VollstÀndige Mitschrift der Sitzung 66, 2025-05-22.
Sprach am meisten: Dr. Alexander King (6% Wörter). Redner: 68, Wortmeldungen: 152.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, dass wir uns heute ge- meinsam in der Aktuellen Stunde mit der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins beschĂ€ftigen. Wir wissen alle: Wirt- schaftskraft ist die Grundlage fĂŒr BeschĂ€ftigung, fĂŒr gute Arbeit, fĂŒr Steuereinnahmen und damit auch fĂŒr Gestal- tungsspielrĂ€ume fĂŒr eine Metropole, die sozial, nachhal- tig und innovativ sein will und muss. Wenn ich heute 20 Jahre zurĂŒckblicke, kann ich mich an schlechtere Wirtschaftszahlen erinnern. Bei der heutigen Debatte zur Situation der Berliner Wirtschaft schadet es daher nicht, sich noch einmal zu vergegenwĂ€rtigen, wo wir herkommen: Im Jahr 2006 hatten wir eine der höchs- ten Arbeitslosenquoten aller BundeslĂ€nder, rund 18 Pro- zent. Bei der Wirtschaftskraft lagen wir nur auf Platz 10 der BundeslĂ€nder und beim BIP pro Kopf deutlich unter dem Bundesschnitt. Es gab viele Klagen von Unterneh- men ĂŒber Schwierigkeiten beim Zugang zu Kapital sowie die geringe Kaufkraft der Bevölkerung und eine Abwan- derung von gut ausgebildeten jungen Menschen wegen besserer Berufsperspektiven nach SĂŒd- und Westdeutsch- land. Das waren Berlin und seine Wirtschaft 2006, also vor ungefĂ€hr 20 Jahren. Wie hat sich das verĂ€ndert? â In den Jahren 2006 bis 2024 ist die Wirtschaft, gemessen am BIP real, in Berlin um 51,7 Prozent gewachsen, wĂ€hrend der Zuwachs im Bundesdurchschnitt bei 19,4 Prozent lag. Beim BIP pro Einwohner hat Berlin den Bundesschnitt inzwischen deutlich ĂŒberholt und liegt 7,5 Prozent ĂŒber dem Bundes- schnitt. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Be- schĂ€ftigten, was uns allen immer besonders wichtig ist, wuchs im gleichen Zeitraum in Berlin um 63,6 Prozent, also um rund 612 000 ErwerbstĂ€tige, und lag damit eben- falls deutlich höher als im Bundesdurchschnitt, nĂ€mlich um 31,4 Prozent höher. Beim BIP pro Kopf liegen wir auf Platz 6, deutlich ĂŒber dem Bundesdurchschnitt und vor BundeslĂ€ndern wie NRW, Niedersachsen, Rheinland- Pfalz, Schleswig-Holstein, Saarland und allen ostdeut- schen BundeslĂ€ndern. Das sind sehr beeindruckende Zahlen, die zeigen, dass Berlin in den letzten zwei Jahr- zehnten eine hervorragende Entwicklung gelungen ist. Gestern hat der SachverstĂ€ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung seinen aktuellen Bericht vorgelegt. Die Botschaft ist eindeutig und bestĂ€- tigt, was wir auch an anderen Stellen in den letzten Tagen und Wochen vernehmen können: Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer ausgeprĂ€gten SchwĂ€- chephase. Die Krisen der vergangenen Jahre wirken in- vestitionshemmend und sind fĂŒr eine Exportnation wie Deutschland extrem schĂ€dlich. Die BoykottmaĂnahmen gegen Russland infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben der Wirtschaft in Deutschland massiv geschadet. Dazu ist das wirtschaftliche Umfeld von weiteren Unsicherheiten geprĂ€gt. Viele Unternehmen halten sich deshalb derzeit bei Investitionen zurĂŒck. Der Ausstieg aus gĂŒnstigem Gas aus Russland sowie die Verteuerung des Ălpreises haben ebenfalls starke negative Auswirkungen. Ăberhaupt: Die Energiepreise stellen eine groĂe Herausforderung fĂŒr die Unternehmen dar. So sind die Preise aktuell etwas rĂŒck- lĂ€ufig, dennoch befinden sich zum Beispiel auch die Strompreise auf hohem Niveau und stellen eine Belastung fĂŒr Verbraucherinnen und Verbraucher und Unternehmen dar. Ein Ziel der neuen Bundesregierung muss deshalb sein, die Strompreise zu reduzieren, insbesondere auch, um unsere Klimaziele zu erreichen. Insofern ĂŒberrascht es nicht, dass auch der ifo GeschĂ€fts- klimaindex fĂŒr Ostdeutschland im April 2025 gesunken ist. Die Unternehmen blicken momentan eher pessimis- tisch in die Zukunft. Das betrifft insbesondere das verar- beitende Gewerbe, den Dienstleistungssektor und das Bauhauptgewerbe. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass das Wirtschaftswachstum in Berlin nunmehr im zwölften Jahr in Folge ĂŒber dem Bundesdurchschnitt liegt. Im Jahr 2024 ist das BIP in Berlin um 0,8 Prozent gewachsen, wĂ€hrend im Bund ein leichtes Minus von 0,2 Prozent steht. FĂŒr das kommende Jahr wird fĂŒr Berlin ein BIP-Wachstum von rund 1 Prozent prognostiziert, wĂ€hrend der Bund eine anhaltende Stagnation erwartet. Daran wird deutlich, dass wir in der Vergangenheit die richtigen Entscheidungen getroffen haben, indem wir auf einen Branchenmix aus Dienstleistungen, verarbeitendem Gewerbe gesetzt und uns zugleich fortlaufend fĂŒr den Erhalt von IndustriearbeitsplĂ€tzen eingesetzt haben. Ber- lins Wirtschaft ist dank der ergriffenen MaĂnahmen heute dynamischer, vielfĂ€ltiger und krisenfester als anderorts. Das hat sich zuletzt in der Pandemie und der Energiekrise gezeigt. (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6530 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Berlin kann sich jedoch nicht vollstĂ€ndig von der welt- wirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Neue Verwer- fungen, Unsicherheiten wirken sich negativ aus, und zwar natĂŒrlich auch auf die Wirtschaft in unserer Region. Schwache Konjunktur ist auch eine Herausforderung fĂŒr öffentliche Haushalte. Die SteuerschĂ€tzung vom vergan- genen Freitag zeigt â und das wird nicht nur den Finanz- senator interessieren â, dass die Lage fĂŒr die öffentlichen Haushalte angespannt bleiben wird, solange wichtige Einnahmenpositionen aus den Unternehmensteuern, wie zum Beispiel der Körperschaft- oder der Gewerbesteuer, niedrig bleiben. Umso mehr muss es unser Anspruch sein, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbes- sern, die uns aus der Rezession der letzten Jahre und der aktuellen Stagnation herausfĂŒhren. Mit einer starken Wirtschaft wird sich hoffentlich auch die Haushaltslage fĂŒr Berlin entspannen und mehr Spiel- rĂ€ume eröffnen. Es ist daher auch wichtig, dass die neue Bundesregierung die im Koalitionsvertrag verabredeten MaĂnahmen zur StĂ€rkung der deutschen Wirtschaft um- setzt. Wenn die MaĂnahmen schnell kommen, wird das auch fĂŒr die Berliner Wirtschaft wichtige Impulse brin- gen. So will die Bundesregierung international wettbe- werbsfĂ€hige, dauerhaft niedrige und planbare Energie- preise fĂŒr die Industrie sicherstellen â Abschaffung der Gasspeicherumlage, der Aufbau deutschlandweiter Was- serstoffinfrastruktur und vor allem die EinfĂŒhrung eines Industriestrompreises fĂŒr energieintensive Unternehmen. Zudem sind Steuererleichterungen und Verbesserungen fĂŒr Abschreibungen geplant, wie die Senkung der Kör- perschaftsteuer, Entlastung durch Senkung der Strom- steuer um mindestens 5 Cent auf europĂ€isches Mindest- maĂ â wir sind dort zu hoch â und Reduktion der Ăber- tragungsnetzentgelte. Mit dem sogenannten Investitionsbooster in Form einer degressiven Abschreibung auf AusrĂŒstungsinvestitionen von 30 Prozent in den Jahren 2025, 2026 und 2027 wer- den Investitionsentscheidungen stark angeschoben. Diese MaĂnahmen werden auch in Berlin dazu beitragen, die Wirtschaft nachhaltig zu stĂ€rken, und sind von besonde- rer Bedeutung. Ein weiterer SchlĂŒssel liegt in der StĂ€rkung des Innovati- onsstandorts Berlin. Es zeigt sich, dass unser Ansatz mit den Zukunftsorten â da ist nicht nur Adlershof zu nennen â fĂŒr Forschung und Innovation die Innovationskraft unserer Wirtschaft nachhaltig gestĂ€rkt und viele Unter- nehmen und ArbeitsplĂ€tze an den Standort Berlin gefĂŒhrt hat. Heute ist Berlin ein attraktiver Wissenschafts- und Forschungsstandort. DarĂŒber hinaus verfĂŒgen wir ĂŒber eine vitale Kreativ- und Digitalwirtschaft sowie ĂŒber eine wachsende Start- up- und GrĂŒnderszene, welche Menschen aus der ganzen Welt in diese Stadt bringt. All diese positiven Entwick- lungen sind nicht selbstverstĂ€ndlich, sondern auf richtige politische Entscheidungen der letzten beiden Jahrzehnte zurĂŒckzufĂŒhren. Unserem Einsatz ist zu verdanken, dass auch heute noch ĂŒber 105 000 IndustriearbeitsplĂ€tze am Standort Berlin vorhanden sind. Nach dem massiven RĂŒckgang in den Neunziger- und Zweitausenderjahren haben sich die Zah- len stabilisiert. Wir mĂŒssen alles weiter daransetzen, Industrieunternehmen hier zu halten und weiter anzusie- deln. Denn neben dem Tourismus, der Digitalwirtschaft, den Start-ups, der Gesundheitswirtschaft sind das verar- beitende Gewerbe und die Industrie eine wichtige SĂ€ule der Berliner Wirtschaft. Deshalb ist es auch wichtig, dass Unternehmen wie Stadler hier am Standort bleiben und hier investieren. Auch wenn Berlin kein klassischer Automobilstandort ist, befinden sich doch zahlreiche mittelstĂ€ndische Zulieferer und Technologieunternehmen in unserer Region â E- MobilitĂ€t, Software, Batterietechnik â, die von den ver- einbarten MaĂnahmen der Bundesregierung profitieren. Mit dem Wechsel zur ElektromobilitĂ€t besteht auĂerdem groĂes Potenzial, weitere Unternehmen hier anzusiedeln und die Region zu einer der fĂŒhrenden Regionen fĂŒr ElektromobilitĂ€t zu entwickeln. Der schnelle Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie der Ausbau der Energienetze sind hierfĂŒr eine wichtige Voraussetzung. Wir haben hierzu in der Koalition gleich zu Beginn die Weichen fĂŒr einen schnellen Ausbau gestellt. Es war wichtig, die Stromnetz Berlin im letzten Haushaltsgesetz durch Ei- genkapital zu stĂ€rken, um diese Investitionen zu ermögli- chen. Wir haben die Messe- und Tourismuswirtschaft gestĂ€rkt. Die hat die Pandemie gut ĂŒberlebt. Wir haben wieder 30 Millionen Ăbernachtungen, und erfreulich sind auch das wieder erstarkte MessegeschĂ€ft und neue Messefor- mate wie die GITEX. Der Blick auf die nach wie vor hohe Arbeitslosigkeit kann uns nicht zufriedenstellen. In Berlin betrug die An- zahl arbeitsloser Menschen im April 217 500 â das ist zu hoch. Zudem ist die diesjĂ€hrige FrĂŒhjahrsbelebung deut- lich geringer ausgefallen als in den Vorjahren. Auch wenn viele negative Effekte auf den Arbeitsmarkt inter- nationaler Natur sind, so ist meine Erwartung an den Senat und die Berliner Wirtschaft aber klar: 10,3 Prozent Arbeitslosigkeit sind zu hoch. Wir mĂŒssen alles daran setzen, diese Menschen in Arbeit zu bringen. Von der neuen Bundesregierung erwarte ich deshalb Klarheit ĂŒber die Umsetzung der Investitionsvorhaben und Verwendung des Sondervermögens aus dem (Jörg Stroedter) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6531 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 500 Milliarden Euro schweren Sondervermögen fĂŒr Infra- struktur, von denen 20 Prozent an die LĂ€nder, rund 5 Prozent an Berlin gehen. Diese Investitionen mĂŒssen schnell erfolgen. Das wĂ€re nicht nur fĂŒr die Unternehmen in Berlin, sondern fĂŒr die ganze Stadt wichtig. Ich bin sicher, diese Investitionen werden starke konjunk- turelle Effekte nach sich ziehen. Davon werden Berlins Wirtschaft und die Berlinerinnen und Berliner profitieren. Herr Kollege, Sie mĂŒssten bitte zum Ende kommen.
Ich wĂŒnsche uns allen, dass wir in ein Zeitalter der Inves- titionen gehen, damit wir aus dieser schwierigen Phase unserer Wirtschaft herauskommen. â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat jetzt die Kollegin Bozkurt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! âWirtschaft unter Stressâ: So lautet der aktuelle Konjunk- turbericht der Investitionsbank Berlin. Vielleicht ist damit der Stress gemeint, den das Eilen von Erfolg zu Erfolg verursacht. Denn Sie werden sehen, auch in dieser Aktu- ellen Stunde werden sich die Erfolgsmeldungen und Superlative von Senat und Koalition geradezu ĂŒberschla- gen. Aber im Ernst: Ich will nicht kleinreden, was etwa mit der Ansiedlung der GITEX gelungen ist, dass die wirt- schaftliche Dynamik teils exzellent ist, zum Beispiel in der Branche IKT mit 3,2 Prozent Zuwachs an Bruttowert- schöpfung â Chapeau! Und klar sagt es etwas ĂŒber Berlin aus, dass die Wirtschaft hier nun schon zwölf Jahre in Folge stĂ€rker wĂ€chst als im Bundesschnitt. Allein Berlins Wirtschaftspolitik wĂ€chst, wenn ĂŒberhaupt, in die entge- gengesetzte Richtung. Es wĂŒrde den Stress fĂŒr die Wirtschaft merklich reduzie- ren, wĂŒrden wir wieder mehr Ehrlichkeit und Transpa- renz walten lassen. Ich beginne mal mit dem Reality- check, Sie ergĂ€nzen spĂ€ter: Ăber dem Bundesdurch- schnitt ist nicht nur das Wachstum, sondern auch die Arbeitslosenquote. In Berlin lag sie im April 2025 bei 10,2 Prozent, bei einem Bundesschnitt von 6 Prozent. Beim Zuwachs der sozialversicherungspflichtigen Be- schĂ€ftigten liegt Berlin im LĂ€ndervergleich mit 0,4 Pro- zent nur noch an elfter Stelle. Im Bereich der Anerken- nung auslĂ€ndischer BerufsabschlĂŒsse liegt Berlin im Bundesvergleich im unteren Drittel, wĂ€hrend ĂŒberall FachkrĂ€fte fehlen. Aber bleiben wir doch beim Konjunkturbericht der IBB: Die Berliner Wirtschaft steht 2025 vor enormen Risiken durch HaushaltskĂŒrzungen, heiĂt es da. Als besonders kritisch wird der Investitionsbedarf in die Infrastruktur gesehen. Rund 108 Milliarden Euro mĂŒssten zusĂ€tzlich in die Sanierung und Modernisierung der öffentlichen Infra- struktur flieĂen, damit StraĂen, Schienen, BrĂŒcken, Schu- len, Wasser- und WĂ€rmenetze nicht sukzessive zusam- menbrechen. Von einer Politik, die privatwirtschaftliche Investitionen anregt, die dafĂŒr sorgt, dass KapazitĂ€ten fĂŒr diese Vorhaben geschaffen werden, sind wir weit ent- fernt. Stattdessen: Schrumpfungssignale in genau diesen Branchen. Aus sparen, bis es quietscht, wurde jetzt spa- ren, bis es bröckelt. Vom eigenen Investitionspaket ist schon lange keine Rede mehr. Wie Sie diesen Investiti- onsstau stattdessen auflösen wollen? â Ungewiss. Noch Ă€rgerlicher ist der Blick direkt in den Maschinen- raum der Förderpolitik: Die gewerbliche GRW blieb 2024 mit einem Bewilligungsvolumen von rund 55 Millionen Euro deutlich unter dem Ziel von 100 Millionen Euro. Ursache ist auch die haushaltsbe- dingte Mittelbereitstellung. Viele werden sich jetzt den- ken: Eilt die Senatorin nicht gerade in Sachen GRW- Förderung von Erfolg zu Erfolg? â Der Satz, den ich gerade vorgelesen habe, stammt nicht von mir. Der stammt aus Ihrem eigenen Bericht an den Hauptaus- schuss. 36 Prozent der Potenziale fĂŒr Investitionen sind hier ungenutzt geblieben, ausgerechnet bei der gewerbli- chen GRW mit ihrer riesigen Hebelwirkung. Und es geht weiter: Der sehr populĂ€re GrĂŒndungsbonus war fĂŒr NeuauftrĂ€ge ebenso geschlossen wie der darauf aufgesetzte GrĂŒnderinnenbonus. Ein Jahr ohne GrĂŒn- dungsförderung! Das steht auch in diesem Bericht von Ihnen. Fördermittel wurden umgewidmet, gesperrt, ver- zögert oder intransparent verschleiert. Bei den GrĂŒnde- rinnen und GrĂŒndern gab es viele fragende Gesichter. Null Transparenz oder Information! Wieso wird diese selbst gebaute RufschĂ€digung in Kauf genommen? Was wir jetzt dringend brauchen, ist ein echtes Commit- ment fĂŒr Transformation â sozial, ökologisch, digital â, gezielte und massive Investitionen in die ZukunftsfĂ€hig- keit dieser Stadt, eine Innovationspolitik, die soziales Gemeinwohl mit technologischer Exzellenz verbindet, und â ganz wichtig â ein ehrlicher Umgang mit Zahlen, Herausforderungen und Zielkonflikten. Wer alles schönredet, macht sich am Ende der Probleme blind. Das können wir nicht wollen. Wir stehen fĂŒr eine Wirtschaftspolitik, die Zukunft denkt, fĂŒr eine Förderung, die nicht bei der AnkĂŒndigung endet, (Jörg Stroedter) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6532 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 fĂŒr eine Politik, die Talente nicht auf Zahlen reduziert, sondern Hebel fĂŒr jede Hand, jeden Kopf und jede Idee schafft. Wenn die Koalition bereit ist, diesen Weg zu gehen, stehen wir an ihrer Seite, wenn nicht, schauen wir weiter ganz genau hin. â Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Kollegin! â Dann hat der Kollege Wapler das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Das Kon- zept einer Aktuellen Stunde muss diese Koalition, glaube ich, noch verinnerlichen. Auch der RĂŒckblick des Kolle- gen Stroedter hat nicht erhellt, welches akute, drĂ€ngende Problem der vielen in diesem Bereich hier behandelt werden soll. [Beifall bei den GRĂNEN und der LINKEN â
Ich habe alles gesagt!] Ich hoffe, Frau Senatorin, es geht heute nicht nur darum zu berichten, wen Sie inzwischen in Berlin und Paris, New York und Dubai getroffen, welche Projekte Sie besucht und welche Preise Sie verliehen haben. Das ha- ben wir oft genug gehört. Denn, Frau Senatorin, Sie sind vor zwei Jahren in einem Ressort gestartet, in dem man glĂ€nzen kann, wie das auch Ihren VorgĂ€ngerinnen und VorgĂ€ngern gelungen ist. Aber es sind halt auch ziemlich groĂe FuĂstapfen. Eine Senatorin, die meint, sich als Sonnenkönigin, als VerkĂŒn- derin guter Nachrichten einrichten zu können, steht halt als Königin ohne Land da, wenn die Zeiten hĂ€rter wer- den. In Krisenzeiten dĂŒrfen die Unternehmen und die BeschĂ€ftigten eine proaktive, eine ernsthafte Wirtschafts- politik erwarten, die bei den Berlinerinnen und Berlinern ankommt. Es braucht gute Arbeit, es braucht faire Löhne, es braucht neue Erwerbschancen, damit die Menschen aus der Armutsfalle herauskommen. Es braucht Konjunk- tur mit sinkenden COâ-Emissionen. Es braucht die Aus- richtung der Berliner Wirtschaft auf zukunftsfĂ€hige MĂ€rkte. Frau Senatorin! Was waren denn Ihre groĂen wirtschafts- politischen Linien der letzten beiden Jahre, die die Berli- ner Wirtschaft krisenfest gemacht haben? 20 Jahre â â Gut, Herr Stroedter, aber wie geht es denn weiter? Viele Unternehmen blicken mit spĂŒrbarer Skepsis in die Zu- kunft. Das zeigen nicht nur die Konjunkturprognosen, das zeigt auch die RealitĂ€t vor Ort. Stichwort Wirtschafts- wachstum! Von 5 Prozent in 2021 auf knapp unter 1 Prozent in 2024, das ist eine heftige Vollbremsung. Das alles schönzureden, verkennt den Ernst der Lage. Berlins Wirtschaft verliert dramatisch an Schwung. Da heiĂt es nicht wegzumoderieren, sondern anzupacken. Das ist jetzt die Stunde, Frau Senatorin, um Pflöcke ein- zuschlagen und hier uns darzulegen, wie Sie die wirt- schaftliche Entwicklung in Berlin gestalten wollen. Denn Ihre HaushaltskĂŒrzungen haben die Berliner Wirtschaft schon genug gehemmt. Sie verstolpern bei der Förderpo- litik ja auch noch das, was nach Ihrem Haushaltchaos davon noch ĂŒbrig ist. Die Unternehmen und auch die BeschĂ€ftigten haben ein verdammtes Recht darauf zu wissen, ob sie mit UnterstĂŒtzung des Landes rechnen können. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten braucht es klare Kommunikation und VerlĂ€sslichkeit. Eine der Ursachen des politischen Stillstands ist, dass die schwarz-rote Koalition in wesentlichen Punkten uneinig ist. Das fĂ€ngt bei den Sonntagsöffnungen an und hört bei der EinfĂŒhrung einer solidarischen Ausbildungsumlage noch lange nicht auf. Diese Koalition kann sich nicht darauf einigen, Ausbildungsbetriebe zu unterstĂŒtzen. Ein echtes Armutszeugnis! Aber Sie haben es ja auch wirklich nicht leicht mit Ihrem Koalitionspartner, Frau Senatorin. Die CDU hat mit ihrer jahrzehntelangen Sparpolitik im wahrsten Sinne des Wor- tes einen TrĂŒmmerhaufen hinterlassen, auch in Berlin. Es sieht nicht so aus, Herr Stroedter, als wollte die CDU jetzt in die ZukunftsfĂ€higkeit unserer Stadt investieren â und damit ist nicht der nĂ€chste Bauabschnitt der A100 gemeint oder irgendwelche Schwebebahnen, sondern Investitionen, die Berlin sozial gerecht und klimaneutral machen. Die Berliner Unternehmen und die BeschĂ€ftigten können das. Frau Senatorin, geben Sie ihnen die Chance! â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat der Kollege GrĂ€ff jetzt das Wort.
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wie nicht anders zu erwarten, haben wir von der Koalition bisher das ĂŒbliche Schöngerede gehört, was die wirt- schaftliche Entwicklung angeht. Der Kollege Stroedter musste sogar bis ins Jahr 2006 zurĂŒckgehen, um die wirt- schaftlichen Zahlen, die wir haben, einigermaĂen ertrĂ€g- lich zu machen. Aber ich glaube, es ist Zeit, Klartext zu reden, denn das erwarten die Menschen da drauĂen. Das wirtschaftliche Wachstum in Berlin bricht ein. Alle wichtigen Kennzahlen deuten nach unten. Da reicht es auch nicht zu sagen: In anderen Teilen der Republik sieht es noch schlechter aus. â Frau Wirtschaftssenatorin Giffey wird uns sicherlich gleich sagen, dass wir eine Superentwicklung bei den Start-ups haben, dass gerade eine tolle Start-up-Messe in Berlin stattfindet. Da frage ich mich: Merken Sie ĂŒberhaupt noch, was da drauĂen in der Stadt gerade los ist? â Die Menschen haben Angst um ihre ArbeitsplĂ€tze, weil in Berlin gerade reihenweise kleine und mittlere Betriebe dichtmachen. Da erwarten wir eine Reaktion und eine Antwort des Senats auf diese Entwicklung. (Christian GrĂ€ff) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6535 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Ich will Ihnen mal ein paar Beispiele nennen, nur aus der Berliner Metallindustrie: HASSE & WREDE in Mar- zahn, die bauen SchwingungsdĂ€mpfer, gehören zu einem Knorr-Bremse Konzern, der Milliardengewinne macht, soll dichtgemacht werden; 120 ArbeitsplĂ€tze weg. Fluke baut Hightechprozessoren, soll dicht gemacht werden. HELLA Aglaia in Tempelhof macht dicht; in naher Zu- kunft: 170 ArbeitsplĂ€tze weg. G â ELIT, Spezialwerk- zeughersteller in Reinickendorf, da soll in zwei Wellen abgebaut werden; es geht um 300 ArbeitsplĂ€tze. Das sind eher kleine Betriebe, aber wir haben vor Kur- zem bei Stadler gesehen, wie schnell es gehen kann, dass auch unsere GroĂbetriebe betroffen sind. Da ist es an der Zeit, dass der Senat klare Antworten und klare Gegen- konzepte prĂ€sentiert. Davon sehe ich bisher ĂŒberhaupt nichts, sondern nur Schöngerede und Gerede ĂŒber die Sonntagsöffnungszeiten. Das ist doch wirklich peinlich! Wir reden hier ĂŒber die Industrie. Die gesamte Industrie ist bedroht. Es geht um Zehntausende tarifgebundene ArbeitsplĂ€tze, nur hier in Berlin, um das RĂŒckgrat der gesamten deutschen Wirtschaft. Das ist unser Problem. Und ich sage nicht, dass der Senat oder die Wirtschafts- senatorin jede BetriebsschlieĂung verhindern kann. Ich sage auch ausdrĂŒcklich, dass Sie bei Stadler gut agiert haben. Das will ich ausdrĂŒcklich loben. Ich will ja nicht nur meckern. Wir haben es hier mit privaten Unternehmen zu tun. Da kann man nicht immer alles verhindern. Wir haben mit weltweiten Problemen zu kĂ€mpfen, Transformation, Digitalisierung, Trump und so weiter. Man kann nicht alles verhindern, aber es muss vom Senat wenigstens Antworten und Gegenkonzepte geben. Davon sehe ich ĂŒberhaupt nichts. Es kann doch nicht sein, dass hier schöngeredet wird und teilweise sogar Jubelbotschaften verkĂŒndet werden, wĂ€hrend in Berlin reihenweise Betrie- be dichtmachen, und darĂŒber nicht geredet wird. Das ist genau die Politik, die die Menschen nach rechts treibt. Die RealitĂ€t sieht folgendermaĂen aus: Die Arbeitslosig- keit in Berlin steigt seit drei Jahren. Auch dazu habe ich nichts gehört. Wir brauchen endlich ein Wirtschafts- wachstum, das dagegenhĂ€lt. Wir brauchen ein Wirt- schaftswachstum, das bei den Menschen ankommt und das in der Breite fĂŒr Einkommen und Wohlstand sorgt. Wir wollen keine wirtschaftliche Entwicklung wie zum Beispiel in London. Da werden Milliarden gemacht, da gibt es Fintech-Banker, da gibt es Start-up-Unternehmer, die machen Milliarden. Und fĂŒr die normalen Leute gibt es einfach keine Jobs mehr. Die können MilliardĂ€ren vielleicht dann noch als Lieferando-Kuriere die Pizza bringen und den Einkauf vorbeibringen. Das ist etwas, was wir in Berlin nicht brauchen. Wir brauchen wirt- schaftlichen Wachstum in der Breite. Und wie bekommen wir eine solche wirtschaftliche Ent- wicklung, die bei den Menschen wirklich ankommt? â Wir brauchen Wertschöpfung hier in der Stadt. Die muss hier gehalten werden; die muss hier ausgebaut werden. Wenn jetzt auf dem MessegelĂ€nde irgendein Fintech- Investor mit einem GrĂŒnder einen 500-Millionen-Deal abschlieĂt, dann ist das schön â das will ich gar nicht kritisieren â, aber davon hat unsere Stadt noch gar nichts gewonnen, keinen einzigen Arbeitsplatz. Deswegen mĂŒssen wir dafĂŒr sorgen, dass innovative Ideen und Produkte hier nicht nur gehandelt und viel- leicht entwickelt werden, sondern die mĂŒssen hier in Berlin umgesetzt und produziert werden. Wir mĂŒssen dafĂŒr sorgen, dass unsere Unternehmen und die BeschĂ€f- tigten dort auch in der Lage sind, solche innovativen Produkte zu produzieren. Wir mĂŒssen dafĂŒr sorgen, dass sie mit der Digitalisierung und der Transformation Schritt halten können und dass sie ihre Leute, ihre BeschĂ€ftigten auch entsprechend qualifizieren können. Dazu habe ich bisher in der Debatte vor allem von den Kolleginnen und Kollegen der Koalition nichts gehört. Dazu höre ich auch von dem Senat viel zu wenig â im Gegenteil. Eigentlich werden die Projekte, die Instrumente, die wir bisher hat- ten, eher zusammengekĂŒrzt. FĂŒr die Reallabor-Projekte zum Beispiel, die genau dafĂŒr da sind, innovative Ideen auf die StraĂe zu bringen, kann man schon lange keine FörderantrĂ€ge mehr stellen. Das Instrument ProValid fĂŒr Forschungsprojekte von Berliner Hochschulen und das Projekt ProNTI zur Förderung von nicht technischen Innovationen in kleinen und mittelstĂ€ndischen Unterneh- men sind momentan ausgesetzt. Der Coachingbonus fĂŒr GrĂŒnderinnen und GrĂŒnder sowie Unternehmen wird zu Ende 2025 eingestellt, und kein Mensch weiĂ, was bei der Wirtschaftsförderung noch alles den HaushaltskĂŒr- zungen zum Opfer fĂ€llt. Das ist die Situation, die wir haben, und das ist beileibe keine Wirtschaftspolitik auf der Höhe der Zeit. Das ist genau das Gegenteil. Transformation und Dekarbonisierung â darĂŒber habe ich gerade schon gesprochen â sind nicht nur Gefahren, son- dern sind auch groĂe Chancen fĂŒr unsere Unternehmen. Damit diese Transformation aber gelingt, sind massive Investitionen nötig in die Infrastruktur, aber eben auch in die Betriebe. Deshalb muss die Schuldenbremse weg. Das 500-Millionen-Sondervermögen des Bundes (Damiano Valgolio) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6536 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 ist natĂŒrlich vorne und hinten nicht ausreichend, aber es gibt uns als Bundesland gewisse Möglichkeiten. Es ist die Aufgabe des Senats, dafĂŒr zu sorgen, dass mit diesen Mitteln nicht nur in die Infrastruktur investiert wird, sondern dass auch Innovation und Transformation in Berliner Unternehmen gefördert wird. Wir haben als Linksfraktion dafĂŒr schon lange konkrete VorschlĂ€ge gemacht. Wir sagen: Es ist wichtig, dass die Beauftragung und Investitionen so weit wie möglich nicht nur an die Unternehmen ausgezahlt werden, son- dern an konkrete Standortzusagen der Unternehmen ge- bunden werden, an TransformationsplĂ€ne und an konkre- te Qualifizierungsvereinbarungen dieser Unternehmen fĂŒr ihre BeschĂ€ftigten. Es kann nicht sein, dass sie einfach nur Geld bekommen, ohne fĂŒr Gute Arbeit zu sorgen oder sogar mit Drohungen, ihre Leute auf die StraĂe zu setzen. Stadler in Pankow ist ein warnendes Beispiel. Ich will noch mal in Erinnerung rufen, was da passiert ist. Dort sollen bis zu 1 500 U-Bahnen gebaut werden. Das Ge- samtauftragsvolumen betrĂ€gt bis zu 3 Milliarden Euro. Wir können also sagen, das Land Berlin ist der wichtigste Kunde. Trotzdem hat dieses Unternehmen damit gedroht, hier in Berlin an ihrem Werk die BeschĂ€ftigten auf die StraĂe zu setzen. Das ist eine Situation, die kann sich nicht wiederholen. Da mĂŒssen wir gegensteuern. Uns antworten Unternehmensvertreter oft, wenn man sie fragt, was ihr gröĂtes Problem ist, dass das der FachkrĂ€f- temangel ist. Dazu kann man viel sagen. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns vor Augen fĂŒhren, dass der Fach- krĂ€ftemangel in Berlin auch dadurch verschĂ€rft wird, dass FachkrĂ€fte hier nicht herziehen können, weil sie einfach keine bezahlbare Wohnung finden, oder sie finden keinen akzeptablen Kita- oder Schulplatz fĂŒr ihre Kinder. Das bedeutet: Das totale Versagen des Senats bei der Woh- nungspolitik und das Kaputtsparen der Bildungseinrich- tungen ist nicht nur schlimm fĂŒr die Menschen, die hier leben, das ist inzwischen auch eine riesige Gefahr fĂŒr unsere Wirtschaft und fĂŒr den Wirtschaftsstandort Berlin. [Beifall bei der LINKEN â Vereinzelter Beifall bei den GRĂNEN â
Woran liegt denn das? Das habt ihr doch zu verantworten!] Wenn es um FachkrĂ€fte geht, versagt der Senat ganz besonders heftig beim Thema Ausbildung. Denn wenn wir ĂŒber FachkrĂ€fte reden, dann mĂŒssen wir natĂŒrlich nicht nur darĂŒber reden, wer von auĂen zu uns kommen kann, sondern wir mĂŒssen natĂŒrlich vor allem darĂŒber reden, wie wir es schaffen, unsere eigenen jungen Men- schen hier in Berlin auszubilden und zu qualifizieren. Das Rumgeeiere des Senats bei der Ausbildungsplatzumlage ist unertrĂ€glich und ein absolutes Armutszeugnis. Der Senat zelebriert im Moment seinen internen Streit auf dem RĂŒcken der jungen Menschen, die in unserer Stadt keinen Ausbildungsplatz finden. Das darf so nicht wei- tergehen. Es kann doch nicht sein, dass die ganze Stadt ĂŒber Fach- krĂ€ftemangel jammert, und gleichzeitig Tausende Bewer- ber und ausbildungsfĂ€hige Jugendliche auf der StraĂe sitzen, weil ihnen nicht genug AusbildungsplĂ€tze angebo- ten werden. Das ist ein Missstand, der so schnell wie möglich behoben werden muss. Da kann man nicht mit irgendwelchen Zahlen jonglieren oder auf irgendwelche freiwilligen MaĂnahmen verweisen, da muss so schnell wie möglich gehandelt werden. Sie wissen das. Es gibt ein Instrument, das nachweislich fĂŒr zusĂ€tzliche AusbildungsplĂ€tze sorgt, und das ist die Ausbildungsplatzumlage. In der Bauwirtschaft ist sie eingefĂŒhrt worden und hat innerhalb von drei Jahren zu einer Verdreifachung der Ausbildungsquote gefĂŒhrt. In der Pflege, bei den Schornsteinfegern, ĂŒberall wird das Instrument gelobt, und es werden weitere Handwerks- branchen folgen. Und was macht der Senat? Es gibt ein umsetzbares Konzept von uns seit 2020 zur Ausbildungs- platzumlage. Das muss man nur umsetzen. Statt es umzu- setzen, diskutiert der Senat seit zwei Jahren ĂŒber irgend- welche Zahlen herum, diskutiert ĂŒber irgendwelche frei- willigen MaĂnahmen, die doch am Grundproblem ĂŒber- haupt nichts Ă€ndern. Deswegen darf jetzt nicht noch mehr Zeit verloren gehen, sondern es muss so schnell wie mög- lich fĂŒr junge Menschen in Berlin und fĂŒr unsere Wirt- schaft eine Ausbildungsplatzumlage eingefĂŒhrt werden. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordne- te Hansel das Wort.
Verehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Berlinerinnen und Ber- liner! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Berlin â diese unsere groĂartige Stadt steht, auch wenn es viele noch nicht wirklich wahrhaben wollen, kurz vor dem wirt- schaftlichen und sozialen Abgrund. Und nein, wir malen nicht schwarz, weil wir Berlin schlechtreden wollen. Nein, wir nehmen nur die RealitĂ€t zur Kenntnis, sehen, was ist, und sagen, es wird unter Wert regiert. So kann es nicht bleiben. (Damiano Valgolio) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6537 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Genau deswegen erhalten wir auch jeden Tag mehr Zu- stimmung bei den WĂ€hlern, nicht, weil wir schwarzmalen oder schlechte Stimmung verbreiten, sondern weil die Stimmung schlecht ist, weil die RealitĂ€t fĂŒr die Menschen zunehmend bitter ist und sie echte Ănderungen erwarten. Wir sind dafĂŒr ihr Resonanzboden. Die Leute wollen den echten Politikwechsel. Den erwartet der mit zu hohen Energiekosten bestrafte Mieter, die er sich nicht mehr leisten kann oder will. Das erwartet aber auch der hier noch investitionswillige Unternehmer, der keine Lust hat, sich mit noch höherer Abgabenlast auspressen zu lassen. Die Leute erwarten und wollen eine echte Chance auf einen echten Aufschwung. Das ist unsere Mission, und das erwarten die Menschen von uns, von Ihnen, den ande- ren Parteien, zunehmend eben nicht mehr. Wir erleben es jeden Tag, die marode Infrastruktur, die uns ausbremst, die Energiepreise, die explodieren, die Wirtschaft, die stagniert, die BĂŒrokratie, die lĂ€hmt, die Schulen, die versagen, die Sicherheitslage, die sich zu- nehmend verschĂ€rft. Das sind alles fĂŒr die Wirtschaft negative Standortfaktoren, die Investitionswillige aus dem In- und Ausland eher abschrecken als anlocken. Dabei ist das kein Naturereignis. Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Fehlentscheidungen. Und es ist vor allem, Herr Stroedter, vermeidbar. Jetzt lade ich Sie zu einem Experiment ein, die Kollegin- nen und Kollegen, die schreibende Zunft, die Berlinerin- nen und Berliner: Stellen wir uns einmal vor, die Alterna- tive fĂŒr Deutschland, die AfD, hĂ€tte seit 2016 mit ihrem Ersteinzug ins Landesparlament, flankiert von einer seit 2013 gefĂŒhrten AfD-Bundesregierung, die politische Verantwortung in dieser Stadt getragen. Lösen Sie sich einfach einmal von Ihrem verblendeten Feindbild, von der von uns gezeichneten medialen Karikatur, sondern sehen Sie die AfD beim Einzug ins Abgeordnetenhaus 2016 neutral als gestaltende Kraft. Was wĂ€re heute anders? â Wir hĂ€tten nach einem echten Kassensturz andere PrioritĂ€ten gesetzt und den massiven Investitionsstau nicht verwaltet, son- dern abgebaut. Berlin hĂ€tte heute ein modernes StraĂen- netz inklusive einer ausgebauten A100, sanierte BrĂŒcken, funktionierende Bahnen und Bahnhöfe. Schulneubauten, Polizeistationen und Verwaltungsge- bĂ€ude wĂ€ren zĂŒgig und effizient umgesetzt worden mit Fokus auf FunktionalitĂ€t, Haltbarkeit und BĂŒrgernutzen. Wir hĂ€tten zehn Jahre dafĂŒr gehabt und hĂ€tten es umge- setzt. Statt privates Kapital zu verteufeln, hĂ€tten wir es mobilisiert â keine dunkelrot-grĂŒnen Enteignungsfanta- sien, keine kĂŒnstlichen HĂŒrden, sondern eine echte Will- kommenskultur fĂŒr Investoren; Herr GrĂ€ff hat es ein bisschen versucht anzusprechen. Wir sagen: Kommen Sie nach Berlin! Wir wollen bauen, bauen, bauen. Das ICC, Frau Giffey, wĂ€re unter unserer Verantwortung lĂ€ngst international ausgeschrieben, vergeben und saniert worden. Berlin hĂ€tte heute neben dem City-Cube â das ist ein Erfolg, ja â wieder ein modernes internationales Kon- gresszentrum mit neuem Betreiber und wirtschaftlichem Impuls fĂŒr den fĂŒr Berlin so wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus und fĂŒr die Gastronomie. Die City-Tax hĂ€tten wir sofort abgeschafft. Sie haben sie ausgeweitet und erhöht. Im Standortfaktor Wohnungswesen â der Kollege hat es angesprochen, nur halt mit den falschen Lösungen â hĂ€tten wir auch ganz anders gearbeitet und hĂ€tten gelie- fert, viel mehr viel schneller gebaut und mit Substanz, Herr Wegner. Eine bereits 2017 von uns geforderte Ver- waltungsreform wĂ€re 2021 erfolgreich umgesetzt. Mit klaren ZustĂ€ndigkeiten und schnellen Genehmigungsver- fahren hĂ€tten wir dafĂŒr gesorgt, dass gebaut wird und nicht nur geplant. Wir hĂ€tten viele Berliner durch gezielte Eigentumsförde- rung aus der Mietknechtschaft befreit. Tausende wĂ€ren heute EigentĂŒmer ihrer Wohnung; ein aktiver Schutz vor Altersarmut statt ein Leben in AbhĂ€ngigkeit. Eigenverantwortung und Initiative â damit drehen Sie Berlin in die richtige Richtung. Wir hĂ€tten Investitionssicherheit geschaffen, statt Unter- nehmen mit Misstrauen und Belastungen zu konfrontie- ren. Der Mittelstand hĂ€tte, flankiert von einer wirtschafts- freundlichen Bundesregierung, von steuerlicher Entlas- tung, verlĂ€sslichen Rahmenbedingungen und echtem BĂŒrokratieabbau profitiert. Und wir hĂ€tten die wirtschaftliche SouverĂ€nitĂ€t Berlins auch gegenĂŒber der EU gestĂ€rkt, statt uns immer weiter in BrĂŒsseler Vorschriften und â noch schlimmer â Trans- ferunionen zu begeben. Apropos: Das wirtschaftsfeindliche Berliner Vergabege- setz â Sie haben es angesprochen â, vor dem die Wirt- schaft und ihre FunktionĂ€re gewarnt haben â Sie damals auch â wĂ€re mit uns nie gekommen; auch kein Lieferket- tengesetz, weder auf Bundes- noch auf Landesebene. Heute begreift es auch die Union als Fehler. Der Standortfaktor Bildung wurde auch angesprochen. Auch hier hĂ€tten wir geliefert. Schluss mit bildungspoli- (Frank-Christian Hansel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6538 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 tischem Verfall und Gleichheitsideologie! Disziplin und Leistung wĂ€ren wieder MaĂstab, Schulen Orte des Wis- sens und Aufstiegs, nicht des sich in diesen Tagen ab- zeichnenden Statuskampfes um Rangordnung nach kultu- rell-religiöser Herkunft. Lehrer hĂ€tten wir schon frĂŒher verbeamtet und gestĂ€rkt, SchĂŒler hĂ€tten wir gefordert, Eltern eingebunden. Berlin, Hauptstadt der Chancen, nicht bildungspolitisches Schlusslicht und Hauptstadt der Schulabbrecher, Herr Kollege! Standortfaktor Ordnung und Sicherheit: null Toleranz gegenĂŒber ClankriminalitĂ€t, Abschiebung straffĂ€lliger AuslĂ€nder, echter RĂŒckhalt, Herr Lux, fĂŒr die Polizei in Worten und Taten! Gewaltexzesse und krassester Antisemitismus nach dem Hamasterror vom 7. Oktober auf unseren StraĂen â mit uns undenkbar. Offene Grenzen â nicht mit einer AfD- gefĂŒhrten Bundesregierung. Illegale Massenmigration, wie die Union es ja heute auch schon offiziell nennt, hĂ€tte es nicht gegeben. Mit dieser SPD, vor allem in Berlin, werden Sie, liebe CDU, das auch nicht Ă€ndern oder stop- pen. Apropos stoppen: Wir hĂ€tten den Irrweg des Atomaus- stiegs gestoppt und rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Wir hĂ€tten auf einen grundlastsicheren, technologieoffenen Energiemix gesetzt und tun das auch heute â bezahlbar, souverĂ€n, planbar; keine Doppelstrukturen, keine Dunkelflaute, keine NetzinstabilitĂ€t mit 20 000 Eingriffen pro Jahr â hatten wir jetzt im Ausschuss â, keine Milliardenkosten fĂŒr die Eingriffe in die NetzstabilitĂ€t, die die Strompreise noch weiter nach oben treiben. Mit uns wĂ€ren Deutsch- land und Berlin ein Modell fĂŒr EnergiesouverĂ€nitĂ€t auf Augenhöhe mit unseren europĂ€ischen Nachbarn, nicht fĂŒr einen energetischen Risikofall am Rande eines Blackouts. Mit uns gĂ€be es keine deutschen Sonderwege. [Beifall bei der AfD â
Sie hĂ€tten uns an Russland verkauft!] Berlin â noch immer Deutschlands Start-up-Hauptstadt? â Ja, aber der Glanz verblasst: 2024 13,5 Millionen Euro Finanzierung pro Deal, in MĂŒnchen 24,2 Millionen, fast das Doppelte. Nur: Seit MĂ€rz 2019 in Berlin 24 Unicorns â das sind die, die durchstarten, die es wirklich geschafft haben â, London 55, Paris 54; Globales Start-up-Ranking Platz 15 hinter Tel Aviv, Paris, Amsterdam. Warum? â Zu hohe Energiekosten, Ăberregulierung, Berichtspflich- ten, fehlende Digitalstruktur. Ich kann nur sagen, unser AfD-Start-up-Ăkosystem wĂ€re schlank, entlastet, unter- nehmensfreundlich. Und die Insolvenzen? â Im vierten Quartal 4 200 Insol- venzen bundesweit, höchster Stand seit 2009, in Berlin um 28,7 Prozent gestiegen, Spitzenreiter. Das ist kein typischer Knick, das ist falsche Politik, und es ist Aus- druck fehlender wirtschaftlicher Hoffnung und Vertrau- ens. Denn die gesamtdeutsche WachstumsschwĂ€che â das wurde auch angesprochen â wirkt bis in unsere Stadt. Die Wirtschaftsweisen erwarten 2025 Nullwachstum, Investi- tionen brechen ein, der Standort Deutschland verliert an Substanz, Tag fĂŒr Tag. Mit uns am Hebel wĂŒrden Sie die Reizbegriffe âAbwanderung der Industrie ins Auslandâ oder âDeindustrialisierungâ nicht wöchentlich im Han- delsblatt oder der Wirtschaftswoche lesen mĂŒssen. Das Problem ist nicht nur die rot-grĂŒne Politik der kolla- bierten Ampel, es ist auch die Merz- und Wegner-CDU, die nicht durchkommt; nicht beim Thema Migration, nicht bei den Steuern, nicht bei der Energie. Die CDU hĂ€lt am Atomausstieg fest, auch sie will die CO2-Null- Ziele des Pariser Klimaabkommens durchziehen. Sie unterscheidet sich in vielem nicht von der SPD, auĂer vielleicht im Ton. Dasselbe im Bund: der kleinste ge- meinsame Nenner aus Angst. Vor was eigentlich? â Es fehlt nicht an Geld, es fehlt an Mut; Mut gegen links. Um es kurz zu machen: Das Experiment wollen wir jetzt mal plastisch beenden. Mit der AfD hĂ€tte die Zukunft, die Sie wieder versprechen werden, lĂ€ngst begonnen. Denn wir hĂ€tten investiert statt diskutiert, genehmigt statt blockiert, gebaut statt verwaltet, Leistung gefördert statt nivelliert und Freiheit ermöglicht statt eingeschrĂ€nkt. Berlin, meine Damen und Herren, liebe Berliner, wĂ€re heute nicht Hauptstadt der Ausreden oder des Schönre- dens â hatten wir die ganze Zeit â, was Frau Wirtschafts- senatorin Giffey auch gleich wieder machen wird, son- dern Hauptstadt der echten, gesicherten Erneuerung. DafĂŒr standen wir. Das können Sie alles nachlesen in unserem AfD-Programm auf Bundesebene, auf Europa- ebene und in unserem umfassenden Wirtschaftsprogramm âBlue Deal 2030â fĂŒr Berlin, das wir aus der letzten Le- gislaturperiode umsetzen und fortschreiben. DafĂŒr stehen wir. Weil es so schön ist und es so gut trifft: Mit uns hĂ€tte Berlins Zukunft lĂ€ngst begonnen, auf die Sie bei Schwarz-Rot oder noch schlimmer Schwarz-GrĂŒn noch ganz lange warten mĂŒssen. (Frank-Christian Hansel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6539 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Zu diesem Tagesordnungspunkt hat der fraktionslose Abgeordnete Dr. King einen Redebeitrag angemeldet. â Herr Abgeordneter, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Hansel! HĂ€tte, hĂ€tte, Fahrradkette; aber Sie mĂŒssen jetzt wieder aufwachen, denn die Berliner haben Ihnen nicht die Regierungsverantwortung ĂŒbertra- gen, und Sie werden es auch kĂŒnftig nicht tun, Gott sei Dank! Wir hören oft, Berlin steht besser da als der Rest des Landes. Das haben wir auch heute schon gehört, und ich denke, von der Senatorin werden wir es auch gleich noch mal hören. Bislang stimmte es ja irgendwie auch, aber Berlin ist eben keine Insel, und so langsam geht der Ber- liner Wirtschaft die Puste aus; so fasst die Berliner Spar- kasse ihr aktuelles Gutachten zusammen. Das Wirt- schaftswachstum nĂ€hert sich der Nullmarke, der Stagna- tion; 0,8 Prozent im letzten, nur noch 0,5 Prozent in die- sem Jahr. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, haben wir gera- de vom Kollegen Valgolio wirklich sehr eindrucksvoll gehört. Die Zahl der Insolvenzen stieg im letzten Jahr nicht nur deutschlandweit, sondern auch in Berlin auf Rekordniveau. Das liegt nicht nur an Sonderfaktoren, die Sie uns jetzt vielleicht auch gleich noch einmal erklĂ€ren werden. Insofern ist es ja mutig und auch ganz gut, dass sich die Wirtschaftssenatorin ausgerechnet dieses Thema fĂŒr die Aktuelle Stunde ausgesucht hat. Das Problem ist ernsthaft. Wir rutschen deutschlandweit in eine strukturelle Krise. Das hat mit falschen Weichen- stellungen zu tun, die in den letzten Jahren vorgenommen wurden. Wenn jetzt allerdings ausgerechnet die GrĂŒnen dem Berliner Senat die schlechte wirtschaftliche Lage in die Schuhe schieben wollen, dann ist das natĂŒrlich ein Treppenwitz. Die groĂen bundesweiten Rahmenbedin- gungen, die auch hier in Berlin so negativ zu Buche schlagen, haben Sie gesetzt in Ihrer Zeit in der Bundesre- gierung, das war Ihr grĂŒner Bundeswirtschaftsminister. 2025 wird das dritte Jahr der Rezession in Deutschland. Das gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepub- lik. Das zeigen die aktuellen Prognosen der EU-Kommis- sion und der Wirtschaftsweisen. Und jetzt, mit etwas Zeitverzögerung kommt die deutsche Wirtschaftskrise eben auch in Berlin an, und das war vorauszusehen. Cha- os auf den EnergiemĂ€rkten, erratische Strompreise, die Folgen der völlig verfehlten Energie- und vor allem EnergieauĂenpolitik, Stichwort Russlandsanktionen â der Kollege Stroedter hat das vollkommen richtig angespro- chen â, gefĂ€hrden mittlerweile auch in Berlin die Exis- tenz von Betrieben und ArbeitsplĂ€tzen. Die hohen Ener- giekosten schnĂŒren der Berliner Industrie und der Bau- wirtschaft die Luft zum Atmen ab. Betroffene Unterneh- men aus der Chemie- und Pharmaindustrie schreiben einen Brandbrief nach dem anderen. Wohnungsbau zu sozialvertrĂ€glichen Mietpreisen ist schlicht gar nicht mehr wirtschaftlich möglich, und dann wundert man sich ĂŒber Wohnungsnot. Lange hat man all das ignorieren können, weil man in der Post-Corona-Phase in einigen Dienstleistungssektoren ja tatsĂ€chlich Aufholeffekte und damit Wachstum hatte, aber jetzt schlĂ€gt die Krise eben auch auf die Sektoren durch, auf die Berlin immer so stolz war. Die beliebte Berliner Nachtökonomie leidet am BĂŒrokratiedschungel, an schlechter und teurer Anbindung ihrer MĂ€rkte, Stich- wort fehlende KonnektivitĂ€t, und an der sinkenden Kauf- kraft ihrer Kunden durch stĂ€ndig steigende Abgaben und BeitrĂ€ge. Wir haben es im Wirtschaftsausschuss doch von der Clubcommission gehört: Die UmsatzeinbrĂŒche in diesem Bereich sind verheerend. Genauso die Kreativ- wirtschaft, die hier in Berlin so wichtig ist; sie leidet unter zu hohen Produktionskosten. Berlin ist hier bei aller Coolness, auf die man sich gern viel zugutehĂ€lt, schlicht nicht wettbewerbsfĂ€hig. Wir haben es gestern von media- net, vom Branchenverband, gehört: 56 Prozent aller Un- ternehmen, die bei medianet organisiert sind, sehen wei- tere UmsatzeinbrĂŒche in den nĂ€chsten drei Jahren, und 76 Prozent sagen, der steigende Kostendruck ist am Standort Berlin-Brandenburg die Ursache dafĂŒr. Die hohen Energiepreise sind das Hauptproblem. Sie belasten auch die privaten Haushalte. Vorgestern berich- tete das RedaktionsNetzwerk Deutschland, Zitat: â2024 wurde wohl ein Allzeithoch bei den Kosten fĂŒr wohlige WĂ€rme in der Wohnung erreicht.â Besonders betroffen seien Haushalte mit Gasheizungen oder FernwĂ€rme â und damit 80 Prozent der Haushalte in Berlin. Die EU-Kommission aber strickt weiter an Sank- tionspaketen, völlig aus der Zeit gefallen, und Sie alle finden das gut, vielleicht auĂer dem Kollegen Stroedter, sind aber auch gern Anwalt derjenigen, die dann unter den hohen Nebenkosten leiden. Das ist wenig glaubwĂŒr- dig. Diese Politik, die leider von der neuen Bundesregierung fortgesetzt wird, ist auch alles andere als nachhaltig. Sie gefĂ€hrdet sogar den klimagerechten Umbau der Wirt- schaft. Wir haben von der IHK im Wirtschaftsausschuss vorgerechnet bekommen, dass in Berlin 45 Milliarden Euro investiert werden mĂŒssten, um die Wirtschaft kli- maneutral umzubauen, davon ĂŒber 80 Prozent von den Unternehmen. Wie soll das gehen, frage ich, wenn die Konjunkturaussichten trĂŒbe sind, das Eigenkapital rĂŒck- lĂ€ufig und die Investitionsneigung entsprechend gering? â Man kann die Wirtschaft nicht klimaneutral umbauen, indem man ihre Grundlagen zerstört. Das können Sie dann auch mit noch so vielen Förderprogrammen nicht heilen. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6540 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Noch ein Irrweg, auf den ich aufmerksam machen will: Berlin wird ja jetzt RĂŒstungsstandort. Die Rheinme- tall-Tochter Pierburg macht in Gesundbrunnen den An- fang; Munition statt Autozubehör. Aber auch der Kriegs- keynesianismus, der jetzt um sich greift, die Umstellung von ziviler Produktion auf die Produktion von MilitĂ€rge- rĂ€t, mit den Milliarden an Kriegskrediten befeuert, die Sie alle gemeinsam durch Bundestag und Bundesrat gebracht haben, wird die Wirtschaft nicht aus der Krise fĂŒhren, im Gegenteil. Wir brauchen andere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, zuallererst gĂŒnstige Energie, weni- ger BĂŒrokratie â da hat Herr Kollege GrĂ€ff viele Sachen sehr richtig angesprochen â, gerade im Hinblick auf die KMU, Stichwort öffentliche Vergabe. Wir brauchen bezahlbare GewerbeflĂ€chen, Ausbildung unserer jungen Leute und vor allem mehr Kaufkraft beim BĂŒrger, das heiĂt mehr Tarifbindung, höhere Löhne, vor allem höhere Mindestlöhne, weniger Belastung durch Abgaben. Jetzt freue ich mich auf die Antworten der Senatorin auf die vielen kritischen Fragen, die gestellt wurden, und hoffe, wir hören nicht nur Erfolgsmeldungen. â Danke! Vielen Dank! â Bevor ich der Senatorin das Wort gebe, darf ich ganz herzlich DienstkrĂ€fte der Berliner Feuer- wehr bei uns im Abgeordnetenhaus begrĂŒĂen. â Herzlich willkommen und vielen Dank fĂŒr Ihre Arbeit! FĂŒr den Senat spricht nun die Senatorin fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe. â Bitte sehr, Frau Senatorin Giffey! BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey (Senatsverwaltung fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das letzte Wort, dass Sie nicht hoffen, dass so viel Erfolg vermeldet wird, ist auch ein bisschen strange, denn eigentlich kön- nen wir uns ja schon auch mal ĂŒber den Erfolg freuen und mĂŒssen ihn nicht immer als Schönreden diffamieren. Ich will trotzdem anhand drei zentraler Botschaften heute faktenbasiert darlegen, wie die Lage ist. Erstens, noch nie wurden so viele Investitionsmittel in die Stadt geholt wie in dieser Legislatur. Zweitens, noch nie wurde so viel fĂŒr die Innovationsförderung getan wie jetzt. Drittens, noch nie wurden so viele digitale Verwaltungsleistungen fĂŒr die Berliner Wirtschaft angeboten wie jetzt. Ich möchte das gern ausfĂŒhren. Noch einmal zur Erinne- rung: Berlin gehört zu den sechs BundeslĂ€ndern mit der stĂ€rksten Wirtschaftskraft. Wir haben es hier in unserer Stadt trotz der negativen Entwicklung im Bund geschafft, und ich möchte das sagen: Wir können uns nicht kom- plett von einer gesamtdeutschen, von einer gesamteuropĂ€- ischen Lage abkoppeln, die natĂŒrlich die Situation er- schwert. Das sehen Sie ĂŒberall um uns herum. Wenn Bayern und Baden-WĂŒrttemberg ein schwĂ€cheres Wachs- tum haben als Berlin, dann zeigt das etwas, was eben auch bedeutet, dass auch wir hier vor gröĂeren Heraus- forderungen stehen. Trotzdem ist unser Bruttoinlandspro- dukt im letzten Jahr zum zwölften Mal in Folge ĂŒber dem Bundesdurchschnitt gewachsen. Das ist kein Zufall, son- dern das ist harte Arbeit gewesen. Das bedeutet, wenn wir uns Ostdeutschland anschauen, denn wir sind stĂ€rker als alle anderen ostdeutschen Bun- deslĂ€nder, dass wir der Wirtschaftsmotor hier in unserer Region sind, und dass es auch gezeigt hat, dass wir es trotz der schwierigen Situation am Arbeitsmarkt geschafft haben, bisher allein in dieser Legislaturperiode die Ar- beitsplatzzahl um fast 100 000 zu erhöhen, und das waren sozialversicherungspflichtige BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse. Ich finde das wichtig. Wir haben als Senat gemeinsam mit unserer Wirtschafts- fördergesellschaft Berlin Partner und auch mit der Inves- titionsbank Berlin dafĂŒr gearbeitet, Unternehmen in unse- rer Stadt anzusiedeln: mit Förderung, mit Beratung, mit dem Business Location Center, mit dem Business Immi- gration Service, auch unterstĂŒtzt beim FachkrĂ€ftethema. Wir haben das letzte Jahresergebnis von Berlin Partner zusammen mit Berlin Partner vorgestellt. Es ist im letzten Jahr an ĂŒber 300 Ansiedlungsprojekten gearbeitet wor- den, und es sind ĂŒber 1,1 Milliarden Euro Investitionsvo- lumen hier ins Land gekommen. Jetzt können Sie sagen: Das ist ja nichts. â Ich sage Ihnen, wenn wir uns die Zeit seit dem Mauerfall anschauen, ist es genau zwei Mal gelungen, dass wir Ansiedlungen von Unternehmen ĂŒber 1 Milliarde Euro im Jahr hierher nach Berlin geholt ha- ben, und diese zwei Male lagen beide in dieser Legisla- turperiode. Da können Sie mir Schönreden vorwerfen, wie Sie wollen. Ich bin stolz darauf, dass diese Zahl ein- deutig ist und dass sie auch ein Höhepunkt ist. Deshalb: Nie zuvor wurden mehr Investitionsmittel in unsere Stadt geholt als in dieser Legislatur. Das bedeutet, dass wir eben auch genau daran weiterarbeiten mĂŒssen. Es ist vorgeworfen worden, dass wir keine wirtschaftspo- litischen Leitlinien haben. Ich weiĂ nicht, Herr Wapler, wie oft ich im Wirtschaftsausschuss die wirtschaftspoliti- schen Leitlinien erörtert habe. Vier sind es an der Zahl, eigentlich nicht so schwer zu merken: Wir arbeiten fĂŒr ein starkes Wirtschaftswachstum, wir arbeiten fĂŒr die klimaneutrale Stadt, wir sichern die besten HĂ€nde und Köpfe fĂŒr Berlin, und wir arbeiten dafĂŒr, dass unsere Stadt Innovationsstandort Nummer eins in Europa wird. Das ist kein BlĂŒtentraum, sondern daran arbeiten wir, (Dr. Alexander King) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6541 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 indem wir zum Beispiel wie gestern die GITEX Europe hier in der Stadt eröffnen, mit ĂŒber 1 400 Ausstellern, Investoren, globalen Sprechern und all denen, die hier investieren und gemeinsam mit uns diese Entwicklung vorantreiben. Deshalb arbeiten wir mit der Wissenschaftsverwaltung eng zusammen und machen zum Beispiel einen neuen Pre-Seed-Fonds fĂŒr das Venture-Capital fĂŒr wissen- schaftsbasierte AusgrĂŒndungen mit 10 Millionen Euro, um gerade die zu unterstĂŒtzen, die in der UniversitĂ€t geniale Ideen haben, aber eben nicht das Startkapital, um ein erfolgreiches Unternehmen zu grĂŒnden. Genau des- halb machen wir das. Auch an Tuba Bozkurt gerichtet: Ich weiĂ nicht, ob Sie nur einen Teil des Berichts des letzten Jahres ĂŒber die GRW-Förderung gelesen haben. Wir haben seit Jahren eine Tradition, dass die GRW-Mittel hier bei uns im Bundesland stĂ€rker abgerufen werden als in anderen BundeslĂ€ndern, dass wir Mittel, die woanders liegen bleiben, hier verwenden, und wir haben im letzten Jahr ĂŒber 200 Millionen Euro GRW-Fördermittel in unsere Stadt investiert, sowohl in die Infrastruktur als auch in Erweiterungsvorhaben fĂŒr Unternehmen. Und im Ăbri- gen haben wir zusĂ€tzliche Bundesmittel in Höhe von 48 Millionen Euro nach Berlin ziehen können, weil ande- re BundeslĂ€nder sie nicht ausgegeben haben. Ich finde, wenn, dann muss man auch die ganze Geschichte erzĂ€h- len und darf sich nicht etwas herauspicken. Es ist heute viel ĂŒber die Start-ups geredet worden und dass das ja alles nichts weiter wĂ€re. Ich kann Ihnen sagen: Wenn Sie morgen frĂŒh aufwachen, ist schon wieder ein neues Start-up gegrĂŒndet, alle 17 Stunden. Ich weiĂ nicht, wann Sie aufstehen, aber auf jeden Fall haben wir eine Situation, in der jeden Tag ein neues Start-up oder sogar zwei gegrĂŒndet werden. Wir haben im letzten Jahr 498 Start-ups gehabt. Zum Vergleich: In MĂŒnchen waren es 203, in Heidelberg, wo ja auch immer gern so getan wird, als wĂ€ren die ganz vorne, 22. Da muss man aufpas- sen, wie die BezugsgröĂe ist; wenn man das auf die Be- völkerungszahl bezieht, dann kann es schon mal ein paar Verzerrungen geben, aber es gibt keine andere Stadt in Deutschland, die so viele GrĂŒndungen im Start-up- Bereich hat wie Berlin. Im Ăbrigen kommt hinzu, dass wir 5 000 Start-up-Unter- nehmen hier in unserer Stadt haben, ĂŒber 100 000 Be- schĂ€ftigte, ĂŒbrigens genauso viele wie in der Industrie. Und wenn man sich anschaut, was die noch mal zusĂ€tz- lich zu den Investitionsmitteln an Venture-Capital gezo- gen haben, dann sind wir mit dem Venture-Capital alleine in den letzten fĂŒnf Jahren bei 23 Milliarden Euro Ven- ture-Capital, Investitionskapital fĂŒr unsere Start-up- Unternehmen. Keine andere Stadt in Deutschland hat so viel erreicht. Wir haben die meisten deutschen Unicorns bei uns. Was sind Unicorns? â Das sind Unternehmen, die mit ĂŒber 1 Milliarde US-Dollar bewertet sind. 19 davon sind bei uns. Gerade ist mit Parloa das 19. dazuge- kommen. Wir gratulieren diesen Unternehmen, die das geschafft haben. Und wenn Sie sagen, das spielt ja alles keine Rolle: Das sind Unternehmen, wenn die mit 1 Milliarde US-Dollar bewertet sind und hier in Berlin ihren Sitz haben, die zahlen Steuern, die sorgen fĂŒr die Einnahmen, die wir dann wieder im Haushalt fĂŒr die vielen WĂŒnsche, die wir haben, ausgeben können. Das finde ich wichtig hier an dieser Stelle einmal zu sagen. Und wenn wir uns anschauen, was im letzten Jahr gelun- gen ist und worauf wir auch jetzt aufbauen: Wir haben die Top-Investments auch in diesem Jahr, AMBOSS mit 240 Millionen Euro Investment, Parloa mit 120 Millionen Euro, Enpal mit 110 Millionen Euro. Das sind die ersten Zahlen fĂŒr das Jahr 2025. Wir wissen, dass wir hier ĂŒber BetrĂ€ge sprechen, die wir dringend brauchen. Und wenn hier gesagt wird â ich glaube, Herr Wapler war es oder Herr Valgolio â, es ist ja nicht so relevant, wenn jetzt hier auf der GITEX irgendein GeschĂ€ft gemacht wird, und da schlieĂt ein Fintech-Unternehmen mit jemandem einen Vertrag ab, das ist doch egal. â Es ist nicht egal! â Ich kann Ihnen sagen: Wir haben hier in unserer Stadt den Topwert der Fintech-Unternehmen, nĂ€mlich 189 Un- ternehmen. Diese Unternehmen sind hier gemeldet, die zahlen hier Steuern, und wenn sie hier einen Vertrag abschlieĂen ĂŒber Venture Capital, ĂŒber neue BeschĂ€ftig- te, dann kommt das der Stadt Berlin und unserem Haus- halt zugute. Und wenn wir zwar nicht der traditionelle Bankenstandort sind wie Frankfurt am Main, aber eben der, der fĂŒr die neuen Technologien im Finanzbereich steht, wenn wir der Topstandort sind, an den zwei Drittel der Investitionen, die in Deutschland ĂŒberhaupt getĂ€tigt werden, kommen, dann hat das eine Relevanz fĂŒr die Wirtschaftskraft des Standorts, und dann verstehe ich nicht, warum Sie hier den Eindruck erwecken, dass das alles keine Rolle spielt. Ich finde, es ist wichtig. Man kann sich ja auch mal fragen, wie das ĂŒberhaupt gelungen ist, dass wir trotz dieser schwierigen Lage bes- ser sind als andere BundeslĂ€nder â natĂŒrlich, weil wir eine Branchenvielfalt haben, natĂŒrlich, weil wir nicht nur auf die Industrie setzen, die wichtig, ist, die wir weiter unterstĂŒtzen mĂŒssen, weil wir das Handwerk hier haben, weil wir die Gastronomie, die Kultur, das Thema Tou- rismus hier haben. Aber es sind eben auch die neuen Tech-Branchen, Fintech, Deep Tech, Healthtech, Green- tech, Games, das ganze Thema KI. Wir werden in diesem Jahr den ersten KI-Hub eröffnen. Wir setzen auf Innova- tion in unserer Stadt, wir gehen mit den Programmen in (BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6542 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 diese Richtung, und wir wollen uns auch ganz klar darauf orientieren, dass wir natĂŒrlich nur dann, wenn wir Inno- vationen in die Stadt holen, auch wirtschaftlich erfolg- reich sein können. Ich möchte es an dieser Stelle noch mal sagen: Herr Wap- ler, ich lasse mich von Ihnen nicht als âSonnenköniginâ diffamieren, weil ich fĂŒr die internationale Kooperation unserer Stadt sorge. Wenn wir mit Dubai, mit Paris, mit Jakarta, mit London, mit Warschau und mit vielen ande- ren StĂ€dten mehr zusammenarbeiten, wenn wir mit unse- ren indischen Partnern arbeiten, wenn wir auf Innovation und Internationalisierung setzen, dann ist das das, was ich fĂŒr erforderlich halte fĂŒr eine Weltmetropole Berlin. Wir sind diejenigen, und das haben wir letzte Woche in Paris doch selber erlebt: Die Franzosen setzen auf die deutsch-französische Zusammenarbeit. Sie erhoffen sich, dass Deutschland und Frankreich, der Motor der EuropĂ€i- schen Union, die beiden LĂ€nder, die ĂŒber 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften, das vorantreiben. Und wo soll es denn geschehen, wo ist denn das Zentrum der deutsch-französischen Zusammenarbeit? â NatĂŒrlich in unseren beiden HauptstĂ€dten, natĂŒrlich in Berlin und Paris, und es ist notwendig, dass wir diejenigen sind, die eben nicht nur BullerbĂŒ machen, sondern die ganz klar sagen: Wir stehen hier fĂŒr die internationale Zusammen- arbeit! Nur dann, und nur dann wird unsere Stadt erfolgreich sein. Deshalb ist es auch wichtig, und das ist hier an vie- len Stellen angesprochen worden: Das Sondervermögen der Bundesregierung muss selbstverstĂ€ndlich eingesetzt werden fĂŒr die Investitionen, die jetzt nötig sind, in öf- fentliche Infrastruktur, in die Wirtschaft, in den Woh- nungsbau, in die Digitalisierung, in das ganze groĂe Thema Transformation. Das mĂŒssen wir tun, und das werden wir tun. Wir werden als Berlin ganz klar vorbe- reitet sein darauf, was jetzt nötig ist. Und ich sage Ihnen: Wir haben alle Chancen, unsere Stadt wirklich als Innovationsstandort zu profilieren. Wir haben alle Chancen, auch im nĂ€chsten Jahr mehr Wachs- tum zu erreichen. Die Prognose liegt aktuell bei 1 Pro- zent, fĂŒr das nĂ€chste Jahr dann bei 1,5 Prozent. Unsere Aufgabe ist, positiv nach vorne zu schauen und die Wirt- schaft zu unterstĂŒtzen. Genau das machen wir. â Ich habe Ihnen gerade ausgefĂŒhrt, was wir tun, auĂer positiv nach vorne zu schauen. Wir haben ganz konkrete Programme. Sie wissen genau, dass wir sehr viel einset- zen, um die Wirtschaft zu unterstĂŒtzen. Im Ăbrigen, wenn hier kritisiert wird, dass fĂŒr die Reallabore nicht genug getan wird: Wir haben es geschafft, da, wo wir Landes- mittel nicht so stark einsetzen können, genau fĂŒr diese Frage Bundesmittel zu akquirieren. Das ist auch eine Aufgabe, und das tun wir gemeinsam mit der Wirtschaft. Wir fragen sie nĂ€mlich, was sie brau- chen, wir fragen sie, was sie an Programmen benötigen, und dann richten wir die Programme so aus, dass sie der Wirtschaft wirklich helfen. Ein letztes Wort geht an Herrn Hansel, der hier eine Zu- kunftsvision fĂŒr die Stadt aufgemalt hat, die hoffentlich nie eintreten wird. Ich sage Ihnen eines: Es sind Punkte darin, die wichtig sind, aber eines ist total klar: Wir werden das, was wir wollen, nur dann erreichen, wenn wir unsere wirklich gröĂte StĂ€rke in Berlin erhalten, und das ist Weltoffen- heit, Vielfalt und Toleranz. Ein Rechtsruck schwĂ€cht Wachstum und Wohlstand, das ist sonnenklar. Und wenn wir hier erreichen wollen, dass weiter Talente aus aller Welt in unsere Stadt kommen, dass Investoren sich fĂŒr Berlin entscheiden, dass wir diejenigen unterstĂŒt- zen, die hier in unserer Stadt wachsen wollen, auch die, die jetzt aus den USA kommen, die Angst haben, weil sie dort nicht mehr in Freiheit leben und forschen und arbei- ten können, die sagen: Wohin gehe ich denn? â Ich gehe nach Europa, und wenn ich dort hingehe, gehe ich nach Berlin â, dann ist unsere Aufgabe, als freie und weltoffene Stadt zu sagen: Ihr seid herzlich willkommen! Das wird die Branchenvielfalt und das Wachstum der Zukunft sein, davon bin ich fest ĂŒberzeugt, in einer (BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6543 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 demokratischen, in einer freien Stadt Berlin. Das ist unser wichtigster Wirtschaftsfaktor. â Vielen herzlichen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Die Aktuelle Stunde hat damit ihre Erle- digung gefunden. Ich komme zu lfd. Nr. 3: Fragestunde gemÀà § 51 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Nun können mĂŒndliche Anfragen an den Senat gerichtet werden. Die Fragen mĂŒssen ohne BegrĂŒndung, kurz ge- fasst und von allgemeinem Interesse sein sowie eine kurze Beantwortung ermöglichen; sie dĂŒrfen nicht in Unterfragen gegliedert sein. Ansonsten werde ich die Fragen zurĂŒckweisen. Zuerst erfolgen die Wortmeldungen in einer Runde nach der StĂ€rke der Fraktionen mit je einer Fragestellung. Nach der Beantwortung steht mindestens eine Zusatzfra- ge dem anfragenden Mitglied zu, eine weitere Frage kann von einem weiteren Mitglied dieses Hauses gestellt wer- den. FĂŒr die CDU-Fraktion beginnt der Kollege Schmidt. â Bitte schön!
