Protokoll — Sitzung 7 Abgeordnetenhaus von Berlin

VollstÀndige Mitschrift der Sitzung 7, 2022-02-24.

Sprach am meisten: Dr. Robbin Juhnke (14% Wörter). Redner: 32, Wortmeldungen: 73.

VollstÀndige Mitschrift

Kai Wegner

Herr PrĂ€sident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In den letzten Tagen, wenn wir vor den Fernsehern saßen, wenn wir uns die Presselagen angeschaut haben, ging es mir hĂ€ufig so, dass ich mich zurĂŒckerinnert fĂŒhlte an Zeiten, von denen wir glaubten, dass sie lĂ€ngst ĂŒberwunden sind, an die Zeiten des Kalten Krieges, wo Berlin Frontstadt zwischen den MĂ€chten als geteilte Stadt war. Diese Zeiten lagen so weit hinter uns. Ich hĂ€tte niemals gedacht, dass ich in meiner Lebenszeit noch einmal einen Krieg in Europa, auf unserem Konti- nent, in direkter Nachbarschaft zu Deutschland erleben muss. Das, was der russische PrĂ€sident, was der Despot Putin macht, ist absolut inakzeptabel. Hier muss es eine glasklare Antwort Deutschlands, Europas, der transatlan- tischen Partner, der ganzen Welt geben: Russland muss diesen Angriffskrieg bitter zu spĂŒren bekommen. Russ- land muss isoliert werden. Als ich nunmehr heute Morgen aufgestanden bin und die Bilder von Bomben gesehen habe, die Berichterstattung in den Medien, wie Frauen und Kinder in Luftschutzbun- kern sitzen, weinen, weil sie Angst haben, habe ich meine Kinder gesehen: meinen Sohn, der heute mit 15 Jahren unbeschwert zur Schule gegangen ist, meine Tochter, die mit 5 Jahren heute in ihrer Kita mit Freundinnen und Freunden spielt und meinen kleinen Sohn, der zu Hause bleibt und heute hoffentlich einen schönen Tag erlebt, an dem er viel lernt. – Die Kinder in der Ukraine haben gestern Abend, als sie ins Bett gegangen sind, gedacht, sie gehen heute zur Schule, sie gehen heute in die Kita. Ich schĂ€me mich, dass es uns und unseren Partnern nicht gelungen ist, diesen Kindern die Möglichkeit zu geben, heute einen unbeschwerten Tag zu erleben. Ja – mir geht es wie vielen Berlinerinnen und Berlinern, wie vielen Menschen auf der Welt: Ich habe Angst. Ich habe Angst vor einem GroßflĂ€chenbrand, ich habe Angst vor einem Krieg in Europa. – Deswegen geht es jetzt darum, Wladimir Putin deutlich in die Schranken zu weisen. Wir mĂŒssen geschlossen zusammenstehen. Das, was Putin hier macht, ist absolut inakzeptabel. Die Rus- sen mĂŒssen sich aus der Ukraine bedingungslos zurĂŒck- ziehen. Wir mĂŒssen zurĂŒck an den Verhandlungstisch, aber wer nicht an den Verhandlungstisch will, wer nicht gesprĂ€chsbereit ist, den kannst du nur schwer dazu zwin- gen. Deswegen ist es richtig, dass wir gegen Putin auch mit einer deutlichen Sprache sprechen mĂŒssen. Putin versteht die Sprache des Drucks. Deswegen mĂŒssen wir auch nicht nur SolidaritĂ€t zeigen. Auch ich danke der Regierenden BĂŒrgermeisterin dafĂŒr, dass das Brandenburger Tor, das Symbol der Freiheit, das Symbol der Einheit, gestern Nacht in den ukrainischen Nationalfarben angestrahlt wurde. Aber nur SolidaritĂ€t reicht den Menschen in der Ukraine nicht. Die Ukrainer flehen nach UnterstĂŒtzung. Wir mĂŒssen ihnen helfen, sich zu verteidigen. Da kann es doch nur ein Scherz sein, wenn die Hilfe Deutschlands 5 000 Helme sind, die noch nicht mal in der Ukraine angekommen sind. Genau vor dem Hintergrund – meine Vorrednerin hat es gesagt –: In Berlin leben mehr als 26 000 Russinnen und Russen. In Berlin leben mehr als 11 000 Ukrainerinnen und Ukrainer. Wir leben hier friedlich zusammen, ge- meinsam in unserer Stadt. Ich denke auch an diese Men- schen, und ich wĂŒnsche mir, dass wir aus Berlin dieses Signal des friedlichen Miteinanders auch Richtung Russ- land, Richtung Putin ausstrahlen. Auch wenn wir heute zwei unterschiedliche Resolutionen auf dem Tisch haben, eint uns eines ganz gewiss: volle SolidaritĂ€t mit der Ukraine, kein Krieg in Europa. Lassen Sie uns alles daran setzen, dass der russische Aggressor seinen Angriffskrieg beendet und die Ukraine frei und selbstbestimmt in Europa ein starker Partner ist! – Vielen Dank! FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat Frau Kolle- gin Dr. Kahlefeld das Wort.

Dr. Susanna Kahlefeld

Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr StĂ€dte, eskaliert damit maximal seinen sinnlosen Konflikt mit der Ukraine und zerstört die Friedensordnung in Eu- ropa. Putin erweist sich als wortbrĂŒchig auf der ganzen Linie, hatte er sich doch seit 2014 zur vollstĂ€ndigen Um- setzung der Minsker Vereinbarungen und den dazugehö- rigen Verhandlungsformaten bekannt, dem sogenannten Normandie-Format und der trilateralen Kontaktgruppe zur Vermittlung der OSZE. Das ist absolut verantwor- tungslos, es ist verbrecherisch. Wir leben in Berlin in einer Stadt, die geprĂ€gt ist von Krieg und Flucht. BaulĂŒcken, SportplĂ€tze, da, wo eigent- lich alte HĂ€user stehen sollten – wer mit offenen Augen Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 363 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 durch die Stadt geht, sieht die Spuren der Bomben bis heute. GeprĂ€gt sind wir auch durch die Menschen, die nach Berlin geflĂŒchtet sind und ihre Kriegserfahrungen am Leib und in der Seele tragen: Syrerinnen und Syrer, Afghaninnen und Afghanen, Tschetschenen, um nur diese Gruppen zu nennen. Deswegen fordern wir Putin auf, sofort das Töten und Zerstören zu beenden und auf den Weg der diplomatischen und politischen Konfliktlösung im Sinne der Minsker Vereinbarungen zurĂŒckzukehren. Ich halte es fĂŒr absolut notwendig, spĂ€testens jetzt wirk- lich harte wirtschaftliche Sanktionen zu ergreifen. Es sieht so aus, als ob Europa in dieser Frage zusammenste- hen und sein ganzes gemeinsames ökonomisches und politisches Gewicht in die Waagschale werfen wĂŒrde. Ein erster wichtiger Schritt ist der Stopp des Genehmigungs- verfahrens von Nord Stream 2. Dass wir als GrĂŒne Nord Stream schon immer falsch fanden, ist bekannt. Dass unsere Zweifel an der VerlĂ€sslichkeit Russlands als Gas- lieferant berechtigt waren, ist heute Nacht dramatisch bestĂ€tigt worden. Dass ein Krieg Auswirkungen auf die im Rahmen der Zertifizierung des Transportnetzbetrei- bers zu prĂŒfende Versorgungssicherheit der Bundesre- publik Deutschland und der EuropĂ€ischen Union hat, liegt auf der Hand. Statt uns von den Gaslieferungen eines skrupellosen Machtmenschen abhĂ€ngig zu machen, mĂŒssen wir uns in Deutschland und Europa in der Ener- gieversorgung unabhĂ€ngig machen. Wir können das, wenn wir den Ausbau der erneuerbaren Energien ener- gisch vorantreiben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist – und das sollten jetzt wirklich alle verstanden haben – eine ökolo- gische, politische und wirtschaftliche Notwendigkeit. So bewĂ€hrt sich nun, dass derzeit Klima- und Wirt- schaftspolitik in einer Hand sind. Es ist gut, dass ĂŒberdies in diesem Punkt Bundeskanzler Scholz, Vizekanzler Habeck und die Außenministerin an einem Strang ziehen. Es darf in Deutschland kein weiteres Zögern geben, wenn es um Sanktionen gegen Russland geht. Es ist nĂ€mlich keine SchwĂ€che zu verhandeln und den diplomatischen Weg zu gehen. Es ist keine SchwĂ€che, mit Wirtschaftssanktionen zu arbeiten, statt Waffen zu liefern; aber es ist eine unverzeihliche SchwĂ€che, kurz- und mittelfristige wirtschaftliche Einbußen zu scheuen in einer Situation, in der es um Krieg und Frieden geht. Ich muss in den letzten Tagen immer an die Menschen aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion denken, die hier in Berlin leben. Mit vielen habe ich jahrelang zusammengearbeitet, wenn es um die Rechte queerer Menschen ging, um die Versorgung der geflĂŒchteten Tschetschenen. Ihre kontinuierliche jahre- und jahrzehn- telange Kultur- und Versöhnungsarbeit hat Berlin zu einem besseren Ort gemacht. Ich bin bei ihnen zum ersten Mal in meinem Leben StalingradĂŒberlebenden begegnet – alte, fragile MĂ€nner, die immer noch die Verletzungen an sich tragen. Ich denke an sie in ihrer Angst um ihre Fami- lien und ihre Freunde. Ich scheue mich, heute hier von „den Russen“ zu sprechen, denn ich habe von Mandel- stam und von Ehrenburg ĂŒber den Horror des Krieges und den Mut gelernt, Diktatoren zu widersprechen. Berlin ist heute wieder bereit, Menschen aufzunehmen, die auch vor diesem Krieg, vor Zerstörung und politischer Verfolgung fliehen mĂŒssen, so wie wir in den letzten Jahren bereit waren, GeflĂŒchtete aus Libyen, Syrien und Afghanistan aufzunehmen. – Ich danke Ihnen! FĂŒr die AfD-Fraktion hat Kollegin Dr. Brinker das Wort.

Dr. Kristin Brinker

Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Ukrainer, die WestmĂ€chte auf, sich gemeinsam an genau diesen Verhandlungstisch zu setzen. Wir unterstĂŒtzen dabei jegliche Maßnahmen der Bundesregierung, die zu einer friedlichen Lösung dieses Konflikts beitragen, und es mĂŒssen den Konfliktpartnern glaubwĂŒrdige Angebote gemacht werden, damit eine gemeinsame Lösung so schnell wie möglich gefunden wird. Unser gemeinsames Ziel muss ein friedliches Europa sein – heute, morgen und in der Zukunft. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist unverhandel- bar. Das ist auch ein Kernanliegen der Alternative fĂŒr Deutschland. Wir wollen die nationale SouverĂ€nitĂ€t Deutschlands bewahren, und selbstverstĂ€ndlich gilt das auch fĂŒr jedes andere Volk. Interventionen fremder MĂ€chte lehnen wir daher prinzipiell ab, egal, ob es Rus- sen oder Amerikaner sind. Jede Nation der Erde muss ĂŒber ihre inneren Angelegenheiten selbst entscheiden dĂŒrfen, und nationale Grenzen dĂŒrfen nicht verletzt wer- den. Das gilt auch fĂŒr die Ukraine. Unser Appell geht deshalb an alle Konfliktparteien und an Russland beson- ders: Stopp einer jeglichen militĂ€rischen Eskalation! Wir sind der Überzeugung, dass Deutschland in diesem Konflikt eine besondere Verantwortung trĂ€gt. Als Land in der Mitte Europas sind wir die natĂŒrlichen Vermittler zwischen Ost und West, und dieses SelbstverstĂ€ndnis hat eine lange Tradition. In seinen besten Zeiten konnte Ber- lin als ehrlicher Makler zwischen den GroßmĂ€chten ver- mitteln. Denken Sie nur an den Berliner Kongress, auf dem Bismarck einen Konflikt zwischen Moskau und Wien auf dem Balkan verhindern konnte. Oder denken Sie an Willy Brandts Ostpolitik, die den Weg fĂŒr den Fall des Eisernen Vorhangs geebnet hat. An diese Tradition mĂŒssen wir jetzt anknĂŒpfen. Es wird in Europa keinen Frieden ohne Russland geben. Das ist die Lektion, die Deutschland aus seiner Geschichte lernen muss. Wir Deutschen mĂŒssen deshalb zwischen Russen und Ameri- kanern vermitteln. Eine VerschĂ€rfung dieses Konflikts kann nicht in unserem Interesse sein, weder sicherheits- politisch und wirtschaftspolitisch noch energiepolitisch. Als ehemalige Frontstadt im Kalten Krieg ist Berlin heute eine Stadt des Friedens. Das ist nicht selbstverstĂ€ndlich. Ich bin dankbar, dass Deutschland vereint ist und wir in Frieden leben können. Liebe Kollegen, wir sollten ver- trauenswĂŒrdige und ehrliche Makler des Friedens sein. – Vielen Dank! FĂŒr die Linksfraktion hat Frau Kollegin Brychcy das

Frank-Christian Hansel

Und da hilft dann nur die Kernkraft!] Damit ist es aber auch nicht getan. Einige hier am Rede- pult haben schon gestanden, dass sie Angst haben. Ich kann nur sagen: Meine Kinder sind schon etwas Ă€lter, aber ja, sie haben Angst. Das, was hier geschieht, kennen sie bisher nur aus Filmen, die nichts mit ihrem persönli- chen Leben zu tun zu haben schienen. Deswegen ist es nicht nur eine Aufgabe fĂŒr Schule und Bildung, eine angemessene Weise zu finden, mit Kindern und Jugendli- chen ĂŒber das zu reden, was hier passiert. Es ist eine Aufgabe fĂŒr Nachbarschaften, es ist eine Aufgabe fĂŒr uns alle hier, fĂŒr Sie alle, die in ihren Wahlkreisen Menschen kennen; Menschen, die sich jetzt vielleicht Sorgen ma- chen; Menschen, die nicht wissen, ob sie noch so fried- lich miteinander leben sollen, wie es bisher in Berlin ĂŒblich war. (BĂŒrgermeisterin Bettina Jarasch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 368 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Es ist eine Aufgabe fĂŒr uns alle gemeinsam, und ich bin sicher, dass Sie sich auch alle dieser Aufgabe bewusst sind. Wir hier mĂŒssen gemeinsam dafĂŒr sorgen, dass Berlin als eine europĂ€ische Metropole eine Stadt bleibt, in der Menschen aller Herkunft – deutscher Herkunft, ukra- inischer, russischer, moldawischer, tschetschenischer Herkunft, egal welcher Herkunft – friedlich miteinander leben. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, und lassen Sie uns wissen: Es kommen auch auf uns VerĂ€nde- rungen zu. Gemeinsam kann Berlin auch das schaffen. Berlin hat schon anderes geschafft. – Vielen Dank Ihnen! Herzlichen Dank, Frau BĂŒrgermeisterin! – Dann noch der Hinweis an den Kollegen Lindemann, sich der Bewertung der KapazitĂ€ten von Kolleginnen und Kollegen zu enthal- ten. Auch die Bemerkung „BeschrĂ€nkt bist nur du!“ ge- genĂŒber Kolleginnen und Kollegen rĂŒge ich als unparla- mentarisch. Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Wir haben AntrĂ€ge vorliegen, und die Antragsteller ha- ben jeweils die sofortige Abstimmung beantragt. Ich komme zunĂ€chst zum Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP „Volle SolidaritĂ€t mit der Uk- raine!“, Drucksache 19/0190. Wer diesem Antrag zu- stimmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Fraktionen der CDU und der FDP. Gegen- stimmen zu diesem Antrag? – Das sind die Koalitions- fraktionen. Enthaltungen? – Bei Enthaltung der AfD- Fraktion ist der Antrag insoweit abgelehnt. Ich komme jetzt zum Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Line „FĂŒr Frieden in Europa!“, Drucksache 19/0191, zu dem ein Änderungsantrag der AfD-Fraktion auf Drucksa- che 19/0191-1 vorliegt. Ich lasse jetzt zunĂ€chst ĂŒber die- sen Änderungsantrag abstimmen. Wer dem Änderungsan- trag der AfD-Fraktion die Zustimmung erteilt, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das ist die AfD-Fraktion. Gegenstimmen? – Das sind die Koalitionsfraktionen, die CDU- und die FDP-Fraktion. Ich frage nach Enthaltun- gen. – Keine Enthaltungen. Damit ist der Änderungsan- trag abgelehnt. Wer nunmehr dem Antrag der Koalitionsfraktionen zu- stimmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen. Gegenstimmen? – Keine Gegenstimmen. Enthaltungen? – Bei Enthaltung der Oppositionsfraktionen ist der Antrag insoweit ange- nommen. Ich komme nun zu geschĂ€ftlichen Mitteilungen. Die Fraktionen sind ĂŒbereingekommen, die Drucksache 18/4221, das ist der Bericht 2021 ĂŒber die Beteiligungen des Landes Berlin an Unternehmen des privaten Rechts und an bedeutenden Anstalten des öffentlichen Rechts fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2020, als Drucksache in die 19. Wahl- periode zu ĂŒbernehmen. – Widerspruch dazu höre ich nicht. Damit ist die Drucksache 18/4221 als neue Druck- sache 19/0186 in die 19. Wahlperiode ĂŒbernommen. Die- se Drucksache wird als Tagesordnungspunkt 33 A in die Tagesordnung aufgenommen. Am Montag sind folgende sechs AntrĂ€ge auf DurchfĂŒh- rung einer Aktuellen Stunde eingegangen: − Antrag der Fraktion der SPD sowie gleichlautende AntrĂ€ge der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke zum Thema: „Zwei Jahre nach Hanau – gegen Rassismus und Diskriminierung, fĂŒr ein Berlin fĂŒr alle“ − Antrag der Fraktion der CDU zum Thema: „Giffey? Nein Danke! – Wie Rot-GrĂŒn-Rot sich selbst zerstört. Rassismus- und Lobby-VorwĂŒrfe in der Koalition statt konstruktiver Zusammenarbeit schaden unserer Stadt. Die Zeche zahlen die Berliner“ − Antrag der AfD-Fraktion zum Thema: „Gesund ohne Zwang – einrichtungsbezogene Impfpflicht ausset- zen“ − Antrag der Fraktion der FDP zum Thema: „Wieder leben – Impulse fĂŒr Berlins Gesellschaft und Wirt- schaft nach der Pandemie“ Die Fraktionen haben sich auf das Thema der Fraktion der SPD „Zwei Jahre nach Hanau – gegen Rassismus und Diskriminierung, fĂŒr ein Berlin fĂŒr alle“ verstĂ€ndigt, somit werde ich gleich dieses Thema fĂŒr die Aktuelle Stunde unter dem Tagesordnungspunkt 1 aufrufen. Die anderen AntrĂ€ge auf DurchfĂŒhrung einer Aktuellen Stun- de haben damit ihre Erledigung gefunden. Dann darf ich auf die Ihnen zur VerfĂŒgung gestellte Dringlichkeitsliste verweisen. Die Fraktionen haben sich darauf verstĂ€ndigt, die dort verzeichneten VorgĂ€nge unter den Tagessordnungspunkten 4, 5, 27, 28, 32, 33 A, 45 A und 45 B in der heutigen Sitzung zu behandeln. Ich gehe davon aus, dass den zuvor genannten VorgĂ€ngen die dringliche Behandlung zugebilligt wird. – Widerspruch zur Dringlichkeitsliste höre ich nicht. Damit sind die dringliche Behandlung dieser VorgĂ€nge und unsere heu- tige Tagesordnung beschlossen. – Auf die Ihnen zur Ver- fĂŒgung gestellte Konsensliste darf ich ebenfalls hinwei- sen – und stelle fest, dass dazu kein Widerspruch erfolgt. Die Konsensliste ist damit angenommen. (BĂŒrgermeisterin Bettina Jarasch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 369 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Dann komme ich zu den Entschuldigungen des Senats: Frau Regierende BĂŒrgermeisterin Giffey und Frau Sena- torin Spranger können aus gesundheitlichen GrĂŒnden heute nicht an der Sitzung teilnehmen. Ich rufe auf lfd. Nr. 1: Aktuelle Stunde gemĂ€ĂŸ § 52 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Zwei Jahre nach Hanau – gegen Rassismus und Diskriminierung, fĂŒr ein Berlin fĂŒr alle (auf Antrag der Fraktion der SPD) FĂŒr die Besprechung steht den Fraktionen jeweils eine Redezeit von bis zu zehn Minuten zur VerfĂŒgung. In der Runde der Fraktionen beginnt die Fraktion der SPD mit dem Abgeordneten Saleh.

Raed Saleh

Herr PrĂ€sident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es fĂ€llt uns allen heute schwer im Parlament angesichts der Berichte und Bilder aus der Ukraine, einfach zur parlamentarischen Tagesordnung ĂŒberzugehen. Gerade an einem Tag, an dem Völkerrecht und die Demokratie in der Ukraine angegriffen werden, an einem Tag, an dem europĂ€ische StĂ€dte bombardiert und unsere gemeinsamen Werte angegriffen werden, sagen wir ganz deutlich, die Ukraine bleibt frei, die Ukraine ist das Land, das ange- griffen wird, und wir stehen an der Seite der Ukraine, und zwar gemeinsam, alle demokratischen Parteien hier im Haus. Es ist zwei Jahre her, dass in Hanau das Leben von neun Familien fĂŒr immer verĂ€ndert und unsere Demokratie angegriffen wurde. In fĂŒnf Minuten und sechs Sekunden verloren am Abend des 19. Februar 2020 neun junge Menschen im hessischen Hanau ihr Leben. Sie wurden kaltblĂŒtig von einem fanatischen Rassisten ermordet, weil sie nicht in dessen von Hass und Menschenverachtung durchtrĂ€nktes Bild von Deutschland und der Welt pass- ten. Die Kugeln, die der TĂ€ter in diesen schicksalhaften fĂŒnf Minuten und sechs Sekunden auf unschuldige Hanauer BĂŒrgerinnen und BĂŒrger abfeuerte, diese Kugeln galten uns allen. Ja, sie galten unserer offenen und demokrati- schen Gesellschaft. Sie galten unseren Werten von Tole- ranz und gegenseitigem Respekt. Sie galten dem Herzen unseres heutigen Deutschlands. Die Menschen in Hanau mussten sterben, weil der rechtsextreme Terrorist sie als ReprĂ€sentanten eines Deutschlands wahrnahm, das er zutiefst verabscheute, eines heterogenen, eines modernen, eines bunten Deutschlands, eines Deutschlands, in dem die Menschen unterschiedlicher Herkunft, Migrationshis- torie und religiöser Überzeugung friedlich zusammenle- ben und miteinander an der Zukunft dieses Landes arbei- ten. Die Bluttat von Hanau hatte das Ziel, unsere Gesellschaft zu spalten, Zwietracht zu sĂ€en, Menschen mit Zuwande- rungsgeschichte Angst zu machen, sie fortzujagen. Zwei Jahre nach dieser abscheulichen Tat können wir sagen, der AttentĂ€ter hat sein Ziel nicht erreicht. Ganz im Ge- genteil! Die Stadtgesellschaft von Hanau ist nach dem Terrorakt noch nĂ€her zusammengerĂŒckt. Mit TrĂ€nen in den Augen haben sich die Angehörigen und Anschlags- opfer zusammen mit ihren MitbĂŒrgerinnen und MitbĂŒr- gern unter den Hashtags „hanaustehtzusammen“ und „saytheirnames“ untergehakt und fĂŒr die ganze Bundes- republik hörbar gesagt: Nein! Wir lassen uns nicht spal- ten. Wir stehen zusammen. Wir wollen zeigen, dass wir gemeinsam stark sind, denn Hanau ist unsere Stadt. Hier wollen wir leben. Deutschland ist die Heimat von uns allen. – Der Schmerz der Angehörigen und Hinterbliebenen ist auch zwei Jahre nach dem Attentat spĂŒrbar. „Nichts ist mehr, wie es war“, sagte Ajla Kurtović, deren Bruder Hamza vor zwei Jahren in Hanau erschossen wurde. Das sagte sie am Wochenen- de bei der Gedenkstunde auf dem Hanauer Hauptfriedhof. Nichts ist, wie es mal war. Keine Worte, keine Geste, nichts kann die Anschlagsopfer zurĂŒckbringen. Die Wun- den von Hanau werden als Narben bleiben fĂŒr immer. Aber die vereinten HĂ€nde von Bundesinnenministerin Nancy Faeser mit einer Familienangehörigen am Samstag bei der Gedenkfeier sind nicht nur eine Geste, sondern ein Symbol fĂŒr unser heutiges Deutschland. Hier stehen zwei starke Frauen. Die eine trĂ€gt Kopftuch, die andere reprĂ€sentiert den Staat. Sie stehen in Trauer zusammen, vereint. Sie reichen sich die HĂ€nde, um zu sagen: Ge- meinsam sind wir stĂ€rker als jeder Hass. Wir sind Deutschland. Wir gehören beide zu Deutschland. Nie- mand kann uns auseinanderreißen. Ein HĂ€ndedruck wird damit zum Symbol dafĂŒr, dass wir als Gesellschaft zusammen trauern, dass wir als Gesell- schaft zusammenstehen und sagen: Euer Leid ist unser Leid. Wenn ihr getroffen werdet, werden auch wir getrof- fen. Es gibt keine Grenzen zwischen uns. Ich bewundere diese Kraft der Angehörigen, diesen Mut, trotz der schrecklichen, einfach nicht zu verstehenden Ereignisse und des GefĂŒhls, dass die Welt unter einem zusammenbricht, weil ein geliebter Mensch so brutal und sinnlos aus dem Leben gerissen wurde, weiterzumachen. Als Vertreter meiner Fraktion und sicherlich auch als Stellvertreter fĂŒr alle demokratischen Parteien hier im Abgeordnetenhaus möchte ich den Familien und Hin- (PrĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 370 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 terbliebenen an dieser Stelle sagen: Danke! Danke, fĂŒr eure bewundernswerte Kraft! Danke, dass ihr weiter- macht und nicht aufgebt. Danke, dass ihr der deutschen Gesellschaft euer Vertrauen schenkt, auch wenn es der Staat am 19. Februar 2020 augenscheinlich nicht ver- mocht hat, seinem Versprechen auf Schutz all seiner BĂŒrgerinnen und BĂŒrger gerecht zu werden. Danke, dass ihr so unglaublich stark seid und der fiesen Fratze des Rassismus eure Kraft und Lust am Leben entgegenstellt. Danke! Diskriminierung, Stigmatisierung, Ausgrenzung, Islam- und Muslimfeindlichkeit, Antiziganismus, Rassismus und Antisemitismus sind tödlich, in Hanau, in Halle, in Mölln, Solingen. Der Mord am Kasseler RegierungsprĂ€- sidenten Walter LĂŒbcke in Wolfhagen; Hanau, Halle, Wolfhagen, all die Orte, all diese Taten hatten eines ge- meinsam: Die AttentĂ€ter mit ihrer extrem rechten Gesin- nung wollten mit ihrem Terror Menschen töten, die sie nicht fĂŒr „richtige Deutsche“ hielten. Sie handelten aus tiefer Abscheu gegenĂŒber unserer multikulturellen, ge- genĂŒber unser multireligiösen Demokratie des 21. Jahr- hunderts. Der AttentĂ€ter von Hanau handelte aus tiefem Hass auf Menschen, die er als Migrantinnen und Migran- ten las. Es besteht kein Zweifel: Das Motiv war Rassis- mus. Wir sind es den Opfern schuldig, den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus offensiv zu fĂŒhren. Wir mĂŒssen rechtsextreme Netzwerke etwa bei der Poli- zei und bei der Bundeswehr aufdecken. Als Politik mĂŒs- sen wir Projekte und Bildungsprogramme gegen Rassis- mus und Antisemitismus unterstĂŒtzen, damit ihre wichti- ge Arbeit fĂŒr die Zukunft gesichert wird. Ich denke da nur an die Anschlagsserie in Neukölln, wo mutmaßlich Rechtsextreme ĂŒber Jahre Menschen mit BrandanschlĂ€gen und anderen Taten terrorisiert haben, die sie als politische Gegner identifizierten und die sich fĂŒr einen toleranten Kiez einsetzten und die sie deshalb bekĂ€mpften. Noch immer sind viele Fragen zu den An- griffen offen, die verantwortlichen TĂ€ter noch immer nicht gefasst. In der Koalition haben wir uns auf einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu der An- schlagsserie verstĂ€ndigt. Es geht darum, die TĂ€ter zu fassen, die HintergrĂŒnde endlich aufzuklĂ€ren, schonungs- los, mit 100 Prozent Transparenz. Der Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ist ein Kampf, der das Engagement der ganzen Gesellschaft, von uns allen fordert. Es reicht nicht, schöne Reden zu schwingen. Was es braucht, ist die klare Positionierung gegen jede Form der Ausgren- zung und Stigmatisierung in unserem Alltag. Wenn auf dem Schulhof „Du Jude!“ als Schimpfwort gebraucht wird, mĂŒssen wir gemeinsam klare Kante zeigen. Wenn eine Frau mit Kopftuch auf der Straße beleidigt und diskriminiert wird, mĂŒssen wir gemeinsam klare Kante zeigen. Wenn ein schwarzer Berliner in der U-Bahn angepöbelt wird, mĂŒssen wir gemeinsam klare Kante zeigen. Auch hier bei uns im Parlament gibt es Menschen, die tagtĂ€glich gegen Anfeindungen ankĂ€mpfen mĂŒssen, stell- vertretend: Orkan Özdemir, Elif Eralp, Marcel Hopp, Tuba Bozkurt, Ferat Koçak. Angriffe auf euch sind An- griffe auf uns alle. Der Terroropfer von Hanau zu gedenken, heißt, Rassis- mus und rechten Gedanken im Alltag den Kampf anzusa- gen und immer wieder daran zu erinnern, dass rechter Terror Leben tötet. Deshalb immer wieder: Say Their Names! Ferhat Unvar, Gökhan GĂŒltekin, Hamza Kurto- vić, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Sedat GĂŒr- bĂŒz, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun und Fatih Sara- çoğlu. Ihr seid nicht vergessen. Eure Erinnerung ist uns Mahnung und Ansporn zugleich. – Vielen Dank! FĂŒr die CDU-Fraktion spricht der Kollege Wegner.

