und abgeschafft wird. Doch wer es mit dem Tierschutz in Berlin ernst meint, der darf das nicht zulas- sen. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam dafĂŒr sorgen, dass der Tierschutz in unserer Stadt nicht vollends gegen die Wand gefahren wird. â Vielen Dank! Vielen Dank! â Und fĂŒr die CDU-Fraktion hat nun die Abgeordnete Gertig das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Alle Jahre wieder. Heute ist wieder die Stelle der Tierschutzbeauf- tragten oder eines Tierschutzbeauftragten Thema hier im Abgeordnetenhaus. UrsprĂŒnglich als Ehrenamt einge- setzt, wurde 2017 die Stabsstelle eines hauptamtlichen Tierschutzbeauftragten durch den seinerzeit grĂŒnen Jus- tizsenator eingerichtet. Rechtlich und politisch ist die Stabsstelle nach wie vor in der Senatsverwaltung fĂŒr Justiz angesiedelt. Dies hat sich bewĂ€hrt. Es wird damit sichergestellt, dass das Handeln im Einklang mit den politischen und administrativen Zielen des Senats steht. Die Stabsstelle ist fĂŒr die Beratung des Senats, der Be- hörden und die Information der BĂŒrger zustĂ€ndig. Es gibt keine Hinweise, dass eine Neuordnung des Amts eine deutliche Verbesserung oder ĂŒberhaupt eine Verbesse- rung des Tierschutzes bringt. Eine Umstrukturierung wĂŒrde unnötig Verwirrung stiften, Ressourcen binden, die anderweitig besser fĂŒr den Tierschutz eingesetzt wer- den können. Folglich besteht kein Bedarf an einer Ănde- rung der Rechtsstellung. Lassen wir die politischen Spie- lereien und halten wir an einem System fest, das funktio- niert. â Ich danke Ihnen! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat die Kollegin LĂŒdke das Wort. â Bitte schön! â Entschuldigung! Ich habe mich vertan und einen zu frĂŒh angeklickt. Erst mal hat fĂŒr die Fraktion Die Linke die Abgeordnete Seidel das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! In Berlin kann man ĂŒber so einiges strei- ten, aber auf eines kann man sich ganz sicher verlassen: Irgendwo ist immer eine Taube. Tauben auf dem Alexan- derplatz haben damit aber mehr Sichtbarkeit als der Tier- schutz in der Berliner Verwaltung. Es ist nicht ĂŒberraschend, dass eine einzige Freistellung schon ausreicht, um eine ganze Debatte ĂŒber die Zukunft des Berliner Tierschutzes auszulösen, denn sie berĂŒhrt einen wunden Punkt, und zwar die VerlĂ€sslichkeit politi- scher Strukturen. Und sie trifft einen Bereich, in dem sehr viele Berlinerinnen und Berliner sehr wohl genau hin- schauen. Eine Landestierschutzbeauftragte ist nicht einfach nur ein AushĂ€ngeschild. Sie ist eine fachliche Stimme mit einer eigenen Expertise, die Berlin in der Tierschutzpolitik vorangebracht hat. Diese Rolle kann man nicht einfach freistellen, und wir dĂŒrfen sie auch nicht kleinrechnen. Mit dieser Freistellung steht nicht einfach nur eine Perso- nalie im Raum, sondern die Frage, wie Berlin kĂŒnftig mit dem Tierschutz umgeht; strukturell, finanziell, politisch. Was ist ihre Rolle? Was gehört zum Aufgabenprofil? Wie viel Wirksamkeit trauen wir dem Tierschutz auf Landes- ebene ĂŒberhaupt zu? Diese Debatte fĂŒhren wir als SPD- Fraktion mit groĂem Ernst und mit Respekt gegenĂŒber allen, die sich dafĂŒr engagieren, in der Verwaltung, in den Bezirken und auch in der Zivilgesellschaft. Aktuell erleben wir aber in der Senatsverwaltung tatsĂ€chlich eine Entwicklung, bei der zentrale Funktionen wie Ăffentlich- keitsarbeit, Projektförderung oder Beraten der Bezirke offenbar nicht mehr selbstverstĂ€ndlich zum Profil gehö- ren sollen. Das ist ein struktureller RĂŒckschritt, und das ist auch ein politisches Signal. Wenn genau diese Aufgaben dann plötzlich entfallen und nicht mehr eigenstĂ€ndig gefĂŒhrt werden können, dann ist das kein Umbau. Das wĂ€re ein RĂŒckschritt, und den se- hen wir mit groĂer Sorge. Tierschutz verdient VerlĂ€sslichkeit in der Struktur, in der Finanzierung und in der politischen Haltung. Berlin braucht einen Tierschutz, der nicht einfach nur mitlĂ€uft, sondern Impulse gibt, der sichtbar ist, der kritisch sein darf und