Jetzt aber! â Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin, vielen Dank fĂŒr das Wort! â Ich frage den Senat: Welche Auswirkun- gen hat die SteuerschĂ€tzung fĂŒr das Land Berlin? Herr Finanzsenator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr geehr- ter Herr Abgeordneter! Das Thema knĂŒpft recht nahtlos an das der Aktuellen Stunde an, da natĂŒrlich auch die Ergebnisse der SteuerschĂ€tzung, die wir Ende letzter Woche erhalten haben, sehr von der wirtschaftlichen Entwicklung geprĂ€gt sind, die hier diskutiert wurde; zum einen von der bundesweiten wirtschaftlichen Entwick- lung, die fĂŒr Berlin nicht folgenlos bleibt, zum anderen aber auch, auch wenn es heute schon oft genug betont wurde, dahingehend, dass Berlin sich von dieser wirt- schaftlichen Entwicklung des Bundesdurchschnitts doch weiterhin signifikant absetzt. Wichtig zu wissen ist, dass die Konjunktur und ihre Fol- gen sich in den Steuereinnahmen erst mit Verzögerung abbilden. Das heiĂt, vieles von dem, was wir aktuell an negativen Indikatoren in der volkswirtschaftlichen Ent- wicklung wahrnehmen, werden wir erst mit Verzögerung auch in der Entwicklung der Steuereinnahmen sehen. So erklĂ€rt sich dann auch ein Teil dessen, was wir fĂŒr die kommenden Jahre an Mindereinnahmen fĂŒr Berlin prog- nostizieren, wĂ€hrend gleichzeitig die Bundesregierung damit rechnet, dass dann auch wieder eine wirtschaftliche Belebung in Deutschland zu verzeichnen sein wird. ZunĂ€chst einmal befinden wir uns aber wieder im bun- deswirtschaftlich negativen Rahmen. Wir sind im dritten Jahr einer wirtschaftlichen Rezession oder Stagnation. Das ist historisch einmalig, und natĂŒrlich wird es eine der Aufgaben nicht nur der Bundesregierung, sondern, im Rahmen unserer Wirkungsmöglichkeiten, auch von uns im Land Berlin sein, dem möglichst entschlossen entge- genzuwirken. Wir haben bundesweit im hohen zweistelligen Milliar- denbereich Mindereinnahmen gegenĂŒber der letzten SteuerschĂ€tzung vom November vergangenen Jahres zu verzeichnen. Das war die SteuerschĂ€tzung, der auch unse- re Haushaltsplanung zugrunde lag und die auch dem Beschluss ĂŒber die Eckwerte fĂŒr die Haushaltsaufstellung 2026 und 2027 zugrunde lag. Insofern haben alle sehr gespannt auf diese SteuerschĂ€tzung geschaut, denn natĂŒr- lich hĂ€tte sie signifikante Auswirkungen fĂŒr das laufende Haushaltsjahr haben können und insbesondere auch fĂŒr die Haushaltsaufstellung fĂŒr die Jahre 2026 und 2027. Herr Stroedter hat es in der Debatte ĂŒber die wirtschaftli- che Entwicklung schon gesagt: Insbesondere im Bereich der konjunkturabhĂ€ngigen Steuereinnahmen haben wir eine signifikante Verringerung der Einnahmeerwartungen zu verzeichnen. Das ist ein ernstes Warnsignal, und es ist letztlich ein klarer Appell an alle hierfĂŒr Verantwortli- chen, auch entschlossen zu handeln und ihre Politik auf wirtschaftliches Wachstum auszurichten. Auf der anderen Seite sehen wir aber im laufenden Jahr, dass bestimmte Steuerarten auch besser performen, als es zu erwarten war. So verrĂŒckt es klingt, da richte ich mei- nen Blick ĂŒber den groĂen Teich und in Richtung der USA. Es war vor allem die erratische Handelspolitik des neuen US-PrĂ€sidenten, die dazu gefĂŒhrt hat, dass wir diesmal glimpflicher davonkamen, als zu befĂŒrchten war, und zwar im laufenden Jahr deswegen, weil ein historisch einmalig hohes Aufkommen an Abgeltungsteuer zu ver- zeichnen ist. Ganz offensichtlich haben die VerĂ€nderun- gen der US-Politik, die Schockwirkungen, die dadurch in den Kapitalmarkt gesandt wurden, dazu gefĂŒhrt, dass in groĂen Volumen insbesondere Aktienportfolios (BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6544 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 umgeschichtet wurden, was dazu fĂŒhrte, dass bundesweit ein signifikant hohes Aufkommen an Abgeltungsteuer zu verzeichnen war, was uns im laufenden Jahr die Folgen der konjunkturbedingt absinkenden Steuereinnahmen ein StĂŒck weit kompensiert. Nun bin ich weit davon entfernt, dem US-PrĂ€sidenten dafĂŒr ein Dankeschön auszusprechen, denn ich glaube, dass er der Volkswirtschaft der USA und auch der Welt- wirtschaft unabhĂ€ngig davon groĂen Schaden zufĂŒgt. Aber im laufenden Jahr ist es tatsĂ€chlich ein Effekt, der dazu beitrĂ€gt, dass wir nicht noch einmal aufgefordert sind, aufgrund der Ergebnisse der SteuerschĂ€tzung in den Haushaltsvollzug hinein zu konsolidieren. Das ist neben anderen Herausforderungen dann wenigstens mal eine gute Nachricht fĂŒr das laufende Jahr. TatsĂ€chlich haben wir fĂŒr das laufende Jahr sogar leichte Steuermehreinnahmen aufgrund dieses Effekts zu ver- zeichnen, entgegen vieler Erwartungen. Das haben wir auch deswegen, weil wir in die Planungen bestimmte Effekte in die letzte SteuerschĂ€tzung auf der regionalen Ebene aufgenommen haben, die der Bund nicht berĂŒck- sichtigt hat. Der Bund hat weniger vorsichtig geplant. Auch das trĂ€gt dazu bei, dass der Effekt fĂŒr Berlin sehr moderat ist. Auch fĂŒr die kommenden Jahre haben wir SteuerĂ€nde- rungen, die nach dem November vergangenen Jahres stattgefunden haben, die der Bund aber in seiner Steuer- schĂ€tzung noch nicht berĂŒcksichtigt hat, bereits aufge- nommen. Das betrifft die BerĂŒcksichtigung des Exis- tenzminimums, die Anpassung der Steuertarife. Das ha- ben wir in der SteuerschĂ€tzung bereits berĂŒcksichtigt. Der Bund hat auch deswegen einen erheblich negativen Ef- fekt, weil er das in seiner SteuerschĂ€tzung noch nicht aufgenommen hat. Die gleiche PrognoseschĂ€rfe hilft uns auch in der Progno- se fĂŒr die Jahre 2026 und 2027, denn auch hier haben wir es nur mit sehr moderaten, niedrigen zweistelligen Min- dereinnahmen zu tun. Wir mĂŒssten also nicht noch einmal die Eckwerte auf eine völlig neue und abgesenkte Basis stellen. Auch das ist eine erhebliche Erleichterung bei aller Anspannung, die ohnehin schon in den Eckwerten liegt. Auch hier zeigt sich: Wir lagen in unseren Annahmen dessen, was eine neue Bundesregierung zum Regierungs- auftakt möglicherweise an Volumen bewegen wird, rela- tiv nah an dem, was jetzt tatsĂ€chlich Gegenstand des Koalitionsvertrags und der angekĂŒndigten ersten Be- schlĂŒsse der Bundesregierung zu SteuerrechtsĂ€nderungen ist. Das hĂ€lt sich recht gut die Waage. Insofern kommt Berlin hier buchstĂ€blich sehr moderat durch diese Steuer- schĂ€tzung, und das ist eine gute Nachricht, da viele mit groĂer Unsicherheit auf diese SteuerschĂ€tzung geschaut haben. Ich gestehe, auch ich hatte nicht mit einem so positiven Ergebnis gerechnet. Denn fĂŒr mich als Finanz- senator ist natĂŒrlich jeder Tag, an dem mich keine neue Katastrophenmeldung erreicht, ein guter Tag. An diesem Tag blieb die Katastrophenmeldung aus. [Rolf Wiedenhaupt (AfD): Kurze Antwort! â
Ja!] Die regionalisierten Ergebnisse fĂŒr Berlin hatte ich inso- fern dargestellt, als dass wir auch erneut die anstehenden SteuerrechtsĂ€nderungen berĂŒcksichtigen, also all das, was der Bund jetzt zu tun angekĂŒndigt hat, ist in der SteuerschĂ€tzung fĂŒr 2026 und 2027 enthalten. Insofern rechne ich damit, dass wir jetzt aufgrund dieser Zahlen nicht noch einmal tiefgreifend in die haushaltspo- litisch getroffenen BeschlĂŒsse des Senats werden eingrei- fen mĂŒssen. â Vielen herzlichen Dank! Vielen Dank! â Die erste Nachfrage geht an den Kollegen Schmidt. â Bitte schön!
Gute Nachrichten, Herr Finanzsenator, seien Ihnen und uns allen gegönnt. Vielleicht können Sie noch einmal konkret darstellen, Herr Senator, welche Folgerungen sich denn fĂŒr das laufende Haushaltsaufstellungsverfah- ren ergeben. Herr Senator, mit dem Versuch einer kurzen Antwort! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen Dank! Auch da bin ich stets bemĂŒht. Ich hatte ja im ersten Teil meiner Antwort bereits darge- stellt, dass das Ausbleiben schlechter Nachrichten inso- fern eine gute Nachricht ist, als wir die Planungsannah- men aufgrund der SteuerschĂ€tzung nicht fundamental verĂ€ndern mĂŒssen. Das ist insofern ĂŒberraschend, als dass wir, als wir die Eckwerte beschlossen hatten, die Senats- kollegen und auch alle anderen Beteiligten frĂŒhzeitig darauf aufmerksam gemacht haben, dass die Welt nach der SteuerschĂ€tzung noch einmal eine andere und deut- lich hĂ€rtere sein kann. Das wird auch so sein, aber auf- grund anderer Entwicklungen, nicht aufgrund der Steuer- schĂ€tzung. Wir sehen vielmehr eine Reihe ungeplanter Mehrausgaben. (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6545 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Ich hatte darauf immer wieder im Zusammenhang mit der buchstĂ€blich unkontrolliert stattfindenden Explosion von Transferausgaben hingewiesen. Das ist nach wie vor ein exponentieller Anstieg, ĂŒbrigens nicht nur bei uns in Berlin, sondern bundesweit, bei dem wir gefordert sind, bei dem aber auch die neue Bundesregierung gefordert sein wird. Das werden wir trotz allem in der Kalkulation fĂŒr die kommenden beiden Jahre berĂŒcksichtigen mĂŒssen. Wir sehen auch in anderen Bereichen Mehrausgaben, die fĂŒr das laufende Haushaltsjahr bedeuten, dass ich mit den leichten Mehreinnahmen einen Teil dieser Mehrausga- ben, die wir in anderen Bereichen haben werden, abfe- dern kann. LĂ€ngst nicht alles, aber wenigstens hilft das in kleinem und geringem Umfang. FĂŒr die Haushaltsaufstellung, das hatte ich ja bereits signalisiert, wird die SteuerschĂ€tzung nicht zu VerĂ€nde- rungen fĂŒhren. Was wir jetzt schauen, ist, wie die Ent- wicklung dieser ungeplanten Mehrausgaben sich zu dem verhĂ€lt, was der Bund an neuen Kreditaufnahmemöglich- keiten einrĂ€umt und inwieweit wir diese neuen Möglich- keiten nutzen können und nutzen wollen, um hier an der einen oder anderen Stelle nachzusteuern, an der wir aus den Budgetanmeldungen der Ressorts ableiten, dass zwingender Handlungsbedarf besteht, der sich noch im Rahmen dessen bewegt, was diese sogenannte Struktur- komponente uns als Land Berlin kĂŒnftig an Kreditauf- nahme ermöglicht. Kreditaufnahmen sollte man aller- dings auch nie leichtfertig vornehmen. Es handelt sich immer um Belastungen fĂŒr die Zukunft, die auch mit unmittelbaren Folgekosten verbunden sind. Insofern werden die nĂ€chsten Schritte im Haushaltsauf- stellungsverfahren sein, jetzt intensiv in die Anmeldun- gen hineinzuschauen, sich ein revisorisches Bild zu ver- schaffen und dann eine politische VerstĂ€ndigung darĂŒber herbeizufĂŒhren, wie wir neue Möglichkeiten â nicht aus der SteuerschĂ€tzung, aber aus den anderen bundespoliti- schen und bundesrechtlichen VerĂ€nderungen â so nutzen, dass der Haushalt auch fĂŒr die kommenden Jahre best- möglich aufgestellt werden kann. Vielen Dank, Herr Senator! â Die zweite Nachfrage geht an den Kollegen Bocian. â Bitte schön!
Danke, Frau PrĂ€sidentin! â Ich wollte gerade nach den nĂ€chsten Schritten fragen, die der Senat beim Haushalts- aufstellungsverfahren plant. Das hatten Sie schon ange- deutet. Wann können wir denn damit rechnen, dass Sie uns ĂŒber den Sachstand dieses Verfahrens berichten? Herr Senator, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank! â Ich Ă€uĂere auch im Hauptaus- schuss immer tiefes VerstĂ€ndnis fĂŒr das parlamentarische BedĂŒrfnis, möglichst Teil des senatsinternen Haushalts- aufstellungsverfahren zu sein. Es wird leider nicht so kommen, sondern natĂŒrlich werden wir jetzt im Senat die Verhandlungen fĂŒhren, die zu fĂŒhren sind, und das unter nach wie vor maximal herausfordernden Rahmenbedin- gungen. Der Kostendruck ist auch uns in vielen Berei- chen auferlegt, und das fĂŒhrt natĂŒrlich dazu, dass neue SpielrĂ€ume lĂ€ngst nicht an das heranreichen, was mir die Ressorts als zwingende Mehrbedarfe antragen. Insofern stehen wir da noch vor intensiven GesprĂ€chen in den kommenden Wochen und Monaten, und Sie wird dann ein konsolidiertes Ergebnis als Haushaltsbeschluss des Senats erreichen, das dann Grundlage der parlamentari- schen Beratungen nach der Sommerpause sein wird. Vielen Dank, Herr Senator! Die nĂ€chste Frage geht an die SPD-Fraktion und an den Kollegen DĂŒsterhöft. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Ich möchte eine Frage zur BrĂŒcke an der Wuhlheide stellen. In der gestrigen Ausschusssitzung hat die Senatorin beziehungsweise die Senatsverwaltung ausgefĂŒhrt, wie das aktuelle Verfahren ist. Meine Frage ist: Mit welchem zeitlichen Ziel wird gerade mit entsprechenden Unternehmen verhandelt, in der Hoffnung, dass es Anfang der kommenden Woche zu einem Abschluss dieser Verhandlungen kommt? Frau Senatorin Bonde, bitte schön! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter DĂŒsterhöft! Sie haben es schon gesagt: Wir sind in intensiven GesprĂ€chen mit Unternehmen, die den Ab- bruch auch durchfĂŒhren können. Wir gehen davon aus, dass wir Samstag, spĂ€testens Montag ein Unternehmen haben, das wir auch binden können. Ich möchte hier ganz deutlich machen, dass es unseriös wĂ€re, jetzt zu vermu- ten, wie lange diese Unternehmen brauchen werden. Ich möchte aber auch klarstellen â das war der Presse fĂ€lsch- licherweise zu entnehmen â, ich hĂ€tte gestern von sechs (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6546 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Wochen gesprochen: Mitnichten habe ich von sechs Wo- chen gesprochen, sondern ich habe immer betont, dass es unseriös ist, jetzt zu sagen, wie lange es dauern wird. Was ich sagen kann: Wir werden genau das gleiche Tem- po an den Tag legen, wie wir es bei der Westend- und bei der RingbahnbrĂŒcke an den Tag gelegt haben, damit schnellstmöglich die belastende Wirkung, die Verkehrs- last, die da gerade entsteht, wieder in normale Bahnen gefĂŒhrt werden kann, damit die StraĂenbahn so schnell wie möglich wieder fahren kann. Die anderen Verkehrs- trĂ€ger kommen dann sukzessive spĂ€ter. Vielen Dank! â Die erste Nachfrage geht an den Kollegen
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Frau Bonde! Wir haben gestern schon sehr ausfĂŒhrlich ĂŒber das Thema gespro- chen. Danke, dass Sie die Antworten auch hier noch einmal allen gegeben haben! Dort wurde aber auch dar- gestellt, dass in Berlin viele BrĂŒcken von einer Ă€hnlichen Problematik betroffen sind. Deshalb meine Frage: Inwie- weit leisten Sie denn nicht nur technisch Vorsorge, son- dern auch finanziell, dass wir den wahrscheinlich ausge- sprochen desolaten BrĂŒckenzustand bei ĂŒber 70 BrĂŒcken in Berlin zĂŒgig in den Griff bekommen, damit es nicht ĂŒberall erst zur Havarie kommen muss, sondern wir die FunktionsfĂ€higkeit aufrechterhalten können? (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6547 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Frau Abge- ordnete Kapek! Auch hier möchte ich noch einmal kurz in ErgĂ€nzung dessen, was ich gerade gesagt habe, die aktuelle Situation schildern. Wir haben hier eine BrĂŒcke, die drei Sachverhalte hat: Erstens diesen Hennigsdorfer Spannstahl, der eben korrodiert, wir haben eine Koppel- fugenproblematik, und wir haben eine Alkali- KieselsĂ€ure-Reaktion, also dieser Betonkrebs, den es gibt. Wir haben ermittelt, wie viele BrĂŒcken wir jeweils haben. Diese BrĂŒcke hat alle drei Probleme, und dann haben wir geschaut, welche BrĂŒckenstandorte ansonsten noch je- weils diese Probleme aufweisen. Hennigsdorfer Spann- stahl oder Sigma-Stahl, der sich Ă€hnlich verhĂ€lt: Das sind 72 BrĂŒckenstandorte. âStandortâ steht immer fĂŒr den Standort; das können auch zwei oder drei BrĂŒcken sein, die an diesem Standort sind. Die Koppelfugenproblema- tik haben wir an 12 BrĂŒckenstandorten, und diesen Be- tonkrebs haben wir an 13 BrĂŒckenstandorten. Zu Ihrer Frage der finanziellen Vorsorge: Die finanzielle Vorsorge treffen wir natĂŒrlich im Doppelhaushalt 2026/2027. Ich denke, dass allen durch die Thematik CarolabrĂŒcke, durch die Westend- und RingbahnbrĂŒcke und jetzt auch durch die BrĂŒcke an der Wuhlheide und die Standorte, die ich gerade benannt habe, klargeworden ist, dass es ganz maĂgeblich ist, dass wir im Doppelhaus- halt 2026/2027 Vorsorge treffen. Erster Punkt! Zweiter Punkt: NatĂŒrlich denken wir auch ĂŒber alternati- ve Finanzierungsmöglichkeiten nach. Da sind wir in entsprechenden GesprĂ€chen mit der IBB, um dann viel- leicht noch weitere Mittel zu ermöglichen. Drittens â und das möchte ich auch noch sehr deutlich erwĂ€hnen â: Wir arbeiten mit Hochdruck an dem Masterplan BrĂŒcken, wo wir Priorisierungen vornehmen werden, wo wir uns na- tĂŒrlich Gedanken darĂŒber machen, ob wir zu Rahmenaus- schreibungen kommen, wie wir Planer binden können, um die Situation in GĂ€nze zu ĂŒberblicken, zu priorisieren und mit den rechtlichen Möglichkeiten, die wir haben, zu untersetzen. Den Plan werden wir im Sommer vorstellen. Vielen Dank, Frau Senatorin! Die nĂ€chste Frage geht an die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, und dort die Kollegin Schmidberger.
Vielen Dank, sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! â Wir GrĂŒne wĂŒrden gerne wissen: Inwiefern unterstĂŒtzt der Senat den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dabei, das Vorkaufs- recht fĂŒr die HĂ€user Warschauer StraĂe 25 und Koperni- kusstraĂe 6 ausĂŒben zu können, auch angesichts der Chance des hohen Leerstands dort Wohnraum fĂŒr woh- nungslose Menschen oder junge Auszubildende schaffen zu können, womit auch die langfristige Wirtschaftlichkeit des Hauses und eine behutsame Sanierung sichergestellt werden könnten? Herr Senator Gaebler, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Meine Damen und Herren Abgeordnete! Frau Abgeordnete Schmidberger! Die Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ist in engem Austausch mit dem Bezirk, so, wie wir es auch in dem anderen Fall in Neukölln gemacht haben. Hier ist auch die Herausforderung zu sehen, ob entweder eine Abwendungsvereinbarung unterschrieben wird oder ob wir eine Möglichkeit finden, eine Gesell- schaft oder Genossenschaft, die den Erwerb ĂŒbernehmen wĂŒrde, zu finden, und diese das dann entweder eigenwirt- schaftlich macht oder es eventuell ZuschĂŒsse geben kann. Die Haushaltssituation ist, glaube ich, jedem bekannt. Es werden dabei verschiedene Themen erörtert, einerseits der Zustand. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist der Auffassung, dass die Voraussetzungen fĂŒr die AusĂŒbung des Vorkaufsrechts dort gegeben sind. Zum Zweiten mĂŒssen wir sehen: Warum stehen in diesem Haus eigent- lich so viele Wohnungen leer? Auch da muss der Bezirk natĂŒrlich sehen, dass er die Zweckentfremdungsverbot- Verordnung und die gesetzlichen Regelungen dort um- setzt. Beim Vorkaufsrecht im Milieuschutzgebiet geht es da- rum, die VerdrĂ€ngung vorhandener Bevölkerung zu ver- hindern. Insofern finde ich die Diskussion darĂŒber, wer da jetzt einziehen kann, etwas merkwĂŒrdig. Erst mal geht es darum, die Bewohner, die vor Ort sind, vor VerdrĂ€n- gung zu schĂŒtzen. Alles Weitere muss man dann sehen, wenn das Haus tatsĂ€chlich gekauft worden ist und wenn man sieht, welche Wohnungen dort wie zur VerfĂŒgung stehen. Bei aller WertschĂ€tzung von Housing First und Azubiwohnen ist das jetzt, glaube ich, nicht der Moment, darĂŒber zu diskutieren. Es geht erst mal darum, eine Lö- sung zu finden, dieses Haus ĂŒber das Vorkaufsrecht zu erwerben, und da sind wir zusammen mit dem Bezirk und anderen Beteiligten, landeseigenen Gesellschaften, Ge- nossenschaften, dran, das zu klĂ€ren. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6548 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Vielen Dank, Herr Senator! â Dann geht die erste Nach- frage an die Kollegin Schmidberger. â Bitte schön!
Vielen Dank, Herr Senator! â Sie wissen ja eigentlich auch, dass dort teilweise Wohnungen unbewohnbar sind und deswegen das Zweckentfremdungsverbot-Gesetz gar nicht greift. Mir geht es jetzt um die Frage, wie Sie das sehen: WĂ€re es nicht auch volkswirtschaftlich betrachtet sinnvoller, wenn wir im Bestand mit 13 leer stehenden Wohnungen neue, bezahlbare Wohnungen fĂŒr Bedarfs- gruppen schaffen, statt einen deutlich teureren Neubau dort zu realisieren? Herr Senator, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Meine Damen und Herren Abgeordneten! Frau Abgeordnete Schmidberger! Ganz so einfach ist es nicht, denn wenn Sie sagen, dass die Wohnungen dort unbewohnbar sind, muss man sich fragen, warum das Bezirksamt keine Instandsetzungsge- bote und -aufforderungen an den EigentĂŒmer gerichtet hat oder ob sie das gemacht haben und warum der EigentĂŒ- mer dem nicht nachgekommen ist. Zum Zweiten muss geguckt werden, mit welchem Auf- wand diese Wohnungen wieder in einen bewohnbaren Zustand versetzt werden. Ich bin nach wie vor der Mei- nung, dass es nicht die Aufgabe der öffentlichen Hand sein kann, VernachlĂ€ssigungen durch PrivateigentĂŒmer auf Dauer mit Steuergeldern auszugleichen. Insofern muss das alles abgewogen werden, und es muss geschaut werden: Was ist wirtschaftlich möglich? Was muss eigentlich der EigentĂŒmer finanzieren und hat es bisher nicht gemacht, und wie gehen wir damit um, dass wir die Wohnungen möglichst schnell wieder in einen bewohnbaren Zustand bringen wollen? Vielen Dank, Herr Senator! â Die zweite Nachfrage geht an den Kollegen Schwarze. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Diese Probleme mit solchen HĂ€usern und Investoren haben alle Bezirke. Das ist in dem Sinne leider keine Neuigkeit; aber die Nachfrage, die ich gerne stellen wollte, ist: Wann wird die PrĂŒfung durch die landeseige- nen Wohnungsunternehmen sowie die Beratung zum vorgeschlagenen Konzept zwischen der Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung und SenASGIVA abgeschlossen sein, gerade auch angesichts der baldigen Frist fĂŒr den Vorkauf am 12. Juni? Herr Senator Gaebler, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren Abgeordne- ten! Herr Abgeordneter Schwarze! Ich entnehme dem Flugblatt der Bewohner, dass die Frist am 9. Juni endet. Wir werden rechtzeitig vor dem 9. Juni ein Ergebnis haben. [Beifall von Ălker Radziwill (SPD) â
Aha! Das heiĂt dann was?] Vielen Dank, Herr Senator! Die nĂ€chste Frage geht an die Linksfraktion, und hier an den Kollegen Valgolio. â Bitte schön!
Angesichts der PlĂ€ne, das Untergeschoss des Bahnhofs Alexanderplatz durch die Deutsche Bahn so auszubauen, dass obdachlose Menschen erklĂ€rtermaĂen vertrieben werden sollen, frage ich den Senat, was er unternommen hat und welche GesprĂ€che er gefĂŒhrt hat, um obdachlosen Menschen Alternativen zu eröffnen. Frau Senatorin Kiziltepe, bitte schön! Senatorin Cansel Kiziltepe (Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen Dank, Herr Abgeordneter, fĂŒr Ihre Frage! Obdachlosigkeit ist ein PhĂ€nomen in Berlin, in Bezug auf das der letzte Woh- nungslosenbericht uns allen noch mal deutlich gemacht hat, dass das AusmaĂ deutlich höher ist, als wir eigentlich eingeschĂ€tzt haben. 6 000 Menschen in Berlin leben leider in Obdachlosigkeit. Der Senat hat auch im Koaliti- onsvertrag festgehalten, dass wir uns der Herausforde- rung, Obdachlosigkeit zu reduzieren, zu ĂŒberwinden, stellen wollen. Das hat auch die Bundesebene getan, das hat die europĂ€ische Ebene getan. Wir wollen alle MaĂ- nahmen, die in unserer Macht stehen, ergreifen, um Men- schen, die auf der StraĂe leben, zu helfen. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6549 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Wir haben verschiedene MaĂnahmen; die kennen Sie sicherlich alle. Wir haben in der KĂ€ltehilfesaison Unter- stĂŒtzungsleistungen, um Menschen vor dem KĂ€ltetod zu bewahren. Wir investieren gemeinsam mit sechs TrĂ€gern in Housing-First-Projekte, um Menschen dauerhaft und bedingungslos Wohnraum zu schaffen, damit sie zunĂ€chst einmal zur Ruhe kommen. Es gibt aber auch Menschen, die diese Angebote nicht wahrnehmen wollen und trotz- dem auf der StraĂe leben und natĂŒrlich Unterschlupf suchen unter BrĂŒcken, an Bahnhöfen et cetera. Die Nachricht ĂŒber die Bahn und die Entscheidung haben wir natĂŒrlich auch zur Kenntnis genommen, und diese GesprĂ€che werden wir selbstverstĂ€ndlich auch fĂŒhren. â Danke! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Die erste Nachfrage geht an den Kollegen Valgolio. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Senatorin! Dass obdachlose Menschen sich möglichst nicht auf den Bahnsteigen und in Bahnhö- fen aufhalten sollen, ist klar, da sind wir uns einig. Die Frage ist immer: Wohin sollen sie dann? Also welche Alternativen gibt es? â Da schienen mir jetzt noch nicht so richtig Ideen vorhanden zu sein. Deswegen ein Vor- schlag: WĂ€re es vielleicht denkbar, Ă€hnlich, wie es am Bahnhof Zoo erfolgt ist, mit der Bahn darĂŒber zu reden, ob sie am Alexanderplatz direkt RĂ€umlichkeiten zur VerfĂŒgung stellt, um die obdachlosen Menschen dort zu versorgen und sie von den Bahnsteigen wegzubekom- men? Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Cansel Kiziltepe (Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen Dank fĂŒr die Nachfrage, Herr Abgeordneter! Wie Sie sicherlich auch wissen, liegt die Kompetenz fĂŒr die Unterbringung von obdachlosen Menschen bei den Bezirken. Nichtsdesto- trotz arbeiten wir sehr eng mit den Bezirken zusammen, um Menschen unterzubringen. Sie wissen, die teurere Variante der ASOG-Unterbringung kostet das Land Ber- lin eine Menge Geld. Wir haben gemeinsam mit den Bezirken mit der gesamtstĂ€dtischen Unterbringung eine stĂ€rkere Kooperation und Koordinierung vor, damit Men- schen auch kurzfristig, schnell untergebracht werden können. Bisher war es so, dass das alles hĂ€ndisch, telefo- nisch gemacht werden musste, die Bezirke bei TrĂ€gern angerufen und nach freien PlĂ€tzen gefragt haben. Das ist fĂŒr eine schnelle Hilfe nicht sehr hilfreich. DarĂŒber hinaus evaluieren wir gerade auch die sogenann- ten 67er-Hilfen, wie wir hier stĂ€rker und besser unterstĂŒt- zen können. Die Ergebnisse werden am 12. Juni auf einer Fachveranstaltung prĂ€sentiert. Unser Ziel mit der Evalu- ierung und der Neuausgestaltung ist, die sozialen Wohn- hilfen, aber auch die Wohnungsnotfallhilfe möglichst effektiv und wirksam auszugestalten. DarĂŒber hinaus steht jetzt der Sommer an. Die Hitzehilfe ist hier entscheidend, weil obdachlose Menschen oftmals auch der Hitze, der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Deshalb werden wir in diesem Jahr, im Juni, wieder die Hitzehilfe starten. â Danke! Vielen Dank! â Die zweite Nachfrage geht an den Kolle- gen Franco. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Der Kollege spricht ja ein wichtiges Thema an. Wir haben das jetzt nicht nur mit der AnkĂŒndigung. Wir haben das mit der U8. Da finden VerdrĂ€ngungseffekte statt. Dann kommt noch der Görli- Zaun. Am Leopoldplatz â â Hat der Senat denn grund- sĂ€tzlich eine Strategie, wie mit solchen VerdrĂ€ngungsef- fekten umgegangen wird? Denn das Problem der Obdach- losigkeit beheben Sie ja nicht, sondern schieben es in den Kiez oder an den nĂ€chsten Platz weiter. Wir sehen das in der ganzen Stadt. Darauf haben Sie irgendwie gar keine Antworten. Vielleicht nutzen Sie die Zeit, die Sie sich hier nehmen dĂŒrfen. Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Cansel Kiziltepe (Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Vielen Dank, Herr Abgeordneter! Man kann Obdachlosigkeit nicht verdrĂ€n- gen. Wenn an einem Standort wie an einer BahnvorflĂ€che nicht erlaubt ist, dass sich obdachlose Menschen dort aufhalten dĂŒrfen, dann suchen sich die Menschen woan- ders einen Platz. Das heiĂt, das bleibt. Das ist eine gesell- schaftliche Herausforderung, die wir in Berlin gemeinsam angehen und diesen Menschen helfen mĂŒssen. Man kann Armut nicht verdrĂ€ngen. Man kann arme Menschen nicht verdrĂ€ngen. Sie sind Teil unserer Gesellschaft. Ich habe hier verschiedene MaĂnahmen genannt, die wir uns bei der Ăberwindung, Reduzierung von Obdachlo- sigkeit vorgenommen haben. Dazu gehört natĂŒrlich be- zahlbarer Wohnraum. Wohnraum ist eine Mangelware in Berlin. Das werden wir als Senat anpacken. Dazu gehört, verschiedene Angebote zu machen. Das machen wir im (Senatorin Cansel Kiziltepe) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6550 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Rahmen unserer Housing-first-Projekte. Sie wissen, die- ses Pilotprojekt ist mittlerweile in dieser Regierung ver- stetigt und ausgebaut worden. Das war eine meiner Prio- risierungen als Sozialsenatorin. Wir haben insbesondere in der KĂ€ltezeit im Winter eine gute Zusammenarbeit mit den TrĂ€gern, mit den LIGA-VerbĂ€nden, mit den Bezir- ken, um Menschen vor dem KĂ€ltetod zu schĂŒtzen. Im Sommer wie gesagt die Hitzehilfe. Wir haben eine 24/7-Unterkunft, die wir auch in dieser Legislatur verstetigt haben, die europĂ€isch finanziert war. Und wir unterstĂŒtzen die Bezirke mit der gesamtstĂ€dti- schen Unterbringung fĂŒr wie gesagt, das ist jetzt keine Verantwortungsverlagerung â â GrundsĂ€tzlich sind die Bezirke fĂŒr die Unterbringung von obdachlosen Men- schen verantwortlich. Wir machen das hier gemeinsam mit den Bezirken, damit wir diesen Menschen, die es am nötigsten haben, auch helfen können. Vielen Dank! Dann folgt jetzt die gesetzte Frage fĂŒr die AfD-Fraktion mit dem Abgeordneten Tabor.
Ja, vielen Dank! â Wie gehen der Senat und die Schulauf- sicht mit den VorfĂ€llen an der Carl-Bolle-Grundschule um, wo ein offen homosexueller Lehrer von SchĂŒlern wegen seiner HomosexualitĂ€t gemobbt und unter ande- rem als âSchande fĂŒr den Islamâ bezeichnet wurde? Bitte sehr, Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Abgeordnete! Vielen Dank fĂŒr die Frage! Wie Sie wissen, geben wir zu Personaleinzelangelegenheiten grundsĂ€tzlich keine Aus- kunft. Sie wissen aber, dass es in dieser Legislatur gelun- gen ist, erstmalig nach vielen Jahren die Stelle fĂŒr die Antidiskriminierungsbeauftragte und fĂŒr die Antimob- bingbeauftragte zu besetzen und noch mit weiterem Per- sonal zu hinterlegen, womit wir seit vielen Jahren erstma- lig ĂŒberhaupt Anlaufstellen in der Senatsbildungsverwal- tung haben. SelbstverstĂ€ndlich haben betroffene Lehr- krĂ€fte ebenso wie SchĂŒler immer die Möglichkeit, zu Krisenteams oder VertrauenslehrkrĂ€ften vor Ort an ihren Schulstandorten zu gehen ebenso wie das QualitĂ€ts- und Beschwerdemanagement der Senatsbildungsverwaltung zu nutzen und das Berliner Netzwerk gegen sexuelle Gewalt. Gleichzeitig haben wir die neu ĂŒberarbeiteten NotfallplĂ€- ne und Notfallordner Ende letzten Jahres in die Schulen gegeben. Da ist auch der Punkt LehrkrĂ€fte und wie diese Diskriminierung erkennen können beziehungsweise wel- che AntidiskriminierungsmaĂnahmen es gibt und wohin man sich wenden kann, neu enthalten und wie man mit solchen FĂ€llen konkret umzugehen hat. GrundsĂ€tzlich möchte ich aber auch betonen, dass wir selbstverstĂ€ndlich mit allen FĂ€llen, die uns bekannt werden, höchst sensibel umgehen, diesen umgehend nachgehen, um sie aufzuklĂ€- ren und den Betroffenen entsprechende Angebote machen zu können. â Danke! Dann frage ich, ob der Herr Abgeordnete eine Nachfrage hat. â Bitte sehr, Herr Tabor!
Vielen Dank fĂŒr die AusfĂŒhrungen, Frau Senatorin! Die muslimische Autorin, Frauenrechtlerin und RechtsanwĂ€l- tin Seyran AteĆ sagte heute Morgen im FrĂŒhstĂŒcksfernse- hen, derartige VorfĂ€lle gebe es an vielen Schulen. Daher frage ich: Welche Erkenntnisse hat der Senat ĂŒber weitere VorfĂ€lle dieser Art an Berliner Schulen, und werden darĂŒber Statistiken gefĂŒhrt? â Vielen Dank! Bitte sehr, Frau Senatorin! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Sehr geehrte Abgeordne- te! Es gibt und gab viele Jahre gar keine Meldungen und Statistiken derartiger Natur. Wir haben letztes Jahr erst- malig wieder die Gewaltstatistiken eingefĂŒhrt. In diesen sind auch VorfĂ€lle innerhalb von 32 Kategorien, die in den NotfallplĂ€nen enthalten sind, vorhanden. Es gibt keinen dezidierten Reiter, der sich auf Ihre Beschreibung bezieht, sodass ich Ihnen keine Antwort zur Fallstatistik fĂŒr Berlin geben kann. Wir sind dabei, diese VorfĂ€lle auszuwerten. Wie gesagt, es war jahrelang nicht ĂŒblich, ĂŒberhaupt was zu melden. Das haben wir letztes Jahr erstmalig wieder eingefĂŒhrt, obwohl ich da auch noch mal explizit sagen möchte, es geht nicht dezidiert um die Fallkonstellation, die Sie gerade beschrieben haben. Die zweite Nachfrage geht auch an die AfD-Fraktion, an den Kollegen Ubbelohde. â Bitte schön! (Senatorin Cansel Kiziltepe) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6551 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Vielen Dank! â Frau Senatorin! Welche MaĂnahmen wie beispielsweise Schulverweise favorisiert der Senat gegen solche jugendlichen TĂ€ter? Bitte sehr, Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Abgeordnete! FĂŒr Schulverweise gibt es einen ganz klaren rechtlichen Weg. Das ist im Schulgesetz § 63 hinterlegt. Das bezieht sich nicht auf EinzelfĂ€lle. Das ist keine WillkĂŒrentschei- dung, sondern das sind Rechtsgrundlagen. â Vielen Dank! Vielen Dank! â Dann haben wir die Runde nach der StĂ€r- ke der Fraktionen beendet und können die weiteren Mel- dungen im freien Zugriff berĂŒcksichtigen. Deshalb werde ich die Runde gleich mit einem Gongzeichen eröffnen. Schon mit dem Ertönen des Gongs haben Sie die Mög- lichkeit, sich durch Ihre Ruftaste anzumelden. Alle vorher eingegangenen Meldungen werden hier nicht erfasst und bleiben unberĂŒcksichtigt. Ich gehe davon aus, dass alle Fragestellerinnen und Fra- gesteller die Möglichkeit zur Anmeldung hatten, und beende die Anmeldung. Ich verlese die Namen der ersten sechs Wortmeldungen: Kollege Schmidt, Kollege Vallendar, Kollege Luhmann, Kollegin Leschewitz, Kollege Schenker und Kollege Schulze. â Die Liste der Wortmeldungen, die ich eben verlesen habe, bleibt ja erhalten, auch wenn Ihre Mikro- fone diese Anmeldungen jetzt nicht mehr darstellen. Sie können sich also wieder zu Wort melden, wenn sich aus der Beantwortung des Senats Nachfragen ergeben. Die erste Frage geht an den Kollegen Schmidt. â Bitte schön!
Herzlichen Dank, sehr geehrter Herr PrĂ€sident! â Ich frage den Senat, wie er in Anbetracht der angespannten Haushaltslage sicherstellt, dass die gesetzlichen Hilfen zur Erziehung gemÀà § 27 SGB VIII weiterhin vollum- fĂ€nglich gewĂ€hrleistet sind. Die Bildungssenatorin beantwortet das. â Bitte sehr, Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Das ist nicht nur Bildung, sondern auch Jugend und Familie, demzufolge auch die Hilfen zur Erziehung. â Sehr geehrte Abgeordnete! Vie- len Dank fĂŒr die Nachfrage! Ich kann Ihnen erst mal grundsĂ€tzlich sagen, dass uns durchaus bewusst ist, dass Kinder, Jugendliche und deren Familien aktuell in sehr herausfordernden Zeiten aufwachsen und dementspre- chend auch mehr UnterstĂŒtzung und Hilfe benötigen. Gleichzeitig ist uns natĂŒrlich auch bewusst, dass sich das Land Berlin in einer auĂerordentlich prekĂ€ren Situation befindet, in einer angespannten Situation, was die Haus- haltssituation betrifft. BezĂŒglich der Hilfen zur Erziehung besteht allerdings gemÀà § 27 Absatz 1 und 2 SGB VIII ein individueller Rechtsanspruch, der erfĂŒllt werden muss. Das heiĂt, die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die Jugendlichen, die Familien haben einen Rechtsanspruch. Art und Umfang der Hilfe richten sich bei erzieherischem Bedarf immer am Einzel- fall aus, und der wird durch die fallzustĂ€ndige Sachbear- beitung im RSD, im Regionalen SozialpĂ€dagogischen Dienst, entschieden. Dieser Rechtsanspruch ist selbstver- stĂ€ndlich auch in der aktuellen angespannten Haushalts- lage stets zu gewĂ€hrleisten und im vollen Umfang durch das Land Berlin zur VerfĂŒgung zu stellen. â Danke! Dann frage ich den Kollegen Schmidt, ob er nachfragen möchte. â Das ist der Fall. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Senatorin! â Vielleicht können Sie noch darstellen, welche konkreten MaĂnahmen der Senat ergriffen hat, um prĂ€ventive Angebote zu stĂ€rken. Bitte sehr, Frau Senatorin! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr verehrte Abgeordnete! Im Bereich der PrĂ€vention und damit auch, was den Kos- tenfaktor betrifft, in den geringeren AusprĂ€gungen haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche MaĂnahmen ergriffen. Ich möchte Ihnen gern einige und die wichtigs- ten davon aufzĂ€hlen: der Ausbau der Erziehungs- und Familien-beratung durch insgesamt 36 zusĂ€tzliche Stellen fĂŒr Psychologinnen und Psychologen, wodurch jetzt insgesamt 244 Beraterinnen und Berater fĂŒr insgesamt 13,8 Millionen Euro im laufenden Haushaltsjahr finan- ziert werden; das Landesprogramm fĂŒr psychosoziale UnterstĂŒtzung zur UnterstĂŒtzung der stationĂ€ren Jugend- hilfe mit Projekten wie zum Beispiel der mobilen Ju- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6552 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 gendlernhilfe und Bildungsbuddies, wofĂŒr im laufenden Haushaltsjahr 3,5 Millionen Euro eingeplant sind; das Modellprojekt des Flexibudgets zur Umsetzung nied- rigschwelliger und sozialrĂ€umlicher UnterstĂŒtzungsange- bote mit insgesamt 9,8 Millionen Euro und einer zusĂ€tzli- chen Million fĂŒr den Bezirk Marzahn-Hellersdorf, wel- cher flĂ€chendeckend das Modellprojekt âFamilienratâ eingefĂŒhrt hat und finanziert; ein Platzausbauprogramm fĂŒr Hilfen zur Erziehung mit 5 Millionen Euro zur Schaf- fung neuer stationĂ€rer PlĂ€tze in der Jugendhilfe; der Aus- bau der PlĂ€tze in der Pflegekinderhilfe durch die Anhe- bung der PauschalsĂ€tze fĂŒr Pflegefamilien und Erschaf- fung eines Stadtbonus fĂŒr Pflegekinder fĂŒr insgesamt 9 Millionen Euro; die Aktualisierung von Rahmenleis- tungsbeschreibungen; der Ausbau des Berliner Notdiens- tes Kinderschutz zur Schaffung von zwei neuen Standor- ten fĂŒr Kinder mit komplexen Hilfebedarfen in der Höhe von 2,5 Millionen Euro und die Schaffung von Krisenein- richtungen mit Aufnahmeverpflichtungen in den Bezir- ken. In Friedrichshain-Kreuzberg ist eine solche Einrich- tung bereits eröffnet, und in Marzahn-Hellersdorf ist die Einrichtung in der Planung und wird zeitnah im laufen- den Jahr eröffnet. â Vielen Dank! Dann geht die zweite Nachfrage an den Kollegen Bocian in die CDU-Fraktion. â Herr Kollege, bitte schön!
Danke, Herr PrĂ€sident! â Wie begegnet die Verwaltung dem bekannten FachkrĂ€ftemangel und der hohen Fluktua- tion in den Regionalen SozialpĂ€dagogischen Diensten der JugendĂ€mter? Bitte sehr, Frau Senatorin! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Vielen Dank, Herr Abge- ordneter, fĂŒr die Nachfrage! All diese MaĂnahmen hĂ€n- gen natĂŒrlich maĂgeblich an der Personalausstattung des RSD, des Regionalen SozialpĂ€dagogischen Dienstes. Der unterliegt seit vielen Jahren einer hohen Fluktuation, deshalb weisen Sie zu Recht auf diese Situation in diesen Diensten hin. Bereits 2020 hat die Jugendverwaltung gemeinsam mit der Finanzverwaltung konkrete MaĂnahmen ergriffen. Es ist damals ein Projekt initiiert worden, aus dem heraus verschiedene Entscheidungen getroffen worden sind: die Erhöhung der AttraktivitĂ€t des Berufsfeldes durch eine angemessene Bezahlung, indem die Umsetzung des Ta- rifvertrags mit der Anerkennung der Leistungen im Kin- derschutz und Ăbernahme der S-Tabellen erfolgte; die GewĂ€hrleistung einer quantitativ und qualitativ angemes- senen Personalausstattung des RSD, basierend auf einem fortschreibungsfĂ€higen Personalbemessungsmodell; die Bereitstellung zusĂ€tzlicher Mittel fĂŒr die Bezirke zur Verbesserung der technischen Ausstattung, insbesondere zur UnterstĂŒtzung der Infrastruktur, um die Aufgaben auch effizient wahrnehmen zu können, und die Weiter- entwicklung von Instrumenten zur Personalgewinnung und -entwicklung, beispielsweise durch die Bereitstellung einer zusĂ€tzlichen Stelle zur Einarbeitungskoordination, denn gerade im RSD braucht es durch die Fluktuation, aber auch durch die Vielfalt der MaĂnahmen im HzE- Bereich, die da getroffen werden können und mĂŒssen, auch bei neuen Kolleginnen und Kollegen immer eine intensive Einarbeitungszeit. Mit dieser Koordinations- stelle ist diese reibungsloser und wir haben geringere Abbruchquoten. â Vielen Dank! Die nĂ€chste Frage geht an den Kollegen Vallendar in die AfD-Fraktion. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Vor einigen Tagen wurde ein 24-JĂ€hriger in Wedding auf offener StraĂe angegriffen. Laut eigenen Angaben fragten ihn fĂŒnf Unbekannte nach seiner Reli- gionszugehörigkeit. Nachdem er sagte, er sei christlich getauft, schlugen sie mehrfach auf seinen Kopf ein. Ich frage den Senat: Welche Erkenntnisse hat der Senat zu dieser Tat und den TatverdĂ€chtigen? Das beantwortet die Innensenatorin. â Bitte sehr, Frau Senatorin Spranger! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung fĂŒr Inneres und Sport): Herzlichen Dank, verehrter Herr PrĂ€sident! â Verehrter Herr Abgeordneter! Ich habe es auch hier schon mehrfach gesagt: Wenn es solche konkreten VorfĂ€lle gibt, werden wir diese selbstverstĂ€ndlich klar analysieren und auch gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft in einer Ermittlung feststellen, wie was passiert ist. Ich glaube nicht, dass die Justiz dazu jetzt schon etwas sagen kann. Deshalb: Wir stehen in den Ermittlungen, und mehr kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Da wir im Innen- ausschuss und im Rechtsausschuss aber stĂ€ndig auch ĂŒber solche Sachen berichten mĂŒssen â leider â, werden wir dies selbstverstĂ€ndlich tun, wenn die Ermittlungen ent- sprechend abgeschlossen sind. (Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6553 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Herr Kollege Vallendar, möchten Sie nachfragen?
Ja, ich hĂ€tte da noch eine Nachfrage, und zwar: Warum werden in Berlin zwar antimuslimische und antisemiti- sche Ăbergriffe statistisch erfasst, nicht aber antichrist- liche Ăbergriffe? Will der Senat dies vielleicht in Zukunft Ă€ndern? Bitte sehr, Frau Senatorin Spranger! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung fĂŒr Inneres und Sport): Verehrter Herr PrĂ€sident! Verehrter Herr Abgeordneter! Es ist nicht so, wie Sie es hier versuchen zu deuten. Alle Straftaten, die in irgendeiner Form in Berlin stattfinden â egal, gegen wen â, werden selbstverstĂ€ndlich in der PKS erfasst und dann natĂŒrlich auch regelmĂ€Ăig von mir im PKS-Bericht veröffentlicht. â Danke schön! Die zweite Nachfrage geht an den Kollegen Franco in die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. â Herr Kollege, bitte schön!
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Ich frage den Senat: Ist dem Senat zumindest bekannt, dass es eine Zunahme von antimuslimischem Rassismus und auch von Gewalttaten gegenĂŒber Berliner Musliminnen und Muslimen gibt? Wie schĂ€tzt er dabei die Diffamierung von Rechts- extremisten und auch der hier rechts sitzenden Partei ein? Hat das darauf einen Einfluss? Das waren zwei Fragen, Herr Kollege. Die Senatorin darf sich aussuchen, welche sie beantwortet. â Bitte sehr, Frau Spranger! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung fĂŒr Inneres und Sport): Verehrter Herr PrĂ€sident! Verehrter Herr Abgeordneter! Ich habe gerade vor wenigen Tagen sehr ausfĂŒhrlich den Verfassungsschutzbericht mit meinem Abteilungsleiter, der bei mir im Haus fĂŒr den Verfassungsschutz zustĂ€ndig ist, bekannt gegeben. Da haben wir sehr klar gesagt, dass der Angriff auf die Demokratie nicht abgenommen hat. Da Sie es jetzt angesprochen haben, möchte ich zu mei- ner ĂuĂerung gerade, dass wir Angriffe auf die Demokra- tie haben, durchaus auch noch einmal auf die Personen- kreise bezogen sagen: Wir haben auch im rechts- extremistischen Spektrum gerade ein Personenpotenzial von 1 450 Menschen, die in der Gesamtsumme sehr hoch sind und die auch sehr aggressiv auf unseren StraĂen tĂ€tig sind; auch das habe ich schon mehrfach gesagt. Ich möchte Ihnen bei der Sache noch sagen, dass wir alles dafĂŒr tun werden, dass das in unserer Stadt nicht Ăber- hand nehmen wird. â Herzlichen Dank! Dann geht die nĂ€chste Frage in die CDU-Fraktion und hier an den Kollegen Luhmann. â Bitte schön!
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Die SenMVKU hat neu- lich angekĂŒndigt, dass die Kiezblocks in Mitte gestoppt werden. Ich frage den Senat, welche GrĂŒnde das hat. Ich gehe davon aus, dass das die Verkehrssenatorin be- antworten wird. â Bitte schön, Frau Bonde! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Luhmann! Ich möchte zunĂ€chst einmal klar- stellen, dass im Koalitionsvertrag steht, dass natĂŒrlich Verkehrsberuhigung in Wohngebieten stattfinden soll. Das ist die Kernbotschaft, die wir vertreten und die ich vertrete. Ich persönlich habe auch immer schon gesagt, dass zu- nĂ€chst das mildeste Mittel zum Einsatz kommen muss, um dafĂŒr Sorge zu tragen, dass diese Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten erfolgen kann, und dass den Be- dĂŒrfnissen aller und insbesondere den Anforderungen des Gutes der Unversehrtheit von Leib und Leben nachzu- kommen ist. Wenn RettungskrĂ€fte durch Poller behindert werden, zu Menschen zu gelangen, die ihre Hilfe benöti- gen, dann ist diese AbwĂ€gung zwischen den jeweiligen GĂŒtern einfach aus meiner Sicht, aus unserer Sicht nicht richtig getroffen. Insofern gefĂ€hrden aus meiner Sicht ideologisch gesetzte Poller Leben. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6554 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Nun zu dem, was in der Presse zu lesen war. Das, was geplant worden ist vom Bezirk Mitte, berĂŒcksichtigt nicht wichtige Aspekte des gesellschaftlichen Miteinanders sowie die Dienstleistungen des alltĂ€glichen Bedarfs der betroffenen Anwohner, und in dieser Folge werden dann notwendige Wirtschafts- und Lieferverkehre, aber auch die Belange der MĂŒllabfuhr, der Rettungsdienste von Polizei, Feuerwehr und medizinischen Nothilfen nur unzureichend beachtet. Auch die wesentliche Frage der VerdrĂ€ngung von Ver- kehren in angrenzende Gebiete und die Beachtung der BedĂŒrfnisse des ĂPNV werden rĂ€umlich zu kleinteilig betrachtet. Es finden VerdrĂ€ngungsverkehre statt, und insofern werden vielleicht einzelne Kieze geschĂŒtzt, aber der Verkehr geht in andere Kieze und damit ist nichts gewonnen, weil diese Kieze dann doppelt belastet sind. Ich befinde mich derzeit in intensiven GesprĂ€chen mit dem Bezirk Mitte, mit dem Bezirksstadtrat, Herrn Schri- ner, und ich bedanke mich ganz herzlich bei Herrn Schri- ner fĂŒr diese Bereitschaft, und ich bin auch sehr zuver- sichtlich, dass wir gemeinsam zu einem guten Ergebnis kommen werden. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass parallel zu diesen Planungen, die Mitte betreibt, auch der Masterplan Mitte erstellt wird durch den Senat, und auch in diesem Mas- terplan Mitte werden natĂŒrlich Verkehrskonzepte erstellt werden, und insofern möchte ich darauf hinweisen, dass es unser aller Verantwortung ist, nicht doppelt zu planen und damit Haushaltsmittel einfach doppelt auszugeben, sondern wir alle unterliegen dem Grundsatz der Haus- haltssparsamkeit, und diesem Grundsatz, da bin ich mir sicher, werde ich mit Herrn Schriner gemeinsam nach- kommen. Dann frage ich den Kollegen noch mal, ob er nachfragen möchte. â Das ist der Fall, bitte schön!
Vielen Dank, Frau Senatorin Bonde, fĂŒr Ihre AusfĂŒhrun- gen! â Ich gebe Ihnen recht, Kiezblocks sind nicht fĂŒr Verkehrsberuhigung, sondern fĂŒr die Verhinderung des Verkehrs. Nach welchen Prinzipien richtet der Senat die Verkehrsberuhigung, die ja sinnvoll ist, aus? [Vasili Franco (GRĂNE): Oh, mein Gott! â
Mittelalter!] Frau Senatorin Bonde, bitte schön! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter Luhmann! Eine durchdachte Verkehrsberuhi- gung, die erfolgt durch ein Konzept, das die verkehrli- chen Belange ĂŒber den Kiez hinaus in den Blick nimmt, insbesondere unter Beachtung der BedĂŒrfnisse des ĂPNV. Alle in den Blick zu nehmen, dazu gehören ins- besondere auch die SicherheitskrĂ€fte der Polizei und der Feuerwehr, die Gewerbetreibenden, die Pflegedienste, die Anwohner und die Anlieger, und es geht darum, dass wir leistungsfĂ€hige HauptstraĂen haben, um die Kieze zu entlasten. Das, was geplant ist, muss natĂŒrlich auch eine Chance zur Umsetzung haben, und wenn ich sehe, was jetzt gerade in Mitte geplant ist, da werden 24 Kieze geplant, von diesen 24 wird reduziert auf 12 Kieze, und dann wird gesagt: Na ja, von diesen 12 werden wir vielleicht eine Handvoll in 2026 und 2027 umsetzen können. [Zuruf von den GRĂNEN: Skandal! â
Das ist immer noch eher, als die BrĂŒcken soweit sind!] Das erinnert mich zutiefst an die Radwege, und zwar die Radschnellverbindungen, wo neun geplant worden sind oder in die Planung gegeben, Mittel fĂŒr die Umsetzung aber nicht mitgedacht worden sind und nicht zur VerfĂŒ- gung standen, was mich gezwungen hat, die Planung einzustellen. Ich erinnere noch mal an den Grundsatz der Haushaltssparsamkeit, dem wir alle unterliegen. â Vielen Dank! Die zweite Nachfrage geht in die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen, und zwar an die Kollegin Kapek. â Bitte schön!