Kai Wegner

Herr PrĂ€sident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Innerhalb von wenigen Minuten wurden am 19. Februar vor zwei Jahren in Ha- nau neun Menschen durch einen rassistischen Anschlag gewaltsam aus unserem Leben gerissen, neun Menschen, neun Lebensgeschichten, neun LebenstrĂ€ume brutal aus- gelöscht. Ferhat Unvar, eines der Opfer, verfasste Gedichte. Im Oktober 2015 schrieb er: „Tot sind wir erst, wenn man (Raed Saleh) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 371 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 uns vergisst.“ – Wir dĂŒrfen und wir werden die Opfer der Wahnsinnstat von Hanau niemals vergessen. Wir werden sie niemals vergessen, und wir können ihre Namen gar nicht oft genug nennen. Ferhat Unvar mochte Rapmusik und wollte eine eigene Firma grĂŒnden. – Mercedes Kierpacz war eine offene, eine lebensfrohe Frau. Sie war Mutter von zwei Kin- dern. – Sedat GĂŒrbĂŒz besaß eine Bar. Er hat lange Fuß- ball gespielt und konnte keiner Fliege etwas zuleide tun. – Gökhan GĂŒltekin war Maurer. Er arbeitete als Kellner und sparte fĂŒr seine Hochzeit. – Hamza Kurtović hatte seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, er hatte gerade seinen ersten Job angetreten. – Said Nesar Has- hemi war immer fĂŒr die Menschen da, die ihn brauchten. Sein Bruder Etris ĂŒberlebte den Anschlag schwer verletzt. – Kaloyan Velkov unterstĂŒtzte seine Familie, wo er nur konnte. Sein kleiner Sohn muss nun ohne seinen Vater aufwachsen. – Vili Viorel Păun war Kurierfahrer, viel auf Achse. Er war das einzige Kind seiner Eltern. – Fatih Saraçoğlu wollte sich in Hanau selbststĂ€ndig machen. Seinen Vater hat er immer unterstĂŒtzt. Sein Vater sagte ĂŒber ihn: Er war meine grĂ¶ĂŸte Hilfe. Ich kannte diese neun jungen Menschen leider nicht, ich hĂ€tte sie aber gerne kennengelernt. Ich will mir gar nicht vorstellen, was es bedeuten muss, die eigenen Kinder zu verlieren, getötet durch eine Wahnsinnstat eines feigen Mörders. Dieser Gedanke zerreißt mich. Niemand kann den Verlust der Hinterbliebenen wiedergutmachen. Nichts kann ihr unermessliches Leid mildern. Niemals wird die Welt wieder so sein, wie sie war. Ein Gedanke von Serpil Unvar, der Mutter des ermordeten Ferhat, hat mich tief bewegt. Sie hat gesagt: Unsere Kinder dĂŒrfen nicht umsonst gestorben sein. Ihr Tod muss das Ende sein, das Ende rassis- tischer Angriffe. Recht hat sie. Diese Worte mĂŒssen fĂŒr uns alle Mahnung und Ver- pflichtung sein. Wir mĂŒssen alles tun, um Menschen zu schĂŒtzen, die in unserem Land angegriffen und bedroht werden. Dazu gehört auch auszusprechen, auch wenn es bitter ist: Hanau war kein Einzelfall. Der Rechtsextre- mismus hat eine blutige Todesspur durch unser Land gezogen, von der Enttarnung des NSU ĂŒber den Amok- lauf von MĂŒnchen, den Mord an Walter LĂŒbcke bis hin zum antisemitischen Anschlag in Halle. Daran mĂŒssen wir immer wieder erinnern. Wir mĂŒssen aber auch ganz konkret handeln, damit sich solche rassistischen Morde nicht wiederholen. DafĂŒr brauchen wir einen Zweiklang aus PrĂ€vention und Sank- tion. PrĂ€vention heißt fĂŒr mich, von Anfang an gegen Vorurteile und Diskriminierung vorzugehen. Mir wurde kĂŒrzlich aus einer Schule geschildert, dass dort das Wort „Jude“ als Schimpfwort kursiert. Leider kein Einzelfall. Dazu dĂŒrfen wir nicht schweigen, sondern wir mĂŒssen handeln. Unsere Schulen mĂŒssen Orte sein, an denen Hass, Gewalt und Extremismus keinen Platz haben. Un- sere Schulen mĂŒssen Orte der ExtremismusprĂ€vention sein. Wir mĂŒssen vermitteln, dass alle Menschen verschieden sind, aber doch gleich an Wert, dass die Unterschiede unser Leben bereichern und die Gemeinsamkeiten uns alle verbinden. Dass die Vielfalt unser Land reicher macht und nicht Ă€rmer. Diese Erkenntnis gilt fĂŒr ganz Deutschland. Diese Erkenntnis gilt besonders fĂŒr unser Berlin. Hier leben Menschen aus 190 LĂ€ndern zusammen. Wir mĂŒssen unseren Kindern zeigen, wohin Hass und Hetze fĂŒhren können, nĂ€mlich zu Unfreiheit, zum Ende der Demokratie, zu Gewalt und in letzter Konsequenz wie in der Nazizeit zu millionenfachem Mord an unschuldi- gen Menschen. Ich werde niemals vergessen, wie ich das erste Mal das Konzentrationslager in Sachsenhausen besucht habe – das herausgebrochene Zahngold, menschliches Haar, die Fundamente der Gaskammern. Die Lehre aus der Zeit des Nationalsozialismus ist, dass wir uns den AnfĂ€ngen im- mer und ĂŒberall entgegenstellen mĂŒssen und dass der Hass auf Menschen anderer Herkunft oder anderen Glau- bens nie wieder Platz in unserer Gesellschaft haben darf, nie wieder! Gerade deshalb widert es mich an, dass am vergangenen Wochenende mitten in Berlin auf dem RĂŒcken der Ha- nau-Opfer mit ekelhaften antisemitischen Parolen zu Gewalt gegen Juden aufgerufen wurde. Wir wissen, wer es war, und wir wissen, wo diese Menschen politisch stehen. Es gibt eben keinen guten und schlechten Extre- mismus. Jede Form extremistischer Gesinnung ist zu Ă€chten, vorbehaltlos, ohne AusflĂŒchte und Relativierun- gen. Genau deshalb bin ich dafĂŒr, dass jedes Schulkind in Berlin GedenkstĂ€tten besuchen sollte, um sich mit der deutschen Diktaturgeschichte zu beschĂ€ftigen. Neben der PrĂ€vention brauchen wir aber auch Sanktio- nen, und da mĂŒssen wir sehen, dass Gewalt gegen Men- schen nicht aus dem Nichts passiert, sondern es immer (Kai Wegner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 372 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 eine Vorgeschichte gibt. Ich denke da zum Beispiel an die sozialen Medien. Hass und Hetze dĂŒrfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben, auch nicht auf Face- book, Twitter oder Telegram. Dort werden immer wieder Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer politischen Anschauung, ihrer Religion oder ihres Geschlechts beleidigt und verĂ€chtlich gemacht. Wo Hass und Hetze unwidersprochen und folgenlos blei- ben, radikalisieren sich Menschen, und aus Worten wer- den Taten. Das dĂŒrfen wir nicht zulassen. Wer unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung angreift, egal mit welcher Motivation, wer Menschen wegen ihrer Reli- gion, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Art zu leben, attackiert, der muss auf unseren gemeinsamen Wider- stand stoßen. DafĂŒr brauchen wir einen starken Staat, der die Echokammern des Hasses lahmlegt. Wir brauchen einen starken Verfassungsschutz, der gut vernetzt und ĂŒber LĂ€ndergrenzen hinweg extremistische Netzwerke aufdeckt und zerschlĂ€gt. An dieser Stelle möchte ich meinen tief empfundenen Dank an all diejenigen richten, die jeden Tag unsere Frei- heit, unsere Sicherheit und uns als Personen schĂŒtzen. Ich danke der Polizei, ich danke den Sicherheitsbehörden, ich danke der Justiz. Die Logik des Hasses ist es, einen Keil in unsere Gesell- schaft zu treiben, Menschen in Gruppen zu zwingen, sie auf ihre Hautfarbe oder ihre Herkunft zu reduzieren, sie gegeneinander aufzuhetzen. Sorgen wir alle dafĂŒr, dass die Saat des Hasses nicht aufgeht. Sorgen wir fĂŒr mehr Zusammenhalt, fĂŒr mehr Toleranz und fĂŒr mehr Mensch- lichkeit. Vergessen wir niemals die Opfer von Hanau. Die Toten mahnen uns. Denken wir an das Leid der MĂŒtter und VĂ€ter, denen ihre Kinder entrissen wurden. Denken wir an die Kinder, die ohne ihre Eltern aufwachsen mĂŒs- sen. Denken wir an den Schmerz der Freundinnen und Freunde der Opfer. Stehen wir zusammen gegen Hass und Hetze, gegen Terror und Gewalt – heute und jeden Tag. FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen spricht Frau Kollegin Gebel.

Silke Gebel

Sehr geehrte Damen und Herren! Als ich heute Morgen aufgewacht bin, war das Erste die „Spiegel“-Nachricht, die Eilmeldung, dass es die russische Invasion in der Ukraine, in Kiew, gibt. Dieser Tag wird uns noch sehr lange in Erinnerung bleiben, weil er eine historische ZĂ€sur darstellt. Die Drohungen, das Aufmuskeln, das Spiel mit dem Feuer haben zur Explosion gefĂŒhrt, und wir blicken, das wurde heute in der Plenardebatte deut- lich, alle voller Sorge und Angst nach Kiew zu den Men- schen, zu den Familien, deren Zukunft nun sehr ungewiss ist. Jeder Krieg fĂŒhrt immer zu Verletzten und Toten. Dieser Angriffskrieg gegen die Ukraine ist so unendlich falsch. Wir haben deshalb heute als Berliner Parlament ein sehr klares Zeichen fĂŒr Frieden, fĂŒr die Diplomatie, fĂŒr die Menschen in der Ukraine, aber auch fĂŒr die Menschen in Russland gesetzt. Viele Menschen, auch hier in Berlin, bangen heute um ihre Familien und Freunde in dieser Region, und das wissen wir auch hier in diesem Parla- ment. Dieser Krieg dient nur der russischen Regierung. Ihre geopolitische Machtpolitik wird Leben zerstören, und das verurteilen wir auf das SchĂ€rfste und stehen solidarisch an der Seite der Bevölkerung in der Ukraine, und das bedeutet, dass wir all denen, die vor diesem Krieg fliehen werden mĂŒssen, in Berlin als Stadt der SolidaritĂ€t helfen. Vor zwei Jahren wurden neun Menschenleben in Hanau zerstört. Zwei Jahre, in denen wir nicht vergessen haben, zwei Jahre, in denen Rassismus, Gewalt und Diskriminie- rung aber weiterhin zum Alltag vieler Menschen in Deutschland gehören, Menschen, die wegen ihrer Her- kunft, ihres Glaubens oder ihres Aussehens ausgegrenzt werden. Ich erinnere mich auch hier genau an den Mo- ment, als uns die furchtbare Nachricht der tödlichen SchĂŒsse von Hanau erreichte, an das GefĂŒhl von Ohn- macht, Wut und Trauer, aber ich erinnere mich auch an noch etwas anderes: an das beschĂ€mende Schulterzucken von weiten Teilen der Öffentlichkeit bei der Nachricht von einem Vorfall in einer Shisha-Bar. Das betrifft uns nicht, das betrifft nur die anderen. – Aber Rassismus, Rechtsextremismus, Hass und Hetze betreffen uns alle, und genau das ist es, was in Hanau passiert ist: ein rechtsextremistischer Anschlag, eine terroristische Hass- tat, bei der neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet worden, neun Menschen, die aus dem Leben gerissen wurden, neun Geschichten, die nicht weiterge- schrieben wurden, neun Deutsche aus unserer Mitte, und das ist zu verurteilen. Viel wurde seitdem diskutiert, viel wurde gesagt, und geĂ€ndert hat sich wenig. Auf der Bundesebene gab es sogar einen ganz großen Trauerakt. Verstehen Sie mich nicht falsch! Dialog, Debatte und VerstĂ€ndigung darĂŒber, (Kai Wegner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 373 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 wie wir als Gesellschaft solchen Gewalttaten gegenĂŒber- treten können, sind unerlĂ€sslich, aber wir mĂŒssen uns auch fragen: Haben wir wirklich alles in unserer Macht Stehende unternommen, um zu verhindern, dass sich solche Taten wiederholen? Haben wir die Sicherheit gewĂ€hrleistet? Haben wir alles dafĂŒr getan, dass dieser Wahnsinn endlich aufhört, und haben wir alles dafĂŒr getan, um die Schreckenstat von Hanau vollstĂ€ndig auf- zuklĂ€ren, um den Hinterbliebenen der Opfer Gewissheit und die Chance auf Heilung zu geben? Monatelang hat es damals gedauert, bis die Familien der Opfer Gehör bekamen. WĂ€hrend sie den gewaltsamen Tod ihrer Kinder, BrĂŒder, Nichten und Enkel betrauerten, mussten sie gleichzeitig fĂŒr ihre Rechte kĂ€mpfen, muss- ten sie fĂŒr Transparenz und AufklĂ€rung kĂ€mpfen. Statt trauern zu dĂŒrfen, hatten viele das GefĂŒhl, sich rechtferti- gen zu mĂŒssen, zu erklĂ€ren, wie gut sie und ihre Familien integriert seien. Genau damit wurden sie erneut rassis- tisch beleidigt. Ein solcher Umgang mit Opfern und ihren Hinterbliebenen ist einfach nur beschĂ€mend. So etwas darf sich nicht wiederholen, weder in Hanau, noch in Solingen, in Mölln, in Halle, in Chemnitz oder auch in Berlin-Neukölln, denn es geht um Sicherheit. Ihr sind wir verpflichtet, und zwar Sicherheit fĂŒr alle Menschen, ganz gleich, wie ihre Namen klingen, welche Sprachen sie sprechen, ob sie im Rollstuhl sitzen oder Kippa tragen. Dass dieses Versprechen im Jahr 2022 noch immer nicht fĂŒr alle gilt, ist die traurige RealitĂ€t, und das mĂŒssen wir anerkennen und benennen, und vor allem mĂŒssen wir das Ă€ndern. Ich weite den Blick: Wie sollen sich die Hinterbliebenen der NSU-Opfer sicher fĂŒhlen, wenn sie nach jahrelanger Hexenjagd lange selbst als TatverdĂ€chtige diffamiert wurden oder damals sehr lange die Rede von sogenannten Dönermorden war? Wie sicher ist die NSU-Strafvertei- digerin Baßay-Yildiz, wenn sie und ihre zweijĂ€hrige Tochter bedroht werden, nachdem ihre vertrauliche Pri- vatadresse von einem Polizeicomputer abgerufen wurde? Wie sollen sich JĂŒdinnen und Juden sicher fĂŒhlen, wenn jĂŒdisches Leben in Deutschland weiterhin nicht ohne Polizeischutz möglich ist? Wie ist das fĂŒr die Familie von Mercedes Kierpacz, wenn sie nach dem rassistischen Attentat in Hanau vom SEK umringt wird, weil sie nicht als trauernde Familie wahrgenommen wird, sondern als Sicherheitsrisiko? Wo leben wir denn, bitte schön, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihres Namens oder ihrer Religion das Haus nicht verlassen können, ohne das GefĂŒhl zu haben, dass es gefĂ€hrlich sei, nur weil sie so sind, wie sie sind? Erst vor wenigen Tagen kam es auch in Berlin wieder zu einer rassistisch motivierten Gewalttat. An einer Tram- haltestelle in Prenzlauer Berg wurde eine junge Frau krankenhausreif geschlagen. Die erste Polizeimeldung suggerierte einen Konflikt wegen einer fehlenden Maske. Wenn die 17-jĂ€hrige Dilan nicht den Mut bewiesen hĂ€tte, an die Öffentlichkeit zu treten, um klarzustellen, dass dies ein rassistischer Übergriff war, dass ihr niemand auf einem vollen Bahnhof am helllichten Tage in Berlin ge- holfen hat, dann wĂ€re diese Meldung ĂŒber einen rassisti- schen Übergriff niemals entstanden und in der Versen- kung verschwunden, und dafĂŒr mĂŒssen wir uns eigentlich alle entschuldigen. Die Polizei hat – dafĂŒr danke ich ausdrĂŒcklich – den Fehler dann eingestanden und die Pressemeldung korri- giert, aber so etwas darf sich nicht wiederholen. Sich dem entgegenzustellen, das verdient Mut, Dank und Respekt. Es kann aber nicht sein, dass ein 17-jĂ€hriges MĂ€dchen in der Bundeshauptstadt im Jahr 2022 den Selbst-schuld- Stempel tragen muss, statt als Opfer einer rassistischen Gewalttat sofort anerkannt zu werden, und dafĂŒr schĂ€me ich mich. Was es jetzt braucht, ist konsequentes Handeln, und wir werden handeln, damit rechter Terror und Rassismus keinen NĂ€hrboden mehr in unserer vielfĂ€ltigen Gesell- schaft finden. Wir werden handeln, damit sich jeder Mensch sicher fĂŒhlen kann, ob in Hanau oder in Berlin. Lassen Sie uns gemeinsam dafĂŒr sorgen, dass diese ge- meinsamen Ziele nicht nur wohlfeile WĂŒnsche an jedem Jahrestag sind. Mit der neuen Bundesinnenministerin Nancy Faeser ist immerhin ein anderer Wind eingezogen, und das ist wirk- lich wichtig, wichtig fĂŒr einen respektvollen Umgang mit den Trauernden, mit den Familien und auch fĂŒr die Sicht- barmachung von rechtsextremer Gewalt, denn diese Ver- Ă€nderung ist ein Versprechen, ein Versprechen, dass man endlich bereit ist, zuzuhören, dass die Bundesregierung bereit ist, anzuerkennen und zu verĂ€ndern, dass Sicherheit nicht nur ein Privileg, sondern eine SelbstverstĂ€ndlichkeit fĂŒr alle Menschen sein muss, und das ist mehr als ĂŒberfĂ€l- lig, nachdem ihr VorgĂ€nger, Ex-Innenminister Horst Seehofer, den TĂ€ter von Hanau als EinzeltĂ€ter verharm- loste und Migration zur Mutter aller Probleme erklĂ€rt hat. Aber diese Zeit ist endlich vorbei. Es sind die TĂ€ter, nicht die Opfer, die sich nach diesen Taten nicht mehr sicher fĂŒhlen dĂŒrfen. Rassismus ist Gift in unserer Gesellschaft. Rassismus tötet, und doch ist er tief in unseren Institutionen verankert. Rassismus ist ein strukturelles Problem, und darum mĂŒssen wir auch genau da anpacken, an den Strukturen. Hier sind wir als Politik gefragt, egal, ob Sicherheitsbehörden oder die Ver- (Silke Gebel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 374 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 waltung. Wir sind die ZustĂ€ndigen, und dafĂŒr wurden wir gewĂ€hlt. Deswegen werden wir als Parlament zĂŒgig die Enquete- Kommission gegen Diskriminierung und Rassismus bil- den. Diese wird VorschlĂ€ge erarbeiten, wie in der Berli- ner Verwaltung Vielfalt, Partizipation und ein antirassis- tisches SelbstverstĂ€ndnis umgesetzt werden können. Das gilt auch fĂŒr die lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige und abschließende AufklĂ€rung der rechten Anschlagsserie in Neukölln. Da sind mittlerweile LKA und Staatsanwaltschaft bei allen Problemen auf einem guten Weg. Aber auch nach den Morden an Burak Bektaß und Luke Holland können wir nicht so tun, als wĂ€re nichts passiert. Diese VorfĂ€lle sind schockierend. Die Forderung nach AufklĂ€rung ist und bleibt berechtigt. Auch deshalb haben wir uns verpflichtet, die Forderung aus der Zivilgesellschaft umzusetzen. Das Abgeordneten- haus wird einen parlamentarischen Untersuchungsaus- schuss zur AufklĂ€rung der rechten Anschlagsserie in Neukölln schon bald einsetzen. Das sind wir den Be- troffenen und den Berlinerinnen und Berlinern schuldig. Meine Gedanken sind bei den Opfern, deren Angehörigen und Freundinnen und Freunden. Die Namen und Gesich- ter der Ermordeten werden wir nicht vergessen, auch Dank all derjenigen, die sie in ganz Deutschland auf Plakate drucken, auf WĂ€nden abbilden, in den sozialen Netzen teilen und am 19. Februar gegen das Vergessen auf die Straße gehen. Die Erinnerung an euch bleibt. Ihr habt euch in unser kollektives GedĂ€chtnis eingebrannt, nicht nur heute, sondern auch an den anderen 364 Tagen im Jahr. Ruhet in Frieden! Wir werden fĂŒr euer Anden- ken kĂ€mpfen, genauso wie fĂŒr AufklĂ€rung und Gerech- tigkeit. Wir werden eure Namen in Ehren halten, und deshalb sagen wir sie immer und immer wieder: Gökhan GĂŒltekin, Sedat GĂŒrbĂŒz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Un- var, Kaloyan Velkov und Vili Viorel Păun. Wir als Politikerinnen und Politiker haben die Aufgabe, auf schreckliche Ereignisse zu reagieren und fĂŒr den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu werben. Erst ein- mal mĂŒssen wir aber vor allem Worte finden. Wir mĂŒssen zuhören, eine Haltung entwickeln. Deshalb gestatten Sie mir noch ein paar persönliche Wor- te: Antje Kapek kann das wie keine Zweite, und sie hat am Dienstag einen sehr mutigen Schritt verkĂŒndet. Liebe Antje, ich hatte die Ehre und Freude, mit dir fĂŒnf Jahre diese großartige Fraktion zu fĂŒhren, und du hast allen gezeigt, was man als Fraktionsvorsitzende in der Opposi- tion und in der Regierung erreichen kann. Ob das Tem- pelhofer Feld, die kostenlosen SchĂŒlertickets, beim Kampf gegen rechts, das Mobi-Gesetz oder dein sehr leidenschaftlicher Einsatz fĂŒr Kinder in der Coronapan- demie, du hast immer sehr klare Worte gefunden. Du hast Berlin bewegt. Du hast es verĂ€ndert. Du hast das Leben vieler verbessert. Deine Fußstapfen sind groß. Liebe Antje, ich danke dir fĂŒr fĂŒnf, eigentlich zehn großartige gemeinsame politische Jahre und eine Freundschaft, die bleibt. Tanke die Kraft, die du brauchst, und wir freuen uns alle auf den Tag, an dem du deine Batterien wieder aufgeladen hast und mit voller Leidenschaft, mit Herz und Schnauze fĂŒr diese großartige Stadt kĂ€mpfen wirst. – Vielen Dank! Kollegin Kapek hat zum Abschluss der Aktuellen Stunde selbst noch mal um das Wort gebeten. Dem kommen wir gleich gerne nach. – Zuvor fahren wir fort in der Runde mit der AfD-Fraktion und dem Kollegen Trefzer.

Martin Trefzer

Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Nach diesen bewegenden Worten, Frau Gebel, auch von meiner Seite herzlichen Dank, Frau Kapek, fĂŒr diese offenen, ehrli- chen und sehr menschlichen Worte, die Sie am Dienstag ausgesprochen haben. Das ist keine SelbstverstĂ€ndlich- keit in der Politik, und ich zolle Ihnen dafĂŒr ausdrĂŒcklich meinen Respekt. Jetzt komme ich zu dem Thema Hanau: Der feige An- schlag eines psychisch-gestörten AttentĂ€ters in Hanau hat uns alle mit Wut und Abscheu erfĂŒllt. Auch zwei Jahre spĂ€ter ist unser Land gezeichnet von der Menschenver- achtung und der Sinnlosigkeit dieses Verbrechens. Unse- re Gedanken sind heute, zwei Jahre danach, bei den An- gehörigen der Opfer, bei Freunden und Kollegen und allen, die die Ereignisse in jener Nacht nicht mehr loslas- sen. Der ehemalige BundestagsprĂ€sident Wolfgang SchĂ€uble hat vor zwei Jahren eine treffende Bemerkung gemacht, als er sagte, Betroffenheit reiche nicht mehr aus, Hanau fordert vor allem Aufrichtigkeit. Das stimmt, und zu dieser Aufrichtigkeit gehört die Einsicht, dass kein Ex- tremismus besser oder schlechter ist als der andere. Jede Spielart des Extremismus ist von Übel und birgt die Gefahr, zur Leimrute fĂŒr psychisch labile Personen zu werden, fĂŒr Fanatiker oder andere kranke Hirne. Deswe- gen gibt es auch keine Opfer erster oder zweiter Klasse. Die neun Toten in Hanau haben uns genauso fassungslos gemacht wie die 13 Toten vom Breitscheidplatz, die Toten von Halle, die Morde des NSU, die Morde an Wal- ter LĂŒbcke und Samuel Paty, die Attentate von (Silke Gebel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 375 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Christchurch, Nizza, Oslo, Paris, Madrid, New York oder auch die AnschlĂ€ge auf die Olympischen Spiele vor bei- nahe 50 Jahren oder der Anschlag auf das jĂŒdische Al- tersheim in MĂŒnchen 1970, der ĂŒbrigens bis heute noch nicht aufgeklĂ€rt ist. Diese Haltung, dass es keine Opfer erster und zweiter Klasse gibt, dass wir keine Opferhie- rarchie zulassen, gehört zum antitotalitĂ€ren Konsens der Bundesrepublik Deutschland und zum Kernbestand unser freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Wer versucht, diesen Grundkonsens aufzukĂŒndigen, um etwa den einen Extremismus mit dem anderen zu be- kĂ€mpfen, untergrĂ€bt den antitotalitĂ€ren Konsens und vergeht sich an den Opfern von Gewalt und Terror. Dessen ungeachtet gehört zur geforderten Aufrichtigkeit ganz selbstverstĂ€ndlich auch, dass wir uns ĂŒber den rich- tigen Weg und die richtigen Schlussfolgerungen aus Hanau streiten. In vorbildlicher Weise fĂŒhrt diesen Streit die tĂŒrkischstĂ€mmige Publizistin und Dozentin Canan Topçu in ihrem im Oktober erschienenen Buch mit dem Titel „Nicht mein Antirassismus“. Der Anschlag in Ha- nau steht im Zentrum des Buchs. Topçu, die selbst in Hanau lebt, beschreibt ihre Auseinandersetzung mit den Folgen des Anschlags und ihr zunehmendes Befremden in Anbetracht eines außer Rand und Band geratenen Anti- rassismus. Die Antworten der Antirassismusaktivisten werden fĂŒr Topçu der komplexen RealitĂ€t nicht gerecht. Wenn ich lese und höre, – schreibt sie – dass man sich in dieser Gesellschaft als „Nicht- Weißer“ in stĂ€ndiger Lebensgefahr befinde und dass das Leben an einem seidenen Faden hĂ€nge, dann frage ich mich ernsthaft, ob ich mit denen, die solche Szenarien entwerfen, im selben Land lebe. 
 Bei etlichen, die sich zu Wort melden, werde ich aber auch den Verdacht nicht los, dass sie zu dick auftragen mit Rassismus und Diskri- minierung. Kritisch fragt sie: FĂŒhrt der Weg 
 wirklich ĂŒber die aus den USA importierten AnsĂ€tze „Critical Race Theory“ und „Post-Colonial-Studies“, die bei genauerer Be- trachtung auf die deutsche Migrationsgesellschaft nur bedingt ĂŒbertragbar sind? Und sie schlussfolgert – Zitat –: Der SchlĂŒssel fĂŒr ein gedeihliches Zusammenle- ben 
 ist, dass wir uns jenseits unserer kol- lektiven IdentitĂ€t als Individuen begegnen. 
 Mehr Gelassenheit tĂ€te gut – auch den Antirassis- mus-Aktivisten. Zitat Ende. [Beifall bei der AfD –

Anne Helm

Ja, Gelassenheit! Das muss man sich leisten können! Ganz gelassen sein!] Mit diesen Aussagen, Frau Helm, trifft Topçu einen wun- den Punkt, nĂ€mlich die Inflationierung und Überdehnung des Rassismusbegriffs im Zuge von Critical Whiteness und postkolonialen Debatten. Mittlerweile ist die Critical Race Theory zu einem Ein- fallstor fĂŒr Dogmatismus und Irrationalismus in vielen Debatten geworden, und leider auch fĂŒr Holocaustrelati- vierung und BDS-Propaganda. Das haben die Debatten um die fragwĂŒrdigen Thesen von Dirk Moses und Achille Mbembe leider deutlich gezeigt. Dabei wird immer stĂ€r- ker verwischt, dass der Mord an den europĂ€ischen Juden eben kein aus den Kolonialmorden ableitbares oder nach- geordnetes PhĂ€nomen ist. Wer das behauptet, relativiert den Genozid an den europĂ€ischen Juden. Dass das auch in dem von den Koalitionsparteien gebilligten sogenann- ten gesamtstĂ€dtischen Aufarbeitungskonzept der kolonia- len Vergangenheit Berlins nahegelegt wird, ist, finde ich, ein handfester Skandal. Da hört der Spaß auf, liebe Kolleginnen und Kollegen in der Koalition! Es ist eine Schande, dass Sie im Kultur- ausschuss versucht haben, darĂŒber hinwegzulĂ€cheln. – Hören Sie doch mal zu! – Was dabei herauskommt, ist eine Denkweise wie bei Whoopi Goldberg, die den Holo- caust mit der Aussage bagatellisiert hat, die Judenver- nichtung sei ja eine Sache unter Weißen gewesen und damit angeblich halb so wild. Das Problem ist, dass der ĂŒberdehnte Rassismusbegriff schleichend dazu fĂŒhrt, dass die Erscheinungsformen auch des aktuellen Antisemitismus nicht mehr richtig eingeordnet werden. – Ich weiß, dass Ihnen das wehtut. – Bestes Beispiel ist die Kampagne des Senats zur AntisemitismusaufklĂ€rung. Sie geht haarscharf, aber zielsicher an der RealitĂ€t eben auch des muslimischen Antisemitismus vorbei, weil sie Angst vor dem Vorwurf des antimuslimischen Rassismus hat, und keineswegs, weil es diesen muslimischen Antisemi- tismus nicht gĂ€be. Das wissen Sie auch. Das Beispiel zeigt: Der ubiquitĂ€re Rassismusvorwurf wird zum Bumerang. Mit Ihrem stĂ€ndigen Gerede von (Martin Trefzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 376 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Rassismus schĂŒren Sie das, was Sie zu bekĂ€mpfen vorge- ben. Dabei geht es gar nicht um den herkömmlichen Antirassismus, dem sich jeder vernĂŒnftige Mensch ver- pflichtet fĂŒhlt, der keine Wertunterschiede zwischen Menschen macht. Es geht um den neuen, den woken Antirassismus der Critical Race Theory. – Hören Sie zu, dann lernen Sie vielleicht noch was! Dieser woke Antirassismus hat dem europĂ€ischen Uni- versalismus abgeschworen. Er sortiert Menschen in iden- titĂ€re Hierarchien ein und spricht weißen Menschen pau- schal die moralische IntegritĂ€t ab. Mit ihm gibt es keine Integration, nur noch DiskriminierungsbekĂ€mpfung. Mittlerweile sind die Maßnahmen und Gesetzesinitiativen des woken Antirassismus zu einer Gefahr fĂŒr die Demo- kratie geworden. Medien, UniversitĂ€ten, Politik, Wirt- schaft – alle werden von der neuen, woken Glaubenslehre beherrscht. Damit machen Sie aus vernunftorientierter Politik einen Betroffenheitswettbewerb verschiedener Interessengrup- pen. Quoten in der Wirtschaft und im öffentlichem Dienst sind aber nur der Anfang. Am Ende steht eine ethnisch segmentierte und hierarchisierte StĂ€ndegesellschaft, bei der ĂŒbrigens die Menschen, die seit Generationen in die- sem Land leben, ganz unten stehen werden. Damit löst sich die liberale Idee von Gleichheit und Toleranz in Luft auf. Und wem das linke BullerbĂŒ nicht divers und multikultu- rell genug ist, der ist dann eben ein Rassist. Genauso einfach machen es sich heute schon viele Aktivisten. [Beifall bei der AfD –

Tobias Schulze

Ihre Partei bezeichnet den Holocaust als „Vogelschiss“ in der Geschichte!] – Aber so weit muss es nicht kommen, Herr Schulze! Noch sind Kritiker des woken Antirassismus wie Canan Topçu, Judith Sevinç Basad oder Fatina Keilani nicht verstummt. Noch sind die Ideen der Gleich- heit der Menschen und der UniversalitĂ€t der Menschen- rechte nicht aus dem Feld geschlagen. Und noch gelten Wissen, Logik oder Vernunft nicht lediglich als Instru- mente, die von weißen Menschen erfunden wurden, um ihre Vorherrschaft zu erhalten; sie sind nĂ€mlich universal und allen Menschen einsichtig. DafĂŒr, dass diese Einsicht erhalten bleibt, steht auch das Andenken an die Ermorde- ten von Hanau, denn sie starben, weil ihnen das universa- le Menschenrecht auf Leben abgesprochen wurde. Ihre Namen sind daher unzertrennlich mit der Forderung nach gleichen und allgemeinen Menschenrechten verbun- den. Wenn es uns gelingt, der politischen Vernunft in Form des selbstverstĂ€ndlichen, des menschenrechtlichen Antirassismus zum Durchbruch zu verhelfen und den politischen Obskurantismus des woken Antirassismus einzudĂ€mmen, erweisen wir auch den Toten in Hanau Gerechtigkeit. Hanau ist und bleibt Verpflichtung fĂŒr uns alle. Wir mĂŒssen den einfachen ErklĂ€rungen der Auftei- lung der Welt in Gut und Böse, in Schwarz und Weiß entgegentreten. Indem wir gegen Extremismus jedweder Couleur streiten, streiten wir fĂŒr unsere freiheitlich- demokratische Grundordnung. Dass wir dies auch weiter- hin tun, sind wir nicht nur den Opfern von Hanau, son- dern auch allen anderen Opfern von Terror und Gewalt und nicht zuletzt uns selbst schuldig. Lassen Sie mich mit einem Zitat von Canan Topçu schließen; sie schreibt: Ausgerechnet in der Stadt, die zum Symbol fĂŒr den allgegenwĂ€rtigen Rassismus in Deutschland geworden ist, fĂŒhle ich mich sicher und wohl! Nehmen wir dieses hoffnungsvolle Bekenntnis zu unse- rem Land zum Anlass, alles dafĂŒr zu tun, damit unser Land auch in Zukunft ein Land bleibt, in dem Demokratie und Rechtsstaatlichkeit obsiegen. – Ich danke Ihnen fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit. Hier sind zwei Zwischeninterventionen angemeldet wor- den. – ZunĂ€chst fĂŒr die Fraktion der SPD der Kollege Saleh!

