VollstÀndige Mitschrift der Sitzung 84, 2026-04-23.
Sprach am meisten: Thorsten Weià (6% Wörter). Redner: 70, Wortmeldungen: 147.
Guten Morgen, Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuschauer hier vor Ort, natĂŒrlich insbe- sondere von der Berliner Feuerwehr, aber auch daheim an den EmpfangsgerĂ€ten! Die BeschĂ€ftigten der Berliner Feuerwehr, der Hilfsorganisationen im Rettungsdienst, leisten eine wichtige und unersetzliche Aufgabe fĂŒr unse- re Stadt. HierfĂŒr gebĂŒhrt Ihnen unser aller Dank! HierfĂŒr gebĂŒhrt ihnen aber auch, und das insbesondere, unsere vollste politische UnterstĂŒtzung bei der Schaffung guter Arbeitsbedingungen im Rettungsdienst. Das alles funktioniert nur, wenn wir hier heute, und so viel zur Beschlussfassung nachher vorweggenommen, gemeinsam ein starkes Signal aussenden, wenn wir uns jetzt nicht im Klein-Klein verlieren, so wie es im Innenausschuss pas- siert ist, sondern gemeinsam diesen Weg gehen. Ich sage vorab, dieser Weg ist noch nicht am Ende, aber dieser heutige Entwurf ist ein Meilenstein auf diesem Weg. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8478 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Als schwarz-rote Koalition haben wir bereits 2023 meh- rere wichtige Schritte zur Verbesserung der Situation im Rettungsdienst auf den Weg gebracht. Beispielhaft seien hier die Fahrzeug- und Besetzungsabweichungsverord- nung Rettungsdienst von 2024 oder auch die EinfĂŒhrung von fĂŒnf neuen Notfallkategorien genannt. Diese MaĂ- nahmen haben unstreitig fĂŒr erste dringend notwendige Entlastungen im Rettungsdienst gesorgt. Klar war aber auch, dass eine echte Entlastung des Gesamtsystems notwendig ist, da der Rettungsdienst nicht lĂ€nger Auf- fangnetz fĂŒr alle Lebenslagen sein kann, sondern sich wieder voll und ganz auf seine Aufgabe der Notfallret- tung und der Notfalltransporte konzentrieren muss. Diese Grundlagen schaffen wir heute mit der vorliegen- den vierten Ănderung des Rettungsdienstgesetzes. An diese wichtige Reform haben wir uns als Koalition nicht am grĂŒnen Tisch in der Innenverwaltung, sondern ge- meinsam mit den Akteuren im Rettungsdienst und im Gesundheitswesen, den BeschĂ€ftigtenvertretungen, den Gewerkschaften, dem Landesfeuerwehrverband, der Innenverwaltung und natĂŒrlich auch mit der Berliner Feuerwehr gemacht. In mehreren FachgesprĂ€chen haben wir frĂŒhzeitig Forderungen und Anregungen aus der Praxis aufgenommen. Viele der Punkte und auch die Hinweise aus der Anhörung sind in die vorliegende Fas- sung des Gesetzes eingeflossen. FĂŒr diese engagierte Mitarbeit an der Rettungsdienstreform möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bei allen Beteiligten herzlich bedanken! Mit der vorliegenden GesetzesĂ€nderung sorgen wir fĂŒr eine Konzentration der Feuerwehr auf ihre beiden Kern- aufgaben Notfallrettung und Notfalltransport im Ret- tungsdienst. Das möchte ich gerne an einigen konkreten Punkten noch einmal festmachen. Einsatzmeldungen, die keine akuten NotfĂ€lle sind, sollen kĂŒnftig nicht mehr im Rettungsdienst erledigt werden. Stattdessen können Men- schen gezielt an passende Angebote weitergeleitet wer- den, zum Beispiel an die KV, aber auch an Krankentrans- portunternehmen. So bleibt mehr Zeit fĂŒr echte NotfĂ€lle, bei denen jede Minute zĂ€hlt. Der mutwillige Missbrauch des Notrufs fĂŒr BagatellfĂ€lle oder auch nur als Taxi, als schneller Weg ins nĂ€chste Krankenhaus kann zukĂŒnftig sanktioniert werden. Das Gesetz eröffnet zudem die Mög- lichkeit fĂŒr die EinsatzkrĂ€fte vor Ort, Patienten, die keine NotfĂ€lle darstellen, nach RĂŒcksprache mit dem Ă€rztlichen Leiter an geeignete Versorgungseinrichtungen zu verwei- sen und so den RTW ganz schnell wieder einsatzfĂ€hig zu haben. Auch die EinfĂŒhrung der Möglichkeit der Video- ĂŒbertragung bei der BestĂ€tigung des Notrufes an die Leit- stelle und damit eine prĂ€zise EinschĂ€tzung der Notsituati- on sind Möglichkeiten, um den Rettungsdienst zu entlas- ten und Einsatzmittel gezielt zu disponieren. In FĂ€llen, die nicht eindeutig als Notfall zu kategorisieren sind, kann durch geeignete und qualifizierte EinsatzkrĂ€fte als sogenannte NotSan-Erkunder die Lage vor Ort geprĂŒft werden und so ebenfalls die Notfallrettung frĂŒhzeitig entlastet werden, falls es sich um keinen Notfall handelt. Wir schaffen mit dem vorliegenden Gesetz die Grundlage fĂŒr die Errichtung einer gemeinsamen Krankentransport- leitstelle zur Entlastung des Rettungsdienstes von den Aufgaben der regulĂ€ren Krankentransporte. Diese Leit- stelle ermöglicht eine integrierte Steuerung des Gesamt- systems und entlastet die Feuerwehr. Wir etablieren eine regelmĂ€Ăige Bedarfsplanung als wichtiges Steuerungsinstrument auch fĂŒr uns als Haus- haltsgesetzgeber. Das ist sehr wichtig. Mit einer Innovationsklausel öffnen wir den Rettungs- dienst fĂŒr neue Konzepte. Innovative AnsĂ€tze können so schneller praktisch erprobt und wissenschaftlich evaluiert werden. Und auch bei der Finanzierung bringt das Gesetz mehr Klarheit und Planungssicherheit. Mit der PrĂ€vention als neuer, wichtiger Aufgabe der Berliner Feuerwehr verstetigen wir die bereits in der Praxis durch die Behörde selbst, den Landesfeuerwehr- verband, aber auch viele freiwillige Feuerwehrkameraden gelebte Bildungsarbeit in Schulen und Kitas. Auch das ist sehr wichtig. Auch dafĂŒr gebĂŒhrt ihnen unser Dank! Diese Punkte im vorliegenden Gesetz sind ein wichtiger Schritt zur Entlastung des Rettungsdienstes, die es nun in der Praxis mit Leben zu fĂŒllen gilt. Ich weiĂ, dass sich Innensenatorin Spranger und auch Landesbranddirektor Professor Homrighausen dieser Aufgabe weiterhin enga- giert stellen werden. Dieses vierte Ănderungsgesetz ist aber sicher â das habe ich eingangs schon gesagt â noch nicht das Ziel. HierfĂŒr braucht es weitere flankierende MaĂnahmen, zum Bei- spiel auch bezĂŒglich der VergĂŒtung nicht refinanzierter EinsĂ€tze der Daseinsvorsorge. Wir haben alle die Bilder vor Augen, wo ein RTW hinfĂ€hrt, und dann stellt sich vor Ort raus: Dem Obdachlosen geht es nicht gut, es ist aber kein Notfall. Man kann ihm helfen, oder er will nicht mitfahren. Das sind EinsĂ€tze, Leerfahrten, die derzeit nicht bezahlt werden. Wir haben aber auch FehleinsĂ€tze, wo dann am Ende gar keiner mehr da ist, wo das Ret- tungsmittel durch Passanten alarmiert wird, und am Ende ist dort niemand mehr. Auch da fĂ€hrt der RTW leer zu- rĂŒck, wird nicht vergĂŒtet. Diese Leerfahrten, diese Ein- sĂ€tze ohne Erfolg â zum GlĂŒck ohne Erfolg, weil es eben kein Notfall ist â fĂŒhren insbesondere bei den Hilfsorga- nisationen zu finanziellen Unterdeckungen. Sollte sich hier keine kurzfristige Einigung mit den Kassen ergeben, sind wir als Gesetzgeber gefragt. So viel Ausblick will ich schon mal geben. Also ganz klar: Das ist ein wichtiger Schritt, den wir heute gehen. Lassen Sie ihn uns gemeinsam gehen! Las- sen Sie uns gemeinsam dieses Signal an die BeschĂ€ftigten (Alexander Herrmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8479 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 im Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr und der priva- ten Hilfsorganisationen aussenden, dass wir an ihrer Seite stehen, dass wir ihre Problemlagen erkennen und gemein- sam daran arbeiten! Das ist der richtige Weg. Sich heute hier in Phantomdebatten zu verlieren, gebietet, glaube ich, dieses Thema nicht. â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege Herrmann! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat jetzt der Kollege Franco das
Frau PrĂ€sidentin! Lieber Kollege Franco! Ich muss Sie daran erinnern: Wir sind hier wieder im Plenarsaal und nicht mehr auf dem GrĂŒnenparteitag. Diese markigen Worte, dieses VerkĂ€mpfen: Ich verstehe, dass Sie im Wahlkampf dieser Versuchung nicht wider- stehen konnten, aber ich habe in meiner Rede ausdrĂŒck- lich versucht, dafĂŒr zu werben, diesen Schritt â und ich habe ganz klar gesagt: Es ist ein Weg, und wir sind noch nicht am Ende â gemeinsam zu gehen. Ich glaube, gerade als GrĂŒnenfraktion, die bis 2023 hier regiert hat, wo dieses Thema Rettungsdienstgesetz â â Sie haben eben in entwaffnender Ehrlichkeit gesagt, dass Sie sich bis dato gar nicht damit beschĂ€ftigt haben, erst, nachdem das Thema dann in allen Medien war. Das (Vasili Franco) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8481 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 spricht jetzt nicht unbedingt fĂŒr Sie oder vielleicht doch, die Ehrlichkeit auf jeden Fall. Aber Fakt ist doch: Wir machen, Sie haben nur geredet, und insofern ist es doch richtig. Ich hĂ€tte eigentlich erwartet â so war es ja im Innenaus- schuss â, dass Sie genau zuhören beim Thema Katastro- phenschutzgesetz. Da sind wir auch am Liefern, das wird kommen. Das haben Sie gehört, das wollen Sie hier heute noch einmal darstellen â vielen Dank dafĂŒr! Aber ich hĂ€tte eigentlich erwartet, Ihren groĂen Punkt im Innen- ausschuss heute noch einmal zu hören, dass Sie gesagt haben, Sie wollen eine Ănderung in dem vorliegenden Gesetzesentwurf, damit garantiert ist, dass die Rettungs- einsĂ€tze diskriminierungsfrei angenommen werden. Sie haben damit die Berliner Feuerwehr, die Bediensteten der Berliner Feuerwehr unter Generalverdacht gestellt â ohne Not, ohne Basis. Das ist unverschĂ€mt, und das gehört doch auch zur Ehrlichkeit dazu, wenn Sie sich hier als Retter mit Herz fĂŒr den Rettungsdienst aufspielen! Vielen Dank! â Dann hat der Kollege Franco die Gele- genheit zur Erwiderung.
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Lieber Kollege Herr- mann! Selbst auf GrĂŒnenparteitagen reden wir inhaltlich. Das, was Sie hier gerade abgeliefert haben, war alles, nur kein einziges inhaltliches Argument. Mit dem GrĂŒnen- Bashing kommen Sie vielleicht auf dem CDU-Parteitag durch, aber nicht hier im Parlament! Jetzt schauen wir einmal: Was haben Sie denn geliefert? Ich habe anerkannt, dass viele gute Sachen in diesem Gesetz sind. Da Sie uns vorwerfen, wir hĂ€tten all das nicht gemacht: Ich weise gern noch einmal darauf hin, dass wir bereits im Dezember 2022, im Jahr des Aus- nahmezustands, ein groĂes Positionspapier und auch schon einen GesetzesĂ€nderungsantrag verfasst hatten, in dem genau die Punkte stehen, die diese Koalition nach drei Jahren aufgegriffen hat â aber eben gut gemeint und schlecht gemacht. Herr Herrmann! Ich lasse es mir auch nicht wegnehmen, ein Gesetz zu kritisieren, das den Ret- tungsdienst eben nicht so entlastet, wie es ihn entlasten sollte. Lassen Sie mich auch noch einmal ganz deutlich sagen: Dass unsere Behörden diskriminierungsfrei arbeiten, ist doch unser gemeinsames Ziel. Dieses Ziel hat selbst Frau Senatorin Spranger im Innenausschuss bekrĂ€ftigt. Wenn Sie nun kommen, dass wir hineinschreiben, dass der Rettungsdienst auch diskriminierungsfrei arbeiten soll und die Strukturen entsprechend ĂŒberprĂŒft, evaluiert und angeschaut werden, wenn das Standard in der Aufgaben- beschreibung ist, wie es ĂŒbrigens auch mehrfach die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts festge- stellt hat, auch fĂŒr den Bereich der Gesundheitsversor- gung: Gerade wenn es um das Leben von Menschen geht, gerade dann muss der Staat sicherstellen, dass niemand in dieser Stadt diskriminiert wird, sondern dass alle die gleiche Hilfe erhalten. Ja, Herr Herrmann, dafĂŒr stehe ich ein! Ja, das kann man auch im Gesetz regeln. Aber was man regelt, sollte man auch einhalten. Dass gerade die CDU sich nur an Recht und Gesetz hĂ€lt, wenn es ihr gerade passt, dĂŒrfen dieses Parlament und diese Stadt zur GenĂŒ- ge beobachten. Ich nehme an, am 20. September erhalten Sie dafĂŒr Ihre Quittung. â Vielen Dank! FĂŒr die SPD-Fraktion hat dann der Kollege Matz das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Vielleicht ist die Reform des Rettungsdienstes eigentlich kein so parteipolitisch aufgeladenes Thema, auch wenn der Kol- lege Franco von den GrĂŒnen sich eben redlich MĂŒhe gegeben hat, es dazu zu machen. Aber diese Reform gehört trotzdem zu den wichtigsten Themen, die wir in dieser Wahlperiode angepackt haben. FĂŒr die meisten Berlinerinnen und Berliner ist der Ret- tungsdienst zwar nichts, was Sie in der Vergangenheit schon einmal gebraucht haben, aber alle wissen: Wenn ich ihn in einer akut lebensbedrohlichen Situation brau- che, dann geht es um alles, dann zĂ€hlt jede Minute. Des- wegen ist die wichtigste Nachricht von allem, was wir seit 2023 als Koalition fĂŒr den Rettungsdienst getan ha- ben: Wenn es wirklich darauf ankommt, in der neu einge- (Alexander Herrmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8482 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 fĂŒhrten Notfallkategorie 1, bei einer lebensbedrohlichen Situation, dann kommt der RTW in durchschnittlich 8,77 Minuten. Vor dieser Reform, vor den Reformschrit- ten, die wir gemacht haben, waren es ĂŒber 11 Minuten. Die Hilfe kommt gut 2 Minuten schneller; das kann ent- scheidend sein. Deswegen haben das Innenressort und wir als Parlament alles gegeben, um die Leistungen des Rettungsdienstes in Berlin zu optimieren. Deswegen investieren wir auch 300 Millionen Euro in die kooperativen Leitstellen von Berliner Feuerwehr und Polizei Berlin â um unter optimalen technischen Bedin- gungen zĂŒgig und prĂ€zise das richtige Einsatzmittel fĂŒr jeden Notruf zu bestimmen und loszuschicken. Diese Aufgabe ist alles andere als trivial. 2,5 Millionen Notrufe pro Jahr gehen in Berlin bei den Rufnummern 110 und 112 ein. Was in dem Zusammenhang nicht gelingen will â so ehrlich mĂŒssen wir sein â, ist, die Zahl der EinsĂ€tze des Rettungsdienstes zu verringern. Wir können kategori- sieren und priorisieren, aber die Zahl liegt wahrscheinlich auch dieses Jahr wieder leicht ĂŒber dem letzten; sie steigt an. Das passiert in einer wachsenden und alternden Stadt, aber in jedem Fall ist es fĂŒr die Mitarbeitenden im Ret- tungsdienst schwierig. Vielleicht ist es nicht wirklich ein Trost, dass wir im VerhĂ€ltnis zur Bevölkerungszahl dabei deutlich unter Hamburg liegen; feststellen kann man es aber zumindest einmal. Entscheidend fĂŒr die Mitarbeitenden der Berliner Feuer- wehr und der Hilfsorganisationen ist daher, dass wir die KapazitĂ€ten und die Ausbildung optimieren. Die Ausbil- dungsoffensive kommt gut voran. Seit die SPD Verant- wortung im Innenressort trĂ€gt, hat sich die Zahl der Aus- zubildenden bei der Berliner Feuerwehr auf ĂŒber 900 verdoppelt, viele davon zum NotfallsanitĂ€ter oder zur NotfallsanitĂ€terin. Sehr wichtig fĂŒr die Zukunft des Rettungsdienstes ist es, technische Möglichkeiten zĂŒgig zu nutzen. Die telemedi- zinische Beratung der RettungskrĂ€fte durch eine Ărztin oder einen Arzt, die oder der gar nicht vor Ort sein muss, ist ein wichtiges Instrument. Auch die Möglichkeit, zwi- schen Leitstelle und Anrufer nicht nur mit Worten, son- dern auch mit einer Videoaufschaltung die Lage und die Dringlichkeit abzuklĂ€ren, gehört dazu. Daher haben wir die gesetzliche Grundlage genau dafĂŒr mit diesem Ret- tungsdienstgesetz geschaffen. Die Bedarfsplanung und PrĂ€vention muss man vielleicht nicht zwingend gesetzlich regeln. Wir tun es aber trotz- dem, um damit auch zu verankern, dass wir als Parlament heute und in der Zukunft von der Innenverwaltung erwar- ten, dass sie dieses tut. Wir haben als Parlament auf Diskussionen reagiert und haben noch VerĂ€nderungen angebracht. Also war die parlamentarische Beratung des Rettungsdienstgesetzes alles andere als vergebens. Das Gesetz enthĂ€lt jetzt eine ErmĂ€chtigungsgrundlage fĂŒr eine Rechtsverordnung zur nĂ€heren Bestimmung ĂŒber die Einrichtung, den Betrieb und die Aufgaben von Krankentransportleitstellen. Das ist einer der Punkte, die wir als Koalitionsfraktionen sinnvoll finden, aber bei dem wir die Notfallreform des Bundes zur Umsetzung noch abwarten mĂŒssen. Das er- möglicht jetzt, darauf noch zu reagieren. Unser Gesetz soll auch dazu fĂŒhren, dass einfache Kran- kentransporte nicht durch teure und knappe Rettungswa- gen durchgefĂŒhrt werden. Die Berliner Feuerwehr darf am Ende nicht der Notnagel fĂŒr alles sein, sondern muss sich mit Johannitern, Maltesern, DRK und ASB zusam- men auf die Rettung im Notfall konzentrieren können. â FĂŒr die anderen Akteure im Rettungsdienst wichtig ist auch, dass wir im Gesetz versuchen, die Streitigkeiten um Entgelte abzukĂŒrzen. Die Dauer von Schiedsverfahren soll begrenzt, vor allem aber die Festlegung vorlĂ€ufiger Entgelte ermöglicht werden. Die finanziellen FĂ€higkeiten aller Akteure, auf die endgĂŒltige Festsetzung jahrelang zu warten, dĂŒrfen schlieĂlich nicht ĂŒberschĂ€tzt werden. In einem Gesundheitssystem, in dem KostentrĂ€ger und LeistungsempfĂ€nger nicht identisch sind, nicht sein kön- nen, gilt es immer wieder, gegen Fehlanreize anzukĂ€mp- fen. Es besteht immer wieder die Gefahr, dass ein Akteur dem anderen ein Problem einfach vor die TĂŒr stellt. Ak- tuell sollte man sich deswegen davor hĂŒten, einen Einsatz des Rettungsdienstes nicht zu vergĂŒten, wenn er nicht zu einem Verkehr in die Rettungsstelle eines Krankenhau- ses fĂŒhrt. Der Fehlanreiz, dass die Rettungsstellen der KrankenhĂ€user dadurch unnötig zusĂ€tzlich belastet wĂŒr- den, steht klar im Raum und ist am Ende auch nicht im Sinne der KostentrĂ€ger. Und so hĂ€tte es eine Reform der Notfallversorgung auf der Bundesebene erfordert, manche weitere unserer Vor- stellungen umzusetzen. Diese Reform ist noch nicht da, auch wenn sie gestern im Bundeskabinett beschlossen wurde. Da Reformen im Gesundheitswesen aber selten unbeschadet durch den Bundestag kommen und manche Lobby schon die Messer wetzt bei der Notfallreform, konnten wir darauf nicht warten. Wir wollten unsere Rettungsdienstreform jetzt machen. Deshalb kann es natĂŒrlich passieren, dass wir relativ bald noch auf weitere Dinge reagieren mĂŒssen im Rettungsdienst; die Gesetz- gebung hört halt nicht auf. Insgesamt können wir aber damit zufrieden sein, was die Koalition hier im Abgeordnetenhaus zusammen mit der Innenverwaltung und der Berliner Feuerwehr erreicht hat. Die kurze Wahlperiode von 2023 bis jetzt haben wir gut genutzt fĂŒr die Rettung von Berlinerinnen und Berlinern in gesundheitlichen NotfĂ€llen. Das ist das, was unterm Strich bleibt und was wir die letzten drei Jahre erreicht haben. â Vielen Dank! (Martin Matz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8483 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die Linksfraktion hat der Kollege Schrader das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Krise des Rettungsdienstes ist nicht mehr tĂ€glich in den Schlagzeilen, aber sie ist immer noch da. Immer noch wird die Versorgung nur aufrechterhalten, weil die vielen EinsatzkrĂ€fte der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen dauerhaft am Limit arbeiten und manchmal auch darĂŒber. Ich muss sagen, ich habe groĂen Respekt dafĂŒr. Deshalb können wir uns hier nur allesamt dafĂŒr bedanken, dass die RettungskrĂ€fte jeden Tag trotz aller Widrigkeiten dafĂŒr zur VerfĂŒgung stehen. Auch wenn dieser Gesetzentwurf, der heute abgestimmt wird, einige Verbesserungen enthĂ€lt, wird die schwierige Situation im Rettungsdienst auch auf absehbare Zeit so bleiben. Denn das strukturelle Problem, das wir haben, bleibt bestehen. Wir haben eine strukturelle Unterversor- gung im Gesundheitssystem, und darĂŒber mĂŒssen wir heute auch reden. Wenn die Menschen im Kiez keinen Termin beim Haus- arzt bekommen, es keine niedrigschwelligen Angebote am Wochenende oder abends gibt, dann rufen die Men- schen eben die 112. Insofern erfĂŒllen die BeschĂ€ftigten im Rettungsdienst auch eine Aufgabe, fĂŒr die sie eigent- lich gar nicht aufgestellt sind, nĂ€mlich als Auffangnetz fĂŒr die Löcher eines zunehmend ökonomisierten Gesund- heitssystems. Das ist das Grundproblem, mit dem wir es zu tun haben. Solange wir das nicht lösen, wird auch ein noch so effizientes Rettungsdienstgesetz nur Symptome bekĂ€mpfen. Ich will aber trotzdem erst mal zu den positiven Punkten im Gesetzentwurf kommen, die es ja gibt. Da sind wir uns einig. Die Effizienz im Rettungsdienst muss steigen; dafĂŒr tut der Gesetzentwurf auch einiges. Da haben wir einige MaĂnahmen von Anfang an unterstĂŒtzt. Ich glau- be, bei vielem ziehen wir am gleichen Strang als demo- kratische Fraktionen, seit vielen Jahren, ĂŒber die ver- schiedenen Koalitionen hinweg. Dass wir endlich eine gesetzlich verankerte Bedarfsplanung bekommen, war lange fĂ€llig. Die Einbindung von ehrenamtlichen KrĂ€ften unter bestimmten Voraussetzungen ist auch sinnvoll. Die EinfĂŒhrung des NotSan-Erkunders kann auch helfen, unnötige Fahrten des RTW zu verhindern. Die Erpro- bungsklausel kann neue Ideen und auch neue technische Lösungen ermöglichen. Das sind also ein paar wichtige Schritte, die wir auch mittragen. Einige Probleme, die auch in der Anhörung aufgeworfen worden sind, bestehen aber weiterhin. Die Möglichkeit zur Weiterleitung an alternative Versorgungseinrichtun- gen, wie Krankentransport, KV und andere, ist ja erst mal gut und richtig, aber â Kollege Franco ist auch schon darauf eingegangen â was da im Gesetz Verweisung heiĂt, ist im Grunde eine Abweisung durch den Ret- tungsdienst. Da mĂŒssen als Erste die Stellen, an die ver- wiesen wird, verbindlich und zuverlĂ€ssig eingebunden sein, und ob das immer gegeben ist und ob das vernĂŒnftig geregelt ist, da kann man schon mal ein Fragezeichen setzen. Zweitens muss klar sein, wer in einem solchen Fall haftet, wenn es mal zu einer FehleinschĂ€tzung kommt. Das kann man nicht auf die BeschĂ€ftigten in der Einsatzleitzentrale oder auf die Notfallsanis abwĂ€lzen. Das ist weiterhin nicht vernĂŒnftig ausdekliniert. Dann kann das eben trotz- dem dazu fĂŒhren, dass sich der RTW im Zweifel wieder um den berĂŒhmten eingerissenen FuĂnagel kĂŒmmern muss, und das will wirklich niemand. Die gemeinsame Leitstelle fĂŒr Rettungsdienst und Kran- kentransport ist klar, das muss weiter das Ziel sein. Da sind wir uns einig. Inwieweit da aber die Krankentrans- porte reguliert werden mĂŒssen, damit sie verbindlich zusammenarbeiten und verbindlich eine MindestkapazitĂ€t vorhalten, ist auch noch offengeblieben. Es gibt also nicht gelöste Probleme, die dieser Gesetzentwurf nicht klĂ€rt oder gar nicht erst adressiert. Deswegen sagen wir: Da sind richtige Schritte drin, aber in einigen Punkten ist er unzureichend. NatĂŒrlich gibt es auch ĂŒber das Gesetz hinaus fĂŒr Feuer- wehr und Rettungsdienst genug zu tun. Die Personalof- fensive, die nur mĂ€Ăig lĂ€uft, wĂŒrde ich sagen, die attrak- tivere Gestaltung der Laufbahnen in der Feuerwehr, Digi- talisierung im Rettungsdienst, mehr Frauen fĂŒr den Beruf bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst zu gewinnen und einiges mehr. Da mĂŒssen wir vorankommen, und da mĂŒssen auch die richtigen Haushaltsmittel zur VerfĂŒgung gestellt werden. Ich sage Ihnen aber auch, selbst wenn wir im Innenbe- reich vorankommen, werden die Entwicklungen in der Gesundheitspolitik das System weiter belasten, und zwar so richtig. Das aktuellste Beispiel dafĂŒr ist die Schloss- park-Klinik. Diese musste kĂŒrzlich schlieĂen, mitsamt der angeschlossenen Rettungsstelle. Da droht die erreich- te Entlastung im Rettungsdienst natĂŒrlich wieder aufge- fressen zu werden. Dann ist gar nichts gewonnen. Weil Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8484 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 der Senat die laufende Krankenhausreform so ziemlich ungesteuert in ihrer intendierten Wirkung â und die in- tendierte Wirkung ist ja auch die SchlieĂung von Kran- kenhĂ€usern â laufen lĂ€sst, mĂŒssen wir damit rechnen, dass weitere Kliniken samt Rettungsstellen vom Netz gehen. Mit immer weniger Rettungsstellen ist klar, was passiert: Sie werden noch mehr zum Flaschenhals im System als jetzt schon, mit den entsprechenden Auswir- kungen natĂŒrlich fĂŒr den Rettungsdienst wie lĂ€ngere Anfahrten, lĂ€ngere Wartezeiten, Mehrbelastung, mehr Ineffizienz. Das, muss man auch sagen, ist das Ergebnis von schwarz-roter Gesundheitspolitik. Deswegen ist die Anforderung an den Senat, dass wir mehr Planung und Verzahnung mit dem Gesundheitsbe- reich und mit der laufenden Krankenhausreform brauchen und keine planlose und ungesteuerte SchlieĂung von Kliniken und Rettungsstellen, sonst sind die ganzen MaĂnahmen, ĂŒber die wir heute reden, wirklich nur noch Kleinkram. Dann fallen die nicht mehr ins Gewicht. Dazu kommt jetzt ganz aktuell noch die im Bund geplan- te Krankenkassenreform, die massive Belastungen fĂŒr die Kliniken bedeuten wĂŒrde. Die Gesundheitssenatorin hat ganz richtig gesagt â das ist jetzt ein Zitat â: âDas wĂ€re die Abrissbirne fĂŒr die stationĂ€re Kran- kenversorgung in Berlin.â Da hat sie recht, und es ist gut, wenn sich der Senat gegen diese Krankenhausreform einsetzt. Es ist aber auch frag- lich, mit welchem Erfolg das passieren wird. Ich finde aber, lieber Senat, da sollten Sie wirklich massiv auf die Barrikaden gehen, und wenn das mit der CDU nicht geht, dann eben ohne. Dabei helfen wir Ihnen gern. Das ist im Interesse der Gesundheit der Berlinerinnen und Berliner. Auch in der ambulanten Versorgung brauchen wir Ver- Ă€nderungen, die den Rettungsdienst entlasten â diese sind auch noch nicht so richtig in Sicht â, weil die Menschen nicht aus SpaĂ an der Freude den Notruf wĂ€hlen und in die Rettungsstellen kommen. Die meisten Menschen haben wirklich gesundheitliche Probleme, auch wenn das Problem ist, dass sie aktuell zu hĂ€ufig an der falschen Stelle aufschlagen. Es ist richtig, sie in das ambulante System zu steuern, wenn das möglich ist. Auch da sind aber die Belastungsgrenzen erreicht. Deshalb braucht es auch hier neue AnsĂ€tze. Da gibt es VorschlĂ€ge, die auf dem Tisch liegen: mehr Notfallpraxen, mehr medizini- sche Versorgungszentren, die interdisziplinĂ€r arbeiten, bessere psychosoziale Versorgung in der FlĂ€che oder AnsĂ€tze wie die Community Health Nurses; schwieriges Wort, ist aber wichtig. Ich finde, und dazu stehen wir: Das sind die wirklichen, die groĂen Herausforderungen im Gesundheitsbereich, die auch fĂŒr den Rettungsdienst relevant sind. Solange wir sie nicht angehen, können wir am Rettungsdienstge- setz herumdoktern, wie wir wollen, aber eine nachhaltige Entlastung erzielen wir nur so. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordne- te WeiĂ jetzt das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Herr Matz hat in der ersten Lesung zu diesem Gesetz hier am Pult einen Satz gesagt, der es wert ist, wörtlich zitiert zu wer- den. Ich zitiere mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin: âDer Ret- tungsdienst in Berlin funktioniert.â â Zitat Ende. So steht es auf Seite 7 125 des Wortprotokolls. So mutig, das zu wiederholen, waren Sie heute nicht, denn die Aussage fiel vor dem Hintergrund, dass die Berliner Feuerwehr selbst fĂŒr das Jahr 2024 meldet: Schutzzielerreichung bei der Notfallrettung 46,8 Prozent, Soll 90 Prozent. Das sind nur die aktuellsten Zahlen, die wir haben. Landesbranddirektor Homrighausen hat im Juli letzten Jahres bei der Vorstellung der Halbjahresbi- lanz selbst angekĂŒndigt, dass 2025 ein neuer Rekord wird, rund 558 000 EinsĂ€tze, und er sagte wörtlich, er werde im nĂ€chsten Jahr wohl wieder hier sitzen und einen neuen Höchststand verkĂŒnden. Es ist bezeichnend, Herr Matz: Weniger als die HĂ€lfte der EinsĂ€tze erreicht das gesetzliche Schutzziel, und Sie stellen sich hier allen Ernstes hin und sagen: âDer Ret- tungsdienst funktioniert.â Den Frauen und MĂ€nnern der Berliner Feuerwehr, der Johanniter, der Malteser, des DRK und des ASB gilt heute unser Dank. Sie halten dieses System am Laufen, nicht wegen, sondern trotz dieses Senats. Sie fahren mit einem ĂŒberalterten Fuhrpark aus sanie- rungsbedĂŒrftigen Wachen in Schichtsystemen, die jede Familienplanung torpedieren, jeden Tag raus und retten Leben. DafĂŒr verdienen sie unser aller Dank und unsere Anerkennung. Wir werden diesem Gesetz heute zustimmen. Ich sage Ihnen auch warum: Erstens, der RĂŒckzug der Berliner Feuerwehr aus dem Regelkrankentransport konzentriert den Rettungsdienst auf seine Kernaufgabe. Das ist ĂŒber- (Niklas Schrader) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8485 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 fĂ€llig. Zweitens, NotSan-Erkunder, appbasierte Ersthelfer und TeleĂ€rzte sind sinnvolle Instrumente. Sie können das reanimationsfreie Intervall verkĂŒrzen und Bagatellein- sĂ€tze filtern. Drittens, der Missbrauchstatbestand in § 21a und der erweiterte Auskunftsanspruch gegenĂŒber Klini- ken setzen ein klares Signal gegen Notrufmissbrauch und unzulĂ€ssige KapazitĂ€tenverlagerung. Das ist konsequente Ordnungspolitik. Viertens, der PrĂ€ventionsauftrag stĂ€rkt die Eigenverantwortung der Bevölkerung und kann mit- telfristig BagatelleinsĂ€tze reduzieren. All dem stimmen wir zu. Unsere Zustimmung ist dennoch mit Kritik verbunden, und die Kritik trage nicht ich vor, die Kritik tragen die Gewerkschaften der EinsatzkrĂ€fte und die Experten aus Ihrer eigenen Anhörung vor. LĂŒcke eins, Personal ohne Verbindlichkeit: Der Rechnungshof hat bereits in seinem Jahresbericht 2022 festgestellt, dass der Berliner Feuer- wehr 1 000 Stellen fehlen. Drei Jahre spĂ€ter legen Sie uns ein Gesetz vor, das dieses Defizit nicht adressiert: keine Personalziele, keine FahrzeugzielgröĂen, keine Ausbil- dungsquoten. Mario Busch von der Gewerkschaft der Polizei hat in der Anhörung am 1. Dezember 2025 wört- lich erklĂ€rt, ich zitiere: âBerlin befindet sich weiterhin in einer Mangel- wirtschaft im Rettungsdienst wie in der Feuer- wehr.â â Zitat Ende. Manuel Barth von der Deutschen Feuer- wehr-Gewerkschaft hat hinzugefĂŒgt, ein Rettungsdienst lasse sich nicht reformieren, indem man ihn aushungere. Stefan Erich von ver.di hat die Bezahlung der Einsatz- krĂ€fte auf den Punkt gebracht: RettungssanitĂ€ter werden in Entgeltgruppe 4 vergĂŒtet, nach seinen Worten âwie jemand, der ⊠in Berlin mit einem kleinen Lkw Obst und GemĂŒse ausfĂ€hrt.â Das ist die WertschĂ€tzung, die Schwarz-Rot den Einsatz- krĂ€ften im Alltag entgegenbringt. Herr Kollege Herrmann! Sie haben in der ersten Lesung gesagt, ich zitiere, Klatschen allein wĂŒrde nicht reichen, Sie als Koalition wĂŒrden jetzt die gesetzlichen Grundla- gen schaffen. Nur: Ihre gesetzlichen Grundlagen enthal- ten keine Personalziele. Sie legen heute also fest, wie die Mangelverwaltung weitergehen soll, nicht, wie der Man- gel behoben wird. LĂŒcke zwei: Bedarfsplanung ohne Handlungspflicht. § 5d sieht einen Bedarfsplan und ein Gutachten vor. Am Ende der Vorschrift steht dann wörtlich: âDie Entscheidung ĂŒber die Feststellung der Be- darfe obliegt der fĂŒr den Rettungsdienst zustĂ€ndi- gen Senatsverwaltung.â Eine unabhĂ€ngige Bedarfsplanung, die die Exekutive nach eigenem GutdĂŒnken ĂŒberschreiben darf, ist keine unabhĂ€ngige Bedarfsplanung. In der Anhörung wurde der Senat dann auch konkret gefragt, ob die Regelung zur Bedarfsplanung und zu den KrankenhĂ€usern eigentlich ĂŒberhaupt mit der Gesund- heitsverwaltung abgestimmt wird. Das war eine, wie ich finde, ziemlich einfache, sachliche Frage. Die Antwort von StaatssekretĂ€r Hochgrebe lautete, ich zitiere: âIch habe die Frage allerdings nicht so ganz ver- standen.â â Zitat Ende. Das ist Ihr Senat. LĂŒcke drei: Verweisung als Scheinsicherheit. Herr Kolle- ge Herrmann, Sie haben in der ersten Lesung an diesem Pult vom â ich zitiere â âberĂŒhmt-berĂŒchtigte eingerisse- ne, eingewachsene Fingernagelâ gesprochen, den die EinsatzkrĂ€fte kĂŒnftig nicht mehr mitnehmen mĂŒssen. Im Ausschuss hat Ihnen Professor Pitz in der Anhörung geantwortet, ich zitiere: âIch glaube, wir sind uns einig, dass der einge- wachsene FuĂnagel in dem Kontext nicht unser Problem ist, sondern unser Problem sind diese dif- fusen Bilder, Menschen, die seit drei, vier Tagen irgendwelche undefinierten Probleme haben.â â Zitat Ende. Sein Urteil zur Regelung in Ihrem Gesetz lautet: âes ist eine Abweisungsregelung.â Sie âvermittelt eine Scheinsicherheit, die real nicht existiertâ. Das heiĂt im Klartext: Der NotfallsanitĂ€ter vor Ort entscheidet, ob er einen Menschen mitnimmt oder nicht. Entscheidet er falsch, haftet er persönlich. Wenn dem Patienten etwas zustöĂt, drohen ihm sogar strafrechtliche Konsequenzen. Das ist eine Verantwortung, die sonst ein ausgebildeter Arzt trĂ€gt. Das kann und sollte niemand leisten mĂŒssen, der kein Arzt ist. LĂŒcke vier: Einnahmen ohne Zweckbindung. Im Jahr 2023 sind dem Land Berlin 1,65 Millionen Euro an Ret- tungsdienstgebĂŒhren entgangen, weil die Feuerwehr von den KrankenhĂ€usern nicht die Daten bekam, die sie fĂŒr die Abrechnung braucht. Genau das löst das Gesetz jetzt. Das ist zu begrĂŒĂen. Dazu kommen allerdings die BuĂ- gelder fĂŒr Notrufmissbrauch. Die Summe ist nach Anga- be im Gesetzesentwurf selbst nicht abschlieĂend ab- schĂ€tzbar. Nur das Gesetz sagt ĂŒberhaupt nicht, wohin dieses Geld flieĂt, denn es flieĂt in den allgemeinen Haushalt zurĂŒck. Keine einzige Vorschrift verpflichtet den Senat, diese Mittel bei der Feuerwehr ankommen zu lassen, bei den EinsatzkrĂ€ften also, die es erwirtschaften. Das heiĂt, das Gesetz fĂŒllt den Haushalt, es behebt aber nicht den Personalmangel. Ich wiederhole die vier Forderungen, die ich in der ersten Lesung am 25. September 2025 hier an dieses Haus ge- richtet habe. Sie sind unverĂ€ndert gĂŒltig, und Sie werden durch Ihre eigene Anhörung Wort fĂŒr Wort bestĂ€tigt. (Thorsten WeiĂ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8486 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Erstens: eine gesetzlich verankerte, verbindliche Perso- nalplanung mit externer Kontrolle, mit Fristen, mit Kon- sequenzen bei NichterfĂŒllung. Zweitens: Zweckbindung aller Mehreinnahmen aus dem Missbrauchstatbestand und dem erweiterten Auskunftsanspruch fĂŒr die Personalge- winnung und Personalbindung im Rettungsdienst. Drit- tens: eine Experimentierklausel mit einem verbindlichen ĂberfĂŒhrungszeitplan fĂŒr erfolgreiche Modelle in den Regeldienst. Viertens: eine klar geregelte Schnittstelle zwischen KassenĂ€rztlicher Vereinigung, Notaufnahmen und Leitstelle mit Sanktionen bei NichterfĂŒllung. Und ich fĂŒge heute einen fĂŒnften Punkt hinzu, den die Gewerk- schaft der Polizei eindringlich fordert: Die 5-Euro- Rettungsdienstpauschale lĂ€uft dieses Jahr aus. Ihr Auslau- fen wĂ€re wörtlich, so die GdP: âdas falsche Signal zur falschen Zeit.â Auch wir fordern eine VerlĂ€ngerung, und wir unterstĂŒtzen die Forderung der Gewerkschaft der Polizei, die Pauschale auf 10 Euro zu erhöhen. Das Geld kommt damit genau da an, wo es gebraucht wird, nĂ€mlich bei den RettungskrĂ€ften. Wir stimmen heute diesem Gesetz zu. Wir tragen die damit erreichbaren Verbesserungen mit. Aber nein, Herr Matz, der Rettungsdienst funktioniert nicht, aber er wird trotzdem weiter Leben retten. Nicht wegen dieses Gesetzes, sondern wegen der Frauen und MĂ€nner, die trotz dieses Gesetzes jeden Tag ausrĂŒcken. â Vielen Dank! FĂŒr den Senat spricht nun die Senatorin fĂŒr Inneres und Sport. â Bitte sehr, Frau Senatorin Spranger! Senatorin Iris Spranger (Senatsverwaltung fĂŒr Inneres und Sport): Sehr verehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Rettungsdienst ist das elementa- re RĂŒckgrat der medizinischen Notfallversorgung in Ber- lin. Die Berlinerinnen und Berliner mĂŒssen sich darauf verlassen können, dass der Rettungswagen kommt, wenn sie in Not sind. Und sie können sich darauf verlassen. Denn heute wollen und werden wir hier die vierte Novel- lierung des Rettungsdienstgesetzes beschlieĂen und schaffen damit die wichtige gesetzliche Grundlage fĂŒr eine sichere Zukunft des Rettungsdienstes in Berlin. Da- mit endet auch ein langer Prozess, der noch vor den heute vorliegenden ĂnderungsvorschlĂ€gen begonnen hat. Wir haben Anfang 2024 bereits eine kleine Novelle des Rettungsdienstgesetzes durchgefĂŒhrt, mit dem die wich- tigsten Weichen bereits damals schon gestellt wurden. Vor allem haben wir den so genannten Rettungswagen-B eingefĂŒhrt, der mit zwei RettungssanitĂ€terinnen und Ret- tungssanitĂ€tern besetzt ist. Seitdem ist es möglich, eine bedarfsgerechte Beschickung der EinsĂ€tze vorzunehmen. Wir schaffen es dadurch, dass die Rettungsmittel fĂŒr die tatsĂ€chlichen lebensbedrohlichen NotfĂ€lle noch verlĂ€ssli- cher zur VerfĂŒgung stehen. Davon profitieren Notfallpa- tientinnen und Notfallpatienten, aber auch Patientinnen und Patienten mit nicht lebensgefĂ€hrlichen Verletzungen. Wir haben auĂerdem in den letzten Jahren die Prozessab- lĂ€ufe in der Berliner Feuerwehr verbessert. Herr WeiĂ! Ich habe eine Rettungsdienstpauschale nicht nur einge- fĂŒhrt, um den enormen Belastungen des Rettungsdienstes Rechnung zu tragen, sondern sie ist auch verlĂ€ngert. Die vierte Novelle des Rettungsdienstgesetzes ist also als ein weiterer Baustein der umfassenden Gesamtmodernisie- rung des Rettungsdienstes zu sehen. Trotzdem haben die Kolleginnen und Kollegen der Berli- ner Feuerwehr weiterhin mit einem hohen und teilweise sogar sehr hohen Einsatzaufkommen zu tun. Das darf man auch nicht verschweigen. Gab es im Jahr 2024 486 213 EinsĂ€tze im Rettungsdienst, waren es 2025 be- reits 508 804 EinsĂ€tze. Der Januar 2026, Sie erinnern sich alle, war der einsatzstĂ€rkste Monat aller Zeiten bei der Berliner Feuerwehr. Die Belastung ist also weiterhin enorm, und ich danke ausdrĂŒcklich allen Kolleginnen und Kollegen, die nimmermĂŒde Tag und Nacht ausrĂŒcken, um fĂŒr uns alle in der Not da zu sein. Das verdient unseren gemeinsamen Respekt und unsere Anerkennung. Respekt und Anerkennung sind wichtig, aber natĂŒrlich auch nicht alles. Wir mĂŒssen auch weiterhin die Struktu- ren verbessern. Ja, es ist richtig. Und, Herr Franco, einen kleinen RĂŒcklauf muss ich jetzt doch machen, es sei mir gestattet. Ich erinnere mich sehr gut an SchlichtungsgesprĂ€che, die die damalige Regierende BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey zwischen Frau Gote, nĂ€mlich der grĂŒnen Gesund- heitssenatorin und mir und Herrn Homrighausen fĂŒhren musste, also mir auf der einen Seite mit Herrn Homrig- hausen und der Gesundheitssenatorin. Wir haben aber mit der vierten Novelle des Rettungs- dienstgesetzes trotzdem ganz klar die Grundlage geschaf- fen fĂŒr einen Rettungsdienst, der den Anforderungen einer wachsenden Metropole wie Berlin auch in Zukunft mehr als nur gerecht wird. Dabei setzen wir an drei Punk- ten an: erstens PrĂ€ventionsarbeit, um die SelbsthilfefĂ€- (Thorsten WeiĂ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8487 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 higkeit der Bevölkerung zu steigern; zweitens Reduzie- rung der vermeidbaren EinsĂ€tze; und drittens Innovation. PrĂ€vention heiĂt fĂŒr uns, wir greifen ein, bevor aus einem Problem ein Notfall wird. Mit dem vorbeugenden Ret- tungsdienst gehen wir genau diesen Schritt. Wir werten EinsĂ€tze systematisch aus und leiten daraus konkrete MaĂnahmen ab. Dazu gehört, den Menschen klar zu vermitteln, wann sie den Hausarzt, den KV-Notdienst oder tatsĂ€chlich die 112 wĂ€hlen sollten. Wir stĂ€rken ge- zielt die Selbsthilfekompetenz, etwa durch Erste-Hilfe- Kurse und PrĂ€ventionsstrategien. Ein einfaches Beispiel: Wer an heiĂen Tagen ausreichend trinkt, verhindert im Zweifel einen Rettungseinsatz und einen Krankenhaus- aufenthalt. Genau darum geht es in der PrĂ€vention: Not- fĂ€lle gar nicht erst entstehen zu lassen. Reduktion bedeutet, den Rettungsdienst von EinsĂ€tzen zu entlasten, die dort schlichtweg nicht hingehören. Baga- telleinsĂ€tze mĂŒssen wir konsequent vermeiden. AuĂer- dem sorgen wir dafĂŒr, dass FĂ€lle direkt in die richtigen Versorgungssysteme gesteuert werden, etwa in die sozi- alpsychiatrische Versorgung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Entlastung der Feu- erwehr von Krankentransporten, die keine medizinischen NotfĂ€lle sind. Hier gilt klar: Wer als Unternehmen in diesem Markt tĂ€tig ist, ĂŒbernimmt Verantwortung. Kran- kentransportunternehmen mĂŒssen die AuftrĂ€ge auch erfĂŒllen. Wir schaffen eine Ăbernahmepflicht, damit sie sich nicht mehr darauf verlassen können, dass die Feuer- wehr schon einspringen wird. Nur im Ausnahmefall darf das noch passieren. Gleichzeitig haben wir Ziele zur Verbesserung des Krankentransportes formuliert. Dazu gehören eine zentrale Rufnummer und Datenschnittstel- len, damit BĂŒrgerinnen und BĂŒrger Krankentransporte einfacher buchen können. Wir ĂŒberlassen es bewusst den Unternehmen, wie sie die Ziele umsetzen, um ihnen die Handlungsfreiheit fĂŒr möglichst effiziente Lösungen zu geben. Gleichzeitig verankern wir die Grundlage fĂŒr Notfallka- tegorien im Gesetz. So erkennen wir oft, ob eine NotĂ€rz- tin oder ein NotfallsanitĂ€ter oder ein RettungssanitĂ€ter gebraucht wird. Und wir steuern EinsĂ€tze intelligent nach Auslastung. Hochdringliche FĂ€lle wie Herzinfarkte oder SchlaganfĂ€lle bekommen jederzeit PrioritĂ€t, wĂ€hrend weniger dringliche EinsĂ€tze auch aus weniger ausgelaste- ten Stadtteilen bedient werden können. Innovation bedeutet schlieĂlich, dem Rettungsdienst die Möglichkeiten zu geben, sich weiterzuentwickeln und auf insbesondere technische Entwicklungen reagieren zu können. Wir haben eine Innovationsklausel geschaffen, die es ermöglicht, neue Konzepte schnell zu erproben. So kann die Berliner Feuerwehr zum Beispiel schneller als bislang mögliche neue Rettungsmittel testen. AuĂerdem haben wir die rechtliche Grundlage fĂŒr eine VideoĂŒber- tragung in die Leitstelle geschaffen. Das Rettungsdienst- gesetz steht dem Notfallvideoanruf nicht mehr im Wege. Mit dem neuen Rettungsdienstgesetz nehmen wir in Ber- lin also vor allem Druck aus dem System und fokussieren den Rettungsdienst auf seine wirkliche Kernaufgabe: die prioritĂ€re Notfallrettung. Mit einer Innovationsklausel haben wir nicht nur auf aktuelle Herausforderungen rea- giert, sondern stellen bereits die Weichen fĂŒr die Zukunft. Lassen Sie mich das noch mal kurz in eine gröĂere Per- spektive einordnen! Erst gestern hat das Bundeskabinett â es wurde heute schon von Herrn Matz gesagt â die Notfallreform be- schlossen. Mir und uns war es gemeinsam wichtig, dass wir unser Berliner Rettungsdienstgesetz unabhĂ€ngig von diesen langwierigen Reformversuchen auf der Bundes- ebene voranbringen. Das haben wir gemeinsam geschafft. Berlin nimmt damit bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Darauf können wir stolz sein. Wir bringen heute eine der gröĂten Reformen des Berli- ner Rettungsdienstes zu einem erfolgreichen Abschluss. Unser Berliner Rettungsdienst ist bereits ĂŒberwiegend auf die sich auf Bundesebene abzeichnenden Strukturen und Ănderungen vorbereitet. Berlin muss sich insbesondere aufgrund der geplanten Neuregelungen im Rettungs- dienstgesetz und aufgrund der bereits bestehenden Pro- jekte unter anderem bei den digitalen Schnittstellen â ich habe es schon gesagt â, der standardisierten Notrufabfra- ge, der Vernetzung mit der KassenĂ€rztlichen Vereini- gung, der Einbindung von digitalen Ersthelfersystemen und so weiter nicht vor den beabsichtigten Ănderungen auf Bundesebene fĂŒrchten. Festzuhalten bleibt: FĂŒr einen resilienten, flexiblen und an die aktuellen sowie zukĂŒnftigen Herausforderungen angepassten Rettungsdienst braucht Berlin das neue Ret- tungsdienstgesetz, unabhĂ€ngig davon, was und wann etwas von der Bundesebene auf uns zukommt. Ich danke Ihnen allen fĂŒr die UnterstĂŒtzung in diesem Vorhaben! Ich meine wirklich allen, und in erster Linie, das darf ich hier sagen, das sei mir gestattet, selbstverstĂ€ndlich mei- nem Haus. Und ich sage es nicht nur zur Polizei, sondern auch zur Feuerwehr, meiner Berliner Feuerwehr. Die Reform ist fachlich fundiert und umfassend mit allen Beteiligten im Rettungsdienst abgestimmt worden. Trotz- dem werden wir selbstverstĂ€ndlich, und das ist heute schon mehrfach angeklungen, wenn es weitere VerĂ€nde- rungen braucht, diese vorlegen, und wir werden es tun. Die Reform steht damit nicht nur fĂŒr die politische Ge- staltungskraft der Koalition, sondern auch fĂŒr eine ge- (Senatorin Iris Spranger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8488 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 meinsame Verantwortung fĂŒr die Berlinerinnen und Ber- liner. â Herzlichen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor, und wir kommen zur Abstimmung der Gesetzesvorlage. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/2658, âViertes Gesetz zur Ănderung des Rettungs- dienstgesetzesâ, empfiehlt der Fachausschuss mehrheit- lich â bei Enthaltung der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒ- nen und der Fraktion Die Linke â die Annahme mit Ăn- derungen. Wer die Gesetzesvorlage gemÀà der Beschluss- empfehlung auf Drucksache 19/3094 annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die CDU-Fraktion, die SPD-Fraktion und die AfD-Fraktion. Gegenstimmen? â Enthaltungen? â Bei Enthaltungen der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, der Linksfraktion und eines fraktionslosen Abgeordneten ist die Gesetzesvorla- ge damit so angenommen. Die Aktuelle Stunde hat damit ihre Erledigung gefunden. Bevor wir zur Fragestunde kommen, darf ich noch einmal DienstkrĂ€fte der Polizei auf der WesttribĂŒne und der Polizeiakademie auf der OsttribĂŒne herzlich begrĂŒĂen! Ich rufe auf lfd. Nr. 2: Fragestunde gemÀà § 51 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Nun können mĂŒndliche Anfragen an den Senat gerichtet werden. Die Fragen mĂŒssen ohne BegrĂŒndung, kurz ge- fasst und von allgemeinem Interesse sein sowie eine kurze Beantwortung ermöglichen; sie dĂŒrfen nicht in Unterfragen gegliedert sein. Ansonsten werde ich die Fragen zurĂŒckweisen. Zuerst erfolgen die Wortmeldungen in einer Runde nach der StĂ€rke der Fraktionen mit je einer Fragestellung. Nach der Beantwortung steht mindestens eine Zusatzfra- ge dem anfragenden Mitglied zu, eine weitere Zusatzfra- ge kann auch von einem anderen Mitglied des Hauses gestellt werden. Es beginnt fĂŒr die CDU-Fraktion der Kollege Haustein. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr gerne wĂŒrde ich vom Senat wissen, wie er die Wirkung des KonnexitĂ€ts- ausfĂŒhrungsgesetzes fĂŒr die Bezirke und die gesamtstĂ€d- tische Steuerung beurteilt. Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr geehrter Herr Abgeordneter, vielen Dank fĂŒr die ĂŒberraschende Frage- stellung! In der Tat hat der Senat vor Kurzem den Entwurf des KonnexitĂ€tsausfĂŒhrungsgesetzes zur Kenntnis genommen und auf den Weg in den Rat der BĂŒrgermeister gebracht, um es dann anschlieĂend, hoffentlich auch zeitnah, bis Ende des Monats zu beschlieĂen, sodass das Parlament vor der Sommerpause Gelegenheit hat, ein ordnungsge- mĂ€Ăes Gesetzgebungsverfahren durchzufĂŒhren. Das ist aber nicht so, dass bis hierher keine Beteiligung des Parlaments stattgefunden hĂ€tte, sondern an der Stelle ganz ausdrĂŒcklich ein Dank fĂŒr die sehr rege, sehr inten- sive, aber auch immer sehr sach- und lösungsorientierte Beteiligung aus den Reihen des Hauses und ebenso ge- richtet an die Kollegen und Kolleginnen aus der Haupt- verwaltung, den Bezirken, die sich hier eingebracht ha- ben, ĂŒber Monate hinweg den Baustein der Verwaltungs- reform zu erarbeiten, der in die ZustĂ€ndigkeit meines Ressorts fiel. Das war die Reform der Bezirksfinanzie- rung, die Verankerung und Umsetzung des KonnexitĂ€ts- prinzips. KonnexitĂ€tsprinzip ĂŒbersetzt heiĂt nichts anderes, als den Grundsatz: Wer bestellt, bezahlt â, in die Berliner Rechts- lage zu ĂŒbersetzen. Wir sind eines der wenigen Bundes- lĂ€nder, das bisher hierzu keine Regelungen getroffen hatte. Das heiĂt nicht, dass wir bisher keine KonnexitĂ€ts- sachverhalte im Rahmen der Bezirksfinanzierung be- leuchtet haben, aber einen klaren, fĂŒr alle transparenten, nachvollziehbaren Entscheidungsprozess, der auch die Beteiligung der Bezirke angemessen sicherstellt und auch nachvollziehbar fĂŒr die Kolleginnen und Kollegen im Abgeordnetenhaus ist, gab es bisher nicht. Insbesondere haben wir uns die MĂŒhe gemacht, noch einige neue Wirkprinzipien im KonnexitĂ€tsausfĂŒhrungsgesetz zu verankern, die, glaube ich, dazu beitragen werden, dass es nicht nur um die Frage von Bezirksfinanzierung geht, sondern insgesamt auch um die Frage, wie wir Aufga- benkritik und Effizienzsteigerungen und Prozessoptimie- rung im Zusammenhang mit insbesondere bezirklichen AblĂ€ufen, soweit sie in den Bereich der gesamtstĂ€dti- schen Steuerung und Verantwortlichkeit von Senatsres- sorts fallen, institutionalisieren. KĂŒnftig wird es so sein, sofern das Gesetz die Zustim- mung des Abgeordnetenhaus und vorher des Senats fin- det, dass in ZustĂ€ndigkeit der jeweiligen Fachverwaltun- gen und im Rahmen von Gesetzgebungsvorhaben, die in (Senatorin Iris Spranger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8489 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 den ZustĂ€ndigkeitsbereich fallen, KostenfolgeabschĂ€t- zungen zu treffen sind und dies auch nicht einseitig ohne infrage gestellt werden zu können, sondern es ist sicher- gestellt, dass es zunĂ€chst einmal KonsensgesprĂ€che mit den Bezirken darĂŒber gibt, ob die KostenfolgeabschĂ€t- zungen auch zutreffen, und es weitere Einigungsmecha- nismen gibt, die dazu fĂŒhren sollen, dass wir uns nicht hinterher in langen Prozessen darĂŒber streiten, ob die AbschĂ€tzungen zutreffend waren. Es gibt bereits Belege dafĂŒr, wie so etwas funktionieren kann. Wir hatten beispielsweise, die Kollegin Iris Spran- ger kennt mein Beispiel, bei der Zentralisierung der Zu- stĂ€ndigkeit des heutigen LEA auch gewissermaĂen im Wege umgekehrter KonnexitĂ€t ermittelt, wie der Auf- wand, der bisher bei den Bezirken geleistet wurde, aus- sah, damit die entsprechende Etatisierung im Einzelplan der Kollegin Spranger stattfinden konnte. Ăhnlich wird es kĂŒnftig in beide Richtungen auch nach der Logik dieses Gesetzes sein. Das ist deswegen sehr wichtig, gerade die umgekehrte KonnexitĂ€t, weil damit eine intrinsische Motivation auch seitens der Hauptverwaltung gesetzt ist, stetig darĂŒber nachzudenken, in welcher Weise man Be- zirke auch von Aufgaben entlastet. Bei der AufgabenĂŒbertragung haben wir das gleiche Wirkprinzip verankert, indem wir gesagt haben, die zu- stĂ€ndigen Senatsverwaltungen sind angehalten, ĂŒber die Bereitstellung zusĂ€tzlicher Ressourcen nachzudenken, oder zu kompensieren, indem sie Aufgaben entlasten oder Aufwand reduzieren. Auch das ist ein sehr wichtiger Motor, um ĂŒber die institutionalisierte Aufgabenkritik stetig ein Fortkommen von Verwaltungsoptimierung und Effizienzsteigerung zu bewirken. Das unterscheidet den Berliner Ansatz von allen anderen Modellen bundesweit. Deswegen bin ich auch noch einmal ausdrĂŒcklich all denjenigen dankbar, die sich bisher auf dem Weg einge- bracht haben. Der Rat der BĂŒrgermeister hat in der ersten Befassung auch sehr positiv reagiert. Ich bin zuversicht- lich, dass die weitere Befassung bis Ende des Monats auch positiv abgeschlossen werden kann, wir dann im Senat einen grĂŒnen Haken setzen und das Thema ins Abgeordnetenhaus bringen. Auch hier bin ich optimis- tisch, weil ich weiĂ, dass fraktionsĂŒbergreifend durch die bisherige Beteiligung in BerichterstattergesprĂ€chen in der Evaluations-AG eine Menge Vorarbeit bereits geleistet wird, auch hier zur Effizienzsteigerung im Beratungsab- lauf beitragen sollte. â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Senator! â Dann geht die erste Nach- frage an den Kollegen Haustein. â Bitte schön!