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Ich stelle eine einzige Frage mit vielen Kommata. Insofern frage ich den Senat: Ist Ihnen bewusst, dass in einem Rechtsstaat, in dem Recht und Ordnung herrscht und es ein Allgemeines ZustĂ€ndigkeitsgesetz gibt, fĂŒr das NebenstraĂennetz nicht der Berliner Senat, sondern die Bezirke zustĂ€ndig sind und ein Eingriff in dieses folglich nicht vorgesehen ist, zudem die Abstimmungen mit Feuerwehr, Polizei und Gewerbetreibenden in den von Ihnen benannten FĂ€llen (Senatorin Ute Bonde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6555 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 bereits stattgefunden haben, zudem Poller an keiner Stelle in dieser Stadt aufgestellt werden wĂŒrden, wenn Autofahrende sich an die Regeln halten wĂŒrden, und es hier deshalb eine letzte Instanz, also das letztmög- liche Mittel, zur Wahrung der Sicherheit unserer Kinder ist und eine BekĂ€mpfung dieses Mittels folglich nichts anderes als eine ideologisch getriebene Politik gegen die Sicherheit unserer Kinder ist? In der Hoffnung, dass die Senatorin sich die Frage, die sich ja im ersten Teil verborgen hat, noch gemerkt hat â bitte sehr, Frau Senatorin Bonde! Senatorin Ute Bonde (Senatsverwaltung fĂŒr MobilitĂ€t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Frau Abge- ordnete Kapek! Ich möchte zunĂ€chst mal in den Vorder- grund stellen, dass natĂŒrlich die Sicherheit aller im Stra- Ăenverkehr sich Bewegenden absolute PrioritĂ€t hat. [Vereinzelter Beifall bei der CDU â
Das glaubt Ihnen niemand!] â Das mögen Sie mir nicht glauben, lieber Herr Wegner, ich weiĂ aber, dass es â â Herr Wesener! Lieber Herr Wesener, das mögen Sie mir nicht glauben, Herr Wegner glaubt es mir. Herr Wesener, Sie glauben es mir vielleicht nicht. Jeden- falls, lieber Herr Wesener, ich weiĂ ja, wie ich aufgestellt bin, und insofern bin ich mir da sehr sicher, zumal ich selbst auch drei Kinder habe. Jetzt zur Frage von Frau Kapek. â Danke aber gleichwohl fĂŒr Ihren Zwischenruf! â Frau Kapek, Sie haben ja ge- sagt, dass das Ganze in der Verantwortung der Bezirke liegt, also das Nebennetz in der Verantwortung der Be- zirke liegt, insofern danke ich Ihnen auch noch mal fĂŒr diese Frage. Das stimmt, und es geht aber hier um Mittel, die der Senat den Bezirken zur VerfĂŒgung gestellt hat, und natĂŒrlich können die Bezirke auch weiterhin ideolo- gisch Poller aufstellen und gefĂ€hrden damit die Sicherheit und die Erreichbarkeit von BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern durch die RettungskrĂ€fte. Das mag sein, und sie werden das dann mit Mitteln tun, die sie an anderer Stelle dann nicht mehr einsetzen werden, beispielsweise fĂŒr Gehwege oder auch fĂŒr StraĂen oder auch fĂŒr Radwege, und inso- fern lasse ich mir ideologisches Verhalten nicht vorwer- fen, sondern ich sehe vielmehr in diesem Verhalten ein ideologisches Verhalten. Wenn wir als Senat entsprechende Dinge finanzieren, dann mĂŒssen das sinnvolle Dinge sein, und da bin ich jetzt in gutem GesprĂ€ch mit dem Bezirk Mitte, und ich bin Herrn Schriner wirklich dankbar, dass er mit mir in diese GesprĂ€che geht, damit wir sinnvolle MaĂ- nahmen ergreifen, um zur Verkehrsberuhigung in den Wohngebieten zu gelangen. Die Fragestunde ist damit fĂŒr heute beendet. Wir kom- men gleich zum nĂ€chsten Tagesordnungspunkt. Vorher freue ich mich aber, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler der Polizeiakademie als GĂ€ste begrĂŒĂen zu können. Will- kommen bei uns im Abgeordnetenhaus! Viel Erfolg fĂŒr Sie und fĂŒr Ihre Ausbildung! Dann rufe ich auf lfd. Nr. 4: Stellungnahme des Senats zum Bericht der Berliner Beauftragten fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit fĂŒr das Jahr 2023 Vorlage â zur Kenntnisnahme â Drucksache 19/2355 Deshalb bin ich froh, die Berliner Beauftragte fĂŒr densel- ben, nĂ€mlich den Datenschutz und die Informationsfrei- heit, Frau Kamp, hier im Abgeordnetenhaus begrĂŒĂen zu dĂŒrfen. â Sie haben auch sogleich das Wort, bitte schön! Meike Kamp (Berliner Beauftrage fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit): Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich freue mich ĂŒber die Gelegen- heit, anlĂ€sslich des Datenschutzjahresberichts 2023 heute vor Ihnen sprechen zu können. 2023 trat der Angemes- senheitsbeschluss der EU-Kommission fĂŒr das neue Datum Privacy Framework, kurz DPF, in Kraft. Bei aller Kritik an diesem Abkommen handelt es sich um eine MaĂnah- me, die den Transfer personenbezogener Daten in die USA rechtssicher ermöglichen soll. Zuvor gab es schon mehrere Versuche; die VorgĂ€ngermodelle Safe-Harbor- Abkommen beziehungsweise Privacy Shield hatten aber (Antje Kapek) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6556 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 vor dem EuGH keinen Bestand. Ob die neue Vereinba- rung des DPF auch unter der neuen US-Regierung Be- stand haben wird, muss sich zeigen. Ein Datenschutzkontrollmechanismus des transatlanti- schen Abkommens war das sogenannte Privacy and Civil Liberties Oversight Board. Dieses Gremium soll die ein- gefĂŒhrten Verfahrensgarantien der US-Geheimdienste ĂŒberwachen und damit auch fĂŒr den Schutz der Grund- rechte der EU-BĂŒrger durch die US-Nachrichtendienste sorgen. PrĂ€sident Trump hat die Mehrzahl der Mitglieder des Boards im Januar entlassen, sodass das Gremium mit einem verbleibenden Mitglied nicht mehr funktionsfĂ€hig ist. Es zeichnet sich ab: Die Situation ist fragil, die Wirk- samkeit des Abkommens steht unter Beobachtung. Wir werden uns dieser Entwicklung stellen und das Thema digitale SouverĂ€nitĂ€t noch viel stĂ€rker in den Blick neh- men mĂŒssen. Aus Datenschutzsicht setzt digitale SouverĂ€nitĂ€t voraus, dass IT-Lösungen in der Lage sind, alle Datenschutzvor- gaben effektiv, nachprĂŒfbar und dauerhaft sicherstellen zu können. Um AbhĂ€ngigkeiten von einzelnen Anbietern und Produkten zu vermeiden, sind bei der Suche nach geeigneten Lösungen, insbesondere auch fĂŒr die Verwal- tungsmodernisierung in Berlin, Open-Source-Lösungen in den Blick zu nehmen. Diese versprechen ein hohes MaĂ an Transparenz und können selbst geprĂŒft und gege- benenfalls auch angepasst werden. Ich lege Ihnen in die- sem Zusammenhang auch das Eckpunktepapier der Da- tenschutzkonferenz ans Herz, das die aus unserer Sicht wichtigsten datenschutzrechtlichen Herausforderungen der Zukunft fĂŒr die neue Bundesregierung adressiert. Die neue Regierung hat bereits erste Pflöcke im Bund eingeschlagen, die mich und meine Behörde derzeit sehr beschĂ€ftigen. Es geht um die föderale Datenschutzauf- sicht ĂŒber die Wirtschaft. CDU, CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass sie im Interesse der Wirtschaft eine BĂŒndelung der Datenschutzaufsicht bei der Bundesbeauftragten fĂŒr den Datenschutz anstreben. Wer ist die Wirtschaft, in deren Interesse eine BĂŒndelung beim Bund angestrebt wird, und was ist hier konkret gemeint? Ich habe in den vergangenen Wochen viele GesprĂ€che mit Wirtschaftsvertreterinnen und -vertretern gefĂŒhrt. Ein einheitliches Interesse der Wirtschaft an einer Zentralisierung der Wirtschaftsaufsicht im Daten- schutz beim Bund gibt es nicht. Warum nicht? â Weil groĂe Teile der Wirtschaft von der lokalen Struktur der Aufsichtsbehörden profitieren. Die Datenschutzbehörden in den LĂ€ndern sind in der Lage, Datenverarbeitungsprozesse, die verschiedene Verant- wortliche betreffen und unter UmstĂ€nden auch zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Stellen stattfinden, in ihrer Gesamtheit zu beurteilen. Sie verfĂŒgen ĂŒber spezifi- sche Branchenexpertise, passend zur föderalen Verteilung wichtiger Wirtschaftszweige in Deutschland, und sie gewĂ€hrleisten kurze Wege fĂŒr Unternehmen, bieten viele Veranstaltungen, Schulungen und Ansprechbarkeit vor Ort. Meine Mitarbeitenden und ich kennen unsere ansĂ€ssigen Unternehmen, die wirtschaftlichen Besonderheiten Ber- lins und haben ĂŒber Jahre hinweg Beratungsnetzwerke aufgebaut. Dieser Standortvorteil einer Datenschutzauf- sicht vor Ort steht auf dem Spiel. Hier brauche ich Ihre UnterstĂŒtzung! Ich bin ĂŒberzeugt, dass dem Land Berlin auch Gestaltungsmöglichkeiten in wichtigen Zukunftsfel- dern wie Digitalisierung, Datenwirtschaft und kĂŒnstliche Intelligenz verloren gehen wĂŒrden, wenn die gesamte Aufsichtsstruktur zum Bund verlagert wird. Der Vollzug von Gesetzen und die Aufsicht ermöglichen einen Wis- senszufluss an Politik und Regierung, der Gestaltungs- möglichkeiten auf Landesebene befördern kann. Letztlich geht es auch generell um den Bestand von föderalen Aufsichtsstrukturen, die die Nachvollziehbarkeit fĂŒr BĂŒr- gerinnen und BĂŒrger und einen Machtausgleich zwischen Bund und LĂ€ndern sicherstellen â angesichts der politi- schen Entwicklungen, die wir momentan weltweit sehen, sicherlich eine der groĂen StĂ€rken dieser Staatsform. Lassen Sie mich jetzt aber konkret auf den Jahresbe- richt 2023 eingehen. Das Thema innere Sicherheit, das zurzeit auch viel Raum im öffentlichen Diskurs ein- nimmt, hat meine Behörde intensiv beschĂ€ftigt. So wurde 2023 der Einsatz von Bodycams ausgeweitet und die Nutzung auch innerhalb von Wohnungen und an anderen nicht öffentlichen Orten erlaubt. Auf unser Betreiben wurde ein Richtervorbehalt in das Gesetz aufgenommen. Immerhin geht es hier um Eingriffe in die Unverletzlich- keit der Wohnung, Artikel 13 Grundgesetz. Kritisiert habe ich auch, dass die MaĂnahme auf unbegrenzte Zeit eingefĂŒhrt wurde, ohne die wissenschaftliche Evaluation abzuwarten. Die evidenzbasierte Gesetzgebung und die regelmĂ€Ăige ĂberprĂŒfung gesetzlicher Regelungen sind wesentliche Elemente rechtsstaatlicher Gesetzgebung, gerade im Sicherheitsbereich. Die Evaluation von Sicher- heitsgesetzen ermöglicht bei eingriffsintensiven MaĂ- nahmen, die Angemessenheit und Wirksamkeit von Ăberwachungsbefugnissen empirisch zu ĂŒberprĂŒfen und notwendige Anpassungen vorzunehmen. Dies zeigt auch der kĂŒrzlich vorgelegte Evaluationsbe- richt zum Einsatz von Bodycams der HU Berlin. Durch die systematische Analyse konnten differenzierte Er- kenntnisse ĂŒber Wirkung, Akzeptanz und rechtliche Prob- lemfelder gewonnen werden. Die Befunde waren teils ĂŒberraschend, etwa die Skepsis gegenĂŒber Bodycams durch die RettungskrĂ€fte der Feuerwehr, die dadurch Vertrauensverluste im VerhĂ€ltnis zu ihren Patientinnen und Patienten befĂŒrchteten. Ohne die externe Evaluation wĂ€re eine solche Erkenntnis gar nicht zutage getreten. Mit groĂer Sorge beobachte ich, dass der Trend zur Ab- kehr von der evidenzbasierten Gesetzgebung sich aktuell (Meike Kamp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6557 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 fortsetzt. Erst vor wenigen Wochen wurde hier auf Vor- schlag der Regierungsfraktionen eine weitere Ănderung des ASOG beschlossen und wieder eine Befristung und Evaluationsklausel aufgehoben, diesmal fĂŒr die Tele- kommunikationsĂŒberwachung und Standortermittlung. Ich möchte Sie daher nochmals auffordern, Berichts- beziehungsweise Evaluationspflichten bei kĂŒnftigen Ăn- derungen von Sicherheitsgesetzen wieder aufzunehmen. Diese dienen nicht nur der Nachbesserung bestehender Normen, sondern auch der Legitimation grundrechtsin- tensiver Eingriffe. Nach Auffassung des Bundesverfas- sungsgerichts sind sie eine Voraussetzung fĂŒr die durch den Gesetzgeber zu gewĂ€hrleistende Transparenz und demokratische Kontrolle. Die ausgewogene Balance zwischen Freiheit und Sicherheit ist eine der Grundlagen eines demokratischen Rechtsstaats. Angesichts eingriffs- intensiver Techniken wie der biometrischen Gesichtser- kennung, Analyse von Verhaltensmustern und kĂŒnstlicher Intelligenz muss diese Balance gewahrt und entsprechen- de Befugnisse der Sicherheitsbehörden mĂŒssen verfas- sungskonform realisiert werden. Ich appelliere daher eindringlich, GesetzesentwĂŒrfe systematisch auf ihre GrundrechtevertrĂ€glichkeit zu ĂŒberprĂŒfen und die Recht- sprechung des Bundesverfassungsgerichts der letzten Jahre zu berĂŒcksichtigen. In einem Monat tagt hier in Berlin die Internationale Konferenz der Informationsfreiheitsbeauftragten. Viel- leicht kann dieses Datum ein Ansporn fĂŒr Sie sein, die Ausgestaltung des Transparenzgesetzes in Angriff zu nehmen. 2027 ĂŒbernimmt meine Behörde den Vorsitz in der Kon- ferenz der Informationsfreiheitsbeauftragten in Deutsch- land. Berlin war einst Vorreiter in diesem Bereich. 1999 hat es als zweites Bundesland ein Informationsfreiheits- gesetz eingefĂŒhrt. Inzwischen haben viele BundeslĂ€nder Transparenzgesetze eingefĂŒhrt, Berlin aber nicht. WĂ€re es nicht toll, wenn Berlin sich wieder an die Spitze setzen und bis 2027 ein Transparenzgesetz verabschieden wĂŒr- de? Bitte denken Sie darĂŒber nach! Dass das Informationsfreiheitsrecht von den Berlinerin- nen und Berlinern geschĂ€tzt wird, zeigt auch mein Jah- resbericht. Einen Vorgang möchte ich stellvertretend herausgreifen. Eine Antragstellerin begehrte Aktenein- sicht in die BeschlĂŒsse des Rats der BĂŒrgermeister und der Senatskanzlei. Dies lehnte die Senatskanzlei jedoch unter Verweis auf die Vertraulichkeit von Senatsbe- schlĂŒssen ab. Nach mehrmaliger Aufforderung durch meine Behörde gewĂ€hrte die Senatskanzlei Aktenein- sicht. Dieser Fall erlaubt mir zu betonen, dass nicht Ge- schĂ€ftsordnungen ĂŒber die Akteneinsicht entscheiden. Allein das IFG ist relevant, um zu prĂŒfen, ob eine Akten- einsicht verwehrt werden darf. Entgegenstehende Vor- schriften mĂŒssen angepasst werden. Ich begrĂŒĂe daher sehr, dass der Senat in der Stellungnahme zum Jahresbe- richt 2023 angekĂŒndigt hat, eine entsprechende Klarstel- lung aufzunehmen. Im Berichtszeitraum gab es unter anderem zwei eklatante VerstöĂe im Bereich des BeschĂ€ftigtendatenschutzes, bei denen wir BuĂgelder verhĂ€ngt haben. In einem dieser FĂ€lle sind wir gegen ein Unternehmen vorgegangen, das Praktikantinnen und Praktikanten per Video durch eine Steckdose heimlich ĂŒberwachte. Dieser Fall steht bei- spielhaft dafĂŒr, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Apropos BuĂgeld: 2023 bestĂ€tigte der EuropĂ€ische Ge- richtshof unsere Auffassung, dass datenschutzrechtliche BuĂgelder direkt gegen Unternehmen verhĂ€ngt werden können, und zwar ohne dass dafĂŒr eine konkret handelnde natĂŒrliche Person als verantwortlich identifiziert werden muss. In der Sache muss das Landgericht nun noch ent- scheiden. AbschlieĂend möchte ich mich ganz herzlich bei den Kolleginnen und Kollegen in meiner Behörde bedanken, die sich mit ĂŒberaus groĂem Engagement, viel Mut und Ausdauer fĂŒr die Themen Datenschutz und Informations- freiheit einsetzen. â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksam- keit! Vielen Dank, Frau Kamp! â FĂŒr die Besprechung steht den Fraktionen jetzt jeweils eine Redezeit von bis zu zehn Minuten zur VerfĂŒgung. In der Beratung beginnt die CDU-Fraktion, und zwar mit dem Abgeordneten Förster.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Meine sehr geehrten Da- men und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir beraten heute den Datenschutzbericht des Jahres 2023. Ich freue mich, dass wir damit ein Ziel einhalten, nĂ€mlich dass wir diesen Bericht noch vor der Sommerpause bera- ten. â Die Kollegin Ahmadi lacht. â Wir hatten bei der letzten Beratung im September, als wir den Datenschutzbe- richt 2022 beraten haben, nĂ€mlich noch darĂŒber gespro- chen, dass wir das Ziel, noch vor der Sommerpause heute hier darĂŒber zu sprechen, einhalten wollen. Ich möchte Ihnen allen danken, dass wir dieses Ziel einhalten und es geschafft haben. Mein Dank gilt ausdrĂŒcklich der Beauf- tragten fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit, allen voran ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dem Senat fĂŒr die Kommentierung sowie allen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, die durch ihre Meldungen zur AufklĂ€rung und Verbesserung beigetragen haben. â Vielen Dank! (Meike Kamp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6558 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Ich starte mit einem kurzen Blick auf ein Thema, das nicht im Bericht 2023 steht, und zwar die Datenschutz- panne bei der BVG. Beim Versanddienstleister der BVG sind circa 180 000 Kundendaten von Hackern angegriffen worden. Diesen Montag konnten wir uns im Ausschuss ein erstes Bild von der Panne machen, und das, was ich da gehört habe, hat mich schockiert zurĂŒckgelassen. Denn dass es rund anderthalb Monate gedauert hat, bis die betroffenen Kunden informiert wurden, ist Ă€rgerlich und hat besonders viel Vertrauen gekostet. Solche VorfĂ€lle mĂŒssen schnell und konsistent kommuniziert werden, nicht zuletzt, weil Vertrauen ein zentraler Wert im Daten- schutz ist. Die unnötige Empfehlung, Passwörter zu Ă€n- dern, obwohl sie gar nicht betroffen waren, verunsichert viele Kunden zusĂ€tzlich. Hier braucht es in Zukunft bes- sere Prozesse und mehr Transparenz. Die Besprechung am Montag war ein erster Anfang, und ich kann allen Betroffenen zusagen, dass wir bei diesem Thema dran- bleiben und fĂŒr weitere AufklĂ€rung sorgen werden. Nun zurĂŒck zum Datenschutzbericht 2023: Ein Blick in den Bericht zeigt, dass die Zahl der Beratungsanfragen von 2 605 im Vorjahr auf 3 672 im Jahr 2023 stark ge- stiegen ist. Das ist ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass im- mer mehr Menschen, Unternehmen und Behörden sich aktiv mit Datenschutzfragen auseinandersetzen. Auch wenn die Zahl der Beschwerden etwa gleich geblieben ist, zeigt dieser Anstieg bei der Beratung, dass PrĂ€vention wirkt. Dazu trĂ€gt zusĂ€tzlich noch das Workshopangebot der Behörde von Frau Kamp bei. Ein Dauerbrenner bleibt das Transparenzgesetz. Sie ha- ben es gerade angesprochen. Die Datenschutzbeauftragte mahnt es regelmĂ€Ăig in ihren Berichten an, und Sie haben recht: Das bestehende Informationsfreiheitsgesetz ist nicht mehr zeitgemĂ€Ă. Wir fĂŒhren dazu intensive GesprĂ€- che innerhalb der Koalition. Dass wir bewusst keine Deadline in den Koalitionsvertrag geschrieben haben, heiĂt nicht, dass wir das Thema auf die lange Bank schie- ben wollen. Aber wir wissen, dass wir hier dicke Bretter bohren mĂŒssen. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Schuldatenverord- nung, die gemeinsam mit der Verordnung fĂŒr digitale Lehr- und Lernmittel auf neue Beine gestellt wurde. Hier begrĂŒĂe ich ausdrĂŒcklich den konstruktiven Dialog zwi- schen Datenschutzbeauftragter und Bildungsverwaltung. Ob Krankmeldungen oder Bildrechte, viele Probleme lassen sich pragmatisch lösen, wenn man sich frĂŒhzeitig austauscht. Dieser neue regelmĂ€Ăige GesprĂ€chskanal ist Grundlage fĂŒr eine proaktive, lösungsorientierte Verwal- tung. Ein Wort zur Praxis mit Microsoft 365 an Schulen. Wenn ohnehin Microsoftprodukte genutzt werden, ist es schwer nachvollziehbar, warum gerade Teams fĂŒr Videokonfe- renzen ausgeschlossen ist. Hier wĂŒrde etwas mehr Prag- matismus helfen, denn bĂŒrokratische Sonderwege ver- komplizieren den Alltag an Schulen unnötig. Der Ruf nach Open Source alleine reicht nicht, wenn er keine funktionale Alternative liefert. Ich erinnere mich noch an die groĂen QualitĂ€tsunterschiede zwischen verschiedenen Videokonferenzsystemen in der Pandemie, als viele Men- schen mit BigBlueButton arbeiten mussten, nachdem Zoom und andere Produkte, die auĂerhalb des EuropĂ€i- schen Wirtschaftsraums ihre Daten verarbeiten, nicht zugelassen waren. Ich glaube, es geht besser. Das waren keine echten Lösungen. Besonders Ă€rgerlich finde ich die Diskussionen um das Löschmoratorium bei der Polizei. Hier werden Daten bewusst aufbewahrt, um Beweise fĂŒr parlamentarische UntersuchungsausschĂŒsse zur rechtsextremistischen An- schlagsserie in Neukölln und zum NSU zu sichern. Das ist richtig, und das ist notwendig. Eine selektive Lö- schung könnte bedeuten, dass relevante Informationen unwiederbringlich verloren gehen. Wir reden hier ĂŒber Informationen, die vielleicht auf den ersten Blick gar nicht mit den beiden Serien in Verbindung stehen. Und ĂŒbrigens: Was wĂ€re los, wenn nur der Anschein entstĂŒn- de, dass durch die Auswahl etwas gelöscht wurde, um Polizeihandeln zu vertuschen? Das wĂŒrde das Vertrauen in staatliche Aufarbeitung beschĂ€digen. Das kann doch niemand ernsthaft wollen. Ich will noch einen Punkt ansprechen, bei dem deutlich wird, in welchem Spannungsfeld wir uns bei den AbwĂ€- gungen von Datenschutzbelangen einerseits und anderen RechtsgĂŒtern andererseits befinden. Konkret geht es um die Ausweiskontrollen und die VideoĂŒberwachung in den Berliner FreibĂ€dern. Die Datenschutzbeauftragte widmet sich sehr ausfĂŒhrlich diesem Themenkomplex. So wird ausgefĂŒhrt, dass bei den Sichtkontrollen fĂŒr Ausweisdo- kumente Datenschutzrisiken bestĂŒnden, so beispielswei- se, dass die NationalitĂ€t bei der Nutzung eines Reisepas- ses durch den Passdeckel nicht nur fĂŒr das Sicherheits- personal, sondern auch fĂŒr andere Besucher des Bades zu erkennen sei. AuĂerdem wird es im Bericht ausgefĂŒhrt â ich zitiere â: âDie Sichtung der Ausweisdokumente sĂ€mtlicher BadegĂ€ste ist jedoch zur ErfĂŒllung dieses Zwecksâ â also die GewĂ€hrleistung der Sicherheit von GĂ€sten und BeschĂ€ftigten â âweder geeignet noch erforderlich.â (Christopher Förster) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6559 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 AuĂerdem kritisiert der Datenschutzbericht die Nutzung von VideoĂŒberwachung in den FreibĂ€dern, da die BĂ€der- Betriebe den Nachweis ĂŒber die Wirksamkeit nicht er- bracht hĂ€tten. Ich sehe das anders, [Beifall bei der CDU â
Bravo!] und ich begrĂŒĂe, dass der Senat das hier sehr ausfĂŒhrlich entsprechend kommentiert hat. Die Schlagzeilen ĂŒber VorfĂ€lle in den SchwimmbĂ€dern verunsichern viele. Besucher, die nach GewaltvorfĂ€llen die BĂ€der verlas- sen mĂŒssen, leiden nĂ€mlich unmittelbar aufgrund der Gefahr, aber auch darunter, dass sie das Schwimmbad wieder verlassen mĂŒssen. Die Berliner BĂ€der-Betriebe haben hier ein Gesamtkonzept entwickelt, um Gewaltvor- fĂ€lle zu reduzieren. Daneben arbeitet man natĂŒrlich noch an anderen Konzepten. Das Angebot von SpOrt365, das am Kombibad Gropiusstadt in meinem Wahlkreis eröff- net, gehört zu diesen anderen Konzepten. Aber das allein genĂŒgt eben nicht. Die Ausweiskontrolle und die Video- ĂŒberwachung geben eine gewisse PrĂ€vention. Besucher sind identifizierbar, wenn sie fĂŒr Eskalation verantwort- lich sind. Dass es im letzten Sommer zumindest ruhiger war als in den Vorjahren, lag aus meiner Sicht genau an diesen MaĂnahmen. Es gibt ein öffentliches Interesse daran, und es gibt auch kein milderes Mittel, um diese Verbesserung zu erreichen. Daher begrĂŒĂe ich es, dass die BĂ€der-Betriebe auch in diesem Jahr diese Praxis fort- fĂŒhren. Der Datenschutzbericht zeigt: Datenschutz ist kein Selbstzweck. Er lebt vom Vertrauen in staatliches Han- deln, in Technik und den Umgang mit Daten. Dieses Vertrauen entsteht durch mehr Transparenz, Beratung und Pragmatismus. Wenn wir das weiter beherzigen, wird Datenschutz nicht zur HĂŒrde, sondern zum Wegbereiter fĂŒr digitale Verantwortung. â Vielen Dank! Dann hat fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Ahmadi das Wort.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen! Liebe Zuschauerinnen! Wir debattieren heute den Bericht, der fĂŒr unser demokratisches SelbstverstĂ€ndnis ebenso grund- legend ist wie ein Haushaltsplan oder ein Sicherheitsge- setz: den Jahresbericht der Berliner Beauftragten fĂŒr Datenschutz und Informationsfreiheit fĂŒr das Jahr 2023. ZunĂ€chst möchte ich mich bei Ihnen, Frau Kamp, und Ihrem gesamten Team ausdrĂŒcklich bedanken. Der Be- richt ist kenntnisreich, differenziert und in vielerlei Hin- sicht alarmierend. Er benennt strukturelle SchwĂ€chen, konkrete VerstöĂe und politische VersĂ€umnisse und ist damit ein unver- zichtbares Instrument demokratischer Kontrolle. Es ge- hört zur StĂ€rke unseres Rechtsstaats, dass wir eine unab- hĂ€ngige Datenschutzaufsicht haben, und es ist ein Gebot der politischen Redlichkeit, ihre Hinweise ernst zu neh- men. Anerkennen möchte ich auch, dass der Senat auf einzelne Punkte reagiert hat. Die geplante Verbesserung der Ein- sichtnahme in SenatsbeschlĂŒsse nach dem Informations- freiheitsgesetz ist ĂŒberfĂ€llig, aber richtig. Auch die ange- kĂŒndigte Abhilfe bei rechtswidrigen Abfragen beim Lan- desamt fĂŒr Einwanderung geht in die richtige Richtung. Aber diese punktuellen Reaktionen können nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass wir es insgesamt mit einem massiv strukturellen Reformstau und einer Senatsstellungnahme zu tun haben, die in vielen Bereichen ausweichend, for- malistisch und erschreckend substanzarm bleibt. Am deutlichsten wird das beim Thema Transparenzge- setz. Das wurde ja heute schon zweimal genannt. Seit Jahren wird es angekĂŒndigt. Auch diese Koalition hat es sich vorgenommen. Doch was liegt vor? â Kein Geset- zesentwurf, keine Eckpunkte, kein Zeitplan. Die Koaliti- on spricht von laufenden GesprĂ€chen. Und der Senat will dem Ergebnis nicht vorgreifen. Ich sage klar: Das reicht nicht! Es ist nicht nur zu wenig, es ist eine politische Verweigerungshaltung gegenĂŒber der demokratischen Ăffentlichkeit. Ein modernes Transparenzgesetz ist keine parteipolitische Spielwiese. Es ist ein demokratisches Fundament, es ermöglicht Pressefreiheit, es schĂŒtzt Whistleblower, es macht Verwaltung nachvollziehbar und ist Schutz unserer Demokratie gegen Desinformation und autoritĂ€re Tendenzen. Wir GrĂŒne haben gemeinsam mit der Linksfraktion einen Gesetzesentwurf vorgelegt. Er wurde gehört, diskutiert und von Fachleuten begrĂŒĂt. Wenn Berlin hier nicht vorankommt, liegt das nicht an Mangel an Konzepten, sondern am politischen Willen. Ich fordere die Koalition daher auf: Legen Sie entweder Ihren Entwurf vor, oder schlieĂen Sie sich uns an und arbeiten Sie mit uns an unserem Konzept! Datenschutz ist kein technisches Nebenfeld. Er schĂŒtzt Freiheitsrechte im digitalen Raum. Und er schafft Ver- trauen, auch und gerade in staatliches Handeln. Was mich besonders beschĂ€ftigt, ist der Umgang mit sensiblen Da- ten bei der Polizei. Der Bericht benennt in aller Klarheit 35 Verfahren wegen rechtswidriger Datenabfragen durch Polizeibedienstete im System POLIKS. Es geht dabei nicht um EinzelfĂ€lle im juristischen Sinne, sondern um (Christopher Förster) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6560 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 systematische Zugriffe auf persönliche Informationen aus privaten Motiven bis hin zu FĂ€llen, in denen Daten fĂŒr vermeintliche Flirtversuche missbraucht wurden. Ein Polizeibeamter, der auf dem Parkplatz einer Supermarkt- kette eine BĂŒrgerin sieht, ihre Fahrzeugdaten ĂŒber PO- LIKS abruft und sie anschlieĂend ĂŒber ihre private Nummer kontaktiert, ist kein Kavaliersdelikt, das ist ein Missbrauch staatlicher Machtmittel. Und was sagt der Senat? â Man prĂŒfe, ob disziplinar- rechtliche Verfahren nötig seien, sehe aber keine grund- legenden Probleme. â Ich frage Sie: Wie viele VerstöĂe brauche es noch, damit Sie ein strukturelles Problem endlich erkennen? â POLIKS ist keine private Aus- kunftsmaschine. Es ist ein Instrument der Strafverfolgung und der Gefahrenabwehr. Der Zugriff darauf ist ein staat- licher Eingriff und muss deshalb höchsten rechtsstaatli- chen Anforderungen genĂŒgen. Wir brauchen deshalb ein modernes Rechte- und Rollenkonzept fĂŒr POLIKS und vergleichbare Systeme, technische Zugriffssperren, au- tomatisierte Kontrollmechanismen und lĂŒckenlose Proto- kollierung sowie eine personell und technisch gestĂ€rkte interne Kontrolle innerhalb der Polizei. Und bevor jetzt wieder angefangen wird: Es geht hier nicht um Misstrau- en gegenĂŒber der Polizei. Es geht um Vertrauen in den Rechtsstaat. Wer seine Sicherheitsbehörden ernst nimmt, statt sie nur politisch zu instrumentalisieren, muss sie auch rechtsstaatlich einhegen. Auch andere Kritikpunkte der Berliner Beauftragten, etwa zum Bodycam-Gesetz oder zu Ausweiskontrollen und VideoĂŒberwachung in FreibĂ€dern, wurden in der Stellungnahme des Senats weitgehend ignoriert. Dabei war die Bewertung klar verfassungsrechtlich bedenklich, datenschutzrechtlich unzulĂ€ssig. Als GrĂŒne sagen wir: Sicherheit braucht Rechtsstaatlichkeit, MaĂnahmen mĂŒs- sen verhĂ€ltnismĂ€Ăig wirksam und kontrollierbar sein, nicht symbolisch, sondern evidenzbasiert, nicht populis- tisch, sondern verfassungstreu. Dieser Datenschutzbericht ist kein technischer Jahres- rĂŒckblick. Er ist ein PrĂŒfstein fĂŒr politische Haltung und konfrontiert uns mit der Frage, wie ernst wir es meinen mit Grundrechten in der digitalen Zeit, ob wir Kontrolle ermöglichen oder sie behindern, ob wir unsere Behörden rechtsstaatlich aufstellen oder auf veralteten Strukturen beharren. Datenschutz ist nicht Verwaltungskosmetik. Er ist ein Grundrecht und ein politischer Auftrag. Gerade in einer digitalen Gesellschaft schĂŒtzt er die WĂŒrde des Einzelnen und unsere Demokratie. Deshalb ist dieser Bericht ein PrĂŒfstein fĂŒr politisches Verantwortungsbe- wusstsein. Die Berliner Beauftragte fĂŒr Datenschutz und Informati- onsfreiheit macht ihre Arbeit. Jetzt ist es an uns, Parla- ment und auch Senat, richtige Konsequenzen zu ziehen. Wir GrĂŒne stehen dafĂŒr bereit. â Vielen Dank! Herzlichen Dank! â Und dann folgt fĂŒr die SPD-Fraktion der Kollege Lehmann.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! ZunĂ€chst gebĂŒhrt natĂŒrlich auch von meiner Seite der Dank Frau Kamp und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fĂŒr das Durchhaltevermögen und Ihre ausdauernde Arbeit, die Sie ja nicht nur fĂŒr uns im Digi- tal- und Datenschutzausschuss machen, sondern fĂŒr ganz Berlin. Vielen Dank! Anlass, ĂŒber den 2023er-Datenschutzbericht zu sprechen, wo kommende Woche doch der 2024er-Bericht veröf- fentlicht wird, ist, dass nun erst die Senatsverwaltungen die Auswertung vorgenommen haben. Mein Kollege Förster hatte darauf auch schon Bezug genommen. Den- noch danke ich den Verantwortlichen in der Berliner Verwaltung fĂŒr die Arbeit zu dieser Stellungnahme. Die Verwaltungen haben ihre Stellungnahme zwar innerhalb der gesetzlichen Frist eingereicht, aber ich wĂŒrde mir dennoch kĂŒnftig wĂŒnschen, dass das zeitnĂ€her passiert. Nicht zuletzt dank der EU haben wir seit einigen Jahr- zehnten umfangreiche Rechte in Bezug auf unsere eige- nen Daten. Die Datenschutzbeauftragten selbst sind we- sentlich in der Kontrolle hierfĂŒr. Sie beraten, wie mit personenbezogenen Daten idealerweise umgegangen werden sollte, und sind auch die erste Anlaufstelle bei Beschwerden jeder Art. Die Datenschutzbeauftragte hat auch die verschiedenen Instrumente, um dann zu reagie- ren. Zum Beispiel hatten wir 2023 139 durch sie ausge- sprochene Verwarnungen und 64 GeldbuĂen in Berlin. Dazu kommt der jĂ€hrliche Datenschutzbericht als Aufga- be der Datenschutzbeauftragten, ĂŒber den wir ja heute sprechen. Der Bericht erfĂŒllt jedenfalls mehrere Funktionen. Er ist ĂŒberhaupt kein Selbstzweck und auch nicht als Kontrolle der Datenschutzbeauftragten gemeint, sondern es geht zum einen darum, den wichtigen Fragen und Problemen im Bereich des Datenschutzes, die zuletzt relevant waren, eine gewisse Ăffentlichkeit zu geben. Damit findet gleichzeitig auch eine Sensibilisierung fĂŒr alle statt, damit wir kĂŒnftige ProblemfĂ€lle vermeiden können. (Gollaleh Ahmadi) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6561 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Zum anderen geht es darum, FĂ€llen, die nicht zur Zufrie- denheit der Datenschutzbehörde gelöst werden konnten, eben öffentliche Aufmerksamkeit und politische Auf- merksamkeit zu verschaffen. So erst wird es uns Abge- ordneten möglich, uns selbst ein eigenes Urteil ĂŒber die mutmaĂlichen DatenschutzverstöĂe zu bilden. Dann können wir als Gesetzgeber des Landes Berlin ĂŒberlegen, ob wir mit unseren Kontrollmöglichkeiten jedenfalls auf die zustĂ€ndige Verwaltung einwirken wollen oder, wenn es nötig ist, sogar Gesetze entsprechend Ă€ndern. Der Bericht und die Senatsstellungnahme zeigen auch, wo das System vorbildhaft funktioniert hat und wir eine Lösung des Problems erreichen konnten. So verlangt die Polizei nach einer Intervention der Datenschutzbeauftrag- ten keine GebĂŒhren mehr fĂŒr die Auskunft danach, wer und warum auf die eigenen Daten zugegriffen hat. Das Landesamt fĂŒr Einwanderung folgt nach Intervention â das hat die Kollegin der GrĂŒnen auch erwĂ€hnt â nun dem Grundsatz der Datenminimierung und erhebt von FlĂŒcht- lingen nur noch die Daten, die auch wirklich nötig und gesetzlich vorgeschrieben sind. NatĂŒrlich gibt es auch FĂ€lle, wo es weniger gut funktio- niert. Das VerhĂ€ltnis zwischen Datenschutzbehörde und Schulverwaltung â das wurde auch vom Kollegen Förster angesprochen â ist seit Jahren, Jahrzehnten ein Sorgen- kind. Das hat sich vielleicht zwar verbessert, aber den- noch ist die Lage in meinen Augen unbefriedigend. So gab es den erwĂ€hnten Streit ĂŒber die Cloudangebote von Microsoft und auch die Videoangebote fĂŒr Teams. Die Verwaltung hat sich dabei leider auf den Standpunkt zurĂŒckgezogen, dass die Schulen selbst die datenschutz- rechtliche ZulĂ€ssigkeit prĂŒfen mĂŒssen. Das ist aus meiner Sicht etwas lebensfern. Zum einen verfĂŒgen wohl kaum alle Schulen ĂŒber ausreichend Datenschutzkompetenz. Zum anderen wĂ€re es hier wohl effizienter gewesen, das Ganze nur einmal zu prĂŒfen. Hier muss noch an lebens- nahen Lösungen gearbeitet werden. Eine Positivliste von Softwarelösungen ebenso wie natĂŒrlich die Weiterent- wicklung unserer Berliner Open-Source-Lösungen könn- ten hier helfen. HĂ€ufig haben Verwaltung und Datenschutzbeauftragte aber auch schlicht unterschiedliche Rechtsauffassungen. Ein solches Beispiel, das uns nun schon einige Zeit be- gleitet, ist die Starkregenkarte. Auf ihr soll öffentlich erkennbar sein, welche GrundstĂŒcke von Extremwetterer- eignissen besonders betroffen sind, ohne zu sehr in die Tiefe zu gehen. Hier vertritt die Datenschutzbeauftragte die Sichtweise, dass diese Informationen besser nicht öffentlich einsehbar sein sollten, weil Daten ĂŒber Grund- stĂŒcke eben auch personenbezogene Daten seien. Die Senatsumweltverwaltung dagegen sieht das öffentliche Interesse an einer wirksamen Gefahrenvorsorge als wich- tiger an. Das erkennt zwar inzwischen auch die Daten- schutzbeauftragte an, möchte jedoch zusĂ€tzlich eine An- hörung der Betroffenen. Mal sehen, ob wir hier am Ende erst die Entscheidung durch ein Gerichtsurteil bekom- men. Ein anderer Fall betrifft unsere Arbeit hier im Abgeord- netenhaus â es wurde schon erwĂ€hnt. Wie lange sollen die Informationen bei der Polizei, nachdem sie eigentlich eine Löschfrist erreicht haben, noch aufbewahrt werden, um fĂŒr mögliche UntersuchungsausschĂŒsse vorhanden zu sein? Die Datenschutzbeauftragte verlangt hier sehr strenge Kriterien. Die Polizei ist, sagen wir, groĂzĂŒgiger bei der Aufbewahrungsdauer. Da aber zugleich sicherge- stellt wird bei der Polizei, dass diese Daten ausschlieĂlich fĂŒr diese Untersuchungsausschussarbeit vorbehalten sind, neige ich selbst dazu, hier die Einstellung der Polizei zu teilen. In dem zu besprechenden Bericht geht es nicht nur um Datenschutz, nein, eben auch um die Informationsfreiheit. Das haben wir alle schon gehört. Das System der Kon- trolle ist dabei vernĂŒnftigerweise aber trotzdem an den Datenschutz geknĂŒpft. Da anders als beim Datenschutz die Informationsfreiheit kein alltĂ€gliches Recht fĂŒr die meisten ist, hat sich dazu erfreulicherweise auch eine eigene Zivilgesellschaft entwickelt. Mit Portalen, die uns allen bekannt sind, wie FragDenStaat, ist es allen Men- schen möglich, den groĂen Schatz der durch die BĂŒrge- rinnen und BĂŒrger angefragten Verwaltungsinformatio- nen zu durchsuchen oder auch selbst aktiv zu werden. Ja, ich weiĂ, Berlin braucht ein Transparenzgesetz, sodass es dann am Ende auch ein staatliches Transparenzportal gibt, welches alle öffentlichen Informationen bĂŒndelt. Da gibt es auch nichts zu lachen. Wir arbeiten mit Hoch- druck daran â Kollege Förster hat es erwĂ€hnt â, und wir sprechen sogar heute am Nachmittag noch darĂŒber. Ich bin aber, wenn ich schon Herrn Kollegen Förster erwĂ€h- ne, sehr glĂŒcklich, dass wir in der Koalition zusammen eine klare Meinung dazu haben; Kollege Förster hat es auch dargestellt. Und insbesondere: Herzlichen GlĂŒck- wunsch noch mal, Kollege Förster, Sie hatten gestern Geburtstag. Das hatte ich gestern nicht mehr geschafft in meiner Redevorbereitung, aber ich gratuliere recht herz- lich nachtrĂ€glich. Mit Kollegen Förster haben wir einen Verfechter der verbesserten Transparenz der Berliner Verwaltung. Er kann auch gegenĂŒber den anderen Christdemokraten auf Bundesebene allen ein Vorbild sein, denn die Bundes- CDU wollte im Vorfeld der Koalitionsverhandlungen das Bundes-IFG, das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes, sogar abschaffen. Auf die LektĂŒre des aktuellen Daten- schutzberichts, der nĂ€chste Woche kommt, freue ich mich jetzt schon sowie auf weitere Reden zum Datenschutz, die hier alle interessieren. â Vielen Dank! (Jan Lehmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6562 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Als NĂ€chste hat dann fĂŒr die Linksfraktion die Kollegin Breitenbach das Wort. â Bitte schön!
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Kamp! Auch ich möchte mich im Namen meiner Fraktion als Erstes bei Ihnen und Ihren Mitarbeitenden bedanken. Der Bericht hat wieder deutlich gemacht, dass Sie eine sehr wichtige und auch eine sehr erfolgreiche Arbeit leisten, auch, und darĂŒber werden wir heute und haben wir auch schon gesprochen, wenn noch dicke Bretter zu bohren sind. Ich will noch einmal sagen, dass ich es aus- gesprochen hilfreich und gut finde, dass Sie die Beratung â Herr Förster hat schon darauf verwiesen, wie die ange- stiegen sind â anbieten und vor allem, dass Sie die Work- shops anbieten fĂŒr Kinder und fĂŒr Jugendliche und fĂŒr Lehrer und Lehrerinnen. Ich glaube, dass das sehr wichtig ist, auch fĂŒr die Zukunft des Datenschutzes. Datenschutz ist wichtig, das wissen alle. Er ist kompliziert. Umso besser ist es, wenn Menschen sehr frĂŒh an dieses Thema herangefĂŒhrt werden. Wir könnten ĂŒber den Datenschutzbericht stundenlang reden, weil ganz viele Themen, ganz viele Bereiche auf- gegriffen werden. Deshalb wĂŒrde ich empfehlen und auch darum bitten, dass sich andere FachausschĂŒsse mal ge- nauer mit diesem Datenschutzbericht und den Themen darin beschĂ€ftigen und die aufrufen. Auch das wĂŒrde, glaube ich, uns noch sehr viel weiterbringen, was dieses Thema angeht. Ich möchte hier einige Punkte noch mal aufrufen. Der eine Punkt ist der Dauerbrenner, das Transparenzgesetz. Seit Jahren soll aus dem veralteten Informationsgesetz ein Transparenzgesetz werden. Das Informationsgesetz soll reformiert werden. Man ist im GesprĂ€ch. Also jetzt hat heute noch niemand gesagt: Ihr seid auch damit geschei- tert, also Rot-GrĂŒn-Rot, ja, aber diese Koalition hatte beim letzten Mal gesagt: Wir sind so weit, und es wird kommen. Es liegt immer noch nicht vor. Jetzt war ich etwas ĂŒberrascht, dass der Senat schreibt, nach Kenntnis des Senats, ich zitiere: â⊠dauern die politischen GesprĂ€che der Koaliti- onspartner ĂŒber die mögliche Weiterentwicklung ⊠noch an.â Also, sie dauern noch an. Wir sind sehr gespannt. Wir hoffen, sie kommen zum Ende, weil diese Legislaturperi- ode auch noch ein Jahr dauert. Dann wĂ€ren Sie die NĂ€chsten, die gescheitert sind. Dann kann die nĂ€chste Koalition ihr GlĂŒck versuchen. Aber in einer Zeit, in der die Demokratie so angegriffen wird und in der viele Menschen an rechtsstaatlichen Insti- tutionen zweifeln, wĂ€re es einfach notwendig zu handeln, liebe Koalition. Es wĂ€re notwendig, Transparenz herzu- stellen, auch um den Fake News von AfD und Co entge- genzutreten. Also prĂŒfen Sie nicht immer weiter, sondern handeln Sie und bringen Sie es zu Ende. Ein weiteres Thema, Frau Ahmadi hat es eben schon angesprochen, ist die missbrĂ€uchliche Nutzung der Da- tenbank POLIKS durch Polizeibeamte. Wir wissen, da werden ganz viele Daten gesammelt, und ich hatte es auch das letzte Mal noch mal angesprochen. Auch mich entsetzen diese Beispiele, wo Polizeibeamte diesen Zu- griff nutzen, um Kontakt aufzunehmen. In dem Fall wa- ren es, glaube ich, immer MĂ€nner zu Frauen. Da kann man sagen, das sind Flirtversuche. Das sind aber keine Flirtversuche. Das geht ĂŒber den Datenschutz hinaus. Das ist ein Angriff auf die Selbstbestimmung. Ich hatte das zum letzten Mal schon angesprochen und sage es jetzt wieder: Wenn jetzt noch einmal geprĂŒft wird, ob es noch weitere MaĂnahmen gibt, hoffe ich, dass auch das genau eine Rolle spielt, weil es tatsĂ€chlich den Staat selbst in Frage stellt, weil dieser Staat, vertreten durch Polizeibe- amte, so einen Missbrauch begeht, und es macht auch Angst. Ein weiterer Punkt, den ich ansprechen möchte, ist das Löschmoratorium. Da bin ich jetzt tatsĂ€chlich irritiert ĂŒber die Stellungnahme. Auch wir fanden es immer rich- tig und wollen, dass Daten, die fĂŒr die parlamentarische Aufarbeitung in einem Untersuchungsausschuss benötigt werden, so lange und ohne zeitliche Befristung aufbe- wahrt werden, solange sie gebraucht werden. Die Spei- cherpraxis der Berliner Polizei ist jetzt aber irgendwie wahllos; das zeigt die Anzahl der Daten, und das zeigt auch, dass Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz damit anders umgehen, die nĂ€mlich Kriterien fĂŒr die Aufbewahrung entwickelt haben. Ich finde, was jetzt nicht geht, ist die Entscheidung, dass gar keine Daten mehr gelöscht werden, sondern die Daten, weil sie ja quasi jetzt extra liegen und nicht alle Zugriff darauf ha- ben, da jetzt immer liegen. Das muss tatsĂ€chlich noch mal diskutiert werden. Da bitte ich auch, dass im Innenaus- schuss darĂŒber noch mal diskutiert wird. Es kann nicht sein, dass hier lebenslang Daten gesammelt werden. Ein letzter Punkt, den ich noch ansprechen möchte, ist der Umgang mit sensiblen Daten im Gesundheitsbereich. Wir haben die Debatte schon bei der Reform des Kranken- hausgesetzes gehabt, wir werden diese Debatte, dieses Problem weiter haben mit der EinfĂŒhrung der elektroni- schen Patientinnenakte. Wir haben jetzt noch einmal Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6563 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Beispiele, was es fĂŒr Risiken gibt â ich bin sofort am Ende! â, wenn Dienstleister die Terminvergabe machen. Auch damit mĂŒssen wir uns im Gesundheitsbereich noch viel genauer auseinandersetzen; auch ein Blick in andere LĂ€nder dĂŒrfte nicht schaden. â Herzlichen Dank! Vielen Dank! â Zum Abschluss fĂŒr die AfD-Fraktion der Kollege Vallendar.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Bericht der Berliner Beauftragten fĂŒr Daten- schutz und Informationsfreiheit fĂŒr das Jahr 2023 ist ein beeindruckendes Dokument mit fast enzyklopĂ€discher Bandbreite. Die Vielzahl der behandelten Themen von polizeilichem Datenmissbrauch ĂŒber mangelnde Schul- digitalisierung bis hin zu verfassungsrechtlich relevanten Fragen der VideoĂŒberwachung zeigt weniger einen ge- ordneten Fortschritt als vielmehr eine anhaltende Ăber- forderung von Verwaltung, Politik und Behörden mit dem Thema Datenschutz. Besonders eklatant ist das fortgesetzte Versagen beim Transparenzgesetz. Seit 2016 versprechen wechselseitige Regierungen in Berlin eine Reform des veralteten Infor- mationsfreiheitsgesetzes. Geschehen ist bis heute nichts. Auch der aktuelle Senat bleibt hinter seinen eigenen An- kĂŒndigungen zurĂŒck. Die Stellungnahme dazu enthĂ€lt keine klaren Aussagen, sondern lediglich einen Hinweis auf laufende GesprĂ€che. Konkrete Schritte? â Fehlanzei- ge. Die notwendigen Impulse kommen wie so oft nicht aus der Regierung. Die Stellungnahme des Senats insgesamt wirkt wie eine routinierte PflichtĂŒbung. Sie referiert bekannte Positio- nen, vermeidet Verantwortung und bleibt in zentralen Punkten allenfalls vage. Wo der Bericht MissstĂ€nde kon- kret benennt, duckt sich der Senat weg â entweder mit PrĂŒfauftrĂ€gen ohne Frist oder mit AllgemeinplĂ€tzen, die keinerlei politisches Bekenntnis erkennen lassen. Dabei wĂ€ren gerade bei Themen wie der Schuldigitalisierung, der IT-Sicherheit oder dem Behördenzugriff auf sensible Daten klare Leitlinien und politische FĂŒhrung gefragt. Stattdessen herrscht Stillstand im Verwaltungsmodus. Auch bei der Digitalisierung des Schulbereichs wird viel geregelt, aber wenig erreicht. Die neu erlassene Schulda- tenverordnung sowie die Verordnung zu digitalen Lehr- und Lernmitteln blieben in wichtigen Punkten unkonkret oder rechtsdogmatisch mangelhaft. Ein Beispiel: Eine unklare Formulierung zur Aufzeichnung von Ton- und Bilddaten im Unterricht verstöĂt gegen die Vorgaben der DSGVO. Dass der Senat hier erneut bloĂ eine PrĂŒfung bei Bedarf ankĂŒndigt, spricht BĂ€nde ĂŒber den Reformwil- len. Hinzu kommen massive Datenschutzverletzungen im öffentlichen Dienst selbst. Die unbefugte Nutzung poli- zeilicher Datenbanken â wurde ja schon angesprochen â fĂŒr private Zwecke ist nicht nur ein Einzelfall, sondern ein systematisches Problem. Dass der Bericht hier zwar BuĂgelder dokumentiert, aber keine strukturellen Konse- quenzen eingefordert werden, ist ein deutliches VersĂ€um- nis. Besonders alarmierend ist die dokumentierte Praxis der VideoĂŒberwachung am Arbeitsplatz, etwa durch ver- steckte Kameras in Steckdosen, ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Die verhĂ€ngten BuĂgelder bleiben hier im Bereich von Bagatellen. Es braucht end- lich klare gesetzliche Regelungen, die solchen Ăbergrif- fen wirksam vorbeugen. Auch die Verwaltungsdigitalisierung zeigt, wie fahrlĂ€ssig mit Grundrechten umgegangen wird. Datenschutzkonzep- te und FolgenabschĂ€tzungen werden entweder unzu- reichend oder von externen Dienstleistern erstellt, deren QualitĂ€t kaum kontrolliert werden kann. Die mangelnde Datenschutzkompetenz innerhalb der Verwaltung wird nicht offen thematisiert, sondern unter Begriffen wie âStandardprozesseâ kaschiert. Was fehlt, ist ein Gesamt- konzept. Datenschutz wird in Berlin zu oft als juristisches Hindernis betrachtet, nicht als integraler Bestandteil einer modernen Verwaltung. Es wird Zeit, dass sich diese Hal- tung Ă€ndert. Sehr geehrte Frau Kamp, Ihnen und Ihren Mitarbeitern danken wir ebenfalls fĂŒr den umfangreichen Bericht zum Datenschutz 2023! â An den Senat und die Koalition gerichtet: Lesen Sie die Passagen, die politisches Handeln erfordern! Es gibt viel zu tun. â Vielen herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Der Bericht wurde abgegeben und besprochen. Vorgesehen ist eine Ăberweisung der Vorlage â zur Kenntnisnahme â an den Ausschuss fĂŒr Digitalisierung und Datenschutz. Dann darf ich Ihnen, sehr geehrte Frau Kamp, und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abschlieĂend auch im Namen des ganzen Hauses fĂŒr Ihre Arbeit danken. Schön, dass Sie bei uns waren! Wir kommen zu (Elke Breitenbach) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6564 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 lfd. Nr. 5: PrioritĂ€ten gemÀà § 59 Abs. 2 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Und ich rufe auf lfd. Nr. 5.1: PrioritĂ€t der Fraktion der SPD Tagesordnungspunkt 80 Aufwertung der Schulhausmeisterstellen in allen Bezirken Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2439 In der Beratung beginnt die SPD-Fraktion, und das mit dem Kollegen Meyer.
Sehr geehrter PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kolle- gen! Die Schulhausmeister, das kann, glaube ich, jeder aus seiner eigenen Erfahrung sagen â jeder hat eigene Geschichten dazu aus seiner Kindheit, aus seiner Schul- zeit â, sind der Dreh- und Angelpunkt in den Schulen. Sie sind es, die als Erste gerufen werden, wenn wieder ir- gendetwas schiefgegangen ist, wenn wieder etwas nicht funktioniert, wenn die TĂŒren nicht aufgehen, wenn sonst irgendetwas klappert. Sie sind es, die die HĂ€user genau kennen, die sie in- und auswendig kennen, die auf Prob- leme hinweisen können, die was fixen können. Sie sind es, die immer wieder gerufen werden. Sie sind es auch, die fĂŒr gute Rahmenbedingungen und gute Lernbedin- gungen da sind, die dafĂŒr da sind, dass auch Vereine die Sportanlagen, die Schulen nutzen können, dass auch andere Bildungseinrichtungen die Schulen nutzen kön- nen. Sie sind, kurz und gut, das Herz und die Seele der Schulen. Dennoch hat sich die Situation der Schulhausmeisterin- nen und -hausmeister leider verĂ€ndert, und das nicht zum Guten; und zwar geht es darum, dass die Arbeitsbedin- gungen in den Bezirken â und da muss man sagen, die Bezirke sind dafĂŒr zustĂ€ndig â ausgesprochen unter- schiedlich sind, sie unterscheiden sich teilweise sehr massiv. Dabei ist es egal, ob es um Eingruppierungen geht, um die Gestaltung des Arbeitsplatzes, um Kompe- tenzen, um Aufgaben. UrsprĂŒnglich, das kennen wir alle auch noch, hatten Schulhausmeisterinnen eigene Wohnungen, die Schul- hausmeisterwohnungen in den Schulen, damit sie jeder- zeit vor Ort sind, damit sie greifbar sind, vollkommen integriert in der Schule sind. Heute haben in einigen Be- zirken, in einigen Schulen die Hausmeisterinnen noch nicht mal mehr ArbeitsplĂ€tze, wo sie ihre Berichte schreiben können. Das ist tatsĂ€chlich ein Riesenproblem. Die Bezirke, die hier die Verantwortung haben, handha- ben das extrem unterschiedlich, was auch darauf beruht â und das muss man tatsĂ€chlich auch sagen, es ist ein Grundproblem bei der ganzen Geschichte â, dass Haus- meistertĂ€tigkeit kein Ausbildungsberuf ist, kein regulier- ter Beruf. Da sind keine hinterlegten Kompetenzen, und das macht das Ganze schwierig. Dadurch kommt es auch zu einem Wirrwarr an Verantwortung, zu einem Wirrwarr der Eingruppierung, zu einer Schwierigkeit, die eben dazu fĂŒhrt, dass manche Rahmenbedingungen fĂŒr Schul- hausmeisterinnen ausgesprochen schlecht sind. Das fĂŒhrt wiederum auch zu den Rahmenbedingungen, zu schlech- teren Rahmenbedingungen in den Schulen. Das fĂŒhrt tatsĂ€chlich auch zu Abwerbungen zwischen den Bezir- ken. Das fĂŒhrt auch dazu, dass insgesamt die Arbeitsbe- dingungen der Hausmeister selbst schlechter werden. Weil wo wird gespart? â Im Zweifelsfall dort. Das können wir nicht hinnehmen, das wollen wir nicht hinnehmen. Zum einen wollen wir natĂŒrlich die Arbeits- bedingungen der Schulhausmeisterinnen auf jeden Fall verbessern. Wir wollen die Lernbedingungen verbessern. Wir brauchen die Schulen als Orte fĂŒr unsere Vereine, fĂŒr andere Bildungseinrichtungen. Hier mĂŒssen wir investie- ren, hier mĂŒssen wir was tun. Da reicht es â und da mĂŒs- sen wir tatsĂ€chlich auch dazu kommen â, dass die Rah- menbedingungen fĂŒr die Arbeit im ganzen Land ver- gleichbar sind, damit sie angehoben werden, damit letzt- endlich auch die Schulen zu guten Orten werden fĂŒr unse- re Stadtgesellschaft. Darauf zielt dieser Antrag. Da nun mal die Verantwor- tung in den Bezirken liegt, heiĂt es aber nicht, dass sich das Land aus der Verantwortung herausziehen darf. Ge- nau deswegen soll das Land jetzt hier fĂŒr Rahmenbedin- gungen sorgen, soll zusammen mit den Bezirken einheit- liche, gute Rahmenbedingungen sicherstellen: fĂŒr die Schulen, fĂŒr unsere SchĂŒlerinnen, fĂŒr die Hausmeisterin- nen und fĂŒr unsere Stadtgesellschaft. â Vielen Dank! FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege Wapler das Wort. (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6565 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Ich freue mich, dass der Koalition das Thema so wichtig ist, dass immerhin die Verkehrssenatorin anwesend ist. Aber gleich vorab: Der Antrag der Koalition adressiert â erstaunlich genug â ein richtiges und wichtiges Ziel. Die Arbeit der Schulhausmeisterinnen findet immer noch viel zu wenig Beachtung. Sie sind es ĂŒberhaupt, die erst die Basis fĂŒr das Bildungsumfeld und der SchĂŒlerinnen schaffen, die zusammen mit den Lehrenden die Zukunfts- fĂ€higkeit unseres Bildungssystems garantieren. DafĂŒr gebĂŒhrt ihnen unsere Anerkennung und unser Respekt. Der Herr Kollege Meyer hat das ganz richtig gesagt: Die Schulhausmeisterinnen sind Ansprechpartnerinnen fĂŒr Lehrende, Eltern und SchĂŒlerinnen, aber ihre Arbeit fin- det oft im Hintergrund statt. Sie sind es aber, die dafĂŒr sorgen, dass Technik funktioniert, dass Verkehrssiche- rungspflicht gewĂ€hrleistet ist, dass SchulrĂ€ume in einem Zustand sind, die ein gutes Lernen ĂŒberhaupt erst ermög- lichen. Kurz: Ohne sie wĂŒrde das Schulsystem nicht funktionieren. Das betrifft neben Schulhausmeisterinnen ĂŒbrigens auch die ReinigungskrĂ€fte. Auch hier ist fĂŒr gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne aus unserer Sicht noch sehr viel zu tun. Ja, in den letzten Jahren hat sich die Arbeit der Schul- hausmeisterinnen stark verĂ€ndert. Nicht allein durch die Digitalisierung ist die Zahl der Aufgaben gewachsen. Die TĂ€tigkeit ist insgesamt anspruchsvoller und schwieriger geworden. Zu den Arbeitsbedingungen haben Sie â haben wir auch â mehrere Anfragen gestellt, und wir mĂŒssen tatsĂ€chlich feststellen: Die Arbeitsbedingungen variieren stark zwischen den Bezirken. Das fĂ€ngt bei einer leis- tungsgerechten VergĂŒtung an und hört bei familien- freundlichen Arbeitszeiten und der Ausstattung des Ar- beitsplatzes noch lange nicht auf. Insofern sind wir da einer Meinung: Einheitlichkeit ist wichtig, und zwar auf gutem Niveau. Da kann die Standardisierung der Arbeits- bedingungen, der Ausstattung und des Aufgabenprofils einen Beitrag leisten. Das ist so auch in den Richtlinien der Regierungspolitik dieses Senats festgehalten. Umso bemerkenswerter finde ich, dass dazu noch ein Antrag aus den eigenen Reihen notwendig ist. Wir können feststellen: Bis heute hat es der Senat nicht vermocht, diese standardisierten, landesweit geltenden Arbeitsbedingungen auf den Weg zu bringen. Auch hier wird er wieder einmal den AnsprĂŒchen nicht gerecht. So richtig also Ihr Ziel ist, dem Senat Beine zu machen, so unscharf und wolkig wirken andererseits aber die aufge- stellten Forderungen des vorliegenden Antrags. Bessere Arbeitsbedingungen: Das klingt gut, aber was konkret sind denn diese Bedingungen, die der Senat fest- legen soll, abgesehen von einem festen Arbeitsplatz? Wie sollen denn die einheitlichen Standards bei der techni- schen Ausstattung und dem Zugang zu benötigten Ar- beitsmitteln aussehen? Das beginnt bei der Anbietung eines festen BĂŒroarbeitsplatzes und der angemessenen AusrĂŒstung mit PC, Bildschirm, Internetanschluss, was in den Bezirken alles sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Es geht weiter mit Musterausschreibungen fĂŒr Schul- hausmeisterinnen. Das ganze Thema Eingruppierung â hatten Sie selbst angesprochen â taucht in Ihrem Antrag nur in der BegrĂŒndung auf. Weitere wichtige Punkte, die wir auch abgefragt haben, wie die Schulhausmeisterwoh- nungen, bei denen sich die Zahl in den letzten Jahren sehr verringert hat â angeblich, weil kein Bedarf mehr be- steht â, tauchen jetzt in dem Antrag gar nicht mehr auf. Einheitliche Standards â so meinen wir â mĂŒssen auch die Möglichkeit der Weiterqualifizierung fĂŒr Schulhaus- meisterinnen umfassen, gerade auch im IT Bereich. Also: recht wenig und zu spĂ€t, liebe Koalition! Ein An- trag, nur um den Senat an seine eigenen Richtlinien der Regierungspolitik zu erinnern, reicht nicht â gerade angesichts der Bedeutung der Schulhausmeiste- rinnen und ihrer Arbeit fĂŒr die Bildung in Berlin. Ich nehme an, das war wieder einmal ein Minimalkonsens zwischen den Koalitionspartnern, aber vielleicht ist bei der Beratung in den AusschĂŒssen noch etwas möglich. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die CDU-Fraktion der Abgeordnete Boci- an.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich in den Schulen unterwegs bin, spĂŒrt man es: Es gibt einen wichtigen Mann in jeder Schule, und das ist der Hausmeister. Manche behaupten sogar, der Hausmeister wĂ€re der wichtigste Mann, um den Schulbetrieb am Laufen zu halten. Aus wirklich langjĂ€h- riger Arbeit als GEV-Vorsitzender kann ich auch bestĂ€ti- gen, dass ohne Hausmeister und ohne Ausstattung des Hausmeisters die Schulen leiden beziehungsweise es nicht geht. Der Hausmeister ist Logistiker, muss sich um so viele Dinge kĂŒmmern, auch um mehr, als er eigentlich in seiner Verantwortung hat. Das ist die Tatsache und die RealitĂ€t an unseren Schulen. Deswegen mĂŒssen wir die Hausmeister mehr unterstĂŒtzen. Ich bin froh, dass wir â auch im groĂen Einvernehmen ĂŒbrigens, Herr Wapler, das muss man noch einmal sagen â den Antrag mit dem Kollegen Meyer gemeinsam auf den Weg gebracht Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6566 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 haben. DarĂŒber freue ich mich sehr. Das ist ein VorstoĂ in genau die richtige Richtung. Was braucht denn ein Hausmeister? Er ist auch Logisti- ker. Was brauchen Logistiker? â Er braucht ordentliche Arbeitsmittel. Er braucht zum Beispiel einen Laptop, und er braucht â das wurde schon mehrfach gesagt â einen ordentlichen Schreibtisch, von dem aus er agieren kann, Dinge regeln, bestellen kann oder irgendwelche Dinge ordentlich auf den Weg bringen kann. Das ist wichtig fĂŒr unsere Schulen, damit es lĂ€uft. Der Hausmeister oder die Hausmeister brauchen Weisungsbefugnis â Weisungsbe- fugnis gegen Schulfremde, zum Beispiel die Schulreini- gung oder den Winterdienst, aber auch, um vielleicht dem einen oder anderen SchĂŒler einmal zu sagen, was geht und was nicht geht. Er muss auch dafĂŒr sorgen, dass die Schule nicht ausei- nandergenommen wird, und repariert sicherlich auch kleine Dinge. Deswegen braucht er vielleicht auch einen Werkzeugkasten. Wir möchten, dass alle Hausmeister in Berlin, die ganzen Hausmeisterstellen, aufgewertet wer- den, wie zuvor beschrieben, und wir wollen sie ĂŒberall, in allen Bezirken, gleich aufwerten. Die Hausmeister sollen gleich ausgestattet sein. Wir wollen, dass die Leute, wenn sie sich als Hausmeister an einer Schule bewerben, wis- sen, was sie erwartet und wie sie unterstĂŒtzt werden, und das machen wir mit unserem Antrag und wollen die Ar- beitsmittel dafĂŒr zur VerfĂŒgung stellen. Letzte Woche waren wir auf Ausschussreise in Estland und in Finnland. Da konnten wir sehr gut beobachten, wie das so an diesen Schulen funktioniert. Zur Erinne- rung: Da ist der PISA-Abschluss sehr weit oben. Diese beiden LĂ€nder liegen auf den vorderen PlĂ€tzen, und wir konnten sehr gut sehen, wie das auch in den Schulen geht, wie die Hausmeister dort ausgestattet sind. Da gibt es viel Personal in den Schulen, das die Lehrerschaft bei ihrer Arbeit unterstĂŒtzt. Das wĂŒnschen wir uns auch fĂŒr Berlin, und wir fangen mit der Aufwertung der Haus- meisterstellen an. Anfangs habe ich gesagt, dass der Hausmeister vielleicht der wichtigste Mann an einer Schule ist, um alles or- dentlich am Laufen zu halten. Deswegen ist das der rich- tige Weg. Wir wollen diese Stellen aufwerten, damit viele Hausmeister besser arbeiten können, weil bessere Logis- tik und bessere Hausmeisterstellen bessere Bildung sind. Das ist das, was wir alle wollen. â Danke! Herr Kollege, darf ich Sie fragen, ob Sie eine Zwischen- frage des Kollegen KrĂŒger aus der GrĂŒnen-Fraktion zu- lassen möchten?
Aber natĂŒrlich!
Wunderbar! Vielen Dank, Herr PrĂ€sident. â Vielen Dank, Herr Kollege! Sie haben davon gesprochen, dass der Hausmeister der wichtigste Mann in der Schule ist, und es ist vielleicht auch vorstellbar, dass es eine Hausmeiste- rin und damit eine wichtigste Frau in der Schule gĂ€be. Deswegen die Frage: Was tun Sie denn dafĂŒr, um auch zu fördern, dass mehr Frauen Hausmeisterinnen werden?
Herr Kollege, vielen Dank fĂŒr die Frage! â NatĂŒrlich sind Hausmeister das generische Maskulinum. Wir nehmen keine Hausmeisterinnen aus diesem Antrag aus. Das ist völlig klar. Ich glaube, wenn die BezirksĂ€mter eine Hausmeisterstelle ausschreiben, steht da: mĂ€nnlich, weib- lich, divers. Damit ist auch, glaube ich, alles dazu gesagt. Ich persönlich wĂŒrde es sehr begrĂŒĂen, wenn mehr Frau- en in die Hausmeisterstellen kommen. Hausmeisterstellen sind auch eine Art Handwerk. Ich wĂŒrde es ausdrĂŒcklich begrĂŒĂen, wenn viel mehr Frauen auch ins Handwerk kommen. Ich habe in meinem Unternehmen etliche Frau- en, und ich freue mich, wenn wir uns da auch weiter steigern. Dagegen ist ĂŒberhaupt nichts einzuwenden, wenn wir das machen. DafĂŒr brauchen wir nichts tun. Alle Voraussetzungen sind schon geschaffen. â Jetzt noch einmal danke! Dann folgt fĂŒr die Linksfraktion die Kollegin Brychcy.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kollegen und Kolle- ginnen! Lieber Herr Meyer! Es stimmt, ohne unsere Schulhausmeister und Schulhausmeisterinnen lĂ€uft gar nichts, denn sie sorgen jeden Tag dafĂŒr, dass die Bildung und das Schulleben ĂŒberhaupt stattfinden können. DafĂŒr gebĂŒhrt ihnen unsere WertschĂ€tzung und unser Dank, weil Sie leider oft nicht im Fokus unserer bildungspoliti- schen Debatten stehen. (Lars Bocian) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6567 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 NatĂŒrlich brauchen sie fĂŒr ihre Arbeit entsprechende Arbeitsbedingungen, einen Arbeitsplatz und notwendige Arbeitsmittel. Dass es dafĂŒr allerdings extra einen Parla- mentsantrag der Koalition als PrioritĂ€t der SPD-Fraktion braucht, ist dann doch ein Armutszeugnis, denn es mĂŒsste eigentlich eine SelbstverstĂ€ndlichkeit sein, dass die Bezirke den Schulhausmeister und Schul- hausmeisterinnen die Bedingungen und die Arbeitsmittel bereitstellen, die sie fĂŒr ihre Arbeit brauchen. âEinfach mal machenâ war das Motto des Senats, Ihr Motto. Deswegen frage ich mich schon: Braucht der Senat extra eine Aufforderung des Parlaments, um diese einheitlichen Arbeitsbedingungen fĂŒr unsere Schulhaus- meister und Schulhausmeisterinnen herzustellen? â Sie sprachen davon, Herr Abgeordneter Meyer, dass der Senat sich nicht aus der Verantwortung ziehen dĂŒrfe. Da frage ich mich natĂŒrlich, ob es dafĂŒr einen Anlass gibt. Das wĂ€re dann doch sehr armselig, und ich wĂŒrde eigent- lich erwarten, dass das im Rahmen der gesamtstĂ€dtischen Steuerung zum Verwaltungshandeln gehört. Ich habe auch den Eindruck, dass Sie die Antwort auf Ihre eigene Schriftliche Anfrage von Herrn DĂŒsterhöft nicht gelesen haben, denn wenn es um die Unterschiede der Eingruppierung geht, gab es wegen der Ăberleitung in den TV-L 2012 noch eine unterschiedliche Eingruppie- rung. Das ist aber seitdem nicht mehr der Fall. Sie erfolgt nĂ€mlich einheitlich bereits nach TV-L in Verbindung mit der Entgeltordnung. Entweder hat man eine abgeschlos- sene Ausbildung, dann ist man in der Entgeltgruppe 5, oder man hat diese nicht, dann ist man in der Entgelt- gruppe 4. Insofern gibt es gar nichts zu regeln. Es stimmt, dass die Ausstattung des Arbeitsplatzes ein- heitlich gestaltet werden muss und dass ein BĂŒroarbeits- platz mit Internetanschluss â ganz modern, wir haben demnĂ€chst auch Breitband an unseren Schulen â, ein Diensthandy und ein Budget zur Selbstbewirtschaftung dazugehören sollte, aber, wie gesagt, dass der Senat fĂŒr eine Arbeitsgruppe mit den Bezirken extra einen Parla- mentsantrag braucht, ist dann doch ein bisschen unge- wöhnlich. Als Linke, möchte ich noch ergĂ€nzen, sind wir der Auf- fassung, dass die QualitĂ€t der Dienstleistungen an unse- ren Schulen dann am höchsten ist, wenn sie durch eigenes festangestelltes Personal in öffentlicher Hand und nicht ausgesourct erbracht werden, ob das bei unseren Schul- hausmeistern und Schulhausmeisterinnen ist, bei der Schulreinigung oder auch das Schulmittagessen. Deswegen fordern wir, dass die Kommunalisierung der Schulreinigung endlich umgesetzt wird. Das steht ja auch in Ihrem Koalitionsvertrag, es ist nur nichts passiert. Da reichen die Tagesreinigung, Zielvereinbarungen und ein bisschen QualitĂ€tskontrolle leider nicht aus. Es wĂ€re eine völlig andere QualitĂ€tsstufe, eigene festangestellte Reini- gungskrĂ€fte im Team an der Schule zu haben, und fĂŒr uns ist klar: Die Schulreinigung muss auch endlich in die öffentliche Hand. Dann folgt fĂŒr die AfD-Fraktion der Kollege Tabor.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kollegen! Seit 2017 bin ich Mitglied dieses Hauses, und ich bin nach wie vor immer wieder ĂŒberrascht, welche Dinge, die selbstver- stĂ€ndlich sind, immer noch nicht geregelt sind. Da frage ich mich schon, was in den letzten Jahren, Jahrzehnten hier so gemacht wurde. Schulhausmeister leisten selbstverstĂ€ndlich wichtige und wertvolle Arbeit in unseren BildungsstĂ€tten. NatĂŒrlich unterstĂŒtzen wir eine bessere Ausstattung und faire Ver- gĂŒtung. Doch der vorliegende Antrag lĂ€sst leider nicht erkennen, wohin die Reise eigentlich genau gehen soll. Eine fundierte Problemanalyse fehlt. Frau Brychcy hat gerade schon die eine Anfrage angesprochen. Offensicht- lich ziehen Sie etwas Nektar aus der Schriftlichen Anfra- ge von Herrn DĂŒsterhöft aus dem Jahre 2022. Dort wird auf eine GEW-Interviewaussage von 2019 verwiesen. Das ist keine belastbare Grundlage fĂŒr landespolitische Entscheidungen. Im Koalitionsvertrag auf Seite 40, das wurde auch schon erwĂ€hnt, steht nun, man wolle die Standardisierung der Arbeitsbedingungen prĂŒfen. Stan- dardisierung heiĂt aber noch lange nicht Verbesserung. Sie sprechen von besseren Arbeitsbedingungen, bleiben dabei aber vage. Ein Beispiel, der feste Arbeitsplatz: Schulhausmeister sind in der Regel fest einer Schule zugeordnet und stĂ€ndig im GebĂ€ude unterwegs. Die For- derung lĂ€uft daher so ein bisschen ins Leere. Ebenso kritisch sehe ich die Idee einheitlicher technischer Ausstattung. Die Anforderungen an Schulen sind ver- schieden. Ein Einheitspaket mit RasenmĂ€her, LaubblĂ€ser, Ausziehleiter und Laptop wird nicht allen gerecht. Einige Hausmeister betreuen noch den Schulgarten, andere nicht. Werkzeuge sind Handwerkssache. Der eine bevor- zugt die Firma STIHL, der andere Bosch. Einheitlichkeit kann hier sogar kontraproduktiv sein. Statt zentraler Lö- sungen braucht es flexible Budgets, und die gibt es auch. (Franziska Brychcy) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6568 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Einige Bezirke geben Hausmeistern mehrere Hundert Euro zur freien VerfĂŒgung, andere arbeiten mit Kunden- karten; unterschiedliche Wege, aber funktionsfĂ€hig. Wel- cher der beste ist, bleibt offen. Der Antrag gibt bisher zumindest keine klare Antwort. Sie sprechen auĂerdem von Regelungen zu Kompetenzen und Weisungsbefugnissen. Viele Bezirke haben bereits Dienstanweisungen oder nutzen Musterbeschreibungen. Aufgaben klar abzustecken ist sinnvoll. Zum Beispiel könnte man das Hissen der Deutschlandfahne als Pflicht- aufgabe aufnehmen. [Beifall bei der AfD â
Bravo!] Was im Antrag fehlt, aber in Ihrer Schriftlichen Anfrage auftauchte, ist ein Verzeichnis anerkannter Qualifikatio- nen. Das wĂ€re ein sinnvoller Ansatz, um faire Eingrup- pierungen zu ermöglichen, denn aktuell, das wurde im Prinzip auch schon erwĂ€hnt, kann es trotz gleicher Leis- tung zu unterschiedlichen Bezahlungen kommen. FĂŒr die TĂ€tigkeit als Schulhausmeister gibt es keine eigene Aus- bildung. Eingruppierungen richten sich nach der Entgelt- verordnung zum TV-L, Ănderungen daran können nur durch die Tarifparteien erfolgen. Am Ende bleibt festzustellen: Nicht jeder Bezirk braucht die gleiche Lösung. Wie das Bezirksamt Steglitz-Zehlen- dorf mitteilt, gab es vor einigen Jahren den Versuch, ĂŒber den Rat der BĂŒrgermeister eine VerĂ€nderung der Bemes- sungsrichtlinien vorzunehmen. Damals allerdings ist das Ganze gescheitert. Ich wĂŒnsche Ihnen mehr Erfolg, die Bezirke zu einer gemeinsamen Lösung zu bringen. Manchmal sind aller- dings die individuellen Lösungen aber auch gar nicht so verkehrt. â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Bildung, Jugend und Familie sowie an den Hauptaus- schuss. â Widerspruch höre ich dazu nicht. Dann verfah- ren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 5.2: PrioritĂ€t der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Tagesordnungspunkt 72 Jetzt ein AfD-Verbotsverfahren einleiten! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2429 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, und zwar mit dem Kollegen Mirzaie. Dann wĂŒrde ich fragen, ob der Kollege Lenz einverstan- den wĂ€re, in der Runde anzufangen und das unbĂŒrokra- tisch zu lösen. â Dann hat der Kollege Lenz das Wort.