nicht alle zwei Jahre neu verhandelt wird. Tierschutz ist kein Zusatzprogramm. Er ist Ausdruck davon, wie wir als Gesellschaft mit SchwĂ€cheren umge- hen, mit den Tieren, die mit uns leben, aber keine Stimme haben. Und dazu gehört eine zentrale Ansprechstelle, die fach- lich wirksam ist, die Perspektiven aus der Zivilgesell- schaft ernst nimmt und die Verwaltung kompetent berĂ€t. Der Antrag der GrĂŒnen schlĂ€gt eine gesetzliche Veranke- rung vor. Wir teilen das Ziel, Tierschutz institutionell abzusichern, ĂŒber Parteigrenzen und Haushaltslagen hinaus. Ob das Gesetz jetzt erfolgen sollte, werden wir in der Fraktion sorgfĂ€ltig prĂŒfen. Entscheidend ist: Es braucht eine zentrale Stelle, die wirksam arbeiten kann, die sichtbar ist und die Tierschutzanliegen in Verwaltung und Ăffentlichkeit vertritt. (Katrin Seidel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6386 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Wer den Tierschutz in Berlin ernst nimmt, darf ihn nicht im Verwaltungsalltag versickern lassen, und er muss sich daran messen lassen, wie er mit der Struktur umgeht, die sich ĂŒber Jahre bewĂ€hrt hat, bei allen Herausforderungen. Wer den Tierschutz ernst nimmt, der darf ihn nicht leiser stellen, nicht durch Haushaltsvorgaben, nicht durch struk- turelle Auflösung und schon gar nicht durch politische Beliebigkeit. Die Berliner Tierschutzpolitik verdient VerlĂ€sslichkeit, und die werden wir einfordern. Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordne- te Vallendar das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir unterhalten uns hier ĂŒber die Stelle der Tier- schutzbeauftragten, und wenn man sich das Ganze als AuĂenstehender anschaut, dann fragt man sich eigentlich, warum. Was man feststellt, ist, dass es sich hier um ein TheaterstĂŒck zwischen den GrĂŒnen und der CDU handelt, die sich im Prinzip darĂŒber streiten, was sie mit dieser Tierschutzbeauftragtenstelle eigentlich machen wollen. Wir hatten den Tierschutzbeauftragten im Land Berlin bis 2017 als Ehrenamt, damals gefĂŒhrt von Prof. Dr. Spiel- mann, der das auch sehr gut gemacht hat. Dann haben Sie gesagt: Nein, nein, jetzt machen wir das zu einer haupt- amtlichen Stelle. â Damit haben Sie natĂŒrlich auch die UnabhĂ€ngigkeit dieser Stelle eigentlich abgeschafft, denn als es noch ein Ehrenamt war, war es tatsĂ€chlich unab- hĂ€ngig und hat sich auch so verhalten. Wir haben hier auch regelmĂ€Ăige Tierschutzforen im Berliner Abgeord- netenhaus gehabt, und im Prinzip war die Tierschutzar- beit damals nicht schlechter als jetzt. Jetzt haben wir hier Abmahnungen, Freistellungen, arbeitsgerichtliche Ver- fahren, Streit um die Kompetenzen und eine teure Tier- schutzbeauftragtenstelle, bei der man sich fragt: Was ist eigentlich der Nutzen fĂŒr den Berliner Tierschutz? â Ich sage: Der Berliner Tierschutz gehört ins Parlament und nicht in eine Beauftragtenstelle. Was sind die wesentlichen Themen im Berliner Tier- schutz? â Das ist zum einen natĂŒrlich die Frage, wie man mit Fundtieren umgeht, die Problematik von Tiersammel- stellen, insbesondere natĂŒrlich die Problematik des Tier- heims Berlin, welches enorm hohen Energiekosten ausge- setzt ist, das sind die Fragen der VeterinĂ€rĂ€mter, die per- sonell nicht ausreichend ausgestattet sind, um ihren Kon- trollaufgaben nachzukommen. Das sind die maĂgeblichen Fragen des Tierschutzes und nicht die Frage, ob eine Tierschutzbeauftragte, die den GrĂŒnen nahesteht, mög- licherweise noch unabhĂ€ngiger sein sollte, damit sie sozusagen gegen die Regierung, also gegen die CDU, arbeiten kann. Das sehen wir nicht fĂŒr erforderlich an, deswegen werden wir den Antrag nicht unterstĂŒtzen. â Vielen herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten, GeschĂ€ftsordnung, Verbraucherschutz sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Umwelt- und Klimaschutz. â Wi- derspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 39 war PrioritĂ€t der Fraktion der CDU unter der Nummer 4.2. Ich rufe auf