Ganz herzlichen Dank, Herr Senator, fĂŒr die spontane Antwort! Es ist ein Ziel der schwarz-roten Koalition, dass strenge Aufgabenkritik auch geĂŒbt wird. Es freut mich, dass das auch bei Ihnen mit diesem Entwurf der Fall ist. Meine Frage ist jetzt, was im Gesetzesentwurf fĂŒr den Fall vor- gesehen ist, dass Aufgaben zukĂŒnftig geringer werden und ganz wegfallen und damit beispielsweise Verwal- tungsaufgaben auch abgebaut werden können. Herr Senator Evers, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen herzlichen Dank! â Sie erleben mich zunĂ€chst unerschĂŒtterlich optimistisch in der Frage, dass der dem- nĂ€chst vom Senat zu verabschiedende Aufgabenkatalog bereits eine deutliche Reduktion des Aufgabenkatalogs, wie wir ihn in der Bestandsaufnahme festgestellt haben, bringen wird und das erstaunlicherweise ohne das tat- sĂ€chliche Aufgabenvolumen zu reduzieren, denn Dinge, die bisher doppelt und dreifach erledigt wurden, werden sich dort nur noch einfach wiederfinden. Interessanter wird es tatsĂ€chlich dann im weiteren Fort- gang von Aufgabenkritik, welche dieser AufgabenerfĂŒl- lungen nicht deswegen reduziert werden, weil sie bisher dreifach erbracht wurden, sondern möglicherweise auch dauerhaft wegfallen oder effizienter durchgefĂŒhrt werden können. Genau hier stellt das KonnexitĂ€tsprinzip in der Form, wie wir es in die Gesetzesformulierung gegossen haben, einen wesentlichen Motor dar. Es ist vorgesehen, dass fĂŒr den Fall, dass durch Priorisierung, Umpriorisie- rung, Wegfall von Aufgaben, Effizienzsteigerung und Einsatz von digitaler Prozessoptimierung Ausgleichsme- chanismen verankert sind, die dazu fĂŒhren, dass anschlie- Ăend Ressourcenersparnisse entweder bei neuen Aufga- benĂŒbertragungen angerechnet werden oder auch ohne auslösenden AufgabenĂŒbertragungssachverhalt dazu beitragen können, dass Konsolidierungserfordernisse, wie sie in den EinzelplĂ€nen in den kommenden Jahren defini- tiv zu erwarten sind, auf diese Art und Weise entsprochen werden kann. Auch hier haben wir eine doppelte Motiva- tion einerseits, wenn Aufgaben zwingend zu ĂŒbertragen sind, durch Aufgabenentlastung anstatt durch zusĂ€tzliche Ressourcen Kompensation zu leisten und andererseits im Zusammenhang mit insbesondere der bevorstehenden Konsolidierung dafĂŒr zu sorgen, dass Aufgabenentlastung auch Konsolidierungsbeitrag sein kann, und sich damit materiell aufseiten der Hauptverwaltung auswirkt, aber eben auch positiv aufseiten der Bezirke, die mit den Auf- gaben nicht mehr belastet sind, und positiv insgesamt in der Darstellung der Verwaltungsleistung des Landes Berlin. Denn wir möchten eben so schlank sein, wie es nötig und erforderlich ist, um gut und erfolgreich und leistungsfĂ€hig durch die nĂ€chsten Jahre zu kommen. (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8490 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Insofern glaube ich, dass es lohnenswert war, denn viele dieser Mechanismen sind auch erst durch die Einbezie- hung der Kolleginnen und Kollegen aus dem Parlament und dem intensiven Austausch zwischen Bezirken und Hauptverwaltung auf den letzten Metern ins Gesetz auf- genommen worden. Ich stehe aber aus tiefer Ăberzeu- gung dahinter, denn es war schon wĂ€hrend der Evaluati- onsdiskussion, die wir hatten, immer ein wesentlicher Punkt, dass KonnexitĂ€t in beide Richtungen funktionieren muss, damit das Gesamtkonzept aufgeht. Vielen Dank, Herr Senator! â Die zweite Nachfrage geht an den Kollegen Ziller. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Da im letzten Entwurf, den ich kenne, dieses KonsensgesprĂ€ch, das Sie benannt haben, noch nicht enthalten war oder nicht mehr, und auch so eine kĂŒnstliche Trennung in Bundes-, Europa- und Landesauf- gaben gemacht wird, noch einmal die Frage: Bleibt es dabei, dass am Ende alle Aufgaben in den Katalog aufge- nommen werden sollen und darĂŒber fĂŒr alle Aufgaben, die dann im Katalog stehen, auch das KonnexitĂ€tsausfĂŒh- rungsgesetz, also die PrĂŒfung von Geld, gilt, oder wird es eine Unterscheidung geben, dass BĂŒrgerinnen und BĂŒrger dann erleben werden, dass fĂŒr einzelne Aufgaben die Finanzierung klar ist und bei anderen weiter wie bisher gestritten wird? Herr Senator, bitte schön! BĂŒrgermeister Stefan Evers (Senatsverwaltung fĂŒr Finanzen): Vielen Dank! â Nach meinem VerstĂ€ndnis des LOG BE ist es so, dass es immer einen Zuordnungsakt braucht, egal von woher eine Aufgabenzuweisung das Land Berlin erreicht. Und dieser Zuweisungsakt ist per se ein landes- rechtlicher, der dem KonnexitĂ€tsprinzip unterworfen ist. Insofern bedarf es der ausdrĂŒcklichen Nennung nicht. Das KonnexitĂ€tsprinzip ist in jedem Fall gefragt. Das bedeutet natĂŒrlich umgekehrt, dass wir als Land Berlin ein Interesse daran haben und auch weiterhin gel- tend machen werden, dass die Ăberlegungen, wie wir sie fĂŒr Berlin in unserer Finanzierungsbeziehung zu den Bezirken angestellt haben, auch im Bund und ehrlicher- weise auch auf anderen Ebenen, auch auf europĂ€ischer Ebene sind wir immer wieder erstaunt, welche Aufgaben- zuwĂ€chse uns erreichen, anzustrengen sind. Auf Bundes- ebene ist das Teil des Bundeskoalitionsvertrags. Bisher kann ich es nicht beobachten, dass das besonders leiden- schaftlich ausgefĂŒllt wird, darum an der Stelle: insbeson- dere im Sinne der Kommunen. Es geht mir an der Stelle gar nicht so sehr um die Landesinteressen; wir reden im Bundesrat als LĂ€nderkammer mit und mĂŒssen dann auch dafĂŒr Verantwortung tragen, wenn wir fĂŒr kostentreiben- de, aufwandserhöhende Gesetzesentscheidungen des Bundes die Hand heben, aber die Kommunen haben diese Mitwirkungsmöglichkeit nicht. Deswegen bin ich der festen Ăberzeugung, dass insbesondere fĂŒr die kommuna- len Aufgaben ein KonnexitĂ€tsprinzip dringend und fest zu verankern ist, damit diese Kostenfolgewirkung fĂŒr den Bund die gleiche Motivation schafft, vorher darĂŒber nachzudenken, wie man die notwendige Ressource orga- nisiert oder im gleichen Mechanismus durch die Organi- sation von Entlastungen dafĂŒr sorgt, dass die Kommunen, und in unserem Fall das Land Berlin als Kommune, ins- besondere im Bereich der Bezirke, diese Aufgaben auch wahrnehmen kann. Das ist höchst dringlich, denn wir sehen, in welcher Fi- nanzverfassung sich die Kommunen deutschlandweit befinden. Das betrifft uns nicht nur in Berlin. Als LĂ€nder sind wir uns in dieser Frage sehr einig, dass der Bund hier dringendst zum Handeln aufgefordert ist, um das, was wir als LĂ€nder jetzt flĂ€chendeckend als KonnexitĂ€tsregeln unterschiedlicher Art in Verfassungen und in AusfĂŒh- rungsgesetzen in unseren Kommunalfinanzierungsgeset- zen verankert haben, auch auf Bundesebene in der Fi- nanzbeziehung in Richtung der Kommunen in irgendei- ner Art und Weise zu verankern. Um eine Wirkung zu beschreiben, die das KonnexitĂ€ts- gesetz natĂŒrlich auch auf die Mitwirkung des Landes Berlin im Bundesrat hat: NatĂŒrlich ist es so, wenn es anschlieĂend ein KonnexitĂ€tsprinzip in Berlin gibt, es auch fĂŒr Bundesgesetze zur Anwendung kommt, und die Kolleginnen und Kollegen aufgrund des Sachverhalts, dass ihre eigenen EinzelplĂ€ne zunĂ€chst in der Verant- wortlichkeit dafĂŒr stehen, den entsprechenden Aufwand darzustellen, noch intensiver als bisher darĂŒber nachden- ken, ob kostentreibende oder aufwandssteigernde Ent- scheidungen des Bundes die UnterstĂŒtzung des Landes Berlin erfahren sollten. Das wird sicherlich noch mal zu einer Steigerung der QualitĂ€t von Bundesgesetzgebung beitragen; und das liegt natĂŒrlich in unser aller gemein- samen Interesse. Vielen Dank, Herr Senator! Dann geht die nĂ€chste Frage an die SPD-Fraktion und hier an die Kollegin Aydin. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Ich frage den Senat: Welche mietenpoliti- schen Entwicklungen erwartet der Senat durch die Ein- fĂŒhrung eines Wohnungs- und Mietenkatasters? (BĂŒrgermeister Stefan Evers) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8491 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Herr Senator Gaebler, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren Abgeordne- te! Frau Abgeordnete Aydin! Der Berliner Wohnungs- markt ist bekanntermaĂen sehr angespannt. Wir haben viel Zuzug gehabt, wir haben zu wenig Wohnungsneu- bau. Das sorgt dafĂŒr, dass der Wohnungsmarkt auch bei den Mieten nicht immer das einhĂ€lt, was gesetzlich vor- gegeben ist. Wir sehen, dass Vermieter diese Grundlagen â wie man sie schon bezeichnen kann â ausnutzen. Des- wegen ist zum einen natĂŒrlich eine Erweiterung des be- zahlbaren Wohnraumbestands insbesondere in Berlin dringend nötig. Das geschieht durch den Neubau, den wir mit voraussichtlich rund 80 000 Wohnungen in dieser Legislaturperiode vorantreiben, vor allem auch durch die Ausweitung des stĂ€dtischen Wohnungsbestands und die Förderbedingungen, sodass wir in den letzten Jahren jeweils mehr als 5 000 Sozialwohnungen bewilligen konnten. Auf der anderen Seite geht es aber natĂŒrlich darum, im Bestand sicherzustellen, dass die geltenden Regeln des Mietrechts â Mietpreisbremse, Paragrafen gegen MietĂŒberhöhung und Mietwucher, Orientierung an der ortsĂŒblichen Vergleichsmiete â auch durchgesetzt werden. Hier haben wir ja schon mit der Mietpreisbremse ein Beratungsangebot, ein UnterstĂŒtzungsangebot einge- richtet. Wir unterstĂŒtzen die Bezirke beim Vorgehen gegen Mietwucher, aber trotzdem ist es aus unserer Sicht erforderlich, mehr Transparenz in den Wohnungsmarkt zu bringen. In den vergangenen Jahren haben wir darauf gesetzt, dass der Bund das Vorhaben, ein GebĂ€udekataster mit einem Wohnungskataster auf den Weg zu bringen, auch um- setzt. Deshalb ist es aktuell in der Senatsvorlage des Wohnraumsicherungsgesetzes noch nicht vorgesehen. Der Bund hat nun zum Jahresende deutlich gemacht, dass das erst mal auf Eis gelegt wird und wir perspektivisch nicht darauf setzen können, dass von dort etwas kommt. Wir glauben aber, dass es richtig und wichtig ist, dass wir als Land Berlin einen Ăberblick darĂŒber haben, was ei- gentlich an Wohnungen, in welchem Zustand und mit welchen Vermietungsbedingungen in Berlin vorhanden ist. Die Vermieterinnen und Vermieter, die sich an geltendes Mietrecht halten â und das sind die meisten â, brauchen aus unserer Sicht auch weiterhin vor MaĂnahmen infolge eines Mieten- und Wohnkatasters keine BefĂŒrchtungen haben, aber es ist ein gutes Mittel, um dann wirksam vorgehen zu können, um Mieterinnen und Mieter von Verwaltungsseite unterstĂŒtzen zu können, gegen MietĂŒberhöhung, gegen Wuchermieten vorzugehen, die die Wohnungsnot der Menschen ausnutzen. Das Mieten- und Wohnkataster soll die Verfolgung von Rechtsverstö- Ăen erleichtern und auch prĂ€ventiv dafĂŒr sorgen, dass es gar nicht erst RechtsverstöĂe gibt. Es kann ĂŒbrigens mit der entsprechenden VerknĂŒpfung mit den Regelungen des Mietspiegels und anderem auch dafĂŒr sorgen, dass Vermieter gar nicht erst in die Situati- on kommen, vielleicht auch aus Unwissenheit, eine fal- sche Mieten zu nehmen, denn wir stellen ja bei der Miet- preisprĂŒfstelle fest, dass durchaus die Vermieter, wenn die Mieterinnen und Mieter mit der Bescheinigung der MietpreisprĂŒfstelle zu ihrem Vermieter gehen, dann sa- gen: Okay, dann Ă€ndern wir das. â Teilweise gibt es da tatsĂ€chlich, auch wenn man das nicht so richtig glauben sollte, auch Unwissenheit. Insofern kann das Mietenka- taster auch durchaus eine UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ver- mieterinnen und Vermieter sein, die sich an Recht und Gesetz halten wollen. Vielen Dank, Herr Senator! â Die erste Nachfrage geht an die Kollegin Aydin. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Wie sieht der Zeitplan des Senats fĂŒr die Umsetzung des von der Koalition verabredeten Woh- nungs- und Mietenkatasters aus? Und welche konkreten Schritte plant er? Herr Senator, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau PrĂ€sidentin! Frau Abgeordnete Aydin! Das Gesetz, der Gesetzentwurf, den die Koalitionsfraktionen auf den Weg bringen wollen, sieht vor: Zwölf Monate nach In- krafttreten des Gesetzes sollen die Vermieterinnen und Vermieter die vorgesehenen Angaben melden. Das setzt natĂŒrlich voraus, dass ein entsprechendes Meldeportal eingerichtet ist. Eine AbschĂ€tzung des benötigten Auf- wands fĂŒr Personal und Infrastruktur fĂŒr den Aufbau und Betrieb des einzurichtenden Mieten- und Wohnungska- tasters werden wir zeitnah vornehmen und zur KlĂ€rung der benötigten personellen und technischen Ausstattung bei uns in der Senatsverwaltung auch eine Projektstruktur einrichten, natĂŒrlich in Abstimmung mit den entspre- chenden Kompetenzen, was Digitalisierung und IT- Struktur angeht. Insofern können konkrete MaĂnahmen dann eingeleitet werden, wenn der finale Gesetzentwurf dann auch vom Parlament beschlossen ist, aber wir berei- ten alles so weit vor, dass dann auch die entsprechenden Ausschreibungen fĂŒr den Aufbau und Betrieb dieses Portals vorgenommen werden, und werden dazu dann auch einen Zeitplan prĂ€sentieren. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8492 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Vielen Dank, Herr Senator! â Die zweite Nachfrage geht an die Kollegin Schmidberger. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Ich hĂ€tte noch mal eine Nachfrage. Wir reden ja nicht nur ĂŒber ein Mietkataster, wir reden ja auch ĂŒber ein Wohnungskataster. Wenn ich das jetzt richtig den Medien entnommen habe, hat der Senat oder haben Schwarz-Rot nicht vor, das Thema Eigentumswohnungen beziehungsweise umgewandelte Wohnungen in das Kataster aufzunehmen. Was spricht denn dagegen, Eigentumswohnungen oder auch umge- wandelte Wohnungen ins Kataster aufzunehmen, um EigenbedarfskĂŒndigungen kontrollieren zu können bezie- hungsweise den Betrug, den es ja bei EigenbedarfskĂŒndi- gungen gibt, einzudĂ€mmen? Herr Senator, bitte schön! Senator Christian Gaebler (Senatsverwaltung fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen): Frau PrĂ€sidentin! Frau Abgeordnete Schmidberger! Wir können uns darĂŒber gern noch mal unterhalten, aber mir ist im Moment nicht so prĂ€sent, wie ich Eigenbedarfsan- meldungen fĂŒr Eigentumswohnungen ĂŒber ein Kataster kontrollieren sollte. Ich bin ja fĂŒr VorschlĂ€ge sehr offen, aber ich glaube, da bringen Sie etwas mit rein, was wirk- lich ĂŒber ein Datenportal schwer zu kontrollieren ist. Das ist eine rechtliche Frage, daran sind bestimmte Bedin- gungen geknĂŒpft, und die mĂŒssen jeweils auf den Fall bezogen kontrolliert werden. Hier geht es tatsĂ€chlich darum, ein Mieten- und Woh- nungskataster einzurichten, wo alle vermieteten Woh- nungen in irgendeiner Form auftauchen und mit den Be- dingungen, zu denen sie vermietet werden, damit dann eine entsprechende Kontrolle stattfinden kann, bezie- hungsweise auch eine Selbstkontrolle ermöglicht wird, ob dort die Regelungen, die wir durch Mietpreisbremse, durch Mietspiegel, durch andere gesetzliche Regelungen haben, dann auch eingehalten werden, dass sich die Mie- terinnen und Mieter darauf verlassen können und dass sie von der Verwaltung unterstĂŒtzt werden können, wenn es dort zu Fehlern, Fehlverhalten kommt. Im Moment ist das zivilrechtlich eine Frage zwischen Mieter und Vermieter, wo auch wenig Möglichkeit besteht, vonseiten der Ver- waltung des Landes Berlin einzugreifen. Es soll dadurch auch ermöglicht werden, dass da direkter beraten und unterstĂŒtzt werden kann. Vielen Dank, Herr Senator! Die nĂ€chste Frage geht an die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und hier an den Kollegen Graf. â Bitte schön!
Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Dann stellt sich natĂŒr- lich die Frage, Herr Regierender BĂŒrgermeister, warum Sie schon Konsequenzen gezogen haben in Gestalt der Entlassung von Herrn Friederici. Herr Wegner! Möchten Sie vielleicht heute die Gelegen- heit nutzen, all die Menschen, die sich in unserer Stadt fĂŒr Demokratie und Recht und Gesetz und gegen Antise- mitismus und Diskriminierung einsetzen, um Entschuldi- gung zu bitten und ihnen zu versprechen, dass so etwas wie die CDU- FördergeldaffĂ€re in Ihrer Verantwortung nie wieder vor- kommt? Herr Regierender BĂŒrgermeister! Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner: Frau PrĂ€sidentin! Herr Abgeordneter! Erst mal wĂŒrde ich mir wĂŒnschen, dass das ganze Haus gemeinsam gegen Antisemitismus kĂ€mpft. Das wĂŒrde ich mir wĂŒnschen. Wir haben in dieser Stadt ganz offenkundig ein Problem. Viele JĂŒdinnen und Juden haben Angst in dieser Stadt, mittlerweile mehr und mehr, und ich glaube, es wĂ€re an der Zeit, dass dieses Haus sich uneingeschrĂ€nkt hinter jĂŒdisches Leben stellt und unein- geschrĂ€nkt fĂŒr den Schutz jĂŒdischen Lebens eintritt. Das wĂŒrde ich mir wĂŒnschen, lieber Herr Wesener! Und ansonsten kann ich Ihnen das nur noch mal sagen: Ich glaube, dass es gut ist, dass das Parlament, dass das Berliner Abgeordnetenhaus gerade angesichts der Situati- on, dass es viel zu viele antisemitische Straftaten gibt, Mittel bereitgestellt hat, die wir fĂŒr prĂ€ventive MaĂnah- men, fĂŒr Schutz von jĂŒdischem Leben einsetzen. Das begrĂŒĂe ich. Nun gibt es hier Diskussionen, wie die Verteilung erfolgt ist, welche Nachhaltigkeit die einzelnen Projekte haben. Ich habe, wie es Ihr Kollege Graf schon gesagt hat â â Ich habe immer gesagt, wenn der Bericht vorliegt â und ich habe ja begrĂŒĂt, dass dieser Bericht in Auftrag gege- ben wurde â, sobald dieser Bericht vorliegt, werde ich mir diesen Bericht genau anschauen, und das werde ich, sobald es mir die Zeit erlaubt, heute im Laufe des Tages tun. Vielen Dank, Herr Regierender BĂŒrgermeister! Die nĂ€chste Frage geht an die Linksfraktion und hier an die Kollegin Kittler. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Welche Auswirkungen sieht der Senat auf betroffene Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderung, wenn die unter der Ăber- schrift âEffizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsge- setzenâ von Bundesregierung, LĂ€ndern und kommunalen Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8494 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 SpitzenverbĂ€nden gemachten VorschlĂ€ge umgesetzt wer- den? Herr StaatssekretĂ€r Bozkurt, bitte schön! StaatssekretĂ€r Aziz Bozkurt (Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Die VorschlĂ€ge, die vorliegen, werden aktuell auf Fach- ebene einmal beurteilt. FĂŒr den Jugendbereich wird die Senatorin besser antworten können, aber auch in der Eingliederung sind tatsĂ€chlich VorschlĂ€ge dabei, die die Situation von Menschen mit Behinderung deutlich er- schweren wĂŒrden. Da gibt es Themen wie, dass bei- spielsweise die MobilitĂ€t von jungen Menschen zukĂŒnftig ĂŒber ĂPNV-Ăhnliches geregelt werden soll statt ĂŒber Sonderfahrdienste. Das können wir aktuell fachlich, wie wir die VorschlĂ€ge beurteilen können, nicht unterstĂŒtzen. Die Diskussionen dazu mĂŒssen aber einmal im Detail gefĂŒhrt werden, weil die Berichte auch recht frisch sind und wir es gerade sichten. Vielen Dank! â Dann geht die erste Nachfrage an die Kollegin Kittler. â Bitte schön!
Vielen Dank fĂŒr die erste Antwort! Wer hat denn fĂŒr Berlin in der Arbeitsgruppe mitgearbeitet und dort gegen die Ănderungen von Gesetzen und MaĂnahmen â Sie haben es selber gerade kritisiert â, die bisher fĂŒr Teilhabe und notwendige Hilfen sorgten, Widerspruch erhoben? Herr StaatssekretĂ€r, bitte schön! StaatssekretĂ€r Aziz Bozkurt (Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung): Sehr geehrte Abgeordnete! FĂŒr einen Teil kann ich ant- worten, dass es einen Dialogprozess mit dem Bundesmi- nisterium fĂŒr Arbeit und Soziales gibt. Dort sitzt mein Haus auch dabei. Da gibt es Runden auf Arbeitsebene wie auf StaatssekretĂ€rsebene, da sind wir dabei. Aktuell ist es sehr dĂŒrftig, was wir vom Bund bekommen, weil es tatsĂ€chlich keine konkreten VorschlĂ€ge gibt und alle sich ein bisschen weigern, Butter bei die Fische zu geben, tatsĂ€chlich konkreter zu werden. Auch was wir in den VorschlĂ€gen sehen und was der ParitĂ€tische veröffent- licht hat, ist teilweise sehr interpretationsfĂ€hig, das heiĂt, man könnte es im Positiven wie im Negativen beurteilen. Bei allem, was es an ReformvorschlĂ€gen gibt, die zu einer Effizienz fĂŒhren, zu schnelleren Verfahren fĂŒhren, sind wir sehr stark dabei. Zu dem Prozess im Bundes- kanzleramt kann ich gerade nichts sagen. Vielen Dank! â Die zweite Nachfrage geht an den Kolle- gen Kurt. â Bitte schön!
Vielen Dank an den Senat! â Vielen Dank, Herr Staats- sekretĂ€r! Sie haben das Stichwort effiziente Prozesse angesprochen. Mich wĂŒrde interessieren, wie Sie hier gerade die Situation in den SozialĂ€mtern beurteilen, wo- fĂŒr ja Sie zustĂ€ndig sind, weil wir dort seit Monaten auf die AusfĂŒhrungsvorschrift warten und die SozialĂ€mter in einer katastrophalen Situation sind, die dazu beitrĂ€gt, dass armutsbetroffene Menschen nicht zu ihren Sozialleistun- gen kommen. Herr StaatssekretĂ€r, bitte schön! StaatssekretĂ€r Aziz Bozkurt (Senatsverwaltung fĂŒr Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung): Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Diese Koalition hat mit den SozialĂ€mtern eine Aufgabe ĂŒbernommen, die sehr anspruchsvoll ist, weil die Situation tatsĂ€chlich, wie Sie es beschreiben, in keiner Weise optimal ist. Dementspre- chend sind wir auch dabei, einige Punkte vorzunehmen. Sie haben als Parlament gerade eine Reform bei der ge- samtstĂ€dtischen Unterbringung beschlossen, was das Thema Digitalisierung enorm voranbringt und klare Strukturen bringt. Das heiĂt, wir schauen, wo wir Verfah- ren aktuell selber optimieren können, und sitzen sehr engagiert da dran. Das ist eine Reform, die 2018 begon- nen hat und die wir jetzt auch tatsĂ€chlich durchs Ziel bringen können. Gleichzeitig sind wir auch dabei, das Personalthema anzuschauen. Hier bin ich der Senatsverwaltung fĂŒr Fi- nanzen sehr dankbar. Wir haben wĂ€hrend der Ukrainekri- se schnell helfen können und haben 155 BeschĂ€ftigungs- positionen fĂŒr die Bezirke geschaffen. BeschĂ€ftigungspo- sitionen sind immer zeitlich begrenzt, dementsprechend ist die Einstellungsquote immer sehr schwierig, weil den Menschen dann Perspektiven fehlen. Der Senat schafft hier auch Abhilfe. Wir sind ja gerade am Ende eines Zielvereinbarungsprozesses. Der wird auch beinhalten, diese 155 BeschĂ€ftigungspositionen zu unbefristeten Stellen zu fĂŒhren und Perspektiven zu bieten. Auch das ist eine konkrete MaĂnahme, die den Bezirken hilft. So könnte ich tatsĂ€chlich in vielen Bereichen noch mal dar- stellen, wo wir Effizienzsteigerungen erzeugen wollen. (Regina Kittler) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8495 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Auch mit dem LOG haben wir Instrumente, deutlich besser gesamtstĂ€dtisch zu steuern, und da ist der Wille meiner Verwaltung klar, dass wir diese Verantwortung auch ĂŒbernehmen und umsetzen wollen. Vielen Dank! Dann geht die nĂ€chste Frage an die AfD-Fraktion und den Abgeordneten Tabor. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Kann der Senat ausschlieĂen, dass auch an Berliner Schulen im Rahmen sogenannter Projekte wie zum Beispiel des sozialistischen Verbands Die Falken SchĂŒler mit pornografischen Darstellungen konfrontiert wurden und werden? Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Herr Tabor! Ich höre so einen konkreten Fall jetzt gerade von Ihnen das erste Mal. Den nehme ich gern mit und prĂŒfe ihn. Ich denke, Sie haben in den letzten Wochen sehr deutlich wahrgenommen, welche Haltung ich zum Thema Kinder- und Jugendschutz habe, nicht nur in Klas- senzimmern, sondern auch in Jugendfreizeiteinrichtun- gen. Bei diesem Thema weiche ich von dieser Haltung nicht ab: Werden mir solche FĂ€lle bekannt, werde ich dementsprechend konsequent handeln. Ansonsten haben alle Schulen und alle Jugendfreizeiteinrichtungen â ich wiederhole mich da â die Verpflichtung zu einem Kinder- und Jugendschutzkonzept. Dieses sieht selbstverstĂ€ndlich auch vor, dass die Kinder vor sexualisierter Gewalt und Ă€hnlichen Themen geschĂŒtzt werden mĂŒssen, worunter Ihre Frage fallen wĂŒrde. Ansonsten wĂŒrde ich Sie bitten, dieses Thema direkt bilateral noch einmal mit mir zu be- sprechen. â Danke! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Die erste Nachfrage geht an den Abgeordneten Tabor. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Dann etwas grundsĂ€tzlicher: Nach einem Medienbericht haben Die Falken allein in den letzten drei Jahren mehr als 300 000 Euro vom Senat erhalten, um linke und Transgenderprojekte an Schulen durchzu- fĂŒhren. Wie begrĂŒndet der Senat diese Förderung einer sozialistischen und linksradikalen Organisation? [Heiterkeit bei der SPD, bei den GRĂNEN und der LINKEN â
Das glaubst du ja wohl selber nicht! â Zuruf von Orkan Ăzdemir (SPD)] Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Herr Tabor! Wir leben hier in Berlin, der Stadt der Viel- falt. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in unseren Klassen- zimmern wider. â Herr WeiĂ! Lassen Sie mich doch ganz kurz ausreden. Die Frage kommt ja von einem Ihrer Abgeordneten. â Okay! Wollen wir das ganz kurz â â Also, Sie alle wissen, dass die ZuwendungsempfĂ€nger, die sogenannten TrĂ€ger, auch in der SenBJF einer ganz klaren Kontrolle unterliegen. Es gibt auch bei unseren Zuwendungsempfangenden im Zuwendungsbescheid eine ganz klare Zusatzformulierung, die besagt, sie mĂŒssen sich bei Erhalt der Zuwendung immer daran halten, dass sie grundrechtskonform arbeiten. Wenn solche VorfĂ€lle, wie Sie sie gerade formuliert haben, bekannt werden â da beziehe ich mich auf meine erste Antwort â, werden diese erstens schnell und auch dementsprechend tief geprĂŒft. Ich habe auch in der Vergangenheit â Sie erinnern sich vielleicht an den einen oder anderen Fall in den letzten zwei Jahren, bei denen mir solche FĂ€lle bekannt gewor- den sind â die entsprechenden Konsequenzen gezogen und Zuwendungen gekĂŒrzt, auch in Teilen zurĂŒck- gefordert. Wenn das notwendig ist, werde ich das auch weiterhin tun, auch in dem expliziten Fall. DafĂŒr muss ich das Ganze aber erst prĂŒfen. Vielen Dank! â Dann geht die zweite Nachfrage an den Abgeordneten WeiĂ. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Frau Senatorin! Ihrer Aussage ist zu entnehmen, dass Sie an der fĂŒr dieses Jahr (StaatssekretĂ€r Aziz Bozkurt) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8496 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 vorgesehenen Förderung des genannten Vereins in Höhe von 110 000 Euro festhalten werden. Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Herr WeiĂ! Ich erinnere kurz daran, wer der Haushalts- gesetzgeber ist. Es gibt einen beschlossenen Haushalt. Dieser verpflichtet mich, ihm Folge zu leisten. Dem- entsprechend wird es in meinem Einzelplan, dem Einzel- plan 10, so stehen, und dann wird die Zuwendung â je nachdem, ob der Zuwendungsempfangende den Antrag stellt â auch dementsprechend erfolgen. Vielen Dank, Frau Senatorin! Die Runde nach der StĂ€rke der Fraktionen ist damit been- det. Nun können wir die weiteren Meldungen im freien Zugriff berĂŒcksichtigen. Ich werde die Runde mit einem Gongzeichen eröffnen. Schon mit dem Ertönen des Gongs haben Sie die Möglichkeit, sich durch Ihre Ruf- taste anzumelden. Alle vorher eingegangenen Meldungen werden hier nicht erfasst und bleiben unberĂŒcksichtigt. Ich gehe davon aus, dass alle die Gelegenheit zur An- meldung hatten, und stoppe die Anmeldung. Ich darf Ihnen die ersten zehn Namen in der Reihenfolge, in der Sie sich eingedrĂŒckt haben, verlesen: Es startet der Kollege Dr. Husein; es folgen Herr Tabor, Herr Haustein, Herr Ziller, Frau Kapek, Herr Wansner, Herr Ubbelohde, Herr WeiĂ, Herr Simon und Herr Mirzaie. â Wir starten mit dem Kollegen Dr. Husein. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Ich frage den Senat, wie der aktuelle Stand bei der Umsetzung des Vorhabens fĂŒr mehr Festanstellungen in unseren Berliner Musikschulen ist. Frau Senatorin Wedl-Wilson, bitte schön! Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Da- men und Herren Abgeordnete! Lieber Herr Abgeordneter Husein! Der Bund hat bis Ende 2027 eine vorĂŒber- gehende rechtssichere Ăbergangsregelung fĂŒr die TĂ€tig- keit von HonorarkrĂ€ften an den Berliner Musikschulen geschaffen. Nun bedarf es einer bundesgesetzlichen An- passung, um einen verbindlichen Rahmen fĂŒr die Zeit nach Auslaufen der Ăbergangsregelung vorzugeben. Das ist die Grundlage, auf der wir jetzt arbeiten. Der Haushaltsgesetzgeber hat im letzten Haushalt, also fĂŒr den Doppelhaushalt 2026/2027, 4 Millionen Euro jĂ€hrlich fĂŒr die Bezirke bereitgestellt, um den Anteil von fest angestellten MusiklehrkrĂ€ften zu erhöhen. An dieser Stelle möchte ich mich sehr herzlich bei den Parlamenta- rierinnen und Parlamentariern der Koalitionsfraktionen fĂŒr diese Möglichkeit bedanken. Wir haben alle sehr hart daran gearbeitet, dass wir an dieser Stelle weiterkommen. Auch wenn diese Mittel keine hundertprozentige Fest- anstellungsquote erreichen werden, wird dennoch deut- lich, welch hohen Stellenwert dieser Senat den Musik- schulen beimisst, denn Musikschulen sind nicht nur zen- trale Orte der Nachwuchsförderung, sie sind vor allem entscheidend fĂŒr den niedrigschwelligen Zugang zu kul- tureller Bildung â ein Aspekt, der besonders in unseren AuĂenbezirken von groĂer Bedeutung ist. Die Musik- schulen beziehungsweise die Musikschullehrenden haben auch eine soziale Komponente in ihrer Arbeit: Sie sind oft die wichtigsten Vertrauenspersonen fĂŒr unsere Kinder auĂerhalb der Familie. â Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Dann geht die erste Nachfrage an den Kollegen Dr. Husein. â Bitte schön!
Danke, Frau PrĂ€sidentin! â Ich höre aus meinem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg die besorgniserregende Mel- dung, dass das Bezirksamt â und konkret die Kulturstadt- rĂ€tin und BezirksbĂŒrgermeisterin Herrmann von den GrĂŒnen â die engagierte Musikschulleiterin, die seit Jahr- zehnten als Musikschulleiterin arbeitet, umgesetzt hat, weil diese zu unbequem ist, weil sie die Musikschullehrer gewerkschaftlich beraten hat. Bringt das das Ziel der Festanstellungen in Friedrichshain-Kreuzberg in Gefahr? Frau Senatorin, bitte schön! (Thorsten WeiĂ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8497 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Da- men und Herren Abgeordnete! Lieber Herr Abgeordneter Husein! Ganz kurz vielleicht zum Verfahren: Die Festan- stellungen im Umfang von bis zu 180 Vollzeit- Ă€quivalenten in den Bezirken sind dieser wichtige Schritt, den das Parlament ermöglicht hat. Dazu ist meine Staats- sekretĂ€rin Kerstin Richter-Kotowski in engem Austausch mit den Bezirken und mit der Senatsverwaltung fĂŒr Fi- nanzen, um ein geeignetes Verfahren fĂŒr die Umsetzung der Festanstellungen abzustimmen. Der Verteiler- schlĂŒssel zwischen den Bezirken orientiert sich am jewei- ligen Anteil der angebotenen Unterrichtseinheiten. Jetzt zu Ihrer konkreten Frage: Ich bitte um VerstĂ€ndnis, dass ich mich hierzu nicht Ă€uĂern kann. Wie soeben aus- gefĂŒhrt, ist die StaatssekretĂ€rin in engem Austausch mit den Bezirken, um ein Verfahren zu finden fĂŒr die Um- setzung der Festanstellungen. Es ist unsere Aufgabe ge- wesen, einen Rahmen zu schaffen, der Verantwortung und vor allem das Agieren innerhalb der jeweiligen Be- zirke möglich macht. â Danke schön! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Die zweite Nachfrage geht an den Kollegen KrĂŒger. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Frau Senatorin! Sie haben gerade ausgefĂŒhrt, dass Ihre StaatssekretĂ€rin gera- de noch in Absprache zu einem Verfahren ist. Bedeutet das, dass von den 4 Millionen Euro, die jetzt im Haushalt eingestellt sind, bisher noch keine einzige Festanstellung in den Bezirken umgesetzt wurde? Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Lieber Herr Abgeord- neter KrĂŒger! Soweit ich weiĂ, ist man immer noch dabei, dieses Verfahren aufzustellen. Es ist ja komplex. Es geht darum, die vorhandenen Kompetenzen zu sichern, ge- wachsene Bindungen zu erhalten. Aber es geht vor allem darum, eine faire und transparente Stellenvergabe zu gewĂ€hrleisten. Ich denke, das ist in unser aller Interesse, auch im Interesse aller MusikschullehrkrĂ€fte. Da ist man noch dabei. â Danke schön! Vielen Dank, Frau Senatorin! Dann geht die nĂ€chste Frage an den Abgeordneten Tabor. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Die Leitung des Humboldt-Forums hat den Vertrag mit dem Förderverein Berliner Schloss e. V. ĂŒber die Nutzung von RĂ€umen im Forum ĂŒberraschend nicht verlĂ€ngert. Wie bewertet der Senat diesen Umgang mit dem Förderverein, der immerhin sage und schreibe 110 Millionen Euro an Spenden eingeworben hat, mit denen die Fassade des Stadtschlosses weitgehend rekon- struiert werden konnte? Frau Senatorin Wedl-Wilson, bitte schön! Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Lieber Herr Abgeord- neter Tabor! Wir haben selbst von diesem Vorgang aus der Presse erfahren, und wir prĂŒfen das derzeit intern. Insofern bin ich im Moment nicht in der Lage, Ihnen darauf eine ganz konkrete Antwort zu geben. Das kann ich gerne schriftlich nachreichen. â Danke! Dann geht die erste Nachfrage an den Abgeordneten Tabor. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Berlin ist doch nicht zuletzt aufgrund seiner von der Politik herbeigefĂŒhrten, angespannten Finanzlage auf bĂŒrgerliches Engagement angewiesen, und diese Partizipation wird vom Senat mit der Engage- mentstrategie auch ausdrĂŒcklich verfolgt. Wie vertrĂ€gt sich damit dieses Verhalten des Humboldt-Forums ge- genĂŒber dem Förderverein? Wenn Sie das auch nach- reichen möchten, auch gerne, klar! Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Auch das wird mitein- flieĂen in unsere Antwort. Wie Sie wissen, ist mein Haus auch fĂŒr den gesellschaftlichen Zusammenhalt zustĂ€ndig, auch fĂŒr bĂŒrgerschaftliches Engagement. NatĂŒrlich be- grĂŒĂen wir als Senat wie auch das ganze Abgeordneten- haus das bĂŒrgerschaftliche Engagement, das in groĂem Umfang in unserer Stadt vorhanden ist. Wir mĂŒssen dafĂŒr Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8498 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 sorgen, dass das auch umgesetzt werden kann. Wir sind froh ĂŒber jeden, der sich auf diese Art und Weise enga- giert. Wie gesagt, ich weiĂ von diesem Fall konkret im- mer noch zu wenig und fĂŒhre das dann in meiner schrift- lichen Antwort aus. â Vielen Dank! Vielen Dank, Frau Senatorin! â Die zweite Nachfrage geht an den Abgeordneten Ubbelohde. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Frau Senatorin! WĂŒrden Sie sich denn dann gegebenenfalls als Berliner Senat bei Kulturstaatsminister Weimer fĂŒr den Verbleib dieses sehr engagierten Fördervereins im Stadtschloss einsetzen? Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Lieber Herr Abgeord- neter! SelbstverstĂ€ndlich werden wir alles daran setzen, um bĂŒrgerschaftliches Engagement in unserer Stadt zu fördern. Wir sind als Land Berlin an der Stiftung Hum- boldt Forum im Berliner Schloss beteiligt. Wir haben dort einen Sitz. SelbstverstĂ€ndlich stimmen wir uns auch mit dem Bund ab, wie die Vorgehensweisen innerhalb der Einrichtung sind. Sie hören von mir dazu. â Danke! Vielen Dank, Frau Senatorin! Die nĂ€chste Frage geht an den Kollegen Haustein. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Meine Frage bezieht sich auf den kommenden Samstag. Da findet der 11. Tag der offenen TĂŒr in der Berliner Kindertagespflege statt, und ich wĂŒrde gerne wissen, wie der Senat bewertet, wie die aktuelle Entwicklung und Bedeutung der Kinderta- gespflege in Berlin ist. Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Sehr geehrter Herr Haustein! Vielen Dank fĂŒr diese Fra- ge! Ich freue mich sehr, dass der Tag zur Kindertages- pflege erneut stattfindet. Ich werde diesen auch rege nutzen und verschiedene Einrichtungen besuchen. Wir haben unsere Verantwortung in den letzten Jahren wahr- genommen. Das ist mir ein sehr groĂes Anliegen, die Kindertagespflege tatsĂ€chlich auch noch mal in der Ăf- fentlichkeit darzustellen und dementsprechend aufzuwer- ten. Ich bin dem Parlament und den Fraktionen sehr dankbar, dass es gelungen ist, tatsĂ€chlich dort die finanzi- elle UnterstĂŒtzung dementsprechend im Einzelplan des vorliegenden Doppelhaushaltes abzubilden. Was mich auch besonders freut, ist, dass es ab dem kommenden Kitajahr 2026/27 möglich sein wird, dass wir die Kindertagespflegestellen auch ĂŒber unseren Kitanavigator mit abbilden und damit den Berliner Fami- lien ein ehrliches, transparentes und gleichwertiges An- gebot zur VerfĂŒgung stellen werden, in dem wir in jedem Bezirk und in jedem Kiez darlegen werden, wo es noch offene Kindertagespflegestellen gibt. Vielen Familien ist das nicht bewusst. Viele kennen unsere sehr guten Kitas, die wir im Land Berlin haben. Aber selbstverstĂ€ndlich haben wir auch diese wunderbare Einrichtung der Kinder- tagespflege. Insbesondere fĂŒr die ganz Jungen in unseren Familien, die gegebenenfalls Kinder vor dem ersten Ge- burtstag und innerhalb des ersten Lebensjahres abgeben wollen, scheint das immer eine sehr geeignete Wahl zur Betreuung und fĂŒr die frĂŒhkindliche Bildung zu sein. Deswegen haben wir sowohl im finanziellen Bereich den Kolleginnen und Kollegen Rechnung getragen als auch tatsĂ€chlich der Ăffentlichkeitsarbeit, in der wir sie als gleichwertiges Angebot ĂŒber unseren Kitanavigator kĂŒnf- tig abbilden werden. Vielen Dank! â Die erste Nachfrage geht an den Kollegen Haustein. â Bitte schön!
Auch dafĂŒr vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Und auch an die Senatorin: Sie haben unsere Mittel schon im Haushalt angesprochen. Jetzt wĂŒrde ich gerne wissen, welche MaĂnahmen der Senat denn plant, um die Kindertages- pflege in Berlin strukturell weiterzuentwickeln und dau- erhaft zu stĂ€rken. Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich wĂŒrde das gern noch mal mit Zahlen hinterlegen. Zur StĂ€rkung der Kindertagespflege wurden fĂŒr die Haus- haltsjahre 2024 und 2025 bereits vom Berliner Abgeord- (Senatorin Sarah Wedl-Wilson) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8499 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 netenhaus 2 Millionen Euro pro Jahr zusĂ€tzlich bereitge- stellt und ebenso eine Erhöhung der Obergrenze des Mietkostenzuschusses bewilligt. Eine weitere finanzielle StĂ€rkung der Kindertagespflege erfolgte ab dem 1. Januar 2025 durch die Erhöhung der Entgelte der betreuenden Personen bis zu 5 Prozent fĂŒr ein ganztagsbetreutes Kind. Die Kindertagespflege, und auch das freut mich, wird zudem im Rahmen unserer Kitaausbauprogramme geför- dert, sodass weiterhin â â Und wir haben nach wie vor immer noch Kieze, wo ein Bedarf an BetreuungsplĂ€tzen besteht. Auch wenn wir in einigen Bezirken und Kiezen tatsĂ€chlich davon sprechen, dass wir inzwischen dem Elternwahlrecht gerecht werden, haben wir in anderen, insbesondere in den Randlagen, immer noch einen Be- darf, zu bauen und PlĂ€tze zu schaffen. Deswegen war es mir auch wichtig, dass wir im Rahmen unseres Kitaaus- bauprogramms auch kĂŒnftig die Kindertagespflegestellen damit finanzieren und schaffen werden. Vielen Dank, Frau Senatorin! â Dann geht die zweite Nachfrage an den Kollegen Haustein.
Frau PrĂ€sidentin, herzlichen Dank! â Auch noch mal herzlichen Dank an die Frau Senatorin! Angebote machen ist immer gut, aber die mĂŒssen auch wahrgenommen werden. Deswegen die Frage, wie der Senat die vielfĂ€lti- gen Angebote der Kindertagespflege denn öffentlich bekannt macht. Frau Senatorin, bitte schön! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrter Herr Abge- ordneter! Ich hatte den Kitanavigator schon angespro- chen. Das ist tatsĂ€chlich das öffentliche Instrument, das wir haben, das heiĂt, die Sichtbarkeit zu erzeugen. Das hat es in der Vergangenheit nie gegeben. Im Kitanaviga- tor sind bisher ausschlieĂlich KindertagestĂ€tten abgebil- det gewesen, kĂŒnftig, wie gesagt ab August dieses Jahres, auch Kindertagespflegestellen, also sogenannte Tages- mĂŒtter und TagesvĂ€ter, wie sie gerne auch genannt wer- den. Gleichzeitig haben wir sowohl letztes Jahr als auch dieses Jahr eine Imagekampagne geplant beziehungswei- se mit dem Verband der Kindertagespflegeeltern auch schon durchgefĂŒhrt, was explizit von den Personen ge- wĂŒnscht war, um tatsĂ€chlich auch im öffentlichen Raum â â Das heiĂt, wenn Sie sich wieder durch Berlin bewegen, in welchem Fortbewegungsmittel auch immer, werden sie kĂŒnftig wieder unsere Kampagne und unsere Werbemittel sehen, um auf diese Form der Betreuung und der frĂŒhkindlichen Bildung aufmerksam zu machen. Vielen Dank, Frau Senatorin! Die nĂ€chste Frage geht an den Kollegen Ziller. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Ich frage: Wie lange schauen sich der Senat und der Regierende BĂŒrgermeister als fĂŒr Digitali- sierung zustĂ€ndiger Senator die ungenĂŒgende Zusam- menarbeit bei der IKT-Steuerung in der Senatskanzlei mit dem ITDZ noch an, bevor endlich wirksame BemĂŒhun- gen zur Deeskalation im Sinne der Digitalisierung der Berliner Verwaltung und der Berlinerinnen und Berliner unternommen werden? Herr Regierender BĂŒrgermeister, bitte schön! Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner: Frau PrĂ€sidentin! Herr Abgeordneter, vielen Dank fĂŒr die Frage! Ja, das ITDZ ist der zentrale IT-Dienstleister des Landes Berlin. Gemeinsam mit dem ITDZ arbeiten wir daran, Berlin mit einer modernen, digitalen Verwaltung auszustatten und das Onlineservicedienstleistungsangebot fĂŒr die Berlinerinnen und Berliner zu erhöhen. Zur Wahr- heit gehört aber auch, und ich glaube, das ist ja auch jedem im Hohen Hause bekannt, dass das ITDZ vor gro- Ăen Herausforderungen steht. Deshalb ist es gut, dass der Senat am letzten Dienstag mit Beschluss dafĂŒr gesorgt hat, dass der Verwaltungsrat wieder komplettiert und damit auch wieder handlungsfĂ€hig ist. Ich erwarte jetzt vom Verwaltungsrat, dass er sich mit der Situation im ITDZ beschĂ€ftigt, ĂŒbrigens nicht nur mit der finanziellen Situation, auch, aber nicht nur mit der finanziellen Situa- tion, und das im Verwaltungsrat VorschlĂ€ge erarbeitet werden, denn dafĂŒr ist der Verwaltungsrat auch da, wie das ITDZ strukturell leistungsfĂ€hig aufgestellt werden kann. Auch da bin ich sehr gespannt, wie sich der Ver- waltungsrat hier in den nĂ€chsten Wochen mit dieser Thematik auseinandersetzen wird. Vielen Dank, Herr Regierender BĂŒrgermeister! â Dann geht die erste Nachfrage an den Kollegen Ziller. â Bitte schön!
Meine Nachfrage: Werden Sie sich auch aktiv fĂŒr eine DeeskalationsbemĂŒhung einsetzen? Wir haben in der (Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8500 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Vergangenheit erlebt â gar nicht erst seit der Berufung des neuen CEO, sondern schon eine ganze Weile â, dass die Konflikte eher zunehmen und eskalieren. Die Frage ist, ob der eine Personenwechsel oder die zwei im Ver- waltungsrat wirklich ausreichen oder ob es nötig ist, dass der Regierende BĂŒrgermeister auch mal als Digitalisie- rungssenator eingreift, damit wir endlich diese Baustelle gelöst bekommen und das ITDZ im Zusammenspiel mit der Berliner Verwaltung und der IKT-Steuerung wieder funktioniert. Herr Regierender BĂŒrgermeister, bitte schön! Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner: Frau PrĂ€sidentin! Herr Abgeordneter! Ich will noch mal sagen: Ich glaube, dass der Verwaltungsrat genau der Ort ist, wo notwendige Entscheidungen identifiziert, herbei- gefĂŒhrt und dann auch getroffen werden mĂŒssen. Ich erwarte auch, dass die Personen, die im Verwaltungsrat arbeiten, die Verantwortlichen, an diesen Herausforde- rungen gemeinsam arbeiten, um dem ITDZ eine Struktur zu geben, die das ITDZ vollumfĂ€nglich handlungsfĂ€hig macht, und noch einmal: nicht nur finanziell, Herr Ziller; aber Sie kennen die Situation sehr genau. Sollte das nicht funktionieren, wird sich der Regierende BĂŒrgermeister selbstverstĂ€ndlich darum kĂŒmmern. Aber ich erwarte jetzt erst mal, dass die Personen, die Verantwortung tragen, diese Verantwortung ĂŒbernehmen, und ich werde genau beobachten, ob das funktioniert. Vielen Dank! â Die zweite Nachfrage stellt der Abgeord- nete Lux. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Herr Regierender BĂŒrgermeister! Als Unternehmer schlieĂt man gerne VertrĂ€ge mit der öffent- lichen Hand, weil die am Ende zahlt. Jetzt liest man in der Zeitung, dass aufgrund fehlender Zahlungen des Se- nats an eine landeseigene Gesellschaft beziehungsweise eine AöR, innerhalb der öffentlichen Hand ernsthaft das Szenario da ist, dass das ITDZ pleitegeht, die Löhne nicht zahlen kann, Schulden nicht bedienen kann, und Sie er- zĂ€hlen hier irgendwas von VerwaltungsrĂ€ten. Die Frage ist doch: Was unternehmen Sie, damit Menschen in dieser Stadt, die jeden Tag Leistung erbringen, auch von der öffentlichen Hand bezahlt werden und das Vertrauen in sie haben? Bitte schön, Herr Regierender BĂŒrgermeister! Sie haben das Wort. Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner: Frau PrĂ€sidentin! Herr Abgeordneter! Jeder Unternehmer, der eine Rechnung bezahlt, lieber Herr Lux, prĂŒft vorher, ob sie sachlich richtig ist. Genau diese PrĂŒfung findet gerade statt. Das machen Unternehmer, und das machen wir auch. Vielen Dank! Die nĂ€chste Frage stellt die Abgeordnete Kapek. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Herr Wegner, ich habe noch mal eine Frage an den Senat und auch an Sie: Wa- rum wurde Herr Friederici, der einzige AmtstrĂ€ger in der Kulturverwaltung, der sich bis zuletzt gegen die politi- sche Einflussnahme Ihrer Parteifreunde und die rechts- widrige Vergabe von öffentlichen Fördermitteln, sprich LHO, zur Wehr gesetzt hat, gestern entlassen, obwohl Sie hier gerade behauptet haben, Sie könnten keine Konse- quenzen ziehen, solange Sie den Bericht des Rechnungs- hofes noch nicht gelesen haben? Warum wurde er trotz- dem entlassen? Bitte schön, Frau Senatorin Wedl-Wilson! Sie haben das Wort! Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Frau Abgeordne- te Kapek, danke fĂŒr die Frage! Sie geben mir die Mög- lichkeit, mich an dieser Stelle bei StaatssekretĂ€r a. D. Oliver Friederici sehr herzlich fĂŒr die dreijĂ€hrige TĂ€tig- keit in der Kulturverwaltung zu bedanken. Er war zuvor viele Jahre als Parlamentarier in diesem Hohen Haus. Wir haben im Moment zwei Sachverhalte im Raum, einerseits einen Entwurf eines Rechnungshofberichts. Ich habe den Bericht noch nicht bekommen. Mir wurde ge- sagt, er wird mir morgen zugestellt. Ich höre, dass es vielleicht frĂŒher sein könnte, aber ich habe den Endbe- richt noch nicht. Andererseits haben wir einen Untersu- (Stefan Ziller) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8501 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 chungsausschuss, der von Ihnen eingesetzt worden ist, in den ich geladen werden soll und wo ich Ihnen Rede und Antwort stehen werde. Ich höre, dass das Ende Mai sein wird. ZurĂŒck zum Entwurf des Rechnungshofberichts: Dieser liegt mir seit einiger Zeit vor. Auch wenn der Endbericht noch nicht da ist und ich den noch nicht gelesen habe, ist der Entwurf fĂŒr mich ein hinreichender Grund, unverzĂŒg- lich die Empfehlungen des Rechnungshofes umzusetzen. Der Berichtsentwurf beinhaltet Erwartungen, die ich mit meinem Haus erfĂŒllen und Empfehlungen, denen ich folgen möchte. Mein persönlicher Anspruch ist es, dieses Ziel möglichst noch fĂŒr die Bescheide fĂŒr das Förderjahr 2026 zu realisieren. FĂŒr die Realisierung dieser besonderen Aufgabe, die mir vom Rechnungshof gestellt worden ist, brauche ich ein starkes Team. Ich habe mit der KulturstaatssekretĂ€rin Cerstin Richter-Kotowski bereits eine ehemalige Be- zirksbĂŒrgermeisterin in mein Team geholt, die groĂes Fachwissen ĂŒber die Verwaltung und die Zusammenar- beit zwischen Senat und Bezirk hat. Sie ĂŒbernimmt dort sehr viele Themen. FĂŒr den Bereich Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist es jetzt von Ă€uĂerster Wichtigkeit, eine Person an meiner Seite zu haben, die ein umfassendes Verwaltungswissen hat. Mit Alexander StraĂmeir gewinnen wir jemanden, der sich im Land Berlin in besonderer Weise verdient gemacht und verschiedenen Institutionen und Organisati- onen vorgestanden hat. Er wird dafĂŒr sorgen, dass wir kĂŒnftig unter Beachtung der MaĂgaben, die in diesem Entwurf des Rechnungshofberichtes enthalten sind, rechtssicher, gerecht und zielorientiert gesteuert unsere VorgĂ€nge gestalten werden. â Danke schön! Vielen Dank! â Die erste Nachfrage stellt die Abgeordne- te Kapek. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Senatorin! Ehrlich gesagt, fand ich die Antwort widersprĂŒchlich. Nach Ihrer Aussage mĂŒsste Herr Friederici morgen eigentlich wieder eingestellt wer- den. Sie haben zumindest nicht dargelegt, worin sein Fehler konkret bestand. Deshalb frage ich noch mal nach, Herr Wegner und der restliche Senat: Selbst wenn Sie jetzt behaupten, den Bericht nicht zu kennen, ich kann ihn ja mal kurz zu- sammenfassen, teilen Sie denn die Auffassung des Rech- nungshofes, dass die Vergabe von Mitteln in der öffentli- chen Projektförderung, die in diesem Fall ausschlieĂlich auf einer Liste von Herrn Stettner und Herrn Goiny ba- siert und zugleich ohne jegliche Ausschreibung und for- male Förderkriterien erfolgt ist, einen VerstoĂ gegen den Gleichheitsgrundsatz im Grundgesetz darstellt? Bitte schön, Frau Senatorin Wedl-Wilson! Sie haben das Wort. Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordnete! Liebe Frau Abgeordne- te Kapek! Sie haben dazu einen Untersuchungsausschuss eingerichtet. Sie werden mir in diesem Rahmen Fragen stellen, auch meinem VorgĂ€nger Joe Chialo sowie Oliver Friederici. Wir werden alle noch zu Ihnen eingeladen, und Sie werden uns zu diesen VorgĂ€ngen Fragen stellen. â Vielen Dank! Die zweite Nachfrage stellt Herr Abgeordneter Tabor. â Bitte schön!