Ja, das mache ich natĂŒrlich gern. Wobei ich somit nicht die Möglichkeit habe, auf die Rede des Kollegen einzu- gehen, aber das können wir gegebenenfalls nachholen. Herr PrĂ€sident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Vorab zum Antrag: Nein, die Fraktion der CDU hat in der Frage eines AfD-Verbotsverfahrens ihre Meinung nicht geĂ€ndert, wir lehnen ein solches Verfahren auch zum jetzigen Zeitpunkt weiter ab, und ja, auch die Einstufung der AfD durch das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem Ă€ndert hieran erst einmal nichts. Wir haben uns in der Vergangenheit schon hĂ€ufig mit der Frage befasst und uns dazu ausgetauscht. Ich verweise trotzdem noch einmal kurz auf meine immer wieder vor- getragenen Argumente. Erstens, die HĂŒrden fĂŒr ein Parteiverbot sind sehr hoch. Das ist auch richtig so. Ein eventuelles Verbotsverfahren wird Jahre dauern, schnelle Lösungen sind also ohnehin nicht zu erwarten. Wer anderes behauptet, macht sich und der Ăffentlichkeit etwas vor. Ein langwieriges Verfahren wird der AfD die Möglichkeit geben, sich immer stĂ€rker als Opfer darzustellen. Sie wird sich als verfolgte Opposi- tion stilisieren, und das ist auch jetzt schon kaum noch auszuhalten, wie sie das tut. Zweitens, verbunden mit einem Verbotsverfahren ist ein hohes Risiko fĂŒr diejenigen, die es betreiben. Scheitert ein Verfahren, so ist die AfD am Ende gestĂ€rkt. Dann wurde das Gegenteil des eigentlichen Ziels erreicht. Kein Verfahren ist insofern immer besser als ein gescheitertes Verfahren. Herr Kollege Lenz, ich darf Sie kurz fragen, ob Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Franco zulassen möch- ten. (Tommy Tabor) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6569 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Klar, gerne!
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Vielen Dank, lieber Kol- lege Lenz! Wir fĂŒhren die Diskussion ja jetzt schon sehr lange. Normalerweise ist es doch gerade die Union, die sehr viel Wert darauf legt, was der Verfassungsschutz sagt. Des- halb frage ich Sie, gerade in der Frage des AfD-Verbots- verfahrens: Wenn der Verfassungsschutz zu der Erkennt- nis kommt, dass es sich hier um eine gesichert rechtsext- remistische Partei handelt, warum misstrauen Sie dem Urteil des Bundesamts so? Wo ist da Ihr Vertrauen in die Sicherheitsbehörden, von dem Sie die ganze Zeit spre- chen? Ich kann das nicht nachvollziehen.
Na ja, es ist ja kein Misstrauen, sondern das, was das BfV zusammengetragen hat, was ja auch sehr ausfĂŒhrlich ist â â Ich gebe zu, ich habe es auch noch nicht ganz gelesen; ich habe viele Hundert Seiten gelesen. Ich vermute, Sie haben es auch noch nicht ganz gelesen, weil es in der KĂŒrze der Zeit kaum möglich war. â Na ja, ich hoffe, Sie haben es auch gelesen, Herr Schra- der! Es war ja veröffentlicht im Cicero. Oder brauchen Sie keine Befassung in der Sache, sondern sagen, Sie können das einfach so machen? â Gut, ich wĂŒrde dem nicht zuneigen. Es findet sich vieles Interessantes in dem Gutachten, aber es ist sozusagen ein Debattenbeitrag. Es ist auch nicht ein Debattenbeitrag einer unabhĂ€ngigen Behörde. Der Ver- fassungsschutz ist als Exekutive weisungsgebunden. â Sie haben mich doch gefragt, Herr Franco, dann hören Sie doch wenigstens zu! Es ist rechtlich natĂŒrlich aus guten GrĂŒnden so organi- siert, dass antragsberechtigt nur der Deutsche Bundestag, der Bundesrat und die Bundesregierung sind. Sie mĂŒssen einen solchen Antrag nicht stellen, sondern sie können ihn stellen, und dann muss dem eine ErwĂ€gung, eine Debatte vorausgehen. Da sind wir mittendrin. Und noch einmal: Bislang sind wir von der Union nicht ĂŒberzeugt, dass es Sinn macht, ein solches Verfahren durchzufĂŒhren. Ich habe ja gerade ausgefĂŒhrt, warum. Der dritte Punkt, warum ich Zweifel daran habe, dass das der richtige Weg ist, ist, ob das Mittel eines Verbotsver- fahrens ĂŒberhaupt zum Erfolg im Kampf gegen die AfD fĂŒhren kann. Richtig ist zwar, und das zeigt das Gutach- ten des BfV ja deutlich und, wie ich finde, auch hier an der Stelle â so weit bin ich â ĂŒberzeugend, dass sich die AfD weiter radikalisiert. Richtig ist auch, dass sich inner- halb der AfD offenbar zunehmend Gedankengut wieder- findet und breitmacht, das wir so in Deutschland eigent- lich fĂŒr ĂŒberwunden gehalten haben. Offen ist fĂŒr mich allerdings weiter die Frage, inwieweit dieses Gedankengut die AfD tatsĂ€chlich in GĂ€nze domi- niert. Es ist ein offener Prozess und, das sage ich an die- ser Stelle auch und auch durchaus inhaltlich kritisch in Richtung des BfV: Nicht alles, was man hier zusammen- getragen hat, ist aus meiner Sicht tatsĂ€chlich geeignet, die Annahme extremistischer Ansichten und Bestrebungen zu untermauern. Aber trotz der festgestellten Radikalisierung und trotz der inhaltlich problematischen Entwicklung der AfD ist doch auch klar, dass kein Weg daran vorbeifĂŒhrt, das Ganze inhaltlich anzugehen, die AfD inhaltlich zu stellen. Ăber 10 Millionen Menschen haben bei der vergangenen Bun- destagswahl der AfD ihre Stimme gegeben. Sie haben das offenkundig getan, weil sie mit dem Angebot anderer Parteien nicht einverstanden waren. Sie haben das offen- kundig getan, weil sie damit unzufrieden sind, wie es aktuell in unserem Land lĂ€uft. Und sie haben es sicher ganz ĂŒberwiegend nicht getan, weil sie extremistisches Gedankengut teilen. Diesen WĂ€hlern können Sie, liebe Kollegen von der linken Seite, die Meinung nicht einfach verbieten. Sie können sie auch nicht erziehen. Diese WĂ€hler muss man als Gesellschaft zurĂŒckgewinnen, und das kann man nur tun, wenn man sie vom eigenen Angebot ĂŒberzeugt. Das muss man ehrlich sagen: Dazu gehört es natĂŒrlich auch, die politischen Entscheidungen der Vergangenheit in unserem Land kritisch zu hinterfragen. Die CDU hat hier auch ihre Lektion gelernt. Sie hat im Bundestagswahlkampf angekĂŒndigt, im Fall einer RegierungsĂŒbernahme in Deutschland eine Politik- wende einzuleiten, und genau das geschieht doch gerade auf Bundesebene. [Anne Helm (LINKE): Ihre Lektion sollte sein, nicht mehr mit dieser Partei abzustimmen! â
Nichts gelernt!] Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6570 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 In der Migrationspolitik, in der AuĂenpolitik, in der Wirt- schaftspolitik und in der Sicherheitspolitik erleben wir aktuell die Einleitung eines politischen Umbruchs. Genau das ist es, was wir in unserem Land brauchen. Wir brauchen konsequente politische Korrekturen. Diese Korrekturen mĂŒssen und, da bin ich auch optimistisch, werden Wirkung zeigen, und zwar konkret: Wir werden durch eine restriktive Migrationspolitik in unserem Land massive RĂŒckgĂ€nge der FlĂŒchtlingszahlen erleben, wir werden in der AuĂenpolitik wieder im Verbund mit unse- ren europĂ€ischen Partnerstaaten agieren, statt auf eigen- tĂŒmlichen Sonderwegen herumzuirren, wir werden wie- der durch vernĂŒnftige Wirtschaftspolitik Wirtschafts- wachstum in Deutschland bekommen, und wir werden die Sicherheit der Menschen wieder in den Mittelpunkt der Politik stellen. Dazu gehört auch die Wiederherstel- lung der militĂ€rischen VerteidigungsfĂ€higkeit unseres Landes. Und damit â ich komme zum eigentlichen Thema zurĂŒck â werden wir den Menschen wieder das Vertrauen in die Politik zurĂŒckgeben. Sie werden sehen: Mit der RĂŒckkehr dieses Vertrauens wird auch das populistische Angebot der AfD mit vermeintlich einfachen Lösungen an Attrak- tivitĂ€t verlieren. Das beste Mittel gegen die AfD ist also gute Politik. Das gilt in Berlin, und das gilt auch auf Bundesebene. â Vielen Dank! Dann gehe ich davon aus, dass Sie jetzt einverstanden sind, dass der Kollege Mirzaie seine Rede nachholt. â Herr Kollege, Sie haben das Wort.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Vertreterinnen der demokratischen Parteien! Vielen herzlichen Dank! â Der Himmel ist grau, Gras ist grĂŒn, und die AfD ist rechtsext- rem. Ich spreche wohl fĂŒr viele von uns, wenn ich sage: Keiner dieser Fakten ist eine Ăberraschung. Als nach langem Warten endlich die Eilmeldung ĂŒber die Hochstu- fung der AfD auf den Smartphones aufploppte, war das trotzdem eine gute Nachricht, denn es gibt jetzt Klarheit im öffentlichen Diskurs: Die AfD ist nicht ultrakonserva- tiv, rechtspopulistisch oder in Teilen rechtsradikal. Nein, sie ist eine durch und durch gesichert rechtsextremisti- sche Bestrebung, rassistisch und antidemokratisch. Das Bundesamt sagt ganz klar: Kern der Verfassungsfeind- lichkeit der AfD ist ihr Angriff auf die MenschenwĂŒrde, genauer gesagt, die rassistische Unterscheidung in ver- meintlich echte und unechte Deutsche sowie ihr abgrund- tiefer Hass auf Musliminnen. Doch wie viel Berliner AfD steckt eigentlich in der Hochstufung der Partei? â Im Gutachten des Verfas- sungsschutzes wird rund die HĂ€lfte der AfD-Fraktion im Abgeordnetenhaus namentlich genannt; ein beispielloser Vorgang in der Geschichte des Abgeordnetenhauses und zutiefst beschĂ€mend. Ihre Fraktion beschĂ€digt damit nicht nur das Image der eigenen Partei, sondern auch das Ansehen dieses Parla- ments. WĂ€ren Sie in Ihrem eigenen Anspruch konse- quent, Frau Brinker, wĂŒrden Sie die sieben Personen entweder aus der Fraktion schmeiĂen oder selber zurĂŒck- treten. Ein weiterer Effekt des Gutachtens: Es mĂŒssen jetzt dienstrechtliche Konsequenzen fĂŒr BeschĂ€ftigte im Staatsdienst folgen â eine Aufgabe, vor der sich der Senat aktuell noch wegduckt, namentlich die Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen als federfĂŒhrendes Ressort. Aber es braucht hier jetzt klare Konzepte und ZustĂ€ndigkeiten, wie mit Verfassungsfeinden im öffentlichen Dienst umgegangen wird. Und, last but not least: Das Gutachten ist eine wichtige Vorarbeit und Materialsammlung fĂŒr die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens. In unserem Antrag sprechen wir GrĂŒne und Linke uns klar fĂŒr dieses Verbotsverfahren aus. Der Senat muss gegenĂŒber der Bundesregierung im Bundesrat auf ein solches Verbotsverfahren hinwirken, und zwar jetzt. Deshalb war ich zunĂ€chst optimistisch, als der Regierende BĂŒrgermeister Kai Wegner sich offen gezeigt hat fĂŒr ein AfD-Verbot. Doch meine Hoffnungen wurden jĂ€h enttĂ€uscht von Aussagen der CDU-Fraktion und der Justizsenatorin Badenberg. Die Senatorin steht einem AfD-Verbotsverfahren ablehnend gegenĂŒber und will lieber erst mal abwarten, bis sich die AfD durch alle Gerichte geklagt hat. Damit wird Senatorin Badenberg ihrer Verantwortung als Verfassungssenatorin nicht ge- recht. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ein Verbotsverfahren muss gut vorbereitet und auf seine Erfolgschancen ge- prĂŒft werden, aber das kann nicht bedeuten, dass Abwar- ten und PrĂŒfen zu einem Mantra werden, um die Einlei- tung eines Verbotsverfahrens bis zum Sankt-Nimmer- leins-Tag zu verschleppen. Das ist mit uns GrĂŒnen nicht zu machen! Es ist schon komisch: Normalerweise reicht bei der CDU ja schon ein Fingerzeig des Verfassungsschutzes und Sie sind mit an Bord, aber bei der Hochstufung der AfD: (Stephan Lenz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6571 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Schweigen im Walde, ganz so, als gĂ€be es keine politi- sche Verantwortung, die Erkenntnisse des Verfassungs- schutzes einzuordnen. Ich hĂ€tte ja nicht gedacht, dass wir mal so weit sind, dass die Erkenntnisse des Verfassungs- schutzes bei uns GrĂŒnen besser aufgehoben sind als bei der CDU. Bei der SPD sieht es auch nicht viel besser aus. In den Medien gibt man sich entschlossen und kĂ€mpferisch, im Parlament trĂ€gt man still und handzahm den CDU-Kurs mit. Anders ist es doch nicht zu erklĂ€ren, dass der SPD- Fraktionsvorsitzende öffentlichkeitswirksam ein Verbot fordert, sein Landesvorstand aber lieber abwarten möch- te, bis die Einstufung, Zitat, âgerichtsfestâ ist. Was soll das denn heiĂen? Bis wann will man denn da warten? Bis zum Verwaltungsgericht, bis zum Oberverwaltungsge- richt? Ich fasse zusammen: In Sachen Hochstufung und AfD- Verbot legt dieser Senat die HĂ€nde in den SchoĂ und wartet ab. Das ist mit uns als Opposition nicht zu ma- chen! Denn die Voraussetzungen fĂŒr ein Verbotsverfahren liegen vor. Die verfassungsfeindlichen Ziele sind im Gutachten klar benannt. Die PotenzialitĂ€t ist durch die Wahlergebnisse gegeben, und wir erleben das aktive und planvolle Vorgehen dieser Partei fĂŒr die Erreichung ihrer Ziele. Zum Schluss noch ein paar Worte: NatĂŒrlich verschwin- det rechtes Gedankengut durch ein AfD-Verbot nicht von heute auf morgen, aber einer gesichert rechtsextremisti- schen Bestrebung wĂŒrden Steuergelder, Personal, Kom- munikationsplattformen, Reichweite und andere Mittel fehlen. Das wĂ€re ein enormer Erfolg fĂŒr unsere wehrhafte Demokratie. Der Verfassungsschutz, letzter Satz, kommt in seinem Gutachten zu dem Schluss, es sei nicht mehr davon auszugehen, Zitat mit Erlaubnis des PrĂ€sidenten: âdass es gemĂ€Ăigteren KrĂ€ften in der AfD noch möglich ist, diese festgestellte verfassungsfeindli- che PrĂ€gung der Gesamtpartei noch umzukehrenâ. Vielen herzlichen Dank! Dann folgt fĂŒr die Linksfraktion die Kollegin Helm.
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Liebe demokratische Kolleginnen und Kollegen! âDie Ereignisse von 1933 bis 1945 hĂ€tten spĂ€tes- tens 1928 bekĂ€mpft werden mĂŒssen. SpĂ€ter war es zu spĂ€t. Man darf nicht warten, bis der Freiheits- kampf Landesverrat genannt wird.â Das war ein Zitat, Herr PrĂ€sident, von Erich KĂ€stner aus seinem Buch âĂber das Verbrennen von BĂŒchernâ. Bei der Reichstagswahl 1928 erzielte die Nazipartei we- niger als 3 Prozent. Zwei Jahre spĂ€ter waren es schon ĂŒber 18 Prozent, und auch damals gab es schon das Mittel des Parteienverbotes. Das wurde 1923 auch gegen die NSDAP angewendet, nachdem sie versucht hatte, zu putschen, aber nach der NeugrĂŒndung 1925 wurde es dann nicht noch einmal angewendet. Ich bin sicher, dass von der AfD die gröĂte Bedrohung fĂŒr die freiheitlich demokratische Grundordnung seit 1949 ausgeht. Ich gehe davon aus, dass darĂŒber im de- mokratischen Spektrum weitestgehend Einigkeit herrscht. Ich freue mich auch, dass Herr Wegner innerhalb der letzten zwei Jahre seine Haltung geĂ€ndert hat und inzwi- schen auch der Ăberzeugung ist, dass ein AfD-Verbot notwendig ist, und ich hoffe, dass er seine Kolleginnen und Kollegen in seiner Partei auch noch davon ĂŒberzeu- gen wird. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir machen es uns mit diesem scharfen Schwert nicht leicht. Wir glauben auch nicht, dass es ein Allheilmittel ist. Die extrem rechten Strukturen mĂŒssen auf allen Ebenen bekĂ€mpft und vor allem entwaffnet werden. â Und ja, Kollege Lenz, die AfD muss natĂŒrlich zuerst auch politisch bekĂ€mpft wer- den. Wir mĂŒssen beweisen, dass die Politik handlungsfĂ€- hig ist und konkrete Lösungen fĂŒr die Probleme der ĂŒber- groĂen Mehrheit der Menschen anbieten kann. DafĂŒr mĂŒssen wir auch unsere tatsĂ€chlichen Handlungs- spielrĂ€ume wieder ausweiten. Das GefĂŒhl Deutschland stĂŒnde kurz vor einem Zusammenbruch, nĂ€hrt sich auch von Bildern zusammenbrechender BrĂŒcken und maroder SchulgebĂ€ude. Das kann man durch massive Investiti- onsoffensiven ziemlich konkret bekĂ€mpfen. Das ist doch schon mal ein Ansatz. Aber wenn Korruptionsskandale eine politische Karriere nicht beenden, sondern eher noch beflĂŒgeln, dann ist das ein Konjunkturprogramm fĂŒr die AfD, und wer gemein- sam mit der AfD verfassungswidrige Antimigrationsge- setze durchdrĂŒckt, der organisiert ihnen politische Siege, anstatt sie zu bekĂ€mpfen. (Ario Ebrahimpour Mirzaie) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6572 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Das Gejohle und Gefeixe von ihnen kriegt man dann gratis dazu. Ein Verbot ist das hĂ€rteste Mittel, das der Rechtsstaat gegen eine verfassungsfeindliche Partei ins Feld fĂŒhren kann, und darum sind die HĂŒrden durch die MĂŒtter und VĂ€ter des Grundgesetzes entsprechend hoch gesetzt wor- den. Dabei haben sie aber bei einem Punkt ganz besonde- re Weitsicht bewiesen. Egal wie viel Kreide die Faschis- ten fressen, um ein verfassungskonform wirkendes Pro- gramm zu schreiben, gemessen werden sie an ihren kon- kreten Taten und an den ĂuĂerungen ihrer Akteure. Nach der ThĂŒringer Landtagswahl ging die AfD sofort zum Angriff auf den Landtag selbst und das Verfas- sungsgericht ĂŒber. Beide Institutionen sollten delegiti- miert werden, noch bevor dort ĂŒberhaupt die ersten Ent- scheidungen getroffen werden konnten. Es gehört zur erklĂ€rten Strategie der AfD, Donald Trumps und anderer Autokraten, die Gewaltenteilung zu unterminieren und sich ĂŒber Legislative und Judikative einfach hinwegzu- setzen, sobald die Exekutive erst einmal unter Kontrolle ist. Es gibt hinreichend belegte Drohungen, Schulen, UniversitĂ€ten und die unabhĂ€ngige Presse mit politischen SĂ€uberungen zu ĂŒberziehen, sobald sie die Möglichkeit dazu haben. Wir sollten sie dringend beim Wort nehmen. GroĂen Teilen der Berliner Bevölkerung sprechen AfD- Akteure pauschal ihre MenschenwĂŒrde ab. Dazu gehören zuallererst Transpersonen und Muslime, aber auch Mig- rantinnen, JĂŒdinnen und Juden, queere Menschen und Frauen. Als Abgeordnete sind wir all diesen Menschen verpflich- tet, und die Gefahr ist real. Dort, wo die AfD an Einfluss gewinnt, steigt die rechte Gewalt, und wir haben gerade einen erschreckenden Peak rechter Gewalt. Im Landkreis Sonneberg, wo die AfD den Landrat stellt, haben sich die rechten Gewalttaten vom Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr verfĂŒnffacht. Die ehrenamtliche Migrationsbeauftragte sah sich nicht mehr in der Lage, ihr Amt auszufĂŒhren und gab es ab. In jeder rechtsterro- ristischen Vereinigung der letzten Jahre waren AfD- FunktionĂ€re beteiligt, ob beim Putschplan der ReuĂ- Gruppe, den SĂ€chsischen Separatisten oder der An- schlagsserie in Neukölln, und auch der Mörder von Wal- ter LĂŒbke war AfD-WahlkĂ€mpfer. Die AfD pumpt Steu- ergelder in extrem rechte Strukturen und stattet Neonazis mit Jobs und InformationszugĂ€ngen aus. Das mĂŒssen wir unterbinden. Das ist unsere Pflicht! Ein Appell zum Schluss: Das Land Berlin ist als Teil des Bundesrates berechtigt, beim Bundesverfassungsgericht einen Antrag auf PrĂŒfung der Verfassungsfeindlichkeit einer Partei zu stellen. Daraus ergibt sich auch die Pflicht fĂŒr uns, sich mit dieser Frage zu beschĂ€ftigen. Die ĂŒber- fraktionelle Gruppe im Bundestag um Marco Wanderwitz hat uns alle als demokratische Fraktionen der Landtage dazu aufgerufen, das zu tun. Zertreten wir den rollenden Schneeball, bevor er zur Lawine geworden ist! â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die Fraktion der SPD der Kollege Leh- mann.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! âAuf der Basis dessen, was der Verfassungsschutz zum Besten gegeben hat, lĂ€sst sich kein Staat ma- chen, zumindest kein demokratischer. Die Demo- kratie in der heutigen Bundesrepublik hat mit un- seren Ideen von Demokratie nichts zu tun.â Das habe ich, mit der Erlaubnis des PrĂ€sidenten, aus dem AfD-Repertoire zitiert. Das und noch vieles mehr haben wir in der letzten Zeit alle gelesen, und wir wissen genau, wer da was geschrieben oder gesagt hat. Ich weiĂ auch ohne Gutachten des Bundesamtes fĂŒr Ver- fassungsschutz: Die AfD ist verfassungsfeindlich, weil sie rechtsextrem ist. Da bildet dann auch die Berliner Landespartei der AfD keine Ausnahme. Sie tickt genauso und ist genauso zu bewerten. Die braune SoĂe der Bun- despartei tropft auch auf die Berliner Landespartei durch. AfD-FunktionĂ€re relativieren die NS-Zeit, hetzen gegen Migrantinnen und Migranten, gegen Andersdenkende, gegen die Presse, gegen die Justiz, gegen unseren Staats- apparat. Was mit Lucke als konservative Protestpartei begann, ist heute ein Sammelbecken von Demokratie- feinden, und das alles ist auch aggressiv und kĂ€mpferisch, so die Fachterminologie. Denn es ist seit Jahren gefestigte Rechtsprechung, dass kĂ€mpferisch gerade nicht heiĂt, dass es körperlich sein muss. Dennoch, wenn ich Parolen von der AfD höre, dann wird mir auch körperlich schlecht. (Anne Helm) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6573 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Deshalb möchte ich, dass diese Partei verschwindet und schnell aus der Parteienfinanzierung von Staatsgeldern ausgeschlossen wird. Auch die sogenannte verdeckte Parteienfinanzierung mit den AbgeordnetenbezĂŒgen, dem Geld fĂŒr Fraktionsmitar- beitende und so weiter nimmt die AfD ja gerne an. Damit muss Schluss sein, wenn eine Partei das sie unterstĂŒtzen- de System so beschimpft, diffamiert und beseitigen will. Ich muss das Grundgesetz loben, und das, obwohl es morgen schon 76 Jahre alt wird, vielleicht auch gerade deshalb. Da steht alles drin, was wir heute brauchen, auch, dass ĂŒber ein Verbot von Parteien gerade nicht die Regierungen entscheiden, sondern eben die Rechtspre- chung mit unserem Obersten Gericht, dem Bundesverfas- sungsgericht, und zwar gemÀà Artikel 21, Absatz 2 Nummer 2, Grundgesetz. Da steht nĂ€mlich: âParteien, die nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer AnhĂ€nger darauf ausgehen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu be- eintrĂ€chtigen oder zu beseitigen ⊠sind verfas- sungswidrig.â FĂŒr mich ist dieses: âdarauf ausgehenâ auch mit Bezug auf die obigen Zitate, die eingangs genannt wurden, ein- deutig erfĂŒllt. Das Grundgesetz schĂŒtzt uns, aber wir mĂŒssen auch das Grundgesetz schĂŒtzen. Ein Verbotsver- fahren in Bezug auf eine erwiesen rechtsextreme AfD und der Ausschluss aus der Parteienfinanzierung ist ein ĂŒberfĂ€lliger Schritt, um unsere offene, pluralistische Ge- sellschaft, um unsere Demokratie zu verteidigen. [Beifall bei der SPD, den GRĂNEN und der LINKEN â
Um sich die Taschen voll zu machen!] Wehret den AnfĂ€ngen! Mit diesem Satz bin ich groĂ geworden. Aber die AnfĂ€nge sind schon lange vorbei: NPD, NSU, Wehrsportgruppe Hoffmann, AfD. Wir dĂŒr- fen nicht weiter zusehen, wie die AfD demokratische Freiheiten nutzt, um eben diese abzuschaffen. Ein Ver- botsantrag zu dieser Partei ist daher nicht nur legitim, sondern notwendig, um unsere Demokratie zu schĂŒtzen. Jetzt ist es an der Zeit, dass sich Bundesregierung, Bun- desrat und Bundestag zusammensetzen und den Antrag gemeinsam erarbeiten, und zwar in naher Zukunft. Das fordern ĂŒbrigens auch Daniel GĂŒnther von der CDU in Schleswig-Holstein und das Bundesland Bremen. Die sind da klar, nicht ganz so klar ist ĂŒbrigens die Berliner CDU bisher. Unser BĂŒrgermeister Kai Wegner sagte noch im Wahlkampf 2024 dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, ich zitiere: âIch wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass es die AfD nicht gibt, aber ein Verbot sehe ich kritisch.â Mittlerweile ist aber unser Berliner BĂŒrgermeister etwas anders in seinem Wording, schlieĂt das nicht mehr aus und befĂŒrwortet mehr oder weniger ein Verbotsverfahren, wie ich dem Tagesspiegel entnehmen konnte. Im Gegen- satz dazu Ă€uĂert aber seine Justizsenatorin, sie wurde schon zitiert, ich zitiere auch wieder: âAber zum jetzigen Zeitpunkt stellt sich diese Frage nicht.â â Meine Berliner Parteivorsitzende wiederum meinte auch: Sollte die Ein- stufung der AfD auch vor Gericht Bestand haben, mĂŒssen wir die notwendigen Konsequenzen ziehen. â Diese Si- cherheit gibt es im Vorfeld von Gerichtsverfahren nicht. Bei Gericht und auf hoher See ⊠na, Sie wissen schon! Herr Kollege! Gestatten Sie noch eine Zwischenfrage des Abgeordneten Mirzaie?
Nein, vielen Dank! Ich bin auch gleich fertig. â Wir ha- ben â und ich zitiere meinen Fraktionsvorsitzenden â die politische Pflicht, unsere Demokratie zu verteidigen. Der Weg hierzu ist der Gang zum Bundesverfassungsgericht. Hierzu sollte sich auch Berlin auf Bundesebene bemĂŒhen, dass es zĂŒgig zu einem entsprechenden Verfahren kommt. Dann kann das Gericht und gerade nicht die Politik, gerade nicht wir, ĂŒber das Verbot der rechtsex- tremen AfD entscheiden. WĂ€hler zurĂŒckgewinnen kann man nĂ€mlich nicht nur mit politischer Diskussion, son- dern auch mit Haltung und klarer Kante. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion spricht nun die Abgeordnete Dr. Brinker.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Aufstieg der AfD ist eine beispiellose Er- folgsgeschichte. Von Jahr zu Jahr wĂ€chst unsere UnterstĂŒtzerzahl und die Zahl unserer WĂ€hler. Inzwischen zĂ€hlt die AfD insgesamt ĂŒber 60 000 Mitglieder. Allein in der vergangenen Woche sind 1 000 Mitglieder hinzugekommen. Vielleicht haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum all diese Men- schen zu uns kommen und Millionen WĂ€hler ihr Kreuz bei der AfD machen? â Ich will es Ihnen sagen: Sie alle vertrauen nĂ€mlich auf die korrigierende Gestaltungskraft der Alternative fĂŒr Deutschland. (Jan Lehmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6574 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Sie halten eine Korrektur der politischen Irrwege der vergangenen Jahre fĂŒr zwingend notwendig. All die Menschen, die uns wĂ€hlen, nĂ€mlich weit mehr als 10 Millionen in diesem Land, hoffen seit Langem vergeb- lich darauf, dass sich die ZustĂ€nde in unserem Land fĂŒr sie wieder zum Besseren verĂ€ndern. Das heiĂt, sie wollen zum Beispiel verhindern, dass unser Land unter der Last einer ungebremsten Migration zusammenbricht. Diese Last ergibt sich aus vielen Faktoren: erstens finan- ziell, weil die Kosten unseren Sozialstaat ĂŒberfordern, zweitens gesellschaftlich, weil der Kitt, das Verbindende, also das Einigende, durch diese Massenmigration brö- ckelt, und drittens auch sozial, weil die ungebremste Massenmigration zu massiven Konflikten auf dem Ar- beits- und Wohnungsmarkt fĂŒhrt. All die Menschen, die uns unterstĂŒtzen, möchten sich in ihrem Land, in unserem Land wieder sicher fĂŒhlen. Ers- tens: Sie wollen ein Land ohne Femizide. Zweitens: Sie wollen wieder ohne Angst öffentliche Ver- kehrsmittel benutzen können. Drittens: Sie wollen sichere öffentliche Feste ohne Angst vor Messerangriffen und terroristischen AmokanschlĂ€- gen. Sie wollen Schulen und FreibĂ€der ohne Wachschutz und Gewalterfahrungen. Sie wollen ein Land, fĂŒnftens, ohne gewalttĂ€tigen Antisemitismus. All die Menschen, die uns unterstĂŒtzen, möchten auch im Alter finanziell abgesichert sein. Das heiĂt â erstens: Sie wollen von ihrer Rente ihre Miete zahlen können. Zwei- tens: Sie wollen nicht zur sozialen Belastung ihrer Kinder und Enkelkinder werden. Drittens: Sie wollen nicht auf die Tafel angewiesen sein. Viertens: Sie wollen nicht zum Pflegefall dieser Nation werden. All die Menschen, die uns unterstĂŒtzen, möchten, dass sie fĂŒr ihre hohen KrankenkassenbeitrĂ€ge angemessen medi- zinisch versorgt werden. Sie wollen nicht monatelang auf Arzttermine warten. Sie wollen nicht auf Medikamente verzichten, weil China gerade nicht liefern kann. Sie wollen nicht, dass das Einkommen und der Wohnort die QualitĂ€t der medizinischen Versorgung bestimmen. All die Menschen, die uns unterstĂŒtzen, möchten, dass ihre Kinder an unseren Schulen wieder genauso viel ler- nen wie die Kinder in PISA-GewinnerlĂ€ndern. All die Menschen, die uns wĂ€hlen und zu uns kommen, möchten wieder ohne Furcht ihre Meinung sagen können. Sie wollen sich von Ihren Denkverboten, werte Damen und Herren, befreien. Sie wollen zurĂŒck zu einem vorur- teilsfreien öffentlichen Diskurs. Sie wollen diese Unge- rechtigkeit nicht lĂ€nger erdulden, mit der Meinungen etikettiert und diffamiert werden. Sie halten die Ungerechtigkeit nicht mehr aus, mit der Menschen aufgrund ihrer Meinung stigmatisiert, ausge- grenzt und sogar ihrer Existenz und Zukunft in diesem Deutschland beraubt werden. Die WĂ€hler erhoffen sich von uns, der AfD, einen Poli- tikwechsel. Sie erhoffen sich ein Land, das ihnen wieder Freiheit, Wohlstand und Sicherheit garantiert. Aber Ihnen, verehr- te Damen und Herren auf der linken Seite, haben die WĂ€hler das Vertrauen entzogen. Zu oft haben Sie bewiesen, dass Sie die ZustĂ€nde in unse- rem Land eben nicht korrigieren können oder wollen. Mit diesem Vertrauensentzug durch die WĂ€hler können Sie aber nicht umgehen. Sie wollen nicht akzeptieren, dass Sie gescheitert sind. Doch anstatt einmal in sich zu gehen und ĂŒber mögliche eigene Fehler nachzudenken, wollen Sie die unliebsame Konkurrenz in Gestalt der AfD verbieten. Sie wollen den Menschen, den WĂ€hlern ihre ProjektionsflĂ€che fĂŒr ihre Hoffnungen und SehnsĂŒchte nehmen. Ich sage Ihnen aber: Das wird nicht funktionieren! Denn Ihr Handeln demaskiert Sie mehr, als jede Kritik es jemals könnte. Sie beweisen mit Ihrem nicht einmal halb- seitigen Antrag nur eines: Sie wollen den demokratischen Wettbewerb aushebeln. Sie wollen die Meinungsfreiheit aushebeln. Sie sind die Antidemokraten! (Dr. Kristin Brinker) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6575 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Zu diesem Tagesordnungspunkt hat der fraktionslose Abgeordnete Dr. King einen Redebeitrag angemeldet. â Bitte schön, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz stuft die gesamte AfD als gesichert rechtsextremistisch ein. Wo- rauf sich das Verdikt stĂŒtzt, sollte die Ăffentlichkeit aber nicht erfahren. Das Gutachten, das der Einstufung zu- grunde liegt, wurde zunĂ€chst unter Verschluss gehalten. Trotzdem begann sofort eine Debatte ĂŒber ein Verbots- verfahren gegen die AfD â eine typisch deutsche Diskus- sion. Mal ganz abgesehen davon, dass ich die Argumente derjenigen schon stichhaltig finde, die sagen, dass diese Zitatesammlung möglicherweise gar nicht fĂŒr so ein Verfahren ausreicht: In keinem anderen Land der EU kĂ€me man auf die Idee, ĂŒberhaupt nur darĂŒber zu disku- tieren, die gröĂte Oppositionspartei zu verbieten, egal wie grausig sie ist, und die ist grausig. Da gĂ€be es viele Bei- spiele, von der FPĂ bis zu den polnischen rechtsextre- mistischen Monarchisten. Diese ganze Diskussion ist in vielerlei Hinsicht machtpo- litisch instrumentalisierbar. Das haben gerade die Vor- gĂ€nge in Brandenburg gezeigt. Eine Querfront von CDU ĂŒber GrĂŒne und Linke bis zu den Jusos drĂ€ngte eine hochverdiente Sozialdemokratin alter Schule, Frau Lan- ge, aus dem Ministeramt, eine beliebte Politikerin, die ihr Ohr an den Menschen hat und die völlig zu Recht sagt â ich zitiere mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin â: âIch bin nicht fĂŒr einen weicheren Umgang mit der AfD, sondern fĂŒr einen besseren und wirksa- meren âŠâ Zitat Ende. â Vollkommen richtig. Es wĂ€re wirklich interessant zu wissen, wie diese Vor- gĂ€nge in der Berliner SPD diskutiert werden. Auf der anderen Seite: Ausgerechnet Die Linke und die GrĂŒnen stellen sich voll hinter den Verfassungsschutz, den sie frĂŒher mal abschaffen wollten, und seinen abgesetzten PrĂ€sidenten. Da steht die Welt wirklich Kopf. Wohlgemerkt: Wir reden ĂŒber den Verfassungsschutz, den Verfassungsschutz, den Geheimdienst, dessen Ge- heimgutachten letztlich doch komplett geleakt wurde und bei Spiegel und Bild-Zeitung landete, den Geheimdienst, der jahre- lang dem Morden der NSU-Terroristen zugesehen hat und der so eng mit der NPD verstrickt war, dass er von dieser vor Gericht quasi gar nicht mehr ausei- nanderzufieseln war, und der vermutlich auch die AfD massiv infiltriert hat. Mir fielen da schon einige Kandidaten ein, die bei Ihnen eingeschleust wurden. Die AfD allerdings muss sich vorwerfen lassen, und auch Sie, Frau Dr. Brinker, mĂŒssen sich damit konfrontieren, dass Ihre Partei mittlerweile wirklich zu einem Vehikel fĂŒr Rechtsradikale und Nazis geworden ist. Aus der Zita- tensammlung des Verfassungsschutzes, die durchgesi- ckert ist, geht doch hervor, dass es lĂ€ngst nicht mehr nur versprengte Einzelmeinungen von AuĂenseitern in Ihrer Partei sind. Einiges wurde auch öffentlich zitiert, auch aus Ihrem eigenen Beritt, aus Ihrer Berliner Fraktion â vorhin war die Rede davon â, wirklich abstoĂende, dum- me Aussagen. Es wĂ€re wirklich interessant gewesen, muss ich sagen, wenn Sie hier mal dazu Stellung ge- nommen hĂ€tten; leider kein Wort dazu in Ihrer Rede vorhin. Ich bin trotzdem gegen ein AfD-Verbotsverfahren. Ich halte die Verbotsdiskussion nicht nur fĂŒr hilflos im Umgang mit der AfD, sondern auch fĂŒr antidemokratisch. Sie zeigt eine gefĂ€hrliche Tendenz in der Politik auf, Verlust an eigener GlaubwĂŒrdigkeit durch Repression zu kompensieren. Offenbar trauen sich einige Parteien gar nicht mehr zu, AfD-WĂ€hler von ihrer Politik zu ĂŒberzeugen und zurĂŒck- zugewinnen. Das ist doch ein Problem, stattdessen auf Stigmatisierung und Verbote zu setzen. Letztlich stellt man sich damit selbst ein Armutszeugnis aus. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6576 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 [Vereinzelter Beifall bei der AfD â
Da gibt es Applaus dafĂŒr! â
Fleisch von eurem Fleische! â Heiterkeit bei der AfD] Auch der fraktionslose Abgeordnete Brousek hat einen Redebeitrag angemeldet. â Herr Abgeordneter, bitte schön, Sie haben das Wort!
Brecht wĂŒrde sich im Grabe umdrehen, wenn er wĂŒsste, dass Sie ihn zitieren!] â Ich glaube nicht; der wĂŒrde sich freuen. Er wĂŒrde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er Ihre Stimme hören wĂŒrde. Es ist so: Nach dem 17. Juni sagte die Regierung, das Volk hĂ€tte das Vertrauen der Regierung verscherzt und mĂŒsste doppelt so viel arbeiten, um das Vertrauen wie- derzugewinnen. WĂ€re es da nicht besser, âdie Regierung löste das Volk aufâ und wĂ€hlte sich ein neues? â So schrieb Bertolt Brecht in den Buckower Elegien. Man sollte sich ĂŒberlegen, ob man es nicht paraphrasieren kann: WĂ€re es nicht besser, die Regierung löste eine Partei auf und verböte den Menschen, diese Partei zu wĂ€hlen, wenn ihnen diese Partei nicht passt? â Das ist doch das, worĂŒber wir reden. Das ist keine juristische Frage, das ist eine Frage politischer Kultur und eines politischen Kulturkampfes. Ich finde es eigentlich ganz ungewöhnlich, dass die AfD, zu der ich ĂŒbrigens auch kritisch stehe, was mir die Herrschaften drĂŒben nicht abnehmen, da sie mich selbst auf der Toilette nicht grĂŒ- Ăen, dass hier â â â Na, das stimmt nicht. Da gibt es Leute, die grĂŒĂen. Wenn hier eine Parallele gezogen wird zwischen der Wehrsportgruppe Hoffmann und dem NSU und der AfD, der gröĂten Oppositionspartei in diesem Lande: Ich finde das unsĂ€glich im Hinblick auf eine Partei, die 15, 20, vielleicht auch 25 Prozent haben wird. Das Entscheidende ist doch: Bei allem Respekt fĂŒr das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz habe ich eine gesunde Distanz zu Geheimdiensten, und ich möchte nicht, dass politische Vorentscheidungen getroffen werden von Ge- heimdiensten, egal ob diese Verfassungsschutz heiĂen, Staatssicherheit oder Securitate. Ich möchte nicht, dass die Securitate darĂŒber entscheidet, was die Leute wĂ€hlen sollen und was sie nicht wĂ€hlen sollen. â Ich habe von âVorentscheidungâ gesprochen; ich kom- me noch zum Bundesverfassungsgericht. â Ich habe den Eindruck, dass die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen, hauptberufli- chen, selbst ernannten Antifaschisten und Demokraten hier roten oder grĂŒnen Schaum vor dem Mund haben, wenn sie zu diesem Thema gelangen. Dieser Schaum ist vorher in Ihrem Gehirn und verwirrt dieses offenbar, weil Sie nicht richtig nachdenken kön- nen. Die einzigen, die noch darĂŒber nachdenken, aber sehr verhalten, sind die Leute von der CDU, die offenbar erkannt haben, dass repressive MaĂnahmen juristischer Art politisch-parlamentarische Auseinandersetzungen nicht ersetzen können. Wenn Sie wollen, dass die AfD verschwindet, mĂŒssen Sie doch eine Politik machen, die die Leute wollen, und das wird offenbar nicht gemacht. Vielleicht hat es jetzt Herr Merz erkannt und wird entsprechend handeln. WĂ€re ich noch in der AfD, dann wĂŒrde ich der AfD emp- fehlen: Die AfD sollte sagen: Ja, bitte, verbietet uns, geht doch zum Bundesverfassungsgericht! Das Bundesverfas- sungsgericht wird uns einen Persilschein geben. Es wird uns entlasten. Das Verfahren wird scheitern, und wir werden stĂ€rker. Ich glaube, das ist nichts, was Sie wollen. Setzen Sie sich politisch auseinander, aber nicht ĂŒber den Weg, dass Sie gut finden, was Geheimdienste Ihnen erzĂ€hlen! Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6577 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Vielen Dank! Vielen Dank! â Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags feder- fĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Bundes- und Europaange- legenheiten, Medien sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Verfassungsschutz. â Widerspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 5.3: PrioritĂ€t der Fraktion Die Linke Tagesordnungspunkt 80 A Neubau von 850 Wohnungen am GĂŒterbahnhof Köpenick absichern â Wohnraumbewirtschaftungsgesetz auf den Weg bringen Dringlicher Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2451 Der Dringlichkeit haben Sie bereits eingangs zugestimmt. In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke. â Bitte schön, Herr Abgeordneter Schenker, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir stehen heute vor einer ziemlich entschei- denden Frage, und zwar der Frage: Wie ernst meint es der Senat eigentlich mit dem Wohnungsbau? â 850 Wohnun- gen am GĂŒterbahnhof Köpenick könnten gebaut werden, aber das Eisenbahn-Bundesamt hat die Freigabe der FlĂ€- che abgelehnt mit einer BegrĂŒndung, die es wirklich in sich hat. Es fehle ein gesetzlich gesichertes Gemein- wohlinteresse am Wohnungsbau. Ich zitiere mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin: Ein das âĂŒberragende öffentliche Interesse an der Beibe- haltung des Bahnbetriebszwecks ĂŒberwiegendes Freistellungsinteresse des Landes Berlin âŠâ ist zu verneinen âmangels gesetzlicher Einrichtung und hinrei- chend dauerhafter Sicherstellung der Wohnraum- versorgung der breiten Berliner Bevölkerung als öffentlicher Daseinsvorsorgeaufgabe.â Klingt kompliziert, aber mit anderen Worten: Der Senat betrachtet Wohnungsbau und Wohnraumversorgung als private Aufgaben. â Und genau deshalb hat Wohnraum gegenĂŒber anderen Interessen das Nachsehen. Damit dĂŒrfte ein fĂŒr alle Mal klar sein: Wer den Woh- nungsbau dem Markt ĂŒberlĂ€sst, darf sich nicht wundern, wenn am Ende nichts mehr gebaut wird. Das Dramatische ist: Der GĂŒterbahnhof Köpenick ist gar kein Einzelfall. Auch an fĂŒnf weiteren, mindestens fĂŒnf weiteren ehemaligen BahnflĂ€chen droht der Stillstand: Pankower Tor, Hertzallee Nord, Friedenauer Höhe, Ring- bahnhof Neukölln oder Stadteingang West. Tausende Wohnungen stehen auf dem Spiel, nur weil der Senat bislang nicht bereit ist, das Gemeinwohl beim Woh- nungsbau endlich öffentlich-rechtlich abzusichern. Herr Gaebler! Wenn Sie wollen, dass die Bagger wieder rol- len, wie es die neue Bundesbauministerin in ihrer An- trittsrede so schön formulierte, dann brauchen wir ein Wohnraumbewirtschaftungsgesetz. Jede Minute, die Berlin zögert, Neubau und Wohnungs- versorgung öffentlich zu regeln, gefĂ€hrdet den Neubau Tausender dringend benötigter Wohnungen. Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist, wir sind als Partei Die Linke nicht nur die Partei des bezahlbaren Wohnraums, sondern auch die Partei des schneller Bauens. Deswegen haben wir lĂ€ngst geliefert und mit unserem Sicher-Wohnen-Gesetz und einem kommunalen Woh- nungsbauprogramm gezeigt, wie es geht. Wir wollen Wohnungsbau zurĂŒck in die öffentliche Hand holen. Wir wollen Schluss machen mit diesem absurden Zustand, dass Wohnen ein Marktprodukt ist, wo Renditen gesi- chert, aber Wohnungsbau verhindert werden. Das ist ja keineswegs revolutionĂ€r, so etwas wie ein Wohnraumbe- wirtschaftungsgesetz einzufĂŒhren. Das war frĂŒher in Berlin ganz normal. Bis 1987, gar nicht so lange her, war die Wohnraumversorgung zumindest in Westberlin öffentliche Aufgabe. Mit der Abschaffung des Mieten- deckels fĂŒr Altbauten wurde das beendet, mit den be- kannten Folgen: steigende Mieten, schlechtere Versor- gung. Seit 2002 fördert der soziale Wohnungsbau nur noch Menschen mit geringen Einkommen, aber was ist mit der Mehrheit in der Stadt, die sich den Markt kaum leisten kann, aber keine Förderung bekommt? Mit der Föderalismusreform 2006 haben die LĂ€nder eigene Ge- setzgebungskompetenz fĂŒr das Wohnungswesen bekom- men. Berlin könnte handeln. Ein von uns als Linksfraktion in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten der renommierten Staatsrechtlerin Prof. Dr. Pia Lange kommt deswegen auch klar zum Schluss: Je stĂ€rker der Markt zurĂŒckgedrĂ€ngt wird, desto gröĂer ist die Gesetzgebungskompetenz der LĂ€nder. â Jetzt zitiere ich noch mal mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin aus dem von uns in Auftrag gegebenen Gutachten: âNach der Rechtsprechung des Bundesverfas- sungsgerichts besteht eine Gesetzgebungskompe- tenz der LĂ€nder im Bereich der Wohnraumbe- (Antonin Brousek) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6578 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 wirtschaftung, jedenfalls im Bereich der Regulie- rung der Miethöhe jedoch nur, wenn der privat- rechtliche Charakter des Mietvertrages durch öf- fentlich-rechtliche Vorschriften ganz oder teilwei- se verdrĂ€ngt wird.â Jetzt kommt der entscheidende Satz: âDiese Elemente mĂŒssten insoweit zwingend ganz oder teilweise öffentlich-rechtlich ĂŒberlagert wer- den, um die Gesetzgebungskompetenz der LĂ€nder aus dem Bereich des Wohnungswesens zu be- grĂŒnden.â Was folgt daraus? â Wir brauchen ein Landesgesetz, das die Wohnraumbewirtschaftung umfassend und öffentlich regelt. Unser Sicher-Wohnen-Gesetz macht genau das. Das ist ein Wohnraumbewirtschaftungsgesetz. Ich verrate Ihnen gerne noch ein paar zentrale Inhalte. Wir wollen erstens dafĂŒr sorgen, dass gewerbliche Vermieter in Ber- lin verpflichtet werden, einen angemessenen Anteil an Wohnraum der jĂ€hrlich wieder neu zur Vermietung kommenden Wohnungen mit geringen Preisen und an Menschen mit geringen und mittleren Einkommen ver- mieten zu mĂŒssen, und zwar zu bezahlbaren Preisen. Wir wollen KĂŒndigungen wegen Eigenbedarfs oder RĂ€umungen in die Obdachlosigkeit deutlich erschweren und mit einer öffentlich-rechtlichen Regelung ĂŒberlagern. Wir wollen ein Mieten- und Wohnungskataster, das fĂŒr Transparenz auf dem Wohnungsmarkt sorgt, und, damit wir uns hier nicht immer weiter anhören mĂŒssen, dass die Bezirke zustĂ€ndig sind, ein Landesamt fĂŒr Wohnungswe- sen aufbauen, das kontrollieren und diese Vorgaben tat- sĂ€chlich durchsetzen soll. Ich bin gespannt. Plötzlich redet auch die SPD von Lan- deskompetenzen, es ist auch nicht mehr lange hin, bis in Berlin gewĂ€hlt wird, aber wunderbar. Wir gehen gerne mit auf diesem Weg. Jetzt haben wir erfahren, dass der Senat selbst ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, das, glaube ich, 200 Seiten stark sein soll und sich mit dieser Frage auseinandersetzt. Ich frage mich nur, warum das Gutachten, das der Senat selbst in Auftrag gegeben hat, bis heute unter Verschluss gehalten wird. Warum mĂŒssen wir als Opposition die Hausaufgaben des Senats machen und jetzt so ein Gesetz schreiben? Wir machen es trotz- dem. Wir werden Ihnen das hier vorlegen, aber Sie soll- ten sich, wenn Sie so sehr Wohnungen in der Stadt bauen wollen, wie Sie immer vorgeben, mit uns schleunigst auf die Spur machen, dann tatsĂ€chlich so ein Wohnraumbe- wirtschaftungsgesetz auf den Weg zu bringen. â Vielen Dank! Vielen Dank! â Senator Gaebler möchte fĂŒr den Senat das Wort ergreifen und hat nun das Wort. â Bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich verstehe ja, dass grundsĂ€tzlich die Linksfraktion sagt, das Thema Wohnen und Mieten ist ein so brisantes, das ist jetzt unser einziges Thema, an dem wir uns abarbeiten und wo wir alle Möglichkeiten nutzen, uns dort zu profilieren. Aber das, was hier gemacht wird, geht wirklich zu weit. Sie stellen mit Ihrer Rede, die Sie hier gehalten haben, die Berliner Verfassung infrage. In der Verfassung von Berlin ist eindeutig geregelt, dass die Förderung von Wohnraum und von bezahlbarem Wohnen Verfassungs- auftrag ist. Dass das Eisenbahn-Bundesamt das in seinem Bescheid infrage stellt, ist das eine. Aber dass Sie als gewĂ€hlte Abgeordnete das unterstĂŒtzen, ist das andere. DarĂŒber sollten Sie, Herr Schenker, noch mal sehr grĂŒnd- lich nachdenken. Dieser Senat hat einen Verfassungsauf- trag, den er nach bestem Wissen und Gewissen und mit den Mitteln, die ihm zur VerfĂŒgung stehen, umsetzt. Da wĂ€re ich fĂŒr viel UnterstĂŒtzung an anderer Stelle, auch von Ihrer Fraktion, sehr dankbar. Das ist aber ĂŒbersicht- lich. Das ist deutlich ĂŒbersichtlich. Und jetzt hier zu kommen und zu sagen, der Senat macht ja nichts fĂŒr Wohnraum, weil er nicht ein Gesetz macht, das noch mal irgendwie öffentlich Wohnraum als besondere Aufgabe enthĂ€lt, obwohl es in der Verfassung steht â lieber Herr Schenker, das ist zum einen Sophisterei, und zum anderen ist es auch unehrlich, weil Sie an jeder Stelle in dieser Stadt, wo es um Woh- nungsbau geht, mit Bedenken kommen: Da nun gerade nicht, da ist noch diese GrĂŒnflĂ€che, und da wollen die Anwohner das nicht, und da ist es mir zu hoch, und da ist es mir zu viel. â Ja, Frau Helm, da können Sie noch so viel dazwischenreden, Sie werden das nicht schönreden können. (Niklas Schenker) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6579 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Wir können uns bei jedem Bauprojekt in dieser Stadt vorfĂŒhren lassen, wie insbesondere Ihre Abgeordneten- hausfraktion â die Bezirke sind sogar teilweise besser dabei â, vorneweg Ihre frĂŒhere Sprecherin Frau Genn- burg, jedes Bauprojekt schlechtgeredet hat. Sich jetzt hier hinzustellen und zu sagen, der Senat ist schuld, dass nicht gebaut wird, weil er kein Gesetz macht, weil das Eisenbahn-Bundesamt die Berliner Verfassung infrage stellt â tut mir leid, aber das geht an der Sache vorbei. Das wird dem Ganzen auch nicht gerecht, und deswegen ist Ihr Antrag ein reiner Schauantrag, der aber nichts bringt, um Wohnungsbau in dieser Stadt wirklich voran- zubringen. Lassen Sie uns an dem Problem arbeiten! Lassen Sie uns Genehmigungsverfahren beschleunigen! Lassen Sie uns bei der Bevölkerung dafĂŒr werben, dass sie Wohnungs- bau auch in ihrer Nachbarschaft akzeptiert, dass wir wei- terhin das Geld im Haushalt haben, um auch Wohnraum- förderung fĂŒr bezahlbares Wohnen zu haben! Das ist die Aufgabe, vor der wir stehen, und nicht, hier irgendwelche Scheingefechte um Gesetze und Verfas- sungsregelungen zu fĂŒhren und vor allen Dingen nicht das Eisenbahn-Bundesamt zum Richter ĂŒber unsere Ber- liner Verfassung zu machen. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat nun der Abge- ordnete GrĂ€ff das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Mieterinnen und Mieter! Ich weiĂ, dass das Thema die GemĂŒter erhitzt, grundsĂ€tzlich wĂŒrde ich aber darum bitten, dass hier akzeptiert wird, dass Abge- ordnete absolut frei sind in dem Punkt, welcher Rechts- auffassung sie folgen oder nicht. Hier stellt auch niemand die Berliner Landesverfassung infrage. Es wird infrage gestellt, Herr Senator Gaebler, ob der Artikel 28 wirklich dazu ausreicht, dass Berlin in dieser Frage ein höheres öffentliches Interesse fĂŒr den Wohnungsbau hat als ein Eisenbahn-Bundesamt. Das ist der Punkt, um den es geht, und ich finde es schade, dass wir hier jetzt wieder so eine Bauklotzdebatte fĂŒhren: Wer will bauen, wer nicht, wer, wo, wie, was? â Eigentlich geht es doch darum, dass wir alle diesen Beschluss des Eisenbahn-Bundesamts ernst nehmen sollten, weil er uns Hinweise und konkrete Schritte zeigt, wie wir insgesamt â nicht nur beim Wohnungsbau, sondern eben auch beim Schutz der Mieterinnen und Mieter â gemein- sam wirklich vorangehen können und eben nicht mehr dem Bundesmietrecht ohnmĂ€chtig ausgesetzt sind. Um diese Frage geht es. Es ist in unserer Stadt nun einmal so, dass die Zahl der EigenbedarfskĂŒndigungen steigt und dass die immer öfter vorgetĂ€uscht sind. Es gibt ja noch nicht einmal eine Sta- tistik, weil das Land Berlin das nicht will. Wir haben immer mehr auslaufende und immer mehr fehlende Sozi- alwohnungen â oder auch Sozialwohnungen, die dann einfach mal von ZIEGERT und Co als Anlageobjekt zweckentfremdet werden. Wir haben faktisch illegale Mieterhöhungen durch erfundene Wohnwertmerkmale, und die Mieterinnen und Mieter, die sich dagegen weh- ren, werden dann von Vonovia und Co verklagt. Es werden in unserer Stadt intakte Wohnungen ab- gerissen, und wir haben auch eine steigende Zahl bei ZwangsrĂ€umungen und KĂŒndigungen. Ăber das möblier- te Wohnen auf Zeit will ich jetzt gar nicht reden, aber auch gegen den Milieuschutz wird permanent verstoĂen. Wir haben HausverkĂ€ufe in der Stadt zu ĂŒberhöhten Kaufpreisen, die dann eben zum Herausmodernisieren von Mieterinnen und Mietern fĂŒhren. Das sind doch Punkte, ĂŒber die wir hier einmal sprechen mĂŒssen. All diese Beispiele verdeutlichen, dass es in der Wohnungs- politik wirklich fĂŒnf vor zwölf ist und dass die bisherigen Instrumente eben nicht reichen, Herr Senator. Ich will die Gelegenheit hier auch einmal nutzen, um ganz kurz zu sagen: In Berlin zahlen wir schon jetzt jedes Jahr 1,7 Milliarden Euro fĂŒr die Kosten der Unterkunft, fĂŒr Miet- und HeizkostenzuschĂŒsse, 80 Millionen Euro jedes Jahr fĂŒr das Wohngeld. Das sage ich nicht, weil ich dagegen bin, diesen Menschen zu helfen, aber es fĂŒhrt doch in die wohnungspolitische Sackgasse, Herr Senator, wenn wir immer mehr staatliche MietzuschĂŒsse nutzen und den Landeshaushalt belasten, nur damit sich be- stimmte Investoren und Spekulanten immer weiter die Taschen vollmachen können. Das ist doch absurd, und da sind wir uns als Demokratinnen und Demokraten doch einig. Das ist nicht Wohnungspolitik, wie Berlin sie braucht. Der ParitĂ€tische Wohlfahrtsverband hat ĂŒbrigens am Dienstag bei einer Bustour durch Berlin auch noch ein- mal ganz dramatisch festgestellt, dass die NotunterkĂŒnfte und TrĂ€gerwohnungen schon lange nicht mehr mit dem Bedarf in Berlin mithalten können. Wir haben ein ver- stopftes System, das kurz vorm Kollabieren ist. Wir ha- ben 55 000 wohnungslose Menschen, die jetzt schon untergebracht werden mĂŒssen, und wenn das so weiter- geht, sind wir 2030 bei 114 000 Menschen, sechsstellig, das sagt selbst der Senat. Das kann es doch wirklich nicht sein. Es muss doch um genau die Frage gehen, welche Lösungen wir als Berliner Landespolitik auf Lager haben. Der Beschluss des Eisenbahn-Bundesamts bestĂ€tigt klar, dass die Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat. Nein, seit 2006 haben wir sie sogar nicht gemacht, weil wir nĂ€mlich seitdem fĂŒr das Wohnungswesen zustĂ€ndig sind. Und auch seit 2021 haben wir sie nicht gemacht. Das sage ich auch selbstkritisch als Rot-GrĂŒn-Rot-Fan, Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6581 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 dass wir den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Mietendeckel nicht ausreichend genutzt haben. Zentral ist aber die Erkenntnis: Bezahlbarer Wohnraum hat eben keinen Verfassungsrang. Das ist der Punkt. Ber- lin kann und muss das Wohnungswesen selbst regulieren. DafĂŒr mĂŒssen wir eine gesetzliche Grundlage schaffen. â Herr Senator, ich biete Ihnen auch an, dass wir das noch einmal gemeinsam mit Berliner Mietervereinen und ande- ren Expertinnen und Experten juristisch durchgehen und Ihnen das noch einmal genau erklĂ€ren. Ich finde aber, es gibt auch eine erfreuliche Nachricht in dieser komischen Rederunde heute: SPD, Linke und GrĂŒne arbeiten gemeinsam an einer Konzeption fĂŒr die Schaffung und Bereitstellung von bezahlbarem Wohn- raum als öffentliche Daseinsvorsorge. Wir alle wollen, dass wieder der Grundsatz gilt: Eigentum verpflichtet â oder, Herr Senator? Das Bundesverfassungsgericht hat, wie gesagt, auch gesagt, dass wir in privatautonome MietvertrĂ€ge ein- greifen können. Wir können das Mietrecht ĂŒberlagern, wenn wir den Wohnungsmarkt umfassend selbst regeln. Das bedeutet, der Senat kann Wohnungsunternehmen zwingen, WBS-fĂ€higen Wohnraum fĂŒr breite Schichten zur VerfĂŒgung zu stellen, und zwar ohne Geld auszu- geben. Und ja, der Senat kann den Abriss von Wohnraum verbieten und den Schutz der darin wohnenden Mieterin- nen und Mieter rechtlich verankern. Der Senat kann ver- hindern, dass Menschen aus ihren Wohnungen gerĂ€umt beziehungsweise verdrĂ€ngt werden, und der Senat kann Wohnungsunternehmen vorschreiben, dass sie ihren In- standhaltungspflichten auch nachkommen mĂŒssen, statt neue Problemimmobilien zu produzieren. Das geht aber auch nur, wenn wir eine gesetzliche Grund- lage schaffen. Die Koalition selbst hat ja auch ein Wohn- raumsicherungsgesetz angekĂŒndigt, auf das wir sehnsĂŒch- tig warten. Es braucht aber eben auch den politischen Willen des Senats und des Senators, sich mit diesem landesrechtlichen Spielraum auseinanderzusetzen statt das einfach nur wegzuwischen. Frau Kollegin, kommen Sie zum Schluss, bitte. Ihre Re- dezeit ist vorbei.
Wir GrĂŒne haben das getan, und wir werden auch ein Gesetz vorlegen, das nicht nur dem Prinzip âEigentum verpflichtetâ folgt, sondern endlich auch dafĂŒr sorgt, dass EigentĂŒmer, die sich partout nicht an Regeln halten wol- len, oder Aktiengesellschaften, die ihre Profite auf Kosten der Berlinerinnen und Berliner lieber an die Anleger ausschĂŒtten, statt fĂŒr faire Mieten zu sorgen, damit nicht davonkommen. Frau Kollegin, bitte kommen Sie jetzt zum Schluss!
Wir sind der Meinung, dass solche EigentĂŒmer auf dem Berliner Wohnungsmarkt nichts mehr verloren haben. Ich freue mich auf die fachliche Debatte. â Vielen Dank! FĂŒr die SPD-Fraktion hat die Kollegin Aydin das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist eine ungewohnte Situation: Der Senator hat vor mir gesprochen. Das macht aber nichts. Berlin braucht dringend bezahlbaren Wohnraum. Daran gibt es auch ĂŒberhaupt keinen Zweifel. Anstatt aber ge- meinsam an praktikablen Lösungen fĂŒr die Menschen in unserer Stadt zu arbeiten, versucht Die Linke hier, an- hand einer fragwĂŒrdigen BegrĂŒndung einer Entscheidung des Eisenbahn-Bundesamtes zum GĂŒterbahnhof Köpe- nick ein Wohnraumbewirtschaftungsgesetz zu begrĂŒnden. Das ĂŒberzeugt weder rechtlich noch politisch, weil die behauptete Dringlichkeit aus meiner Sicht etwas konstru- iert ist. Jetzt komme ich zum Fall des GĂŒterbahnhofs Köpenick. Ja, das Eisenbahn-Bundesamt hat die Entwicklung der BahnflĂ€che am GĂŒterbahnhof Köpenick abgelehnt. Das ist fĂŒr die Stadtentwicklung eine missliche Situation: Wir brauchen die 850 Wohnungen. Ein Landesgesetz, wie es Die Linke jetzt fordert, wĂŒrde kurzfristig aber gar nichts an der Situation Ă€ndern. Der Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes stellt zwar fest, dass Berlin sich auf kommunale Selbstverwaltung nur berufen kann, wenn es das auf diesem Gebiet im Gesetzgebungswege Mögliche getan hat, aber was das konkret heiĂt, welche Gesetze oder Regelungen das sein sollen, bleibt der Beschluss schuldig. Anscheinend hat (Katrin Schmidberger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6582 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 das Eisenbahn-Bundesamt auch nicht in die Verfassung von Berlin geschaut; da kann man anderer Meinung sein. Die Linke hat wahrscheinlich auch nicht in Artikel 28 nachgesehen â dann wĂ€re Ihnen ja aufgefallen, dass die Schaffung von angemessenem Wohnraum insbesondere fĂŒr Menschen mit geringerem Einkommen sogar Verfas- sungsziel ist. Wenn sich Die Linke jetzt also auf diese BegrĂŒndung des Eisenbahn-Bundesamtes stĂŒtzt, dann scheint sie dieser Verwaltungsentscheidung mehr Gewicht zuzumessen als der Verfassung von Berlin. [Lachen von Anne Helm (LINKE) â
Nur, weil man es dreimal wiederholt, wird es nicht richtig!] Auch die Annahme, dass mit einem schnellen Landes- gesetz sofort der Weg fĂŒr den Wohnungsbau freigemacht werden könnte, fĂŒhrt in die Irre, denn der Bescheid sagt nichts darĂŒber, ob das Eisenbahn-Bundesamt die FlĂ€che dann freigeben wĂŒrde. Die Frage, ob ein ĂŒberragendes öffentliches Interesse an Wohnraum tatsĂ€chlich gegen- ĂŒber dem Bahnbetriebszweck ĂŒberwiegt, bleibt offen. â Und noch etwas: Die juristische PrĂŒfung, ob das Eisen- bahn-Bundesamt die VerknĂŒpfung zwischen Eisenbahn- recht und Landeswohnungsrecht ĂŒberhaupt zu Recht herstellt, lĂ€uft noch. Die Widerspruchsfrist ist nicht ein- mal abgelaufen. Wer hier dann von Dringlichkeit spricht, ignoriert schlicht die Tatsachen. Ich fand es auĂerdem erstaunlich, dass sich Die Linke hier nun auf einmal zur Retterin der Wohnungen am GĂŒterbahnhof Köpenick machen will. Wenn wir zurĂŒckschauen auf die Haushaltsverhandlun- gen fĂŒr den aktuellen Doppelhaushalt, kann man den Protokollen entnehmen, dass die Linken in diesem Haus vor gerade mal anderthalb Jahren eine KĂŒrzung der Mittel fĂŒr die Entwicklung des GĂŒterbahnhofs von fast 15 Milli- onen Euro beantragt hatten. Das passt nicht zusammen, sorry! Nun komme ich zum geforderten Wohnraumbewirtschaf- tungsgesetz. Dabei möchte ich nur auf einige Punkte eingehen. Ja, wir mĂŒssen den Wohnungsmarkt in Berlin stĂ€rker sozial ausrichten. Wir Sozialdemokratinnen und -demokraten kĂ€mpfen seit Jahren genau dafĂŒr, fĂŒr mehr kommunalen und genossenschaftlichen Neubau, eine soziale Boden- und Wohnungspolitik, den Ausbau der landeseigenen Wohnungsunternehmen, ein kommunales Förderprogramm und den gezielten Einsatz des Vorkaufs- rechts in Milieuschutzgebieten. Wir machen lĂ€ngst aktive sozial ausgerichtete Daseinsvorsorge. Die VerschĂ€rfung von Vorschriften zu Abriss, Zweckent- fremdung und Instandhaltung unterstĂŒtzen wir grundsĂ€tz- lich. Berlin hat hier in den letzten Jahren auf Landesebe- ne bereits wirksame Regeln eingefĂŒhrt. Wir sollten die vorhandenen Instrumente weiter ausschöpfen und zum Beispiel möbliertes Wohnen in Milieuschutzgebieten verbieten. Daran arbeiten wir ja. Wir haben als Fraktion schon angekĂŒndigt, dass wir an einem Wohnraumsiche- rungsgesetz arbeiten. Um aber die steigenden Angebots- mieten einzudĂ€mmen, brauchen wir dringend eine Miet- preisbremse ohne Schlupflöcher, die Absenkung der Kappungsgrenze sowie eine Reform des Mietwucherpa- ragrafen auf Bundesebene, und dafĂŒr werden wir uns als Sozialdemokraten weiterhin einsetzen. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Berlin braucht mehr bezahlbaren und dauerhaft gesicherten Wohnraum, aber der Weg dorthin muss rechtssicher, finanzierbar und praktisch umsetzbar sein. Statt Symbolpolitik braucht Berlin eine soziale, kluge und verantwortungsvolle Woh- nungspolitik. Genau dafĂŒr steht die SPD-Fraktion. Ich möchte noch etwas zu den Bindungen der WBS- Wohnungen fĂŒr Private sagen. Ja, das ist bei uns auch in der PrĂŒfung, das wissen Sie wahrscheinlich schon. Frau Kollegin! Kommen Sie bitte zum Schluss.