Raed Saleh

Herr Kollege! Sie hĂ€tten hier und heute die Möglichkeit gehabt zu sagen, dass die AnschlĂ€ge von Hanau schreck- liche Taten sind [Ronald GlĂ€ser (AfD): Das hat er doch getan! –

Jeannette Auricht

Das wollten Sie nicht hören! – Zuruf von der AfD: Das haben Sie ĂŒberhört!] und dass wir auch ĂŒber andere Formen jeglicher Art von Gewalt reden mĂŒssen – so, wie es alle anderen Rednerin- nen und Redner bisher gemacht haben. Sie haben diese Chance nicht genutzt, sondern ganz im Gegenteil: Es war eine beschĂ€mende Rede voller Relati- vierungen. (Martin Trefzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 377 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Sie haben es nicht vollbracht, das heutige Thema Hanau zu nutzen, uns zu sagen: Antimuslimischer Rassismus, Kampf gegen Migrantinnen und Migranten, AnschlĂ€ge gegen Menschen, die hier zu Hause sind, die nicht als deutsch gesehen werden, verabscheuen wir. – Sie haben sich damit gerade entlarvt. Sie haben Ihre Denkweise, Ihre Gedanken, Ihre rechten Gedanken gerade auf offener BĂŒhne zur Schau gestellt. Und ich muss sagen, das merken sich die Berlinerinnen und Berliner. Die Berlinerinnen und Berliner haben Sie bei der letzten Wahl abgestraft, weil Ihre Gedanken nicht zu Berlin passen, nicht zur freien Stadt, nicht zu dem, was Berlin verkörpert: die Freiheit, die InternationalitĂ€t. Und wissen Sie was: Machen Sie so weiter! Das Ziel wird sein, dass Sie spĂ€testens in fĂŒnf Jahren unter die 5-Prozent-Marke rutschen, weil das, was Sie tun, nichts mit den Gedanken der Berli- nerinnen und Berliner zu tun hat. Sie gehören an den ganz rechten, kleinen Rand der Gesellschaft. Da gehören Sie hin. Der Abgeordnete Trefzer hat die Gelegenheit zur Erwide- rung.

Martin Trefzer

Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Saleh! Wenn Sie mir zugehört hĂ€tten, dann hĂ€tten Sie hören können, dass ich hier keine rechten Gedanken ausgebreitet habe, sondern dass ich ein PlĂ€doyer fĂŒr die Menschenrechte gehalten habe. Haben Sie das ĂŒberhaupt nicht mitbe- kommen? Ich habe in aller Deutlichkeit diese schrecklichen Morde von Hanau verurteilt und habe die passenden Worte dazu gefunden. Ich habe aber hinzugefĂŒgt, dass wir keinen Unterschied zwischen den Spielarten das Extremismus machen, zwi- schen Linksextremismus und Rechtsextremismus, isla- misch motiviertem Extremismus und vielen anderen Extremismen. Es darf keine Hierarchie der Opfer und keine Opfer erster und zweiter Klasse geben. Das habe ich doch deutlich gemacht. Ich habe gesagt, wir mĂŒssen uns dieser Debatte in Auf- richtigkeit stellen. Das meine ich wirklich so. Das war eine schwierige Rede hier fĂŒr mich, aber ich habe ver- sucht, aufrichtig zu diesem Thema zu sprechen. Und zu dieser Aufrichtigkeit gehört eben auch, dass wir uns ĂŒber die richtigen Schlussfolgerungen aus Hanau streiten können. Und das habe ich getan, indem ich auf das PlĂ€doyer von Frau Topçu verwiesen habe. Ich weiß nicht, Herr Saleh, ob Sie mal bei Dussmann in das Buch von Frau Topçu reinschauen konnten. Ich finde das hochspannend. Ich habe aus dem Buch zitiert, weil mich das bewegt hat. Und Frau Topçu be- schreibt eben, dass dieser woke Antisemitismus ĂŒber das Ziel hinausgeht, wenn er dazu fĂŒhrt, dass der Holocaust relativiert wird, wenn er dazu fĂŒhrt, dass Antisemitismus- kampagnen auf dem einen Auge blind gefĂŒhrt werden, und wenn er dazu fĂŒhrt, dass Debatten um Postkolonia- lismus falsch gefĂŒhrt werden. Da mĂŒssen wir aufstehen und sagen, dass das nicht geht. Ich habe das Beispiel aus dem Kulturausschuss genannt, wo in einem Papier der Dekolonialisierungsbewegung gesagt wird: Na ja, es gab einen Genozid. Das war der Genozid in den Kolonien, und dann gab es eben einen weiteren damit in Zusammenhang stehenden Genozid, der quasi darauf zurĂŒckgeht. – Das finde ich nicht in Ordnung. Wir hatten hier in diesem Haus immer (Raed Saleh) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 378 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 einen Konsens, was die Einzigartigkeit und die Singulari- tĂ€t der Verbrechen am jĂŒdischen Volk angeht. Und wenn Sie so tun, als dĂŒrfe man dieses Thema nicht ansprechen, dann stelle ich an Sie die Frage: Was ist aus der Parole „Nie wieder!“ geworden, was das große Menschheitsverbrechen des 20. Jahrhunderts anbelangt? Ich weiß nicht, Herr Saleh: Kennen Sie all diese Debatten gar nicht, die um das Buch von Dirk Moses gefĂŒhrt wor- den sind? Kennen Sie die Debatten nicht, die um Mbembe gefĂŒhrt worden sind? Diesen Debatten mĂŒssen wir uns stellen. Der woke Antisemitismus ist eine Gefahr fĂŒr unsere Demokratie. Dabei bleibe ich, und dazu stehe ich auch. Es ist noch eine zweite Zwischenbemerkung zu diesem Redebeitrag zulĂ€ssig. Die hat Frau Kollegin Breitenbach angemeldet.

Elke Breitenbach

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie können froh sein, dass ich keine Senatorin mehr bin. Abgeordnete bin ich immer noch. – Ihre Rede eben hat deutlich gemacht: Rassismus ist das Gift und der Versuch, diese Gesell- schaft zu teilen und zu zersetzen. Sie, Herr Trefzer, geben sich dabei gerne den weltmĂ€nni- schen Anstrich von Wissenschaftlichkeit. Was Sie hier gemacht haben, ist die Verhöhnung der Opfer, die Ver- höhnung aller Opfer rassistischer AnschlĂ€ge und rassisti- scher Übergriffe. Mein Weltbild, Herr Trefzer, ist an dieser Stelle sehr klar, und zwar so klar, wie auch Ihr Weltbild ist. Aber unsere Weltbilder unterscheiden sich. Ich, meine Fraktion, diese Koalition und die demokrati- schen Parteien in diesem Hause stehen fĂŒr eine offene Gesellschaft, fĂŒr eine vielfĂ€ltige Gesellschaft, in der Ras- sismus, Rechtsextremismus und rechte Hetze keinen Platz haben. Meine Damen und Herren von der AfD! Ich werde mit Ihnen auch keine Debatte mehr ĂŒber Rassismus und Rechtsextremismus fĂŒhren. Sie gehören zu den TĂ€tern. Sie gehören zu denjenigen, die Rechtsextremismus in diese Gesellschaft tragen. Sie gehören zu denjenigen, die Rechtsextremismus und faschistisches Gedankengut in die Parlamente tragen. Und das werden wir nicht hin- nehmen. Wir werden es nicht akzeptieren, und wir werden uns Ihnen entgegenstellen, im Parlament und auf der Straße. – Pfui Teufel! [Beifall bei der LINKEN, der SPD und den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der FDP – Beifall von Maik Penn (CDU) –

Frank-Christian Hansel

Sie begreifen das doch gar nicht] Der Abgeordnete Trefzer hat die Gelegenheit zur Erwide- rung.

Martin Trefzer

Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Liebe Frau Breitenbach! Ignoranz ist auch eine Form von Gift – wenn ich mir diese Bemerkung angesichts Ihres Redebei- trags erlauben darf. Ich habe hier niemanden verhöhnt. Ich habe hier deutlich unsere Position zum Ausdruck gebracht. Aber ich habe auch gesagt, dass wir uns kritischen Fragen stellen mĂŒssen und dass wir auch diskutieren mĂŒssen, wie wir mit diesem Extremismus umgehen. Und wenn es eben so ist, dass die Parolen des Antirassismus und der offenen Gesellschaft, die Sie gerade wieder im Munde (Martin Trefzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 379 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 gefĂŒhrt haben, instrumentalisiert und zweckentfremdet werden, beispielsweise um Antisemitismus wieder hoffĂ€- hig zu machen, dann ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, den Finger zu erheben und zu sagen: So nicht, liebe Leute! Das habe ich getan. Ob Sie sich dieser Debatte nun stel- len wollen oder nicht, ist Ihre Angelegenheit. Ich glaube, das ist ein unglaublich drĂ€ngendes Problem in unserer Gesellschaft, und das hat auch unmittelbar etwas mit dem Kampf gegen Rassismus zu tun. Ich habe ja beschrieben, wie man sich einen sinnvollen, menschenrechtlich orien- tierten Kampf gegen Rassismus vorstellen muss. Aber man darf eben nicht mit Scheuklappen durch die Gegend gehen oder sich einen Maulkorb oder Denkverbote ver- passen lassen. Ich denke dabei zum Beispiel an die De- monstration am Brandenburger Tor im FrĂŒhjahr des letz- ten Jahres nach den Vorkommnissen in Gaza, wo viele gute Reden gehalten wurden, unter anderem von Olaf Scholz. – Das gehört in diesen Zusammenhang der Überdehnung dieses Antirassismusbegriffs, Frau Helm. – Da sind gute Reden gehalten worden von Vertretern aller Parteien, auch von Ihrer Partei. Dann bin ich zum Abge- ordnetenhaus mit einer Israelfahne in der Hand zurĂŒckge- radelt und bin noch vor dem Potsdamer Platz angemacht worden. Ich bin von Leuten gewarnt worden: Nimm die Israelfah- ne runter, sonst wirst du was erleben! – Da muss ich Ihnen sagen: Das geht nicht. Davor können wir nicht die Augen verschließen. Das gehört leider in den Kontext dieser Debatten um Dekolonisierung und Antirassismus. Das ist eine kritische Debatte. Die tut auch weh. Und es gibt wahrscheinlich auch keine Patentantwort. Aber das ist eine Debatte, der wir uns stellen mĂŒssen. Es war mei- ne Absicht, dazu einen Beitrag zu leisten. [Beifall bei der AfD –

Tobias Schulze

Wer mit Bernd Höcke in einer Partei ist, sollte sich ruhig verhalten! –

Orkan Özdemir

ErbĂ€rmlich! Sie verrennen sich!] – Nein! Als nĂ€chste Rednerin ist fĂŒr die Linksfraktion die Kolle- gin Helm an der Reihe.

Anne Helm

Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Zum zweiten Mal sprechen wir anlĂ€sslich des Jahrestags des entsetzlichen rechten Terroranschlags im Rahmen einer Aktuellen Stunde in diesem Saal. Zwei Jahre sind vergangen, aber die Schmerzen der Überle- benden und Hinterbliebenen sind immer noch unermess- lich. Ich mag mir nicht ausmalen, was es fĂŒr sie bedeuten muss, eine derartige Relativierung und Verhöhnung ihrer Angehörigen wie heute in diesem Saal ertragen zu mĂŒs- sen. Die fatalen VersĂ€umnisse der Behörden sind immer noch nicht aufgearbeitet, im Gegenteil. Statt die Betroffenen von rechter Gewalt und deren Angehörige in ihren be- grĂŒndeten Sorgen ernst zu nehmen, wurden und werden sie immer wieder selbst kriminalisiert. So ermittelten die Behörden im Fall der NSU-Morde bekanntlich in erster Linie im Opferumfeld. Die Angehörigen der Opfer des AttentĂ€ters von Hanau erhielten direkt nach der Tat Ge- fĂ€hrderansprachen von der Polizei, wurden also aufgefor- dert, dass sie keine Straftaten begehen sollen. Die Communitys haben nicht vergessen, dass die Morde des NSU in der Boulevardpresse lange Zeit lakonisch als „Dönermorde“ bezeichnet wurden und die Ermittlungs- gruppe den Namen „Soko Bosporus“ trug – eine uner- trĂ€gliche Verhöhnung und Dehumanisierung der Be- troffenen, deren Angehörige und Überlebende schon lange vor der Selbstenttarnung wussten, dass sie Opfer einer rechten Terrorserie geworden waren. Die AnwĂ€ltin der Angehörigen von Enver ƞimßek, dem ersten Opfer des NSU-Trios, Seda Baßay-Yildiz, wurde jahrelang von einem Nazi bedroht, der sich in seinen widerlichen Brie- fen als NSU 2.0 bezeichnete. Die privaten Informationen dazu kamen höchstwahrscheinlich direkt von Polizeibe- amten aus Hessen. Seitdem wurden etliche rechte Zellen innerhalb der hessischen Sicherheitsbehörden enttarnt. Lieber Herr Kollege Wegner! Bei unserem gemeinsamen Anliegen, Sie haben das deutlich formuliert, rechte Struk- turen zu zerschlagen, darf das leider nicht unter den Tisch gekehrt werden. Ganz aktuell zeigt ein Fall hier vor Ort, wie schnell Op- ferperspektiven verwischt werden. Als die Berlinerin Dilan S. vor einigen Wochen in der Tram Opfer eines brutalen gemeinschaftlichen rassistischen Angriffs wurde, wurde sie in der Polizeimeldung und infolgedessen in der Presse zunĂ€chst als Maskenverweigerin dargestellt, statt die rassistischen Motive der Tat kenntlich zu machen. All das, was ich hier beschrieben habe, zeigt, wie Opfer nach traumatischen SchicksalsschlĂ€gen erneut gedemĂŒtigt (Martin Trefzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 380 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 werden, dass rassistische Motive verschleiert werden und dass sie selbst sich VerdĂ€chtigungen oder sogar Verfol- gung ausgesetzt sehen. Das ist nicht hinnehmbar! Eine der Lehren aus dem Terror von Hanau muss sein, dass damit nun ein fĂŒr alle Mal Schluss ist. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den Angehörigen bedanken, die sich in der Initiative „19. Februar“ zusam- mengeschlossen haben, um fĂŒr AufklĂ€rung zu kĂ€mpfen und anderen Betroffenen beizustehen. Ihre Kraft und ihr Engagement verdienen höchste Anerkennung. Sie ver- hindern, dass das eintritt, was der AttentĂ€ter wollte: die Auslöschung der Opfer. Ihre Gesichter und Namen sind ĂŒberall zu sehen. Sie werden nie vergessen sein. Sie ge- hören fĂŒr immer zu uns. Danke dafĂŒr! Unsere Kolleginnen und Kollegen im Hessischen Land- tag haben mittlerweile ihre Arbeit im Untersuchungsaus- schuss zu den Morden in Hanau aufgenommen, um die Antworten auf die Fragen zu finden, die den Behörden den Angehörigen bis heute schuldig geblieben sind. Wel- che politischen Antworten haben wir hier in Berlin auf die Tat in Hanau? – Wir werden ein Landesopferschutz- gesetz verabschieden, durch das Opfer von Straftaten einen Anspruch auf Beratungs- und UnterstĂŒtzungsleis- tungen erhalten. Wir werden die Polizei diverser und diskriminierungskritischer aufstellen. Ich bin sehr erleich- tert, dass der Rauswurf eines rechtsextremen FunktionĂ€rs der AfD-Jugendorganisation aus dem Polizeidienst nun auch gerichtlich bestĂ€tigt wurde. Rechtsextremes, rassis- tisches, queer-feindliches und antisemitisches Gedanken- gut darf in der Berliner Polizei keinen Platz haben. Nur so schaffen wir es, verloren gegangenes Vertrauen zurĂŒck- zugewinnen. Um Ihnen eine weitere Dimension der Tat deutlich zu machen, lassen Sie mich an dieser Stelle bitte Filip Go- man, den Vater der in Hanau ermordeten Mercedes Kier- pacz, zitieren: Mein Opa wurde im KZ vergast, meine Tochter in Hanau erschossen. Komprimierter lĂ€sst sich die KontinuitĂ€t antiziganisti- scher Morde in Deutschland nicht beschreiben. Eine KontinuitĂ€t, die man vom Mittelalter ĂŒber den Terror des Porajmos bis hin zu den heutigen Taten erkennen kann. Sinti und Roma wurde die Anerkennung als Opfer des NS-Terrors im Nachkriegsdeutschland nicht gewĂ€hrt, und viele Überlebende der Konzentrations- und Vernichtungs- lager sind gestorben, ohne je eine Entschuldigung, ge- schweige denn eine EntschĂ€digung von Deutschland bekommen zu haben. Bis heute werden Roma und Sinti auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt benachteiligt. Umso wichtiger ist es, dass das viel zu spĂ€t begonnene Gedenken an den Porajmos angemessen fortgesetzt wird. Deshalb ist der Erhalt des Denkmals fĂŒr die im National- sozialismus ermordeten Sinti und Roma wĂ€hrend und auch nach dem Bau der S 21 fĂŒr uns eine ganz besondere Verpflichtung. Gemeinsam mit den Communitys werden wir einen Bei- rat fĂŒr Angelegenheiten von Roma und Sinti grĂŒnden, um Antiziganismus aktiv entgegenzutreten. Außerdem wer- den wir den Aktionsplan Roma in ein Landesprogramm zur StĂ€rkung der Teilhabe von Roma und gegen Anti- ziganismus ĂŒberfĂŒhren und eine Ansprechperson zur BekĂ€mpfung von Antiziganismus benennen. Es wird aber noch weitere weitreichende Maßnahmen auch im Bil- dungsbereich erfordern, um ihre Geschichte und ihre Kultur in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart stĂ€rker in die öffentliche Wahrnehmung zu rĂŒcken. Zur Wahrheit von Hanau gehört auch, dass der TĂ€ter sich sehr bewusst unter anderem eine Shisha-Bar als An- schlagsziel ausgesucht hat. Er nahm an, dass er dort mög- lichst viele vermeintliche Muslime treffen wĂŒrde. Die Shisha-Bar als Ort von Begegnungen und Entspannung wurde zu einem Ort des Terrors und der Bedrohung. Ich halte das fĂŒr eine sehr bedenkliche Entwicklung, der wir auch hier in Berlin etwas entgegensetzen können und auch mĂŒssen. Wenn Shisha-Bars im öffentlichen Diskurs ausschließlich im Zusammenhang mit organisierter KriminalitĂ€t auftau- chen, dann werden solche Orte der Begegnung pauschal ins Zwielicht gestellt und verdĂ€chtig gemacht. Das schĂŒrt gefĂ€hrliche Ressentiments. Rassismus und an dieser Stelle insbesondere antimuslimi- scher Rassismus arbeitet immer mit Fremdzuschreibun- gen. Deshalb haben wir bereits im Koalitionsvertrag festgelegt, dass wir zur StĂ€rkung der Teilhabe und Sicht- barkeit von Musliminnen und Muslimen ein Landeskon- zept „Muslimisches Leben in Berlin“ entwickeln werden. DarĂŒber hinaus wird die Experten- und Expertinnen- kommission zu antimuslimischem Rassismus fortgefĂŒhrt, um eine interdisziplinĂ€re Handlungsstrategie auf den Weg zu bringen. Ich bin guter Hoffnung, dass auf der Bundesebene jetzt endlich ohne eine CDU in der Regie- rungsbeteiligung das lange geplante Demokratieförderge- setz eingefĂŒhrt werden kann, durch das die Arbeit von Hilfs- und Beratungsstrukturen abgesichert wird. Die gerechte Teilhabe von Menschen mit Migrationsge- schichte und Rassismuserfahrungen in allen Teilen des (Anne Helm) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 381 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 gesellschaftlichen Lebens ist ein Grundrecht, aber es ist auch ein Schutz vor Ausgrenzung und Rassismus. Wer in unserer Mitte steht, kann von Hetzern nicht so einfach als fremd oder anders markiert werden. Wer selbstverstĂ€ndli- cher Teil unseres Staates und seiner Institutionen ist, steht ihnen nicht hilflos gegenĂŒber. Deshalb freue ich mich besonders, dass ich heute diese Sache mit einem wesent- lich diverseren Plenum als noch im letzten Jahr diskutie- ren kann. Um die Teilhabe und die ReprĂ€sentation von Menschen mit Migrationsgeschichte auch im öffentlichen Dienst zu gewĂ€hrleisten, hat Rot-Rot-GrĂŒn schon in der letzten Legislatur das Partizipationsgesetz verabschiedet, und wir werden dieses nun gemeinsam mit dem Migrati- onsbeauftragten und der Zivilgesellschaft zĂŒgig umset- zen. Im Zuge der Coronakrise haben rassistische und antisemi- tische Verschwörungsideologien, denen auch der TĂ€ter von Hanau anhing, einen Aufschwung erlebt. Mit dem heute Nacht entfesselten Krieg wird diese Gefahr sicher- lich nicht kleiner werden. Die Angst vor einem GroßflĂ€- chenbrand, die zu erwartenden Fluchtbewegungen und auch die wirtschaftlichen Folgen werden uns allen – vor allem uns, liebe Kolleginnen und Kollegen – große Kraft- anstrengungen abverlangen, die humanitĂ€ren Werte, das friedliche Zusammenleben auch in dieser Stadt zu vertei- digen. Liebe Berlinerinnen und Berliner! Rassismus im Alltag bildet die Grundlage fĂŒr rechten Terror. Treten wir ihm entgegen, wo immer er uns begegnet – ob beim Familien- fest, am Arbeitsplatz, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und selbstverstĂ€ndlich auch hier im Parlament! Schauen wir nicht weg! Schweigen wir nicht! Oft hilft schon ein beherztes Wort des Widerspruchs, um andere zu motivie- ren, einzugreifen. Sorgen wir gemeinsam dafĂŒr, dass nicht die Betroffenen von Rassismus am Rande unserer Gesellschaft stehen, sondern die Rassistinnen und Rassis- ten. – Herzlichen Dank! Es folgt jetzt fĂŒr die FDP-Fraktion der Kollege Czaja.

Antje Kapek

Was fĂŒr ein grauenhafter Tag! Nach 30 Jahren der erste Krieg in Europa, und dann komme auch noch ich. Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr PrĂ€sident und liebe Kol- leginnen und Kollegen, dass Sie mir diese Gelegenheit trotzdem geben, um ein paar persönliche Worte zu sagen. Ich habe vor ein paar Tagen eine Entscheidung getroffen, die in dieser Form wahrscheinlich die wenigsten Berufs- politiker und -politikerinnen treffen wĂŒrden, und ich bin ganz ehrlich: Auch ich bin voll und ganz Politikjunkie, und die Vorstellung, mit einem Mal von Tempo 1 000 auf totalen Stillstand runterzuschalten, macht mir eine Höl- lenangst. Ich glaube, ich wurde dazu geboren, Verantwor- tung zu tragen, und diese Aufgabe jetzt abzugeben, das tut weh, sehr sogar. Aber wir alle, wie wir hier sitzen, wissen, dass es nicht nur eine der großartigsten Aufgaben ist, sondern dass sie auch mit vielen persönlichen Opfern einhergeht: Beziehungen, Ehen, Gesundheit, Freund- schaften, Sozialleben im Allgemeinen. Vor allem aber haben die meisten von uns gelernt, ihre körperlichen und auch ihre emotionalen BedĂŒrfnisse zu unterdrĂŒcken, und dass das auf Dauer nicht gesund ist, wissen wir alle. Die Folgen davon bekommen sehr viele von uns zu spĂŒren, aber die meisten halten diese geheim. Es war wirklich zu keinem Zeitpunkt meine Intention, hier ein politisches Zeichen zu setzen. Ich habe eine per- sönliche Entscheidung getroffen. Aber die Tatsache, dass diese Entscheidung zu Tausenden von Reaktionen in Berlin, in Deutschland und, wie ich heute Morgen gele- sen habe, sogar in Amerika gefĂŒhrt hat, lĂ€sst mich auf- horchen. Bereits vor der Coronapandemie waren Themen wie Self-Care, Achtsamkeit, Work-Life-Balance topp in Gesundheitsmagazinen oder auch sonst wo, aber spĂ€tes- tens in den letzten beiden Jahren mit der Coronapandemie haben alleine bei Kindern und Jugendlichen die psycho- somatischen Beschwerden exponentiell zugenommen. Erwachsene sprechen von Depressionen, AngstzustĂ€nden und selbst Gewalt, und es gibt kaum Eltern, die nicht von (Senatorin Dr. Lena Kreck) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 385 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 sich sagen wĂŒrden, dass sie nach diesen zwei Jahren Coronapandemie erschöpfter sind denn je. Auch ich habe Kinder und dazu einen 16-Stunden-Tag fast jeden Tag. Hochleistungssport, nur ohne Bewegung! Ja, auch das gehört zur Wahrheit. Ich habe mich deshalb schweren Herzens entschieden, den wundervollsten aller Jobs, den Fraktionsvorsitz mei- ner Fraktion, abzugeben, weil ich erschöpft bin und weil es Menschen gibt, die ich liebe und die mich sehr brau- chen. Ich stand bereits vor zwei Jahren an diesem Punkt, wo es um die Frage ging: Bin ich bereit, den nĂ€chsten Schritt fĂŒr eine große politische Karriere zu gehen, oder möchte ich meine Ehe und meine Gesundheit behalten? – Ich habe damals die richtige Entscheidung getroffen, und so tue ich das auch heute. Es ist trotzdem – ich bin ganz ehrlich – die schwerste Entscheidung, die ich in den fast 20 Jahren Politik in Berlin treffen muss, denn diese Stadt ist eine besondere. Ich liebe Berlin. Es ist meine Stadt, und ich wollte zu jedem Zeitpunkt immer nur Politik fĂŒr sie und ihre Menschen machen. Es ist nicht nur eine un- glaubliche Verantwortung, es ist eine Ehre, Politikerin in dieser Stadt zu sein, es ist sogar ein Privileg, ein ver- dammt großes sogar. Berlin ist eine Stadt mit Ecken und Kanten, mit BrĂŒchen und mit NiedergĂ€ngen, und trotzdem ist sie jedes Mal wieder aufgestanden und erblĂŒht, und genauso wird es auch mir gehen. Deshalb lassen Sie mich trotzdem einmal dieses Jahrzehnt als Fraktionsvorsitzende in diesem Ho- hen Haus ordentlich beenden! Es ist mir ein Anliegen. Lieber Sebastian! Ich weiß, Politik ist manchmal hart im Ton, und ich mit meiner berĂŒhmten Berliner Schnauze bin gerade bei dir manchmal ein bisschen ĂŒber das Ziel hinausgeschossen. DafĂŒr möchte ich mich aufrichtig bei dir entschuldigen. Sollte ich dir jemals ernsthaft auf die FĂŒĂŸe getreten sein, dann hoffe ich, dass du weißt, wie es gemeint war. Es war gemeint voller Anerkennung fĂŒr deinen Witz, deine Beharrlichkeit, deine EntertainmentqualitĂ€ten und vor allem fĂŒr die Tatsache, dass der Fraktionsvorsitzende der kleinsten Fraktion frĂŒher manchmal in diesem Hause der wahre OppositionsfĂŒhrer war. Lieber Kai! Wir kennen uns schon so lange, und ich habe mich wirklich richtig darauf gefreut, mit dir Politik aus der ersten Reihe zu machen. Jetzt bleibt nur eines: Ich muss dich leider daran erinnern, dass wir noch zwei Ver- abredungen haben, eine zum Cuba-libre-Trinken und eine zum Doppelkopf. Dann klĂ€ren wir das mit dem Wald auf dem Tempelhofer Feld. Lieber Carsten! Liebe Anne! Ich werde euch vermissen. – Ich habe mir vorgenommen, es nicht zu tun. Es war klar, dass es trotzdem passiert. – Eure Ehrlichkeit, euer Witz, die Verhandlungen ĂŒber Tilgungsraten, wir haben sehr leidenschaftlich diskutiert, vor allem ĂŒber die Frage, welches der beste Weg durch die Coronapan- demie ist. Ich muss euch sagen, das gibt mir so viel Kraft und Zuversicht zu wissen, dass ihr keiner Frage aus dem Weg geht, egal wie schwer sie ist, und Berlin bei euch in guten HĂ€nden ist. Danke euch beiden! Mein lieber Raed! Hart in der Sache und mit so viel Lei- denschaft fĂŒr die Menschen in unserer Stadt, und wenn irgendwas wirklich wichtig war, Raed, dann war auf dich immer Verlass. Du hast ein vertrauensvolles Ohr fĂŒr mich gehabt. Ich werde unsere GesprĂ€che vermissen. Allein die Tatsache, dass du vor zwei Tagen wirklich wĂŒtend ver- sucht hast, mich von diesem Schritt abzuhalten, bedeutet mir so unglaublich viel. Ich hoffe, du bleibst mir als Freund erhalten. Silke! Du bist die beste Co-Vorsitzende, von der ich jemals trĂ€umen konnte. Du bist meine Partnerin. Ich werde immer fĂŒr dich da sein, wann immer du mich brauchst. Uns verbindet viel mehr als Freundschaft. Diese Fraktion kann so unglaublich dankbar sein, eine so tolle Frau an ihrer Spitze zu haben. Ich werde dich mit ganzem Herzen vermissen. Die Tatsache, dass wir mindestens zehnmal am Tag telefoniert haben – ich glaube, dein Ehemann freut sich – – Zu guter Letzt möchte ich mich bei meiner Fraktion be- danken fĂŒr die Ehre, knapp zehn Jahre an eurer Spitze stehen zu dĂŒrfen, fĂŒr euch sprechen zu dĂŒrfen, euch fĂŒh- ren zu dĂŒrfen, von euch gemaßregelt zu werden – holla, die Waldfee –, euch vereinen zu dĂŒrfen und dank euch wachsen zu dĂŒrfen. Es war ein Traum. Ich danke euch! Aber vor zwei Tagen hat ein Abgeordneter meiner Frak- tion gesagt: Antje, in den letzten zehn Jahren warst du (Antje Kapek) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 386 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 unser Fels in der Brandung. – Ich bin ganz ehrlich, in nĂ€chster Zeit brauche ich euch als meinen Fels in der Brandung. Und wer immer meine Nachfolge antritt: Zieh dich warm an, good luck! Viel Kraft, und gib dein Allerbestes! Denn mit nichts weniger wird sich diese Fraktion zufrieden geben, und sie hat auch nicht weniger verdient. Liebe Kolleginnen und Kollegen! FĂŒr mich ist es jetzt Time to say Goodbye. Streiten Sie bitte weiterhin auf- recht mit Leidenschaft fĂŒr die wundervollste aller StĂ€dte, aber vor allen Dingen passen Sie alle bitte gut auf sich auf! Gute Politik kann man nur machen, wenn es einem selbst auch gutgeht. In diesem Sinne sage ich einmal danke schön und vor allem: Bleiben Sie bitte gesund! Liebe Frau Kollegin Kapek, liebe Antje! Auch von mei- ner Seite ein herzliches Dankeschön fĂŒr die gute Zusam- menarbeit in den zehn Jahren, in denen ich diesem Par- lament angehöre, vor allem aber auch in den letzten Mo- naten gemeinsam im Ältestenrat. Ich glaube, es ist in den letzten Minuten deutlich geworden, dass es Wichtigeres geben kann als Politik: das eigene Wohlbefinden, die eigene Familie, die eigene Work-Life-Balance, wie hier gerade deutlich geworden ist. Und ich finde, es ist in den letzten Minuten deutlich geworden, dass jenseits allen politischen Streits, jenseits von Meinungsverschiedenhei- ten in der Sache der menschliche Umgang in einem Par- lament mit denen, die hier Kolleginnen und Kollegen sind und jeden Tag in unterschiedlichen Konstellationen zu- sammenarbeiten, ein Wert an sich ist, den wir gemeinsam pflegen sollten. Deswegen ist respektvoller Umgang, eine grundsĂ€tzliche Freundlichkeit im Umgang miteinander etwas, das wir uns hier im Parlament erhalten sollten. Liebe Antje Kapek! Respekt davor, einen Schritt zurĂŒck- zutreten, alles Gute, die Work-Life-Balance anders aus- zugleichen, die Batterien wieder aufzuladen! Und wenn ich alles richtig verstanden habe, bleiben Sie/bleibst du uns in diesem Hause an anderer Position erhalten, und wir werden weiter miteinander arbeiten und von dem Wissen und den Erfahrungen profitieren, die Sie gesam- melt haben und weitergeben können. – Herzlichen Dank dafĂŒr! Ich bin hier heute zeitweilig sehr großzĂŒgig gewesen, was die Uhr angeht. Deswegen haben wir auch die LĂŒftungs- pause ĂŒberzogen. Trotzdem mĂŒssen wir da jetzt rein und wĂŒrden hier um 14 Uhr mit der Fragestunde weiterma- chen. Bitte alle den Raum verlassen, auch auf den TribĂŒ- nen, damit wir hier ordentlich durchlĂŒften können! – Herzlichen Dank! Ich komme zu lfd. Nr. 2: Fragestunde gemĂ€ĂŸ § 51 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Nun können mĂŒndliche Anfragen an den Senat gerichtet werden. Die Fragen mĂŒssen ohne BegrĂŒndung, kurz ge- fasst und von allgemeinem Interesse sein sowie eine kurze Beantwortung ermöglichen. Sie dĂŒrfen nicht in Unterfragen gegliedert sein; ansonsten werde ich die Fragen zurĂŒckweisen. Zuerst erfolgen die Wortmeldun- gen in einer Runde nach der StĂ€rke der Fraktionen mit je einer Fragestellung. Nach der Beantwortung steht min- destens eine Zusatzfrage dem anfragenden Mitglied zu, eine weitere Zusatzfrage kann auch von einem anderen Mitglied des Hauses gestellt werden. Frage und Nachfra- gen werden von den SitzplĂ€tzen aus gestellt. FĂŒr die Fraktion der SPD hat nun als Erstes Herr DĂŒsterhöft das

Lars DĂŒsterhöft

Haben Sie vielen Dank! – Ist denn schon absehbar, wann die Unternehmen im Bereich Pflege, KrankenhĂ€user etc. detaillierte Informationen erhalten, wie die genauen We- ge sein werden? Senatorin Ulrike Gote (Senatsverwaltung fĂŒr Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung): Einige Informationen haben die entsprechenden Einrich- tungen, vor allem ĂŒber ihre TrĂ€ger und GeschĂ€ftsfĂŒhrun- gen, schon bekommen. Detaillierte Informationen werden wir zur VerfĂŒgung stellen, sobald die Verfahren ganz geklĂ€rt sind. Es gibt noch Überlegungen, bei denen noch nicht ganz klar ist, wie der Weg sein wird. Es steht noch im Raum, dass wir eine zentrale Stelle finden – eventuell – fĂŒr die Sammlung der Meldungen. Das ist noch in der PrĂŒfung, aber das wĂ€re fĂŒr uns der bevorzugte Weg, so vorzugehen, um auch hier klarzumachen, wer welche Aufgaben hat. Es ist, glaube ich, bekannt, dass die Ge- sundheitsĂ€mter immer noch sehr stark mit vielen Aufga- ben belastet sind und es schwierig ist, die DurchfĂŒhrung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht komplett den GesundheitsĂ€mtern zu ĂŒberlassen. Deshalb der Berliner Weg. Wir suchen hier eine Lösung, die fĂŒr alle gut und vertrĂ€glich ist. Sie können sicher sein, dass die Informati- onen rechtzeitig allen zugehen werden und wir dann auch wissen, wie ab Mitte MĂ€rz zu verfahren ist. FĂŒr die zweite Nachfrage hat Herr Jotzo das Wort.