Vielen Dank! â Wer haftet eigentlich fĂŒr den Fall, dass die rechtswidrig ausgereichten Gelder nicht zurĂŒckge- zahlt werden können, weil sie bereits ausgegeben wur- den? Gibt es insbesondere eine persönliche Haftung der zustĂ€ndigen Senatoren? Bitte schön, Frau Senatorin! Sie haben das Wort. Senatorin Sarah Wedl-Wilson (Senatsverwaltung fĂŒr Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt): Danke schön, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr geehrter Herr Abgeordneter Tabor! Die VerwaltungsvorgĂ€nge sind komplex. Ich werde den Rechnungshofbericht bekommen und studieren. Wir werden den ĂŒberprĂŒfen und die Fol- gen, die dabei herauskommen, mögliche Fehler, die ge- macht worden sind, korrigieren. Es ist eine KomplexitĂ€t, was das Binnenrecht anbelangt. Wir haben eine Komple- xitĂ€t, was den Vertrauensschutz gegenĂŒber den Förder- mittelempfangenden anbelangt. Wir werden uns diesen Fragen, sobald der Bericht vorliegt, im Detail widmen. â Danke! (Senatorin Sarah Wedl-Wilson) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8502 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Vielen Dank! Dann kommen wir zu der Frage des Abgeordneten Wansner. â Bitte schön, Sie haben das Wort!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Ich frage den Senat: Welchen Stand haben die Aufarbeitungen bei der Verge- waltigung in der Wutzkyallee? Wir haben in dem Bezirk gestern eine BVV erlebt. Bitte schön, Frau Senatorin GĂŒnther-WĂŒnsch! Sie haben das Wort. Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Ich werde das zusammenfassen, Herr Wansner, was ich bisher ĂŒber den weiteren Werdegang weiĂ, auch wenn ich bedaure, dass es nach wie vor nicht allzu viel ist. Der aktuelle Sachstand zur Aufarbeitung der VorfĂ€lle in der bezirklichen Jugendfreizeiteinrichtung in der Wutz- kyallee ist meines Wissen nach wie vor wie folgt: Die zustĂ€ndige JugendstadtrĂ€tin in Neukölln, Frau Nagel, hat am 20. April, das war am Montag dieser Woche, eine unabhĂ€ngige Aufarbeitungskommission eingesetzt. Die Leitung der Aufarbeitungskommission ĂŒbernimmt vo- raussichtlich die ehemalige Leiterin des Kinderschutz- zentrums Berlin, was ich sehr begrĂŒĂe, wenn das eintre- ten sollte. Die Kollegin, die sich bereits im Ruhestand befindet, war auch an der Aufarbeitung der VorfĂ€lle in der Staatlichen Ballettschule im Rahmen der damaligen Clearingstelle beteiligt. Weitere Mitglieder der Aufarbei- tungskommission werden sein: zwei kinderschutzerfahre- ne Kolleginnen des Kinderschutzzentrums Berlin e. V., meine Abteilungsleiterin fĂŒr Jugend- und Kinderschutz aus der SenBJF, die fĂŒr Kinderschutz zustĂ€ndige Refe- ratsleiterin der Bildungs-, Jugend- und Familienverwal- tung und eine unabhĂ€ngige RechtsanwĂ€ltin. Die Vertreterinnen der Senatsverwaltung werden in der Aufarbeitungskommission schwerpunktmĂ€Ăig die Aufar- beitung der Sachverhalte im Rahmen des institutionellen Kinderschutzes in der Jugendarbeit ĂŒbernehmen. Der unabhĂ€ngigen Aufarbeitungskommission stehen zudem zwei Kolleginnen des TrĂ€gers Yekmal e. V., der Verein der Eltern aus Kurdistan in Berlin e. V., zur Beratung fĂŒr Fragen zum alevitisch-kurdischen Hintergrund der Opfer der Vergewaltigung zur VerfĂŒgung, und da der TrĂ€ger Yekmal e. V. eine Zuwendung durch den Bezirk erhĂ€lt, sind die Kolleginnen nicht Mitglieder der unabhĂ€ngigen Aufarbeitungskommission. Die unabhĂ€ngige Aufarbeitungskommission trifft sich am kommenden Montag, den 27. April, erstmalig ohne den Bezirk in der SenBJF und wird die Arbeit dort aufneh- men. Die Kommission soll laut Auftrag durch die zustĂ€n- dige BezirksstadtrĂ€tin folgende Themen bearbeiten: die AufklĂ€rung der Sachverhalte zum Umgang mit Meldun- gen von sexuellen Ăbergriffen seit dem Februar 2025 und zum Umgang mit der Meldung einer Vergewaltigung, die Analyse von Fehlern insbesondere in Hinblick auf den institutionellen Kinderschutz und Empfehlungen fĂŒr die Zukunft, um den institutionellen Kinderschutz im Ju- gendamt Neukölln sowie bei den dort tĂ€tigen freien TrĂ€- gern zu stĂ€rken. Der Schwerpunkt der Aufarbeitungskommission wird vor allem eine Betroffenenbeteiligung sein. Die Besucherin- nen und Besucher der Jugendfreizeiteinrichtung werden die Möglichkeit erhalten, ihre Erfahrungen in Bezug auf sexualisierte Gewalt oder ĂŒbergriffiges Verhalten in der Jugendfreizeiteinrichtung Wutzkyallee zu schildern. Das ist mir besonders wichtig, dass wir schauen, weil wir auch wissen, dass es seit Februar 2025 und nicht erst seit November 2025 VorfĂ€lle gab, ob es weitere Opfer gibt. Arbeits- und dienstrechtliche Belange sind nicht Thema dieser Kommission. Das möchte ich einmal deutlich sagen. Das ist Aufgabe von anderen Stellen im Bezirk und in der ZustĂ€ndigkeit der jeweiligen BezirksstadtrĂ€tin. Bis Ende September soll die Aufarbeitungskommission einen Bericht vorlegen. Ein mĂŒndlicher Zwischenbericht insbesondere zur Arbeitsweise der Kommission soll be- reits im Mai dieses Jahres in den bezirklichen Gremien erfolgen. AnschlieĂend möchte ich darauf hinweisen, dass die innere Arbeit der Kommission dem Gebot der Vertrau- lichkeit unterliegt. Daher sind AuskĂŒnfte aus dem laufen- den Arbeitsprozess weder hier noch sonst irgendwo so in der Art nicht möglich. Vielen Dank! â Die erste Nachfrage stellt der Abgeordne- te Wansner. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau Senatorin, fĂŒr Ihre Antwort! â Ich frage deshalb noch mal: Gibt es möglicherweise schon disziplinarische MaĂnahmen gegen die verantwortliche JugendstadtrĂ€tin, die wissentlich versucht hat, diesen Fall zu vertuschen? Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8503 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Bitte schön, Frau Senatorin, Sie haben das Wort! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Herr Wansner! Ich habe in den letzten Sitzungen, auch im Bildungsausschuss, sehr deutlich meine Haltung zum Ausdruck gebracht, was die handelnden Akteure in die- sem schwerwiegenden Fall betrifft. Mir kommt diese Aufgabe nicht zu, an dieser Stelle MaĂnahmen zu ergrei- fen. Das liegt zum einen in der ZustĂ€ndigkeit der Be- zirksstadtrĂ€tin und zum anderen beim BezirksbĂŒrgermeis- ter. Die zweite Nachfrage stellt der Abgeordnete Buchner. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Frau Senatorin! Wie erklĂ€ren Sie sich nach den Aussagen zur politischen Ver- antwortung, dass die CDU-Fraktion in der Bezirksver- ordnetenversammlung von Neukölln gestern gemeinsam mit der Linkspartei verhindert hat, dass die zustĂ€ndige StadtrĂ€tin gemissbilligt wurde? Bitte schön, Frau Senatorin! Senatorin Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch (Senatsverwaltung fĂŒr Bildung, Jugend und Familie): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geordnete Abgeord- nete! Herr Buchner! Ich bin irritiert. Sie sollten wissen, dass an mich Fragen des Senats gehen und keine Beurtei- lungen von kommunalpolitischen Gremien. â Vielen Dank! Vielen Dank! â Die Fragestunde ist damit fĂŒr heute been- det. Ich freue mich, heute nochmals eine Gruppe der Polizei- akademie als GĂ€ste begrĂŒĂen zu können. Willkommen bei uns im Abgeordnetenhaus und viel Erfolg fĂŒr Ihre Ausbildung! Ich rufe auf lfd. Nr. 3: Bericht des BĂŒrger- und Polizeibeauftragten ĂŒber das Kalenderjahr 2025 Bericht Drucksache 19/3114 Zu diesem Tagesordnungspunkt darf ich den BĂŒrger- und Polizeibeauftragten, Herrn Dr. Oerke, herzlich begrĂŒĂen und ihm das Wort erteilen. â Bitte sehr! Dr. Alexander Oerke (Der BĂŒrger- und Polizeibeauftragte des Landes Berlin): Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Vielen Dank, dass ich hier einige Anmerkungen zu meinem Jahresbericht 2025 machen darf! Der Bericht stellt eine Halbzeitbilanz meiner Amts- zeit dar und ist auch deshalb wohl etwas lĂ€nger ausgefal- len. Er enthĂ€lt, wie Sie auch in den vergangenen Jahren lesen konnten, drei Teile, einmal zur Ombudsstelle selbst, dann zur TĂ€tigkeit des BĂŒrgerbeauftragten und dann zum Polizeibeauftragten. Wir haben auch wieder besondere FĂ€lle geschildert, die unsere allgemeinen AusfĂŒhrungen exemplarisch belegen und zudem die Probleme der Be- schwerdefĂŒhrenden etwas greifbarer machen sollen. Das Eingangsaufkommen der Ombudsstelle ist wiederum stark gestiegen. Hatten wir im Jahr 2024 noch 784 EingĂ€nge, so waren es im Jahr 2025 schon 1 352. Das ist eine Steigerung um rund 72 Prozent. Bei dem Polizeibeauftragten waren es sogar 125 Prozent. Die aktuellen Zahlen lassen einen weiteren Anstieg auf ĂŒber 1 800 EingĂ€nge erwarten. Ich fĂŒhre die erneut angestie- genen hohen Eingangszahlen darauf zurĂŒck, dass die Ombudsstelle bekannter geworden ist. Ich bewerte dies aber auch so, dass die meisten BeschwerdefĂŒhrenden mit unserer Arbeit wohl zufrieden waren. Aufgrund der gestiegenen EingĂ€nge habe ich drei weitere Stellen ausgeschrieben und besetzen können. DafĂŒr, dass mir diese Stellen nicht gestrichen wurden, möchte ich mich ausdrĂŒcklich beim Haus bedanken. Die angespannte Haushaltslage ist mir durchaus bekannt. Bedanken möchte ich mich auch bei meinem Team. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich ĂŒberaus stark en- gagiert, um die gestiegenen EingĂ€nge noch zeitnah bear- beiten zu können, denn genau das ist es, was die meisten BeschwerdefĂŒhrenden bei den Behörden meistens ver- misst haben. Die weiteren Statistiken sollen zeigen, auf welchen Wegen die BeschwerdefĂŒhrenden zu uns kom- men und wie wichtig eine niedrigschwellige Beschwer- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8504 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 demöglichkeit ist, ferner, welche Behörden und Ămter von Beschwerden besonders betroffen waren und welche BeschwerdegegenstĂ€nde besonders hĂ€ufig vorkamen. Im Bereich des BĂŒrgerbeauftragten waren 33 Prozent der bereits abgeschlossenen Verfahren begrĂŒndet. Das ist eine durchaus hohe Quote wie ich finde. Allerdings haben die Behörden auch in 80 Prozent dieser Verfahren auf unser Ersuchen hin abgeholfen, was ich sehr erfreulich finde. Insgesamt konnten wir, wenn wir die BeratungsfĂ€l- le dazunehmen, in rund 50 Prozent aller Anfragen helfen. Im ZustĂ€ndigkeitsbereich des Polizeibeauftragten waren 21 Prozent der Beschwerden und rund 45 Prozent der Eingaben zumindest teilweise begrĂŒndet. Allerdings waren es insgesamt mehr als doppelt so viele FĂ€lle wie im Jahr zuvor. Bei dem BĂŒrgerbeauftragten lag der Schwerpunkt wiederum bei den BezirksĂ€mtern, insbe- sondere bei den Ămtern fĂŒr Soziales. Wir haben auch zwei StandesĂ€mter, die besonders von Beschwerden betroffen waren, und ein Wohnungsamt. Die Situation in den SozialĂ€mtern ist leider noch schlechter geworden. Das wurde heute auch in der Aktuellen Stunde themati- siert. Zu wenig Personal und zu viele AntrĂ€ge lassen in einigen Ămtern keine ordnungsgemĂ€Ăe Verwaltung mehr erkennen. Diese MissstĂ€nde untergraben das Vertrauen in unsere Verwaltung. Ich glaube, das dĂŒrfte auf der Hand liegen. Herr Dr. Oerke! Bitte entschuldigen Sie einen Moment. Wenn wir Sie schon hier haben, möchte ich noch mal die Kolleginnen und Kollegen um mehr Ruhe bitten oder darum, die GesprĂ€che drauĂen fortzufĂŒhren. â Ich danke Ihnen, und bitte, fahren Sie fort! Dr. Alexander Oerke (Der BĂŒrger- und Polizeibeauftragte des Landes Berlin): Vielen Dank! â Bei den LandesĂ€mtern waren das LEA und das LABO von besonders vielen Beschwerden be- troffen. Dies ist jedoch kein Indiz fĂŒr schlechte Arbeit, sondern lediglich fĂŒr zu viel Arbeit. RegelmĂ€Ăig ging es dabei um Verzögerungen bei der Antragsbearbeitung und eine mangelnde Kommunikation. Sofern diese VorwĂŒrfe begrĂŒndet waren, haben die Ămter dem stets abgeholfen, Termine vergeben und Entscheidungen getroffen. Inhalt- liche Beanstandungen gab es keine. Die Kommunikation dieser beiden Ămter mit der Ombudsstelle hat sich so gut entwickelt, dass sie wirklich sehr schnell ist. Dies dĂŒrfte auch auf eine digitale Aktenhaltung dort zurĂŒckzufĂŒhren sein. Der Jahresbericht enthĂ€lt erneut AusfĂŒhrungen, wie die Ombudsstelle arbeitet, was sie leisten kann und was sie nicht leisten kann. Dies kann ich hier schon aus ZeitgrĂŒn- den nicht weiter ausfĂŒhren. Ich möchte aber wiederholt betonen, dass wir ohne eine unbĂŒrokratische Kommuni- kation per Telefon und E-Mail mit den Sachbearbeiten- den und ohne die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die uns zumindest weitgehend von den betroffenen Behörden entgegengebracht wird, nicht so gut und schnell hĂ€tten helfen können. Der Bericht des Polizeibeauftragten schildert dieses Mal nicht nur die Vorgehensweise der Ombudsstelle â Stich- worte sind hier VorklĂ€rung, Schlichtung, förmliches Verfahren â, sondern er geht auch auf die Beschwerdebe- arbeitung innerhalb der Polizei ein und auf die Frage nach einer wirksamen Kontrolle der kriminalpolizeilichen Arbeit. Ausgangspunkt jeder Beschwerdebearbeitung sollte die Erwartung der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger sein, dass die Polizei die Anliegen der BĂŒrger ernst nimmt und sich mit den VorwĂŒrfen selbstkritisch auseinandersetzt und auch Verantwortung fĂŒr Fehlverhalten ĂŒbernimmt, denn ein transparenter Umgang mit Fehlern ist essenziell fĂŒr jede lernende Organisation. Ein solcher Umgang gelang besonders gut, wenn die betroffenen Dienst- und ihre unmittelbaren FĂŒhrungskrĂ€fte mit den Beschwerde- fĂŒhrenden direkt kommuniziert haben. Diesen Ansatz verfolgt ja auch die Ombudsstelle im Rahmen von Schlichtung. Kam es hingegen zu einer formellen Be- schwerdebearbeitung in den StĂ€ben oder durch das zent- rale Beschwerdemanagement der Polizei, war ein offener und selbstreflektierender Umgang mit den Beschwerde- vorwĂŒrfen tendenziell weniger ausgeprĂ€gt. Oftmals wa- ren ein Perspektivwechsel und eine verĂ€nderte Zielset- zung zu beobachten, denn nicht wenige FĂŒhrungskrĂ€fte verstehen sich vor allem als ReprĂ€sentanten der Polizei. Deren Fokus war eher darauf ausgerichtet, die Polizei vor befĂŒrchteten ReputationsschĂ€den zu schĂŒtzen, anstatt VorwĂŒrfe transparent aufzuklĂ€ren und gegebenenfalls Fehler einzurĂ€umen. Ich möchte nun noch auf einige Vorbehalte gegenĂŒber dem Polizeibeauftragten eingehen, die immer wiederholt werden. Weder die Einrichtung des Polizeibeauftragten noch meine Herangehensweise basieren auf einem grund- sĂ€tzlichen Misstrauen gegenĂŒber der Polizei. Wenn das Verhalten einzelner PolizeidienstkrĂ€fte oder die Be- schwerdebearbeitung der Polizei zu kritisieren war, dann geschah dies aufgrund einer objektiven PrĂŒfung der erho- benen VorwĂŒrfe sowie einer faktenbasierten und diffe- renzierten Bewertung. Auch das Vorbringen der Be- schwerdefĂŒhrenden wurde hinterfragt und nicht als gege- ben vorausgesetzt. Die etwas mehr als 100 FĂ€lle, in denen ein Fehlverhalten festzustellen war, sind dem Ansehen der Polizei auch nicht grundsĂ€tzlich abtrĂ€glich. Dies zeigt schon der Vergleich mit den ĂŒber 840 000 EinsĂ€tzen, die ĂŒber die Einsatzleitzentrale initiiert wurden. Die Berliner Polizei handelt ganz ĂŒberwiegend rechtsstaatlich und (Dr. Alexander Oerke) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8505 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 professionell. Sie sollte daher stark genug sein, sich einer unabhĂ€ngigen Kontrolle zu stellen und den argumentati- ven Austausch zu suchen, anstatt in dem Polizeibeauf- tragten, wie es mir manchmal scheint, einen Gegner zu sehen, dem man Informationen vorenthalten muss. Der Polizeibeauftragte ist auch keine Sonder- oder Paral- leljustiz. Er trifft keine Entscheidungen in der Sache und Ă€ndert die Rechtslage nicht. Er ersetzt weder die Staats- anwaltschaften noch die Gerichte. Er ermittelt nicht, ob sich jemand strafbar gemacht hat, und erhĂ€lt auch keine Einsicht in die Ermittlungen oder mischt sich darin ein. Meine Aufgabe ist es vielmehr, den erhobenen VorwĂŒr- fen auĂerhalb einer strafrechtlichen oder disziplinarrecht- lichen Bewertung nachzugehen, Transparenz fĂŒr die Betroffenen von PolizeimaĂnahmen zu schaffen und einen Dialog mit der Polizei herzustellen. Diese Ziele verfolgt die Strafjustiz nicht. Bei der formellen Beschwerdebearbeitung der Polizei geraten diese Ziele, also Transparenz und Dialog, oftmals aus dem Blick. Die formelle Beschwerdebearbeitung ist aufgrund des LegalitĂ€tsprinzips und eines ausgeprĂ€gten Informations- und Kontrollanspruchs der höheren FĂŒh- rungsebene eher darauf ausgerichtet â ich erwĂ€hnte dies bereits â, einen Reputationsschaden von der Polizei fern- zuhalten. Wenn aber, wie wir leider immer wieder fest- stellen mĂŒssen, klar erkennbare Fehler geleugnet, MaĂ- nahmen schöngeschrieben, polizeiliche Unterlagen einer Argumentationslinie angepasst oder strafrechtliche Er- mittlungen eingeleitet werden, um die kritisierten MaĂ- nahmen zu rechtfertigen, dann wird das Misstrauen der BeschwerdefĂŒhrenden gegenĂŒber der Polizei noch ver- tieft, anstatt es zu beseitigen und verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen. Die sich verdoppelt habenden Eingaben zeigen, dass der Polizeibeauftragte auch fĂŒr PolizeidienstkrĂ€fte zu einem gefragten Ansprechpartner geworden ist. Der Schwer- punkt des aktuellen Berichts lag hierbei auf dem Umgang der Polizei mit den eigenen KrĂ€ften im Zusammenhang mit Disziplinar- und Strafverfahren. Die rund 45 Prozent der zumindest teilweise begrĂŒndeten Eingaben zeigen, dass die Polizei stĂ€rker darauf achten sollte, ihrer FĂŒrsor- gepflicht gerecht zu werden. Jede Polizeidienstkraft, die in die innere KĂŒndigung geht oder krankheitsbedingt ausfĂ€llt, ist angesichts der sich verstĂ€rkenden Nach- wuchssorgen der Polizei eine zu viel. Ich hoffe, dass Ihnen mein Bericht hilfreiche Einblicke und Anregungen verschaffen kann, und bedanke mich fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Vielen Dank fĂŒr Ihre AusfĂŒhrungen, Herr Dr. Oerke! â Wir kommen zur Besprechung des Berichts mit einer Redezeit von bis zu zehn Minuten pro Fraktion. Es be- ginnt die Fraktion der CDU. â Bitte schön, Herr Abge- ordneter Dregger, Sie haben das Wort!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Dr. Oerke! Wir disku- tieren heute den vierten Jahresbericht des BĂŒrger- und Polizeibeauftragten, den Sie, sehr geehrter Herr Dr. Oer- ke, uns soeben vorgestellt haben. Sie haben die Arbeit unserer Behörden mit der nötigen kritischen Distanz, aber auch angebrachten WertschĂ€tzung dargestellt. Sie haben zudem einen Blick fĂŒr die mitunter in den Behörden bestehenden PersonalengpĂ€sse und anderen Widrigkeiten bewiesen, denen unsere DienstkrĂ€fte in ihrem Alltag ausgesetzt sind und fĂŒr die sie nicht verantwortlich ge- macht werden dĂŒrfen. DafĂŒr und fĂŒr Ihre insgesamt enga- gierte Arbeit im Auftrag des Parlaments möchte ich Ihnen und Ihrem Team herzlich danken! Ein Weiteres erscheint mir besonders lobenswert: 18 Eingaben und 51 Beschwerden gegen die Polizei Ber- lin konnten Sie durch Abhilfe und Schlichtung abschlie- Ăen. Das sind 38,3 Prozent aller Beschwerden. Dadurch gelingt es Ihnen, diese FĂ€lle durch ein informelles Ver- fahren zu lösen und zu befrieden. Sie werden damit den BeschwerdefĂŒhrern gerecht und vermeiden zugleich unnötige Disziplinarverfahren gegen PolizeidienstkrĂ€fte. Das ist wĂŒnschenswert, und auch dafĂŒr möchte ich Ihnen herzlich danken! Auf 68 Seiten haben Sie 1 352 VorgĂ€nge im Kalender- jahr 2025 berichtet, darunter 853 auĂerpolizeiliche Be- schwerden und 499 Beschwerden und Eingaben ĂŒber die Polizei Berlin. Bei den auĂerpolizeilichen Beschwerden liegt der Anteil der begrĂŒndeten Beschwerden nach Ihren Feststellungen bei 33,3 Prozent. Von den 400 abge- schlossenen Beschwerden gegen die Polizei Berlin haben Sie 85 als zumindest teilweise begrĂŒndet bewertet. Das sind 21,3 Prozent der abgeschlossenen Beschwerden. Angesichts von etwa 38 Millionen Dienststunden unserer 19 000 Polizeivollzugsbeamten pro Jahr sind 85 begrĂŒn- dete Beschwerden eine im Grunde nicht messbare GröĂe. Deshalb machen die von Ihnen festgestellten Sachverhal- te vor allen Dingen eines deutlich â und das möchte ich angesichts der immer wieder im politischen und medialen Raum faktenfrei propagierten Verunglimpfungen unserer Behörden und insbesondere unserer Polizei Berlin mit (Dr. Alexander Oerke) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8506 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 aller Deutlichkeit feststellen â: Unsere staatlichen Orga- ne, insbesondere unsere Polizei Berlin, handeln rechts- staatlich. Sie ĂŒben das Gewaltmonopol des Staates zu Recht aus. Sie sind nicht ansatzweise extremistisch un- terwandert. Sie sind auch nicht strukturell rassistisch, sondern sie haben uneingeschrĂ€nkt unser Vertrauen und unseren RĂŒckhalt verdient. Ăbrigens ergibt sich nichts anderes aus den Beschwerde- zahlen der LADS-Ombudsstelle. Ganze 1 785 Beschwer- den sind dort in den ersten fĂŒnf Jahren zusammenge- kommen. Nicht, dass Sie mich missverstehen: Jeder Be- schwerde ist nachzugehen. Jeder Fehler muss erkannt und abgestellt werden. Aber dieser immer wieder pauschal erhobene Diskriminierungs- und Rassismusvorwurf, insbesondere gegen die Polizei Berlin, ist substanzlos, ungerecht und in aller Klarheit zurĂŒckzuweisen. Lassen Sie mich abschlieĂend nach vorne schauen. Wir werden in den kommenden Jahren aufgrund des sich abzeichnenden erheblichen Konsolidierungsbedarfs unse- res Landeshaushalts mit kosmetischen Korrekturen nicht auskommen. Wir mĂŒssen unsere staatlichen Strukturen ĂŒberprĂŒfen und PrioritĂ€ten setzen. Deshalb mĂŒssen wir uns auch die Frage stellen, ob wir die unnötigen dreifa- chen Beschwerdestrukturen â Petitionsausschuss, BĂŒrger- und Polizeibeauftragter und LADG-Ombudsstelle â wei- terhin verantworten können. Denkbar wĂ€re es, Letztere ebenfalls dem Parlament zu unterstellen und mit dem BĂŒrger- und Polizeibeauftragten zusammenzulegen â ohne die QualitĂ€t des Beschwerdemanagements fĂŒr die BeschwerdefĂŒhrer zu reduzieren. â Das ist falsch! Parallelstrukturen sind immer kostenin- tensiv. â DafĂŒr sprechen auch verfassungsrechtliche GrĂŒnde. Die Kontrolle der Regierung gehört in die HĂ€nde des Parlaments, denn Verwaltung kann sich auf Dauer nicht selbst kontrollieren. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat nun der Abgeordnete Franco das Wort. â Bitte schön!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Sehr geehrter Beauf- tragter Oerke! Sehr geehrte Damen und Herren! Als wir unter Rot-GrĂŒn-Rot einen unabhĂ€ngigen BĂŒrger- und Polizeibeauftragten fĂŒr Berlin geschaffen haben, gab es allerhand BefĂŒrchtungen: Generalverdacht, Misstrauen, Mehraufwand. Seit August 2022 haben wir mit Herrn Oerke den ersten unabhĂ€ngigen Beauftragten und können mittlerweile ohne Zweifel feststellen: Der BĂŒrger- und Polizeibeauftragte ist eine Erfolgsgeschichte â gut, dass es ihn gibt! Mehr als 2 000 Berlinerinnen und Berliner haben sich im Jahr 2025 an Herrn Oerke und sein Team gewandt. Das Amt wird bekannter, und die Berlinerinnen und Berliner werden ernst genommen. Dabei hilft die Arbeit des Be- auftragten nicht nur den Menschen, die eine Beschwerde haben, sie hilft auch den Behörden selbst, die den Vorteil einer unbĂŒrokratischen Bearbeitung und effektiven Kon- fliktlösung erkennen. Dieser Anspruch ist auch unser An- spruch an eine Verwaltung auf Augenhöhe â auch dafĂŒr vielen Dank! Jeder Fall ist es wert, gehört zu werden. Denn hinter je- dem Fall steckt eine Person, fĂŒr die es hĂ€ufig um die blanke Existenz geht. Ob LEA, Sozialamt oder Jobcenter, der Bericht des BĂŒrgerbeauftragten zeigt uns wieder einmal auf, wo die Stadt nicht funktioniert. Besonders hart trifft es die Menschen, die fĂŒr eine Arbeits- und Ausbildungsstelle die RĂŒckmeldung vom LEA brauchen, weil sonst ihre Chance auf Integration und echte Perspek- tive verbaut wird. Das schadet nicht nur den Betroffenen, sondern am Ende auch dem Wirtschaftsstandort Berlin. Um die blanke Existenz geht es auch fĂŒr diejenigen, die sich an das Sozialamt wenden. Lebensunterhalt, Grundsi- cherung, die Unterbringung von wohnungslosen Men- schen bis hin zu der Frage, ob ich mir morgen meine Mahlzeit noch leisten kann: Die SozialĂ€mter sind hĂ€ufig der letzte Rettungsanker. Aber gerade hier ist die Situati- on dramatisch, und sie verschlimmert sich Jahr fĂŒr Jahr. Der Krankenstand betrĂ€gt bis zu 50 Prozent. Betroffene mĂŒssen sich verschulden, kommen nicht zu ihrem Recht. Dieser Zustand ist unhaltbar, denn damit bricht das Ver- sprechen eines sozialen Berlins! Lassen Sie mich auch auf die FĂ€lle des Polizeibeauftrag- ten eingehen. Hier lohnt sich ein genauer Blick, gerade wenn es darum geht, Vertrauen in die Polizei sicherzu- stellen und zu stĂ€rken. FĂŒr viele Betroffene bedeutet manchmal eine ehrliche Entschuldigung die ganze Welt. Eine offene Fehlerkultur wĂŒnschen sich ĂŒbrigens selbst viele Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte. Ich habe mich sehr gefreut zu lesen, dass die direkte Kommunika- tion auf der operativen Ebene hĂ€ufig gut funktioniert. Wenn Menschen offen miteinander reden, wĂ€chst Ver- stĂ€ndnis fĂŒreinander, auch ĂŒber den Einzelfall hinaus. Das stĂ€rkt das Vertrauen in die Polizei und damit in De- mokratie und Rechtsstaat. Wie es im Bericht selbst heiĂt: (Burkard Dregger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8507 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 âFehler einzurĂ€umen zeugt von StĂ€rke, nicht von SchwĂ€che.â Aber leider scheint das noch nicht in der ganzen Behörde angekommen zu sein. Je höher ein Fall wandert, desto mehr wird gemauert. MaĂnahmen werden schöngeschrie- ben, Unterlagen angepasst und Ermittlungsverfahren gegen Betroffene nachtrĂ€glich eingeleitet â schlicht, damit man dem Polizeibeauftragten keine Auskunft ertei- len muss. Diese Form der Fehlerkultur ist einer modernen Hauptstadtpolizei unwĂŒrdig, und sie muss sich schleu- nigst Ă€ndern. Denn dass es zu Fehlern und Fehlverhalten bei der Polizei kommen kann, zeigt dieser Bericht des Polizeibeauftrag- ten auch. Da hĂ€tten wir den Radfahrer, der sich mehrere Knochen gebrochen hat, weil ein Polizist im neutralen Fahrzeug nicht an einem Stoppschild gehalten hat. An- statt sich zu erkennen zu geben, wird die Nachbardienst- stelle auf dem kurzen Dienstweg angerufen, der Polizist nachtrĂ€glich aus dem Dienst geschrieben, die Aussage falsch aufgenommen. Der Betroffene leidet bis heute unter den Folgen des Unfalls, bleibt auf den Kosten sit- zen. Er wurde durch das Verhalten der betroffenen Poli- zeibeamten ein zweites Mal zum Unfallopfer. So etwas geht gar nicht! Wir diskutieren auch hĂ€ufig ĂŒber Racial Profiling. Da gibt es Fraktionen, die das schlicht leugnen. Ja, auch in diesem Bericht gab es einen Fall, in dem der Vorwurf nicht zutraf. Aber genauso gab es den Fall, in dem ein Schwarzer Mann nach dem Clubbesuch am RAW-GelĂ€n- de angehalten, aufgehalten und schikaniert wird, obwohl die Personenbeschreibung nach der gesuchten Person nur dahin gehend zutrifft, dass er mĂ€nnlich und Schwarz ist. Wenn dann der Polizist auch noch sagt âEiner von euch hat hier Bullshit gebautâ, ist das die Definition von Racial Profiling. Der Polizeibeauftragte hilft, solche FĂ€lle aufzudecken. Das ist kein Generalverdacht. Das ist ein Versprechen, dass der Rechtsstaat in dieser Stadt alle gleichbehandelt. Ein rechtsstaatlich korrektes Ergebnis wĂŒnschen sich auch bis heute einige Mitglieder der Jugendorganisation meiner Partei, der GrĂŒnen Jugend. Ohne hinreichende Anhaltspunkte wurden am Wahlabend der Bundestags- wahl die GeschĂ€ftsstelle der GrĂŒnen Jugend durchsucht und 15 Menschen erkennungsdienstlich behandelt. â Ja, politische Verfolgung durch die AfD, das zeigt noch einmal Ihr Bild! Die Mitglieder der GrĂŒnen Jugend wussten nicht einmal, ob sie als Beschuldigte oder als Zeuginnen und Zeugen vernommen wurden. Ihre Fotos landeten als Zeugen schlieĂlich in der Ermittlungsakte. Bis heute sind sie in der Datenbank der Polizei â ohne jeden Grund. Das ist unverhĂ€ltnismĂ€Ăig. Das schĂŒchtert ein. Das ist ein demo- kratisches Armutszeugnis. Auch hier erwarte ich nicht nur die umgehende Löschung der Aufnahmen, sondern auch eine ernst gemeinte Entschuldigung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, vor allem der CDU! 362 begrĂŒndete FĂ€lle kann man nicht wegwischen. Es ist gut, dass der Beauftragte genau hinschaut. Herr Oerke und sein Team gehen jeder Beschwerde nach. Sie stellen sicher, dass die Berlinerinnen und Berliner ernst genom- men werden. Sie vermitteln zwischen Behörde und BĂŒr- gerin oder BĂŒrger. Sie benennen Fehler, wenn sie passie- ren. Das ist ein wichtiger Beitrag fĂŒr ein funktionieren- des, ein demokratisches und ein rechtsstaatliches Berlin. Lieber Herr Oerke! DafĂŒr möchte ich Ihnen und Ihrem Team im Namen meiner Fraktion herzlich danken. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat nun der Kolle- ge Matz das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Wir setzen als SPD-Fraktion darauf, Vertrauen in den Staat und seine Institutionen zurĂŒckzugewinnen â dort, wo es verloren gegangen ist. Das ist uns ein Herzensanliegen, und das geht nur durch Transparenz, durch Kommunikation, durch funktionierende Beschwerdewege und durch unbĂŒ- rokratische Konfliktlösung. Genau an dieser Schnittstelle helfen der BĂŒrger- und Polizeibeauftragte und die Ombudsstelle weiter. Daher zunĂ€chst einen herzlichen Dank an Herrn Dr. Oerke und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fĂŒr die geleistete Arbeit sowie auch fĂŒr diesen Bericht! Das möchte ich hier noch einmal ganz offiziell im Namen der SPD-Frak- tion zum Ausdruck bringen. (Vasili Franco) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8508 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Ihr Jahresbericht 2025 zeigt als Zwischenbilanz vor allem auf: Zufriedenheit, Nachfrage und Akzeptanz fĂŒr die Arbeit Ihrer Behörde steigen stetig an. Bei Ihrem Bericht hier im Plenum im letzten Jahr haben Sie in Ihrer Rede noch rund 1 100 EingĂ€nge fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025 vorhergesagt. TatsĂ€chlich haben Sie 1 352 EingĂ€nge verzeichnen können, also rund 58 Prozent mehr als im Jahr 2024. Da zeigt sich erneut der Trend aus den Vorjah- ren, dass Sie als BĂŒrgerbeauftragter mit 853 FĂ€llen mehr nachgefragt wurden als in der Rolle als Polizeibeauftrag- ter mit 499 FĂ€llen. Insgesamt ist aber der Bedarf an bei- den Stellen vorhanden und natĂŒrlich gerade auch die Rolle des Polizeibeauftragten nicht unwichtig hier in unserer Stadt. Dieser Anstieg der Zahlen in der Summe ist ein Beweis dafĂŒr, dass es sich fĂŒr Berlin lohnt, in diese Langzeitauf- gabe investiert zu haben, Vertrauen in staatliches Han- deln zurĂŒckzugewinnen. Denn Ihre Arbeit hilft in vielen FĂ€llen den Menschen konkret und unkompliziert weiter. Sie ĂŒbernehmen oft eine Art Lotsenfunktion fĂŒr Betroffe- ne im Verwaltungsdickicht. Sie verschaffen den Men- schen Gehör, wenn niemand ans Telefon geht, vermitteln im Einzelfall bei ĂŒberlangen Bearbeitungszeiten und erlĂ€utern kurz am Telefon, wenn etwas ĂŒberkomplex ist. Gerade diese informellen Verfahren helfen dabei, dass Betroffene schnell Lösungen prĂ€sentiert bekommen und ĂŒberlastete Behörden nicht noch weiter beansprucht wer- den. Ihr Bericht zeigt auch, dass Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet betroffen sind, auf Landes- und Bezirksebene besonders hĂ€ufig â das haben Sie vorhin auch hier am Redepult noch einmal betont â bei LEA, LABO und den bezirklichen SozialĂ€mtern. Das ist ein Arbeitsauftrag fĂŒr Senat und Parlament, denn hier sehen wir auch eine Art FrĂŒhwarnsystem, an welchen Stellen in der Berliner Verwaltung wir ansetzen mĂŒssen, um die Kommunikati- on zu verbessern, und was es weiter braucht auf unserem Weg zur funktionierenden Stadt. In den letzten Jahren hat sich auch unter dieser Koalition vieles in der Berliner Verwaltung getan, vom KI- Assistenten ĂŒber zunehmende Digitalisierung bis hin zu Ămterlotsen. Trotzdem zeigen die EinzelfĂ€lle, dass es manchmal eben doch das vermittelnde GesprĂ€ch und eine unbĂŒrokratische Konfliktlösung braucht. In der Rolle als unabhĂ€ngige Kontrollinstanz fĂŒr die Poli- zei, als Polizeibeauftragter zeigt sich erneut das Span- nungsfeld zwischen Transparenz und offener Fehlerkultur und dem LegalitĂ€tsprinzip mit der Verpflichtung zur Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens. Umso wichtiger ist es auch hier, auf informelle Instrumente wie VorklĂ€rungen und Schlichtungen zu setzen, mit denen auch weiterhin immerhin zwei Drittel aller Beschwerden und Eingaben erledigt werden konnten. Wir als SPD-Fraktion setzen darauf, dass das Vertrauen der Menschen in Berlin in die Verwaltung und in die Polizei wieder steigt. Dazu mĂŒssen wir die Stellung und die Rechte der BĂŒrgerinnen und BĂŒrger vor der Verwal- tung stĂ€rken und durchsetzen. Der BĂŒrger- und Polizeibe- auftragte leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Das kön- nen wir nach der Halbzeit, wie Sie es vorhin genannt haben, tatsĂ€chlich feststellen. Insoweit wĂŒnschen wir Ihnen viel Erfolg fĂŒr die zweite Halbzeit. Ich erspare Ihnen und uns jetzt alle FuĂballsprachbilder, die mir dazu durch den Kopf gegangen sind; das machen wir mal wann anders. â Vielen Dank fĂŒr die Aufmerksamkeit! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke spricht nun der Kollege Schrader. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrter Herr Dr. Oerke! Meine Damen und Herren! Wir waren be- kanntlich immer eine Fraktion, die sich fĂŒr die Einrich- tung einer solchen Institution starkgemacht hat, auch gegen viel Widerstand in Politik und Behörden, und des- halb freuen wir uns immer, wenn der Jahresbericht rein- kommt und wir sehen, wie der BĂŒrger- und Polizeibeauf- tragte gearbeitet hat. Auch dieses Jahr sehen wir wieder: Es gibt eine wachsende Nachfrage nach unabhĂ€ngiger AufklĂ€rung von Behördenhandlungen, es gibt viel Ver- mittlung, die Sie machen, aber es werden eben auch MissstĂ€nde aufgezeigt, die ĂŒber den Einzelfall hinausge- hen und sonst auch nicht zutage gekommen wĂ€ren. Inso- fern ist die Arbeit von Herrn Dr. Oerke und seinem Team wertvoll. DafĂŒr möchten auch wir uns ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Die Beauftragtenstelle hat sich als wichtige demokrati- sche Kontrollinstanz und auch als Vermittlungsinstitution etabliert. Der Erfolg und die Notwendigkeit einer unab- hĂ€ngigen Polizeikontrolle, die uns immer wichtig war, haben sich bestĂ€tigt. Ich glaube, es dĂŒrfte langsam â wollte ich eigentlich sagen â unumstritten sein, dass so eine Stelle kein Nice-to-have ist, sondern dass sie wirk- lich wichtig ist und zentral fĂŒr den Grundrechtsschutz und die demokratische Kontrolle. Jetzt habe ich Herrn Dregger gehört, wie er schon andeutet, möglichst bald mal die Axt an diese Institution legen zu wollen. Da kann ich nur sagen: Nicht mit uns, Herr Dregger! (Martin Matz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8509 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Einen lobenswerten Aspekt wollte ich noch ansprechen: Das ist der Ausbau des mehrsprachigen Zugangs bei Ihrer Stelle, Herr Dr. Oerke, und damit auch die Ansprechbar- keit fĂŒr migrantische Communitys. Sprachbarrieren sind ein realer Faktor im asymmetrischen VerhĂ€ltnis zwischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern und Behörden. Insofern ist das auch eine StĂ€rkung der Beschwerdemacht fĂŒr Gruppen, die wenig davon haben. Das finde ich gut. Jetzt komme ich aber zu den weniger guten Entwicklun- gen. Ich glaube, dass die bisherige Arbeit des BĂŒrger- und Polizeibeauftragten und seines Teams zeigt, dass die Beschwerden neutral angegangen werden, dass der Be- auftragte eine unabhĂ€ngige AufklĂ€rung anstrebt und ge- genĂŒber den Behörden nicht voreingenommen ist. Gerade deshalb ist es im höchsten MaĂe bedenklich, wenn im Bericht deutliche und kritische Worte gefunden werden darĂŒber, wie die Berliner Polizei mit AufklĂ€rungsbemĂŒ- hungen mitunter umgeht. Da ist die Rede von einer sehr defensiven Haltung gegenĂŒber dem Beauftragten, je hö- her man in der Leiter kommt, davon, dass FĂŒhrungskrĂ€fte eher um den Schutz der Behörde und deren Image als um AufklĂ€rung bemĂŒht sind, und davon, dass MaĂnahmen in Berichten auch mitunter schöngeschrieben werden oder sogar im Nachhinein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, damit man dem Beauftragten keine Akten und AuskĂŒnfte geben muss. â Wenn man das liest, dann wird, glaube ich, klar: Bei der Fehlerkultur in der Berliner Polizei ist noch ziemlich viel Luft nach oben. â Es ist gut, dass das auch eine neutrale Stelle wie der Beauftragte mal feststellt, der, glaube ich, der Polizeifeindlichkeit unver- dĂ€chtig ist. Es ist ja auch nicht nur Kleinkram, um den es da geht. Es sind schon auch mitunter gravierendere FĂ€lle mit schwe- ren Eingriffen in die Freiheitsrechte der Betroffenen, wie zum Beispiel die polizeiliche Festnahme â das wurde eben schon angesprochen â aufgrund der Hautfarbe oder der Einsatz bei der GrĂŒnen Jugend, bei der es eine rechtswidrige Durchsuchung von RĂ€umen und von 15 Personen gab, oder ein schlecht vorbereiteter Einsatz im Frauenhaus, den wir auch schon im Innenausschuss diskutiert haben, der fĂŒr die Bewohnerinnen wirklich belastend war. â Da muss ich schon klar sagen: Nicht wenn man Fehler verleugnet, stĂ€rkt man die Behörde, sondern wenn man Fehler aufarbeitet, zu ihnen steht und aus ihnen lernt. â Frau Innensenatorin! Sie sagen ja im- mer: âmeine Polizeiâ. Da erwarte ich jetzt aber auch von Ihnen, dass Sie da bei Ihrer Polizei auch mal eine Ansage machen, damit sich diese Kultur Ă€ndert. Wenn man sich die anderen Behörden anschaut, dann fĂ€llt vor allem die Ăberlastung der SozialĂ€mter ins Auge. Das war im letzten Jahr schon so und ist jetzt offenbar noch schlimmer geworden. Hier ist der Beauftragte so eine Art Seismograf, der solche Entwicklungen aufzeigt, der ein Korrektiv sein kann fĂŒr die Ungleichheit beim Zugang zum Staat fĂŒr bestimmte Personengruppen. Wir sehen leider auch hier: Die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger neh- men zunehmend eine Verschlechterung der ErfĂŒllung öffentlicher Dienstleistungen wahr. Darunter leiden na- tĂŒrlich in ganz besonderem MaĂe vulnerable Gruppen, die auf einen funktionierenden Staat ganz besonders angewiesen sind. Denn wenn sozialstaatliche Leistungen nicht zuverlĂ€ssig funktionieren, dann wird das besonders fĂŒr Menschen in Armut ganz schnell existenziell. Auch hier ist diese Arbeit also sehr wichtig. FĂŒr uns ist die erste Schlussfolgerung nach dieser Halb- zeitbilanz: Wir treten dafĂŒr ein, den BĂŒrger- und Polizei- beauftragten weiter zu stĂ€rken und seine Rechte klarzu- ziehen und, wenn nötig, auch zu erweitern. In dem Be- richt wird beschrieben, dass die AufklĂ€rung immer wie- der an Grenzen stöĂt, besonders bei gravierenderen FĂ€l- len, und das nicht nur wegen mangelnder Kooperation, sondern auch wegen offensichtlich immer noch bestehen- der Rechtsunklarheiten. Dass die Polizei, wenn Ermitt- lungsverfahren laufen, oft nicht mal Unterlagen aus ihrem eigenen GeschĂ€ftsbereich herausgibt, ist, finde ich, nicht akzeptabel. Und dass fĂŒr die Einsicht in Bodycam- aufnahmen â das wissen wir schon lĂ€nger â der Polizei- beauftragte sogar geklagt hat, finde ich beschĂ€mend; das muss nicht sein. Wir sind dafĂŒr, das, wenn es nötig ist, rechtlich noch mal zu klĂ€ren und klarer zu regeln. Das sollten wir, finde ich, machen, um die Institution an sich zu stĂ€rken. Sie ist erfolgreich. Wir sollten sie weiter stĂ€r- ken. Wir sind bereit, das in der nĂ€chsten Wahlperiode anzugehen, und freuen uns darauf. â Insofern vielen Dank und viel Erfolg fĂŒr Ihre weitere Arbeit, Herr Oerke! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete WeiĂ das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Eine 70-jĂ€h- rige Berlinerin, schwer an Krebs erkrankt, kĂ€mpft um ihre Chemotherapie und daneben gegen das Sozialamt Tempelhof-Schöneberg. Seit 2022 bekommt sie keine Bescheide mehr. Ihr Herz ist kaputt, ihre Miete rĂŒckstĂ€n- dig, ihre Freunde leihen ihr Geld fĂŒr Lebensmittel; nach- zulesen auf Seite 30 des Berichts, den Herr Dr. Oerke uns heute vorlegt. Das war das Berlin im Jahre 2025. Das ist das Berlin von Kai Wegner. Das ist das Berlin dieses Senates. (Niklas Schrader) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8510 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 1 352 Beschwerden in einem Jahr, ein Plus von 58 Pro- zent, jede dritte davon begrĂŒndet, der BĂŒrger- und Poli- zeibeauftragte stellt fest: Von geordnetem Dienstbetrieb in den SozialĂ€mtern kann keine Rede mehr sein, Kran- kenstĂ€nde bis zu 50 Prozent, Wartezeiten bei Wohngeld- antrĂ€gen bis zu anderthalb Jahren, und das Sozialamt Tempelhof-Schöneberg â das sage nicht ich, das sagt der Beauftragte selbst â zeigt seit 2024 keine positive Ent- wicklung. â Menschen geraten in existenzielle Not, weil dieser Senat die falschen PrioritĂ€ten setzt. Denn was leistet Ihre Verwaltung im selben Jahr? â 39 000 EinbĂŒrgerungen. Ich wiederhole: 39 000 EinbĂŒr- gerungen in einem einzigen Jahr. Das LEA arbeitet voll digitalisiert, mit 883 Stellen, mit Nachtschichten. Das lobt der Beauftragte auch ausdrĂŒcklich: kein Organisati- onsdefizit. â Bezeichnend: FĂŒr Ihre Passfabrik ist das Personal da, fĂŒr die Krebskranke in Tempelhof ist es das nicht. Das sind Ihre PrioritĂ€ten, vor allen Dingen von der Sozialsenatorin. Das sind die PrioritĂ€ten dieser Koalition. Ein weiterer Fall aus dem Bericht, Seite 41: Ein junger Mann, Unterleibsschmerzen, ruft dreimal die 112. Nach drei Stunden kommt ein Arzt auf dem Fahrrad, gibt ihm vier Tabletten und rĂ€t zu zwei Wochen Ruhe. Am Abend muss die Familie ihn ins Krankenhaus fahren. Dort wird er notoperiert. Die Untersuchung durch den Kassenarzt nennt der Beauftragte, ich zitiere, âoberflĂ€chlichâ. Da sind wir wieder beim Rettungsdienstgesetz. Bei 532 000 EinsĂ€tzen im Jahr und einem Schutzzielerrei- chungsgrad von unter 50 Prozent werden Sie mit Ihrer Mangelverwaltung solche FĂ€lle nicht verhindern, Sie werden sie vermehren. Kommen wir zur Polizei. Ich sage das mit besonderem Nachdruck: Die Beamten auf der StraĂe, die Kolleginnen und Kollegen auf den Abschnitten, in den Einsatzhun- dertschaften werden vom Beauftragten ausdrĂŒcklich gelobt. Offen, reflexionsbereit, dialogorientiert, das ist die Berliner Polizei, die wir kennen und respektieren. Diese Beamten verdienen keine PauschalverdĂ€chtigung, sondern RĂŒckendeckung von uns und vor allem von ih- rem Dienstherrn. Was der Bericht darĂŒber hinaus zeigt, ist kein Problem einzelner Polizisten, er ist ein Problem der Rahmenbe- dingungen, unter denen diese Polizei arbeiten muss. Ein- satzdokumentationen sind unzureichend, Fachkommissa- riate sind ĂŒberlastet, weil Stellen unbesetzt bleiben. Wer unter solchen Bedingungen arbeiten muss, wird Fehler machen, und das liegt nicht am mangelnden Willen, son- dern an mangelnder Ausstattung. Die Ausstattung ist nicht Sache der Polizei, sie ist Sache des Senats. Lassen Sie mich an dieser Stelle noch eines in Erinnerung rufen: Das Amt des BĂŒrger- und Polizeibeauftragten wurde im November 2020 von Rot-Rot-GrĂŒn aus einem tiefsitzenden Misstrauen gegenĂŒber der Berliner Polizei und ihren Strukturen eingefĂŒhrt. Meine Fraktion hat da- mals ausdrĂŒcklich nicht zugestimmt, weil wir der Mei- nung waren, dass diese Stelle nicht die FĂ€higkeit der Polizei ersetzt, eigenes Fehlverhalten selbst zu erkennen und zu korrigieren. Sie rechtfertigt auch nicht jede Forde- rung nach weitgehenden Einsichtsrechten in Akten, die im GeschĂ€ftsbereich der Polizei aus gutem Grund ver- traulich bleiben. Die eigentliche Botschaft dieses Berichts richtet sich an die Regierungsbank. Die Polizei Berlin steht unter einer Belastung, die dieser Senat zu verantworten hat. Die Gewerkschaft der Polizei hat es am 22. MĂ€rz dieses Jah- res nĂŒchtern zusammengefasst: rund 2 000 Ermittlungs- verfahren pro Jahr gegen eigene Beamte, ein halbes Jahr RĂŒckstau im LKA 34, Disziplinarverfahren, die ĂŒber vier Jahre dauern, KommissariatsanwĂ€rter bangen um ihre Ernennung, Beamte warten jahrelang auf die Regulierung von DienstunfĂ€llen. â Das, Frau Senatorin, ist Ihre Bau- stelle, nicht die des Beauftragten. Mein Appell also zum Schluss, sowohl an den Regieren- den BĂŒrgermeister, die Frau Innensenatorin und die Sozi- alsenatorin: Entlasten Sie die SozialĂ€mter! Sorgen Sie dafĂŒr, dass eine 70-jĂ€hrige Berlinerin nicht lĂ€nger auf Bescheide wartet, die ihr seit drei Jahren zustehen! Geben Sie der Polizei das Personal, das sie braucht, um Diszip- linarverfahren in Monaten und nicht in Jahren abzu- schlieĂen! StĂ€rken Sie den Rettungsdienst, damit Notrufe wieder zu Rettungswagen fĂŒhren und nicht zu vier Schmerztabletten auf einem Fahrrad! Hören Sie auf, den Ausbau der Verwaltung dort zu priorisieren, wo er Ihnen politisch nĂŒtzt, und dort zu verweigern, wo die Berliner ihn dringend brauchen! Die Berliner haben einen An- spruch auf eine Stadt, die funktioniert. â Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Der Jahresbe- richt 2025 des BĂŒrger- und Polizeibeauftragten wurde vorgelegt und besprochen. Vorgeschlagen wird eine Ăberweisung an den Ausschuss fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung. â Widerspruch höre ich nicht. Dann ver- fahren wir so. Dann darf ich Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Oerke, und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern abschlieĂend auch von hier aus im Namen des gesamten Hauses herz- lich fĂŒr die geleistete Arbeit danken. Wir kommen zu (Thorsten WeiĂ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8511 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 lfd. Nr. 4: PrioritĂ€ten gemÀà § 59 Abs. 2 der GeschĂ€ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin Ich rufe auf lfd. Nr. 4.1: PrioritĂ€t der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Tagesordnungspunkt 37 a) Berlin braucht soziale Sicherheit und kein Olympia! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Sport vom 27. Februar 2026 Drucksache 19/3019 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2059 b) Olympia-Bewerbung nur mit Transparenz, Fakten und echter BĂŒrger*innenbeteiligung â Keine ungedeckten Schecks fĂŒr Berlin! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Sport vom 27. Februar 2026 Drucksache 19/3020 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2556 c) Transparenz im Bewerbungsverfahren zu Olympischen und Paralympischen Spielen sicherstellen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Sport vom 27. Februar 2026 Drucksache 19/3021 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2861 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. â Bitte schön, Herr Graf, Sie haben das Wort! [Benedikt Lux (GRĂNE): Wo ist denn der Senat? â Senatorin Iris Spranger: Ich bin doch da! Hallo? â
Aber der Senat nicht! Frau Spranger, Sie sind ja immer da, aber wir haben ja hier einen Senat! Sie sind doch nicht alleine hier! â Zuruf von Heiko Melzer (CDU)]
Herr Graf! Ich staune immer wieder â Sie sind ja eigent- lich sehr sportbegeistert; wir treffen uns auf zahlreichen Sportevents â, dass Sie sich bei dem Thema Olympiabe- werbung offensichtlich noch nicht ausreichend in Kennt- nis haben setzen lassen. Denn das, was Sie hier aufzeich- nen, das ist das Bewerbungsverfahren fĂŒr die BĂ€rchen- Olympiade, die wir 2000 hier in Berlin durchfĂŒhren woll- ten. Da hat sich doch in den letzten 26 Jahren einiges geĂ€ndert. Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Da- men und Herren! Wir debattieren heute ĂŒber drei AntrĂ€- ge, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit einer möglichen Olympiabewerbung Berlins befassen. Ich möchte gleich zu Beginn betonen, dass die Bewerbung Berlins um die Olympischen und Paralympischen Spiele viel zu wichtig ist, um sie parteipolitisch zu verengen oder möglicherweise sogar im Wahlkampf aufs Spiel zu setzen. Olympia ist, wenn wir es richtig angehen, ein Projekt fĂŒr unsere ganze Stadt, ein Energieriegel fĂŒr alle Bereiche und die gesamte Region. Der Sport hat in Berlin eine enorme Bedeutung fĂŒr den Zusammenhalt, fĂŒr Integrati- on, fĂŒr Gesundheit und nicht zuletzt fĂŒr die internationale Strahlkraft unserer Sportmetropole Berlin. Eine Olympiabewerbung kann all das bĂŒndeln, wenn wir sie klug, nachhaltig und gemeinsam gestalten. Genau das haben wir vor. Deshalb sage ich ganz bewusst: Unser Wunsch ist es, dass dieses Haus gemeinsam hinter einer Berliner Bewerbung steht. Wir werden alles tun, um auch Sie noch von den VorzĂŒgen dieser Bewerbung zu ĂŒber- zeugen. Die aktuellen Zahlen zeigen mit ĂŒber 60 Prozent Zu- stimmung, dass es dafĂŒr durchaus eine breite gesell- schaftliche Basis geben kann. Wenn man die Menschen in den Prozess einbindet, wenn man transparent ist und wenn man die Chancen klar kommuniziert, dann entsteht UnterstĂŒtzung fĂŒr ein so groĂartiges Projekt wie unsere Olympiabewerbung. An dieser Stelle möchte ich mal ein ganz herzliches Dankeschön an Kaweh Niroomand, unse- ren Olympiabeauftragten, aussprechen, der zusammen mit unserer Innensenatorin Frau Spranger und Kai Weg- ner, unserem Regierenden BĂŒrgermeister, viel dafĂŒr getan hat, dass sich die Akzeptanz deutlich erhöht hat, wie man den Umfragen entnehmen kann. Berlin, die Sportmetropole Nummer eins in Deutschland und Europa, liegt mit dem Grobkonzept BERLIN+ klar in FĂŒhrung und kann ein starkes und ĂŒberzeugendes Signal fĂŒr Deutschland senden. DafĂŒr drĂŒcken wir unserer Stadt ganz herzlich die Daumen. Unsere Bewerbung fĂŒr die Olympischen und Paralympi- schen Spiele ist weit mehr als ein Sportereignis. Wenn wir Berlin gemeinsam mit den ostdeutschen BundeslĂ€n- dern denken, so wie wir es in der BERLIN+-Bewerbung tun, dann kann daraus ein echtes Zukunftsprojekt fĂŒr die gesamte Region entstehen, ein Projekt, das zeigt, die Wiedervereinigung ist nicht nur historisch vollzogen, sondern wird aktiv weiter gestaltet. Eine solche Bewer- bung kann ein Strukturprogramm, kann ein Fitnesspro- gramm sein, in erster Linie fĂŒr den Sport, fĂŒr unsere SportstĂ€tten, fĂŒr die Barrierefreiheit, fĂŒr inklusive Teilha- be, aber darĂŒber hinaus auch fĂŒr alle anderen Bereiche, den Verkehr, fĂŒr die Stadtentwicklung, fĂŒr Kultur, Bil- dung und Wissenschaft, unsere Verwaltung und natĂŒrlich fĂŒr den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. NatĂŒrlich wird es auch wirtschaftlich sinnvoll fĂŒr diese Region sein und auch fĂŒr unsere Stadt Berlin. Viele seriöse Modelle gehen davon aus, dass Olympische Spiele bei einer nachhaltigen Planung fĂŒr die Ausrichtung der Stadt Nettoeffekte im mittleren dreistelligen Millio- nenbereich erzielen können, Mittel, die wir gezielt dann (Werner Graf) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8513 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 wieder in den Breitensport investieren können. Selbst die Ausgaben werden einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region vorantreiben. ArbeitsplĂ€tze werden geschaf- fen, AuftrĂ€ge werden an regionale Unternehmen verge- ben und Mehrwerte werden dadurch erzielt. Eines ist uns als CDU besonders wichtig: Olympia darf kein Projekt fĂŒr vier Wochen sein. Es darf keine Show sein, die dann danach verpufft. Unser Anspruch ist es, nachhaltige Spiele durchzufĂŒhren, ĂŒbrigens auch, was die ökologische Seite angeht, die den Breitensport stĂ€rken, die Vereine unterstĂŒtzen, die Sportinfrastruktur langfris- tig verbessern. Morgen wird im Sportausschuss eine Initiative fĂŒr ein Volksbegehren fĂŒr die Olympiabewer- bung vorgestellt. Das zeigt, dieses Thema bewegt die Stadtgesellschaft. Ich sage ganz klar: Beteiligung ist kein Hindernis. Beteili- gung ist eine Chance. Wir sollten die Berlinerinnen und Berliner mitnehmen. Wir sollten transparent sein. Wir sollten Fakten auf den Tisch legen, und wir sollten Ver- trauen schaffen, denn nur so kann am Ende eine Bewer- bung entstehen, die wirklich getragen wird. Lassen Sie mich an dieser Stelle auch einen Gedanken ansprechen, der mir persönlich wichtig ist. Die UnterstĂŒt- zung fĂŒr die Olympiabewerbung ist kein exklusives An- liegen der Koa-Parteien. Der GrĂŒnenlandesverband in NRW unterstĂŒtzt die dortige Bewerbung und sieht neben den Risiken vor allem Chancen. Auch Rostocks Linken OberbĂŒrgermeisterin Eva-Marie Kröger spricht von ei- nem enormen Schub fĂŒr Sport und Tourismus in ihrer Stadt, wenn die Region Rostock-WarnemĂŒnde als Partner im Rahmen des BERLIN+-Konzepts Olympiastandort werden wĂŒrde. Das zeigt, es gebe eine parteiĂŒbergreifen- de Grundlage fĂŒr einen gemeinsamen Weg. Die vorliegenden AntrĂ€ge betonen unterschiedliche As- pekte: soziale Sicherheit, Transparenz, BĂŒrgerbeteiligung. All das sind berechtigte Anliegen. Wir werden Ihre Kritik ernst nehmen und bei der Bewerbung fĂŒr Olympische und Paralympische Spiele in Berlin berĂŒcksichtigen. Kommen Sie bitte zum Schluss, Herr Kollege!
Sie dĂŒrfen aber nicht dazu fĂŒhren, dass wir insgesamt die Bewerbung verneinen. â Ich bin schon beim letzten Satz. Lassen Sie uns diese Debatte nicht als Gegner fĂŒhren, sondern miteinander. Lassen Sie uns gemeinsam prĂŒfen, gestalten und verbessern. Lassen Sie uns am Ende ge- meinsam hinter einer Bewerbung stehen, die Berlin stĂ€rkt, die Deutschland und vor allem den Osten stĂ€rkt und den Sport in unserer Stadt nachhaltig voranbringt. Gerne wĂŒrden wir mit Ihnen zusammen im Boot sitzen, in die gleiche Richtung rudern. Kommen Sie bitte jetzt zum Schluss. Die Zeit ist abgelau- fen.