â Ja, ich komme zum Schluss. â Bisher ist es so, dass es nur ein einziges Rechtsgutachten von der Linkspartei gibt, die diese EinschĂ€tzung hat. Das muss man im Hin- terkopf berĂŒcksichtigen. Wir brauchen aber Rechtssi- cherheit. â Danke! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Laatsch das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Schenker! Man könnte meinen, Sie hatten bei der Antrag- stellung MigrĂ€ne. In diesem scheinbar dem Wohnungs- bau gewidmeten Antrag geht es um wesentlich mehr als um den Bau von Wohnungen in Köpenick. Dass Die Linke fĂŒr den Neubau von Wohnungen steht, ist per se unglaubwĂŒrdig. Bauen, bauen, bauen bringt nicht mehr Wohnraum â das sind SprĂŒche aus Ihrer Fraktion â und steigert die Mietpreise; ebenfalls aus Ihrer Fraktion. (Sevim Aydin) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6583 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Seit geraumer Zeit blockiert das Eisenbahn-Bundesamt, und darum geht es hier eigentlich, den Bau von StraĂen und Wohnungen mit kruden BegrĂŒndungen, die von ei- nem Parteitag der Linken stammen könnten, und viel- leicht ist das ja auch so. Die Geschichte fĂ€ngt so an: Die Deutsche Bahn ist bereit, von ihr nicht genutzte FlĂ€chen fĂŒr Wohnungs- und Stra- Ăenbau, im Besonderen fĂŒr die TVO, freizugeben, und das Land Berlin ist daran interessiert. â So weit, so gut, ein ganz normaler Prozess. Nun stellt sich das Eisenbahn- Bundesamt dazwischen und behauptet, die Bahn könne gar nicht beurteilen, welche FlĂ€chen sie noch braucht und welche nicht. SchlieĂlich stehe ein Krieg mit Russland bevor, so die BegrĂŒndung, und dafĂŒr wĂŒrden diese FlĂ€- chen potenziell gebraucht. Das Eisenbahn-Bundesamt möchte also in Köpenick und nicht nur dort, sondern auch am Pankower Tor, im Grunewald, am Karower Kreuz und am Bahnhof Zoo Krieg spielen, mitten in Berlin. Und es wird noch besser: Das Bundesamt will Senat und Abgeordnetenhaus zur WiedereinfĂŒhrung der sozialisti- schen Wohnungswirtschaft nötigen. Die BegrĂŒndung ist sinngemĂ€Ă: Ohne staatliche Wohnungswirtschaft sei keine ernst zu nehmende Absicht und damit keine Ent- widmung von BahnflĂ€chen gerechtfertigt. Das könnte direkt, ich sagte es schon, aus dem EntschlieĂungsantrag der linken oder grĂŒnen Parteitage stammen. ZurĂŒckzufĂŒhren ist diese AnmaĂung auf eine Gesetzes- Ă€nderung der Ampel aus 2023. Zwei Tage vor Weihnach- ten ĂŒbrigens beschloss der Bundestag diese Ănderung. Es zeigt sich, wie scheinbar sinnvolle Gesetze nichts anderes sind als VorsorgebeschlĂŒsse fĂŒr die zukĂŒnftige Blockade- politik, wie wir sie schon in der letzten Legislaturperiode hier in Berlin unter R2G erlebt haben. Könnte man den Vorwurf mangelnder Ernsthaftigkeit aufgrund durch- schnittlich 20- bis 30-jĂ€hriger Planungszeit noch irgend- wie nachvollziehen, ist spĂ€testens bei der TVO die Ar- gumentationskette am Ende. Das Eisenbahn-Bundesamt hat offensichtlich die Absicht, auf der Schiene bis in die SchĂŒtzengrĂ€ben kĂŒnftiger Kriege zu fahren. So sehr man sich an den Kopf fassen möchte ob solcher AnmaĂung, so sehr ist es Zeit, diese GesetzesĂ€nderung des Allgemeinen Eisenbahngesetzes aus 2023 zurĂŒckzunehmen, denn der Missbrauch wird spĂ€testens bei der Blockade der TVO offensichtlich. Der neue Bundesverkehrsminister Schnie- der, CDU, dem diese Behörde unterstellt ist, ist gefragt, den linken Flausen ein Ende zu setzen. Die Verhinderung einer ĂŒbergeordneten StraĂe lĂ€sst sich mit kĂŒnftig vermu- teten Bedarfen der Bahn innerhalb der Bundeshauptstadt nicht nachhaltig begrĂŒnden, insbesondere, da die Wieder- belebung eines Rangierbahnhofs schon aus LĂ€rmschutz- grĂŒnden gar nicht möglich sein wird. Zum Abschluss: Dass sich Die Linke hier zum Retter des Neubaus aufschwingt, die, seit ich es verfolge, alles fĂŒr dessen Verhinderung tut, ist ein Treppenwitz. Ich erinne- re an Frau Reichinnek bei Lanz. Die Linke stellt sich als Mieterretter dar, aber hat ĂŒberhaupt keine Ahnung, nicht einen einzigen Schnatz an Ahnung, von dem, was am Wohnungsmarkt ĂŒberhaupt los ist, ĂŒberhaupt null. Das Einzige, das Sie können, ist das Mantra: Wir sind fĂŒr die Mieter da â, und das war es dann auch schon. Noch nie haben Sie dafĂŒr gesorgt, dass irgendein Mieter in irgend- eine Wohnung kam, auĂer bei Ihrer DIESE eG, wo der Mitgliedsbeitrag 150 000 Euro plus 10 Euro Miete kostet. Ich danke fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Da der Senator Gaebler nach dem Redebeitrag des Abge- ordneten Schenker das Wort ergriffen hat, steht der Frak- tion der Linken noch mal ein Redebeitrag zu, und der Abgeordnete Schenker hat das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Herr Gaebler! Vielen herzlichen Dank! Das sollten wir immer einfĂŒhren, dass ich einfach noch mal eine Redezeit bekomme, um noch ein bisschen Fak- tencheck zu machen. Ich finde das eine sehr gute Idee. Ich kann gern mit Frau Kollegin Aydin anfangen, die hier dargestellt hat, wir hĂ€tten beantragt, dass beim GĂŒter- bahnhof Köpenick etwas gestrichen wird. Ja, tatsĂ€chlich, weil der Senator selbst gesagt hat, dass sich das zeitlich nicht realisieren lĂ€sst. Ehrlicherweise, wir hatten ja recht. Nur mal, um das noch zu vervollstĂ€ndigen: Der Senat hat den Ansatz fĂŒr den GĂŒterbahnhof Köpenick dann selbst mit Ihrer Stimme um 10 Millionen Euro gekĂŒrzt. Wenn man das schon anbringt, dann sollte man die ganze Ge- schichte erzĂ€hlen. Herr Gaebler! Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, ich habe gar nicht genau verstanden, worauf Sie hinauswoll- ten, warum wir uns mit unserem Antrag gegen die Ver- fassung wenden. Ganz im Gegenteil! Wir stellen doch fest, dass in der Verfassung von Berlin grundsĂ€tzlich die Schaffung und Förderung von Wohnraum als Aufgabe definiert ist. Es verhĂ€lt sich vielleicht so wie damit, dass ein Volksentscheid abgestimmt wird, und dann braucht man auch noch ein richtiges Gesetz dafĂŒr, dass wir auch sagen, es ist schön und gut, wenn es in der Verfassung steht, aber wir wollen noch ein Wohnraumbewirtschaf- tungsgesetz, das das einfachgesetzlich als Aufgabe der (Harald Laatsch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6584 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 öffentlichen Daseinsvorsorge definiert und dann be- stimmte Kompetenzen damit ausfĂŒllt. Das ist Sinn und Zweck der Angelegenheit. Diese Kom- petenz haben wir auch erst seit 2006, seit das vom Bund auf die LĂ€nder ĂŒbergegangen ist. Deswegen wĂ€re das doch allemal sehr sinnvoll, so, wie es in anderen Teilbe- reichen fĂŒr das Wohnungswesen auch schon einzelne Gesetze gibt. Bei der Frage, wer schneller Wohnungen baut, können wir am Ende gern, da sind wir sehr gelassen, die Endab- rechnung machen, wenn wir dann ĂŒber drei oder vier Jahre Schwarz-Rot in Berlin sprechen. Dann können wir die Zahlen mal gegeneinander halten. Wir können mal darĂŒber reden, dass es die meisten Baugenehmigungen der letzten Jahren im Jahr 2019 unter Katrin Lompscher gab â rund 23 000 â und am wenigsten Baugenehmigun- gen im letzten Jahr. Im letzten Jahr waren es weniger als 10 000. Ich muss mal ganz ehrlich sagen: Ihre Politik, mit der Brechstange hier irgendwas durchsetzen zu wollen, fĂŒhrt ĂŒberhaupt nicht dazu, dass schneller irgendwelche Wohnungen gebaut werden, Beispiel GrĂŒner Kiez Pan- kow. Wenn man dort mal mit den Leuten gesprochen hĂ€tte, mit den ganzen Nachverdichtungsinis, wovon die allerwenigsten der Auffassung sind, dass man gar keine Wohnungen bauen sollte, sondern nur alternative Kon- zepte diskutieren wollen, dann wĂ€re man viel schneller dabei, den Wohnraum zu schaffen, den wir tatsĂ€chlich brauchen. Garantiert, muss man aber sagen, wird nicht mehr Wohn- raum dadurch gebaut, dass der Senat zum Beispiel den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg dabei entmachtet, ein 140-Meter-Hochhaus an der Warschauer StraĂe zu bauen, das ist Ihr Bauen, Bauen, Bauen, und das dann auch noch Ihre Landesvorsitzende der SPD in der taz gutheiĂt mit: Na ja, jeder Neubau hilft. Nein, das ist wirklich komplet- ter Unsinn, und dagegen werden wir uns auch immer wenden! Nicht jeder Neubau hilft. Wir mĂŒssen endlich damit aufhören, ScheiĂe zu bauen, sondern wir brauchen kommunale, soziale, bezahlbare Wohnungen, die diese Stadt tatsĂ€chlich braucht. Jetzt noch einmal ganz kurz zu Herrn GrĂ€ff: Abgesehen davon, dass Sie auch noch eigene NebentĂ€tigkeiten ha- ben, wo Sie mit dem Immobilienmarkt, ich sage einmal, in enger BerĂŒhrung sind, darf ich noch einmal daran erinnern, dass Sie, als wir in Marzahn-Hellersdorf fĂŒr das Bauen verantwortlich waren, gegen jedes Wohnungsbau- projekt Stimmung gemacht haben, bei dem nicht Sie oder einer Ihrer Buddys oder Firmen damit zu tun hatte. Das sind dann tatsĂ€chlich auch die Doppelmoral und die Dop- pelstandards. Letzter Satz: Herr Gaebler, Sie haben gesagt, wir als Linke hĂ€tten nur noch ein einziges Thema gefunden. Wissen Sie, ich finde es auch sehr schade, dass wir die einzige Fraktion sind, die hier wirklich stĂ€ndig Themen zum Bereich Mieten und Wohnen einbringt. Garantiert sehen wir zumindest nichts, was Ihre Koalition hier zu- stande bringt, auĂer irgendwelche Schneller-Bauen- Gesetze, die nicht nur die Verwaltung sozusagen kom- plett auf den Kopf stellen, sondern auch nicht dazu fĂŒhren werden, dass tatsĂ€chlich mehr Wohnungen gebaut werden â sehr schade. Ich wĂŒrde sagen: Da muss endlich ein bisschen was von Ihnen kommen, auĂer dass Sie immer alles besser wissen. â Vielen Dank! Vielen Dank! An dieser Stelle der Hinweis, dass das PrĂ€sidium den Ausdruck âScheiĂe bauenâ als unparla- mentarisch empfindet. Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Arbeit und Sozi- ales, den Ausschuss fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangele- genheiten, GeschĂ€ftsordnung, Verbraucherschutz und an den Hauptausschuss. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 5.4: PrioritĂ€t der AfD-Fraktion Tagesordnungspunkt 64 Ănderung des Staatsangehörigkeitsgesetzes â Erweiterung der VerlusttatbestĂ€nde bei doppelter StaatsbĂŒrgerschaft Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2412 In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion. â Bitte schön, Herr Abgeordneter WeiĂ, Sie haben das Wort!
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Vor zehn Minuten erreichte uns die Eilmeldung, dass ein elfjĂ€hri- ger SchĂŒler an der Grundschule am Weinmeisterhorn niedergestochen und mit lebensgefĂ€hrlichen Verletzun- gen ins Krankenhaus gebracht wurde. Ich glaube, ich spreche fĂŒr alle, wenn ich ihm hier von dieser Stelle aus meine besten GenesungswĂŒnsche ausrichte und hoffe, dass das alles gĂŒtlich fĂŒr ihn ausgeht. (Niklas Schenker) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6585 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Das bringt mich aber zum Thema, denn die Frage ist: Wie viele Opfer von Gewalttaten muss es in Berlin eigentlich noch geben, bis der Regierende BĂŒrgermeister und der Senat endlich wirksam handeln? Unsere Hauptstadt wird tĂ€glich zur BĂŒhne von Gewalt, KriminalitĂ€t und einem zunehmenden Kontrollverlust. Wenn die Menschen mor- gens zur Arbeit gehen, dann fragen sich mittlerweile viele, ob sie abends noch heil nach Hause kommen, denn allein 3 412 Messerangriffe im Jahr 2024 sprechen eine eindeutige Sprache. Das sind ĂŒber neun Taten jeden ein- zelnen Tag. Wir reden hier nicht von Drohungen. Wir reden von brutalen Angriffen in Parks, auf StraĂen, in Wohnungen, mit oftmals lebensgefĂ€hrlichen Verletzun- gen. Wer sind die TĂ€ter? â In der Mehrzahl systematische AuswĂŒchse einer gescheiterten Migrationspolitik. 2 575 der TatverdĂ€chtigen bei Messerangriffen, das sind ĂŒber 75 Prozent, sind keine deutschen StaatsbĂŒrger â Kriminelle, die Kai Wegner und sein Senat lĂ€ngst hĂ€tten abschieben mĂŒssen. Nur vor dem Hintergrund der explo- dierenden Gewalt reicht es mittlerweile nicht mehr, nur auf auslĂ€ndische StaatsbĂŒrger zu schauen. Ein wachsen- der Teil der TatverdĂ€chtigen hat einen Migrationshinter- grund und besitzt lĂ€ngst einen deutschen Pass. Genau hier liegt ein weiteres Kernproblem: Die deutsche Staatsange- hörigkeit wurde in den vergangenen Jahrzehnten viel zu groĂzĂŒgig vergeben â ohne wirkliche PrĂŒfung von In- tegration, LoyalitĂ€t und Wertekonsens. Viele TĂ€ter können mit unserem GrundverstĂ€ndnis von Rechtsstaat und Freiheit ĂŒberhaupt nichts anfangen. Sie missbrauchen die StaatsbĂŒrgerschaft als juristischen Schutzschild, wĂ€hrend sie gleichzeitig unsere Ordnung unterwandern und bekĂ€mpfen. Wer sich mit Clans organisiert, wer Polizisten angreift, Frauen und MĂ€dchen vergewaltigt, wer Messer zieht, der mag auch einen deutschen Pass besitzen, aber der hat sich innerlich lĂ€ngst vom deutschen Rechtsstaat verabschiedet â und genau fĂŒr solche FĂ€lle fordern wir die Aberken- nung der StaatsbĂŒrgerschaft bei Doppelstaatlern. Wie reagiert aber stattdessen der Senat auf die explodie- rende GewaltkriminalitĂ€t? â Mit Placebo-Messerverbots- zonen, mit PrĂ€ventionskampagnen in Schulen, einer Ko- ordinierungsstelle fĂŒr Messerangriffe und FĂŒhrerschein- entzug. FĂŒhrerscheinentzug gegen Messerstecher? Das kann man sich wirklich nicht mehr ausdenken. Mit der Symbolpolitik muss jetzt Schluss sein. Wir for- dern eine konsequente Erweiterung des § 17 Absatz 1 Staatsangehörigkeitsgesetz. Wer als Doppelstaatler Straf- taten begeht und eine Gefahr fĂŒr die innere Sicherheit darstellt, der hat kein Recht mehr auf den deutschen Pass â Punkt. Artikel 16 unseres Grundgesetzes erlaubt den Verlust der Staatsangehörigkeit, wenn eine zweite besteht. Von die- sem Recht muss im Kampf gegen die explodierende Kri- minalitĂ€t jetzt Gebrauch gemacht werden. Es ist eben kein Zufall, dass ĂŒber 50 Prozent aller TatverdĂ€chtigen in Berlin AuslĂ€nder sind â bei einem Bevölkerungsanteil von unter 22 Prozent â oder einen Migrationshintergrund haben. Wir reden hier nicht von Einwanderern, die arbeiten, Steuern zahlen und sich integrieren. Wir reden von jenen, die sich ĂŒber unsere Gesetze hinwegsetzen, die unsere Polizei angreifen: 10 584 Beamte wurden allein letztes Jahr Opfer von Gewalt. Das sind doch keine Kollateral- schĂ€den. Das sind Angriffe auf unseren Staat. Wenn jemand mit doppelter StaatsbĂŒrgerschaft zum StraftĂ€ter wird, zur Gefahr fĂŒr unsere innere Sicherheit, dann muss er das Recht auf den deutschen Pass verlieren. Wir reden nicht nur ĂŒber Messerstecher. Wir reden ĂŒber ClankriminalitĂ€t, ĂŒber kriminelle Parallelgesellschaften, ĂŒber Vergewaltiger. Berlin ist zu einer Hauptstadt der No-go-Areas geworden. Ganze Viertel sind in der Hand von Familienstrukturen, deren LoyalitĂ€t nicht unserer Rechtsordnung gilt. Wir wollen, dass diese Menschen wissen: Wer unseren Rechtsstaat missachtet, wird seine deutsche StaatsbĂŒrger- schaft verlieren. Wer die Menschen in unserem Land angreift und verletzt, der muss Deutschland verlassen. Wer als GefĂ€hrder eingestuft ist, egal ob Islamist, Clan- mitglied oder Gewaltverbrecher, der wird abgeschoben â und zwar nicht irgendwann, sondern sofort. Herr Abgeordneter, Ihre Redezeit ist um. Kommen Sie bitte zum Schluss!
Ich komme zum Schluss, Frau PrĂ€sidentin! â Andere LĂ€nder wie DĂ€nemark machen es doch vor, mit einer Sozialdemokratie wohlgemerkt. Dort gilt: HĂ€rte schĂŒtzt Freiheit. â Warum sollte das also nicht auch bei uns gel- ten? Die deutsche Staatsangehörigkeit ist kein Ramschartikel, sie ist ein Privileg, und dieses Privileg darf nur behalten, wer sich an unsere Gesetze hĂ€lt. â Vielen Dank! (Thorsten WeiĂ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6586 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 FĂŒr die CDU-Fraktion hat nun der Abgeordnete Dregger das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich hatte nicht erwartet, dass wir ĂŒber die Staatsangehörigkeit und ihre Aberkennung als Mittel zur BekĂ€mpfung von Messerstraftaten diskutieren. Auf diese Idee wĂ€re ich nie gekommen. Sie ist auch nicht zielfĂŒhrend. Wenn das Ihr Vorschlag ist, um die in der Tat um sich greifende Messerkriminali- tĂ€t zu bekĂ€mpfen, dann wird es dazu fĂŒhren, dass Sie sie nicht bekĂ€mpfen. Es ist ein untaugliches Mittel, das nie- mand, der von der Sache etwas versteht, vertritt. Lassen Sie mich aber jetzt zu Ihrem Antrag sprechen, der ja nicht von Messerstraftaten handelt, sondern vom Staatsangehörigkeitsrecht. Ich bitte, mir einmal die kriti- sche Frage zu beantworten, warum Sie dieses Abgeordne- tenhaus von Berlin immer wieder mit Fragestellungen befassen, die dieses Parlament nicht entscheiden kann. Sehen Sie denn keinen VerĂ€nderungsbedarf bei Themen, die wir als Berliner Landesparlament bewegen können: in den Bereichen Sicherheit, Recht und Ordnung, Schule, Hochschulen, Bildung, Stadtentwicklung, Verkehr, Kul- tur und Sport? Sie erwecken den Eindruck â auch jetzt wieder â, dass Sie Ihre Reden hier in diesem Hause ei- gentlich nur fĂŒr die Blase Ihrer digitalen Netzwerke hal- ten. Unserem Land, das bestĂ€ndig zu verbessern unsere Verpflichtung ist, bringt das rein gar nichts. Dennoch will ich aus parlamentarischer Höflichkeit auf Ihren Antrag zum Staatsangehörigkeitsrecht eingehen: Aufgrund der fĂŒrchterlichen Erfahrung willkĂŒrlicher AusbĂŒrgerungen, insbesondere von JĂŒdinnen und Juden, wĂ€hrend der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft haben die MĂŒtter und VĂ€ter des Grundgesetzes den Ent- zug der deutschen Staatsangehörigkeit im Grundsatz ausgeschlossen. Ich zitiere Artikel 16 Absatz 1 Satz 1: âDie deutsche Staatsangehörigkeit darf nicht ent- zogen werden.â Dieser Grundsatz gilt aber nicht ausnahmslos. Er wird durchbrochen durch Artikel 16 Absatz 1 Satz 2 Grundge- setz. Danach ist der Verlust der deutschen Staatsangehö- rigkeit grundsĂ€tzlich auch gegen den Willen der Be- troffenen möglich, und zwar auf der Grundlage eines Gesetzes unter Einhaltung des VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeits- grundsatzes, das heiĂt, nur in gravierenden FĂ€llen und wenn der Betroffene dadurch im Grundsatz nicht staaten- los wird. Das Verbot der Staatenlosigkeit hat das Bundesverfas- sungsgericht in seinem Urteil vom 24. Mai 2006 durch- brochen. Es hat entschieden, dass es nicht gilt fĂŒr den Fall der erschlichenen EinbĂŒrgerung. Erschlichen ist eine EinbĂŒrgerung, die durch TĂ€uschung oder ein entspre- chendes Fehlverhalten, etwa durch Bestechung oder Be- drohung, erwirkt worden ist. Dies zeigt alles: Das Grund- gesetz und die verfassungsgerichtliche Rechtsprechung lassen dem Bundesgesetzgeber einen begrenzten Gestal- tungsspielraum beim Entzug der deutschen Staatsangehö- rigkeit. Möge der Bundesgesetzgeber, der allein dafĂŒr zustĂ€ndig ist, aktiv werden. Viel zielfĂŒhrender ist es aber, bereits bei der EinbĂŒrge- rung hinzusehen. Denn dann mĂŒssen wir nicht ausbĂŒr- gern, wen wir womöglich fĂ€lschlicherweise eingebĂŒrgert haben. Das ist unsere Verantwortung auf der Landesebe- ne. Deswegen haben wir hier sicherzustellen, dass die bundesrechtlich bereits geregelten EinbĂŒrgerungsvoraus- setzungen auch sorgfĂ€ltig eingehalten werden. Da hat uns der Bundesgesetzgeber einiges ins Stamm- buch geschrieben. Er hat das Erfordernis der Eingliede- rung in die deutschen LebensverhĂ€ltnisse konkretisiert. Ausgeschlossen ist die EinbĂŒrgerung bei Mehrehe oder Missachtung der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Antisemitische, rassistische oder menschenverachtende Handlungen sollen die EinbĂŒrgerung ausschlieĂen. Die EinbĂŒrgerungsbewerber sollen sich zur besonderen histo- rischen Verantwortung Deutschlands fĂŒr die nationalsozi- alistische Unrechtsherrschaft und zu ihren Folgen beken- nen, insbesondere also den Schutz jĂŒdischen Lebens. Wer das verweigert, wer das Bekenntnis zur freiheitlich de- mokratischen Grundordnung oder die LoyalitĂ€tserklĂ€rung unrichtig abgibt, ist von der EinbĂŒrgerung auszuschlie- Ăen. Das sicherzustellen, hat uns der Bundesgesetzgeber aufgegeben. Darauf zu achten, ist unsere parlamentari- sche Pflicht als Kontrollorgan der Landesbehörden. Ich empfehle uns, hier unseren Schwerpunkt zu sehen, weil das weit wirksamer ist, als den Menschen in ihren digita- len Blasen einzureden, wir könnten massenhaft ausbĂŒr- gern und dann abschieben. Das ist eine SchimĂ€re, mit der Sie die Leute in die falsche Richtung weisen, ihnen nicht ehrlich die Fakten mitteilen. Deswegen lehne ich das ab. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr eine Zwischenintervention hat der Abgeordnete WeiĂ nun noch einmal das Wort. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6587 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Werter Kollege Dreg- ger! Ich darf das dann so verstehen, dass mit dieser Schi- mĂ€re, die angeblich keine Probleme löst, dann auch die Aussagen unseres jetzigen Bundeskanzlers und Ihres GeneralsekretĂ€rs gemeint sind, die erst im Januar genau diesen Vorschlag gemacht haben, dass man nĂ€mlich Ver- brechern die doppelte StaatsbĂŒrgerschaft entzieht, unmit- telbar verbunden dann auch mit der Ausweisung â darum geht es ja schlussendlich; die muss ja dann folgen, damit der StraftĂ€ter sich nicht mehr in Deutschland befindet â und auch das, was der jetzige Bundesinnenminister Dobrindt offensichtlich auf den Weg bringen möchte mit seiner Sicherheitsoffensive. Er zielt darauf ab, dass bei Messerangriffen die Mindeststrafe von einem halben Jahr automatisch auf ein Jahr erhöht wird, um dann die Vo- raussetzungen fĂŒr eine Regelausweisung zu schaffen, weil dann ein besonders schweres Ausweisungsinteresse besteht, ĂŒbrigens auch im Zusammenhang nicht nur mit Messerangriffen, sondern auch mit antisemitischen Straf- taten â dieses Problem haben wir zu Hauf im Hinblick auf die Pro-PalĂ€stinenser-Demos â, um hier entsprechend kulturfremde Konflikte auf unserem deutschen Boden zu vermeiden. Herr Kollege Dregger! Sie wissen auch ganz genau, dass ein Antrag, der darauf abzielt, das entsprechende Geset- zesvorhaben auf Bundesebene umgesetzt werden, mit- nichten fĂŒr die eigene Blase gemacht werden, sondern dazu, gerade Sie von der CDU, die Verantwortung im Bund ĂŒbernehmen, aber bedauerlicherweise oftmals hin- ter durchaus guten Initiativen Ihrer Kollegen auf der Bundesebene zurĂŒckbleiben, auch ein StĂŒck weit in die Verantwortung zu nehmen. Sie regieren ja immerhin auch hier in Berlin. Wir möchten Sie auch dazu nötigen, dass Sie sich diesen guten Vorhaben anschlieĂen und eben nicht hinter denen zurĂŒckbleiben möchten. Vielleicht erlauben Sie mir schlussendlich, weil Sie ja davon gesprochen haben, dass das nicht wirksam wĂ€re, ganz kurz auf das Interview von Ihnen persönlich einzu- gehen, das Sie diese Woche in Welt-TV gegeben haben â ich habe mir das angeschaut â, wo Sie explizit auch zu der Gewalt gegenĂŒber Polizisten befragt wurden. Ich muss Ihnen leider sagen, dass gerade Ihre Aussagen, wie wir diesem GewaltphĂ€nomen begegnen sollten, meines Erachtens nach nicht zielfĂŒhrend sind. Denn dass wir die Polizei jetzt mit Tasern, Elektroschockern oder mehr Befugnissen ausstatten â â Nennen Sie mir einen konkre- ten Fall eines Angriffs auf einen Polizeibeamten oder darĂŒber hinaus, wo es zu Verletzungen kam, der durch einen Taser oder einen Elektroschocker im Vorfeld ver- hindert worden wĂ€re. Ich glaube, Sie merken, dass gerade Ihre VorschlĂ€ge, gerade die der CDU in Berlin, nicht dazu fĂŒhren, dass der Gewaltexplosion, die wir hier in Berlin zu verzeichnen haben, wirksam begegnet werden kann. Dementsprechend braucht es jetzt â â Herr Abgeordneter! Kommen Sie bitte zum Schluss!
Ich komme zum Schluss â Deswegen braucht es jetzt entsprechend neue Initiativen, um hier die Gangart zu erhöhen. â Danke! Der Abgeordnete Dregger erhĂ€lt nun noch einmal das Wort fĂŒr eine Erwiderung. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr geehrter Kollege WeiĂ! Ich habe mich nicht gegen den Entzug der Staats- angehörigkeit ausgesprochen. Ich habe Ihnen dargelegt, was die verfassungsrechtlichen Grundlagen und die eingeschrĂ€nkte Bewegungsfreiheit ist. Damit mĂŒssen wir operieren. Dass man angesichts der eingeschrĂ€nkten Möglichkeiten verfassungsrechtlich glaubt, man könnte das MesserphĂ€nomen damit wirksam bekĂ€mpfen, ist eine SchimĂ€re. Ich bitte Sie, auch in Ihren digitalen Netzwerken keinen solchen Unsinn zu verbrei- ten. Entscheidend wird es sein â â Das heiĂt, der Bund kann gerne aktiv werden; der ist zustĂ€ndig. Aber ich habe aus- gefĂŒhrt, wofĂŒr wir zustĂ€ndig sind. Davon haben Sie nicht gesprochen. Das sind aber die viel wirksameren MaĂ- nahmen, um zu verhindern, dass Personen, die verfas- sungsfeindlich sind, die nicht auf den Grundlagen unserer Grundordnung stehen, ĂŒberhaupt die Staatsangehörigkeit erwerben. Das ist doch der entscheidende Punkt, fĂŒr den wir verantwortlich sind. Sie haben noch gar nicht erkannt, was unsere FĂ€higkeiten auf der Landesebene sind. Die mĂŒssen wir doch nutzen. Vielleicht können Sie sich, wenn Sie darĂŒber nachdenken, dem möglicherweise sogar anschlieĂen. Dritter Punkt: Wenn der Herr Bundesinnenminister Dobrindt von Regelausweisung spricht, nĂŒtzt das nichts bei der Aberkennung der Staatsangehörigkeit. Denn die Ausweisung ist nur die Beendigung eines Aufenthaltsti- tels, aber nicht der Entzug der Staatsangehörigkeit. Das miteinander zu vermengen, ist einfach Unsinn. Zum Thema Taser, das Sie jetzt erstaunlicherweise auch im Rahmen der Staatsangehörigkeitsdebatte einfĂŒhren: Sie meinen, das sei nicht wirksam. Der Taser ist im letz- ten Jahr in 42 FĂ€llen eingesetzt und in 71 FĂ€llen ange- droht worden â im Wesentlichen zum Selbstschutz der Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6588 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Einsatzbeamten â, und zwar erfolgreich. Es waren nicht alles Messerbedrohungen, aber es gab auch Messerbedro- hung darunter. Ein Einsatzmittel lĂ€cherlich zu machen, das sich bereits als wirksam erwiesen hat, das Sie offen- bar nicht teilen, ist nicht im Interesse der Einsatzbeamten, die zu schĂŒtzen, unsere Pflicht ist. Deswegen kann ich das nicht verstehen. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege Franco das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Uns erreicht eine schreckliche Nachricht aus Spandau, und dann tritt die AfD auf den Plan. Stand jetzt keine Informationen zum Tatablauf, keine Informationen zum Motiv, noch zur NationalitĂ€t, aber die AfD nutzt den Vorfall fĂŒr ihre eigene rassistische Agenda, wie sie ein ums andere Mal Opfer von Straftaten fĂŒr ihre Agenda instrumentalisiert. Ich finde das unanstĂ€ndig. Ich finde das unwĂŒrdig. Sie fordern heute den Entzug der StaatsbĂŒrgerschaft fĂŒr Personen mit doppelter StaatsbĂŒrgerschaft, oder, wie sie die Herren da rechts auĂen oftmals nennen, âPassdeut- scheâ. Eine Formulierung, die in ihrem Kern unmissver- stĂ€ndlich ausdrĂŒckt, wo das VolksverstĂ€ndnis der AfD zu verorten ist, nĂ€mlich in einem so völkisch-ethnischen wie verfassungswidrigen Volksbegriff. Das, was Sie hier als SicherheitsmaĂnahme verkaufen, wird keine einzige Straftat verhindern. Sie machen dieses Land damit nicht sicherer, ganz im Gegenteil. Es ist ein weiterer Angriff auf das Grundgesetz und die Regeln, die sich dieses Land aus den Lehren der deutschen Geschichte gegeben hat. Herr Dregger hat es gesagt, die deutsche Staatsangehö- rigkeit darf nicht entzogen werden; nur wenn eine zweite Staatsangehörigkeit vorliegt, kommt das ĂŒberhaupt in Betracht und nur unter sehr engen Voraussetzungen wie falsche oder gar gefĂ€lschte Angaben. Nicht in Betracht kommt es, wenn man als deutsche StaatsbĂŒrgerin oder StaatsbĂŒrger danach Straftaten begeht. Es bleibt â damit auch Sie es verstehen â dann eine deutsche Straftat, ein deutscher TĂ€ter. Und wer Straftaten begeht, muss sich dafĂŒr verantworten, vor dem Gericht, nach dem deutschen Strafgesetzbuch. Und das gilt fĂŒr alle gleich. Und das Gute ist, im Strafge- setzbuch richtet sich die Strafe nach der Schwere der Tat und nicht danach, wie der TĂ€ter aussieht, aus gutem Grund, aus der bitteren historischen Erfahrung, dass eben gerade die Staatsangehörigkeit im Nationalso- zialismus aus politischen GrĂŒnden massenhaft entzogen wurde. Es wurde damals zum Mittel der Ausgrenzung und Entrechtung missbraucht. Und genau an diese Logik knĂŒpfen Sie als AfD jetzt wieder an. Worum geht es also Rechtsextremisten und Rassisten wirklich? â Es geht nicht um Sicherheit. Es geht um Spal- tung, um die Vorstellung, dass Menschen mit Migrati- onsgeschichte Deutsche auf Widerruf seien. Wer nur einen Pass hat, ist geschĂŒtzt, wer zwei hat, lebt unter dem stĂ€ndigen Damoklesschwert der AusbĂŒrgerung. Aber nein, meine Herren von RechtsauĂen, auch wenn man eine Straftat begeht, verliert man nicht die grundlegende Bindung an diesen Staat, nicht das staatsbĂŒrgerliche Da- sein. Wer aber KriminalitĂ€t wie Sie nur dann sieht, wenn sie die falsche Hautfarbe oder Herkunft hat, dem geht es am Ende gar nicht darum, dass StraftĂ€ter zur Rechen- schaft gezogen werden. Dem geht es darum, den Entzug der StaatsbĂŒrgerschaft als politisches Druckmittel zu nutzen, als Spielball ideologischer Abschreckungspolitik. Aber dabei ist doch gerade die StaatsbĂŒrgerschaft in ei- nem Rechtsstaat Ausdruck von Gleichheit, Zugehörigkeit und Verantwortung. Nur weil man eine Migrationsgeschichte hat, muss man sich die StaatsbĂŒrgerschaft nicht verdienen. Wenn man sie sich verdienen mĂŒsste, dann wĂ€ren Sie die ersten, die sie abgeben mĂŒssten, denn last but not least: Die AfD ist und bleibt die Partei mit den meisten StraftĂ€tern in den eigenen Reihen, von Volksverhetzung bis zum Staats- streich ist alles dabei. Und wissen Sie was? â Ich wĂŒrde Ihnen dafĂŒr nicht mal die StaatsbĂŒrgerschaft entziehen, aber was ich Ihnen damit definitiv entziehe, ist die GlaubwĂŒrdigkeit im de- mokratischen Diskurs. â Vielen Dank! Vielen Dank! â Und fĂŒr die SPD-Fraktion hat nun der Abgeordnete SchlĂŒsselburg das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir beraten heute einen Antrag der AfD- Fraktion, der vordergrĂŒndig vorgibt, die innere Sicherheit zu stĂ€rken, tatsĂ€chlich aber ein weiteres Kapitel im (Burkard Dregger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6589 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 rechtsradikalen Drehbuch aufschlĂ€gt: spalten, stigmatisie- ren, entrechten. Unter dem Deckmantel der Sicherheit wird hier der Ver- such unternommen, Menschen mit doppelter Staatsange- hörigkeit unter Generalverdacht zu stellen. Der Antrag fordert nichts Geringeres als eine Zweiklassengesellschaft im Staatsangehörigkeitsrecht. Das ist mit unserem demo- kratischen und rechtsstaatlichen SelbstverstĂ€ndnis nicht vereinbar. Und was kommt als nĂ€chstes? â Ăber 80 Prozent der rechtskrĂ€ftig verurteilten StraftĂ€ter sind MĂ€nner. Wollen Sie in Zukunft allen MĂ€nnern die Staatsangehörigkeit entziehen, die straffĂ€llig geworden sind, und sie abschie- ben? â Das ist doch absurd, was Sie hier machen! Der Antrag verweist auf Artikel 16 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes. Richtig ist: Der Entzug der Staatsangehö- rigkeit ist aktuell nur dann möglich, wenn der oder die Betroffene nicht staatenlos wird. Doch das ist eben nicht die einzige HĂŒrde. Ein Entzug der deutschen Staatsange- hörigkeit muss nicht nur mit dem Grundgesetz vereinbar, sondern auch verhĂ€ltnismĂ€Ăig bestimmt und gerichtsfest ausgestaltet sein. Und die bereits bestehende Regelung etwa bei der Betei- ligung an Kampfhandlungen fĂŒr terroristische Organisati- onen ist gerade deswegen extrem eng gefasst und an hohe rechtliche Schwellen gebunden. Was die AfD hier for- dert, ist eine gefĂ€hrliche Aufweichung dieser Schranken. Plötzlich sollen diffuse Rechtsbegriffe wie âGefĂ€hrdung der inneren Sicherheitâ oder âClanstrukturenâ ausreichen, um ĂŒber die Zugehörigkeit zu unserem Staatsvolk zu entscheiden. Das ist juristisch vage, politisch willkĂŒrlich und verfassungsrechtlich brandgefĂ€hrlich. Lassen Sie uns offen benennen, worum es der AfD wirk- lich geht: nicht um Sicherheit, sondern um Ausgrenzung. Wer den Eindruck erweckt, Menschen mit doppelter Staatsangehörigkeit seien per se ein Sicherheitsrisiko, gieĂt Wasser auf die MĂŒhlen derjenigen, die deutsch nicht als ein rechtliches, sondern als ein ethnisches oder kulturelles Merkmal verstehen. Das widerspricht allen Prinzipien unseres modernen, inklusiven StaatsbĂŒrger- schaftsverstĂ€ndnisses. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist keine Gunst, die der Staat gönnerhaft gibt und jederzeit entziehen kann. Sie ist Ausdruck eines dauerhaft begrĂŒndeten rechtlichen Bandes, das eben nicht an Herkunft, Religion oder Na- men geknĂŒpft ist. Eine gezielte VerschĂ€rfung nur fĂŒr Doppelstaatler wĂŒrde auch bedeuten: fĂŒr gleiche Straftaten wĂŒrden Menschen ungleich behandelt, abhĂ€ngig davon, ob sie eine zweite Staatsangehörigkeit besitzen oder nicht. Das ist nicht nur rechtlich fragwĂŒrdig, das ist gesellschaftspolitisch brand- gefĂ€hrlich. Wir brauchen keine rechtlichen Parallelwelten, sondern Vertrauen in unseren Rechtsstaat. Das Strafrecht, die Sicherheitsbehörden, sie alle haben Mittel und Wege, StraftĂ€ter zu ĂŒberwachen, zu verurteilen, aber eben im Einklang mit Recht und Gesetz und der MenschenwĂŒrde. Herr Abgeordneter! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Vallendar?
Nein! â Wir wehren uns gegen Versuche, unsere Staats- angehörigkeit, unser Staatsangehörigkeitsrecht zur Waffe zu machen. Die Vorstellung, dass Menschen, die hier geboren, aufgewachsen, eingebĂŒrgert und lĂ€ngst Teil unserer Gesellschaft sind, bei einem Fehlverhalten ein- fach wieder auszubĂŒrgern, ist zutiefst reaktionĂ€r. Dieser Antrag ist ein Frontalangriff auf das Gleichheits- prinzip, auf die Rechtssicherheit und auf das Vertrauen in unseren demokratischen Rechtsstaat. Er ist aber â und dafĂŒr sind wir Ihnen ein bisschen dankbar â ein weiterer Beleg dafĂŒr, wie die völkisch-nationalistische Ideologie der AfD ausgeprĂ€gt ist. Sie wollen mit den Mitteln des Strafrechts in Wahrheit aus Ihrer rassistischen Sicht heraus Nichtdeutsche im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Volk entfernen. Dieser Antrag atmet den Geist ihrer identitĂ€ren Volks- und Gesellschaftskonstruktion. Das steht aber in krassem Widerspruch zum MenschenwĂŒrdegehalt, zur Men- schenwĂŒrdegarantie des Grundgesetzes. Deswegen wer- den die 35 Abgeordneten der SPD-Fraktion dieses Hau- ses diesen Antrag ablehnen und ihn zur Materialsamm- lung fĂŒr die Einleitung eines Verbotsverfahrens packen. Ich finde, dieses Verbotsverfahren muss sehr bald einge- leitet werden. Machen Sie nur so weiter, geben Sie uns noch mehr GrĂŒnde dafĂŒr! â Vielen Dank! (Sebastian SchlĂŒsselburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6590 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat nun die Kollegin Eralp das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte PrĂ€sidentin! Jede Tat ist eine Tat zu viel. Aber, wie es eben schon gesagt wurde, was die AfD hier macht, ist die politische Instrumentalisierung fĂŒr rassisti- sche Hetze. Verschwiegen wird natĂŒrlich der jĂŒngste Anstieg von 50 Prozent bei den rechtsextremen Taten. Warum wird das verschwiegen? â Weil das Ihre Freunde sind, die da ihr Unwesen treiben. Deswegen möchte ich mich eigentlich gar nicht mehr mit AfD-AntrĂ€gen befassen mĂŒssen. Denn, wie wir schon in der Debatte eben festgestellt haben, hat nun endlich auch das Bundesverfassungsschutzamt erkannt, dass die AfD hochgefĂ€hrlich und rechtsextrem ist und damit verfas- sungsfeindlich und verboten gehört. Daran Ă€ndern Sie ĂŒbrigens auch nichts, wenn Sie jetzt neuerdings in Ihren AntrĂ€gen betonen, dass Sie neue verfassungsgemĂ€Ăe AusfĂŒhrungsmöglichkeiten fordern. Wer soll denn darauf reinfallen? Das Beste ist, Sie wĂŒrden einfach die Ein- schĂ€tzung ernst nehmen, die ĂŒbrigens zivilgesellschaftli- che und antifaschistische Organisationen und auch wir schon lange teilen, und Ihre Mandate abgeben, die Parla- mente verlassen. Damit wĂŒrden Sie der Demokratie einen groĂen Gefallen tun. Da aber jetzt nun mal dieser Antrag vorliegt, möchte ich dazu ein paar SĂ€tze sagen. Wir werden es niemals hin- nehmen, dass Menschen zu StaatsbĂŒrgern und StaatsbĂŒr- gerinnen zweiter Klasse gemacht werden. Nicht ĂŒber Menschen mit doppelter StaatsbĂŒrgerschaft sollte das Damoklesschwert hĂ€ngen, sondern ĂŒber Ihnen sollte das Damoklesschwert des Parteiverbots hĂ€ngen. Wir stellen uns gegen jede AusbĂŒrgerungsdebatte und wollen im Gegenteil, dass mehr Menschen eingebĂŒrgert werden können und zwar unabhĂ€ngig vom Geldbeutel und entwĂŒrdigenden EinbĂŒrgerungstests. Wer Straftaten begeht, erhĂ€lt ein entsprechendes Verfahren, so wie alle deutschen und nicht deutschen StaatsbĂŒrger und Staats- bĂŒrgerinnen auch. Ansonsten mĂŒssen wir mal ĂŒber die AusbĂŒrgerung von verfassungsfeindlichen AfDlern reden. Aber einen Hinweis möchte ich auch noch an die CDU richten. Die CDU, das sind die Geister, die Sie riefen, und deswegen wurden Sie auch eben zitiert, denn Ihre Partei und ihr Kanzler Merz waren es, die im Bundes- tagswahlkampf rassistische AusbĂŒrgerungsdebatten durchs Land jagten, um auf Stimmenfang von rechts zu gehen. Dass Sie damit das Klima, das gesellschaftliche Klima, verschĂ€rft haben, war Ihnen herzlich egal. Selbst im Son- dierungspapier von CDU, CSU und SPD standen die AusbĂŒrgerungen noch drin. Es ist aber eines der wenigen schlimmen Dinge, die die SPD noch aus dem Koalitions- vertrag herausverhandeln konnte. Aber bei so einer Lage ist doch klar, dass die AfD das Thema wieder auftischt. Daher gilt weiter: Keine Kooperation mit Faschisten, niemals! Keine Ăbernahme von Forderungen der Faschis- ten, niemals! Wehret den AnfĂ€ngen! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf die lfd. Nr. 5.5: PrioritĂ€t der Fraktion der CDU Tagesordnungspunkt 36 VerstĂ€rkte Nutzung von IT und KI in der Berliner Justiz Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten, GeschĂ€ftsordnung, Verbraucherschutz vom 9. April 2025 Drucksache 19/2384 zum Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2057 In der Beratung beginnt die Fraktion der CDU. â Bitte schön, Herr Abgeordneter Herrmann, Sie haben das
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! â Meine lieben Damen und Herren! KI in der Justiz, das ist nach wie vor ein wichtiges Thema. Aber nach wie vor stellt sich auch die Frage â Da können Sie ruhig klatschen. â wie schon bei der ersten Lesung, die wir hier hatten: Wozu brauchen wir einen solchen Schaufensterantrag im Parlament? Ihr Antrag, ehrlich gesagt, liebe Koalition, besteht allein darin, dass sich die Senatsverwaltung fĂŒr Justiz mit Experten der KI austauschen möchte. Man möchte sich also vernetzen, man möchte sich Expertise holen. Das ist fein. Nur ist das ohnehin die Aufgabe des Senats; es ist eine pure Selbst- verstĂ€ndlichkeit. Das erwarten wir. Das erwarten wir schlicht von einer Senatsverwaltung. KI jedenfalls wird Einzug in alle Lebensbereiche halten, natĂŒrlich auch in die Justiz. Gerade Recherchetools sind unter Juristen und Juristinnen gern benutzte Handwerks- zeuge, schon jetzt im Einsatz und sehr hilfreich. So kann KI zum Beispiel genutzt werden, um die Auswertung groĂer Datenmengen zu vereinfachen, beispielsweise in Masseverfahren. Das kann die Arbeit von Juristen und Juristinnen extrem erleichtern und sie genauer machen. Daher wird KI in der Justiz zu Recht von vielen gefeiert. Dennoch gilt es bei aller berechtigten Euphorie, die wir teilen, auch die Risiken in den Blick zu nehmen. Darauf werden wir als GrĂŒne genau schauen. Die Kritik bezieht sich oft auf die Frage der richterlichen UnabhĂ€ngigkeit â das hatte der Kollege Herrmann schon erwĂ€hnt â, darauf, dass es ein Mensch sein muss, der letztlich in Gerichts- verfahren entscheidet. Auch das wurde im Rechtsaus- schuss schon diskutiert. Auch das ist natĂŒrlich Konsens. NatĂŒrlich ist es der Mensch, also der Richter oder die Richterin, die letztlich entscheiden muss, nicht der Com- puter. Was wir dafĂŒr allerdings brauchen, sind Juristen und Juristinnen, die mit IT verantwortungsvoll umgehen. Der Knackpunkt ist meines Erachtens: gut umgehen heiĂt nicht einfach, nur mit der Technik gut klar zu kommen. Gut umgehen heiĂt insbesondere, es sich nicht zu bequem zu machen. Denn es ist ja so einfach: Man lĂ€sst sich von der KI eine Entscheidung generieren, liest sie, findet sie toll und ist versucht sie einfach zu ĂŒbernehmen. Genau das darf aber nicht passieren. Juristen und Juristinnen (Alexander Herrmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6592 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 mĂŒssen selber denken, selbst Sachverhalte bewerten und selbst entscheiden. Das muss das Wichtigste bleiben. Auf ein weiteres Risiko möchte ich hinweisen: das Risiko möglicher Diskriminierungen durch KI-basierte AblĂ€ufe. Immer öfter ĂŒbernehmen automatisierte Systeme die Entscheidungen. Es werden Wahrscheinlichkeitsaussagen auf der Grundlage von pauschalen Gruppenmerkmalen getroffen. Das wirkt auf den ersten Blick objektiv, kann aber Stereotype reproduzieren. Hier ist SensibilitĂ€t ge- fragt, besonders wenn solche Systeme nun an den Gerich- ten eingesetzt werden. Auch hierauf werden wir als GrĂŒ- ne genau schauen. Viel wichtiger als der vorliegende Antrag wĂ€re allerdings ein Blick auf die finanziellen Mittel, die in Berlin fĂŒr die IT-Sicherheit zur VerfĂŒgung gestellt werden. Das sind nĂ€mlich definitiv zu wenige. Hier hat die Koalition defi- nitiv an der falschen Stelle gespart. Denn, liebe Koalition, die öffentliche Sicherheit nimmt zu Recht einen breiten Raum im öffentlichen Diskurs ein. Zur Sicherheit in Berlin gehört aber auch die IT-Sicherheit. Es passiert leider immer hĂ€ufiger, dass unsere Verwaltung, die Jus- tiz, UniversitĂ€ten oder KrankenhĂ€user Gegenstand von Cyberangriffen werden. Bei der IT spart die Koalition aber in einer GröĂenordnung, dass sogar die Chefin des ITDZ vor einem GefĂ€hrdungspotenzial warnte. Hier ist die Koalition aufzufordern, kĂŒnftig einen Schwerpunkt zu setzen. Bei den anstehenden Haushaltsberatungen muss klar sein: An der IT-Sicherheit Berlins darf nicht gespart werden. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Kollege Lehmann das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ein guter Umgang mit KI und der Ausbau der IT-Infrastruktur in der Verwaltung und in der Justiz sind mir, der SPD und der ganzen Koalition eine Herzensan- gelegenheit. Als Sprecher fĂŒr Recht und fĂŒr Digitalisie- rung freue ich mich besonders, auch heute wieder, wie letzten Dezember, ĂŒber den vorliegenden Antrag zu spre- chen. Die EuropĂ€ische KI-Verordnung, die in Teilen bereits in Kraft getreten ist, wird in naher Zukunft einen einheitli- chen Rechtsrahmen fĂŒr die Entwicklung und Nutzung von KI in der EU schaffen. Mit unserem Antrag stellen wir die Weichen dazu, fĂŒr eine moderne und effiziente Justiz in Berlin, bleiben aber auch insoweit ergebnisoffen, denn bei dem schnellen technischen Fortschritt sollte sich die Politik hĂŒten, das Ergebnis von Innovationen stets vorwegzunehmen. Nur wenn man am Ball bleibt, kann man aber auch ge- stalten. Wir dĂŒrfen uns jedenfalls nicht gegen neue Tech- nologien sperren. Berlin kann vielmehr Vorreiterin fĂŒr eine moderne und leistungsfĂ€hige Justiz sein; nein, es muss, wenn wir das Thema jetzt gemeinsam weiterden- ken. Deshalb wollen wir die bestehenden Plattformen, den Cyber-Innovation-Hub und das Legal-Tech-Center, fĂŒr die Berliner Justiz gezielt weiterentwickeln. Und irgendwann muss uns die KI fĂŒr diese englischen Be- schreibungen auch mal deutsche Bezeichnungen generie- ren, unter denen sich dann auch jeder Unbeteiligte etwas vorstellen kann. Durch den demografischen Wandel und die steigenden Fallzahlen an den Berliner Gerichten sind wir ohnehin gezwungen, effektiver zu werden. Dabei mĂŒssen wir die Möglichkeiten der Digitalisierung einfach nutzen und auch die kĂŒnstliche Intelligenz einbinden. Der Einsatz dieser Technologie ist unerlĂ€sslich, um die Berliner Justiz zukunftsfĂ€hig zu machen. Gemeinsam haben wir mit Blick auf die Digitalisierung der Justiz in den vergange- nen Monaten und Jahren durchaus viel Gutes erreicht, Kollege Herrmann hat es skizziert. In vielen Bereichen sind die E-Akten flĂ€chendeckend eingefĂŒhrt, ĂŒber 70 Prozent der Berliner GerichtssĂ€le sind digital nutzbar. Doch die digitale Entwicklung geht eben weiter. KĂŒnstli- che Intelligenz hĂ€lt Einzug in die Justiz, und wir sehen, wie sich diese hilfreiche neue Technologie zunehmend durchsetzt. Unsere Aufgabe ist es, diesen Wandel aktiv mitzugestalten, aber nach unseren Regeln und nach unse- rem WerteverstĂ€ndnis. DafĂŒr ist es wichtig, dass alle relevanten Akteure aus der Justiz selbst, aber auch aus anderen Verwaltungen, der Wirtschaft und der Wissen- schaft zusammengebracht werden. Denn bevor man kon- krete MaĂnahmen und Projekte auf den Weg bringt, muss man sich zunĂ€chst fragen, was KI ĂŒberhaupt leisten kann und was sie leisten soll. Konkret sollte man prĂŒfen, auf welchen Feldern KI den Menschen in Justiz und Rechts- pflege den Arbeitsalltag erleichtern kann und wo der Einsatz von KI ausgeschlossen werden soll. Denn eins muss klar sein: Es geht keinesfalls darum, Richterinnen und ihre Entscheidungen durch die KI zu ersetzen. Eine KI kann niemals die Expertise, die Empathie, die Le- benserfahrung ersetzen, aber sie kann unterstĂŒtzen. Wenn mehr als 1 000 Seiten lange Gerichtsakten durch- sucht, strukturiert und ausgewertet werden mĂŒssen, kann KI wertvolle Zeit der Berliner Richterinnen und Richter einsparen und sie entlasten. Auch im Bereich der Ăber- setzung und der Spracherkennung kann KI eine entschei- dende Arbeitserleichterung darstellen. (Dr. Petra Vandrey) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6593 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Neben aller Technologieoffenheit ist aber auch ein ge- sundes MaĂ an Skepsis angebracht; ich sprach davon. Die KI-Technologie der letzten Jahre ist fĂŒr Menschen, die sie nutzen, meist doch eine Blackbox. Entscheidungen von KI-Systemen mĂŒssen aber gerade fĂŒr die Anwender und, noch wichtiger, fĂŒr die von den Entscheidungen Be- troffenen nachvollziehbar sein. Das gilt insbesondere in gerichtlichen Verfahren. Hier ist die Kontrolle notwen- dig, da sich die KI als alles andere als diskriminierungs- frei erwiesen hat. Fragen zu Nachvollziehbarkeit und Diskriminierungen von KI-Entscheidungen mĂŒssen dis- kutiert werden. Hilfreiche neue Technologien werden sich durchsetzen, es ist aber an uns, immer auf unsere Regeln zu achten und die Regeln zu gestalten. Rechtsstaatliche Garantien wie das Recht auf richterli- ches Gehör und die richterliche UnabhĂ€ngigkeit dĂŒrfen durch den Einsatz von KI in Gerichtsverfahren nie einge- schrĂ€nkt oder gar umgangen werden. Eine KI darf nicht die letzte Entscheidung treffen. KI kann die Justiz effizi- enter, zugĂ€nglicher und konsistenter machen, wenn sie als Werkzeug mit klaren Leitplanken eingesetzt wird. Menschliche Urteilskraft, ethische Reflexion und rechtli- che Kontrolle sind unersetzlich; eben diese Leitplanken sind aber auch unersetzlich. Diese Leitplanken mĂŒssen wir immer behalten, auch im Zeitalter der KI. Denn am Ende geht es um die Menschen, um die Berlinerinnen und Berliner. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat der Kolle- ge Valgolio das Wort. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Kollegen Lehmann und Herrmann! Ich muss sagen, ich weiĂ jetzt auch nach zwei Rederunden und der Beratung im Ausschuss immer noch nicht so richtig, was Sie mit dem Antrag wollen. â Ich habe gerade dem Kollegen Lehmann zugehört; Ihnen habe ich auch zugehört, aber noch lieber dem Kol- legen Lehmann. Ich kann alles unterschreiben, was er gesagt hat, dass man bei KI aufpassen muss, welche Risi- ken es fĂŒr die richterliche UnabhĂ€ngigkeit und bei Dis- kriminierung und so weiter gibt. Das ist ja alles richtig. Davon steht nur leider ĂŒberhaupt nichts im Antrag. Im Antrag steht fast nichts; in dem Antrag steht nur, die Justiz soll doch mal bitte mehr KI benutzen. Und das ist natĂŒrlich richtig. NatĂŒrlich hat die KI groĂe Möglichkeiten, und natĂŒrlich benutzt die Justiz auch schon KI, genauso wie die Justiz Computer benutzt und SchreibtischstĂŒhle und Kaffeetas- sen. Das ist alles gut, das muss auch alles benutzt werden. Genauso mĂŒssen Computer und KI benutzt werden. Das ist aber banal, dafĂŒr muss man keinen Antrag machen; wenn, dann mĂŒsste man ein bisschen genauer schreiben, in welche Richtung das gehen soll, was die Vorteile und Risiken sind. Davon steht aber ĂŒberhaupt nichts drin. Jetzt hat die Kollegin Vandrey gesagt: Das ist doch ein Schaufensterantrag â, weil so wenig drinsteht. Das ist auch nicht ganz richtig. Ein Schaufensterantrag ist ein Antrag, wo Sachen drinstehen, die richtig sind, die ei- gentlich jeder so sieht oder die schon passieren. Hier ist das Problem: Es ist noch nicht mal ein Schaufensteran- trag. Denn das, was da drinsteht, ist leider zu groĂen Teilen das Gegenteil von dem, was im Moment passiert. Es steht nĂ€mlich drin â ich habe es gelesen, der Beschlusstext ist ja nur zwei SĂ€tze â, der Cyber-Innovation-Hub und das Legal-Tech-Center sollen ausgebaut werden. Wenn wir aber mal in den Haushalt reingucken, dann hat dieselbe Koalition, die das jetzt beantragt, genau die beiden Haus- haltstitel, in denen diese beiden Einrichtungen verortet sind, mit massiven VerfĂŒgungsbeschrĂ€nkungen versehen; genau diese beiden Titel. Das heiĂt, es ist wahrscheinlich finanziell schon gar nicht möglich, das auszubauen. Wenn ich so einen Antrag stelle, dann muss ich entweder sagen, die VerfĂŒgungsbeschrĂ€nkungen sollen weg, oder das Geld soll zur VerfĂŒgung gestellt werden. Da wĂŒrde ich zustimmen. Ich kann aber nicht das Geld kĂŒrzen und dann hier beantragen, es soll ausgebaut werden; das geht nicht. Das ist das eine, und das ist noch nicht mal ein Schaufensterantrag. Das ist der gröĂte Punkt, und deswegen werden wir dem leider auch nicht zustimmen können. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordne- te Vallendar das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Der vorliegende Antrag ist inhaltlich zwar richtig, insbe- sondere hinsichtlich der Feststellung, dass die Berliner Justiz dringend in die Lage versetzt werden muss, mit neuen KI-Systemen zu arbeiten und diese in den Ar- beitsalltag des Justizwesens zu implementieren, um eine Effizienzsteigerung bei der Bearbeitung von Verfahren zu (Jan Lehmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6594 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 erreichen und dem Grundsatz des effektiven Rechtsschut- zes gerecht zu werden. Um diese aber einzusetzen, mĂŒs- sen erst mal alle Prozesse in digitaler Form und maschi- nenlesbar ĂŒberhaupt vorhanden sein, und schon bei dieser Aufgabe gibt es immer noch groĂe LĂŒcken, auch im Jus- tizbereich. Auch wir sind der Meinung, dass KI-Tools ein Element sein können, um effektiv den demografischen Wandel zu bekĂ€mpfen â anders als es zum Beispiel die Massenmigration tut â, denn natĂŒrlich fĂŒhrt der Einsatz von KI auch dazu, dass man mit weniger Personal mehr Aufgaben erledigt bekommt, und das ist etwas grundsĂ€tz- lich zu BegrĂŒĂendes. Der Antragstext selbst sieht eigentlich nur eine Etablie- rung eines GesprĂ€chsforums vor und ist diesbezĂŒglich auch zu dĂŒnn und von geringer Substanz. Es ist doch selbstverstĂ€ndlich, dass sich der Senat automatisch in das GesprĂ€ch und in den Austausch mit der Verwaltung und der Wirtschaft begibt, um die Akteure zusammenzufĂŒh- ren. Wozu soll das Abgeordnetenhaus das also extra beschlieĂen? â Es wurde schon angesprochen: Dieser Antrag ist ein Schaufensterantrag. Gleiches gilt natĂŒrlich auch fĂŒr die Passage der StĂ€rkung und des Ausbaus der Plattform des Cyber-Innovation- Hub und des Legal-Tech-Center. Wie sollen denn die StĂ€rkung und der Ausbau nun konkret aussehen? Wie viel Geld soll dafĂŒr bereitgestellt werden? â Der Antrag ent- hĂ€lt hierzu nichts auĂer Absichtsbekundungen. Dieses Ansinnen muss eigentlich in die Haushaltsberatungen eingebracht werden. Insofern sind wir mal gespannt, was da von Ihnen kommt. Mehr als einen Schaufensterantrag haben wir also hier nicht vorliegen, der es dann auch noch geschafft hat, Ihre PrioritĂ€t zu werden. Herzlichen GlĂŒckwunsch! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Koalitionsfraktionen auf Drucksache 19/2057 emp- fiehlt der Fachausschuss mehrheitlich â gegen die Frakti- on Die Linke bei Enthaltung der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der AfD-Fraktion â die Annahme mit Ănde- rungen. Wer den Antrag gemÀà der Beschlussempfehlun- gen auf Drucksache 19/2384 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen der SPD sowie der CDU. Wer stimmt dagegen? â Das ist die Fraktion Die Linke und der fraktionslose Abgeordnete King. Enthaltungen? â Sehe ich bei der Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen, der AfD-Fraktion sowie des fraktions- losen Abgeordneten Brousek. Damit ist der Antrag so angenommen. Wir kommen zu den geheimen verbundenen Wahlen. Ich rufe dazu auf lfd. Nr. 6: Wahl eines stellvertretenden Mitglieds und Wahl der/des stellvertretenden Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses zur Untersuchung des Ermittlungsvorgehens im Zusammenhang mit der AufklĂ€rung der im Zeitraum von 2009 bis 2021 erfolgten rechtsextremistischen Straftatenserie in Neukölln (UntA Neukölln II) Wahl Drucksache 19/0909 in Verbindung mit lfd. Nr. 7: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10-Kommission des Landes Berlin Wahl Drucksache 19/0915 und lfd. Nr. 8: Wahl von zwei Mitgliedern des PrĂ€sidiums des Abgeordnetenhauses Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0936 und lfd. Nr. 9: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1000 und lfd. Nr. 10: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Wahl Drucksache 19/1008 und lfd. Nr. 11: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Lette-Vereins â Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/1057 und (Marc Vallendar) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6595 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 lfd. Nr. 12: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Pestalozzi-Fröbel- Hauses â Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/1058 und lfd. Nr. 13: Wahl eines Mitglieds des Beirats der Berliner Stadtwerke GmbH Wahl Drucksache 19/1247 und lfd. Nr. 14: Wahl von zwei Mitgliedern und zwei stellvertretenden Mitgliedern der Enquete- Kommission âFĂŒr gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierungâ Wahl Drucksache 19/2068 Die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion fĂŒr diese Gremien haben in den letzten Sitzungen keine Mehrheit gefunden. Die AfD-Fraktion schlĂ€gt heute zur Wahl vor: fĂŒr den Untersuchungsausschuss Herrn Abgeordneten Robert Eschricht als stellvertretendes Mitglied und Herrn Abge- ordneten Karsten Woldeit als stellvertretenden Vorsitzen- den; fĂŒr die G-10-Kommission Herrn Abgeordneten Marc Vallendar als Mitglied und Herrn Abgeordneten Carsten Ubbelohde als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr das PrĂ€sidi- um Herrn Abgeordneten Rolf Wiedenhaupt und Herrn Abgeordneten Karsten Woldeit als Mitglieder; fĂŒr den Ausschuss fĂŒr Verfassungsschutz Herrn Abgeordneten Martin Trefzer als Mitglied und Herrn Abgeordneten Carsten Ubbelohde als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr das Kuratorium der Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Herrn Abgeordneten Gunnar Lindemann als Mitglied und Herrn Abgeordneten Tommy Tabor als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr das Kuratorium des Lette-Vereins Frau Abgeordnete Jeannette Auricht als Mitglied und Herrn Abgeordneten Alexander Bertram als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr das Kuratorium des Pestalozzi-Fröbel- Hauses Frau Abgeordnete Dr. Kristin Brinker als Mit- glied und Herrn Abgeordneten Dr. Hugh Bronson als stellvertretendes Mitglied; fĂŒr den Beirat der Berliner Stadtwerke GmbH Herrn Abgeordneten Gunnar Linde- mann als Mitglied und fĂŒr die Enquete-Kommission Frau Abgeordnete Jeannette Auricht als Mitglied, Herrn Abge- ordneten Frank-Christian Hansel als stellvertretendes Mitglied, Herrn Feroz Khan als SachverstĂ€ndigen sowie Herrn Dr. Fabian Schmidt-Ahmad als stellvertretenden SachverstĂ€ndigen. Die AfD-Fraktion hat eine geheime Wahl beantragt. Die Fraktionen haben einvernehmlich vereinbart, diese Wah- len in einem Wahlgang durchzufĂŒhren. Sie erhalten neun Stimmzettel in verschiedenen Farben. Der Stimmzettel sieht jeweils die Möglichkeit vor, âJaâ, âNeinâ oder âEnthaltungâ anzukreuzen. FĂŒr jeden Vorschlag darf nur ein Feld angekreuzt werden. Stimmzettel ohne ein Kreuz, mit mehreren Kreuzen fĂŒr einen Vorschlag, anders als durch ein Kreuz gekennzeichnet oder mit zusĂ€tzlichen Bemerkungen oder Kennzeichnungen sind ungĂŒltig. Die Stimmzettel dĂŒrfen nur in den Wahlkabinen und nur mit den darin bereitgestellten Stiften ausgefĂŒllt werden. Die Stimmzettel sind noch in der Wahlkabine einmal zu falten und in den Umschlag zu legen. Abgeordnete, die ihre Stimmzettel auĂerhalb der Wahl- kabine kennzeichnen oder in den Umschlag legen, sind nach § 74 Absatz 2 der GeschĂ€ftsordnung zurĂŒckzuwei- sen. Der Umschlag ist erst dann in die Wahlurne zu legen, wenn die Stimmabgabe von einer Beisitzerin oder einem Beisitzer vermerkt worden ist. Bitte geben Sie dazu Ihren Namen an und warten Sie, bis Ihr Name auf der Liste abgehakt worden ist. Es stehen wieder acht Wahlkabinen zur VerfĂŒgung. Ab- geordnete, deren Namen mit A bis K beginnen, wĂ€hlen bitte von Ihnen aus gesehen auf der linken Seite. Abge- ordnete, deren Namen mit L bis Z beginnen, nutzen bitte die rechte Seite. Ich weise darauf hin, dass die Fernseh- kameras nicht auf die Wahlkabinen ausgerichtet werden dĂŒrfen. Alle PlĂ€tze direkt hinter den Wahlkabinen und um die Wahlkabinen herum bitte ich jetzt freizumachen. Die Sitzung wird nach dem Ende der Wahlen direkt fortge- setzt und nicht fĂŒr die AuszĂ€hlung unterbrochen. Ich bitte den Saaldienst, die vorgesehenen Tische und Wahlkabi- nen aufzustellen. Ich bitte die Beisitzerinnen und Beisit- zer, ihre vorgesehenen PlĂ€tze einzunehmen, mit dem Namensaufruf zu beginnen und die Stimmzettel auszuge- ben. Dann darf ich fragen, ob alle Mitglieder des Hauses die Gelegenheit zur Wahl hatten. â Das scheint mir der Fall zu sein. Dann schlieĂe ich den Wahlgang und bitte die Beisitzerinnen und Beisitzer, mit der AuszĂ€hlung zu beginnen. Der Wahlgang ist geschlossen. Wir setzen die Sitzung wie angekĂŒndigt fort. Die Wahlergebnisse wer- den spĂ€ter bekannt gegeben. (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6596 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Dann darf ich bitten, wieder Platz zu nehmen. Wir kön- nen fortfahren. Ich rufe auf lfd. Nr. 15: Gesetz zur Ănderung des IBB-TrĂ€gergesetzes und des Investitionsbankgesetzes Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe vom 7. April 2025 Drucksache 19/2376 zur Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2315 Zweite Lesung Ich eröffne die zweite Lesung der Gesetzesvorlage. Ich rufe auf die Ăberschrift, die Einleitung sowie die Arti- kel 1 bis 3 der Gesetzesvorlage und schlage vor, die Bera- tung der Einzelbestimmungen miteinander zu verbinden. â Widerspruch höre ich dazu nicht. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksa- che 19/2315 empfiehlt der Fachausschuss einstimmig â bei Enthaltung der AfD-Fraktion â die Annahme. Wer die Gesetzesvorlage gemÀà der Beschluss- empfehlung auf Drucksache 19/2376 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die CDU- Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die Fraktion Die Linke und ein fraktionsloser Abgeordneter. Gegenstimmen? â Enthaltungen? â Bei Enthaltung der AfD-Fraktion ist die Gesetzesvorlage damit angenommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 16: Gesetz zur Umsetzung der DatenĂŒbermittlungsbefugnis von berufsstĂ€ndischen Versorgungseinrichtungen aufgrund von Auskunftsverlangen öffentlicher Stellen, zur weiteren Ănderung des Gesetzes ĂŒber die Rechtsanwaltsversorgung in Berlin und zur Ănderung des Berliner Hinterlegungsgesetzes Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten, GeschĂ€ftsordnung, Verbraucherschutz vom 9. April 2025 Drucksache 19/2383 zur Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/1840 Zweite Lesung Ich eröffne die zweite Lesung der Gesetzesvorlage. Ich rufe auf die Ăberschrift, die Einleitung sowie die Arti- kel 1 bis 5 der Gesetzesvorlage und schlage vor, die Bera- tung der Einzelbestimmungen miteinander zu verbinden. â Widerspruch höre ich dazu nicht. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/1840 empfiehlt der Fachausschuss einstimmig â bei Enthaltung der AfD-Fraktion â die Annahme. Wer die Gesetzesvorlage gemÀà der Beschluss- empfehlung auf Drucksache 19/2383 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die CDU- Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die Fraktion Die Linke und ein fraktionsloser Abgeordneter. Gegenstimmen? â Enthaltungen? â Bei Enthaltung der AfD-Fraktion ist die Gesetzesvorlage damit angenommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 17: Gesetz zu dem Staatsvertrag zur AufgabenerfĂŒllung nach dem BarrierefreiheitsstĂ€rkungsgesetz Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Arbeit und Soziales vom 3. April 2025 Drucksache 19/2390 zur Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2242 Zweite Lesung Ich eröffne die zweite Lesung der Gesetzesvorlage. Ich rufe auf die Ăberschrift, die Einleitung sowie die Paragra- fen 1 bis 3 der Gesetzesvorlage und den anliegenden Staatsvertrag und schlage vor, die Beratung der Einzelbe- stimmungen miteinander zu verbinden. â Widerspruch höre ich dazu nicht. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/2242 emp- fiehlt der Fachausschuss einstimmig â mit allen Fraktio- nen â die Annahme. Wer die Gesetzesvorlage gemÀà der Beschluss- empfehlung auf Drucksache 19/2390 annehmen möchte, den darf ich jetzt um das Handzeichen bitten. â Das sind alle Fraktionen und ein fraktionsloser Abgeordneter. Damit ist die Gesetzesvorlage einstimmig angenommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 18: Viertes Gesetz zur Ănderung des Landeskrankenhausgesetzes Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 14. Mai 2025 Drucksache 19/2442 zur Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/1352 Zweite Lesung Der Dringlichkeit haben Sie bereits eingangs zugestimmt. Ich eröffne die zweite Lesung der Gesetzesvorlage. Ich rufe auf die Ăberschrift, die Einleitung sowie die Ar- (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6597 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 tikel 1 und 2 der Gesetzesvorlage und schlage vor, die Beratung der Einzelbestimmungen miteinander zu ver- binden. â Widerspruch höre ich dazu nicht. Eine Bera- tung ist nicht vorgesehen. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/1352 empfiehlt der Hauptausschuss mehrheitlich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒ- nen und die Fraktion Die Linke â die Annahme mit Ăn- derungen. Wer die Gesetzesvorlage gemÀà der Beschluss- empfehlung auf Drucksache 19/2442 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die CDU- Fraktion, die SPD-Fraktion und die AfD-Fraktion. Ge- genstimmen? â Bei Gegenstimmen der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke. Damit ist die Gesetzesvorlage so angenommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 19: Viertes Gesetz zur Ănderung des Gesetzes ĂŒber das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum (Zweckentfremdungsverbot-Gesetz â ZwVbG) Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1651 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung des Gesetzesantrags. In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion und hier der Abge- ordnete Laatsch. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Viele reden davon, dass wir einen RĂŒckbau der BĂŒrokratie brĂ€uchten, und ich sage Ihnen: Die haben alle recht, tun aber nichts! Unser Antrag soll ein kleiner Anfang sein, den unsinnigs- ten aller Berliner Verwaltungsakte, die Abrissgenehmi- gung fĂŒr Ein- und ZweifamilienhĂ€user, aus dem Zweck- entfremdungsverbot-Gesetz zu streichen. Ziel dieser Abrissgenehmigung ist es, Wohnraum vor Abriss zu schĂŒtzen, um ihn der Bevölkerung zur VerfĂŒgung zu stellen. Hört sich gut an, ist es aber nicht. Denn: Wer bitte reiĂt denn ein Haus ab, um eine grĂŒne Wiese zu erzeugen? â So etwas machen vielleicht Ăkoextremisten, aber doch keine Hausbesitzer. Selbst wenn man ein Haus nicht mehr nutzen wollte, will man es doch nicht abreiĂen, weil das AbreiĂen vermeid- bare Kosten verursacht und damit Vermögenswerte zer- stört. Wer und warum reiĂt also ein altes Haus ab? â Wer neu bauen will, wer in der Regel mehr Wohnraum schafft und sogar mehr Wohneinheiten errichten will, wer also meist mehr Wohnraum schaffen will, und damit dem Wohn- raumangebot dient. Als wichtiger Nebeneffekt wird eine höhere Energieeffizienz â oder wie Sie sagen: mehr Kli- maschutz â erreicht. Zwei Fliegen mit einer Klappe, wĂŒr- de der Volksmund sagen. Was bedeutet es in Berlin, einen solchen Antrag zur Ab- rissgenehmigung stellen zu mĂŒssen? Wenn ĂŒberhaupt, dĂŒrfte das höchstens zwei Tage dauern. â Nach Auskunft der BezirksĂ€mter Neukölln und Tempelhof-Schöneberg sind diese mit mehreren Hundert FĂ€llen per anno befasst, die letzten Endes alle genehmigt werden mĂŒssen. Diese Genehmigung dauert im Mittel acht Monate und bringt fĂŒr die Behörden eine erhebliche und ĂŒberflĂŒssige Belas- tung mit. Eine Ablehnung solcher AntrĂ€ge kommt in der Praxis praktisch nicht vor. Die Konsequenz fĂŒr den Bauherrn ist, dass er die Bereit- stellungszinsen zahlen muss, die Baukosten inflationie- ren, unter UmstĂ€nden hat der Bauunternehmer lĂ€ngst das Weite gesucht, weil er einen anderen Auftrag angenom- men hat, und die Hypothekenzinsen sind davongelaufen. Bauen wird zum unkalkulierbaren Risiko. So etwas kann nur derjenige fĂŒr angemessen halten, der nie im Leben ein Risiko ĂŒbernehmen wird. Wie könnte man es besser machen und die GemĂŒter derer kĂŒhlen, die in Panik sol- che Gesetze schaffen, weil sie Sachverhalte eindeutig nicht verstehen? â Man bindet den Abriss an einen ver- bindlichen Neubauantrag, macht diesen also zur Bauver- pflichtung, und allen ist gedient. Wir sollten aufhören, ĂŒber mehr Effizienz in der Verwal- tung zu reden, und stattdessen mehr Effizienz schaffen. Mit diesem Antrag ist das kurz und schmerzlos möglich. Vielleicht entwickelt sich daraus sogar eine Freude, wei- terzumachen und unsinnige Gesetze abzuschaffen. â Ich bedanke mich fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! FĂŒr die CDU-Fraktion hat der Kollege Dr. Nas jetzt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das Thema Zweckentfremdung und wie mit WohngebĂ€uden bis zu zwei Einheiten umzugehen ist, ist ein wichtiges Thema. Es ist auch ein Thema, das uns als CDU-Fraktion sehr beschĂ€ftigt. Der Antrag der AfD-Fraktion geht jedoch in die falsche Richtung. Es soll der Genehmigungsvorbehalt insgesamt abgeschafft wer- den. Dies wird mit BĂŒrokratieabbau und mit falschen Zahlen begrĂŒndet. Ich wĂŒrde sagen, es sind wieder ein- mal Fake News durch die AfD. So heiĂt es in dem Antrag: Der Genehmigungsvorbehalt betreffe mehrere Hundert FĂ€lle pro Bezirk, zum Beispiel (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6598 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Neukölln und Tempelhof-Schöneberg. Eine aktuelle Stellungnahme der Senatsverwaltung fĂŒr Stadt- entwicklung, Bauen und Wohnen auf eine kĂŒrzlich ge- stellte Anfrage hat jedoch Folgendes ergeben: FĂŒr den Bezirk Neukölln wurden im Jahr 2024 insgesamt 28 AbrissantrĂ€ge gestellt, von denen 25 den Abriss von EinfamilienhĂ€usern und 3 den Abriss von jeweils zwei Wohneinheiten beinhalteten. FĂŒr den Bezirk Tempelhof- Schöneberg waren es auch nicht 100, sondern insgesamt 5 AntrĂ€ge auf Abriss, also 5 AntrĂ€ge insgesamt von WohngebĂ€uden und Nicht-WohngebĂ€uden. FĂŒr den Be- zirk Charlottenburg-Wilmersdorf waren es insgesamt 11 AbrissantrĂ€ge. Die AfD-Fraktion rĂ€umt selbst ein, dass diese AntrĂ€ge regelmĂ€Ăig genehmigt werden. Auch wenn AntrĂ€ge ge- nehmigt werden, bedeutet das nicht, dass man das be- hördliche Verfahren komplett abschafft. Man kann sich jedoch ĂŒberlegen, ob man im Gesetz oder in der einschlĂ€- gigen Verordnung eine grundsĂ€tzliche Genehmigungs- pflicht fĂŒr bestimmte EinfamilienhĂ€user oder Zweifamili- enhĂ€user regelt. Dies ist jedoch etwas anderes als das, was heute gefordert wird. Wir als CDU-Fraktion und als Koalition setzen uns in jeder Hinsicht fĂŒr den BĂŒrokratieabbau ein. BĂŒrokratie- abbau lĂ€sst sich aber nicht im Klein-Klein realisieren, lieber Herr Laatsch. Gerade was den Bereich Bauen und Wohnen betrifft, hĂ€tte ich mir gewĂŒnscht, lieber Herr Laatsch, Sie hĂ€tten sich im Rahmen des Schneller-Bauen- Gesetzes mehr eingebracht. Das haben Sie aber nicht. Wir haben eine Vielzahl von Gesetzen geĂ€ndert, Geneh- migungsfiktionen geschaffen, PrioritĂ€ten gesetzt und vieles mehr â nur war von Ihrer Fraktion wenig oder gar nichts zu hören. Dennoch haben wir als Koalition mit dem Schneller-Bauen-Gesetz groĂe bĂŒrokratische HĂŒrden abgebaut und gehen nun die groĂe Verwaltungsreform an â und das ist gut so! AbschlieĂend: Um BĂŒrokratie abzubauen, so wie das hier gefordert wird, brauchen wir die AfD nicht; hier nicht und auch nicht woanders. â Ich danke Ihnen fĂŒr das Zu- hören! Vielen Dank, Herr Kollege! â Dann hat fĂŒr eine Zwi- schenbemerkung der Abgeordnete Laatsch das Wort.