Cornelia Seibeld

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Ich frage den Senat: Wie bewertet der Senat die folgende Äußerung der Links- jugend, also der Jugendorganisation einer der hiesigen Regierungsparteien, in den sozialen Medien? Ich darf zitieren: Der Hauptfeind steht immer noch im eigenen Land. Nach andauernden Auseinandersetzungen zwischen dem westlichen imperialistischen Block bestehend aus USA, NATO und EU auf der einen Seite sowie Russland auf der anderen ist Russland in den Gebieten Donezk und Luhansk einmar- schiert. Nein zu imperialistischen Kriegen! Nein zur NATO! Frau Senatorin Kipping, bitte schön! Senatorin Katja Kipping (Senatsverwaltung fĂŒr Integration, Arbeit und Soziales): Vielen Dank fĂŒr diese Frage! – Alle Adjektive, die mir zur Bewertung dieses Tweets einfallen, wĂŒrden wahr- scheinlich von der PrĂ€sidentin als unparlamentarisch kritisiert oder als nicht jugendfrei bewertet werden, und deswegen möchte ich mich mit Adjektiven zurĂŒckhalten, aber Folgendes sagen: Es ist unglaublich bitter, dass wir im Jahr 2022 in Europa wieder einen Krieg erleben mĂŒs- sen. Und dieser Krieg geht aus von Putin, der hier einen Angriffskrieg gestartet hat, fĂŒr den es keinerlei Entschul- digung gibt und den wir aufs SchĂ€rfste verurteilen. Und deswegen finden wir auch diesen Tweet vollkommen unangemessen. Frau Seibeld, möchten Sie eine Nachfrage stellen?

Cornelia Seibeld

Vielen Dank! – Ich darf noch weiter fragen, wie der Senat unter dem Gesichtspunkt des Koalitionsfriedens die wei- tere folgende Äußerung der Linksjugend bewertet: 
 denn Giffey ist eine untragbare Person als BĂŒr- germeisterin dieser Stadt, die sich in den Dienst der Lobby stellt und rassistische Praktiken be- treibt, wie wir auch schon in frĂŒheren Statements ausgefĂŒhrt haben. Frau BĂŒrgermeisterin Jarasch antwortet selbst. BĂŒrgermeisterin Bettina Jarasch (Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, MobilitĂ€t, Verbraucher- und Klimaschutz): Der Senat ist sich völlig einig, und auch hier darf ich ausdrĂŒcklich fĂŒr den gesamten Senat sprechen, dass das eine untragbare Äußerung und eine Unver- schĂ€mtheit ist, die ich im Namen des gesamten Senats zurĂŒckweise. Die zweite Nachfrage geht an Herrn Hansel.

Frank-Christian Hansel

Frau Kipping! Sie haben jetzt noch einmal die Gelegen- heit: Sie distanzieren sich also ganz deutlich von der Linksju- gend? (BĂŒrgermeisterin Bettina Jarasch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 389 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Bitte schön, Frau Senatorin Kipping! Senatorin Katja Kipping (Senatsverwaltung fĂŒr Integration, Arbeit und Soziales): SelbstverstĂ€ndlich distanzieren wir uns von einer solchen EinschĂ€tzung. Ich kann hier nur fĂŒr den gesamten Senat antworten, aber ich tue das auch aus tiefer innerer Über- zeugung. Was die Position des Senats und auch meine ganz persönliche ist, habe ich gerade gesagt. Es ist ein barbarischer Akt, den ich zutiefst verurteile, den Putin gegenĂŒber der Ukraine gestartet hat. Vielen Dank! Die nĂ€chste Frage hat Frau Fuchs fĂŒr die Fraktion Die

Thorsten Weiß

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Die „FAZ“ berichtete gestern, dass das Rechtsamt der Freien UniversitĂ€t die Option, nur eine RĂŒge zu erteilen, schon im Jahr vor dem Fall von Frau Giffey juristisch geprĂŒft und als rechtswid- rig kategorisch ausgeschlossen hatte. Bei Frau Giffey wurde eine RĂŒge dann plötzlich doch möglich. Liegen fĂŒr den Senat angesichts dieses sprunghaften Wechsels der Rechtsauffassung der FU nunmehr hinreichende Anhalts- punkte fĂŒr ein rechtlich zweifelhaftes Vorgehen der FU vor, die ein Einschreiten des Senats im Rahmen seiner Rechtsaufsicht ĂŒber die UniversitĂ€ten notwendig ma- chen? Frau Senatorin Gothe, Sie haben das Wort. Senatorin Ulrike Gote (Senatsverwaltung fĂŒr Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung): Frau PrĂ€sidentin! Herr Abgeordneter! ZunĂ€chst einmal ist das ein Vorgang, der ganz in der Verantwortung der Hochschule liegt. Aufgrund eines Zeitungsberichts wĂŒrde meine Senatsverwaltung sicherlich auch nicht tĂ€tig wer- den. Wir sehen zurzeit keinen Grund, hier die Dienstauf- sicht auszuĂŒben. Herr Weiß, möchten Sie eine Nachfrage stellen?

Thorsten Weiß

Heißt das, ich entnehme Ihrer Antwort, Frau Senatorin, dass Sie vonseiten des Senats keine Vorzugsbehandlung von Frau Giffey erkennen, die zunĂ€chst nur eine RĂŒge und dann ein Rechtsgutachten erhielt, wohingegen einem griechischen Doktoranden die RĂŒge trotz geringerer Zahl an Plagiaten verwehrt wurde? Frau Senatorin, bitte schön! (Senatorin Katja Kipping) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 391 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Senatorin Ulrike Gote (Senatsverwaltung fĂŒr Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung): Ich kann nur noch einmal sagen, dass das kein offizieller Vorgang in meiner Senatsverwaltung ist. Mir liegen dazu auch keinerlei Informationen außer dem Zeitungsartikel, den ich auch gelesen habe, vor. Das ist fĂŒr mich kein Anlass, tĂ€tig zu werden. Es ist noch eine Nachfrage von Herrn GlĂ€ser fĂŒr die AfD- Fraktion reingekommen.

Sebastian SchlĂŒsselburg

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Ich frage den Senat: Was war die Ursache fĂŒr den gestern behobenen Strom- ausfall im Teilnetz Alt-Lichtenberg, Frankfurter Allee, GĂŒrtelstraße? Senator Schwarz, bitte schön! Senator Stephan Schwarz (Senatsverwaltung fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter SchlĂŒsselburg! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Vielen Dank fĂŒr diese Frage! Am 22. Februar 2022 gegen 18 Uhr hatten wir einen Stromausfall in Lich- tenberg zu beklagen, von dem unseres Wissens 2 867 Haushalte und 81 Gewerbeunternehmen betroffen waren. Die Ursache dieser Stromunterbrechung konnte nicht sehr schnell festgestellt werden. Deswegen wurde der Strom relativ lange, nĂ€mlich bis zum nĂ€chsten Morgen, teilwei- se unterbrochen. In einigen Haushalten – ungefĂ€hr 700 – konnte die Stromversorgung wiederhergestellt werden. Wie sich herausstellte, lag das schlichtweg daran, dass die Isolation eines Kabelkopfes – oder unter UmstĂ€nden mehrerer – nicht funktionierte. Ein Messwagen ist auf den Weg gebracht worden, aber die Ursachenstelle konn- te durch diesen Messwagen nicht schnell gefunden wer- den, weil das ein relativ kompliziertes Verfahren ist. Um hier eine Lösung anzubieten, wurde ein Bypass, also eine Umleitung, gelegt, um dann am nĂ€chsten Morgen alle Haushalte mit Strom versorgen zu können. Herr SchlĂŒsselburg, bitte schön!

Sebastian SchlĂŒsselburg

Vielen Dank, Herr Senator! Das war nach einem Ausfall des Teilnetzes im Bereich Alt-Friedrichsfelde und dem hier beschriebenen ein Ausfall in kĂŒrzerer Abfolge mit sicherlich jeweils unterschiedlicher Ursache. Was tut der Senat, um mit den Versorgungsunternehmen bestmögli- che Vorkehrungen zu treffen, dass solche StromausfĂ€lle in Zukunft am besten gar nicht geschehen oder zumindest schnelle Lösungen gefunden werden können? Bitte schön, Herr Senator Schwarz! Senator Stephan Schwarz (Senatsverwaltung fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe): Sehr geehrter Herr Abgeordneter! NatĂŒrlich gehört es zum normalen Prozedere, wenn eine Stromunterbrechung stattfindet, dass die Stromnetz GmbH eine Untersuchung anstellt. Die braucht in der Regel einige Tage oder Wo- chen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Selbstver- stĂ€ndlich beinhalten die Verfahren auch, dass aus den festgestellten Störungen Vorsorge getroffen werden muss. In dem Fall kann man das noch nicht genau sagen. Das ist das normale Prozedere. Die Ursachen fĂŒr die StromausfĂ€lle – wir hatten vor drei, vier Wochen schon einmal einen Stromausfall – sind sehr unterschiedlich. Deswegen gibt es nicht die eine Antwort darauf. Der Stromausfall vor einigen Wochen lag an einer Stromleitung, an der die Isolatoren offenbar ĂŒberbrĂŒckt worden sind; die guckt man sich genau an. Im techni- schen Bereich werden die Ursachen erforscht und dann langfristig Maßnahmen unternommen, damit so etwas zukĂŒnftig verhindert werden kann. Ausgeschlossen wer- den können solche technischen Störungen nie, in keinem Netz der Welt. Die zweite Nachfrage geht an Herrn Woldeit.

Karsten Woldeit

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Vielen Dank, Herr Senator! Sie haben es gerade angesprochen, es ist nicht der erste Stromausfall in Lichtenberg gewesen. Wir hat- ten zwischen dem von Ihnen genannten und dem vom Kollegen SchlĂŒsselburg genannten noch einen großflĂ€- chigen Stromausfall rund um den Weitlingkiez. Das heißt, es fĂ€llt auf, dass dort im Rahmen der kritischen Infrastruktur doch einiges im Argen liegt. Sieht der Senat einen besonderen Grund, dort mal genauer hinzuschauen? Gerade wenn es flĂ€chendeckende StromausfĂ€lle dieser (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 393 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 GrĂ¶ĂŸenordnung innerhalb eines Stadtbezirks binnen we- niger Wochen gibt, macht mir das schon ein paar Gedan- ken. Senator Schwarz, bitte schön! Senator Stephan Schwarz (Senatsverwaltung fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe): Wie gesagt, das ist natĂŒrlich ein wichtiges Thema fĂŒr den Senat, denn wir sind auch fĂŒr die Versorgungssicherheit zustĂ€ndig. Ich freue mich erst einmal, dass die Stromaus- fĂ€lle nicht ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum gingen, sondern sofort in die Behebung gegangen worden ist. Einen Zu- sammenhang zwischen den beiden von Ihnen genannten Stromunterbrechungen können wir zurzeit nicht erken- nen, aber die Untersuchungen dazu sind auch noch nicht abgeschlossen. Die nĂ€chste Frage stellt Frau Schubert.

Katina Schubert

Vielen Dank, Frau PrÀsidentin! Einen Moment! Das Mikrofon ist jetzt angestellt. Bitte schön!

Katina Schubert

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Ich frage den Senat: Welche Regelungen sind pandemiebedingt in diesem Schuljahr fĂŒr den Erwerb des Abiturs, des mittleren Schulabschlusses und der erweiterten Berufsbildungsreife vorgesehen? Frau Senatorin Busse! Bitte schön! Senatorin Astrid-Sabine Busse (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Einen Moment! Bitte schön! Senatorin Astrid-Sabine Busse (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Vielen Dank fĂŒr die Frage! Wir haben zusammen mit den Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitikern der Regie- rungsfraktionen einen sehr guten Kompromiss gefunden, und zwar haben wir den Fokus auf die Jugendlichen ge- legt. Wir sind nĂ€mlich noch in der Pandemie, und die Jugendlichen haben schon jetzt zwei Jahre Pandemie in den Knochen. Wir fĂŒhren aber schriftliche Arbeiten im mittleren Schulabschluss durch, auch wenn die Oppositi- on das noch nicht mitbekommen hat. Wer in dieser Zeit aber normale PrĂŒfungsablĂ€ufe fordert, den muss ich enttĂ€uschen. Das können wir nicht machen. Wir möchten unbedingt, dass den jetzigen Abschlussjahr- gĂ€ngen keine Nachteile beim Erwerb eines Schulab- schlusses erwachsen. – Danke! – Mein Ziel ist, den psychologischen Druck zu nehmen, denn wir haben ein einfacheres Leben, wenn wir hier sitzen und darĂŒber sprechen und nicht in der Schule sind. Aber wir wissen auch: Viele Jugendliche wollen auch mal zeigen, was sie gelernt haben. – Es ist keines- wegs so, dass in der Pandemie nicht gelernt wurde, aber unter anderen Bedingungen. – Jetzt mĂŒssen Sie aber mit mir Vorlieb nehmen! – [Beifall bei der SPD –

Torsten Schneider

Bravo!] Wir haben schriftliche Arbeiten in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache, und zwar mit zentralen Aufgaben. Nicht die Lehrerin, Frau MĂŒller, macht wie immer die Klassenarbeit, sondern es sind zentrale Aufga- ben, sodass eine Vergleichbarkeit entsteht, und die PĂ€da- gogen können dann nach Auswertung Diagnostik tĂ€tigen und sehen: Wo muss ich gezielt fördern? – Diese Arbei- ten gelten aber wie eine Klassenarbeit. Es bleibt natĂŒrlich auch noch die PrĂ€sentationsprĂŒfung, in der unsere SchĂŒ- lerinnen und SchĂŒler eigentlich besonders zeigen, was sie vielseitig können. Da kommen alle Lernerfolge auf den Punkt, und auch die Jugendlichen, die vielleicht nicht die tollste Mathematikarbeit schreiben, erreichen dort viel- leicht eine Eins. Also: Die PrĂ€sentation bleibt, drei schriftliche Arbeiten, und die PrĂŒfungszeit beim Schreiben wird verlĂ€ngert. Die schriftlichen Arbeiten werden wie eine normale Klassen- arbeit gewertet und fließen dann in die Gesamtnote ein, sodass wir zur Freude der Jugendlichen sehr erfolgreiche SchulabschlĂŒsse haben werden, sei es beim mittleren Schulabschluss oder beim Abitur, wo es mit den Verein- fachungen unter Einhaltung aller SicherheitsabstĂ€nde und (Karsten Woldeit) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 394 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 der Hygiene so bleibt wie in den anderen Jahren. – Vielen Dank! Bitte schön, Frau Schubert!

Katina Schubert

Welche Chancen bieten die fĂŒr den Erwerb von mittlerem Schulabschluss und erweiterter Berufsbildungsreife vor- gesehenen schriftlichen Lernerfolgskontrollen, auch im Hinblick auf das Schließen von LernlĂŒcken? Frau Senatorin Busse! Senatorin Astrid-Sabine Busse (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Ich schließe an: Es ist auch ein Diagnoseinstrument, wenn ich die Ergebnisse der Arbeiten habe, und ich kann dann gezielt fördern. Das können unsere PĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen auch. Das erfinden wir in der Pandemie auch nicht neu. Jeder nimmt das sehr ernst. Dann habe ich ein Ergebnis. Ich habe natĂŒrlich auch SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die keiner besonderen Förde- rung bedĂŒrfen, aber auf die, die den Bedarf haben, legen die Kolleginnen und Kollegen ihr Augenmerk. Wir haben genug Instrumente. Auch die mĂŒssen wir nicht neu erfin- den. Die zweite Nachfrage stellt Herr Weiß.

Thorsten Weiß

Vielen Dank, Frau Senatorin! Bezogen auf die Reduzie- rung der AbschlussprĂŒfung zum mittleren Schulab- schluss: Es gab einen Kompromissvorschlag der BISSS, die PrĂŒfungsergebnisse wie in Brandenburg mit den Jahr- gangsnoten zu verrechnen, aber zu 40 Prozent in die Endnote einfließen zu lassen. Warum sind Sie diesem Vorschlag nicht gefolgt? Bitte schön, Frau Busse! Senatorin Astrid-Sabine Busse (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Jedes Bundesland hat eigene Lösungen, die deswegen nicht schlechter sind als unsere, aber ich sagte schon: Wir haben, worĂŒber ich mich sehr freue, einen guten Kompromiss gefunden, und haben uns auch mit den Koalitionspartnern, mit den Bildungsfach- leuten auseinandergesetzt. Es war ein lĂ€ngerer Prozess und nicht eine Entscheidung ĂŒber Nacht oder von Einzel- nen. Die nĂ€chste Frage stellt Herr Hansel.

Frank-Christian Hansel

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Worauf stĂŒtzt der Senat seine Auffassung, dass der vor wenigen Tagen verstorbe- ne LuftbrĂŒckenpilot Gail Halvorsen kein Denkmal ge- wollt hĂ€tte und ein Halvorsen-Denkmal, auch stellvertre- tend fĂŒr alle anderen LuftbrĂŒckenpiloten, nicht in seinem Sinne gewesen wĂ€re? Frau BĂŒrgermeisterin Jarasch, bitte schön! BĂŒrgermeisterin Bettina Jarasch (Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, MobilitĂ€t, Verbraucher- und Klimaschutz): Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Der Tod des US- LuftbrĂŒckenpiloten Gail Halvorsen mit 101 Jahren wurde vom Senat sehr ernst genommen, gewĂŒrdigt, nicht nur mit einem eigenen Kondolenzbuch. Herr Halvorsen hat schon eine ganze Reihe von Ehrungen im Laufe seines langen Lebens erhalten. TatsĂ€chlich ist es so, dass der Senat, aber, ich glaube, auch der verstorbene LuftbrĂŒckenpilot, zu der Auffassung gekommen wĂ€re, dass eine Ehrung, die ihn unter den anderen LuftbrĂŒckenpiloten hervorhebt, nicht angemes- sen wĂ€re, weil er zwar prominenter sein mag, aber damals alle die gleiche tapfere Arbeit geleistet haben. Vielleicht darf ich Ihnen, wenn ich mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin zitieren darf, ein Zitat des Verstorbenen vortragen, das das, wie ich finde, eindrucksvoll belegt. Das wĂŒrde also nicht seinem eigenen SelbstverstĂ€ndnis entsprochen ha- ben. Er hat gesagt: There were 31 true American heroes of the Airlift. I was not one of these. These are they who gave their lives for the freedom of their former enemies, (Senatorin Astrid-Sabine Busse) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 395 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 the Germans, who had become friends. There were 39 of my British comrades who did the same. Das Zitat geht noch weiter. Ich glaube, es wĂ€re nicht in seinem Sinne gewesen, und wir tun das Richtige. – Vie- len Dank! [Beifall bei den GRÜNEN –

Torsten Schneider

Das hĂ€tte man der AfD viel- leicht auf Russisch vorlesen mĂŒssen!] Herr Hansel! Sie haben die Möglichkeit einer Nachfrage.

Frank-Christian Hansel

Vielen Dank! – Darum habe ich die Frage so formuliert: „stellvertretend fĂŒr alle anderen“ –, denn wie Sie wissen: Prominenz, Namen sind oft stellvertretend fĂŒr alle, die das Ă€hnlich gemacht haben. Das war die Frage, und es haben sich vier demokratische Parteien im Hause, nĂ€m- lich die SPD, die CDU, die FDP und die AfD dafĂŒr aus- gesprochen. Kommt der Senat vielleicht noch auf die Idee, das doch noch mal zu ĂŒberdenken? Bitte schön, Frau Jarasch! BĂŒrgermeisterin Bettina Jarasch (Senatsverwaltung fĂŒr Umwelt, MobilitĂ€t, Verbraucher- und Klimaschutz): Sehr geehrter Herr Hansel! Wie Sie wissen, gibt es ein LuftbrĂŒckenmahnmal, das aller Piloten und auch aller Toten aus der damaligen Zeit gedenkt. DarĂŒber hinaus wird der 73. Jahrestag des Endes der LuftbrĂŒcke am 12. Mai dieses Jahres auch noch mal eine Gelegenheit geben, ihn neben den Opfern der LuftbrĂŒcke in ein eh- rendes Gedenken einzubeziehen und bestimmt auch noch mal besonders zu benennen, aber, wie gesagt, in einem Gesamtrahmen, den auch er nicht anders gewollt hĂ€tte. Eine weitere Nachfrage liegt nicht vor. Die nĂ€chste Frage stellt Herr Laatsch.

Harald Laatsch

Herzlichen Dank, Frau Vorsitzende! – Ich frage den Se- nat: Wie steht der Senat zu den VorwĂŒrfen des Vereins fĂŒr die Geschichte Berlins, der archĂ€ologische Sensati- onsfund eines historischen Bohlenwegs am Molkenmarkt sei ĂŒberstĂŒrzt und handstreichartig zerstört und beseitigt worden, ohne eine ausreichende PrĂŒfung des öffentlichen Erhaltungsinteresses vorzunehmen? Herr Senator Lederer! Bitte schön! BĂŒrgermeister Dr. Klaus Lederer (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Europa): Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Damen und Her- ren! Wie Sie alle wissen, ist der Umbau des Quartiers Molkenmarkt aktuell eines der aufwĂ€ndigsten und grĂ¶ĂŸ- ten Straßenbauprojekte in unserer Stadt. Da gibt es erheb- liche BeeintrĂ€chtigungen des Verkehrs und enge Zeittak- tungen fĂŒr Bauphasen. Auch deswegen ist es nicht mög- lich, das gesamte Areal langfristig stillzulegen. Wir haben als Koalition vor drei oder vier Jahren ent- schieden, dem Landesdenkmalamt erhebliche Mittel zur VerfĂŒgung zu stellen, um mit mehreren Grabungsteams quasi die Wiege der Stadt zu erforschen, und wir haben sehr frĂŒh begonnen, um das auch großflĂ€chig und gut machen zu können. Es ist im Normalfall absolut nicht ĂŒblich, dass solche Grabungen mit so einem zeitlichen Vorlauf durchgefĂŒhrt werden können. Nun ist der Denkmalschutz ein öffentlicher Belang von vielen, aber weiß Gott nicht der einzige. Es gibt dort einen B-Plan, und im Rahmen dieses B-Plans ist dort festgestellt, dass an der Stelle, wo der Bohlenweg ent- deckt worden ist, eine Straße langgefĂŒhrt wird. Das ist der Plan, und wenn mich nicht alles tĂ€uscht, ist dieser Plan sogar vom Abgeordnetenhaus verabschiedet worden. Der wird jetzt in die RealitĂ€t umgesetzt. Was wir bis dahin machen – das ist tatsĂ€chlich ein groß- artiger Fund, ein Sensationsfund –, ist: Er wird auf 6 Metern LĂ€nge und Breite komplett geborgen und kon- serviert werden. Das geschieht unter der Fachaufsicht des Museums fĂŒr Vor- und FrĂŒhgeschichte mit Blick auf eine spĂ€tere museale PrĂ€sentation beziehungsweise – das können wir durchaus noch entscheiden – ein archĂ€ologi- sches Fenster in rĂ€umlicher NĂ€he zum Fundort. Alle weiteren geborgenen Teile werden ebenfalls aufbewahrt, aber ja: Ein Teil der mittelalterlichen Straße wird unbe- rĂŒhrt unter den Versorgungsleitungen und unter der kĂŒnf- tigen StraßenfĂŒhrung im Boden verbleiben. Das ist das, was in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht pas- sieren muss. Insofern kann ich nur sagen: Ich verstehe, dass man die Begeisterung, die ich hatte, als wir diesen Bohlenweg gesehen haben, teilt. Ich kann allerdings die AnwĂŒrfe, die daraus resultieren, so nicht verstehen, denn Sie alle wis- sen: Es gibt geltende gesetzliche Regelungen zum Um- gang mit solchen Bauprojekten, und die gelten auch hier. Wie gesagt: Wir haben mit großen Ressourcen, mit (BĂŒrgermeisterin Bettina Jarasch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 396 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 großem Einsatz dafĂŒr gesorgt, dass wir eine nahezu flĂ€- chendeckende Erhebung des Bodens unterhalb dieses zukĂŒnftigen Stadtquartiers und der Straßen dort vorneh- men können. Herr Laatsch, bitte schön!

Harald Laatsch

Danke, Frau PrĂ€sidentin! – Welche Empfehlung sprach das Landesdenkmalamt zum Umgang mit dem Fund aus? Herr Senator Lederer, bitte schön! BĂŒrgermeister Dr. Klaus Lederer (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Europa): Das Landesdenkmalamt musste ĂŒberhaupt keine Empfeh- lung aussprechen, denn das Landesdenkmalamt fĂŒhrt die Grabungen selbst durch. Der Landeskonservator Dr. Rau- hut und unser LandesarchĂ€ologe und unser Grabungslei- ter Dr. Malliaris waren mit vor Ort, als wir dort waren. Wir haben ĂŒber diese Frage gesprochen, wir haben auch darĂŒber gesprochen, wie man dem gewachsenen Interesse an der Geschichte der Stadt Rechnung tragen kann in diesem Quartier, mit archĂ€ologischen Fenstern, mit der Bergung der Funde. Der Fund ist im Übrigen auch nur deshalb so gut erhal- ten, weil eine dicke Torfschicht sozusagen dafĂŒr gesorgt hat, dass dieser Zustand des Fundes ĂŒber einen so langen Zeitraum erhalten werden konnte. Normalerweise ist es so: Wir machen es wieder zu. Wir schauen, was dort ist, es wird Bestand erhoben, und danach wird wieder zuge- macht. – In dem konkreten Fall jetzt haben wir aufgrund der Besonderheit entschieden, dass ein Teil dieses Boh- lenwegs entnommen wird, dass er Untersuchungen zum Alter, zur Funktionsweise, zum Erhaltungszustand ausge- setzt wird, und der Rest wird sozusagen unter den neuen Leitungen wieder zugemacht. Den geborgenen Teil wer- den wir dann fĂŒr eine museale PrĂ€sentation zur VerfĂŒ- gung stellen. FĂŒr eine zweite Nachfrage hat sich niemand eingewĂ€hlt. Die nĂ€chste Frage geht an Herrn Rogat.

Torsten Schneider

Ganz schön langweilig da hinten, was?] – Ja, wo ist er? – So! Wir sind seit Anfang des Jahres gut mit mobilen LTU-Routern ausgestattet, das heißt, in der ersten Januarwoche wurden 3 500 verteilt. Insgesamt sind es 15 000, die ermöglichen, dass man in einem Raum, wo kein schnelles Internet ist, jetzt sehr gut arbeiten kann. Herr Rogat, Sie haben die Möglichkeit einer Nachfrage!

Alexander Herrmann

Vielen Dank! – Ich frage den Senat: Wurde die Funktion des Landesbeauftragten der Freiwilligen Feuerwehren abgeschafft, oder aus welchem Grund findet sich der Landesbeauftragte der Freiwilligen Feuerwehren nicht mehr auf der Kontaktseite der Berliner Feuerwehr? – Dort sind die Beauftragten fĂŒr Medizinproduktsicherheit, fĂŒr behördlichen Datenschutz und fĂŒr Extremismus (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 398 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 aufgefĂŒhrt, der Landesbeauftragte der Freiwilligen Feu- erwehren hingegen nicht. FĂŒr den Senat antwortet Herr StaatssekretĂ€r Dr. Kleindiek. StaatssekretĂ€r Dr. Ralf Kleindiek (Senatsverwaltung fĂŒr Inneres, Digitalisierung und Sport): Frau PrĂ€sidentin! Herr Abgeordneter! Vielen Dank! – Das wĂ€re mir neu, dass diese Funktion abgeschafft ist. Wir werden aber ĂŒberprĂŒfen, warum und aus welchen GrĂŒnden da möglicherweise niemand mehr aufgefĂŒhrt wird. Herr Herrmann, möchten Sie die Gelegenheit nutzen, eine Nachfrage zu stellen?

Alexander Herrmann

Keine Nachfrage, aber beste GenesungswĂŒnsche an die Innensenatorin! – Vielen Dank! Eine zweite Nachfrage liegt nicht vor. Die nĂ€chste Frage geht an Frau Brychcy. Da Frau Brychcy nicht an ihrem Platz ist, geht die nĂ€chs- te Frage an Herrn Jotzo. – Bitte schön!

Sven Rissmann

Danke, Frau PrĂ€sidentin! – Frau Senatorin, gab es von Ihnen oder aus Ihrem Hause eine formelle oder auch informelle Weisung an die Staatsanwaltschaft, in dem hier besprochenen Themenkomplex nicht das besonders beschleunigte oder beschleunigte Verfahren zur Anwen- dung zu bringen? Bitte schön, Frau Senatorin! Senatorin Dr. Lena Kreck (Senatsverwaltung fĂŒr Justiz, Vielfalt und Antidiskriminierung): Ich danke auch fĂŒr diese Frage, weil ich damit die Gele- genheit bekommen, eine Unterstellung, die immer mit- schwingt, aus dem Weg zu rĂ€umen. Seit ich im Amt bin, habe ich der Staatsanwaltschaft keine einzige Weisung erteilt. Ich finde, die Weisung an die Staatsanwaltschaft so oder so eine sehr schwierige und komplexe Angele- genheit. Davon werde ich nicht leichtfertig Gebrauch machen, und ich kann Ihnen ganz sicher sagen: Weder auf dem formellen Wege noch informell habe ich hier eine Weisung erteilt. Die nĂ€chste Frage stellt Herr Weiß fĂŒr die AfD-Fraktion.

Thorsten Weiß

Wir sind ĂŒber die Sieben schon hinaus. Das sollten Sie vielleicht noch mal ansagen. Sie sind sehr gut in der Zeit, und wir haben noch – –

Thorsten Weiß

Wir sind ĂŒber die Sieben schon hinaus. Ach ja, dann ist das richtig. Wir sind ĂŒber die Sieben hinaus, und ich warte die ganze Zeit darauf, dass die 60 Minuten um sind. Aber, Herr Weiß, wir haben 60 Minuten fĂŒr die Frage- stunde, und deswegen, Herr Weiß: Bitte schön, Sie haben das Wort!