Ich bin beim Schluss. â Berlin kann Olympia. Berlin gewinnt mit Olympia. â Herzlichen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat nun die Kollegin Engelmann das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Abgeordnete! Und vor allem, liebe Berlinerinnen und Berliner! Liebe Sport- lerinnen und Sportler! Wir alle haben tiefen Respekt vor den Athletinnen und Athleten. Der Traum, sich auf der gröĂten BĂŒhne der Welt in der eigenen Stadt zu bewei- sen, ist absolut verstĂ€ndlich und legitim. Aber wir als Abgeordnete tragen die Verantwortung fĂŒr die harte fi- nanzpolitische RealitĂ€t dieser Stadt. Berlin blickt auf ein massives Haushaltsdefizit von 4 bis 5 Milliarden Euro. Es ist die Faktenlage. Werfen wir einen Blick nach Italien. Die Winterspiele in Mailand haben â Achtung â nun doch ein riesiges Loch in Höhe von 310 Millionen Euro in die Kassen gerissen. GroĂveranstaltungen sprengen fast immer ihre Budgets. Sollte Berlin im September tatsĂ€chlich ausgewĂ€hlt wer- den, mĂŒssen wir bereits ab 2027 Mittel im Haushalt dras- tisch umverteilen. Wir haben aber nicht mehr Geld zur VerfĂŒgung, sondern angesichts der fehlenden Milliarden deutlich weniger. Und wir alle wissen: GekĂŒrzt wird am Ende immer bei den SchwĂ€chsten. WĂ€hrend der Senat von HochglanzbroschĂŒren trĂ€umt, schieben wir berlinweit einen Sanierungsstau von ĂŒber 1 Milliarde Euro bei unseren Sportanlagen und BĂ€dern vor uns her. In Lichtenberg sind 10 von 75 Schulsporthal- len seit 30 Jahren unsaniert. Aber die traurigste Zahl, auch fĂŒr mich als Mutter, ist 13 000. 13 000 Kinder in Berlin stehen auf Wartelisten der Vereine, weil es keine Hallenzeiten mehr gibt, Sporthallen marode sind oder WasserflĂ€chen fehlen. Es ist unsere Pflicht, diese Basis zu reparieren, bevor wir Milliarden fĂŒr ein zweiwöchiges Spektakel verpulvern. (Stephan StandfuĂ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8514 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Doch der Senat will noch weitergehen. Sollte Berlin den DOSB-Zuschlag tatsĂ€chlich bekommen, bewegt sich der finanzielle Rahmen fĂŒr die internationale Bewerbungs- phase nach aktuellen SchĂ€tzungen bereits im Bereich von 10 bis 15 Millionen Euro. Das sind Millionen an Berliner Eigenmitteln, die fĂŒr PR ausgegeben werden, ohne dass wir wissen, wie das IOC am Ende entscheidet. FĂŒr wen machen wir das eigentlich? â Schauen wir auf die Zahlen, die fĂŒr Hamburg bereits ausgerechnet sind: Durchschnittlich 110 Euro pro Ticket, ĂŒber 1 300 Euro fĂŒr die Eröffnungsfeier. Das ist kein Fest fĂŒr alle, das ist eine exklusive Reichenparty auf Kosten der Allgemein- heit. WĂ€hrend Tausende Berlinerinnen und Berliner unter der Armutsgrenze leben, finanzieren wir mit Steuergeld ein Event, das sich die meisten Menschen in dieser Stadt niemals leisten werden können. Liebe Koalition, seien Sie so ehrlich und beantworten Sie den Berlinerinnen und Berlinern auch die Fragen: Wo sollen all die Gelder hergenommen werden, zusĂ€tzlich zum milliardenschweren Haushaltsdefizit? Welche TrĂ€- ger mĂŒssen dafĂŒr zahlen? Welche Projekte werden einge- stampft, welche Schulen werden nicht gebaut? Liebe Berlinerinnen und Berliner, liebe Sportlerinnen und Sportler! Das sind die GrĂŒnde, warum wir mit unserem ersten Antrag das sofortige Ende der Bewerbung BER- LIN+ fordern und im zweiten vorschlagen, die Millionen fĂŒr diese Kampagne sofort in das SportstĂ€ttensanierungs- programm flieĂen zu lassen. Denn Kiezsport braucht Vorrang vor prestigetrĂ€chtigen Luftschlössern. Zu dem MĂ€rchen âder Bund wird das schon regelnâ: Der Bund hat in unserer parlamentarischen Anfrage lĂ€ngst klargestellt, dass seine Förderung ausschlieĂlich in den Spitzensport flieĂt. Die Kosten fĂŒr Sicherheit, Verkehr, Kiezinfrastruktur bleiben sowieso an Berlin hĂ€ngen. NatĂŒrlich sind wir Berlinerinnen und Berliner sportbe- geistert, auch wir Linken, aber wir sind nicht kopflos. Das Volksbegehren von NOlympia zeigt deutlich, dass bei Weitem nicht die ganze Stadt den Kurs des Senats mittrĂ€gt. Seit Samstag sammeln wir mit den Berlinerin- nen und Berlinern Unterschriften, um diesem Milliarden- roulette Einhalt zu gebieten. Das BĂŒndnis fordert zu Recht erst die Sanierung unserer Schulen und Vereine, bevor wir ĂŒber Megaevents reden. Wir werden die ersten 1 000 Unterschriften in den nĂ€chsten 48 Stunden zusam- menbekommen. Bei einer Entscheidung, die uns ĂŒber Jahrzehnte Milliar- den kosten wird, mĂŒssen diejenigen das letzte Wort ha- ben, die am Ende dafĂŒr zahlen: die Berliner Steuerzahle- rinnen und Steuerzahler. Denn fĂŒr uns ist klar, erst wenn jedes Kind in dieser Stadt sicher schwimmen kann, es jeden Tag ein Sport- und Bewegungsangebot an Kitas und Schulen gibt und jedes Kind einen Platz in einem Sportverein hat, haben wir unsere Hausaufgaben gemacht und unsere Pflicht erfĂŒllt. Ein Ja zum Sport, ein Ja zu einem lebenswerten Berlin heiĂt ein Nein zu dieser Olympiabewerbung. Wir als Linke unterschreiben keinen Blankoscheck fĂŒr Olympia, weder vor dem 20. September noch danach. Wir werden jeden Tag dafĂŒr weiterkĂ€mpfen â im Parla- ment, auf der StraĂe, an den HaustĂŒren. Denn unsere Aufgabe ist es, Berlin bezahlbar zu machen. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Kollege Buchner das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ge- rade hat es jeder gesehen: Ich bin, glaube ich, nĂ€her am Olympiasieg in Marathon als GrĂŒne und Linke an der FĂŒhrungsverantwortung und an Visionen fĂŒr diese Stadt. Was Sie machen â â â Ich habe Ihnen ganz ruhig zugehört. Hören Sie mir doch auch einfach mal fĂŒnf Minuten zu! Was Sie machen, ist komplett unredlich. Den Menschen in dieser Stadt zu erzĂ€hlen, dass eine BrĂŒcke, eine StraĂe oder eine Schule mehr saniert wird, wenn wir Olympia nicht ausrichten, ist unredlich. Den Menschen zu erzĂ€h- len, dass auch nur 1 Euro mehr in den Sport flieĂen kann, wenn wir Olympia nicht ausrichten, ist ebenso unredlich. Nennen Sie mir doch mal eine Stadt, die sich bewusst gegen die Austragung von Olympischen Spielen ent- schieden hat, die danach mehr in ihre Sportinfrastruktur investiert hat! Das gibt es nicht. Was Sie die Menschen hier glauben machen möchten â dass es möglich ist, mehr fĂŒr den Sport in Berlin zu tun, wenn wir Olympia nicht ausrichten â, ist einfach lĂ€cherlich. Stattdessen gibt es viele Beispiele, wo Olympia und Paralympics nennens- werten Impact hatten fĂŒr die Sportentwicklung und fĂŒr die Stadtentwicklung. Dazu gehören definitiv Barcelona, London, Sydney, Peking oder Paris. Wir haben schon gehört, die reine DurchfĂŒhrung der Olympischen Spiele kostet etwa 5 Milliarden Euro. Die zahlt allein das IOC aus Ticketerlösen und aus den Erlö- sen der Sponsoren. Das sind 5 Milliarden Euro, die aus- (Claudia Engelmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8515 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 gegeben werden zum Beispiel fĂŒr die Unterbringung von Athletinnen und Athleten und von FunktionĂ€ren, fĂŒr die Verpflegung, fĂŒr Veranstaltungen am Rande der Spiele, fĂŒr EmpfĂ€nge und Ăhnliches. Das ist Geld, wo wir ganz konkret darĂŒber entscheiden: Wollen wir, dass davon viel Geld in Berlin ausgegeben wird, oder wollen wir, dass es in Hamburg, in MĂŒnchen, in Köln oder meinetwegen auch in Budapest oder in Istanbul ausgegeben wird? Es geht um die Frage: Bekommen wir 5 Milliarden Euro in Berlin ausgegeben fĂŒr unsere Wirtschaft, fĂŒr unsere wirt- schaftliche Entwicklung? Es gibt in der Tat auch Ausgaben, die wir fĂŒr die Infra- struktur in unserer Stadt investieren mĂŒssen, auch Berli- ner Geld. Da geht es um Fragen wie: Wie halten wir unsere sportliche Infrastruktur fit, etwa die Max-Schme- ling-Halle, das Velodrom? Es ist die Riesenchance, das Olympiabad fit zu bekom- men fĂŒr die WettkĂ€mpfe, bei dem ich seit 15 Jahren hier in diesem Parlament darĂŒber diskutiere, wo wir das Geld hernehmen, um es wieder zukunftstauglich zu machen. â Lieber Steffen Zillich, hör doch einfach kurz zu! â Es ist im Ăbrigen auch die Riesenchance, ein Olympisches Dorf zu bauen mit zahlreichen Wohnungen, die wir hin- terher nutzen können, auch das aus diesem Betrag. Das ist die sogenannte Legacy, bei der wir hier darĂŒber entscheiden: Bleibt dieses Geld in Berlin, nutzt es uns in Berlin, oder bleibt es in Hamburg, in Köln, in MĂŒnchen oder in Budapest oder in Istanbul? Liebe Kolleginnen und Kollegen â und ich gucke insbe- sondere auf die GrĂŒnen! Die GrĂŒnen haben das verstan- den, und zwar ĂŒberall anders, nur nicht in Berlin. Ein grĂŒner OberbĂŒrgermeister in MĂŒnchen, ein begeisterter OlympiabefĂŒrworter; ein grĂŒner OberbĂŒrgermeister hat in Kiel gewonnen, er war auch fĂŒr Olympische Spiele. Und wenn Sie sich mal die Ergebnisse anschauen â â Wenn Sie sich die Ergebnisse mal anschauen, die Refer- enden, die es gegeben hat: Die Zustimmung fĂŒr Olympi- sche Spiele in Köln ist ĂŒbrigens da besonders hoch gewe- sen, wo die GrĂŒnen besonders stark gewesen sind. Des- wegen ist es so verwunderlich, dass die GrĂŒnen als einzi- ger Verband hier nicht fĂŒr das Interesse der Stadt kĂ€mp- fen â nicht fĂŒr das Interesse der Hotellerie, nicht fĂŒr das Inte- resse des Einzelhandels, nicht fĂŒr das Interesse des Gast- stĂ€ttengewerbes. Ihnen geht es nicht darum, Berlin fĂŒr die nĂ€chsten Jahre interessant zu halten und weiterzuentwi- ckeln, Ihnen geht es um politisches KalkĂŒl. Mein GefĂŒhl ist zudem, dass es eine Riesenchance fĂŒr den organisierten Sport in der Stadt ist. Nun muss man klar sagen, der hat die GrĂŒnen in dieser Stadt noch nie gröĂer interessiert. Ich glaube, wir sollten die Chance nutzen, auch fĂŒr den organisierten Sport in dieser Stadt. Es ist auch deutlich geworden, wir werden nicht nur in die groĂen Veranstaltungshallen in dieser Stadt investie- ren, die wir auch in den nĂ€chsten Jahren weiter benutzen wollen â die Max-Schmeling-Halle, das Velodrom und andere â, sondern wir haben lĂ€ngst erfahren, dass 80 Trainings- und UnterbringungsstĂ€tten dann auch fĂŒr die Mannschaften, die kommen werden, in den Bezirken zusĂ€tzlich saniert werden können. Wie viel solche zusĂ€tz- lichen Sanierungen bringen können, haben wir erst ges- tern mit der Sportmilliarde gesehen, wo noch mal 16 Millionen Euro fĂŒr 19 SportstĂ€tten in Berlin zusĂ€tzlich ausgegeben werden können. Auf dem Weg, den wir jetzt gehen, mit dem Geld, das wir jetzt in dem SportstĂ€ttensanierungsprogramm haben, werden wir weitermachen, und da werden wir auch weiter eine gute Sportinfrastruktur in Berlin sicherstellen kön- nen. Wir werden aber nie so viel schaffen, wie wir mit einer olympischen Bewerbung hinbekommen können. Deswegen wĂŒrde ich dafĂŒr werben, dass wir Seite an Seite fĂŒr die Interessen unserer Stadt Berlin kĂ€mpfen, fĂŒr eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, fĂŒr eine gemeinsame Idee. Die LandesschĂŒlersprecherin hat dazu Schönes gesagt: Gebt die Spiele auch den Jugendlichen fĂŒr mehr Zusammenhalt, fĂŒr mehr Sportentwicklung und fĂŒr mehr Gemeinsinn in dieser Stadt. â DafĂŒr werbe ich, und das wĂŒrde ich mir auch von GrĂŒnen und Linken wĂŒnschen. [Beifall bei der SPD und der CDUâ
Das deute ich so, dass es kein Infrastrukturgeld vom Bund gibt!] Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Scheermesser das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Damen und Her- ren! Zum wiederholten Male reden wir hier ĂŒber Olym- pia, ĂŒber eine Bewerbung, die im Bund parteiĂŒbergrei- (Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8516 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 fend getragen wird. Am 4. Dezember 2025 haben der Bundeskanzler, der DOSB und die Spitzen der vier Be- werberregionen die politische Vereinbarung zur deut- schen Olympiabewerbung unterzeichnet. Die DOSB- Mitgliederversammlung hat den Weg kurz darauf mit 99,79 Prozent geebnet. Am 28. Januar 2026 dieses Jahres hat der Sportausschuss des Bundestags dem Antrag: âVolle UnterstĂŒtzung einer deutsche Bewerbungâ zuge- stimmt, mit den Stimmen von Union, SPD â und hört â den GrĂŒnen und der AfD. Einzige Gegenstimme waren die Linken. Und die BĂŒrger? â In MĂŒnchen haben ĂŒber 66 Prozent Ja gesagt. An Rhein und Ruhr hat vor weni- gen Tagen eine deutliche Mehrheit aus 16 StĂ€dten die Bewerbung getragen. Nur in Berlin sieht die Welt anders aus. Hier legen ausge- rechnet GrĂŒne und Linke drei AntrĂ€ge vor, die im Kern dasselbe wollen: Berlin aus dem Bewerbungsverfahren heraustreiben. Die Linke verlangt offen den sofortigen Abbruch und nennt Olympia ein gröĂenwahnsinniges Projekt. Die GrĂŒnen verpacken ihr Nein hĂŒbscher in Quartalsberichte, Kosten-Nutzen-Analysen, Finanzie- rungssperren. Das Ziel ist identisch: verzögern, blockie- ren, aussteigen. Und hier liegt der eigentliche Widerspruch: Die Bundes- tagsfraktion der GrĂŒnen hat den Antrag mit eingebracht und im Sportausschuss dafĂŒr gestimmt. Die Berliner GrĂŒnen dagegen stellen sich hier ins Abseits und gegen ihre eigene Bundestagsfraktion. Das ist keine Oppositi- onsarbeit, das ist politische Selbstdemontage. ErklĂ€ren Sie das bitte einmal Ihren WĂ€hlern! Nun zu den Sachargumenten: Sie fĂŒhren den Sanierungs- stau der SportstĂ€tten ins Feld, ĂŒber 1 Milliarde Euro in Berlin, deutschlandweit 30 bis 40 Milliarden Euro, und folgern: Kein Olympia! â Wo ist da die Logik? Glauben Sie ernsthaft, dass Milliarden Euro flieĂen ohne einen sportlichen Anlass? â Genau! Olympia ist der Hebel, der die Mittel auslöst. Allein ĂŒber das Sondervermögen sind bereits 600 Millionen Euro fĂŒr SportstĂ€tten eingeplant, Geld, das ohne Bewerbung nicht kommt. Wer Olympia absagt, sagt auch Sanierung ab! [Beifall bei der AfD â
Was ist das fĂŒr ein Quatsch!] Zweitens â Transparenz â: NatĂŒrlich muss ein Bewer- bungsverfahren transparent sein â Wer hĂ€tte etwas dage- gen? â, aber Transparenz bedeutet nicht, alle zwei Mona- te Zwischenberichte zu produzieren, wĂ€hrend der interna- tionale Wettbewerb lĂ€ngst lĂ€uft. Berlin hat sein Konzept beim DOSB eingereicht. Die PrĂŒfung erfolgt in fĂŒnf klaren Kategorien. Eine bereits beschlossene Evaluie- rungskommission wacht ĂŒber das Verfahren. Das ist ein belastbarer Prozess und kein Blindflug! Drittens â BĂŒrgerbeteiligung â: Wir sind die Letzten, die sich gegen ein Referendum stellen, im Gegenteil. Wir wĂŒrden sehr gerne die Berliner abstimmen lassen, so wie in MĂŒnchen oder an Rhein und Ruhr, wo die BĂŒrger gerade mit klarer Mehrheit fĂŒr Olympia gestimmt haben. Da dieses Referendum leider in Berlin nicht möglich ist, sabotieren Sie Olympia mit einem geplanten Volksent- scheid, statt sich der Volksinitiative âDie Spiele fĂŒr Ber- linâ anzuschlieĂen. Das ist das alte Spiel: erst blockieren und dann die Blo- ckade beklagen! So agieren Sie stĂ€ndig. Olympia ist mehr als nur ein Sportfest. Es ist ein Hebel fĂŒr Stadtentwicklung, fĂŒr MobilitĂ€t, fĂŒr ArbeitsplĂ€tze, fĂŒr SportstĂ€tten, die unseren Kindern und Enkeln dienen. Jeder investierte Euro zieht AuftrĂ€ge in den Mittelstand, in den Bau, Handwerk, Tourismus und Gastronomie, und er zwingt diese Stadt, endlich das zu tun, was sie seit Jahren vor sich herschiebt: [Beifall bei der AfD â
Glauben Sie das ernsthaft?] Verkehrsachsen ertĂŒchtigen, BĂ€der sanieren, Genehmi- gungswege entrĂŒmpeln. Das ist kein Prestige, das ist Standortpolitik! Wer heute bremst, verschenkt eine Jahr- hundertchance. Die AfD-Fraktion lehnt alle drei AntrĂ€ge ab. Wir folgen den Beschlussempfehlungen des Sportausschusses und stehen zu Berlins Bewerbung. Klar, geschlossen und in einer Linie mit unserer Bundestagsfraktion. Und noch einmal herzlichen Dank an den Senat und allen Beteilig- ten, die sich fĂŒr Olympia einsetzen! â Danke, meine Da- men und Herren! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor, und wir kom- men zur Abstimmung ĂŒber die AntrĂ€ge. Zu dem Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/2059 âBerlin braucht soziale Sicherheit und kein Olympia!â empfiehlt der Fachausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/3019 mehrheitlich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke â die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen Die Linke und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Wer stimmt dagegen? â Das sind die CDU-Fraktion, die SPD- Fraktion und die AfD-Fraktion. Enthaltungen gibt es demnach nicht, und damit ist der Antrag abgelehnt. (Frank Scheermesser) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8517 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Zu dem Antrag der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/2556 âOlympiabewerbung nur mit Transparenz, Fak- ten und echter BĂŒrger*innenbeteiligung, keine ungedeck- ten Schecks fĂŒr Berlin!â empfiehlt der Fachausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/3020 mehrheitlich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒ- nen und die Fraktion Die Linke â die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und Die Linke. Wer stimmt dagegen? â Das sind die CDU-Fraktion, die SPD-Fraktion und die AfD-Fraktion. Enthaltungen gibt es nicht. Damit ist der Antrag abgelehnt. Zu dem Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen auf Drucksache 19/2861 âTransparenz und Bewerbungsver- fahren zu Olympischen und Paralympischen Spielen sicherstellenâ empfiehlt der Fachausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/3021 mehrheit- lich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke â die Ablehnung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und Die Linke. Wer stimmt dagegen? â Das sind die CDU-Fraktion, die SPD-Fraktion und die AfD- Fraktion. Enthaltungen gibt es nicht, und damit ist der Antrag abgelehnt. â Vielen Dank! Ich rufe auf lfd. Nr. 4.2: PrioritĂ€t der Fraktion Die Linke Tagesordnungspunkt 55 Ăffentliches Geld nur fĂŒr Gute Arbeit â Vergabe vereinfachen und soziale Kriterien schĂ€rfen Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/3073 In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke. â Bitte schön, Herr Valgolio, Sie haben das Wort!
Vielen Dank, Frau PrĂ€sidentin! â Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bei der öffentlichen Vergabe in Berlin gibt es Verbesse- rungsbedarf, das ist ganz klar. Auch wenn wir mit der Tariftreue in der Zeit der linken Regierungsbeteiligung eine hervorragende Regelung auf den Weg gebracht ha- ben, gibt es immer noch MĂ€ngel bei der Kontrolle und bei der Durchsetzung vieler Schutzvorschriften. Deswegen mĂŒssen wir da unbedingt nachsteuern, damit diese Rege- lungen eben nicht nur auf dem Papier stehen, sondern in der RealitĂ€t Wirklichkeit werden. Gleichzeitig gibt es nicht nur Probleme bei der Durchset- zung, sondern es ist fĂŒr viele Unternehmen â das gehört auch zur Wahrheit â, gerade fĂŒr kleinere, schwer, an öffentliche AuftrĂ€ge zu kommen, auch wenn sie alle Regelungen einhalten. Gleichzeitig stöhnt die Verwal- tung, stöhnen die Vergabestellen, weil es immer noch ĂŒber 1 000 Vergabestellen gibt, keine einheitlichen Rege- lungen, keine richtige Digitalisierung. Es gibt noch nicht mal ein einheitliches Softwareprogramm fĂŒr die Vergabe fĂŒr ganz Berlin. Deshalb mĂŒssen wir dafĂŒr sorgen, dass die Vergabe entbĂŒrokratisiert und vereinfacht wird, und wir mĂŒssen gleichzeitig und zusĂ€tzlich dafĂŒr sorgen, dass die Tariftreue und der Vergabemindestlohn durchgesetzt werden und eben nicht nur auf dem Papier stehen. Ăffent- liches Geld nur fĂŒr Gute Arbeit! Dieser Grundsatz muss endlich richtig durchgesetzt werden. Es kann nicht sein, dass immer noch Unternehmen, die nicht vernĂŒnftig zahlen, bei öffentlichen AuftrĂ€gen Wett- bewerbsvorteile gegenĂŒber der redlichen Konkurrenz haben. DafĂŒr macht unser Antrag einige gute VorschlĂ€ge. Bevor ich dazu komme, will ich kurz mal darauf schauen, was die Koalition und der Senat so Sachdienliches zu dem Thema beizutragen haben, nĂ€mlich gar nichts. FĂŒr die Vereinfachung und die EntbĂŒrokratisierung der Vergabe haben Koalition und Senat bisher ĂŒberhaupt nichts vorgeschlagen, stattdessen gibt es jetzt einen neuen Vorschlag. Der sieht nichts weiter vor, als das Vergabe- gesetz fĂŒr einen groĂen Teil der öffentliche AuftrĂ€ge auszusetzen, was dazu und zu nichts anderem fĂŒhrt, dass es zum Bei- spiel den Vergabemindestlohn fĂŒr viele öffentliche Auf- trĂ€ge gar nicht mehr gibt. Ăbrigens, weil Sie lachen, gelten dann auch die Regelun- gen zur Förderung des Mittelstands, die da drinstehen, nicht mehr, wenn man die Wertgrenzen hoch setzt. Jedem Sozialdemokrat, der dafĂŒr den Arm hebt, sollte der Arm abfallen. [Beifall bei der LINKEN â
Hinsetzen und zuhören! â Zuruf von Heiko Melzer (CDU)] Ăbrigens, mit Direktvergaben hat das ĂŒberhaupt nichts zu tun. Es gibt dadurch keine einzige einfachere Vergabe. Es gibt auch dadurch nicht mehr Direktvergaben, dass man das Vergabegesetz einschrĂ€nkt, denn die Direktvergaben sind nicht im Vergabegesetz geregelt, sondern in der Landeshaushaltsordnung. Da steht das drin. Dazu gibt es ĂŒberhaupt keinen Ănderungsvorschlag von der Koalition oder vom Senat. Deswegen ist es schlicht falsch, dass Sie irgendetwas fĂŒr die EntbĂŒrokratisierung tun, Sie schleifen einfach nur den sozialen Schutz. (VizeprĂ€sidentin Dr. Bahar Haghanipour) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8518 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Ich finde, man kann ja gern ĂŒber Direktvergaben reden, wir als Linke sind da offen, aber, liebe CDU, gerade beim Thema Direktvergaben hat gerade der Rechnungshof festgestellt, dass in der FördergeldaffĂ€re die CDU- gefĂŒhrte Kulturverwaltung âevident rechtswidrigâ gehan- delt hat und ĂŒber 2 Millionen Euro âevident rechtswidrigâ an irgendwelche TrĂ€ger aus dem CDU-Filz rausgehauen hat. In dieser Situation sich hinzustellen und VorschlĂ€ge zu machen, wie die Regelungen fĂŒr die öffentliche Vergabe, also fĂŒr die Vergabe von öffentlichem Geld, massiv ein- geschrĂ€nkt werden sollen, ist schon ein AusmaĂ an Takt- losigkeit, Schamlosigkeit und auch Unverfrorenheit, das selbst fĂŒr die CDU ziemlich erstaunlich ist. Anstatt die Wertgrenzen anzuheben â jetzt kommen wir zu unserem Antrag â, sollten Sie den Vergabemindestlohn anheben, denn seit 1. Januar liegt der Vergabemindestlohn in Berlin unter dem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Vergabemindestlohn: 13,69 Euro, allgemeiner gesetzli- cher Mindestlohn: 13,90 Euro. Das heiĂt, unter einer sozialdemokratischen Wirtschaftssenatorin ist der Verga- bemindestlohn in Berlin praktisch abgeschafft. Das kann doch nicht sein! Das ist ein Skandal! Deswegen schlagen wir in unserem Antrag vor, dass in einem ersten Schritt der Berliner Vergabemindestlohn mindestens auf das Niveau des Landesmindestlohns an- gehoben wird. Das ist doch das Mindeste. Jetzt habe ich gehört, dass sich auch die Koalition dem Vorschlag annĂ€- hern möchte. Das ist gut, aber der Skandal bleibt trotzdem, denn wir haben eine riesige SchutzlĂŒcke, bis das umgesetzt ist. Was schlĂ€gt unser Antrag noch vor zur EntbĂŒrokratisie- rung und Vereinfachung der Vergabe, ohne dass soziale Standards abgesenkt werden? â Erstens schlagen wir vor: Es muss endlich ein einheitliches Programm, eine einheit- liche Software fĂŒr die Vergabe geben. Im Moment wurschtelt da so ziemlich jede Vergabestelle rum, wie sie will. Es gibt keine klaren Vorgaben, es gibt keine Profes- sionalisierung, es gibt keine Zentralisierung. DafĂŒr brau- chen wir eine einheitliche Software. Zweitens: Wir brauchen eine Zertifizierung fĂŒr die Un- ternehmen, die nach Tarif zahlen und die sonstigen Krite- rien einhalten. Die lassen sich einmal zertifizieren, dass sie tariftreu sind und andere Vorgaben einhalten, dann mĂŒssen sie bei jeder einzelnen Vergabe, auf die sie sich bewerben, nichts mehr ausfĂŒllen. Riesige EntbĂŒrokratisie- rung ist ein guter Vorschlag, ohne Standards abzusenken. Herr Kollege! Kommen Sie bitte zum Schluss, die Zeit ist abgelaufen!
Ich komme zum Schluss. â Letzter Punkt: â Letzter Satz wĂ€re besser!
Da viele Schutzvorschriften ja deswegen leerlaufen, weil die Arbeitszeit nicht kontrolliert wird, brauchen wir un- bedingt auf den öffentlichen Baustellen eine elektroni- sche Arbeitszeiterfassung. Dann können wir nĂ€mlich auch erst kontrollieren, ob zum Beispiel der Vergabemin- destlohn oder Tarifvertrag eingehalten wird. Das sind unsere VorschlĂ€ge. Ich hoffe auf Zustimmung! [Beifall bei der LINKEN â Beifall von Christoph Wapler (GRĂNE) â
VergangenheitsbewĂ€ltigung der Linken!] Vielen Dank! â Und fĂŒr die CDU-Fraktion hat nun der Kollege Schaal das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, Herr Valgolio, was soll ich jetzt dazu sa- gen? â Sie haben ja groĂe VorschlĂ€ge ans ganze Haus: Der SPD möge der Arm abfallen, wir mögen unseren Filz aufarbeiten, den es selbstverstĂ€ndlich gar nicht gibt. Man merkt, dass Sie im Wahlkampf angekommen sind und hier ganz nervös Dinge behaupten, die so schlicht und ergreifend nicht wahr sind. Aber im Gegensatz zu unserem Vorschlag habe ich Ihren auch gelesen. (Damiano Valgolio) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8519 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 â Alle, alle gelesen. â Ich gehe gern darauf ein, auf alles, was Sie gesagt haben. Also den Vergabemindestlohn wollen Sie anheben. Wollen wir auch, steht bei uns drin, machen wir und werden wir auch machen. Dann wollen Sie â und dann wird es natĂŒrlich paradox, das haben Sie ja auch dargestellt â die Kontrollen intensivieren, Sie wollen die Zeiterfassung intensivieren, Sie wollen die Kontrolle zentralisieren und sagen: Das schaffen Sie, und zeitgleich bauen Sie die BĂŒrokratie ab. â Das können Sie zwar sagen, weil man Worte einander fĂŒgen kann, aber man kann das so nicht denken, weil das im Grunde ge- nommen falsch ist. Sie wollen immer mehr Kontrollen, Sie wollen immer mehr zentralisieren und sagen gleichzeitig: Sie schaffen BĂŒrokratie ab. â Das Gegenteil wird bei Ihrem Vorschlag der Fall sein. Ich erklĂ€re es Ihnen im Ausschuss gern noch mal, viel- leicht verstehen Sie es dann. Dann habe ich eine Frage zu Ihrem Thema. Herr Kollege! Gestatten Sie noch eine Zwischenfrage von Herrn Valgolio? Dann wĂŒrden wir die Zeit anhalten.
Herr Valgolio, Sie haben ja gesagt â â Keine Zwischen- frage, ich gehe auf Ihren Antrag noch weiter ein. Ich spreche jetzt mal zu Ihren VorschlĂ€gen, die haben Sie ja schwarz auf weiĂ gemacht, und da frage ich mich: Nummer 5: Unterauftragsketten auf maximal drei Glieder beschrĂ€nken. â Wie kommen Sie auf drei? Warum nicht zwei? Warum nicht eins? Warum nicht vier? Warum nicht fĂŒnf? Was Sie dort vorschlagen, ist kein Vorschlag, der tatsĂ€ch- lich kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen eine Chance gibt, sondern Sie bevorteilen damit natĂŒrlich groĂe Unternehmen, die alles inhouse machen können. Wir gehen einen ganz anderen Weg. Jetzt komme ich mal zu dem, was wir hier erarbeitet haben. Herr Kollege! Ich muss noch einmal nachfragen: Gestat- ten Sie eine Zwischenfrage jetzt vom Abgeordneten Herrn Valgolio oder grundsĂ€tzlich keine?
Bitte, Herr Valgolio! Bitte schön! â Sie haben noch eine Minute Zeit.
Wie kommen Sie auf die drei Glieder?
Das kann ich nicht beantworten, das wĂ€re ja eine Frage an mich. Das hat die Kontrollkommission so empfohlen mit den dreien, weil man es leicht kontrollieren kann. Meine Frage ist folgende, da Sie ja gesagt haben, die Arbeitszeit auf Baustellen und in anderen Betrieben zu erfassen, wĂ€re eine unzumutbare Belastung und BĂŒrokra- tisierung: Ist es nicht so, dass das Arbeitsschutzgesetz die Arbeitszeiterfassung fĂŒr alle Betriebe und alle Arbeitge- ber vorschreibt und dass eine elektronische Erfassung das sehr vereinfachen wĂŒrde, mit dem Nachteil fĂŒr manche Arbeitgeber, dass man es dann auch kontrollieren könnte?
Das habe ich nicht. Kann man ja im Plenarprotokoll nachschauen. Ich habe nicht gesagt, dass es unzumutbar ist. Ich habe gesagt, dass Sie immer weitere Vorschriften schaffen, immer weitere Kontrollpflichten und immer eine zentralere Kontrolle machen wollen, gleichzeitig aber behaupten, Sie wĂŒrden dann, weil Sie in Ihrem An- trag das Wort âdigitalâ davor schreiben, BĂŒrokratie ab- bauen. Das Gegenteil ist der Fall. Jetzt zu unserem Antrag, den wir erarbeitet haben. â Jetzt ist doch mal gut. Sie haben ja Ihre Frage stellen dĂŒrfen, und Ihre VorschlĂ€ge liegen ja auf dem Tisch, aber vielleicht interessieren sich die Menschen ja auch dafĂŒr, was tatsĂ€chlich kommt, und das ist das, was diese Koali- tion erarbeitet hat. Wir haben eine Reform des Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetzes auf den Weg gebracht. Wir werden uns (Lucas Schaal) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8520 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 auch im nĂ€chsten Wirtschaftsausschuss, Herr Valgolio, damit intensiv befassen, und wir werden dort das tun, was wir dringend fĂŒr Berlin brauchen. Wir wollen, dass das Geld, was wir haben, tatsĂ€chlich schneller verbaut wer- den kann und dass AuftrĂ€ge besser und gezielter auch an Berliner Unternehmen aus dem Mittelstand vergeben werden können. DafĂŒr schaffen wir hier eine richtig gute Grundlage. Wir heben die Wertgrenzen an, und damit schaffen wir wirklich BĂŒrokratie ab. Wir machen ein zweites Thema, das mir besonders am Herzen gelegen hat: das sogenannte Best-Bieter-Prinzip. Nicht mehr jeder, der sich bewirbt, muss im Bewer- bungsprozess bereits alles nachweisen. NatĂŒrlich muss er angeben, dass er sich an Recht und Gesetz hĂ€lt und auch die Löhne einhĂ€lt, das erwarten wir sowieso von jedem, sondern derjenige, der dann den tatsĂ€chlichen Zuschlag bekommt, hat danach ein Zeitfenster, in dem er die Unter- lagen und die Nachweise dazu einbringen kann. Das sorgt dafĂŒr, dass Unternehmen in der Vorbereitung und Be- werbung auf solche Ausschreibungen wahnsinnig viel Zeit sparen. Das sorgt dafĂŒr, dass mehr Betriebe, gerade aus dem Mittelstand und gerade Kleinunternehmen, die Chance haben, sich wirklich aktiv und erfolgreich an einem Ausschreibungsprozess beteiligen zu können. â Vielen Dank! â Und das ist etwas, was den Unterneh- men dieser Stadt, was den BeschĂ€ftigten dieser Stadt tatsĂ€chlich hilft. Das, was Sie unterstellt haben, es wĂ€ren soziale Kriterien abgeschliffen und mehr Unterbietungs- wettbewerb eingefĂŒhrt worden, ist schlicht und ergreifend falsch. Wir haben die Tariftreue ausgeweitet, wir haben den Mindestlohn erhöht, und das sind gesetzliche Vorga- ben, die natĂŒrlich weiterhin fĂŒr alle Ausschreibungen gelten. Wir schaffen es aber gleichzeitig, BĂŒrokratie abzubauen, denn das Ziel, das wir haben, das diese Koali- tion hat, ist, das Geld schneller auf die StraĂe zu bringen, schneller verbauen zu können. Wir haben 300 BrĂŒcken in Berlin zu sanieren. Fangen wir jetzt damit an! Damit haben wir eine gute Grundlage geschaffen. Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat der Kollege Wapler das Wort. â Bitte schön!
Sind wir immer gewesen, die Guten! â Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Dieser Antrag der Linken ist ja nur ein kleiner Ausschnitt der Diskussion ĂŒber die Vergabereform im Land Berlin, und ja, die werden wir dann auch im nĂ€chsten Wirtschaftsausschuss fĂŒhren. Ich glaube, bei dieser ganzen Debatte mĂŒssen wir uns mal ins GedĂ€chtnis rufen, was eigentlich die Ziele des Landes Berlin bei der Verwendung öffentlicher Gelder fĂŒr Auf- tragsvergaben sind. Man hat ja bei manchen BeitrĂ€gen auch seitens der Koalition den Eindruck, das Ausschrei- bungs- und Vergabegesetz sei nur unnötiger Ballast, den die Berliner Wirtschaft nur abwerfen muss, damit es den Unternehmen hier wieder richtig gut geht. Wir haben ja nachher auch noch den Antrag der AfD auf der Tages- ordnung, der das Vergabegesetz gleich komplett abschaf- fen will. Das ist natĂŒrlich alles libertĂ€rer Unfug, was Sie da ma- chen. Und auch von einigen in der Koalition wissen wir nicht erst seit heute Vormittag, dass sie den verantwortungs- bewussten Umgang mit öffentlichen Geldern nie gelernt haben. Vielleicht deshalb auch noch mal fĂŒr Sie: Wenn sich Berlin ein Vergabegesetz gegeben hat, dann deshalb, weil wir öffentliche AuftrĂ€ge sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltig vergeben wollen. Der Antrag der Linken greift auch ein paar Punkte dazu auf: Wir wollen einen fairen Wettbewerb der Unterneh- men untereinander, wir wollen die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards, wir wollen, dass BeschĂ€ftig- te, die Arbeit im öffentlichen Auftrag ausfĂŒhren, nach Tarif bezahlt werden, und wir wollen, dass die Unter- nehmen ihrer Verantwortung fĂŒr Umwelt- und Klima- schutz nachkommen. Das ist alles kein Nice-to-have oder irgendein Gedöns, sondern: Berlin vergibt jedes Jahr AuftrĂ€ge im Wert von mehreren Milliarden Euro. Es ist unsere verdammte Pflicht, mit diesem Geld verantwor- tungsvoll und nachhaltig umzugehen. Und auch hier legt diese unsoziale Koalition den RĂŒck- wĂ€rtsgang ein, das ist ganz richtig gesagt worden. Durch die gestern mit viel Wortgeklingel angekĂŒndigte Anhe- bung der Wertgrenzen gehen Sie genau in die andere Richtung. Sie schrĂ€nken den Anwendungsbereich des Gesetzes massiv ein und verabschieden sich weitgehend von allen sozialen und ökologischen Zielen. Das ist we- der BĂŒrokratieabbau noch Vereinfachung, es ist reiner Populismus und Symbolpolitik. Kein einziges Unterneh- men kommt dadurch leichter an öffentliche AuftrĂ€ge. Wer die Vergabe in Berlin modernisieren will, der muss an die Verfahren herangehen und die Anwendefreund- (Lucas Schaal) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8521 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 lichkeit erhöhen, der muss das Beschaffungswesen ver- einfachen, schneller, digitaler machen, der muss Beschaf- fungen bĂŒndeln und mit zentralen Beschaffungsagenturen Verwaltung und Unternehmen entlasten und der muss erleichterte Bedingungen schaffen fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen, fĂŒr Start-ups, fĂŒr soziale Unternehmen, fĂŒr Inklusionsbetriebe. Das sind die Baustellen, bei denen die Koalition nicht vorankommt. Das Ziel ist mehr und nicht weniger BerĂŒcksichtigung ökologischer und sozialer Standards, und wie wir sie effizient zur Geltung bringen und kontrol- lieren. Das ist die KĂ€rrnerarbeit, aber die lĂ€sst sich natĂŒr- lich nicht so leicht verkaufen, wie eben mal die Schwel- lenwerte zu vervielfachen. Da greift auch der Antrag der Linken noch zu kurz. Die Anhebung des Vergabemindestlohns und die Ausweitung der Tariftreue sind richtig, und es ist gut, dass der Senat das machen will. Eine menschenwĂŒrdige Bezahlung ist aber auch tatsĂ€chlich das Mindeste, nicht nur im öffentli- chen Auftrag. Was wir fĂŒr eine effiziente Nutzung öffentlicher Mittel und fĂŒr die StĂ€rkung der Berliner Wirtschaft brauchen, ist eine Vereinfachung von Vergabeverfahren, mehr Unter- stĂŒtzung von Innovation, neue Technologien und Ideen. Berlin braucht kein Vergaberecht zum Mindestniveau, sondern eines, das klare Leitplanken setzt und VerlĂ€ss- lichkeit schafft, fĂŒr Unternehmen und BeschĂ€ftigte gleichermaĂen. Lassen Sie uns gerne diese Verfahren verbessern, statt die Standards zu schleifen! â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Stroedter das Wort. â Bitte schön! [Torsten Schneider (SPD): Jetzt wirdâs seriös! â
Halbwegs!]
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! â Herr Valgolio! Ich hatte bei Ihrer Rede das GefĂŒhl, Sie haben die geschrieben, bevor Sie unsere Be- schlĂŒsse kannten, denn so viel AbsurditĂ€t habe ich lange nicht gesehen. Es stimmt einfach nicht, was Sie gesagt haben. Gestern hat die Koalition in der Pressekonferenz bereits ĂŒber die umfangreichen BeschlĂŒsse informiert, die wir noch vor der Sommerpause umsetzen werden. Schon im kommenden Plenum â Herr Kollege Zillich! â werden wir unsere Gesetzesinitiative zur Ănderung des Vergabegesetzes als Parlamentsantrag einbringen. Unser Ănderungsantrag wird dann auch vorab an den Wirtschaftsausschuss ĂŒberwiesen, und wir werden, wie immer unter meinem Vorsitz, im Ausschuss am 4. Mai 2026 zum Vergabegesetz eine Anhörung aller Fraktionen, die wir gemeinsam vereinbart haben, machen. So demo- kratisch werden Sie da von mir immer eingebunden! Wir werden sicherstellen, dass es fĂŒr die Unternehmen leichter wird, an öffentliche AuftrĂ€ge zu kommen, und dass sich die Rahmenbedingungen fĂŒr die BeschĂ€ftigten signifikant verbessern. Die EntbĂŒrokratisierung des Vergaberechts unter gleichzeitiger Beibehaltung der sozialen Standards wie des Mindestentgelts, der Frauen- förderung und der Nachhaltigkeitskriterien ist uns als SPD sehr wichtig, und ich sehe keinen einzigen Punkt, wo das verĂ€ndert worden ist. Das konnten Sie ja auch gar nicht nennen. Wir werden die Rechte der Arbeitnehme- rinnen und Arbeitnehmer stĂ€rken, indem wir uns zur Pflicht machen, dass bei öffentlichen AuftrĂ€gen in Berlin Tariflohn gezahlt wird, und zwar grundsĂ€tzlich. AuĂer- dem werden wir das Vergabemindestentgelt analog zum bereits erhöhten Landesmindestlohn im ersten Schritt, und zwar ab sofort, auf 14,84 Euro pro Stunde und dann ab 1. Januar 2027 auf 15,58 Euro pro Stunde heraufset- zen. Das regeln wir ĂŒbrigens im Gesetz und nicht nur in einer Verordnung. Das ist der Unterschied bei dieser Koalition zu dem, was die Linke hier fordert. Und wir werden die Rahmenbedingungen fĂŒr die Wirt- schaft spĂŒrbar erleichtern und damit eine starke Be- schleunigung bei der Abwicklung von öffentlichen Auf- trĂ€gen erreichen können. Ja, wir werden die Wertgrenze fĂŒr die direkte Vergabe von AuftrĂ€gen im Bausektor von 50 000 Euro auf 500 000 Euro deutlich anheben. Davon werden eben nicht nur die Betriebe profitieren, sondern auch die Belegschaften. Dabei geht es uns eben gerade um kleine und mittlere Betriebe, die in der Vergangenheit gelitten haben und viele AuftrĂ€ge nicht bekommen haben. Wir werden damit sicherstellen, dass die Baustellen schneller beginnen und schneller fertig werden, und da- mit die Voraussetzungen dafĂŒr schaffen, dass die Baustel- lendauer im BrĂŒcken- und StraĂenbau â und das ist be- sonders wichtig â auf ein Minimum reduziert wird. Mit (Christoph Wapler) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8522 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 dem von uns reformierten Vergabegesetz werden wir die Erneuerung unserer Infrastruktur beschleunigen. Das wird den Wirtschaftsstandort Berlin stĂ€rken und kommt allen Berlinerinnen und Berlinern zugute. Das mĂŒssten eigentlich auch Linke und GrĂŒne wollen. Die Linke will in ihrem Antrag auĂerdem ein einheitli- ches Programm fĂŒr die vollstĂ€ndig digitale Abwicklung aller Vergaben in Berlin, um einen leichteren Zugang zu Vergaben zu ermöglichen. Das ist ein richtiges und wich- tiges Ziel, da will ich Ihnen ausdrĂŒcklich zustimmen. Herr Kollege, apropos Die Linke: Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Valgolio?
Wenn ich meinen nĂ€chsten Satz noch vorlesen kann, dann ja. â Wir erwarten den Bericht im Kontext der Vergabe- strukturreform â das ist ja aktuell â im FrĂŒhjahr 2026. DafĂŒr brauchen wir von Ihnen keine zusĂ€tzliche Initiati- ve. â So, bitte! Bitte schön, Herr Valgolio!
Vielen Dank! â Ich habe eine technische Nachfrage, weil Sie ja gesagt haben, Sie wollen die Grenze fĂŒr Direkt- vergaben anheben auf 500 000 Euro. Das kann man ja nicht im Ausschreibungs- und Vergabegesetz regeln. HeiĂt das, Sie wollen die Landeshaushaltsordnung Ă€n- dern, also § 55 Landeshaushaltsordnung und die AusfĂŒh- rungsvorschriften? Im Moment steht da ja drin, die Gren- ze ist 100 000 Euro.
Wir werden das im Gesetz entsprechend so Ă€ndern, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir wollen uns anschauen, ob das Konsequenzen fĂŒr die Landeshaushaltsordnung hat. Wir sind ja jetzt erst mal im Verfahren. Die Koalition hat das beschlossen, es wird eingebracht, wir werden im Ausschuss darĂŒber diskutie- ren. Und wie war der berĂŒhmte Spruch? â Kein Gesetz geht so raus, wie es reingeht â, und das wird auch hier so sein. â Das Problem, Herr Zillich, ist doch: Sie wollen doch die Anhebung nicht. Sie wollen doch nur mit formalen Kriterien die Chance fĂŒr die Wirtschaft herunterreden. Warum sind denn die VerbĂ€nde dafĂŒr, das entsprechend zu machen? â Das interessiert Sie gar nicht, Herr Zillich, denn die Linke interessiert sich nicht mehr fĂŒr ArbeitsplĂ€tze, son- dern nur noch fĂŒr ihre BĂŒrokratie in ihrer Partei. Das ist Ihr Problem! Mensch, ihr seid in einem Zustand â â Ich weiĂ, die Umfragewerte der Linken sinken zurzeit ab, aber trotz- dem, bisschen besser zuhören! Also: Mit der Vergabestrukturreform werden wir das jĂ€hrliche Berliner Beschaffungsvolumen von knapp 3 Milliarden Euro effizienter aufstellen, damit öffentliche Mittel wirksamer eingesetzt und die Unternehmen und die Verwaltung spĂŒrbar entlastet werden. Ziel sind klare Prozesse, eine moderne Vergabepraxis, transparente Daten und eine zukunftsfĂ€hige Organisation des Ver- gabewesens. Das wird zu einer deutlichen Reduzierung des bĂŒrokratischen Aufwands der Unternehmen fĂŒhren. Sie haben dann noch gefordert, eine PrĂ€qualifizierung â was auch immer das sein soll â fĂŒr tarifgebundene Unter- nehmen einzufĂŒhren. Das ist aus meiner Sicht absolut nicht zielfĂŒhrend; im Gegenteil wĂŒrde damit erneut der bĂŒrokratische Aufwand steigen, den ja viele Unter- nehmen beklagen, und die damit verbundenen Kosten wĂŒrden erhöht, statt sie zu reduzieren. Auch die Forde- rung, die Einhaltung der Vergabekriterien effektiver zu kontrollieren, indem die Auftragnehmer verpflichtet wer- den, die Arbeitszeit elektronisch zu erfassen, halte ich fĂŒr ĂŒberflĂŒssig, denn hierzu gibt es ja eine Rechtsprechung, und die ist eindeutig. Das gilt bereits heute fĂŒr alle Unter- nehmen. Die Sozialpartner und betrieblichen Arbeitneh- mervertretungen bei Kontrollen vor Ort einzubinden, klingt zunĂ€chst gut. Dazu mĂŒssen wir prĂŒfen, auf welcher Ebene neue Regeln gebraucht werden. Das Vergabe- gesetz scheint mir hierfĂŒr aber nicht geeignet. Deshalb: Wir werden im Ausschuss Zeit haben, im Detail ĂŒber all diese Dinge zu sprechen. Ich bin guter Dinge, dass wir da auch noch den einen oder anderen Punkt nachbesprechen können, den wir hier gemeinsam in der Diskussion haben. Es wĂ€re aber auch mal gut, wenn GrĂŒ- ne und Linke anerkennen wĂŒrden, dass das Vergabe- gesetz in dieser Form dringend verĂ€nderungsfĂ€hig ist und dass wir jetzt einen guten Beschluss der Koalition ge- macht haben. Leider sind wir aber im Wahlkampf; des- halb mĂŒssen Sie die Reden halten, die schon lĂ€ngst Zeit- (Jörg Stroedter) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8523 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 geschichte sind, und sich nicht mit dem aktuellen Thema beschĂ€ftigen. â Vielen Dank! FĂŒr die AfD-Fraktion spricht nun der Abgeordnete Han- sel. [Pfeifen von der AfD â
Das tut euch weh, wenn uns der DGB lobt! Echt bitter! â Zurufe von der LINKEN â
Solche Kommentare solltet ihr euch klemmen!] Wenn sich jetzt alle wieder beruhigen und die GesprĂ€che einstellen, kann der Abgeordnete Hansel beginnen. â Bitte schön!
Ich bedanke mich, Frau PrĂ€sidentin! â Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn man diesen Antrag der Linken liest, merkt man schnell: Der Titel verspricht Vereinfachung, der Inhalt liefert das Gegenteil. Kollege Schaal hat es ja schon ausgefĂŒhrt. Da ist von leichterem Zugang, von Digitalisierung und von Guter Arbeit die Rede. TatsĂ€chlich ist dieser Antrag aber nichts anderes als der Versuch, das Berliner Vergaberecht noch weiter in Richtung Kontrollstaat, BĂŒrokratiestaat und Gesinnungsstaat zu treiben. Die Linke will den Vergabemindestlohn weiter anheben. Sie will soziale Kriterien verschĂ€rfen, Zertifizierungen ausbauen, elektronische Arbeitszeiterfassung durch- setzen, Vor-Ort-Kontrollen stĂ€rken, Hinweisstellen aus- bauen und Unterauftragsketten politisch begrenzen. Das nennen Sie dann Vereinfachung. Das Gegenteil â wir haben es schon gehört â ist der Fall. Das ist keine Vereinfachung, das ist eine weitere politi- sche Aufladung des Vergaberechts. Hier soll nicht mehr einfach nur wirtschaftlich beschafft werden, hier soll ĂŒber öffentliche AuftrĂ€ge ein ganzes Weltbild durchgesetzt werden. Das entlarvt Sie als wirtschaftsfeindliche Linke und sonst gar nichts! Vergaberecht ist nicht dazu da, Tarifpolitik, Sozialpolitik oder moralische Umerziehung zu machen. Vergaberecht muss dafĂŒr sorgen, dass der Staat Leistungen zuverlĂ€ssig, wirtschaftlich und zu fairen Bedingungen einkauft, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Die Linke â und das gilt unisono fĂŒr die GrĂŒnen; wir haben es ja gerade wie- der von Herrn Wapler gehört â versteht Vergabe aber nicht als Instrument der Beschaffung, sondern als Instru- ment der politischen Disziplinierung. Der Staat soll nicht mehr Auftraggeber sein, sondern Erziehungsinstanz. Unternehmen sollen nicht einfach gute Leistung anbieten, sondern sich durch immer neue Nachweise, Kontrollen und Vorgaben kĂ€mpfen. FĂŒr einen Auftrag sollen sie beweisen, dass sie ideologisch auf Kurs sind. Das ist kein Wirtschaftsdenken, das ist das Denken des ZK der SED. [Beifall bei der AfD â
Ooooh!] â Ja, das kommt den Leuten so vor, wenn ich denen das vorlese in meinem Bezirk. Da sagen sie: Das gab es im Osten doch schon! â Das ist doch die Wahrheit! So ist es! Und wer leidet darunter? â Nicht die groĂen Konzerne mit eigenen Rechtsabteilungen, Compliance-Managern oder Formularprofis. Leiden werden wieder einmal die kleinen und mittleren Unternehmen, der Mittelstand, das Handwerk, spezialisierte Anbieter â also genau jene, die Berlin ja eigentlich dringend brĂ€uchte. Denn jeder zusĂ€tz- liche Nachweis, jede neue Zertifizierung, jede weitere Dokumentationspflicht bedeutet fĂŒr kleine Betriebe vor allem eins: mehr Kosten, mehr Aufwand, auch mehr Risiko. Und irgendwann sagen viele dann schlicht: Dann lassen wir es eben sein. Dann bieten wir eben nicht mehr mit. â Und das ist ja, was wir schon in der aktuellen Fas- sung des Vergabegesetzes sehen, das Sie von den Linken und von den GrĂŒnen hier noch völlig abwegig ver- schĂ€rfen wollen: weniger Bieter, weniger Wettbewerb, höhere Preise und langsamere Verfahren, also genau das Gegenteil von dem, was Berlin in wirtschaftlich schwie- rigen Zeiten braucht. â Sie werden mir zustimmen, Frau Senatorin, in denen befinden wir uns nun wirklich. Das brauchen wir nicht. Besonders aufschlussreich ist der Geist dieses Antrags. Elektronische Arbeitszeiterfassung, Vor-Ort-Kontrollen, Hinweisstellen, Auswahlkontrollgruppe â das ist die Sprache des Generalverdachts. Hier wird jeder Unter- nehmer von vornherein so behandelt, als mĂŒsse man ihn nur eng genug ĂŒberwachen, damit er sich politisch kor- rekt verhĂ€lt. Das ist kein VerhĂ€ltnis auf Augenhöhe zwi- schen Staat und Wirtschaft; das ist ein Misstrauens- regime, Herr Valgolio. [Beifall bei der AfD â
Bravo!] Ăhnlich verhĂ€lt es sich mit den Unterauftragsketten. NatĂŒrlich muss Missbrauch bekĂ€mpft werden, aber eine arbeitsteilige Wirtschaft ist eben RealitĂ€t. Gerade bei komplexen AuftrĂ€gen gibt es Spezialisierungen, Zuliefe- rungen und Teilgewerke. Wer hier pauschal politisch (Jörg Stroedter) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8524 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 begrenzen will, zeigt vor allem eines: keine Ahnung von wirtschaftlicher RealitĂ€t. Der Staat ist kein Erziehungsprojekt der Linken, und öffentliche Beschaffung ist kein Hebel zur Durchsetzung toxischer linker Weltvorstellungen. Diesen Antrag lehnen wir entschieden ab, wie ĂŒbrigens auch das ganze Ver- gabegesetz in Berlin. â Vielen Dank! [Beifall bei der AfD â
Richtig so!] Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie an den Haupt- ausschuss. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 4.3: PrioritĂ€t der AfD-Fraktion Tagesordnungspunkt 19 Gesetz zur Aufhebung des Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetzes Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3052 Erste Lesung In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion. â Bitte schön, Herr Abgeordneter Hansel, Sie haben erneut das Wort!
Frau PrĂ€sidentin, ich bedanke mich erneut! â Ich mache hier gleich weiter, wo ich aufgehört habe; das macht ja Sinn. Es geht ja jetzt um eine Grundsatzfrage: Will Berlin weiter an einem vergaberechtlichen Fehlkonstrukt fest- halten, das Verfahren verlangsamt, Unternehmen ab- schreckt und öffentliche Beschaffung politisch ĂŒberfrach- tet. Oder hat dieses Haus endlich den Mut, einen Irrweg zu beenden? â Wir als AfD sagen hier klar: Das Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz gehört abgeschafft. Nicht reformiert, nicht kosmetisch nachgebessert, nicht an einzelnen Stellen oder Grenzen nachjustiert, es gehört aufgehoben, denn dieses Gesetz ist im Kern falsch. Das öffentliche Vergaberecht ist bundesrechtlich lĂ€ngst umfassend geregelt. Mit dem Gesetz gegen Wettbe- werbsbeschrĂ€nkungen und der Vergabeordnung gibt es bereits einen vollstĂ€ndigen Rahmen fĂŒr Transparenz, Wettbewerb, Gleichbehandlung und Wirtschaftlichkeit. Berlin braucht hier also kein eigenes ideologisches Zu- satzgesetz, aber genau das hat Rot-Rot-GrĂŒn geschaffen: eine zusĂ€tzliche Normschicht, politisch ĂŒberfrachtet, mit TariftreueerklĂ€rungen, Zusatzpflichten, sozialen und ökologischen Sonderzielen und immer neuen Dokumen- tationspflichten. Ăffentliche Beschaffung wird so nicht effizienter, sondern schwerfĂ€lliger, teurer und unattrakti- ver. Vor diesem Fehler wurde von Anfang an gewarnt: Die IHK Berlin hat gemeinsam mit WirtschaftsverbĂ€nden schon 2020 an dieses Haus appelliert, dieses Gesetz nicht zu beschlieĂen. Die Botschaft war glasklar: Das ist das völlig falsche Signal. Gefordert wurden unbĂŒrokratische, schnelle Vergaben und keine Konzentration auf das, was fĂŒr die AuftragserfĂŒllung wirklich notwendig ist. Und auch Sie von der CDU wussten das damals noch. Christi- an Goiny hat hier fĂŒr die CDU das gesagt, was ich fĂŒr die AfD gesagt habe, nĂ€mlich: Dieses Gesetz behindert Vergaben und AuftrĂ€ge eher, als dass es helfe. Er hat â wie ich â auf die Kammern und VerbĂ€nde verwiesen, die erklĂ€rt haben, das Gesetz geht so nicht. Ich hatte das damals gesagt, er hat es gesagt, wir hatten recht, und das wissen Sie. Noch interessanter ist aber, was dann spĂ€ter passiert ist: Im Oktober 2022 saĂ Manja Schreiner im Wirtschaftsaus- schuss als Anzuhörende â Herr Stroedter, Sie er-innern sich â, damals als HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Fachge- meinschaft Bau. Sie hat dieses Gesetz in der Sache zer- legt. Sie sagte: In Berlin beteiligen sich nur noch 19 Prozent der Unternehmen an öffentlichen Aus- schreibungen. Wenn wir so handeln wĂŒrden wie Sie, wĂ€ren es noch weniger. Sie forderte: Reduzieren Sie auf das, was wirklich notwendig ist. Deutlicher kann man ein Gesetz nicht zerlegen, zu komplex, zu formalistisch, zu teuer, zu wenig kontrollierbar und in der Wirkung ab- schreckend fĂŒr Unternehmen. Jetzt kommt die Pointe: SpĂ€ter saĂ genau jene Manja Schreiner als Senatorin im Wegner-Senat. Als Vertreterin der Bauwirtschaft wusste sie noch ganz genau, wie realitĂ€tsfern und bieterfeindlich dieses Gesetz ist. Aber was ist passiert? Wurde dieses Gesetz abgeschafft? â Nein! Wurde dieser Irrweg been- det? â Nein! Wurde die politische Ăberfrachtung besei- tigt? â Nein, das Regelwerk wird von CDU und SPD weiter mitgeschleppt! Daran erkennt man, was die CDU in Berlin heute ist. In der Opposition redet sie wie die IHK, in der Regierung handelt sie wie die SPD. FrĂŒher haben Sie das Gesetz mit uns abgelehnt, weil es Vergaben behindert. Heute verwal- ten Sie denselben Irrsinn mit ein paar kosmetischen Kor- rekturen, mit der Erhöhung der Wertgrenzen weiter. Ge- nau daran erkennt man was, Herr Schaal? â Auch in die- sem Politikfeld ist die CDU kein Korrektiv der SPD, sondern ihr BĂŒttel. Sie trĂ€gt am Ende genau das mit, was sie frĂŒher selbst als wirtschaftsfeindlich kritisiert hat. Befreien Sie sich von dieser politischen Selbstblockade! Weg mit dieser zusĂ€tz- (Frank-Christian Hansel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8525 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 lichen Normschicht! Weg mit diesem Berliner Sonder- weg der Vergabeideologie! Weg mit einem Gesetz, das keiner mehr braucht! Das Bundesvergaberecht reicht aus. Alles, was Berlin darĂŒber hinaus aufgetĂŒrmt hat, ist vor allem eines: BĂŒrokratie mit politischer Schlagseite. Darum ist unser Antrag richtig, nicht aus Trotz, nicht aus Symbolik, sondern aus ordnungspolitischer Vernunft. Ja, jetzt ist der Regierende BĂŒrgermeister nicht da, aber Sie werden es ihm sicherlich erzĂ€hlen, genau das ist sein Problem, das ist Ihr Problem in der Regierung: Sie regie- ren lieber falsch mit den vermeintlich Richtigen, mit SPD, GrĂŒnen und Linken, an die Sie sich mit Ihrer Brandmauer politisch festgekettet haben, anstatt richtig fĂŒr Berlin zu regieren. Die Berliner haben von dieser kognitiven Dissonanz langsam genug. Wir haben dasselbe Schauspiel schon bei der Ausbil- dungsplatzabgabe vor ein paar Wochen erlebt. Wider besseres Wissen, wider die Interessen der Wirtschaft halten CDU und SPD an einem falschen Kurs fest, nur um das linke Lager zusammenzuhalten. Nein, Herr Weg- ner, liebe Senatoren, das sind eben nicht die Richtigen, mit denen Sie regieren. Das sind die Falschen. Der BĂŒr- ger erkennt es. Sie wissen es. Wir wissen es. â Vielen Dank! Dann hat nun fĂŒr die CDU-Fraktion der Kollege Schaal das Wort.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Es ist ja eine etwas auĂergewöhnliche, aber dennoch heitere Konstellation, dass wir in zwei Rederunden quasi das gleiche Thema nacheinander be- handeln. Der Rand links auĂen hat weitere VerschĂ€rfun- gen vorgeschlagen. Der Rand rechts auĂen hat vorge- schlagen, das Gesetz ganz abzuschaffen. Ich glaube, wir können uns als CDU-SPD-Koalition in der Mitte ganz wohl fĂŒhlen und ganz gut wiederfinden in einem Kurs des Kompromisses, der gut ist fĂŒr diese Stadt, der gut ist fĂŒr die Ausschreibungen in Berlin, der gut ist fĂŒr die BeschĂ€ftigten in Berlin und der auch gut ist fĂŒr die Unternehmen in dieser Stadt. Wir sind auch damit nicht allein. Viele BundeslĂ€nder, auch andere BundeslĂ€nder haben Landesvergabegesetze, in denen sie spezielle Rahmenbedingungen, landesspezi- fische BeschĂ€ftigungspraktiken festlegen, die das Bun- desrecht bewusst offen lĂ€sst. Es gibt ja diese Ăffnung dazu, das zu schaffen. Das ist dabei ja intendiert gewesen. Sie stĂŒtzen sich mit Ihrem Antrag in Teilen auf den Vergabebericht, dass Sie sagen, es muss jetzt komplett abgeschafft werden, aber Sie missinterpretieren den Vergabebericht, denn zu diesem Schluss kommt er ja eben nicht. Er kommt nicht zu dem Schluss, dass wir abschaffen sollen, sondern er kommt zu dem Schluss, dass Reformanpassungen notwendig sind. Das ist ja im Grunde genommen auch der Weg, den andere Bundes- lĂ€nder jetzt gehen und den wir in Berlin jetzt auch gehen. Wir erhöhen die Wertgrenzen, was wirklich ein Schritt ist, die Sachen zu beschleunigen, die Bauprozesse, die Aufgaben zu beschleunigen und Geld, das wir haben, natĂŒrlich wĂŒnschen wir uns mehr, aber das, was wir ha- ben, und das, was wir verbauen wollen, möglichst schnell tatsĂ€chlich in die RealitĂ€t kommen zu lassen. Es nĂŒtzen uns keine Programme der Welt was, die wir hier be- schlieĂen, wenn wir sie nicht auf die StraĂe kriegen, wenn wir sie nicht in die Schulen kriegen, wenn wir sie nicht verbaut kriegen. Mit dem, was wir jetzt hier tun, entschlacken wir. Wir mildern BĂŒrokratie ab, und wir schaffen die Chance, dass wir insgesamt einfach schneller werden und trotzdem zeigen, wir halten Standards ein, wir halten Löhne ein, wir sind fĂŒr Standards, ganz klar, wir sind fĂŒr Kriterien, ganz klar, aber wir wollen schnel- ler und besser werden. Deswegen sage ich hier an dieser Stelle noch mal ganz konkret, was wir jetzt anpassen werden. Wir werden darĂŒber noch diskutieren. Also wir heben den Vergabe- mindestlohn auf das Niveau des gesetzlichen Landesmin- destlohns in Berlin an, ein richtiger Weg. Wir schaffen die Tariftreueverpflichtung fĂŒr alle AuftrĂ€ge, unabhĂ€ngig von der Wertgrenze, auch ein richtiger Weg. Wir heben diese Wertgrenzen von 10 000 Euro auf 75 000 Euro bei Liefer- und Dienstleistungen an, bei den Bauleistungen von 50 000 Euro auf 500 000 Euro, Faktor-10-Erhöhung. Das ist Entschlackung. Das ist das, was wir jetzt machen. Ehrlicherweise, die GesprĂ€che, die wir mit der Wirtschaft fĂŒhren, sind sehr positiv. Die zeigen und bestĂ€tigen uns, dass wir auf dem Weg sind, insbesondere junge, kleine und auch mittlere Unter- nehmen an den Vergabeprozessen zu beteiligen. Es ist ja nicht alles falsch, was Sie gesagt haben. NatĂŒrlich sind die groĂen Betriebe mit groĂen Rechtsabteilungen prob- lemlos in der Lage, sich auch durch die kompliziertesten Ausschreibungsprozesse durchzuarbeiten. Wir wollen, dass sich in Berlin auch mittelstĂ€ndische Unternehmen wieder beteiligen, wieder Chancen haben, AuftrĂ€ge zu gewinnen, und dann eben auch von dem profitieren, was wir alle wollen, unsere Stadt sanieren, unsere Stadt ver- bessern, unsere Stadt aufbauen. (Frank-Christian Hansel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8526 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Ich will deswegen in meiner letzten Minute Redezeit, die ich habe, weil es in der ersten Rederunde untergegangen ist â vielleicht habe ich es zu schlecht erklĂ€rt, jedenfalls hat kein anderer von Ihnen was dazu gesagt, es wĂŒrde mich interessieren, was ihr dazu denkt â, noch mal das Bestbieterprinzip erklĂ€ren. Ich bitte, das nicht zu unter- schĂ€tzen. Das ist eine massive Entlastung. Wir werden in Zukunft im Vergabeverfahren den Unternehmen sagen: Na klar, am Anfang musst du dich dazu bekennen, dass du das hier alles erfĂŒllst, die Kriterien, aber nicht jeder muss das mehr nachweisen, nicht jeder, der sich um einen öffentlichen Auftrag bewirbt, muss Hunderte von Seiten Nachweise einreichen, allein bei der Bewerbung, sondern derjenige, der den Zuschlag bekommt, hat danach die Zeit, seine Zertifikate, seine Berichte nachzuweisen, und das entschlackt, weil das Bewerben an sich leichter und schneller wird. Deswegen ist das ein richtiger Weg, den wir hier gehen, auf den wir zu Recht stolz sein können, denn er kommt aus der Mitte des Parlaments, aus der politischen und auch aus der vernĂŒnftigen. Dann folgt jetzt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, und das mit dem Kollegen Wapler.
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Dieser soge- nannte Gesetzentwurf der AfD macht nur eines klar: Die AfD ist nicht allein ein Feind der Demokratie, sondern auch ein Feind der BeschĂ€ftigten. Die Abschaffung des Vergabegesetzes hatte hier auch mal die FDP gefordert. Dadurch wird auch deutlich, wie leicht faschistische und libertĂ€re Ideologien doch zusam- menfinden. Mit Ihrer Forderung machen die Leute vom rechten Rand deutlich, dass sie eben keine menschenwĂŒrdige Bezah- lung wollen, sondern Ausbeutung und Lohndumping im öffentlichen Auftrag, so wie sie es auch im Bund treiben: dumpfes Volkstum statt SolidaritĂ€t, massive soziale KĂŒr- zungen, eine Politik gegen Arme und Menschen mit ge- ringem Einkommen, Gewerkschaften aus den Betrieben drĂ€ngen, Mitbestimmung schwĂ€chen, Streikrecht einschrĂ€nken, Allgemeinverbindlichkeit von TarifvertrĂ€gen abschaffen, schlechte Arbeitsbedingungen und mehr Profite fĂŒr ihre Klientel. Das sind die Ziele der Rechten und derjenigen, die sie unterstĂŒtzen. Nichts hat sich geĂ€ndert, immer haben Sie marktradikale und sozialdarwinistische Positionen vertreten. Hier zeigt sich wieder, die AfD gibt sich gern als Arbei- terpartei und schĂŒrt zugleich die soziale Verachtung zwi- schen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte, zwischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie TransferempfĂ€ngerinnen und TransferempfĂ€ngern, zwi- schen Geringverdienerinnen und Geringverdienern sowie mittleren Einkommensgruppen. Da haben fĂŒr Sie natĂŒr- lich auch soziale und ökologische Standards nichts in der öffentlichen Vergabe zu suchen. Wer national und völ- kisch denkt, wer Menschen hasst und ausgrenzt, wer Umwelt- und Klimaschutz verachtet, der will natĂŒrlich auch ein Gesetz abschaffen, das der Ausbeutung und dem ungehemmten Profit entgegensteht, so weit, so erwartbar. Wie unverantwortlich Sie mit öffentlichen Mitteln umge- hen, zeigt nicht nur die Einstellungspraxis Ihrer Parteikol- leginnen. Dass Sie auch Ausbeutung im öffentlichen Auftrag fordern, wird niemand ĂŒberraschen. Wir werden das selbstverstĂ€ndlich ablehnen und uns Ihrer Menschenverachtung immer und ĂŒberall entgegenstellen. Darauf können Sie sich verlassen. â Vielen Dank! Dann hat der Abgeordnete Hansel um die Gelegenheit fĂŒr eine Zwischenbemerkung gebeten, und er hat sie jetzt. â Bitte schön!