lfd. Nr. 39 A: SolidaritĂ€t mit den demokratischen KrĂ€ften in unserer Partnerstadt Istanbul Dringlicher Antrag auf Annahme einer EntschlieĂung der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2334 in Verbindung mit lfd. Nr. 39 B: FĂŒr Freiheit und Demokratie einstehen! â Berliner Parlament zur Inhaftierung des Istanbuler BĂŒrgermeisters İmamoÄlu Dringlicher Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke auf Annahme einer EntschlieĂung Drucksache 19/2335 Der Dringlichkeit haben Sie bereits eingangs zugestimmt. In der Beratung beginnt die Fraktion der SPD. â Bitte schön, Frau Abgeordnete KĂŒhnemann-Grunow, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau PrĂ€sidentin Seibeld hat heute bereits zu Beginn der Sitzung auf die Inhaftierung des OberbĂŒrgermeisters von Istanbul Ekrem İmamoÄlu Bezug genommen. Jetzt schlieĂt sich der Kreis mit dieser Ent- schlieĂung. Es ist jetzt einen Tag mehr als eine Woche her, dass der OberbĂŒrgermeister von Istanbul festgenom- men wurde, inzwischen auch des Amtes enthoben wurde. (Tamara LĂŒdke) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6387 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Ein faires Verfahren nach rechtsstaatlichen Prinzipien im Umgang mit den mutmaĂlichen VorwĂŒrfen von Korrup- tion und angeblicher TerrorunterstĂŒtzung wurde dabei nicht gewĂ€hrleistet. Es scheint so, dass inzwischen jeder, der im demokratischen Diskurs eine Gefahr fĂŒr den PrĂ€- sidenten der TĂŒrkei darstellt, der TerrorunterstĂŒtzung bezichtigt wird. Die Verhaftung des Istanbuler OberbĂŒrgermeisters erfĂŒllt uns mit Empörung und Besorgnis. Seine Festnahme nur wenige Tage vor seiner Ernennung zum PrĂ€sidentschafts- kandidaten der CHP, der gröĂten Oppositionspartei in der TĂŒrkei, stellt einen offensichtlichen Versuch dar, einen starken demokratischen Herausforderer zum Schweigen zu bringen. Ekrem İmamoÄlu genieĂt groĂe UnterstĂŒtzung weit ĂŒber die Grenzen Istanbuls hinaus. Erst am vergangenen Sonn- tag wurde er offiziell zum Kandidaten der CHP fĂŒr die nĂ€chste PrĂ€sidentschaftswahl in der TĂŒrkei gewĂ€hlt. Sei- ne Verhaftung ist der Versuch, den stĂ€rksten politischen Wettbewerber zu verhindern. Unsere SolidaritĂ€t gilt den vielen Menschen auf den StraĂen Istanbuls, die trotz Demonstrationsverbots zu Zehntausenden auf die StraĂen gehen, in anderen StĂ€dten der TĂŒrkei und auch hier in Berlin, die gegen die Festnahme von Ekrem İmamoÄlu friedlich demonstrieren. Wir stehen fest an der Seite unserer Schwesterpartei CHP in ihrem Kampf fĂŒr eine freie und demokratische TĂŒrkei. Seit 1989 besteht die StĂ€dtepartnerschaft zwischen Berlin und Istanbul, die durch vielfĂ€ltige Austauschprogramme, kulturelle Projekte und wirtschaftliche Zusammenarbeit BrĂŒcken zwischen unseren StĂ€dten und unseren BĂŒrge- rinnen und BĂŒrgern baut. Besonders fĂŒr die vielen Berli- nerinnen und Berliner mit tĂŒrkischen Wurzeln ist diese Partnerschaft von enormer Bedeutung. Sie ist ein Zeichen der Verbundenheit mit der TĂŒrkei, des gegenseitigen Respekts und des gemeinsamen Wunsches nach einem freien und demokratischen Zusammenleben. Von Beginn an war die StĂ€dtepartnerschaft ein klares Bekenntnis zum Austausch und zu gemeinsamen Werten â Achtung der Menschenrechte, Förderung von Integration ohne Aufga- be der eigenen IdentitĂ€t und Einsatz fĂŒr eine starke, le- bendige Demokratie. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, diese Werte gemeinsam entschlossen zu verteidigen. Die Verhaftung reiht sich ein in eine besorg- niserregende Entwicklung von EinschrĂ€nkungen der Meinungsfreiheit, von politischen Anklagen und von Verhaftungen. Inzwischen hören wir von vielen Verhaf- tungen aus Istanbul, teilweise auch bei StĂ€dtepartner- schaften â ich habe jetzt gehört, Charlottenburg-Wilmers- dorf hat eine Partnerschaft zu einem Distrikt innerhalb von Istanbul, auch da ist der BĂŒrgermeister verhaftet worden â, auch von vielen Journalistinnen und Journalis- ten. Frau Kollegin, kommen Sie bitte zum Ende!