Danke, Frau PrĂ€sidentin! â Lieber Herr Dr. Nas, Ihnen als Juristen sollte man mehr RealitĂ€tssinn zumuten können. Sie haben jetzt gerade 44 FĂ€lle in drei Bezirken aufge- fĂŒhrt. Berlin hat zwölf Bezirke. Rechnet man einmal pauschal hoch, ergibt das zusammen 178 FĂ€lle. Daher ist schon das erste Mal Ihre Behauptung von Fake News komplett widerlegt. Jetzt kommt aber der eigentliche Höhepunkt, Herr Dr. Nas: Wenn Sie wĂŒssten, wovon Sie ĂŒberhaupt reden, dann hĂ€tten Sie gesehen, dass wir einen Ănde- rungsantrag zum Schneller-Bauen-Gesetz gestellt haben, in dem genau dieser Antrag, den ich hier gerade vermel- det habe, enthalten war. Stellen Sie sich das einmal vor, Herr Dr. Nas! Nicht einmal das fĂ€llt Ihnen auf. Sie montieren monatelang an einem Schneller-Bauen- Gesetz und haben keine Ahnung, was da debattiert wird und welche ĂnderungsantrĂ€ge gestellt werden. Dann stellen Sie sich hier hin und haben die Chuzpe, von Fake News zu reden. Das ist doch erschreckend, Herr Dr. Nas. â Danke schön! Dann hat fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Schmidberger das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Mieterinnen und Mieter! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, wo Herr Dr. Nas recht hat, hat er recht: Wir brauchen dringend ein Abrissverbot fĂŒr MehrfamilienhĂ€user im Land Berlin. Ich möchte noch einmal sagen, dass es ziemlich absurd ist. Wir haben zum Beispiel die absurde Situation: Das weiĂ ich aus einem Bezirk, in dem ein Einfamilienhaus abgerissen wurde, ohne eine Genehmigung zu haben. Wissen Sie, wie viel Strafe der EigentĂŒmer zahlen muss- te, weil er einen gröĂeren Garten haben wollte? â Er hat 500 Euro dafĂŒr bezahlt. Ăbrigens haben wir bei MehrfamilienhĂ€usern Ă€hnliche FĂ€lle, wie zum Beispiel auch in der JagowstraĂe 35, in der Leute mĂŒrbe gemacht werden, Mieterinnen und Mie- ter verdrĂ€ngt werden, damit ein teurerer Luxusneubau neben dem Ersatzwohnraum entstehen kann. Auch das sind Probleme, lieber Herr Dr. Nas, liebe Koalition, um die Sie sich dringend kĂŒmmern mĂŒssen. (Dr. Ersin Nas) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6599 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Sie haben in Ihrem Koalitionsvertrag unter anderem ge- schrieben, dass der Fokus auf Umbau und Sanierung anstelle von Abriss liegt. Ich wĂŒrde Sie bitten, das, was in Ihrem Koalitionsvertrag steht, auch einmal umzusetzen. Sie haben auch hier von einer Reform des Zweckent- fremdungsverbots gesprochen. Sie wissen ganz genau, dass gerade in den Bezirken die Leute, die gegen Zweck- entfremdung, auch gegen Abriss, vorgehen, das Problem haben, dass sie in sehr langen Verwaltungsverfahren fest- stecken und oft auch gar nicht handeln können, solange die Gerichte nicht entschieden haben. Deswegen sollten wir die Rede der Faschisten hier zum Anlass nehmen, um in die GĂ€nge zu kommen. Wir brauchen dringend eine Reform des Zweckentfremdungsverbot-Gesetzes. â Vie- len Dank! Vielen Dank, Frau Kollegin! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat die Kollegin Aydin das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Zweckentfremdungsverbot-Gesetz ist ein wichtiges Instrument, um Wohnungsbestand in Berlin zu schĂŒtzen. In vielen europĂ€ischen StĂ€dten beobachten wir, dass in manchen Stadtteilen ganze HĂ€user nicht mehr zum Wohnen genutzt werden, sondern ein Flickenteppich an Ferienwohnungen entstanden ist. Der soziale Zusam- menhalt in den Kiezen geht so verloren, Menschen wer- den verdrĂ€ngt und Mietpreise steigen. Deswegen ist es gut, dass wir dieses Gesetz in Berlin seit nunmehr zehn Jahren haben, denn das Gesetz verbietet, dass Wohnun- gen lĂ€ngerfristig leer stehen, dass sie fĂŒr andere Zwecke, insbesondere Ferienwohnungen, verwendet und ohne Genehmigung abgerissen werden. Seit das Gesetz vor zehn Jahren wieder eingefĂŒhrt wurde, konnten circa 28 000 Mietwohnungen dem regulĂ€ren Wohnungsmarkt zugefĂŒhrt werden. AuĂerdem begrĂŒĂen wir als SPD-Fraktion sehr, dass das Oberverwaltungsge- richt im September 2023 geurteilt hat, dass auch Woh- nungen, die bereits vor dem Erlass des Verbots im Jahr 2014 zweckentfremdet wurden, wieder auf den Mietwoh- nungsmarkt zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Hier liegt noch ein gröĂeres Potenzial fĂŒr die RĂŒckfĂŒhrung von Wohnraum in den regulĂ€ren Wohnungsmarkt, und hier stehen die Bezirke vor der Aufgabe, die Möglichkeiten des Zweck- entfremdungsverbot-Gesetzes auszuschöpfen. Die AfD-Fraktion möchte nun in diesem erfolgreichen Gesetz eine Ănderung vornehmen, um Ein- und Zweifa- milienhĂ€user von der Abrissgenehmigung auszuschlie- Ăen. Es ist richtig, dass dies in einer Anhörung im Stadt- entwicklungsausschuss zum Zweckentfremdungsverbot- Gesetz im Januar 2024 von zwei Bezirksvertretern aus Neukölln und Tempelhof-Schöneberg adressiert wurde und sie dies als mögliche bĂŒrokratische HĂŒrde beschrie- ben haben. Ich denke aber, dass dies eine Debatte ist, die sehr sorgsam und vorsichtig gefĂŒhrt werden muss, denn wenn in zehn Jahren circa 100 oder 200 AntrĂ€ge auf Abrissgenehmigungen fĂŒr EinfamilienhĂ€user gestellt wurden, dann steht das nicht im VerhĂ€ltnis zu den knapp 30 000 zurĂŒckgefĂŒhrten Ferienwohnungen. Auch wenn ein innerstĂ€dtisches Familienhaus mit 30 Wohneinheiten leer steht, braucht es nur vier oder fĂŒnf solcher FĂ€lle, um die Anzahl aller FĂ€lle fĂŒr Abrissgeneh- migungen von EinfamilienhĂ€usern zu erreichen. NatĂŒr- lich ist es sinnvoll, wenn die Ămter den Bezirken in die- sen FĂ€lle auch Hilfestellungen anbieten können. Wenn man nun also Nutzen und Kosten abwĂ€gt, so zeigt sich, dass hier eine GesetzesĂ€nderung fĂŒr einen recht kleinen Teilbereich des Handlungsfeldes nicht angezeigt ist. Deshalb lehnen wir diesen Antrag der AfD ab. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Linksfraktion hat der Kollege Schenker das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe nicht mehr viel Zeit, deswegen mache ich es kurz: Wir werden den Antrag ablehnen. Erstens gibt kein wirk- liches Problem. Ich stimme Herrn Nas ausnahmsweise einmal zu. In aller Regel werden AntrĂ€ge ohnehin ge- nehmigt. Zweitens: Den Abriss von Wohnraum wollen wir nicht vereinfachen, sondern erschweren. Wir brau- chen ein Abrissverbot fĂŒr MehrfamilienhĂ€user. Drittens: Ich glaube, das ist das erste Mal, dass die AfD hier einen wohnungspolitischen Antrag eingebracht hat und dann zu solch einem nischigen Nonsens. Das zeigt einmal mehr, dass Sie fĂŒr die Mieterinnen und Mieter in dieser Stadt wirklich ĂŒberhaupt gar nichts anzubieten haben. â Herzli- chen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Gesetzesantrages an den Aus- schuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. â Wi- derspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf (Katrin Schmidberger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6600 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 lfd. Nr. 20: Gesetz zur Aufhebung des Gesetzes zu Artikel 29 der Verfassung von Berlin Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2359 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung des Gesetzesantrages. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Gesetzesantrags federfĂŒhrend an den Hauptausschuss sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Bildung, Jugend und Familie, den Ausschuss fĂŒr Integra- tion, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskri- minierung sowie an den Ausschuss fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten, GeschĂ€ftsordnung, Verbraucher- schutz. â Widerspruch hierzu höre ich nicht. Dann ver- fahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 21: Gesetz zum Sechsten MedienĂ€nderungsstaatsvertrag Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2406 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung der Gesetzesvorlage an den Ausschuss fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien. â Wider- spruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 22: Gesetz zum Reformstaatsvertrag Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2407 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage. Eine Beratung ist ebenfalls nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung der Gesetzesvorlage an den Aus- schuss fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 23: Gesetz zur Regelung der ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die Anerkennung von Assistenzhunden Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2408 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage. Eine Beratung ist auch hier nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung der Gesetzesvorlage an den Aus- schuss fĂŒr Arbeit und Soziales. â Widerspruch höre ich auch hier nicht, dann können wir so verfahren. Ich rufe auf lfd. Nr. 24: Wahl der Mitglieder des Stiftungsrates der Stiftung Oper in Berlin Wahl Drucksache 19/2387 Nach dem Gesetz ĂŒber die âStiftung Oper in Berlinâ wĂ€hlt das Abgeordnetenhaus vier Mitglieder des Stif- tungsrates auf Vorschlag des Senats fĂŒr die Dauer von vier Jahren. Eine entsprechende Wahl wurde zuletzt in der 77. Plenarsitzung der 18. Wahlperiode am 22. April 2021 durchgefĂŒhrt. Die Amtszeit dieser Mitglieder endet daher. GemÀà der Wahlvorlage auf Drucksache 19/2387 werden vom Senat nunmehr zur Wahl vorgeschlagen: Frau Vera GĂ€de-Butzlaff, Herr Dr. Raphael von Hoens- broech, Herr Louwrens Langevoort und Frau Dr. Nadja Scholz. â Die Fraktionen haben vereinbart, die Wahl en bloc mittels Handaufheben durchzufĂŒhren. Wer also die Genannten zu Mitgliedern des Stiftungsrates der Stiftung Oper in Berlin wĂ€hlen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind alle Fraktionen, inklusive eines fraktionslosen Abgeordneten. Damit sind die vorgeschla- genen Personen gewĂ€hlt. Ich rufe auf lfd. Nr. 25: Wahl eines Mitglieds des PrĂ€sidiums des Abgeordnetenhauses Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2420 In der 27. Plenarsitzung am 16. MĂ€rz 2023 erfolgte die Wahl des PrĂ€sidiums. Auf Vorschlag der Fraktion Die Linke wurde unter anderem Herr Ferat Koçak zum Mit- glied des PrĂ€sidiums gewĂ€hlt. Herr Koçak gehört, wie eingangs mitgeteilt, nicht mehr dem Abgeordnetenhaus an und ist somit auch aus dem PrĂ€sidium ausgeschieden. FĂŒr die Nachfolge schlĂ€gt die Fraktion Die Linke Frau Abgeordnete Franziska Leschewitz vor. Die Fraktionen haben vereinbart, die Wahl durch einfaches Abstimmen mittels Handaufheben durchzufĂŒhren. Wer die Kollegin zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzei- chen. â Das sind die CDU-Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die Linksfraktion und ein fraktionsloser Abgeordneter. Gegenstimmen? â Bei Gegenstimmen der AfD-Fraktion. Damit ist die Ab- geordnete Leschewitz Mitglied des PrĂ€sidiums des Berli- ner Abgeordnetenhauses. (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6601 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Herzlich willkommen im PrĂ€sidium! Herzlichen GlĂŒck- wunsch und auf gute Zusammenarbeit! Ich rufe auf lfd. Nr. 26: Wahl eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2421 In der 31. Plenarsitzung am 25. Mai 2023 erfolgte die Wahl der Mitglieder des Ausschusses fĂŒr Verfassungs- schutz. Auf Vorschlag der Fraktion Die Linke wurde Herr Ferat Koçak zum stellvertretenden Mitglied gewĂ€hlt. Herr Koçak gehört, wie eingangs mitgeteilt, nicht mehr dem Abgeordnetenhaus an und ist somit auch aus diesem Gremium ausgeschieden. FĂŒr die Nachfolge schlĂ€gt die Fraktion Die Linke Herrn Abgeordneten Dr. Michael Efler vor. Die Fraktionen haben vereinbart, die Wahl durch einfaches Abstimmen mittels Handaufheben durch- zufĂŒhren. Wer den Kollegen also zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die CDU- Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die Linksfraktion und ein fraktionsloser Abge- ordneter. Gegenstimmen? â Enthaltungen? â Bei Enthal- tungen der AfD-Fraktion ist der Abgeordnete Dr. Efler damit zum stellvertretenden Mitglied des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz gewĂ€hlt. Die Tagesordnungspunkte 27 bis 34 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 35: Der Kleingartenentwicklungsplan 2030 (KEP 2030) â ein wichtiger Schritt zum Schutz der KleingaÌrten in Berlin, weitere Schritte mĂŒssen folgen! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Umwelt- und Klimaschutz vom 3. April 2025 Drucksache 19/2369 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1021 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, und hier der Abgeordnete Dr. AltuÄ. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Herr Dr. AltuÄ! Vielen Dank, auch wenn ein paar kritische Töne dabei waren, ganz unselbstkritisch waren sie auch nicht, denn wir haben seit zwei Jahren eine Koalition aus CDU und SPD, die sich gemeinsam auf den Weg ge- macht hat, ein Kleingartensicherungsgesetz zu organisie- ren und damit die KleingĂ€rtner mit einem anderen Schutz auszustatten. Das ist vorher aus unterschiedlichen GrĂŒn- den nicht gelungen, auch wenn jede Diskussion im Um- weltausschuss immer wieder zeigt, dass alle Fraktionen nicht nur bemĂŒht sind, sondern mit eigenen VorschlĂ€gen aufwarten, um KleingĂ€rten langfristig zu sichern. Wir haben mit Niklas GraĂelt, Christian GrĂ€ff, Alexander Herrmann und vielen anderen Kollegen bei uns viele CDU-Abgeordnete, die darauf Wert legen, dass wir diese Sicherung vollziehen und organisieren. Wir sind jetzt in einem Stadium, wo wir zwar das Klein- gartensicherungsgesetz noch nicht vorlegen können, aber bereits der Landesverband der Gartenfreunde involviert ist. Heute Abend haben wir wieder eine Veranstaltung in Spandau beim Kollegen Thorsten Schatz aus Spandau, der dort Stadtrat fĂŒr dieses Thema ist, wo die KleingĂ€rt- ner zusammenkommen, um noch mal darĂŒber zu disku- tieren, wie es weitergeht und welche Perspektiven es gibt. Das sind alles sehr gute Entwicklungen. Wir werden in der zweiten JahreshĂ€lfte also nicht nur den Haushalt diskutieren, sondern wir werden auch die groĂe Aufgabe haben, dieses Kleingartensicherungsgesetz hier zu besprechen. Das wird einige SchwĂ€chen haben. Siche- rung von KleingĂ€rten auf privaten FlĂ€chen wird da nicht enthalten sein, aber wir werden uns sehr sicher darum kĂŒmmern, dass auf öffentlichen FlĂ€chen eine Zweckentfremdung, eine Stilllegung von KleingĂ€rten de facto fast unmöglich wird und nur dann in AusnahmefĂ€llen möglich wird, wenn wirklich gesamtstĂ€dtische Interessen ĂŒberwiegen. Die können im Wohnungsbau und auch teilweise im Ver- kehrsbereich liegen, aber in jedem Fall mĂŒssten diese im Berliner Abgeordnetenhaus miteinander debattiert wer- den, auch mit der Anhörung der Gartenfreunde. Und â das finde ich fast das wichtigste Signal â es mĂŒsste Aus- gleich fĂŒr diese Parzellen geschaffen werden. Ich glaube, wenn man das in ein gutes Paket bringt, dann ist das ein Meilenstein. Weil ich immer so ein leises Rauschen von der Linksfrak- tion höre â Sie haben es unterlassen, das in den letzten Jahren zu machen. Sie haben jetzt natĂŒrlich die Chance, uns zu prĂ€sentieren, was Sie gerne machen wĂŒrden. Es ist aber immer ein bisschen leichter â da könnten Sie auch gerne mehr Selbstkritik Ă€uĂern â, aus der Oppositionsrolle zu sagen: Ich habe da jetzt mal eine ganz tolle Idee, aber ich habe keine Antwort auf die gesellschaftliche und Bevölke- rungsentwicklung dieser Stadt. â Wo werden Sie denn die ErsatzflĂ€chen fĂŒr die Leute schaffen? Wie wollen Sie das denn auf privaten FlĂ€chen sichern? Und wie wollen Sie die Interessen der gesamtstĂ€dtischen Entwicklung trotz- dem abbilden? Ich glaube, darauf haben Sie keine (Dr. Turgut AltuÄ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6603 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Antwort, Sie können es gleich machen, das ist ja Ihre legitime Möglichkeit, ich sehe sie nur nicht. Ich darf das hier im Hohen Haus schon 14 Jahre mitbe- gleiten. Bei uns gibt es, wie gesagt, viele, die da eigene Erfahrungen haben. Ich komme ĂŒbrigens aus der kleinen GemĂŒtlichkeit in Johannisthal, wo meine Ureltern, GroĂ- eltern eine Kleingartenanlage hatten. Ich weiĂ das zu schĂ€tzen. Ich will noch ein Kompliment an die Garten- freunde loswerden. Herr Kollege! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kol- legen Dr. AltuÄ?
Ja, immer gerne! Bitte!
Also zugegeben, jetzt ist der Senat gefragt. Ich persönlich sehe das so, dass wir eine Gesetzgebungskompetenz haben. Und ich wollte gerade noch ein Kompliment an die Gar- tenfreunde loswerden. Wir entwickeln uns ja auch im Kleingartenwesen weiter. Das waren oft, nicht böse ge- meint, geschlossene Parzellen, und wenn man GlĂŒck hatte, war da ein Weg, wo man durchlaufen konnte, und am anderen Ende hatte man vielleicht einen Zaun, der mal geöffnet, mal geschlossen war. Mittlerweile haben wir Kleingartenparks. Wir haben viele kulturelle, gesell- schaftliche Veranstaltungen, die dort stattfinden, auch damals schon, jetzt wieder stĂ€rker. Und es findet Um- weltbildung statt. Ăkologisch, darĂŒber haben wir jetzt noch nicht viel gesprochen, hat es sowieso einen groĂen Wert, diese FlĂ€chen zu erhalten, aber es Ă€ndert sich auch etwas im Kleingartenwesen. Deswegen ist es richtig, das mit einem Gesetz zu unter- stĂŒtzen. Es ist aber auch richtig, Ausnahmen zuzulassen, und dabei wird es seitens der CDU-Fraktion auch bleiben, damit wir die gesamtstĂ€dtische Entwicklung trotzdem vorantreiben können, aber immer mit dem Blick auch auf die KleingĂ€rtner. Ich finde, das ist eine gute Entwicklung. Dazu haben Sie alle mit beigetragen. Herzlichen Dank dafĂŒr! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die Linksfraktion hat der Kollege Dr. Efler das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Erst einmal freue ich mich sehr, diesem Haus wieder angehören zu dĂŒrfen. Und ich freue mich auch sehr darauf, mit vielen von Ihnen die Klingen zu kreuzen, natĂŒrlich gewaltfrei, rein argumentativ und hoffentlich konstruktiv. Vielleicht ergibt sich auch die eine oder andere Gelegenheit zur konstruktiven Zusammenarbeit ĂŒber die demokratischen Fraktionen hinweg, und zwar möglicherweise auch zum Thema KleingĂ€rten. Ich denke, das ist ein Thema, wo sich eine solche Zusammenarbeit anbieten könnte, denn wir scheinen hier im Haus einen Konsens zu haben, dass wir einen möglichst wirkungs- vollen Schutz von KleingĂ€rten wollen. Der Linken ist dieser Schutz immens wichtig. KleingĂ€r- ten erfĂŒllen eine Reihe von wichtigen Funktionen. Sie schaffen wohnortnahe Erholungsmöglichkeiten im GrĂŒ- nen. Sie kĂŒhlen die Stadt ab, was wir angesichts der Kli- makrise dringend brauchen. Und sie stĂ€rken auch die Artenvielfalt. Sie sind insbesondere wichtig fĂŒr Men- schen, die nicht mit einem goldenen Löffel geboren wor- den sind, zum Beispiel ĂŒber ein Eigenheim mit einem groĂen Garten verfĂŒgen oder einen schönen groĂen Bal- kon beziehungsweise das eben nicht haben. Viele Klein- gĂ€rtnerinnen und KleingĂ€rtner sind normal oder niedrig- verdienende Menschen, die in engen Wohnungen, teil- weise zu engen Wohnungen leben und auf diese FlĂ€chen zur Erholung dringend angewiesen sind. Deswegen haben diese KleingĂ€rten eine unverzichtbare soziale Funktion. Deswegen wollen wir möglichst alle KleingĂ€rten in Ber- lin erhalten. (Danny Freymark) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6604 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Ich sagte es bereits, wir sind bei diesem Ziel, KleingĂ€rten zu erhalten, anscheinend weitgehend einig, also geht es um den Weg. Jetzt hat die GrĂŒnenfraktion einen Antrag mit einem sehr langen Namen und einem sehr langen und komplizierten Inhalt bereits vor zwei Jahren vorgelegt, bringt ihn jetzt zur Abstimmung und sagt im Kern: Wir sollen den Kleingartenentwicklungsplan beschlieĂen und den Senat zu einigen durchaus sinnvollen Handlungen und PrĂŒfungen auffordern. Das Kernproblem, ĂŒber das wir seit Jahren streiten, ist ganz einfach: Dieser Kleingartenentwicklungsplan hat keine rechtliche Durchschlagskraft. Er hat sie schlicht und ergreifend nicht. Es ist ein informelles, mittel- bis langfristiges Entwicklungskonzept. Es ist nicht einklag- bar. Es kommt mehr einer freiwilligen Selbstverpflich- tung gleich. Es muss natĂŒrlich bei der Bauleitplanung mit in die AbwĂ€gung genommen werden, das ist richtig, aber mehr eben auch nicht. Ich verstehe das einfach nicht mehr, wenn uns eine Sache wichtig ist, dann sollten wir sie in ein Gesetz schreiben. Das haben wir hier schon vor Jahren diskutiert. Herr Kollege! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kol- legen Dr. AltuÄ?
Nein, das diskutieren wir im Ausschuss! â Deswegen sind wir schon lĂ€nger der Auffassung, dass wir das schĂ€rfstmögliche Schwert unterhalb der Verfassung zur Anwendung bringen wollen, und das ist ein Gesetz. Wir wollen ein KleingartenflĂ€chensicherungsgesetz. Ich kann sagen â ich bin nicht dafĂŒr verantwortlich, was möglich- erweise in der Vergangenheit angekĂŒndigt worden ist â, es wird in der nĂ€chsten Plenarsitzung, so meine Fraktion diesem Gesetzentwurf zustimmt, dieses Gesetz vorgelegt. Wir werden darĂŒber beraten können. Interessanterweise denkt der Senat in die gleiche Richtung. Ich hörte davon, dass es eine Pressekonferenz in einem Kleingarten gab, dramatisch inszeniert. Die CDU war nicht eingeladen. Das finde ich ein bisschen seltsam, aber das ist jetzt auch nicht mein Problem. Das mĂŒssen Sie in der Koalition mit sich ausmachen. Offensichtlich hat der Senat die gleiche Rechtsauffas- sung. Das ist schon mal nicht schlecht. Wir wollen und werden noch mal genau rĂŒbergehen, aber wir wollen sowohl landeseigene FlĂ€chen als auch private FlĂ€chen schĂŒtzen. Wir haben uns da sehr viel MĂŒhe gegeben. Lassen Sie uns darĂŒber im Ausschuss beraten, eine Anhö- rung machen und dann hier das beste Gesetz beschlieĂen! Klar ist doch eines, wenn diese Wahlperiode endet, haben wir in diesem Haus ein KleingartenflĂ€chensicherungsge- setz beschlossen. Basta! â Schönen Dank! Ich freue mich auf die Zusammenarbeit. Bis zum nĂ€chsten Mal! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat die Kollegin Vierecke jetzt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe KleingĂ€rtnerinnen und KleingĂ€rtner! Ich freue mich natĂŒrlich, dass wir in diesem Haus hier ĂŒber die KleingĂ€rten reden, denn die Sicherung der KleingartenflĂ€chen muss PrioritĂ€t fĂŒr diesen Senat haben. Die GrĂŒnenfraktion möchte heute allerdings ĂŒber den Kleingartenentwicklungsplan reden. Ich denke, fĂŒr die Sicherung der KleingĂ€rten â das hat die Vergangenheit ja auch gezeigt â ist das eigentlich kein geeignetes Tool. Wie gesagt: Es ist ein informelles Planwerk. Es ist kein Sicherungstool. Und: Dieser Plan hat ganz eindeutig ein Enddatum, und das ist das Jahr 2030. Das heiĂt: Die GĂ€rten, die da gerade drinstehen, haben einen Schutz, aber nur bis in das Jahr 2030, und genau das wollen wir in dieser Koalition ĂŒberwinden. Wir wollen kein End- datum fĂŒr die GĂ€rten in dieser Stadt, sondern diese lang- fristig erhalten. Wir kĂ€mpfen fĂŒr eine gesetzliche Siche- rung, und das ist auch das Bekenntnis dieser Koalition, das wir gemeinsam nach vorne tragen. â Lieber Senat: Jetzt ist die Gartenzeit, und jetzt ist es auch Zeit fĂŒr ein KleingartenflĂ€chensicherungsgesetz. Ich freue mich, dass der Senat kurz davor ist, dieses Ge- setz einzubringen. Was uns als SPD-Fraktion dabei auf jeden Fall ganz wichtig ist, möchte ich noch einmal sa- gen: Wir brauchen natĂŒrlich ein Gesetz, das die GĂ€rten wirklich sichert. Da haben wir uns entschieden, dass wir in dem Gesetz die landeseigenen FlĂ€chen angehen und uns darauf zunĂ€chst konzentrieren. Klar ist: NatĂŒrlich möchte auch ich die privaten Anlagen in dieser Stadt sichern; das ist ganz klar. Die Frage ist aber, was wir jetzt gesetzlich machen können. Ich erinnere mich an die Diskussionen aus der letzten Legislatur. Ich habe mir das damals alles noch als Klein- gĂ€rtnerin angehört und habe immer gedacht: Meine GĂŒte, warum geht das nicht vorwĂ€rts? â Und ich glaube, man hat sich in den Diskussionen auch gut verhakt, weil man ganz viel wollte. Man wollte nicht nur die privaten An- lagen hineinpacken, sondern man wollte auch noch ganz viel hineinpacken, was schon im Bundeskleingarten- gesetz geregelt ist. Deshalb ist es nicht zustande gekom- men. Insofern plĂ€diere ich sehr fĂŒr eine Einbringung und (Dr. Michael Efler) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6605 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 fĂŒr ein ordentliches Gesetz, das eben diese landeseigenen FlĂ€chen sichert. Um es einmal zu sagen: Das ist nicht nichts. Das sind 82 Prozent der FlĂ€chen in dieser Stadt. Das ist ein richtig groĂer Wurf, und ich finde: Wenn der Senat das jetzt macht, ist das wirklich ein richtiges Bekenntnis zu den GĂ€rten dieser Stadt. Es ist ein Gesetz, das die GĂ€rtnerinnen und GĂ€rtner in dieser Stadt schon sehr lange fordern und zu dem jeder Politiker, der hier fĂŒr irgendetwas angetreten ist, auch schon in einer Kleingartenanlage saĂ und es versprochen hat. Ich finde, wir mĂŒssen jetzt auch einmal liefern. Das hat GrĂŒnde, denn seit 1990 ist ein Drittel der FlĂ€chen fĂŒr KleingĂ€rten in dieser Stadt verschwunden. Die gibt es nicht mehr, und wir können es uns in unserer jetzigen Situation nicht leisten, noch mehr GĂ€rten zu verlieren. Wir brauchen diese FlĂ€chen in der Stadt â als Kaltluft- schneisen, fĂŒr ökologische Vielfalt und auch fĂŒr den sozialen Zusammenhalt. Deswegen sind die KleingĂ€rten fĂŒr uns als SPD-Fraktion auch so immens wichtig: Was hĂ€lt diese Stadt denn zusammen? â Begegnungen, Ge- meinsamkeit, gemeinsam gĂ€rtnern, gemeinsam feiern, Hilfe ĂŒber den Gartenzaun, GesprĂ€che zwischen Jung und Alt. Und was die anderen Anlagen angeht, die privaten: Auch hier kĂ€mpfen wir fĂŒr eine Sicherung. Diese sind uns nicht weniger wert. Ich finde, die Bezirke sind ganz klar auf- gefordert, hier auch entsprechende BebauungsplĂ€ne auf- zustellen, die eben festschreiben, dass dort eine Klein- gartenanlage ist und dass dort nicht gebaut wird. Ich kenne den Fall: Bei mir in Pankow kĂ€mpft die Alte Baumschule dafĂŒr, dass sie gesichert wird. Dort ist es der grĂŒne Stadtrat, der diese Sicherung trotz BVV nicht in einem Bebauungsplan regelt. Das ist ein VersĂ€umnis. â Da können Sie gern Druck machen, lieber Herr AltuÄ. Lieber Senat! Liebe Frau Bonde! Ich weiĂ, Sie und Ihr Haus arbeiten jetzt in den letzten ZĂŒgen am Gesetz. DarĂŒber freue ich mich sehr. Es hat ein bisschen lĂ€nger gedauert, aber ich glaube, es ist auch wichtig, dass es dann auch rechtlich zulĂ€ssig ist. Genau das passiert jetzt, aber jetzt ist Gartenzeit. Bringen Sie das Gesetz ein, und dann reden wir als Parlament auch ausfĂŒhrlich darĂŒber, nicht nur hier, sondern auch in den Kleingartenanlagen dieser Stadt. Auch, wenn KleingartenflĂ€chensicherungs- gesetz ein ziemliches Unwort ist: FĂŒr mich klingt es wie Musik in meinen Ohren. â Danke schön! Vielen Dank, Frau Kollegin! â Dann hat der Kollege Dr. AltuÄ die Gelegenheit zu einer Zwischenbemerkung.
Vielen Dank! â Ich glaube, es ist wichtig, dass es dann einen Entwurf gibt, ĂŒber den wir reden können. Ich glaube, man sollte jetzt hier auch nicht ĂŒber ganz ungelegte Eier reden. Das ist genauso, wenn die Links- fraktion kommt und sagt: Wir haben so einen Entwurf, der kommt bald. â Am Ende mĂŒssen wir halt ĂŒber Papier reden, und das ist auch ganz wichtig. Deshalb drĂ€nge ich ja auch so darauf. (Linda Vierecke) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6606 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Beim Kleingartenentwicklungsplan ist es nun mal so, dass es keine gesetzliche Sicherung ist. Das ist so. Ich habe die Diskussion unter den KleingĂ€rtnerinnen und KleingĂ€rtnern lange erlebt: Wenn jemand dort einen Garten pachtet, und der ist bis 2030 gesichert, dann ist das keine langfristige Sicherung. Das ist kein Gesetz. Da stehen ganz viele tolle Sachen drin, auch ĂŒber den Nutz- wert, aber es ist kein Gesetz. Ein Gesetz ist eine andere Stufe von Sicherung, und das ist der Punkt, glaube ich. Deswegen wollen wir da ran â nicht, weil wir sagen, dass im Kleingartenentwicklungsplan Quatsch drin steht, ĂŒberhaupt nicht. Das wĂŒrde ich alles so unterstreichen. Aber am Ende geht es darum: Wollen wir die gesetzliche Sicherung oder nicht? â Und da hat sich diese Koalition entschieden, diesen Weg zu gehen. â Danke! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordne- te Bertram jetzt das Wort.
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr geehrte Kollegen! Sehr geehrter Herr Kollege AltuÄ! Erst einmal freue ich mich sehr, dass Sie das Thema heute auf die Tages- ordnung gesetzt und aufgerufen haben. Ich glaube, gerade durch die Berichterstattung in den letzten Wochen ist es gut und richtig, dass wir heute einmal ĂŒber das Thema KleingĂ€rten diskutieren. Das kommt in der Debatte auch immer ein wenig zu kurz, finde ich, deswegen freue ich mich, dass wir das heute einmal ausfĂŒhrlicher besprechen können. Ich hatte es damals ja auch bereits im Ausschuss gesagt: Die mehr als 70 000 Parzellen, die wir in Berlin haben, sind ein echtes Kleinod, um das uns andere Metropolen weltweit beneiden. Und natĂŒrlich sind KleingĂ€rten auch ein ganz zentraler Bestandteil unserer Kultur. Darum ist es lange ĂŒberfĂ€llig, dass wir die KleingĂ€rten endlich ef- fektiv, dauerhaft und vor allen Dingen auch unkompli- ziert schĂŒtzen. Ich gebe Ihnen recht: Das, was wir bisher von Senat und Koalition zu dem Thema gehört haben, ist noch nicht befriedigend. Ich freue mich schon sehr auf die Debatte im Ausschuss und auf die ĂnderungsantrĂ€ge, die wir da sicherlich alle einbringen werden, und auf die Debatte, die wir dazu fĂŒhren werden. Es gibt an Ihrem Antrag aber ein ganz zentrales Problem, denn der Antrag bietet eben- so keinen effektiven Schutz. Den gibt es im Rahmen Ihres Antrags schlichtweg nicht. Ganz im Gegenteil: Der von Ihnen vorgeschlagene Entwicklungsplan verfehlt irgendwo das eigentliche Ziel, und im Ergebnis werden die KleingĂ€rten sogar noch belastet. Nehmen wir einmal den durchaus interessanten analy- tischen Teil, der im Kleingartenentwicklungsplan steckt, heraus: Was bleibt dann an konkreten Forderungen noch ĂŒbrig? â Sie schlagen sehr konkret die Teilung und Ver- kleinerung von Parzellen vor. Sie schlagen die Ent- grenzung der Parzelle vor, und Sie schlagen vor, dass sich die KleingĂ€rten öffnen mĂŒssen, um pĂ€dagogische Aufga- ben zu ĂŒbernehmen. Gerade diese zwangsweise Ăffnung von KleingĂ€rten wird aber so nicht funktionieren, denn bereits jetzt ĂŒbernehmen KleingĂ€rten und KleingĂ€rtner Aufgaben im Bereich der Umweltbildung, und dies ganz ohne Zwang, ohne Druck und irgend-welche Ansprachen durch den Senat, sondern ganz simpel aus bĂŒrgerschaftli- chem Engagement und aus Verantwortung fĂŒr unsere Stadt heraus. Da braucht es diese Ansprache ganz sicher gerade nicht. Dann bringen Sie noch das Thema Urban Gardening mit hinein, Sie bringen das Thema interkulturelle GĂ€rten mit hinein; und Sie bringen im Rahmen des KEP die Verklei- nerung von Lauben ins GesprĂ€ch. Mit diesem Potpourri an VorschlĂ€gen, Forderungen und irgendwelchen auch scheinbaren Lösungen leisten Sie dem ganzen Anliegen Kleingartensicherung in meinen Augen aber einen echten BĂ€rendienst. Um die KleingĂ€rten zu sichern, gibt es ei- gentlich nur eine echte Lösung, und das ist ein echtes KleingartenflĂ€chensicherungsgesetz, wie wir es bereits seit Jahren fordern und auch mit einem ganz konkreten Antrag vorgelegt haben, denn wir mĂŒssen Ă€hnlich dem Dauerwaldvertrag von 1915, der unsere Berliner WĂ€lder schĂŒtzt, nun auch endlich unsere Berliner KleingĂ€rten schĂŒtzen. Das und nichts anderes haben uns auch die KleingĂ€rtner vor mehr als zwei Jahren in der Aus- schussdebatte in das Stammbuch geschrieben. Daher freue ich mich, wenn wir dann endlich den Entwurf des Senats vorliegen haben, und dann einmal schauen, was wir daraus machen können. Herr Kollege, wenn Sie mögen, könnten Sie eine Zwi- schenfrage des Kollegen AltuÄ beantworten.
Ja, selbstverstÀndlich, gern! Bitte schön!
Darauf kann ich gern eingehen. Ich glaube Ihnen sogar, dass Sie die KleingartenflĂ€chensicherung im Rahmen eines Gesetzes auf den Weg bringen wollen. Das ist auch ganz unbenommen, aber ich glaube, dass der KEP, den Sie vorgelegt haben, einfach so viele Sachen umfasst, die dem ganzen Anliegen KleingĂ€rten an der Stelle nicht nĂŒtzen, so wie ich es ausgefĂŒhrt habe. Was das Kleingar- tenflĂ€chensicherungsgesetz betrifft, kann ich Sie nur einladen, auf Ihre Fraktion hinzuwirken, unserem Antrag, der demnĂ€chst im Ausschuss ist, zuzustimmen, denn da liegt es nun einmal vor â kurz und knackig. Sie haben angedeutet, dass Ihnen das zu kurz ist, aber mehr braucht es eben auch nicht, um die KleingĂ€rten zu schĂŒtzen. Da braucht es keine zwei-, dreihundert Seiten KEP dazwi- schen, sondern es braucht einfach nur unseren Geset- zesentwurf, den es dann zu beschlieĂen gilt. â Herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen auf Drucksa- che 19/1021 empfiehlt der Fachausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/2369 mehrheit- lich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und bei Enthaltung der Fraktion Die Linke â die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das ist die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen. Wer stimmt dagegen? â Das sind die Fraktionen von CDU, SPD und AfD. Wer enthĂ€lt sich? â Das sind die Fraktion Die Linke und ein fraktionsloser Abgeordneter. Damit ist der Antrag abgelehnt. Dann habe ich Ihnen die Ergebnisse der geheimen Wah- len zu verkĂŒnden, und zwar zunĂ€chst den Punkt 6 der Tagesordnung, die Wahl eines stellvertretenden Mitglieds und der oder des stellvertretenden Vorsitzenden fĂŒr den Untersuchungsausschuss Neukölln II, die Drucksache 19/0909. Auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion sind entfallen: als stellvertretendes Mitglied auf Abgeordneten Robert Eschricht 132 abgegebene Stimmen, 1 war ungĂŒl- tig, 19 Ja-Stimmen, 108 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretender Vorsitzender wurden auf den Abgeordneten Karsten Woldeit 132 Stimmen abgegeben, davon auch 1 ungĂŒltig, 18 Ja-Stimmen, 107 Nein-Stimmen, 6 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt. Punkt 7 der Tagesordnung war die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10- Kommission des Landes Berlin gemÀà der Drucksache 19/0915. Hier sind auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion folgende Stimmen entfallen: als Mitglied auf Herrn Abgeordneten Marc Vallendar 132 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltig, 17 Ja, 111 Nein und 3 Enthal- tungen, nicht gewĂ€hlt; und als stellvertretendes Mitglied auf Herrn Abgeordneten Carsten Ubbelohde 132 abgege- bene Stimmen, 1 ungĂŒltige, 19 Ja-Stimmen, 109 Nein- Stimmen, 3 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 8 war die Wahl von zwei Mitglie- dern des PrĂ€sidiums des Abgeordnetenhauses gemÀà Drucksache 19/0936. Hier sind auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion folgende Stimmen entfallen: auf Herrn Abgeordneten Wiedenhaupt 132 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltige Stimme, 22 Ja-Stimmen, 105 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; und auf Herrn Abgeordne- ten Karsten Woldeit auch 132 abgegebene Stimmen, aber 2 ungĂŒltige, 19 Ja-Stimmen, 107 Nein-Stimmen, 4 Ent- haltungen, nicht gewĂ€hlt. Punkt 9 der Tagesordnung war die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds fĂŒr den Ausschuss fĂŒr Verfassungsschutz, die Drucksache 19/1000. Hier sind auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion entfallen: als Mitglied auf Herrn Abgeordneten Martin Trefzer 132 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltige, 18 Ja-Stimmen, 109 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; und als stellvertretendes Mitglied auf Herrn Abgeordneten Carsten Ubbelohde 132 abgegebene Stimmen und 2 ungĂŒltige Stimmen, 18 Ja-Stimmen, 108 Nein-Stim- men, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt. Punkt 10 der Tagesordnung war die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds fĂŒr das Kuratorium der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung, Drucksache 19/1008. Auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion sind die Stimmen wie folgt entfallen: als Mitglied auf Herrn Abgeordneten Gunnar Lindemann 132 abgegebene und 2 ungĂŒltige Stimmen, 19 Ja-Stim- men, 107 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; und als stellvertretendes Mitglied auf Herrn Abgeordne- ten Tommy Tabor 132 abgegebene und 2 ungĂŒltige Stimmen, 20 Ja-Stimmen, 106 Nein-Stimmen, 4 Enthal- tungen, nicht gewĂ€hlt. Punkt 11 der Tagesordnung war die Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds fĂŒr das Kuratorium des Lette-Vereins, Drucksache 19/1057. Hier sind auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion folgende Stimmen entfallen: als Mitglied auf Frau Abgeordnete Auricht 132 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltige, 19 Ja-Stimmen, 108 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; und als stellvertretendes Mitglied auf den Abgeordneten Ber- tram 132 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltige, 20 Ja- Stimmen, 106 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt. (Dr. Turgut AltuÄ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6608 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Tagesordnungspunkt 12: Da geht es um das Kuratorium des Pestalozzi-Fröbel-Hauses. Als Mitglied hatte sich dort fĂŒr die AfD-Fraktion die Abgeordnete Dr. Kristin Brinker beworben: 132 abgegebene Stimmen, keine un- gĂŒltige Stimme, 19 Ja-Stimmen, 106 Nein-Stimmen, 7 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; und als stellvertretendes Mitglied der Abgeordnete Dr. Bronson: 132 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltige Stimme, 18 Ja-Stimmen, 109 Nein- Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt. Dann kommt der Beirat der Berliner Stadtwerke GmbH, der Punkt 13 der Tagesordnung, auf Drucksache 19/1247. Hier war der Wahlvorschlag der AfD-Fraktion der Abge- ordnete Lindemann: 132 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒl- tige Stimme, 19 Ja, 109 Nein, 3 Enthaltungen, nicht ge- wĂ€hlt. SchlieĂlich der Punkt 14 der Tagesordnung, die Wahl von zwei Mitgliedern und zwei stellvertretenden Mitgliedern fĂŒr die Enquete-Kommission âFĂŒr gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Mus- limfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierungâ, Drucksache 19/2068: Hier entfielen auf die Wahlvor- schlĂ€ge der AfD-Fraktion die folgenden Stimmen: als Mitglied auf Frau Abgeordnete Auricht 132 abgegebene Stimmen, 8 ungĂŒltige Stimmen, 18 Ja-Stimmen, 103 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; als stellvertretendes Mitglied auf Herrn Abgeordneten Han- sel auch 132 abgegebene Stimmen und 8 ungĂŒltige, 21 Ja-Stimmen, 99 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; als SachverstĂ€ndigen auf Feroz Khan 132 abge- gebene Stimmen, 8 ungĂŒltige Stimmen, 19 Ja-Stimmen, 101 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt; und schlieĂlich als stellvertretenden SachverstĂ€ndigen auf Herrn Dr. Fabian Schmidt-Ahmad 132 abgegebene Stimmen, 8 ungĂŒltige Stimmen, 19 Ja-Stimmen, 100 Nein-Stimmen und 5 Enthaltungen, nicht gewĂ€hlt. Der Tagesordnungspunkt 36 war die PrioritĂ€t der Frakti- on der CDU mit der Nummer 5.5, und die Tagesord- nungspunkte 37 bis 40 stehen auf der Konsensliste. Deswegen folgt lfd. Nr. 41: BĂŒrokratieabbau in Berliner KrankenhĂ€usern Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Gesundheit und Pflege vom 12. Mai 2025 Drucksache 19/2416 zum Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2279 hierzu: Ănderungsantrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2279-1 In der Beratung beginnt die Fraktion der CDU, und dafĂŒr steht der Abgeordnete Zander bereit.
Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie haben es gerade gehört: Es ist eine Beschlussempfehlung. Das heiĂt, wir haben auch schon im Ausschuss darĂŒber geredet, und das gibt mir, obwohl ich der erste Redner bin, die Gelegenheit, schon einmal auf einige Punkte einzugehen, die wahrscheinlich auch heute wieder von- seiten der Opposition eingebracht werden können. Es ist verstĂ€ndlich, dass man als Opposition immer nach dem Haar in der Suppe sucht, aber ich kann Ihnen versi- chern: Es schwimmt dort kein einziges Haar. Wir fangen mit drei Punkten an, die ich mir herausge- sucht habe, was so die EinwĂ€nde waren. Die einen haben gesagt: Na ja, fĂŒhrt das, was ihr dort wollt, nicht eigent- lich zu mehr BĂŒrokratie, obwohl es unter einer anderen Unterschrift ist? â Die ganz klare Antwort ist: Es fĂŒhrt nicht zu mehr BĂŒrokratie, denn das, was wir vorgeschla- gen haben, ist ein sehr schlankes Verfahren. Wir haben ein Ergebnis aus Bayern. Dieses Ergebnis ist wissen- schaftlich evaluiert und wird auch in der Praxis angewen- det. Das heiĂt, es wurden im Prinzip alle Vorarbeiten geleistet, auf die wir zurĂŒckgreifen mĂŒssen. Die GrĂŒnen haben einen Ănderungsantrag vorgebracht, der ein bisschen anders aussieht als noch in der Aus- schusssitzung. Dort fordern sie einen Arbeitskreis. Wir sind aber gar nicht mehr in dem Stadium des Arbeitskrei- ses, wo man nicht mehr weiter weiĂ. Wir wissen ja, was wir tun wollen und sollen. Deshalb ist unser Aktions- bĂŒndnis hier genau das Richtige. Wir reden hier immer davon, warum wir nicht einfach die Low-hanging Fruits pflĂŒcken. Hier ist es so, dass wir sie nicht einmal mehr pflĂŒcken mĂŒssen. Sie werden schon auf dem Silbertablett serviert. Deshalb brauchen wir einfach nur zugreifen. Alle MaĂnahmen, die dort auch vorgeschlagen wurden, sind in Bayern, weil es auch so ein bisschen kritisch in dem Ănderungsantrag anklingt â â Sie können alle ohne Abstriche bei der Versorgungssicherheit und Versor- gungsqualitĂ€t durchgefĂŒhrt werden. Der zweite Punkt ist: Warum adressiert ihr das dann so ein bisschen an den Senat? Ist es nicht Sache der Kran- kenhaustrĂ€ger mit den Krankenkassen und dem medizini- schen Dienst? â Ich sage: Nein, es ist falsch, das so zu sehen. Das bayerische Modell hat bundesweit eine sehr positive Resonanz erfahren. Aber trotzdem ist es so, dass es in Berlin, obwohl das nun schon ein paar Monate alt ist, nicht angewendet wird. Das heiĂt, wir brauchen den Senat als Impulsgeber, als InitialzĂŒndung, damit sich diese Gruppen, die sich ja auch schon damit beschĂ€ftigt (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6609 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 haben, aber sich irgendwie noch nicht aufraffen konnten, zusammentun und das Ganze dann auch tatsĂ€chlich ange- hen und auch umsetzen. Das heiĂt, das Land Berlin bringt die Partner zusammen und ist auch selber verantwortlich. Einige Sachen wurden festgestellt: Wir können teilweise etwas lösen, aber noch nicht so weitgehend, wie wir uns das wĂŒnschen. Da brauchen wir Initiativen auf der Bun- desebene, GesetzesĂ€nderungen. Da ist es natĂŒrlich Auf- gabe der Politik, auch des Landes Berlin, hier gemeinsam mit den anderen LĂ€ndern wie Bayern auf die Bundespoli- tik einzuwirken, dass wir auch diese weitergehenden Schritte gehen können. Da muss man sich natĂŒrlich auch committen, wie man das Ganze angeht und was man genau hat. Insofern ist es auch genau Aufgabe des Lan- des. Und weil wir auch dabei sind, das Landeskrankenhausge- setz zu Ă€ndern: Das ist natĂŒrlich auch etwas, das wir hier als Gesetzgeber machen, das vom Senat vorbereitet wird. Insofern komme ich dann auch zu Punkt 3, zum dritten Haar, das vielleicht noch in der Suppe schwimmt, aber doch nicht darin schwimmt, zur Frage: Ist das denn jetzt, der richtige Zeitpunkt dafĂŒr, um das einzubringen? â Dazu ein klares Ja. Ich sagte schon â das ist das Erste â, dass das Landeskrankenhausgesetz dabei ist. Das muss ĂŒberarbeitet werden, auch wegen der Reform und anderer Punkte. Insofern ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, das noch in dieses Verfahren einzubringen. Da können auch Perspektiven gewonnen werden. Und das nĂ€chste ist: Es wird schon sehr lange von den KrankenhĂ€usern und auch von anderen gewĂŒnscht, dass da auch etwas passiert. Das kollidiert auch nicht mit der Krankenhausplanung, weil das ein bisschen ein anderer Punkt ist. Und nicht zu vergessen: Wir haben eine neue Bundesre- gierung. Da ist jetzt, wo diese Bundesregierung startet, genau der richtige Zeitpunkt, ihr noch einmal mit auf den Weg zu geben, was wir uns aus den LĂ€ndern wĂŒnschen, wie wir eine EntbĂŒrokratisierung sehen. Denn es wurde in den letzten Jahren viel versprochen, aber nichts getan, manchmal sogar das Gegenteil. Wir wollen genau das Richtige tun. Ich freue mich ĂŒber die UnterstĂŒtzung fĂŒr diesen Antrag. â Herzlichen Dank! Dann folgt die Kollegin Gebel fĂŒr die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen.
Sehr geehrter Herr Zander! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Ich habe mal den Gesetzesentwurf, der dann ja auch beschlossen wurde, von der Krankenhausreform mitgebracht und lese da mal etwas aus der Einleitung vor. Da steht drin: âMit der Krankenhausreform werden daher fol- gende zentrale Ziele verfolgt: Sicherung und Stei- gerung der BehandlungsqualitĂ€t, GewĂ€hrleistung einer flĂ€chendeckenden medizinischen Versor- gung fĂŒr Patientinnen und Patienten, Steigerung der Effizienz in der Krankenhausversorgung sowie EntbĂŒrokratisierung.â Und das heiĂt, das, was momentan in Berlin passiert, nĂ€mlich eine Anpassung auf die Krankenhausreform mit einer gleichzeitigen Verhandlung des Krankenhausplans, hat natĂŒrlich ganz klar immanent, wenn das Land Berlin und die Senatorin â â Wo ist eigentlich die Senatorin? â Sie ist entschuldigt. Entschuldigung, dass ich das jetzt in meiner Rede vergessen habe! Die Senatorin ist ent- schuldigt, alles gut. â Das heiĂt also, wenn der Senat alles richtig macht, dann ist in diesem Vorhaben EntbĂŒrokrati- sierung drin. Das, was Sie wollen, ist, einen doppelten Prozess vorzuschlagen, indem Sie den Prozess, der so- wieso stattfindet, der hoffentlich in dem Krankenhausbei- rat, der leider seit einem Jahr nicht mehr getagt hat, in dem EntbĂŒrokratisierung beraten werden soll â â Sie wollen, dass dieser Prozess in dem Rahmen, der jetzt stattfindet, bei den KrankenhĂ€usern umgesetzt wird. Mei- ne Sorge ist, dass die KrankenhĂ€user, dass die Kranken- kassen, dass alle, die sich Gedanken machen, wie man die Leistungsgruppen denn jetzt auch wirklich umsetzt, mit diesem Antrag doppelt beschĂ€ftigt werden. Da werden sich dann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, GeschĂ€fts- fĂŒhrerinnen und GeschĂ€ftsfĂŒhrer hinsetzen und sagen: Oh, da hat sich jetzt aber die CDU etwas zum Thema BĂŒrokratieabbau ausgedacht. Damit beschĂ€ftigen wir uns. â Dann wird nĂ€mlich der Arbeitskreis aufgebaut, den man eigentlich nicht braucht. Wir wollen richtigen BĂŒrokratie- abbau. Deswegen haben wir einen Ănderungsantrag ge- stellt, und dem können Sie heute sehr gerne zustimmen. Frau Kollegin! Ich darf Sie fragen, ob Sie eine Zwischen- frage des Abgeordneten Zander aus der CDU-Fraktion zulassen.
Aber gerne doch! (Christian Zander) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6610 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Herzlichen Dank! Ich wollte noch mal fragen, ob Ihnen der Unterschied vielleicht aufgefallen ist zwischen dem KHVVG, woraus Sie ein Zitat gebracht haben und dem bayerischen Modellprojekt zum BĂŒrokratieabbau. Ist Ihnen denn aufgefallen, dass gelobt worden ist, dass es bei dem Modellprojekt in Bayern tatsĂ€chlich zu BĂŒrokra- tieabbau kommt? Haben Sie eine einzige Stimme gehört, die gelobt hat, dass das KHVVG zu einer EntbĂŒrokrati- sierung gefĂŒhrt hat? Oder haben Sie nicht vielleicht auch â wie ich und alle anderen â eher wahrgenommen, dass alle darĂŒber gestöhnt haben und enttĂ€uscht sind, dass es sogar noch zu mehr BĂŒrokratie gekommen ist?