Das ist ja spannend, dass das Bundesvergabegesetz fa- schistoid ist, rechtsradikal, menschenfeindlich, arbeiter- feindlich, asozial. Wir haben ein Gesetz, das regelt Vergaben in diesem Land. Das ist nicht asozial. Es ist auch nicht rechtsradikal und nicht menschenfeindlich. Es ist völlig normal. Ihre Ăberfrachtung fĂŒhrt dazu, dass es in der Wirtschaft nicht mehr lĂ€uft, das öffentliche AuftrĂ€ge nicht mehr angenommen werden, und die CDU hat vor drei Jahren nichts anderes gesagt als wir. Sie wollten es nicht. Die IHK hat uns allen geschrieben, aber Sie lesen es ja nicht. (Lucas Schaal) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8527 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Sie hat gesagt: Macht dieses Gesetz bitte nicht! Genauso wie sie vor zwei Wochen geschrieben hat: Macht bitte diese Arbeitsplatzumlage nicht! Sie interessiert das nicht. Sie haben Ihr Wolkenkuckucksheim. Sie haben Ihre ver- geistigte â â Ich weiĂ nicht, was Sie da haben, aber es ist verkrampft. Es ist nicht mehr wirklichkeitsnah. Darum wĂ€hlen Sie die Menschen auch nicht mehr. Uns wĂ€hlen die Menschen. Uns wĂ€hlen die Arbeiter, nicht mehr die SPD. Uns wĂ€hlen Migranten, die, die hier lange leben. Wissen Sie, warum? Wegen des Zustroms, den Sie hier reingelassen haben. Die sehen, das sind die Leute, die negativ auf sie zurĂŒckfallen. Das sind die Messerleute, nicht alle. Aber diese Gefahr, die wir in diesem Land haben, das haben Sie zu verant- worten und nicht wir. Deswegen wĂ€hlen uns die Leute! 20 Prozent in Nordrhein-Westfalen, damals Hochburg der SPD, sogar in Niedersachsen, das war ein CDU-Land. Denkt doch mal nach! Fangt doch mal an nachzudenken, was ihr hier macht und redet nicht immer diesen Schwachsinn ĂŒber uns, diesen Blödsinn: rechtsextrem! Das ist doch eure eigene Kopfblockade, um euch nicht damit auseinandersetzen zu mĂŒssen, was ihr hier macht! â Das ist doch völlig egal, was Sie hier wollen! Es ist doch Tatsache. Sie wollen doch gar nicht mit uns reden. FĂŒr Sie sind wir doch gar keine Menschen. FĂŒr Sie sind wir doch gar nicht da, in eurer Demokratie. SchĂ€men sollten Sie sich! AbgewĂ€hlt werdet ihr alle! Dann will ich darauf hinweisen, dass zum parlamentari- schen Umgang in der Regel nicht das Du-Wort gehört. Dann hat Herr Wapler die Gelegenheit zu einer Antwort. Das möchte er nicht. â Dann ist der nĂ€chste Redner der Kollege Stroedter aus der SPD-Fraktion.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Meine sehr verehrten Kol- leginnen und Kollegen! Ich habe eben schon in meiner Rede zum Antrag der Linksfraktion gesagt, wir werden die Gesetzesnovelle in der nĂ€chsten Plenarsitzung ein- bringen. Wir werden mit VorabĂŒberweisung am 4. Mai im Wirtschaftsausschuss eine Anhörung machen, so wie es das ĂŒbliche geregelte parlamentarische Verfahren vorsieht, und dann können wir uns noch einmal ĂŒber jedes Detail der einzelnen Regeln des Berliner Vergabe- gesetzes austauschen und den notwendigen Reformbedarf fĂŒr das Gesetz diskutieren. Das allerdings, was die AfD und Herr Kollege Hansel heute hier vorschlagen, nĂ€mlich das Berliner Vergabe- recht komplett und alternativlos abzuschaffen, ist er- schreckend neoliberal und zeigt, wessen Geistes Kind die AfD ist. Ich will das so deutlich sagen. Es zeigt, dass der AfD vollkommen egal ist, wie hoch die Löhne sind, die bei der AusfĂŒhrung öffentlicher AuftrĂ€ge bezahlt werden. Ich hoffe, dass die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler Ihrer Partei das irgendwann mal sehen und lesen. Es zeigt auch, dass es der AfD vollkommen egal ist, ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der AusfĂŒhrung öffentlicher AuftrĂ€ge von ihrer HĂ€nde Arbeit leben kön- nen. Es zeigt auĂerdem, dass die AfD vollkommen ĂŒber- fordert ist, ĂŒber den Wirtschaftsstandort Berlin insgesamt nachzudenken, und es zeigt, dass die AfD keine wirtschafts- und ar- beitsmarktpolitische Fachkompetenz hat. Wer ernsthaft, wie es die AfD hier fordert, mit öffentli- chem Geld AuftrĂ€ge finanzieren und dabei gleichzeitig Dumpinglöhnen keinen Einhalt gebieten will, der hat ĂŒberhaupt nicht verstanden, wie die Situation vieler Ber- linerinnen und Berliner und vieler Berliner Betriebe ist. Gerade die ehrlichen Unternehmen, die sich an die TarifvertrĂ€ge halten und gute Löhne zah- len, kommen ohne staatliche Regelung zur Anwendung des Tarifrechts und eines Mindestentgelts unter Druck, weil sich andere Unternehmen, die Sie offensichtlich fördern wollen, durch Dumpinglöh- ne Wettbewerbsvorteile erschleichen können und bei öffent- lichen AuftrĂ€gen ZuschlĂ€ge erhalten wĂŒrden. (Frank-Christian Hansel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8528 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Dass Sie schreien, zeigt, dass das Ihre Position ist. Es ist doch entlarvend und beschĂ€mend, dass die AfD so gar kein soziales Gewissen zu haben scheint, sonst hĂ€tten Sie es nicht gewagt, diesen Antrag in dieser Form ĂŒberhaupt einzubringen! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist ja in Ordnung, Zwischenrufe sind okay, wenn es aber so eine Kaskade wird, um den Redner zu stören, dann ist es unfair. Deswegen hat jetzt Herr Stroedter das Wort.
Das Kind schreit, wenn die Wahrheit ausgesprochen wird. Wir lesen hier schwarz auf weiĂ, dass die AfD die landesrechtlichen SpielrĂ€ume, die wir zur Verbesserung der Situation der Berliner Unternehmen und der Berline- rinnen und Berliner nutzen können, nicht nutzen will. Mit der Abschaffung des Berliner Vergabegesetzes wĂŒrden viele Berlinerinnen und Berliner deutliche LohnrĂŒckgĂ€n- ge aushalten mĂŒssen. Wir lesen hier schwarz auf weiĂ, dass es der AfD auch egal ist, ob regionale, kleine und mittlere Unternehmen bei den Ausschreibungen des Landes Berlin zum Zuge kommen oder eben nicht. Dass Sie die Gesetzeskompetenz des Landes Berlin beim Vergaberecht nicht nutzen wollen und sich allein â das ist ein interessanter Punkt â auf die Vergaberegelungen des Bundes und der EU verlassen, passt mit den Tönen, die man sonst immer von der AfD hört, auch nicht zusam- men. Ist die EU nun doof oder hat die EU gute Regeln? Da mĂŒssen Sie sich an der Stelle dann mal entscheiden, wenn Sie uns daran hindern wollen, ein Vergabegesetz in Berlin zu machen. Einerseits die EU dauernd zu kritisieren und sich anderer- seits faul nach hinten lehnen und die eigene Gesetzes- kompetenz nicht nutzen zu wollen, weil man sich auf die EU verlassen will, ausgerechnet auf die EU, ist nicht nur widersprĂŒchlich, es ist ein politisches Armutszeugnis und zeigt die geistige Haltung Ihrer Partei. Mit dem Berliner Vergabegesetz regeln wir, dass es fĂŒr Vergabeverfahren in Berlin soziale und ökologische MaĂstĂ€be gibt. Das sind sinnvolle Regeln der politischen Steuerung, um bei der Verausgabung von Steuermitteln qualitative MaĂstĂ€be zu setzen. Das ist richtig, es ist wichtig, und das werden wir beibehalten. Die Tariftreue und die BerĂŒcksichtigung der ILO- Kernarbeitsnormen sind nicht ĂŒberflĂŒssig, sondern es ist richtig, dass wir als SPD die Regeln seinerzeit verpflich- tend im Vergabegerecht verankert haben. Abschaffen werden wir das Vergabegesetz natĂŒrlich nicht, im Gegenteil, wir wollen es verbessern. Die AfD ist wie so oft auf einem Irrweg und lĂ€sst die Arbeiterin- nen und Arbeiter im Stich, obwohl Sie versuchen, sich als neue Arbeiterpartei zu gerieren. Das ist auch ein Teil Ihrer Positionierung, von der ich sagen kann, dass sie einfach nicht mehr den tatsĂ€chlichen RealitĂ€ten ent- spricht. Das ist fĂŒr uns als SPD kein Weg. Es versteht sich von selbst, dass wir diesen unsinnigen Antrag ablehnen. Herr Hansel, ich hoffe, bis zur nĂ€chsten Sitzung des Ausschus- ses fĂ€llt Ihnen Besseres ein! Wir haben ein gutes Gesetz vorliegen. Diese Koalition zeigt, dass Sie voll handlungs- fĂ€hig ist und die Situation der Berlinerinnen und Berliner und der Betriebe verbessern will. â Vielen Dank! Dann spricht fĂŒr die Linksfraktion der Kollege Valgolio.
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Liebe Kolleginnen und Kollegen! Der Kollege Wapler hat schon darauf hinge- wiesen, dass die letzte Partei, die hier beantragt hat, das Vergabegesetz komplett aufzuheben, die FDP war. Was er nicht erwĂ€hnt hat, ist, dass die FDP jetzt erfreuli- cherweise nicht mehr unter uns ist. Ich glaube, wir sollten bei allen Differenzen zwischen den Parteien gemeinsam daran arbeiten, dass auch die braun lackierte Version der FDP bald nicht mehr unter uns ist. Der Vorteil ist: Ihr Antrag gibt mir noch mal die Gele- genheit, auf einige Unklarheiten einzugehen, die aus der letzten Debatte ĂŒbrig geblieben sind. Ich glaube, auch die Kollegen der SPD halten nicht die Ausschreibung und die Vergabe auseinander. Die sozia- (Jörg Stroedter) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8529 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 len und sonstigen Vergabekriterien sind im Ausschrei- bungs- und Vergabegesetz geregelt. Wie die Ausschrei- bung erfolgt, ist in der Landeshaushaltsordnung geregelt, im § 55 und dann in den AusfĂŒhrungsvorschriften. Da steht drin: Eine Direktvergabe â das heiĂt nicht Direkt- vergabe, es heiĂt eingeschrĂ€nkte Vergabe oder so Ă€hnlich â ist in der Haushaltsordnung nur möglich bis 100 000 Euro. Das heiĂt, Sie sollten bitte zumindest bis zum Ausschuss klĂ€ren, ob Sie bereit sind, auch an der Landeshaushaltsordnung etwas zu Ă€ndern â das wir ja durchaus unterstĂŒtzen wĂŒrden. DarĂŒber kön- nen wir ja reden. Solange das nicht passiert ist, sollten Sie aber nicht behaupten, dass Sie irgendwie Direktvergaben leichter möglich machen oder irgendwas erleichtern wĂŒrden, und wenn Sie an der Landeshaushaltsordnung etwas Ă€ndern und Direktverga- ben erleichtern, sind wir ja mit dabei, können wir ja ma- chen. Aber warum muss man dann gleichzeitig im Vergabegesetz die sozialen Kriterien streichen? Man kann doch die Landeshaushaltsordnung Ă€ndern, Direkt- vergaben erleichtern und trotzdem fĂŒr diese direkt verge- benen AuftrĂ€ge noch die sozialen Kriterien drin lassen. Das zeigen Sie doch selber, indem Sie das fĂŒr die Ta- riftreueklausel so geregelt haben. Warum nicht auch fĂŒr die anderen Regelungen? Warum nicht auch den Verga- bemindestlohn beibehalten? Was Sie machen â â Da können wir gern drĂŒber reden, da bin ich mal gespannt, was Sie uns dazu im Ausschuss erzĂ€hlen. Wie gesagt, mehr Direktvergaben, darĂŒber können wir gern reden, setzt aber auch voraus, dass in der Verwaltung Leute die Verantwortung tragen an der politi- schen Spitze, in den HausfĂŒhrungen, die auch in der Lage sind, gesetzeskonform Mittel zu verausgaben und sie das nicht evident rechtswidrig machen; habe ich ja schon gesagt. Was Sie machen, ist also, die Wertgrenzen anheben und damit fĂŒr alle AuftrĂ€ge, die unter diesen Wertgrenzen liegen, bestimmte Schutzvorschriften aufzuheben, zum Beispiel den Vergabemindestlohn. Deswegen kann man natĂŒrlich auch nicht sagen, dass Sie keine sozialen Vergabekriterien schleifen wĂŒrden, natĂŒrlich machen Sie das. Sie schaffen zum Beispiel â â Ich habe ĂŒbrigens Ihren Gesetzentwurf gelesen noch gestern Abend spĂ€t, meine Laune ist immer schlechter geworden, Sie schla- gen vor, § 18 Absatz 1 zu streichen im Berliner Aus- schreibungs- und Vergabegesetz, komplett. Was steht da in § 18 Absatz 1? â Dass die Wertgrenzen so sein mĂŒs- sen, dass höchstens 5 Prozent der AuftrĂ€ge oder der Un- ternehmen, die die AuftrĂ€ge ausfĂŒhren, nicht unter den Landesmindestlohn fallen. Das streichen Sie. Warum? â Weil Sie natĂŒrlich wollen, dass viel mehr Unternehmen nicht unter den Landesmindestlohn fallen, und das ist natĂŒrlich absolut unsozial und unsozialdemokratisch auch. Dann, noch viel problematischer, wollen Sie § 15 Ab- satz 1 Satz 1 Nummer 6c Ausschreibungs- und Ver- gabegesetz Ă€ndern. Das heiĂt, Sie wollen die Wertgren- zen absenken, nicht nur fĂŒr den Auftragnehmer, sondern komplett auch fĂŒr die Untervergabe, und zwar komplett, bis auf 500 000 Euro bei BauauftrĂ€gen. Das heiĂt, eine Baufirma kann sich einen Auftrag geben lassen fĂŒr 2 Millionen Euro und vergibt dann UnterauftrĂ€ge, wie sie es immer machen, an Subunternehmer fĂŒr 400 000 Euro vielleicht, und dann steht im Gesetz, weil es unter 500 000 Euro ist, gilt ĂŒberhaupt keine Regelung mehr fĂŒr die Unterauftragnehmer, auch nicht die Tariftreuerege- lung. Das heiĂt, selbst das heben Sie komplett auf fĂŒr alle Untervergaben unter 500 000 Euro bei BauauftrĂ€gen, und bei Dienstleistungen unter 75 000 Euro, das heiĂt, da wĂ€re ja das gesamte Schulcatering raus, weil das lĂ€uft immer ĂŒber Subunternehmer. Das wĂ€re komplett raus aus der Tarifbindung. Das kann doch bitte nicht euer Ernst sein! Ich hĂ€tte Sie noch nach einer Zwischenfrage fĂŒr Herrn Schneider gefragt.
Gerne! Bitte schön!
Sie haben zutreffend erkannt, dass wir die Tarifbindung ab 1 000 Euro zulassen wollen, und zwar unabhÀngig von den Wertgrenzen. Ich wollte mal der Neugierde wegen wissen, weil Sie so ein Experte sind, ob Sie mir irgendei- nen Tarifvertrag, der hier einschlÀgig ist, nennen können, der Löhne generiert unterhalb der in Rede stehenden Vergabemindestentgelte?
Das Problem ist, dass sehr viele öffentliche AuftrĂ€ge an Unternehmen vergeben werden, die nicht unter Tarifver- trĂ€ge fallen, die nach der Tariftreueklausel auf sie ange- wendet werden. Zum Beispiel der gesamte Schulungsbereich, da gibt es keine TarifvertrĂ€ge, und deswegen lĂ€uft die Tariftreue- klausel da nĂ€mlich leer, und deswegen brauchen wir natĂŒrlich â â Was Sie möglicherweise andeuten wollten, (Damiano Valgolio) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8530 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 ist, dass wir durch die Tariftreueklausel gar keinen Vergabemindestlohn mehr brauchen, und das ist völlig falsch. Ein groĂer Teil der BeschĂ€ftigten, die öffentliche AuftrĂ€ge abarbeiten, fallen auch mit der Tariftreueklausel nicht unter einen Tarifvertrag, und deswegen brauchen wir natĂŒrlich noch den Vergabemindestlohn. Abgesehen davon, dass es natĂŒrlich noch untere Entgeltgruppen gibt in manchen TarifvertrĂ€gen, zum Beispiel die Eingangs- stufen auch beim GebĂ€udereinigergewerbe, das heiĂt, bei falschen Eingruppierungen brauchen wir immer noch den Vergabemindestlohn, und es ist auch noch viel einfacher zu kontrollieren als die Eingruppie- rung. Deswegen brauchen wir den unbedingt, und deswe- gen ist es inakzeptabel, dass Sie den so schleifen und den Anwendungsbereich des Vergabemindestlohns so stark einschrĂ€nken. â Nein, das sieht das ĂŒberhaupt nicht anders, das können Sie mir glauben. Wo ich gerade noch die Möglichkeit der RedezeitverlĂ€n- gerung habe, wollte ich noch, wenn es gestattet ist, auf die Frage vom Kollegen Schaal eingehen, denn Sie haben ja zu Recht gefragt: Ist dieses Nachweisverfahren nicht eine gute Idee? â Denn durch dieses Nachweisverfahren kann man sich ja auf einen Auftrag bewerben und muss erst hinterher nachweisen, dass man bestimmte Voraus- setzungen erfĂŒllt. Unsere Idee ist noch viel besser, wir schlagen eine allgemeine Zertifizierung fĂŒr Unternehmen vor, dass sie tariftreu sind, dass sie ĂŒbrige Kriterien ein- halten. Das heiĂt, du lĂ€sst dich als Unternehmen einmal zertifizieren fĂŒr zwei Jahre, drei Jahre, wie auch immer, und dann musst du ĂŒberhaupt nichts mehr auffĂŒhren, auch hinterher nichts mehr nachweisen. Bei Ihrem Vorschlag muss man den Nachweis ja trotzdem als Unternehmer erbringen, aber eben zwei Monate spĂ€ter, aber bei jeder einzelnen Ausschreibung wieder den Nachweis erbrin- gen. Das ist kein BĂŒrokratieabbau. Unser Vorschlag ist BĂŒrokratieabbau ĂŒber die Zertifizierung. Man lĂ€sst sich einmal zertifizieren und kann dann zwei, drei Jahre bei jeder Ausschreibung mitmachen, ohne irgendetwas dazu ausfĂŒhren zu mĂŒssen. Herr Kollege, jetzt mĂŒssten Sie bitte zum Schluss kom- men! Aber Sie bekommen möglicherweise doch noch eine RedezeitverlĂ€ngerung, denn jetzt hat zunĂ€chst der Kollege Hansel das Wort fĂŒr eine Zwischenbemerkung. â Erst Herr Hansel, und dann dĂŒrfen Sie entscheiden, ob Sie noch darauf antworten. â Bitte sehr, Herr Hansel!
Wider die Erwartung von Herrn Valgolio bin ich ihm dankbar! Ich bin ihm sehr dankbar, weil er genau jedes Mal nachgewiesen hat, dass die CDU eigentlich dieses Gesetz gar nicht wollte. Sie hat es ja damals nicht be- schlieĂen wollen mit uns zusammen, völlig richtig, und eigentlich will sie es abschaffen, und sie tut es jetzt halb, indem sie diese Wertgrenze nach oben erhöht, diese 500 000 Euro, wo Sie gesagt haben, völlig zu Recht, das sind nur 5 Prozent, die darunterfallen, teilweise. Das ist genau dieser Krampf, dieser Koalitionskrampf, den Sie hier veranstalten. Die wollen das Gesetz eigent- lich abschaffen, und Sie wollen es haben, trauen sich aber auch nicht, dagegen zu opponieren, weil Sie dann wieder mit denen zusammengehen, und dieses Hickhack in einer Koalition, die eigentlich keiner will, die keiner wollte, das ist Ihr Dilemma, und das ist Ihr Problem. Darum habe ich hier gesagt fĂŒr unsere Fraktion: Wir schaffen das Gesetz ab! Denn das wĂ€re ehrlich gewesen. â Herr Schneider, das wĂ€re ehrlich gewesen, Herr Schneider, und nichts sonst. Darum bin ich dem Kollegen dankbar, dass er diesen Krampf, den Sie hier veranstalten, deutlich gemacht hat! â Ganz herzlichen Dank! Wir bleiben dabei, ehrlich wĂ€re es, dieses Gesetz abzu- schaffen, und nochmal â ich wiederhole es nochmal â: Wir sind die Partei des politischen Realismus aus der Mitte der Gesellschaft. Das haben Sie ja gelernt in den letzten zehn Jahren, wo wir zusammensitzen. Darum verlassen Sie auch die SPD und sind nicht mehr dabei, um sich das weitere Elend anzugucken. Also erstens glaube ich, dass der Kollege Schneider uns erhalten bleibt, jedenfalls in der Partei. Aber ich wĂŒrde trotzdem darauf hinweisen, dass âHirni- quatschâ nicht den parlamentarischen Gepflogenheiten entspricht. Dann liegen jetzt keine weiteren Wortmeldungen mehr vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Gesetzes- antrags an den Ausschuss fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe. â Widerspruch höre ich nicht. (Damiano Valgolio) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8531 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Ach so, ja, doch, Entschuldigung, ich habe nicht gefragt, ob Herr Valgolio möchte. â Nein, er ist nicht aufgestan- den, alles klar! Weitere Wortmeldungen liegen also nicht vor. Dann ĂŒberweisen wir jetzt den Gesetzesantrag an den Ausschuss fĂŒr Wirtschaft, Energie und Betriebe. Es wird Sie also trösten, dass Sie dort darĂŒber weiter reden kön- nen. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Ich rufe auf lfd. Nr. 4.4: PrioritĂ€t der Fraktion der CDU Tagesordnungspunkt 21 Drittes Gesetz zur Ănderung des Schulgesetzes und weiterer Rechtsvorschriften Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/3105 Erste Lesung Ich eröffne die erste Lesung der Gesetzesvorlage, und in der Beratung beginnt die Fraktion der CDU und das mit der Kollegin Khalatbari.
Schon in der Antike hieĂ es: âBildung ist nicht das BefĂŒllen von FĂ€ssern, son- dern das EntzĂŒnden von Flammen.â Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir ĂŒber SchulgesetzĂ€nderungen sprechen, denkt wahrscheinlich niemand zuerst an Begeisterung. Ein Schulgesetz ist kein Bestseller, aber es entscheidet darĂŒber, ob Schule im Alltag funktioniert, und genau deshalb ist dieses Zitat, das Sokrates zugeschrieben wird, so treffend. Bildung ist kein Abarbeiten von Vorschriften, sondern ein lebendiger Prozess, und genau darum geht es heute. Wenn man sich die aktuelle Presse anschaut, dann sieht man, die Heraus- forderungen sind lĂ€ngst im Alltag angekommen bei El- tern, bei Schulen, bei SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern selbst. Wenn wir heute ĂŒber die Ănderung des Schulgesetzes sprechen, dann sprechen wir also nicht ĂŒber Paragrafen allein, sondern ĂŒber konkrete Probleme, die gelöst wer- den mĂŒssen. Es geht hier nicht um groĂe Ăberschriften, sondern um gezielte Verbesserungen im System. Lassen Sie mich vier Punkte aus der vorliegenden Novelle her- ausgreifen, die besonders relevant sind. Erstens, Digitali- sierung der Schule: Wir schaffen die rechtliche Grundla- ge fĂŒr digitale Zeugnisse, digitale KlassenbĂŒcher und auch fĂŒr den Einsatz von kĂŒnstlicher Intelligenz im Schulbereich. Das ist keine technische Spielerei. Das ist lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig. Die Schule organisiert sich vielerorts noch wie im letzten Jahrhundert. Das Ă€ndern wir jetzt. Zweitens, Umgang mit Schuldistanz: Wir geben Schulen durch das Einbinden des Gesundheitsamtes ein klares Instrument an die Hand, wenn Zweifel am krankheitsbe- dingten Fernbleiben bestehen. Wer dauerhaft fehlt, braucht Aufmerksamkeit, nicht Wegsehen. Denn Schul- pflicht ist die Grundlage fĂŒr Chancengerechtigkeit. Drittens, Schulplatzvergabe: Wer in den letzten Wochen die Berichterstattung verfolgt hat, der weiĂ, dass fĂŒr viele Familien die Schulplatzsuche alles andere als transparent ist. FĂŒr viele Familien ist das eine Schwierigkeit. Genau hier setzen wir an. Mit einer stĂ€rkeren gesamtstĂ€dtischen Koordinierung sorgen wir dafĂŒr, dass SchulplĂ€tze schnel- ler, gerechter, nachvollziehbarer vergeben werden. SchulplĂ€tze dĂŒrfen eben kein GlĂŒcksspiel sein. Viertens, individuelle Förderung: Mit standardisierten Lernstandserhebungen schaffen wir die Grundlage, um frĂŒhzeitig zu erkennen, wo UnterstĂŒtzung gebraucht wird. Das ist kein Kontrollinstrument, sondern ein FrĂŒhwarn- system. Wir mĂŒssen frĂŒher wissen, wo Kinder stehen. Nur dann können wir sie auch richtig unterstĂŒtzen. Kurzum, wir wissen alle, wo es im System hakt. Genau diese genannten Punkte und einige weitere gehen wir mit dieser Novelle pragmatisch, konkret und ohne ideologi- sche Umwege an. Was dieses Gesetz, das wir nun zum dritten Mal in der kurzen Wahlperiode in die Hand nehmen, auszeichnet, ist seine Klarheit. Es moderiert, es schafft VerlĂ€sslichkeit, und es verbessert AblĂ€ufe dort, wo sie im Alltag spĂŒrbar sind. Das ist keine groĂe Reformshow. Das ist konkrete Problemlösung. Genau das erwarten die Menschen in dieser Stadt. Wenn Bildung das EntzĂŒnden von Flammen ist, dann mĂŒssen wir die Voraussetzungen dafĂŒr schaffen, dass diese Flammen ĂŒberhaupt entstehen können. Dieses Gesetz leistet genau das. Lassen Sie uns also deshalb heute den nĂ€chsten Schritt gehen fĂŒr eine Schule, die funktioniert, fĂŒr eine Schule, die gerecht ist, und fĂŒr eine Schule, die Zukunft möglich macht. Als Kollegin, als ehemalige Schulleiterin und als Mutter bitte ich Sie um Ihre Zustimmung. â Vielen Dank! (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8532 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Dann hat als nĂ€chstes fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Burkert-Eulitz das Wort.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Werte Kolleginnen! Wel- che Flammen Sie gerade entzĂŒndet haben, liebe Kollegin Khalatbari, ist mir irgendwie entgangen. Anstatt die wirklichen Probleme der Berliner Schule anzugehen, legt uns diese Koalition ein Reförmchen vor. Die RealitĂ€t in dieser Stadt braucht viel mehr. Mehr als 3 000 Kinder werden von ihrem Recht auf Bil- dung ausgeschlossen. Das darf so nicht sein. Frau GĂŒn- ther-WĂŒnsch, Sie kennen die Zahlen von diesem unhalt- baren Zustand seit zwei Jahren. Passiert ist bisher nichts. Sie haben Familien im Regen stehen lassen. Jetzt, am Ende der Legislatur, grĂŒnden Sie einen Runden Tisch, anstatt ab Kenntnis der Zahlen sofort zu handeln. In die- sem Gesetzentwurf ist nichts dazu zu lesen. Am letzten Donnerstag hatten wir im Bildungsausschuss eine Anhö- rung. BĂ€rbel Wohlleben von Autismus Deutschland brachte es auf den Punkt: Es ist wie vor 50 Jahren. Da- mals sind die Betroffenen beim Schulsenator fĂŒr autisti- sche Kinder vorstellig geworden, die nicht in die Schule gehen konnten, die nur Hausunterricht hatten, die mit zehn Jahren zum ersten Mal eine Schule von innen sahen. 50 Jahre spĂ€ter reden wir immer noch ĂŒber diese Kinder. 3 000 Kinder werden von schulischer Bildung ausge- schlossen, weil sie sich nicht an das System anpassen können. Neurodivergente Kinder, Kinder mit Autis- musspektrum, Kinder mit ADHS, mit FASD, mit anderen Profilen, die nicht dem engen Bild des normalen Lernens entsprechen, stoĂen tĂ€glich an Grenzen. Das ist kein individuelles Schicksal. Das ist strukturelles Versagen. Wir werden das Ă€ndern. Die UN-Behindertenrechtskonvention bindet das Land Berlin, diese Koalition. Sie verpflichtet zu angemessenen Vorkehrungen. Doch die Politik dieser Senatorin lautet: Ressourcen entscheiden, ob ein Kind in die Schule geht oder es nicht darf. â So darf das nicht weitergehen. Es braucht mindestens zwei Dinge: Wissen und Fortbildung der FachkrĂ€fte konsequent, verpflichtend, praxisnah, Multiplikatorenausbildungen, die ins gesamte Kollegium hineinwirken, damit das Schulpersonal weiĂ: Auf einen Meltdown kann man nicht mit einer erzieherischen Reak- tion antworten. Und es braucht Vernetzung und statisti- sche Erfassung. Wir wissen nicht einmal genau, wie viele Kinder betroffen sind. Ohne Daten keine Steuerung, ohne Vernetzung der beteiligten Institutionen kein umsetzbares Recht auf Schule fĂŒr alle Kinder. Wir haben dazu VorschlĂ€ge in dieses Parlament einge- bracht. Sie haben sie ungeprĂŒft abgelehnt. Das ist ein Armutszeugnis. Mit einem neuen § 37b werden wir konk- ret. Wir wollen eine Rechtsgrundlage fĂŒr die Kinder, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation vorĂŒbergehend oder dauerhaft nicht in die Schule kommen können. Sie brauchen digitalen Unterricht, keine Notlösung, keine Ausnahme. PrĂ€senz am Ort Schule hat natĂŒrlich Vorrang. Aber wenn PrĂ€senz nicht möglich ist, darf Bildung nicht einfach wegfallen. Noch ein Wort zum Ăbergang nach der 5. Klasse: Frau GĂŒnther-WĂŒnsch, Sie sind mit Ihrem Probeunterricht krachend gescheitert. Es gibt keinerlei Evidenz. Herr Hopp und die Morgenpost haben es Ihnen vorgemacht. Die 1,4-Kinder haben diesen Test nicht bestanden. Ihre Worte waren: Mit 2,2 ist man geeignet fĂŒrs Gymnasium. Mit 2,3 nicht? Offensichtlich sind Kinder nach Ihrer Logik mit 1,4 nicht geeignet fĂŒrs Gymnasium. Wir wollen, dass die Klassenkonferenz die Förderprognose abgibt. Das wĂ€re ein nachvollziehbares Instrument fĂŒr die Kinder und erklĂ€rbar. Es gibt eine Schulform, die all das gesamtstrukturell löst: die Gemeinschaftsschule â langes gemeinsames Lernen ohne BrĂŒche, ohne Druck, ohne Stress. Berlin muss von Helsinki und Tallinn lernen. Wir waren doch alle letztes Jahr da. Dort waren wir alle vor einem Jahr. Da haben wir das gelernt. Beziehung und Zeit sind das Wichtigste. Aber all das wollen Sie nicht. Wir wollen bis 2030 eine Verdoppe- lung der Gemeinschaftsschulen und wollen endlich die eigene Rechtsverordnung fĂŒr sie, die ihrer besonderen praktischen Logik gerecht wird. Wer gerechte Bildung des 21. Jahrhunderts fĂŒr alle Kin- der will, weiĂ, wo er am 20. September sein Kreuz ma- chen wird. â Vielen Dank! Dann folgt nun fĂŒr die SPD-Fraktion die Kollegin Dr. LasiÄ.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir haben in Berlin eine zentrale SchlĂŒsselfra- ge im Bildungsbereich: Wie schaffen wir es, dass mehr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler erfolgreich durch die Schule kommen? Die Antwort darauf ist vielschichtig, und sie wĂŒrde den Rahmen der heutigen Aussprache sprengen. Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8533 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Aber eines ist klar: Ohne qualitativ hochwertigen Unter- richt geht es nicht. Gleichzeitig stehen wir vor einer be- sonderen Herausforderung. Wir glauben an die eigen- stĂ€ndige Schule und eigenverantwortliche LehrkrĂ€fte. Das heiĂt, vor Ort wird entschieden, wie unterrichtet wird. Aber was ist dann unsere Aufgabe als Politik? Wie steuert man QualitĂ€t in einem System, das bewusst auf EigenstĂ€ndigkeit setzt? â Unsere Antwort darauf ist: Schritt fĂŒr Schritt eine verlĂ€ssliche Systematik aufbauen. Vor fast zehn Jahren haben wir die SchulvertrĂ€ge einge- fĂŒhrt, und darin verpflichten sich Schulleitungen auf konkrete QualitĂ€tsziele. AnschlieĂend kam das Indikato- renmodell. Es ermöglicht Schulen, sich anhand zentraler Daten mit anderen Schulen in Ă€hnlicher Lage zu verglei- chen. Wir schauen auf AbschlĂŒsse, auf Vergleichsarbei- ten, auf Fehlzeiten und vieles mehr. In dieser Legislatur haben wir zusĂ€tzlich die schulauf- sichtliche Reserve geschaffen. Damit können Schulauf- sichten gezielt Ressourcen einsetzen. Wenn sich eine Schule im Schulvertrag zu einem Ziel verpflichtet, be- kommt sie kĂŒnftig auch die UnterstĂŒtzung, um diese Ziele zu erreichen. Heute gehen wir den nĂ€chsten Schritt: Wir schaffen die Möglichkeit, Daten systematisch ĂŒber alle Jahrgangsstufen hinweg zu erfassen. Das bedeutet: VE- RA 3 und VERA 8 sind kĂŒnftig nicht mehr nur Moment- aufnahmen. Wir können Entwicklungen ĂŒber mehrere Jahre hinweg verfolgen, und LehrkrĂ€fte sehen besser, wie erfolgreich ihre Arbeit tatsĂ€chlich ist. Keines dieser Instrumente allein wird den Durchbruch bringen, aber im Zusammenspiel werden sie dafĂŒr sorgen, dass sich der Bildungserfolg unserer SchĂŒlerinnen und SchĂŒler Schritt fĂŒr Schritt verbessert. FĂŒr uns als SPD ist dabei klar: Wir mĂŒssen im nĂ€chsten Schritt auch darĂŒber sprechen, ob das, was wir messen, wirklich ausreicht. Ja, es ist essenziell, Kompetenzen in Deutsch, Mathematik und Englisch zu erfassen. Aber Bildung ist mehr als das. Unser BildungsverstĂ€ndnis ist breiter. Demokratiebil- dung, gesundes Leben, ein diskriminierungskritischer Umgang miteinander: All das gehört zum Auftrag der Schule, und bisher wissen wir zu wenig darĂŒber, ob und wie gut das gelingt. Deshalb darf die Frage in Zukunft nicht lauten, ob wir messen â natĂŒrlich messen wir â, die entscheidende Frage ist: Was messen wir, damit wir unse- re Kinder wirklich auf das Leben vorbereiten? Mit dem heutigen Gesetzentwurf gehen wir einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die Linksfraktion die Kollegin Brychcy.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Durch jĂ€hrliche flĂ€chendeckende Lernstands- erhebungen allein, die Sie im Schulgesetzentwurf vor- schlagen, werden Sie die BildungsqualitĂ€t an den Berliner Schulen nicht erhöhen. Denn erst einmal bedeuten sie höheren Aufwand fĂŒr die LehrkrĂ€fte bei der Vorberei- tung, DurchfĂŒhrung und Korrektur â und das bei dem aktuellen LehrkrĂ€ftemangel und der enormen Ăberlastung der Kolleginnen und Kollegen, die wir aktuell haben. Dieser Aufwand flieĂt in die Diagnostik, nicht etwa in die individuelle Förderung der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler selbst. Wo die Schwierigkeiten der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler liegen, wissen die LehrkrĂ€fte, auch ohne Ver- gleichsarbeiten. Was sie brauchen, ist Zeit, um darauf reagieren zu können. Stattdessen muss der Unterricht kĂŒnftig auf das Bestehen dieser standardisierten Leis- tungstest fokussieren, die jĂ€hrlich stattfinden sollen, statt auf tatsĂ€chliche Lernfortschritte. FĂŒr SchĂŒlerinnen und SchĂŒler bedeuten die neuen Tests erheblichen zusĂ€tzli- chen Stress, Ăngste und weitere psychische Belastung. Da ist es kein Wunder, wenn sie dabei die Lust am Ler- nen verlieren und die Schuldistanz immer weiter zu- nimmt. JĂ€hrliche flĂ€chendeckende Leistungstests sind völlig unnötig und auch bildungspolitisch der falsche Weg â und das nur, damit Sie als Koalition sagen können, Sie machen etwas fĂŒr mehr BildungsqualitĂ€t. Dabei sind die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Lernfortschritt die Qualifikation der LehrkrĂ€fte und ausreichend Zeit fĂŒr individuelle Förderung der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler. Aber Sie als Koalition haben die hart erkĂ€mpften Sonder- programme fĂŒr beste LehrkrĂ€ftebildung komplett gestri- chen â damit wir bloĂ nicht zu viele LehrkrĂ€fte ausbilden, wĂŒrde die Wissenschaftssenatorin sagen, wenn sie heute hier wĂ€re. Das ist wirklich absurd. Dann gehen Sie, Frau Bildungssenatorin, mit Ihrer unausgegorenen Reform an die QualitĂ€t im Referendariat heran und verweigern sich einer sinnvollen Verschiebung des Inkrafttretens. Dann mĂŒssen wir auĂerdem noch den Fehlstart des BLiQ verkraften. Wir hoffen auf eine schnelle Wiederbesetzung der Lei- tung, denn wir brauchen ein gut funktionierendes Lehr- krĂ€ftebildungsinstitut in Berlin. Aber zum Schulgesetz: Gut, dass Sie die BedarfsprĂŒfung in der erweiterten Förderung und Betreuung beziehungs- weise im Hort nicht wieder eingefĂŒhrt haben, denn das wĂ€re nĂ€mlich ein fataler RĂŒckschritt zulasten derjenigen GrundschĂŒlerinnen und GrundschĂŒler gewesen, die dafĂŒr bestraft worden wĂ€ren, wenn nicht beide Elternteile voll erwerbstĂ€tig sind â was auch den neuen Rechtsanspruch (Dr. Maja LasiÄ) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8534 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 und den geplanten Ausbau der Ganztagsbetreuung kon- terkariert hĂ€tte. Da frage ich mich: Wie kommt man ĂŒberhaupt auf so eine Idee? Wir freuen uns aber darĂŒber, dass nun mit der daten- schutzrechtlichen Grundlage endlich der Weg fĂŒr die Arbeitszeiterfassung von LehrkrĂ€ften ĂŒber das Schulpor- tal frei ist, und hoffen, dass sie auch schnell in die Um- setzung geht, denn die LehrkrĂ€fte haben ein Recht auf Arbeitszeiterfassung. Zwei Millionen Stunden unbezahlte Mehrarbeit, wie sie die Berliner LehrkrĂ€fte laut der vor- liegenden Arbeitszeitstudie der UniversitĂ€t Göttingen jĂ€hrlich leisten, das ist ein Skandal. Offiziell will der Senat aber gar nichts davon wissen. NatĂŒrlich darf es nicht bei der Erfassung der Arbeitszeit stehen bleiben, sondern in der Konsequenz braucht es Entlastung der LehrkrĂ€fte, damit mehr Zeit fĂŒr die individuelle Förde- rung der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler bleibt. Die GesprĂ€che fĂŒr mehr Entlastung mit der GEW scheinen leider bisher noch kein Ergebnis gebracht zu haben. Frau Kollegin! Ich darf Sie fragen, ob Sie eine Zwischen- frage der Kollegin Burkert-Eulitz zulassen möchten.
Ja, gern! Bitte schön!
Liebe Frau Kollegin, ich möchte Sie fragen: Können Sie uns erklÀren, warum Sie denken, dass das BLiQ gecrasht ist?
Ich glaube, wir können das hier im Plenum nicht ausfĂŒh- ren, aber ich muss schon sagen: Wir haben die Leitung des BLiQ, die Direktorin, oftmals eingeladen und waren auch im BLiQ vor Ort, und dass dieser Schritt so spĂ€t erfolgt ist, ĂŒberrascht mich ein bisschen. Aber ich habe ja gesagt, dass wir auf eine schnelle Wiederbesetzung hof- fen. Denn die Leitung des BLiQ hat eine zentrale Rolle auch bei der Qualifizierung der LehrkrĂ€fte, und ich hoffe, dass SenBJF hier die nötigen Schritte einleitet und eine entsprechende fĂ€hige Leitung findet. Jetzt komme ich aber noch einmal zu dem Thema Inklu- sion und zu den datenschutzrechtlichen Regelungen des vorliegenden Entwurfs, auch fĂŒr KI und digitales Klas- senbuch: Wir haben da noch Diskussionsbedarf und wer- den das sicherlich in der Anhörung im Bildungsausschuss auch noch einmal vertieft betrachten. Ich möchte noch einen letzten Punkt ansprechen: Es ist sehr bedauerlich, dass Sie die Chance der Schulgesetzno- velle nicht genutzt haben, um den gescheiterten Probeun- terricht abzuschaffen, den in diesem Jahr nur noch 1 Pro- zent der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ĂŒberhaupt bestanden haben, und sich die Zweifel erhĂ€rtet haben, ob dieser Test ĂŒberhaupt von GrundschĂŒlerinnen und GrundschĂŒlern bestanden werden kann. Der enorme Aufwand und Stress fĂŒr die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, fĂŒr die Eltern, fĂŒr die LehrkrĂ€fte ist unnötig, und als Linke regen wir an, den Probeunterricht zuguns- ten eines Votums der Klassenkonferenz zu ersetzen, und fordern Sie als Koalitionsfraktionen auf, die Chance des jetzt vorliegenden Gesetzentwurfs dafĂŒr zu nutzen! â Vielen Dank! Als NĂ€chstes hat der Kollege Tabor fĂŒr die AfD-Fraktion das Wort.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Berliner! Die geplan- te Novelle des Schulgesetzes hĂ€lt einige Ănderungen bereit, die wir allerdings nur zum Teil unterstĂŒtzen. Be- fremdlich, und mir auch nicht ganz erklĂ€rlich, ist jedoch, warum der Senat Anlass sah, die gestrichene BedarfsprĂŒ- fung fĂŒr die Hortbetreuung wieder einzufĂŒhren. Es passt aber so ein bisschen auch in die Rhetorik der SPD-Merz- CDU, die ĂŒberall die berufstĂ€tige Bevölkerung unter Verdacht stellt und nach KĂŒrzungen von sinnvollen Sozi- alleistungen sucht. Ich kann Ihnen sagen: Das machen wir bei der AfD auf jeden Fall nicht mit! § 56 Absatz 1 soll die Aufnahme zieldifferent unterrichte- ter FörderschĂŒler am Gymnasium regeln, auch wenn diese SchĂŒler keine Eignung fĂŒr das Gymnasium nach- weisen können. Warum? Was soll das? Ich kann das ĂŒberhaupt nicht nachvollziehen. SchĂŒler ohne Eignung fĂŒr das Gymnasium gehören nicht auf das Gymnasium, Punkt. SchĂŒler sollten entsprechend ihrer Leistungsvo- raussetzungen in homogene Lerngruppen eingeteilt wer- den. Es kĂ€me doch auch niemand auf die Idee, dass ein SchulanfĂ€nger zusammen mit Hochschulstudenten unter- richtet werden soll â warum also FörderschĂŒler zusam- (Franziska Brychcy) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8535 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 men mit Hochbegabten? Das ergibt irgendwie keinen Sinn, auĂer man sucht wieder nach Möglichkeiten, das Gymnasium zu schleifen. Die CDU lĂ€sst sich hier schein- bar wieder von der SPD ĂŒber den Tisch ziehen. LehrkrĂ€f- te und SchĂŒler werden wie so oft die Leidtragenden Ihrer verfehlten linken Bildungspolitik sein. DarĂŒber hinaus widerspricht es auch der inneren Logik und der Idee eines Gymnasiums. Die Schulen sollen kĂŒnftig einmal im Schuljahr vorgege- bene Tests zum individuellen Lernstand in Deutsch und Mathe durchfĂŒhren â so weit, so gut. Die Erhebung des Lernstands soll dazu dienen, eine individuelle Förderung der SchĂŒler zu ermöglichen. FĂŒr eine individuelle Förde- rung muss es aber auch eine entsprechende Zuweisung an personellen Ressourcen geben. Dazu könnte die Senats- verwaltung die entsprechenden Testdaten nutzen. Eine Nutzung der Daten fĂŒr andere Zwecke soll aber per Ge- setz ausgeschlossen sein. FĂŒr mich ist das ein Fehler und nicht nachvollziehbar. Wenn Sie die Ergebnisse nicht öffentlich machen wollen, sollten Sie doch wenigstens eine Nutzung zur Personalsteuerung möglich machen. Die mögliche Anordnung einer Untersuchung von SchĂŒ- lern durch das Gesundheitsamt bildet einen wichtigen Baustein zur Reduzierung von Schuldistanz, aber sie wird nichts nutzen, wenn wir die wahren GrĂŒnde fĂŒr Schuldis- tanz, fĂŒr die Schulverweigerung nicht benennen: massive Gewalt, Mobbing, ethnische Konflikte an manchen Schu- len, Chaos im Klassenzimmer. Da hĂ€tte ich, ehrlich ge- sagt, auch keine Lust, zur Schule zu gehen, wenn ich unter solchen UmstĂ€nden in die Klasse gehen muss. Ich hoffe und wĂŒnsche mir wirklich von Herzen, dass mit der Einbestellung der SchĂŒler beim Gesundheitsamt die wah- ren Ursachen aufgedeckt und die Lösungen gefunden werden können. Der Amtsarzt wird dem SchĂŒler dann sicherlich vermitteln: Du bist völlig gesund. Unser Schul- system in Berlin ist krank. Es werden Rechtsgrundlagen fĂŒr das digitale Klassen- buch geschaffen. Das fordern wir von der AfD ĂŒbrigens seit acht Jahren. AfD wirkt, kann man da sagen. â Dem Jugendamt dĂŒrfen kĂŒnftig SchĂŒlerdaten ĂŒbermittelt wer- den. Ich wĂŒnsche mir allerdings auch den umgekehrten Weg, dass Schulen vom Jugendamt informiert werden. Wir erinnern uns vielleicht alle noch an die Gewaltexzes- se am Campus Efeuweg. Da kam es durch polizeibekann- te IntensivtĂ€ter zu MassenschlĂ€gereien. Allerdings: Die Schule wusste nicht darĂŒber Bescheid, dass IntensivtĂ€ter bei ihr auf der Schule sind. Diesen Missstand sollten wir auch beheben. Die Schulaufsichtsbehörde soll die SchultrĂ€ger bei der Schulplatzvergabe unterstĂŒtzen. â Wir haben hier einen weitergehenden Vorschlag: ein öffentlich einsehbares Portal, das die SchulplatzwĂŒnsche live abbildet und die Schulplatzvergabe streng nach Leistung sortiert. Ein absolutes No-Go fĂŒr uns ist allerdings auch noch der eine Punkt: Warum eine LSBTIQ-Person im Landes- schulbeirat sitzen muss, ist mir absolut nicht klar. Es zeigt, dass sich die SPD um symbolische Anerkennung dieser Gruppen bemĂŒht. FĂŒr die Bildungserfolge der SchĂŒler in der Breite fĂ€llt Ihnen allerdings immer wenig ein. Ich kann der CDU nur raten, sich nicht von der SPD Tipps einzuholen; die hatte schlieĂlich 25 Jahre Zeit â vor Ihrer Zeit, Frau Senatorin! â, aus Berlin eine Bildungs- hauptstadt zu machen. Das Gegenteil ist passiert. Unser Bildungssystem ist nahe dem Abgrund. Durch das Hissen einer Regenbogenfahne wird mit Sicherheit kein SchĂŒler besser in Deutsch und Mathe werden. Insgesamt hoffe ich darauf, dass sich durch die Aus- schussberatung noch einige Ănderungen ergeben werden. â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung der Gesetzesvorlage an den Aus- schuss fĂŒr Bildung, Jugend und Familie. â Widerspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Wir kommen zu lfd. Nr. 4.5: PrioritĂ€t der Fraktion der SPD Tagesordnungspunkt 62 KleingewĂ€sserprogramm ausgestalten Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Drucksache 19/3107 In der Beratung beginnt die SPD-Fraktion, und zwar mit der Kollegin Vierecke.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kolleginnen! Wir stehen hier eigentlich auf Sumpfgebiet. Ja, Berlin war wirklich auch mal Sumpfgebiet, und damit sich Ber- lin entwickeln konnte, wurde die Landschaft ĂŒber Jahr- hunderte trockengelegt. Durch Trockenlegung, Begradi- gung von GewĂ€ssern und AufschĂŒttung von Baugrund ist das heutzutage nicht mehr so sichtbar, aber es gibt noch Ăberbleibsel von diesem Sumpfgebiet, von dieser alten Wasserlandschaft, und das sind die KleingewĂ€sser. In dieser Stadt gibt es ĂŒber 700 KleingewĂ€sser. Das sind Weiher, Teiche, TĂŒmpel, kleine FlieĂgewĂ€sser und kleine Seen. Ja, nicht nur der Wannsee gehört zu Berlin, sondern (Tommy Tabor) (Linda Vierecke) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8536 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 auch diese KleingewĂ€sser, und die sind extrem wertvoll. Doch deren Lage ist tatsĂ€chlich dramatisch, denn mehr als die HĂ€lfte davon liegt trocken. Das kennen Sie viel- leicht, wenn Sie in die Kieze gehen, dass man da weiĂ: Hey, da war eigentlich mal so ein kleiner Teich, ein Wei- her oder etwas anderes, aber jetzt ist dort eigentlich nichts mehr zu sehen. Als ich der Sache nachgegangen bin, warum das so ist und warum wir da nicht mehr tun von der Landesebene, hieĂ es: Ja, die Bezirke sind zustĂ€ndig. â Die haben aller- dings wiederum kein Geld, um sich darum zu kĂŒmmern. In der Konsequenz sind uns die KleingewĂ€sser in den letzten Jahren und Jahrzehnten ausgetrocknet. Deshalb braucht es eine Umkehr. Die Grundlagen dafĂŒr schaffen wir heute in diesem Antrag. Wir werden damit endlich eine langfristige Umsetzung der KleingewĂ€ssersanierung und des KleingewĂ€sserhaushalts sowie der Renaturierung vorbereiten. Der Senat wird dabei auch eine tragendere Rolle haben. Erstmals werden alle Stand- und FlieĂgewĂ€sser erfasst. Es wird ein zentrales Monitoring und eine Dokumentati- on geben. Wir können damit Best Practices, das How-to sammeln und alle Player, die Bezirke, die Berliner Fors- ten und alle Dritten, die vielleicht auch in den Bezirken noch dazu arbeiten, einbinden. Und wir haben damit auch erstmals eine Priorisierung der Projekte, die fĂŒr eine nachhaltige Renaturierung oder Restaurierung geeignet sind, mit einer KostenabschĂ€tzung. Das alles gab es bis- her nicht. Ich will mich auch ganz ausdrĂŒcklich bei meinem Koali- tionspartner bedanken, dass wir jetzt den KleingewĂ€s- serantrag auf den Weg gebracht haben. Zweieinhalb Jahre hat es gedauert, nachdem ich ihn eingebracht hatte, aber er ist mitgetragen, und das finde ich wichtig. Leider mussten wir gemeinsam aber auch stark kĂ€mpfen, um dem CDU-gefĂŒhrten Senat die Brisanz des Themas klarzumachen. Das zeigt der Blick auf die Haushalte, die wir gemeinsam aufgestellt haben. Im Haushalt 2024/2025 hatte der Senat immerhin 1 Million Euro fĂŒr die Klein- gewĂ€sser eingeplant, und wir haben dann noch mal 4,3 Millionen Euro eingestellt, insgesamt fĂŒr 2024/2025 dann 4,9 Millionen Euro. Dann, 2026, wieder dasselbe Spiel: Frau Bonde kĂŒrzt das KleingewĂ€sserprogramm auf 800 000 Euro. Damit kann man ungefĂ€hr ein oder viel- leicht auch zwei KleingewĂ€sser unterstĂŒtzen, mehr aber auch nicht. Wir als Parlament haben die KĂŒrzung wieder zurĂŒckgeholt auf SPD-Ticket und stĂ€rken das Programm wieder auf 4,5 Millionen Euro. Was ist damit klar? â Klar ist doch, dass dieses Parla- ment, und das habe ich aus allen Fraktionen ĂŒbrigens gehört, will, dass wir etwas fĂŒr die KleingewĂ€sser tun, weil eben auch die Menschen das wollen, die in den Kie- zen leben. KleingewĂ€sser, das sind die kleinen Orte in der Nachbarschaft, wo man spazieren geht, wo man die Natur erlebt, wo man durchatmet. Das sind aber auch Lebens- rĂ€ume fĂŒr zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Sie speichern Wasser, filtern Schadstoffe und leisten durch KĂŒhlungseffekte im Sommer einen wichtigen Bei- trag zum Stadtklima. Hier trifft sich die Nachbarschaft ĂŒbrigens auch und hilft mit. â Und weil hier vorne von Herrn Lux kam: Nicht nur was sagen, sondern anpa- cken! â: Bitte schön! Sie können gerne hingehen und mitmachen bei so einer Aktion zu den KleingewĂ€ssern, dank des Wassernetzes Berlin, das immer wieder Pflanz- aktionen durchfĂŒhrt, Saubermachaktionen und auch Ge- sprĂ€che mit den Anwohnenden. Ich habe es auf jeden Fall schon mal mitgemacht, es lohnt sich, und am Ende sehen die KleingewĂ€sser besser aus. Mich freut sehr, dass die Lotto-Stiftung dieses Projekt weiter fördert. Denn klar ist: Viele KleingewĂ€sser retten wir nur mit Ausbaggern, mit aufwendiger Renaturierung und, ja, mit Geld im Haus- halt. Aber anderen KleingewĂ€ssern helfen auch nied- rigschwellige MaĂnahmen: den MĂŒll entfernen, das Pflanzen heimischer Ufergehölze; das ist quasi so ein leichter Einstieg in den GewĂ€sserschutz. Was den Senat angeht, hoffe ich, dass Sie alles dafĂŒr tun, dass die Gelder, die der Haushalt nun fĂŒhrt, zu den KleingewĂ€ssern geleitet werden, damit Berlin vielleicht nicht wieder Sumpf wird, aber doch ein bisschen sumpfi- ger. â Vielen Dank! Dann folgt nun fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Tomiak.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kolleginnen! Liebe Zuschauende! Wir sprechen heute erneut zu den KleingewĂ€ssern. Nachdem meine Fraktion einen umfang- reichen Antrag eingereicht hat, hat die Koalition nun auch einen eigenen vorgelegt. In meiner letzten Rede habe ich zum Thema gesagt: Der Ball liegt bei euch, bei Ihnen â, und ihr habt den Ball tatsĂ€chlich aufgenommen. Das nehmen wir wirklich wertschĂ€tzend zur Kenntnis. (June Tomiak) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8537 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 â Kann man auch mal klatschen, genau; wir haben auch zugestimmt im Ausschuss. â Das Problem ist klar: Unse- ren KleingewĂ€ssern geht es schlecht. Das ist nicht gut. Es muss was getan werden, möglichst viel, möglichst schnell. Das ist nicht einfach, aber nötig. Unsere VorschlĂ€ge waren umfassend, und tatsĂ€chlich hat sich durch die Besprechung im Umweltausschuss auch schon etwas getan. Wir wollten nĂ€mlich rechtliche Klar- heit haben, denn die Umweltziele der europĂ€ischen Was- serrahmenrichtlinie können auf KleingewĂ€sser angewen- det werden. Es war allerdings unklar, ob das Land Berlin das tut. Senatorin Bonde hat zugesagt, dass das Land Berlin die Wasserrahmenrichtlinie auf KleingewĂ€sser anwendet. Das ist erst mal gut. Damit die Wasserrahmen- richtlinie aber auch ihre Wirkung entfalten kann, wĂ€re es wichtig und folgerichtig, die KleingewĂ€sser entweder benachbarten OberflĂ€chengewĂ€ssern zuzuordnen oder sie als eigenen Wasserkörper auszuweisen, etwa indem man sie zusammenfasst, mehrere KleingewĂ€sser quasi zu einem zusammenfasst. Wenn wir das nicht machen und nur eine untergeordnete Bedeutung besteht, was der Fall ist, wenn man das mit dem Zuordnen nicht macht, dann ist nur eine mittelbare Einbeziehung nötig, um sie zu schĂŒtzen, wenn möglich zu verbessern und darauf zu achten, dass ihr Zustand die Zielerreichung in anderen GewĂ€sserkörpern nicht gefĂ€hrdet. Das heiĂt faktisch, wir mĂŒssen gar nicht so richtig etwas tun. â Da sind wir uns wohl alle sehr einig, dass es dabei nicht bleiben kann. Aber selbst in dieser schwĂ€chsten Variante der Anwen- dung der Wasserrahmenrichtlinie gibt es immer noch ein Verschlechterungsverbot, auch fĂŒr alle KleingewĂ€sser. Fakt ist aber, und das wurde eben schon gesagt, etwa ein Drittel der KleingewĂ€sser sind bereits fast oder vollstĂ€n- dig trockengefallen. Was ist mit denen? Geben wir die auf? Können wir sie noch retten? Schaffen wir neue KleingewĂ€sser? â Das sind alles Fragen, die ungeklĂ€rt sind. Klar ist: KleingewĂ€sser sind enorm wichtig fĂŒr das Klima in unseren Kiezen. Bei der Anhörung im letzten Umwelt- ausschuss haben selbst die Berliner Wasserbetriebe ge- sagt: Indirekt haben sie auch einen Einfluss auf unser Grundwasser, darauf, wie wir Wasser in der Stadt halten können. â Beim Wasser hĂ€ngt alles miteinander zusam- men, und wir können es uns schlicht nicht leisten, fahr- lĂ€ssig mit unseren Ressourcen umzugehen. Wir brauchen daher endlich ein Produkt fĂŒr die Bezirke, damit die Pflege der KleingewĂ€sser abgebildet werden kann und so auch finanziert wird. Wir sprechen viel ĂŒber die Renaturierung und die Revitalisierung, aber damit ein KleingewĂ€sser, das dann angefasst wurde, auch wirklich in einem guten Zustand bleibt, mĂŒssen die Bezirke ein Produkt haben, mit dem sie dann die KleingewĂ€sserpfle- ge buchen können. Frau Senatorin Bonde! Ich hatte es beim letzten Mal schon gesagt â Herr Senator Evers ist gerade nicht da â, mir ist wirklich egal, wer es macht. Hauptsache, es pas- siert! Das wirklich als Handlungsauftrag und Bitte: Klemmen Sie sich dahinter! Die Erfassung und das Monitoring der KleingewĂ€sser ist gut und wichtig. Das haben wir auch gefordert. Im Antrag der Koalition heiĂt es, es soll eine Priorisierung auch auf Grundlage der Eignung zur Renaturierung vorgenommen werden. Ich habe ehrlicherweise gedacht, und so wurde es auch vom Senat in den Haushaltsberatungen berichtet, dass diese EinschĂ€tzungen schon vorgenommen werden. Die Debatte ist ja nicht neu. Seit Jahren kĂ€mpfen wir fĂŒr die KleingewĂ€sser und um ihr Ăberleben. Es soll nun ein Bericht bis Ende August vorgelegt werden. Wenn es aber jetzt diesen Druck braucht mit diesem Antrag, dann heiĂt das im Umkehrschluss auch, dass das Thema in den letz- ten Jahren nicht angemessen verfolgt wurde. Das ist schade. Mir macht aufrichtig Sorgen, dass der Antrag der Koaliti- on lautet, dass die MaĂnahmen die Renaturierung nur vorbereiten sollen. Wir mĂŒssen aber wirklich asap in die Umsetzung kommen. Die Probleme sind seit Jahren be- kannt und beschrieben. Es geht ums Umsetzen, Renatu- rieren und Revitalisieren, und wenn es jetzt diesen Be- richt braucht, dann bitte, aber wir mĂŒssen wirklich schnell in die Umsetzung kommen. Geld ist schon da. Auch in unserem Sinne wĂ€re es, wenn das auf die StraĂe kommt und in die KleingewĂ€sser flieĂt. Unsere GrĂŒnenforderungen haben sich mit diesem Antrag der Koalition leider nicht erledigt. Ich hĂ€tte mich ehrlich gefreut, wenn das der Fall gewesen wĂ€re. Dem ist aber leider nicht so. Deshalb fordern wir weiterhin das Moni- toring, die Kompensation fĂŒr verlorene KleingewĂ€sser, die Einbindung in das Regenwassermanagement, den Biotopschutz und auch die Einbindung privater EigentĂŒ- merinnen und EigentĂŒmer. Jeden Schritt in diese Rich- tung unterstĂŒtzen wir, auch wenn wir uns mehr erhofft haben. Zum Schluss gilt mein Dank aber der Zivilgesellschaft, die weiter fĂŒr die KleingewĂ€sser kĂ€mpft: dem Wasser- netz, dem BUND, den NaturschĂŒtzenden vor Ort an den GewĂ€ssern. â Danke fĂŒr Ihren und euren Einsatz! Wir werden mit euch weiter Druck fĂŒr unsere KleingewĂ€sser, fĂŒr unser Wasser machen. â Herzlichen Dank! Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8538 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Dann folgt als NĂ€chster Kollege Freymark fĂŒr die
So, Freunde der Sonne! Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Erst einmal vorab: Wir haben dem Antrag bereits im Ausschuss zugestimmt und werden das auch in der zweiten Lesung tun. FĂŒnf Minuten reichen eigentlich absolut nicht aus, um die Wichtigkeit dieses Themas darzustellen. Ich versuche es trotzdem einmal, denn eins ist klar: Die Sanierung und (Franziska Leschewitz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8539 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Renaturierung unserer KleingewĂ€sser duldet keinen wei- teren Aufschub, und nur diskutieren reicht nicht. Der Antrag ist richtig, weil er etwas einfordert, das ei- gentlich selbstverstĂ€ndlich sein sollte: eine systemische, priorisierte und vor allem verbindliche Umsetzung. Der erste Schritt ist eine belastbare Ăbersicht ĂŒber den Zu- stand der GewĂ€sser. Genau hier liegt bereits das Problem. Der Senat erfasst bislang die WasserqualitĂ€t von mehr als 90 Prozent der GewĂ€sser nicht. Das heiĂt im Klartext, dass wir Entscheidungen treffen, ohne die Datengrundla- ge zu haben, die dafĂŒr notwendig wĂ€re. Das ist fachlich nicht haltbar und politisch nicht verantwortbar. Dabei wissen wir lĂ€ngst, wie ernst die Lage ist. Die Ber- liner KleingewĂ€sser befinden sich in einem erbĂ€rmlichen Zustand. Darauf weist der BUND in seinem KleingewĂ€s- serreport 2023/2024 hin. Das Ergebnis ist eindeutig: Ăber die HĂ€lfte der untersuchten GewĂ€sser sind aufgrund von Austrocknung, Verlandung oder mangelnder Pflege in einem schlechten Zustand. Von rund 700 KleingewĂ€s- sern, wir haben es gerade gehört, sollen etwa 300 ĂŒber- haupt kein Wasser mehr fĂŒhren. Trotzdem fehlt bis heute ein vollstĂ€ndiger Ăberblick. Das ist kein Erkenntnisprob- lem, das ist ein Umsetzungsproblem. Der Antrag setzt genau hier an, und das ist gut so. Der entscheidende Punkt des Antrags steht aus unserer Sicht in der BegrĂŒndung. Dort heiĂt es, dass die im Haushalt vorgesehenen Mittel endlich zĂŒgig und effektiv eingesetzt werden. Wir sprechen hier von rund 4,5 Millionen Euro pro Jahr. Diese Mittel stehen bereit und sind zwingend essenziell fĂŒr die Pflege und Renaturierung zu nutzen. Gleichzeitig wird gefordert, dass die MaĂnahmen zu priorisieren und dort anzusetzen sind, wo die gröĂten Effekte erzielt werden können. Auch das ist lĂ€ngst schon ĂŒberfĂ€llig, denn wir reden hier nicht ĂŒber ein Randthema. KleingewĂ€sser sind kein Luxusgut. Sie sind zentral fĂŒr die Klimaanpassung und BiodiversitĂ€t unserer Stadt. Nur wenn sie erhalten und gestĂ€rkt werden, kann Wasser bei Starkregen in der Stadt bleiben, gespeichert werden und zur KĂŒhlung beitragen. Nur so wird die Schwammstadt RealitĂ€t und bleibt kein Schlagwort. Gleichzeitig gibt es klare rechtliche Vorgaben. Das europĂ€ische Verschlech- terungsverbot verpflichtet uns dazu, den Zustand unserer GewĂ€sser nicht weiter zu verschlechtern, und zwar aus- drĂŒcklich auch dann, wenn sie sich bereits in einem schlechten Zustand befinden. Der EuropĂ€ische Gerichts- hof hat das bereits 2015 klargestellt. Das ist ein interes- santer und zugleich trauriger Fakt. Der Zustand vieler Ăkosysteme in Deutschland hat sich trotz zahlreicher und teilweise auch wirksamer NaturschutzbemĂŒhungen ĂŒber die letzten Jahrzehnte weiter verschlechtert. Dies gilt natĂŒrlich auch fĂŒr den Zustand der GewĂ€sser in Berlin. Daher muss die verbliebene Natur nicht nur geschĂŒtzt, sondern ihr Zustand auch aktiv gestĂ€rkt und verbessert werden. Daher gibt es die EU-Verordnung zur Wieder- herstellung der Natur. Sie verpflichtet die Mitgliedstaa- ten, geschĂ€digte Ăkosysteme wiederherzustellen. Ich unterstelle der Koalition, dass Sie hier an dieser Stelle tĂ€tig werden möchten und mit Ihrer Senatsverwaltung ein Konzept entwickeln werden bis 18. August 2026, um die EU-Vorgaben fristgerecht einzuhalten oder umzusetzen. Das bedeutet konkret, Nichtstun ist keine Option. Genau deshalb reicht es nicht, auf bestehende Projekte zu verweisen. Ja, es gibt Fortschritte, etwa an der Panke oder an der Wuhle. Aber die EinzelmaĂnahmen dĂŒrfen nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass es bislang an einer syste- matischen, flĂ€chendeckenden Strategie fehlt. Die Berliner Wasserbetriebe machen zudem deutlich, dass die StĂ€rkung natĂŒrlicher Wassersysteme oft effekti- ver und kostengĂŒnstiger ist als technische Lösungen wie groĂe RĂŒckhaltebecken. Auch aus wirtschaftlicher Sicht spricht also vieles dafĂŒr, jetzt konsequent zu handeln. Deshalb erwarten wir vom Senat mehr als AbsichtserklĂ€- rungen. Wir erwarten fĂŒr unsere KleingewĂ€sser eine vollstĂ€ndige Bestandsaufnahme, klare Priorisierung und vor allem die zĂŒgige und vollstĂ€ndige Verwendung der bereitgestellten Mittel. Die Zeit der Analysen ist hier und jetzt vorbei. Nun geht es an die Umsetzung. Der Antrag gibt dafĂŒr die richtige Richtung vor. Er erhöht den not- wendigen Druck, und das ist auch dringend nötig. Des- halb unterstĂŒtzen wir ihn. â Vielen Dank! Als NĂ€chster noch der Abgeordnete Bertram fĂŒr die AfD-
Danke schön! â Die wichtigste Senatorin ist ja hier, dann können wir auch anfangen. Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der Berliner Verfassungsgerichtshof ist seit ĂŒber 33 Jahren HĂŒter unserer Berliner Verfassung. Diese wich- tige Aufgabe steht im krassen Widerspruch zu den weni- gen SĂ€tzen, AbsĂ€tzen in der Verfassung zum Berliner Verfassungsgerichtshof. Bisher ist in diesem Artikel vor allem der Bestand und die Zahl der Richter in der Verfas- sung normiert. Nach ĂŒber 33 Jahren war es daher an der Zeit, dieses so wichtige Verfassungsorgan auch verfas- sungsrechtlich zu reformieren, schon allein aus Respekt vor dem Verfassungsgerichtshof. In diesem Zusammenhang bedanke ich mich auch bei allen Beteiligten, den Abgeordneten, der Justizsenatorin, der Justizverwaltung und allen weiteren Beteiligten und vor allem bei den rechtspolitischen Sprechern der Frakti- onen und hier natĂŒrlich insbesondere beim Sprecher der gröĂten Fraktion, Alexander Herrmann, fĂŒr die vorzĂŒgli- che Zusammenarbeit! Aber nicht nur der Respekt ist der Grund fĂŒr eine Ănde- rung der Verfassung, sondern auch die PrĂ€vention vor Gefahren von politischen Extremisten. Wir sehen in eini- gen Staaten Europas und weltweit, mit welchen Taktiken links- und rechtspopulistische Regierungen versuchen und es leider teilweise auch geschafft haben, ihre Verfas- sungsgerichte zu sabotieren. In diesen Staaten haben Regierungen in den vergangenen Jahren MaĂnahmen ergriffen, die die UnabhĂ€ngigkeit ihrer Verfassungs- gerichte einschrĂ€nken, die Zusammensetzung politisieren und deren Kontrollfunktion schwĂ€chen oder gar abge- schafft haben. Ein paar Beispiele: Ungarn unter Viktor OrbĂĄn, der vom ungarischen Volk erfreulicherweise ab- gewĂ€hlt wurde, Polen unter der PiS-Regierung, aber auch Venezuela unter den Regierungen von Hugo ChĂĄvez und spĂ€ter NicolĂĄs Maduro, wie Ecuador unter Rafael Correa oder Bolivien unter Evo Morales. (Dr. Timur Husein) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8543 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Die Internationale der Autokraten versteht sich, was die Sabotage von Verfassungsgerichten anbelangt, besonders gut. Konkret hat zum Beispiel die damalige polnische Regierung durch den Erlass verschiedener Verfassungs- vorschriften und die willkĂŒrliche Erhöhung der Zahl der Richter des Verfassungsgerichts das Verfassungsgericht faktisch lahmgelegt und die Arbeit unmöglich gemacht. Der EuropĂ€ische Gerichtshof musste sich damit befassen. Dieser hat die Besetzung des polnischen Verfassungsge- richtshofs als nicht unabhĂ€ngig und parteiisch eingestuft. Auch in Berlin sind viele Regelungen dem einfachen Gesetzgeber ĂŒberlassen, sodass wichtige Regelungen mit einfacher Mehrheit geĂ€ndert werden könnten. Dies könn- te von links- und rechtspopulistischen Demokratiefeinden ausgenutzt werden, um den Verfassungsgerichtshof zu bremsen oder gar zu blockieren. Gegen solche Gefahren muss sich der Verfassungsgeber vorbereiten, deshalb soll der Verfassungsgerichtshof aus den tagespolitischen Auseinandersetzungen dauerhaft herausgehalten werden. So wird zuvorderst klargestellt, dass der Verfassungsgerichtshof ein Verfassungsorgan ist â das steht bisher in der Verfassung so nicht drin â und somit auf einer Stufe zu Senat und Abgeordnetenhaus gestellt wird. Das war lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig. AuĂerdem wird auch fĂŒr den Leser der Verfassung â es gibt ja viele Menschen, die unsere Verfassung lesen â dann sofort die bedeutende Stellung unseres Verfas- sungsgerichtshofs ersichtlich. Auch das Prinzip der Gewaltenteilung und des Rechts- staates werden gestĂ€rkt, indem die GeschĂ€ftsordnungs- autonomie und die unmittelbare Bindungswirkung von Entscheidungen des Verfassungsgerichtshofs fĂŒr die sonstige Gewalt in die Verfassung aufgenommen werden. Ich bin nebenbei noch Dozent an der Verwaltungsakade- mie Berlin im Bereich Berliner Verfassungsrecht und Staatsrecht, und es erleichtert mir als auch meinen SchĂŒ- lern es ungemein, wenn da steht, welche Rechte der Ver- fassungsgerichtshof hat. SchlieĂlich ist der sensible Punkt der Abberufung der Richter zukĂŒnftig nur durch den Verfassungsgerichtshof selbst möglich. So ist die Besetzung des Gerichts wĂ€h- rend laufender Amtszeiten vor dem Zugriff der Exekutive geschĂŒtzt. Im Ăbrigen ist Berlin da ausnahmsweise nicht Trendset- ter, das Bundesverfassungsgericht wurde reformiert oder das Gesetz dazu und die Verfassung, andere Verfas- sungsgerichtshöfe wurden auch reformiert. Daher bitte ich um Zustimmung zum vorliegenden Antrag. Mit unse- rer VerfassungsĂ€nderung leisten auch wir unseren Beitrag zum Schutz von Demokratie und Rechtsstaat. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Dr. Vandrey. â Bitte schön!