Thorsten Weiß

Ich werde sehr langsam sprechen. Ich bitte Sie, normal zu sprechen.

Thorsten Weiß

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Der Boulevard der Stars am Potsdamer Platz, der Ikonen des deutschen Films ehrt, ist in einem desolaten Zustand. Ich frage den Senat: Was gedenkt der Senat zu tun, um mit diesem doch eigentlich als Ehrung gedachten Ort, der jetzt ein Schandfleck ist, angemessen umzugehen? Senator Geisel – bitte schön! Senator Andreas Geisel (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Damen und Her- ren! Sehr geehrter Herr Abgeordneter Weiß! Nach meiner Kenntnis befindet sich der Mittelstreifen der Straße am Potsdamer Platz, auf dem sich der Boulevard der Stars befindet, in der Verantwortung des Straßen- und GrĂŒnflĂ€- chenamtes des Bezirkes Mitte, und insofern nehme ich diesen Hinweis als Gelegenheit, mit dem Bezirksamt Mitte Kontakt dazu aufzunehmen, um die Frage zu erör- tern. [Sven Rissmann (CDU): Viel Spaß! –

Dr. Robbin Juhnke

Warten lohnt sich. – Es kommt natĂŒrlich eine Frage zum Thema Kunsthalle Berlin am Flughafen Tempelhof, weil das doch die Gazetten weiter bewegt und der Kultursena- tor sich mit der Aussage zitieren lĂ€sst, dass es in solchen FĂ€llen ĂŒblich sei, die Miete zu erlassen bzw. auch Be- triebskostenzuschĂŒsse zu gewĂ€hren. Vielleicht kann mir Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 400 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 der Senat erklĂ€ren, welche weiteren Beispiele es gibt, wo mit solcher Praxis verfahren wurde. Bitte schön, Senator Dr. Lederer! BĂŒrgermeister Dr. Klaus Lederer (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Europa): Meine Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Juhnke! Ich wĂŒsste gar nicht, wo ich das gesagt habe, aber es trifft in der Tat zu, dass wir das zum Teil schon gemacht ha- ben. Ich bin nicht Mitglied des Aufsichtsrats der Tempel- hof Projekt GmbH, aber ich weiß, dass wir mit der freien Szene zum Beispiel dort Projekte gemacht haben, wo ich ziemlich sicher bin, dass die Tempelhof Projekt GmbH fĂŒr diese Kulturnutzung dem entgegengekommen ist. Also die Vermieterin ist die Tempelhof Projekt GmbH, und deren Zweck besteht darin, MietvertrĂ€ge ĂŒber die Nutzung der Hangars abzuschließen, und je nachdem, wie die Situation ist und ob solche Nutzungen möglich sind auch angesichts der hohen Kosten der Nutzung solcher Hangars, um dort Kultur der verschiedensten Facetten hineinzubringen, gibt es dieses Entgegenkommen mal oder gibt es dieses Entgegenkommen mal nicht. Da sage ich erst mal – dem Grunde nach, völlig unabhĂ€ngig von diesem Kunsthallen-Vorgang –: Ich möchte, dass wir in unseren GebĂ€uden, die wir haben, ob es das ICC ist oder ob es das FlughafengebĂ€ude in Tempelhof ist, temporĂ€re Nutzungen und insbesondere temporĂ€re kulturelle Nut- zungen ermöglichen, auch wenn das Ganze ziemlich teuer ist. Und ganz nebenbei: Sie haben vielleicht auch mitbe- kommen, dass der derzeitige Mieter, Herr Professor Smerling, jetzt erklĂ€rt hat, dass er die Betriebskosten selbst ĂŒbernimmt. Das finde ich aber jetzt im Übrigen in dieser Situation auch angemessen und okay. Herr Dr. Juhnke, Ihre Nachfrage – bitte!

Dr. Robbin Juhnke

Ich kann Sie nur darauf hinweisen, dass Sie so in der „taz“ zitiert wurden und in anderen Zeitungen dann se- kundĂ€r, und ich stelle fest: Es gibt nach wie vor kein Beispiel fĂŒr weitere Verfahren dieser Art und Weise. – Deswegen frage ich: Sie haben sich bisher ja immer hin- ter dem Senat oder anderen Senatoren versteckt, die dafĂŒr zustĂ€ndig sind – das nicht in der Kulturverwaltungszu- stĂ€ndigkeit lag. Wurde denn im Senat tatsĂ€chlich darĂŒber gesprochen? Das ist ja ein eminent wichtiges Thema fĂŒr die Kulturpolitik dieser Stadt. Bitte schön, Herr Senator! BĂŒrgermeister Dr. Klaus Lederer (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Europa): Ich verstecke mich hinter ĂŒberhaupt niemand anderem, sondern ich stelle die ZustĂ€ndigkeiten und die Verant- wortlichkeiten dar, und ich kann es nur wiederholen: Ich sitze nicht im Aufsichtsrat der Tempelhof Projekt GmbH. Dort werden solche Entscheidungen getroffen. Das wird dann auch nicht im Senat thematisiert und wurde hier im konkreten Fall auch nicht im Senat thematisiert, sondern das sind Entscheidungen dieses Aufsichtsgremiums. Ich teile aber eines, was Sie sagen, und nehme diesen konkreten Vorgang auch zum Anlass: Wir sollten uns tatsĂ€chlich auf Kriterien verstĂ€ndigen, sozusagen auf Vorgaben verstĂ€ndigen, auch wie in den Immobilien der landeseigenen Unternehmen bei solchen Dingen kĂŒnftig verfahren wird, damit man eine klare, verabredete, inhalt- liche und auch fiskalische Vorgabe hat, wie man mit so was umgeht. Sie haben ja vielleicht noch den Finanzsena- tor im Ohr von vor zwei Wochen hier im Parlament. Der Finanzsenator wird das nicht anders sehen. Man braucht dort im Grunde klare Kriterien, und ĂŒber die werden wir uns verstĂ€ndigen mĂŒssen. Das ist ĂŒbrigens meine Haupt- lehre aus dem Vorgang, mit dem, wie gesagt, die Kultur- verwaltung unmittelbar nichts zu tun hatte, und sie hat jetzt unmittelbar auch keine Ressourcen da reingegeben. Das ist einfach mal so. Vielen Dank! – Herr Dr. Juhnke hat noch eine zweite Nachfrage.

Dr. Robbin Juhnke

Ja, vielen Dank! – In dem Zusammenhang darf ich natĂŒr- lich nachfragen, dass das VerstĂ€ndnis bei vielen Berliner Kulturschaffenden fĂŒr diese Dinge gering ist, die dort nicht von Ihrer Verwaltung veranlasst wurden, aber wĂŒr- den Sie sich denn dafĂŒr einsetzen bzw. verstehen Sie, dass man von Ihnen erwartet, dass Sie Berliner KĂŒnstlern die gleichen Möglichkeiten einrĂ€umen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Flughafen Tempelhof nach wie vor einer vernĂŒnftigen Nachnutzung harrt und wir uns ja schon lange dafĂŒr einsetzen, zumindest meine Fraktion, dass das ein Kulturstandort wird? Was werden Sie als Kultursenator in dem Zusammenhang unterneh- men? Bitte schön, Herr Kultursenator! (Dr. Robbin Juhnke) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 401 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 BĂŒrgermeister Dr. Klaus Lederer (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Europa): Also wir sind uns im Senat einig, dass ein solches Ge- bĂ€ude, das ĂŒber eine so komplizierte Infrastruktur ver- fĂŒgt, vor allem eine so komplizierte Versorgungsinfra- struktur verfĂŒgt, nicht ohne Weiteres dafĂŒr herzurichten ist, dass es komplex und umfassend genutzt werden kann. Diese Milliarden, um das sozusagen sukzessive in einen Zustand zu versetzen, damit das unter normalen Bedin- gungen genutzt werden kann, zu normalen Kosten, zu Kosten, die auch KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler und andere Akteurinnen und Akteure hier in Berlin leicht aufbringen können – da sind wir noch lange nicht. Das ist ĂŒbrigens ein Problem. Auch die CDU-Fraktion kann hier im Par- lament gerne mal VorschlĂ€ge machen, wie man mit sol- chen schlafenden Riesen wie dem ICC oder Tempelhof unter BerĂŒcksichtigung der fiskalischen Situation des Landes Berlin umgeht. Machen Sie die! Ich habe bisher dazu noch nichts gehört, und so neu sind diese Themen ja nicht. Das sind Dinge, die hier seit lan- gen Jahren verhandelt worden sind, immer und immer wieder. Ansonsten kann ich nur wiederholen: Ich freue mich, wenn wir an diesem Ort temporĂ€re Nutzungen möglich machen können. Wir hatten dort schon diverse Projekte. Wir hatten dort auch schon Kunstmessen. Wir haben dort gemeinsam mit der freien Szene in diesen Hangars ver- sucht, auch ĂŒber die Zukunft des GebĂ€udes nachzuden- ken. Das löst nur ein Problem nicht: Dieses GebĂ€ude zu unterhalten und zu sanieren, ist teuer. Das gilt fĂŒr solche großen GebĂ€ude. Jedenfalls kenne ich bisher niemanden, der mal so ohne Weiteres einen handhabbaren Vorschlag auf den Tisch gelegt hat, wie wir das in Raum und Zeit mit den verfĂŒgbaren fiskalischen Möglichkeiten des Lan- des Berlin stemmen sollen. Wir mĂŒssen dieses Ding StĂŒck fĂŒr StĂŒck sanieren. Das ist kompliziert genug. Ein Gesamtnutzungskonzept fĂŒr das Gesamtareal hat bisher tatsĂ€chlich keiner vorlegen kön- nen. Wir werden jetzt StĂŒck fĂŒr StĂŒck bestimmte Berei- che, die sich leicht ertĂŒchtigen lassen, auch ertĂŒchtigen. Manche sind auch schon ertĂŒchtigt. Aber ich glaube nicht, dass die Komplettnutzung des Areals in naher Zukunft mit den Ressourcen des Landes Berlin zu fĂŒr alle Menschen vertrĂ€glichen Konditionen möglich ist, wenn man bedenkt, was da so fĂŒr Heizkosten und andere Kos- ten auflaufen, wenn man ein oder zwei Hangars mal fĂŒr eine bestimmte Zeit ans Netz bringen will. Es ist ĂŒbrigens die VolksbĂŒhne, die dort auch mal einen Hangar genutzt hat. Ich glaube, seinerzeit sind ihr die Mietkosten auch erlassen worden. Aber ich sichere Ihnen zu, da ich das selber nicht aus eigener Kenntnis sagen kann, wir werden das auch noch mal nacharbeiten, wir werden noch mal gucken, wo da zu welchen Konditionen auch mal fĂŒr Zwischennutzungen welche Entgegenkom- men gezeigt worden sind. Da, glaube ich, ist auch legitim, dass man da Transparenz fordert, und die sollten wir auch herstellen. Vielen Dank! – Die Fragestunde ist damit fĂŒr heute been- det. Die Fraktionen haben sich darauf verstĂ€ndigt, die Tages- ordnungspunkte 15 bis 22 nun vorgezogen zu behandeln. Ich rufe daher zunĂ€chst auf lfd. Nr. 15: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10-Kommission des Landes Berlin Wahl Drucksache 19/0038 in Verbindung mit lfd. Nr. 16: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Richterwahlausschusses Wahl Drucksache 19/0100 und lfd. Nr. 17: Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz Wahl Drucksache 19/0092 Die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion fĂŒr diese Gremien haben in den letzten Sitzungen keine Mehrheit gefunden. Die AfD-Fraktion schlĂ€gt nunmehr zur Wahl vor: fĂŒr die G-10-Kommission Herrn Abgeordneten Marc Vallendar als Beisitzer und Herrn Abgeordneten Thorsten Weiß als stellvertretenden Beisitzer, fĂŒr den Richterwahlausschuss erneut Herrn Abgeordneten Marc Vallendar als stĂ€ndiges Mitglied und Herrn Abgeordneten Antonin Brousek als stĂ€ndiges stellvertretendes Mitglied und fĂŒr den Aus- schuss fĂŒr Verfassungsschutz nunmehr Herrn Abgeordne- ten Marc Vallendar als Mitglied und Herrn Abgeordneten Thorsten Weiß als stellvertretendes Mitglied. Die Wahl fĂŒr den Richterwahlausschuss erfolgt gemĂ€ĂŸ § 88 Abs. 1 Satz1 des Berliner Richtergesetzes geheim. FĂŒr die G-10-Kommission und den Verfassungsschutz- ausschuss hat die AfD-Fraktion ebenfalls eine geheime Wahl beantragt. Die Fraktionen haben einvernehmlich vereinbart, diese drei Wahlen in einem Wahlgang durch- zufĂŒhren. Sie erhalten fĂŒr jedes Gremium einen Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 402 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Stimmzettel, also drei Zettel, auf denen Sie jeweils fĂŒr das vorgeschlagene Mitglied und das vorgeschlagene stellvertretende Mitglied „Ja“, „Nein“ oder „Enthaltung“ ankreuzen können. Sofern in einer Zeile kein Kreuz oder mehrere Kreuze gemacht werden, gilt dies fĂŒr den jewei- ligen Wahlvorschlag als ungĂŒltige Stimme. Stimmzettel, die zusĂ€tzliche Bemerkungen enthalten, sind insgesamt ungĂŒltig. Im Übrigen verlĂ€uft das Wahlverfahren wie in der letzten Sitzung. Ich darf Ihnen dieses nochmals erlĂ€utern: Bitte bleiben Sie auf Ihren PlĂ€tzen, bis Sie aufgerufen werden! Bitte nutzen Sie den Ihnen zur VerfĂŒgung gestellten Kugel- schreiber fĂŒr die Wahl! Wenn Sie aufgerufen worden sind, kommen Sie mit diesem Stift nach vorne. Bitte setzen Sie zuvor Ihre Maske auf und denken Sie daran, Abstand zu halten! Ein Mitglied des PrĂ€sidiums hĂ€ndigt Ihnen die drei Stimmzettel und UmschlĂ€ge aus. Abgeord- nete, deren Name mit A bis K beginnt, wĂ€hlen bitte von Ihnen aus gesehen auf der linken Seite. Abgeordnete, deren Name mit L bis Z beginnt, nutzen bitte die rechte Seite. Die Stimmzettel dĂŒrfen nur in der Wahlkabine ausgefĂŒllt werden und sind noch in der Wahlkabine zu falten und in den Umschlag zu legen. Abgeordnete, die ihre Stimmzettel außerhalb der Wahlkabine kennzeichnen oder in die UmschlĂ€ge legen, sind nach § 74 Abs. 2 der GeschĂ€ftsordnung zurĂŒckzuweisen. Die UmschlĂ€ge sind erst dann in die Wahlurne zu legen, wenn die Stimmab- gabe von einer Beisitzerin oder einem Beisitzer vermerkt worden ist. Bitte warten Sie, bis Ihr Name auf der Liste abgehakt worden ist! Ich bitte den Saaldienst, die vorgesehenen Tische aufzu- stellen. Ich weise darauf hin, dass die Fernsehkameras nicht auf die Wahlkabinen ausgerichtet werden dĂŒrfen. Alle PlĂ€tze direkt hinter den Wahlkabinen und um die Wahlkabinen herum bitte ich freizumachen. Ich bitte darauf zu achten, dass es zu keinen Ansammlungen kommt und der erforderliche Abstand eingehalten wird. Mitglieder, die noch nicht zur Wahl aufgerufen worden sind oder bereits gewĂ€hlt haben, sitzen bitte auf ihrem Platz oder halten sich außerhalb des Plenarsaals auf. Ich weise jedoch bereits jetzt darauf hin, dass die Sitzung nach dem Ende der Wahlen direkt fortgesetzt und nicht fĂŒr die AuszĂ€hlungen unterbrochen wird, sofern keine LĂŒftungspause. Nun bitte ich die Beisitzerinnen und Bei- sitzer Ihre PlĂ€tze einzunehmen, um die Ausgabe der Stimmzettel vorzunehmen und deren Abgabe zu kontrol- lieren. – Ich eröffne die Wahlen und bitte um Aufruf der Namen und Ausgabe der Stimmzettel. Hatten alle Mitglieder des Abgeordnetenhauses die Gele- genheit zur Wahl? Haben auch die Beisitzerinnen und Beisitzer gewĂ€hlt? – Das ist offensichtlich der Fall. Ich schließe den Wahlgang und bitte die Beisitzerinnen und Beisitzer, mit der AuszĂ€hlung zu beginnen. Wir setzen, wie angekĂŒndigt, die Sitzung fort. Die Wahlergebnisse werden spĂ€ter bekannt gegeben. – Wir setzen die Sitzung fort, und ich bitte Sie, Platz zu nehmen. Ich rufe auf lfd. Nr. 18: Wahl von zwei Abgeordneten und deren Vertreterinnen und Vertretern zu Mitgliedern des Stiftungsrates der Stiftung Berliner Philharmoniker Wahl Drucksache 19/0021 Neu Die Fraktionen haben sich darauf verstĂ€ndigt, alle vorge- schlagenen Personen in einem Wahlgang mittels einfa- cher Abstimmung durch Handaufheben zu wĂ€hlen. Zur Wahl werden von der Fraktion der SPD Frau Abgeordne- te Melanie KĂŒhnemann-Grunow als Mitglied und Frau Abgeordnete Dr. Ina Czyborra als stellvertretendes Mit- glied vorgeschlagen. Von der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen werden Frau Abgeordnete Daniela Billig als Mitglied und Frau Abgeordnete Laura Neugebauer als stellvertretendes Mitglied vorgeschlagen. Wer die Ge- nannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich um sein Hand- zeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen, die CDU- Fraktion sowie die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Ich rufe auf lfd. Nr. 19: Wahl von zehn Abgeordneten zu Mitgliedern des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung sowie zehn Abgeordneten zu stellvertretenden Mitgliedern des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Wahl Drucksache 19/0039 Die Fraktionen haben vereinbart, die Wahl durch einfa- che Abstimmung getrennt nach den FraktionsvorschlĂ€gen durch Handaufheben durchzufĂŒhren. Zur Wahl werden vorgeschlagen: von der Fraktion der SPD als Mitglieder Frau Abgeordnete Ellen Haußdörfer, Frau Abgeordnete Nina Lerch und Herr Abgeordneter Lars DĂŒsterhöft sowie als stellvertretende Mitglieder Frau Abgeordnete Dr. Ina Czyborra, Herr Abgeordneter Marcel Hopp und Frau Abgeordnete Bettina König. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzei- chen. – Das sind die Koalitionsfraktionen, die CDU- Fraktion sowie die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Von der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen werden vorge- schlagen: als Mitglieder Frau Abgeordnete Dr. Susanna Kahlefeld und Herr Abgeordneter Louis KrĂŒger sowie als stellvertretende Mitglieder Frau Abgeordnete Tuba (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 403 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Bozkurt und Frau Abgeordnete Aferdita Suka. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktio- nen, die CDU- sowie die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Von der Fraktion der CDU werden vorgeschlagen: als Mitglieder Frau Abgeordnete Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch und Frau Abgeordnete Sandra Khalatbari sowie als stell- vertretende Mitglieder Herr Abgeordneter Danny Frey- mark und Herr Abgeordneter Christian Goiny. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer stimmt da- gegen? – Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Von der Fraktion Die Linke werden vorgeschlagen: als Mitglieder Frau Abgeordnete Franziska Brychcy und Frau Abgeordnete Claudia Engelmann sowie als stellver- tretende Mitglieder Frau Abgeordnete Hendrikje Klein und Frau Abgeordnete Katrin Seidel. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer ist dagegen? – Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Von der AfD-Fraktion werden vorgeschlagen: Herr Ab- geordneter Martin Trefzer als Mitglied sowie Herr Abge- ordneter Tommy Tabor als stellvertretendes Mitglied. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das ist die AfD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das sind die Koalitionsfraktionen und die FDP-Fraktion. Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die CDU-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen nicht gewĂ€hlt. Ich rufe auf lfd. Nr. 20: Wahl von sechs Abgeordneten und vier in der Jugendhilfe erfahrenen oder tĂ€tigen Personen, davon eine mit Erfahrung in der MĂ€dchenarbeit, zu stimmberechtigten Mitgliedern des Landesjugendhilfeausschusses und Wahl von weiteren sechs Abgeordneten und vier in der Jugendhilfe erfahrenen oder tĂ€tigen Personen, davon eine mit Erfahrung in der MĂ€dchenarbeit, zu deren Stellvertreterinnen/Stellvertretern Wahl Drucksache 19/0040 Die Fraktionen haben sich darauf verstĂ€ndigt, alle vorge- schlagenen Personen in einem Wahlgang mittels einfa- cher Abstimmung durch Handaufheben zu wĂ€hlen. Zur Wahl werden vorgeschlagen von der Fraktion der SPD: als Abgeordnete Frau Abgeordnete Ellen Haußdörfer als Mitglied und Herr Abgeordneter Marcel Hopp als Mit- glied sowie Frau Abgeordnete Sevim Aydin als stellver- tretendes Mitglied und Frau Abgeordnete Dr. Ina Czybor- ra als stellvertretendes Mitglied, als in der Jugendhilfe erfahrene oder tĂ€tige Personen Frau Elvira Berndt als Mitglied und Herr Karlheinz Nolte als stellvertretendes Mitglied. Von der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen werden vorge- schlagen: als Abgeordnete Frau Abgeordnete Klara Schedlich als Mitglied und Frau Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz als Mitglied sowie Herr Abgeordneter Louis KrĂŒger als stellvertretendes Mitglied und Frau Abgeordnete Catrin Wahlen als stellvertretendes Mitglied sowie als in der Jugendhilfe erfahrene oder tĂ€tige Perso- nen Herr Torsten Wischnewski-Ruschin als Mitglied und Frau Irina Stolz als stellvertretendes Mitglied. Die Fraktion der CDU schlĂ€gt vor: als Abgeordnete Herr Abgeordneter Roman Simon als Mitglied und Frau Ab- geordnete Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch als stellvertreten- des Mitglied sowie als in der Jugendhilfe erfahrene oder tĂ€tige Personen Herr Joachim Stahr als Mitglied und Frau Lilia Usik als stellvertretendes Mitglied. Von der Fraktion Die Linke werden vorgeschlagen: als Abgeordnete Frau Abgeordnete Katrin Seidel als Mit- glied und Frau Abgeordnete Claudia Engelmann als stell- vertretendes Mitglied sowie als in der Jugendhilfe erfah- rene oder tĂ€tige Personen Herr Martin Hoyer als Mitglied und Frau Christine Keil als stellvertretendes Mitglied. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitions- fraktionen, die CDU-Fraktion sowie die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Ich rufe auf lfd. Nr. 21: Wahl von zwölf Personen zu Mitgliedern sowie Wahl von zwölf weiteren Personen zu Ersatzmitgliedern des Kuratoriums des Lette- Vereins – Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/0041 Die Fraktionen haben vereinbart, die Wahl durch einfa- che Abstimmung getrennt nach den FraktionsvorschlĂ€gen durch Handaufheben durchzufĂŒhren. Ich komme zunĂ€chst zum Vorschlag der SPD-Fraktion. Als Mitglieder werden vorgeschlagen: Herr Karlheinz Nolte, Frau Abgeordnete Franziska Becker und Frau Abgeordnete Dunja Wolff. Als Ersatzmitglieder werden vorgeschlagen: Herr Frank Jahnke, Herr Andreas Kugler und Frau Abgeordnete (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 404 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Ellen Haußdörfer. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen, die CDU- sowie die FDP- Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Enthaltungen? – Die sehe ich bei der AfD-Fraktion. Damit sind die vorge- schlagenen Personen gewĂ€hlt. Als NĂ€chstes komme ich zum Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Als Mitglieder werden vorge- schlagen: Frau Abgeordnete Klara Schedlich, Herr Abge- ordneter Sebastian Walter und Herr Abgeordneter Chris- toph Wapler. Als Ersatzmitglieder werden vorgeschlagen: Frau Abgeordnete Aferdita Suka, Frau Abgeordnete Cat- rin Wahlen und Frau Abgeordnete Laura Neugebauer. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitions- fraktionen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD- Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen ge- wĂ€hlt. Nun komme ich zum Vorschlag der Fraktion der CDU. Als Mitglieder werden vorgeschlagen: Frau Abgeordnete Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch und Frau Abgeordnete Sandra Khalatbari. Als Ersatzmitglieder werden vorge- schlagen: Herr Dr. Carsten Buchholz und Herr Hans- Joachim Pokall. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sehe ich bei den Koalitionsfraktionen, der CDU- sowie der FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Von der Fraktion Die Linke werden vorgeschlagen als Mitglieder: Frau Abgeordnete Franziska Brychcy und Frau Abgeordnete Claudia Engelmann. Als Ersatzmit- glieder werden vorgeschlagen: Herr Abgeordneter Dami- ano Valgolio und Herr Abgeordneter Ferat Koçak. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. Das sind die Koalitionsfrakti- onen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Von der AfD-Fraktion werden vorgeschlagen als Mit- glied: Herr Abgeordneter Antonin Brousek. Als Ersatz- mitglied wird vorgeschlagen: Herr Abgeordneter Frank- Christian Hansel. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sehe ich bei der AfD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Die Koalitionsfraktionen sowie die FDP-Fraktion. Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die CDU-Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen nicht gewĂ€hlt. Von der Fraktion der FDP werden vorgeschlagen als Mitglied: Frau Abgeordnete Dr. Maren Jasper-Winter und als Ersatzmitglied: Herr Abgeordneter Paul Fresdorf. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfrak- tionen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Eine Person der AfD-Fraktion. Wer enthĂ€lt sich? – Das sind die weiteren Mitglieder der AfD- Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen ge- wĂ€hlt. Ich rufe auf lfd. Nr. 22: Wahl von zehn Personen zu Mitgliedern sowie Wahl von zehn weiteren Personen zu stellvertretenden Mitgliedern des Kuratoriums des Pestalozzi-Fröbel-Hauses – Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/0042 Die Fraktionen haben vereinbart, die Wahl durch einfa- che Abstimmung getrennt nach den FraktionsvorschlĂ€gen durch Handaufheben durchzufĂŒhren. Wir beginnen auch hier mit dem Vorschlag der Fraktion der SPD. Als Mit- glieder werden vorgeschlagen: Frau Abgeordnete Dunja Wolff, Frau Abgeordnete Ellen Haußdörfer und Herr Abgeordneter Marcel Hopp. Als stellvertretende Mitglie- der werden vorgeschlagen: Frau Abgeordnete Dr. Ina Czyborra, Herr Abgeordneter Lars DĂŒsterhöft und Frau Abgeordnete Sebahat Atli. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sehe ich bei den Koalitionsfraktionen, bei der CDU- und der FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthĂ€lt sich? – Das sehe ich bei der AfD- Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen ge- wĂ€hlt. Als NĂ€chstes komme ich zum Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Als Mitglieder werden vorge- schlagen: Frau Abgeordnete Marianne Burkert-Eulitz und Frau Abgeordnete Catherina Pieroth-Manelli. Als stell- vertretende Mitglieder werden vorgeschlagen: Frau Ab- geordnete Aferdita Suka und Frau Abgeordnete Klara Schedlich. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das sehe ich nicht. Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Da- mit sind die vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Nun komme ich zum Vorschlag der Fraktion der CDU. Als Mitglieder werden vorgeschlagen: Herr Abgeordneter Roman Simon und Herr Hans-Joachim Pokall. Als stell- vertretende Mitglieder werden vorgeschlagen: Herr Bern- hard LĂŒcke und Frau Tanja Franzke. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sehe ich bei den Koalitionsfraktionen sowie der CDU- und der FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthĂ€lt sich? – Die AfD- Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen ge- wĂ€hlt. (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 405 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Von der Fraktion Die Linke werden als Mitglieder vorge- schlagen: Frau Abgeordnete Katrin Seidel und Frau Ab- geordnete Franziska Brychcy sowie als Ersatzmitglieder Frau Abgeordnete Claudia Engelmann und Frau Abge- ordnete Hendrikje Klein. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sehe ich bei den Koalitionsfraktionen sowie der CDU- und der FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Niemand. Wer enthĂ€lt sich? – Das sehe ich bei der AfD- Fraktion. Damit sind die vorgeschlagenen Personen ge- wĂ€hlt. Von der AfD-Fraktion werden vorgeschlagen als Mit- glied Herr Abgeordneter Tommy Tabor und als stellver- tretendes Mitglied Herr Abgeordneter Antonin Brousek. Wer die von mir Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das ist die AfD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das sind die Koalitionsfraktionen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer enthĂ€lt sich? – Das sind einzelne Abgeordnete der CDU-Fraktion. Die CDU-Fraktion hat sich enthalten. Damit sind die vorgeschlagenen Personen nicht gewĂ€hlt. Ich rufe auf lfd. Nr. 23: Wahl von Mitgliedern des Stiftungsrates der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB- Stiftung) Wahl Drucksache 19/0148 Die Fraktionen haben sich darauf verstĂ€ndigt, alle vorge- schlagenen Personen in einem Wahlgang mittels einfa- cher Abstimmung durch Handaufheben zu wĂ€hlen. Zur Wahl werden vorgeschlagen von der Fraktion der SPD Herr Abgeordneter Raed Saleh, von der Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen Frau Abgeordnete Silke Gebel und von der Fraktion der CDU Herr Abgeordneter Kai Weg- ner. Wer die Genannten zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfrak- tionen sowie die CDU- und die FDP-Fraktion. Wer stimmt dagegen? – Das sehe ich bei niemandem. Wer enthĂ€lt sich? – Das ist die AfD-Fraktion. Damit sind alle vorgeschlagenen Personen gewĂ€hlt. Wir kommen nun zu lfd. Nr. 3: PrioritĂ€ten gemĂ€ĂŸ § 59 Abs. 2 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Ich rufe auf lfd. Nr. 3.1: PrioritĂ€t der Fraktion der FDP Tagesordnungspunkt 44 Straßenblockierer stoppen – Rechtsdurchsetzung den Trends der GefĂ€hrder anpassen Antrag der Fraktion der FDP Drucksache 19/0174 In der Beratung beginnt die Fraktion der FDP. – Herr Abgeordneter Krestel, bitte schön, Sie haben das Wort.