Das KHVVG ist ja noch gar nicht umgesetzt. In dem elften Vorschlag der Regierungskommission gibt es ja zehn Punkte zum BĂŒrokratieabbau. Mein PlĂ€doyer wĂ€re einfach, dass man alle VorschlĂ€ge, die zum BĂŒrokratie- abbau auf dem Tisch liegen, einmal umsetzt, bevor man irgendwelche doppelten Strukturen macht. Unsere Sorge â â Das ist das, was auch in den Beratungen zum Antrag im Gesundheitsausschuss noch einmal klar ge- worden ist. Sie schlagen vor, dass QualitĂ€tskontrollen â deswegen haben wir das auch hier zum Plenum noch mal gestrichen â, aufwandsĂ€rmere StrukturĂŒberprĂŒfun- gen, all das unter die Lupe genommen werden. Aber wenn dann was im Krankenhaus ist, wenn dann was mit der Hygiene nicht stimmt, dann war nĂ€mlich keiner mehr schuld. Deswegen halten wir es fĂŒr richtig, dass man die QualitĂ€tskontrollen aufrechterhĂ€lt, dass man die Quali- tĂ€tsstandards hochhĂ€lt und dass, wenn man BĂŒrokratieab- bau anwendet, man dann in die Digitalisierung geht und dass man die Prozesse dahingehend optimiert. Weil alle Leute jetzt ja eh zusammensitzen, ist unser Vorschlag: Nutzt doch diese Prozesse, die wir haben in der Kranken- hausplanung und sagt: BĂŒrokratieabbau, jetzt aber in den Prozessstrukturen, die wir haben. Und wenn ich noch ein Letztes sagen darf: Irgendwie haben Sie, glaube ich, vergessen, die Zeit weiterlaufen zu lassen. Das freut mich natĂŒrlich sehr, aber ich mache das jetzt einfach mal transparent. â Es gibt ja einen Trans- formationsfonds, den das Land Berlin nutzen muss, damit die KrankenhĂ€user gut aufgestellt sind. Stand jetzt wissen wir nicht, wie dieser Transformationsfonds ausschaut. Das halte ich fĂŒr ein riesengroĂes Problem. Das hĂ€lt mei- ne Fraktion fĂŒr ein sehr groĂes Problem. Und ich glaube, dass man diesen Transformationfonds, wenn man jetzt klar macht, wofĂŒr sich die KrankenhĂ€user bewerben können und auch ganz klar sagt: Wir haben den Fokus auf Digitalisierung, auf EntbĂŒrokratisierung, aber natĂŒr- lich auch ganz klar auf eine gute Versorgung der Berline- rinnen und Berliner â â Ich glaube, dass man dann viel mehr erreichen kann als mit so einem AktionsbĂŒndnis, das irgendein Papiertiger, schönes Instagram und ein Tiktok-Post ist, das aber null BĂŒrokratie abbaut. Deswe- gen: Folgen Sie unserem Antrag! Mit uns gibt es wirklich BĂŒrokratieabbau. Ich freue mich, wenn Sie da mitma- chen. Mein Kollege Carsten Schatz hat es eben gesagt: Uns geht es nicht um das Haar in der Suppe. Wir sehen hier ein ganzes Toupet. Wir stehen fĂŒr BĂŒrokratieabbau. Sie können uns gerne folgen. â Vielen Dank! Vielen Dank! NatĂŒrlich haben wir nicht vergessen, die Zeit weiterlaufen zu lassen. Vielleicht nochmal fĂŒr alle Kolleginnen und Kollegen: Das Attraktive an der Beant- wortung einer Zwischenfrage ist, dass Sie eine Minute Zeit gewinnen, weil die Zeit gestoppt wird. â Und jetzt hat die Kollegin König von der SPD-Fraktion das Wort.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Wir beraten hier heute in zweiter Lesung unseren Antrag zum BĂŒro- kratieabbau in Berliner KrankenhĂ€usern. Wir alle, Koali- tion wie auch die demokratische Opposition, haben hier und auch bei der Beratung im Ausschuss einhellig die Meinung geteilt, dass viele BeschĂ€ftigte im Gesund- heitswesen, in den KrankenhĂ€usern mit eben dieser ĂŒber- bordenden BĂŒrokratie belastet sind. Wir alle kennen die Berichte von MTAs, Krankenpflegerinnen und Kranken- pflegern, von Ărztinnen und Ărzten oder SanitĂ€terinnen und SanitĂ€tern, die uns erzĂ€hlen, dass sie zu viel Zeit am Schreibtisch verbringen mĂŒssen. Das sind Stunden, die dann natĂŒrlich bei den Patientinnen und Patienten fehlen. Die BeschĂ€ftigen von unnötiger BĂŒrokratie zu entlasten, hat deshalb zwei positive Effekte: Zum einen fĂŒhrt BĂŒro- kratieabbau zu einer verschlankten Verwaltung, zum anderen sorgt er dafĂŒr, dass BeschĂ€ftigte eben auch mehr Zeit fĂŒr die eigentliche Krankenbehandlung haben, und von diesem Mehr an Zeit profitiert die QualitĂ€t der Ver- sorgung. Ăberbordende BĂŒrokratie ist mit ein Grund dafĂŒr, dass Mitarbeitende die Gesundheitsbranche verlassen. Das können wir uns aber nicht leisten, denn der FachkrĂ€fte- mangel in KrankenhĂ€usern ist schon jetzt enorm, und der demografische Wandel wird ihn weiter verschĂ€rfen. Nur um MissverstĂ€ndnissen vorzubeugen, Frau Gebel: Bei aller BĂŒrokratiekritik ist uns natĂŒrlich auch klar, dass es auch zahlreiche Vorgaben gibt, die sein mĂŒssen, die in einem so sensiblen Feld wie der Gesundheitsversorgung nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig sind, um eine hohe Versorgungssicherheit und QualitĂ€t zu gewĂ€hrleis- ten. Deshalb muss man natĂŒrlich genau hinschauen, wo man es den BeschĂ€ftigten leichter machen kann, wo ein BĂŒrokratieabbau zu einer Entlastung fĂŒhrt, welche Dop- pelstrukturen es gibt, wo es Regelungen gibt, die wirklich verzichtbar sind. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6611 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Deshalb ist es auch richtig, diesen Antrag jetzt heute hier zu beschlieĂen. Damit stoĂen wir ĂŒber eine Arbeitsgrup- pe, ĂŒber ein AktionsbĂŒndnis mit allen beteiligten verant- wortlichen Akteuren einen Prozess an, der genau die Stellschrauben identifizieren soll, die es Sinn macht, zu bewegen und die, die wir auch auf Landesebene bewegen können. Das Bundesland Bayern ist uns da ausnahmsweise mal etwas voraus â das hat mein Kollege Christian Zander schon richtig gesagt â und hat sich genau mit diesen Din- gen schon beschĂ€ftigt. Auf diese Ergebnisse aus Bayern können wir aufsetzen. Allerdings, und das haben wir auch schon an anderer Stelle in diesem Zusammenhang erör- tert, ist es natĂŒrlich Fakt, dass viele ZustĂ€ndigkeiten und Regelungen von der Bundesebene kommen, die wir als Bundesland alleine nicht Ă€ndern können. Was die Lan- desebene aber durchaus kann, ist, einen Prozess zu initiie- ren und damit ein Zeichen Richtung Bund zu setzen, was es sinnvoll an BĂŒrokratie abzubauen gibt. In Richtung demokratischer Opposition möchte ich noch sagen: Sie haben ja den Zeitpunkt dieses Antrags bemĂ€n- gelt, und die GrĂŒnenfraktion bringt einen Ănderungsan- trag ein, der den BĂŒrokratieabbau organisatorisch etwas anders aufstellen und im Rahmen der Krankenhauspla- nung oder Krankenhausreform ansiedeln will. Wir als Koalition, Frau Gebel, wollen den Prozess aber jetzt beginnen, und wir halten die Schaffung eines eigenen AktionsbĂŒndnis, das sich ausschlieĂlich dem Thema BĂŒrokratieabbau widmet, fĂŒr zielgerichteter. Die Entlastung der KrankenhĂ€user von unnötiger BĂŒro- kratie ist ein wichtiger Baustein fĂŒr eine noch bessere Patientenversorgung in Berlin und auch fĂŒr attraktivere Arbeitsbedingungen, und damit wollen wir jetzt starten. â Vielen Dank! Dann startet jetzt der Kollege Schatz fĂŒr die Linksfrakti- on.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Da wir diesen Antrag mehr oder weniger in Raketentempo hier durchs Parlament bringen: kurz vor der Osterpause die erste Lesung, dann schnell eine Ausschussbehandlung und jetzt schon die zweite Lesung â â Wir hatten, sowohl die Kollegin Gebel als auch ich, den einen oder anderen Moment hier in dieser Debatte, aber sicherlich auch im Gesundheitsausschuss, genannt, den wir sinnvoll finden, hier mit zu erörtern. Ich sage mal, in Bayern war eines der wesentlichen Punk- te Digitalisierung und die Frage, wer das wie in den KrankenhĂ€usern finanziert, da wir das alleine nicht wer- den stemmen können. Da stellt sich zum einen die Frage nach dem Transformationsfonds, die bisher nicht beant- wortet ist, und zum anderen: Werden Sie denn in dem bald vorzulegenden Doppelhaushalt vielleicht eine eigene finanzielle Absicherung machen? Diese Frage wurde zumindest hier in den Debatten nicht beantwortet. Inso- fern muss man die Frage stellen: Wie ernst ist das denn? Jetzt mal im Ernst: Wenn ich Ihre beiden RedebeitrĂ€ge aus der Koalition nebeneinanderstelle, dann fĂ€llt mir schon auf: Der Kollege Zander sagt: Wir brauchen keine Arbeitsgruppen. â Die Kollegin König sagt: Wir brau- chen eine Arbeitsgruppe. â Es gibt jetzt Gremienarbeit im Zuge der Krankenhausplanung, und es wird jetzt eine doppelte Gremienarbeit zur Frage der EntbĂŒrokratisie- rung geben. Nun ja, ich weiĂ nicht, wie diese doppelte Gremienarbeit bei den KrankenhaustrĂ€gern ankommt. Ich fĂŒrchte, die buchen das unter BĂŒrokratie ab, und Sie er- reichen dann genau das Gegenteil von dem, was Sie er- reichen wollen. Seien Sie sicher: Wir werden in den Haushaltsberatungen sehr genau hinschauen, ob Sie diese Ziele, die Sie hier verfolgen wollen, auch tatsĂ€chlich umsetzen können. Und â um die Tradition fortzusetzen â im Ăbrigen bin ich der Ansicht, dass die Fraktion hier rechts auĂen zur Erhellung der dunklen Finanzquellen ihrer Partei beitragen sollte. â Vielen Dank! FĂŒr die AfD-Fraktion spricht der Abgeordnete Ubbe- lohde.
Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe MitbĂŒrger! Herr Schatz, machen Sie sich mal um unsere Finanzen keine Sorgen! Wir haben von der SED kein Vermögen geerbt, das wir heute verprassen, um diese Stadt mit linker Politik zu fluten. Aber der Gedanke, insbesondere die KrankenhĂ€user von bĂŒrokratischem Ballast zu befreien, ist natĂŒrlich heute (Bettina König) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6612 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 unser wichtiges Thema und weiterhin zu begrĂŒĂen. Wir mĂŒssen die bĂŒrokratischen HĂŒrden fĂŒr die BeschĂ€ftigten in den Berliner KrankenhĂ€usern jetzt und nicht irgend- wann und vor allem nachhaltig abbauen. Den BeschĂ€ftig- ten mĂŒssen dringend mehr FreirĂ€ume fĂŒr die eigentliche Aufgabe, die Behandlung und FĂŒrsorge der Patienten, geschaffen werden. Dazu braucht es einen Sinneswandel, und den sehe ich nicht in diesem Hause, sondern nur bei unserer Fraktion, der AfD. Im Ausschuss gab es wenig Grund zu Optimismus. Da kam entweder nichts Neues oder von Ihnen allen gar nichts. Und die AntrĂ€ge, die Sie hier stellen, stellen Pla- cebos dar, inhaltslose Pillen, die am Ende keine wirkliche Wirksamkeit haben werden. Das ist bitter, bittere Pillen fĂŒr die Menschen drauĂen, die darauf hoffen. Der Ar- beitskreis ist ein weiteres Indiz dafĂŒr, dass am Ende nur langwierig Handlungsfelder eruiert, definiert werden, und bis es endlich losgeht, vergehen Jahre. Und diese Zeit haben wir nicht. Der Senat hĂ€tte lĂ€ngst die Gelegenheit gehabt, das wurde auch schon angesprochen, aktiv zu werden. Institute fĂŒr Gesundheitsökonomie haben VorschlĂ€ge gemacht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat VorschlĂ€ge ge- macht. Aus Bayern liegt ein Vorschlag vor. Aber: Eine sinnvoll entlastende Digitalisierung findet in Ihrem An- trag keinen Raum, eine Digitalisierung, die nicht der BĂŒrokratie, sondern dem BĂŒrokratieabbau dient. Das ist nĂ€mlich der Unterschied. Wir haben keine wissenschaftliche Evaluierung und Be- gleitung, die wichtig ist, weil es auch ein Treiber dieses Vorhabens wĂ€re. Kommt bei Ihnen nicht vor. Wir haben keine konkreten Umsetzungsstrategien, die zumindest darauf hinweisen wĂŒrden, dass die Vorarbeit aus Bayern zu einer AbkĂŒrzung und Beschleunigung des Prozesses hier beitragen wĂŒrde. Sicherlich erschweren die Vielzahl der beteiligten Akteure, unterschiedliche föderale Beson- derheiten und die unabdingbare Abstimmung mit dem Bund, insbesondere nach dem Regierungswechsel, das Vorhaben. Aber: Die Kaskade aus immer neuen Verord- nungen, Richtlinien, Gesetzen, Verpflichtungen, die statt Erleichterungen immer mehr Behandlungen am Patienten klauen und rauben, werden durch Sie oder durch die AntrĂ€ge, die hier vorliegen, keinesfalls beendet. Die Kas- kade geht weiter, und die muss unterbrochen werden. Es ist perfide: Erst vernachlĂ€ssigen und unterfinanzieren Sie die KrankenhĂ€user, dann merken Sie, dass es zu Qua- litĂ€tseinbuĂen fĂŒhren könnte und schaffen Kontrollen, Dokumentationsirrsinn und eine sich vertiefende Miss- trauenskultur. Personal geht, Verluste entstehen, wir haben in den KrankenhĂ€usern Insolvenzen und zuneh- mend unzufriedene Patienten. Es bedarf nicht eines öko- logischen FuĂabdrucks. Statt Klimaschutzbeauftragte brauchen wir neue Pfleger. Wir brauchen keine Vereinfa- chung von Entgeltverhandlungen oder mehr personelle und finanzielle Ausstattung fĂŒr die BĂŒrokratie, um sie einfacher und gĂ€ngiger zu machen, wir brauchen einen Rotstift. Ich will nicht das Bild mit der KettensĂ€ge ĂŒber- strapazieren, aber wir mĂŒssen hier klar Schiff machen. All das, was die Menschen in den KrankenhĂ€usern an ihrer Arbeit hindert, muss weg. All das an BĂŒrokratie, was unsinnig ist, muss getilgt werden. Daher sind wir fĂŒr eine Ablehnung dieser AntrĂ€ge. Wir wollen aber nicht den Eindruck vermitteln â das ist der letzte Satz â, dass wir generell gegen BĂŒrokratieabbau sind. Deswegen werden wir, da die StoĂrichtung in die richtige Richtung geht, uns bei dem Antrag der Koalition enthalten und den der GrĂŒnen ablehnen, weil der in die völlig falsche Richtung geht. â Danke, meine Damen und Herren! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. â ZunĂ€chst erfolgt nun eine Abstimmung ĂŒber den Ănderungsantrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, der Ihnen auch als Tischvorlage vorliegt. Wer den Ănderungsantrag auf Drucksache 19/2279-1 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke. Wer stimmt dagegen? â Das sind die Fraktionen von CDU, SPD und AfD. Wer enthĂ€lt sich? â Das kann dann niemand mehr sein. Damit ist der Ănderungsantrag abgelehnt. Zu dem Antrag der Koalitionsfraktionen auf Drucksache 19/2279 empfiehlt der Fachausschuss mehrheitlich â gegen die AfD-Fraktion und bei Enthaltung der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen sowie der Fraktion Die Linke â die Annahme. Wer den Antrag gemÀà der Beschlussemp- fehlung auf Drucksache 19/2416 annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Frakti- onen von SPD und CDU. Wer stimmt dagegen? â Das ist niemand. Wer enthĂ€lt sich? â Das sind die drei ĂŒbrigen Fraktionen. Damit ist der Antrag angenommen. Tagesordnungspunkt 42 steht auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 43: KreditermĂ€chtigungen gemÀà § 3 Abs. 3 BerlSchuldenbremseG fĂŒr die Jahre 2025 und 2026 fĂŒr die als Extrahaushalte eingestuften Landesunternehmen Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 14. Mai 2025 Drucksache 19/2443 zur Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2295 (Carsten Ubbelohde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6613 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Der Dringlichkeit haben sie bereits eingangs zugestimmt, und eine Beratung ist nicht vorgesehen. Zu der Vorlage zur Beschlussfassung auf Drucksache 19/2295 empfiehlt der Hauptausschuss einstimmig â bei Enthaltung der AfD-Fraktion â die Annahme. Wer die Vorlage gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/2443 an- nehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen von SPD, CDU, BĂŒndnis 90/GrĂŒne und Linke. Wer stimmt dagegen? â Das ist niemand. Wer enthĂ€lt sich? â Das ist die AfD-Fraktion. Damit ist die Vorlage angenommen. Tagesordnungspunkt 44 steht auf der Konsensliste. Damit rufe ich auf lfd. Nr. 45: Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Land Berlin ĂŒber das Institut fĂŒr Katholische Theologie an der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin und Schlussprotokoll zum Vertrag Vorlage â zur Kenntnisnahme â gemÀà Artikel 50 Absatz 1 Satz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2386 Von der Vorlage hat das Abgeordnetenhaus hiermit Kenntnis genommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 46: Zusammenstellung der vom Senat vorgelegten Rechtsverordnungen Vorlage â zur Kenntnisnahme â gemÀà Artikel 64 Absatz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/2440 Die Fraktion der SPD und die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen beantragen die Ăberweisung der Verordnung ĂŒber das Promotionsrecht an Hochschulen fĂŒr Angewand- te Wissenschaften an den Ausschuss fĂŒr Wissenschaft und Forschung. Die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen beantragt auĂerdem die Ăberweisung der Zweiten Ver- ordnung zur Ănderung der Baugestaltungsverordnung Historisches Zentrum und der Verordnung zur zulĂ€ssigen Miete bei Mietbeginn gemÀà § 556d Absatz 2 des BĂŒr- gerlichen Gesetzbuches an den Ausschuss fĂŒr Stadtent- wicklung, Bauen und Wohnen. â Dementsprechend wird verfahren. Im Ăbrigen hat das Haus von den vorgelegten Rechtsverordnungen hiermit Kenntnis genommen. Die Tagesordnungspunkte 47 bis 63 stehen auf der Kon- sens Liste. Unter Tagesordnungspunkt 64 war die Priori- tĂ€t der AfD-Fraktion unter Nummer 5.4. Deswegen rufe ich nun auf lfd. Nr. 65: RĂŒckkehr- und Reintegrationsprogramme fĂŒr auslĂ€ndische Obdachlose Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2413 In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion und das mit der Abgeordneten Auricht.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Wer mit offe- nen Augen durch Berlin geht, sieht eine Stadt, die an vielen Stellen ihre Ordnung verloren hat, eine Stadt, in der Armut, Obdachlosigkeit und Verwahrlosung lĂ€ngst kein RandphĂ€nomen mehr sind, sondern bittere RealitĂ€t in fast allen unseren Kiezen. Berlin, das war einmal eine Metropole mit sozialem Anspruch. Heute ist es ein Brennpunkt sozialpolitischen Scheiterns. Wir sehen ĂŒber- fĂŒllte NotunterkĂŒnfte, wildes Campieren in den Parks und Bahnhöfen, Verwahrlosung öffentlicher PlĂ€tze und Men- schen in tiefster Not, ohne Perspektive, ohne Zugang zu Hilfe und ohne Ausweg. Der Wohnungslosenbericht der Bundesregierung nennt klare Zahlen. 2024 lebten rund 6 000 Menschen in Berlin obdachlos auf den StraĂen. Hinzu kommen 2 300 Men- schen in verdeckter Wohnungslosigkeit. Besonders gra- vierend ist, dass zwei Drittel dieser Menschen keine deut- sche StaatsbĂŒrgerschaft haben. Diese Fakten sind nicht populistisch, sie sind realistisch. Sie sind die Ergebnisse jahrelanger Fehlentscheidungen durch Ihre Politik, vor allem durch Linke, GrĂŒne und SPD. Die Regierungen der letzten Jahre haben dieses Problem ignoriert, kleingeredet oder durch ideologische Blocka- den verschĂ€rft. Statt Ursachen zu bekĂ€mpfen, wird das Elend verwaltet. Statt Perspektiven zu schaffen, wird alimentiert, statt Ordnung herzustellen, wird relativiert. Und immer wieder hören wir die gleichen Scheinlösun- gen und Projekt Housing First, 24/7-UnterkĂŒnfte oder Phrasen wie âwir sind eine solidarische Stadt und haben Willkommenskulturâ. Nichts davon war oder ist von Wirkung. Es gibt bis heute kein spezifisches RĂŒckkehr- programm fĂŒr auslĂ€ndische Obdachlose. Die wenigen vorhandenen Programme richten sich pauschal an alle AuslĂ€nder, ganz gleich, ob sie integriert sind oder seit Wochen auf der StraĂe leben. Armutsmigration aus EU- Staaten, insbesondere aus Osteuropa, wurden schöngere- det. Die Stadt hat sich bewusst in die Rolle des Anzie- hungspunktes begeben, ohne Verantwortung zu ĂŒber- nehmen. Es wurde ideologisch verhindert, ĂŒber RĂŒckkehr oder Reintegration ĂŒberhaupt zu sprechen. Jeder Hinweis auf strukturelle Probleme wurde als Diskriminierung abgetan. Die Infrastruktur Berlins wurde ĂŒberfordert und zersetzt, NotunterkĂŒnfte ĂŒberfĂŒllt, Sozialarbeiter ĂŒberlas- tet, Ordnungsdienste unterbesetzt, Anwohner zunehmend (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6614 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 genervt und verunsichert. Man hat Zelte verteilt, statt RĂŒckkehrperspektiven zu schaffen. Man hat Milliarden in Wohnhilfen gesteckt, doch der öffentliche Raum ver- wahrlost weiter. Das ist keine Sozialpolitik, das ist eine Politik des Durchwursteln. Wir als AfD-Fraktion sagen: Berlin braucht einen neuen Kurs, einen Kurs, der sich an erfolgreichen Beispielen orientiert. Unser Antrag fordert ein umfassendes Konzept zur freiwilligen RĂŒckkehr und nachhaltigen Reintegration auslĂ€ndischer obdachloser Menschen. Wir schlagen vor: Kooperationen mit den HerkunftslĂ€n- dern â Sie sind ja sonst auch immer fĂŒr europĂ€ische Lö- sungen â und internationalen Organisationen. Wir wollen Netzwerke aufbauen, die echte Perspektiven bieten, die Hilfe zur Selbsthilfe durch ExistenzgrĂŒndung, Wohn- raumvermittlung und soziale Integration in den Heimat- lĂ€ndern vorschlĂ€gt, individuelle Beratung, Betreuung und RĂŒckkehrförderung. Nicht jeder Mensch auf der StraĂe ist gleich. Wir brauchen Angebote, die auf persönliche UmstĂ€nde eingehen. Es reicht! Es ist rechtlich, gesund- heitlich und sozial. Wir wollen verlĂ€ssliche Finanzierung durch Landesmit- tel, EU-Fonds und private Partner. HumanitĂ€t kostet Geld, aber sie muss auch effizient und zielgerichtet sein. DafĂŒr brauchen wir klare Konzepte und transparente Controllings. Wir orientieren uns dabei an bewĂ€hrten Modellen. Das Projekt UDENFOR in Kopenhagen, DĂ€- nemark zeigt, wie durch strukturierte RĂŒckkehrprogram- me nachhaltig Hilfe gelingt. Das Barka-Projekt verknĂŒpft Sozialarbeit mit RĂŒckfĂŒhrung und Reintegration mit beachtlichen Erfolgen in ganz Europa. Was in anderen LĂ€ndern funktioniert, muss auch in Berlin funktionieren, wenn man es denn will. Wer dauerhaft verhindern will, dass Berlin weiter zum Magneten fĂŒr unkontrollierte Armutsmigration wird, muss endlich konsequent handeln. HumanitĂ€t braucht Grenzen, Hilfe muss wirksam sein und Politik muss end- lich Verantwortung ĂŒbernehmen. Unser Antrag ist ein Schritt in diese Richtung, ein Schritt fĂŒr die Menschen auf der StraĂe, aber auch fĂŒr die Menschen, die hier le- ben, arbeiten und Steuern zahlen und dafĂŒr auch Ordnung erwarten. Lassen Sie uns gemeinsam verhindern, dass Berlin weiter und noch weiter im Chaos versinkt. Lassen Sie uns gemeinsam den Mut aufbringen, Dinge beim Namen zu nennen. Und lassen Sie uns aufhören, das Elend weiter zu verwalten und endlich anfangen, es zu beenden. â Vielen Dank! Es folgt fĂŒr die CDU-Fraktion der Abgeordnete Wohlert.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kollegen im Abgeordnetenhaus! Sehr geehrte Damen und Herren! In Ihrem Antrag fordert die AfD den Senat auf, ein Konzept fĂŒr die freiwillige RĂŒckkehr obdachloser Menschen in ihre HeimatlĂ€nder zu entwickeln. Dieses Konzept soll sich unter anderem an dem bewĂ€hrten Modell der Barka Stiftung orientieren. Neben seinem sozialen Engagement fordert Barka europaweit rechtliche VerĂ€nderungen, die den Zugang zu allen sozialen Hilfen und Integrationsan- geboten fĂŒr alle EU-BĂŒrger in allen Mitgliedstaaten, also auch fĂŒr auslĂ€ndische Obdachlose, sichern sollen. Ich war angesichts der bisherigen DebattenbeitrĂ€ge und des jetzigen Beitrags im Hause ĂŒberrascht, dass sich die AfD mit der Idee eines uneingeschrĂ€nkten Zugangs zu Sozialleistungen fĂŒr AuslĂ€nder in Deutschland verbinden möchte. Recht schnell wurde mir jedoch klar, dass das, weniger ĂŒberraschend, gar nicht beabsichtigt war. In Vorbereitung meiner Rede habe ich erfahren, dass der Antrag der AfD entstanden ist, ohne jemals ein Projekt von Barka Berlin vor Ort besucht zu haben oder mit den Verantwortlichen persönlich gesprochen zu haben. Die Stiftung möchte jedenfalls so wenig mit ihnen zu tun haben, dass sie mir mitgeteilt hat, auf eine öffentliche Stellungnahme verzichten zu wollen, um keine zusĂ€tzli- che Aufmerksamkeit fĂŒr die AfD zu generieren. [Beifall bei der CDU â Vereinzelter Beifall bei den GRĂNEN und der LINKEN â Beifall von Lars DĂŒsterhöft (SPD) â
Hört, hört!] Weniger kommunikativer Austausch als weder persönlich noch öffentlich mit oder ĂŒbereinander zu sprechen, ist wohl kaum möglich. Dieser Antrag ist eines der vielen Beispiele dafĂŒr, wie Sie Ihre parlamentarische Arbeit wahrnehmen. Ohne sich mit den Inhalten vertieft ausei- nanderzusetzen, ein paar Projekte via Google zu finden, nehmen Sie fĂŒr den schnellen Applaus auslĂ€ndische Men- schen in den Blick, um wahlweise gegen sie Stimmung zu machen oder ihre Ausreise zu fordern. Dennoch möchte ich kurz auf das von Ihnen gewĂ€hlte Thema sach- lich eingehen. Obdachlosen in Deutschland und in Berlin steht ein umfassender Schutz zu. Sie haben ein Recht auf Unterbringung, soziale Hilfen und medizinische Versor- gung. Ebenso verdienen auslĂ€ndische Obdachlose unsere nachhaltige und zielgerichtete UnterstĂŒtzung. Wir helfen Menschen in ihrer jeweiligen Lebenslage, unabhĂ€ngig von ihrer Herkunft. Gleichwohl ist das FreizĂŒgigkeitsrecht fĂŒr EU-BĂŒrger nicht ohne Grund an die Teilnahme am Arbeitsleben geknĂŒpft. FreizĂŒgigkeitsberechtigt in Deutschland sind (Jeannette Auricht) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6615 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 also Menschen, die einer ErwerbstĂ€tigkeit nachgehen oder sich fĂŒr die Arbeitssuche oder die Berufsausbildung bei uns aufhalten. Nicht erwerbstĂ€tige UnionsbĂŒrger sind freizĂŒgigkeitsberechtigt, sofern sie ĂŒber ausreichende Existenzmittel und Krankenversicherungsschutz verfĂŒ- gen. Dies ist bei Obdachlosen, die aus dem EU-Ausland eingereist sind, regelmĂ€Ăig nicht der Fall. In der Folge ist es der richtige Weg, neben einer Grundversorgung und individuellen Beratung auch RĂŒckkehrhilfen im Land Berlin anzubieten. Als CDU-Fraktion werden wir den Senat weiterhin darin bestĂ€rken. â Vielen Dank! Es folgt der Kollege Kurt fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/ Die GrĂŒnen.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe GĂ€ste! Wo ist eigentlich die Mensch- lichkeit in dieser Debatte geblieben? Wo ist die SolidaritĂ€t mit hilfebedĂŒrftigen Menschen geblieben? Und wo ist auch die Frage geblieben, wo das soziale Berlin ist? Das, was wir von der AfD hier gehört haben, war eine KriegserklĂ€rung an die Wohnungslosenhilfe und an das soziale Berlin. Anders kann man es nicht zusammenfas- sen. Sie reden von Armutsmigration. Sie haben âElendâ und âVerwahrlosungâ in den Mund genommen. Ich rede von Menschen. Ich rede von den Menschen, die zu Tausenden in unsere Stadt kommen, auch durch die EU-Ost- erweiterung, und hier Wohlstand geschaffen haben, Ar- beitsplĂ€tze geschaffen haben, HĂ€user gebaut haben, in denen wir leben, unsere Flure putzen, in den KĂŒchen und in den verschiedenen Sektoren unserer Stadt arbeiten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ein Teil der Men- schen scheitert. Sie scheitern, weil ihr Leben auf den Kopf gestellt wird. Sie suchen ein besseres Leben und kommen deshalb nach Berlin. Sie scheitern an diesem katastrophalen Wohnungsmarkt, wo der Weg von der Zwischenmiete auf die StraĂe kĂŒrzer ist als von der Un- termiete in eine bezahlbare Wohnung. Es gibt viele GrĂŒnde, in Berlin obdachlos zu sein, und das ganz unab- hĂ€ngig von der StaatsbĂŒrgerschaft. Die StraĂe ist der soziale Spiegel, der uns vorhĂ€lt, was gerade schieflĂ€uft in dieser Stadt. Denn niemand ist gerne obdachlos. Das bedeutet: Statt wie Sie â ich fasse Ihren Antrag mal zu- sammen: âAuslĂ€nder raus!â, hĂ€tten Sie auch einfacher formulieren können â spezielle RĂŒckkehrprogramme fĂŒr auslĂ€ndische Obdachlose zu fordern, mĂŒssen wir doch an den sozialen Ursachen ansetzen, warum Menschen nach Berlin kommen, warum sie hier eine bessere Zukunft suchen. Das fĂ€ngt ganz praktisch damit an, dass auch wir als Stadt Berlin etwas tun können, indem wir gerade diejenigen politischen KrĂ€fte unterstĂŒtzen, die etwas gegen das sozi- ale Ungleichgewicht in Europa tun wollen, die gegen Armut eintreten, gerade bei den Wahlen, die jetzt in Po- len anstehen. Denn es geht auch darum, dass niemand gezwungen ist, sein Herkunftsland verlassen zu mĂŒssen, dass alle Menschen die Möglichkeit haben, ĂŒberall gut zu leben. An den sozialen Ursachen anzusetzen, heiĂt gerade in einer Stadt wie Berlin, dass wir diejenigen Menschen, die nach Berlin kommen, von Anfang an unterstĂŒtzen, in gute Arbeit zu kommen, statt in der Arbeitsausbeutung zu landen. Und das bedeutet, sie krankenzuversichern, um im Krankheitsfall Hilfe und Schutz zu bekommen. Das setzt voraus, dass der Senat aufhört, mit seinem ruinösen Sparkurs die sozialen Angebote in unserer Stadt zu rui- nieren. Denn das ist das, was am Ende des Tages fehlt. Wir brauchen zusĂ€tzliche 24/7-Einrichtungen, und wir mĂŒssen dafĂŒr sorgen, dass Menschen erst gar nicht in der Verelendung landen. Es gibt so viele Menschen, die Po- tenziale haben, die sie in unsere Stadt bringen. Nicht alle schaffen es, es gibt auch Menschen, die auf der StraĂe landen. Aber am Ende des Tages reden wir immer von Menschen, die die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht aufgegeben haben und diese suchen. Lassen Sie uns diese Menschen unterstĂŒtzen! â Danke! Dann folgt der Kollege DĂŒsterhöft fĂŒr die AfD-Fraktion. Entschuldigung! FĂŒr die SPD-Fraktion natĂŒrlich! Der Kollege ist zum GlĂŒck bei uns! Herzlich willkom- men! Tut mir leid! Ich fĂŒrchte, ich muss jetzt einen ausgeben an den Kollegen! (Björn Wohlert) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6616 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Ich gehe davon aus, dass ich dafĂŒr eine Minute lĂ€nger reden darf! Sehr geehrte Damen und Herren! Bei Ihrem Antrag muss- te ich an ein Sprichwort denken, nĂ€mlich: Auch ein blin- des Huhn findet mal ein Korn. Aber wenn Sie meinen, dass ich jetzt Ihren Antrag loben möchte, dann irren Sie sich. Bei Ihnen muss man nĂ€mlich auch weiterhin darauf war- ten, dass Sie ein Korn finden. Denn wieder einmal bewei- sen Sie mit diesem Antrag, dass Sie zu wenig Ahnung von der Materie haben. Im Antrag â ein Antrag der AfD â wird gefordert, auslĂ€n- dischen obdachlosen Menschen viel Geld in die Hand zu drĂŒcken, nur damit sie mit diesem in ihre Heimat zurĂŒck- kehren. Sie wollen also Steuermittel im groĂen Umfang nutzen, um Menschen loszuwerden, die Ihnen unange- nehm sind, anstatt ihnen tatsĂ€chlich zu helfen. Auch den Zugang zum Sozialsystem, das haben Sie eben ausge- fĂŒhrt, wollen Sie ja weiterhin verwehren. Dabei ignorieren Sie oder kennen Sie auch einfach unter UmstĂ€nden gar nicht die GrĂŒnde, weshalb die Menschen in dieser Lage sind. Sie haben ja eben gesagt: Nennen wir die Probleme beim Namen! â Genau das möchte ich gerne machen. Es ist Ihnen anscheinend egal, dass ein groĂer Teil der von Ihnen adressierten Menschen erst hier in Deutschland obdachlos wurde. Die GrĂŒnde hierfĂŒr sind sehr vielfĂ€ltig. Nicht berĂŒcksichtigt wird zum Beispiel der allgemein erschwerte Zugang zum Wohnungsmarkt fĂŒr Migrantinnen und Migranten. Ignoriert wird, dass diese Menschen, die hier fleiĂig und ehrlich arbeiten wollen, oftmals Opfer von Ausbeutung werden. Und ignoriert wird, dass diese Menschen in der Not keine UnterstĂŒtzung durch das soziale Sicherungssystem erhal- ten. Genau dafĂŒr stehen Sie, Frau Auricht. Das haben Sie eben ausgefĂŒhrt. Auch ignorieren Sie, dass gerade diese Menschen, die hier in Deutschland dieser Ausbeutung ausgesetzt sind, nicht einmal einen ordentlichen Zugang zum ASOG- System, zur ASOG-Unterbringung haben. â An dieser Stelle möchte ich ausdrĂŒcklich der Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit danken, welche dieses massive Problem erkannt und erst vor kurzem eine entsprechende erste Schutzwoh- nung an den Start gebracht hat. Ein anderer Teil der Menschen war auch im jeweiligen Heimatland in einer prekĂ€ren Lebenssituation. Dieser Antrag berĂŒcksichtigt nicht, dass die GrĂŒnde fĂŒr das Verlassen des Heimatlandes gerade in dem Fehlen von Hilfesystemen bei geschlechtsspezifischer oder anderwei- tiger Diskriminierung, zum Beispiel Rassismus und Anti- ziganismus, oder wirtschaftlichen Unterschieden liegen. Ein RĂŒckkehrprogramm, egal welcher Art, beseitigt diese GrĂŒnde nicht. Wenn wir ĂŒber die obdachlosen EU-BĂŒrger und -BĂŒrger- innen sprechen â ĂŒber BĂŒrgerinnen und BĂŒrger, wie wir alle hier im Raume sind â, dann verkennt dieser Antrag, dass es in unserer EuropĂ€ischen Union nun mal wirt- schaftliche Unterschiede gibt und der Wunsch, hier in unserem Teil der EuropĂ€ischen Union sein GlĂŒck zu versuchen, sich nicht nachhaltig abstellen lĂ€sst. Warum auch? Die Menschen in der EuropĂ€ischen Union haben das verbriefte Recht der FreizĂŒgigkeit. Sie dĂŒrfen hier ihr GlĂŒck versuchen, und das ist richtig so, und sie sind auch herzlich willkommen. Und ich stelle fest, dass genau diese FreizĂŒgigkeit von der AfD abgeschafft werden soll. â Und Sie nicken auch noch! Wunderbar, danke fĂŒr die BestĂ€tigung! Nicht zuletzt beweist der Antrag die Unwissenheit der AfD ĂŒber die bereits bestehenden Angebote, die in den letzten Jahren hier auch in Berlin geschaffen wurden. Ich möchte an dieser Stelle ausdrĂŒcklich den Ă€uĂerst engagierten Mitarbeiterinnen, beispielsweise bei den Frostschutzengeln, bei MOBI.Berlin oder bei Klik, fĂŒr ihre Arbeit herzlich danken. Sie leisten wichtige Arbeit, indem sie die Menschen beraten und ihnen ganz konkret helfen. Letzter Satz: Menschen sind nicht freiwillig obdachlos. Der Hauptgrund fĂŒr diese Situation, das haben meine Vorredner schon gesagt, ist der aus den Fugen geratene Wohnungsmarkt. Die Menschen, die am schwĂ€chsten sind, die obdachlos oder wohnungslos sind, will die AfD loswerden. Nicht helfen, sondern loswerden â das ist das Motto der AfD. â Ich danke Ihnen fĂŒr die Aufmerksam- keit! [Beifall bei der SPD â Vereinzelter Beifall bei den GRĂNEN â
Sie mĂŒssen den Antrag schon lesen!] Dann folgt nun fĂŒr die Linksfraktion die Kollegin Schu- bert! Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6617 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dieser Antrag der AfD ist mal wieder ein deut- licher Ausdruck der Gesinnung dieser Partei: abschieben, raus schaffen, aber sich nicht um die Probleme kĂŒmmern. Lars DĂŒsterhöft hat es eben gesagt: Ein GroĂteil derjeni- gen, die hier obdachlos werden, die beispielsweise aus Osteuropa kommen, wurden angeworben, um hier billig Spargel zu stechen, billig zu bauen, billig sonstige TĂ€tig- keiten durchzufĂŒhren, und dann von ihren Arbeitgebern rĂŒcksichtslos gefeuert, wenn sie beginnen, sich gegen ausbeuterische ArbeitsverhĂ€ltnisse zu wehren. Oft gehört dann zu solchen BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnissen auch noch eine Unterkunft, möglichst in Massenlagern. Wer gefeu- ert wird, der verliert auch seine Unterkunft, und wo lan- den die Menschen dann? â Sie landen notgedrungen auf der StraĂe oder in UnterkĂŒnften, weil sie so gut wie gar nicht in der Lage sind, auf diesem Wohnungsmarkt hier eine Wohnung anzumieten. Deswegen, wenn wir Ob- dachlosigkeit wirksam bekĂ€mpfen wollen, ist es zwin- gend, den sozialen Wohnungsbau noch weiter anzukur- beln â wir haben darĂŒber vorhin gesprochen â, und jede Möglichkeit fĂŒr bezahlbaren Wohnraum auch fĂŒr Men- schen mit wenig Geld zu nutzen, und das nicht zu verla- gern. Die Art und Weise, wie die AfD jetzt hier ĂŒber obdachlo- se Menschen redet, die genau in solche Situationen gera- ten sind â Job verloren, Wohnung oder Unterkunft weg und dann auf der StraĂe sein â, zeugt schon davon, wel- chen Charakters diese Partei ist: eine hetzerische, rassisti- sche, verabscheuungswĂŒrdige Partei. Dann auch noch einen TrĂ€ger wie Barka fĂŒr sich zu in- strumentalisieren, ist nun wirklich der Höhepunkt. Ich habe wahrscheinlich die gleiche Mail wie der Kollege Wohlert erhalten, und wahrscheinlich haben sie alle ande- ren sozialpolitischen Sprecher und Sprecherinnen der demokratischen Parteien auch bekommen. Man kann ĂŒber jeden einzelnen TrĂ€ger diskutieren, ob das sinnvoll ist oder nicht, aber dass sie sich nicht vor den Karren von Rechtsextremisten spannen lassen wollen, verdient auch jeden Respekt. Wenn wir diesen Teufelskreis durchbrechen wollen, dann braucht es ZugĂ€nge fĂŒr EU-BĂŒrgerinnen und EU-BĂŒrger zu den Sozialleistungen, mehr Wohnungen, aber auch eine stĂ€rkere UnterstĂŒtzung der Infrastruktur fĂŒr Men- schen, die in Not geraten sind. In dem Zusammenhang möchte ich noch mal an unsere Fragestunde heute Mor- gen erinnern, wo es darum ging: Was passiert jetzt ei- gentlich am Bahnhof Alexanderplatz, wenn das Unterge- schoss des Alexanderplatzes umgerĂ€umt wird, um Ob- dachlose zu vertreiben? â Das war die Aussage der Deut- schen Bahn. Deswegen war ja unsere Frage in Richtung Senat, was der Senat unternimmt. WĂ€re beispielsweise ein Modell wie am Bahnhof Zoo, wo es eine wirklich gute Beratungsstelle der Stadtmission gibt, wo es um Beratung, Hilfe, Bildung geht, nicht eine Variante, mit der man zumindest dort ein wenig Abhilfe schaffen kann? Das schiene mir ein sinnvolleres Thema zum Diskutieren als diese rassistische Hetze von diesen Leuten rechts von uns. Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Arbeit und Soziales. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 66: Berliner BĂ€der fĂŒr alle Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2422 In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke, und das mit dem Kollegen Ronneburg.
Damit ich besser schwimmen kann. Ja, genau. â Nein, es hatte eine angenehme Temperatur. Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Linksfraktion hat nach der VerkĂŒndung der SparmaĂnahmen dieses Senats im Bereich der Berliner BĂ€der und nach den vielen Nachrichten, die uns dazu von BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, von BadegĂ€sten der BĂ€- der-Betriebe erreicht haben, jetzt den Antrag eingebracht, den Senat zu nichts weniger aufzufordern, als sich zu den Berliner BĂ€dern als unverzichtbarem Bestandteil der Daseinsvorsorge und der sozialen Infrastruktur unserer Stadt zu bekennen. Wir sagen als Fraktion ganz klar: Berliner BĂ€der mĂŒssen fĂŒr alle da sein! Es geht dabei um das Recht auf Teilhabe, Erholung, Sport, Gesundheit fĂŒr alle Menschen in Berlin, unab- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6618 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 hĂ€ngig von Einkommen oder Wohnort. Ăffentliche SchwimmbĂ€der sind nicht nur Orte, um Bahnen zu zie- hen, sie sind wichtige soziale Treffpunkte, fördern die Gesundheit, ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe ĂŒber alle soziale Schichten hinweg. Gerade in einer wachsen- den Stadt und einer sich verdichtenden Stadt wie Berlin gewinnen solche Angebote immer mehr an Bedeutung. FĂŒr die Linke ist der Zugang zu diesen Einrichtungen ein soziales Grundrecht, das es zu garantieren gilt. Deshalb fordern wir den Senat auch dazu auf, den Berli- ner BĂ€dervertrag endlich vollstĂ€ndig umzusetzen und sicherzustellen, dass die Berliner BĂ€der-Betriebe ihrem sozialen Auftrag nachkommen können. Es darf eben nicht sein, dass willkĂŒrliche KĂŒrzungen das Angebot in BĂ€dern und Saunen immer weiter einschrĂ€nken. Stattdessen brauchen wir verbindliche Standards fĂŒr unsere BĂ€der und Saunen, und diese mĂŒssen auch eingehalten werden. Das bedeutet konkret, erstens, dass der Senat den BĂ€- der-Betrieben die notwendigen ZuschĂŒsse fĂŒr Energie- kosten bereitstellen muss. Nur so können die StĂŒtztempe- ratur von 22 Grad Celsius in allen SommerbĂ€dern auf- rechterhalten und die Saunen in den HallenbĂ€dern wieder geöffnet werden. Die Absenkung der Wassertemperatu- ren und die SchlieĂung von Saunen als Reaktion auf gestiegene Energiekosten sind nichts anderes als aus unserer Sicht unsolidarische SparmaĂnahmen. Wir reden hier nicht von Warmduschern in den BĂ€dern, sondern die Berichte, die es dazu gegeben hat, sollten alle sehr nachdenklich stimmen. NatĂŒrlich reden wir hier auch ĂŒber besonders vulnerable Personen: ĂŒber kleine Kinder, Ă€ltere MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒrger, Menschen mit gesundheitlichen EinschrĂ€nkungen. Eine Wassertemperatur von 22 Grad Celsius sollte das absolute Minimum sein, um ein angenehmes und gesund- heitsförderndes Schwimmen zu ermöglichen. Ich denke, so falsch können wir mit unserer Kritik an dieser SparmaĂnahme ja nicht gelegen haben, denn vor Kurzem hatten Senat und BĂ€der-Betriebe die halbe Rolle rĂŒckwĂ€rts vollzogen und doch noch Geld gefunden, um in einigen BĂ€dern die StĂŒtztemperatur abzusichern. Warum nicht gleich so? Das ist uns aber, wie gesagt, nicht genug. Wir fordern entsprechend dazu auf, dass den BĂ€- der-Betrieben die gesamten Energiekosten, die sie auch beantragt haben, zur VerfĂŒgung gestellt werden. Bei den Saunen muss man einfach sagen: Sie sind kein Luxus, sie sind gesundheitsfördernde Infrastruktur, die wir hier nicht umsonst vorhalten. Ihr Wegfall trifft vor allem Menschen ohne Zugang zu teuren privaten Well- nessangeboten. Da sehen wir den Senat ganz klar in der Pflicht, öffentliche Infrastruktur so zu finanzieren, dass sie eben auch fĂŒr alle nutzbar bleibt. Das ist eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Zweitens muss die Sommersaison verlĂ€ngert werden. Wir fordern den Senat auf, die notwendigen Mittel dafĂŒr be- reitzustellen, damit die Sommersaison ĂŒber das Ende der Schulferien am 7. September 2025 hinaus verlĂ€ngert wer- den kann. Die derzeitige Praxis, die Saison auf die Schul- ferienzeiten zu beschrĂ€nken, ignoriert die LebensrealitĂ€t vieler Berlinerinnen und Berliner. Nicht alle können verreisen. FĂŒr Familien mit geringem Einkommen, BerufstĂ€tige, Ă€ltere Menschen sind Frei- und SommerbĂ€der nach den Ferien weiterhin ein wichtiger Ort fĂŒr Erholung, fĂŒr Teil- habe, besonders bei anhaltend warmem SpĂ€tsommerwet- ter. Deswegen ist eine SaisonverlĂ€ngerung sozial gebo- ten, und ich kann doch nur hoffen, dass Sie auch hier wie bei den BĂ€dern, die dann doch noch beheizt werden sol- len, doch irgendwann zu der Auffassung kommen, dass es besser wĂ€re, einige BĂ€der ĂŒber das Ende der Sommer- ferien offenzuhalten, wenn es das Wetter hergibt. Bitte verschlieĂen Sie sich dem nicht! Drittens muss das Preissystem ĂŒberarbeitet werden. Das neue Preissystem halten wir fĂŒr untauglich. Bestehende SozialermĂ€Ăigungen und Rabatte fĂŒr regelmĂ€Ăige Nutze- rinnen und Nutzer mĂŒssen erhalten bleiben, aber ganz zentral ist aus unserer Sicht, dass die Einteilung der BĂ€- der in drei Preiskategorien abgeschafft werden sollte. Diese Struktur fĂŒhrt unserer Meinung nach zu einer so- zialen und rĂ€umlichen Spaltung. Das darf es in einer solidarischen Stadt wie Berlin nicht geben. Eintrittspreise dĂŒrfen nicht vom Wohnort abhĂ€ngen. Zusammenfassend: BĂ€der sind ein wesentlicher Bestand- teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wir mĂŒssen sie stĂ€rken. Wir wissen alle, dass diese öffentlichen Angebo- te natĂŒrlich nicht rein betriebswirtschaftlich betrachtet werden können. Umso erschreckender, dass der Senat aus CDU und SPD bei diesen KĂŒrzungen die Frage der sozia- len Gerechtigkeit komplett aus dem Blick verliert. Es geht hier um LebensqualitĂ€t, Gesundheit, sozialen Zu- sammenhalt. Stimmen Sie also bitte unserem Antrag zu, fĂŒr solidarische BĂ€derpreise, fĂŒr warme Becken, fĂŒr offe- ne Saunen, fĂŒr eine verlĂ€ngerte Badesaison! Stimmen Sie dafĂŒr, dass die Berliner BĂ€der fĂŒr alle da sind! â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat nun der Kolle- ge StandfuĂ das Wort. â Bitte schön! (Kristian Ronneburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6619 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Herr Kollege Ronneburg! Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! TatsĂ€chlich hört sich das alles ganz gut an, was Sie da machen, aber ich glaube, dass der Antrag ĂŒberflĂŒssig ist, weil die BĂ€der- Betriebe tatsĂ€chlich ihrem Auftrag gerecht werden. Es ist im Ăbrigen auch so â ich war gerade am Wochen- ende wieder in einer Einrichtung der Berliner BĂ€- der-Betriebe â, dass wir sehr kompetente, sehr freundli- che und sehr nette Mitarbeiter haben, die den Badebetrieb ĂŒberall vernĂŒnftig aufrechterhalten. Deshalb möchte ich die Chance an der Stelle mal nutzen, mich bei allen Mit- arbeiterinnen und Mitarbeitern der Berliner BĂ€- der-Betriebe, aber auch beim Vorstand der Berliner BĂ€- der-Betriebe ganz herzlich dafĂŒr zu bedanken, dass sie so eine tolle Leistung fĂŒr die Stadt erbringen und auch genau ihrem sozialen Auftrag gerecht werden: Daseinsvorsorge fĂŒr alle, gerade was die WasserflĂ€che angeht. Ich finde, dafĂŒr haben die BĂ€der-Betriebe und die Mitarbeiter der BĂ€der-Betriebe einen ganz groĂen Applaus verdient. Hier lĂ€uft irgendwie keine Zeit. Das ist richtig, ja? Das soll so sein? Wir besprechen das mit der Technik.
Okay. â Jetzt wollen wir das Problem, das von Ihnen eben angesprochen wurde, noch mal ganz kurz auf den Punkt bringen. Wir reden ĂŒber sechs BĂ€der, die nicht beheizt sind, und wir reden ĂŒber nicht mal einen Monat, fĂŒr den die Saison verkĂŒrzt wird. Ich war am letzten Wo- chenende, wie gesagt, im Strandbad Wannsee. Sie kön- nen sich vorstellen, wie viele GĂ€ste bei dem Wetter dort vor Ort waren: genau zwei. In anderen FreibĂ€dern sieht die Situation genauso aus. Nun hat man natĂŒrlich auch noch GlĂŒck gehabt mit der Wettersituation in dieser Stadt, aber ob man ein Bad 14 Tage spĂ€ter öffnet oder 14 Tage frĂŒher â ich finde, da sind die SparmaĂnahmen, die die BĂ€der-Betriebe hier genutzt haben, sinnvoll, und sparen mĂŒssen wir nun mal. Das haben wir auch von unserem Finanzsenator jetzt schon hĂ€ufig gehört, dass es eben eine Pflicht ist, die wir alle erfĂŒllen mĂŒssen, und damit auch die BĂ€der-Betriebe. â Genau, der wurde auch frĂŒher nicht beheizt, wunderbar, das ist ein völlig richtiger Einwand, genauso wie viele andere FreibĂ€der frĂŒher auch nicht beheizt worden sind. Ich sage ja, wir reden ĂŒber genau sechs FreibĂ€der, in denen jetzt tatsĂ€chlich keine Heizung mehr stattfindet. Ich finde, wenn man sich die Liste der BĂ€der anschaut, die beheizt werden â und ich möchte das hier gleichzeitig als Serviceleistung nutzen, das noch mal vorzulesen: Sommerbad Kreuzberg, Sommerbad Gropiusstadt, Som- merbad Pankow, Sommerbad Mariendorf, Sommerbad SeestraĂe, Sommerbad Staaken-West und Sommerbad Monbijou â, dann hat man in jedem Ortsteil Berlins tat- sĂ€chlich ein Bad, wo man hingehen kann und wo genau die Probleme, die eben angesprochen wurden, eben nicht da sind. Man kann da mit Kindern hingehen, man kann da mit Ă€lteren Leuten hingehen. Da ist die StĂŒtztemperatur von 22 Grad mindestens erreicht, und wenn wir ab nĂ€chs- ter Woche mehr als 22 Grad Lufttemperatur haben, dann wird das Wasser sich sogar an die Lufttemperatur anpas- sen und noch wĂ€rmer sein. Da wĂŒnsche ich allen Bade- gĂ€sten, die dann in unsere Berliner BĂ€derlandschaft, vor allem die FreibĂ€der, gehen, viel SpaĂ. Dann komme ich vielleicht noch mal ganz kurz â ich glaube, die Zeit habe ich noch â zum Preissystem, was Sie hier auch angemerkt haben. Wie sieht es eigentlich mit dem neuen Preissystem aus? â Wenn ich mir an- schaue, wie viele Leute bei uns subventioniert in die BĂ€der gehen, mit ermĂ€Ăigten Tickets, dann muss man eben sagen: FĂŒr 90 Minuten 2,20 Euro bis zur Tageskarte fĂŒr 4,20 Euro â ich finde, dass das angemessene Preise sind fĂŒr das, was geleistet wird. Und selbst die Kategori- sierung, die Sie hier kritisieren, finde ich, ist absolut in Ordnung. Wenn man mehr Leistungen hat, dann ist es in unserer Welt ĂŒberall so, dass man dann auch bereit ist, ein paar Euro mehr zu investieren. Wie gesagt: FĂŒr alle diejenigen, die Sie angesprochen haben, gibt es ErmĂ€Ăigungstickets, und die sind eigent- lich von den Preissystemen der Kategorisierung gar nicht weiter betroffen. Deshalb, finde ich, ist dieser Antrag ĂŒberflĂŒssig, und ich will dafĂŒr plĂ€dieren, dass wir ihn ablehnen. â Danke! Ich hoffe, dass die Technik auch weiterhin funktioniert. â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat nun der Abgeordnete Schwarze das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Antrag, ĂŒber den wir hier heute beraten, fordert keine Revolution, er fordert nicht mal eine Re- form. Er fordert einfach nur, dass der Berliner BĂ€der- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6620 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 vertrag eingehalten wird. Dass wir heute hier eine Debat- te darĂŒber fĂŒhren mĂŒssen, dass VertrĂ€ge auch eingehalten werden, die der Senat ja selbst geschlossen hat, das â und es tut mir leid, das so deutlich sagen zu mĂŒssen â ist ein Armutszeugnis fĂŒr die Sportmetropole Berlin. Um ganz kurz auf den Vorredner einzugehen: Sie sagten, es seien ja nur sechs BĂ€der und wir hĂ€tten 18. Von diesen 18 sind derzeit elf geschlossen, bleiben sieben, und dann sind die sechs noch mal anders. Auch wenn einige BĂ€der bald öffnen, sollten wir uns nichtsdestotrotz auch mit sechs BĂ€dern nicht zufriedengeben, sondern den An- spruch haben, dass der BĂ€dervertrag auch fĂŒr diese sechs BĂ€der gilt. Den Vertrag, um den es hier geht, hat der Senat ja selbst geschlossen. Und dann war es auch der Senat, der im Anschluss die nötigen Gelder gekĂŒrzt hat, um alle Aufga- ben daraus finanzieren zu können. Und dabei reden wir hier ĂŒber eine Daseinsvorsorge und eine Grundvorsorge mit WasserflĂ€chen, fĂŒr die es eine Verpflichtung gibt. Die Folge dieser KĂŒrzungspolitik ist jetzt, dass in vielen Schwimmbecken der FreibĂ€der unserer Stadt nicht ge- heizt werden kann. Das ist ein Problem â es wurde auch richtigerweise schon gesagt â gerade fĂŒr Kinder, Ă€ltere Menschen und auch Freizeitsportlerinnen und -sportler. Kaltes Wasser unter 16 Grad, das wissen hier sicherlich, hoffentlich alle, kann zu gesundheitlichen Risiken wie KĂ€lteschocks fĂŒhren und macht Schwimmunterricht un- möglich. Und auch, wenn jetzt doch wieder die Wassertemperatur in ein paar mehr BĂ€dern erhöht werden soll, das eigentli- che Problem bleibt doch bestehen: Es ist in den letzten Jahren nicht gelungen, die BĂ€der-Betriebe zu modernisie- ren und auf erneuerbare Energien zum Heizen der Schwimmbecken zu setzen. Wenn wir hier weiter wĂ€ren, dann mĂŒssten wir diese Debatte ĂŒber SparmaĂnahmen und Energiekosten heute ĂŒberhaupt nicht fĂŒhren, und das reiht sich leider ein in einen oft desolaten Zustand der BĂ€der-Betriebe. Kurzum: Wir teilen das Ziel des Antrags. Wie der Weg dahin aussehen soll, werden wir dann im Ausschuss ge- meinsam diskutieren. Da sind unserer Meinung nach auch noch ein paar Fragen offen. Aber die BĂ€der-Betriebe mĂŒssen ja leider auch als Dauergast hĂ€ufig im Sportaus- schuss sein, denn es gibt viel zu besprechen rund um die BĂ€der in dieser Stadt. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Kollege Buchner das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die BĂ€der-Betriebe sind Dauergast im Sportausschuss, weil sie die gröĂte, wichtigste und fĂŒr uns auch teuerste Sport- infrastruktur dieser Stadt sind. Um die Zahl einmal zu sagen: In den letzten Jahren haben wir jedes Jahr gut eine Viertelmilliarde Euro in die BĂ€der gesteckt, bis zu 100 Millionen Euro in den Betrieb und bis zu 150 Millio- nen Euro in die Instandhaltung und in die Sanierung. Mir ist das alles sympathisch, was in dem Antrag der Links- fraktion als Wunschvorstellung geschrieben ist. Es wĂŒrde wahrscheinlich noch mal etwa 20 Millionen bis 30 Mil- lionen Euro mehr im Jahr kosten. Und das ist, eben weil es der gröĂte Posten im Sporthaushalt ist, im Moment nicht verantwortbar, in einer Zeit, in der wir eher sparen mĂŒssen, diese MaĂnahmen zusĂ€tzlich zu finanzieren. Kollege StandfuĂ hat es gerade deutlich gemacht: Wir haben ĂŒber 60 BĂ€der in Berlin, und es gibt immer â man braucht bloĂ auf die Website zu schauen â BĂ€der, die im Zweifel auch passen. Wer nicht in ein unbeheiztes Frei- bad gehen will, der findet eben auch beheizte FreibĂ€der, und wer gar nicht ins Freibad gehen will, der findet in Berlin auch HallenbĂ€der, die wĂ€hrend solcher Temperatu- ren wie heute geöffnet sind. Und zum Thema Sauna: Ich habe groĂe Sympathien fĂŒr das Thema Sauna, aber es ist nicht staatliche Daseinsvorsorge, und vor dem Hinter- grund der Energiekosten finde ich es auch vertretbar, die Saunen im Sommerhalbjahr, wo sie sowieso deutlich schlechter besucht sind als im Winterhalbjahr, geschlos- sen zu halten. Anders als die Kolleginnen und Kollegen der Linken bin ich ĂŒbrigens schon der Meinung, dass sich die Preise nach Art des Bades und auch nach der LĂ€nge des Aufent- halts unterscheiden dĂŒrfen. Ich finde es richtig, dass es einen Unterschied macht, ob man eine Stunde in ein Hal- lenbad geht oder ob man einen ganzen Tag im Freibad verbringen möchte. Ich finde es ĂŒbrigens auch richtig, dass es bei den Preisen einen Unterschied macht, wie der Standard und die unterschiedlichen GröĂen der BĂ€der sind. Das ist ja, als wenn Sie fordern wĂŒrden, dass der GrieĂbrei hier in der Kantine dasselbe kostet wie ein All- you-can-eat ĂŒber den ganzen Tag Schnitzel mit Spargel. Am Ende ist das steuerfinanzierte Leistung, und ich fin- de, es darf sich unterscheiden. Es gibt ja auch positive Dinge, so zum Beispiel, dass die BĂ€der jetzt endlich, weil sie moderne Kassensysteme haben, ĂŒber die Onlinetickets auch die Auslastung steuern können und Rabatte geben, und dass wir in Berlin die (Julian Schwarze) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6621 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 gröĂten ErmĂ€Ăigungspakete haben. Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele ErmĂ€Ăigungsgruppen, mit der Ehrenamtskarte jetzt auch eine neue ErmĂ€Ăigungs- gruppe. Und so ist es eben möglich: Ein Tagesticket fĂŒr ein Frei- bad ist in Berlin ab 2,80 Euro zu haben, und 90 Minuten Schwimmen im Hallenbad ab 2,50 Euro. Man kann ohne eine ErmĂ€Ăigungsberechtigung 20 Freibadeintritte im Vorverkauf fĂŒr 80 Euro erwerben, 4 Euro pro ganzer Tag im Freibad, und ohne ErmĂ€Ăigungsberechtigung können zwei Elternteile mit einem Kind ab 10,50 Euro einen Tag im Freibad verbringen. Anders als Ihr Antrag suggeriert, gibt es ĂŒbrigens auch ein Angebot fĂŒr die Vielschwim- mer, die Sie gerne adressieren wollen; ich ĂŒbrigens auch, das war mir immer wichtig. Wer unbegrenzt in allen BĂ€dern schwimmen möchte, zahlt 38 Euro im Monat, ermĂ€Ăigt 30 Euro. Anders als frĂŒher bei der Jahreskarte ist es jetzt möglich, dieses Abo auch nach Ablauf von drei Monaten zu kĂŒndigen, was es zum Beispiel auch möglich macht, sich fĂŒr drei Monate, nur fĂŒr die Frei- badsaison, ein flexibles Abo â ich habe den Namen jetzt vergessen, aber es gibt dieses Angebot â zu kaufen. SchlieĂlich, und da haben wir wieder eine Gemeinsam- keit: Schwimmen ist fĂŒr uns Daseinsvorsorge. Deshalb sind in Berlin Kitaschwimmen, Schulschwimmen und Vereinsschwimmen ohne Eintritt. Allein 50 Prozent der Zutritte in die Berliner BĂ€der sind kostenlos fĂŒr die Nut- zerinnen und Nutzer, ergo steuerfinanziert, und zwar aus diesem Haus. DafĂŒr sorgen wir nĂ€mlich in diesem Haus. Mehr geht immer, aber dann muss man eben auch mehr Steuermittel investieren â Herr Kollege! Kommen sie bitte zum Schluss!