Wir fordern die sofortige Freilassung von Ekrem İmamoÄlu. Ich verstehe den Regierenden BĂŒrgermeister, dass es in solchen Zeiten schwer ist, nach Istanbul zu reisen, Frau Kollegin! Ich bitte Sie, jetzt zum Ende zu kommen. Ihre Redezeit ist beendet.
und dass diese Reise abgesagt wurde. Partnerschaft be- deutet â ich komme zum Ende! â, dass Berlin auch in diesen schwierigen Zeiten an der Seite Istanbuls steht. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege Omar das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die tĂŒrkische Demokratie steht seit Jahren unter enormem Druck, und nach der Absetzung des Is- tanbuler OberbĂŒrgermeisters Ekrem İmamoÄlu hat sich die Lage erneut dramatisch verschĂ€rft. In Istanbul und in vielen anderen StĂ€dten der TĂŒrkei gehen Hunderttausende Menschen seit einer Woche Nacht fĂŒr Nacht friedlich auf die StraĂe, um gegen die Verhaftung des demokratisch gewĂ€hlten OberbĂŒrgermeisters İmamoÄlu zu protestieren. Doch was passiert mit ihnen? â Die tĂŒrkische Regierung unter ErdoÄan lĂ€sst mehr als 1 500 Menschen von der Polizei festnehmen, darunter auch Journalistinnen und Journalisten. Diese Proteste sind nicht nur von AnhĂ€ngern der Partei von İmamoÄlu, CHP, getragen, sondern von Studieren- den, Aktivistinnen und Aktivisten, der queeren Commu- nity und vielen anderen jungen Menschen, die um ihre Freiheit und die Zukunft ihres Landes und seine De- (Melanie KĂŒhnemann-Grunow) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6388 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 mokratie kĂ€mpfen. Diese Menschen verdienen unseren Respekt und unsere UnterstĂŒtzung. Die Verhaftung von İmamoÄlu ist kein Einzelfall, son- dern reiht sich in eine lange Reihe unrechtmĂ€Ăiger poli- tisch motivierter Verhaftungen seit dem Putschversuch 2016. Ăber 50 demokratisch gewĂ€hlte kurdische BĂŒrger- meisterinnen und BĂŒrgermeister in den kurdischen StĂ€d- ten Amed/Diyarbakır, AÄrı, Mardin und vielen weiteren StĂ€dten im SĂŒdosten der TĂŒrkei wurden seit 2016 von ErdoÄan abgesetzt und durch Regierungstreue ersetzt. Der kurdische Abgeordnete und Oppositionspolitiker Selahattin DemirtaĆ sitzt seit nunmehr neun Jahren ohne Prozess in Haft. Diese Verhaftungen und die Zerschlagung der demokrati- schen politischen Opposition sind Teil eines systemati- schen Abbaus der Demokratie durch ErdoÄan und seine islamischen Partei AKP. Die TĂŒrkei entfernt sich immer weiter von den Grundprinzipien einer funktionierenden Demokratie und Ă€hnelt immer mehr den autoritĂ€ren Re- gimen wie in Russland und Iran. Was heute noch von der tĂŒrkischen Demokratie ĂŒbrig ist, sind die noch halbwegs freien Wahlen, die in regelmĂ€Ăi- gen AbstĂ€nden stattfinden. Doch auch diese greift ErdoÄan nun an. ErdoÄan will nun die Wahlen direkt beeinflussen, indem er starke Rivalen wie İmamoÄlu aus dem Rennen wirft. ErdoÄan will wie Putin selbst bestimmen, wer gegen ihn antreten darf und wer nicht. Sollte ErdoÄan auch dieses Mal damit durchkommen und Europa dazu schweigen, dann bleibt von der tĂŒrkischen Demokratie wirklich nichts mehr ĂŒbrig. Die VorwĂŒrfe der TerrorunterstĂŒtzung gegen İmamoÄlu sind so absurd. Sie basieren darauf, dass seine CHP Op- positionsarbeit gemeinsam mit der prokurdischen Partei DEM anstrebt, die laut ErdoÄan der PKK nahesteht. Da- bei fĂŒhrt ErdoÄans Regierung seit Wochen Verhandlun- gen mit dem inhaftierten PKK-AnfĂŒhrer Abdullah Ăcalan, um einen Friedensprozess fĂŒr die Kurdenfrage in der TĂŒrkei auf den Weg zu bringen. Es ist eine Heuchelei und ein klarer Versuch, seinen stĂ€rksten politischen Geg- ner vor den PrĂ€sidentschaftswahlen in drei Jahren jetzt schon kaltzustellen. Lassen Sie mich zum Schluss auch meine EnttĂ€uschung ĂŒber das Verhalten der Koalition in diesem Parlament zum Ausdruck bringen. Wir sprechen heute ĂŒber die Bedeutung der UnterstĂŒtzung der Zivilgesellschaft in der Partnerstadt Istanbul und die StĂ€rkung demokratischer KrĂ€fte dort. Es wĂ€re ein wichtiges und starkes Signal gewesen, wenn die demokratischen Fraktionen in diesem Parlament gemeinsam eine EntschlieĂung auf den Weg gebracht hĂ€tten. Stattdessen haben wir heute zwei EntschlieĂungen. Es empört mich, dass die CDU-SPD-Koalition wieder ein klares und wichtiges Signal verhindert hat. Ihre Ent- schlieĂung, liebe Koalition, verurteilt nicht einmal klar den Angriff auf die Demokratie in der TĂŒrkei und fordert auch nicht einmal die Freilassung des inhaftierten Ober- bĂŒrgermeisters İmamoÄlu. Das ist ein Armutszeugnis. Wir jedenfalls â und ich komme zum Schluss â fordern die tĂŒrkische Regierung auf, Ekrem