Florian Dörstelmann

Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kolle- gen! Die Autobahnblockaden als Protestform gegen Kli- mawandel und Lebensmittelverschwendung begleiten uns jetzt schon eine ganze Weile. Ich will an dieser Stelle eines vorausschicken: Die damit verbundenen Fragen sind vielfĂ€ltig, aber zwei Fragen stellen sich nicht. Die erste Frage, die sich nicht stellt, ist die nach der Wichtig- keit des Themas, das hier zum Gegenstand des Protests gemacht wird. Diese Wichtigkeit ist unbestritten, sie besteht; es ist wahrscheinlich das wichtigste Thema unse- rer Zeit. Das will ich an dieser Stelle voranstellen. Die zweite Frage, die sich nicht stellt, ist die nach einer Schwerpunktabteilung bei der Staatsanwaltschaft Berlin. Ich will eines vorausschicken: Die Staatsanwaltschaft Berlin halte ich fĂŒr eine der besten Staatsanwaltschaften in der ganzen Republik. Ich glaube, dass sie gut aufge- stellt ist und vieles sehr gut beurteilen kann. Dazu gehö- ren die Fragen, auf die ich gleich kommen werde. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat zum Beispiel fĂŒr sich ent- schieden, dass sie die beschleunigten Verfahren nach § 417ff. StPO nicht anwenden wird. DafĂŒr hat sie eine EinschĂ€tzungsprĂ€rogative. Das kann sie nach den Erfah- rungen, die sie in der Vergangenheit gemacht hat, gut einschĂ€tzen, wahrscheinlich besser als wir. Deshalb wĂŒr- de ich es ihr ĂŒberlassen. DafĂŒr kann es auch verschiedene GrĂŒnde geben. Einer kann sein, dass bei WiederholungstĂ€tern möglicherweise Freiheitsstrafen von ĂŒber einem Jahr zu erwarten sind – (Holger Krestel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 407 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 aus der Erwartungshaltung der Staatsanwaltschaft. Das darf man hier nicht vergessen. Ich sage nur eines: zwölf Verfahren, die bereits abgegeben wurden, wie uns die Justizsenatorin gestern im Rechtsausschuss mitgeteilt hat, und 200 weitere Verfahren, die binnen kĂŒrzerer Zeit wahrscheinlich von der Polizei an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet werden, werden nicht zu einer Schwer- punktabteilung fĂŒhren, weil es nicht erforderlich ist. Schwerpunktabteilungen sind im Koalitionsvertrag fĂŒr andere Sachen vorgesehen, zum Beispiel fĂŒr VerstĂ¶ĂŸe gegen das Betriebsverfassungsgesetz nach § 119 oder auch Schwerpunktzuweisungen an StaatsanwĂ€lte zur besseren Beobachtung und Beurteilung kriminalitĂ€ts- belasteter Orte, Herr Kollege Czaja! Die eigentliche Dis- kussion, die wir hier fĂŒhren mĂŒssen – wir mĂŒssen uns verschiedenen Fragen stellen, auch als Parlament –, betrifft die Frage Meinungs- und Demonstrationsfreiheit gegen den Schutz der demokratischen Rechtsordnung: Gibt es einen Widerspruch, bei dem eine dieser Seiten das Limit ĂŒberschritten hat? – Ich sage an der Stelle eines ganz klar: Aus meiner Sicht sind das alles Straftaten, die da begangen wurden. Sie sind nicht gerechtfertigt. Das ist auch das Ergebnis einer PrĂŒfung. Ich gehe davon aus, dass das auch die Staatsanwaltschaft so sehen wird. Und ich gehe auch davon aus, dass das die Gerichte so sehen werden. NatĂŒrlich ist die Demonstrationsfreiheit ein ganz hohes Gut; sie ist wichtig und schĂŒtzenswert. Genauso schĂŒtzenswert sind aber die Strafgesetze und deren Durchsetzung als Bestandteil unserer demokratischen Rechtsordnung. Bei dieser AbwĂ€gung mĂŒssen wir – im- merhin machen wir diese Gesetze in Parlamenten – uns anschauen, was die Verfassungsgerichte bislang ent- schieden haben. Ausgangspunkt ist die Laepple- Entscheidung, die den meisten Juristinnen und Juristen hier bekannt ist. Auch wenn das Bundesverfassungsge- richt seither etwas liberaler in der Auslegung geworden ist, steht eines fest: Wenn Menschen gefĂ€hrdet werden, wenn beispielsweise Rettungswege blockiert werden, wenn physische Barrieren aufgebaut werden, dann sind Straftaten verwirklicht; § 315b StGB ist verwirklicht. Auch die Nötigung ist verwirklicht. Menschen können sich nicht mehr frei bewegen. Wahrscheinlich ist auch die Freiheitsberaubung, § 239 StGB, verwirklicht. Das ist alles verwirklicht. Sie können auf der Autobahn nicht wenden, Sie können auch nicht ohne Weiteres aussteigen. Das geht nicht – das will ich an dieser Stelle klar sagen. Das Fazit ist: Der Zweck heiligt nicht die Mittel, auch wenn es ein ganz wichtiges, vielleicht das wichtigste Thema ist. Das Zweite ist: FĂŒr den Senat hat Innensenatorin Iris Spranger vor zwei Wochen bereits gesagt und klarge- stellt, dass niemand ĂŒber dem Gesetz steht. FĂŒr die Bundesregierung hat der Bundeslandwirtschafts- minister, der auch fĂŒr ErnĂ€hrung zustĂ€ndig ist, Cem Öz- demir, klar gesagt, dass sich die Demokratie nicht erpres- sen lassen darf. – Dem ist heute nichts mehr hinzuzufĂŒ- gen. – Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! [Beifall bei der SPD und der FDP – Vereinzelter Beifall bei der CDU –

Heiko Melzer

Wie eine Eins steht Rot-GrĂŒn-Rot da! –

Torsten Schneider

Das ist eine Rechtsfrage! – Zuruf von der CDU] Vielen Dank, Herr Kollege! – FĂŒr die Fraktion der CDU hat jetzt der Kollege Herrmann das Wort.

Alexander Herrmann

Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Der Kollege Krestel hat eben fĂŒr die FDP-Fraktion den Antrag be- grĂŒndet. Vielleicht hĂ€tten wir als CDU-Fraktion noch in der letz- ten Woche gesagt, dass dieser zu weit geht, und hĂ€tten eher relativierend, wie es der Kollege Dörstelmann jetzt versucht hat, wie es uns Juristen manchmal eigen ist, versucht, mit dem Antrag umzugehen. Nein! Wir als CDU-Fraktion sind an dieser Stelle der Meinung, dass es nicht mehr akzeptabel ist, was dort passiert, dass es jetzt nicht nur im Justizbereich – das haben Sie eben richtig gesagt, die Innensenatorin hat hier sehr deutliche Worte gefunden; vielen Dank dafĂŒr! –, sondern dass es jetzt auch im Zusammenspiel mit der Justiz funktionieren muss. Da hapert es. Da hapert es, auch wenn Sie eben versucht haben, es ein wenig zu umschiffen, und gesagt haben, auf der Bundesebene ist der Bundeslandwirtschaftsminister derselben Meinung. (Florian Dörstelmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 408 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Hier in Berlin ist es die Justizsenatorin. Das ist ja selbst vom InnenstaatssekretĂ€r Akmann im Verfassungsschutz- ausschuss entsprechend kritisiert worden. Unser Konzeptpapier – Kai Wegner und Frank Balzer haben es ganz klar gesagt – „Autobahnblockierer endlich in ihre Schranken weisen“ gilt jetzt umso mehr. Das ist der Grund, warum wir hier heute sagen, wir sind an der Seite der FDP-Fraktion. – Der Kollege Jotzo freut sich und der Kollege Krestel auch. Wunderbar! – Wir haben am Wochenende erlebt, dass diese selbsternannten Weltretter, diese selbsternann- ten Aktivisten der „Letzten Generation“ gesagt haben, ihr Ultimatum an die Bundesregierung sei abgelaufen und jetzt heiße es, die Bandagen hĂ€rter anzuziehen. Jetzt gibt es auch Aktionen, so wurde es angekĂŒndigt, gegen HĂ€fen, FlughĂ€fen und auch Teile der Infrastruktur. Das ist nicht akzeptabel. Unser Staat darf sich nicht erpressen lassen. Wer glaubt, sich wiederholt gegen die Rechtsordnung stellen, ĂŒber die Rechtsordnung hinwegsetzen zu können, der braucht, egal wie edel sein Motiv ist – da bin ich beim Kollegen Dörstelmann –, ein klares Stoppzeichen. Der Senat muss daher mit konsequentem Handeln diese Selbstradikalisierungsspirale der Aktivisten stoppen. Den Worten der Innensenatorin „Niemand steht ĂŒber dem Recht“ mĂŒssen in Berlin auch Taten folgen. Aktuell sind es 11 beziehungsweise am Ende 18 Verfah- ren. Viele weitere Verfahren sind in der Pipeline. Die Polizei macht dort auch durch die Ermittlungsgruppe Asphalt einen wirklich guten Job. Vielen Dank dafĂŒr! Aber was macht die Justizsenatorin Kreck? – Sie duckt sich bei diesem Thema weg, wie eben auch auf die An- frage des Kollegen Jotzo. Sie verweist pauschal auf die Gerichte. Das steht doch gar nicht zur Rede. Aber wie ist denn der Verfahrensgang? – Damit die Gerichte entscheiden kön- nen, braucht es einen Antrag. Das versuchen Sie, Frau Senatorin, nicht einmal. Das ziehen Sie nicht einmal in ErwĂ€gung. Insofern ist es ein Zirkelschluss, wenn Sie sagen, die Gerichte mĂŒssten das entscheiden. Wenn es dort keiner beantragt, kann es keiner entscheiden. Da lobe ich mir doch den Bundesminister fĂŒr Justiz, der lĂ€ngst klargestellt hat, dass es zivilen Ungehorsam im deutschen Recht weder als Rechtfertigungs- noch als Entschuldi- gungsgrund gibt. FĂŒr uns als CDU-Fraktion ist klar: Das sind keine Wel- tenretter. Das sind ganz gewöhnliche Kriminelle. Ich sage es noch einmal – der Kollege Dörstelmann hat es eben schon richtig gesagt –: Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel. Die polizeiliche Arbeit – das hatte ich eben erwĂ€hnt – ist mit der Ermittlungsgruppe Asphalt auf einem guten Weg. Aber auch da gibt es sicherlich noch weitere Möglichkei- ten, das Procedere zu optimieren. PrĂ€ventives Einschrei- ten und GefĂ€hrderansprachen könnten weiter intensiviert werden. Und auch die Durchsetzung von Meldeauflagen an den ĂŒberwiegend auswĂ€rtigen Wohnorten der Blockie- rer – das sind ja nicht die Berlinerinnen und Berliner, sondern es sind oftmals zugereisten StraftĂ€ter – ist sicher- lich ein geeignetes Mittel. Angesichts der einfachen Sachlage und klaren Beweislage inklusive vielen Livebil- der auf Twitter und Co. sind die von der Polizei eingelei- teten Verfahren bestens fĂŒr das beschleunigte Verfahren geeignet. Man muss es nur wollen. Man sollte es nur versuchen. Ich komme zum Schluss: Am Ende muss sich der rot- grĂŒn-rote Senat endlich geschlossen – das ist er eben nicht, lieber Kollege Dörstelmann – seiner Verantwor- tung fĂŒr alle Berlinerinnen und Berliner sowie unseren Rechtsstaat stellen und konsequent durchgreifen. – Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! – FĂŒr die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen hat die Kollegin Dr. Vandrey jetzt das Wort.

Dr. Petra Vandrey

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Sehr geehrte ganz selbstverstĂ€ndlich, Sympathie fĂŒr die Ziele – wohl gemerkt die Ziele – der Aktivistinnen und Aktivisten. NatĂŒrlich ist es völlig richtig, sich gegen Lebensmittel- verschwendung einzusetzen und fĂŒr den Klimaschutz. Deshalb sind wir als GrĂŒne unter anderem rechtspolitisch dafĂŒr, Containern zu legalisieren – nur als Beispiel. Dass sich jeder nachdenkende Mensch Sorgen um Lebensmit- telverschwendung und das Klima macht, ist ganz logisch. Ich teile diese Sorge. Dass aus dieser Sorge Protest er- wĂ€chst, und zwar gerade bei jungen Menschen, die auch auf kĂŒnftige Generationen schauen, ist auch klar. Politi- scher Protest ist ein elementarer Bestandteil einer funkti- onierenden Demokratie. Aber zur allgemeinen Beruhi- gung: Meine Meinung ist auch, dass sich Protest im Rahmen des geltenden Versammlungsrechtes bewegen sollte. Das gilt fĂŒr alle Demonstrierenden gleichermaßen, unabhĂ€ngig davon, ob man Sympathie fĂŒr ihre Ziele hat oder nicht. Bei dem Antrag der FDP, den wir heute hier behandeln, geht es um die Frage, wie juristisch mit den Autobahn- blockaden umzugehen ist. Hierzu kann man nur zu einer vernĂŒnftigen Auffassung kommen: Sie sind zu behandeln wie alle anderen Personen, die sich nicht an Rechtsvor- schriften halten – nicht besser, aber auch nicht schlechter. Sympathie oder Antipathie spielen keine Rolle bei der Durchsetzung des Rechtsstaats. Der Rechtsstaat handelt mit seinen Strafverfolgungsbehörden und Gerichten nicht in Ansehung einer Person oder ihrer Ziele. Die Regeln des Rechtsstaats sind eigentlich ziemlich einfach: Wer StraftatbestĂ€nde verwirklicht, hat die Konsequenzen zu tragen. Das heißt, er setzt sich der Strafverfolgung aus, was die Aktivistinnen und Aktivisten ja auch durchaus wissen und in Kauf nehmen. Ob es sich bei den Auto- bahnblockaden tatsĂ€chlich um einen gefĂ€hrlichen Eingriff in den Straßenverkehr handelt, um Nötigung oder andere StraftatbestĂ€nde, das entscheiden zum GlĂŒck nicht wir hier im Parlament. Um dies zu beurteilen, haben wir die Strafgerichte. Frau Kollegin, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Ab- geordneten Woldeit?

Dr. Petra Vandrey

Nein, vielen Dank! – Aber nicht nur im Grundsatz ist der Antrag verfehlt. Die Forderungen haben auch jegliches Augenmaß verloren. Wie wir gehört haben, gibt es in Berlin derzeit ungefĂ€hr 220 polizeiliche Verfahren. Erst einige sind an die Staatsanwaltschaft abgegeben worden. Der Rechtsstaat in Form der Berliner Staatsanwaltschaft und der Berliner Gerichte ist sehr gut in der Lage, damit klarzukommen. Sonderstrukturen brauchen wir fĂŒr Auto- bahnblockierende ganz sicher nicht. Wer den Aufbau der Staatsanwaltschaft in Berlin kennt, der weiß, dass wir dort einen Teil „Allgemeine Abteilung“, die sogenannten Buchstabenabteilungen, und daneben einige Spezialabtei- lungen, zum Beispiel fĂŒr Staatschutz und Steuerdelikte haben. Das sind wohlgemerkt Abteilungen fĂŒr einzelne Deliktsformen und keine Schwerpunktstaatsanwaltschaf- ten. Wie die Justizsenatorin im Rechtsausschuss gestern schon berichtete, steht fĂŒr die Verfahren aufgrund der Autobahnblockaden eine Abteilung bereit. Die Staatsan- waltschaft ist also gut vorbereitet. Ebenso wenig wie Schwerpunktstaatsanwaltschaften brauchen wir wegen der Autobahnblockaden einen grĂ¶ĂŸeren richterlichen Bereitschaftsdienst und beschleunigte Verfahren. Das Bereitschaftsgericht in Strafsachen sitzt bekanntlich am Tempelhofer Damm und behandelt dort völlig andere Fallkonstellationen. Da geht es um einfache FĂ€lle ohne Beweiserhebung im 15-Minuten-Takt, meist um kleine Delikte wie LadendiebstĂ€hle mit gestĂ€ndigen Angeklag- ten. Strafprozessual passen also diese Verfahren ĂŒberhaupt nicht fĂŒr die FĂ€lle, die wir hier haben. Im Übrigen ent- scheidet nicht das Parlament darĂŒber, ob Angeklagte in beschleunigten Verfahren verurteilt werden sollen, son- dern dass beantragt die Staatsanwaltschaft. Das Ganze nennt sich Gewaltenteilung. Ich stelle alles in allem fest: Die bestehenden rechtstaatli- chen Standards reichen vollstĂ€ndig aus, um juristisch mit den Aktivisten und Aktivistinnen umzugehen. Der Schrei der FDP nach Sonderstrukturen in der Justiz ist schlicht aktionistisch und zeigt leider wenig Vertrauen in unseren funktionierenden Rechtstaat. Übrigens: Ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendjemand nach Sonder- strukturen in der Justiz gerufen hat, als Querdenker die Treppen zum Bundestag stĂŒrmten. [Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Beifall von Mathias Schulz (SPD) –

Marc Vallendar

Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrten Damen und Herren! Die Untergangssekte beschĂ€ftigt uns heute er- neut. Der Grund dafĂŒr ist, dass es sich hier um IntensivtĂ€ter, handelt, die die Stadt vermutlich noch ĂŒber Wochen und Monate mit ihren Aktionen terrorisieren werden. Deswe- gen klebten die sich gestern wieder an der Auffahrt zum BER fest. Mittlerweile sind neben Berlin auch StĂ€dte wie Hamburg, Frankfurt am Main und MĂŒnchen in das Visier genommen worden. Es werden immer neue Ultimaten gestellt und immer wieder neue Blockadeaktionen einge- leitet. Da ist es ganz nachvollziehbar, dass sowohl bei den BĂŒrgern in Berlin als auch hier im Parlament die ersten sagen: Nun gut, dann soll der Rechtstaat jetzt mal endlich einschreiten und etwas unternehmen! – In der Tat ist es so, dass Senatorin Spranger von der SPD auch erste AnsĂ€tze hat erkennen lassen und zumindest mit der Polizei versucht, der Sache Herr zu werden, in- dem sie die Ermittlungsgruppe Asphalt gegrĂŒndet hat und dort versucht, eine Beschleunigung herbeizufĂŒhren und die Verfahren so schnell wie möglich an die Staatsan- waltschaften ĂŒberzuleiten. Dann haben Sie auf der ande- ren Seite die Justizsenatorin Kreck, die schon wieder beschwichtigt und im Ausschuss erzĂ€hlt, die Verfahren seien kompliziert, und man wisse gar nicht, ob die Straf- taten wirklich erfĂŒllt seien, obwohl der Kollege Dörstel- mann zu Recht die bei den Juristen ĂŒberwiegend herr- schende Meinung genannt hat, dass das nicht so kompli- ziert sein dĂŒrfte und hier eindeutig Straftaten vorliegen. Man mĂŒsse noch weiter ermitteln, man mĂŒsse die Verfah- ren doch mal wieder an die Polizei zurĂŒckschicken. Des- halb könne man kein beschleunigtes Verfahren machen – so ungefĂ€hr war der O-Ton der Senatorin. Was will man denn jetzt noch ermitteln? – Ganz ehrlich, die Personen wurden auf frischer Tat ertappt, man hat Zeugenaussagen aufgenommen und wenn ein Rettungs- wagen zu dem Zeitpunkt in der Gegend war und nicht durchkam, dann ist das auch alles dokumentiert und auf- genommen worden. Das heißt, man könnte schnell zu einem Abschluss der Verfahren kommen und zĂŒgig An- klage erheben. Das scheint aber in gewisser Weise wohl zumindest im Justizbereich nicht so ganz gewollt. Dann schickt man es wieder zurĂŒck zur Polizei. Die tut ihr Bestes, und wir stehen hier Wochen ĂŒber Wochen und niemand wird verurteilt oder bekommt eine Strafe. Dabei ist es bei diesen besonderen FĂ€llen ganz wichtig, dass nur wenn die Strafe schnell und auf dem Fuße folgt, Nach- ahmungstĂ€ter effektiv abgeschreckt werden können. Be- kommen die Störer das GefĂŒhl, Ihnen könne gar nichts passieren, und sie seien sogar im Recht, wird sich die Situation nur weiter verschĂ€rfen. Die Radikalisierung dieser Personen schreitet wie in einem Brennglas weiter voran. Einer der MitbegrĂŒnder der Braunkohlegegner von „Ende GelĂ€nde“, Tadzio MĂŒl- ler, hĂ€lt die Bildung einer grĂŒnen RAF fĂŒr möglich. Er selbst sprach sich gegenĂŒber der Zeitung „Die Welt“ fĂŒr das Zerstören von Industrieanlagen aus. MĂŒller spricht von einem vermeintlichen Klimanotstands- recht. Ebenfalls in einem „Welt“-Interview hat im No- vember der ehemalige Extinction-Rebellion-Sprecher Tino Pfaff die Zerstörung von Industrieanlagen als mög- liche Protestform benannt. Es gehe darum, den Ablauf von Industrie oder zerstörerischen Alltagspraktiken zu stören, sagte Pfaff. Ja, es geht noch weiter: Auch die sonst so harmlos daher- kommende Fridays-for-Future-Bewegung erwĂ€gt dem- nach radikalere Protestformen – Zitat –: „Unsere Bewegung hat lange davon gelebt, klassi- sche Proteste zu machen. Wir haben dieses Reper- toire durchgespielt und sind trotzdem meilenweit von unseren Zielen entfernt“ sagte Clara Reemts- ma, die Sprecherin der Bewegung. 
 „Wir wer- den deshalb eine Verbreiterung der Protestform er- leben wie bei der ‚Letzten Generation‘“ Aha! Hört, hört! Übrigens: Mittlerweile werden bei die- sen Aktionen sogar MinderjĂ€hrige und Kinder instrumen- talisiert und missbraucht, indem die sich dort auf der Straße festkleben. Das halte ich wirklich fĂŒr verwerflich. Deswegen sind diese Gruppen höchstgefĂ€hrlich. In die- sem Zusammenhang kann ich die Aussage des Staatssek- retĂ€rs Akmann im Verfassungsschutzausschuss auch nicht nachvollziehen, dass dem Berliner Senat aktuell keine Hinweise vorliegen wĂŒrden, dass den Blockadeak- tivitĂ€ten verfassungsfeindliche Bestrebungen zugrunde liegen. Ich frage da mal in die Runde, seit wann eine Erpressung der Politik und der Parlamente durch eine dauerhafte Begehung von Straftaten, um politische Forde- rungen zu erreichen, verfassungsgemĂ€ĂŸ ist. (Dr. Petra Vandrey) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 411 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Es widerspricht fundamental dem in der Verfassung nie- dergelegten Demokratieprinzip. Wer politische Ziele zu erreichen versucht und zu Gewalt greift – sei sie aktiv oder passiv –, ist eindeutig ein Verfassungsfeind. Diese rote Linie scheint im Senat nicht ĂŒberall geteilt zu werden. Was wir jetzt erleben, ist fĂŒr den Rechtsstaat eher ein Armutszeugnis: eine Polizei, die ermittelt, eine Justiz, die im Moment sagt: Na ja, nicht ganz so schnell. –Deswegen finden wir den Antrag der FDP sehr vernĂŒnftig, und wir werden ihn unterstĂŒtzen. – Vielen herzlichen Dank! FĂŒr die Linksfraktion hat der Kollege SchlĂŒsselburg das Wort.

Sebastian SchlĂŒsselburg

Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kolle- gen! Freiheitsrechte sind Ausdruck der unantastbaren MenschenwĂŒrde und nicht vom Staat gnĂ€dig ge- wĂ€hrte Privilegien, die zur beliebigen Disposition stehen. Diese Worte – ja, schön gesagt – sind nicht meine Worte, sie stammen vom ehemaligen Bundesinnenminister und FDP-Mitglied Gerhart Baum. Ich stelle diese Worte an den Beginn meiner Rede, weil der vorliegende FDP- Antrag vor allem eines tut: Er geht pauschal davon aus, dass die Straßenblockaden der Klimaaktivistinnen einen Missbrauch des Versammlungsrechts darstellen, und er kriminalisiert darĂŒber hinaus ebenso pauschal genau diese Proteste. Lieber Sebastian Czaja! Lieber Holger Krestel! Mit die- sem Antrag schaden Sie aus meiner Sicht dem grund- und freiheitsrechtlichem Ansehen Ihrer Partei. Das ist erst einmal Ihr Problem, nicht unseres. Ihr Antrag liest sich aber auch wie ein Misstrauensvotum gegenĂŒber der Ar- beit unserer Behörden und erweckt den Eindruck, dass die Behörden nicht in der Lage wĂ€ren, ihren rechtsstaatli- chen Aufgaben nachzukommen, und das, werte FDP, weise ich im Namen der Koalition eindeutig zurĂŒck. Unsere Versammlungsbehörde, die Polizei, die Staatsan- waltschaft und die Gerichte sind gut aufgestellt und kom- petent genug, im Rahmen der Gesetze ihren Job zu ma- chen. Lassen Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Krestel zu?

Sebastian SchlĂŒsselburg

Nein, vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! Ich möchte ausfĂŒh- ren. Jetzt kann Herr Krestel mal ein bisschen was lernen. [Zuruf von der AfD: Oh! –

Sebastian SchlĂŒsselburg

Ich lade die Kolleginnen und Kollegen gerne zur Kurzin- tervention ein, Frau PrĂ€sidentin! – Lassen Sie mich zum Schluss eines klarstellen: Ich hĂ€tte die berechtigten An- liegen der Aktivistinnen mit weniger störenden, aber vielleicht sogar noch auffĂ€lligeren, zulĂ€ssigen Versamm- lungsformen in die Öffentlichkeit getragen. Klar ist auch: Parlamente lassen sich nicht erpressen. Ich maße mir als Abgeordneter aber auch nicht an, Menschen vorzuschreiben, wie sie von ihrem kollektiven Kommu- nikationsgrundrecht Gebrauch machen. Als Gesetzgeber ist es unsere Aufgabe, die Regeln aufzustellen. Das haben wir mit dem modernen Versammlungsfreiheitsgesetz vor einem Jahr getan. Wenn die rote Linie der Friedlichkeit ĂŒberschritten wurde, dann werden die Behörden und Gerichte das ĂŒberprĂŒfen. Diese Klarheit, aber auch rechtsstaatliche Gelassenheit sollten wir an den Tag le- gen. Zum Schluss, liebe CDU: Ich habe Ihren Ruf vorhin so verstanden, dass Sie eine politisch geleitete Staatsanwalt- schaft haben wollen. – Ich frage Sie: Ist das allen Ernstes Ihr Anliegen? Wollen Sie wirklich die Einleitung von Verfahren davon abhĂ€ngig machen, welche Person gerade im Nordsternhaus sitzt? – Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Ich bitte Sie: Kommen Sie zurĂŒck auf den Boden des Rechtsstaates, und lassen Sie den Aktivismus Akti- vismus sein! Wir fangen an mit einer Zwischenbemerkung der FDP- Fraktion vom Kollegen Krestel. – Bitte schön!

Steffen Zillich

Das mit dem Nichtsnutz ist aber von Ihnen! – Zuruf von Paul Fresdorf (FDP)] Deswegen hĂ€tte ich mich aber nicht extra gemeldet, son- dern es geht mir darum, dass ich eine völlig falsche Be- hauptung in Ihrer Rede richtigstellen möchte. Ich habe die Berliner Behörden unterhalb der politischen Ebene in meiner Rede extra gelobt. Deswegen gehört es sich nicht, hinterher zu behaupten, ich hĂ€tte die schlechtgemacht oder kritisiert. Das habe ich genau nicht getan. Es gibt diese hĂ€ssliche Rede: Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Da gibt es in der Berliner RealitĂ€t die positive Konnotati- on, dass der Berliner Fisch unterhalb des Kopfes noch ziemlich frisch ist. Das ist die Berliner Verwaltung. – Vielen Dank! Dann hat die Gelegenheit zur zweiten Zwischenbemer- kung die Kollegin Dr. Jasper-Winter.

Torsten Schneider

Wie? Unwiderstehlich?] Das lĂ€dt mich natĂŒrlich dazu ein, ein wenig juristisch zu belehren, aber ich schließe mich Ihrem Kollegen Dörstelmann an: Es ist wohl von der QualitĂ€t des Aufent- halts her nicht eine normale nicht frequentierte Seiten- straße, ĂŒber die wir hier reden, sondern eine Autobahn, wo ein Ausweichen schlicht nicht möglich ist. Nicht nur Ihre EinschĂ€tzung zu unserem Antrag, sondern auch (Sebastian SchlĂŒsselburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 413 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 juristisch ist es völlig unzutreffend, von einer ganz nor- malen Versammlung auszugehen, und der Rest muss dann noch gewĂŒrdigt werden. Hier geht es darum, dass Menschen nicht ausweichen können. Dass das eine völlig andere QualitĂ€t des Eingriffs in Rechte Dritter ist, ist wohl unstrittig. Das, was Sie hier zum Besten gegeben haben, war mit der Champagnerkredenzen-Bemerkung vom Niveau her dessen, was wir sonst von Ihnen ge- wohnt sind, eigentlich nicht wĂŒrdig. Vielen Dank, Frau Kollegin! Dann hat der Herr Kollege SchlĂŒsselburg die Gelegenheit zur Erwiderung, und, da zwei Zwischenbemerkungen, mit bis zu sechs Minuten.

Sebastian SchlĂŒsselburg

Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Werte FDP! Vielen Dank fĂŒr die Gelegenheit, noch weiter aus- fĂŒhren zu dĂŒrfen. Herr Krestel! Wenn Sie meiner Rede aufmerksam gelauscht hĂ€tten, hĂ€tten Sie festgestellt, dass in der Passage, die Sie eingangs provoziert hat, sowohl das Wort „Stammtisch“ als auch „Champagnerbar“ gleichermaßen genannt wurden. Dass Sie sich jetzt bei der Champagnerbar adressiert fĂŒhlen als, wie auch ich, Emporkömmling einer Arbeiterfamilie, ist Ihr Problem, nicht meines. Sie hĂ€tten sich ja dann auch einfach beim Stammtisch einsortieren können. Aber jeder hört das, was er hören möchte. Das gestehe ich Ihnen an der Stelle gerne zu! Zu dem Punkt der Behörden, Herr Krestel: Es ist das eine, hier in der Plenarrede etwas zu sagen und sich dann insbesondere – das macht Ihre Fraktion ja auch öfter ĂŒberschwĂ€nglich, darĂŒber freuen wir uns auch – bei unse- ren Behörden zu bedanken, auf der anderen Seite aber einen Regelungsgehalt vorzulegen, der, wenn man ihn auf seinen Regelungsgehalt und die VorschlĂ€ge, die dort gemacht werden, abklopft, nichts anderes sagt, als: Liebe Staatsanwaltschaft! Erstens, ihr seid nicht gut aufgestellt, um mit diesem PhĂ€nomen und diesem Aufkommen um- zugehen. Deswegen erteilen wir euch RatschlĂ€ge. Zwei- tens, ihr sollt beschleunigte Verfahren nach der StPO in Anschlag bringen. Zu der EinschĂ€tzungsprĂ€rogative der Staatsanwaltschaft hat Kollege Dörstelmann schon etwas gesagt, und Sie mĂŒssen auch zur Kenntnis nehmen, Frau Jasper-Winter, dass der Sprecher der Staatsanwaltschaft ausgefĂŒhrt hat, dass es sich nach EinschĂ€tzung der Staatsanwaltschaft trotz alledem um nicht so einfach gelagerte FĂ€lle handelt, dass man die verschiedenen Voraussetzungen, zum Bei- spiel des 214 StPO – nein! 412? Entschuldigung! Haus- nummern! –, in Anschlag bringen kann. Denn wir haben auf der einen Seite das Gut der Versammlungsfreiheit und auf der an- deren Seite die strafrechtlich möglicherweise zu wĂŒrdi- genden TatbestĂ€nde und insbesondere die Frage der Ver- werflichkeitsprĂŒfung. Wenn Sie sich die Judikatur des Bundesverfassungsge- richts – und da auch noch mal kurz zum Niveau meiner Rede – angucken, wo ich ĂŒbrigens auch schamlos – ohne es kenntlich gemacht zu haben – aus einigen Urteilen tatsĂ€chlich direkt zu der Frage der Versammlungsfreiheit ausgefĂŒhrt habe, werden Sie feststellen, dass die rechtser- hebliche Frage die sein wird: Ist der Gewaltakt im Rah- men der Nötigung als Nötigungsakt des zum Beispiel Sichfestkettens und Sichaneinanderfestkettens gleichzu- setzen mit dem zeitweise Ankleben auf Fahrbahnen? – Die erste Frage wurde durch das Verfassungsgericht entschieden. Die Frage des Festklebens noch nicht. Das mĂŒssen wir als Erste Gewalt erst mal so zur Kenntnis nehmen, die Gewaltenteilung zur Kenntnis nehmen und dann zum einen die Staatsanwaltschaft ihre Arbeit ma- chen lassen und zum anderen abwarten, wie die zum Spruch berufenen Spruchkörper entscheiden werden und was am Ende bei Erschöpfung des Rechtsweges bei der ganzen Geschichte herauskommt. Diese Gelassenheit sollten wir an der Stelle tatsĂ€chlich alle haben. Was mich ein wenig verwundert – das geht aber nicht an Ihre Adresse, liebe FDP, sondern eher an die Adresse der Fraktion rechts außen –: Ich finde es schon immer merk- wĂŒrdig und bigott, wie hier mit unterschiedlichen Maß- stĂ€ben hausgehalten wird. Herr Vallendar! Beim soge- nannten Sturm auf den Reichstag habe ich von Ihnen zum Beispiel nicht den Ruf danach gehört, hier plötzlich be- schleunigte Verfahren an den Tag zu legen. Oder wenn auf unertrĂ€gliche Querdenkerdemonstrationen Kinder mitgenommen werden, um sich gegebenenfalls vor Was- serwerfern zu schĂŒtzen, dann habe ich von Ihnen da nichts der Kritik gehört, aber hier werfen sie es den Klimaaktivistinnen vor. Das muss man an der Stelle so enttarnen, wie es sich gehört. Das ist einfach schlicht und ergreifend unertrĂ€gliche Bigotterie. Lassen Sie uns insofern tatsĂ€chlich zur rechtsstaatlichen Gelassenheit und zu der gebotenen ZurĂŒckhaltung eines Parlamentes zurĂŒckkehren. Wir haben als Berliner Lan- desparlament das getan, was wir tun können: Wir haben den gesetzlichen Rahmen fĂŒr unser Versammlungsrecht und gleichzeitig das Versammlungsrecht der Bundes- hauptstadt gelegt. Wir werden jetzt bis zur Mitte der (Dr. Maren Jasper-Winter) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 414 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Wahlperiode gucken, wie die Rechtsanwendung lĂ€uft, und dann werden wir alle zusammen in der Mitte der Wahlperiode – ich hoffe, Sie haben unseren Koalitions- vertrag aufmerksam gelesen – in eine hoffentlich sachli- che Debatte darĂŒber eintreten, ob es gegebenenfalls ge- setzgeberischen Anpassungsbedarf gibt. Aber so lange bleiben wir doch bitte im Rahmen der Gewaltenteilung und halten uns hier mit wohlfeilen VorschlĂ€gen zurĂŒck. Im Übrigen, Herr Krestel, möchte ich hier als Letztes noch einen Punkt zurĂŒckweisen: Ich hatte schon viele Treffen mit der GeneralsstaatsanwĂ€ltin Margarete Kop- pers, auch mit dem Leiter der Staatsanwaltschaft Herrn Raupach. – Ich habe noch nie wahrgenommen, dass es im Raum, wenn ich mich mit ihnen aufgehalten habe, ir- gendwie unangenehm nach Fisch gestunken hĂ€tte. Ich hoffe, Sie haben das nicht gemeint, als Sie sagten, der Fisch fĂ€ngt unterhalb des Kopfes an zu stinken! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten, GeschĂ€ftsord- nung und Antidiskriminierung. – Widerspruch hierzu höre ich nicht; dann verfahren wir so. Der zu den laufenden Nummern 3.2 und 3.3 angemeldete Tagesordnungspunkt wurde bereits vor Eintritt in die Tagesordnung behandelt. Ich rufe auf lfd. Nr. 3.4 PrioritĂ€t der CDU-Fraktion Tagesordnungspunkt 10 Gesetz zur Änderung des Gesetzes ĂŒber die Anwendung unmittelbaren Zwanges bei der AusĂŒbung öffentlicher Gewalt durch Vollzugsbeamte des Landes Berlin – sichere Rechtsgrundlage fĂŒr den Einsatz von Distanz- ElektroimpulsgerĂ€ten (Tasern) Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0165 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung des Gesetzesantrags. In der Beratung beginnt die Fraktion der CDU und hier Kollege Balzer. – Bitte schön!