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kollegen und Kolle- ginnen! Wir als GrĂŒnenfraktion begrĂŒĂen selbstverstĂ€nd- lich, dass wir heute hier im Plenum eine Ănderung unse- rer Berliner Verfassung beschlieĂen werden, die unser höchstes Berliner Gericht, unseren Berliner Verfassungs- gerichtshof, absichern wird, im Konsens mit allen Demo- kratinnen unseres Parlaments, gegen die Feinde unserer Demokratie, fĂŒr einen starken Rechtsstaat. â Da kann man ruhig mal klatschen! â Ich freue mich besonders, dass bei diesem wichtigen Thema ein frakti- onsĂŒbergreifender Konsens erzielt wurde. Es ist gut, dass Demokratinnen hier an einem Strang ziehen und gemein- sam fĂŒr die Absicherung unseres Verfassungsgerichtshofs stehen. Es ist unsere Aufgabe als Politik, unsere Justiz vor verfassungsfeindlichen KrĂ€ften zu schĂŒtzen. Unser Rechtsstaat, der uns immer so wohlbehĂŒtet erscheint, ist nĂ€mlich gar nicht so unverletzlich. Landesverfassungsge- richte können Einfallstore sein fĂŒr verfassungsfeindliche Bestrebungen. Verfahrensregeln können missbraucht werden, um Gerichte handlungsunfĂ€hig zu machen. Das haben wir in anderen LĂ€ndern gesehen, insbesondere in Polen und in Ungarn. Dort konnten wir sehen, wie schnell Gerichte unter politischen Druck geraten. In Un- garn muss nun nach der Wahl rĂŒckgĂ€ngig gemacht wer- den, was dort passiert ist. Wir wĂŒnschen den Ungarn viel GlĂŒck dabei, ihren Rechtsstaat möglichst schnell wieder- herzustellen. Bei uns in Deutschland wurde auf Bundesebene schon Vorsorge getroffen. Der Bundestag Ă€nderte im Dezember 2024 das Grundgesetz, um unser Bundesverfassungsge- richt vor demokratiefeindlichen Angriffen zu schĂŒtzen. Nun ziehen wir in Berlin nach und machen unser Berliner Verfassungsgericht resilient. Bislang sind die wichtigen Verfahrensregeln nur einfachgesetzlich geregelt und können daher mit einfacher Mehrheit abgeĂ€ndert werden. Die Aufnahme der Regeln in die Verfassung stellt sicher, dass kĂŒnftig eine Zweidrittelmehrheit fĂŒr die Ănderung erforderlich ist. Das erhöht die Resilienz unseres höchs- (Dr. Petra Vandrey) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8544 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 ten Berliner Gerichts und stĂ€rkt unseren Rechtsstaat. Weitere Schritte zur Resilienz unserer Berliner Justiz gehören auf unsere kĂŒnftige Agenda, spĂ€testens in der nĂ€chsten Wahlperiode, in der die Rechtspolitik ebenfalls wichtig sein wird. Die Aufnahme der Regeln in die Ver- fassung stellt sicher, dass kĂŒnftig die Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, und das wollen wir auch fĂŒr die Zukunft. Es wird kĂŒnftig auch in Berlin, ebenso wie im Bund, um die Frage von Richterwahlen gehen, um beispielsweise SperrminoritĂ€ten zu verhindern. Hier gilt es, behutsam vorzugehen, um nicht Oppositionsrechte auszuhöhlen. HierfĂŒr werden wir in der nĂ€chsten Legislaturperiode in Berlin kluge Regelungen finden mĂŒssen, um unser Ver- fassungsgericht noch weiter abzusichern. Die ersten Schritte zur Resilienz der Berliner Justiz tun wir jedoch heute, indem wir unser Berliner Verfassungsgericht absi- chern. Das ist gut, und das ist notwendig. Wer eine wehr- hafte Demokratie will, braucht eine starke Justiz, und wer eine starke Justiz will, muss handeln. Das tun wir jetzt in Berlin im demokratischen Konsens fĂŒr unseren Rechts- staat. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die SPD-Fraktion der Kollege Lehmann.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir möchten unsere Demokratie heute etwas sicherer machen, weil wir aus der nicht allzu fernen Ver- gangenheit lernen. Um es mit unserem BundesprĂ€siden- ten zu sagen: âWir brauchen die Demokratie â aber ich glaube: derzeit braucht die Demokratie vor allem uns!â Deshalb sind sich Linke, GrĂŒne, CDU und auch wir von der SPD einig und legen gemeinsam diesen Vorschlag zur VerfassungsĂ€nderung vor. Lassen Sie uns etwas ĂŒber den Tellerrand schauen. Wir könnten viele Beispiele nehmen, einige wurden schon erwĂ€hnt: Ungarn, Polen, jetzt Bulgarien. Als 2015 in Polen die Rechtspopulisten an die Macht kamen, waren das Verfassungsgericht und andere Bereiche der Justiz dort das erste Ziel beim Abbau des Rechtsstaats. Statt qualifizierte Richterinnen und Richter zu ernennen und zu befördern, wurde Linientreue belohnt. Das Vertrauen in das Verfassungsgericht wurde dadurch massiv erschĂŒttert. Der AfD-Vertreter hat hier im Rechts- ausschuss gesagt, Reformen sollten nicht mit Blick auf andere LĂ€nder begrĂŒndet werden und alles sei nur Pa- nikmache. Niemand in Deutschland habe die Absicht, Einfluss auf Gerichte zu nehmen. Das sehe ich anders. Sowohl bei der Bundes-AfD als auch bei der AfD in ThĂŒringen haben wir reale Angriffe auf unseren Rechts- staat schon gesehen. In ThĂŒringen wollte der AfD-Alters- ThĂŒringen nicht zieht, handelt fahrlĂ€ssig. Wir hier in Berlin aber arbeiten verantwortungsbewusst. Wir warten nicht, bis die Axt das Fundament des Rechtsstaats trifft, wir verstĂ€rken es rechtzeitig. Demokratie funktioniert in Berlin â noch. Margot FriedlĂ€nder hat uns mit auf den Weg gegeben: âWir dĂŒrfen niemals vergessen, doch erinnern al- lein reicht nicht.â Heute zeigen wir, dass wir diese Mahnung ernst nehmen. Wir erinnern, und wir handeln. Wir schĂŒtzen unsere de- mokratischen Institutionen, bevor sie in Gefahr geraten, und wir stĂ€rken den Rechtsstaat, bevor er angegriffen wird. Das ist der Geist, in dem wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten dieser VerfassungsĂ€nderung zu- stimmen. Ich bedanke mich ausdrĂŒcklich bei allen anderen demo- kratischen Kolleginnen und Kollegen in diesem Haus und bei der Justizsenatorin, die das auch so sehen und sich dieser Verantwortung gestellt haben. In diesem Sinne stehen wir heute alle gemeinsam fĂŒr den Erhalt des de- mokratischen Rechtsstaats. â Vielen Dank! (Jan Lehmann) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8545 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Dann folgt fĂŒr die Linksfraktion der Kollege Valgolio.
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich schlieĂe mich den Vorrednerinnen und -rednern der de- mokratischen Fraktionen komplett an. Es ist gut, dass wir gemeinsam diese Ănderung der Verfassung auf den Weg gebracht haben. Wir werden das hoffentlich gleich mit groĂer Mehrheit gemeinsam beschlieĂen. Die Regelun- gen sind durchdacht, und sie sind notwendig. Wir mĂŒssen die Resilienz des Verfassungsgerichtshofs stĂ€rken. Das bedeutet, wir mĂŒssen seine UnabhĂ€ngigkeit stĂ€rken und wir mĂŒssen seine ArbeitsfĂ€higkeit stĂ€rken, deswegen sind eben auch Verfahrensregelungen wichtig. Wir haben das gut diskutiert und gut durchdacht. Wir haben das letzte Mal ja auch schon darĂŒber gespro- chen, wie das mit diesem Ersatzwahlmechanismus aus- sieht. Ich glaube, es ist richtig, dass wir gesagt haben, das können wir im Moment nicht in die Verfassung schrei- ben, denn wir haben hier in Berlin eben, anders als auf Bundesebene, keinen Bundesrat, und da gibt es keinen Ersatzwahlmechanismus, der nicht die Rechte des Parla- ments und die Rechte der Opposition in einem MaĂe beeintrĂ€chtigt, das nicht hinnehmbar wĂ€re. Ich glaube, das ist jetzt eine ausgewogene Regelung. Mindestens genauso gut wie der Inhalt dieser Regelung ist die Art und Weise, wie sie zustande gekommen ist, nĂ€mlich in einer guten, vertrauensvollen und sehr effekti- ven Zusammenarbeit aller demokratischen Fraktionen. Das kann man gar nicht oft genug sagen, deswegen will ich mich auch noch mal bedanken bei den Rechtspolitikern der anderen Fraktionen, insbesondere der Koalition und der Justizsenatorin â also vielen Dank! Das war es jetzt aber auch mit Danksagungen fĂŒr dieses Jahr, sonst bringen wir uns gegenseitig in Verruf in unse- ren jeweiligen Parteien. Aber SpaĂ beiseite â das ist, glaube ich, wirklich wichtig in diesen Zeiten, dass man, wenn es darauf ankommt, bei allen sonstigen Differenzen eine gute Zusammenarbeit hinbekommt. Vielleicht noch ein inhaltlicher Punkt: In den Diskussio- nen jetzt um die VerfassungsĂ€nderung wurde ja auch durchaus eingewandt: Ist das ĂŒberhaupt nötig, solche weitgehenden Ănderungen? Diese Regelungen werden sich ja eigentlich erst dann auswirken oder die braucht man ja erst dann, wenn hier im Parlament die Verfas- sungsfeinde die Mehrheit haben. â Das ist aber nicht so, sondern gerade die Nachwahl von Verfassungsrichtern könnte ja schon mit einem Drittel der Mitglieder im Par- lament, die eine verfassungsfeindliche Ausrichtung ha- ben, blockiert werden. Und wenn man nach ThĂŒringen schaut und nach Sachsen-Anhalt, ist es leider nicht so, dass wir selbst in Berlin auf der Insel der GlĂŒckseligen sagen können, das können wir hundertprozentig fĂŒr im- mer und ewig ausschlieĂen. Und es ist ja auch so: Be- stimmte Schutzmechanismen muss man dann in die Ver- fassung hineinschreiben, wenn auch noch die nötigen Mehrheiten fĂŒr eine verfassungsĂ€ndernde Mehrheit zu- stande kommen. Insofern ist es gut, dass wir das jetzt gemeinsam auf den Weg bringen. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die AfD-Fraktion der Kollege Vallendar.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! VerfassungsĂ€nderungen sollten niemals leichtfertig und ohne Not erfolgen. Sie wollen Regelungen fĂŒr den Ver- fassungsgerichtshof, welche jahrzehntelang ohne Anwen- dungsschwierigkeiten galten, in die Berliner Verfassung verschieben, um sie vor möglichen VerĂ€nderungen zu schĂŒtzen. Dabei soll eine gut geschriebene Verfassung nur den Rahmen und die Kernbestimmungen festlegen. Eine Verfassung bildet so gesehen das Fundament; die Details â also das darauf fuĂende GebĂ€ude â soll gerade vom einfachen Gesetzgeber und demokratischen Mehr- heiten aktiv gestaltet werden. Die Gesetze sollen leben und atmen. Demokratie bedeutet gerade die Möglichkeit zur VerĂ€nderung. Sie wollen mit dieser Verfassungstradition brechen. Und warum? â Weil Sie als â wie Sie sich selbst bezeichnen â demokratische Fraktionen fast schon in parodistischer Art anscheinend fĂŒrchten, dass die AfD in naher Zukunft sogar einfache Mehrheiten im Parlament erringen könnte und dann mög- licherweise Anpassungen auch bei der Gerichtsbarkeit vornehmen könnte. Ich finde es schmeichelhaft, dass Sie damit rechnen. Mit dieser Ă€ngstlichen Geste erweisen Sie dem Verfassungsgerichtshof, der Verfassung und Berlin allerdings einen BĂ€rendienst. Indem Sie den Verfassungsgerichtshof vor demokrati- schen VerĂ€nderungen verbarrikadieren, riskieren Sie das höchste Gut der Gerichtsbarkeit: das Vertrauen der Be- völkerung in die Rechtsprechung, ihre GlaubwĂŒrdigkeit und Ăberparteilichkeit. Sie riskieren, die Verbindung des Gerichts mit der Bevölkerung zu verlieren, in dessen (Marc Vallendar) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8546 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Namen es urteilt. Gerichte genieĂen â anders als der öffentliche Rundfunk oder der Verfassungsschutz â in der Bevölkerung noch ein hohes Ansehen und eine hohe GlaubwĂŒrdigkeit. Das zeigen sĂ€mtliche Umfragen und Studien zu diesem Thema. Verspielen Sie nicht auch noch dieses Vertrauen! Sie verfolgen dabei ĂŒbrigens dasselbe Muster wie Ihre Gesinnungsgenossen in Rhein- land-Pfalz, welche die Dreistigkeit besitzen, sogar nach einer verlorenen Wahl mit den alten Mehrheiten die Ver- fassung zu Ă€ndern, damit die neue, starke AfD-Fraktion keine UntersuchungsausschĂŒsse mit altem Quorum ein- berufen darf. Das ist eine Schande! Das ist kein Schutz der Demokratie oder des Rechtsstaats, das ist die Verachtung desselben. â Vielen herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Wir kommen zu den Abstimmungen. ZunĂ€chst wird das Neunzehnte Gesetz zur Ănderung der Verfassung von Berlin behandelt. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/2956 empfiehlt der Fachausschuss mehrheitlich â gegen die AfD-Fraktion â die Annahme. Eine Ănderung der Verfassung von Berlin bedarf gemÀà Artikel 100 der Verfassung einer Mehrheit von zwei Dritteln der gewĂ€hlten Mitglieder des Abgeordneten- hauses. Wer die Gesetzesvorlage gemÀà der Beschluss- empfehlung auf Drucksache 19/3099 annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die CDU-Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion BĂŒnd- nis 90/Die GrĂŒnen und die Linksfraktion. Gegen- stimmen? â Bei Gegenstimmen der AfD-Fraktion liegt die erforderliche Zweidrittelmehrheit vor, und das Gesetz ist so beschlossen. Zu der Gesetzesvorlage auf Drucksache 19/2957 â Achtes Gesetz zur Ănderung des Gesetzes ĂŒber den Ver- fassungsgerichtshof â empfiehlt der Fachausschuss mehr- heitlich â gegen die AfD-Fraktion â die Annahme. Wer die Gesetzesvorlage gemÀà der Beschluss-empfehlung auf Drucksache 19/3100 annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die CDU-Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Linksfraktion. Gegen-stimmen? â Bei Gegen- stimmen der AfD-Fraktion und eines fraktionslosen Ab- geordneten ist die Gesetzes-vorlage damit so angenom- men. Tagesordnungspunkt 18 steht auf der Konsensliste. Ta- gesordnungspunkt 19 war PrioritĂ€t der AfD-Fraktion unter der Nummer 4.3. Ich rufe auf lfd. Nr. 20: FĂŒnftes Gesetz zur Ănderung des Landeskrankenhausgesetzes Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/3104 Erste Lesung Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Ich habe die Ge- setzesvorlage vorab an den Ausschuss fĂŒr Gesundheit und Pflege ĂŒberwiesen â und darf hierzu Ihre nachtrĂ€gliche Zustimmung feststellen. Tagesordnungspunkt 21 war PrioritĂ€t der Fraktion der CDU unter der Nummer 4.4. Ich rufe auf lfd. Nr. 22: Gesetz zur Abschaffung der WiderspruchsbeirĂ€te in Angelegenheiten der Sozialhilfe und der Eingliederungshilfe Vorlage â zur Beschlussfassung â Drucksache 19/3106 Erste Lesung Eine Beratung ist nicht vorgesehen. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung der Gesetzesvorlage an den Ausschuss fĂŒr Arbeit und Soziales. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 23 steht auf der Konsensliste. Zum nĂ€chsten Tagesordnungspunkt 24 erfolgt eine geheime Wahl. Da das PrĂ€sidium derzeit noch mit der AuszĂ€hlung der vorherigen Wahl befasst ist, sodass wir noch keinen weiteren Wahlgang durchfĂŒhren können, schlage ich vor, den Tagesordnungspunkt 24 mit der weiteren geheimen Wahl zurĂŒckzustellen und zunĂ€chst in der Tagesordnung weiter fortzufahren. â Dazu gibt es keinen Widerspruch. Dann können wir so verfahren. Ich rufe auf lfd. Nr. 25: Wahl von einer/einem Abgeordneten zum stellvertretenden Mitglied des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung Wahl Drucksache 19/3096 In der 33. Plenarsitzung am 29. Juni 2023 haben wir die Mitglieder des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung gewĂ€hlt. Auf Vorschlag der Frak- (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8547 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 tion Die Linke wurde unter anderem Frau Katrin Seidel gewĂ€hlt. Frau Seidel ist infolge ihrer Mandatsnieder- legung nicht mehr Mitglied des Abgeordnetenhauses. Die Fraktion Die Linke schlĂ€gt als Nachfolgerin Frau Ab- geordnete Regina Kittler vor. Die Fraktionen haben sich auf eine Wahl mittels einfacher Abstimmung durch Handaufheben verstĂ€ndigt. Wer also die Kollegin Kittler zu wĂ€hlen wĂŒnscht, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die CDU- Fraktion, die SPD-Fraktion, die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Linksfraktion. Gegenstimmen? â Ent- haltungen? â Bei Gegenstimmen der AfD-Fraktion und Enthaltung eines fraktionslosen Abgeordneten ist die Abgeordnete Kittler zum neuen stellvertretenden Mitglied des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politi- sche Bildung gewĂ€hlt. Ich rufe auf lfd. Nr. 26: Asbestfreie Hauptstadt ist Ziel des Landes Berlin Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 8. Dezember 2025 Drucksache 19/2814 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1205 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, und fĂŒr die Fraktion spricht der Kollege Otto. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Da- men und Herren hier im Saal und zu Hause an den End- gerĂ€ten! Liebe Berlinerinnen und Berliner â und beson- ders liebe Bewohnerinnen und Bewohner von mit Asbest belasteten WohngebĂ€uden! â Vielleicht wĂ€re es auch gut, wenn der Senat da wĂ€re, Frau PrĂ€sidentin! Man denkt immer, die sind alle zurĂŒckgetreten; das soll ja keiner glauben. [Tobias Schulze (LINKE): Noch nicht! â
Besser wĂ€re es!] Sie mĂŒssten sich entscheiden, ob Sie das in einen Wunsch oder einen Antrag kleiden möchten oder weitermachen möchten.
Ich bitte darum, dass der Senator fĂŒr Stadtentwicklung dabei ist. Gut. Ich interpretiere das mal als einen Wunsch auf Zitie- ren des Senators fĂŒr Stadtentwicklung. â Ich höre, er ist auf dem Weg. Dann können wir uns möglicherweise die Abstimmung darĂŒber sparen und wĂŒrden einfach 30 Sekunden warten. Da ist er! Sie können dann starten. â Bitte schön!
Können wir die Uhr noch mal ein bisschen zurĂŒck- schieben? â Danke! Meine sehr geehrten Damen und Herren â ich darf noch mal beginnen â hier im Saal und zu Hause an den End- gerĂ€ten! Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrter Herr Senator Gaebler! Wir beschĂ€ftigen uns mit dem Thema Asbest, insbesondere Asbest in WohngebĂ€uden, und das tun wir hier schon eine ganze Weile. Ich habe nachgeschlagen, dass wir 2013 eine erste An- hörung im Ausschuss hatten; damals hieĂ er Ausschuss fĂŒr Wohnen, Bauen und Verkehr. Da gab es noch einen Streit darĂŒber, ob Asbest in WohngebĂ€uden eigentlich schlimm ist. Ăber diese Phase sind wir zum GlĂŒck hin- aus, aber so richtig weit gekommen sind wir immer noch nicht. Deswegen ist es ganz besonders wichtig, dass wir heute hier ĂŒber diesen Antrag sprechen und ihn auch möglichst beschlieĂen. Der Antrag ist von den Fraktionen BĂŒndnis 90/Die GrĂŒ- nen und Die Linke gemeinsam eingebracht worden und setzt auf das auf, was wir in der Koalition von 2016 bis 2021 beziehungsweise 2023 angeschoben hatten. Auch damals gab es einen Beschluss; auch damals gab es ein Berichtswesen. 2021 haben wir den letzten Bericht da- rĂŒber bekommen, was der Senat in puncto Asbest in WohngebĂ€uden tut. Seitdem gibt es solche Berichte nicht mehr. Das ist fĂŒnf Jahre her. Auch deshalb ist es sehr wichtig, heute ĂŒber diesen Antrag zu sprechen und mit dem Senat darĂŒber zu debattieren, was getan werden muss. Der Antrag hat verschiedene Punkte â Sie werden das alle in der Vorbereitung sicherlich nachgelesen haben â: Auswertung der bisherigen Schadstoffsanierung, Kosten- (Andreas Otto) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8548 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 schĂ€tzungen, GesprĂ€che mit den VerbĂ€nden der privaten Immobilienwirtschaft, was die eigentlich tun, PrĂŒfung, inwieweit ein Förderprogramm zur Entsorgung von gifti- gen AbfĂ€llen sinnvoll ist, damit die niemand mehr in den Wald kippt. Punkt 5 ist: Wie können wir BĂŒrgerinforma- tion verbessern? â Punkt 6 ist aktuelle Information der Mieterinnen und Mieter landeseigner Wohnungsgesell- schaften. Worum geht es? â Wir haben ungefĂ€hr, das ist eine per- sönliche SchĂ€tzung von mir anhand dessen, was seit dem Zweiten Weltkrieg in Berlin so gebaut wurde, eine Zahl von 500 000 bis 600 000 Wohnungen, in denen asbesthal- tige Bauprodukte drin sein könnten. Da geht es um FuĂ- bodenplatten, Abflussrohre, Platten an den Balkonen, Platten in den BĂ€dern, TrennwĂ€nde. All das ist aus As- bestzement gemacht worden, und das ist unter der Ăber- schrift gemacht worden: Das ist ein total gutes Material. Das ist eine mineralische Faser, die mechanisch sehr gute Eigenschaften hat. â Man hat es viele Jahre entweder nicht gewusst, da streiten sich die Historiker, oder man hat es aus Böswilligkeit gemacht, will ich nicht unterstel- len, aber man hat dieses Thema, das ist giftig, davon kann man Krebs kriegen, ausgeblendet. Das ist besonders dadurch begĂŒnstigt worden, dass eine Erkrankung aufgrund von Asbestfasern erst nach zwan- zig, dreiĂig Jahren, nachdem man mit den Fasern in Be- rĂŒhrung gekommen ist, ausbrechen kann. Das ist ein Problem, wenn Sie mit Leuten sprechen, die sich so eine Krankheit vielleicht beruflich zugezogen haben. Denen wird dann von der Berufsgenossenschaft gesagt: Ja, das beweisen Sie mal, dass Sie vor 30 Jahren in einer As- bestwolke waren und jetzt davon krank geworden sind! â Das ist schwer. Also ich habe Leute gesprochen, da hat der Arzt gesagt: Na ja, vielleicht haben Sie auch geraucht, und Sie haben deswegen jetzt Lungenkrebs. â Also es ist ein richtig ernstes Thema. Es ist nicht nur ein ernstes Thema beim Arbeiten mit solchen Baustoffen, sondern auch bei Menschen, die in Wohnungen leben, wo Asbestprodukte verarbeitet sind. Ein sehr bekanntes Beispiel sind die FuĂbodenplatten mit dem Markennamen Floor Flex, die sich irgendwann auf- lösen, wenn die dreiĂig, vierzig, fĂŒnfzig Jahre in der Wohnung liegen und Sie darĂŒber latschen, genau wie Ihr Teppich, Linoleum- oder PVC-Belag. Die lösen sich auf, und Sie haben Asbestfasern in der Luft. Es wird oft nur ĂŒber Arbeitsschutz geredet, aber es gibt Leute, die 24/7 in einer Asbestwolke in ihrer Wohnung leben. Da mĂŒssen wir ran. Da mĂŒssen wir was tun. Da ist der Senat gefor- dert. Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sind inzwischen sensibilisiert, wĂŒrde ich mal sagen. In den letzten zehn Jahren habe ich immer abgefragt: Was habt ihr gemacht? â Und die schaffen so ungefĂ€hr 3 000 Woh- nungen im Jahr zu sanieren und Asbest zu beseitigen, aber viel mehr nicht. Im privaten Wohnungsbestand wis- sen wir nichts, und zwar wissen wir deshalb nichts, weil sich unser Senat mit der privaten Wohnungswirtschaft zu sprechen weigert. Herr Gaebler! Ich habe jĂŒngst wieder eine Anfrage gemacht: Wie entwickelt sich die Anzahl asbestbelasteter Wohnungen in Berlin? Da frage ich im- mer: Welche GesprĂ€che zur Thematik hat der Senat mit der privaten Wohnungswirtschaft gefĂŒhrt? â Da steht dann immer: Dem Senat liegen keine Erkenntnisse bezĂŒg- lich Zustand und Anzahl der WohnungsbestĂ€nde mit Asbestbelastung im Besitz privater EigentĂŒmer vor. â Das schreiben Sie da immer, weil Sie mit denen nicht sprechen. Sie fragen die nicht, weil Sie das nicht wissen wollen, weil Ihnen das unheimlich ist, nur Probleme. Sie sind gut darin, Wohnungen zu bauen. Sie sind gut darin, rote BĂ€nder durchzuschneiden. Aber ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass Sie auch mal eine asbestsanierte Woh- nung wieder einweihen und Menschen, die in so einer Wohnung vorher gelebt haben, gratulieren, dass die Sa- nierung durchgefĂŒhrt ist. Das ist vielleicht nicht so cool, aber das ist etwas, was vielleicht in Ihr Arbeitsprogramm noch reingehört. â Ich bitte um Zustimmung zum An- trag. â Herzlichen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â Dann hat fĂŒr die CDU- Fraktion der Kollege Martin jetzt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr geehrten Da- men und Herren! Niemand bestreitet die GefĂ€hrlichkeit von Asbest. Das ist vollkommen unstrittig. Sie weisen allerdings auch in Ihrem Antrag darauf hin, dass, solange keine BeschĂ€digungen der entsprechenden Baustoffe vorhanden sind, die Risiken nicht entsprechend gegeben sind und erst auftreten, wenn entsprechende Asbestfasern in die Luft ĂŒbertreten. Herr Otto! Ich möchte auch noch mal persönlich an dieser Stelle Ihr Engagement in dem Themenfeld wĂŒrdigen. Sie sind hier seit Jahren an diesem Thema dran, und das möchte ich durchaus positiv aner- kennen. Nichtsdestotrotz mĂŒssen wir uns jetzt natĂŒrlich auch mit den Inhalten befassen, die Ihr Antrag fordert. Es ist nicht ganz so, wie Sie gerade dargestellt haben. Wir haben in den AusschĂŒssen entsprechende Debatten mit den Vertre- tern der landeseigenen Wohnungsunternehmen gefĂŒhrt. Insofern ist es nicht ganz richtig, was Sie gesagt haben. (Johannes Martin) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8549 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Herr Gaebler hat deutlich gemacht, auch in der Anhö- rung: NatĂŒrlich finden die GesprĂ€che mit den privaten Vermietern statt, und natĂŒrlich gibt es einen entsprechen- den Austausch, denn das Zentrale und Wichtigste ist erst mal, in den betroffenen Wohnungen fĂŒr Information zu sorgen, und das passiert. Die Landeseigenen, aber auch die Privaten vermerken das entsprechend in den Mietver- trĂ€gen, sodass Mieter auch bei Vorlage dieses Risikos bekannt ist, dass dort Asbest verbaut worden ist. Die Landeseigenen gehen noch darĂŒber hinaus und in- formieren natĂŒrlich die Mieterinnen und Mieter auf unter- schiedlichen Wegen. Auch das haben wir ĂŒbrigens in der Anhörung festgestellt. Auch die von Ihnen geforderte zentrale Rufnummer mit 115 gibt es ja. Auch dort gibt es die Möglichkeit, sich zu diesen Themenfeldern beraten zu lassen. Sie fordern darĂŒber hinaus entsprechende KostenschĂ€t- zungen, eine Gesamtbestandserhebung. Auch da muss man noch mal deutlich zwischen Aufwand und Nutzen unterscheiden. Wenn wir feststellen, dass eben nicht jede Wohnung, nur weil Asbest verbaut ist, unmittelbar ein Risiko darstellt, heiĂt das natĂŒrlich auch, dass wir uns logischerweise auf die wichtigen Herausforderungen konzentrieren mĂŒssen. Zu den zentralen Herausforderun- gen, die die landeseigenen Wohnungsunternehmen be- nannt haben, haben Sie aber in Ihrem Antrag gar nichts gesagt, nĂ€mlich zur Frage, was eigentlich passiert, wenn eine Wohnung saniert werden muss. DafĂŒr brauchen wir Ersatzwohnraum. DafĂŒr brauchen wir also ein entspre- chendes Angebot auf dem Wohnungsmarkt. Genau da liefert diese Koalition. Wir haben im Ăbrigen so viele Baugenehmigungen wie kein anderes Bundesland im letzten Jahr bekommen. Das ist eine zentral wichtige Botschaft. Die zweite Frage ist: Wie schaffen wir es eigentlich, die SanierungskapazitĂ€ten abzurufen? Auch das haben die Wohnungsunternehmen gesagt. Es war zum Teil gar nicht möglich, entsprechende Unternehmen zu beauftragen, weil es gar keine verfĂŒgbaren KapazitĂ€ten am Markt gab. Auch hier ist ĂŒbrigens wichtig, BĂŒrokratie abzubauen, es den Unternehmen leichter zu machen. Das ist auch ein Beitrag, haben wir heute Vormittag schon diskutiert, nĂ€mlich die Frage: Wie können wir eigentlich Vergaben im Land Berlin erleichtern? â Auch hier haben wir als Koalition entsprechend geliefert. Das sind die zwei zentralen Punkte, auf die Ihr Antrag nicht eingeht. Die Sachen, die Sie aufgelistet haben, sind wir schon angegangen. Deswegen werden wir den Antrag auch so nicht unterstĂŒtzen. Uns eint allerdings die Ziel- stellung, dass wir natĂŒrlich entsprechend Sicherheit fĂŒr die Mieterinnen und Mieter haben wollen. Das schaffen wir aber, wie gesagt, nur, wenn wir ein entsprechendes Angebot auf dem Wohnungsmarkt schaffen, um solche Sanierungen auch wirklich durchfĂŒhren zu können. â Vielen Dank! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die Linksfaktion hat der Kollege Dr. Efler jetzt das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Thema Asbest ist in der Tat ein Dauer- brenner der Landes- und auch der Bundespolitik. Es be- gleitet uns schon seit Jahrzehnten, und es wird auch eine Weile so weitergehen. Asbest ist mittlerweile europaweit als krebserregend eingestuft, es kann Lungenkrebs, auch Kehlkopf- und Eierstockkrebs verursachen. Weltweit sterben jĂ€hrlich zwischen 100 000 und 200 000 Men- schen an diesem Schadstoff. GefĂ€hrlich wird es vor allem dann, wenn Asbestfasern aus den Bauteilen freigesetzt werden, was zum Beispiel im Zuge von GebĂ€udesanie- rungen oder BeschĂ€digungen von Bodenplatten passieren kann. In der EU wurde Asbest 2005 verboten. Was durchaus bemerkenswert ist, ist, dass die Asbestlobby dieses Ver- bot um mehrere Jahre hinauszögern konnte. Wer aber jetzt meint, das Problem hĂ€tte sich mit dem Verbot erle- digt, der tĂ€uscht sich gewaltig, denn einerseits wird dieses Zeug in vielen LĂ€ndern der Welt immer noch eingebaut und auch abgebaut und verarbeitet, und andererseits ist Asbest natĂŒrlich noch in sehr vielen GebĂ€uden vorhan- den. Daran werden wir auch hier in Berlin immer wieder erinnert. Ich erinnere zum Beispiel an den Palast der Republik, an den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark oder auch an die Reinhardswald-Grundschule in Kreuzberg. Was wir gar nicht genau wissen, ist, in wie vielen Berli- ner GebĂ€uden Asbest tatsĂ€chlich verbaut ist. Da haben wir noch eine gewaltige DatenlĂŒcke, aber es dĂŒrfte sich auf jeden Fall um eine sechsstellige Zahl handeln. Von daher haben Linke und GrĂŒne den Antrag âAsbest- freie Hauptstadtâ gemeinsam eingereicht. Wir wollen, dass der Senat seine Anstrengungen, diesen giftigen Schadstoff aus GebĂ€uden zu entfernen, endlich verstĂ€rkt und damit seiner Verantwortung zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung gerecht wird! Wir brauchen eine Schadstoffsanierungsstrategie. Wir brauchen eine KostenschĂ€tzung des notwendigen Sanie- rungsaufwandes, und in der Tat, da gebe ich Herrn Otto völlig recht: Es ist endlich notwendig, auch mit den Ver- bĂ€nden der privaten Immobilienwirtschaft zu sprechen, vor allem auch ĂŒber eine Einbindung in eine solche Schadstoffsanierungsstrategie, möglicherweise auch ĂŒber eine finanzielle Beteiligung. (Dr. Michael Efler) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8550 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Was wir auf jeden Fall auch wollen, zumindest prĂŒfen wollen, ist ein Förderprogramm. Denn die Sanierungs- kosten sind, was ja auch völlig richtig und gut ist, nicht auf die Miete umlegbar. Schlau wĂ€re es vielleicht, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, denn es be- darf in Berlin sowieso einer Sanierung der sogenannten Worst Performing Buildings, also der am schlechtesten sanierten GebĂ€ude, um den Wohnstandard zu erhöhen, aber auch, um die Menschen vor steigenden Heizkosten zu schĂŒtzen. Das sollte dann, wenn es nötig ist, auch mit einer Schadstoffsanierung verbunden werden. So können wir den Schutz der Gesundheit, des Klimas und der Mie- terinnen und Mieter miteinander verbinden. Ich denke, das wĂ€re eine ziemlich intelligente Politik, aber leider glaube ich, dass dieser Senat eine solche Politik nicht machen wird. Vielleicht als letzter Punkt und ĂŒber den Antrag hinaus- gehend noch wichtig, fĂŒr uns jedenfalls: dass sich auch die Asbestindustrie an der Finanzierung der Kosten betei- ligt. Eine solche Regelung oder ein solcher Fonds ist ausgerechnet in der Schweiz gemacht worden, wo die Asbestindustrie tatsĂ€chlich freiwillige BeitrĂ€ge einzahlt. Denn bisher haben wir doch folgendes Prinzip: Die Ge- winne werden privatisiert, auch beim Thema Asbest, und die Verluste werden vergesellschaftet. Damit mĂŒssen wir aufhören, und ich finde, auch dafĂŒr sollte sich der Senat endlich mal einsetzen. â Ich bedanke mich fĂŒr Ihre Auf- merksamkeit! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat jetzt der Kolle- ge Dr. Kollatz das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Um mit dem letzten Punkt von Herrn Efler anzufangen: Das ist richtig. Es ist richtig, dass es besser wĂ€re, wenn wir in Sachen Asbest einen solchen Fonds hĂ€tten, wie ihn die Schweiz hat. Es gibt in Deutschland nach meiner Kennt- nis einen Fonds vergleichbaren Ansatzes fĂŒr die BewĂ€lti- gung der Contergankatastrophe. Es ist aber so, dass wir das, wie gesagt, fĂŒr Asbest nicht haben. Interessant ist, dass in dem Antrag dieses Thema gerade nicht auftaucht. Das heiĂt, der Antrag ist â dem folgend, was Sie selbst gesagt haben â eher ein Antrag nach dem Motto: Wir privatisieren die Gewinne, und wir sozialisie- ren die Verluste. Das wollen wir nun gerade nicht. Inso- fern stimme ich Ihnen ausdrĂŒcklich zu: Es macht Sinn, dass sich Berlin und der Senat dafĂŒr einsetzen, und das können wir uns auch auf die Agenda schreiben, aber im Prinzip ist es eben so, dass gerade das in dem Antrag nicht drin ist. Der Dank gilt, das haben Vorredner auch schon gesagt, auch den GrĂŒnen und Herrn Otto, die dieses Thema auf die Agenda gesetzt haben. Es ist nicht so, und ich glaube, das ist auch nicht die Auffassung dort, dass sich das Land drĂŒckt. Man kann immer darĂŒber streiten, ob man da mehr oder weniger machen sollte, aber um mal das Bei- spiel anzusprechen, das in dem Antrag in der BegrĂŒndung an einer kleinen Stelle ErwĂ€hnung findet: Als das Land von den Privaten 2022 relativ viele Wohnungen ange- kauft hat, wusste das Land, dass es dabei auch Asbest- wohnungen aufkauft. Um zu erreichen, dass dort schnel- ler asbestsaniert wird, als wenn die privat geblieben wĂ€- ren, hat man zum Beispiel von den landeseigenen Gesell- schaften verlangt, dass sie beim Erwerb dieser circa 11 000 Wohnungen ein Konzept mitbringen, wie man die Dinger saniert. Vielleicht war das der Grund dafĂŒr, dass damals die Linkspartei und die GrĂŒnen so skeptisch bei dem Kauf waren. Aber das war Teil dieses Kaufs. Das heiĂt also, es ist nicht das Thema, dass man sich drĂŒckt. Es gibt ein relativ ambitioniertes Programm, wie man daraus erkennt, und wie gesagt: Mehr Informationen, auch im Privatsektor, sind nötig, und das nehme ich mit, dieses Thema, dass man noch mal versucht, einen Anlauf in Richtung eines solchen Fonds zu starten. Denn, wie gesagt, die Privatisierung der Gewinne und die Sozialisie- rung der Verluste ist keine Lösung. â Danke schön fĂŒr die Aufmerksamkeit! Vielen Dank, Herr Kollege! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat jetzt der Abgeordnete Laatsch das Wort.
Asbest: die Dritte. â Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Lieber Herr Otto! Wie oft schon haben wir, Sie und ich, den Senat nach Asbestose und den Auswirkun- gen von Asbest auf den Wohnraum dieser Stadt gefragt, und was war die Antwort? â Ich rufe Sie mal in Erinne- rung: Dazu hat der Senat keine Erkenntnisse. Stattdessen wird eine Frage beantwortet, die gar nicht gestellt wurde: Asbestose verursacht durch Arbeitsprozesse. Zu Deutsch: Es gibt keine Asbestose, die durch Wohnraum ausgelöst wurde. Sie machen hier, was Sie als GrĂŒne immer tun: Angst und Schrecken verbreiten und den Tod an die Wand malen, um durch Emotionalisierung der Bevölke- rung Aufmerksamkeit zu erregen. Wir erleben das im Verkehrsausschuss von Frau Kapek jedes Mal. Da werden bei ihr stĂ€ndig Kinder ĂŒberfahren. (Harald Laatsch) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8551 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Ich weiĂ gar nicht, was mit der Frau los ist, was die fĂŒr AlbtrĂ€ume hat. Jetzt möchte ich noch einmal entlarven, wie Sie als GrĂŒne wirklich zu Asbest in GebĂ€uden stehen. Das Haus der Statistik ist Synonym fĂŒr linksgrĂŒne DoppelzĂŒngigkeit. Mit viel DDR-Nostalgie haben Sie sich an diesen Bau geklammert, der im Grunde eine abrissreife, an HĂ€sslich- keit nicht zu ĂŒberbietende Immobilie war, und eine ehe- malige Stasiunterkunft. Vielleicht ist es das, was Sie da so emotional bindet. Sie wollten eine DDR-Ruine erhal- ten und wussten, dass diese fĂŒr Wohnzwecke nicht geeig- net ist. Trotzdem bestanden Sie unter Rot-Rot-GrĂŒn da- rauf, diese asbestverseuchte Bruchbude, anders kann man das nicht nennen, zu sanieren. Ergebnis: Es fand sich erwartungsgemÀà Asbest, der nicht ohne Abriss zu ent- fernen ist, und Sie haben diesen Asbest einfach eingetĂŒtet und dort belassen. Das ist grĂŒne Politik: Hauptsache, diese Schrottimmobilie wurde fĂŒr ĂŒber 200 Millionen Euro vor dem Abriss geret- tet. Insofern ist das, was Sie hier heroisch einfordern, schlicht unglaubwĂŒrdig, und von uns gibt es dazu auch keine Zustimmung, Herr Otto. Es sei noch einmal gesagt: Es gibt keine nachgewiesene Asbestose durch Asbest in WohnrĂ€umen. Hören Sie auf mit dieser Panikmache! Wenn es anders wĂ€re, dann mĂŒssten diese Wohnungen alle â und Herr Otto spricht von 600 000 â unmittelbar gerĂ€umt werden, denn alles andere wĂ€re Beihilfe zur Tötung, wenn wir diese Men- schen in gefĂ€hrlichen Wohnungen wohnen lassen wĂŒr- den. Hören Sie auf mit dieser Panikmache! Hören Sie auf, Menschen Angst zu machen! Machen Sie ernstzuneh- mende Politik! Auch wenn Sie noch so harmlos vortragen, Herr Otto â was Ihnen ja wirklich zu eigen ist, das stellen Sie gut dar â, das Ziel ist immer das Gleiche: Ihr Kampf gegen das private Eigentum. Darauf zielen Sie, das haben Sie ausdrĂŒcklich gesagt. Sie haben wieder einmal weniger von den Landeseigenen gesprochen als von den bösen Privaten, die doch jetzt endlich zur Rechenschaft gezogen werden mĂŒssten â als ob nicht jede Wohnung, wenn sie denn saniert wird, gleich auch asbestsaniert wird. Jetzt noch mal zu den Zahlen, was das eigentlich bedeu- tet, nachdem sie den Wohnungsmarkt kostenmĂ€Ăig zum Explodieren gebracht haben. 2016: 1 600 Euro der Quad- ratmeter Erstellungskosten, 2026: 5 000 Euro der Quad- ratmeter, eine Verdreifachung der Preise fĂŒr die Erstel- lung. Was passiert? â ZwangslĂ€ufig verdreifachen sich die Preise der Mieten, logischerweise, auĂer bei den Be- standsmieten. Was passiert denn jetzt, wenn wir das alles so hauruck- mĂ€Ăig sanieren, wie Sie das vorhaben? 600 000 Wohnun- gen, mindestens 10 000 Euro pro Wohnung kostet die Sanierung, wenn nicht eher 15 000 oder 20 000 Euro. Das heiĂt, wir sind bei einer Untergrenze von 6 Milliarden Euro. Was soll das bewirken? â Ganz klar: den Wohnungs- markt weiter behindern. Sie wollen mit allen Mitteln gegen private Vermieter, gegen das Bauen und so weiter vorgehen. Sie wollen diese Stadt einfrieren. Sie sind eigentlich Dorfbewohner, die sich hier in diese GroĂstadt gewagt haben und jetzt versuchen, die Hauptstadt Deutschlands lahmzulegen. Nichts anderes haben Sie vor. â Herzlichen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/1205 empfiehlt der Fach- ausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksa- che 19/2814 mehrheitlich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke â die Ableh- nung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Frakti- on von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Linksfraktion. Gegenstimmen? â Bei Gegenstimmen der CDU-Fraktion, der SPD-Fraktion und der AfD-Fraktion â Enthaltungen? â und einer Enthaltung eines fraktionslosen Abgeordne- ten. Damit ist der Antrag abgelehnt. Dann kommen wir zum Ergebnis der geheimen Wahlen. Punkt 5 der Tagesordnung, Wahl eines stellvertretenden Mitgliedes und der oder des stellvertretenden Vorsitzen- den des Untersuchungsausschusses Neukölln â Drucksa- che 19/0909 â: Vorgeschlagen als stellvertretendes Mit- glied war der Abgeordnete Robert Eschricht â abgegebe- ne Stimmen 121, davon keine ungĂŒltige, 17 Ja-Stimmen, 99 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen. Damit ist der Abge- ordnete Eschricht nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretender Vorsitzender war vorgeschlagen der Abgeordnete Karsten Woldeit: abgegebene Stimmen 121, auch hier keine un- gĂŒltige, 15 Ja-Stimmen, 102 Nein-Stimmen, 4 Ent- haltungen. Damit ist auch der Abgeordnete Woldeit nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 6, Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds der G-10-Kommission des Landes Berlin â Drucksache 19/0915 â: Als Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Alexander Bertram: 121 abgegebene Stimmen, alle Stimmen waren gĂŒltig, 14 Ja-Stimmen, 102 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen. Damit ist der Abgeordnete Bertram nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied war vorgeschlagen der Abge- ordnete Frank Scheermesser: ebenfalls 121 abgegebene Stimmen, davon keine ungĂŒltige, 14 Ja-Stimmen, (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8552 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 102 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen. Damit ist der Abge- ordnete Scheermesser nicht gewĂ€hlt. Punkt 7 der Tagesordnung, Wahl von zwei Mitgliedern des PrĂ€sidiums des Abgeordnetenhauses â Drucksache 19/0936 â: Vorgeschlagen war der Abgeordnete Martin Trefzer: 121 abgegebene Stimmen, 1 ungĂŒltige, 17 Ja- Stimmen, 99 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen. Damit ist der Abgeordnete Trefzer nicht gewĂ€hlt. Als weiteres Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Dr. Hugh Bronson: abgegebene Stimmen ebenfalls 121, davon 1 ungĂŒltig, 17 Ja-Stimmen, 99 Nein-Stimmen, 4 Enthal- tungen. Damit ist auch der Abgeordnete Dr. Bronson nicht gewĂ€hlt worden. Punkt 8 der Tagesordnung, Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Ausschusses fĂŒr Verfassungsschutz â Drucksache 19/1000 â: Als Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Vallendar: 121 ab- gegebene Stimmen, davon 1 ungĂŒltige, 15 Ja-Stimmen, 102 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen. Damit ist der Abge- ordnete Vallendar nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Robert Eschricht: 121 abgegebene Stimmen, davon 1 ungĂŒltige, 16 Ja-Stimmen, 100 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen. Damit ist auch der Abgeordnete Eschricht nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 9, Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums der Berliner Landeszentrale fĂŒr politische Bildung â Drucksache 19/1008 â: Als Mitglied war vorgeschlagen der Abgeord- nete Rolf Wiedenhaupt: abgegebene Stimmen 121, davon keine ungĂŒltige, 20 Ja-Stimmen, 97 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen. Damit ist der Abgeordnete Wiedenhaupt nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied vorgeschla- gen ist der Abgeordnete Carsten Ubbelohde: 121 abgege- bene Stimmen, keine ungĂŒltige, 18 Ja-Stimmen, 99 Nein- Stimmen, 4 Enthaltungen. Damit ist auch der Abgeordne- te Ubbelohde nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 10, Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Lette Vereins â Drucksache 19/1057 â: Als Mitglied war vor- geschlagen der Abgeordnete Thorsten WeiĂ: 121 abgege- bene Stimmen, davon keine ungĂŒltige, 16 Ja-Stimmen, 103 Nein-Stimmen, 2 Enthaltungen. Damit ist der Abge- ordnete WeiĂ nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mit- glied war vorgeschlagen der Abgeordnete Harald Laatsch: 121 abgegebene Stimmen, davon keine ungĂŒlti- ge, 16 Ja-Stimmen, 102 Nein-Stimmen, 3 Enthaltungen. Damit ist auch der Abgeordnete Laatsch nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 11, Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Kuratoriums des Pestaloz- zi-Fröbel-Hauses â Drucksache 19/1058 â: Als Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Tommy Tabor: ab- gegebene Stimmen 121, davon 1 ungĂŒltige, 18 Ja- Stimmen, 98 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen. Damit ist der Abgeordnete Tabor nicht gewĂ€hlt. Als stellvertreten- des Mitglied war vorgeschlagen der Abgeordnete Gunnar Lindemann: 121 abgegebene Stimmen, davon 1 ungĂŒlti- ge, 16 Ja-Stimmen, 102 Nein-Stimmen, 2 Enthaltungen. Damit ist der Abgeordnete Lindemann nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 12, Wahl eines Mitglieds des Bei- rats der Berliner Stadtwerke GmbH â Drucksache 19/1247 â: Vorgeschlagen war Frau Abgeordnete Jean- nette Auricht: abgegebene Stimmen 121, davon 1 ungĂŒl- tige, 16 Ja-Stimmen, 100 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen. Damit ist Frau Auricht nicht gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 13, Wahl von zwei Mitgliedern und zwei stellvertretenden Mitgliedern der Enquete- Kommission fĂŒr gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegen Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung â Drucksache 19/2068 â: Als Mitglied war vorgeschlagen die Abgeordnete Jean- nette Auricht: abgegebene Stimmen 121, davon 5 ungĂŒl- tige, 16 Ja-Stimmen, 96 Nein-Stimmen, 4 Enthaltungen. Damit ist die Abgeordnete Auricht nicht gewĂ€hlt. Als stellvertretendes Mitglied war vorgeschlagen der Abge- ordnete Frank-Christian Hansel: abgegebene Stimmen 121, davon 4 ungĂŒltige, 19 Ja-Stimmen, 93 Nein- Stimmen, 5 Enthaltungen. Damit ist der Abgeordnete Hansel nicht gewĂ€hlt. Als SachverstĂ€ndiger war vorge- schlagen Herr Feroz Khan: 121 abgegebene Stimmen, 4 ungĂŒltige, 16 Ja-Stimmen, 97 Nein-Stimmen, 4 Enthal- tungen. Damit ist Herr Khan nicht als SachverstĂ€ndiger gewĂ€hlt. Als stellvertretender SachverstĂ€ndiger war vor- geschlagen Herr Dr. Fabian Schmidt-Ahmad: abgegebene Stimmen 121, davon 4 ungĂŒltige, 16 Ja-Stimmen, 96 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen. Damit ist auch Herr Dr. Schmidt-Ahmad nicht als stellvertretender Sachver- stĂ€ndiger gewĂ€hlt. Tagesordnungspunkt 14, Wahl eines Mitglieds und eines stellvertretenden Mitglieds des Untersuchungsausschus- ses âFördergeldâ â Drucksache 19/2740 â: Als Mitglied war vorgeschlagen Herr Abgeordneter Marc Vallendar: auf ihn entfielen 121 abgegebene Stimmen, davon 2 un- gĂŒltige, 15 Ja-Stimmen, 100 Nein-Stimmen, 4 Enthaltun- gen. Damit ist Herr Vallendar nicht gewĂ€hlt. Als stellver- tretendes Mitglied vorgeschlagen Herr Abgeordneter Rolf Wiedenhaupt: 121 abgegebene Stimmen, 3 ungĂŒltige, 20 Ja-Stimmen, 93 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen. Da- mit ist auch Herr Abgeordneter Wiedenhaupt nicht ge- wĂ€hlt. Meine Damen und Herren! Dann können wir jetzt zu- rĂŒckkommen zur nĂ€chsten geheimen Wahl, die wir vor- hin ĂŒbersprungen haben, nĂ€mlich zum Tagesordnungs- punkt (PrĂ€sidentin Cornelia Seibeld) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8553 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 lfd. Nr. 24: Ersatzwahl eines stellvertretenden Mitglieds des Richterwahlausschusses Wahl Drucksache 19/3079 Das Abgeordnetenhaus wĂ€hlt gemÀà § 12 Berliner Rich- tergesetz die Mitglieder und stellvertretenden Mitglieder des Richterwahlausschusses. Die Senatorin fĂŒr Justiz und Verbraucherschutz hat das Erlöschen der Mitgliedschaft eines stellvertretenden Mitglieds festgestellt. Es ist daher eine Ersatzwahl vorzunehmen. GemÀà der Wahlvorlage wird Herr Oberstaatsanwalt als Abteilungsleiter Dr. Holger Brocke als neues stellvertre- tendes Mitglied vorgeschlagen. Die Wahl erfolgt gemÀà § 88 Absatz 1 Satz 1 des Berliner Richtergesetzes ge- heim. Das Wahlverfahren erfolgt wie heute bereits prak- tiziert. Ich weise darauf hin, dass die Fernsehkameras nicht auf die Wahlkabinen ausgerichtet werden dĂŒrfen. Alle PlĂ€tze hinter den Wahlkabinen sind, wie ĂŒblich, freizurĂ€umen, ebenso um die Wahlkabinen herum. Ich bitte den Saaldienst, die vorgesehenen Tische und Wahl- kabinen aufzustellen, und ich bitte die Beisitzerinnen und Beisitzer, ihre vorgesehenen PlĂ€tze einzunehmen. Nach dem Wahlgang werden wir fĂŒr die AuszĂ€hlung die Sitzung fĂŒr etwa 15 Minuten unterbrechen. Es fehlt noch das eine oder andere PrĂ€sidiumsmitglied hier vorne. Dann darf ich bitten, mit dem Namensaufruf zu beginnen. Dann darf ich fragen, ob alle die Gelegenheit hatten, ihre Stimme abzugeben. â Das ist offenbar noch nicht der Fall. Dann darf ich noch einmal fragen, ob jetzt alle die Gele- genheit hatten, ihre Stimme abzugeben. â Das scheint der Fall zu sein. Dann schlieĂe ich den Wahlgang und bitte die Beisitzerinnen und Beisitzer, mit der AuszĂ€hlung zu beginnen. Ich unterbreche die Sitzung fĂŒr etwa 15 Minu- ten, also bis 17.05 Uhr. Meine Damen und Herren! Ich bitte, die PlĂ€tze wieder einzunehmen. Wir setzen die Sitzung fort, und ich gebe das Wahlergebnis bekannt. Das war der Punkt 24 der Tagesordnung, die Ersatzwahl eines stellvertretenden Mitglieds des Richterwahlausschusses, Drucksa- che 19/3079. Auf den Wahlvorschlag der Staatsanwalt- schaft entfielen folgende Stimmen â als stĂ€ndiges stell- vertretendes Mitglied Herrn Dr. Holger Brocke: Abgege- bene Stimmen: 118, eine ist ungĂŒltig gewesen, 91 Ja- Stimmen, 17 Nein-Stimmen, 9 Enthaltungen. Damit ist Herr Dr. Brocke zum stĂ€ndigen stellvertretenden Mitglied gewĂ€hlt worden. Dann haben wir den Tagesordnungspunkt 27 auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 28: HonorarkrĂ€fte an den Musikschulen besserstellen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Kultur, Engagement und Demokratieförderung vom 5. Januar 2026 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 21. Januar 2026 Drucksache 19/2907 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0240 zuvor: Ănderungsantrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/0240-1 In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion, und das mit dem Abgeordneten Eschricht.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Berlinerinnen und Berliner! Wer wissen will, was in Berlin wieder nicht klappt, wirft am besten einen Blick in die Richtlinien der Regierungspolitik 2023-2026. Seitenzahlen oder Zeilen- nummern gibt es dort nicht. Wahrscheinlich will man nicht so gerne zitiert werden. Aber im Abschnitt Kultur steht, und ich zitiere mit Erlaubnis des PrĂ€sidenten: âWeil ein rentenbedingter LehrkrĂ€ftemangel schon ab 2025 die Sicherung musikalischer Bildungs- angebote gefĂ€hrdet, wird sich der Senat fĂŒr mehr Festanstellungen an Berliner Musikschulen einset- zen.â Dieser Satz ist jetzt drei Jahre alt. Dort steht auch noch etwas von einem Musikschulgesetz, das nicht kam, und einem Bibliotheksgesetz, das auf sich warten lĂ€sst. FĂŒr den Senat sind diese beiden Gesetzestexte Bestandteile des Kulturfördergesetzes. Dieses Gesetz wird vorbereitet durch die Berliner Kulturkonferenz. Im zusammenfas- senden Bericht ĂŒber die Ergebnisse des Beteiligungspro- zesses aus dem Jahr 2025 steht auf Seite 134, und ich zitiere erneut: âAnzustreben sind nahezu 100 % Festanstellung fĂŒr Lehrende an den bezirklichen Musikschulen. Ein Tarifvertrag fĂŒr die arbeitnehmerĂ€hnlichen HonorarkrĂ€fte an den bezirklichen Musikschulen istâ â dringend â (Robert Eschricht) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8554 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 ânotwendig.â Was sieht man da? â Wirklich jeder in dieser Stadt, jeder, der die musikpolitischen Entwicklungen verfolgt hat, ruft danach, und der AfD-Fraktion zur Ehre haben wir in diesem Haus schon vor ĂŒber vier Jahren genau diese Verbesserung eingefordert. Aber verstehen Sie ĂŒberhaupt, wie zwingend die Situati- on sein muss, wenn sich feinsinnige Musikschullehrer an uns wenden? â Da haben Sie zahllose GefĂ€lligkeitsgut- achten vollgeschrieben, lauter Anschuldigungen. GefĂŒhlt habe ich bis zum âMenschenfresserâ schon jeden Angriff lesen können. Und dann ist Ihre Politik in der Praxis so ein frustrierendes Hinhalten und Aussitzen, dass alle bestellten Gutachten Altpapier sind. Das ist ĂŒbrigens seit Jahren meine Empfehlung an jeden Berliner StaatsbĂŒrger, ob bei DrogenkriminalitĂ€t am U- Bahnhof SchönleinstraĂe oder bei Containerdörfern am Britzer Garten: Sagt euren Politikern vor Ort, ob StadtrĂ€- ten oder Direktkandidaten: Wenn ihr uns nicht helft, dann wĂ€hlen wir die AfD! Denn entweder wachen die dann auf und helfen euch bei euren Problemen und können so die AfD kleinmachen, oder ihr Berliner macht die AfD stark, und dann regeln wir das, ganz getreu dem Motto: Dort, wo ein politischer Wille ist, ist immer auch ein finanzpolitischer Weg. Denn andere StĂ€dte haben schon lĂ€ngst geliefert: Ham- burg â 100 Prozent Festanstellung, Bremen â 100 Prozent Festanstellung; ob Dortmund oder Magdeburg, 100 Pro- zent. Bis zur Fragestunde bin ich noch davon ausgegan- gen, dass es in Berlin eigentlich mindestens 20 Prozent sein sollten, was bei einem Bundesdurchschnitt von 80 Prozent wahrlich kein Ruhmesblatt wĂ€re â und bei dem Haushaltsvolumen. Aber obwohl das letzte Treffen Mitte Januar war, ist ein Quartal lang nichts aufgegleist worden. Der Kollege Haustein wird unterdessen als Heilsbringer auf alle Podien eingeladen. Im Grunde setzen Sie nur eine AfD-Forderung sehr zögerlich um. Aber ich gönne es Ihnen. Ein Sinn fĂŒr Humor ist in der Politik selten genug. Dieses ewige absichtliche Missverstehen des Politikbe- triebs ist eine angenehme Abwechslung zu der nicht en- den wollenden linken Larmoyanz. Achten Sie aber da- rauf, dass das ganze Lob nicht wie ein MĂŒhlstein um Ihren Hals hĂ€ngt, herumgereicht als Mister-90-Prozent- Festanstellung, aber natĂŒrlich erst im Doppelhaushalt 2028/2029! Achten Sie darauf, dass Ihre Koalitionskolle- gen nicht danach trachten, Sie damit zur nĂ€chsten Legis- latur zu versenken und sich damit gleich des ganzen Themas zu entledigen! Unser heutiger Antrag ist das Gegenteil einer Maximal- forderung, es ist das Angebot zur VerstĂ€ndigung. Geben Sie den HonorarkrĂ€ften wenigstens diese drei Dinge: Feiertagslohn, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Lohn bei fremdverschuldetem Unterrichtsausfall. Die Forderung nach einer erhöhten Festanstellungsquote haben wir in diesem Haus schon 2022 erhoben. Haben jetzt die GrĂŒnen Schuld an der Misere, die sich 2022/2023 nicht darum gekĂŒmmert haben, oder die CDU, die 1 000 Tage nicht ins Machen kommt? Ganz sicher politisch verantwortlich ist die SPD, die seit 35 Jahren in Berlin die Regierungsverantwortung hat. Es ist eine trau- rige Geschichte mit der SPD. Bei meiner ersten Bundestagswahl vor 21 Jahren war ich selbst noch WĂ€hler, aber sie befindet sich lĂ€ngst in ihrer institutionellen Endphase. Noch ein, zwei Legislaturen, und diese einst so wichtige Partei ist ein Schatten ihrer selbst. Wir sehen uns an der Wahlurne. â Vielen Dank! Dann hat nun offensichtlich der Heilsbringer das Wort. â Herr Kollege, Sie nehmen es mir nicht ĂŒbel, ich wĂŒrde beim Namen bleiben. â Das Wort hat dann Herr Haustein fĂŒr die CDU-Fraktion.