İmamoÄlu, Selahattin DemirtaĆ und viele andere politisch Inhaftierte, Journalis- tinnen und Journalisten, Aktivistinnen und Aktivisten und Demonstrierende unverzĂŒglich freizulassen und die Prin- zipien der Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen. â Vie- len Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Cywinski das Wort. â Ich muss Sie leider darauf hinweisen, dass das Redezeitkontingent bald erschöpft ist. Tom Jan Filip Cywinski (CDU): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe ja heute im Abgeordnetenhaus bereits ĂŒber unsere neue sowie unsere potenziell kĂŒnftigen StĂ€d- tepartnerschaften sprechen dĂŒrfen. Aus traurigem und aktuellem Anlass möchte ich nun um Ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr eine unserer langjĂ€hrigen PartnerstĂ€dte bitten: Istan- bul. Vergangene Woche ist der OberbĂŒrgermeister Istanbuls, Ekrem İmamoÄlu, mit zahlreichen weiteren Personen verhaftet worden. Beobachter schĂ€tzen das Vorgehen der tĂŒrkischen Justiz als politisch motiviert ein. Parallel zur Inhaftierung ist in der TĂŒrkei der Zugang zu verschiede- nen Internetplattformen wie Messenger, YouTube und X eingeschrĂ€nkt worden. Gegen die landesweiten Proteste â allein in Istanbul sollen Hunderttausende Menschen auf die StraĂe gegangen sein â geht die Polizei mit TrĂ€nen- gas, Wasserwerfern und Gummigeschossen vor. Ăber (Jian Omar) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6389 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 1 400 Menschen wurden bisher im Rahmen der Proteste von der Polizei verhaftet. Diese schockierenden Nachrichten aus Istanbul berĂŒhren gerade uns Berliner besonders, denn wir sind auf vielfĂ€l- tige Weise mit der Stadt am Bosporus verbunden. In den DreiĂigerjahren fanden zahlreiche deutsche FlĂŒchtlinge Exil in Istanbul. In den Sechzigerjahren kamen zahlreiche tĂŒrkische Gastarbeiter ĂŒber die Zwischenstation Istanbul nach Berlin. Inzwischen leben ĂŒber 200 000 Menschen mit tĂŒrkischen Wurzeln in unserer Stadt. 1989 schlieĂlich ging Berlin die bereits angesprochene StĂ€dtepartnerschaft mit Istanbul ein. Diese StĂ€dtepartnerschaft enthĂ€lt ein klares Bekenntnis zu gemeinsamen Werten wie der Achtung der Menschen- rechte sowie der Förderung einer lebendigen Demokratie. Dieses gemeinsame Bekenntnis ist uns Berlinern Ver- pflichtung. â Weil die Redezeit bereits auslĂ€uft, schlieĂe ich mit den Worten unseres Regierenden BĂŒrgermeisters: âSolidaritĂ€t mit Ekrem İmamoÄluâ, und ich ergĂ€nze: mit unserer Partnerstadt Istanbul. â Danke sehr! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat die Kolle- gin Eralp das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte PrĂ€sidentin! Verehrte Kolleginnen und Kol- legen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Liebe engagier- te Menschen in der TĂŒrkei! Istanbul ist seit ĂŒber 35 Jah- ren unsere Partnerstadt. Berlin und Istanbul sind zwei groĂe und groĂartige sowie vielfĂ€ltige Metropolen. Unser Band zu Istanbul bilden die vielen Berlinerinnen und Berliner mit tĂŒrkischem und kurdischem Hintergrund, die seit Kurzem oder schon lange, teilweise seit Generatio- nen, hier leben. Wie viele andere flohen auch meine Eltern einst aus Is- tanbul vor politischer Verfolgung nach Deutschland. Sehr viele kamen in den letzten Jahren hierher, deren Zuhause nun Berlin ist, und fĂŒr deren Anliegen und deren Teilhabe wir als Berliner Parlament Verantwortung tra- gen. Auch deswegen löst die aktuelle Verhaftungswelle gegenĂŒber Oppositionellen und dem Istanbuler BĂŒrger- meister İmamoÄlu in Berlin groĂe Sorge aus. Ich durfte ihn, der fĂŒr viele Menschen in der TĂŒrkei, die sich De- mokratie wĂŒnschen, als HoffnungstrĂ€ger fĂŒr die nĂ€chsten Freunde, vielleicht bin ich das vorerst letzte Mal hier bei euch. â Er behielt leider recht, denn kurz danach wurde auch er, der auch ein HoffnungstrĂ€ger fĂŒr so viele Men- schen war, festgenommen und sitzt seitdem in Haft. Als Linke fordern wir daher, die sofortige Freilassung von İmamoÄlu, von DemirtaĆ und von allen anderen, die sich fĂŒr Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie einset- zen. Unsere SolidaritĂ€t gilt allen, die sich fĂŒr die Menschen, fĂŒr die Menschenrechte, fĂŒr die Rechte von Frauen, von queeren Menschen, von GeflĂŒchteten und von ethnischen oder religiösen Minderheiten wie beispielsweise Kurden und Kurdinnen, Armenier und Armenierinnen und Alewi- ten und Alewitinnen einsetzen. (Tom Jan Filip Cywinski) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6390 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Deswegen