Frank Balzer

Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben heute die Möglichkeit, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, um etwas mehr Sicherheit fĂŒr die Berlinerinnen und Berliner und fĂŒr unsere Polizistin- nen und Polizisten zu erreichen. Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf soll eine sichere Rechtsgrundlage fĂŒr den Einsatz von sogenannten Tasern erreicht werden. Die Berliner Polizei nutzt den Taser bereits seit 2001, zunĂ€chst nur das Spezialeinsatzkommando. Da die Erfah- rungen gut waren, wurde ab 2017 der Probebetrieb erwei- tert, den Taser auch im allgemeinen Polizeidienst einzu- setzen. Dazu wurden zunĂ€chst 20 GerĂ€te ausgewĂ€hlten Polizistinnen und Polizisten in Kreuzberg und Mitte zur VerfĂŒgung gestellt. Der Probelauf wurde im Mai 2020 ausgeweitet und bis Ende 2021 verlĂ€ngert. Der Einsatz erfolgt zurzeit als Probebetrieb auf einer rechtlichen Grundlage, die ausdrĂŒcklich als vorĂŒberge- hend und provisorisch gekennzeichnet ist. Mittlerweile kann sie den verfassungsrechtlichen Anforderungen, die an Grundrechtseingriffe zu stellen sind, nicht mehr genĂŒ- gen. Ohne gesetzliche Regelung, wie sie hier vorgeschla- gen wird, besteht fĂŒr Polizeibeamtinnen und -beamte, die den Taser verwenden, ein erhebliches Risiko, rechtswid- rig und eventuell sogar strafbar zu handeln. Unter diesen Voraussetzungen wird der Taser faktisch nicht mehr zum Einsatz kommen. Wir sehen in dem Taser eine Möglichkeit, eine LĂŒcke zwischen Pfefferspray und Schlagstock auf der einen Seite und dem Einsatz der Schusswaffe auf der anderen Seite zu schließen. Erfreulicherweise sehen das die Ge- werkschaften der Polizei ebenso wie wir. Was sind die Beispiele, wo ein Taser eingesetzt werden soll und im Zweifelsfall auch muss? – Sehr hĂ€ufig, fast tĂ€glich in Berlin, kommt es zu Auseinandersetzungen mit körperlich und technisch ĂŒberlegenen GewalttĂ€tern, schwergewichtigen GewalttĂ€tern, Kampfsportlern, psy- chisch kranken GewalttĂ€tern, GewalttĂ€tern, die unter Alkohol-, Drogen- und Medikamenteneinfluss stehen. Wie sollen die Kolleginnen und Kollegen der Polizei dagegen vorgehen? Bei diesem Personenkreis ist in der Regel der Schlagstock und auch das Pfefferspray kein wirksames Mittel, um die GewalttĂ€ter auf Distanz zu halten. Was ist jetzt in den meisten FĂ€llen die Alternati- ve? – Ein möglicher Einsatz der Schusswaffe. Bei der Schusswaffe bestehen Gefahr fĂŒr Leib und Leben auch gegenĂŒber denjenigen, die als Angreifer fungieren, aber es besteht die Gefahr von QuerschlĂ€gern, sodass der Taser hier das mildeste Mittel wĂ€re, um es einzusetzen. NatĂŒrlich ist der Taser gefĂ€hrlich; das muss er auch sein, um die Form der GewalttĂ€ter zu stoppen, die ich gerade beschrieben habe. Aber der Einsatz der Schusswaffe ist mit Sicherheit deutlich gefĂ€hrlicher. Frau Senatorin Spranger ist heute krankheitsbedingt nicht da. Ihr StaatssekretĂ€r, so war zu lesen, hat sich dahin (Sebastian SchlĂŒsselburg) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 415 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 gehend geĂ€ußert, er sei noch nicht ĂŒberzeugt. – Das ist eigentlich schade. Zwar hat er zugegeben, dass bei Selbstmorden diese verhindert werden konnten, aber im KriminalitĂ€tsbereich gab es noch zu wenige Ergebnisse und Erkenntnisse. Zumindest hat man also Selbstmorde verhindert, und wenn zu wenige Taser eingesetzt werden, kann man natĂŒrlich auch nicht derart viele EinsĂ€tze aus- werten. Wir haben nur 20 Taser, und es gab von Mitte 2019 bis Mitte 2021 zehn EinsĂ€tze: drei Auslösungen, die den Angreifer außer Kraft gesetzt haben, und es gab bei sieben Androhungen schon die Situation, dass diejenigen sich ergeben haben. Wenn also zu wenige Erfahrungen vorhanden sind, dann bietet es sich doch an, sich einfach ein bisschen bei den BundeslĂ€ndern umzusehen. Da können wir durchaus in die LĂ€nder gehen: Alle LĂ€nder setzten den Taser ein, bei acht LĂ€ndern gibt es auch eine rechtliche Grundlage, zum Beispiel in Bayern. Aber jetzt weiß ich: Einige fangen an zu lachen, einige verdrehen die Augen. Wir können auch nach Brandenburg gehen, wir können nach Hamburg gehen, nach Bremen, nach Niedersachsen, nach Schles- wig-Holstein, nach Rheinland-Pfalz. Überall da tragen SPD, GrĂŒne, zum Teil auch unter Beteiligung der Linken Verantwortung; sie alle haben den Taser auch mit einer gesetzlichen Grundlage. Warum haben die LĂ€nder unter der FĂŒhrung von SPD, GrĂŒnen und Linken den Taser? – Weil die Argumente einfach ĂŒberzeugen. Ich hoffe, dass es bei Linken und GrĂŒnen nicht wieder die gewöhnlichen Ablehnungsrefle- xe gibt, wenn es um die Sicherheit der Menschen in der Stadt geht und wenn es um eine Verbesserung der Arbeit der Berliner Polizei geht. Die dringend erforderliche, klare, sichere Rechtsgrundlage wird mit dem vorliegen- den Gesetzentwurf geschaffen. Ich hoffe, wir können das Verfahren erfolgreich zu Ende bringen. – Danke schön! Vielen Dank! – FĂŒr die SPD-Fraktion hat Kollege Schreiber jetzt das Wort.

Dr. Robbin Juhnke

Das gehört zur Geschichte dazu! – Weitere Zurufe von der CDU] Warum ist das Datum nicht unwichtig? – Das geschah alles im Rahmen des Wahlkampfes, da war die heiße Wahlkampfphase. Kollege Lux hat sich damals auch dazu geĂ€ußert, andere auch, Udo Wolf von der Linken und so weiter und so fort. Ich habe das damals auch getan und gesagt: Das ist irgendwie unseriös und sein letztes Ge- fecht als Innensenator. – Damit lag ich ja nicht ganz so falsch. Aber der Punkt ist einfach der: Der Ausgangs- punkt, den Sie damals gelegt haben, war in der Tat nicht ganz sauber und nicht ganz korrekt. Ich glaube, wir sind uns in der Sache hier im Haus einig, gerade fĂŒr die Berliner Polizei, gerade fĂŒr die Vollzugs- krĂ€fte bzw. auch fĂŒr die Angestellten, dass wir als Lan- desparlament, als Abgeordnetenhaus, aber auch als Kol- legen und Kolleginnen im Innenausschuss Sorge dafĂŒr zu tragen haben, dass die Beamten und Beamtinnen, die Angestellten den besten Eigenschutz bekommen und eine gute Schutzausstattung erhalten. Das ist das A und O nicht nur in dieser Stadt, sondern auch darĂŒber hinaus. Das ist, glaube ich, ein wesentlicher Konsens. Sie sind gerade darauf eingegangen, wann und wo der mittlerweile eingesetzt wurde und wo es Erfahrungswerte gibt – im Abschnitt 53, im Abschnitt 57, bei den Brenn- punkt- und PrĂ€senzeinheiten. In der Aus- und Fortbildung spielt er eine Rolle. Wir haben insgesamt ĂŒber 58 Polizeibeamte, die mittlerweile damit Erfahrungen sammeln konnten, sogar mit dem Taser 7, wie auch im- mer die Modelle aussehen. Das heißt, da lĂ€uft etwas. Und er kann natĂŒrlich bei Bedrohungslagen, die es tagtĂ€glich (Frank Balzer) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 416 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 in der Tat auch geben kann, gerade zum Nachteil fĂŒr Polizeibeamte, aber letzten Endes auch zum Schutz der Dritten, der Betroffenen, die sich beispielsweise in suizi- daler Absicht das Leben nehmen wollen, einen Sinn ma- chen. Es können und werden sicherlich weniger Leute bezweifeln, dass dieser Taser eine hohe prĂ€ventive Wir- kung hat und auch eine Möglichkeit der Deeskalation darstellt. In der Debatte wird natĂŒrlich auch immer wie- der aufgefĂŒhrt – und das ist auch richtig –, dass es auch in der Bundesrepublik bei TasereinsĂ€tzen tödliche VerlĂ€ufe gab. Auch da gibt es Erkenntnisse, wonach es bei den betroffenen Personen, die das Leben verloren haben, in Teilen eher auf Vorerkrankungen zurĂŒckzufĂŒhren war, also der Auslöser nicht der Taser war. Ich will damit sagen: Das Fazit, das man ziehen kann, könnte positiv sein. Und jetzt kommt das große Aber: Wir haben – und Sie haben es gerade gesagt, Herr Balzer – in der Tat ein gutes Dutzend an EinsĂ€tzen des Tasers, also an Erfahrungswerten. Das ist natĂŒrlich eher wenig, um zu sagen: Wir wollen das flĂ€chendeckend ausdehnen. – Wir wissen auch – und das spielt auch eine Rolle, spiel- te in der Vergangenheit, im Innenausschuss der letzten Wahlperiode eine Rolle –, dass es auch um die Fragestel- lung der Rechtssicherheit geht. Das heißt, die Polizisten und Polizistinnen mĂŒssen ja wissen, wann sie ihn einset- zen können und dieses Instrument nutzen können und dass sie dabei rechtlich abgesichert sind. Das ist ein ganz wesentlicher Punkt. Von daher bin ich sehr erfreut, dass wir nicht nur durch diesen Gesetzesantrag, sondern insge- samt uns dieses Thema im Innenausschuss noch mal anschauen werden. Wir werden es noch genauer betrach- ten können, vielleicht auch durch Menschen, die tagtĂ€g- lich praktische Erfahrungen damit haben und sammeln konnten, und werden dann das, was Sie hier vorgelegt haben, miteinander beraten. Die eine oder andere Er- kenntnis wird sicherlich auch noch mal in der Diskussion eine Rolle spielen. Von daher freue ich mich auf die Offenheit und auch auf die Erkenntnisse, die wir aus der Praxis sammeln können, und auf eine gute Beratung im Innenausschuss. – Herzlichen Dank! [Beifall bei der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN –

Dr. Robbin Juhnke

Wir sind gespannt!] Vielen Dank, Herr Kollege! – FĂŒr die AfD-Fraktion hat Herr Abgeordneter Woldeit das Wort.

Karsten Woldeit

Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! – Meine sehr verehrten Damen und Herren Kollegen! Wir sind in einem ganz wichtigen Themenbereich der Innenpolitik angekommen, der Polizeigesetzgebung und hier beim Gesetz ĂŒber den unmittelbaren Zwang und einer entsprechenden ErmĂ€ch- tigungsgrundlage. Das ist einer der wesentlichen The- menbereiche, die wir im Innenausschuss bearbeiten. Lei- der ist Frau Senatorin Spranger erkrankt, aber ich gehe davon aus, dass sie der Debatte folgt, und deswegen von mir erst mal herzliche GenesungswĂŒnsche. Aber wir haben mit Herrn Akmann den InnenstaatssekretĂ€r vor Ort, der natĂŒrlich fleißig lauscht, und in der Tat – Kollege Balzer hat es gesagt – sind Sie noch nicht ĂŒberzeugt von dem Probelauf des Tasers – aufgrund der geringen Erfah- rungswerte bei 20 EinsĂ€tzen und elf entsprechenden RĂŒckmeldungen. Aber vielleicht gelingt es uns ja, Sie in der parlamentarischen Debatte und insbesondere in der Debatte des Innenausschusses davon zu ĂŒberzeugen, dass wir hier eine wichtige ErmĂ€chtigungsgrundlage schaffen mĂŒssen, die den Polizistinnen und Polizisten die Rechts- sicherheit gibt, dass sie nicht mit einem halben Bein im Knast stecken, wenn ich das so plakativ ausdrĂŒcken darf, wenn sie den Taser ohne ErmĂ€chtigungsgrundlage im Rahmen eines Testverfahrens, was ja nur bis Ende 2021 lief, nutzen. Herr Kollege Schreiber, Sie haben berichtet, dass wir in der Vergangenheit, gerade in der letzten Legislaturperio- de, ganz wesentlich ĂŒber unsere Polizeigesetze gespro- chen haben, ĂŒber das Allgemeine Sicherheits- und Ord- nungsgesetz und natĂŒrlich auch ĂŒber das Gesetz ĂŒber den unmittelbaren Zwang. Sie haben gesagt, dass die Koaliti- on zum Ende der Legislaturperiode ein Gesetz vorgelegt hat und noch wesentliche Beratungen erfolgt seien. Ich erinnere mich, dass Ihr VorgĂ€nger als fachpolitischer Sprecher im Amt, Herr Zimmermann, 2017 gesagt hat, dass zum Ende der Sommerpause ein entsprechendes Gesetz vorliegt. Das „zum Ende der Sommerpause“ hat er aber nicht in Jahren definiert. Es hat dann bis 2021 ge- dauert. Wir haben bis dato in der Zwischenzeit diverse GesetzesĂ€nderungsantrĂ€ge vorgelegt – das kam im Schwerpunkt von den Union und von der AfD –, und hier unter anderem die ErgĂ€nzung und Novellierung des § 2 des Gesetzes ĂŒber den unmittelbaren Zwang, die EinfĂŒh- rung des Tasers. Wir haben uns damals am Polizeiaufga- bengesetz in Bayern orientiert, um das dementsprechend mit aufzunehmen. Es war ein fast wortgleicher Antrag, und dementsprechend wird es Sie wenig verwundern, Herr Kollege Balzer, dass wir hier einer Meinung sind, zumal wir, wie gesagt, diesen Antrag ja schon einge- bracht haben. Ich war ein bisschen in Sorge, als ich den Bericht in der Morgenpost las, dass die Union einen ganz großen Wurf plant, eine komplette Novellierung des Allgemeinen Sicherheit- und Ordnungsgesetzes und des Gesetzes ĂŒber den unmittelbaren Zwang. Ich habe ausdrĂŒcklich davor gewarnt, denn was wĂŒrde dann kommen? – Wir stehen am Beginn der 19. Legislaturperiode. So ein Geset- zesentwurf kommt. Und den Fehler hat der Kollege Dre- gger in der letzten Legislaturperiode gemacht, ungefĂ€hr zur HĂ€lfte: Er hat einen großen Rundumschlag gemacht, die Koalition nimmt es auf, wir haben eine Beratung im (Tom Schreiber) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 417 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Innenausschuss, und diese Beratung wird dann gefĂŒhrt, anschließend geht es wieder zurĂŒck ins Plenum, der An- trag wird weggewischt, und die Polizeigesetzgebung kommt dann nicht mehr auf die Tagesordnung im Parla- ment. – Das halte ich fĂŒr einen großen Fehler, und so dĂŒrfen wir in dieser Legislaturperiode nicht vorgehen. Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Schreiber?

Karsten Woldeit

Wir haben insgesamt 16 Polizeigesetze in der Bundesre- publik Deutschland, und die schwĂ€chsten Polizeigesetze haben die BundeslĂ€nder Bremen und Berlin. Wir haben gesehen, dass die Koalition ein Gesetz vorgelegt hat, das SchwĂ€chen hat. Wenn sogar der damalige Innensenator Andreas Geisel sagt, er hĂ€tte sich in der Beratung mehr gewĂŒnscht, insbesondere den finalen Rettungsschuss, dann zeigt mir das, dass auch innerhalb der SPD noch Beratungsbedarf und Anpassungsbedarf besteht. Es zeigt mir allerdings auch, dass Sie mit Ihrem Polizeipartner weniger Schnittmengen haben, dort wirklich im Sinne der inneren Sicherheit und fĂŒr die Polizistinnen und Polizis- ten zu arbeiten. Übrigens hat das schwache Polizeigesetz in Bremen die ErmĂ€chtigungsgrundlage fĂŒr den Taser innerhalb des Gesetzes festgeschrieben. Das kommt noch mit dazu. Und es ist vollkommen richtig, wie auch Kollege Balzer gesagt hat: Einige Landesregierungen unter der Beteili- gung der Linkspartei haben das ebenfalls verankert und dementsprechend in ihr Gesetz hineingeschrieben. Das ist eine wesentliche ErmĂ€chtigungsgrundlage. Was haben wir aktuell noch an MĂ€ngeln, ĂŒber die wir entsprechend beraten mĂŒssen? – Beispielsweise ist die Frage der Überwachung im öffentlichen Raum insbeson- dere bei kriminalitĂ€tsbelasteten Orten noch offen. Wir haben die Frage der Öffentlichkeitsfahndung und des finalen Rettungsschusses. Und ich habe es schon ange- sprochen: Bodycam ist nicht so ausgestattet, wie es hĂ€tte sein können. – Das heißt, wir haben noch so viel Bera- tungsbedarf in unserer Polizeigesetzgebung, dass wir das die nĂ€chsten Jahre noch begleiten mĂŒssen. Wir sind ja im stĂ€ndigen Wandel. Und eines wissen wir: Unsere Berliner Polizisten leisten eine hervorragende Arbeit, und unsere Aufgabe als Parlament ist es, ihnen die Gesetzesgrundla- ge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um diese hervorragende Arbeit jeden Tag leisten zu können, ohne dass sie eine fehlende Rechtsgrundlage haben. DafĂŒr mĂŒssen wir arbeiten, und ich hoffe auf eine entsprechen- de fruchtbare Beratung und sage herzlichen Dank! FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege Franco jetzt das Wort.

Vasili Franco

Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Nach den bisherigen Reden könnte man ja fast den Eindruck bekommen, dass DistanzelektroimpulsgerĂ€- te – auch ich werde sie der Einfachheit halber „Taser“ nennen – unabkömmlich fĂŒr das Polizeihandeln sind, aber diese Auffassung muss ich jetzt leider trĂŒben, denn so einfach, liebe CDU, ist es nicht, wie Sie es darstellen. ZunĂ€chst zu den Fakten: Auch sie wurden schon genannt, Polizeiabschnitte 53 und 57 jeweils mit zehn Tasern, die BPE mit acht Tasern, und auch das Spezialeinsatzkom- mando der Polizei benutzt diese GerĂ€te ĂŒbrigens bereits seit 2001. Insgesamt sind 69 DienstkrĂ€fte fĂŒr die Anwen- dung geschult. Nun wurde 2017 der Probelauf bei der Berliner Polizei gestartet. Der wurde nun ĂŒbrigens bis Ende 2022 verlĂ€ngert. Und nun können Sie sich, Herr Balzer, darĂŒber beschweren, dass dieser Probelauf ziem- lich lange dauert. Da haben Sie ja recht, aber das hat auch seine GrĂŒnde. Wir reden hier nĂ€mlich ĂŒber nichts ande- res, als der Polizei eine weitere Waffe an die Hand zu geben. Ich kann Ihnen ehrlich sagen, mir sind weniger Waffen immer lieber als mehr Waffen. Wenn wir nun aber darĂŒber diskutieren, ob wir eine zu- sĂ€tzliche Waffe anschaffen, dann machen wir das nicht planlos oder weil jemand laut schreit oder man tolle per- sönliche Erfahrungen damit hat. Das kommt nur in Be- tracht, wenn es hierfĂŒr eine valide Grundlage gibt, und diese gibt es fĂŒr den Einsatz von Tasern so nicht. Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Woldeit?

Vasili Franco

Vielen Dank! Ich verzichte heute auf Zwischenfragen. – Sie mĂŒssen mir das auch nicht glauben, aber ich muss Sie enttĂ€uschen, ich stehe auf der Seite der Zahlen bzw. ste- hen die Zahlen auf meiner Seite. In Berlin haben wir seit 2017 gerade eine Handvoll Auslösungen und ungefĂ€hr doppelt so viele Androhungen erlebt. Ja, glĂŒcklicherweise traten in Berlin bisher keine Komplikationen beim Ein- satz von Tasern auf. Aber wenn Sie jetzt sechs FĂ€lle als (Karsten Woldeit) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 418 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 ausreichend fĂŒr eine valide Datengrundlage ansehen, wĂŒrden Sie mit Sicherheit durch jede Erstsemesterstatis- tikklausur fallen. Und darĂŒber hinaus vorliegende Studien und Erprobun- gen in anderen LĂ€ndern oder BundeslĂ€ndern, anders als hier vorgetragen, geben eben kein klares Bild. Sie merken, wir GrĂŒne haben grundsĂ€tzlich eine skepti- sche Haltung zum Taser und, wie ich finde, zu Recht. Aber es wird auch nicht besser, wenn wir uns nun den vorgelegten Gesetzentwurf der CDU anschauen. Derzeit fĂ€llt der Taser – er ist ĂŒbrigens geregelt in AusfĂŒhrungs- vorschriften des Gesetzes ĂŒber unmittelbaren Zwang – in die Kategorie Schusswaffe. Dieses wollen Sie nun Ă€n- dern, und ich habe damit ein Problem. Wenn Sie in Ihrem Entwurf gerade hervorheben, dass der Taser statt der Schusswaffe verwendet werden soll, gleichzeitig aber die Anforderungen im Vergleich zur Schusswaffe senken, dann schaffen Sie doch rechtlich genau das, was verhin- dert werden soll, nĂ€mlich die Senkung der Hemmschwel- le zum Einsatz des harmloseren Tasers. Damit konterka- rieren Sie mit Ihrem Gesetzentwurf Ihr eigens formulier- tes Ziel. – Ja, vielen Dank! – Übrigens ist der Taser auch nicht so harmlos. Sechs Menschen, Herr Schreiber hat es auch angesprochen, sind allein in Deutschland seit 2018 durch die Anwendung gestorben. Besonders gefĂ€hrlich ist der Taser beispielsweise bei Menschen unter Einfluss von Alkohol oder Drogen, und das ist ein Dilemma. Das sind genau die Menschen, die im Einsatz nicht ansprechbar sind, die Sie aber, liebe CDU, hier genannt haben, gegen die der Taser in erster Linie eingesetzt werden soll. Das können Sie bis jetzt nicht auflösen. Es ist auch schön und gut, dass Sie in Ihrem Gesetzentwurf den Einsatz gegen Schwangere oder Menschen mit Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems gesetzlich ausschließen wollen. Aber damit stellen Sie unsere Polizistinnen und Polizisten vor eine unlösbare Aufgabe. Wie sollen diese durch Sichtkontakt Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkennen? Vielleicht können Sie diese Techniken – wir gehen ja in die Beratung im Innenausschuss – mal vorfĂŒhren. Ich bin da zumindest sehr gespannt. Man kann sich ĂŒber das FĂŒr und Wider streiten. Wir GrĂŒne sind auch offen fĂŒr die Sachdebatte, aber Schnell- schĂŒsse machen wir nicht, erst recht nicht, wenn es um Waffen geht. Lassen Sie mich zum Abschluss noch sagen: Sie versu- chen, sich hier auch als großer FĂŒrsprecher der Polizei darzustellen, und sind nicht zurĂŒckhaltend, laute Forde- rungen zu erheben. Das sei Ihnen auch unbenommen. Aber wir als Koalition stehen fĂŒr eine evidenzbasierte Innen- und Sicherheitspolitik. Dazu haben wir uns im Koalitionsvertrag verpflichtet, und dem werden wir nach- kommen. Wir sind es, die auf Fakten schauen, die erst abwĂ€gen, bevor wir Entscheidungen treffen. Seien Sie auch versichert, dabei achten wir genauso darauf, dass wir den Polizistinnen und Polizisten die richtigen Mittel und genauso auch die FĂ€higkeiten an die Hand geben, damit sie in ihren EinsĂ€tzen sich selbst und die Berline- rinnen und Berliner bestmöglich schĂŒtzen können. – Ich danke Ihnen fĂŒr die Aufmerksamkeit! Vielen Dank! – FĂŒr die FDP-Fraktion hat der Kollege Jotzo jetzt das Wort.

Karsten Woldeit

Vielen Dank, Herr Kollege! Sie sprachen gerade die Suizidversuche an. Es gibt ja den PhĂ€nomenbereich „Sui- cide by cop“, wobei Menschen sich durch einen Polizis- ten erschießen lassen wollen. In der aktuellen Situation ist es so, dass schlussendlich nur die Schusswaffe bleibt. Stimmen Sie mit mir im Gegensatz zu dem Kollegen Franco ĂŒberein, dass ein Taser in solchen FĂ€llen in der Tat Leben retten kann?

Niklas Schrader

Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Nach so vielen Jahren, in denen ich hier in diesem Haus die Innenpolitik der CDU miterleben durfte, ist mir eins klargeworden: Es gibt so eine Parallelwelt, in der die CDU lebt; in der es Gut und Böse gibt, und dazwischen gibt es eine quasi unfehlbare Polizei, die man tunlichst nicht kritisiert, die immer besonnen, aber mit der nötigen HĂ€rte handelt und das auch stets korrekt, und deswegen sollte man ihr möglichst viele Einsatzmittel geben. Es ist ein bisschen so wie die BullerbĂŒ-Welt bei den GrĂŒ- nen – sorry, liebe GrĂŒne, war nicht böse gemeint; ich fand den Vergleich ganz witzig –. So ist auch die Welt der CDU beim Taser: Da macht ein böser Mensch Probleme, dann kommt die Polizei, dann werden die Probleme und der Mensch niedergestreckt – Fall gelöst, alle glĂŒcklich. Aber wenn wir hier wirklich ernsthaft ĂŒber das Thema diskutieren wollen, muss ich Ihnen schon sagen: So einfach ist die Welt nicht, und das, was Sie hier darstellen, Herr Balzer, hat mit der Wirk- lichkeit nicht viel zu tun. Schauen wir uns das doch mal an. Der Probelauf in Berlin – das ist eigentlich schon gesagt worden – hat nur sehr wenige FĂ€lle: 15, und da sind auch noch die Androhun- gen dabei. Deshalb wird es schwierig, daraus seriöse SchlĂŒsse zu ziehen, auch wahrscheinlich bis Ende des Jahres. Deshalb muss man sich eben auch die Erfahrun- gen mit dem Taser aus anderen BundeslĂ€ndern und auch außerhalb von Deutschland anschauen. Da sieht es schon weniger harmlos aus. Allein in Deutschland gab es in den vergangenen drei Jahren sechs TodesfĂ€lle im Zusammen- hang mit dem Taser. Auch in Berlin gab es schon mal einen: 2005 bei einem SEK-Einsatz ist auch jemand um- gekommen. Kreislaufstillstand, Herzinfarkt, Organversa- gen – das können so die Folgen sein, vor allen Dingen, wenn es Vorerkrankungen gibt, wenn es Konsum von Drogen gab oder Einfluss von Medikamenten. Das kommt vor, und das sind alles Dinge, von denen die Poli- zei im konkreten Einsatz, in der Situation in der Regel nichts weiß. Und da muss ich schon sagen: Der Taser ist kein harmloses Einsatzmittel, sondern das ist eine gefĂ€hr- liche Waffe, und das muss allen bewusst sein, die hier diesen Einsatz fordern. Ich finde es schon bezeichnend, dass die CDU das hier noch nicht mal erwĂ€hnt hat. Sie setzen ja auch noch einen drauf: Sie haben in Ihrem Gesetzentwurf den Taser auf eine Stufe mit dem Schlag- stock gestellt. Damit sinkt die Einsatzschwelle noch wei- ter. Kollege Franco hat es schon gesagt: Sie konterkarie- ren damit Ihr eigenes Ziel. Ich finde es unverantwortlich, das so vorzuschlagen. Das ist verharmlosend. Der Taser – auch das ist ein Irrglaube – fĂŒhrt auch nicht zu weniger Schusswaffengebrauch durch die Polizei. Das sehen wir auch in den USA; das wird dort ja relativ flĂ€chendeckend eingesetzt. In den letzten 20 Jahren, hat die Nachrichten- agentur Reuters zusammengefasst, gab es ĂŒber 1 000 TodesfĂ€lle im Zusammenhang mit dem Taser. In den Niederlanden hat ein Testlauf ergeben, dass der Taser mit der Zeit auch in vielen Situationen genutzt wird, die keinen Schusswaffengebrauch gerechtfertigt hĂ€tten, und oft auch gegen Unbewaffnete eingesetzt wird oder sogar gegen Menschen, die schon unter Kontrolle waren. Es besteht also durchaus die Gefahr, dass ein Gewöhnungseffekt eintritt, die Hemmschwelle immer weiter sinkt. Das ist ein weiterer Grund, warum wir sa- gen: Wir können uns diesen Probelauf in Berlin gerne anschauen, wir können gerne darĂŒber diskutieren, auch ĂŒber Rechtsgrundlagen; aber diese Fakten aus den inter- nationalen Erfahrungen können wir hier nicht ignorieren, die mĂŒssen mit auf den Tisch. Was beim Berliner Probelauf nicht erhoben wird, ist die Frage, ob die Situationen von der Polizei nicht auch an- ders hĂ€tten gelöst werden können. – Herr Jotzo, Sie haben ja behauptet, das zu wissen. Da muss ich Ihnen wider- sprechen. – Fast immer geht es um Menschen, die sich in einem psychischen Ausnahmezustand befinden: psychi- sche Erkrankungen, Drogenkonsum und Ähnliches. Und obwohl jede Polizeidienstkraft in der Ausbildung lernt, dass das Wort die wichtigste Waffe ist – das ist völlig richtig, das stimmt ja auch –, und in ganz vielen FĂ€llen tĂ€glich funktioniert es, reicht das aber in diesen Ausnah- mesituationen eben manchmal nicht. Da ist die Polizei auf sich alleine gestellt und fĂŒr so etwas auch nicht aus- gebildet. Deswegen ist es völlig richtig, dass diese Koali- tion ein Modellprojekt einfĂŒhren will, bei dem multipro- fessionelle Teams mit psychologisch geschultem Perso- nal sofort mit dem Notruf anrĂŒcken und versuchen, sol- che Situationen wie zum Beispiel die am Neptunbrunnen von vornherein zu deeskalieren. Das ist eine Alternative, mit der wir in diesem Land noch viel verbessern können. Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, das wĂŒrden wir flĂ€chendeckend anbieten können. Und ja: Das ist komplizierter, als den Taser abzudrĂŒcken, aber es ist auch weniger risikoreich und gewaltfreier. Die Welt ist eben komplizierter; Berlin ist nicht Polizei- BullerbĂŒ, um es mal so zu sagen. In dem Sinne diskutie- ren wir gerne im Ausschuss ĂŒber den Gesetzentwurf. – Vielen Dank! Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 421 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Vielen Dank! – Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Gesetzesan- trags an den Ausschuss fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ord- nung. – Widerspruch hierzu höre ich nicht – dann verfah- ren wir so. Der zu der laufenden Nummer 3.5 angemelde- te Tagesordnungspunkt wurde bereits vor Eintritt in die Tagesordnung behandelt. Ich rufe auf: lfd. Nr. 3.6 PrioritĂ€t der AfD-Fraktion Tagesordnungspunkt 4 Gesetz zur Änderung des Landesabgeordnetengesetzes Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 16. Februar 2022 Drucksache 19/0179 zum Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, der Fraktion der CDU, der Fraktion Die Linke und der Fraktion der FDP Drucksache 19/0125 Zweite Lesung Der Dringlichkeit haben Sie eingangs bereits zugestimmt. Ich eröffne die zweite Lesung des Gesetzesantrags. Ich rufe auf die Überschrift, die Einleitung, die Artikel 1 und 2 des Gesetzesantrags und schlage vor, die Beratung der Einzelbestimmungen miteinander zu verbinden. – Wider- spruch dazu höre ich nicht. In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion und hier der Abgeordnete GlĂ€ser. – Bitte schön!