Nein, ich freue mich auch, was ich heute alles fĂŒr Titel bekomme. â Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe GĂ€ste! Vor allem liebe MusikschullehrkrĂ€fte! â Herr Eschricht! Sie haben gerade ganz wunderbar vorgelesen. Herzlichen Dank dafĂŒr, und auch, dass ich tolle Titel bekommen habe, die ich mir gar nicht so zuschreiben will! Jemand, der etwas fĂŒr dieses Thema in der Stadt macht, darf aber auch mal erwĂ€hnt werden. Deswegen vielen Dank dafĂŒr! Heute, nach vielen Vertagungen von Ihnen â seit 2022 ist der Antrag ja schon gealtert â, dĂŒrfen wir endlich darĂŒber sprechen. Die Austauschfassung mit neuem Datum hilft jetzt nicht wirklich darĂŒber hinweg. Es hat sich im Antrag nichts geĂ€ndert, aber bei uns in der Musikschullandschaft doch ganz erheblich, was wir zu bewerkstelligen hatten. Die Antwort auf Ihre Frage ist doch ganz einfach: Wie können wir die Arbeitsbedingungen fĂŒr unsere Musik- schullehrkrĂ€fte verbessern? â Die Antwort liegt doch auf der Hand: mehr Festanstellungen. Diese zusĂ€tzlichen Festanstellungen haben sich meine CDU-Fraktion und ich (Dennis Haustein) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8555 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 uns auf die Fahne geschrieben. Wir, auch ich persönlich, haben uns in den letzten Jahren vehement dafĂŒr einge- setzt. Deswegen noch mal danke fĂŒr den Titel! Mit einem wahnsinnig groĂen Kraftakt haben wir es in diesem ohnehin sehr belasteten Haushalt geschafft, das Geld fĂŒr circa 200 Vollzeitstellen einzustellen. Das sind circa 27 Prozent aller noch im Land Berlin beschĂ€ftigten HonorarbeschĂ€ftigten. Jetzt können wir uns natĂŒrlich auch, und das werden wir gleich wieder hören, alle ge- genseitig ĂŒberbieten, dass man doch 300, 400, 500 â â In keinem anderen Bereich in diesem Berliner Haushalt gab es einen derartigen Personalaufwuchs. Das mĂŒssen wir zur Kenntnis nehmen und können auch schauen, wie wir diese Stellen möglichst schnell auf die StraĂe bekommen. Deswegen habe ich auch ein bisschen belustigt heute Morgen die Fragestunde mitverfolgt. Der Kollege von den GrĂŒnen schaut mich schon an. â Sie wissen doch selbst, der Senat hat in den ersten Wochen des neuen Jahres alles getan, was er pflichtschuldig tun musste, um möglichst schnell dafĂŒr zu sorgen, dass diese Stellen auf den Markt kommen. Wir wissen, dass die Bezirke in der Besetzungspflicht sind, und uns und mir persönlich war es immer wichtig, dass wir hier einheitlich agieren, gleiche Bedingungen fĂŒr alle schaffen und uns nicht wieder im kleinen Bezirks- Plemplem verirren, und vor allem, dass sich auch nur diejenigen bewerben, die bisher als Stelleninhaber von HonorarbeschĂ€ftigungen Berufserfahrung gesammelt haben. Das haben wir in elf Bezirken geschafft, aber in einem nicht. Da spreche ich Sie ganz persönlich an, liebe GrĂŒnenfraktion. Friedrichshain-Kreuzberg geht wieder einen Sonderweg, aus GrĂŒnden, die ich nicht nachvoll- ziehen kann. Wissen Sie, was mich daran ganz besonders wurmt und jetzt gerade wieder sauer macht und auf die Palme bringt? â Wir haben in den vielen FachgesprĂ€chen, die wir zu dem Thema miteinander, mit unserer Senatorin Sarah Wedl-Wilson, mit Cerstin Richter-Kotowski und mit den MusikschullehrkrĂ€ften absolviert haben, gehört, dass die seit 31 Jahren amtierende Musikschulleitung in Fried- richshain-Kreuzberg jetzt von Ihrer grĂŒnen StadtrĂ€tin, die auch BezirksbĂŒrgermeisterin ist, kaltgestellt und abser- viert wurde, eine Dame, die sich seit 31 Jahren fĂŒr ihre Leute verkĂ€mpft und dieses Thema, die Festanstellungs- quote, ĂŒberall verteidigt. Vielleicht können Sie dazu noch mal Auskunft geben. Ich finde, das ist Unrecht. Das mĂŒssen Sie unbedingt korri- gieren. Bitte, wirklich! Uns alle verbindet doch miteinander, dass wir diese Ho- noraranstellungen möglichst schnell in Festanstellungen umwandeln wollen. Ich benutze das Wort noch einmal; wir wissen, das ist nicht ganz richtig. Wir wollen die Leute möglichst schnell in Festanstellung bringen. Das ist ein Thema, das uns alle miteinander verbindet. Es darf jetzt nicht daran scheitern, dass im besten Fall die grĂŒne StadtrĂ€tin kein Interesse an dem Thema hat, im schlimmsten Fall das sogar konterkariert, indem sie poli- tisch dagegen arbeitet. FĂŒr mich und uns als CDU-Fraktion ist klar: Wir brau- chen mehr Festanstellungen. Die 80 bis 90 Prozent mĂŒs- sen in naher Zukunft bei uns feststehen. Daran mĂŒssen wir jetzt arbeiten. Deshalb sind auch diese 200 Stellen fĂŒr uns als CDU-Fraktion nur der Einstieg in den Ausstieg aus den ĂŒberwiegenden HonorarbeschĂ€ftigungen im Mu- sikschulbereich. â Herzlichen Dank! Dann hat nun der Kollege KrĂŒger das Wort fĂŒr die Frak- tion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. [Dr. Timur Husein (CDU): Kein einziger GrĂŒner aus Friedrichshain-Kreuzberg da! â
Willkommen!]
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Ich glaube, ich kann es von unserer Seite aus relativ kurz machen, denn eigentlich ist in den letzten Wochen, Monaten und Jahren schon alles gesagt worden. Wir brauchen mehr Festanstellungen fĂŒr die HonorarkrĂ€fte, und das nicht nur, weil sie es verdient haben, sondern ehrlicherweise auch, weil es ihnen einfach zusteht. Das muss jetzt möglichst bĂŒrokratiearm und unter WĂŒr- digung der Leistung geschehen, die die HonorarkrĂ€fte in den letzten Jahren und Jahrzehnten schon an den Musik- schulen geleistet haben. Genauso fordern wir es auch in unserem Antrag. Leider geht die Koalition da nur sehr kleine Schritte. Herr Haustein hat es angesprochen. Ich fasse es immer unter too little too late zusammen. Too little: Es wurde gesagt, 4 Millionen Euro, 200 Stellen. Wir brĂ€uchten eigentlich mehr. Too late: Wir haben es heute Vormittag gehört, nicht eine einzige Festanstellung (Louis KrĂŒger) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8556 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 ist von diesen 4 Millionen Euro dieses Jahr schon umge- setzt worden. Die Senatorin hat es gesagt, da gibt es ge- rade noch Verfahrensabstimmungen zwischen der Kul- turverwaltung und der Finanzverwaltung; so viel einmal dazu. So, und jetzt mĂŒssen wir eben schauen, wie wir diese Festanstellung umsetzen, denn jeder Tag, an dem sie nicht umgesetzt wird, bedeutet, dass die Unsicherheit weiterhin auf dem RĂŒcken der HonorarkrĂ€fte ausgetragen wird. Da bringt es auch nichts, auf Bundesebene ein wei- teres Jahr in die VerlĂ€ngerung zu gehen. Wir brauchen jetzt die Umsetzung. Diese Koalition ist anscheinend nicht willens, das entsprechend umzusetzen. Wir haben ja in diesem Jahr noch Wahlen, und ich hoffe sehr darauf, dass die nĂ€chste Koalition das anders machen wird und den MusikschullehrkrĂ€ften die WertschĂ€tzung entgegen- bringt, die sie verdienen. â Vielen Dank! Dann folgt fĂŒr die SPD-Fraktion die Kollegin KĂŒhne- mann-Grunow.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Meine sehr verehrten Da- men und Herren! Es ist wirklich bemerkenswert, dass die AfD jetzt die HonorarkrĂ€fte an den Musikschulen ent- deckt. Seit 2018 hat die SPD dieses Thema im Blick, im Ăbrigen weit vor Herrenberg, und wir haben gemeinsam mit Linken und GrĂŒnen die ersten Anstrengungen unter- nommen, die HonorarkrĂ€fte an unseren Musikschulen fest anzustellen. Unsere Musikschulen leisten einen unschĂ€tzbaren Beitrag zur kulturellen Bildung. Sie ermöglichen Kindern und Jugendlichen, im Ăbrigen unabhĂ€ngig vom Geldbeutel der Eltern, Zugang zu Musik, KreativitĂ€t und Gemein- schaft. Dieses Angebot, da pflichte ich dem Kollegen Haustein bei, steht und fĂ€llt mit den LehrkrĂ€ften. Viele von ihnen arbeiten immer noch auf Honorarbasis, oftmals unter Bedingungen, die keine langfristige Sicherheit bieten. Im Ăbrigen gilt Herrenberg aber auch nicht nur fĂŒr den Kulturbereich und auch nicht nur fĂŒr die Musik- schullehrkrĂ€fte, sondern im Endeffekt fĂŒr alle Hono- rarkrĂ€fte im Land Berlin. Das Land Berlin stellt jetzt 4 Millionen Euro pro Jahr zusĂ€tzlich bereit, um weitere Festanstellungen in den Bezirken zu schaffen, 4 Millionen Euro gezielt fĂŒr die Umwandlung von Honorarstellen in sozialversicherungs- pflichtige BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse. Das ist im Ăbrigen kein symbolischer Akt, sondern ein konkreter Schritt hin zu besseren Arbeitsbedingungen, mehr sozialer Absiche- rung und höherer Planbarkeit. Genau das brauchen Lehr- krĂ€fte und MusikschullehrkrĂ€fte, wenn sie sich im Ăbri- gen auch fĂŒr diesen Beruf entscheiden wollen. Der Antrag der AfD bleibt hier sehr vage. Ich bin im Ăbrigen zuversichtlich, Herr KrĂŒger, auch wenn Sie gerade angemahnt haben, dass das alles sehr lange dauert. Wir arbeiten daran. Es waren alle an einem Tisch, des- halb werden die Bezirke das jetzt auch sukzessive umset- zen. Der AfD-Antrag bleibt vage, suggeriert Handlungs- unwillen, wo lĂ€ngst gehandelt wird, fordert Verbesserun- gen, ohne darzulegen, wie diese rechtssicher, finanzierbar und nachhaltig umgesetzt werden können. Aber Politik besteht nicht darin, bestehende Probleme zu skandalisie- ren, sondern darin, tragfĂ€hige Lösungen auf den Weg zu bringen, und daran arbeitet die StaatssekretĂ€rin. Interessant ist aber vor allem auch, dass die AfD in Mar- zahn- Hellersdorf â ich muss Sie noch mal daran erinnern â die ersatzlose Streichung von 400 000 Euro, die fĂŒr die HonorarkrĂ€fte der Hans-Werner-Henze-Musikschule vorgesehen waren, gefordert hat. Die Argumentation war Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit und dass Musik- schulunterricht auch im Ehrenamt geleistet werden kann. Was wollen Sie denn nun? Abschaffen, besser finanzie- ren? Das ist nicht wirklich einheitlich. Vielleicht sollten wir hier mal anfangen, den Abgesang auf die AfD zu singen. Als SPD stehen wir fĂŒr Gute Arbeit, auch und vor allem im Kulturbereich. Wir stehen fĂŒr faire Bezahlungen, soziale Sicherheit und starke öffentliche Einrichtungen. Im Ăbrigen der Aufwuchs im Kulturhaushalt ist dem geschuldet, dass wir uns fĂŒr Gute Arbeit einsetzen, dass wir uns fĂŒr Mindesthonorare einsetzen. Da sind die Auf- wĂŒchse hingegangen, und das ist auch gut so! Deshalb unterstĂŒtzen wir den Weg der gezielten Aufsto- ckung von Festanstellungen in den Bezirken. Das ist verantwortungsvolle Finanzpolitik und zugleich ein kla- res Signal an die BeschĂ€ftigten: Eure Arbeit ist uns etwas wert. Vor diesem Hintergrund ist der Antrag der AfD nicht nur ĂŒberflĂŒssig, sondern er greift auch zu kurz. Die notwendigen Schritte sind bereits eingeleitet. Jetzt gilt es, diese konsequent durchzusetzen. (Melanie KĂŒhnemann-Grunow) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8557 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Frau Kollegin! Sie mĂŒssten bitte zum Schluss kommen.
â Ich komme zum Ende. â Und noch mal: Frau Staatssek- retĂ€rin Richter-Kotowski wird das jetzt mit den Bezirken umsetzen. Deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab. â Dan- ke schön! Dann folgt zum Abschluss fĂŒr die Linksfraktion Kollegin Dr. Schmidt.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Auch wenn wir schon oft darĂŒber gesprochen haben, werde ich nicht mĂŒde zu betonen: Musikschulen sind ein HerzstĂŒck kultureller Teilhabe und Bildung. Sie sind Orte, die Gleichheit in einem System wachsender Ungleichheit ermöglichen, aus denen Exzellenz hervor- geht, in denen aber vor allem breite musikalische Bildung vorgehalten wird. Das wird auch die Koalition nicht mĂŒ- de zu betonen. Wir haben es, was die Musikschulen anbelangt, jedoch mit einem eklatanten VersĂ€umnis zu tun, das die Koaliti- on noch immer nicht gelöst hat, trotz der Ehrenworte meines geschĂ€tzten Kollegen Haustein. Und weil dies so ist, mĂŒssen wir uns mit AntrĂ€gen der AfD herumschla- gen, der kulturelle Teilhabe und Bildung ganz gewiss keine Herzensangelegenheit ist, was sie mit ihrem rechten Kulturkampf auf allen Ebenen stĂ€ndig und stetig unter Beweis stellt. Trotz der klaren Anforderung, vor die uns die rechtssi- chere Umsetzung des sogenannten Herrenberg-Urteils stellt, spielt die Koalition auf Zeit. Leider arbeitet ihr die nochmalige VerlĂ€ngerung des Moratoriums bis zum 1. Januar 2027 insofern zu, als sie den Scherbenhaufen einer nĂ€chsten Koalition ĂŒberlassen will, kann und wird, und das, obwohl klar ist, dass eine VerlĂ€ngerung der HonorarvertrĂ€ge bereits im Sommer dieses Jahres erfol- gen muss, zugleich aber klar ist, dass ab dem 1. Januar 2027 Statusfeststellungsverfahren beginnen können. Die Musikschulen befinden sich also weiterhin in einer verheerend unsicheren Lage, und die Leidtragenden sind die HonorarkrĂ€fte, von denen einige bereits das Handtuch geschmissen haben, weil sie die mit der steten Verschie- bung einer rechtssicheren Lösung einhergehende man- gelnde WertschĂ€tzung ihrer Arbeit und auch die damit einhergehende Unsicherheit nicht lĂ€nger ertragen. Hinzu kommt, dass es noch nicht einmal gelungen ist, die fĂŒr dieses Jahr eingeplanten 4 Millionen Euro zur Festanstel- lung von HonorarkrĂ€ften an Musikschulen bereitzustel- len, geschweige denn, die Kriterien zu bestimmen, nach denen die Bezirke eine Auswahl der HonorarkrĂ€fte, die als erste fest angestellt werden, treffen sollen. Bezahlung an Feiertagen, Bezahlung im Krankheitsfall, Bezahlung von fremdverschuldetem Unterrichtsausfall, all das wĂ€re mit der Festanstellung gegeben und gelöst. Jetzt an der einen oder anderen Stelle die unhaltbare Situation fĂŒr die HonorarkrĂ€fte abzufedern oder zu erleichtern, verhindert die einzig richtige Lösung: die Festanstellung. Im Gegen- teil, sie schiebt es auf die lange Bank. Es ist beschĂ€mend fĂŒr die Koalition, dass sie mit ihrer Verzögerungstaktik ausgerechnet der AfD eine Steilvorlage fĂŒr derartige SchaufensterantrĂ€ge bietet. â Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. â Zu dem An- trag der AfD-Fraktion auf Drucksache 19/0240 empfeh- len die AusschĂŒsse gemÀà den Beschlussempfehlungen auf Drucksache 19/2907 mehrheitlich â gegen die AfD- Fraktion â die Ablehnung. ZunĂ€chst erfolgt jetzt aber eine Abstimmung ĂŒber den Ihnen vorliegenden Ănderungsan- trag der AfD-Fraktion zu ihrem eigenen Antrag, nĂ€mlich die Drucksache 19/0240-1. Wer diesen Ănderungsantrag annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. â Das ist die AfD-Fraktion. Wer stimmt dagegen? â Das sind alle anderen Fraktionen. Wer enthĂ€lt sich? â Das ist der fraktionslose Abgeordnete. Damit ist der Ănderungs- antrag abgelehnt. Dann folgt jetzt die Abstimmung ĂŒber den Antrag der AfD-Fraktion auf Drucksache 19/0240. Wer den Antrag annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzei- chen. â Das sind die AfD-Fraktion und der fraktionslose Abgeordnete. Wer stimmt dagegen? â Das sind die Frak- tionen von CDU, SPD, BĂŒndnis 90/GrĂŒne und Linksfrak- tion. Enthaltungen kann es entsprechend nicht geben. Damit ist der Antrag abgelehnt. Die Tagesordnungspunkte 29 bis 34 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8558 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 lfd. Nr. 35: âGutes Leben im Alterâ-Gesetz fĂŒr Berlin jetzt vorlegen â Berliner Altenhilfestrukturgesetz nicht weiter verschleppen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Gesundheit und Pflege vom 2. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3012 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2779 In der Beratung beginnt die Linksfraktion und zwar mit dem Kollegen Schatz.
Vielen Dank, Herr PrĂ€sident! â Meine Damen und Her- ren! Nach der ersten Debatte zu unserem Antrag war eigentlich alles klar. Alle haben hier in der Debatte ge- sagt: Wir brauchen dieses Gesetz, es ist lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig, und alle sagen, es ist fachlich richtig. Und um jetzt auch mal die Katze aus dem Sack zu lassen, ich lese ja auch Zeitung und höre auch das eine oder andere: Ich habe auch mitbekommen, es liegt jetzt etwas auf dem Tisch, zumindest die Presse hat schon einen Gesetzentwurf bekommen â verrĂŒckterweise ist der auch bei mir ange- kommen â, der dann von den Koalitionsfraktionen hier demnĂ€chst eingebracht werden soll. Ich bin mal gespannt, wann. Man muss mal ganz deutlich sagen, liebe Berlinerinnen und Berliner, es war eigentlich eine Aufgabe des Senats. Es stand in den Richtlinien der Regierungspolitik. Der Senat ist daran gescheitert. Die Koalitionsfraktionen mĂŒssen dem Senat jetzt helfen, damit es eventuell doch noch etwas wird. Aber jetzt schauen wir doch mal das an, was da der Pres- se zugespielt worden ist. Was ist denn das Ergebnis? Wenn ich mir das anschaue, dann wird eines ganz klar: Die entscheidenden Fragen fĂŒr ein Altenhilfestrukturge- setz sollen gar nicht in diesem Gesetz geregelt werden. Ich nehme das gerne mal auf, was der Kollege Stroedter heute frĂŒh in der Debatte zum Vergabegesetz gesagt hat, nĂ€mlich, wir machen jetzt etwas, was vorher in einer Verordnung geregelt war. Das regeln wir jetzt gesetzlich, damit es einen gesetzlichen Anspruch gibt. Da haben Sie gelernt; das finde ich richtig. Aber in diesem Altenhilfe- strukturgesetz, in dem Entwurf, der jetzt vorliegt, wird alles in Verordnungen geregelt, und im Gesetz steht nur, dass Verordnungen gemacht werden können. Das heiĂt, dass die eigentliche Frage, die Leistungsfrage, worauf Menschen tatsĂ€chlich angewiesen sind, in Verwaltungs- vorschriften verschoben wird. Das heiĂt ĂŒbersetzt: Es gibt gar keinen gesetzlichen Anspruch. Damit sind wir beim Kern. Was nĂŒtzt ein Gesetz, wenn es nicht regelt, worauf Menschen einen Anspruch haben? Was nĂŒtzt ein Gesetz, das nur beschreibt, wie man viel- leicht irgendwann handeln könnte? Das verdient nicht den Namen Strukturgesetz. Das ist ein Rahmen ohne Wirkung. Ich sage es mal deutlich: Wer Leistungen nicht gesetzlich regelt und in Verwaltungsvorschriften ver- schiebt, der trifft eine bewusste Entscheidung gegen Ver- bindlichkeit, gegen RechtsansprĂŒche, gegen einklagbare Standards, und das ist aus meiner Sicht kein Detail. Das ist der Unterschied zwischen echtem sozialem Recht und einer unverbindlichen politischen AbsichtserklĂ€rung. Dass ich das Sozialdemokraten und Sozialdemokratinnen erklĂ€ren muss, finde ich peinlich. Denn Verwaltungsvorschriften und Rechtsverordnungen haben immer einen entscheidenden Vorteil aus der Sicht der Regierung: Man kann sie Ă€ndern. Man kann sie aus- dĂŒnnen, man kann sie ignorieren, man kann Politik nach Haushaltslage betreiben und vor allem: Niemand kann sich darauf berufen. Menschen haben weiterhin keine AnsprĂŒche, die Bezirke haben weiterhin SpielrĂ€ume. Die Ungleichheit, die wir alle kritisiert haben, bleibt bestehen. Das ist genau das Gegenteil von dem, was wir hier ei- gentlich erreichen wollten. Denn alle haben in der ersten Debatte gesagt, Altenhilfe darf kein Lottoprinzip sein. Und was machen Sie jetzt? â Sie schreiben dieses Lotto- prinzip fort, nur besser verpackt. Ich frage Sie ganz konkret: Wo ist der Anspruch auf Beratung? Wo ist der Anspruch auf Begegnung und Teil- habe? Wo ist die Garantie, dass es diese Angebote in jedem Bezirk gibt? Das wird alles nicht in Ihrem Gesetz stehen, denn dann wĂ€re es ja verbindlich. So einfach ist das. Jetzt wird es extrem brisant: Sie haben jahrelang einen Prozess organisiert, Begleitgremium, Fachdebatten, Zi- vilgesellschaft eingebunden, und am Ende sagen Sie jetzt: Das, was wirklich zĂ€hlt, regeln wir nicht in diesem Ge- setz. â Das ist nicht vorsichtig, das ist nicht pragmatisch, das ist ein RĂŒckzug. An die SPD gerichtet will ich mal deutlich sagen: Sie haben hier erklĂ€rt, wir brauchen verbindliche Planung, klare ZustĂ€ndigkeiten, verlĂ€ssliche Finanzierung. â Rich- tig! Aber ohne Rechtsanspruch bleibt das alles weich, denn es bleibt abhĂ€ngig vom Haushalt, von politischen Mehrheiten, vom guten Willen. Genau das wollten wir eigentlich mit diesem Gesetz ĂŒberwinden. An die CDU: Sie sprachen in der Debatte zur ersten Le- sung von einem guten Verfahren. Ich finde, ein Verfahren ist immer so gut wie sein Ergebnis. Und wenn ich mir das Ergebnis anschaue, nĂ€mlich ein Gesetz ohne Anspruch, dann ist es kein gutes Ergebnis. Deshalb sage ich zum (VizeprĂ€sident Dennis Buchner) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8559 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Schluss ganz klar: Ein Altenhilfestrukturgesetz, das keine AnsprĂŒche schafft, ist kein Fortschritt, es ist eine verpass- te Chance. Wenn Sie es ernst meinen mit gleichwertigen LebensverhĂ€ltnissen, mit Teilhabe im Alter und mit sozi- aler Infrastruktur, dann gehört das in dieses Gesetz; nicht in eine Verordnung, nicht in Nebenregelungen, sondern ins Gesetz. Wenn Sie jetzt liefern wollen, dann liefern Sie richtig â mit Verbindlichkeit, mit AnsprĂŒchen, mit echter Wir- kung! Alles andere wird Ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht. â Vielen Dank! Im Ăbrigen bin ich der Ansicht, dass die Fraktion hier rechts auĂen zur Erhellung der dunklen Finanzquellen ihrer Partei beitragen sollte. â Vielen Dank! [Beifall bei der LINKEN und den GRĂNEN â
SED-Milliarden! â Weitere Zurufe von der AfD] Dann folgt fĂŒr die CDU-Fraktion der Kollege Zander.
Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Der Text Ihres Antrags, die Ăberschrift ist ĂŒberholt. Sie haben zu Recht selbst gesagt, dass wir jetzt sozusagen fertig sind, am Ende des Erarbei- tungsprozesses, und ins nĂ€chste Plenum wird dann dieser Gesetzesentwurf eingebracht werden. DarĂŒber bin ich froh, und mitnichten ist der Senat an dieser Aufgabe gescheitert. Das Bild, das Sie hier an die Wand malen, dass die Fraktionen das dem Senat entrissen haben, weil er das nicht geschafft hat, ist einfach falsch. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und haben uns natĂŒrlich auch aus ZeitgrĂŒnden fĂŒr den Weg entschieden, es als Koalition in das Verfahren hier einzubringen. Ich bin froh, dass wir das geschafft haben, denn anders als Sie das auf der Suche nach dem Haar in der Suppe dargestellt haben, ist es ein sehr gutes Ergebnis, das wir erzielt ha- ben. Denn das Gesetz enthĂ€lt die wichtigen Bausteine zur Sicherung und zur Weiterentwicklung von Leistungen und Angeboten fĂŒr lebensĂ€ltere Berlinerinnen und Berli- ner. Zum einen haben wir dort die verbindliche Altenhil- feplanung, die auf Landes- und auch auf Bezirksebene vorgelegt werden muss, mit vorgeschriebenen Fristen und ZeitabstĂ€nden. Die sorgen dann in der Folge dafĂŒr, dass es vergleichbare und, was noch wichtiger ist, auch gleichwertige Strukturen in den Bezirken gibt. Das andere, was Sie sagten, stimmt auĂerdem auch nicht, dass wir, sage ich mal, wischiwaschi etwas gemacht ha- ben, und niemand könne daraus einen Anspruch herleiten. â Das ist nicht wahr, indem es nĂ€mlich auch darum geht, das nun anhand dieses Gesetzes aus § 71 SGB XII abge- leitet werden kann, dass man AnsprĂŒche auf nachrangige Leistungen hat, die auch gewĂ€hrt werden können. Das ist darin auch festgehalten. â Sie können ja dann â â Also, wir reden ja gerade ĂŒber Ihren Antrag, und ich wollte darlegen, warum Ihr Antrag abzulehnen ist: weil er sich mit Sachen beschĂ€ftigt, die schon lĂ€ngst ĂŒberholt sind, wie viele Ihrer Ansichten ĂŒberholt sind. Sie haben die Dauer angesprochen. Das Verfahren war sehr vorbildlich. Es ging sehr schnell los mit der Daten- erhebung, was wir wo angeboten haben. Dann wurde der Erarbeitungsprozess gestartet, und im Laufe dieses Erar- beitungsprozesses wurde festgestellt, dass viele Annah- men, von denen man anfangs ausging, oder viele Wege, die man als Option sah, so nicht gangbar sind, sondern dass der Weg, fĂŒr den wir uns jetzt entschieden haben, der bessere ist. Auch wenn man sich anfangs damit viel- leicht nicht so ganz zufrieden gezeigt hatte, ist man nun auch damit zufrieden. Sie als Opposition â logisch â sind ja sowieso nicht mit irgendwas zufrieden, was die Regie- rung vorlegt; wie gesagt, das Haar in der Suppe hatten Sie ja schon gefunden. Aber viele Seniorinnen und Senioren aus den VerbĂ€nden, die aktiv darin sind, die aktiv daran mitgewirkt haben, sind zufrieden, dass es kommt. Und darauf kommt es an â nicht auf Ihre Zufriedenheit, son- dern auf die Zufriedenheit der ĂŒberwiegenden Mehrheit der Menschen hier in Berlin. Daher komme ich jetzt zum Ende und sage, ich freue mich, dass wir es geschafft haben, das umzusetzen, was im Koalitionsvertrag steht, und dass wir damit auch Vor- bild sind und Modellcharakter fĂŒr ganz Deutschland haben, weil wir die Ersten sind, die ein entsprechendes Verfahren tatsĂ€chlich umgesetzt haben und RealitĂ€t wer- den lassen. â Herzlichen Dank! Dann folgt nun fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen die Kollegin Wahlen. (Carsten Schatz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8560 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Werte Kolleginnen und Kollegen, Zuschauende und GĂ€ste! Vielleicht fragen Sie sich gerade, was das hier eigentlich ist. Ist das eine Neu- auflage von âTĂ€glich grĂŒĂt das Murmeltierâ? Oder ist das eine Folge âStrombergâ? â Ich sage Ihnen, das ist eine weitere Folge von âSchwarz-Rot schafft es nicht zu regierenâ. Aber der Reihe nach: Der Landesseniorenbeirat Berlin arbeitet seit 20 Jahren intensiv fĂŒr die Teilhabe Ă€lterer Menschen in Berlin. In dieser Zeit ist klargeworden, dass das Anliegen eines Rahmengesetzes zur kommunalen Pflichtaufgabe werden muss. § 71 SGB XII eröffnet den LĂ€ndern ausdrĂŒcklich die Möglichkeit, die Gestaltung der Altenhilfe durch eigene Gesetze zu regeln. Seit zehn Jahren gibt es inten- sive Arbeit an einem Berliner Altenhilfestrukturgesetz, dem âGutes Leben im Alterâ-Gesetz. Vor viereinhalb Jahren fand Rot-GrĂŒn-Rot, dass dieses Gesetz notwendig ist, und intensivierte die UnterstĂŒtzung fĂŒr die Arbeit daran, wollte das Gesetz machen und um- setzen. Vor drei Jahren hat sich Schwarz-Rot dieses Ge- setz ins Stammbuch beziehungsweise in die Richtlinien der Regierungspolitik geschrieben; so weit, so bekannt. Danach haben die Senatsverwaltungen und hochdotierte Juristinnen und Juristen das Ganze noch einmal bearbei- tet, bis hin zu dem Punkt, dass sie Geld fĂŒr die ersten Umsetzungsschritte ab 2027 â ist gar nicht mehr so lange hin â eingestellt haben. Und das Mitzeichnungsverfahren lĂ€uft â und lĂ€uft und lĂ€uft. Seit dem vergangenen Som- mer ist das Gesetz doppelt geprĂŒft und tief gestaffelt als Einschub im Pflegegesetz fertig. Und Monat fĂŒr Monat, Woche fĂŒr Woche hören wir AusflĂŒchte, worauf man nun warte. Vielleicht ist das Ganze ja auch eine Neuinszenie- rung von âWarten auf Godotâ. Zuletzt diese Woche haben wir auf weiĂen Rauch aus der Koalition gewartet, und nach und nach kommt jetzt her- aus, dass die LebensrealitĂ€t von ĂŒber 1 Million Menschen in Berlin irgendwie doch ein bisschen wichtig ist. Statt Ă€ltere Menschen in Berlin zu feiern, gibt es ein klitzeklei- nes Mini-Puff-Paffchen. Weshalb war es denn bitte so schwierig zu verstehen, dass PrĂ€vention letzten Endes immer Geld spart, Herr Evers? Na ja. Unser Antrag will, dass Sie diesen Prozess jetzt zum Abschluss bringen. â Dann können Sie diesem Antrag ja zustimmen, denn eingebracht haben Sie es noch nicht. Sie haben es jetzt fest vor, das haben Sie gerade gesagt, Herr Zander. Ge- ben Sie das Gesetz in das formale Verfahren. Legen Sie diesen Vorschlag dem Abgeordnetenhaus vor! Und wenn es ihnen nicht möglich ist, das Berliner Altenhilfestruk- turgesetz ordentlich durchzubringen, dann stehen Sie wenigstens dazu und hören Sie auf, diese Stadt zu verĂ€p- peln! Liebe Berlinerinnen und Berliner, denken Sie daran, am 20. September 2026 haben Sie die Wahl zwischen Stromberg oder den Golden Girls. Dann folgt die SPD-Fraktion mit der Kollegin Atli.
Verehrter Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Lieber Kollege Schatz! Liebe Kollegin Wahlen! âOpposi- tion ist Mistâ, ich weiĂ. Aber nun zu meiner Rede: Stellen wir uns einen Moment lang einmal vor, was Altern heute in Berlin bedeuten kann. FĂŒr die einen heiĂt es aktive Teilhabe, soziale Kon- takte und Sicherheit, fĂŒr andere bedeutet es Einsamkeit, Armut und fehlende UnterstĂŒtzung. Diese Unterschiede dĂŒrfen wir nicht akzeptieren. Deshalb braucht Berlin eine Altenhilfe, die fĂŒr alle funktioniert, unabhĂ€ngig vom Bezirk, vom Einkommen und vom sozialen Umfeld. Deshalb haben wir als SPD-Fraktion das Vorhaben des Altenhilfestrukturgesetzes in den Koalitionsvertrag ver- handelt. Und ich sage es Ihnen: Wir haben geliefert! Wir haben auf unserer Arbeitsklausur, bereits im Januar, in Rostock einen Antrag zum Altenhilfestrukturgesetz ein- stimmig beschlossen und das Vorhaben konsequent vo- rangetrieben. Und heute? â Wir sind auf der Zielgeraden, denn die Fraktionsvorsitzenden der SPD und CDU haben sich vor zwei Tagen auf der gemeinsamen Klausur in Potsdam darauf verstĂ€ndigt, dass das Altenhilfestrukturgesetz noch in dieser Wahlperiode kommen wird, also vor dem 20. September 2026. Das ist ein verbindlicher politischer Auftrag, liebe Kolle- ginnen und Kollegen. Das ist auch ein starkes Signal, vor allen Dingen an die Menschen da drauĂen in unserer Stadt, die schon seit Jahren, wie Sie gesagt haben, rich- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8561 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 tigerweise auf dieses Gesetz warten. Deshalb schaffen wir klare ZustĂ€ndigkeiten, bessere Koordination und eine flĂ€chendeckende Umsetzung prĂ€ventiver Angebote. Gleichzeitig stĂ€rken wir auch die Krisenresilienz in unse- rer Stadt. Gut informierte und vernetzte Ă€ltere Menschen sind besser vorbereitet, sei es bei Stromausfall, einer Wasserhavarie oder anderen Herausforderungen. Wir schaffen VerlĂ€sslichkeit fĂŒr TrĂ€ger, fĂŒr Bezirke und vor allen Dingen fĂŒr die Menschen. Das bedeutet mehr An- gebote vor Ort, mehr Transparenz und mehr Teilhabe. Der Antrag der Opposition benennt viele richtige Heraus- forderungen. Wir packen sie an. Der entscheidende Punkt ist, dass ein gutes Leben keine Frage des Zufalls ist. Es ist eine Frage der sozialen Ge- rechtigkeit. Genau dafĂŒr steht die SPD. DafĂŒr steht die Koalition. Frau Kollegin! â Ich darf Sie fragen, ob Sie eine Zwi- schenfrage von Herrn Schatz aus der Linksfraktion zulas- sen.
Nein, vielen Dank! Gerne spĂ€ter! â Wir sorgen dafĂŒr, dass Ă€ltere Menschen in unserer Stadt die UnterstĂŒtzung finden, die sie brauchen, und zwar ĂŒberall, in jedem Kiez, fĂŒr jeden und alle, verlĂ€sslich, wohnortnah und unabhĂ€n- gig vom Einkommen. â Herzlichen Dank! Und nun folgt fĂŒr die AfD-Fraktion der Kollege Ubbe- lohde. â Bitte schön!
Herr PrĂ€sident! Meine Damen und Herren! Wenn man sich diesen Antrag der GrĂŒnen und Linken so anschaut, dann kann man sich auch unter dem Eindruck der Bera- tungen eigentlich nur wundern. Es soll also ein neues, ein anderes Gesetz her. Schon wieder sollen neue Strukturen und Projekte und Stellen geschaffen werden. Es ist immer dasselbe Spiel: am Ende mehr Staat, mehr BĂŒrokratie, mehr Kosten, mehr links-grĂŒner Filz. Denn darum geht es hier: mehr absichtlich herbeigefĂŒhrte kĂŒnstliche AbhĂ€n- gigkeiten zuvor gebeutelter BĂŒrger von mehr oder weni- ger linken staatlichen Institutionen, die zum Preis ver- meintlicher WĂ€hlerstimmen die Alimentierten an sich, den sogenannten Vater Staat, zu fesseln ersuchen. Dabei ist dieses Gesetz nicht einmal zwingend erforder- lich. GemÀà den bundesgesetzlichen Vorgaben kann das Land Berlin ein solches Gesetz erlassen, es muss es aber nicht. Ist es nötig? â Aus unserer Sicht nein! Andere BundeslĂ€nder tun es auch nicht. Warum also Berlin? Berlin altert, ja, aber die Lösung kann doch nicht sein, fĂŒr jede Herausforderung des Lebens ein neues Gesetz zu schaffen. Das fĂŒhrt nur zu mehr Verwaltung, mehr TrĂ€- gerstrukturen, und oft profitieren am Ende dieselben Kreise, die solche Gesetze fordern. Selbst aus der Seniorenvertretung kommt ZurĂŒckhaltung. Peter Stawenow vom Landesseniorenbeirat Berlin sagte im beratenden Ausschuss â ich zitiere mit Erlaubnis â: Wir brauchen den Mut zur LĂŒcke und zum Ermessens- spielraum. â Zitat Ende. Genau darum geht es. Berlin hat bereits viele Formen der Seniorenmitwirkung und Hil- festrukturen: bezirkliche Seniorenvertretungen, Landes- vertretungen, BeirĂ€te und zahlreiche staatlich geförderte Initiativen. AuĂerdem sind Ă€ltere Menschen auch in Par- teien und in Parlamenten stark vertreten. Das ist auch gut so! Ăltere Menschen brauchen kein Altenhilfestrukturge- setz. Sie brauchen Menschen um sich herum, Nachbarn, Familie, Freunde, und Berlin bietet dafĂŒr viele Möglich- keiten: Vereine, Kirchen, Sportgruppen, Chöre, Stadtbib- liothek, Nachbarschaftstreffs, ja auch Parteien. Wer will, findet Anschluss. Wer will, findet Hilfe. Klar ist auch: Der Staat muss nicht immer alles regeln. Die Vorbereitung auf das Alter ist in erster Linie Aufgabe des Einzelnen, nicht der Allgemeinheit. Zwar gelingt das dem einen besser als dem anderen, aber deshalb wollen wir kein Gesetz, das am Ende zu Gleich- macherei auf niedrigem Niveau fĂŒhrt. Es geht angeblich darum, Menschen in Notlagen zu helfen, aber braucht es dafĂŒr wirklich ein neues Gesetz? Auch hier existieren doch genĂŒgend Anlaufstellen. Sie sind noch bekannter und zugĂ€nglicher zu machen. Das wĂ€re sicherlich ein wichtiger erster Schritt. Das Problem ist nicht ein Man- gel, sondern ein ĂbermaĂ ein Dickicht aus ZustĂ€ndigkei- ten, ein Dickicht aus Angeboten. Hier ist der Senat ge- fragt. Der Regierende BĂŒrgermeister hat die Aufgabe, besser innerhalb des Senates, zwischen den Senatsverwaltungen zu koordinieren und dieses Dickicht zu lichten. Statt neue Gesetze zu schaffen, sollte man bestehende Strukturen endlich effizient ordnen. DafĂŒr braucht es kein weiteres Gesetz. Hinzu kommt: All das kostet Geld. Verwaltung, Planung, Koordination. Das klingt gut, ist aber teuer â Geld, das besser auch in direkte UnterstĂŒtzung flieĂen könnte: in Pflege, Familien, Entlastung fĂŒr Rentner. Eines ist klar: Einsamkeit kann man nicht per Gesetz abschaffen. Was wir brauchen, ist Zusammenhalt aus eigener Kraft, nicht vom Staat verordnet. Der Staat soll (Sebahat Atli) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8562 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 helfen, wo echte Not besteht. Das tut er. Das tut er auch reichlich, aber er muss nicht jeden Lebensbereich regeln. Darum sagen wir Schluss mit immer neuen Konzepten und Strukturen, die vor allem neue Posten schaffen. Wir brauchen keine Verwaltung, die Beziehungen ersetzt. Wir brauchen eine Stadt, in der Menschen fĂŒreinander da sind, aus Ăberzeugung, nicht weil es geregelt wird. Die AfD steht fĂŒr Eigenverantwortung, Familie, Nachbar- schaft und Gemeinsinn, nicht fĂŒr die nĂ€chste Runde grĂŒ- ner und roter ausufernder Sozialexperimente. â Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke auf Drucksache 19/2779 empfiehlt der Fach- ausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksa- che 19/3012 mehrheitlich â gegen die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke â die Ableh- nung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Frakti- on BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, die Linksfraktion und ein fraktionsloser Abgeordnete. Wer stimmt dagegen? â Das sind die Fraktionen von SPD und CDU und die AfD- Fraktion. Enthaltungen kann es entsprechend nicht geben. Damit ist der Antrag abgelehnt. Tagesordnungspunkt 36 steht auf der Konsensliste. Ta- gesordnungspunkt 37 war die PrioritĂ€t der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen unter der Nummer 4.1. Die Ta- gesordnungspunkte 38 bis 43 stehen ebenfalls auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 44: Hitzeschutzplan fĂŒr Berlin entwickeln Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Gesundheit und Pflege vom 13. April 2026 Drucksache 19/3115 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1792 In der Beratung beginnt die Fraktion Die Linke, und zwar mit dem Kollegen Schulze. â Bitte schön!
Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich stelle mal die These auf, dass hier alle im Haus, auch wenn sie das eigentlich ablehnen, Klimapolitik machen mĂŒssen. Der Klimawandel spitzt sich zu, und es gibt da zwei gegensĂ€tzliche Arten, Klimapolitik zu machen. Die einen machen sie frĂŒhzeitig, wenn man noch was Ă€ndern kann, und die anderen werden sie erst dann machen, wenn die Folgen eingetreten sind und es zu spĂ€t ist, um was zu Ă€ndern. Wir gehören zur ersten Kategorie. Da die Reduktion des TreibhausgasausstoĂes 20 bis 30 Jahre benötigt, um wirksam zu werden und die Tempera- turen zu senken, ist es notwendig, sehr frĂŒhzeitig zu han- deln. Die Politik in der Welt und auch in Deutschland hat dieses rechtzeitige Umsteuern und eine wirksame Politik dagegen in den vergangenen 50 Jahren versĂ€umt. Die Temperaturen auch in unserer Stadt steigen fast unge- bremst. Seit 1990 hat sich die Zahl der Hitzetage mit Temperaturen ĂŒber 30 Grad fast verdoppelt, im Durch- schnitt der Jahre seit dem Jahr 2000 sind es 13 Tage pro Jahr. Szenarien der Klimaforschung gehen laut der Klimarisikoanalyse des Senats davon aus, dass sich die Zahl bis zum Ende dieses Jahrhunderts noch einmal ver- doppelt; dann haben wir fast einen ganzen Monat in Ber- lin mit Temperaturen ĂŒber 30 Grad. â Ja, darauf sind wir aber nicht eingestellt, das ist unser Problem. â Wer bei solchen AuĂentemperaturen in der Stadt unterwegs ist, kennt die Hitze-Hot-Spots mit 40 Grad und mehr. Hitze steigert sich dort, wo PlĂ€tze und StraĂen zubetoniert sind, wo es keinen Schatten gibt, wo Bebauung ohne Klimaanlagen und Jalousien steht. Hitze speichert sich in KrankenhĂ€usern und Pflegeheimen, denn in Gefahr sind besonders Ă€ltere und kranke Men- schen. Mehr als 700 000 Menschen in unserer Stadt sind ĂŒber 65 Jahre alt; die Tendenz ist steigend. Wer ist noch betroffen von der Hitze? â Obdachlose. Obdachlose, die auf der StraĂe leben mĂŒssen und sich nicht in gekĂŒhlte RĂ€ume zurĂŒckziehen können, sind be- sonders in Gefahr. Ich sage es ganz klar: Der Schutz vor Hitze ist eine soziale Frage, eine Frage von Bildung, von Wohnort, von Arbeitssituation oder gar von Wohnungs- losigkeit. Wer mehr Geld hat, arbeitet im klimatisierten BĂŒro, hat eher einen Garten oder GrĂŒn in der NĂ€he. Ărmere Men- schen jedoch wohnen oft in engeren Wohnungen, an vielbefahrenen Betonschneisen und ohne Sonnenschutz, oder sie leben gar auf der StraĂe. Und so fĂŒhren stark steigende Temperaturen zu deutlich mehr Hitzetoten. Im Rekordsommer 2018 sind knapp 400 Menschen in Berlin an der Hitze gestorben. Das nehmen Sie nicht ernst, ob- wohl Sie sonst Tote immer so ernst nehmen. 2022 waren es sogar mehr als 400 Menschen in Berlin, die an Hitze gestorben sind. Um das mal einzuordnen, wohin die Ent- wicklung geht: In den deutlich kĂŒhleren Achtziger- und Neunzigerjahren waren es im Durchschnitt zwischen null und 100 Hitzetote pro Jahr, also weniger als ein Viertel (Carsten Ubbelohde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8563 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 davon. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung in den vergangenen 30 Jahren und der noch dramatischeren Entwicklung in der Zukunft Berlins muss die Politik â ich betone es noch einmal â in jeder parteipolitischen Farbe schnell und umfassend handeln. Ich sage es ganz klar: Unser aller Ziel muss es sein, die Energie-, die WĂ€rme- und die Verkehrswende schnell und umfassend umzusetzen, aber kurzfristig. Und da kommen wir zu unserem Antrag. Noch drĂ€ngender sind AnpassungsmaĂnahmen, denn der Klimawandel findet jetzt schon statt, insbesondere die Hitze. Unseren Antrag, ĂŒber den wir ja heute sprechen, haben wir 2024 einge- bracht. Damals befanden wir uns mitten in der mehrere Sommer langen Hitzepartie und HĂ€ngepartie, die schluss- endlich im November letzten Jahres zum Hitzeaktions- plan des Senats und der Bezirke fĂŒhrte. Ich will es auch sagen: Dieser Hitzeaktionsplan ist erst mal ein klarer Fortschritt. Er gibt einen Ăberblick ĂŒber schon existie- rende MaĂnahmen, wie etwa die Hitzehilfe fĂŒr Obdachlo- se durch das DRK oder den IB. Es gibt auch umfangrei- che Verhaltenstipps und Handlungsanleitungen fĂŒr die Bevölkerung und BeschĂ€ftigte in KrankenhĂ€usern und Pflegeheimen und in anderen Betrieben. Aber ganz klar ist auch: Der KĂŒrzungskurs von Schwarz-Rot behindert einen wirksamen Hitzeschutz. WĂ€hrend laut Hitzeakti- onsplan weitere Trinkbrunnen aufgestellt werden sollen, hat die Koalition dafĂŒr die Förderung gestrichen. Neue Trinkbrunnen wird es nicht geben. Oder wie wir beim groĂen Stromausfall in Steglitz-Zehlendorf gesehen ha- ben, [Thorsten WeiĂ (AfD): GroĂer Stromausfall? â
Das war ein linksterroristischer Anschlag!] mĂŒssen Helferinnen und Helfer im Katastrophenfall ei- gentlich Betroffene zu Hause aufsuchen, erst recht bei groĂer Hitze, aber dafĂŒr fehlt uns immer noch jede Infra- struktur und jeder Plan. Und auch bei den Krankenhaus- investitionen kĂŒrzen Sie von der Koalition. Da frage ich mich: Wie sollen die TrĂ€ger denn die MaĂnahmen zum Hitzeschutz umsetzen, wenn sie immer weniger Geld zur VerfĂŒgung haben? [Beifall bei der LINKEN â
Und keine Klimaanlagen!] Zu guter Letzt: Was komplett fehlt, ist ein Aktionsplan zur Verkehrswende und zur BegrĂŒnung von StraĂen und FlĂ€chen, im Gegenteil, dieser Senat wickelt die Ver- kehrswende in Berlin ab. Ein Aktionsplan ist also erst ein Aktionsplan, wenn man entsprechend handelt. Also handeln Sie, liebe Kollegin- nen und Kollegen von Schwarz-Rot, ansonsten bleibt der Koalitionsplan nur Papier. Dann folgt fĂŒr die CDU-Fraktion der Kollege Zander.