finden wir auch, dass es nicht sein kann, dass Deutschland gerade jetzt seine Blockade zum Verkauf von Kampfjets an die TĂŒrkei aufgibt. Es kann keine Waf- fendeals und auch keine FlĂŒchtlingsdeals mit der tĂŒrki- schen Regierung geben. Um aber mit der Hoffnung zu enden, möchte ich auf den letzten Wahlslogan von İmamoÄlu eingehen: âHer Ćey çok gĂŒzel olacakâ. Ăbersetzt heiĂt das: Alles wird gut. Er stammt von einer Begegnung im Rahmen des BĂŒrger- meisterwahlkampfs 2019. Ein 16-jĂ€hriger Junge hat ihn dem in einem Wahlkampfbus sitzenden İmamoÄlu zuge- rufen. Ein Handyvideo, das die Szene und dem von der WillensstĂ€rke und der Hoffnung des Jungen beeindruck- ten İmamoÄlu zeigt, ging in der TĂŒrkei viral. Dieser Jun- ge, Berkay Gezgin, ist heute 22 Jahre alt. Auch er wurde vor einigen Tagen in Istanbul auf dem Heimweg von einer Protestkundgebung festgenommen und sitzt nun in Untersuchungshaft, aber mit seinen Worten möchte ich und wir alle daran glauben, dass alles gut wird. Denn die Gegenproteste und die engagierten Menschen machen Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Her Ćey çok gĂŒzel olacak, Jin Jiyan Azadi â fĂŒr Demokratie und Freiheit. â Danke! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion der AfD spricht nun der Abgeordnete Dr. Bronson. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Am 19. MĂ€rz wurde der BĂŒrgermeister von Istanbul, Ekrem İmamoÄlu, unter schwerwiegenden Beschuldigun- gen von tĂŒrkischen Behörden festgenommen. Vorgewor- fen wird ihm Korruption, Erpressung GeldwĂ€sche sowie die UnterstĂŒtzung der PKK, die auch in Deutschland als terroristische Organisation eingestuft ist. Wir haben da- von von den Vorrednern gehört. Zahlreiche Stimmen in Deutschland und in Europa beeil- ten sich, die VorgĂ€nge als Ausdruck eines autoritĂ€ren Regimes zu brandmarken. Der Autokrat ErdoÄan will seinen gefĂ€hrlichen politischen Mitbewerber kaltstellen, hieĂ es unisono. Das ist richtig, und es ist notwendig, bei derartigen Entwicklungen wachsam zu bleiben. Das ist keine Frage. Ebenso notwendig ist es aber, dabei MaĂ zu halten. Wer in Deutschland reflexhaft mit einem moralischen Vor- schlaghammer reagiert, der solle sich zunĂ€chst an die eigene Nase fassen. Was wir nicht tun sollten, ist von auĂen her mit morali- schen Furor die Rolle eines Oberlehrers zu spielen, wĂ€h- rend wir zugleich im eigenen Land im eigenen Land repressiv gegen demokratisch gewĂ€hlte KrĂ€fte vorgehen. Auch in Deutschland erleben wir mittlerweile politische Repression. [Melanie KĂŒhnemann-Grunow (SPD): Genau! â
Sie dĂŒrfen hier alles sagen, in der TĂŒrkei nicht!] Sie ist subtiler, aber nicht weniger gefĂ€hrlich. Gerade meine Partei, die AfD, kennt diese Mechanismen nur zu gut: politische Beobachtung, Druck auf Banken mit Kon- tokĂŒndigungen, Veranstaltungsabsagen, gezielte Diffa- mierung, alles unter dem Deckmantel der Demokratie. Was wir erleben ist kein Zeichen gesunder rechtsstaatli- cher Kontrolle, was wir erleben ist ein Missbrauch der Justiz zu politischen Zwecken. [Beifall bei der AfD â
Sie sollten sich schĂ€men! â
Reden Sie auch zur Sache?] Nun zur Rechtslage: Der § 118 bestraft das VerĂ€chtlich- machen verfassungsmĂ€Ăiger Institutionen. Das bestraft jene, die etwa das Parlament in grober Weise diffamieren. Aber was, wenn die Diffamierung gerade von staatlicher Seite kommt? Was ist, wenn Institutionen, die sich eigentlich zur Neut- ralitĂ€t verpflichtet fĂŒhlen, zu politischen Werkzeug gegen unliebsame Meinungen gemacht werden? Dann verkehrt sich § 118 in sein Gegenteil. Er schĂŒtzt nicht mehr den Staat vor Angriffen, sondern legitimiert Angriffe im Na- men des Staates. Wenn wir das zulassen, in der TĂŒrkei, in RumĂ€nien oder hier bei uns, dann verabschieden wir uns stillschweigend von der Demokratie. In RumĂ€nien wurden gerade zwei aussichtsreiche PrĂ€si- dentschaftskandidaten CÄlin Georgescu und Diana SoÈoacÄ ohne BegrĂŒndung von der Wahl ausgeschlossen. (Elif Eralp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6391 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Kein Aufschrei in Berlin, kein Protest in BrĂŒssel, nichts zu hören aus StraĂburg! Ich sage es deutlich: Wenn wir von der TĂŒrkei demokrati- sche Standards fordern, dann mĂŒssen wir sie in Europa erst recht einhalten, und zwar ĂŒberall. Die TĂŒrkei ist unser Partner in der NATO. Die StĂ€dte- partnerschaft zwischen Berlin und Istanbul beruht auf gegenseitigem Respekt und Austausch. Ich wĂŒrde es daher sehr begrĂŒĂen, wenn der Regierende BĂŒrgermeister Wegner â Herr Kollege! Gestatten Sie eine Zwischenfrage?