Torsten Schneider

Meine Damen und Herren! Manche BeitrĂ€ge werden durch ihre Zerfaserung, Diversifizierung eben in ihrer Zielrichtung ersichtlich. Dass Sie hier das Parlament beschimpfen als eines, das seine Kontrollrechte nicht wahrnimmt, damit letztlich sich selbst, das muss ich aus meiner Erkenntnis nicht nur im Namen der Koalition, sondern mit ganz großer Sicherheit und insbesondere auch im Namen der Opposition, zurĂŒckweisen. Das ist doch albern, mit Verlaub. Das kann man doch nicht ernst nehmen, was Sie da sagen. (Ronald GlĂ€ser) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 423 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Ich bin eher mit einer Berliner Tageszeitung, dem „Ta- gesspiegel“ nicht immer einer Meinung. Normalerweise nenne ich die Zeitung gar nicht, aber ich habe sogar einen ausgeschnittenen Artikel, wie jeder Finanzpolitiker, wie jede Finanzpolitikerin. Der inzwischen in seinen verdien- ten Ruhestand ausgeschiedene Kollege Zawatka-Gerlach hat einmal zum Hauptausschuss etwas geschrieben, und zwar ganz abstrakt. Sie können auch die jeweiligen Re- gierungen fragen. Mein Befund ist – ich bin mit einer Unterbrechung, die wir alle kennen, einer der dienstĂ€ltes- ten parlamentarischen GeschĂ€ftsfĂŒhrer in der Bundesre- publik –: Ich kenne ĂŒberhaupt kein Parlament, das eine so dichte und robuste Kontrollaufgabe und -wahrnehmung ausĂŒbt wie dieses Berliner Abgeordnetenhaus. Wir sind darauf verdammt stolz. Nun haben Sie Ihren Antrag eingebracht. Insoweit nehme ich das auch ernst. Wir mĂŒssen aber darĂŒber reden, wo- rum es Ihnen geht. 90 Prozent ist eine falsche Auslegung einer verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung. Und eine Zeile befasst sich mit der unanstĂ€ndigen DiĂ€tenerhöhung, die Sie in absoluten Zahlen darstellen. Ich sage dazu: Das kritisch zu sehen, das ist legitim, beispielsweise wie die Linksfraktion das kritisch gesehen hat. Aber es unter- scheidet die Linksfraktion von Ihnen ein ernsthafter Ab- wĂ€gungsprozess. Sie sind nicht gezwungen worden, das zu tun, sondern sie haben eine Spendensituation aufge- setzt. Ich persönlich finde das falsch, aber der AbwĂ€- gungsprozess, der dieser Entscheidung zugrunde lag, das trotzdem mitzutragen, ist strukturell. Und dazu sind wir verabredet. Ja, die Verfassungslage – aus gutem Grund – fordert, dass wir im Lichte der Öffentlichkeit unsere eigene Alimentierung und unsere DiĂ€ten diskutieren. Das ist gut. Das tun wir jedes Jahr mit einem bundesweit geĂŒbten Verfahren, das jetzt statistisch umgestellt wurde, in selber Weise wie im Deutschen Bundestag. Die Linken haben aber den Befund, den wir 20 Jahre lang gesehen haben, auch. Wir haben uns nĂ€mlich 20 Jahre – erstens – nicht richtig ernst genommen und – zweitens – dieser Debatte in der Öffent- lichkeit nicht gestellt, bis wir nach Hamburg gefahren sind mit allen parlamentarischen GeschĂ€ftsfĂŒhrern aller Fraktionen. Das war ein bisschen angenehmer, es waren noch die Piraten dabei, die auf Ihren StĂŒhlen saßen; ich habe ja lange Zeit gedacht, schlimmer kann es nicht kommen – na ja, ich hĂ€tte jetzt fast etwas gesagt, das hĂ€tte ich dann hinterher bereut –, und die Befundung war klar. Die Kollegen in Hamburg, die parlamentarischen GeschĂ€fts- fĂŒhrer, kamen zu einem eindeutigen Befund: Das, was ihr da macht, ist kein Parlamentarismus. Daraus haben wir gelernt. Wir haben gesagt: Nein, wir stellen uns der Öffentlichkeit, bekennen uns auch zu unseren DiĂ€ten. – Das fĂŒhrte zu einer Strukturreform – da haben Sie vollkommen recht; es wurde sogar ein Buch ĂŒber uns geschrieben –, indem wir einen großen Schluck aus der Pulle genommen haben, weil wir das 15 Jahre unterlassen und uns nicht getraut haben. Das ist der Grund, warum die Linksfraktion sagt, struktu- rell, wenn es nicht unangemessen ist, muss man das tun, so wie 15 andere Parlamente in diesem Jahr auch, mit Ausnahme von Brandenburg. Deshalb ist es legitim, so zu entscheiden wie die GrĂŒnen. Es unterscheidet aber die Linksfraktion von Ihnen: Da wird eine strukturelle Ab- wĂ€gung vorgenommen und eine echte Haltung imple- mentiert. Das, was Sie tun, ist doch keine Haltung. Das ist rĂŒck- gratloser Populismus. Entnehmen Sie freundlicherweise einer Besonderheit des heutigen Tages unsere – ich meine das sardonisch – WertschĂ€tzung Ihnen gegenĂŒber. Die Besonderheit be- steht darin, dass sich fĂŒnf Fraktionen zu einer Verabre- dung gefunden haben. Das hĂ€ngt nicht mit meiner Positi- on, mit meiner Person zusammen, weil man mir das rhe- torisch mehr zutraut oder sonst etwas – und ich argumen- tiere fĂŒr meine VerhĂ€ltnisse heute ja wahrscheinlich rela- tiv ausgewogen –, sondern einfach mit der Tatsache, dass ich derzeit das Amt des parlamentarischen GeschĂ€ftsfĂŒhrers der grĂ¶ĂŸten Fraktion ausĂŒbe. Ich rede heute also fĂŒr die Linksfrakti- on, ich rede fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, fĂŒr die CDU-Fraktion und fĂŒr die FDP-Fraktion – nicht, weil Paul Fresdorf sich das nicht zutraut, Heiko Melzer vor der Debatte Angst hat oder die Koalitionspartner und die PGFs sich das nicht zutrauen, sondern weil wir Ihnen eine Botschaft senden: Sie sind in der parlamentarischen Demokratie entlarvt, und Sie sind isoliert. – Vielen Dank! (Torsten Schneider) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 424 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Vielen Dank! – Damit haben Sie mir schon vorwegge- nommen, dass es keine weiteren Redeanmeldungen gibt. Zu dem Gesetzesantrag auf Drucksache 19/0125 emp- fiehlt der Hauptausschuss mehrheitlich – gegen die AfD- Fraktion – die Annahme. Wer den Gesetzesantrag gemĂ€ĂŸ der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/0179 an- nehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind die Koalitionsfraktionen, die CDU-Fraktion und die FDP-Fraktion. Gegenstimmen? – Bei der AfD-Fraktion. Enthaltungen gibt es keine. Damit ist der Gesetzesantrag angenommen. Ich darf zur Verlesung der Ergebnisse der Wahlen kom- men, zunĂ€chst: Wahl eines Mitgliedes, eines stellvertre- tenden Mitgliedes der G 10-Kommission des Landes Berlin, Drucksache 19/0038. Auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion entfielen fĂŒr den Abgeordneten Marc Val- lendar – als Mitglied – folgende Stimmen: gĂŒltige Stim- men: 131, ungĂŒltige Stimmen: 1. Ja-Stimmen: 16, Nein- Stimmen: 97, 18 Enthaltungen. Damit ist Herr Vallendar nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied entfielen auf den Abgeordnete Thorsten Weiß bei 131 gĂŒltigen Stim- men und 1 ungĂŒltigen Stimme Ja-Stimmen: 16, Nein- Stimmen: 96. Enthaltungen: 19. Damit ist auch der Ab- geordnete Thorsten Weiß nicht gewĂ€hlt. Zur Wahl des Richterwahlausschusses Drucksa- che 19/0100: Auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD-Fraktion entfielen die folgenden Stimmen: Abgeordneter Val- lendar – gĂŒltig abgegebene Stimmen: 130, ungĂŒltige Stimmen: 2. Ja-Stimmen: 16, Nein-Stimmen: 95, Enthal- tungen: 19. Damit ist Herr Vallendar nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied entfielen auf den Abgeordneten Brousek bei 128 gĂŒltigen Stimmen und 4 ungĂŒltigen Stimmen 16 Ja-Stimmen, 94 Nein-Stimmen und 18 Ent- haltungen. Damit ist auch Herr Brousek nicht gewĂ€hlt. Zur Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz, Drucksache 19/0092: Auf die WahlvorschlĂ€ge der AfD- Fraktion entfielen – als Mitglied – fĂŒr den Abgeordneten Marc Vallendar mit gĂŒltigen 129, ungĂŒltigen 3 Stimmen: Ja-Stimmen: 15, Nein-Stimmen: 96, Enthaltungen: 18. Damit ist Herr Vallendar nicht gewĂ€hlt. Auf den Abge- ordneten Thorsten Weiß entfielen – als stellvertretendes Mitglied – bei 127 gĂŒltigen und 5 ungĂŒltigen Stimmen Ja-Stimmen: 15, Nein-Stimmen: 94, Enthaltungen: 18. Damit ist auch Herr Weiß nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 4 war PrioritĂ€t der AfD-Fraktion unter Nummer 3.6. Ich rufe auf lfd. Nr. 5: Gesetz zur Änderung des Bezirks- verordnetenentschĂ€digungsgesetzes Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 16. Februar 2022 Drucksache 19/0180 zum Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, der Fraktion der CDU, der Fraktion Die Linke und der Fraktion der FDP Drucksache 19/0151 Zweite Lesung Der Dringlichkeit haben Sie eingangs bereits zugestimmt. Ich eröffne die zweite Lesung des Gesetzesantrags. Ich rufe auf die Überschrift, die Einleitung, die Artikel 1 und 2 des Gesetzesantrags und schlage vor, die Beratung der Einzelbestimmungen miteinander zu verbinden. – Wider- spruch höre ich dazu nicht. Eine Beratung ist nicht vorge- sehen. Zu dem Gesetzesantrag auf Drucksache 19/0151 empfiehlt der Hauptausschuss einstimmig – mit allen Fraktionen – die Annahme. Wer den Gesetzesantrag gemĂ€ĂŸ der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/0180 annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind alle Fraktionen. Vielen Dank! Damit ist der Gesetzesantrags so angenommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 6: Hunde-unbĂŒrokratischer-halten-Gesetz Antrag der Fraktion der FDP Drucksache 19/0098 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung des Gesetzesantrages. Eine Beratung ist nicht mehr vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Gesetzesantrags an den Ausschuss fĂŒr Umwelt, Verbraucher- und Klimaschutz. – Wider- spruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 7 steht auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 8: Dreizehntes Gesetz zur Änderung des Allgemeinen ZustĂ€ndigkeitsgesetzes Vorlage – zur Beschlussfassung – Drucksache 19/0153 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung der Gesetzesvorlage an den Ausschuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. – Widerspruch hierzu höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 425 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Ich rufe auf lfd. Nr. 9: Gesetz zum Zweiten MedienĂ€nderungsstaatsvertrag Vorlage – zur Beschlussfassung – Drucksache 19/0183 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung der Gesetzesvorlage an den Ausschuss fĂŒr Engagement, Bundesangelegenheiten und Medien. – Widerspruch dazu höre ich auch hier nicht. Dann können wir so verfahren. Tagesordnungspunkt 10 war PrioritĂ€t der Fraktion der CDU unter Nummer 3.4. Ich rufe auf lfd. Nr. 11: Zweites Gesetz zur Änderung des Landesbeamtenversorgungsgesetzes – Erhöhung der Hinzuverdienstgrenze im Ruhestand Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0166 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung des Gesetzesantrags. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Gesetzesantrags an den Hauptaus- schuss. – Widerspruch hierzu höre ich nicht. Dann kön- nen wir auch hier so verfahren. Ich rufe auf lfd. Nr. 12: Sechzehntes Gesetz zur Änderung des Berliner Hochschulgesetzes – RĂŒckkehr zur Freiheit der Wissenschaft bei der Übernahme von promovierten wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP Drucksache 19/0167 Erste Lesung Die Fraktionen haben sich darauf verstĂ€ndigt, diesen Tagesordnungspunkt zu vertagen. – Widerspruch höre ich auch hier nicht, sodass wir so verfahren können. Ich rufe auf lfd. Nr. 13: Schneller-und-einfacher-Bauen-Gesetz Antrag der Fraktion der FDP Drucksache 19/0173 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung des Gesetzesantrags. Eine Beratung ist auch hier nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Gesetzesantrags an den Aus- schuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. – Wi- derspruch höre ich nicht, sodass wir so verfahren können. Ich rufe auf lfd. Nr. 14: Zweites Gesetz zur Änderung des Berliner Straßengesetzes – Vereinfachung des Erlaubnisverfahrens fĂŒr die Einrichtung von Baustellen Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0177 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung des Gesetzesantrags. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Gesetzesantrags federfĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr MobilitĂ€t. – Widerspruch höre ich nicht – dann verfahren wir so. Die Tagesordnungspunkte 15 bis 23 wurden bereits vor- gezogen nach dem Tagesordnungspunkt 2 behandelt. Die Tagesordnungspunkte 24 bis 26 stehen auf der Konsens- liste. Ich rufe auf lfd. Nr. 27: Nr. 1/2022 des Verzeichnisses ĂŒber VermögensgeschĂ€fte Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 16. Februar 2022 Drucksache 19/0181 zur Vorlage – zur Beschlussfassung – gemĂ€ĂŸ § 38 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Der Dringlichkeit haben Sie bereits eingangs zugestimmt. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Der Hauptausschuss empfiehlt einstimmig mit allen Fraktionen die Zustim- mung zu dem VermögensgeschĂ€ft. Wer dem Vermögens- geschĂ€ft Nummer 1/2022 zustimmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind alle Fraktionen. Damit ist die Zustimmung zu diesem VermögensgeschĂ€ft erfolgt. Ich komme zu (VizeprĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 426 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 lfd. Nr. 28: Nr. 3/2022 des Verzeichnisses ĂŒber VermögensgeschĂ€fte Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 16. Februar 2022 Drucksache 19/0182 zur Vorlage – zur Beschlussfassung – gemĂ€ĂŸ § 38 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Der Dringlichkeit haben Sie ebenfalls bereits eingangs zugestimmt. Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Der Hauptausschuss empfiehlt wiederum einstimmig mit allen Fraktionen die Zustimmung zu dem Vermögensge- schĂ€ft. Wer dem VermögensgeschĂ€ft mit der Num- mer 3/2022 zustimmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind alle Fraktionen. Damit ist die Zustimmung auch zu diesem VermögensgeschĂ€ft erfolgt. Ich rufe auf lfd. Nr. 29: Staatsvertrag zur Änderung des GlĂŒcksspielstaatsvertrags 2021 (Erster GlĂŒcksspielĂ€nderungsstaatsvertrag – 1. GlĂŒĂ„ndStV) Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemĂ€ĂŸ Artikel 50 Abs. 1 Satz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/0154 Von der Vorlage hat das Abgeordnetenhaus hiermit Kenntnis genommen. Die Tagesordnungspunkte 30 und 31 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 32: Dritte Verordnung zur Änderung der Dritten Krankenhaus-Covid-19-Verordnung Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemĂ€ĂŸ Artikel 64 Abs. 3 der Verfassung von Berlin und § 3 des Berliner COVID-19-Parlamentsbeteiligungsgesetzes Drucksache 19/0184 Die Vorlage hat das Abgeordnetenhaus hiermit zur Kenntnis genommen. Vorgeschlagen wird zudem die Überweisung an den Ausschuss fĂŒr Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. – Widerspruch dazu höre ich nicht – dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 33: Zusammenstellung der vom Senat vorgelegten Rechtsverordnungen Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemĂ€ĂŸ Artikel 64 Abs. 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/0176 Die Fraktion Die Linke hat die Überweisung der Zweiten Verordnung zur Änderung der Zehnten Verordnung ĂŒber die förmliche Festlegung von Sanierungsgebieten an den Ausschuss fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen beantragt. Dementsprechend wird verfahren. Im Übrigen hat das Haus von den vorgelegten Rechtsverordnungen hiermit Kenntnis genommen. Ich rufe auf lfd. Nr. 33 A: Bericht 2021 ĂŒber die Beteiligungen des Landes Berlin an Unternehmen des privaten Rechts und an bedeutenden Anstalten des öffentlichen Rechts fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2020 Vorlage – zur Kenntnisnahme – Drucksache 19/0186 Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung der Vorlage an den Hauptausschuss. – Widerspruch höre ich nicht – dann verfahren wir so. Die Tagesordnungspunkte 34 bis 40 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 41: AsylunterkĂŒnfte sind zu nahezu 100 Prozent ausgelastet – Landesaufnahmeprogramm (LAP) fĂŒr Afghanen streichen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0170 Eine Beratung ist nicht mehr vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Integration, Arbeit und Soziales. – Widerspruch höre ich auch hier nicht, sodass wir so verfahren können. Ich rufe auf lfd. Nr. 42: Mit Energiepreisbremse BĂŒrger und Unternehmen entlasten! Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0171 (VizeprĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 427 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Die Fraktionen haben sich darauf verstĂ€ndigt, diesen Tagesordnungspunkt heute zu vertagen. – Ich höre keinen Widerspruch, sodass wir so verfahren können. Tagesordnungspunkt 43 steht auf der Konsensliste. Ta- gesordnungspunkt 44 war PrioritĂ€t der Fraktion der FDP unter der Nummer 3.1. Ich rufe auf lfd. Nr. 45: Strafvollzug in Berlin auf die Höhe der Zeit heben – Baumaßnahmen in JVA Tegel wieder aufnehmen Antrag der Fraktion der FDP Drucksache 19/0175 Eine Beratung ist auch hierzu nicht mehr vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Überweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten, GeschĂ€ftsordnung, Antidiskriminierung. – Ich höre kei- nen Widerspruch, sodass wir so verfahren können. Die Tagesordnungspunkte 45 A und B wurden bereits vor Eintritt in die Tagesordnung behandelt. Meine Damen und Herren! Damit sind wir am Ende unse- rer heutigen Sitzung. Die nĂ€chste Sitzung findet am Don- nerstag, den 10. MĂ€rz 2022 um 10.00 Uhr, statt. Die Sitzung ist damit geschlossen, und ich wĂŒnsche allen einen guten Heimweg. (VizeprĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 428 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Anlage 1 Konsensliste Vorbehaltlich von sich im Laufe der Plenarsitzung ergebenden Änderungen haben Ältestenrat und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Fraktionen vor der Sitzung empfohlen, nachstehende Tagesordnungspunkte ohne Aussprache wie folgt zu behandeln: Lfd. Nr. 7: UnbĂŒrokratische-und-wirtschaftliche-Vergabe- Gesetz (BerlAVG) Antrag der Fraktion der FDP Drucksache 19/0135 vertagt Lfd. Nr. 24: Neustart statt Weiter-so: Berliner Mietenkrise endlich lösen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 14. Februar 2022 Drucksache 19/0155 zum Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0018 mehrheitlich – gegen CDU bei Enthaltung FDP – auch mit Änderung abgelehnt Lfd. Nr. 25: Nach dem Scheitern von „Deckeln“ und „Kaufen“: Neustart in der Wohnungsbaupolitik Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 14. Februar 2022 Drucksache 19/0156 zum Dringlichen Antrag der Fraktion der FDP Drucksache 19/0024 mehrheitlich – gegen CDU und FDP bei Enthaltung AfD – abgelehnt Lfd. Nr. 26: Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ unverzĂŒglich prĂŒfen und entscheiden! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 14. Februar 2022 Drucksache 19/0157 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0064 vertagt Lfd. Nr. 30: Zweite Verordnung zur Änderung der Vierten Pflegemaßnahmen-Covid-19-Verordnung Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemĂ€ĂŸ Artikel 64 Absatz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/0158 an GesPflegGleich Lfd. Nr. 31: Sechste Verordnung zur Änderung der Vierten SARS-CoV-2- Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Vorlage – zur Kenntnisnahme – gemĂ€ĂŸ Artikel 64 Abs. 3 der Verfassung von Berlin und § 3 Satz 1 des Berliner COVID-19- Parlamentsbeteiligungsgesetzes Drucksache 19/0178 an GesPflegGleich Lfd. Nr. 34: Eine Polizei-App fĂŒr Berlin! Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0160 an InnSichO (f) und DiDat Lfd. Nr. 35: Pflegekinder und ihre Familien endlich stĂ€rken! (I) – fĂŒr ein Pflegeelterngeld Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0161 an BildJugFam Lfd. Nr. 36: Hohenschönhausen und Nord-Pankow besser an die Innenstadt anbinden – S 75 verlĂ€ngern Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0162 an Mobil Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 429 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Lfd. Nr. 37: Steuern auf Energie senken! Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0163 an Haupt (f) und WiEnBe Lfd. Nr. 38: Planbarkeit und Sicherheit fĂŒr Berliner Schulen – endlich ein Fahrplan bis zum Ende des Schuljahres Antrag der Fraktion der CDU Drucksache 19/0164 an BildJugFam Lfd. Nr. 39: Tempo 50 auf allen Hauptverkehrsstraßen – Langsamfahrstrecken beseitigen – Verkehr flĂŒssig gestalten! Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0168 an Mobil Lfd. Nr. 40: Einrichtung einer Archivberatungsstelle Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0169 an KultEuro Lfd. Nr. 43: Das Jugendforschungsschiff am Tegeler See nicht untergehen lassen! Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0172 an BildJugFam Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 430 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Anlage 2 BeschlĂŒsse des Abgeordnetenhauses Zu lfd. Nr. 23: Wahl von Mitgliedern des Stiftungsrates der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin (DKLB- Stiftung) Wahl Drucksache 19/0148 Es wurden gewĂ€hlt: auf Vorschlag der Fraktion der SPD: Herr Abg. Raed Saleh auf Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Frau Abg. Silke Gebel auf Vorschlag der Fraktion der CDU: Herr Abg. Kai Wegner Zu lfd. Nr. 27: Nr. 1/2022 des Verzeichnisses ĂŒber VermögensgeschĂ€fte Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 16. Februar 2022 Drucksache 19/0181 zur Vorlage – zur Beschlussfassung – gemĂ€ĂŸ § 38 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Der Bestellung eines Erbbaurechts am GrundstĂŒck Wa- teweg 36, 38, Flur 3, TeilflĂ€che des FlurstĂŒcks 7778 und Flur 4, TeilflĂ€che des FlurstĂŒcks 21/1 in Berlin Marzahn- Hellersdorf mit einer GesamtgrĂ¶ĂŸe von ca. 2 152 mÂČ zu den im Erbbaurechtsvertrag vom 21. September 2021 zur UR-Nr. 755/2021 des Notars Axel Sawal in Berlin ver- einbarten Bedingungen wird zugestimmt. Zu lfd. Nr. 28: Nr. 3/2022 des Verzeichnisses ĂŒber VermögensgeschĂ€fte Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 16. Februar 2022 Drucksache 19/0182 zur Vorlage – zur Beschlussfassung – gemĂ€ĂŸ § 38 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Dem Ankauf des GrundstĂŒcks Kladower Damm 217 – 217 j und Breitehornweg 34 – 48 in Berlin-Spandau zu den im Kaufvertrag vom 15. Dezember 2021 zur UR- Nr. M 1373/2021 des Notars Dr. Wolf-Friedrich Michel in Berlin vereinbarten Bedingungen wird zugestimmt. Zu lfd. Nr. 45 B FĂŒr Frieden in Europa! Dringlicher Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke auf Annahme einer Entschließung Drucksache 19/0191 Wir erklĂ€ren uns solidarisch mit den Menschen in der Ukraine und sind davon ĂŒberzeugt, dass die Entscheidung des russischen PrĂ€sidenten nicht im Interesse der russi- schen Bevölkerung liegt. Im Interesse aller Menschen liegt das friedliche Miteinander ĂŒberall, auch in Berlin. Wir stehen an der Seite der Ukraine in ihren international anerkannten Grenzen. Das Abgeordnetenhaus von Berlin hĂ€lt die Unverletzlich- keit der Grenzen souverĂ€ner Staaten fĂŒr einen Grundpfei- ler der europĂ€ischen Sicherheitsarchitektur, der von nie- mandem zur Disposition gestellt werden darf. Die Aner- kennung der sogenannten Volksrepubliken in der Ukraine durch Russland und die Invasion russischer Truppen in ukrainisches Territorium eskalieren den Konflikt weiter. Wir verurteilen die russische Aggression gegen die Ukra- ine als Verstoß gegen das Völkerrecht und fordern einen sofortigen RĂŒckzug der russischen Truppen. Das Abgeordnetenhaus bittet die Bundesregierung, wei- terhin mit der EuropĂ€ischen Union auf Diplomatie und zivile Konfliktlösung zu setzen. Eine Ausweitung des Krieges mitten in Europa, die zu unendlichem Leid der betroffenen Bevölkerung fĂŒhren wĂŒrde, muss verhindert werden. Wir unterstĂŒtzen die Position der Bundesregie- rung, keine Waffen in die Region zu schicken. Berlin bekennt sich zu seiner Verantwortung zur Auf- nahme von Menschen in Not, die aus dem Krisengebiet fliehen. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 431 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Zu lfd. Nr. 18: Wahl von zwei Abgeordneten und deren Vertreterinnen und Vertretern zu Mitgliedern des Stiftungsrates der Stiftung Berliner Philharmoniker Wahl Drucksache 19/0021 Neu Es wurden gewĂ€hlt: auf Vorschlag der Fraktion der SPD: Frau Abg. Melanie KĂŒhnemann-Grunow als Mitglied Frau Abg. Dr. Ina Czyborra als stellvertretendes Mitglied auf Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Frau Abg. Daniela Billig als Mitglied Frau Abg. Laura Neugebauer als stellvertretendes Mitglied Zu lfd. Nr. 19: Wahl von zehn Abgeordneten zu Mitgliedern des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung sowie zehn Abgeordneten zu stellvertretenden Mitgliedern des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Wahl Drucksache 19/0039 Es wurden gewĂ€hlt: Mitglieder stellvertretende Mitglieder auf Vorschlag der Fraktion der SPD: Frau Abg. Ellen Haußdörfer Frau Abg. Dr. Ina Czyborra Frau Abg. Nina Lerch Herr Abg. Marcel Hopp Herr Abg. Lars DĂŒsterhöft Frau Abg. Bettina König auf Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Frau Abg. Dr. Susanna Kahlefeld Frau Abg. Tuba Bozkurt Herr Abg. Louis KrĂŒger Frau Abg. Aferdita Suka auf Vorschlag der Fraktion der CDU: Frau Abg. Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch Herr Abg. Danny Freymark Frau Abg. Sandra Khalatbari Herr Abg. Christian Goiny auf Vorschlag der Fraktion Die Linke: Frau Abg. Franziska Brychcy Frau Abg. Hendrikje Klein Frau Abg. Claudia Engelmann Frau Abg. Katrin Seidel Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 432 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Zu lfd. Nr. 20: Wahl von sechs Abgeordneten und vier in der Jugendhilfe erfahrenen oder tĂ€tigen Personen, davon eine mit Erfahrung in der MĂ€dchenarbeit, zu stimmberechtigten Mitgliedern des Landesjugendhilfeausschusses und Wahl von weiteren sechs Abgeordneten und vier in der Jugendhilfe erfahrenen oder tĂ€tigen Personen, davon eine mit Erfahrung in der MĂ€dchenarbeit, zu deren Stellvertreterinnen/Stellvertretern Wahl Drucksache 19/0040 Es wurden gewĂ€hlt: I. Abgeordnete Mitglieder stellvertretende Mitglieder auf Vorschlag der Fraktion der SPD: Frau Abg. Ellen Haußdörfer Frau Abg. Sevim Aydin Herr Abg. Marcel Hopp Frau Abg. Dr. Ina Czyborra auf Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Frau Abg. Klara Schedlich Herr Abg. Louis KrĂŒger Frau Abg. Marianne Burkert-Eulitz Frau Abg. Catrin Wahlen auf Vorschlag der Fraktion der CDU: Herr Abg. Roman Simon Frau Abg. Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch auf Vorschlag der Fraktion Die Linke: Frau Abg. Katrin Seidel Frau Abg. Claudia Engelmann II. in der Jugendhilfe erfahrene Personen Mitglieder stellvertretende Mitglieder auf Vorschlag der Fraktion der SPD: Frau Elvira Berndt Herr Karlheinz Nolte auf Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Herr Torsten Wischnewski-Ruschin Frau Irina Stolz auf Vorschlag der Fraktion der CDU: Herr Joachim Stahr Frau Lilia Usik auf Vorschlag der Fraktion Die Linke: Herr Martin Hoyer Frau Christine Keil Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 433 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 Zu lfd. Nr. 21: Wahl von zwölf Personen zu Mitgliedern sowie Wahl von zwölf weiteren Personen zu Ersatzmitgliedern des Kuratoriums des Lette- Vereins – Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/0041 Es wurden gewĂ€hlt: Mitglieder Ersatzmitglieder auf Vorschlag der Fraktion der SPD: Herr Karlheinz Nolte Herr Frank Jahnke Frau Abg. Franziska Becker Herr Andreas Kugler Frau Abg. Dunja Wolff Frau Abg. Ellen Haußdörfer auf Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Frau Abg. Klara Schedlich Frau Abg. Aferdita Suka Herr Abg. Sebastian Walter Frau Abg. Catrin Wahlen Herr Abg. Christoph Wapler Frau Abg. Laura Neugebauer auf Vorschlag der Fraktion der CDU: Frau Abg. Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch Herr Dr. Carsten Buchholz Frau Abg. Sandra Khalatbari Herr Hans-Joachim Pokall auf Vorschlag der Fraktion Die Linke: Frau Abg. Franziska Brychcy Herr Abg. Damiano Valgolio Frau Abg. Claudia Engelmann Herr Abg. Ferat Koçak auf Vorschlag der Fraktion der FDP: Frau Abg. Dr. Maren Jasper-Winter Herr Abg. Paul Fresdorf Zu lfd. Nr. 22: Wahl von zehn Personen zu Mitgliedern sowie Wahl von zehn weiteren Personen zu stellvertretenden Mitgliedern des Kuratoriums des Pestalozzi-Fröbel-Hauses – Stiftung des öffentlichen Rechts Wahl Drucksache 19/0042 Es wurden gewĂ€hlt: Mitglieder stellvertretende Mitglieder auf Vorschlag der Fraktion der SPD: Frau Abg. Dunja Wolff Frau Abg. Dr. Ina Czyborra Frau Abg. Ellen Haußdörfer Herr Abg. Lars DĂŒsterhöft Herr Abg. Marcel Hopp Frau Abg. Sebahat Atli auf Vorschlag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen: Frau Abg. Marianne Burkert-Eulitz Frau Abg. Aferdita Suka Frau Abg. Catherina Pieroth-Manelli Frau Abg. Klara Schedlich Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 434 Plenarprotokoll 19/7 24. Februar 2022 auf Vorschlag der Fraktion der CDU: Herr Abg. Roman Simon Herr Bernhard LĂŒcke Herr Hans-Joachim Pokall Frau Tanja Franzke auf Vorschlag der Fraktion Die Linke: Frau Abg. Katrin Seidel Frau Abg. Claudia Engelmann Frau Abg. Franziska Brychcy Frau Abg. Hendrikje Klein

Sitzung 7 · Radoskop Berlin

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