â und im Zweifel sehen, wo sie herkommen sollen. â Herzlichen Dank fĂŒr die Aufmerksamkeit! FĂŒr die AfD Fraktion hat nun der Abgeordnete Scheer- messer das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! â Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Antrag der Fraktion Die Linke enthĂ€lt durchaus Punkte, denen wir zustimmen können, wie etwa dem Erhalt sozialvertrĂ€glicher Eintrittspreise, einer ver- lĂ€sslichen Saisonplanung und dem grundsĂ€tzlichen Erhalt des Erholungswertes unserer BĂ€der als Teil der öffentli- chen Daseinsvorsorge. Niemand bestreitet, dass SchwimmbĂ€der fĂŒr Gesundheit, Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt essen- ziell sind. Doch bei aller grundsĂ€tzlichen Ăbereinstim- mung vermissen wir im Antrag der Linken vor allem Pragmatismus und handfeste FinanzierungsvorschlĂ€ge. Statt substanzieller Analysen wird hier leichtfertig appel- liert. Die geforderte StĂŒtztemperatur von 22 Grad in den SommerbĂ€dern mag sachlich korrekt sein, allerdings haben wir als AfD-Fraktion diese Forderung bereits in unserem Antrag âKeine kalten FreibĂ€derâ mit deutlich fundierteren BegrĂŒndungen unterlegt. Ebenso klingt die RĂŒcknahme der Preiskategorisierung und die VerlĂ€ngerung der Sommersaison zunĂ€chst sinn- voll, doch fehlt es an konkreten Zahlen, die zeigen, wie dies ohne Mehrbelastung der öffentlichen Haushalte realisiert werden soll. Wir fordern deshalb: Weg mit der Symbolpolitik, hin zu einem transparenten und prĂŒfbaren Konzept! Genau hier setzen wir mit unseren eigenem Antrag an. Bereits Anfang Mai haben wir gefordert, die Beheizung öffentlicher FreibĂ€der auf mindestens 22 Grad wĂ€hrend der gesamten Saison sicherzustellen und gleichzeitig Einsparpotenziale aufzudecken, die nicht auf Kosten der Infrastruktur gehen. Kaltes Wasser gefĂ€hrdet nicht nur die Gesundheit von Senioren und Kindern, sondern fĂŒhrt langfristig zu sinkenden Besucherzahlen und zusĂ€tzlichen Verlusten. Damit schadet man am Ende allen, den Nutzern und dem stĂ€dtischen Haushalt. Unser Konzept enthĂ€lt klare MaĂnahmen: erstens, die unmittelbare PrĂŒfung aller laufenden SparmaĂnahmen auf ihren tatsĂ€chlichen Nutzen; zweitens, eine umfassende Offenlegung der Kostenstruktur von Personal- und Tech- nikaufwendungen bis hin zu externen Sicherheitsleistun- gen; drittens, die PrĂŒfung moderner, energieeffizienter Heiztechnologien, um dauerhaft Betriebskosten zu sen- ken; und viertens einen verbindlichen Zeitplan, mit dem der Senat bis Ende Juni 2025 die Umsetzung sicherstellt und die Mittel im Haushalt ausweist. Wir appellieren an den Senat: Nehmen Sie unseren An- trag als verlĂ€ssliche Grundlage. Erwarten Sie von uns keine wortreichen Floskeln, sondern konkrete Fakten, Zahlen und handfeste Lösungen. Daseinsvorsorge darf nicht zur leeren WorthĂŒlse verkommen. Sie muss effi- zient, bĂŒrgernah und transparent gestaltet werden. Mit unserem Antrag sichern wir warme FreibĂ€der, echte Entlastung fĂŒr alle Berliner und eine verantwortungsvolle Mittelverwendung. (Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6622 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 DafĂŒr kĂ€mpfen wir, und dafĂŒr stehen wir. â Danke fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Vielen Dank! â Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Sport und an den Hauptausschuss. â Wi- derspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 67 steht auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 68: RĂŒckschlag fĂŒr die schulische Inklusion durch die neue Zumessungsrichtlinie verhindern! Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2424 In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke. â Bitte schön, Frau Brychcy, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! â Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die neue Zumessungsrichtlinie ist ein General- angriff auf die Inklusion in Berlin, und ich frage mich: Was hat Sie als Senat dazu bewogen, die SonderpĂ€dagogikstunden kĂŒnftig nicht mehr nach dem individuellen Förderbedarf der GrundschĂŒlerinnen und GrundschĂŒler, sondern mit der GieĂkanne zu vertei- len, die Schulen mit besonders vielen Kindern mit För- derbedarf zu benachteiligen und damit auch den Anreiz zur Aufnahme von Kindern mit Förderbedarf zu strei- chen? Die Auswirkungen der Zumessungsrichtlinie sind teil- weise dramatisch. An manchen Schulen fallen drei Voll- zeitstellen weg. Das ist eine Katastrophe und auch zu- tiefst ungerecht, und es schwĂ€cht systematisch die Bil- dungschancen von Kindern mit Förderbedarf, die im schlechtesten Falle gar keinen Schulplatz mehr finden, weil sie nicht aufgenommen werden, auf jeden Fall aber keine adĂ€quate Betreuung bekommen. Eine mögliche Nachsteuerung durch die Schulaufsichten bleibt Ă€uĂerst vage und muss extra beantragt werden. Ich dachte eigentlich, Sie hatten sich vorgenommen, die Schulen von BĂŒrokratie zu entlasten. Wir fordern Sie wirklich auf: Geben Sie den Schulen doch die Ressour- cen, die sie tatsĂ€chlich benötigen! Der Oberhammer ist aber, dass gleichzeitig an den grund- stĂ€ndigen Gymnasien als einziger Schulform eine Ver- besserung der LehrkrĂ€ftezumessung in Klasse 5 und 6 erfolgt. WĂ€hrend alle anderen Grundschulen per Rasen- mĂ€her die gleiche Zumessung fĂŒr SonderpĂ€dagogik be- kommen und der individuelle Förderbedarf der SchĂŒle- rinnen und SchĂŒler nicht mehr zĂ€hlt, wird alleinig bei den grundstĂ€ndigen Gymnasien verstĂ€rkt, fĂŒr die die SchĂŒle- rinnen und SchĂŒler einen Eignungstest bestehen mĂŒssen. Das sind also nicht diejenigen, die den allergröĂten För- derbedarf haben. Das ist wirklich Klassenpolitik von oben auf dem RĂŒcken der schwĂ€chsten SchĂŒlerinnen und SchĂŒler! Die heftige Kritik der gesamten Bildungslandschaft â von der GEW, dem Berliner BĂŒndnis fĂŒr schulische Inklusi- on, dem Landeselternausschuss, dem Verband SonderpĂ€- dagogik, dem Fachbeirat fĂŒr Inklusion â haben Sie bisher einfach ignoriert. Wenn diese Zumessungsrichtlinie in Kraft tritt, bedeutet sie einen massiven RĂŒckschlag fĂŒr die Inklusion. Schulen haben dann nicht mehr die nötigen Ressourcen, um die Kinder mit Förderbedarf zu begleiten und die Segregation wird verschĂ€rft. Wir fordern Sie als Bildungsverwaltung auf, die ange- strebten Verschlechterungen zu ĂŒberdenken und die in- klusiv arbeitenden Schulen, die schon viele Kinder mit Förderbedarf beschulen, auch zukĂŒnftig personell so auszustatten, dass sie gut arbeiten können. Die multiprofessionellen Kollegien dĂŒrfen kein Sparmo- dell sein. Wir brauchen die weiteren Professionen zusĂ€tz- lich an den Schulen, um unsere LehrkrĂ€fte zu entlasten, aber doch nicht als verpflichtende Umwandlungsquote von 3 Prozent und auch noch im schlechteren Umwand- lungsverhĂ€ltnis von eins zu ein, anstatt dass, wie bisher, das komplette Budget von einer Lehrkraft fĂŒr die Um- wandlung zur VerfĂŒgung stand. Wir waren gerade in Finnland, wir waren in Estland. Wir haben es dort erlebt. Da standen die Schulsozialarbeiterin, die Kinderkranken- schwester und die Psychologin zusĂ€tzlich zur VerfĂŒgung, nicht als umgewandelte Lehrkraft vor der Klasse. Wir fordern Sie als Senat auf, den Entwurf der neuen Zumessungsrichtlinie vor dem Inkrafttreten bis zum neu- en Schuljahr noch mal nachzubessern, weil die massiven RĂŒckschritte in der Inklusion nicht akzeptabel sind und verheerende Auswirkungen auf die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler mit Förderbedarf hĂ€tten, aber eben auch auf die Schulen, die inklusiv arbeiten. Da möchte ich zum Schluss sagen: Es ist ein Zeichen von GröĂe, wenn man als Senat in einem Prozess nach zahl- reichen Hinweisen der FachverbĂ€nde und Gremien fest- stellt: Wir ĂŒberarbeiten die Verwaltungsvorschriften noch (Frank Scheermesser) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6623 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 mal, sodass die SchwĂ€chsten, die Kinder mit Förderbe- darf, nicht die Leidtragenden sind. NĂ€chste Woche haben wir die Anhörung im Bildungsaus- schuss mit den Fachexpertinnen und Fachexperten. Noch wĂ€re die Zeit, den Entwurf zu ĂŒberarbeiten. Bitte fassen Sie sich ein Herz fĂŒr die Bildungschancen der SchĂŒlerin- nen und SchĂŒler mit Förderbedarf! â Danke! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion spricht nun die Kollegin Khalatbari.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Wir debattieren heute ĂŒber einen Antrag der Fraktion Die Linke, der in dramatischem Ton vor einem angeblichen RĂŒckschritt bei der schulischen Inklusion warnt und dabei in wesentlichen Punkten das verkennt, was der Senat mit der neuen Zumessungsrichtlinie tat- sĂ€chlich leistet: eine strukturelle und reale StĂ€rkung der sonderpĂ€dagogischen Förderung an unseren Schulen. ZunĂ€chst: Die Kritik an der neuen Zumessungsrichtlinie basiert auf einem einseitigen Narrativ und blendet zentra- le Punkte der aktuellen Reform vollstĂ€ndig aus. Es wird so getan, als wĂŒrde Inklusion abgebaut, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Erstens: Der bisherige Faktor der sogenannten verlĂ€ssli- chen Grundausstattung stammte aus dem Schuljahr 2016/2017. Eine Zeit, in der sich die Anforderungen an unsere Schulen gerade im Bereich der Inklusion deutlich von heute unterschieden. Dass dieses veraltete Modell reformiert werden musste, war unstrittig, ĂŒbrigens auch in den Anhörungen, BeirĂ€ten und Fachgremien, in denen die Kritik, auf die sich die Linke heute bezieht, lĂ€ngst inten- siv diskutiert und beantwortet wurde. Der Vorwurf, die neue Richtlinie berĂŒcksichtige individuelle Förderbedarfe nicht mehr, ist so nicht richtig. Die pauschale Zumessung von vier Stunden pro Klasse fĂŒr sonderpĂ€dagogische Förderung in der gesamten Primarstufe, nicht mehr nur in der Schulanfangsphase, schafft endlich mehr Planbarkeit, VerlĂ€sslichkeit und Transparenz fĂŒr die Schulen. Der bĂŒrokratische Aufwand wird reduziert, ohne dass die Möglichkeit der bedarfsgerechten Nachsteuerung entfĂ€llt. Zweitens: Der Antrag ignoriert vollkommen, dass mit der neuen Regelung ein realer Mittelaufwuchs einhergeht: 122 zusĂ€tzliche VollzeitĂ€quivalente. Das entspricht rund 11 Millionen Euro mehr fĂŒr sonder- pĂ€dagogische Förderung. Von einem RĂŒckschritt kann keine Rede sein, Im Gegenteil, hier zeigt sich die ernsthafte Bereitschaft, Inklusion nicht nur ideologisch, sondern auch finanziell zu unterfĂŒttern. Drittens: Die EinfĂŒhrung der Zumessung ĂŒber die Unter- richtsversorgung und nicht mehr als zusĂ€tzlicher separa- ter Förderbedarf ist ein systemischer Fortschritt. Inklusion wird dadurch nicht lĂ€nger als Sonderaufgabe behandelt, sondern als integraler Bestandteil der schuli- schen Grundversorgung. Genau das ist der Weg zu einer inklusiven Schule der Zukunft. Viertens â zur oft zitierten Ungleichbehandlung von Schulen mit hohen Anteilen von BuT-SchĂŒlerinnen und -SchĂŒlern â: Bereits im Jahr 2022 wurde im Zuge der Schultypisierung eine erhebliche StĂ€rkung dieser Schulen vorgenommen. Rund 100 zusĂ€tzliche VollzeitĂ€quivalente gingen gezielt in belastete Regionen. Eine alleinige Ori- entierung am BuT-Merkmal als MaĂstab fĂŒr sonderpĂ€da- gogische Förderbedarfe ist fachlich nicht haltbar und wurde zu Recht aufgegeben. SchlieĂlich zum Vorwurf der Verschlechterung der För- derzentren und der multiprofessionellen Teams: Auch hier irrt der Antrag. Die Option zur Umwandlung von LehrkrĂ€ftestellen in andere Professionen bleibt ja beste- hen. Sie wird lediglich klar strukturiert, mit dem Ziel, sinnvolle Teamarbeit zu ermöglichen, nicht aber eine beliebige Ressourcenumwidmung zu betreiben. Denn MultiprofessionalitĂ€t darf nicht zur Beliebigkeit verkommen. Sie braucht klare Rahmenbedingungen. Genau diese wurden nun geschaffen. Als Fazit: Ja, der Umbau der Zumessungsrichtlinie ist eine tiefgreifende Reform. Ja, das bedeutet auch VerĂ€nde- rungen, aber sie ist fachlich begrĂŒndet, transparent kom- muniziert und durch deutliche RessourcenzuwĂ€chse ab- gesichert. Wer hier von einem RĂŒckschritt spricht, be- treibt letztlich das Gegenteil von dem, was unsere Schu- len und insbesondere unsere LehrkrĂ€fte brauchen â Ver- lĂ€sslichkeit, Klarheit und UnterstĂŒtzung im Alltag. Die CDU-Fraktion lehnt deshalb diesen Antrag ab und â zum Schluss â nicht, weil uns die Inklusion egal ist, sondern weil sie uns zu wichtig ist, um sie mit rĂŒckwĂ€rtsgewand- ten Forderungen auszubremsen. â Vielen Dank! (Franziska Brychcy) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6624 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 FĂŒr Ihren Weg erhalten Sie noch einmal einen extra Ap- plaus, Frau Kollegin Khalatbari. â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat nun die Kollegin Burkert- Eulitz das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich habe es mir schon aufgeschrieben. Die VV Zumessung wird als groĂe Errungenschaft vonseiten der CDU-gefĂŒhrten Bildungsverwaltung verkauft, nun auch noch von der CDU-Fraktion, aber ansonsten kaum von jemandem hier von den demokratischen Parteien. Warum sehen die Betroffenen und FachverbĂ€nde es völ- lig anders, nĂ€mlich als Benachteiligung der Schulen, die den gröĂten Teil der Inklusion in dieser Stadt stemmen, nĂ€mlich die Grundschulen, die ISS und Gemeinschafts- schulen? Der Antrag der Linken ist vollkommen richtig. Die VV Zumessung ist ein weiterer gewaltiger RĂŒckschritt beim Thema Inklusion, einer von vielen RĂŒckschritten. Was heiĂt das konkret? â Gemeinschaftsschulen und Grundschulen haben 3 Prozent, 3,2 Prozent respektive, Förderschwerpunkt LRS, und bei den Gemeinschafts- schulen wird gekĂŒrzt. GrundstĂ€ndige Gymnasien, also Kinder, die einen Intelligenztest machen mussten, damit sie auf dieses Gymnasium gehen dĂŒrfen, bekommen 24,25 VollzeitĂ€quivalente mehr als im laufenden Jahr. So steht es jedenfalls in einem Papier der Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie an den Hauptpersonal- rat, die also diesen Schulen verloren gehen. Sie sparen bei den multiprofessionellen Teams. Die Eins- zu-eins-Umwandlung von unbesetzten LehrkrĂ€ftestellen ist eine De-facto-KĂŒrzung bei allen FachkrĂ€ften, die schlechter als LehrkrĂ€fte bezahlt werden. Bei Betreuerin- nen und Betreuern war es bisher eins zu zwei. Jetzt er- setzt eine Betreuerin eine Lehrkraft. Das ist ein Einspa- ren. Da können Sie erzĂ€hlen, was Sie wollen. Es ist nichts anderes. Nun besteht sogar die Verpflichtung, dass 3 Prozent der LehrkrĂ€ftestellen â also wir bauen die LehrkrĂ€ftestellen ab â in jedem Bezirk in andere Professionen umgewan- delt werden mĂŒssen, aber auch bei den anderen Professi- onen haben wir einen FachkrĂ€ftemangel. Da in einigen Bezirken die eher nachgefragten Schulen bereits eine rechnerische Vollausstattung haben, wird dieses bezirks- weite Ziel schon jetzt unterausgestattete Schulen treffen. Wir haben nun eine Umverteilung nach dem MatthĂ€us- Prinzip bei der Inklusion. Diejenigen, die bereits Vorteile haben, bauen diese aus, wĂ€hrend diejenigen, die benach- teiligt sind, weiter in den Hintergrund gedrĂ€ngt werden. Es ist also alles andere als eine positive Entwicklung. Es ist eine Abkehr von der sozial indizierten Ressourcenaus- stattung. Das lehnen wir ab. Wir wollen, dass die Mittel dorthin gehen, wo die gröĂten Bedarfe sind. Das sind die Schulen, die besondere Herausforderungen haben. Ich kann Sie nur auffordern: Anstatt weiter zu spalten und auseinanderzutreiben, heiĂt die Herausforderung, das Menschenrecht auf Inklusion fĂŒr alle Kinder umzusetzen. Ich appelliere an die CDU: Wirken Sie auf Ihre Senatorin ein und verhindern Sie das! Sonst wĂŒrden Sie Ihrem Namen mit dem C nicht gerecht werden. âVielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat nun die Kolle- gin Dr. LasiÄ das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Was soll ich sagen? â Heute muss ich wieder eine Rede halten, in der die Unterschiede in der aktuellen Koalition sichtbar werden. Wir als SPD lehnen zahlreiche Aspekte der neuen VV Zumessung ab. Wir haben unsere Kritik frĂŒhzeitig dem Koalitionspartner kommuniziert. Die Kritik wurde nicht erhört. Ich werde daher heute nicht so tun, als ob ich GrĂŒnde finden kann, den Linken-Antrag abzulehnen. Lediglich die Koalitions- rĂ€son hĂ€lt mich davon ab, dem Antrag im Ausschuss zuzustimmen, folgt er doch nur der Kritik, die wir seit einem halben Jahr und lĂ€nger Ă€uĂern. Worum geht es? â Die VV Zumessung regelt die Vertei- lung der verfĂŒgbaren Stellen innerhalb des Schulsystems. Sie ist damit das zentrale Instrument fĂŒr die Steuerung der Chancengerechtigkeit im System. Neue Stellen gibt es aktuell nicht, das ist klar. Da die Senatorin neue Schwerpunkte setzen will, muss sie innerhalb des Sys- tems umverteilen. So weit, so nachvollziehbar. GrundsĂ€tzlich haben wir als SPD auch Sympathie fĂŒr â zum Beispiel â die dreiprozentige Reserve fĂŒr Schulauf- sichten. WofĂŒr wir aber keinerlei Sympathie haben, sind die Quellen, aus denen die Stellen gekommen sind, um sie zum Beispiel den Schulaufsichten zu geben. Da die CDU-gefĂŒhrte Verwaltung auf keinen Fall die Stunden- tafel anfassen will, bleiben ihr nur die Stunden fĂŒr Inklu- sion und fĂŒr Sprachförderung, die man nehmen kann, um zum Beispiel die Schulaufsichtsreserve zu machen. Und das geht nicht. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6625 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 In welcher Welt ist es gerecht, dass alle Schulen die glei- chen Stunden fĂŒr Inklusion bekommen, obwohl die Last völlig ungleich verteilt ist? Was soll eine Weddinger Schule mit 15 oder 20 Prozent Förderbedarf sagen, wenn ihr die HĂ€lfte der Stunden genommen wird? â Unsere Brennpunktschulen sind kein Sparschwein, mit dem die Verbesserung fĂŒr die anderen Standorte finanziert werden soll. Sie brauchen ihre Stellen weiterhin selbst. Genauso kritisch sehen wir die verpflichtende Umwand- lung von 3 Prozent der LehrkrĂ€ftestellen. PĂ€dagogisch kann man diese Ănderung mit nichts begrĂŒnden, denn temporĂ€r kann man die Stellen jetzt schon umwandeln. FĂŒr die Schulen wird damit nichts besser. Das Einzige, das sich Ă€ndert, ist, dass die 13er-Stellen dauerhaft aus dem Stellenplan verschwinden. Stellen, die Zöllner im Konflikt mit Wowereit damals in den Haushalt reingedrĂŒckt hat und die Generationen von Bildungspolitikern immer wieder gegenĂŒber den Haus- hĂ€ltern verteidigt haben, werden jetzt einfach stillschwei- gend verscherbelt. Welcher Bildungspolitiker macht so was freiwillig? Ich verstehe es nicht. Egal ob VOB, BISSS oder der Verband Berliner Grund- schulleitungen, alle sehen die Reform kritisch. Der einzi- ge Grund, warum diese weitreichenden Ănderungen gemacht werden können, ist, dass die Ănderungen zu komplex sind, um sie der breiten Ăffentlichkeit nahezu- bringen, und unsere Schulen zu mĂŒde sind, um Wider- stand zu leisten. Diese ganze Reform wird unseren Schulen nicht gerecht. Es wĂ€re viel besser gewesen, Sie hĂ€tten einen gemeinsa- men Weg mit uns und den Schulen in Berlin gewĂ€hlt. So bleibt uns als Ihrem Koalitionspartner nur die öffentlich vorgetragene Kritik. Und: Gutes Regieren, das geht an- ders. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Tabor das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kollegen! Wieder einmal wird versucht, ein aus unserer Sicht gescheitertes, durch warme Worte umhĂŒlltes Projekt zum Strahlen zu bringen. Die Nachbesserung der neuen Zumessungsricht- linie mit dem erklĂ€rten Zweck, die schulische Inklusion weiter auszubauen, lehnen wir ab. Denn nicht die Zumes- sungsrichtlinie ist das eigentliche Problem, sondern ein ideologisch getriebenes InklusionsverstĂ€ndnis, das in der schulischen RealitĂ€t regelmĂ€Ăig scheitert, zum Nachteil aller Beteiligten: der betroffenen Kinder, der FachkrĂ€fte, der MitschĂŒler und letztlich der BildungsqualitĂ€t insge- samt. Die schulische Inklusion, wie sie seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention betrieben wird, wurde in Deutschland voreilig und planlos in das beste- hende Bildungssystem gepresst, und die Auswirkungen spĂŒren wir immer noch. Dabei wurde vielfach ignoriert, dass die Voraussetzungen fĂŒr ein Gelingen schlichtweg fehlen. Weder die personelle noch die sachliche Ausstat- tung der Schulen reicht aus, um den tatsĂ€chlichen Förder- bedarf der Kinder mit sonderpĂ€dagogischem Bedarf zu decken. Und was ist das Ergebnis? â Ăberforderte Lehrer, gestresste SchĂŒler, enttĂ€uschte Eltern und sinkende Bil- dungsstandards auf breiter Front. Die Linke will wieder mal mit der GieĂkanne noch mehr pauschale Ressourcenverteilung, noch mehr staatliche Regelung und noch mehr Kontrolle. Sie verlangt die vollstĂ€ndige Zuweisung zusĂ€tzlicher Ressourcen, die RĂŒcknahme von UmwandlungsverhĂ€lt- nissen, und Anrechnungsstunden beizubehalten, was ich persönlich in dem Fall gar nicht so schlecht finde, aber alles verbunden mit einer fortwĂ€hrenden Illusion, dass man durch mehr Geld und mehr Formulare ein tiefgrei- fendes Strukturproblem lösen könne. Aber nein, wir mĂŒssen endlich den Mut haben, die Reali- tĂ€t anzuerkennen. Nicht jedes Kind kann und sollte zwanghaft in ein Regelklassensystem integriert werden. Es gibt gute GrĂŒnde fĂŒr den Erhalt und die StĂ€rkung von Förder- und Sonderschulen, Orte, an denen qualifiziertes Personal unter angemessenen Bedingungen individuelle Förderung leisten kann, wie es im inklusiven Regelbe- trieb oft leider nicht möglich ist. Erst im Februar hat mein Kollege Thorsten WeiĂ mit seinem Antrag aufgezeigt, wie es richtig geht: âInklusion mit AugenmaĂ â Förderschul-Garantie-Gesetzâ. Im Bil- dungsprogramm der AfD steht klipp und klar: âKeine ideologisch motivierte Inklusion: Förder- und Sonderschulen erhaltenâ Das sagen wir nicht, weil wir fĂŒr oder gegen Inklusion sind, sondern aus Respekt vor den individuellen BedĂŒrf- nissen aller Kinder. Inklusion darf kein Dogma sein, sondern muss ein pĂ€da- gogisch begrĂŒndeter Weg sein. Was wir heute sehen, ist (Dr. Maja LasiÄ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6626 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 jedoch die Folge einer ideologischen Gleichmacherei. Und ich sage Ihnen: Gleichwertigkeit von Menschen darf nicht mit Gleichmacherei verwechselt werden. Inklusion um jeden Preis nutzt niemandem; sie fĂŒhrt vielmehr zu einer doppelten Ausgrenzung. Die betroffenen Kinder erhalten nicht die nötige Förderung, und die ĂŒbrigen Kinder werden in ihrem eigenen Lernprozess teilweise massiv gestört. Der vorliegende Antrag ist nichts anderes als ein weiterer Versuch, mit strukturellen SymptombekĂ€mpfungen ein dysfunktionales System kĂŒnstlich am Leben zu erhalten. Wir lehnen das ab. Was unser Bildungssystem braucht, ist nicht mehr BĂŒrokratie, nicht mehr Zentralismus, son- dern mehr Differenzierung, mehr pĂ€dagogische Freiheit, mehr Leistungsgerechtigkeit. Dazu gehört eben auch der Mut, klar zu sagen: Inklusion hat seine Grenzen, Inklusi- on braucht AugenmaĂ. Deshalb fordern wir den Erhalt und Ausbau von Förder- schulen, die RĂŒckkehr zur realistischen Bedarfsdeckung und einen Stopp der ideologischen Gleichmacherei im deutschen Schulwesen. â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerk- samkeit! Und nun noch eine Anmerkung und Klarstellung in eige- ner Sache: Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! In einer meiner letzten Reden habe ich eine Privatperson auf eine Weise erwĂ€hnt, die in dieser Form nicht hĂ€tte erfolgen sollen. Insofern meine ĂuĂerung missverstĂ€ndlich oder unzutref- fend war, geschah dies keineswegs in böswilliger Ab- sicht. Ich traf die Aussage ĂŒber vermeintlich fehlende berufliche AbschlĂŒsse des Herrn TekĂźn auf Basis veralte- ter Informationen. GrundsĂ€tzlich hĂ€tte das aber ĂŒberhaupt nicht passieren dĂŒrfen. Ich werde die beanstandeten Aus- sagen selbstverstĂ€ndlich nicht wiederholen und strebe zudem ein persönliches GesprĂ€ch mit Herrn TekĂźn an, insofern er das möchte. â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerk- samkeit! Vielen Dank! â Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Bildung, Jugend und Familie. â Wider- spruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Die Tagesordnungspunkte 69 bis 71 stehen auf der Kon- sensliste. Tagesordnungspunkt 72 war PrioritĂ€t der Frak- tion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen unter der Nummer 5.2. Ich rufe auf lfd. Nr. 73: FĂŒr Freiheit, Grundrechte und Selbstbestimmung â SolidaritĂ€t mit der queeren Community und allen demokratischen KrĂ€ften in unserer Partnerstadt Budapest Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke auf Annahme einer EntschlieĂung Drucksache 19/2430 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. â Bitte schön, Herr Kollege Walter, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Was gerade in Ungarn, was gerade in Budapest passiert, muss ein Alarmsignal fĂŒr alle Demo- kratinnen und Demokraten in Europa sein. Die ungari- sche Regierung unter Viktor OrbĂĄn verschĂ€rft ihren auto- ritĂ€ren Kurs der Ausgrenzung gegenĂŒber queeren Men- schen. Sie schrĂ€nkt BĂŒrgerinnen- und BĂŒrgerrechte weiter ein, nun durch ein in der Verfassung verankertes Ver- sammlungs- und Demonstrationsverbot, gerichtet gegen die Budapest Pride und alle anderen Pridedemonstratio- nen im Land. Durchgesetzt werden soll das Ganze mit repressiven Mitteln, durch digitale Ăberwachung und massive Geldstrafen. Ein Demonstrationsverbot, ein CSD-Verbot mitten in Europa? Die Kriminalisierung und Entrechtung von LSBTIQ mitten in Europa? â Ich sage es direkt: Das verstöĂt gegen alle europĂ€ischen Werte, und wir verurteilen das auf das SchĂ€rfste. Die PrĂ€sidentin der Budapest Pride spricht von einer skandalösen Verletzung von Grundrechten und hat damit recht. Was in Ungarn passiert, ist ein Angriff auf die Demokratie. Es ist die brutale Bedrohung der Zivilgesell- schaft. Umso mehr nötigt es einem Respekt und Achtung ab, dass sich die queere Community und der BĂŒrgermeis- ter von Budapest nicht einschĂŒchtern lassen und dem Verbot trotzen. Trotz des Verbots soll die Budapest Pride am 28. Juni stattfinden. Mit dieser EntschlieĂung sagen wir: Die Rechte von LSBTIQ sind nicht verhandelbar. Berlin steht solidarisch an der Seite der queeren Commu- nity in Budapest. Um LSBTIQ in Budapest zu schĂŒtzen, braucht es aber nicht nur unsere SolidaritĂ€t, sondern es braucht konkretes politisches Handeln und Druck auf die ungarische Regie- rung. Wir unterstĂŒtzen daher die Forderung von ILGA- Europe und der Budapest Pride, BrĂŒssel muss endlich sein Schweigen brechen und politische MaĂnahmen er- greifen. Auch die neue Bundesregierung muss sich end- lich klar und deutlich positionieren. Das gilt genauso fĂŒr den Regierenden BĂŒrgermeister hier in Berlin. (Tommy Tabor) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6627 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Budapest ist seit ĂŒber 30 Jahren Berlins Partnerstadt, und die Koalition hat in ihren Richtlinien der Regierungspoli- tik vereinbart â ich zitiere â: âDer Senat steht fĂŒr die Rechte und den Schutz queerer Menschen weltweit ein.â Wann, wenn nicht jetzt ist dafĂŒr der richtige Zeitpunkt? Wir fordern, dass der Senat dabei alle politischen Mög- lichkeiten ergreift. Dazu gehört auch, auf europĂ€ische Sanktionen gegen die ungarische Regierung hinzuwirken, sich dafĂŒr einzusetzen, dass die Pride wieder offiziell erlaubt wird, aber auch eine Delegation von LSBTIQ- Aktivistinnen und -Aktivisten aus unserer Partnerstadt nach Berlin einzuladen und ihr ein Forum zu geben. Die queere Community in Ungarn kĂ€mpft gerade fĂŒr Freiheit, Sichtbarkeit, Achtung ihrer Rechte und ihrer MenschenwĂŒrde. Wir GrĂŒnen und Linken stehen an ihrer Seite und erwarten von dieser Stadt, dem Regierenden BĂŒrgermeister und seinem Senat, dass er es auch tut, und zwar jetzt. Herr Kollege! Auch wenn Ihre Zeit eigentlich um ist, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Han- sel? â Okay! Dann bitte ich Sie, zum Schluss zu kom- men. â Gut! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat nun die Kolle- gin Knack das Wort. â Bitte schön!
Sehr traurig!] Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat nun der Kollege Dr. Lederer das Wort. (Sebastian Walter) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6628 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Frau PrĂ€sidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Mein Kollege Sebastian Walter hat eben schon gesagt, worum es hier geht. Wir wollen das Berliner Abgeordne- tenhaus ermutigen, sich mit dem BĂŒrgermeister unserer Partnerstadt und der Zivilgesellschaft in Budapest solida- risch zu erklĂ€ren. Der Abbau von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Ungarn vollzieht sich schleichend seit mehr als einem Jahrzehnt. Dabei orientiert sich OrbĂĄn an seinen Freun- den im Moskauer Kreml, so erst jĂŒngst mit einem Trans- parenzgesetz, das darauf abzielt, kritische Medien und NGOs auszuschalten. Klar, das erinnert an Russlands Rechtslage zu den sogenannten auslĂ€ndischen Agenten. Am 15. MĂ€rz, dem Nationalfeiertag Ungarns, sagte OrbĂĄn ĂŒber seine politischen Gegner â Zitat, liebe Kolle- ginnen und Kollegen der CDU, hören Sie genau zu! â: âNach der heutigen feierlichen Versammlung folgt das OstergroĂreinemachen. Die Wanzen haben sich ĂŒber den Winter hinĂŒbergerettet. Wir liquidie- ren die Finanzmaschinerie, die Politiker, Richter, Journalisten, Schein-NGOs und politische Aktivis- ten mit korrupten Dollars gekauft hat. Wir werden die gesamte Schattenarmee liquidieren.â Solche Verschwörungsideologie, die sich munter antise- mitischer Chiffren bedient, ist die Begleitmusik der auto- ritĂ€ren Zurichtung in Ungarn. Es ist nicht nur die Verro- hung der Sprache, es ist die Konstruktion von Ă€uĂeren und inneren Feinden, mit denen AutoritĂ€re weltweit ihre Macht sichern, ĂŒbrigens auch in den USA, Herr Kollege! OrbĂĄn hat nicht nur beste Kontakte nach Moskau, er ist auch ein eifriger SchĂŒler Putins. Als 2012 in Russland die Opposition mit dem Angriff auf die Rechte queerer Men- schen gespalten wurde, begann der Feldzug von Fidesz und OrbĂĄn gegen â Zitat â mörderische Genderideologie. Ungarns Verfassung wurde geĂ€ndert, um die Ehe auf Frau und Mann zu beschrĂ€nken. Schon 2013 wurden unverheiratete, kinderlose und gleichgeschlechtliche Paare aus dem Familienbegriff der Verfassung ausge- schlossen. 2018 folgte das Verbot wissenschaftlicher Forschung in diesem Feld. 2020 wurde die juristische GeschlechtsĂ€nderung sowie die Adoption durch nicht heterosexuelle Paare untersagt. Alles nach Putins Play- book aus dem Kreml! Dabei geht es weder um Kinder noch Familien, aber das wissen wir ja. Es geht um Kulturkampf auf dem RĂŒcken queerer Menschen. Sie sind hier genau wie in Russland nur Vehikel. Sie zu verfolgen, dient der Festigung des Regimes und seiner Macht. Am 14. April 2025 wurde die Verfassung erneut geĂ€n- dert, um Pride-Paraden zu verbieten, weil sie angeblich schĂ€dlich fĂŒr Kinder seien. Hohe Strafen und staatliche Ăberwachung wurden ermöglicht. Kollege Walter hat das schon gesagt. In einem ziemlich dubiosen Verfahren an allen AusschĂŒssen vorbei wurde das durchs Parlament gepeitscht. Das hat es in der EU bislang noch nicht gege- ben. Ich finde es ermutigend, dass die jĂŒngsten Proteste durch breitere gesellschaftliche Schichten getragen wer- den, nicht nur von den queeren Communitys. Auch bahnt sich groĂe internationale UnterstĂŒtzung an. Viele Delega- tionen haben sich angekĂŒndigt. Der BĂŒrgermeister sagte, die Pride-Demonstration wird stattfinden, möglicherweise gröĂer als je zuvor. Die Freundschaft zwischen Budapest und Berlin wurde nach den Freiheitsbewegungen von 1989/90 begrĂŒndet. Budapest ist die Stadt der Freiheit, und Berlin betont bei jedem sich bietenden Anlass, auch eine solche zu sein. Deshalb ist es heute so wichtig, diese Partnerschaft zu leben. Das ist ja keine Schönwetterveranstaltung. So schön es ist, wenn im Roten Rathaus Regenbogentor- ten angeschnitten und davor Pride-Flaggen gehisst wer- den, solche Symbole und Bekenntnisse mĂŒssen sich in schwierigen Zeiten bewĂ€hren, wenn uns der Gegenwind ins Gesicht weht, wenn die Errungenschaften der friedli- chen Revolutionen von 1989/90 durch autoritĂ€re, populis- tische und oligarchische Herrschaft ersetzt werden sollen. Es ist Zeit fĂŒr SolidaritĂ€t, jetzt und gleich. Deshalb haben wir auch die Sofortabstimmung beantragt. Es ist Ihr gutes Recht, das in die AusschĂŒsse zu ĂŒber-weisen, aber ich erlaube mir den Hinweis: Die Pride soll am 28. Juni stattfinden. Das ist noch ein knapper Monat. Herr Regierender BĂŒrgermeister! Bitte handeln Sie un- verzĂŒglich. Es ist dringlich. Hier sollte keine Rolle spie- len, wer was beantragt hat, sondern was jetzt geboten ist. Nehmen wir uns ein Beispiel an 26 Abgeordneten, die heute im EU-Parlament fraktionsĂŒbergreifend gefordert haben, den Druck auf OrbĂĄn zu erhöhen, zur Einhaltung der EU-VertrĂ€ge inklusive der Rechte queerer Menschen, der politischen Opposition, der Zivilgesellschaft und der Medien, frei und unabhĂ€ngig zu berichten. OrbĂĄn darf nicht glauben, dass er Rechtsstaatlichkeit und Demokratie in Ungarn weiterhin ohne groĂe Konsequenzen mit FĂŒĂen treten und zerschlagen kann. Deswegen bitten wir Sie heute um die Zustimmung zu unserer EntschlieĂung, und deshalb werben wir dafĂŒr. Sie, liebe Kollegin von der CDU, scheinen eine BeiĂ- hemmung gegenĂŒber OrbĂĄn zu haben. Bei der StĂ€dte- partnerschaft mit Tel Aviv, bei der StĂ€dtepartnerschaft mit Istanbul hat sich Berlin zur Freiheit bekannt. Da hat Berlin ein Zeichen gesetzt und damit in gewisser Weise auch AuĂenpolitik gemacht. Warum das jetzt nicht gelten Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6629 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 soll, nur weil es um Ihren ehemaligen Kollegen aus der Föderation im Europaparlament geht, das mĂŒssen Sie mir mal erklĂ€ren. Ich finde das eine Schande! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion der SPD spricht nun die Kollegin KĂŒhnemann-Grunow.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In der Tat wird die Situation von LGBTIQ- Menschen und der ganzen Community in Ungarn immer gefĂ€hrlicher. Dazu kann ich kurz berichten: Es spricht BĂ€nde, dass die von OrbĂĄn entsandten Mitglieder der Fidesz-Partei im Ausschuss der Regionen bei der Diskus- sion, die wir in der vergangenen Plenarsitzung zu queer- politischen Themen und vor allen Dingen zur Pride in Budapest hatten, das Plenum verlassen haben. Das ist wirklich eine absolute Schande. Internationale SolidaritĂ€t bedeutet, Seite an Seite mit den bedrohten europĂ€ischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern zu stehen. Diskriminierung, Homophobie und Sexismus haben in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz, und ja, diese Entwicklungen mĂŒssen wir auf nationaler und lokaler Ebene, aber eben vor allem auch auf der europĂ€ischen Ebene angehen. Die europĂ€ische Sozialdemokratie warnt seit Langem davor, dass die ungarische Regierung unter Viktor OrbĂĄn die Rechte von Mitgliedern der LGBTIQ-Community, die Rechte von Frauen und die Rechte anderer Minder- heiten systematisch bedroht. Deshalb begrĂŒĂe ich, dass die sozialdemokratische Fraktion im Ausschuss der Re- gionen eine Delegation nach Budapest entsenden wird, um die Pride vor Ort zu beobachten und zu unterstĂŒtzen. Hier ist auch die EU-Kommission aufgefordert, einzu- greifen und im Ăbrigen ein Vertragsverletzungsverfahren zum Schutz aller queeren Menschen in Ungarn einzu- leiten. In diesem Zusammenhang begrĂŒĂe ich aber auch â und das muss man hier vielleicht auch noch mal erwĂ€hnen â, dass es einen groĂen Schulterschluss der Demokratinnen und Demokraten im EU-Parlament gibt: Christdemokra- ten, Sozialdemokraten, Liberale und GrĂŒne haben die Kommission aufgefordert, die rechtspopulistische Regie- rung von Viktor OrbĂĄn stĂ€rker unter Druck zu setzen und sĂ€mtliche EU-Hilfen fĂŒr Ungarn einzustellen, eben gera- de weil das Land grundlegende Werte der EuropĂ€ischen Union missachtet. Wer sich null um die Achtung der EU- Werte kĂŒmmert, hat 0 Euro aus dem EU-Budget verdient. Angesichts der KorruptionsvorwĂŒrfe hat die EU- Kommission ja bereits in den vergangenen Jahren um- fassende Sanktionen beschlossen, allerdings mĂŒssen auch wir feststellen, dass sich in den vergangenen Jahren, in denen die Sanktionen galten, vor Ort nichts verbessert hat. SelbstverstĂ€ndlich braucht es Zeichen der SolidaritĂ€t, auch aus Berlin als Partnerstadt Budapests und von Berlin als aktivem Mitglied im Rainbow Cities Netzwerk, aber angesichts der Angriffe auf die Zivilgesellschaft, die inzwischen im Wochentakt stattfinden, auf freie Medien, auf freie MeinungsĂ€uĂerung und nach wie vor auch auf die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz, braucht es lĂ€ngst hĂ€rtere MaĂnahmen. Deswegen: Lassen Sie uns ĂŒber diesen Antrag im Ausschuss sprechen! â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion spricht nun der Abgeordnete Eschricht.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Berlinerinnen und Berliner! WĂ€hrend sich der linke Rand mit einem seiner liebsten auĂenpolitischen Phantomprobleme beschĂ€ftigt â Ungarn, Viktor OrbĂĄn, konservative KrĂ€fte â, drĂ€ngt sich eigentlich doch folgende Frage auf: In welchem Berlin leben eigentlich die Antragsteller? â Theatralisch werden Freiheit und Grundrechte beschworen, und mit typischer Distanzlosigkeit wird sich in die inneren Angelegenheiten eines befreundeten Landes eingemischt. Dabei ignorieren sie routiniert die tĂ€glichen Gefahren, denen Homo- sexuelle und andere Kleingruppen hier in unserer Stadt ausgesetzt sind. Erst letztes Jahr musste die Berliner PolizeiprĂ€sidentin kleinlaut eingestehen â und so ehrlich mĂŒsste man sein â: Schwule und Lesben, aber auch Juden, seien in Berlin nicht mehr ĂŒberall vor Angriffen sicher. In der Regenbo- genhauptstadt Berlin ist es fĂŒr MĂ€nner riskant geworden, hĂ€ndchenhaltend durch Neukölln zu gehen. Im grĂŒnen Ground Zero Kreuzberg werden jĂŒdische MitbĂŒrger be- schimpft und bespuckt. Und wer trĂ€gt dafĂŒr die politische Verantwortung? â Nicht Viktor OrbĂĄn! Sie machen es sich zu leicht, wenn Sie behaupten, das hĂ€tte nichts mit staatlichem Handeln zu tun. Da sage ich Ihnen: Es hat aber viel mit staatlichem Unterlassen zu tun. Was hĂ€tte Berlin alles erspart bleiben können, all die Zumutungen der unkontrollierten Masseneinwanderung, (Dr. Klaus Lederer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6630 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 wenn doch nur die Weltoffenen nicht auch gleichzeitig die Weltfremden wĂ€ren. Ihr Milieu von statuslinken MoralmillionĂ€ren mit Prob- lemponys ist mittelbar fĂŒr mehr Angriffe auf Minderhei- ten in Berlin verantwortlich, als Sie sich je eingestehen könnten. Ausgerechnet die Gruppe, die Sie in der Ferne schĂŒtzen wollen, ist in Berlin im Jahr 2025 gefĂ€hrdeter als in fast allen osteuropĂ€ischen StĂ€dten. [Beifall bei der AfD â
Unfug! â Zuruf von Werner Graf (GRĂNE)] Ihr Alarmismus ist nicht angebracht. Ihr Antrag schreibt vom Vorwand des Kinderschutzes, aber auch Kinder haben Menschenrechte. Wenn, wie Sie schreiben, die Darstellung von HomosexualitĂ€t gegenĂŒber Minder- jĂ€hrigen zu einem faktischen Verbot von Pride-Paraden fĂŒhrt, dann wĂ€re es ein guter Moment zur Selbstreflexion ĂŒber die Zurschaustellung von Praktiken, welche es auch in Berlin zu bestimmten Tagen aus den Dark Rooms und Dungeons ins öffentliche StraĂenland geschafft haben. [Beifall bei der AfD â
Danke fĂŒr die Klarheit!] Die AfD ist und bleibt eine freiheitliche Partei und steht natĂŒrlich zu gleichgeschlechtlicher Liebe in unserer Stadt, jenseits von linker Vereinnahmung. [Beifall bei der AfD â
Heuchelei!] Es gibt aber keinen Skandal in Budapest, es gibt ein poli- tisches Versagen in Berlin. Im Lichte der Parteiverbotsfantasien am linken Rand stellt sich mir nur eine Frage: Wie gewinnt man die GrĂŒ- nenwĂ€hler wieder fĂŒr die Demokratie zurĂŒck? â In die- sem Sinne: Wir bleiben wachsam! [Beifall bei der AfD â
Pfundskerl!] Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Die antrag- stellenden Fraktionen haben eine sofortige Abstimmung beantragt; die Koalitionsfraktionen beantragen dagegen die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Aus- schuss fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminie- rung. Um den Antrag auf sofortige Abstimmung begrĂŒnden zu können, hat nun der parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, Sebastian Walter, das Wort â jetzt wahrscheinlich in seiner Funktion als Fach- politiker. â Bitte schön, Sie haben bis zu drei Minuten!
Vielen Dank! â Wir GrĂŒne und Linke haben fĂŒr diesen Antrag eine Sofortabstimmung beantragt, und es klingt jetzt durch, dass die Regierungsfraktionen das ablehnen werden. BegrĂŒndungen haben wir schon gehört; wahr- scheinlich könnte man auch sagen: Es ist ĂŒblich, dass mit OppositionsantrĂ€gen halt so umgegangen wird. Ich glau- be aber, es ist sehr deutlich geworden, dass dieses An- liegen dringlich ist, und dass die Vertagung in die Aus- schĂŒsse bedeutet, dass das Parlament nicht mehr recht- zeitig vor der Budapest Pride ein Signal senden kann. Ehrlicherweise ist das dĂŒrftig. Das bedeutet, dass die queere Community in Budapest von dieser Regierung in der Sache selbst nicht mehr viel wird erwarten können oder dĂŒrfen. Das ist ein Trauerspiel, und das ist der Re- genbogenhauptstadt unwĂŒrdig. Vielen Dank! â Ich frage, ob es eine Gegenrede aus den Koalitionsfraktionen gibt. â Das ist nicht der Fall. Dann lasse ich gemÀà § 68 der GeschĂ€ftsordnung zu- nĂ€chst ĂŒber den Ăberweisungsantrag abstimmen. Wer den Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion die Linke an die genannten AusschĂŒsse ĂŒberweisen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen der SPD sowie der CDU und der AfD. Wer stimmt dagegen? â Das sind die Fraktionen Die Linke und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Sicherheitshalber frage ich nach Enthaltungen â die ich nicht sehe. Damit ist die Ăberweisung beschlossen und eine Abstimmung ĂŒber den Antrag erfolgt heute nicht. Die Tagesordnungspunkte 74 bis 78 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 79: 15. MĂ€rz: Internationaler Tag gegen Islamfeindlichkeit Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/2438 In der Beratung beginnt die Fraktion der SPD. â Bitte schön, Herr Kollege Ăzdemir, Sie haben das Wort! (Robert Eschricht) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6631 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Seit dem 11. September 2001 erleben wir in Deutschland eine stetige gesellschaftliche Abwertung und Diskriminierung von Menschen, die als Musliminnen und Muslime gele- sen werden. Es reicht ein Name, ein Bart, ein Kopftuch. Die Zuschreibung allein genĂŒgt. Muslimisches Leben wird entweder problematisiert oder systematisch ausge- blendet. Es findet kaum noch als selbstverstĂ€ndlicher Teil unserer demokratischen Gesellschaft statt. Stattdessen wird es ersetzt durch Stereotype, durch Angstbilder und pauschale VerdĂ€chtigungen. Diese fortschreitende Ent- menschlichung bleibt nicht folgenlos. Sie schafft ein Klima, und dieses Klima schafft Gewalt. Christchurch, Hanau, Dresden, La Grand-Combe: Das sind keine EinzelfĂ€lle. Das sind Tatorte eines global ver- netzten und lokal zuschlagenden Hasses â ein Hass, der sich gegen Moscheen, gegen Familien, gegen Kinder richtet. Ein Hass, der versucht, muslimisches Leben zu vernichten oder mindestens zum Verstummen zu bringen. Am 15. MĂ€rz 2019 tötete ein Rechtsextremist beim Frei- tagsgebet in Christchurch 51 Menschen. Die Vereinten Nationen erklĂ€rten diesen Tag zum Internationalen Tag gegen Islamfeindlichkeit. Zahlreiche Metropolen welt- weit haben ihn lĂ€ngst ĂŒbernommen. Berlin darf hier als eine der wichtigsten europĂ€ischen Metropolen nicht lĂ€n- ger abseits stehen. Es ist Zeit, dass wir uns international bekennen â sichtbar, politisch und verbindlich. Denn Islamfeindlichkeit ist Alltag: Allein im vergangenen Jahr wurden fast 2 000 Ăbergriffe dokumentiert, und das ist keine Randnotiz. Das ist eine sicherheitspolitische und gesellschaftliche RealitĂ€t. Dieser offizielle und internationale Gedenk- und Aktions- tag in Berlin erfĂŒllt mehrere Funktionen: Er erkennt Un- recht an. Er benennt RealitĂ€ten. Er lĂ€dt zur Auseinander- setzung ein, ohne falsche Ausgewogenheit, und er sendet ein klares Signal in eine Ăffentlichkeit, in der man ja wohl noch sagen darf, aber offenbar nicht mehr wider- sprochen werden soll. Am 15. MĂ€rz geht es um Schutz, um Sichtbarkeit und um ein Versprechen, dass die WĂŒrde des Menschen unantastbar ist â und zwar jedes Men- schen. Berlin darf nicht neutral bleiben, wenn Muslimin- nen diskriminiert werden. Der 15. MĂ€rz wird kein Feier- tag. Er wird ein PrĂŒfstein fĂŒr unsere politische Kultur, fĂŒr unsere SolidaritĂ€t und ja, fĂŒr die Frage, ob wir es wirklich ernst meinen mit den Grundrechten fĂŒr alle. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat die Kollegin Bozkurt das Wort. FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, Entschuldi- gung!
Immerhin, der Name stimmte. Jetzt wird es schwierig, den Ăbergang zu finden. Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es beginnt auf dem Spielplatz, nahe unserem neuen Zu- hause in dieser neuen Stadt. Ich bitte um ein wenig Platz fĂŒr meinen Sohn, drei Jahre alt. Auf der Schaukel sitzt ein Mann: von auĂen jung, im Inneren lange tot. âIslamistin! Terroristin!â, zischt er â Sprache, mit der er meinem Kind und mir droht. Er sagt, wir dĂŒrften hier nicht sein â nicht in seinem Land. Ich werde nie verstehen, wie Worte einen Körper mit Schuld ĂŒbersĂ€en können. Es beginnt mit einem Brief ans Gericht, nur Wochen vor meinem Tod: ein Manifest des Hasses. Keine Fantasie, nur deutsche RealitĂ€t, schwarz auf weiĂ. Dann beginnt der Tag der Verhandlung. DrauĂen Sommer, drinnen kaltes GerichtsgebĂ€ude. Keine Durchsuchung, keine Detektoren. Mein Sohn an meiner Seite. Mein Ungebore- nes unter meinem Herzen. Dann schwarzer Rucksack, ReiĂverschluss, Metallklingen. Ein japanisches Kampf- messer, 18 Zentimeter Klinge. 18-mal trifft sie mich. Leber. Lunge. Herz. 30 Sekunden: Dann verblute ich. Blaulicht. Sirenen. Zu spĂ€t. Mein Mann sieht mich zum letzten Mal. Auch er wird niedergestochen. Ein Polizist stĂŒrmt den Saal. Sieht wei- Ăen Mann, braunen Mann und schieĂt: nicht auf meinen Mörder, sondern auf meinen Ehemann. Mein Sohn sieht zu. Alle fliehen. Er bleibt zurĂŒck. Sie heben meinen Kör- per auf, rot getrĂ€nkt in Kopf- und Totentuch. Mein Mann im Koma, mein Kind bei Fremden. Meine Eltern ohne jede Nachricht. Bis heute keine offizielle Entschuldigung. Keine Untersuchung, keine Antworten. Nur Schlagzeilen, die lauten: Schaukelstreit eskaliert! Ich heiĂe Marwa El-Sherbini. Ich war 31 Jahre alt, Hand- ballnationalspielerin und Pharmazeutin. Am 1. Juli 2009 wurde ich in einem deutschen Gerichtssaal von einem deutschen Rassisten ermordet. Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der Koalitions- fraktionen! Sie sprechen heute ĂŒber einen UN-Gedenktag und vermeiden so den Blick in den Spiegel. Der 15. MĂ€rz erinnert an die rassistische Tat im Jahr 2019 im entfernten Neuseeland. Der 1. Juli 2009 hingegen ist nah: ein Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6632 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Gewaltakt antimuslimischen Rassismus hier mitten in unserer Justiz â unsere RealitĂ€t, unser Diskurs und unsere Verantwortung. Heute haben Sie die Gelegenheit, Un- recht zu benennen und diese Verantwortung zu ĂŒberneh- men. Stehen Sie zum 1. Juli, dem Tag gegen antimuslimi- schen Rassismus. Das ist Ihre Chance, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Ich hoffe, Sie nutzen das. â Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Kollegin! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat die Kollegin Senge jetzt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Eine Bemerkung vorab: Ich glaube, in dieser Weise zu artikulieren, dass es hier bei unserem Antrag darum ginge, auf der richtigen oder falschen Seite der Geschichte zu stehen, ist fĂŒr das Thema nicht ganz ange- messen. Der 15. MĂ€rz wurde von der UN-Vollversammlung als der Internationale Tag des Kampfes gegen Islamfeind- lichkeit als eine Reaktion auf einen Anschlag in Neusee- land ausgerufen, bei dem ein Rechtsextremist 51 Mus- lime tötete, weil sie Muslime waren. Ja, auch in Deutsch- land gibt es Angriffe und Ablehnung, Gewalt von Men- schen gegen Menschen, weil sie Muslime sind oder zu sein scheinen. Nach der diese Woche veröffentlichten Bundesstatistik sind die Taten auf Religionsgemeinschaf- ten, Kirchen, jĂŒdische und muslimische Menschen im letzten Jahr deutlich gestiegen, die Angriffe auf Mo- scheen um 12 Prozent von 70 auf 79. Es gab insgesamt 7 500 Angriffe auf Personen aufgrund ihrer Religion, wobei davon 5 500 FĂ€lle gegen jĂŒdische und 1 700 gegen muslimische Personen gerichtet waren. Und um diese â denn 1 700 sind 1 700 zu viel â geht es heute in dieser Debatte und soll es kĂŒnftig am 15. MĂ€rz gehen. Wir wis- sen auch, eine polizeiliche Statistik zeigt immer nur die Spitze des Eisbergs. Darunter gibt es ein breites Feld von Beleidigungen und Abwertungen im Alltag, die nicht angezeigt werden, die aber Verletzungen hinterlassen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt schaden. Jeder Mensch ist als Individuum Inhaber der MenschenwĂŒrde. Jeder und jede kann in unserem Land frei entscheiden, ob und welche Religion er lebt. Es verbietet sich daher, Menschen aufgrund ihrer Religion zu benachteiligen oder ihnen ungehemmt Hass entgegenzuschleudern. Wir haben bereits eine ganze Reihe von MaĂnahmen ergriffen, die dazu beitragen sollen, dass Muslime in Berlin zu Hause sind und ihre Religion leben können. So haben wir die Bestattungen innerhalb von 48 Stunden ermöglicht, und wir haben Mittel bereitgestellt, um weite- re muslimische GrabflĂ€chen zu schaffen, die dringend benötigt werden. Nun wird mit dem 15. MĂ€rz ein Tag geschaffen, an dem zu gegenseitigem Respekt, Begeg- nung und Austausch eingeladen werden soll, an dem verschiedene Einrichtungen und Moscheen ihre TĂŒren öffnen und das Verbindende, Gemeinsame, das Mensch- liche in den Mittelpunkt gerĂŒckt wird. Und das ist eine gute Sache. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Linksfraktion hat die Kollegin Eralp das Wort.
Sehr geehrte PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kolle- gen! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Dieser Antrag ist nicht mal eine halbe Seite lang. Es sind inklusive BegrĂŒndung genau sieben SĂ€tze, und darin steht so gut wie gar nichts. Der einzige Inhalt ist, dass an dem von den Vereinten Nationen wegen des furchtbaren antimuslimischen Terroranschlags in Christ- church zum internationalen Aktionstag erklĂ€rten Tag der Senat stĂ€rker mit muslimischen Gemeinden in den Dialog treten und sie bei Veranstaltungen unterstĂŒtzen soll. Das ist dermaĂen dĂŒnn und wird dem Kampf gegen antimus- limischen Rassismus ĂŒberhaupt nicht gerecht. Es gibt auĂerdem den Tag gegen antimuslimischen Ras- sismus am 1. Juli, wo beispielsweise die Dokumentati- onsstelle CLAIM, aber auch viele andere anlĂ€sslich der Ermordung von Marwa Esl-Sherbini Aktionswochen veranstalten. FĂŒr solche Taten braucht man nĂ€mlich lei- der nicht bis Ăbersee schauen, wie auch meine Kollegin Bozkurt schon gesagt hat, so etwas passiert hier in Deutschland. Und dieser Tag ist ĂŒbrigens auf Initiative der Communitys entstanden. Hier könnte sich der Senat noch viel stĂ€rker engagieren, statt ohne Dialog mit den VerbĂ€nden einen anderen Tag zu nehmen und dann nicht mal klar von Rassismus zu sprechen. Das Problem ist hier vor allem, dass Schwarz-Rot mal wieder reine Symbolpolitik macht, denn nahezu nichts, was AntidiskriminierungsverbĂ€nde, muslimische Ge- meinden und ja, die eigens vom Senat eingerichtete Ex- pertinnen- und Expertenkommission gegen antimuslimi- schen Rassismus fordert, ist umgesetzt. Das Ganze erin- nert doch stark an die Instagram-Kachel, die Herr Wegner (Tuba Bozkurt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6633 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 nach seiner Wahl zum BĂŒrgermeister geteilt hat, wo er die Vielfalt Berlins preist, dabei haben er und seine CDU kurz davor massiv diese Vielfalt angegriffen und zum Stimmenfang von rechts rassistische Silvesterdebatten und Vornamenabfragen durch unser vielfĂ€ltiges Berlin gejagt. Wen wollen Sie hier von der CDU eigentlich mit diesem Antrag verĂ€ppeln? Und liebe SPD, geht ihr wirklich davon aus, dass das ausreicht? â Wir haben gemeinsam mit den GrĂŒnen schon im Juni letzten Jahres zwei AntrĂ€ge zum Kampf gegen antimuslimischen Rassismus eingereicht. Ich hoffe, jetzt stimmen Sie auch endlich einer Anhörung im Antidis- kriminierungsausschuss dazu zu, gern auch gemeinsam mit Ihrem Antrag, damit der Dialog mit den muslimi- schen Gemeinden und den VerbĂ€nden auch hier im Par- lament stattfinden kann. Zum einen fordern wir eine Ansprechperson gegen anti- muslimischen Rassismus. Die haben Sie dann viel spĂ€ter fĂŒr den 1. Juli zugesagt. Die Stelle ist aber noch nicht ausgeschrieben. Ist ja nicht mehr lange hin. Werden Sie auch dieses Versprechen brechen? Und zum anderen fordern wir die Umsetzung der Empfehlungen der Exper- tinnen- und Expertenkommission. Wann werden Sie nun das De-facto-Kopftuchverbot im NeutralitĂ€tsgesetz zu- mindest mal fĂŒr LehrkrĂ€fte wie versprochen abschaffen? Wie lange wollen Sie diesen verfassungswidrigen Zu- stand noch aufrechterhalten? Trotz etlicher Nachfragen meinerseits haben Sie bisher dazu nichts geliefert, nicht mal einen Zeitplan. Als Linke haben wir auf unserem Parteitag am Wochen- ende sogar beschlossen, dass wir das Verbot nicht nur an Schulen beenden, sondern das NeutralitĂ€tsgesetz in GĂ€n- ze abschaffen wollen, damit im gesamten öffentlichen Dienst kopftuchtragende Frauen arbeiten können und diese Diskriminierung end- lich ein Ende hat. Das wĂ€re ĂŒbrigens mal eine reale Verbesserung fĂŒr die Musliminnen in unserer Stadt, statt sieben nichtssagende SĂ€tze. Und was ist eigentlich Ihre konkrete Antwort auf die steigenden antimuslimischen Ăbergriffe? CLAIM berich- tet zuletzt von fĂŒnf Taten tĂ€glich in Deutschland, davon viele in Berlin. Am 4. Juni wird der nĂ€chste Bericht vor- gestellt, ich hoffe, Sie hören sich das alle gut an. Und das ist nur das Hellfeld. In unserem Antrag fordern wir gemeinsam mit den GrĂŒnen daher auch regelmĂ€Ăige Dunkelfeldstudien und beispielsweise die Beauftragung einer Studie zu antimuslimischen Strukturen und Prakti- ken in Bildungseinrichtungen, denn von dort erreichen uns sehr viele Beschwerden. Aber was machen Sie? â Statt diesen Forderungen aus der Zivilgesellschaft nachzukommen, gibt die Bildungsver- waltung 250 000 Euro fĂŒr eine Studie zum sogenannten religiösen KonformitĂ€tsdruck an Schulen aus. Dort geht es darum, wie Sie ein Kopftuchverbot ĂŒber Umwege an Schulen trotz der Gerichtsurteile doch noch begrĂŒnden können, da Sie einfach nicht davon ablassen können, Muslimin- nen unter Generalverdacht zu stellen. Die Musliminnen in Berlin und auch diejenigen, die als solche wahrgenom- men werden, haben mehr verdient als diese sieben nichts- sagenden SĂ€tze in Ihrem Koalitionsantrag. â Danke! [Beifall bei der LINKEN und den GRĂNEN â
Was fĂŒr ein Quatsch!] Zum Abschluss fĂŒr die AfD-Fraktion der Abgeordnete Trefzer.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Eins muss man der Koalition lassen: Der Zeitpunkt fĂŒr die Einbrin- gung des vorliegenden Antrags könnte nicht besser ge- wĂ€hlt sein. Er passt wie die Faust aufs Auge. Denn erst vor zwei Tagen hat die Dokumentationsstelle RIAS be- richtet, dass die Welle des Antisemitismus, die unsere Stadt seit dem 7. Oktober 2023 erfasst hat, weiter völlig ungebremst durch Berlin rollt. Juden können sich im offenen, im öffentlichen Raum nur noch bewegen, wenn sie ihr JĂŒdischsein verbergen. Der Treibsatz dafĂŒr ist der muslimische Antisemitismus, der seit Jahren kleingeredet und bagatellisiert wird. Jeder, der sich mit diesem Thema ernsthaft auseinander- setzt, wird mit dem pseudowissenschaftlichen Vorwurf des antimuslimischen Rassismus oder der Islamfeindlich- keit ĂŒberzogen. Und genau in dieses Horn stoĂen nun auch CDU und SPD mit dem vorliegenden Antrag. Sie lassen sich von (Elif Eralp) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6634 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 CLAIM, einer Organisation, die von fragwĂŒrdigen Akt- euren aus dem Dunstkreis der Muslimbruderschaft durch- setzt ist, am Nasenring durch die Manege ziehen. Lydia Nofal und Mohamad Hajjaj, beides langjĂ€hrige SPD-Mitglieder und AnhĂ€nger der Muslimbruderschaft, dĂŒrften vor Begeisterung in die HĂ€nde klatschen, wenn sie sĂ€hen, wie Raed Saleh die CDU vor sich hertreibt. Dabei hĂ€tte ein einziger Blick in die Zeitung der letzten Tage genĂŒgt, um Ihnen die reale Bedrohungslage in unse- rer Stadt vor Augen zu fĂŒhren. Am Montag berichtete die SĂŒddeutsche Zeitung, dass an der Carl-Bolle-Grundschule in Moabit ein schwuler Leh- rer seit Jahren von muslimischen SchĂŒlern gemobbt wird. Wir hatten darĂŒber gesprochen. Eine andere Meldung kam dieser Tage aus dem Wedding. Ein Mann, der von Unbekannten gefragt wurde, ob er Moslem sei, wurde brutal zusammengeschlagen, als er erklĂ€rte, dass er Christ ist. Und die Wahrscheinlichkeit fĂŒr einen Juden, Opfer eines antisemitischen Deliktes zu werden, war bereits 2023 ĂŒber 200-mal gröĂer als fĂŒr einen Moslem, Opfer eines antimuslimischen Deliktes zu werden. Dieser Fak- tor ist seither noch weiter in die Höhe geschnellt. Im Berliner Verfassungsschutzbericht von vorgestern konnten Sie wiederum nachlesen, wie gerade junge Men- schen durch salafistische und islamistische Propaganda immer stĂ€rker zu solchen Taten angestachelt werden. Das ist es, was die Menschen in dieser Stadt bewegt und be- sorgt, und zwar Muslime und Nichtmuslime gleicherma- Ăen. [Beifall bei der AfD â
Die meinten den Rechtsextremismus der AfD!] Sie erwarten vollkommen zu Recht, dass der Senat und die ihn tragenden Parteien dem Islamismus endlich kon- sequent entgegentreten, statt den fundamentalistischen IslamverbĂ€nden nach dem Munde zu reden. Die EinfĂŒh- rung eines Tages gegen Islamfeindlichkeit wird dazu fĂŒhren, Kritik am Islam gesellschaftlich weiter zu Ă€chten und moderate und sĂ€kulare Muslime weiter unter Druck zu setzen. In Wahrheit erweisen Sie mit diesem Antrag den gemĂ€Ăigten, friedliebenden Muslimen in diese Stadt einen BĂ€rendienst. [Beifall bei der AfD â
Bravo!] Denn die meisten Muslime haben die stĂ€ndige Viktimi- sierung, die ihnen von Teilen der politischen Klasse und den IslamverbĂ€nden unter dem Label des antimuslimi- schen Rassismus regelrecht aufgedrĂ€ngt wird, grĂŒndlich satt und wĂŒrden auf den Tag gegen Islamfeindlichkeit liebend gern verzichten. Haben Sie im Ăbrigen mal darĂŒber nachgedacht, wer dann als islamophob hingestellt werden und mit dem Tag gegen Islamfeindlichkeit noch stĂ€rker zur Zielscheibe wird? â Das sind in erster Linie gemĂ€Ăigte und liberale Muslime wie zum Beispiel Ahmad Mansour und Seyran AteĆ â ja, Seyran AteĆ wurde der Islamophobie beschuldigt â oder andere Kritiker des Islam wie Hamed Abdel- Sahmad â â Abdel-Samad, Necla Kelek oder GĂŒner Balcı. Wenn Sie tatsĂ€chlich etwas gegen die Spaltung unserer Gesellschaft und gegen den Extremismus tun wollen, dann lassen Sie die Finger vom Internationalen Tag gegen Islamfeindlichkeit und ziehen Ihren Antrag zurĂŒck. Mit diesem Antrag sind Sie jedenfalls grĂŒndlich auf dem Holzweg. â Danke fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit, und ich wĂŒnsche noch einen schönen Abend! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Kultur, Engagement und Demokra- tieförderung. â Widerspruch höre ich nicht; dann verfah- ren wir so. Tagesordnungspunkt 80 war die PrioritĂ€t der Fraktion der SPD mit der Nummer 5.1 und Tagesordnungspunkt 80 A die der Linken mit der Nummer 5.3. Ich rufe auf lfd. Nr. 80 B: Vorausplanendes Notfallmanagement fĂŒr havariegefĂ€hrdete BrĂŒcken Dringlicher Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2452 Der Dringlichkeit hatten Sie bereits eingangs zugestimmt. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wir die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Aus- schuss fĂŒr MobilitĂ€t und Bauen sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. â Ich habe gerade den Ausschuss falsch bezeichnet: an den Ausschuss fĂŒr MobilitĂ€t und Verkehr und mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Woh- nen. So ist es richtig. â Widerspruch höre ich nicht; dann verfahren wir so. (Martin Trefzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6635 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Die Tagesordnungspunkte 81 und 82 stehen auf der Kon- sensliste. Meine Damen und Herren! Damit sind wir am Ende unse- rer heutigen Tagesordnung. Die nĂ€chste Plenarsitzung findet am Donnerstag, den 12. Juni, um 10 Uhr statt. Die Sitzung ist geschlossen. Allen einen schönen Abend! (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6636 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Anlage Konsensliste Vorbehaltlich von sich im Laufe der Plenarsitzung ergebenden Ănderungen haben Ăltestenrat und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Fraktionen vor der Sitzung empfohlen, nachstehende Tagesordnungspunkte ohne Aussprache wie folgt zu behandeln: Lfd. Nr. 27: AufklĂ€rungsquote bei FahrraddiebstĂ€hlen erhöhen â Aktionsprogramm âDiebstahlschutz Fahrradâ initiieren Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 17. Juni 2024 Drucksache 19/1783 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1027 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 28: Regierungszugriff auf die politische Bildung verhindern! â UnabhĂ€ngigkeit der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung erhalten! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bildung, Jugend und Familie vom 10. Oktober 2024 Drucksache 19/1971 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1905 vertagt Lfd. Nr. 29: Grundrecht auf Asyl verteidigen â Wohnen und Partizipation organisieren Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 24. Februar 2025 Drucksache 19/2258 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1050 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 30: Die Reform der LehrkrĂ€fteausbildung im neuen Landesinstitut (BLiQ) braucht Transparenz und QualitĂ€t Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bildung, Jugend und Familie vom 20. MĂ€rz 2025 Drucksache 19/2322 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2154 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 31: Mehr Sicherheit fĂŒr Frauen und MĂ€dchen in Berlin â EinfĂŒhrung eines Frauennachttaxi- Modellprojekts in den Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr MobilitĂ€t und Verkehr vom 26. Februar 2025 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 2. April 2025 Drucksache 19/2363 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1390 vertagt Lfd. Nr. 32: Vermögensteuer wieder einfĂŒhren â Reiche mĂŒssen ihren fairen Beitrag leisten! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 12. MĂ€rz 2025 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 2. April 2025 Drucksache 19/2364 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1952 vertagt Lfd. Nr. 33: Hauptstadtfunktion mit dem Komplettumzug der Ministerien nach Berlin vollenden! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 12. MĂ€rz 2025 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 2. April 2025 Drucksache 19/2365 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2179 mehrheitlich â gegen AfD â abgelehnt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6637 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Lfd. Nr. 34: Abstimmung zur Schuldenbremse: Keine VerfassungsĂ€nderung ohne substanzielle Reform Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 2. April 2025 Drucksache 19/2366 zum Antrag der Fraktion Die Linke auf Annahme einer EntschlieĂung Drucksache 19/2290 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 37: Green Gaming: Nachhaltige Games-Produktion fördern Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 9. April 2025 Drucksache 19/2385 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1957 mehrheitlich â gegen GRĂNE bei Enthaltung LINKE â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 38: Den Teilnehmer*innen und Projekten des Solidarischen Grundeinkommens (SGE) eine sinnvolle Perspektive geben Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Arbeit und Soziales vom 3. April 2025 Drucksache 19/2391 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2275 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 39: Mieter*innenschutz ausbauen und § 6 Wirtschaftsstrafgesetz zur Anwendung bringen: VerdrĂ€ngung aufgrund baulicher VerĂ€nderungen in missbrĂ€uchlicher Weise verhindern Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 12. Mai 2025 Drucksache 19/2414 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1671 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 40: Bezahlbare Wohnungen sichern â Mietspiegel gerechter gestalten! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 12. Mai 2025 Drucksache 19/2415 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2216 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 42: Erdogan die Grenzen aufzeigen: Die Zusammenarbeit mit DITIB beenden! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Kultur, Engagement und Demokratieförderung vom 12. Mai 2025 Drucksache 19/2417 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/1267 vertagt Lfd. Nr. 44: Nr. 7/2025 des Verzeichnisses ĂŒber VermögensgeschĂ€fte Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 14. Mai 2025 Drucksache 19/2444 einstimmig â mit allen Fraktionen â zugestimmt Lfd. Nr. 47: a) Wohnungs- und Obdachlosigkeit beenden I â Mehr Schutz und UnterstĂŒtzung fĂŒr obdachlose Frauen* sicherstellen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2238 vertagt b) Wohnungs- und Obdachlosigkeit beenden II â PraÌvention stĂ€rken Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2311 vertagt Lfd. Nr. 48: Das Grab von Hatun Aynur SĂŒrĂŒcĂŒ retten! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2273 Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6638 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 vertagt Lfd. Nr. 49: Gesundheitliche Akutversorgung sicherstellen â Medipoint fĂŒr GeflĂŒchtete in der Unterkunft am Tempelhofer Feld einrichten! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2274 vertagt Lfd. Nr. 50: StĂ€rkung und Förderung von NahwĂ€rme- Genossenschaften bei der WĂ€rmewende Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2302 an WiEnBe Lfd. Nr. 51: Ergebnisse des Runden Tisches Sexarbeit endlich umsetzen â Rechte und Schutz von Sexarbeitenden im KurfĂŒrstenkiez stĂ€rken Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2327 an IntGleich (f), ArbSoz und Haupt Lfd. Nr. 52: Verbesserung der Barrierefreiheit und Fahrgastinformation im Berliner Nahverkehr durch automatisierte Umsteigeansagen in Bussen und StraĂenbahnen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2346 vertagt Lfd. Nr. 53: Elektronische Bezahlkarte fĂŒr alle Asylbewerber und Geduldete auĂerhalb von GemeinschaftsunterkĂŒnften in Berlin endlich dauerhaft und umfassend einfĂŒhren Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2347 vertagt Lfd. Nr. 54: FĂŒr besseren Hundeschutz: sogenannte Rasseliste abschaffen, verbindlichen HundefĂŒhrerschein einfĂŒhren! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2370 vertagt Lfd. Nr. 55: Reformieren, entlasten, vorbereiten: Die Zukunft der Jurist*innenausbildung Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2372 an Recht Lfd. Nr. 56: Umsetzung der Solarpflicht auf öffentlichen GebĂ€uden Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2389 vorab an WiEnBe (f) und UK Lfd. Nr. 57: Bio-Lebensmittel fĂŒr alle Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2398 an Recht (f), ArbSoz, GesPfleg und UK Lfd. Nr. 58: Keine kalten FreibĂ€der â Erholungswert erhalten, Sicherheit der BadegĂ€ste gewĂ€hrleisten Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2401 vertagt Lfd. Nr. 59: Absenkung der StrafmĂŒndigkeit auf 12 Jahre Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2402 vertagt Lfd. Nr. 60: a) Landesaufnahmeregelungen verlĂ€ngern â sichere Fluchtwege ermöglichen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2403 vertagt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6639 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 b) VerlĂ€ngerung der Landesaufnahmeregelung fĂŒr syrische, irakische und afghanische GeflĂŒchtete mit Verwandten in Berlin Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2427 vertagt Lfd. Nr. 61: Schulwegplanung einhalten Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2409 vertagt Lfd. Nr. 62: EinfĂŒhrung des Wahlpflichtfachs âFeuerwehrunterrichtâ fĂŒr die Jahrgangsstufen 9 und 10 an Berliner Sekundar- und Gemeinschaftsschulen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2410 vertagt Lfd. Nr. 63: Pflicht zur Ausstattung von E-Rollern mit Sicherheitstechnologien zur MissbrauchsprĂ€vention Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2411 vertagt Lfd. Nr. 67: Gelingende ĂbergĂ€nge von der Schule in den Beruf brauchen eine gute Berufsorientierung â Der Senat muss die KĂŒrzungen zurĂŒcknehmen! Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2423 an BildJugFam Lfd. Nr. 69: Obdachlosenlots*innen im Umfang und QualitĂ€t erhalten Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2425 an ArbSoz Lfd. Nr. 70: Anerkennung von zivilgesellschaftlicher GeflĂŒchtetenarbeit â sofortige UnterstĂŒtzung von âMoabit hilftâ Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2426 an IntGleich Lfd. Nr. 71: Zeit fĂŒr den Senat zu handeln: EinfĂŒhrung eines Dublin-Abschiebezentrums in Berlin jetzt! Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2428 vertagt Lfd. Nr. 74: Empfehlungen des Berliner KlimabĂŒrger*innenrats endlich umsetzen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2431 vertagt Lfd. Nr. 75: Zweiten Bahnring in Berlin schlieĂen: Nahverkehrstangente Ost als gemeinsames Schienenprojekt mit Brandenburg vorantreiben Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2432 vertagt Lfd. Nr. 76: Gleichbehandlung jetzt â fĂŒr eine Ramadan- Beleuchtung in Berlin! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2433 an IntGleich (f) und WiEnBe Lfd. Nr. 77: Voraussetzungen fĂŒr inklusiven Sport schaffen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2434 vertagt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 6640 Plenarprotokoll 19/66 22. Mai 2025 Lfd. Nr. 78: a) Mentale Gesundheit in Schulen stĂ€rken: Ausbildung verbessern Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2435 vertagt b) Mentale Gesundheit in Schulen stĂ€rken: UnterstĂŒtzungsangebote fĂŒr die Betroffenen weiterentwickeln Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2436 vertagt c) Mentale Gesundheit in Schulen stĂ€rken: FĂŒr Entlastung sorgen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2437 vertagt Lfd. Nr. 81: Aufgabe zweier ungedeckter AuĂensportanlagen zugunsten des Neubaus einer Sporthalle und des Umbaus sowie der Sanierung des Schadow- Gymnasiums, BeuckestraĂe 25-29, 14163 Berlin gemÀà § 7 Abs. 2 Sportförderungsgesetz Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2400 an Sport Lfd. Nr. 82: Entwurf des Bebauungsplans 3-87 vom 24. MĂ€rz 2025 fĂŒr eine TeilflĂ€che des GelĂ€ndes des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/2441 an StadtWohn