â einen ganz anderen Besuch in Istanbul unternimmt. Er sollte das GesprĂ€ch mit dem inhaftierten Herrn İmamoÄlu, von Kollege zu Kollege suchen, sofern es die UmstĂ€nde zulassen sogar im GefĂ€ngnis. Es wĂ€re ein Zeichen menschlicher GröĂe und politischer Verantwor- tung. Ich weiĂ nicht, ob Sie mich nicht gehört haben. Ich habe Sie gefragt, ob Sie eine Zwischenfrage zulassen.
Keine Zwischenfrage, bitte! Okay!
Wir dĂŒrfen nicht zulassen, dass der Rechtsstaat, ob bei uns oder anderswo, zur Fassade wird, hinter der politi- sche WillkĂŒr operiert. [Beifall bei der AfD â
ErbĂ€rmlich!] Kein moralischer Imperialismus mehr, keine politischen Doppelstandards, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit mĂŒssen ĂŒberall gelten, fĂŒr jene, die wie die AfD unbequem sind. â Danke fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der AfD â Zuruf von der AfD: Bravo! â
Andere reden ĂŒber Menschenrechte, die AfD redet nur ĂŒber sich selbst! â Weitere Zurufe] Es geht weiter. Wir sind noch nicht am Ende, denn als NĂ€chste spricht Frau Melanie KĂŒhnemann-Grunow fĂŒr eine Zwischenintervention. â Bitte schön, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Im Namen aller demokra- tischen Parteien in diesem Parlament nehme ich mir das Recht heraus, Sie zu fragen, ob Sie sich nicht schĂ€men, angesichts der Tatsache, dass in der TĂŒrkei demokratisch gewĂ€hlte Poli- tikerinnen und Politiker verhaftet und des Amtes entho- ben werden, sich hier zu erdreisten und die Opferrolle zu bespielen, die Ihnen definitiv nicht zusteht. Es ist uner- trĂ€glich, wie sich die AfD hier generiert. â Vielen Dank! [Anhaltender Beifall bei der SPD, den GRĂNEN und der LINKEN â Vereinzelter Beifall bei der CDU â
Bravo! Genau so! â Zurufe von der AfD] Der Abgeordnete hĂ€tte die Gelegenheit zu erwidern und hĂ€tte damit nun das Wort fĂŒr eine Erwiderung. Entschuldigen Sie, Herr Abgeordneter Eschricht, wir bezeichnen uns hier nicht gegenseitig als Heuchler! DafĂŒr bekommen Sie einen Ordnungsruf. [Beifall bei der SPD, den GRĂNEN und der LINKEN â Vereinzelter Beifall bei der CDU â
Aber die anderen dĂŒrfen? (Dr. Hugh Bronson) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6392 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Gleiches Recht fĂŒr alle! â Weitere Zurufe von der AfD] Es geht weiter, da es von mehreren Abgeordneten der AfD-Fraktion Kritik an diesem Ordnungsruf gab, gibt es einen weiteren Ordnungsruf, und ich rufe â â Und ich bitte die Fraktionsvorsitzende der AfD-Fraktion, fĂŒr Ordnung in ihrer Fraktion zu sor- gen, sonst muss ich Sie aus dieser Sitzung aus â â Mit dem dritten Ordnungsruf muss ich Sie aus der Sit- zung ausschlieĂen. Damit sind Sie aus der Sitzung ausgeschlossen. Sie dĂŒrfen den Saal verlassen. â Bitte schön, Herr Abge- ordneter Dr. Bronson!