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, es ist ja fast so Ă€hnlich wie beim Tagesord- nungspunkt davor, ich dachte, Sie wĂŒrden mehr ĂŒber Ihren Antrag reden, aber Sie haben das mal ein bisschen nonchalant zur Seite gepackt und dann ĂŒber das groĂe Ganze gesprochen, um vielleicht einige UnzulĂ€nglichkei- ten dieses Antrags zu ĂŒberdecken. Es ist natĂŒrlich richtig, dass wir viele Anstrengungen unternehmen mĂŒssten, dass wir bestimmte Entwicklun- gen, die in Sachen KlimaerwĂ€rmung jetzt schon passiert sind, nicht mehr zurĂŒckdrĂ€ngen können, weil sie eben so sind, beziehungsweise weil sich COâ in der AtmosphĂ€re so lange hĂ€lt, dass ein RĂŒckgang erst nach ein paar Jahr- zehnten zu spĂŒren ist. Das ist schon richtig, aber nicht richtig ist, dass wir uns hier zurĂŒcklehnen und sagen: Super, wir haben jetzt im November einen Hitzeaktions- plan verabschiedet, dabei soll es bleiben. â Das stimmt einfach nicht. Wir haben ja auch schon groĂe Sachen von der Koalition angefangen. Das eine sind die Milliarden, die investiert werden, auch gerade was GebĂ€udeenergie- gewinnung anbelangt; und dass wir uns in Sachen Ge- othermie auch sehr gut im Fortschritt befinden, wird die COâ-Reduzierung immens vorantreiben. Sie haben auch viele Dinge erwĂ€hnt, die wir brauchen, die sich aber lĂ€ngst schon im Klimaanpassungsgesetz wiederfinden, wo wir fĂŒr Verschattung, fĂŒr BegrĂŒnung in der Stadt sorgen. Das tun wir, und das unterschlagen Sie hier. Das ist auch ein wesentlicher Baustein, den Sie angesprochen haben. Sie haben auch angesprochen, was es bereits auch schon gibt, obwohl Sie das noch in Ihrem Antrag richtig- erweise fordern, dass es die kĂŒhlen Orte gibt, wir haben Informationskampagnen, die HitzeschutzplĂ€ne gibt es auch fĂŒr KrankenhĂ€user. Richtig, man braucht natĂŒrlich auch noch das Geld, um die teilweise dann auch umzu- setzen. Aber bei den Neubauten ist das Ganze ja zum GlĂŒck schon mit dabei; und im Rahmen der Krankenhausre- form, fĂŒr die es ja auch die Mittel gibt, die zur VerfĂŒgung gestellt worden sind, wird ja auch noch das eine oder andere passieren. Ansonsten tun Sie auch immer, als wenn es fĂŒr alle Fahrzeuge im ĂPNV ganz einfache Lö- sungen gibt. Klar, mĂŒssen wir alle klimatisieren, am besten neu kaufen, und morgen sind sie alle da, dabei wissen Sie ja selbst, dass alle wesentlichen Bestellungen (Tobias Schulze) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8564 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 schon ausgelöst sind. Die BVG-Busse haben alle Klima- anlagen, bei den U-Bahnen werden wir in wenigen Jahren die modernste Flotte in ganz Europa haben, aber natĂŒrlich ohne Klimaanlage. Sie wollen die ja nicht gleich nach fĂŒnf Jahren wieder aussortieren, um dann welche mit Klimaanlage zu kaufen, wo noch strittig ist, ob das Ganze ĂŒberhaupt geht. Sie sagen: Der Senat soll die PrioritĂ€t auf die BĂ€der legen. â Ja, die BĂ€der haben uns jedenfalls gesagt, so viele BĂ€der saniert wie jetzt, haben sie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Daran sehen Sie, dass wir eine PrioritĂ€t darauf legen. Aber Sie wollen ja noch mal alles und am besten alles umsonst. Also: Wir tun das schon sehr viel, und gut Ding braucht Weile, aber es darf nicht zu lange dauern. Da haben Sie recht. Deshalb werden wir das Ganze auch beschleuni- gen, und in Sachen Klimaanpassungsgesetz liegt auch ein konkreter Fahrplan vor, der Bestandteil des Gesetzes ist. Daran mĂŒssen wir uns und die Nachfolgenden, die diese Geschicke der Stadt leiten werden, halten. â Herzlichen Dank! Vielen Dank! â Und fĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat die Kollegin Gebel das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Koalition! Ich fange auch mal mit etwas Positivem an: Es ist ja erst mal gut, dass es einen Hitzeaktionsplan gibt. Und wir reden heute darĂŒber, nicht, weil es drauĂen ĂŒber 40 Grad hat, sondern weil wir wissen, dass es auch in diesem Jahr wieder viel zu viele Tage geben wird, wo es ĂŒber 40 Grad hat und Menschen mit Vorerkrankungen, Ăltere und PflegebedĂŒrftige, Kinder und SĂ€uglinge ein groĂes Ge- sundheitsproblem haben werden. Diese Stadt muss sich darauf vorbereiten, und diese Stadt ist aber nicht ausrei- chend vorbereitet. Deswegen reden wir heute darĂŒber. Sie haben in Ihrem Hitzeaktionsplan gute MaĂnahmen gemacht, Sie haben eine Sache versĂ€umt: Sie haben eine richtige Finanzierung nicht bereitgestellt. Das hat auch der rbb kritisiert. Dazu komme ich gleich noch einmal. Aber Sie haben auch ansonsten so gut wie nicht ĂŒber den Tellerrand geschaut. Es gibt andere LĂ€nder auf der Welt, das wurde ja auch schon mehrfach erwĂ€hnt, die haben sehr krasse Hitzewellen und die bereiten sich darauf vor. Ich weiĂ nicht, ob Sie das Wort kennen, es wurde jetzt ganz neu eingefĂŒhrt. Es heiĂt âKokusho-biâ. Das ist eine neue Kategorie in Japan, die sie eingefĂŒhrt haben. Das ist, wenn die Temperatur ĂŒber 40 Grad ist. Auf Deutsch heiĂt das âunertrĂ€glich heiĂâ. â DarĂŒber kann man jetzt natĂŒrlich kichern, das liegt natĂŒrlich in der Natur der Sache, wenn man nicht daran glaubt, dass es die Klimakrise gibt. â Sie haben diese Kategorie eingefĂŒhrt, damit die Menschen in den StĂ€dten in Japan wissen: Jetzt ist es unertrĂ€glich heiĂ, und wenn ich eine Vorerkrankung habe, dann muss ich mich jetzt schĂŒtzen â, denn wir mĂŒssen die Menschen ja darauf vorbereiten. Ich gehe jetzt mal auf den Antrag der Linken, der heute vorliegt, ein. Sie haben in Ihrem Hitzeschutzaktionsplan noch nicht mal ein Ăberwachungs- und FrĂŒhwarnsystem zur Warnung relevanter Einrichtungen, zum Beispiel ĂŒber die Fahrgastinformationssysteme der BVG, wenn es heiĂ wird. Das ist eine banale MaĂnahme, die kostet nicht viel Geld. Die haben Sie nicht. Da hĂ€tten Sie sich an LĂ€ndern wie Japan und Co orientieren können. Das ist meiner Meinung nach ein groĂer Fehler und eine groĂe SchwĂ€- che in diesem Hitzeschutzaktionsplan. Sie haben MusteraktionsplĂ€ne zum Thema Hitzeschutz fĂŒr Pflegewohneinrichtungen gemacht und erzĂ€hlen das dann auch den Pflegewohneinrichtungen, aber was Sie nicht machen: kontrollieren, dass die eingesetzt werden. Das halte ich fĂŒr ein ganz groĂes Problem, denn wir wis- sen ja: Vorsorge ist gut, Kontrolle ist besser. Wir haben ĂŒber den ambulanten Bereich gesprochen. Das hat Herr Schulze ja kurz angesprochen, was dort das Problem beim Stromausfall war: Wir haben bis heute kein Notfall- register. Wenn wir ein Notfallregister hĂ€tten, dann wĂŒss- ten wir auch, dass Menschen in einer Situation, wenn eben im Land Berlin eine besonders hohe Temperatur eintritt, UnterstĂŒtzung brauchen. Auch hierzu steht nichts in Ihrem Hitzeschutzaktionsplan. Ich habe es eben schon angekĂŒndigt: Die Bezirke haben sich beschwert, dass es kein Geld gibt, das bereitgestellt wurde. Ja, Berlin hat eine schwierige Haushaltslage, sage ich auch als HaushĂ€lterin. Aber Sie haben noch nicht mal geschaut, was es fĂŒr Gelder vom Bund gibt. Sie wissen das nicht. Sie wissen nicht, was es fĂŒr Gelder im Bund gibt, die hier eingesetzt werden, und Sie schauen noch nicht mal nach Kooperationsprojekten auf Bundesebene, mit der BAG SELBSTHILFE, mit der VolkssolidaritĂ€t. Sie lassen Geld und Chancen liegen, und das ist ein Rie- senproblem, weil Sie Berlin heiĂer und damit ungesĂŒnder machen. Deswegen bitte ich: Stimmen Sie dem Antrag heute zu! Damit können Sie qualitativ nachbessern, damit können Sie etwas fĂŒr die Menschen in dieser Stadt tun. Ich will noch eine letzte Sache sagen, das stand bei uns im Antrag, der heute theoretisch auch noch auf der Ta- gesordnung steht: Sie machen auch nichts fĂŒr die Tiere. Es ist wichtig, dass man zum Beispiel auch Hunde in den (Christian Zander) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8565 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Blick nimmt, denn fĂŒr die ist Hitze auch wahnsinnig unertrĂ€glich. Das könnte man mit Sonnensegeln bei Hun- deauslaufgebieten machen, man könnte eine Initiative âWasser fĂŒr Pfotenâ machen, aber Sie machen nichts. Sie haben weder ein Herz fĂŒr die Tiere in dieser Stadt, noch setzen Sie sich fĂŒr Hitzeschutz fĂŒr die Menschen ein. Hier mĂŒssen Sie dringend nachsteuern, aber dafĂŒr haben Sie jetzt sicherlich noch ein bisschen Zeit und ein paar gute Ideen mit diesem Antrag. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat nun die Kolle- gin König das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Hitze ist lĂ€ngst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr, sondern kon- krete RealitĂ€t, auch hier in Berlin. Die Zahl der Hitzeto- ten steigt und zeigt uns, dass das Thema sehr ernst ge- nommen und entschlossen gehandelt werden muss. Wir merken alle: Hitzewellen werden hĂ€ufiger und stellen eine wachsende Belastung dar, fĂŒr die Gesundheit der Menschen, fĂŒr die Tiere und ebenso fĂŒr die Infrastruktur unserer Stadt. Und es ist absehbar: Diese Entwicklungen werden uns dauerhaft begleiten. Umso wichtiger ist es, dass wir uns der Herausforderungen der Hitze systema- tisch und vorausschauend annehmen, und umso besser ist es, dass Berlin das bereits tut, und zwar in einem erheblichen Umfang. Es wurde schon gesagt: Seit 2022 gibt es das AktionsbĂŒndnis Hitzeschutz, in dem besonders die Akteure des Gesundheitswesens zusammenarbeiten und MusterhitzeschutzplĂ€ne entwi- ckelt haben. Ein weiterer wichtiger Schritt ist der landes- weite Hitzeschutzaktionsplan, auch schon mehrfach hier erwĂ€hnt. Der wurde im Senat im November 2025 be- schlossen. Mit seinen 72 MaĂnahmen in vier zentralen Handlungsfeldern stellt er einen wirklichen Meilenstein fĂŒr den Hitzeschutz in unserer Stadt dar, und das sollten wir auch nicht kleinreden. 72 MaĂnahmen, das ist zu viel fĂŒr drei Minuten Redezeit, deshalb möchte ich eines besonders hervorheben: den Bereich der sozialen Hilfen. In der Obdachlosenhilfe gibt es aufsuchende Angebote, bei denen Wasser, Sonnen- schutz und UnterstĂŒtzung bereitgestellt werden. ErgĂ€nzt wird dies durch stationĂ€re SchutzrĂ€ume, den Ausbau sogenannter kĂŒhler RĂ€ume. Hier zeigt sich, dass Hitze- schutz natĂŒrlich auch immer eine Frage der sozialen Ver- antwortung ist. Flankiert wird dies durch Informations- kampagnen wie âBĂ€renhitze â Berlin bleibt coolâ, die fĂŒr die Risiken von Hitze sensibilisieren und konkrete Hin- weise geben. Die sollte im letzten Sommer eigentlich jeder, der in der Stadt unterwegs ist, auch wahrgenom- men haben. Vor allem aber mit dem Berliner Klimaanpassungsgesetz, das auch im November letzten Jahres in Kraft getreten ist, ist Berlin insgesamt, aber auch beim Hitzeschutz einen ganz wichtigen Schritt gegangen. Es schafft die Grundla- ge fĂŒr mehr StadtgrĂŒn, bessere Verschattung und ein verbessertes Wassermanagement; alles zentrale Baustei- ne, um die Stadt wirksam zu kĂŒhlen. Das ist also gelebter Hitzeschutz. Der besondere Fokus liegt dabei auf Hitzehotspots und besonders belasteten Gebieten, natĂŒrlich. Gleichzeitig verpflichtet das Gesetz zur Aufstellung konkreter Hitze- aktionsplĂ€ne auf Landes- und Bezirksebene, die insbe- sondere den Schutz vulnerabler Gruppen, etwa Ă€lterer Menschen, Vorerkrankter oder im Freien arbeitender Menschen, in den Mittelpunkt stellen. Wenn diese MaĂ- nahmen konsequent umgesetzt werden, ist Berlin beim Hitzeschutz auf einem guten Weg. Wir brauchen keine zusĂ€tzlichen AntrĂ€ge, wir brauchen die zĂŒgige und ver- lĂ€ssliche Umsetzung der bereits beschlossenen MaĂnah- men. Berlin ist beim Hitzeschutz bereits weiter als viele andere StĂ€dte, insbesondere Vorreiter mit dem Klimaanpas- sungsgesetz. Der Senat hat richtige Schritte ganz ohne Oppositionsantrag auf den Weg gebracht. Trotzdem bleibt natĂŒrlich festzuhalten: Die Herausforderungen der verĂ€nderten Klimabedingungen werden uns weiter beglei- ten. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die AfD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Ubbelohde das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! NatĂŒrlich ist es richtig, dass Hitze fĂŒr Ă€ltere oder kranke Menschen eine Belastung sein kann, aber das ist kein neues PhĂ€no- men, das war immer schon so. Auch frĂŒher gab es heiĂe Sommer, und die Menschen kamen damit zurecht, ohne dass der Staat fĂŒr jeden Sonnenstrahl einen Aktionsplan auflegte. Die Linke tut jetzt so, als brĂ€uchte Berlin eine Hitze- schutzbĂŒrokratie, um die BĂŒrger vor dem Sommer zu schĂŒtzen. In Wahrheit geht es wieder einmal um Klima- (Silke Gebel) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8566 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 lenkung, Geldverteilung und Symbolpolitik. Man will aus einem ganz normalen Wetterthema ein ideologisches GroĂprojekt machen. Das ist in Berlin jetzt so, das ken- nen wir ja auch aus dem Bund. Die AfD im Bundestag hat die Bundesregierung bereits in einer Kleinen Anfrage genau zu diesem Thema befragt, und die Antworten sind entlarvend. Trotz groĂen medialen Getöses um den soge- nannten Hitzeschutzplan und eines nicht unbetrĂ€chtlichen finanziellen Aufwands aus Steuermitteln kann die Bun- desregierung heute keine schlĂŒssigen Belege fĂŒr einen RĂŒckgang hitzebedingter SterbefĂ€lle vorweisen. Wie bei Corona: Die Menschen sterben nicht an der Hitze, son- dern mit der Hitze. Es gibt keinen Nachweis, dass dieser Plan irgendeine messbare Wirkung hat. Das steht schwarz auf weiĂ in der Bundesdrucksache 21/285; mit anderen Worten: ein Hau- fen schöner Worte, Kampagnen, Plakate, aber keine prak- tischen Ergebnisse. Und dieses völlig wirkungslose Mo- dell will die Berliner Linke jetzt in Berlin â na, prima! Was wir stattdessen brauchen ist Eigenverantwortung und gesunden Menschenverstand, nicht nur hier im Hause, sondern auch drauĂen. Dass Ă€ltere Menschen genug trinken, dass Sozialdienste, Pflegedienste und Ărzte im Sommer besonders aufmerk- sam sind, dass Nachbarn bei Bedarf mal nachschauen, ob es beispielsweise der allein lebenden Seniorin im Haus gut geht, das kostet keine Millionen und braucht keinen Paragrafenwald. Es gibt Wettervorhersagen, die können den Menschen sagen, was morgen fĂŒr ein Wetter ist â interessant, nicht? Es gibt Schatten spendende Orte in Berlin, es gibt auch GrĂŒnanlagen in einer der grĂŒnsten StĂ€dte in Europa, und es gibt FreibĂ€der, sogar mit vergĂŒnstigten Eintrittsprei- sen. Wenn der Senat wirklich helfen will, dann soll er sicherstellen, dass KrankenhĂ€user und Pflegeheime kli- matisiert sind, dass es ausreichend Personal gibt. Dann soll er sicherstellen, dass in Notlagen schnelle Hilfe möglich ist. Aber dafĂŒr genĂŒgen normales Verwaltungs- handeln, eine ĂŒbrigens verlĂ€ssliche, auskömmliche Fi- nanzierung und das Setzen der richtigen haushĂ€lterischen PrioritĂ€ten. DafĂŒr braucht man keine neuen Stabstellen, keine politischen Programme und erst recht keine Klimaideologie, die jedes Wetterereignis zur globalen Katastrophe erklĂ€rt. Wir als AfD sagen: Hitzeschutz ist kein Klimaprojekt, sondern ein Gebot der FĂŒrsorge und der Vernunft. Es geht um Mitmenschlichkeit, es geht um die Nutzung von Technik, es geht um Aufmerksamkeit und um die Nut- zung vorhandener Möglichkeiten, nicht um Ideologie. Berlin braucht keine Klimapanik, sondern kĂŒhle Köpfe â hier drinnen und drauĂen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Daher lehnen wir diesen ĂŒberflĂŒssigen Antrag nachvollziehbarerweise ab und freuen uns auf den Sommer! â Vielen Dank! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Zu dem Antrag der Fraktion Die Linke auf Druck-sache 19/1792 emp- fiehlt der Fachausschuss gemÀà der Beschlussempfehlung auf Drucksache 19/3115 mehrheitlich â gegen die Frakti- on BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und die Fraktion Die Linke â die Ablehnung auch in neuer Fassung. Wer den Antrag dennoch annehmen möchte, den bitte ich jetzt um das Handzeichen. â Das sind die Fraktionen Die Linke und BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. Wer stimmt dagegen? â Das sind alle weiteren Fraktionen. Eine Enthaltung sehe ich bei dem fraktionslosen Abgeordneten Dr. King. â Damit ist der Antrag abgelehnt. Die Tagesordnungspunkte 45 und 46 stehen auf der Kon- sensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 47: Zusammenstellung der vom Senat vorgelegten Rechtsverordnungen Vorlage â zur Kenntnisnahme â gemÀà Artikel 64 Absatz 3 der Verfassung von Berlin Drucksache 19/3129 Von den vorgelegten Rechtsverordnungen hat das Haus hiermit Kenntnis genommen. Die Tagesordnungspunkte 48 bis 54 stehen auf der Kon- sensliste. Tagesordnungspunkt 55 war PrioritĂ€t der Frak- tion Die Linke unter der Nummer 4.2. Die Tages- ordnungspunkte 56 bis 60 stehen auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 61: Keine Inhaftierungen im Ankunftszentrum TXL: GEAS humanitĂ€r umsetzen, Kinder- und Jugendschutz sicherstellen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/3101 In der Beratung beginnt die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen. â Bitte schön, Herr Kollege Omar, Sie haben das Wort! (Carsten Ubbelohde) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8567 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Berlin war einmal ein sicherer Hafen fĂŒr Ge- flĂŒchtete und Schutzsuchende. Seit drei Jahren setzt aber der CDU-SPD-Senat die Axt an das Asylrecht. Sie setzen systematisch auf Abschreckung und auf die Verelendung von GeflĂŒchteten in Massen- und GroĂunterkĂŒnften. Sie schieben immer mehr ab. Ihre Innensenatorin feiert das im Innenausschuss und bekommt Applaus von rechts. Sie erschweren Integration durch politische Entscheidungen, um sich spĂ€ter ĂŒber die gescheiterte Integration zu empören, um dann weitere VerschĂ€rfungen auf den Weg zu bringen. Das ist weder christlich noch sozialdemokratisch. Sie haben die wenigen legalen und sicheren Fluchtwege ĂŒber unsere Landesaufnahmeprogramme einfach grund- los eingestellt, Integrationsprojekte gekĂŒrzt, VerstĂ€r- kungsmittel, die wir unter Rot-GrĂŒn-Rot erkĂ€mpft hatten, gestrichen, den Bezirken wichtige Mittel fĂŒr die Integra- tion entzogen. Und als der Bund in diesem Jahr auch noch die Deutschkurse gekĂŒrzt hat, haben Sie mit den Schultern gezuckt und nichts entgegengesetzt. Seit Schwarz-Rot in dieser Stadt regiert, wird es fĂŒr die Ge- flĂŒchteten und Schutzsuchenden Schritt fĂŒr Schritt immer unertrĂ€glicher. Mit der Umsetzungen des Gemeinsamen Asylrechts â GEAS â droht nun, dass Berlin von einem sicheren Hafen zu einer sicheren Haft wird. Sie planen, in einem abgeschirmten Ankunftszentrum in Tegel die Verfahren zu organisieren. Wir wissen, was Tegel bedeutet: Es ist abgeschirmt von der Stadt und bietet so keine Möglichkeiten der Teilhabe in dieser Stadt. Das nennen Sie auch noch Ordnung. Das ist weder Ordnung noch HumanitĂ€t, das ist bewusste Behinderung von Integration und Teilhabe. Das ist Abschreckung auf Kosten der Menschenrechte von GeflĂŒchteten. Seit ĂŒber einem Jahr fragen wir in diesem Parlament: Wie wird GEAS in Berlin eigentlich umgesetzt? Wer ist zu- stĂ€ndig? Wie schĂŒtzen wir Kinder, Jugendliche und vul- nerable Gruppen? Wie verhindern wir, dass Freiheits- entzug entsteht? â Die Antworten, die wir vom Senat auf unsere Schriftlichen Anfragen und in den AusschĂŒssen bekommen, sind aber leider immer weder aussagekrĂ€ftig noch transparent. Jetzt haben Sie uns letzte Woche im Ausschuss endlich mitgeteilt, dass Sie die GEAS- Umsetzung in Berlin planen. Aber was planen Sie denn eigentlich? â Die zustĂ€ndige Behörde ist heute schon ĂŒberfordert und unterbesetzt. Es fehlen heute schon 300 Stellen, und das LAF hat uns, aber auch dem Senat mitgeteilt, dass sie fĂŒr GEAS etwa 74 Stellen brĂ€uchten. Was legt dieser Senat aber vor? â Etwa die HĂ€lfte dieser Stellen sind geplant, und nicht einmal diese Stellen sind jetzt â acht Wochen vor der Umsetzung â schon besetzt. Sie kommen also acht Wochen vor dem Umsetzungs- datum von GEAS am 12. Juni 2026 hier ins Parlament und haben nicht einmal einen halbwegs tragfĂ€higen Plan. Ich frage Sie ganz ernsthaft, ehrlich und konkret: Wann wollen Sie diese geplanten Stellen ausschreiben? Wann wollen Sie diese Menschen einstellen? Wann sollen diese Menschen eingearbeitet werden? â GEAS ist die gröĂte VerschĂ€rfung des Asylrechts seit dem Asylkompromiss der Neunzigerjahre und wird umgesetzt werden mĂŒssen. Sie nehmen durch schlechte Organisation aber bewusst in Kauf, dass die ZustĂ€nde in Tegel wieder katastrophal werden, dass Beratungen fehlen, dass die Versorgung nicht funktioniert und dass am Ende menschenunwĂŒrdige ZustĂ€nde entstehen. Darauf verweisen nicht nur wir, lieber Senat, sondern auch der SachverstĂ€ndigenrat fĂŒr Integration und Migration sowie das Deutsche Institut fĂŒr Menschenrechte warnen ausdrĂŒcklich davor, dass GEAS ohne eine menschenrechtskonforme Umsetzung zu erheb- lichen Rechtsverletzungen fĂŒhren kann. GEAS wird umgesetzt, aber wie es umgesetzt wird, ist eine politische Entscheidung. Genau deshalb liegt heute unser Antrag vor. Wir sagen klar: Keine haftĂ€hnlichen Strukturen in Tegel, keine FreiheitsbeschrĂ€nkung als Organisationsprinzip, und vor allem kein Wegsehen beim Schutz von Kindern, Jugendlichen und vulnerablen Gruppen! Unbegleitete MinderjĂ€hrige gehören nicht in solche geschlossenen Zentren; sie gehören in die Jugend- hilfe. Wir sagen ebenso klar: Ohne unabhĂ€ngige Beratung funktioniert kein rechtsstaatliches Verfahren. Deshalb fordern wir den gesicherten Zugang fĂŒr speziali- sierte TrĂ€ger und Netzwerke wie das Berliner Netzwerk fĂŒr besonders schutzbedĂŒrftige geflĂŒchtete Menschen. Sie können heute unseren Antrag ablehnen; dann seien Sie aber ehrlich und sagen Sie den Menschen, dass Sie hier keine Menschenrechte fĂŒr die GeflĂŒchteten gewĂ€hrleisten und dass Sie auch den Kinder- und Jugendschutz ver- nachlĂ€ssigen. Herr Kollege! Kommen Sie bitte zum Schluss!
Wir BĂŒndnisgrĂŒne gehen diesen Weg jedenfalls nicht mit. Wir werden weiter fĂŒr eine humane und menschen- Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8568 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 wĂŒrdige Asylpolitik kĂ€mpfen. Berlin kann mehr, Berlin muss mehr. Dieser Senat kann es nicht! Vielen Dank! â FĂŒr die CDU-Fraktion hat nun die Kolle- gin Senge das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Lieber Kollege Omar! Erst mal muss ich sagen: Wenn Sie hier in den Raum stellen, dass wir, wenn wir Ihrem Antrag nicht zustimmen, die Menschenrechte nicht wĂŒrdigen oder nicht menschenrechtskonform denken und arbeiten wĂŒrden und den Kinder- und Jugendschutz nicht wertschĂ€tzen wĂŒrden, dann ist das schlichtweg falsch. Wir werden die Vorgaben der EU und das Gemeinsame EuropĂ€ische Asylsystem in Berlin natĂŒrlich umsetzen. Wir werden auch die Bundesgesetze umsetzen. Das ist klar. Wir brauchen auch in Berlin alle Möglichkeiten, die uns da zur VerfĂŒgung gestellt werden. Hier ist mal wieder die Differenzierung notwendig, die Sie nicht machen. Sie wollen nĂ€mlich in Ihrem Antrag, dass in Berlin auf jede Form von Freiheitsentzug und FreiheitsbeschrĂ€nkung verzichtet wird. Ich möchte Ihnen mal sagen: Ein Platz- verweis ist eine FreiheitsbeschrĂ€nkung. Daran mĂŒssen wir uns alle halten, wenn die Polizei diese MaĂnahme ergreift. Das schlieĂen Sie alles aus, wenn man Ihren Antrag genau nimmt, um das auch noch mal zu sagen, ich bin sehr ĂŒberzeugt, ich zweifle ĂŒberhaupt nicht daran, dass in unserer Senatsverwaltung fĂŒr Familie und Jugend der Kinder- und Jugendschutz an oberster Stelle steht. Sie kennen alle die FĂ€lle von Personen, die zahlreiche AntrĂ€ge gestellt haben in verschiedenen europĂ€ischen LĂ€ndern mit verschiedenen IdentitĂ€ten, immer wieder untergetaucht sind und weitere AntrĂ€ge gestellt haben. Diese FĂ€lle versteht da drauĂen kein Mensch mehr. Diese FĂ€lle schaden dem Vertrauen in die Institution, in die Politik, und sie schaden ĂŒbrigens auch dem Schutz derer, die ihn wirklich brauchen. FĂŒr diese FĂ€lle, und zwar bei Fluchtgefahr unter der Vo- raussetzung der VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeit brauchen wir natĂŒr- lich auch die Möglichkeit zu verpflichten, dass man sich in der Aufnahmeeinrichtung aufhĂ€lt. Ich finde das eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Sie wollen, dass sich Berlin dieser MaĂnahmen selbst beschneidet. Sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Da muss ich sagen, da sind wir progres- siver. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat die Kolle- gin Schubert das Wort.
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dass ich einen etwas anderen Begriff von âprogressivâ habe, dĂŒrfte sich von selbst erklĂ€ren. Progressiv ist es nicht, wenn man auf Abwehr und Ausgrenzung setzt. Progressiv ist, wenn man Schutz ernst nimmt und auf Inklusion und Teilhabe setzt. Das ist progressiv. GEAS ist zwar ein gemeinsames europĂ€isches Asylsys- tem, aber es steht fĂŒr gemeinsame FlĂŒchtlingsabwehrpoli- tik und nicht fĂŒr gemeinsame FlĂŒchtlingsschutzpolitik. Das ist das Grundproblem am GEAS. Die EU kommt damit ihrer Aufgabe, gemeinsam Schutz und Aufnahme von GeflĂŒchteten zu organisieren, sie solidarisch zu ver- teilen innerhalb der EuropĂ€ischen Union, in keinster Weise nach. Insofern ist es natĂŒrlich nachvollziehbar, dass eine Umsetzung von GEAS auch nicht menschen- rechtlicher ist, als das GEAS-System insgesamt. Nichtsdestotrotz hat natĂŒrlich ein Land auch Möglichkei- ten, da Akzente zu setzen. Ich lese immer mit groĂer Aufmerksamkeit, was der Vorsitzende der AG Migration der SPD zu GEAS so schreibt. Ich kann da so ziemlich jeden Satz unterschreiben. Insofern habe ich natĂŒrlich auch groĂe Erwartungen, was die Umsetzung anbetrifft, wenn es um Tegel geht, wenn es um das Ankunftszent- rum geht, wenn es um die Verfahren von GEAS geht. Insofern ist es umso wichtiger, dass wir hier Pflöcke einschlagen, auch als Parlament, was wir erwarten, was das Land tut. Berlin hat sich selbst zum sicheren Hafen erklĂ€rt. Das war noch unter rot-rot-grĂŒnen Zeiten. Das war eine gute Zeit. Aber die schwarz-rote Koalition hat das nicht negiert und nicht rausgestrichen, sondern stellt sich nach wie vor dazu, Berlin soll ein sicherer Hafen sein. Das heiĂt, dass menschenrechtliche Standards auch beim GEAS-Prozess, bei der Umsetzung des GEAS in Berlin im Prozess gelten mĂŒssen. Das verbietet jede Form von Inhaftierung, nur weil jemand im Asylverfahren ist. Flucht ist ja kein Verbrechen. Es ist kein Verbrechen, hierher zu kommen und um Schutz und Aufnahme zu bitten. (Jian Omar) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8569 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Es ist auch kein Verbrechen, dabei andere LĂ€nder zu durchqueren, denn wie soll man anders herkommen? Es geht ja gar nicht anders. Was richtig falsch ist an diesem System, ist, dass willkĂŒrlich irgendwelche Staaten zu sicheren HerkunftslĂ€ndern oder Drittstaaten erklĂ€rt wer- den, womit man sozusagen gar nicht mehr hierher kom- men kann, um ein regulĂ€res Asylverfahren zu durchlaufen und damit dieses GEAS eben ein Abwehr- und kein Schutzsystem ist. Vor dem Hintergrund ist es gut, dass es den Antrag der GrĂŒnen gibt. Ich wĂŒrde jeden einzelnen Unterpunkt des Antrags unterschreiben. Wenn Berlin das sehr ernst meint, dass es ein sicherer Hafen ist, dann mĂŒsste eigent- lich diese Koalition heute diesem Antrag zustimmen und selbst den Finger daraufsetzen, dass das, was in Tegel passieren wird, und das, was im weiteren Screeningver- fahren passieren wird, was dann in der Jugendhilfe pas- siert, auch entsprechend umgesetzt wird, wie es in diesem Antrag steht. Ich vermute mal, Frau Senge hat das schon ein bisschen angedeutet, dass das nicht der Fall ist, und das ist ein Problem. Das wird ein groĂes Problem sein in der weiteren Ausei- nandersetzung um die Umsetzung von GEAS und den Umgang mit geflĂŒchteten Menschen, auch mit geflĂŒchte- ten Kindern, auch mit unbegleiteten Kindern. NatĂŒrlich kommen die jetzt erst mal nicht nach Tegel. NatĂŒrlich kommen die jetzt erst mal in die Jugendhilfe, und das ist auch richtig so. Folge ich allerdings den VorschlĂ€gen, die man von dieser Bund-LĂ€nder-Kommission und den kommunalen SpitzenverbĂ€nden diese Woche lesen durfte, dann sollen demnĂ€chst auch unbegleitete FlĂŒchtlinge schon ab 16 in solche Aufnahmeeinrichtungen kommen, sollen die gar nicht mehr in die Jugendhilfe kommen. Da kann ich nur sagen, da erwarte ich vom Land Berlin einen deutlichen Stopp. Kind ist Kind, und Jugendlicher ist Jugendlicher. Das kann man nicht willkĂŒrlich festsetzen, ob jemand geflĂŒchtet ist oder nicht. GeflĂŒchtete Menschen brauchen mehr Schutz und mehr Aufmerksamkeit als Menschen, die sicher und behĂŒtet aufwachsen. Das ist doch völlig ĂŒbersichtlich. NatĂŒrlich erwarten wir, so wie das Verfahren in Tegel dann aufgesetzt wird, dass es nicht zu Inhaftierungen kommt, dass es nicht zu Frei- heitsbeschrĂ€nkungen kommt, sondern dass das Recht der Menschen, sich frei zu bewegen, ihre Asylverfahren zu organisieren und durchzufĂŒhren, nicht eingeschrĂ€nkt wird. Vor dem Hintergrund erwarte ich auch vom Land Berlin, dass dem irren Vorhaben auf der Bundesebene, jetzt auch noch die unabhĂ€ngige Asylverfahrensberatung einzu- schrĂ€nken oder abzuschaffen und nicht mehr zu finanzie- ren, Einhalt geboten wird, dass die Menschen Zugang haben zu Beratung, zu unabhĂ€ngiger Asylverfahrensbera- tung, dass sie in der Lage sind, ihre Asylverfahren rechts- staatlich konform und menschenrechtlich okay abzusi- chern. Das gebietet das Grundgesetz, Grundrecht auf Asyl. Das gebietet die Geschichte dieses Landes. Das gebietet der menschliche Anstand. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat nun der Abge- ordnete Ăzdemir das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen der demokratischen Fraktionen! Der Antrag der Opposition stellt Fragen, die man ernst nehmen muss, und das tun wir. Das Gemeinsame EuropĂ€ische Asylsys- tem bringt erhebliche Herausforderungen mit sich, das Bundesgesetz zur Umsetzung lĂ€sst aber SpielrĂ€ume. SpielrĂ€ume können eng oder weit ausgelegt werden. Wir werden sie so weit auslegen, wie das Recht es zulĂ€sst, und zwar zugunsten der Menschen. Was das konkret bedeutet, ist, dass Familien mit Kindern nicht in haftĂ€hnliche Strukturen kommen und auch nie- mand anderes. Kinder, die allein ankommen, werden unverzĂŒglich nach SGB VIII behandelt, also in Obhut genommen, betreut, geschĂŒtzt. Das ist kein Versprechen fĂŒr die Presse oder die Ăffentlichkeit. Das ist geltendes Recht. Und wir werden dafĂŒr sorgen, dass es im Ankunftszent- rum Tegel auch tatsĂ€chlich geht. Herr Kollege! Gestatten Sie eine Zwischenfrage der Ab- geordneten Burkert-Eulitz?
Jetzt nicht! Wir können das spĂ€ter zusammen klĂ€ren. (Katina Schubert) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8570 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Schnellere Verfahren und humane Verfahren dĂŒrfen sich nicht ausschlieĂen. Ein Verfahren, das Menschen Wo- chen, wenn nicht Monate und Jahre in einem Zustand der Ungewissheit lĂ€sst, ist weder schnell noch human. Wir brauchen Prozesse, die funktionieren, die Schutzbedarfe frĂŒh erkennen und die WĂŒrde der Menschen, die durch dieses Verfahren gehen mĂŒssen, nicht als lĂ€stige Variable behandelt. Ein Punkt verdient jedoch besondere Aufmerksamkeit, und das ist der Zugang zu unabhĂ€ngiger Rechtsberatung. Screeningverfahren sind komplex. Menschen, die kein Deutsch sprechen, die traumatisiert sind, brauchen Bera- tung, bevor sie Fragen beantworten und nicht danach. Das Berliner Netzwerk fĂŒr besonders schutzbedĂŒrftige GeflĂŒchtete und die Asylverfahrensberatung mĂŒssen Zugang haben. Das ist fĂŒr uns nicht verhandelbar. Der Antrag der Opposition formuliert vieles, dem ich inhaltlich zustimme. Die BegrĂŒndung ist solide, die An- forderungen an den Senat sind sachgerecht. Wir als SPD brauchen in dieser Koalition keinen Antrag, um uns zu diesen GrundsĂ€tzen zu bekennen. Wir stehen dafĂŒr ein, weil es wichtig ist. Wer die VerschĂ€rfung auf EU-Ebene kritisiert, hat damit recht. Dasselbe gilt aber auch, lieber Jian Omar, fĂŒr die GesetzentwĂŒrfe auf Bundesebene unter der Ampel als auch unter der GroKo. Die Menschen, die im Ankunfts- zentrum Tegel ankommen, haben oft sehr viel hinter sich. Was sie dort vorfinden, soll ein Rechtsstaat sein, kein WartegefĂ€ngnis. Daran werden wir gemessen, und das ist auch richtig so, und das ist auch zu Recht so. Wenn ich das noch mal sagen darf: Es gibt ja einen Ent- wurf, den wir jetzt in den AusschĂŒssen beraten werden. All das, was ich hier gesagt habe, steht auch in diesem Entwurf. Insofern ist es mir ein bisschen ein RĂ€tsel, wie hier heute diskutiert wurde. â Danke schön! FĂŒr die AfD-Fraktion hat der Abgeordnete Dr. Bronson das Wort. â Der Abgeordnete wĂŒnscht bitte keine Zwi- schenfragen.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! Die GrĂŒnen haben ihren Antrag mit bemerkenswerter Dreistigkeit ĂŒberschrieben: âGEAS humanitĂ€r umsetzenâ. Damit gemeint ist das Gemeinsame EuropĂ€ische Asylsys- tem, das in BrĂŒssel verabschiedet wurde. Das klingt edel, aber der Antrag zielt nicht auf humanitĂ€re Umsetzung, sondern formuliert die Verhinderung europĂ€ischer Be- schlusslagen auf dem Umweg ĂŒber Berlin. Die Fakten: Die sogenannte Screeningverordnung 2014/1356 ist ab dem 12. Juni 2026 verbindlich in allen EU-Mitgliedstaaten anzuwenden, ohne Ausnahme. Diese Verordnung wurde in BrĂŒssel unter aktiver Mitwirkung der GrĂŒnen verhandelt. Sie waren seinerzeit Teil der kurzlebigen Ampelregierung unter Scholz und Habeck. Jetzt, da die von den BundesgrĂŒnen durchgewunkene Verordnung greifen soll, wollen die Berliner LandesgrĂŒ- nen alles versenken. Hier ist die Faktenlage: Das Ankunftszentrum Tegel umfasst 2 600 PlĂ€tze, davon 600 fĂŒr das Screening. Da- mit sollen von sogenannten FlĂŒchtlingen unter anderem biometrische Daten festgestellt und Sicherheitsrisiken geprĂŒft werden, fĂŒr maximal sieben Tage. Dabei wird verlangt, dass sich Betroffene wĂ€hrend des Verfahrens zur VerfĂŒgung halten. Das ist keine Inhaftierung, wie die GrĂŒnen fantasieren, sondern das ist das MindestmaĂ staatlicher Kontrolle. Punkt 1 des GrĂŒnenantrags will jede faktische Freiheits- beschrĂ€nkung in Tegel ausschlieĂen. Ăbersetzt: Jeder Einreisende darf weiter in Berlin verschwinden, bevor feststeht, wer er ĂŒberhaupt ist. Punkt 2 und 3 des Antrags instrumentalisieren den Kinderschutz. Aus einer unserer Anfragen wissen wir, dass sich 2023 3 100 unbegleitete MinderjĂ€hrige in Berlin aufhielten. Genau deshalb ist eine Altersfeststellung unbedingt erforderlich. Aber die Antragsteller wollen sie unmöglich machen. Berlin gibt jeden Tag 2,7 Millionen Euro fĂŒr Asylkosten aus, jeden Tag! Zum Schluss möchte ich noch ein Paradebeispiel scham- loser Doppelmoral erwĂ€hnen, das selbst fĂŒr grĂŒne Ver- hĂ€ltnisse bemerkenswert ist. WĂ€hrend die GrĂŒnen eine humanitĂ€re Umsetzung des GEAS fordern und gegen das Ankunftszentrum Tegel Sturm laufen, blockieren sie in der grĂŒnen Herzkammer Kreuzberg eine geplante Asyl- unterkunft mit 1 050 PlĂ€tzen. So berichtet das Magazin Focus. Die grĂŒne BezirksbĂŒr- germeisterin Clara Herrmann schrieb dem Regierenden BĂŒrgermeister in tiefer Besorgnis, die Unterkunft sei der falsche Weg. Die GrĂŒnenabgeordnete Schmidberger warnt vor, ich zitiere mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin: âerheblichen Risiken fĂŒr Integration und sozialen Zusammenhalt im Kiez.â Derzeit ist die Dame nicht mehr da. Vermutlich ist sie auf ihrem Weg in die Hasenheide, in ihrem aktiven Kampf gegen die Migration. (Orkan Ăzdemir) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8571 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Das ist die grĂŒne Formel: Masseneinwanderung fĂŒr alle, nur nicht in meinem Kiez, HumanitĂ€t als Pose, die Kinder auf Privatschulen und der SUV mit E-Antrieb sicher in der Garage. FĂŒr die Kamera wird dann das Fahrrad rausgeholt. Die AfD lehnt diesen Antrag entschieden ab. Wir lassen kein grĂŒnes Schlupfloch zu. Wer EU-Recht will, muss EU-Recht respektieren: in Tegel, in Kreuzberg, ĂŒberall! â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags federfĂŒhrend an den Ausschuss fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung sowie mitberatend an den Ausschuss fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung. â Widerspruch höre ich nicht. Dann verfahren wir so. Tagesordnungspunkt 62 war PrioritĂ€t der Fraktion der SPD unter der Nummer 4.5. Die Tagesordnungspunk- te 63 bis 68 stehen auf der Konsensliste. Ich rufe auf lfd. Nr. 69: Unterwanderung durch den politischen Islam stoppen! Keine Genehmigung und kein weiteres Geld fĂŒr Kita-TrĂ€ger mit struktureller NĂ€he zum schiitischen Islamismus Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3121 In der Beratung beginnt die AfD-Fraktion. â Bitte schön, Herr Abgeordneter Tabor! Sie haben das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kollegen! Eine Bedrohung ist nicht immer laut. Sie kommt hier leise, tritt höflich auf, formuliert juristisch sauber. Dennoch will sie unsere freiheitliche demokratische Grundordnung im Kern angreifen. Es geht um den legalistischen Islam, um Strukturen, die nicht mit Bomben, sondern mit Satzung, Vereinsrecht und Ăffentlichkeitsarbeit an unserer Demokratie sĂ€gen, und das bereits seit Jahren. Uns geht es um das Leben unserer Kinder in einem freiheitlichen Deutschland. De- nen geht es um das Aufwachsen in Parallelstrukturen, in denen nicht mehr das Grundgesetz, sondern göttliches Recht MaĂstab der Ordnung ist. Wer hier wegschaut, riskiert, dass unsere freie Gesellschaft StĂŒck fĂŒr StĂŒck von innen heraus wegfault wie eine alte Banane und etwas entsteht, vor dem angeblich so viele Muslime aus ihren HeimatlĂ€ndern fliehen. Legalistische Islamisten akzeptieren zwar formal unseren Staat, unsere Gesetze, unsere Institutionen, aber nur als Mittel zum Zweck. Ziel ist nicht die Integration, sondern die Transformation. Sie wollen langfristig eine Gesell- schaft, in der religiöse Normen ĂŒber dem demokratischen Mehrheitswillen stehen. Sie grĂŒnden Vereine, Bildungs- werke, Kulturzentren und soziale TrĂ€ger. Sie sprechen von Dialog, Antidiskriminierung, Teilhabe und Religi- onsfreiheit und nutzen genau diese Begriffe, um Einfluss auszubauen und Kritik als Islamfeindlichkeit zu diffamie- ren. Liebe Kollegen von Rot-Rot-GrĂŒn! Das mĂŒsste Ihnen doch irgendwie bekannt vorkommen. Sie springen nĂ€m- lich wirklich immer genau ĂŒber dieses Stöckchen und merken es offensichtlich nicht mal. Der Unterschied zum offenen Terroristen ist nicht das Ziel, sondern die Metho- de: nicht der schnelle Umsturz, sondern der lange Marsch durch KindergĂ€rten, Schulen, VerbĂ€nde, Medien und Politik. [Beifall bei der AfD â
Richtig!] Das mĂŒsste Ihnen doch bestimmt bekannt vorkommen. Hinter dem legalistischen Islamismus stehen gut organi- sierte VerbĂ€nde, die seit Jahren dichte Netzwerke aufbau- en. Sie streben bewusst in Gremien, BeirĂ€te und Partner- schaften mit der öffentlichen Hand, geben sich nach au- Ăen moderat und pflegen intern eine klare islamistische Ideologie. Sie haben eigene Jugendorganisationen, Medien und Prediger, oft mit internationalen Verbindungen zur is- lamistischen Bewegung oder Regimen wie dem Iran. Zum Beispiel die Fatwas des geistlichen Oberhauptes Al- Sistani zur Sexualmoral und zum Umgang mit MĂ€dchen, ich zitiere mit Erlaubnis der PrĂ€sidentin: Wenn jemand einen Ehevertrag mit einem MĂ€dchen schlieĂt, das noch nicht bÄligh, also religionsmĂŒndig ist, ist es haram, also verboten, den Geschlechtsverkehr zu vollziehen, bevor es neun Jahre vollendet hat. â Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es danach erlaubt ist. Das ist sexueller Kindes- missbrauch, das ist PĂ€dophilie, das ist krank! [Beifall bei der AfD â
Pfui!] (Dr. Hugh Bronson) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8572 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Herr StaatssekretĂ€r Falko Liecke von der CDU nannte solche Inhalte völlig zu Recht menschenverachtend und betonte die Kinderschutzaspekte. Was erleben wir konkret, wenn diese Strukturen FuĂ fassen? â In Gemeinden entsteht eine Paralleljustiz, und Konflikte werden nicht nach deutschem Recht, sondern vor religiösen AutoritĂ€ten verhandelt. MĂ€dchen und Frauen werden durch religiösen Druck in Rollen ge- drĂ€ngt, die mit Gleichberechtigung nichts zu tun haben. Homosexuelle, Religionswechsel oder sĂ€kulare Lebens- weisen werden stigmatisiert, und das ist eher höflich formuliert. Besonders gefĂ€hrlich ist, dass legalistische Islamisten im juristischen Graubereich agieren und sich den Rechtsstaat zunutze machen. Sie erhalten leichter Zugang zu Förder- geldern, Bildungseinrichtungen und politischer Unter- stĂŒtzung, können sich als moderate Stimme des Islam inszenieren und sich hinter der Religionsfreiheit ver- schanzen. Jede Kooperation, jedes Projekt, jeder Leucht- turm verschafft ihnen LegitimitĂ€t und Zugang zu unseren Kindern und Jugendlichen. Jetzt haben wir aktuell den Fall einer Kita mit Verflech- tung in solche Milieus. Das ist kein isolierter Einzelfall, das ist kein Unfall, sondern eher ein Warnsignal. Heute ist es eine Kita, morgen wieder ein TrĂ€ger der Jugendar- beit, ein Bildungsinstitut, ein Dialogzentrum oder ein Kulturverein. In der Summe entsteht aber ein Geflecht, das unsere Grundordnung schleichend unterminiert. Nicht unsere Demokratie ist in Gefahr, sondern die De- mokratie, die unter dem Deckmantel der Religion zur Unkenntlichkeit umgebaut werden soll. Das Land Berlin hat fĂŒr den Standort Harzer StraĂe in Neukölln 4,2 Millionen Euro fĂŒr 188 KitaplĂ€tze bewilligt, weitere 781 000 Euro stehen noch im Raum. Gleichzeitig sagt der zustĂ€ndige StaatssekretĂ€r, er hĂ€tte diese Mittel mit dem heutigen Wissen woanders eingesetzt. Das ist kein MissverstĂ€ndnis, sondern politisches Versagen. Es darf doch keine Betriebserlaubnis fĂŒr diesen TrĂ€ger ge- ben, auf gar keinen Fall! Wer unsere freiheitliche Ordnung liebt, darf vor dieser Auseinandersetzung nicht zurĂŒckschrecken! â Vielen Dank fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit! FĂŒr die CDU-Fraktion hat der Abgeordnete Simon das Wort. â Bitte schön!
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Kinder im Kindergarten, Familien, die ihr Kind oder ihre Kinder gern in den Kindergarten bringen, da sie ganz fest davon ausgehen, dass die Klei- nen dort gut betreut werden: Das ist der Normalzustand in Berlin. Die Berliner Familien wollen eine gute Verein- barkeit von Familie und Beruf. Sie wollen, und auch wir wollen, dass die Erzieherinnen und Erzieher gut ausge- bildet, motiviert sind und nach dem Berliner Bildungs- programm arbeiten. Zentral fĂŒr die Eltern, aber auch fĂŒr alle Verantwortlichen ist, dass der Kinderschutz in den KindergĂ€rten gewĂ€hrleistet wird, in allen KindergĂ€rten der mehr als 1 200 KindergartentrĂ€ger in Berlin â und fĂŒr die CDU betone ich: in allen KindergĂ€rten! Das ist der Grund, deshalb diskutieren wir im Berliner Abgeordnetenhaus des Ăfteren AntrĂ€ge und Gesetzesvor- haben, die sich mit dem Thema Kinderschutz befassen, eventuell sogar, die sich darum drehen. Deshalb rĂ€umt die von Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch gefĂŒhrte Senatsver- waltung dem Thema Kinderschutz einen extrem hohen Stellenwert ein. Deshalb werden die Erzieherinnen und Erzieher, insbesondere was den Kinderschutz angeht, sehr gut ausgebildet. Bei der LektĂŒre des Antrags, finde ich, muss man sich die Frage stellen: Weshalb muss das Parlament aber den Senat zu etwas auffordern, das dieser ohnehin als ganz zentral behandelt? Ich möchte, da die antragstellende Fraktion das offen formuliert hat, klarstellen: Es gibt zurzeit keine Erlaubnis zum Betrieb eines Kindergartens in der Harzer StraĂe 51 fĂŒr den KindergartentrĂ€ger BNIG gGmbH. Meine Nach- fragen bei der Senatsverwaltung haben ferner ergeben, erstens: Die Thematik ist seit etlichen Monaten bekannt. Seit Bekanntwerden wird das Ganze mit höchster Sensi- bilitĂ€t bearbeitet. Zweitens: Es wurden Auskunftsersu- chen an das Bundesamt fĂŒr Verfassungsschutz sowie an die Senatsinnenverwaltung gerichtet. Der Verfassungs- schutz kam im Fall von Mohamed Amer zur Bewertung, dass er nicht geeignet ist, als GeschĂ€ftsfĂŒhrer eines Kin- dergartentrĂ€gers tĂ€tig zu sein. Drittens: Die Bearbeitung eines Antrags auf Betriebserlaubnis wird zu gegebener Zeit im Rahmen des rechtsstaatlichen Verwaltungsverfah- rens erfolgen. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen hat die Kollegin Burkert-Eulitz das Wort.
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine Damen und Herren! In der Sache hat die AfD komplett das Thema verfehlt. (Tommy Tabor) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8573 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Wenn man sich mit der Harzer StraĂe auseinandersetzt, dann beginnt es schon damit, dass ein ehemaliger Jugend- stadtrat aus Neukölln diesen Standort als Kitastandort favorisiert und als möglichen Standort angemeldet hat, der ĂŒber das Landesprogramm Kita finanziert wird. Wenn man dann genau hinsieht â freundlicherweise konnte ich auch Akteneinsicht nehmen â sieht man, dass man da einen völlig ungeeigneten TrĂ€ger am Start hat. GeschĂ€fts- fĂŒhrer, die irgendwie nicht in der Lage sind, ordentlich zu arbeiten und sich gegenseitig verklagen, ein Bauprojekt, das ĂŒberhaupt nicht funktioniert und bei dem man sich gerichtlich mit irgendwelchen Menschen ĂŒber Bodenplat- ten streitet â also ein Projekt, das ĂŒberhaupt nicht funkti- oniert, und ein TrĂ€ger, der noch nie eine Kita betrieben hat. Da wundert man sich dann schon, warum dieses Projekt die ganze Zeit weiterfinanziert beziehungsweise -betrie- ben wurde. Da hĂ€tten eigentlich die Verantwortlichen, auch in der VorgĂ€ngerregierung, lĂ€ngst die ReiĂleine ziehen mĂŒssen, weil das eine Investmentruine war, die jahrelang herumstand, nichts ist passiert, und am Ende ist das immer wieder finanziert worden. Das ist der eigentli- che Skandal, dass ein völlig ungeeigneter TrĂ€ger, der von Kita keine Ahnung hat, Millionen bekommen hat. Ich wĂŒrde mitgehen, dass das ungeeignete Leute sind, die da eine Kita betreiben wollen, aber das hat eine andere Ge- schichte, als Sie sie hier zu konstruieren versuchen. Wir wissen nicht, wie die HintergrĂŒnde sind, aber auf jeden Fall ist es ein ungeeigneter TrĂ€ger und er sollte keine Kita betreiben. â Vielen Dank! Vielen Dank! â FĂŒr die SPD-Fraktion hat der Kollege Freier-Winterwerb das Wort. â Bitte schön!
Frau PrĂ€sidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist eigentlich schon fast alles gesagt. Die CDU, der Kollege Simon hat eingeordnet, wie das Ganze verwaltungstech- nisch gesehen wird und wie hier ein StĂŒck weit auch die Schutzmechanismen sind. Marianne Burkert-Eulitz hat dargestellt, was das fĂŒr ein TrĂ€ger ist und um was es geht. Die AfD will hier natĂŒrlich ein Thema setzen, nĂ€mlich die Durchsetzung unseres Staates von Islamisten. Das ist die Botschaft, die hier von Ihnen herausgehen soll. Es geht gar nicht um die Sache, denn wenn es um die Sache ginge, dann mĂŒsste man sich damit auseinander- setzen, was in diesem Land förderfĂ€hig ist und was nicht förderfĂ€hig ist, wie die staatlichen Strukturen wirken, sich ganz genau anschauen, welche Dinge förderfĂ€hig sind, die Konzepte prĂŒfen, die Hintergrundgeschichten auch ein StĂŒck weit prĂŒfen. Ehrlich gesagt, vertraue ich auf dieses Verfahren, weil wir bisher gute Erfahrungen damit gemacht haben, und ehrlich gesagt, sehe ich auch mit Falko Liecke und Katharina GĂŒnther-WĂŒnsch Garanten darin, dass an die- ser Stelle, an der wir nun alle miteinander hingeschaut haben und weiter hinschauen werden, kein Unsinn pas- siert. Eine Geschichte spricht die AfD wahr an, denn in Ihrer dunklen Vorvorzeit, also derjenigen, an der man sich orientiert, waren Kinder immer der SchlĂŒssel zum GlĂŒck. Wenn du Kinder ver- saust und in deiner Art und Weise prĂ€gst, dann baust du dir eine Gesellschaft, wie du sie haben willst. Das ist ja quasi das, was Diktaturen an sich groĂ macht, und das ist selbstverstĂ€ndlich deshalb auch die Idee von religiösen Fundamentalisten, seien es Islamisten, seien es funda- mentalistische Christen â seien es aber auch Rechtsextre- me. Wir haben das in den BaseballschlĂ€gerjahren gese- hen, wie da von genau diesen Leuten vorgegangen wurde. Deshalb ist es ziemlich entblöĂend, muss ich sagen, was die AfD da von sich gegeben hat. Denn ich finde, man kann auch Islamisten gegen das Thema Rechtsextreme austauschen, und schon hat man dieselbe Geschichte, nur mit einer anderen Konnotation. Von daher finde ich, dass wir da alle miteinander vorsich- tig sein mĂŒssen. Wir beobachten das. Katharina GĂŒnther- WĂŒnsch! Vielen Dank, dass Sie das aufhalten werden â und uns allen einen schönen Feierabend! Vielen Dank! â FĂŒr die Fraktion Die Linke hat die Abge- ordnete Kittler das Wort. â Bitte schön! (Marianne Burkert-Eulitz) Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8574 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026
Sehr geehrte Frau PrĂ€sidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Hier schmeiĂt die AfD gerade mit Steinen im Glashaus. Hat sie â ich möchte da gleich anschlieĂen â selbst doch bundesweit nachgewiesenermaĂen immer wieder enge Beziehungen zu völkischen Organisationen, die Kinder und Jugendliche im Sinne des Nationalsozialismus indok- triniert haben und es auch jetzt tun, so sie noch nicht verboten sind. Die Kollegin Burkert-Eulitz hat zum TrĂ€ger und dessen Agie- ren und â in AnfĂŒhrungsstrichen â Expertise Wesentli- ches hier bereits gesagt. Das muss ich nicht wiederholen. Ich möchte aber ergĂ€nzen: An diesem Beispiel wird deut- lich, dass Behörden auf Bezirksebene â und auf Landes- ebene, vermute ich, auch â mehr Expertise im Erkennen von gewaltbejahendem Islamismus und radikalislami- schen Netzwerken und dafĂŒr Weiterbildung brauchen. Die VorwĂŒrfe in den Medien gebieten eine ernsthafte PrĂŒfung. Diese und die Begleitung durch Senat und Be- zirk sind zugesagt. Es braucht also diesen Antrag der AfD â so wie ĂŒbrigens alle anderen AntrĂ€ge dieser Fraktion â nicht. [Beifall bei der LINKEN und den GRĂNEN â Vereinzelter Beifall bei der SPD â
Pseudodemokratie, ne?] Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Vorgeschlagen wird die Ăberweisung des Antrags an den Ausschuss fĂŒr Bildung, Jugend und Familie. â Widerspruch höre ich nicht, dann verfahren wir so. Die Tagesordnungspunkte 70 bis 75 stehen auf der Kon- sensliste. Meine Damen und Herren! Damit sind wir am Ende unse- rer heutigen Tagesordnung. Die nĂ€chste Plenarsitzung findet am Donnerstag, den 7. Mai 2026 statt und beginnt erst um 11 Uhr. Die Sitzung ist damit geschlossen. Ich wĂŒnsche Ihnen einen schönen Abend! Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8575 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Anlage Konsensliste Vorbehaltlich von sich im Laufe der Plenarsitzung ergebenden Ănderungen haben Ăltestenrat und GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Fraktionen vor der Sitzung empfohlen, nachstehende Tagesordnungspunkte ohne Aussprache wie folgt zu behandeln: Lfd. Nr. 15: Recht auf Filmen von PolizeieinsĂ€tzen klarstellen â Gesetz zur Ănderung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 23. Februar 2026 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 4. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3044 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/2350 vertagt Lfd. Nr. 18: FĂŒr eine offene Kommunikation â Gesicht zeigen im Unterricht (Verschleierungsgesetz Berlin) Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2890 vertagt Lfd. Nr. 23: Digitale Beteiligung bei direktdemokratischen Verfahren â Gesetz zur Ănderung des Abstimmungsgesetzes und anderer Vorschriften Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/3123 vertagt Lfd. Nr. 27: Abschiebestopp nach Syrien Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Inneres, Sicherheit und Ordnung vom 15. Dezember 2025 Drucksache 19/2838 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2469 vertagt Lfd. Nr. 29: Rechtsprechung umsetzen â Festanstellung fĂŒr HonorarkrĂ€fte ermöglichen â Berlins kulturelle Grundversorgung retten Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Kultur, Engagement und Demokratieförderung vom 5. Januar 2026 und Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 21. Januar 2026 Drucksache 19/2908 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1958 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE bei Enthaltung AfD â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 30: Mehrsprachigkeit in Schulen fördern und § 15 Schulgesetz endlich umsetzen! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bildung, Jugend und Familie vom 22. Januar 2026 Drucksache 19/2915 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1844 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 31: Gesundheitliche Akutversorgung sicherstellen â Medipoint fĂŒr GeflĂŒchtete in der Unterkunft am Tempelhofer Feld einrichten! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung vom 22. Januar 2026 Drucksache 19/2920 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2274 vertagt Lfd. Nr. 32: Rechtsstaat stĂ€rken â Reform des Schöff*innenwesens in Berlin Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Verfassungs- und Rechtsangelegenheiten, GeschĂ€ftsordnung, Verbraucherschutz vom Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8576 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 28. Januar 2026 Drucksache 19/2929 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2549 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 33: KonnexitĂ€tsprinzip zĂŒgig umsetzen und KonnexitĂ€tsgesetz auf den Weg bringen Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 18. Februar 2026 Drucksache 19/2987 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2537 vertagt Lfd. Nr. 34: Verfassungstreue von Schöff*innen stĂ€rken Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bundes- und Europaangelegenheiten, Medien vom 25. Februar 2026 Drucksache 19/3010 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2457 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 36: Haltung von Listenhunden bei landeseigenen Wohnungsunternehmen ermöglichen â ein Herz fĂŒr alle Hunde! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vom 2. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3015 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2563 mehrheitlich â gegen GRĂNE bei Enthaltung LINKE â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 38: Arbeitsgelegenheiten gemÀà § 5 AsylbLG voll ausschöpfen, Verpflichtungen konsequent umsetzen! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung vom 5. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3046 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2067 mehrheitlich â gegen AfD â auch mit geĂ€ndertem Be- richtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 39: Klimaschutz in der Berliner Investitionsplanung Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 18. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3087 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1456 mehrheitlich â gegen GRĂNE bei Enthaltung LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 40: Chef*innensache: Im Berliner Kindernotdienst sofort den Kinderschutz gewĂ€hrleisten! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bildung, Jugend und Familie vom 19. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3088 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1047 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â auch mit geĂ€ndertem Berichtsdatum abgelehnt Lfd. Nr. 41: Gewalt gegenĂŒber Kindern und Jugendlichen in Heimen der Haasenburg GmbH aufarbeiten und entschĂ€digen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Bildung, Jugend und Familie vom 19. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3089 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1110 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 42: a) Diskriminierende Bezahlkarte stoppen und gleiche Teilhabe fĂŒr alle sichern! Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung vom 19. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3090 zum Antrag der Fraktion Die Linke Drucksache 19/1748 vertagt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8577 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 b) Keine weitere Diskriminierung von GeflĂŒchteten â Keine Bezahlkarte mit EinschrĂ€nkungen Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Integration, Frauen und Gleichstellung, Vielfalt und Antidiskriminierung vom 19. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3091 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1754 vertagt Lfd. Nr. 43: Leistungssport fördern, aber richtig: Zukunft der Berliner Eliteschulen des Sports Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Sport vom 27. MĂ€rz 2026 Drucksache 19/3102 zum Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/1936 mehrheitlich â gegen GRĂNE und LINKE â abgelehnt Lfd. Nr. 45: BĂŒrokratieabbau in der zahnĂ€rztlichen Versorgung â Entlastung der Praxen und Förderung der Patientenversorgung Beschlussempfehlung des Ausschusses fĂŒr Gesundheit und Pflege vom 13. April 2026 Drucksache 19/3116 zum Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2220 vertagt Lfd. Nr. 46: Nr. 3/2026 des Verzeichnisses ĂŒber VermögensgeschĂ€fte Dringliche Beschlussempfehlung des Hauptausschusses vom 15. April 2026 Drucksache 19/3131 einstimmig â mit allen Fraktionen â zugestimmt Lfd. Nr. 48: Einsatz von offenporigem Asphalt zur Reduzierung von VerkehrslĂ€rm und Verbesserung des Regenwassermanagements Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2636 an Mobil (f) und UK Lfd. Nr. 49: Armut reduzieren, soziale Teilhabe fördern I: Neue Landeskommission zur PrĂ€vention von Altersarmut und Landessstrategie fĂŒr Teilhabe im Alter Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2712 vertagt Lfd. Nr. 50: BĂŒrger*innenrat zur Umgestaltung des Karstadt- GebĂ€udes am Hermannplatz unter BerĂŒcksichtigung einer Platzneugestaltung Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/2887 vertagt Lfd. Nr. 51: Linksterroristischer Anschlag â Nachhaltiger Schutz der kritischen Strominfrastruktur in Berlin: Betreiber verpflichten, Resilienz herstellen! Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2892 vertagt Lfd. Nr. 52: EinbĂŒrgerung stĂ€rker kontrollieren â Ermessen statt Anspruch Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2895 vertagt Lfd. Nr. 53: ErnĂ€hrungssouverĂ€nitĂ€t und AgrobiodiversitĂ€t sichern: In Kooperation mit Brandenburg die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln stĂ€rken Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/2975 vertagt Lfd. Nr. 54: Antifeminismus in Berlin bekĂ€mpfen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/3049 vertagt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8578 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 Lfd. Nr. 56: Mehr Selbstbestimmung fĂŒr Menschen mit Behinderungen: Bedarfe kennen, Budgetassistenz stĂ€rken Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/3075 an ArbSoz Lfd. Nr. 57: Keine Kriminalisierung von Armut und Bagatelldelikten: Ersatzfreiheitsstrafen abschaffen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/3076 an BuEuMe (f) und Recht Lfd. Nr. 58: Gleichberechtigung statt Unterwerfung: Die Freiheit der Frau vor religiösem Verschleierungszwang schĂŒtzen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3080 vertagt Lfd. Nr. 59: Dauerduldungen beenden â Abschiebungen geduldeter ausreisepflichtiger AuslĂ€nder in Berlin rechtsstaatlich konsequent vollziehen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3081 vertagt Lfd. Nr. 60: Berlin entpollern, Verkehrsberuhigung wirksam, rettungssicher und bĂŒrgernah neu ordnen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3082 vertagt Lfd. Nr. 63: Verschwundene Migranten in Berlin â Kinder und Jugendliche schĂŒtzen, Menschenhandel stoppen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3109 vertagt Lfd. Nr. 64: Ohne Sprache keine Integration: verpflichtende Sprachkurse und Berliner Werte-ErklĂ€rung einfĂŒhren, Integrationsverweigerung konsequent sanktionieren Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3110 vertagt Lfd. Nr. 65: Alleinerziehende unterstĂŒtzen! Flexible Kinderbetreuung berlinweit bedarfsgerecht anbieten Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3111 vertagt Lfd. Nr. 66: SchusswaffenkriminalitĂ€t in Berlin wirksam bekĂ€mpfen â Datenerhebung sicherstellen, illegalen Waffenbesitz konsequent verfolgen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3112 vertagt Lfd. Nr. 67: Berliner Fandialog auf Augenhöhe â RegelmĂ€Ăige Kommunikationsformate zwischen Fanbeauftragten, Sicherheitsbehörden und FuĂballvereinen aller Spielklassen unter Einbeziehung des AmateurfuĂballs einrichten Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3113 vertagt Lfd. Nr. 68: a) Jugendhaus fĂŒr alle! Keine Dominanz von Cliquen und keine Oasen fĂŒr Linksextremisten aus Steuermitteln Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3118 vertagt b) Jugendhaus fĂŒr alle! Zwang zur Separation ĂŒberwinden Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3119 vertagt Abgeordnetenhaus von Berlin 19. Wahlperiode Seite 8579 Plenarprotokoll 19/84 23. April 2026 c) Integrierte Jugendarbeit stĂ€rken: Ghetto der Gleichaltrigkeit durchbrechen und generationenĂŒbergreifende Angebote schaffen â Engagement im Verein statt trĂ€ges âAbhĂ€ngenâ im Jugendhaus Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3120 vertagt Lfd. Nr. 70: Wohnraum schaffen fĂŒr Auszubildende und Studenten â Umwandlung der FlĂŒchtlingsunterkunft in der SoorstraĂe 80-82, GebĂ€udeteil B Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3122 vertagt Lfd. Nr. 71: Seniorenmitwirkungsgesetz zukunftstauglich machen â Novellierung nicht weiter verschleppen! Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und der Fraktion Die Linke Drucksache 19/3124 vertagt Lfd. Nr. 72: ZahnĂ€rztliche Einrichtungen in TrĂ€gerschaft des Landes Berlin barrierefrei gestalten Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/3125 vertagt Lfd. Nr. 73: Das Recht auf Bildung fĂŒr geflĂŒchtete Kinder und Jugendliche umsetzen Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/3126 an BildJugFam Lfd. Nr. 74: EinfĂŒhrung eines Periodischen Sicherheitsberichts als ErgĂ€nzung zur Polizeilichen Kriminalstatistik Antrag der Fraktion BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Drucksache 19/3127 vertagt Lfd. Nr. 75: Verfassungskonforme Neuordnung der Berliner Beamtenbesoldung transparent und vollstĂ€ndig umsetzen Antrag der AfD-Fraktion Drucksache 19/3128 vertagt