Danke schön! â Meine Damen und Herren! Was soll ich dazu sagen? Gerade die Sozialdemokraten und die ĂŒbrigen Kaderpar- teien! Wir werden nicht in AusschĂŒsse gewĂ€hlt. Uns wird der Vorsitz nicht zugestanden. Unsere Stiftung wird boy- kottiert. Das geht so weit, dass die Leute der AfD bei einer FuĂballmannschaft im Bundestag nicht zugelassen werden. Das musste gerichtlich durchgesetzt werden. Was wollt ihr eigentlich? Ihr wollt uns etwas von Demokratie erzĂ€h- len? Geht doch selber mal auf die Schulbank! Das ist doch beschĂ€mend, was ihr hier abzieht. Es ist nicht zu glauben. â Vielen Dank! [Beifall bei der AfD â
Wir sind nicht per du! â Weitere Zurufe von der LINKEN â Zurufe von der AfD] Vielen Dank! â Herr Abgeordneter Laatsch! Ich bitte Sie, den Saal â â â Nein, Sie sind nicht dabei, Sie verlassen jetzt den Saal. Ich bitte den Plenardienst, dafĂŒr zu sorgen, dass der Ord- nungsruf eingehalten wird. â Ăber diesen Vorgang wer- den wir im nĂ€chsten Ăltestenrat beraten. Jetzt kommen wir zur Abstimmung, denn weitere Wort- meldungen liegen nicht vor. Vorgesehen ist eine sofortige Abstimmung ĂŒber die EntschlieĂungsantrĂ€ge. ZunĂ€chst erfolgt eine Abstimmung ĂŒber den frĂŒher eingegangenen Antrag der Koalitionsfraktionen. Wer also den Antrag der Koalitionsfraktionen Drucksache 19/2334 annehmen möchte, den bitte ich um sein Handzeichen. â Das sehe ich bei den Fraktionen Die Linke, BĂŒndnis 90/Die GrĂŒ- nen, SPD sowie CDU. Wer stimmt dagegen? â Das sehe ich nicht. Wer enthĂ€lt sich? â Das sehe ich bei der AfD- Fraktion. Damit ist der Antrag angenommen. Dann folgt noch eine Abstimmung ĂŒber den Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2335. Wer diesen Antrag annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sehe ich bei den Fraktionen Die Linke sowie BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Wer stimmt dagegen? â Das sind die Fraktionen von SPD, CDU sowie AfD. Enthaltungen gibt es keine. Damit ist der Antrag abgelehnt. Die Tagesordnungspunkte 40 und 41 stehen auf der Kon- sensliste. Meine Damen und Herren! Damit sind wir am Ende unse- rer heutigen Tagesordnung. Die nĂ€chste Plenarsitzung findet am Donnerstag, dem 10. April 2025 um 10 Uhr statt. Die Sitzung ist geschlossen. (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6393 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Anlage Konsensliste Vorbehaltlich von sich im Laufe der Plenarsitzung ergebenden Ănderungen haben Ăltestenrat und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Fraktionen vor der Sitzung empfohlen, nachstehende Tagesordnungspunkte ohne Aussprache wie folgt zu behandeln: Lfd. Nr. 19: Konsequente Abschiebung auslĂ€ndischer StraftĂ€ter! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 24. Februar 2025 Drucksache 19/2257 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0795 mehrheitlich gegen AfD â abgelehnt Lfd. Nr. 20: Grundrecht auf Asyl verteidigen â Wohnen und Partizipation organisieren Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 24. Februar 2025 Drucksache 19/2258 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1050 vertagt Lfd. Nr. 22: Reproduktive Selbstbestimmung verwirklichen â Bundesratsinitiative zur Streichung des § 218 StGB Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 12. MĂ€rz 2025 Drucksache 19/2300 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1904 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 23: Wohnungen sind zum Wohnen da â endlich gegen dreiste Vermieter vorgehen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 17. MĂ€rz 2025 Drucksache 19/2306 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2030 vertagt Lfd. Nr. 27: Das Grab von Hatun Aynur SĂŒrĂŒcĂŒ retten! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2273 vertagt Lfd. Nr. 28: Gesundheitliche Akutversorgung sicherstellen â Medipoint fĂŒr GeflĂŒchtete in der Unterkunft am Tempelhofer Feld einrichten! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2274 vertagt Lfd. Nr. 29: Den Teilnehmer*innen und Projekten des Solidarischen Grundeinkommens (SGE) eine sinnvolle Perspektive geben Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2275 an ArbSoz Lfd. Nr. 32: StĂ€rkung und Förderung von NahwĂ€rme- Genossenschaften bei der WĂ€rmewende Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2302 vertagt Lfd. Nr. 33: Sichere Geh- und Radwege auch im Winter â GlĂ€ttechaos beenden, BSR zentral mit dem Winterdienst auf allen Wegen beauftragen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2303 vertagt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6394 Plenarprotokoll 19/64 27. MĂ€rz 2025 Lfd. Nr. 37: Genehmigungen fĂŒr Solarbalkonkraftwerke erleichtern Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2309 vertagt Lfd. Nr. 40: KreditermĂ€chtigungen gemÀà § 3 Abs. 3 BerlSchuldenbremseG fĂŒr die Jahre 2025 und 2026 fĂŒr die als Extrahaushalte eingestuften Landesunternehmen Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2295 an Haupt Lfd. Nr. 41: Entlastung wegen der Einnahmen und Ausgaben des Rechnungshofs von Berlin im Haushaltsjahr 2023 Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2301 an Haupt